Der Mythus des 20. Jahrhunderts Erstes Buch: II. Liebe und Ehre

Der Mythus des 20. Jahrhunderts

II. Liebe und Ehre
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Viele Kriege der letzten 1900 Jahre sind zu Glaubenskriegen gestempelt worden. Meist mit Recht, oft zu Unrecht. Daß aber überhaupt um einer religiösen Überzeugung willen Ausrottungskämpfe geführt werden konnten, zeigt, in wie hohem Maße es gelungen war, die germanischen Völker ihrem Urcharakter zu entfremden. Achtung eines religiösen Glaubens war für die heidnischen Germanen ebenso selbstverständlich wie für die späteren Arianer; erst die Durchsetzung des Anspruchs auf Alleinseligmachung seitens der römischen Kirche verhärtete das europäische Gemüt und rief im andern Lager naturnotwendig Verteidigungskämpfe hervor, die, da gleichfalls um eine artfremde Form geführt, ihrerseits eine seelische Verknöcherung hervorrufen mußten (Luthertum, Kalvinismus, Puritanismus). Trotz allem aber waren die meisten Kämpfe der führenden Helden unserer Geschichte weniger um theologische Glaubenssätze über Jesus. Maria, das Wesen des Heiligen Geistes, Fegefeuer usw. geführt worden, als um Charakterwerte. Die Kirchen aller Bekenntnisse erklärten: wie der Glaube, so der Mensch. Das war für jede Kirche notwendig und erfolgverheißend, da auf diese Weise der menschliche Wert von ihren Zwangssätzen abhängig gemacht, die Menschen also seelisch an die jeweilige kirchliche Organisation gefesselt wurden. Dagegen hat das nordisch-europäische Bekenntnis – bewußt oder unterbewußt stets gelautet: wie der Mensch, so sein Glaube. Noch genauer, so die Art bzw. der Gehalt seines Glaubens.

Seelische Zielstrebigkeit

Schirmte der Glaube die höchsten Charakterwerte, dann war er echt und gut, gleich mit welchen Formen Menschensehnsucht ihn Sonst umgeben haben mochte. Tat er es nicht, unterdrückte er stolze Eigenwerte, so mußte er im tiefsten Innern des Germanen als verderbenbringend empfunden werden. Zwei Werte sind es nun vor allen andern, an welchen sich seit bald zwei Jahrtausenden die ganze Gegensätzlichkeit zwischen Kirche und Rasse, Theologie und Glauben, Zwangsglaubenssatz und Charakterstolz offenbaren, zwei im Willen haften wurzelnden Werte, um die in Europa von je um die Vorherrschaft gerungen wurde: Liebe und Ehre. Beide strebten danach, als h ö ch s t. e Werte zu gelten; die Kirchen wollten – so sonderbar das auch klingen mag – durch die Liebe herrschen, die nordischen Europäer wollten durch Ehre frei leben oder frei in Ehren sterben. Beide Ideen fanden opferbereite Märtyrer, doch ihr Widerstreit gelangte nicht immer zum hellsten Bewußtsein, so oft er sich auch tatsächlich offenbarte.

Diese Erkenntnis ist unserer Zeit vorbehalten geblieben. Sie ist mythisches Erlebnis und doch klar wie weißes Sonnenlicht.

Liebe und Mitleid, Ehre und Pflicht sind seelische Wesenheiten, die, von verschiedenen äußeren Formen umhüllt, für fast alle kulturfähigen Rassen und Nationen treibende Kräfte ihres Lebens darstellen. Je nachdem nun der Liebe in ihrer allgemeinsten Fassung oder dem Ehrbegriff als solchem der erste Platz eingeräumt wurde, in der dieser seelischen Zielstrebigkeit entsprechenden Weise entwickelten sich Weltanschauung und Daseinsform des betreffenden Volkes Die eine oder die andere Idee bildete den Maßstab, an dem das ganze Denken und Handeln gemessen wurde. Um aber ein bestimmendes Kennzeichen für eine Zeitepoche zu schaffen, mußte das eine oder andere Ideal vorherrschen. Nirgends ist nun der Kampf zwischen (Das heroische Alt-Indien) diesen beiden Ideen tragischer zu verfolgen als in den Auseinandersetzungen zwischen der nordischen Rasse, bzw. den von ihr unterschiedlich bestimmten Völkern mit der jeweiligen rassischen und weltanschaulichen Umwelt.

Angesichts der entstehenden Frage, welches Motiv vor allen anderen für die nordische Rasse sich als das seelen-, staaten- und kulturbildende erwiesen hat, erscheint es mit Händen greifbar, daß nahezu alles, was den Charakter unserer Rasse, unsere Völker und Staaten erhalten hat, in erster Linie der Begriff der Ehre und die Idee der mit ihr untrennbar verbundenen, aus dem Bewußtsein der inneren Freiheit stammenden Pflicht gewesen ist. In dem Augenblick aber, in dem Liebe und Mitleid (oder wenn man will: Mitleiden) vor herrschend wurden, beginnen die Epochen der rassisch-völkischen und kulturellen Auflösung in der Geschichte aller jemals nordisch bestimmten Staaten.

Es wird heute bis zum Überdruß Hinduismus und Buddhismus gepredigt. Die meisten von uns besitzen nun von Indien keine andere Vorstellung als wie sie uns Theosophen und Anthroposophen vermitteln. Wir sprechen von Indien als von einer weichmütigen im All zerfließenden, Menschenliebe und Mitleiden als Höchstes lehrenden Weltanschauung. Ohne Zweifel berechtigen die im Grenzenlosen verfließende späte Philosophie, die Vedanta-Atman-Brahman-Lehre, der Erlösung vom Leiden dieser Welt erstrebende Buddhismus nebst tausenden in der ganzen indischen Literatur zerstreuten Sprüchen zu dieser Auffassung: „Es gibt nichts, was durch Milde nicht vollbracht werden könnte.“ „Glücklich sind diejenigen, die sich in den Wald zurückziehen, nachdem sie zuvor der Bedürftigen Hoffnung erfüllt, selbst den Feinden Liebes erwiesen haben“ usw. Und doch ragen in diese liebe- und mitleidvollen Erzeugnisse der indischen Spätzeit ganz andere, ältere Anschauungen hinein, die nicht persönliches Glücksgefühl (Das Mahabaratam) und Leidlosigkeit als einzig erstrebenswertes Ziel anerkennen, sondern Pflichterfüllung und Behauptung der Ehre. In einem der ältesten indischen Gesänge wird die Pflicht sogar als „sechster Innensinn“ gepriesen; im Mahabaratam dreht sich (in seiner ursprünglichen Form) der ganze Kampf um diese Idee. Held Fima, der nur ungern am Kriege teilnimmt, sagt, er verließe seinen Herrscher, „wenn nicht mein Herr Juzischthira mich hielte mit der Fessel Pflicht des Kschatria, daß ich sogar die teuren Enkel ohne Erbarmen mit seinen Pfeilen treffen soll“. Der starke Karna sagt:

Die Ehre, wie eine Mutter verleiht
dem Menschen Leben in der Welt,
Ehrlosigkeit verzehrt das Leben,
wenn auch des Leides Wohl gedeiht.

König Durjozana wird allen Kriegsgesetzen entgegen zu Fall gebracht und klagt:

Schämt ihr euch nicht, daß Fimasen
Unehrlich mich erschlagen hat?
Wir haben ehrlich immer gefochten,
und Ehre bleibt im Siege uns.
Ihr habt unehrlich immer gekämpft
und habt mit Schande euren Sieg.
Ich aber habe die Erde beherrscht
bis an des Meeres fernen Strand,
bin mutig vor dem Feind gestanden
und sterbe jetzt, wie sich ein Held
zu sterben wünscht, im Dienst der Pflicht,
und Steige von der Freunde Schar
begleitet, zu den Göttern hinauf . . .

Das sind gewiß ganz andere Töne, als wir sie sonst in den bekannten Gesängen vorfinden. Diese und hundert andere Stellen indischen Schrifttums beweisen aber, daß auch der alte Inder — und der war es, der Indien (Alexander und Prosos) erschuf – sein Leben ließ nicht um der Liebe, sondern um der Pflicht und Ehre willen. Ein Ungetreuer wurde auch im arischen Indien verdammt, nicht weil er lieblos, sondern weil er ehrlos geworden war. „Besser das Leben aufzugeben als die Ehre zu verlieren: die Hingabe des Lebens fühlt man nur einen Augenblick, den Verlust der Ehre aber Tag für Tag“, sagt ein Volkswort*. „Dem Helden scheint es im Herzen, als ob ein Zweck durch Heldenmut, einem Feigen, als ob er durch Feigheit zu erreichen sei“, stellt ein anderer Spruch fest und nimmt die Wertung vorweg. Man schärfe seine Augen für diesen Zug altindischen Wesens bis hinauf zum tapferen König Poros, der, von Alexander in ehrilcher Feldschlacht besiegt, doch ein ganzer Ritter bleibt. Verwundet, floh er doch nicht vom Schlachtfeld als alle anderen auseinander liefen:“Wie soll ich mit dir verfahren?“ fragte Alexander den besiegten Gegner. „Königlich“, war die Antwort. „Nichts weiter?“, meinte der Mazedonier. „Im Worte königlich liegt alles“, lautete die Antwort. Und Alexander vergrößerte das Herrschgebiet des Poros, der ihm von nun an ein treuer Freund war. Ob diese Erzählung geschichtlich ist oder nicht, ist gleichgültig. sie zeigt aber den inneren Wertmesser der Ehre, Treue, Pflicht und Tapferkeit, die beiden Helden und offenbar auch dem Geschichtsschreiber gemeinsam, ja selbstverständlich waren.

Dieser männliche Ehrbegriff hat die altindischen Königreiche gehalten, die Voraussetzung einer gesellschaftlichen Bindung gegeben. Als aber dieser Ehrbegriff durch rituell-religiöse, mit Rassenzersetzung im Zusammenhang stehende, alle Erdenschranken verneinende philosophische Systeme verdrängt wurde, traten religiöse dogmatische dann wirtschaftliche Gesichtspunkte maßgebend hervor. Mit der auf das Erdenleben übertragenen Philosophie des Atman-Böthlingk: „Indische Sprüche“. (Die Weichheit des griechischen Charakters) Brahman verneinte – wie früher ausgeführt – der Arier seine Rasse, damit seine Persönlichkeit, damit aber auch die Idee der Ehre als seelisches Rückgrat seines Lebens.

Liebe und Mitleid – selbst wenn sie „die ganze Welt“ zu umfassen vorgeben – richten sich doch stets an das einzelne liebende oder leidende Wesen. Der Wunsch aber, andere oder Sich von Leiden zu befreien, ist ein rein persönliches Gefühl, das kein wirklich starkes volk- oder staatenbildendes Element enthält. Die Liebe zum Nächsten oder zum Fernsten kann Taten höchster Opferwilligkeit Zeugen, ist aber gleichfalls eine auf das Einzelhafte bezogene seelische Kraft, und kein Mensch hat noch im Ernst die Opferung eines ganzen Staates, eines ganzen Volkes um einer nicht mit diesem selbst in Beziehung stehenden Liebe willen gefordert. Und nirgends noch ist ein Heer dafür gefallen.

Wesentlich weicher als altindisches tritt uns das athenische Leben entgegen. Zwar spricht auch hier ein heroisches Epos von Heldentaten; diese aber sind mehr ästhetisch begründet. (Näheres im zweiten Buche.) Die dreihundert Spartaner vor Thermopylae gelten uns jedoch als Gleichnis für Ehre und Pflichterfüllung. Nichts zeugt auch für die uns Abendländer bewegende Kraft besser, als unsere Wiederherstellungsversuche griechischen Lebens, die lange als Geschichte galten. Wir konnten es uns gar nicht anders denken, als daß alle Hellenen von Ehre und Pflicht getrieben worden waren; erst sehr spät haben wir uns von der Weichheit des griechischen Lebens nach dieser Richtung hin überzeugen müssen. Der phantasiebegabte Grieche nahm es auch im gewöhnlichen Leben mit seinem Wort nicht sehr genau, den nüchtern juristischen Wert einer Beteuerung anerkannte er kaum. Hier entdecken wir gleichsam die verwundbarste Stelle des griechischen Charakters, hier war auch das eigentliche Einfallstor für das  (Schönheit, der griechische Zuchtbegriff) händlerisch-betrügerische Vorderasiatentum, so daß Lüge und Falschheit später ständige Begleiterscheinungen des „griechischen“ Lebens bildeten, welche Lysander zu dem Wort veranlaßten, Kinder betrüge man mit Würfeln, Männer mit Eiden. Trotzdem aber war der echte Grieche von einem Freiheitsgefühl durchdrungen, das man durchaus als im Ehrbewußtsein verankert bezeichnen muß. Die Tötung der Frauen und Selbstmord der in einer Schlacht besiegten Männer ist keine seltene Erscheinung. „Gib dich nicht in Knechtschaft, solange es dir noch offen steht, frei zu sterben“, lehrt noch Euripides. Die Erinnerung an die Tat der Phokier, die vor der Schlacht ihr zurückgebliebenes Volk mit einem Holzwall umgaben mit der Weisung, diesen im Falle der Niederlage anzuzünden, bleibt ein heroisches Zeugnis von starker Symbolik. Die Nachfahren des Zakynthos zogen es vor, lieber in den Flammen zu sterben, als den Puniern in die Hände zu fallen. Selbst noch in später Zeit (200 v.Chr.) sind Zeugnisse mythischer Heldenhaftigkeit nachweisbar, z. B. aus Abydos, das, von Philipp dem Jüngeren belagert, sich nicht ergibt, vielmehr erstechen die Männer ihre Kinder und Frauen, stürzen sich selbst in die Zisternen und vernichten die Stadt durch Feuer. Die gleiche Wertung des Lebens, der Freiheit und der Ehre durchzieht auch altgriechisches Frauentum, falls es galt, dieses vor Schändung zu schützen. So erhängte sich, von ihrer Mutter selbst veranlaßt, Eurydike; bei der Überwältigung des Herrschers von Elis im 3. Jahrhundert, erhängte sich dessen Gattin mit ihren beiden Töchtern.

Immerhin ist jedoch zugegeben, daß die Statik des griechischen Lebens nicht von dem Charakter, sondern von der Schönheit bedingt war, was, wie gesagt, die politische Zerfahrenheit zur verhängnisvollen Folge hatte.

Durch Alexander bemächtigte sich wieder ein Zuchtbegriff des spätgriechischen vorwiegend ästhetischen Daseins, der Sich Seiner Verschiedenartigkeit auch rassisch bewußt gewesen ist. (Die Staatsgründungen der Wikinger) Alexander verfolgte nicht unbedingt das Ziel einer Weltmonarchie und Völkervermischung, sondern wollte nur die als rassisch verwandt erkannten Perser und Griechen vereinigen, sie unter eine Herrschaft bringen, um weitere Kriege zu vermeiden. Er erkannte die treibenden Ideen und Charakterwerte der persischen Oberschicht als seiner mazedonischen Pflichtauffassung verwandt an: auf leitende Posten setzte er deshalb nur mazedonische Führer oder Perser; Semiten, Babylonier und Syrier wurden ganz bewußt ausgeschaltet. Nach Alexanders Tod bemühten sich die Nachfolger, seinen staatlichen Typus in ihren Ländern und Provinzen durchzusetzen. Wie ein Held aus Urzeiten ragt hier der einäugige Antigonus hervor, der als Achtzigjähriger im Kampf gegen die „rechtmäßigen“ Erben auf dem Schlachtfelde fällt, da er die erstrebte Einheit des Reiches nicht zu erstreiten vermochte. Die nordisch-mazedonischen Pfropfkulturen aber waren nicht dauerhaft genug. Sie vermittelten zwar griechisches Wissen, griechische Kunst und Philosophie, aber sie besaßen nicht die Kraft, Typen zu bilden, ihre Ehrbegriffe durchzusetzen. Das unterjochte fremde Blut siegte, die Zeit des geistreichelnden charakterlosen Hellenismus begann.

Wenn irgendwo der Begriff der Ehre Zentrum des ganzen Daseins gewesen ist, so im nordischen, im germanischen Abendland. Mit einer in der Geschichte einzig-artigen SelbstherrIichkeit tritt der Wiking in der Geschichte auf. Das unbändige Freiheitsgefühl stößt bei einsetzendem Bevölkerungszuwachs eine nordische Welle nach der anderen über die Länder. Mit verschwenderischem Blutaufwand und heldischer Unbekümmertheit errichtete der Wiking seine Staaten in Rußland, in Sizilien, in England und in Frankreich. Hier walteten die urwüchsigen Rassentriebe ohne jede Bindung und Zucht, ungehemmt durch erzieherische Zweckmäßigkeitsüberlegungen oder genau bestimmte rechtliche Ordnung. Das einzige Schwergewicht, welches der (Die Ehre, das germanische Zentrum) Nordmann mit sich trug, war der Begriff der persönlichen Ehre. Ehre und Freiheit trieben die einzelnen in die Ferne und Unabhängigkeit, in Länder, wo Raum für Herren war, oder ließen sie auf ihren Höfen und Burgen bis zum letzten Mann um ihre Selbständigkeit kämpfen. Die geniale Zwecklosigkeit, fern aller händlerischen Überlegung, war der Grundzug des nordischen Menschen, als er trotz allem wilden jugendlichen Sturm geschichtsbildend im Abendlande auftrat. Um die Einzelpersonen gruppierten sich die engeren Gefolgsleute, was dann nach und nach zur Aufrichtung gewisser gesellschaftlicher Lebensgebote führen mußte, da schließlich überall nach einer Wanderung eine Seßhaftigkeit bäuerlicher Art folgte (die im Süden allerdings schnell verfiel, in spätmorgenländischer Pracht der Verwesung zugrunde ging). „Selten bietet sich dem Betrachter ein zweites Beispiel in der Geschichte, bei dem die Haltung eines Volkes so rein und vollkommen von einem einzigen Höchstwert aus bestimmt würde: alle Macht, aller Besitz, jede Bindung, jede Handlung steht im Dienst der Ehre, der auch das Leben nötigenfalls unbedenklich und ohne Wimperzucken zum Opfer gebracht wird. Wie das Gesetz der Ehre das Leben beherrscht, so spiegelt es sich in der Dichtung und zieht als Grundprinzip durch die Sagenwelt: keinem zweiten Wort begegnet man da so häufig wie der Ehre. Darum ist die nordische Heldenwelt bei all ihrer wilden Zerrissenheit, ihrem überschäumenden Subjektivismus doch so einheitlich in Wesen und Schicksalslinie.“* Es tut wohl, diese Erkenntnisse in Kreisen deutscher Lehrer vorzufinden, die bisher in gräzisierendem Aesthetizismus befangen waren. H i e r ist der Schicksalsnerv unserer ganzen Geschichte berührt; aus der Art der Wertung des Ehrbegriffes wird sich auch unsere ganze deutsche, unsere „europäische“ Zukunft entscheiden. Mochte der altnordische* Krieck: „Menschenformung“, S. 154, (Seelenzentren des Abendlandes) Mensch auch gewalttätig vorgehen, so zeugte das ehrbewußte Zentrum seines Wesens auch in Kampf und Tod eine reine Atmosphäre Der Krieg konnte brutal geführt werden, aber sich zu seinen Taten bekennen, galt als erste Voraussetzung des nordischen Mannes (Krieck). Dieses von jeder einzelnen Persönlichkeit geforderte Verantwortlichkeitsgefühl war die wirksamste Abwehr sittlichen Sumpfes, jener heuchlerischen Wertezersetzung, die im Lauf der abendländischen Geschichte in den verschiedenen Formen der Humanität als „feindliche Versuchung“ über uns gekommen ist. Bald nannte sie sich Demokratie, bald soziales Mitleid, bald Demut und Liebe. Die persönliche Ehre des Nordländers erforderte Mut, Selbstbeherrschung. Er schwätzte nicht Stundenlang wie die griechischen Helden vor jedem Kampf; er schrie nicht wie diese, wenn sie verwundet wurden, sondern sein Ehrbewußtsein forderte Gelassenheit und Kräftesammlung. Von hier aus gesehen, ist tatsächlich der Wiking der Kulturmensch, der ästhetisch vollendete späte Grieche aber der zurückgebliebene, zentrumslose Barbar. Das Wort Fichtes, „Wahre Kultur ist Gesinnungskultur“, deckt unser echtes nordisches Wesen auch gegenüber anderen Kulturen auf, deren Höchstwert nicht Gesinnung, und das ist für uns gleichbedeutend mit Ehre und Pflicht, ist, sondern ein anderer Gefühlswert, eine andere Idee, um die ihr Leben kreist.

Die Geschicke der abendländischen Völker haben sich im Lauf der Zeiten, durch verschiedene Umstände bedingt, sehr mannigfach gestaltet. Überall, wo nordisches Blut vorherrscht, ist der Ehrbegriff vorhanden. Jedoch vermischt er sich auch mit anderen Idealen. Das zeigt sich, um ein Ergebnis vorwegzunehmen, in den Worten des Volksmundes. Im Russentum ist die Idee einer Kirchlichkeit, eines Religionsgefühls herrschend geworden, das selbst dem wildesten Ausbruch eine religiös-inbrünstige Verhüllung verleiht (man vergleiche z. B. in Dostojewskis „Idiot“ den (Die Liebeslehre des Christentums) Mann, der um einer Silbernen Uhr willen mordet, aber vorher ein Gebet hersagt), der Russe spricht von seinem Vaterland deshalb als von der „Swjataja Rossija“, d. h. als vom heiligen Rußland. Der Franzose geht formalästhetisch ästhetisch an das Leben heran; für ihn ist Frankreich deshalb die „Belle France“. Ähnlich der Italiener. Der Engländer ist stolz auf seine folgerichtige geschichtliche Entwicklung, auf Überlieferung, feste typische Lebensformen. Er bewundert deshalb sein „Old England“. Bei uns aber spricht man trotz vieler unheiligen Eigenschaften immer noch mit gleicher Inbrunst von „Deutscher Treue“, was beweist, daß unser metaphysisches Wesen noch immer das „Mark der Ehre“ als Seinen ruhenden Pol empfindet.

Um diesen Ehrbegriff ist denn auch letzten Endes der bereits Jahrtausende dauernde Kampf gegangen, als das nordische Europa sich dem bewaffneten römischen Süden gegenüber sah und schließlich im Namen der Religion und der christlichen Liebe unterjocht wurde.

Es steht wohl außer Frage, daß auch ohne den Eingriff des bewaffneten römisch-syrischen Christentums eine Epoche germanischer Geschichte – das mythologische Zeitalter – zu Ende ging. Die Natursymbolik wäre einem neuen sittlich-metaphysischen System, einer neuen Glaubensform gewichen. Diese Form aber hätte fraglos denselben seelischen Gehalt umgeben, die Idee der Ehre als Leitmotiv und Maßstab gehabt. Nun drang durch das Christentum ein anderer seelischer Wert ein und beanspruchte die erste Stelle: die Liebe, im Sinne von Demut, Barmherzigkeit, Unterwürfigkeit und Askese. Heute ist es jedem aufrichtigen Deutschen klar, daß mit dieser alle Geschöpfe der Welt gleichmäßig umfassenden Liebeslehre ein empfindlicher Schlag gegen die Seele des nordischen Europas geführt worden ist. Das Christentum, wie es sich als System (Christentum ohne Idee der Ehre) herausgebildet hatte, kannte nicht den Gedanken des Rassen- und Volkstums, weil es eine gewaltsame Einheitsverschmelzung verschiedener Elemente darstellte; es kannte auch die Idee der Ehre nicht, weil es in Verfolgungspätrömischer Machtziele auf Unterjochung nicht nur der Leiber, sondern gerade auch der Seelen ausging. Nun ist aber bezeichnend, daß auch der Gedanke der Liebe sich gerade in der Führung der kirchlichen Einrichtungen nicht durchzusetzen vermochte. Der Aufbau des römischen Systems ist vom ersten Tage an sowohl organisatorisch wie dogmatisch grundsätzlich und bewußt unduldsam und allen anderen Systemen gegenüber ablehnend, um nicht zu sagen haßerfüllt gewesen. Wo es konnte, ist es mit Exkommunikation, Ächtung, Feuer, Schwert und Gift vorgegangen, um sich allein durchzusetzen. Sehen wir von sittlichen Wertungen ganz ab, und stellen wir nur diese Tatsache fest, die ja selbst von neuzeitlichen römisch-katholischen Schriftstellern nicht geleugnet wird. Diese Tatsache aber beweist mehr als alle anderen, daß der Idee „Liebe“ keine typenbildende Kraft innewohnt: denn selbst die Organisation der „Religion der Liebe“ ist ohne Liebe aufgebaut gewesen. Und zwar liebloser als andere typenschaffende Mächte. Die alten Goten duldeten – wie Döllinger bezeugt – sowohl den katholischen als auch einen anderen Glauben und bewiesen diesem seelischen Glaubensbedürfnis als solchem Ehrfurcht. Was überall verschwand, wo der Geist des „Bonifazius“ und das Zwangsgesetz der „Liebe“ siegten*. Es fällt keinem Deutschen

* Man vergleiche z. B. im Gegensatz zu dem römischen Verfolgungswillen die Haltung des „heidnischen“ Friesen-Königs Radbod. Er blieb dem Glauben seiner Väter treu, verfolgte aber die christlichen Prediger nicht. Als nun einige besonders auffällige christliche Apostel vor ihn gebracht wurden, und einer von ihnen angesichts der hervorgerufenen Empörung doch tapfer den neuen Glauben vertrat, sagte der „heidnische“ König: „Ich sehe, daß du unsere Drohung nicht fürchtest und daß deine Worte sind wie deine Werke“, und sandte die Prediger „mit allen Ehren zu Pippin, dem Herzog der Franken, zurück“. So berichtet Alcuin. An Seelenadel steht dieser heidnische Friesenköing weit über den „Stellvertretern Gottes“ in Rom, die darauf ausgingen, diese innere Freiheit und Ehrfurcht aus der Welt zu verbannen. (Spannungen in der germanischen Geschichte) leicht, eine verneinende Wertung dem etruskisch-jüdisch-römischen System gegenüber auszusprechen: denn wie immer dieses auch aufgebaut sein mag, so ist es doch geadelt durch Hingabe von Millionen deutscher Menschen. Sie haben das Fremde darin mit dem seelenverwandt, Anmutenden, zusammen übernommen, das erste weniger beachtet, das zweite liebevoll ausgestaltet und innerhalb des Ganzen manchen nordischen Wert durchzusetzen gewußt. Nichtsdestoweniger ist es ein Erfordernis der Wahrhaftigkeit, heute, in einer Zeit der größten Seelenwende, das Lebenfördernde und das Lebenschädigende Roms in bezug auf das ureigenste Wesen des germanischen Abendlandes zu prüfen. Nicht vom Standpunkt eines persönlichen Übelwollens, sondern durch Überschauen der großen Spannungen und Entladungen einer weit über zweitausendjährigen Geschichte und im Untersuchen der diese Erschütterungen bedingenden rassen-seelischen Werte. Und da sehen wir denn, daß der im Wesen gleiche Kampf des Griechen- und Römertums auch dem Germanen zugefallen ist. Er kann diesem Kampf ebensowenig entrinnen, wie die beiden anderen großen nordischen Völkerwellen, weil diese bei ihrem Zurückfluten die von ihnen einst niedergerungenen asiatischen Seelenwerte und das diese Werte verkörpernde Menschenmaterial mit sich trugen. Mit sich trugen über Hellas, über die Alpen hinweg über die Grenzen des germanischen Lebensraumes, zeitweise ins Herz der nordischen Rasse selbst.

Gefahren germanischer Großherzigkeit

Spürt man aber den Ursachen dieses großen Erfolges nach, so wird man neben der früheren technischen Überlegenheit des alten erfahrenen Südens und dem Zeitpunkt einer Krise im religiösen Leben der Germanen – was einen so lange dauernden Sieg nicht erklärt hätte – den Anruf der germanischen Großherzigkeit als eine der wichtigsten Bedingungen entdecken. Dieser im Siegfried für ewig gleichnishaft gestaltete Großmut, der beim Gegner auch den gleichen Ehrenwert und offene Kampfform voraussetzte, ja in gradliniger Kindlichkeit selbst auch später das Gegenteil noch immer nicht anzunehmen vermochte, hat dem Germanen im Verlauf seiner Geschichte manchen schweren Zusammenbruch eingetragen: damals, als er Rom zu bewundern begann, in neuerer Zeit, als er die Judenemanzipation durchführte und somit dem Gift die Gleichberechtigung mit dem gesunden Blut verlieh. Das erste rächte sich furchtbar in den Ketzerkriegen, in dem dreißigjährigen Ringen, das Deutschland nahe an den Abgrund brachte, das zweite rächt sich heute, da der vergiftete deutsche Volkskörper in schwersten Zuckungen liegt. Und immer noch rufen beide uns feindliche Mächte die Großmut des Schwerkranken an, rufen nach seiner „Gerechtigkeit“, predigen die „Liebe“ zu allem „Menschlichen“ und sind bemüht, sämtliche noch vorhandenen Charakterwiderstände endgültig zu zernagen.

Ein restloser Sieg dieser „Humanität“ würde die gleichen Folgen haben, wie einst die Siege Vorderasiens über Athen und Rom, so daß dieses, einst der Todfeind des Etrusko-Pelasgo-Syriertums, geradezu der Hauptvertreter dieser Mächte wurde, nachdem die einstigen Werte des alten Roms zusammengebrochen waren. Schon damals durch physische Zersetzung und Predigt der unterschiedslosen Menschheit und Liebe. Die Lehre von der Liebe aber war auch in ihrer schönsten Erscheinung keine Typenkraft, sondern eine Widerstände zerschmelzende Macht. (Die liebelose Kirche) Die Kirche selbst, als Zuchtform, konnte und durfte keine Liebe kennen, um sich als typenbildende Kraft zu erhalten und weiter durchzusetzen. Aber sie konnte Macht-politik mit Hilfe der Liebe treiben sind das Persönlichkeitsbewußtsein, die Idee der wehrhaften Ehre und der Mannespflicht umgewandelt in Demut und liebevolle Hingabe, so ist der Widerstandsantrieb gegen die diese Gläubigen organisierende und leitende Macht gebrochen. „Eine Herde und ein Hirt!“ Das ist, wörtlich genommen, wie es gefordert wurde, die klarste Kampfansage an den germanischen Geist gewesen Hätte dieser Gedanke restlos gesiegt, so wäre Europa heute nur ein viele hundert Millionen zählender charakterloser Menschenhaufen, regiert mit Hilfe hochgezüchteter Furcht vor Fegefeuer und ewiger Höllenqual, im Kampf um das Ehrgefühl durch die „Liebe“ gelähmt, die besseren Reste in den Dienst einer „humanitären“ Wohltätigkeit, der „Caritas“ gestellt. Das ist der Zustand, welchem das römische System zustrebte, zustreben mußte, sofern es als solches und als geistige und politische Macht überhaupt bestehen wollte.

Ich habe hier keine Dogmengeschichte zu Schreiben, sondern möchte nur ein folgerichtiges System schildern, mit dem (was sein Wesen betrifft) ein erwachender nordischer Mensch auf die Dauer in schwerste seelische Konflikte kommen muß. Entweder unterwirft er sich ihm vollkommen (wie zeitweise im Mittelalter), oder er lehnt es gefühlsmäßig und bewußt grundsätzlich ab. Im ersten Fall wird auf kurze Zeit eine äußerliche Einheitlichkeit erzielt werden, die jedoch an ihrer organischen Unmöglichkeit zerspringen muß, wie die Kämpfe von Widukind bis Döllinger zeigen; im zweiten Fall ist der Weg frei für echte organische Kultur und eine echte blut- und artgemäße Glaubensform. Die letzten Jahrhunderte standen im Zeichen eines stillosen Kompromisses, der keine (Der priesterliche Männerbund) weltanschaulichen Grundfragen, sondern nur organisatorische und politische Machtverhältnisse berührte.

Bezeichnend ist für das römische Christentum, daß es die Persönlichkeit des Stifters nach Möglichkeit ausschaltet, um den kirchlichen Aufbau einer Priesterherrschaft an ihre Stelle zu setzen. Jesus wird zwar als das Höchste und Heiligste, als die Quelle alles Glaubens und alles Segens hingestellt, aber nur zu dem Zweck, um die ihn vertretende Kirche mit dem Glorienschein des Ewigen und Unantastbaren zu umgeben. Denn zwischen Jesus und den Menschen schieben sich die Kirche und ihre Vertreter ein, mit der Behauptung, daß der Weg zu Jesus nur durch die Kirche führe. Und da Jesus nicht auf Erden weilt, hat der Mensch es eben nur mit dieser Kirche zu tun, die „bevollmächtigt“ ist, auf ewig zu binden oder zu lösen. Die Ausnutzung des einmal gezüchteten Glaubens an Jesus den Christus („den waltenden Christ“, wie der Dichter des Heliand sagt) für die Machtpolitik eines sich selbst vergötternden Priesterbundes macht ebenso das Wesen Roms aus, wie es, unter anderem Namen, das Wesen der Priesterpolitiker in Ägypten oder in Babylon und Etrurien gewesen ist.

Um die die Macht des priesterlichen Männerbundes schützenden Lehrsätze und Verordnungen zu kräftigen, wurde eine große Dialektik frommer Väter verwendet, welche alle Kirchenverfügungen der 1500 Jahre auf die Evangelien zurückführten, jedoch mit der Betonung, daß die Kirche auch allein das Recht besitze, allgemeingültige unfehlbare Lehrsätze zu erlassen. Das kirchliche Christentum katholischer Form und protestantischer Abart liegt heute als geschichtliche Erscheinung vor uns; Anfang und Ende lassen sich klar überblicken. Der Bau ist abgeschlossen, jedes Gebälk hat seine Stützbalken, die dogmatischen Erlasse finden alle ihre „Begründungen“. Nun ist die Erstarrung eingetreten; man darf also über den Aufbau sprechen,  (Die Kirche steht über Jesus) ohne befürchten zu müssen, eine noch werdende lebendige Erscheinung in ihren treibenden Kräften falsch zu deuten. Dr. Adam, ein führender katholischer Programmatiker, versichert: „Der Katholizismus ist nicht schlechtweg mit dem Urchristentum identisch, oder gar mit der Botschaft: Christi zu identifizieren, so wenig wie der ausgereifte Eichenbaum mit der kleinen Eichel.“* Hier ist die öffentlich geheiligte Überheblichkeit der Kirche (das Werk trägt den Stempel „Imprimatur“) über Jesus mit dürren Worten ausgesprochen und alle weiteren Verherrlichungen Christi dienen, wie gesagt, nur dazu, die Herrschergewalt der Kirche, nicht die „Botschaft Christi“ – der „kleinen Eichel“ – zu erhöhen. Das kirchliche Amt ruht ganz in den Händen des Priesters, der durch Handauflegen zum Vertreter der apostolischen Gewalt wird. Zur Begründung dieser Lehre wird das Wort Jesu zu Petrus genannt, laut welchem er ihn den Fels heißt, auf den er seine Kirche bauen werde. Die Tatsache, daß dieses Wort viel später von einem treuen Diener der Kirche in die alten Texte hineingefälscht worden ist**, hindert natürlich nicht, diesen nachweislich unwahren Lehrsatz unermüdlich in der ganzen Welt als Botschaft Jesu zu wiederholen. „Wenn der katholische Priester das Wort Gottes verkündet, so

* Adam: „Das Wesen des Katholizismus“, 1925.
** Diese Stelle (Matthäus 16, 18–19) kennzeichnet sich selbst als eine reichlich plumpe der vielen frommen Fälschungen, denn wenige Verse später nennt Jesus den gleichen Petrus einen Satan, der sich von ihm hinwegheben solle. Das gleiche sagt Jesus Markus 8, 30 ff. Auf diesem so eindeutig Gekennzeichneten, dessen Verrat Jesus ebenfalls voraussah, soll er eine Kirche haben aufbauen wollen? Eine derartige Zumutung kommt einer offenen Beschimpfung der Persönlichkeit Christi gleich. Merx sagt abschließend: „Die geschichtliche Forschung über Jesus darf sich durch solche Fälschung nicht auf Ewigkeit hin täuschen lassen; es muß ein Ende haben“ („Die vier kanonischen Evangelien“, III, 320).

(Magie der Sakramente) predigt nicht ein bloßer Mensch, sondern Christus selbst.“ Damit ist die Selbstvergottung des Priesters zum Glaubenssatz erhoben, der wohl die Höhe seiner Anmaßung in der Anschauung erhält, daß, wenn irgendwo eine Führerpersönlichkeit das „eigene, arme Ich zum Träger der Christusbotschaft erhoben“ hätte, die Kirche umgehend ihr Anathema aussprechen müßte: „Und dieses Anathema würde sie sprechen, selbst wenn ein Engel vom Himmel käme, der anders lehrte, als sie von den Aposteln überkommen hat“ (Adam).

Die letzte Ausschaltung menschlicher Eigenständigkeit zugunsten eines schemenhaften Amtes vollzieht sich in den Sakramenten: „Die sakramentale Gnade wird nicht durch die persönlichen Bemühungen des Sakramentsempfängers erzeugt, gewirkt, sondern vielmehr durch den objektiven Vollzug des sakramentalen Zeichens selbst.“ Damit ist die Vernichtung der Persönlichkeit gefordert, ihre Wertlosigkeit als „religiöser“ Lehrsatz verkündet. Inmitten eines Volkes, welches die Ehre–persönliche Ehre, Sippenehre, Stammesehre, Volksehre – unbekümmert um alles andere in rücksichtsloser Tat in den Mittelpunkt seines ganzen Lebens gestellt hätte, wäre die offene Verkündigung einer solchen Forderung nimmer durchführbar gewesen. Dies ist nur durch das geschickte.

Ersetzen des Ehrbegriffes durch die Idee der „Liebe“, gefolgt von Demut und Ergebung, möglich geworden. Daß dieses „sakramentale Zeichen“ als von Jesus selbst „festgelegt“ hingestellt wird, sei nur als ein kleiner Hinweis vermerkt, mit welcher Unbekümmertheit „Geschichte“ geformt und „Religionsgebäude“ gezimmert werden.

Nun versteht es sich, daß diese klaren Fassungen einer auf Magie abzielenden Lehre in dieser dürren Darstellung in Europa auch nach der Aberkennung der Ehre als alles leitenden Idee nicht durchgesetzt werden konnten. Die blutgemäßen Gebräuche des nordischen Menschen und (Wotan in christlicher Gestaltung) seine ritterliche Denkungsart waren auch mit Feuer und Schwert nicht ganz auszutreiben. So ging denn die Kirche an die Einbeziehung der vorchristlichen völkischen Gleichnisse in das angeblich schon „vor dem Urchristentum“ fertige System. („Die Kirche ist schon da – der Anlage nach, keimhaft, virtuell – bevor (!) Petrus und Johannes gläubig wurden.“ Adam.)

Der Wotanglaube war zwar im sterben, aber die heiligen Haine, in denen „der Wode“ verehrt wurde, blieben das Ziel germanischer Wallfahrer. Alle Vernichtung der Wotanseichen und alle Verwünschungen des alten Glaubens halfen nichts. So wurden an die Stelle Wotans christliche Märtyrer und Heilige, wie der heilige Martin, gesetzt. Mantel, Schwert und Roß waren seine Abzeichen (also die Sinnbilder Wotans), die ehrwürdigen Haine des Schwertgottes wurden auf diese Weise die Stätten des heiligen Martin, des Kriegsheiligen, der noch heute von deutschen Wallfahrern (vgl. Schwertslocher Kapelle) verehrt wird. Auch St. Georg und St. Michael sind Umbenennungen altnordischer Wesensbilder, die durch diese „Taufe“ in den Bereich der Verwaltung der römischen Kirche gerieten. Die „Teufelinne“ Frau Venus verwandelt sich in die hl. Pelagia; aus Donar, dem Donnerer und Wolkengott, wird der den Himmel bewachende hl. Petrus; den Wotanscharakter des wilden Jägers erhält St. Oswald zuerteilt und auf Kapitälen und Schnitzwerken wird der den Todeswolf zerreißende Erlöser Widar abgebildet (Z. B. Kreuzgang in Berchtesgaden), Widar, der den vom Fenriswolf verschlungenen Odin retten will und das Ungeheuer tötet. Der Vergleich mit Jesus liegt auf der Hand. Selbst der fromme Hrabanus Maurus, der gelehrteste Kirchenlehrer Deutschlands am Ende des 8. Jahrhunderts, läßt Gott in der Himmelsburg wohnen, eine Vorstellung, die nicht aus der Bibel, sondern aus altgermanischer Heldenseele stammt. 

Weiterwirkendes „Heidentum“

Am l. Mai feierte Altgermanien die Walpurgisnacht, den Beginn der zwölf Weihenächte der Sommersonnenwende. Es war der Tag der Hochzeit Wotans mit der Freya. Heute feiert die hl. Walburg am l. Mai ihren Namenstag, während alle Gebräuche als Zauberei, Hexenwesen usw. von der Kirche verändert und auf diese Weise Natursymbolik in orientalischen Dämonenspuk umgewandelt wurde.

In Regensburg (Dominikanerkirche) wird ein Kelch gehütet, „eine Kokosnußschale auf kupfervergoldetem Ständer, aus dem nur zum’ kalten Johannistag’ getrunken wurde“. Das war die alte Form des Weihweins zum Abendmahl (das von der Kirche noch im 13. Jahrhundert in beiderlei Gestalt gereicht wurde) am 27. Dezember, dem Nachfest der Wintersonnenwende. Und in Erinnerung uralter Minnetränke wird „aus St. Sebastians Hirnschale“ noch heute (z. B. in Ebersberg, Oberbayern) Wein gereicht. Dieses „Minnetrinken“ und Glücktrinken zu St. Johannis Baptistae, für St. Martin und St. Stephan, sind alles uralte Bräuche. Der fromme katholische Johann Nepomuk Sepp sagt: „Der Kelch Christi ist von Rom dem Laien vorenthalten worden, den alten Heidenkelch hat sich aber das Volk nicht nehmen lassen.“

Mit den Gebräuchen veränderten sich die Gesänge und Bilder. Im Heiligenbuch von 1488 sehen wir den hl. Oswald abgebildet. Er sitzt auf einem Throne im Königskleid und Krone. Um ihn herum aber fliegen die beiden Raben Wotans. Nur die Palme und der Hirtenstock sind christliche Zutat. Unter dem Namen Oswald wird Odin noch heute verehrt und hat z. B. Seine Kirche in Traunstein, aber auch heilige Stätten am Niederrhein, in Holland, in Belgien. Selbst die Legende von der hl. Kümmernis geht auf die Gestalt Odins zurück, wie sie uns die Edda Schildert, da Odin neun Nächte vom Speer verwundet am „windbewegten Baume“ hing. Die Gestalt (Das Erscheinen des Hakenkreuzes) eines bärtigen, gekreuzigten Mannes (Odin, Donar), welcher dem, der zu ihm betet, einen goldenen Schuh zuwirft, kehrt in vielen alten Bildwerken und als Motiv in vielen Liedern wieder. Aus dieser Gestalt ist auf noch nicht ganz geklärte Weise die weibliche hl. Kümmernis der Kirche geworden.

Und die Kirche mußte sich bequemen, ihre Heiligen auf feurige Rosse zu setzen, sie speer- und schwertschwingend in den Kampf mit Drachen und anderen Feinden zu senden, um Ehre und Ruhm zu erwerben oder gefangene Jungfrauen aus den Klauen eines Bösewichts zu retten. Die Rolands- und St. Georgs-Säulen sind Beispiele dieser Art, welche erst nach und nach durch Mariensäulen ersetzt wurden: an die Stelle der Ehrsymbole trat das Gleichnis der „Liebe“.

Die nordischen Götter waren Lichtgestalten mit Speer und Strahlenkranz, Kreuz und Hakenkreuz die Symbole der Sonne, des fruchtbringenden, aufsteigenden Lebens. Seit weit über 3000 v.Chr. trugen die nordischen Völkerwellen diese Zeichen nachweislich nach Griechenland, Rom, nach Troja, Indien. Noch Minutius Felix ereifert sich gegen das heidnische Kreuz; bis schließlich der römische (T-förmige) Galgen, an den Jesus geschlagen worden war, zu eben diesem heidnischen, jetzt „christlichen“ Kreuz umgedichtet werden mußte und die heidnische Sonne bzw. das Himmelskreuz als Heiligenschein über den Häuptern der kirchlichen Märtyrer und Glaubensboten erschien*.

* Wir erleben soeben die Geburt einer neuen Wissenschaft:der Deutung altgermanischer Symbolik. Der Kreis mit den vier Speichen erscheint als Himmelskreuz, d. h- als die Projektion der Himmelsrichtungen, die Sechsteilung als die punkte der Sommer-, Wintersonnenwende usw. Diese Symbolik kosmischer Art ist es, welche durch die ganzen Jahrtausende unverstanden übernommen hindurchgeht, als Überreste einer Zeit, die mit Symbolen anstatt mit Buchstaben ihr Weltbild niederlegte vom Himmelsvater, Geburt, Tod und Ewigkeit. Die Sonnengleichnisse sind ein Ausschnitt aus diesem Weltbild.

Unsterbliche Götter

Der Wetterstrahl, die Lanze, wird das Gleichnis des Herrschens. Der „reitende Gott“ mit der Lanze erscheint deshalb immer wieder erneut auf „christlichen“ Gedenksteinen und Zeichnungen: das war der durch die Geschichte des Christentums reitende ewige Wanderer Wotan. Zerspalten in viele Gestalten lebt und webt dieser Gott als St. Oswald, als St. Georg, als St. Martin, als Lanzenreiter, ja als die hl. Kümmernis durch die katholischen Lande und zieht noch heute unsichtbar als „der Wode“ durch die Seele des Volkes in Niedersachsen. „Solange ein Volk lebt, sind seine Götter unsterblich.“* Das war Wotans Rache nach seinem Untergang. Bis Baldur auferstand und) sich den Heiland der Welt nannte.

Über diese Urkraft altnordischer Überlieferung, die auch die „Bonifazius’“ und) seine Nachfolger bis auf den heutigen Tag nicht ganz vernichten konnten, ist man in Rom (auch in Wittenberg) tief empört gewesen. Aber es blieb nichts anderes übrig, als die anderen Göttergestalten zu christlichen Heiligen zu ernennen und ihre Züge auf diese Weise zu übertragen**.

* A. Dietrich, „Untergang der antiken Religion“.
** Wie planmäßig diese Politik durchgeführt wurde, zeigen Zahlreiche päpstliche Verordnungen. So schreibt z- B- Papst Gregor „der Große“ an Augusten den „Heiden“apostel, der ihn um Rat bei der Bekehrung bittet: „Denn in unserer Zeit (um 600) mag die heilige Kirche freilich manches mit glühendem Eifer zum Besseren wenden, anderes aber duldet sie schonend, aber auf eine Weise, daß Sie oft das Übel, das sie bekämpft, gerade durch dies Dulden und Übersehen unterdrückt“ (Beda I, 27). Und am 22. Juli 601 schreibt derselbe Papst an den Abt Mellitus, wenn die heidnischen Tempel nicht zerstört würden, könnte man sie „umwandeln“: „Wenn dann das Volk seine Tempel nicht zerstört sieht, mag es von Herzen seinen Irrtum ablegen . . . und an den ihm vertrauten Orten nach altem Brauch sich lieber einfinden.“ Und nach Zulassung des Opferns: „Wenn ihnen solchermaßen äußerlich (!) einige Freuden zugestanden werden, so mögen Sie Zu den innerlichen Freuden ihren Sinn leichter gewöhnen. Denn ganz gewiß gehl es nicht an, daß man harten Gemütern alles auf einmal abschneidet, weil ja auch der, welcher zum höchsten Gipfel aufsteigen will, stufenweise . . . nicht Sprungweise sich emporarbeitet“ (Beda I, 30, vergl. Th. Hänlein: „Die Bekehrung der Germanen zum Christentum“, Leipzig 1914 und 1910, I, 57 und 64).

Nordisches Gut im Katholizismus

Die Festtage der christlichen Kirche aber traten an die gleichen Tage wie das Urvolk sie feierte, ob dies nun das Fest der Fruchtbarkeitsgöttin Ostara war, das zum Auferstehungsfest, oder das Fest der Wintersonnenwende, das zum Geburtstag Jesus wurde. So ist die katholische Kirche in wesentlichen Formen Nordeuropas auch nordisch-rassisch bedingt. Das Groteske an dieser Tatsache ist nur, daß sie aus der Not eine Tugend zu machen sucht und den Reichtum seelischen Lebens ausgerechnet sich zugute schreibt. Allen Ernstes erklärt der kirchliche Zwangsglaubenssatz, jede nationale Farbigkeit hätte Raum in der Kirche, alle verschiedene Frömmigkeit stehe unter ihrer Obhut; nirgends sei „die persönliche Freiheit des religiösen Ausdrucks“ so geschützt, wie in der katholischen Kirche (Adam). Das ist natürlich eine Umkehrung aller nur zu deutlich sprechenden Tatsachen. Von „Bonifazius“ über Ludwig „den Frommen“, der alles Germanische mit Stumpf und Stiel auszurotten bemüht war, über die neun Millionen vertilgter Ketzer zieht sich bis zum Vatikanischen Konzil, bis auf heute, ein einziger Versuch, einen unerbittlichen geistigen Einheitsglauben (Unitarismus) durchzusetzen, eine Form, einen Zwangsglaubenssatz, eine Sprache und einen Ritus einheitlich für nordische Menschen, Levantiner, Nigger, Chinesen und Eskimos zu verbreiten (Man vergleiche den Eucharistischen Kongreß zu Chikago (Die christliche Caritas) 1926, wo Niggerbischöfe die Messe zelebrierten.) seit zweitausend Jahren empört sich das ewige Blut aller Rassen und Völker dagegen. Aber wie der Gedanke einer Weltmonarchie einen hypnotisierenden Einfluß auf starke Persönlichkeiten ausgeübt hat von Alexander bis Napoleon, so auch der Gedanke einer die ganze Welt beherrschenden Kirche. Und wie dieser erste Gedanke einst Millionen in seinen Bann zwang, so auch der zweite als Idee, ohne daß innerhalb ihrer Auswirkung eine restlose Unterwerfung vollzogen wurde. Deshalb haben auch die Großen des frühen Mittelalters die römische Kirche als Bundesgenossen, zum mindesten aber als Helferin zur Verwirklichung romantischer Machtpläne betrachtet. Diese wiederum erblickte im bewaffneten „weltlichen Arm“ ein Mittel, ihrem Geiste freie Bahn zu schaffen. Auf die inneren Beweggründe geprüft, war dieses Ringen wesentlich ein Kampf um die Vorherrschaft dessen, was als metaphysischer und charakterlicher Höchstwert zu gelten hätte: Liebe, Demut, Entsagung, Unterwürfigkeit oder Ehre, Würde, Selbstbehauptung, Stolz.

Nochmals: die Liebe wurde nur von den Anhängern und niederen Graden des römischen Systems gefordert und geübt; die Führung brauchte, um dauerhaft zu sein und starke Naturen anzuregen, Glanz, Macht, Gewalt über Seelen und Leiber der Menschen. Ohne Frage ist durch dieses System eine große seelische Opferfähigkeit gezüchtet worden: das, was die katholische Kirche mit Stolz ihre „Caritas“ nennt. Aber gerade hier, in ihrer schönsten menschlichen Auswirkung, zeigt sich ein ebenso starker Unterschied in der Wertung und Auswirkung einer scheinbar gleichen Tat.

Wie die Gnade Gottes nur durch die Kirche vermittelt wird, so sind auch Wohltat und Barmherzigkeit (Volks-Krankheit durch „Humanität“) nur ein Geschenk der Kirche an den Unglücklichen, an den Sünder. Es ist dies ein sehr klug abgewogenes Werben um einen gebrochenen Menschen, mit dem Zweck, ihn an ein Machtzentrum zu binden und ihm seine vollkommene Nichtigkeit vor Gott, zugleich aber dessen Macht, dargestellt durch die triumphierende Kirche, zu Gemüte zu führen. Es fehlt diesem Gedankengang aber auch alles, was wir als Ritterlichkeit bezeichnen. Einem nordischen, vom Ehrbegriff bestimmten Volke müßte die Unterstützung seitens einer Gemeinschaft für einen in Not Geratenen nicht im Namen der herablassenden Liebe und Barmherzigkeit, sondern im Namen der Gerechtigkeit und Pflicht gepredigt werden. Dies hätte nicht eine unterwürfige Demut, sondern ein inneres Emporrichten zur Folge, nicht das Brechen der Persönlichkeit, sondern ihre Stärkung, d.h. das Neuerwecken des Ehrbewußtseins.

Hierher gehört das kirchlich-christliche Mitleid, das auch in der freimaurerischen „Humanität“ in neuer Form aufgetaucht ist und zu der größten Verheerung unseres gesamten Lebens geführt hat. Aus dem Zwangsglaubenssatz der schrankenlosen Liebe und der Gleichheit alles Menschlichen vor Gott einerseits, der Lehre vom demokratischen rasselosen und von keinem nationalverwurzelten Ehrgedanken getragenen „Menschenrecht“ andererseits, hat sich die europäische Gesellschaft geradezu als Hüterin des Minderwertigen, Kranken, Verkrüppelten, Verbrecherischen und Verfaulten „entwickelt“. Die „Liebe“ plus „Humanität“ ist zu einer, alle Lebensgebote und Lebensformen eines Volkes und Staates zersetzenden Lehre geworden und hat sich dadurch gegen die sich heute rächende Natur empört. Eine Nation, deren Mittelpunkt Ehre und Pflicht darstellte, würde nicht Faule und Verbrecher erhalten, sondern ausschalten. Wir sehen auch an diesem Beispiel, daß sich das einheitslüsterne rasselose Schema mit ungesundem Subjektivismus paart, während (Seelenkorruption durch Ablaßhandel) ein durch Ehre und Pflicht zusammengeschweißtes soziales und staatliches Gemeinwesen zwar aus Gerechtigkeit äußere Not beseitigen und das Wertbewußtsein des Einzelnen innerhalb dieses Zuchtwillens zu steigern bemüht sein muß, daß es aber ebenso notgedrungen die rassisch und seelisch für nordische Lebensform Untauglichen aussondern würde. Das eine wie das andere ergibt sich, wenn als Höchstwert alles Handelns die Ehre und als Träger dieser Idee der Schutz der nordisch-abendländischen Rasse gesetzt wird.

Ein typisches Beispiel dafür, wie das römische System die menschlichen Schwächen für seine Zwecke ausnützte, ist der Zwangsglaubenssatz vom Ablaß. Dem armen „Sünder“ gegenüber behauptet die Kirche einen Überschuß an „stellvertretender Genugtuungsfülle“ seitens Jesu Christi und der Heiligen zu besitzen. Laut ihrer „göttlichen Betrauung“, zu lösen und zu binden, verfügt sie angesichts des betreffenden Übeltäters über das Guthaben des Erlösers (der Afrikaner Tertullian war es namentlich, der diese Händlerlehre mit vielem Aufwand juristischer Spitzfindigkeit ausgebaut hat). Man hat diesen Lehrsatz mit vielen geheimnisvollen Erläuterungen zu umgeben versucht und eine ganze Philosophie auf dieser stellvertretenden Sühne aufgebaut, jedoch wird keinem tiefer Blickenden ihr händlerischer Untergrund verborgen bleiben können. Händlerisch sowohl in seelischer wie in stofflicher Beziehung. Grundsätzlich läuft der Ablaßgedanke auf ein Rechenbeispiel hinaus, dessen unbekannte X und Y durch beliebige Zahlen zu ersetzen in die Hand der Kirche gelegt ist. Das ist Züchtung charakterlicher und seelischer Verwilderung, ganz abgesehen von den äußeren Folgen, wie sie etwa zu Luthers Zeiten eingetreten waren, als ein Geschäftsvertreter der Fugger den biederen Tetzel stets begleitete und ihm alles einlaufende Geld abnahm, weil der Augsburger Krämer sonst vom verschuldeten Papst nicht bezahlt worden (Das „Heilige Jahr“) wäre*. Der Glaubenssatz vom Ablaß war nur möglich, weil der Gedanke eines persönlichen Ehrgefühls bei seiner Abfassung nicht mitgewirkt hatte. Es mußte ferner auch darauf hinauslaufen, das noch vorhandene Ehrbewußtsein zu unterhöhlen und knechtisches Denken zum frommen Wesen zu stempeln. Äußerlich betrachtet, hat das deutsche Aufbäumen gegen diese Schande das römische System gezwungen, mit der Durchführung des Ablaßunwesens vorsichtiger zu werden. Grundsätzlich wird es jedoch noch heute als ein Recht und fromme Übung von der Kirche verteidigt. (Vgl. den Generalablaßaufruf von 1926). Daß dieser Unfug ebenfalls auf „biblisches Urgut“ zurückgeführt wird, versteht sich von selbst. Eine jahrtausendalte Umzüchtung langer Geschlechterreihen um einen neuen Pol – Rom – hat auf die nichtnordischen Untergründe der europäischen Völker so stark gewirkt, daß dieser Aufruf an das zerspaltene Menschentum von ihnen gar nicht als Schmach, sondern als gegenseitige Hilfe der „Glieder des Leibes Christi“ empfunden wird.

* Viele Ablaßeinkünfle brachte das „Heilige Jahr“, erfunden von Bonifaz VIII. Der Jubiläumsablaß war nur in Rom zu erwerben. Anfänglich sollte alle 100 Jahre das „Anno sankro“ gefeiert werden. Dann wurde die Jubelfeier alle 50, dann alle 33, schließIich alle 25 Jahre begangen, um häufiger große Summen zu erhalten. Das erste „Heilige Jahr“ (1300) brachte dem Papst 200.000 Fremde und 15 Millionen Goldgulden. 1350 nahm der Vatikan 22 Millionen ein, man versteht also, warum nach den 33 Jahren „zum Andenken an die Lebensjahre“ Jesu (wie es bei der zweiten Kürzung der Zeitspanne hieß), die nur 25jährige Pause eingeführt wurde: „wegen der Kürze des menschlichen Lebens“. Man sieht, selbst Jesus’ Martertod kann gut für Begründung der Geschäfte seines „Stellvertreters“ sein. Um noch mehr Geld zu erhalten, wurde die Öffnung und Schliessung der „Goldenen Pforte“ für das „Heilige Jahr“ eingeführt: wer hier einging und seinen Obolus hinterließ, konnte auch seine Freunde von allen Sünden befreien. 1500 verwendete Alexander VI. die Einkünfte des Jubelablasses für die Aussteuer seiner Tochter Lukrezia. Jedes Verbrechen hatte seinen festgesetzten Preis, mit dem man sich loskaufen konnte: Elternmord, Blutschande mußten hoch bezahlt werden. Erst die protestantischen Angriffe steuerten dem Unfug. Darauf wurde der Ablaß für zauberhafte Gebräuche gewährt (Skapuliertragung, privilegierte Altäre usw.). Ähnliche Geschäfte machten alle unteren Stellen. Das Kloster Monte Cassino hatte z.B. 500.000 Dukaten Jahreseinkünfte und umfaßte um 1500 4 Bischofssitze, 2 Fürstentümer, 20 Grafschaften, 350 Schlösser, 440 Dörfer, 336 Güter, 23 Hafenniederlassungen, 33 Inseln, 200 Mühlen, 1662 Kirchen! E i n Beispiel von tausenden. Hinzu kamen Ämteschacher (Abführung von Riesensummen fürs Pallium an den Papst), Peterspfennig, Dispensationsgelder usw. Geldgieriger sind die schlimmsten Despoten der Erde nicht gewesen, wie die „Stellvertreter“ des Mannes, dessen Reich nicht von dieser Welt war.

Zauberglauben in der Fürbitte

Aus dem gleichen, der Idee der Ehre abgewandelten Denken ist die Form der kirchlichen Fürbitte zu begreifen. Auf Grund der Beschlüsse der Konzilien zu Lyon, Florenz und Trient wurde mit Stimmenmehrheit der Läuterungszustand zwischen dem Leben einerseits und der ewigen Verdammnis bzw. der ewigen Seligkeit andererseits eingeführt und der Kirche die Macht zugesprochen, durch ihre Fürbitte das Purgatorium zum guten Ende zu führen. Entkleidet man diese Lehre all ihrer Verbrämungen, d. h. nimmt man sie so wie sie gemeint ist: nämlich nicht als wirkliche Fürbitte und seelisches Gedenken eines Dahingeschiedenen, sondern als einen Akt, der den Gang der Seele auch nach dem Tode beeinflußt, so haben wir den gewöhnlichsten Zauberglauben, wie ihm die Südseevölker noch heute huldigen. Philosophisch betrachtet, stehen die Glaubenssätze vom Ablaß und der wirksamen Fürbitte (nebst einer Unzahl anderer, von der Lehre vom Skapulier bis zu den heiligen Ölen und wundertätigen Reliquien) auf der Höhe einer Weltanschauung, deren Typus der Medizinmann ist. Der Medizinmann, dessen Gebet (Die Weltanschauung des Medizinmannes) Regen bringt oder verhindert, dessen Fluch tötet, der mit Gott (oder den Göttern) einen Vertrag geschlossen hat, und ihn (oder sie) zu allem zwingen oder doch beeinflussen kann durch zauberhafte Gebräuche*. Der Medizinmann als dämonische Figur kann selbständiges Denken seiner Anhänger ebensowenig brauchen wie ehrbewußtes Handeln. Er muß folgerichtig, um seine Stellung zu sichern,’ das eine wie das andere mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auszuschalten bemüht sein. Er muß alle allzu menschlichen Ängste und hysterischen Anlagen großzüchten; er muß Hexenwahn und Dämonenzauber predigen; er muß mit Index, Feuer und Schwert alles Forschen unterbinden, das zu anderen Ergebnissen führen kann, oder gar zur Befreiung von dem ganzen vom Medizinmann gelehrten Weltbild. Der Medizinmann muß einen Roger Bacon genau so in den Kerker werfen, wie einen Galilei; er muß das Werk des Kopernikus in Acht und Bann erklären und alle Gedankensysteme zu vernichten trachten, die Ehre, Pflicht und Männertreue – also auf hochwertige Persönlichkeit abgestimmte Lehren – als lebensgestaltende Mächte behaupten wollen. Den Versuch

* Ein äußerlich nicht in dieses Werk passendes Ereignis, das aber zu innerst tief bedeutend ist, mag hier zur Kennzeichnung dieser Geistesrichtung vermerkt sein. Am Tage des Fronleichnams 1929 zu München wurde die Prozession plötzlich von einem starken Gewitterregen überrascht. Die Mönche, Nonnen, Ministranten nsw. packten ihre Kerzen und Kruzifixe untern Arm und verliefen sich in alle vier Himmelsrichtungen. Darauf predigte der Kardinal Faulhaber in der Frauenkirche und ermahnte die Gläubigen, sich ihren Glauben durch das Unwetter nicht erschüttern zu lassen, wenn auch Jesus Christus diesmal das ihm dargebrachte Opfer nicht angenommen habe • • • Jesus wird hier also als Regenmacher hingestellt und die verregnete Fronleichnamsprozession als ein mißglückter Bezaubernngsversuch! Das Wort von der Medizinmannphilosophie – ohne jede beleidigende Absicht gebraucht – kennzeichnet also genau die geistige Haltung der römischen Kirche. (Menscheneinschreckung als Zuchtmittel) schildern, die zauberhaft-dämonische Weltauffassung des Medizinmannes weltpolitisch durchzusetzen, heißt römische Dogmen- und Kirchengeschichte schreiben. Rom hat es also verstanden, sich nicht nur die „Stellvertreterschaft Gottes“ in den Augen von Millionen zu sichern, sondern durch Einwirkung auf den stets weitergezüchteten Zauberglauben gewisser Schichten innerhalb der verschiedenen Völker auch den Glauben an die Allmacht seiner nur durch die Priester durchführbaren Gebräuche (wie Ablaß, letzte Ölung usw.) auf das Jenseits wachzuerhalten. Und zugleich hat der Papst es verstanden, sich der Verantwortung für diese Zauberei zu entziehen. Andere Einrichtungen ähnlicher Art in fremden Ländern waren hier folgerichtiger. Der sich magische Kräfte anmaßende Lehrer und Häuptling eines „primitiven“ Stammes wird, wenn seine Opferzeremonien doch zur Dürre oder alles vernichtenden Überschwemmung führen, getötet. Der Kaiser von China ist gottgleich gewesen; als Sohn des Himmels genoß er Verehrung, war aber verantwortlich für das Gedeihen von Volk und Staat. Der Papst hat nun der an ihn glaubenden Menschheit die Nachprüfungsmöglichkeit für seine Behauptungen dadurch unmöglich gemacht, daß er ihre Wirkung aus dem Diesseits ins Jenseits versetzte. (Gelingt jedoch eine hypnotische Heilung, so sind die katholischen Blätter voll mit Nachrichten darüber, gleichwie sie hartnäckig schweigen über die Tausende, die unverändert die Wallfahrts- und Wunderorte verlassen.) Da mit Ausmalen der Schrecken der Hölle – ein Begriff, den der fromme Ulfilas nicht kannte, für den also auch jedes germanische Wort fehlte – nicht gespart wurde und wird, so fesselt Rom die Hoffnung eingeschüchterter Millionen an seine Riten und ihre magische Wirkung ohne in Gefahr zu geraten, durch das Experiment widerlegt zu werden.

Jesuiten ersetzen Jesus Christus

Auch dieses Mittel hat viel zur Dauerhaftigkeit des römischen Systems beigetragen.

Nun ist der Versuch der Weltverzauberung zwar mißlungen, aber doch nicht ganz. Die anfängliche technische Überlegenheit des Südens über das Germanentum, das folgerichtige Ausrotten des Freien, Stolzen und Ehrbewußten mit Hilfe aller nur denkbaren Bündnisse; das kluge Umfälschen nordischer Gebräuche, die als solche bestehen blieben, nur eine andere Verwaltung erhielten…, das alles ist nicht ohne nachhaltige Auswirkungen geblieben.

Die letzten Folgerungen aus dem römischen System hat der J e s u i t i s m u s gezogen. Den Schlußstein in dem Bau der Medizinmannphilosophie schuf das Vatikanische Konzil. Hier wurde der Medizinmann für die Zeit der Ausübung seines Amtes zum Gott, zum u n f e h l b a r e n Gott erklärt. Jesus ist jetzt, streng genommen, nicht mehr in Stellvertretung, sondern abgesetzt. Abgesetzt und ersetzt durch das römische System, gekrönt von dem mit aller Macht ausgestatteten, sich Papst nennenden Medizinmann. „Die neutestamentliche Bibel ist zwar ein bedeutsamer, aber durchaus nicht ein erschöpfender Niederschlag dieser das Gesamtbewußtsein der Kirche erfüllenden apostolischen Überlieferung“, schreibt herablassend der genannte moderne katholische Programmatiker Prof. (Adam).

Jesus ist hinausgedrängt, der syrisch-etruskische Aberglaube aber. der sich gleich anfangs um seine Persönlichkeit rankte, ist als „apostolische Überlieferung“ an seine stelle getreten. Dem römischen Dogma ist der Ehrbegriff von sich aus als Problem gar nicht gegeben. Es mußte ihn von seiner Grundeinstellung aus, die nur Unterwerfung forderte, systematisch ausschalten Die Schule zur bewußten Ausrottung dieser trotzdem überall auftretenden seelischen Kraft des abendländischen Lebens aber stellt zweifellos der sich (Kadavergehorsam – eine Semitische Lehre) wie zum Spott als „Gesellschaft Jesu“ bezeichnende Orden dar: die Art, wie Ignatius die Nachfolger Jesu einexerziert sehen wollte, bedeutet so ziemlich den fernsten Gegensatz zum germanischen Denken und Fühlen. Welche Einflüsse neben Urinstinkten des Basken an der Zeugung und Ausgestaltung die wesentlichsten gewesen sind, darüber gehen die Ansichten noch heute auseinander. Zwar meinen die frommen „Stimmen aus Maria Laach“, „der übernatürliche Ursprung des Exerzitienbüchleins“ sei „von keinem Vernünftigen angezweifelt worden“, doch ist dieser kindliche Versuch, auch derart frische Erzeugnisse auf „göttliches Diktat“ zurückzuführen, selbst der Priesterschaft etwas peinlich. Es haben nachweislich die Schriften des Paters Garcia de Cisnero von Manresa, die Benediktiner- und Franziskanerregeln auf Ignatius großen Einfluß ausgeübt, aber auch die Grundsätze der maurischen religiös-politischen Geheimbünde, die sich über Nordafrika bis nach Spanien zogen, müssen ihm genau bekannt gewesen sein, da eine geradezu verblüffende Übereinstimmung zwischen den muselmanischen Orden und den Grundsätzen der Gesellschaft Jesu besteht. Die muselmanischen Texte lehren: „Du wirst unter den Händen deines Scheichs gleich einem Leichnam in der Hand des Totenwächters sein.“ „Gehorche deinem Scheich in allem, was er anordnet, denn es ist Gott selbst, der durch seine Stimme befiehlt*.“ Ignatius fordert in seinem berühmten Brief über den Gehorsam das Gleiche: blinden Gehorsam, Kadavergehorsam. Die Klarheit des blinden Gehorsams würde verschwinden, falls wir innerlich überhaupt die Frage nach Gut und Böse einem Befehle gegenüber stellen wollten. Wenn es nötig sei, ein Gebot des Oberen, „welches es auch sei“, zu erfüllen, so werde* Livre de ses appuis von Scheich Si-Snoussi, übetsetzt von M. Colas. Näheres bei Müller: „Les origines de la Compagnie de Jesus“, Paris 1898. Vgl. auch Charbounel: „L’Origine Musulmane des Jesuites“. (Loyolas „Constitutionen“) uns ein blinder Drang zu gehorchen mit sich Ziehen, „ohne dem Denken den geringsten Raum zu lassen“. Es war am 26. März 1553, als die Forderung des Kadavergehorsams als offene Herausforderung in das germanisch abendländische Geistesleben geschleudert wurde. „Leget ab, geliebte Brüder“, schreibt Ignatius, „soviel als möglich euren Willen und überliefert und opfert euere Freiheit…“ „Ihr sollt mit einem gewissen blinden Drang gehorchen, gierigen Willens ohne irgendwelche (!) Untersuchung euch treiben lassen, zu tun, was immer (!) der Obere sagt…“ In den „Constitutionen“ lesen wir: „Jeder soll überzeugt sein, daß, wer unter dem Gehorsam lebt, sich von der göttlichen Vorsehung durch den Oberen lenken lassen soll, als sei er ein Leichnam, der sich hierhin und dorthin auf jede Weise tragen und legen läßt; oder als sei er der Stab eines Greises, der demjenigen, der ihn hält, wo und wie immer er will, dient…“ In seinen „Regeln“, die Loyola den „Exerzitien“ beifügte, forderte er nochmals „gänzliche Aufhebung des eigenen Urteils“ und ferner, „wenn etwas unseren Augen weiß erscheint, was die Kirche als Schwarz definiert hat, dies gleichfalls als Schwarz zu erklären“. Auf deutsch: es wird Unterwerfung gefordert, ganz gleich, ob der Dienende etwas für sündhaft oder unehrenhaft hält; hier fällt sogar noch die früher gemachte, wenn auch fadenscheinige Einschränkung, man brauche nur dann nicht zu gehorchen, wenn eine „offenbare Sünde“ gefordert werde*.

* Ein „Memorial“ des Jesuitenkollegs zu München erläutert die 35. und 36. Regel über den Gehorsam: „Der gehorcht blind, der wie ein Leichnam oder wie der Stab eines Greises, die kein Gefühl und kein Unteil haben, so gehorcht, als hätte er das eigene Urteil so gebunden und gewissermaßen ganz ausgeschaltet (totum eclipsatum), daß er gleichsam aus sich nicht urteile und nicht sehen kann, sondern ein anderes Urteil sich ganz angeeignet hat, nämlich das des Oberen, und zwar so vollständig und so vollkommen, daß, was immer der Obere urteilt und fühlt, dasselbe und nichts anderes als er wirklich urteile und fühle, und daß dies Urteil des (Oberen) sein eigenes unverfälschtes und natürliches Urteil sei. Das ist die Kraft der wahren Selbstverleugnung und der wahren Selbstblindmachung (excaecatio): nicht mehr durch eigene, sondern durch fremde Bewegung getrieben zu werden“. (Rensch, Archivalische Beiträge: Zeitschrift für Kirchengeschichte. 1895, XV, 263.)

Der französische Jesuit Julian Vincint, der den Mut aufbrachte, noch im Jahre 1588 den Brief des Ignatius als ketzerisch zu erklären, wurde von der Inquisition ins Gefängnis gefperrt, dann als verrückt ausgerufen. Dank der liebevollen Obhut der „Nachfolger Christi“ starb er im Jahr darauf im Gefängnis.

Wer einen ähnlichen Fall von brutaler Knechtung eines aufrechten Mannes innerhalb des heutigen Jesuitenordens vefolgen will, der lese die Prozeßakten des deutschen Jesuitenpaters Bremer über seinen Kampf gegen den Jesuitengeneral und den ihn gegen alles Recht schützenden Papst. Bremer vertrat als anerkannter Gelehrter die alten strengen Vorstellungen über Sitte, was als unbeqnem einfach verboten wurde. Aber der kleine Pater ließ sich nicht einfach abwürgen wie tausend andere und verteidigte seinen Standpunkt auf Grund des Kirchenrechts. Dies hatte eine Brutalisierung nach der anderen zur Folge, darauf Prozesse des Paters, dann seine Verurteilung in Rom, ohne daß er gehört wurde. Bremer erhebt gegen Jesuitengeneral und Papst offen die Beschuldigung der Urkundenfälschung. Beide haben sich dies gefallen lassen müssen … Die schönen Zeiten der Inquisition sind vorüber, sonst wäre Bremer schon längst in einem Kerker verfault. Näheres Dr. F. Ernst, „Papst und Jesuitengeneral“, Bonn 1930..

„Recht“ auf Gewissensvernichtung

Diese Offenheit, diesen Mut zur letzten Schlußfolgerung aus den Voraussetzungen des römischen Systems vertrugen aber selbst die eifrigsten abendländischen Mitglieder der damaligen Kirche noch nicht. Sogar die römische und die Spanische Inquisition erhoben sich gegen diese allzu klare Sprache, von allen Ecken und Enden der Welt erschollen ob dieser geforderten Ehrlosigkeit und Knechtseligkeit Proteste. Fast wäre es zu einer öffentlichen Verurteilung der Jesuitenlehre gekommen, jedoch gelang es dem verschlagenen Bellarmin–im Interesse der „Einheit der Kirche“ – eine solche zu hintertreiben*. Die Forderung des Ignatius, das Weiße schwarz zu nennen, wenn die Kirche das befehle, bedeutete die Heiligerklärung der Seelenvergiftung, war die Anerkennung auf das Recht der Gewissensvernichtung, war die offene Erhebung der Lüge zum frommen Werk. Daß diese uns das sittliche Rückenmark aussaugende Lehre nicht restlos durchgeführt werden konnte, lag wiederum nicht an dem guten Willen der alleinseligmachenden Kirche, sondern nur an der Kraft (Ausrottung des Ehrbegriffes) der Abwehr des europäischen Geistes und an der Unmöglichkeit, selbst durch jahrzehntelange Niederzüchtung, das europäische Ehrbewußtsein auszubrennen. Heute ist man gezwungen, selbst die „von Gott diktierten“ Worte des Ignatius nicht mehr als wahr zu erklären, man wagt es nicht, offen in den Jesuitenschulen Leichnamsgehorsam und Aufgabe seiner Ehre zu fordern. Aber das Ziel und der Weg zum Zustand einer Herde seelenloser Knechte sind unverkennbar deutlich gezeichnet. Dem Brechen jedes Würdegefühls dienen die die Einbildungskraft ängstigenden und den Eigenwillen knechtenden Übungen des Ordens ebenso, wie die Unterjochung der seelischen Persönlichkeit unter die Hypnose eines starken Zentralwillens. Die Tatsache, daß die Kirche die Leichnamslehre nicht verurteilte, zeigt, daß sie dasselbe anstrebte, wie ihr Werkzeug, die Gesellschaft Jesu. Und wie die syrisch-afrikanischen Orden zum „allergrößten Ruhme Gottes“ wirken wollten, so arbeitet der Orden der Jesuiten „Ad majorem dei gloriam“ zielbewußt an der Zersetzung des nordisch-germanischen Abendlandes und nistet sich naturnotwendig überall (Wesen des Jesuitenordens) dort ein, wo eine Wunde an einem Volkskörper bemerkbar wird.

Hier ist nicht die Rede vom guten oder bösen Willen, sondern von unwandelbaren Charakterwerten. Ignatius war ein, wenn auch ehrgeiziger, so doch tapferer Mensch, sein Knechtungssystem aber ist die Umkehrung aller Werte Europas. Wie der theoretische Materialist persönlich ein guter genügsamer Mann sein kann (auch hier der Unterschied zwischen Glaube und Charakterwerten), so konnte auch der kriegerische Loyola zum Symbol des skrupellosesten Kampfes gegen das Seelentum der nordischen Rasse werden. Um es gleich vorweg zu nehmen: nichts ist falscher, als die Exerzitien des Ignatius mit dem preußischen Zuchtsystem zu vergleichen, wie es oft zwecks Verschleierung der Tatsachen geschieht, vielmehr bilden diese beiden Formen des typenbildenden Männerbundes unvereinbare Gegensätze. Ignatius schafft die uniforme Mönchstracht ab, entsagt übertriebener Askese, bringt seine Vertreter unerkannt in allen Städten unter (die „Affilierten“), läßt ihnen in ihrem äußeren Leben eine große Freiheit. Dafür opfern die Jesuiten dem Orden: eigenes Forschen, Persönlichkeit, Männerwürde, letzten Endes ihr rassisch-seelisches Wesen. Der preußische Soldat stände äußerlich technisch unter rauher Zucht, innerlich war er frei. Das erste System kennt die Idee der Ehre nicht, und wo es darauf stößt, versucht es diese niederzutreten; das zweite kreist nur um diese Idee. Das erste war und ist ein Spaltpilz inmitten unseres Lebens, eine zersetzende, alles Starke und Große unserer ureigenen Vergangenheit auslaugende Säure; das zweite war und ist die Urzelle zum Aufbau unseres ganzen Daseins, wie sie wirksam war, als sie mit dem Wiking und den jungen Germanen zum erstenmal offen in das Licht der Geschichte trat.

Nach dem Basken Ignatius war Lainez – ein Jude – als sein Nachfolger maßgebend für die Fortentwicklung des (Das Vatikanische Konzil) römischen Dogmas nach seiner uns allen feindlichen Richtung hin. Dessen Wirksamkeit namentlich auf dem Tridentiner Konzil und die Folgen der dort niedergelegten Beschlüsse wären einer deutschen Doktorarbeit wert. Und am 18. Juli 1870 sprach das jesuitische Vatikanische Konzil sein Schlußbekenntnis:“Wir lehren und erklären, daß nach der Anordnung des Herrn die römische Kirche über alle anderen den Vorrang der ordentlichen Amtsgewalt inne hat…, daß das Urteil des apostolischen Stuhles, über welchen es keine höhere Gewalt gibt, von niemanden einer neuen Erkenntnis unterzogen werden darf, sowie es auch niemanden zusteht, über dessen Urteil zu Gericht zu Sitzen.“ „Der Stuhl des hl. Petrus bleibt stets von allem Irrtum unversehrt.“ „Wir erklären es als einen von Gott geoffenbarten Glaubenssatz: daß der römische Papst, wenn er von seinem Lehrstuhl aus (ex cathedra) spricht…, eine von der gesamten Kirche festzuhaltende, den Glauben oder die Sitte betreffende Lehre entscheidet, vermöge des göttlichen, im hl. Petrus ihm verheißenen Bestandes, jene Unfehlbarkeit besitzt, mit welcher der göttliche Erlöser seine Kirche in Entscheidung einer den Glauben oder die Sitte betreffenden Lehre ausgestattet wissen wollte… So aber jemand dieser unserer Entscheidung, was Gott verhüte, zu widersprechen wagen Sollte: der sei im Banne.“

Damit ist das römisch-jesuitische System der Persönllchkeitsvernichtung vollendet worden. Zwar empfanden Millionen treugläubiger Katholiken dunkel die ganze Ungeheuerlichkeit dieser Selbstvergötterung eines Amtes an sich, und einige Männer standen auf, um gegen diese Entehrung des Menschen – das ist das Wesen des Vatikanums – Verwahrung einzulegen. Der katholische Rektor der Prager Universität schrieb entsetzt: „Man ließ Sich abschlachten und schlachtete sich ab, warf die Überzeugung, Glaube, Priester- und Mannesehre hinweg. Das ist das (Vergebliche Proteste gegen Pius IX.) Resultat einer Entwicklung, welche in dem blinden Gehorsam gegen den römischen Hierarchen das Wesen des Christentums sieht*.“ Bischof Straßmeyer erklärte, die Kurie betrachte das Papsttum wie ein Aas, und hoffte auf den Tod Pius IX., was eine „wahre Wohltat für die Menschheit“ bedeuten würde; J. Döllinger lehnte das Dogma „als Christ, Theologe und Geschichtskundiger“ ab. Selbst der große Stolz des Zentrums, Windthorst, war immerhin mutig genug, wenigstens unter Freunden das neue Unfehlbarkeitsdogma abzulehnen. Wie der Breslauer Domherr Künzer mitteilte**, hatte er alle Mühe, Windthorst zu beruhigen und er „suchte seinen Ingrimm gegen die Jesuiten, die er für schuldig an allem erklärte, und gegen deren Vertreibung er keinen Finger krumm machen würde, zu besänftigen“. Aber was im 16. Jahrhundert noch möglich schien, war jetzt ansonst; es half alles nichts. Pius IX. konnte denn auch stolz von sich erklären: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben***“, ohne daß die seelisch zersetzte, geknechtete katholische Welt gegen diese Anmaßung aufzubegehren wagte…

Es handelt sich nun gar nicht darum, daß der Papst irgendwelche besondere Verfügungen als unfehlbar erläßt, sondern lediglich um die Tatsache, daß ihm diese Möglichkeit zugesprochen wurde. Erneut ist ein Stück von jenem unfaßbaren Etwas, das jedes Volk als Zentrum seiner Seele fühlt, angenagt, abgebröckelt worden. Der Papst wird auch offen nichts Unehrenhaftes fordern, die Tatsache der Ausstellung einer Blanko-Vollmacht seitens der katholischen Welt zeigt aber allein zur Genüge, daß man tatsächlich im Dienste der „Liebe“ seine Mannesehre weggeworfen hatte. Das Vatikanum bedeutete den Bruch der* Schulte: „Der Altkatholizismus in Deutschland“.** „Nordd. Allg.“ vom 11. Januar 1871.** Obs. catholique 1866, s. 357. (Luthers rettende Großtat) letzten Charaktere in der damaligen Kirche. Und also auch in der heutigen: denn die jetzigen Würdenträger sind bereits unter der Herrschaft dieser ehrlosen Lehrsätze großgezogen worden. Der sogen. „politische Katholizismus“ ist nur die notwendige Außenseite des jesuitisch-römischen Systems überhaupt, also auch nicht Mißbrauch, sondern die folgerichtige Anwendung der römischen Grundsätze, wenn auch Mißbrauch der echten Religion. Denn erscheint alles geistige von Rom freie Wesen, alle von Rom unabhängige weltliche Macht als „Abfall“ von der „legitimen Herrschaft“, so heiligt jedes Mittel den Zweck, diese geistig politische Herrschaft wieder zu erringen.

Dieses System hat die Opferfähigkeit des liebenden Menschen in den Dienst einer unbarmherzigen Kaste zu zwingen verstanden. Durch Verlegung des inneren Schwergewichts vom Ehrbewußtsein zu Demut und Mitleid wurde die seelische Würde der nordischen Völker unterhöhlt. Kriege, Revolutionen – zum Teil von Rom ausgenutzt, Zum Teil unmittelbar von Rom hervorgerufen – brachten weitere physische und seelische Zermürbungen mit sich, bis es nach demokratisch-jüdischer Mithilfe möglich wurde, 1870 den Schlußstein in die Kuppel des Gebäudes zusetzen. Und das heißt: Aufgabe der Ehre des Einzelnen, der Völker, der Rassen zugunsten des Herrschaftsanspruches einer sich selbst zum Gott erklärenden Priestergesellschaft.

In diesem großen Zusammenhang gesehen, liegt Luthers Großtat nicht auf dem Gebiet der Kirchengründung, sondern ist viel bedeutsamer als die Herbeiführung einer bloßen Kirchenspaltung. so sehr Luther auch noch tief im Mittelalter steckte, seine Tat bedeutet die große Umwälzung in der Geschichte Europas nach dem Eindringen des römischen Christentums: Luther verneinte das Priestertum an sich, d. h. die Berechtigung einer Menschenkaste, welche vorgab, zur Gottheit in näherer Beziehung zu stehen wie andere Menschen, die auf Grund einer sogenannten (Lamaismus in der Kirche) „Gotteswissenschaft“ sich anmaßte, besseren Bescheid über die Heilspläne Gottes und die Zustände im „Himmel“ zu besitzen. Damit hemmte Martin Luther das Fortschreiten jenes zauberhaften Unwesens, welches aus Mittelasien über Syrien – Afrika zu uns gekommen war. Afrikanisch ist das Mönchtum, ist die Tonsur, mittelasiatisch sind die naturwidrigen Kasteiungen, durch die man „Gott näher“ gebracht werden sollte, asiatisch ist der heute noch in Tibet gebräuchliche Rosenkranz, dessen Mechanismus in der Gebetmühle seine Vollendung gefunden hat. Asiatisch ist der Fußkuß des Papstes, der Dalai Lama verlangt noch heute das gleiche – und einiges mehr, was sich aber in Europa doch nicht durchsetzen ließ. Man denke hierbei auch an Alexander den Großen. Als dieser ganz Vorderasien erobert hatte, hieß er die Asiaten vor sich niederknien, wenn sie ihn begrüßten, mit seinen Mazedoniern aber verkehrte er wie mit Kameraden, ein einziger Versuch, die Proskynese auch bei ihnen einzuführen, scheiterte sofort und Alexander beließ es beim alten Verhältnis. schon dort schied sich nordisches Europa vom Orientalentum, aber der Lamaismus hatte in der Form der römischen Priesterkaste seinen Einbruch vollzogen und die orientalische Politik der Babylonier und Ägypter und Etrusker fortgeführt. Dieser Geistesgesamtheit hatte Martin Luther den Kampf angesagt, blieb Sieger und auch alle noch ehrbewußten Katholiken haben es seinem Werk zu verdanken, daß das Papsttum sich reformieren, säubern mußte, um überhaupt noch in der erwachenden Kulturwelt Europas bestehen zu können.

Man mache es sich nur klar, wohin es mit den einstmals germanischen Staaten gekommen wäre, wenn jener Geist gesiegt hätte, der die Heiligkeit mit Schmutz und ekelhaftem Leben verbinden wollte. Der hl. Eusäbius lief mit 260 Pfund eisernen Ketten herum, der hl. Macarius erkaufte sich die Heiligkeit, indem er die Schmerzen eines (Der „Geruch der Heiligkeit“) Ameisenhaufens ertrug, in den er sich setzte, der hl. Franziskus – in vielem gewiß eine ganz große Persönlichkeit – zollte dem Asiatismus den Tribut, indem er zum Wohlgefallen Gottes sich nackt auf Dornen herumwälzte. Besonders fromme Nonnen tranken fremden Speichel, aßen tote Mäuse und faule Eier, alles, um „heiliger“ zu werden. Der hl- Hilarius wird gepriesen, weil er nur im Unrat gelebt habe, der hl. Athanasius war stolz darauf, nie seine Füße gewaschen zu haben, das gleiche wird vom hl. Abraham, von der hl. Sylvia berichtet. Das Kloster der hl. Euphrasia hatte gar das Gelübde abgelegt, daß seine Nonnen nie baden dürften… Unter der hemmungslosen Weiterentwicklung dieses „Geruches der Heiligkeit“ wäre Europa heute bei dem Zustand der schmutzstarrenden Heiligen Indiens und Tibets angelangt, bei einem Zustand vollkommenster Verdammung, des furchtbarsten Aberglaubens, der Armut und des Elends – bei ständiger Bereicherung der Priesterkaste. Durch die Gesamtheit der antirömischen Bewegungen wurde Europa gerettet und der größte Retter des Abendlandes ist Martin Luther deshalb, weil er das Wesen bekämpfte, aus dem sich die skizzierten Zustände als notwendige Ergebnisse ergaben:

das zaubergewaltige Priestertum Roms als Fortsetzung der Priestergesellschaften Vorder- und Mittelasiens. Der deutsche Bauernsohn wurde somit zur Achse einer neuen Weltentwicklung, dem alle Europäer dankbar sein müßten, denn er hat nicht nur die Protestanten frei gemacht, sondern auch die Katholiken vor seelischem Untergang gerettet. Die spätere Rückkehr vieler Abgefallener (Wien, München waren einst protestantische Städte) zum Katholizismus wurde denn auch nur durch die erzwungene Säuberung vom Heiligengeruch möglich, aber man vergesse nie, daß, wenn es den protestantischen Geist nicht mehr geben sollte, die tibetanisch-etruskische Welt sich erneut offenbaren würde (Spanien, das am wenigsten protestantisch (Kaiser und Papst) war, hat die Herrschaft Roms am bittersten empfunden, nirgends in Europa gab es eine derartige seelisch-geistige Rückständigkeit wie dort vor der Revolution des April 1931). Wie tief satanischer Wahnglaube an den allerhöchsten Stellen auch heute noch herrscht, hat der Leo Taxil-Schwindel der erstaunten Welt ebenso offenbart wie das Teufelexorzieren frommer Kirchenmänner in allen Staaten.

Das Wesen des Kampfes zwischen Kaiser und Papst war zunächst der Kampf um Vorherrschaft zwischen der Ritterehre und der verweichlichenden Liebeslehre. Das lebendige Gleichnis des ersten abgeschlossenen Kompromisses ist das Schwert mit dem Kreuzesgriff, ist der auf dem Schlachtroß reitende Bischof. Ohne Frage überwog zuerst die Ritterehre; selbst ein Karl der Große hätte einen Pius IX. lachend abgewiesen*. Aber er hielt es für zweckmäßig. seine Würde durch die Religion heiligen zu lassen – ganz wie der ägyptische Pharao – und seine Herrschaft als von Gottes Gnaden stammend über die Völker zu verkünden. Kaiser und Papst waren also zunächst machtpolitisch Verbündete gegen die „edlen Sachsen“, denen es – nach Goethe – zum Ruhm gereicht, daß sie das Christentum in der gebotenen Form gehaßt haben. Widukind kämpfte zwar für sich, aber zugleich für die Freiheit aller nordischen Völker. Er unterlag; aber kein Zweifel darf heute mehr darüber bestehen, daß wir zu den Kräften stehen, die ihn leiteten und nicht zu denen, welchen Karl der Große zum Siege verhalf.

* Das rassische Bild Karls des Großen ist in diesem Zusammenhang von Interesse: Karl war ein ausgesprochener Rundschädel mit dickem, kurzen Nacken, im übrigen wohl nordischer Prägung, also ostisch-nordisch, nicht mehr selbstverständlich frei wie sein Gegner Widukind.

Der germanisch-christliche Beowulf

Die Gefolgschaftstreue und Mannesehre standen dem alten Ritter ebenso über Besitz und Glück, wie dem Sänger der Edda. Das Havamal schließt mit den Worten:

Besitz stirbt,
Sippen sterben,
Du selbst stirbst wie sie;
Eins weiß ich, Das ewig lebt:
Des Toten Tatenruhm.

Das ist die nordische Form der buddhistischen Karma-Lehre. Im Beowutf-Lied wird eine Verschmelzung germanischen Ehrgefühls mit der christlichen Erlösungsidee verbucht, insofern nämlich Beowulf die zerrissene, gequälte Menschheit zu retten unternimmt; aber er kämpft nicht mit Hilfe des Lehrsatzes, „dem Bösen nicht zu widerstreben“, sondern als „ein Held dem Bösen zum Entsetzen“ (vgl. hierzu die Worte Wischnus, der zur Vernichtung der Übeltäter immer wieder in der Welt erscheint). Ein gewisser weichlicher Unterton macht sich aber bereits im Beowulf bemerkbar. Während es für die älteren Germanen als Unehre galt, ohne den Führer und Herrn vom Schlachtfelde heimzukehren, hat das jämmerliche Betragen der „Jünger“ Christi im Garten zu Gethsemane (was auch dem Dichter des „Heiland“ sehr peinlich aufgefallen ist) hier bereits abgefärbt. Die Gefolgschaft des Beowulf verläßt ihn bis auf einen Getreuen, da sie von Todesahnungen erfaßt wird! Dieser durch und durch unnordische weichmütige Zug wird dann allerdings durch bewußtes Lob der Ehre wieder wett gemacht: „Kein Ereignis kann den edlen Mann des Blutes Liebe schwächen“, „Uns allen droht das Ende dieses Lebens: darum wer kann, erwerbe vor dem Tode sich Ruhm!“ schließlich werden die ehrlos und treulos Geflohenen mit dem Bann belegt:

Nun sei all euerem Geschlecht versagt
der Schwerter und der lichten Schätze Spende,

[188] Hagen und Petrus

der Heimat und des angestammten Sitzes
Genuß: der Rechte unseres Lebens bar
soll jeder sein, wenn in der Ferne
die Edelinge eure Flucht erfahren,
die ruhmlose Tat. Der Tod ist besser
für jeden Edeln als ein schmachvoll Leben.

Auch der germanische Ritter läßt sich unrühmliche Taten im Zustand der Willensschwäche und beim Durchbruch niederer Triebe zuschulden kommen, aber wenn er nachher für sie einsteht, sie bekennt und die Folgen auf sich nimmt, dann verstehen wir das eher als das feige Benehmen der ersten Apostel. Uns erscheint selbst eine unheimliche Gestalt wie Hagen bedeutend größer als etwa Petrus, der „Fels“. Hagen wirft seine Ehre weg im Dienst für die Ehre seines Königs und stirbt zuletzt dafür stolz und ungebrochen. Der schwatzhafte Petrus verleugnet seinen Herrn bei der ersten probe doppelt und dreifach; die einzige Aufwallung, die ihn sympathisch erscheinen läßt, als er das Schwert zieht (was denn der Dichter des „Heiland“ mit merkbarer Erleichterung schildert), wird durch seine späteren feigen Lügen sehr bezeichnend überdunkelt. Die kirchliche Überlieferung bemüht sich umsonst, aus Petrus einen Helden zu machen. Der fromme „HeIiand“ Dichter aber verflucht, das Verhalten der Jünger in Gethsemane durch ihre – Sorgen zu entschuldigen, denn sonst wäre ihr Schlafen seinen Sachsen ehrlos und somit unbegreiflich erschienen:

…. Der Geborene des Herrn
Fand sie in Sorgen schlafen / das Herz war ihnen schwer
Daß der liebe Herr / sie verlassen sollte.

Die Entwicklung vom Rittertum zum Ritterstand begann schon unter Konrad II., und dieser erhielt sich bis weit ins 14. Jahrhundert hinein. Die Ritter sahen sich als „Kinder des riches“ an und wurden verpflichtet, Kaiser und Reich gegen die äußeren Feinde zu schützen. Diese (Der Ritterstand) Tatsache gab ihnen als stand ihre Daseinsberechtigung, sie führte zum eigentlichen ritterlichen Ehrbegriff, der die erste erdgebundene, auf den höchsten Zweck abgestimmte standesmäßige Darstellung der Idee der Ehre ist. Nach dem fast vollkommenen Subjektivismus des Wikings und des altgermanischen Häuptlings mit seinem Gefolge wird somit eine große Volksschicht auf den seelischen Mittelpunkt der ganzen Rasse eingestellt. Die Gebräuche der Schwertleihe, der Umgürtung, dann der Ritterschlag stellten die innere Erhöhung und Veredelung sinnbildlich dar. Mag das spätere Rittertum auch durch seine Verknöcherung und schablonenhafte Abschließung ein zurückgebliebenes Stück Altertum in dem sich erneuernden bürgerlichen Leben dargestellt haben, bieten auch die Raubzüge der während des Friedens brachliegenden Ritterschaft ein wenig erfreuliches Bild, so sind das Dinge, denen auch die beste Idee bei ihrer Verkörperung nicht zu entgehen vermag, Tatsache aber bleibt, daß bis auf heute mit dem Worte „ritterlich“ nur ein Mensch bezeichnet wird, der kraftvoll für einen Mitmenschen eintritt und Ehre zu wahren versteht.

Selbstverständlich war das römische System bemüht, sich auch dieses Rittertum dienstbar zu machen, was u. a. durch die Schwertweihe zum Ausdruck gelangte. Gleich am Anfang seiner zehn Gelübde nämlich verpflichtet sich der Ritter, der Religion zu dienen, dann den Bedrängten beizustehen und erst am sSchluß, dem Kaiser Gehorsam zu leisten. Damit wurde eine Beeinflussung auch formell festgelegt, wie sie schon früher durchgeführt worden war. Gewisse fromme Geschichtsschreiber haben gar versucht, auch die Gründung des Rittertums selbst auf – Rom zurückzuführen (wie ihre Dogmen auf Jesus), wobei (Verfälschung des Rittergedankens) Gregor VII. als Gründer des Rittertums angesprochen wird. Es geschieht auch dies natürlich nur mit der Absicht, sogar die Darstellung des antirömischen Gedankens durch ursächliche Zrückführung auf den Papst in Abhängigkeit von diesem zu bringen, selbstverständlich mit verschiedenen, sich auch für die Gegenwart daraus ergebenden Folgerungen. so weiß uns z-B. der Historiker Gfrörer ganz genau zu erzählen, wie auch der ritterliche Gedanke vom heiligen Rom stamme, um dessen Absichten dann unverblümt zu enthüllen: „Erst in Folge des gewaltigen Einflusses, den die Kirche, durch die Wirksamkeit Gregors VII. auf den Kriegerstand der christlichen Reiche des Abendlandes und zwar zunächst des romanischen gewann, erreichte das Rittertum seinen vollen Inhalt als eine Anstalt oder Corporation, die es sich zur Aufgabe setzte, mittels besonderer Verpflichtungen den Heldenmut des Soldaten der Religion dienstbar zu machen.“ Ruhm, Ehre, Stamm, Volk, Kaiser und Reich wurden und werden also von den Vertretern des römischen Systems als bloße Namen und Nebensächlichkeiten betrachtet; als zweck des auf den Stellvertreter Christi zurückgehenden gefälschten Rittertums erscheint nur der Dienst für den Papst. Hiermit ist auch die unwandelbare Politik der römischen Kirche ganz deutlich geworden und tatsächlich ist es hypnotisierenden predigten gelungen, in den wahnwitzigen Kreuzzügen Ströme von Blut für die herrschsüchtige Kirche zu vergießen, „den Heldenmut der Religion dienstbar“ zu machen, die Ehre der „Liebe“ zu unterwerfen. „Iper und Arras“, riefen die Flamen, „Hufta heya Beyerlant“, lautete das Schlachtgeschrei der Bayern; das konnte Rom nicht hindern, aber durch das Ausspielen verschiedener Interessen gegeneinander konnte es Zwietracht säen. Und das hat es bis auf heute als seine Lebensaufgabe betrachtet. Rom kann aus Selbsterhaltungstrieb keinen Volks- und ehrbewußten (Rom im 8. bis 10. Jahrhundert) Stand, noch viel weniger eine ganze ehrbewußte, in sich selbst ruhende Nation vertragen, deshalb muß es Zwist, Krieg säen und die Rassenzerfetzung fördern. Das liegt im Wesen seines selbst rasselosen Systems und wird sich nie ändern, solange dieses System besteht. Eine weitere scheinbar unausrottbare GeschichtsfäIschung beherrscht auch heute noch selbst Kreise, die sich über Rom und sein System sonst klare Rechenschaft ablegen: als sei die Bildung und Gesittung, die nach und nach das Abendland durchzogen, eine Folge der kirchlichen Betätigung gewesen. Dabei ist das genaue Gegenteil der Fall.

Bedrängt von den Langobarden, fleht (um 755) Papst Stephan II. bei Pippin um Hilfe und bittet, man möge ihn doch ins Frankenreich einladen. Das geschieht; Pippin empfängt den Papst zu Fuß, dieser aber, seiner Schwäche bewußt, zeigt sich als armen Apostel Christi, hüllt sich mit seinen Priestern in härene Gewänder, streut Asche aufs Haupt und fleht den König auf den Knien an, dem römischen Volke zu helfen. Seit dieser Zeit betrachtet sich Frankreich als älteste Tochter Roms (entsagte jedoch klugerweise seit Hugo Capet den Verlockungen eines römischen Titels).Derselbe Papst wirkt dann gegen eine Vermählung Karls des Großen mit einer Langobardin. Er schreibt, Karl dürfe das „höchst edle Königsgeschlecht“ der Franken nicht mit dem Blute der Langobarden „auf treulose und höchststinkende Weise“ besudeln und bittet den Himmel im anderen Fall, Karl den „ewigen Flammen“ zu überliefern. Da diese Drohung aber auf den Kaiser keinen Eindruck machte, verbündet sich der fromme Vater später selbst mit dem „stinkenden“ Langobardeniönig.

In der Zeit, als angeblich von Rom aus die Durchgeistigung der Welt betrieben worden sein soll, ging es dort in Wirklichkeit höchst ungeistig zu. 896 kommt Papst Stephan VI. auf den Gedenken, den verwesten Leichnam seines Vorgängers aus dem Grabe zu scharren, den Toten (Käufe des päpstlichen Amtes) auf einer Synode als bösen Eindringling zum Tode zu verurteilen, dem „meineidigen“, verfaulten Leichnam drei Finger abhacken zu lassen und ihn dem römischen „Volk“ zum Ersäufen zu überantworten. Darauf wechseln die Päpste, stürzen einander, sperren sich abwechselnd ein, bis Sergius III., zur linken Hand seine Konkubine Marozia, den „Stuhl Petri“ besteigt. Diese Frau, nebst ihrer Mutter Theodora, sicherte sich einflußreiche Bischöfe als Buhler und Stützen ihrer Herrschaft. Als Sergius erledigt war, erhob nach kurzer Pause die Marozia ihren Sohn zum Papst als Johann XI. Darüber war ihr erster Sohn Albrich hoch erzürnt und stürzte die Herrschaft seiner Mutter. Nach seinem Tode bekleidete sein Sohn das päpstliche Amt als Johann XII. Die Zustände wurden aber auch später nicht besser 983 gelang es dem davongejagten Papst Bonifaz VII., seinen, Jesus „stellvertretenden“ Konkurrenten Johann XIV. ins Gefängnis zusetzen und dort sterben zu lassen. Aber auch Bonifaz erfreute sich nicht lange der Tiara; er wurde seinerseits vom königlichen Adel und von Frau Theodora, wie gesagt, der famosen Mutter der so überaus tüchtigen Hure Marozia, verjagt, deren Enkel Crescentius d. J. Herr von Rom wurde, welcher nun den Papststuhl an willige Kreaturen verschacherte. 1024 bestieg ein Mensch den päpstlichen Thron, der vorher nie Geistlicher gewesen war. Er kaufte sich die Stellvertreterschaft Gottes und nannte sich Johann XIX. Ferner wurde zum Papst ein Zehnjähriger Grafensohn gewählt als Papst Benedikt IX. Da dieser sich aber schon früh allen erdenklichen Lastern hingab, wurde es selbst den Römern zu bunt; sie wählten also einen neuen Stellvertreter Christi, der sich Sylvester III. nannte. Der neue Papst aber bekam es bald mit Angst vor den Gefahren seines Amtes zu tun und zog es vor, dieses um 1000 Pfund an Gregor Vl. zu verschachern, worüber der vertriebene Benedikt sittlich ent- (Der König rettet das Papsttum) rüstet war und erneuten Anspruch auf den Stuhl Petri erhob. Der ehrliche Kardinal Cäsar Baronius nannte diese Päpste einfach „Hurenhengste“. Dieser Skandal hörte erst auf, als Kaiser Heinrich lll. eingriff.

Das waren die römischen Zustände im 10. und 11. Jahrhundert, die jeder Deutsche kennen sollte, die aber wohlweislich von einer einerseits verlogenen, andererseits feigen Geschichtsschreibung verschwiegen werden. Gerade zu dieser Zeit begann die nationale Sammlung der Deutschen unter Heinrich l., der bewußte Versuch nationaler Aufrichtung und Kultivierung unter Otto I., dem Großen.

In der Religion erblickte Otto ein seelenbildendes und veredelndes Moment. Dank ihm, dem deutschen Ritter, erhielten die Bischöfe großen Einfluß, rückten in den fürstlichen Rang ein und vermittelten geistige Kenntnisse, förderten Handwerk, Gewerbe und Ackerbau. Vom Kaiser, nicht vom Papst geleitet und geschützt, erblühten die ersten Kulturzentren in Quedlinburg, Reichenau, Hersfeld.Die Päpste ließen ehrenhafte Mahner im Gegenteil ermorden, wie Hadrian IV., der Arnold von Brescia zu erdrosseln und zu verbrennen befahl, als er von dessen Bußpredigten hörte*.

Dem Bestreben Otto I. lag ohne Zweifel der Gedanke einer germanischen Nationalkirche zugrunde, der mit den versunkenen arianischen Goten gestorben zu sein schien. Aus diesem Grunde setzte er fest, daß die Geistlichen vom Grundherrn ernannt würden: das veranlaßte ihn

*Ich kann hier auf mehr Einzelheiten nicht eingehen. Bemerkt sei nur noch, daß die Päpste sich von den Hurenhäusern bestimmte Prozente zahlen ließen, was Paul II. (1464–1471) zu einer ständigen Einnahmequelle ausgestaltete. Sixtus IV. bezog 20000 Golddukaten jährlich aus den Freudenhäusern. Die Geistlichen mußten für ihre Konkubinen bestimmte Taxen zahlen, während der Vatikan seine Beamten mit Schecks auf die Bordelle entlohnte. Sixtus IV. erlaubte für eine bestimmte Zahlung auch die Knabenliebe. Indezenz VIII. hatte 16 Kinder zu ernähren. Alexander VI. aber erklärte, der Papst siehe höher als der König, so etwa wie der Mensch über dem Vieh. Deshalb ließ er wohl ein Dutzend Bischöfe und Kardinale ermorden, die ihm gefährlich schienen. Für 300.000 Golddukaten beseitigte Papst Alexander VI. den türkischen Thronprätendanten Dschem und strich das Geld des „ungläubigen“ Sultans seelenruhig ein. 1501 ernannte Alexander VI. seine Tochter Luktezia für eine Zeitlang zu seiner Stellvertreterin. (Die „Reform“ der Clunyazenser) aber auch, sich das Papsttum zu unterwerfen: die Römer mußten schwören, ohne Zustimmung des Kaisers keinen Papst zu wählen. Otto III. ernannte selbstherrlich zwei Päpste. Ähnlich säuberte Heinrich lll. das Papsttum. Im großen Konflikt zwischen dem Erzbischof Williges von Mainz gegen den römischen volkslosen Zentralismus fanden sich sämtliche deutsche Bischöfe in bewußter offener Ablehnung dem Papst gegenüber, der schließlich nachgeben mußte. Man war damals noch freier in Deutschland als 1870 und 1930!

Eine große Stärkung erfuhr das Papsttum jedoch durch die CIunyazenser, die über den staatlichen Rahmen hinaus eine internationale, nur vom Papst abhängige Organisation schaffen wollten.

Diese Bewegung setzte sich zwar eine Reform des verlotterten Mönchswesens zum Ziel, zeigte aber sehr bald ihre ungermanische Geisteseinstellung. Die bisher üblichen Bußübungen gegen das sündige teuflische Fleisch, auf die der Germane lachend hinabgeblickt hatte, wurden ihrer früheren plumpen Form entkleidet und in eine schlauere Marterung der Seele (gleichsam als Vorläufer des Jesuitismus) verwandelt. Für bestimmte Teile des Clunyazenserklosters galt strenges Schweigegebot, jeglicher Frohsinn wurde verboten, Freundschaft nicht geduldet. Die Angeberei wurde zur frommen Pflicht gestempelt, Schuldige mit entehrenden Strafen belegt. Diese widernatürliche Zuchtform entstammt offenbar jener ligurisch-ostischen Rasse, die vor der Einwanderung der (Der Dank Roms) nordischen u. a. auch Südostfrankreich besiedelte. Dieses Zertreten der eigenen Seele, diese innere Selbstentmannung und Unterwerfungssucht unter fremde Dämonen und Zaubermächte zeigt uns aber den Geist der römischen Kirche in engster, rassisch bedingter Wechselwirkung mit allem unarischen Blut und zerfetzten Bevölkerungsgruppen. Es ist deshalb auch kein Zufall, daß die „Reform“ der CIunyazenser sofort in den ostisch-rassischen Teilen Lothringens Fuß faßte. Gegen diese seelische Krankheit trat sofort der Erzbischof Aribo von Mainz auf und stutzte den machtbewußten Konrad II. Im Norden regte sich fast gleichzeitig das alte Blut: Bischof Adalbert von Wettin setzte sich eine germanische Nationalkirche als Ziel: das Wort „deutsch“ wurde zum erstenmal Allgemeingut, Mönche der römischen Kirche suchten nun nach den noch übrig geblichenen, fast vernichteten geistigen schätzen ihres Volkes.

Der deutsche Kaiser hatte den Papst aus dem Sumpf gezogen, die Kirche zu Ehren gebracht und ihre Diener veredelt. Der dadurch erneut gestärkte römische Universalismus benutzte natürlich diese Kräfte, berief sich – wie üblich – auf nachweisliche Fälschungen („Konstantinische Schenkung“ und „Isidorische Dekretalien“), um die Herrschaft des Papsttums über den Kaiser als „von Gott gewollt“ hinzustellen und den Zentralismus gegen den Episkopalismus durchzusetzen. Dieser Kampf wurde unter Ausnutzung sämtlicher verfügbaren Mittel durchgeführt: die Vasallen wurden gegen den Kaiser gehetzt, ja der Kirchenstreik gegen „unbotmäßige“ Bischöfe verkündet. Das war der Dank Roms.

Mit besonderer Vorliebe wird seitens der römischen Geschichtsschreiber die Dauerhaftigkeit des Papsttums als Beweis seiner „göttlichen Einsetzung“ gepriesen Wer aber weiß, daß Rom seine Machtstellung zu allererst dem Kaisertum zu verdanken hat, seine seelische Einwirkung nur (Die „Dauerhaftigkeit“ Roms) der inneren Größe frommer aristokratischer Geister wie Franz von Assisi, Albertus Magnus, Meister Eckehart, der wird darüber wohl anderer Meinung sein. Im übrigen ist die Dauerhaftigkeit einer Einrichtung an sich noch kein Wertmesser für ihren inneren Wert. Es kommt lediglich auf die Art der Kräfte an, die ihr zu Dauer verhelfen haben. Schließlich war die ägyptische Kultur viel älter als die römische Kirche; der Mandarin zählt mehr bekannte Ahnen als der Papst; Lao-tse und Konfuzius lebten vor 2500 Jahren und regieren noch heute. Und dann starb doch das deutsch-römische Kaisertum erst vor etwa hundert Jahren. Die Zeit rückt heran, in der auch der Papst das wird, was er sein sollte: das Haupt der italienischen Nationalkirche (die Auseinandersetzung zwischen dem nationalistischen Faschismus und dem Vatikan wird hoffentlich die Durchsetzung dieser Notwendigkeit beschleunigen). Das Papsttum hat (ungeachtet dessen, daß auch eine Anzahl wirklich großer Männer auf dem  sog. Stuhle Petri saß) seine Herrschaft auf der Voraussetzung seelischer Knechtung und rassischer Zerfetzung der germanisch bestimmten Völker aufbauen müssen. Aus den freien großen Seelen, die sich noch im 11. bis 14. Jahrhundert Rom als einer von ihnen geheiligten Idee schenkten, schöpfte der Vatikan die Waffen der Knechtung. Seit dem Erstarken des Jesuitismus, seit dem Tridentiner Konzil ist „Rom“ jedoch niederrassisch bedingt und erstarrt zugleich. Die schmutzige „Moraltheologie“ des heiligen Alfons von Liguori einerseits, die Ehrlosmachung durch den Jesuitismus andererseits, bedingte, daß seit der Erdrosselung der Religion des Meisters Eckehart alles wirklich Große europäischer Kultur aus gegenkirchlichem Geist entsprungen ist, von Dante (der noch 1864 ausdrücklich verdammt wurde u. a., weil er Rom als Kloake bezeichnet hatte) und Giotto bis Kopernitus und Luther; von der deutschen klassischen Kunst und nordischen Malerei und (Die Hansa) Musik gar nicht zu reden. Alles, was Knechtseligkeit „Liebe“ nannte, sammelte sich unter Rom, alles, was Ehre und Freiheit der Seele erstrebte, trennte sich immer bewußter von der römischen Geisteswelt.

Der Ritterstand verlor im 15. und im 16. Jahrhundert seine Bedeutung. Aber der Ehrbegriff, den er gepflegt hatte, war in den anderen ständen erwacht. Namentlich der Bürger befreite sich von der Burg, baute seine Städte und Kirchen, trieb Gewerbe und Handel, schloß sich zu gewaltigen Bünden zusammen, bis schließlich der Dreißigjährige Krieg einer ganzen Kultur ein Ende machte.

Daß sich der germanische Ehrbegriff selbst im Händler verkörpert, wo dieser, auf sich selbst gestellt, ohne orientalische Zwischenschieber sich auswirken konnte, zeigt die H a n s a. Ursprünglich ein nüchterner, den Handel sichernder kaufmännischer Zweckverband, streckte sie ihre Arme später weit aus, handelte nicht nur, sondern baute auf, gründete, kolonisierte. Die Ruinen von Nowgorod und Wisby sprechen eine ebenso laute Sprache von sittlicher Kraft, wie die Rathäuser von Brügge, Lübeck, Bremen. Über 75 Städte schlossen einen Trutzbund miteinander, der seinem innersten Wesen nach die Aufgabe hatte, der kaiserlichen Ohnmacht gegenüber ein deutsches Machtzentrum zu bilden. Aber ehe noch ähnliche Gedanken tiefer Fuß fassen konnten, brach die größte Katastrophe der deutschen Geschichte herein. Und zwar mit dem gleichen Ergebnis wie es die Hugenottenkriege in Frankreich gezeitigt hatten: der Charakter des deutschen Volkes wurde verändert. Beherbergte Deutschland zu Beginn des 16. Jahrhunderts trotz des elenden Kaiserregiments ein stolzes Bauern- und fruchtbares Bürgertum, so rotteten dreißig blutige Jahre (die dem Papst Innozenz X. noch immer (Der 30-jährige Krieg) nicht genügten) das beste Blut Deutschlands aus, zahlreiche fremdstämmige Schwärme feindlicher Staaten verdarben die Rasse, ein ganzes Geschlecht wuchs inmitten von Raub und Mord auf. Bayern allein zählte 5000 verlassene Bauernhöfe, Hunderte von blühenden Städten lagen in Trümmern, nahezu zwei Drittel des deutschen Volkes waren ausgerottet. Da gab es keine Kunst, keine Kultur, keinen Charakter mehr. Ehrlose Fürsten plünderten ein elendes Volk aus und diese,, Untertanen“ ließen sich stumpf und dumpf alles gefallen. Und trotzdem raffte sich das germanische Blut auf gegen die Verlotterung der Habsburger und die französische Bedrohung. Jenes Blut des Niedersachsentums, das einst an die Düna gezogen war, leistete dem ganzen Verfall oben und unten Widerstand. Wie ein verheißungsvoller Ruf klingen noch heute in unseren Ohren die Trompeten von Fehrbellin und die stimme des großen Kurfürsten, mit dessen Tat Deutschlands Auferstehung, Rettung und Neugeburt ihren Anfang nahmen. Man mag an Preußen aussetzen, was immer man mag: diese primitive Rettung der germanischen Substanz bleibt für immer seine Ruhmestat; ohne sie gäbe es keine deutsche Kultur, überhaupt kein deutsches Volk, höchstens auszubeutende Millionen für die beutelüsternen Nachbarn und habgierige Kirchenfürsten.

Es ist kein Zufall, wenn gerade heute inmitten eines neuen furchtbaren Sturzes in den Abgrund die Gestalt Friedrichs des Großen von leuchtendem Glanz überstrahlt erscheint, versammeln sich doch in ihm – trotz auch seiner Menschlichkeiten – alle jene Charakterwerte, nach deren Herrschaft heute wieder sehnsüchtig seitens der Besten des Deutschtums gerungen wird: persönliche Kühnheit, unerbittliche Entschlußkraft, Verantwortungsbewußtsein, durchdringende Klugheit und ein Ehrbewußtsein, wie es noch (Friedrich der Einzige) nie so mythisch groß zum Leitstern eines ganzen Lebens auserkoren worden war. „Wie kann ein Fürst seinen Staat, den Ruhm feines Volkes und die eigene Ehre überleben?“, fragt er seine Schwester am 17. September 1757. Nie werde ihn ein Unglück feige machen, im Gegenteil: „Niemals werde ich die Schande auf mich nehmen. Die Ehre, die mich im Kriege hundertmal mein Leben aufs Spiel setzen ließ, hat mich dem Tode aus geringerem Anlaß trotzen lassen“ „Man wird von mir nicht sagen können,“ betont er weiter, „daß ich die Freiheit meines Vaterlandes und die Größe meines Hauses überlebt habe.“

„Hätte ich mehr als ein Leben, ich würde es dem Vaterlande opfern“, schreibt Friedrich am 16. August 1759 an d’Argens nach einer furchtbaren Niederlage. „Ich denke nicht an den Ruhm, sondern an den Staat.“ „Meine unwandelbare Treue gegen das Vaterland und die Ehre lassen mich alles unternehmen, aber die Hoffnung leitet sie nicht“, heißt es wenige Tage später. Auch an Luise Dorothea von Gotha legt er das Geständnis nieder: „Vielleicht ist Preußens Schicksalsstunde gekommen, vielleicht wird man ein neues despotisches Kaisertum erleben. Ich weiß es nicht. Aber ich bürge dafür, daß es dazu erst kommen wird, nachdem Ströme von Blut geflossen sind, und daß ich nicht mein Vaterland in Ketten und die schmachvolle Sklaverei der Deutschen mit ansehen werde.“ Und erneut schreibt Friedrich an d’Argens (18.9. 1760): „sie sollten wissen, daß es nicht nötig ist, daß ich lebe, wohl aber, daß ich meine Pflicht tue“ und (28. 10. 1760): „Niemals werde ich den Augenblick erleben, der mich zwingen würde, einen unvorteilhaften Frieden zu schließen.“ „Ich werde mich entweder unter den Trümmern meines Vaterlandes begraben lassen, oder… meinem Leben selbst ein Ende machen… Von dieser inneren Stimme und von den Forderungen der Ehre habe ich (Aufkommen der Freimaurerei) mich in meinen Handlungen stets leiten lassen und gedenke es auch künftig zu tun.“*

War Friedrich Wilhelm I. das Gleichnis für bürgerliche Ehrenhaftigkeit und sich selbst beschränkende Klugheit, so Friedrich II. das Symbol alles Heroischen, was verklungen und untergegangen schien in Blut und Schmutz und Elend. sein Leben ist echteste, größte deutsche Geschichte und als ein ganz erbärmlicher Schuft erscheint uns heute ein Deutscher, der die Gestalt des Friedrichs mit hämischen Glossen zu verfälschen trachtet.

Aber es waren nur wenige, die er zu formen vermochte. Trotz seiner großen Friedensarbeit waren die breiten Volksschichten roh, ohne kulturelle Überlieferung, die gebildeten entartet, äffisch, unpreußisch, undeutsch. Nur widerwillig ließen sie die Zuchtformen des fritzischen Gedankens auf sich wirken und Friedrich selbst – dessen Regierung Kant seine „Kritik der reinen Vernunft“ widmete – fand innerhalb des damaligen Deutschtums keine dem Franzosentum gegenüber ausgereifte selbständige Geistigkeit,

so daß seine Liebhaberei für französisches Schrifttum den Weg zum Sieg auch der neufranzösischen Gedankenwelt bahnte, die in der neuen Form der Liebesidee, in der Form der Humanitätslehre, die organischen Kräfte des noch nicht zu vollem Bewußtsein erwachten Preußens lähmte und es später unfähig machte, den Heeren der französischen Revolution zu widerstehen.

Die neue Lehre der Humanität war die „Religion“ der Freimaurer. Diese hat bis auf heute die geistigen Grundlagen einer universaIistisch-abstrakten Bildung abgegeben, den Ausgangspunkt aller ichsüchtigen Glückselig-* In diesem Zusammenhang verweise ich auf eine ausgezeichnete Herausgabe von Richard Fesler: “ Friedrich der Große, Briefe und Schriften“, zwei Bände, Leipzig 1927, die sich durch Sonderung des Wichtigsten und großzügige Wertung von vielen anderen unterscheidet. (Die Loge als Gegenkirche) keitspredigten, sie hat (bereits um 1740) auch das politische Schlagwort der letzten 150 Jahre „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ geprägt und die chaotische, völkerzerfetzende „humane“ Demokratie geboren.

Am Anfang des 18. Jahrhunderts traten in London Männer zusammen, denen die konfessionellen Streitigkeiten innerhalb der bisherigen „Religion der Liebe“ zum Teil Volk und Vaterland gekostet hatten, und gründeten inmitten einer verrohten Zeit einen „Menschheitsbund zur Förderung der Humanität und Brüderlichkeit“. Da dieser Bund nur „den Menschen“ anerkannte, so wurde von vornherein kein rassischer noch religiöser Unterschied gemacht.“Die Maurerei ist ein Menschheitsbund zur Verbreitung toleranter und humaner Grundsätze, an welchem Ordenbestreben der Jude und der Türke ebensoviel Anteil nehmen kann, wie der Christ.“ so lautete die 1722 aufgestellte Konstitution. Die Idee der Humanität soll „das Prinzip, den Zweck und den Inhalt“ der Freimaurerei bilden. „sie ist – laut dem Freiburger Ritual – weitgreifender als alle Kirchen, Staaten und Schulen, als alle Stände, Völker und Nationalitäten; denn sie dehnt sich über die gesamte Menschheit aus.“ so belehrt uns noch heute das deutsche Logentum*. Römische Kirche und freimaurerische Gegenkirche sind sich also einig im Niederreißen aller Schranken, welche durch seelische und physische Gestalt geschaffen werben. Beide rufen ihre Gefolgschaft auf im Namen der Liebe bzw. der Humanität, im Namen eines grenzenlosen Universalismus, nur fordert die Kirche vollständige Unterwerfung, Unterordnung innerhalb ihres Bereiches (der freilich die ganze Erde sein soll), während die Gegenkirche eine schrankenlose Grenzvernichtung predigt,* R. Fischer: „Erläuterungen der Katechismen der Job. Freimaurerei“, Leipzig 1902. Näheres bei A. Rosenberg: „Das Verbrechen der Freimaurerei“ und „Freimaurerische Weltpolitik“, München 1921 und 1929. (Judentum und Freimaurerei) das Leid und die Freude des Einzelnen, „des Menschen“, zum Maßstab ihres Urteils macht, was als die Ursache zur heutigen Lage anzusehen ist, daß der nackte Reichtum des Individuums höchstes Gut der Demokratie geworden ist und in ihr die höchste Stelle im Gesellschaftsleben eingeräumt erhält.

Diese atomistische Weltanschauung war und ist die Voraussetzung für die politische Lehre der Demokratie und des wirtschaftlichen Zwangsglaubenssatzes von der Notwendigkeit des freien Spiels der Kräfte gewesen. Alle Mächte also, die auf Lockerung staatlicher, nationaler. sozialer Bindungen hinarbeiteten, mußten sich bemühen, diese Freimaurerphilosophie, folglich auch den „Menschheitsbund“, sich dienstbar zu machen. Hier sehen wir nun das internationale Judentum aus Instinkt und zugleich aus bewußter Überlegung sich in die Organisation der Freimaurerei einnisten. Zwar wirkte das rassische Wesen im „Menschheitsbund“ instinktiv ebenso abwehrend wie gegenüber den Versuchen der Kirche, germanische Art auszurotten, aber es ist trotzdem leicht nachweisbar, daß, während der nordische Mensch sich Roms erwehrte, der blinde Hödur ahnungslos ihm einen Todesstoß von hinten versetzte: die Freimaurerei wurde in Italien, Frankreich, England zu einem politischen Männerbund und führte die demokratischen Revolutionen des 19. Jahrhunderts. Ihre „Weltanschauung“ unterhöhlte Jahr für Jahr die Grundlagen alles germanischen Wesens. Heute sehen wir die geschäftigen Vertreter der internationalen Börse und des Welthandels fast überall führend die Gegen-„kirche“ leiten. Alles im Namen der „Humanität“. Die Heuchelei der heutigen Weltausbeuter aus „Humanität“ ist fraglos erniedrigender als jene Knechtungsversuche, die im Namen der „christlichen Liebe“ Europa so oft in Unruhe und Chaos versetzt haben. Dank der Humanitätspredigt und der Lehre von der Menschengleichheit konnte (Die Entartung der „Humanität“) jeder Jude, Neger, Mulatte vollberechtigter Bürger eines europäischen Staates werden; dank der humanitären Sorge für den Einzelnen wimmelt es in den europäischen Staaten von Luxusanstalten für unheilbare Kranke und Irrsinnige; dank der Humanität wird auch der rückfällige Verbrecher als unglücklicher Mensch ohne Bezug auf die Interessen des ganzen Volkes gewertet, bei der ersten Möglichkeit wieder auf die Gesellschaft losgelassen und in seiner Fortpflanzungsfähigkeit nicht behindert. Im Namen der Humanität und der „Freiheit des Geistes“ wird den Schmutzjournalisten und jedem ehrlosen Halunken der Vertrieb jeglicher Bordell-Literatur gestattet; dank der Humanität dürfen Nigger und Juden in die nordische Rasse hineinheiraten, ja wichtige Ämter bekleiden. Diese an keinen rassischen Ehrbegriff gebundene Humanität hat das unerhörteste Betrugswesen der Börse zu einem geachteten Beruf unter anderen gemacht, ja dieses organisierte Verbrechertum in Frack und Zylinder bestimmt heute auf Weltwirtschafts- und „Sachverständigen“-Konferenzen fast selbstherrlich über jahrzehntelange Fronarbeiten von Millionenvölkern.

Im Schlepptau dieser freimaurerischen Demokratie schwamm dann die gesamtmarxistische Bewegung, welche die Anfänge eines gesunden Protestes der Arbeiterschaft verfälschte und alle sozialdemokratischen Parteien der Börse mit Hilfe des jüdischen Geldes, der jüdischen Führer und der jüdischen, teils individualistischen, teils universalistischen „Ideologie“ sich dienstbar machte. Der um sein Schicksal betrogene Industriearbeiter des 19. Jahrhunderts, plötzlich entwurzelt, aller Maßstabe des Urteils beraubt, flüchtete zu den verlockenden Predigten einer Internationale des Proletariats, glaubte durch Klassenkampf, d. h. durch Zerstörung einer Hälfte seines eigenen Körpers, „frei“ werden zu können, berauschte sich an der zu erreichenden Macht und übergoß dies alles mit der Tünche (Verfälschung des Opfergedankens) der Humanität. Heute ist dieser Wahn zerplatzt und die marxistische Führerschaft des furchtbaren Betrugs an einer schwer ringenden, an sich kraftvollen und kampfkräftigen Menschenschicht entlarvt*.

Das Paradoxon sowohl der Demokratie wie der marxistischen Lehre besteht darin, daß sie beide die brutalste, ehrloseste, materialistische Weltanschauung tatsächlich vertreten und bewußt alle Triebe nähren, die eine Zersetzung fördern könnten, zu gleicher Zeit aber ihre Barmherzigkeit, ihre Liebe zu den Unterdrückten und Ausgebeuteten beteuern. In kluger Weise wird hier die seelische Opferfähigkeit des Proletariats angerufen, um dieses seinen Führern gegenüber innerlich abhängig zu machen. Wir sehen hier im Marxismus die Idee des Opfers und der „Liebe“ die gleiche Rolle spielen, wie im römischen System. Blut und Ehre wurden gleichfalls von den Führern des Marxismus verhöhnt und verspottet, bis sich aber in der Arbeiterschaft doch diese unausrottbaren Ideen kundtaten. Heute spricht man endlich von einer „proletarischen Ehre“. Greift dieser Gedanke um sich, so ist noch nicht alles verloren, denn mit dem Hochhalten des Ehrbegriffes überhaupt wird sich die deutsche Arbeiterschaft einst auch ihrer ehrlosen marxistischen Führerschaft für immer zu entledigen wissen. Gestaltet sich dann dieser Begriff einer Standesehre zur Idee der Nationalehre aus, so ist dadurch der erste GIockenschlag der deutschen Freiheit getan. Es ist dies aber nur dann möglich, wenn alle wirklich Arbeitenden des deutschen Volkes eine Front gegen alle an Wirtschaft, Profit und Börse Verkauften bilden, gleich, ob diese Tatsache mit dem Mantel der Demokratie, des Christentums, des Internationalismus, der Humanität verdeckt wird.

A. Rosenberg: „Die internationale Hochfinanz als Herrin der Arbeiterbewegung in allen Ländern“, München 1925.

Friedrich der Große als Gleichnis

Wie eine unzähmbare Naturkraft wirkt der Geist Friedrichs des Großen heute im deutschen Volke. Alles, was im Taumel des triumphierenden Untermenschen sich selbst wieder fand, erblickte sein schlackenfreiestes Streben im Freiheitskampf des alten Fritz verwirklicht, vorgezeichnet mit einem ehernen Stift, der durch alle zeitlichen Umhüllungen hindurch germanisches Wesen umschrieb. Und neben dieser Größe erscheint dann die unbegreifliche Tragik, daß die für einen Großen mögliche Libertät des Geistes von allzuvielen Kleinen Besitz ergriff und das, was aus der furchtbaren aber notwendigen Zucht selbstformend herausstrebte, den Gedanken der mit äußerlichen Geistesflittern glitzernden französischen Demokratie in die Arme trieb. Napoleon traf ein dem Zopf und der Aufklärung ausgeliefertes Preußen an. Und dieses zerbrach, weil es nicht mehr fritzisch, sondern pazifistisch liberaIistisch dachte. „Wir sind eingeschlafen auf den Lorbeeren Friedrich des Großen“, schrieb später Königin Luise an ihren Vater. Aber aus diesem Niedergange entstieg endlich die Idee Alldeutschland. Preußens Ehre wurde Deutschlands Sache. Gneisenau und Blücher, Scharnhorst und Jahn, Arndt und Stein, sie alle waren die Verkörperung des alten Ehrbewustseins und haben das auch ihr ganzes Leben über ausgesprochen wie die Königin Luise selbst, die alles für die Milderung des Loses ihres Volkes tun wollte, nur nicht, was gegen das Ehrgefühl ginge.

Das alles wissen wir oder sollten es ebenso wissen, wie die Burschenschaften, die damals ihre Fahnen entrollten und später die Barrikaden bestiegen, als Zopf- und Untertanengeist – die ewig unseligen, noch heute herrschenden Ergebnisse des Dreißigjährigen Krieges – Deutschland um die Errungenschaften seines Hochfluges der Freiheitskriege gebracht hatten. Bis der Traum der Deutschen scheinbar auf den Schlachtfeldern von Metz, Mars la Tour, St. Privat und Sedan in Erfüllung ging. scheinbar! (Die russische Leidenslehre)

Denn das Versailles von 1871 war eine politische Einigung ohne mythischen, weltanschaulichen Gehalt. Das Unbedingte der großdeutschen Idee, die einen Blücher erklären ließ, wenn die Könige die Erhebung des Volkes nicht wollten, so sollte man sie davonjagen; die einen Stein veranlaßten, den König von Preußen vor die Wahl zustellen, den Aufruf „An mein Volk“ zu unterzeichnen, oder nach Spandau zu gehen, dieses Unbedingte fehlte dem Geschlecht nach 1871. Es gab sich „der Wirtschaft“, dem Welthandel hin, wurde freimaurerisch-human, wurde „saturiert“, vergaß die Aufgabe, seinen Lebensraum zu erweitern und zerbrach, durch Demokratie, Marxismus und Humanität zerfetzt. Erst heute ist die stunde der Wiedergeburt gekommen.

Die christlich-kirchliche Demut und die freimaurerische Humanität waren zwei Formen, unter denen die Idee der Liebe als Höchstwert Menschengruppen gepredigt wurde, die von irgendeinem herrschsüchtigen Zentrum aus geleitet werden sollten. Es spielt hierbei durchaus keine Rolle, daß sowohl viele Lehrer der christlichen Demut wie der liberalen Humanität dies gar nicht beabsichtigten; es handelt sich bloß um die Form der Ausnutzung eines verkündeten Wertes. Zum Ende des 19. Jahrhunderts trat die Liebesidee nun in einer dritten Form auf, die uns den Bolschewismus bescherte: in der russischen Leidens- und Mitleidenslehre, symbolisiert im „Dostojewskischen Menschen“.

Dostojewski spricht in seinem „Tagebuch“ ganz offen aus, daß ein „absolut wurzelhaftes Verlangen“ des rassischen Menschen in der Sehnsucht nach dem Leiden bestehe, nach fortwährendem Leiden; Leiden in allem, selbst in der Freude. Auf Grund dieser Idee handeln und leben seine Gestalten; im Mitleiden liegt deshalb auch der (Dostojewskis Tragik) Schwerpunkt der russischen Sittlichkeit. Das Volk weiß zwar, daß ein Verbrecher sündhaft handelt, aber: „Es gibt unausgesprochene Ideen … Zu diesen im russischen Volk verborgenen Ideen zählt die Bezeichnung der Verbrecher als Unglückliche. Diese Idee ist eine rein russische.“

Dostojewski ist das Vergrößerungsglas der russischen Seele; durch seine Persönlichkeit kann man ganz Rußland in seiner oft schwer deutbaren Mannigfaltigkeit ablesen. Und tatsächlich sind die Folgerungen, die er aus seinem Bekenntnis zieht, ebenso bezeichnend wie seine Bedenken in der Beurteilung des russischen Seelenzustandes. Er bemerkte, daß diese Idee des Leidens mit einem Zug des Unpersönlichen und Unterwürfigen eng verknüpft sei. Der russische Selbstmörder z. B. hege auch keinen Schatten des Mißtrauens, daß das zu tötende Ich ein Unsterbliches sei. Dabei sei er gar kein Atheist. Er habe scheinbar davon gar nichts gehört: „Denkt an die früheren Atheisten: wenn sie den Glauben an eines verloren hatten, begannen sie sofort leidenschaftlich an ein anderes zu glauben. Denkt an den Glauben Diderots, Voltaires … Bei den unseren vollkommen tabula rasa; ja und wozu hier Voltaire nennen; es fehlt einfach an Geld, um sich eine Geliebte zu halten, und weiter nichts.“

Diese Erkenntnis bei einem Menschen vorzufinden, der „nur leben wollte, um einmal sein Volk glücklich und gebildet zu sehen“, ist erschütternd und ergänzt sich durch die Bemerkung Dostojewskis, daß es in Rußland keinen Menschen gäbe, der nicht lüge. Und dies, weil dort die allerehrbarsten Leute lügen könnten. Erstens, weil dem Rassen die Wahrheit zu langweilig scheine; zweitens aber, „weil wir uns alle unseres Selbsts schämen und jeder sich bemüht, sich unbedingt als etwas anderes zu Zeigen, als er ist.“ Und bei aller Sehnsucht nach Wissen und Wahrheit sei der Rasse doch schlecht bewaffnet. Hier zeigt sich aber bereits die Kehrseite der Unterwürfigkeit: die grenzenlose An- (Russische Demut und Anmaßung) maßung. „Er (der Russe) versteht vielleicht gar nichts von den Fragen, die er sich zu lösen vornahm, aber er schämt sich dessen nicht und sein Gewissen ist ruhig. Diese Gewissenlosigkeit zeugt von einer solchen Gleichgültigkeit in bezug auf Selbstkritik, von einer solchen Nichtachtung seiner selbst, daß man in Verzweiflung gerät und die Hoffnung verliert auf etwas Selbständiges und Rettendes für die Nation.“

Der Leutnant Pirogow wird auf der Straße in voller Uniform von einem Deutschen geschlagen. Nachdem er festgestellt hat, daß niemand den Vorfall beobachten konnte, flüchtete er in eine Nebengasse, um am gleichen Abend als Held des Salons einer vornehmen Dame einen Heiratsantrag zu machen. Diese wußte nichts von der Feigheit ihres Liebhabers: „Aber glauben sie, daß sie ihn auch dann genommen hätte? – Unbedingt hätte sie es getan.“

Mehrere Russen fahren in der Eisenbahn mit Justus von Liebig zusammen, der jedoch niemand bekannt ist. Einer von ihnen, der nichts von Chemie versteht, beginnt mit Liebig über dieses Thema zu sprechen. Er redet schön und lange bis zu seiner Station, nimmt dann seine Sachen und verläßt, stolz und ungeheuer mit sich zufrieden, das Abteil. Die anderen Russen aber haben keinen Augenblick daran gezweifelt, daß der Charlatan in der Debatte gesiegt habe.

Dieses Sichdemütigen (verbunden mit plötzlicher Anmaßung) führt Dostojewski auf eine 200 jährige Entwöhnung von jeder Selbständigkeit und auf das 200 jährige Bespeien des russischen Antlitzes zurück, welches das russische Gewissen zu einer katastrophalen Unterwürfigkeit erweitert habe. Wir werden heute ein anderes Urteil fällen: es ist etwas ungesund, krank, bastardisch im russischen Blut, welches alle Anläufe zum Hohen immer wieder durchkreuzt. Der Psychologismus ist nicht die Folge eines starken Seelentums. sondern das gerade Gegenteil, ein (Die Raskolnikows) Zeichen einer Seelenverkrüppelung. Wie ein Verwundeter immer wieder seine Wunde betasten und untersuchen wird, so ein Seelenkranker seine inneren Zustände. In der russischen Leidens- und Unterwürfigkeitsidee liegt die stärkste Spannung zwischen den Werten Liebe und Ehre. Im ganzen Abendlande brach die Ehre und Freiheitsidee immer wieder durch, trotz Scheiterhaufen und Interdikt. Beim „russischen Menschen“, wie er um die Wende des 20. Jahrhunderts nahezu Evangelium wurde, tritt die Ehre als gestaltende Kraft überhaupt nicht in Erscheinung. Mitja Karamasow, der seinen Vater mit Füßen mißhandelt, um gleich darauf demütig zu werden, kennt sie kaum, nicht der grübelnde Iwan, noch der Starez Sossima (eine der schönsten Gestalten der russischen Literatur), geschweige denn der alte Karamasow selbst. Fürst Myschkin spielt die krankhaft idiotische Rolle eines perfönlichkeitsbaren Menschen erschütternd zu Ende. Rogoschin ist von wüster Leidenschaftlichkeit, das europäische Zentrum mangelt auch ihm. Raskolnikow ist der innerlich Gewichtslose, Smerdjakow schließlich die Zusammnenballung alles Knechtischen ohne jede Sehnsucht nach oben.. Dazu gesellen sich all jene gestikulierenden Studenten und kranke Revolutionäre, welche ganze Nächte lang durcheinander sprechen, debattieren, ohne schließlich zu wissen, worüber sie überhaupt gestritten haben. Das sind Gleichnisse eines verdorbenen Blutes, einer vergifteten Seele.

Einst sah sich Turgenjew in Rußland nach einem Vorbild von Kraft und Gradlinigkeit für den Helden eines Romans um. Er fand keinen und wählte einen Bulgaren, den er Insarow nannte. Gorki stieg hinab auf den Boden der Gesellschaft, schilderte den Landstreicher ohne Willen. ohne Glauben, oder doch nur mit einem solchen, der wie Phosphorglanz im faulen Holze schimmere*. Andrejew gelangte zu dem Mann, der die Ohrfeigen bekam, und sie* „Unter fremden Menschen“. (Das beanspruchte „Allmenschentum“) alle bestätigen als Menschen die bittere Erkenntnis Tschaadajews, daß Rußland weder zum Westen noch zum Osten gehöre, daß er keine organisch gefestigte Eigenüberlieferung verwalte. Der Russe, allein in der Welt, habe keine einzige Idee in der Menge der Menschheitsideen eingeführt und alles, was er vom Fortschritt erhalten habe, sei durch ihn verzerrt worden. Der Russe bewege sich zwar, aber auf einer krummen Linie, die zu keinem Ziele führe und er sei wie ein kleines Kind, das nicht richtig denken könne*.

Diese Erkenntnis schlummerte, wie dargelegt, auch in Dostojewski, der Mangel an Persönlichkeitsbewußtsein ist von ihm deutlich erkannt worden. Der qualvollen Sehnsucht aber, der Welt doch etwas Selbständiges zu schenken, ist sein „Allmenschentmn“ entsprossen, das angeblich mit dem Russentum gleichbedeutend sein sollte. Rußland sei es, welches das wahre Bild Christi in seinem Busen treu bewahrt habe, mit der Bestimmung, einmal, wenn die Völker des Westens den Weg verloren hätten, sie auf eine neue rettende Bahn zu weisen Das leidende, duldende Menschentum sei eine Prophezeiung für das kommende „Wort“ Rußlands,

* Ein sehr interessantes Urteil über den Russen gab bereits vor vielen Jahrzehnten Viktor von Helm ab: „Rußland ist ein Land des ewigen Wechsels und völlig unkonservativ, und ein Land – ultrakonservativen Herkommens, in dem die Urzeit lebendig ist und das von den Sitten und Vorstellungen nicht läßt, man mag sich stellen, wie man wolle. Die moderne Kultur ist hier Firnis, wogt auf und ab, bringt nur ekelhafte Erscheinungen hervor; was die uralte Tradition an Gütern, Gebräuchen, Werkzeugen nsw. überliefert hat, ist solid, vernünftig, klug erdacht und geschickt benützt.“

Und an anderer Stelle: „Sie sind kein jugendliches Volk, sondern ein seniles – wie die Chinesen. Alle ihre Fehler sind keine jugendliche Roheit, gehen aus asthenischer Entnervung hervor. sie find sehr alt, uralt und haben das Älteste konservativ bewahrt und geben es nicht auf. An ihrer Sprache, ihrem Aberglauben, ihrem Erbrecht usw. läßt sich das früheste Altertum studieren. Sie sind gewissenlos, ehrlos, schuftig, leichtsinnig, inkonsequent, ohne Gefühl und Selbsttätigkeit, aber nur in den aufgegzwungenen modernen Kulturformen, die entwickelte, selbständige Subjektivität verlangen; sind unveränderlich sittlich, felsenfest, zuverlässig, wo es sich um die ihnen eigene, altasiatische, primitive Gestalt des Lebens handelt. sie sind ein stationäres Volk. Ein solches behandelt nach Goethes tiefer Beobachtung auch die Technik mit Religion. Und in den altrussischen Zweigen der Technik handeln sie solid in allem, wo die kernhafte, auf sich beruhende Individualität nicht erforderlich wird, sondern die gemeinsame Fabrikation nach ererbten, jedem eingeschriebenen Regeln; dann arbeiten sie wie die Biber, Ameisen, Bienen. Alle europäische Industrie in Rußland ist zum Lachen erbärmlich; alles nur zum Schein, auf den Moment berechnet, zerbrechlich, übertüncht, immer nach den neuesten höchsten Mustern kindischer Weise und höchst unvollkommen, roh, geschmacklos nachgeahmt.“ (Vgl. Schiemann: „Viktor Helm, ein Lebensbild“, 1894.)

Die Demütigen als „Helden“

Es ist heute klar, daß Dostojewskis verzweifelter Versuch im Wesentlichen dem Betragen des Russen gleicht, den er Justus von Liebig gegenübergestellt hatte; eine gebrochene, persönlichkeitslose Seele, die sich anmaßt, die Welt zu bekehren.

Dostojewski hatte Erfolg bei allen Europäern, die in müder Erschlaffung begriffen waren, bei allen Bastarden der Großstadt-Geistigkeit und – bei Weglassung seiner antisemitischen Anschauung – bei der jüdischen Literatenwelt, die in seinen Gestalten und in Tolstois ödem Pazifismus ein weiteres willkommenes Mittel zur Zersetzung des Abendlandes erblickte. Die künstlerische Kraft Dostojewskis steht hier nicht zur Debatte (siehe hierzu zweites Buch), sondern die Gestalten als solche, die er schuf, und seine Umgebung, die hier verwirklicht wurde. Als „menschlich“ galt von nun an alles, was krank, gebrochen, angefault war. Die Gedemütigten und Verfolgten wurden zu „Helden“, Epileptiker zu Problemen eines tiefen Menschentums, gleichsam unantastbar wie die heiligen verfaulenden Bett- (Die „Macht der Finsternis“) ler des Mittelalters, oder ein Simon Stylites. Damit war die Auffassung des germanischen Menschentums in ihr Gegenteil verkehrt. Menschlich ist für den Abendländer ein Held wie Achilles oder der schöpferisch ringende Faust; menschlich ist eine Kraft, wie der unermüdliche Leonardo; menschlich ist ein Kämpfertum, wie es Richard Wagner und Friedrich Nietzsche durchlebten Mit dieser russischen Krankheit. Verbrecher als Unglückliche und Morsche und Verfaulte als Symbole der „Menschlichkeit“ hinzustellen, muß einmal für immer aufgeräumt werden. selbst der Inder, auf den sich viele Rassen fälschlicherweise berufen, nimmt sein Schicksal als selbstverschuldet hin, als schuld eines früheren Lebens. Wie immer man diese Sseelenwanderungslehre auch deuten möge, aristokratisch ist sie und aus einem tapferen Herzen stammte sie einstmals. Der Jammer über die „Macht der Finsternis“ aber ist das hilflose Gestammel eines vergifteten Blutes. Dieses verdorbene Blut schuf sich seinen Höchstwert der Leidenssehnsucht, der Demut, „allmenschlicher Liebe“ und wurde naturfeindlich wie einst das siegende Rom, bis Europa den asketischen ägyptisch-afrikanischen Masochismus halbwegs von sich zu schütteln vermochte.

Daß man die altgriechische Liebe mit der sog. christlichen Lehre heute mit dem gleichen Wort bezeichnet und gar Dostojewski und PIaton in einem Atemzuge nennt, ist ein Verhängnis gewesen, Der Eros Alt-Griechenlands war eine seelische Überschwänglichkeit, stets verbunden mit zeugendem Naturgefühl, und der göttliche PIaton ist eine ganz andere Gestalt als ihn Theologen und Professoren uns zurechtgefäIscht haben. Von Homer bis PIaton ist Natur und Liebe eines gewesen, ebenso wie auch die höchste Kunst in Hellas rassegebunden blieb. Die kirchliche „Liebe“ aber setzte sich nicht nur gegen alle Gedanken von Rassen-und Volkstum, sondern sie ging noch weit darüber hinaus. Der „heilige“ Zeno sagte im 4. Jahrhundert n. Chr.:

Die kirchliche Beschimpfung des Leibes

„Der größte Ruhm der christlichen Tugend ist es, die Natur mit Füßen zu treten.“ Diesen Lehrsatz hat die Kirche, wo sie sich nur irgend durchsetzen konnte, getreulich befolgt. Die Beschimpfung des Körpers als unrein dauert ununterbrochen fort bis in unsere Tage, da der Nationalismus und der Rassengedankte als heidnisch bekämpft werden. Die „Nachfolge Jesu“, da sich die Frommen in Asche wälzten, mit peitschen schlugen, in Eiter und Wunden gingen, sich mit Eisenktetten beluden, wie Simon dreißig Jahre auf einer Säule hockten, oder. wie der hl. Thaleläus, zehn Jahre in einem Wagenrad eingeklemmt verbrachten, um den Rest des „Lebens“ in einem engen Käfig zuzubringen, diese „Nachfolge“ war eine parallele zum abstrakten „Guten“ des Sokrates und zum späteren „Menschen Dostojewskis“.

Nicht naturlose „Liebe“, nicht eine unfaßbare „Gemeinde der Guten und Gläubigen“, nicht eine „Allmenschlichkeit“ mit zersetztem Blut ist es, was je und je Kultur- und kunsterzeugend gewirkt hat, sondern – in Hellas – der fruchtbare Eros und die rassische Schönheit, in Germanien die Ehre und die rassische Lebensdynamik. Wer diese Gesetze mißachtet, ist nicht fähig, Wege zu weisen für eine kraftvolle Zukunft des germanischen Abendlandes.

Man kann bei Dostojewski sein heiliges großes Wollen im steten Kampf mit den Mächten des Unterganges geradezu mit Händen greifen. Während er noch den russischen Menschen als Wegweiser der europäischen Zukunft preist, sieht er Rußland doch schon den Dämonen ausgeliefert. Er weiß bereits, wer Herr werden wird im Spiel der Kräfte: „stellenlose Advokaten und freche Juden.“ Kerenski und Trotzki sind geweissagt. Im Jahre 1917 wurde der „russische Mensch“ endlich erlöst. Er zerfiel in zwei Teile. Das nordisch-russische Blut gab den Kampf auf, das ostisch-mongolische schlug mächtig empor, berief Chinesen und Wüstenvölker; Juden, Armenier (Bolschewismus – eine Blutserkrankung) drängten sich an die Führung und der KaImücko-Tatare Lenin wurde Herr. Die Dämonie dieses Blutes richtete sich instinktiv gegen alles, was noch äußerlich als aufrecht wirkte, männlich nordisch aussah, gleichsam lebendiger Vorwurf war gegen einen Menschen, den Lothrop Stoddard als „Untermenschen“ bezeichnete. Aus der vor Ohnmacht anmaßenden Liebe von früher wurde ein epileptischer Anfall, politisch durchgeführt mit der Energie eines Wahnsinnigen. Smerdjakow herrscht über Rußland. Wie immer das russische Experiment auch auflaufen möge: der Bolschewismus als Herrscher war als Folge nur möglich in mitten eines rassisch und seelisch kranken Volkskörpers, der sich nicht zur Ehre, sondern nur bis zur blutlosen „Liebe“ zu entscheiden vermochte. Wer ein neues Deutschland will, wird somit auch die russische Versuchung nebst ihrer jüdischen Ausnutzung von sich weisen. Die Umkehr ist auch hier bereits vollzogen. Die Ergebnisse wird die Zukunft verzeichnen.

Als der Weltkrieg ausbrach, erblickten auch die leitenden krank gewordenen Nationalen in Deutschland gleichfalls nicht in Ehre und Freiheit und Volkstum, nicht in der Liebe, wohl aber in der Wirtschaft das Schicksal. Auch diese Vergiftung mußte zur Krise, zum Aufbrechen der Eiterbeule führen. Das geschah am 9. November 1918. Die Folgezeit bewies, daß s ä m t l i c h e alten Parteien und ihre Führer angefault, unbrauchbar für einen Neubau unseres Staates waren. sie mußten vom Volk sprechen und dachten nur an Wirtschaft; sie redeten von der Einheit des Reiches und dachten an Profite; sie betrieben „christliche Politik“ und schafften emsig in ihre eigenen Scheunen. Die seelische und politische Lage unserer Zeit ist deshalb folgende:

Das Ende einer Welt

Das alte syrisch-jüdisch-ostische Kirchentum entthront sich selbst: ausgehend von einer Dogmatik, die den seelischen Baugesetzen des nordischen Abendlandes nicht entsprach, im Bemühen, die allein tragenden und kulturschaffenden Ideen der nordischen Rasse – Ehre, Freiheit und Pflicht – beiseitezuschieben oder sich botmäßig zu machen, hat dieser Vergiftungsvorgang schon mehrfach zu schwersten Zusammenbrüchen geführt. Wir erkennen heute, daß die zentralen Höchstwerte der römischen und der protestantischen Kirche als negatives Christentum unserer Seele nicht entsprechen, daß sie den organischen Kräften der nordisch-rassisch bestimmten Völker im Wege stehen, ihnen PIatz zu machen haben, sich neu im Sinne eines germanischen Christentums umwerten lassen müssen. Das ist der Sinn des heutigen religiösen Suchens.

Der alte Nationalismus ist tot. Einmal, 1813, aufgeflammt, hat er seine Unbedingtheit immer mehr eingebüßt, wurde durch zopfigen Dynastizismus, Industriepolitik, börsenmäßige Profitwirtschaft immer mehr vergiftet, veräußerlichte im ideenlosen Bürgertum des neunzehnten Jahrhunderts, dank humanitärer Verblödung, und zerbrach am 9. November 1918, als seine Träger und Vertreter vor einigen Haufen Deserteuren und Zuchthäuslern davonliefen.

Der alte Sozialismus verfault am lebendigen Leibe.

Als organische Sehnsucht geboren, fiel er in die Hände internationaler Schwätzer und Betrüger, verriet seinen opfermutigen Aufschwung dank börsen-kapitalistischen Bindungen seiner fremdblütigen Führung, vermählte sich mit tataro-bolschewistischen Verwesungskeimen und bewies von neuem, daß mit materialistischen Ideen keine organischen Revolutionen zur Freiheit durchgeführt werden können. Der Marxismus verwest auf den weiten Ebenen Rußlands und auf den Konferenzsesseln (Beginn der Wiedergeburt) von Genf und Paris und Locarno und im Haag… Dort wurde der sozialistische Gedanke an die Hyänen der Börsen restlos verraten.

Es bricht also heute eine ganze Welt zusammen. Das Ergebnis des Weltkrieges bedeutete eine Weltrevolution und zeigte das wahre Gesicht des mit allem Wust der Jahrtausende überladenen 19. Jahrhunderts. Werte und Sitten und Gebräuche, die noch lebendig schienen, sanken dahin, sind auch innerlich schon überwunden, nur eine richtungslos geblichene Masse betet noch zu den Ruinen der alten Götzenhäuser. Aus dem Schutt aber erheben sich heute Mächte, die begraben schienen, und ergreifen immer bewußter Besitz von allen, die um ein neues Lebens- und Zeitgefühl ringen. Die nordische Seele beginnt von ihrem Zentrum – dem Ehrbewußtsein – heraus wieder zu wirken. Und sie wirkt geheimnisvoll, ähnlich wie zur Zeit als sie Odin schuf, als einst Otto des Großen Hand spürbar wurde, als sie Meister Eckehart gebar, als Bach in Tönen dichtete und als Friedrich der Einzige über die Erde schritt. Eine neue Zeit deutscher Mystik ist angebrochen, der Mythus des Blutes und der Mythus der freien Seele erwachen zu neuem bewußtem Leben.

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Autor: Germanenherz

Ich bin kein Christ "in dem heutigen Sinne", kein Zionist, kein Moslem oder sonst was. Ich bin auch kein Weißer, Grüner, Brauner oder Schwarzer. Kein Linker, kein Rechter und kein Befürworter einer erfundenen Richtung. Jeder soll als Person respektiert und keiner vergöttert Sein. Ich bin nicht auf dieser Erde, um zu sein, wie andere mich gerne hätten.

2 Kommentare zu „Der Mythus des 20. Jahrhunderts Erstes Buch: II. Liebe und Ehre“

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