Ahnenverehrung von Jürgen Rieger

ahnenverehrung Aus dem Vorwort von Riegers Buch Ahnenverehrung – Weg zur irdischen Unsterblichkeit: Im Anschluß an das Lesen von Spenglers Der Untergang des Abendlandes war ich schon vor geraumer Zeit zur Auffassung gelangt, daß die Beschäftigung mit dem Konfuzianismus für mich notwendig sei. Spengler hat anhand vieler Beispiele das Aufblühen, die Hochzeit und das Vergehen von Kulturen und Völkern dargestellt. Er hat die Kulturen quasi als ‚Pflanzen‘ gesehen, und das Vergehen als zwangsläufiges Schicksal jeder Kultur behauptet. Biologische Ursachen wollte er dafür nicht anerkennen. Ilse Schwidetzki hat in ihrer wichtigen Arbeit Das Problem des Völkertodes hingegen dargelegt, daß zwar Niederlagen in Kriegen zuweilen zum Verschwinden von Völkern geführt haben, sehr viel häufiger aber biologische Vorgänge in diesen Völkern selbst, nämlich Aussterben infolge Geburtenarmut, besonders bei den führenden Geschlechtern eines Volkes, Einwanderung oder Hereinholen Fremder mit nachfolgender Rassenmischung. Spengler mußte, um seine These zu halten, insbesondere bei den Chinesen die Tatsachen klittern. Sie sind – mit Ausnahme der Juden – neben den von ihnen religiös beeinflußten Japanern das einzige vor 2000 Jahren existierende Volk mit einer Hochkultur, das ohne Kulturumbruch nicht nur überlebt hat, sondern ungebrochen blüht. Um für unser eigenes Volk und unsere Rasse herauszufinden, warum dies so ist, habe ich mich deshalb vertieft mit jüdischen und chinesischen Grundsätzen befaßt. Das erfolgreiche Überleben des Judentums trotz Wanderbewegungen durch die ganze Welt scheint mir in dem Dünkel gegenüber allen anderen Völkern zu liegen, der absoluten Verachtung der Nichtjuden, wie sie schon im Alten Testament zum Ausdruck kommt, noch mehr dann im Talmud. […]

Dieser Weg der Selbsterhaltung kann für uns nicht vorbildlich sein. Nicht nur deswegen, weil – wenn vergleichbare Bestimmungen wie im Talmud von einer deutschen Religionsgemeinschaft gegenüber Nichtdeutschen aufgestellt würden – dies zum sofortigen Verbot wegen Volksverhetzung und entsprechenden Strafen für die Mitglieder führen würde, sondern weil eine solche Religionsgemeinschaft bei uns keine Anhänger finden würde. Unsere Menschenart ist viel zu objektiv, zu fair, als daß sie sich an solchen menschenverachtenden Verstiegenheiten, wie sie im Talmud zu finden sind, berauschen könnte. Wer glaubt, durch Aufrichten einer Haßreligion Menschen unserer Art gewinnen zu können, würde einen Holzweg beschreiten.

Maßgeblich konnte mithin nur die Beschäftigung mit den chinesischen Sittenwerten und Religionsauffassungen sein, wozu ich auch durch das Buch von R. Walther Darré Vom Lebensgesetz zweier Staatsgedanken gedrängt wurde. […]

Bei der Beschäftigung mit chinesischem Denken erkannte ich sehr schnell, daß weder Buddhismus noch Taoismus das Überleben des chinesischen Volkes gesichert hatten. Der Taoismus predigt das Nichtstun, dem Buddhismus ist ähnlich wie dem Christentum die Erde ein Jammertal, dem ins Nirwana zu entfliehen letztes Ziel unseres Erdendaseins sein müsse. Nietzsche hat zu Recht den Buddhismus als die konsequente Fortsetzung des Christentums bezeichnet. Beide Geistesströmungen haben aber – obwohl sie sich im heutigen Abendland mit Rücksicht auf die christliche Verbildetheit der Menschen steigender Beliebtheit erfreuen – auf das chinesische Denken in den letzten Jahrtausenden keinen bedeutsamen Einfluß gehabt. Entscheidend für China und das chinesische Überleben war Konfuzius.

Als er vor rund zweieinhalb Jahrtausenden lebte, war China in Auflösung begriffen; zahlreiche chinesische Fürstentümer bekriegten einander, die Sitten waren in Verfall geraten, Bräuche wurden nicht mehr gehalten. Es heißt (sicherlich legendenhaft), daß von hundert Familien, die die Lehren des Konfuzius aufgenommen haben, die gesamte heutige chinesische Bevölkerung abstammt. Schon früh wurden ihm nicht nur von seinen Nachkommen Opfer dargebracht, sondern auch von den Führenden des Reiches. Wie segensreich er für sein Volk gewirkt hat, wurde damit anerkannt.

Entscheidende Bedeutung haben nun – neben Restaurierung der alten Riten (Der Meister sprach: „Sieh nicht, was wider die Riten ist; höre nicht, was wider die Riten ist; sprich nicht, was wider die Riten ist; tu nicht, was wider die Riten ist.“) – für Konfuzius nur sittliche Regeln und die Ahnenverehrung gehabt. Ich werde dies in diesem Heft noch näher ausführen. Die Ahnen mußten (insbesondere durch Speiseopfer) durch Nachfahren, und zwar männliche Nachfahren ohne erbliche Mängel, verehrt werden, damit sie Ruhe und Frieden im Jenseits finden könnten und ihren Nachfahren im Diesseits hülfen. Für ein Überleben im Jenseits war deshalb zumindest ein Sohn – und, da dieser infolge Krankheit, Unfall oder Krieg sterben könnte, bevor er selbst Söhne hatte – am besten mehrere Söhne erforderlich. Dies führte zur entsprechenden Zahl von Töchtern, und das wiederum führte dazu, daß es heute 1,4 Milliarden Chinesen gibt.

Ich habe mich deshalb gefragt, ob es vergleichbares wie die chinesische Ahnenverehrung im heidnischen Germanentum gab, und fand: Die chinesische Ahnenverehrung findet zahlreiche Parallelen im Indogermanentum insgesamt und so auch im heidnischen Germanentum, wobei wir über die Ahnenverehrung der südöstlichen Indogermanen wegen zahlreicherer Quellen mehr wissen als aus unserem Raum, so daß ich sie hier schildere. Das Christentum hat mit mehr oder weniger Erfolg versucht, die germanische Ahnenverehrung auszurotten und an dessen Stelle die Heiligenverehrung und die der ‚armen Seelen‘ zu setzen. Noch im 13. Jahrhundert nach üblicher Zeitrechnung klagt der Prediger Berthold von Regensburg über die Dorfleute und nennt unter den Dingen, weshalb sie nicht in den Himmel kommen: „Und etliche glauben an heilige Brunnen, an heilige Bäume und an heilige Gräber auf dem Feld.“ Die Ahnenverehrung ist also unserer Menschenart wesensgemäß, und wenn wir einen vergleichbaren Überlebenserfolg für unsere Art wollen, wie es Konfuzius für sein chinesisches Volk wollte, dann liegt hier der Anknüpfungspunkt. Ich habe deshalb schon in der NZ 4/3787 (abrufbar auch auf unserer Internetseite) einen Aufsatz erscheinen lassen Ahnenverehrung – ein Kernpunkt unseres Glaubens. Wegen ihrer Bedeutung könnte man die Ahnenverehrung sogar geradezu als ‚den‘ Kernpunkt unseres Glaubens bezeichnen. Ich habe die Gedanken, die in jenem Aufsatz angerissen worden sind, in diesem Buch weiter ausgebaut und ergänzt, um germanischen Heiden die Bedeutung der Ahnen darzulegen. Vor der Verehrung der germanischen Götter stand die Verehrung der eigenen Ahnen. Es gab Bauern, die Göttern opferten; es gab aber ausweislich der Sagas auch andere, die das nicht als bedeutsam ansahen.

Was jeder nordländische Heide aber tat, war die Verehrung der eigenen Ahnen mit den entsprechenden Opferfeiern. Eine Wiederbelebung des germanischen Heidentums hat den Schwerpunkt mithin nicht zu legen auf die Götterverehrung, sondern neben der Restaurierung von Bräuchen und eines heidnischen Sittengesetzes auf die Ahnenverehrung. Dies haben viele Menschen unserer Art, die sich als germanische Heiden bezeichnen, nicht erkannt. So wie die Artgemeinschaft-GGG bei der Aufstellung des Artbekenntnisses und Formulierung eines heidnischen Sittengesetzes sowie Wiederausübung heidnischer Bräuche bahnbrechend für das germanische Heidentum nicht nur bei uns, sondern auch in anderen germanischen Völkern gewirkt hat, gehe ich davon aus, daß auch die Ahnenverehrung künftig stärker ins Bewußtsein germanischer Heiden weltweit geraten wird.
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Der folgende Artikel ist ursprünglich auf der Seite der Artgemeinschaft veröffentlicht worden.
Ahnenverehrung – ein Kernpunkt unseres Glaubens

In unserem Artbekenntnis heißt es unter Ziffer 5: „Unser Sein verdanken wir wesentlich Eltern und Ahnen. Wir bekennen uns zur Verehrung unserer Ahnen und wollen ihr Andenken an kommende Geschlechter weiterreichen.“ Eine Selbstverständlichkeit, mögen manche denken.

Hat diese Aussage denn wirklich eine religiöse Bedeutung? Meiner Auffassung nach handelt es sich hier um einen Kernpunkt unseres Glaubens! In Europa hat die Christianisierung und dann verstärkt die Entwicklung der letzten drei Jahrhunderte zahlreiche politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Umwälzungen bewirkt, die das unserer Art gemäße soziale Gefüge nahezu völlig vernichtet haben. Sippe und Großfamilie verloren an Bedeutung und schrumpften auf die Kleinfamilie ohne die bisherige enge Verbindung zwischen Großeltern und Enkeln zusammen. In zahlreichen Fällen besteht heutzutage nicht einmal mehr die Kleinfamilie, weil gewollt auf Kinder verzichtet wird. Der Verlust des Denkens in der größeren Verwandteneinheit führte zur individualistischen, liberalistischen Betrachtung der Welt und der eigenen Stellung darin. Bei einer solchen Betrachtungsweise ist es nur folgerichtig, keine Kinder mehr haben zu wollen, da diese – anders als noch in einer bäuerlichen Umwelt – keinen wirtschaftlichen Nutzen bringen, sondern nur erhebliche Kosten machen. Die Individualisierung der Einzelwesen führt also zwangsläufig zum Zusammenbruch eines solchen Sozialwesens durch Aussterben. So viel Geld, um die mit Kindern verbundenen finanziellen Nachteile voll auszugleichen, wird unserer heutiger Staat für die Familien nicht aufbringen, so daß ohne eine Neubesinnung in weltanschaulich-religiöser Hinsicht eine grundlegende Umkehrung der Einstellung zu Kindern nicht zu erreichen sein wird.

Welche Bedeutung hatte nun die Sippe früher?

Die Sippe war eine Gemeinschaft der Lebenden und der Toten: Zur Sippe gehörten die Ahnen dazu (Ahne geht auf dieselbe Wurzel wie Hauch, Wind zurück; es sind die Toten, die Seelen – vgl. P. Herrmann, Deutsche Mythologie, S. 6). Sie spendeten dem Geschlecht weiterhin Segen. Damit sie weiterwirken konnten, baute man ihnen eine Heimstätte, man barg sie in künstlich geschaffenen Bergen, in denen die Megalithkammern waren. Dort glaubte man die Verwandten weiterlebend.

In den Sagas findet sich die Geschichte von Thorstein, der im Herbst mit seinen Leuten zum Fischfang ausgefahren war. Als am Abend ein Schafhirt an dem Sippenhügel ‚Helgafell‘ vorbeikommt, sieht er, daß eine Seite des Berges offensteht. Im Innern des Hügels brennt wie in der Halle des Hofes ein großes Feuer. Lärm und Lachen und Klang von Trinkhörnern dringt in die Nacht. Er hört Stimmen, die Thorstein und seine Gefährten willkommen heißen und ihn einladen, seinem Vater Thorolf gegenüber im Hochsitz Platz zu nehmen. Der Schäfer berichtet das Gesehene Thorsteins Frau. Am nächsten Morgen kommt die Nachricht, Thorstein sei in der stürmischen See untergegangen. Ebenso ging in der Völsungensage Sigrun in den Hügel Helgis, des Sohnes von König Sigmund, und unterhält sich dort mit ihm.

Gräberraub gilt nach dem Gesetz wie Raub im Hause. Der Glaube, daß die Toten in Hügeln weiter leben, ist meiner Auffassung nach älter als die Vorstellung von Walhall, das sich die Gefolgsmänner mächtiger Könige in ihrer Vorstellung schufen, weil sie fernab der Hügel der Ahnen zu fallen drohten. Wilhelm Grönbech nennt als germanische Auffassung, daß die Toten das Leben fortsetzen, bis sie vergessen sind (I, S. 232). Jan de Vries betont: „Das germanische Sippengefühl gipfelt im Ahnendienst. Hier liegen die Urkräfte, aus denen die Sippe weiterlebt. Hier quillt in nie versiegender Fülle das Leben aller künftiger Geschlechter hervor […] Deshalb ist der Grabhügel auf dem Erbhof der Sippe auch ein heiliger und Kräfte spendender Mittelpunkt“ (S. 45f.). Auf dem Deckstein des Hügelgrabes wurden die Ehen geschlossen, und noch die schwäbischen Herzöge heirateten am Gunzenlee im Lechfeld, dem Grabhügel des Herzogs Gunzo aus dem 6. Jahrhundert (v. Kienle, S. 130). In Schwaben besucht das Brautpaar noch heute nach der kirchlichen Trauung zuerst die Gräber der Eltern oder anderen verstorbenen Angehörigen und lädt sie zu Gerste (P. Geiger, Deutsches Volkstum in Sitte und Brauch, 1936, S. 114). P. Herrmann meint, daß in der ältesten Zeit die Ahnen die hauptsächliche Verehrung bei der Hochzeitsfeier genossen hätten (P. Herrmann, S. 471).

Snorri sagt, als er um Rat angegangen wird: „Dann werden wir uns auf Helgafell setzen, denn immer sind die Ratschläge am besten gewesen, die dort gefasst wurden.“ (de Vries, Die geistige Welt der Germanen, 1964, S. 46). Von einigen Gräbern auf Island wird erzählt, daß sie Sommer und Winter grünten oder wenigstens nicht festfroren (Karl Weinhold, Altnordisches Leben, 1938, S. 342). Die aus Norwegen nach Island Auswandernden nahmen Erde vom Ahnengrab mit (v. Kienle, S. 130). Der Toten wurde auch im Jahreslauf gedacht. Das Julfest diente nicht nur dem Sonnenkult, sondern auch dem Totenkult. Helm meint, daß es bei den Goten das bedeutendste Fest zum Gedächtnis der Toten gewesen sei (Helm, Altgermanische Religionsgeschichte, Bd. II, 1937, S. 20). Nach dem Tode des Hausherrn wurde das Erbmahl im Norden zuweilen, nicht wie sonst üblich, dreißig Tage nach dem Tode durchgeführt, sondern zur Julfeier. Zum Ahnenkult gehörte schließlich auch die Blutrache: Sie wurde als eine der Seele des Toten gegenüber bestehende Verpflichtung der Blutsverwandten gesehen. (Helm, S. 20; Helm, in Nollau: Germanische Wiedererstehung, S. 323). Dazu kam, daß das Ansehen einer Sippe sank, wenn keine Rache genommen wurde. Da es keinen Staat gab, der das Recht durchsetzte, wurde eine solche Sippe rechtlos.

Ahnenverehrung bei den indogermanischen Römern und Griechen

Gern gab man einem Kind den Namen eines verstorbenen Vorfahren, weil man glaubte, daß das Kind dadurch verstärkt Heil haben würde. Wegen der großen Anzahl von Schriftquellen sind wir über die Ahnenverehrung der indogermanischen Römer besser unterrichtet. Die Totenfeiern begannen am Mittag des 13. Februars und endeten am 21. oder 22. Februar. Die Gräber wurden mit Blumen geschmückt, und es wurden dort Opfer und Spenden dargebracht. Es wurden ferner Lichter am Grab aufgestellt, und man bekränzte die Gräber an den Geburtstagen des Verstorbenen und am Jahrestage seines Todes. Beliebt waren Mähler am Grabe, bei denen man sich den Verstorbenen mitspeisend dachte. Ahnenbilder wurden in kleinen Schreinen im Atrium aufbewahrt, die bei festlichen Gelegenheiten geöffnet, gelegentlich auch mit Lorbeer geschmückt wurden. Die Totenmasken haben die Römer von den Etruskern übernommen. Am 22. Februar wurde den Ahnen auf einer patella Salz, Mehl und Fleisch dargeboten, wobei die Speisen vor Beginn der secunda mensa ins Feuer geworfen wurden. Die Penaten nahmen, in kleinen Figürchen verkörpert, an der Mahlzeit teil. Die patella ist ein einfaches irdenes Gefäß, was das Alter dieses Brauches beweist. Eine kleine Ration wurde täglich für die als Schutzgeister gedachten Ahnenseelen auf dem Herde oder auf einem kleinen Altar verbrannt. Diese Speiseopfer sind ein Rest altrömischer Ahnenverehrung, vielleicht altindogermanischer, denn die Speisung der Toten ist bei allen Indogermanen bezeugt (Franz Böhmer, Ahnenkult und Ahnenglaube im alten Rom, 1943).

Ein Nachklang ist noch bei uns im Volksglauben gegeben, daß dem Kobold täglich zu einer bestimmten Zeit am bestimmten Ort ein Schüsselchen mit Essen hingestellt werden muß, wenn er helfen soll (P. Herrmann, S. 149 f.); und P. Herrmann ist der Auffassung, daß den Geistern der Vorfahren auch bei den Germanen der Hausvater täglich im Herdfeuer Opfer darbrachte (S. 473).

Ahnenopfer und Ahnenverehrung sind auch in ganz Griechenland die Grundlage von Brauch und Sitte: „Das Geschlecht ist erst wirklich gestorben, wenn keine Nachkommen mehr das Andenken der Ahnen lebendig erhalten und durch Ahnenopfer auf den Hausaltären die Geister der Verstorbenen mit Nahrung versehen. Das Aussterben eines Hauses ist für den Hellenen der alten Zeit das schlimmste Verhängnis. Mit den Göttern seines Geschlechts, denen ihr Opfer fehlt, mit dem Erlöschen der Herdflamme verliert der Tote sein Heil, mit seinem Namen schwindet auch der Name aller seiner Vorfahren.“ (R. Walther Darré, Vom Lebensgesetz zweier Staatsgedanken, 1940, S. 38).

Lykurgos wollte den Gedanken der Ahnenverehrung mit der Stätte des Ahnenkultes auf ewige Zeiten fest verankern und gründete Erbhöfe, womit der Kultstätte der Ahnenverehrung eine wirtschaftliche Grundlage gegeben wurde. Soweit zu den verstorbenen Sippenangehörigen.

Wie weit reichte nun die Sippe bei den Lebenden?

Vereinfacht dargestellt, gehören dazu alle Verwandten bis zum dritten (altgermanischen) Glied(-Grad). Kinder, Geschwister und Eltern gehören als Familie nicht in den ersten Grad, anders als bei den Indoariern (Gesetzbuch des Manu) und Griechen, wo die Grenze des Totenkultes ebenfalls beim dritten Grad liegt, der dort aber die Urgroßeltern umfaßt (Richard v. Kienle, Germanische Gemeinschaftsformen, 1939, S. 127).

Zum ersten Grad gehören die Großeltern, die Elterngeschwister, die Geschwisterkinder und die Enkel. Zum zweiten Grad gehören die Urgroßeltern, die Großelterngeschwister und ihre Nachkommen, die Urenkel usw. Zum dritten Grad gehörten die Ururgroßeltern, die Urgroßelterngeschwister und ihre Nachkommen usw. Die altgermanische Geschlechterverfassung stellte also nicht – wie manche andere Geschlechterverfassungen nur auf die väterliche Linie ab, oder nur auf die mütterliche Linie, sondern auf die Gesamtheit der Verwandten innerhalb eines doch recht großen Kreises. Die Gesamtzahl dieser Verwandten hieß die ‚Sippe‘. Alle ihre Angehörigen waren untereinander sip, wie es in friesischen Rechtsquellen heißt.

Sie wurden mit dem Namen ‚Freunde‘ bezeichnet (friund), die Personen außerhalb des dritten Verwandtschaftsgrades wurden ‚Fremde‘ genannt.

Innerhalb dieses Kreises wurde geerbt. Alle Sippenangehörigen waren verpflichtet, bei Verletzung oder Tötung eines der Ihren Blutrache gegenüber der Sippe des Schädigers zu üben, und erhielten zur Sühne – wenn man sich verglich – von den Angehörigen der anderen Sippe einen abgestuften Geldanteil. Die Sippenangehörigen waren zur Eideshilfe vor Gericht verpflichtet, besorgten die Bestattung der Verwandten, halfen Verwandten, die in Not gerieten. Wir müssen uns die Großsteingräber, in denen teilweise weit über hundert Bestattungen vorzufinden sind, als Sippengräber vorstellen.

Die Christianisierung konnte überhaupt nur Erfolg haben, wenn diese Sippenverfassung zerschlagen wurde. In den Sachsenkapitularien wurde bei Todesstrafe verboten, Familienangehörige in den alten Sippengräbern zu begraben; sie mußten auf den christlichen Friedhof gelegt werden. Es wurde ferner bei Todesstrafe verboten, an den Gräbern bestimmte Bräuche auszuführen und auch Bonifatius verbietet Opfer für die Toten oder bei den Gräbern (P. Herrmann, S. 344). Aus anderen kirchlichen Bußbestimmungen wissen wir, daß es in den Häusern mutmaßlich aus Holz gefertigte Symbole gegeben hat, die mit dem Ahnenglauben zusammenhingen. Im Berliner Museum gibt es ein Tonköpfchen aus dem 4. oder 5. Jahrhundert mit der Runeninschrift ‚Fulgia‘ (= Folgegeist, Sippengeist; P. Herrmann, S. 48). Alles dieses suchte die Kirche auszurotten, oftmals mit Erfolg.

Die Zerschlagung des Sippendenkens sollte die Christianisierung ermöglichen und Platz schaffen für die Bindung an einen neuen Glauben, an Christus statt an die Ahnen. Die Ahnen waren die Heiligen und deshalb verbietet Indiculus Nr. 25 beliebige Tote zu Heiligen zu machen (P. Herrmann, S. 48). Wie stark auch noch in der Umbruchszeit dieser Glaube war, zeigt die Erzählung vom Friesenhäuptling Radbod, der – als er schon an der Taufschale stand – fragte, wie es mit seinen Vorfahren sei, ob die auch im Himmel seien, wohin er ja nun nach der Taufe kommen würde. Als ihm daraufhin erklärt wurde, seine Vorfahren seien als Ungetaufte selbstverständlich in der Hölle, zog er seinen Fuß vom Taufbecken zurück und erklärte, dann wolle er – gleichgültig wie es da aussehe – lieber nach dem Tode mit seinen Ahnen zusammen sein.

Die Sippe verlor ferner – unabhängig von den christlichen Angriffen – dadurch an Bedeutung, daß zunehmend häufiger Aufgaben, die sie wahrzunehmen hatte, vom Staate übernommen wurden. Die ursprüngliche Bedeutung können wir noch aus alten friesischen Rechtsquellen erschließen. Sie hat sich im Dithmarscher Geschlechterstaat noch bis ins Hochmittelalter erhalten. Vergleichbares gab es beim schottischen Clan-System noch länger. Die Industrialisierung und Vermassung, das Zusammenballen in Großstädten, die Aufhebung der ursprünglichen Siedlungseinheit der Sippe hat dann in den letzten Jahrhunderten – abgesehen von einer kurzen Renaissance in den dreißiger Jahren – den Sippengedanken verkümmern lassen.
Bücher von Jürgen Rieger:
Ahnenverehrung (2010)
Brauchtum im Artglauben (1998)
Sittengesetz unserer Art (2003)
Biographie: Jürgen Rieger – Anwalt für Deutschland (2010)

Autor: Germanenherz

Ich bin kein Christ "in dem heutigen Sinne", kein Zionist, kein Moslem oder sonst was. Ich bin auch kein Weißer, Grüner, Brauner oder Schwarzer. Kein Linker, kein Rechter und kein Befürworter einer erfundenen Richtung. Jeder soll als Person respektiert und keiner vergöttert Sein. Ich bin nicht auf dieser Erde, um zu sein, wie andere mich gerne hätten.

2 Kommentare zu „Ahnenverehrung von Jürgen Rieger“

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