Der Mythus des 20. Jahrhunderts Erstes Buch: III. Mystik und Tat

Der Mythus des 20. Jahrhunderts

III. Mystik und Tat

Hier zu lesen, die pdf Datei
Hier zu lesen, die pdf Datei

Im nordischen W, im germanischen Ritter, im preußischen Offizier, im baltischen Hansen, im deutschen Soldaten und im deutschen Bauern erkennen wir den lebengestaltenden Ehrbegriff in seinen verschiedenen erdgebundenen Auswirkungen. In der Dichtkunst sehen wir von den alten Epen an, über Walther von der Vogelweide, die Rittergesänge bis Kleist und Goethe das Motiv der Ehre als Gehalt und das der inneren Freiheit als wichtigstes Gestaltungsgesetz auftreten. Nun gibt es aber noch eine feine Verästelung, in der wir das Wirken nordischen Wesens verfolgen können: das ist der deutsche Mystiker.

Dieser Mystiker ist bemüht, sich aus den Verstrickungen der stofflichen Welt immer mehr und mehr herauszulösen. Er erkennt das Triebhafte unseres Menschendaseins, Genuß, Macht, aber auch die sogenannten guten Werke als für die Seele nicht wesentlich; aber je mehr er alles Erdenschwere überwindet, um so größer, reicher, göttlicher fühlt er sich innerlich werden. Er entdeckt eine rein seelische Macht und fühlt, daß diese seine Seele ein Zentrum an Kraft darstellt, dem schlechterdings nichts vergleichbar ist. Diese Freiheit und Unbekümmertheit der Seele allem, auch Gott gegenüber und die Abwehr eines jeden Zwanges, auch eines solchen von seiten Gottes, zeigt die tiefste Tiefe, bis wohin wir den nordischen Ehr- und Freiheitsbegriff hinunter verfolgen können. Er ist jene „Bergfeste der Seele“, jenes „Fünklein“, von dem Meister Eckehart mit immer neuer staunender Bewunderung spricht; er stellt das innerste, zarteste und doch stärkste Wesen unserer Rasse (Ehre und Freiheit) und Kultur dar. Eckehart nennt dieses Innerste nicht mit Namen, da das reine Subjekt des Erkennens und Wollens namenlos, eigenschaftslos, von allen Formen der Zeit und des Raumes geschieden sein müsse. Wir aber dürfen es heute wagen, dieses „Fünklein“, das sich doch als eine verzehrende Flamme gezeigt hat, als das metaphysische Gleichnis der Ideen von Ehre und Freiheit zu bezeichnen. Denn Ehre und Freiheit sind letzten Endes keine äußerlichen Eigenschaften, sondern Zeit- und raumlose Wesenheiten, die jene „Festung“ bilden, aus welcher der echte Wille und die echte Vernunft ihre Ausfälle in „die Welt“ unternehmen. Entweder um sie zu besiegen, oder sie als Notbehelf für Seelenverwirklichung zu benutzen.

Die frohe Botschaft der deutschen Mystik ist von der Europa feindlichen Kirche mit allen Mitteln gedrosselt worden, ehe sie ganz erblühen konnte. Diese Botschaft war jedoch nie ganz gestorben; die große Sünde des Protestantismus aber war es, anstatt auf sie zu hören, das sogenannte Alte Testament zum Volksbuch gemacht und den jüdischen Buchstaben als Götzen hingestellt zu haben. Die heutige Zeit der wiedereinsetzenden Seelenbereitschaft wird entweder (wenn auch unter neuen Formen) auf die Botschaft der deutschen Mystik hören, oder sie wird unter den Tritten der alten Mächte vor ihrer Entfaltung verenden, wie schon so mancher Versuch der Wiederaufrichtung unseres Wesens nach der erfolgten römisch-jüdischen Vergiftung. Dem „erleuchteten Sinn und auferhobenen Geist“, den Meister Eckehart von leinen Zuhörern forderte, muß sich heute ein stahlharter Wille zugesellen, der mutig genug ist, alle Folgerungen aus seiner Erkenntnis zu ziehen. „Willst du den Kern haben, so mußt du die Schale zerbrechen“ (Eckehart).

Sechshundert Jahre sind es her, seit der größte Apostel des nordischen Abendlandes uns unsere Religion schenkte, (Wotan und Bonifazius) ein reiches Leben daran setzte, unser Sein und Werden zu entgiften, das Leib und Seele knechtende syrische Dogma zu überwinden und den Gott im eigenen Busen zu erwecken, das „Himmelreich inwendig in uns“.

Im Suchen nach einer neuen seelischen Anknüpfung an Vergangenes gehen nicht die schlechtesten der heutigen Erneuerungsbewegung nur auf die Edda und ihr verwandte germanische Vorstellungskreise zurück. Ihnen ist es in erster Linie zu verdanken, daß neben der Fabel auch der innere Reichtum unserer Sagen und Märchen unter dem Schutt und der Asche der Scheiterhaufen wieder sichtbar geworden ist. Aber die germanischen Glaubensgemeinschaften übersehen im Verfolgen ihrer Sehnsucht, bei vergangenen Geschlechtern und ihren religiösen Gleichnissen inneren Halt zu finden, daß Wotan als Religionsform tot ist. Er starb nicht am „Bonifazius“, sondern an sich selber; er vollendete den Untergang der Götter einer mythologischen Epoche, einer Zeit der unbekümmerten Natursymbolik. Man ahnte seinen Sturz schon in den nordischen Gesängen, hoffte aber im Vorgefühl der unvermeidlichen Götterdämmerung doch auf den „Starken von oben“. An dessen stelle aber trat zum Unglück Europas der syrische Jahwe in der Gestalt seines „Stellvertreters“, des etruskisch-römischen Papstes. Odin war und ist tot; den „Starken von oben“ aber entdeckte der deutsche Mystiker in der eigenen Seele. Das göttliche Walhall stieg aus unendlichen nebeligen Fernen hernieder in des Menschen Brust. Die Entdeckung und Verkündung der unvergänglichen Freiheit der Seele war jene rettende Tat, die uns bis auf heute gegen alle Erdrosselungsversuche geschützt hat. Die Religionsgeschichte des Abendlandes ist deshalb fast ausschließlich die Geschichte religiöser Empörungen. Echte Religion innerhalb der Kirche war nur insoweit vorhanden, als die nordische Seele an ihrer Entfaltung nicht verhindert werden konnte (wie etwa beim heiligen Franziskus (Mystisch-germanische Wiedergeburt) und Fra Angelico), weil ihr Widerhall in der abendländischen Menschheit doch ein zu mächtiger war.

Im deutschen Mystiker tritt zuerst und bewußt – wenn auch im Gewände seiner Zeit – der neue, der wiedergeborene germanische Mensch in die Erscheinung. Nicht in der Zeit der sogenannten Renaissance, nicht in der sogenannten Reformation vollzieht sich die seelische Geburt unserer Kultur – diese Zeit ist mehr äußerer Aufbruch und verzweifelter Kampf – nein, im 13. und 14. Jahrhundert

wird die Idee der seelischen Persönlichkeit, die tragende Idee unserer Geschichte, zum erstenmal Religion und Lebenslehre; in dieser Zeit wird auch das Wesen unserer späteren kritischen Philosophie bewußt vorweggenommen und darüber hinaus das ewige metaphysische Bekenntnis des nordischen Abendlandes verkündet, welches zwar durch die Seelen vieler Geschlechter hindurch wirkte, aber nicht eher allgemein gelöst werden konnte, als bis die Zeit dazu reif geworden war. „Die tiefsten Brunnen tragen die höchsten Wasser“; unserer Zeit ist es beschieden worden, in die tiefste Tiefe zu sinken, um das Höchste ans Licht zu heben. Ob sie sich dieser Berufung würdig zeigen wird, hängt von ihr selber ab.

Weit über dreihundert Jahre dauerte es, bis der Name Christi den Völkern am Mittelmeer etwas bedeutete, rund tausend mußten verstreichen, bis das ganze Abendland von ihm durchdrungen war. Konfuzius starb von nur wenigen betrauert; erst dreihundert Jahre nach seinem Tode begann die Verehrung, erst fünfhundert Jahre später wurde ihm der erste Tempel gebaut. Heute wird zu ihm in eintausendfünfhundert Tempeln als zu dem „vollkommenen Heiligen“ gebetet. Auch über dem Grab des Meisters Eckehart mußten sechshundert Jahre verrauschen, ehe die deutsche Seele ihn begreifen konnte. Heute scheint es wie ein Dämmern durchs Volk zu gehen, das anzeigt, (Das „innere Werk“ der Seele) als sei es reif geworden für den Apostel der Deutschen, den „heiligen und seligen Meister“*.

Jedes Geschöpf treibt sein Wesen um eines wenn auch ihm selbst unbekannten Zieles wegen. Auch die Seele besitzt ihr Ziel: rein zu sich selber und zum Gottbewußtsein zu gelangen. Diese Seele aber hat sich in die Welt der Sinne, des Raumes und der Zeit, „zerspreitet und zerstreut“. Die Sinne betätigen sich in ihr und schwächen – zunächst – die Kraft der seelischen Zusammenballung; die Vorbedingung des „inneren Werkes“ ist deshalb das Ein-

* Es wird eine ewige Schande bedeuten, daß Meister Eckehart noch nirgends eingehend und erschöpfend behandelt worden ist. Über ihn unterrichtet zunächst die Pfeiffersche Herausgabe seiner Predigten. Was die katholischen Schriftsteller aus Eckehart gemacht haben, dafür bieten die Schriften Denifles das beste Beispiel. Der große Deutsche sinkt zu einem Nachahmer herunter, dessen Seitensprünge dann „zurückgewiesen“ werden. Vgl.Denifle „Meisler Eckeharts lat. Schriften“, 1886; „Das geistliche Leben“, eine Schrift voll Süßigkeiten und religiösem Kitsch, in welchen Eckehart “ hineingearbeitet“ worden ist. P. Mehlhorn gibt nur eine kurze, wenig sagende Übersicht („Die Blütezeit der deutschen Mystik“), während) A. Spamer interessante Texte zusammengestellt hat („Texte aus der deutschen Mystik des 14. und 15. Jahrhunderts“), Lehrreich sind die ausgewählten Texte Meister Eckeharts von 0. Karrer, 1923. Etwas mühsam, aber doch mit Einsicht in die Größe Eckeharts ist Dr. A. Dempfs Untersuchung in seiner „Metaphysik des Mittelalters“, München 1930. Die beste Arbeit und zugleich eine in die Tiefe gehende Würdigung hat H- Büttner gegeben („Meister Eckeharts Schriften und predigten“, 2 Bände). seiner hochdeutschen Übertragung bin ich gefolgt. Es wäre zu wünschen, daß der Verlag E. Diederichs, Jena, eine ganz billige, vielleicht gekürzte Volksausgabe des Werkes herstellen ließe. Es gehört als erste Schrift in jedes deutsche Haus. – Wie ich erfahre, ist seit 1931 die Herausgabe der gesamten Werke Eckeharts in Vorbereitung. Es ist höchste Zeit geworden! (Der „Seele Adel“) ziehen aller nach außen wirkenden Kräfte, das Auslöschen aller Bilder und Gleichnisse. Dieses „innere Werk“ aber bedeutet: das Himmelreich „an sich zu reißen“, wie es Jesus von den „Gewaltigen“ der Seele bezeugt und gefordert habe. Dieser Versuch des Mystikers fordert also die Ausschaltung der Welt als Vorstellung, um uns möglichst als reines Subjekt des uns innewohnenden metaphysischen Wesens bewußt zu werden; und da dies nicht vollkommen möglich ist, wird die Idee „Gott“ als neues Objekt dieser Seele erschaffen, um zum Schluß die Gleichwertigkeit von Seele und Gott zu verkünden.

Diese Tat ist aber nur unter der Voraussetzung der Freiheit der Seele von allen Dogmen, Kirchen und Päpsten möglich. Und Meister Eckehart, der Dominikaner-Prior, scheut sich nicht, dieses Grundbekenntnis alles arischen Wesens freudig und offen hinauszurufen. Er berichtet durch ein langes Leben hindurch vom „ungeschaffenen und unerschaffbaren Licht der Seele“, und predigt: „Gott hat die Seele in freie Selbstbestimmung eingesetzt, so daß er über ihren freien Willen hinweg ihr nichts antun noch ihr zumuten will, was sie nicht will.“ Entgegen aller Zwangsglaubenslehre fährt er fort, zu erklären, drei Stücke seien es, die der „Seele Adel“ bewiesen: „Das erste handelt vom Wesen in seiner Herrlichkeit (vom „Himmel“), das zweite von den Kräften in ihrer Mächtigkeit, das dritte von den Werken als ihrer Fruchtbarkeit.“ Vor jedem „Ausgehen“ in die Welt muß die Seele sich „ihrer eigenen Schönheit“ bewußt geworden sein. Das innere Werk der Eroberung des Himmelreichs kann aber auch seinerseits nur durch höchste Freiheit vollbracht werden. „Deine Seele bringt eher keine Frucht, als bis sie das Werk verrichtet: und überläßt dich nicht Gott noch dir selber, du habest denn dein Werk zur Welt gebracht. Anders hast du keinen Frieden und bringst auch solange keine Frucht. Und auch dann ist sie noch unansehnlich genug: weil sie aus einer (Seelengröße weiter als der Himmel) (an Äußerlichkeiten) gefesselten, werkverhafteten Seele, nicht aus der Freiheit geboren ist.“ Und wenn die Frage entstehe, warum Gott überhaupt Mensch geworden sei, so antwortet der ketzerische Eckehart nicht: damit wir armseligen Sünder uns einen Überschuß an guten Werken aufschreiben könnten, sondern er sagt: „Ich antworte: darum, damit Gott in der Seele geboren werde…“ Woraus sich dann ein frohes Bekenntnis ergibt: „Die Seele, in der Gott geboren werden soll, der muß die Zeit und sie der Zeit entfallen sein, sie muß sich emporschwingen und ganz verstarrt stehen in diesem Reichtum Gottes: das ist Weite und Breite, die nicht weit und breit. Da erkennt die Seele alle Dinge und erkennt sie da in ihrer Vollendung! Die Meister, was die auch schreiben wie weit der Himmel sei: das geringste Vermögen, das es in meiner Seele gibt, ist weiter als der weite Himmel!“

Die landläufige Erklärung der Mystik betont immer wieder nur das „Sichaufgeben“, das „Sichwegwerfen an Gott“ und erblickt in dieser Selbsthingabe an ein A n d e r e s das Wesen des mystischen Erlebens. Diese Betrachtungsweise ist durch die römisch verfälschte Spätmystik verständlich, sie entstammt ferner der scheinbar unausrottbaren Einstellung, als seien Ich und Gott wesensverschieden. Wer aber Eckehart als eine Ganzheit begriffen hat, wird unschwer feststellen, daß diese „Hingabe“ in Wirklichkeit höchstes Selbstbewußtsein ist, das sich in dieser Welt aber gar nicht anders darstellen läßt, als durch ein Gegenüber in Zeit und Raum. Die Lehre von der Seele, die mehr ist als das Weltall, auch frei ist von Gott, und die Lehre von der Abgeschiedenheit bedeuten die restlose Absage an die alttestamentliche Vorstellungswelt und an die süßliche Aftermystik der späteren Zeit.

Jene Worte über das weltenweite Seelenvermögen sind echt mystisches Erleben, zugleich bedeuten sie die (Eckeharts Erkenntniskritik) philosophische Erkenntnis der Idealität von Raum, Zeit und Ursächlichkeit (Kausalität), was Eckehart auch an anderen Stellen mit vollem Bewußtsein behauptet, nachweist und in schönerer Sprache lehrt, als es der mit naturwissenschaftlicher und philosophischer Scholastik schwerer bepackte Kant vierhundert Jahre später tun konnte. „Der Himmel ist rein und von ungetrübter Klarheit, ihn rührt weder Zeit noch Raum. Nichts Körperliches hat darin seine Stätte und er ist auch nicht in der Zeit einbegriffen: seine Umdrehung geschieht unglaublich schnell, sein Lauf ist selber zeitlos, aber von seinem Lauf kommt die Zeit. Nichts hindert die Seele so sehr, Gott zu erkennen, als Zeit und Raum. Soll also die Seele Gott überhaupt erkennen, so muß sie ihn erkennen oberhalb des Raumes … Soll das Auge die Farbe gewähren. so muß es selber aller Farben zuvor entkleidet sein.

soll die Seele Gott gewahren, so darf sie mit dem Nichts nichts gemein haben.“ Gott, dieser positive Ausdruck des religiösen Menschen für die bloß philosophisch-abgrenzende Bezeichnung „Ding an sich“ wird also mit höchster Besonnenheit nicht nur als von Trieb und Bild verschieden erfaßt (womit jegliche Natursymbolik vernichtet ist), sondern auch die reinen Anschauungsformen werden als bloße Hüllen erkannt und abgestreift. An einer anderen Stelle sagt Eckehart: „Alles was ein sein hat in Zeit und Raum, das gehört nicht Gott zu…“ „Die Seele ist ganz und ungeteilt zugleich im Fuß und im Auge und in jeglichem Glied… Das Jetzt, in welchem Gott die Welt gemacht hat, das ist dem Jetzt, in welchem ich augenblicklich spreche, genau so nahe, wie der gestrige Tag. Und auch der jüngste Tag ist ihm in der Ewigkeit genauso nahe wie der gestrige Tag.“

Aus diesem höchsten philosophischen Bewußtsein ergibt sich für einen freien Geist wie Eckehart auch die notwendige kirchenfeindliche Folgerung, daß der Tod nicht der Sünde (Eckehart der Aristokrat) Sold ist, wie uns die auf das Erzeugen von schlotternder Furcht ausgehenden Schriftgelehrten weismachen wollen, sondern ein natürliches und im Grunde unwichtiges Ereignis, welches unser Ewiges, das vorher war, und n a c h h e r weiter sein wird, gar nicht berührt. Mit einer herrlichen Gebärde ruft Eckehart der Welt zu: „Ich bin die Ursache meiner selbst, nach meinem ewigen und nach meinem zeitlichen Wesen. Nur hierum bin ich geboren. Nach meiner ewigen Geburtsweise bin ich von Ewigkeit her gewesen, und bin und werde ewiglich bleiben. Nur was ich als z e i t l i c h e s Wesen bin, das wird sterben und zunichte werden; denn es gehört dem Tage an, darum muß es, wie die Zeit, verschwinden. In meiner Geburt wurden auch alle Dinge geboren, ich war zugleich meine eigene und a l l e r D i n g e Ursache. Und wollte ich: weder ich wäre noch alle Dinge. Wäre aber i c h nicht, so wäre auch Gott nicht“. Und überlegen fügt er hinzu: „Daß man dies verstehe, ist nicht erforderlich.“

Noch nie vorher, auch in Indien nicht – hat es ein solch bewußtes aristokratisches Seelenbekenntnis gegeben, wie es Eckehart in diesen Worten niedergelegt hat, dabei im vollen Bewußtsein, von seiner Zeit nicht verstanden werden zu können. Jedes seiner Worte ist ein Schlag in das Gesicht der römischen Kirche und auch als solcher empfunden worden, als man den gefeiertsten Prediger Deutschlands vor die Inquisition zerrte, wenn man auch aus Furcht vor seinem Anhang ihn nicht abzutun wagte, wie die kleineren Ketzer. Über die tiefste deutsche Seele und ihre Bekenntnisse aber sprach die Kirche, als Eckehart gestorben war, ihr „unfehlbares“ Anathema aus, wie über alles Große und Herrliche der deutschen Seele und der deutschen Geschichte.

Aus dem unbeirrbaren Freiheitsbewußtsein des „adligen Menschen“ und der „adligen Seele“ ergibt sich auch für (Die „guten Werke“) den Mystiker die deutsche Beurteilung der sogenannten guten Werke. sie sind kein Zaubermittel, wie Rom es lehrt, keine Verrichtung, die bei Jehova gebucht wird, sondern bloß ein Mittel, die andrängende Sinnenwelt zu bändigen. Es soll dem äußeren Menschen, wie Eckehart lehrt, „ein Zaum“ angelegt werden, um ihn zu verhindern, „sich selber zu entlaufen“. Der Mensch soll fromme Übungen verrichten, nicht um sich etwas darauf zugute zu tun, sondern der Wahrheit zu Ehren. „Wenn sich der Mensch dagegen zu wahrer Innerlichkeit aufgelegt findet – predigt der deutsche Apostel weiter – so lasse er kühnlich alles Äußere fallen, wären es auch Übungen, zu denen du dich durch Gelübde verbunden hättest, von denen weder Papst noch Bischof dich entbinden könnten! Denn die Gelübde, die jemand Gott tut, die kann ihm niemand abnehmen.“ Hier ist meines Wissens die einzige Stelle, in der Eckehart den Namen des Papstes in angreifender Weise gebraucht. sie zeigt sein vollkommenes und selbstherrliches Verwerfen des Grundgesetzes der römischen Kirche*. Nach Eckehart ist die „adlige Seele“ des dem

* Diese menschliche, alles emporrichtende Größe findet ihr feindliches Gegenstück in der priesterlichen Anmaßung. Einer der größten Redner des 13. Jahrhunderts, der im übrigen interessante Minderbruder Berthold von Regensburg, lehrte, wenn er die Jungfrau Maria nebst den himmlischen Heerscharen und daneben einen Priester sehe, so wolle er vor diesem eher als vor jenen niederfallen. „Wenn ein Priester dahin käme, wo meine liebe Frau Sankta Maria und alles himmlische Heer säßen, die stünden alle vor dem Priester auf …“ Ferner: „Wer die Priesterweihe recht empfängt, der hat eine Gewalt so weit und breit, daß nie ein Kaiser oder König so große Macht gewann … Wer sich der Gewalt der Priester untertänig macht – mag er auch noch so große Sünde begangen haben – der Priester hat die Gewalt, daß er ihm alsobald die Hölle verschließt und den Himmel auftut …“ (Fr. Pfeiffer: „Berthold von Regensburg“.) Ist das nicht reinste syrische Zauberei, die uns überzogen hat? (Gegen die Werkgerechtigkeit) Ewigen zugewandten Menschen die Stellvertreterin Gottes auf Erden, nicht die Kirche, nicht der Bischof, nicht der Papst. Niemand hier auf Erden besitzt das Recht, mich zu binden oder zu lösen; noch weniger das Recht, dies „in Stellvertretung Gottes“ zu tun. Diese Worte, die jeder fromme Mann der arischen Völkerfamilie als sein Bekenntnis ausgeben könnte, sind natürlich aus einem ganz anderen

Wesen geboren als die Medizinmann-Philosophie, welche sich Rom zu eigenem Nutzen zusammengestellt hat, und deren Lehrsätze alle nur das eine Ziel verfolgen, die Menschheit von der römisch gebundenen Priesterkaste abhängig zu machen und ihr den „Adel der Seele“ auszubrennen.

In seiner Predigt zum ersten Johannisbrief 4, 9 sagt Eckehart: „Ich behaupte entschieden, solange du deine Werke verrichtest um des Himmelreiches, um Gottes, oder um deiner Seligkeit willen, also von außen her, so bist du wirklich nicht auf dem Rechten … Wer da wähnt, in Versunkenheit, Andacht, schmelzenden Gefühlen und sonderlichem Anschmiegen mehr von Gott zu haben als beim Herdfeuer oder im Stalle: da tust du nichts anderes, als ob du Gott nähmest und wickeltest ihm einen Mantel um das Haupt und stecktest ihn unter eine Bank. Fragte man einen wahrhaften Menschen, einen, der aus seinem eigenen Grunde wirkt: .Warum wirkst du deine Werke!’ Wenn er recht antwortete, würde er auch nur sagen:, Ich wirke um zu wirken!’“ Die Lehre von der Werkgerechtigkeit gilt Eckehart geradezu als eine Einflüsterung des Teufels und was das Gebet anbetrifft, so heißt es am Schluß mit einer großen Wendung an alle: „Die Leute sprechen oft zu mir:. Bittet Gott für mich!’ Da denke ich denn bei mir:, Warum geht ihr nur aus? Warum bleibt ihr nicht bei euch selber und greifet in euren eigenen Schatz? Ihr tragt doch alle Wirklichkeit dem Wesen nach in Euch! Daß wir so in uns bleiben müssen, – in dem Wesen und alle Wirklichkeit (Erweckung des Selbst-Bewußtseins) zu eigen besitzen, ohne Vermittlung und Unterschiedenheit in rechter Seligkeit, dazu helfe uns Gott.’“

Eckehart ist also ein Priester, der das Pfaffentum ausschalten, der seine ganze Tätigkeit nur darauf stellen möchte, den suchenden, von ihm im Wesen als gleich und ebenbürtig angesehenen Menschen die Wege freizumachen; der die Seele nicht knechten will, indem er ihre ewige Abhängigkeit von Papst und Kirche einredet, sondern der ihre schlummernde Schönheit, ihren Adel und ihre Freiheit zum Bewußtsein, d. h. ihr Ehr-Bewußtsein lebendig machen will. Denn die Ehre ist letzten Endes doch nichts anderes, als die freie, schöne und adlige Seele.

Das gleiche Bestreben, den Menschen zu erhöhen, wird bemerkbar, wenn Eckehart die Berufung auf die menschliche Schwachheit abwehrt: „so kann einer wohl unserem Herrn nachfolgen, nach dem Maße seiner Schwachheit und braucht, ja, darf nicht glauben, er reiche nicht heran.“ Wieder wird der Mensch aufgerichtet, nicht niedergedrückt, wobei Eckehart spottend der Werkgerechten gedenkt: „Und sonderlich meide alle Sonderlichkeit, sei’s in der Kleidung, in der Speise, der Rede, wie hohe Worte zu gebrauchen oder absonderlichen Gebärden, womit ja nichts weiter geschafft ist.“ Nach Abwehren dieser Äußerlichkeiten folgt aber die klarste Behauptung des Rechts der echten Persönlichkeit:“Doch sollst du wissen, daß keineswegs dir alles Sonderwesen verboten ist. Es gibt viel Sonderliches, das man manchmal und bei manchen Leuten einhalten muß. Denn wer ein Besonderer ist, der muß auch Sonderliches tun, zu vielen Malen auf vielerlei Weise.“ Womit die Ausnahme nicht auf Amt und Priestertum (welches unantastbar ist, ob sein Träger auch ein Verbrecher wäre) übertragen wird, sondern allein an der Größe der Seele des Einzelnen zu messen ist. Wieder die bewußt antirömische, bewußt deutsche innere Wendung. (Gegen „schmelzende Gefühle“) Einst ließ Jesus einen Kranken auch am Sabbath aufstehen und sein Krankenbett tragen, worüber die Frommen des Landes ein großes Gezeter erhoben. Jesus aber antwortete mit überlegenem Spott: der Sabbath sei um des Menschen willen da, nicht der Mensch des Sabbaths wegen; folglich sei der Mensch auch Herr über den Sabbath. – Die Nachfolger der jerusalemitischen Schriftgelehrten haben nun auch auf strenge Einhaltung aller frommen Übungen“ gehalten, gleich, ob das Innere des Menschen dabei mittätig war oder nicht. Zu ihnen spricht Eckehart: „Glaubt mir: zur Vollkommenheit gehört auch dies, daß einer sich empormache in seinem Werk, daß alle seine Werke zusammengehen in einem Werk. Das muß geschehen im Gottesreich, wo der Mensch Gott ist.- Da antworten ihm alle Dinge auf göttlich, da auch ist der Mensch ein Herr aller seiner Werke.“

Dieses Verhältnis zum äußeren Tun ist mehr als eindeutig. Ebenso klar aber ist Eckeharts Ablehnung gerade all jener Tugenden, die man als „mystisch“ mit nimmermüder Geduld anzupreisen oder abzulehnen bemüht ist. Immer wieder spottet Eckehart über die hingebende Verzuckung, die „schmelzenden Gefühle“, und nichts ist bezeichnender für ihn, als die Auslegung, die er Christi Worten über Martha und Maria gibt.

„Alles Endliche ist nur ein Mittel. Einmal das unumgängliche Mittel, ohne das ich nicht zu Gott gelangen mag, ist: mein Wirken und schaffen in der Zeitlichkeit. Es beeinträchtigt uns in der Sorge für unser ewiges Heil nicht im mindesten.“ Hier liegt eine charakteristische Abkehr des deutschen Menschen von den indischen Erkenntnissen der Atman-Brahman-Lehre vor: das Tun ist nicht wichtig, die Tat aber verachte man nicht. Die zu Jesu Füßen sitzende Maria erscheint Eckehart als die Anfängerin, Martha dagegen als die Überlegene: „Martha befürchtete, daß ihre (Einheit von Seele und Natur) Schwester stecken bliebe in Verzückung und schönen Gefühlen und wünsche, daß sie würde wie sie. Da antwortete Christus in dem Sinne:, Gib dich zufrieden Martha, auch sie hat das beste Teil erwählt, das ihr nimmer mag genommen werden!’ Diese Überschwänglichkeit wird sich schon legen.“ Wie man sieht, geht Eckeharts Abneigung gegen alles süßliche und Zerfließende sogar so weit, einem, seinem Sinne nach offenkundigen Wort Jesu die entgegengesetzte Deutung zu geben.

Gleich darauf erhebt er sich dann zur bewußten Ablehnung aller indischen All-Eins-, aller kirchlichen Asketenlehren und stoischen Weisheiten. Folgender Spruch zeigt so recht die selbst in tiefster Tiefe der Abgeschiedenheit anerkannte Polarität des Lebens, der Schöpferkraft der echten Tat, und rückt den Apostel der deutschen Glaubenswerte gleich weg von gewöhnlicher kirchlicher Werkgerechtigkeit wie mönchischer Unfruchtbarkeit. Mit unerkennbarer Ironie spricht Eckehart zu den ihn umgebenden Ketzerinnen, den Beguinen (wie diese „Abtrünnigen“ damals genannt wurden): „Nun verlangen aber unsere guten Leute, man müsse dermaßen vollkommen werden, daß keinerlei Liebe uns mehr bewegen könne und man unrührbar sei vom Lieben wie vom Leiden. Sie tun sich Unrecht! Ich behaupte: der Heilige soll erst noch geboren werden, der nicht bewegt werden könnte … Christus besaß es auch nicht, das beweist seine Äußerung: ‚Meine Seele ist traurig bis in den Tod!‘ Christo dem taten Worte dermaßen weh … Und das rührte her von seinem angeborenen Adel und der heiligen Vereinigung göttlicher und menschlicher Natur.“ Und weiter: „Nun wollen gewisse Leute es gar soweit bringen, daß sie der Werke ledig seien. Ich sage, das geht nicht an! D i e H e i l i g e n , gerade nach dem sie’s soweit gebracht haben, dann allererst fangen sie an, was rechts zuschaffen. Das finden wir auch bezeugt an Christus, vom (Der freie Wille) ersten Augenblick, da Gott Mensch ward und der Mensch Gott, da fing auch er an, für unsere Seligkeit zu arbeiten …, nicht ein Glied war an seinem Leibe, es schaffte sein sonderlich Teil dazu.“ Und aus welchem Grunde heraus predigte Eckehart auch diese antikirchliche Lehre? Um auch hier die seelische Freiheit walten zu lassen, das Höchste, was Eckehart, und mit ihm die nordisch-abendländische Menschheit anerkennt. Er drückt das folgendermaßen aus:

„Gott ist kein Vernichter irgendwelchen Werkes, sondern ein Vollbringer. Gott ist nicht ein Zerstörer der Natur, sondern ihr Vollender. Zerstörte Gott die Natur schon vor Beginne, so geschah ihr Gewalt und Unrecht. so etwas tut er nicht! Der Mensch hat einen freien Willen, mit dem er kiesen kann gut und böse, und legt ihm Gott vor: im Übeltun den Tod, im Rechttun das Leben. Der Mensch soll frei sein und ein Herr aller seiner Werke, unzerstört und unbezwungen.“

Damit ist in herrlichster Weise die ewige, sich gegenseitig befruchtende Polarität von Natur und Freiheit anerkannt und ausgesprochen worden. Fortgefegt mit der Hand eines unserer Art bewußten religiösen und philosophischen Genies wird alles unfruchtbare, quälende, orientalisch-pfälzische und werkgerechte Pharisäertum. Die „heilige Vereinigung“ (polarisch bedingt, doch untermischt) von Gott und Natur ist der Urgrund unseres Wesens, dargestellt in der Freiheit der Seele, gekrönt, durch die Fruchtbarkeit ihres Werkes. Und das Treibende in allem ist der – Wille. Nach dem Neuen Testament kam der Engel Gabriel zu Maria. Eckehart aber sagt lächelnd: „Eigentlich hieß er so wenig Gabriel wie Konrad. Den Namen Gabriel erhielt er von dem Werke, für das er ein Bote war. – Denn Gabriel bedeutet Kraft. In dieser Geburt betätige sich Gott – und betätigt sich noch – a l s K r a f t .“ Womit denn (Neue Rangordnung der Werte) die Dynamik auch der Eckehartschen Seele ins hellste Licht tritt*.

Diese Freiheit der Eckehartschen Seele bedingt nun aber eine andere Bewertung nicht nur des Lebens und der Werke, sondern auch der höchsten Ideale der römischen Kirche, des überlieferten Christentums überhaupt, also der ganzen damaligen und heutigen öffentlichen Welt.

Anerkennt man nämlich die „adelige Seele“ als H ö c h s t w e r t , als Achse, auf die alles bezogen wird, so sinken die Ideen Liebe, Demut, Barmherzigkeit, Gnade usw. auf die Zweite und dritte stufe hinab. Und auch hier scheut Eckehart sich nicht, auf die Stimme des „Fünkleins“ zu hören, unbekümmert das auszusprechen, was ihm seine Seele sagt. Es braucht natürlich nicht besonders betont zu werden, daß er weder die Liebe noch die Demut noch die Barmherzigkeit noch die Gnadenlehre gering schätzt. Vielmehr finden wir in seinen Predigten die schönsten Worte über diese Ideen, aber er haßt das süßliche Verzücktsein,

* Ein Abglanz Eckehartscher Erkenntnisse ist auch Angelus Silesius, jedoch bereits kirchlich sentimentalisiert, namentlich als er nach einer Zeit der „Abtrünnigkeit“ wieder zur alleinseligmachenden Kirche zurückkehrte (1652). Immerhin blitzt hier und da auch in ihm jener leuchtende „Funke“ auf, den der größte Meister zur Flamme entfacht hatte. „Ich weiß, daß ohne mich Gott nicht ein Nu kann leben, werd’ ich zunicht, er muß von Not den Geist aufgeben.“ „Ich bin so groß als Gott, er ist als ich so klein: er kann nicht über mich, ich unter ihm nicht fein!“ Diese Worte künden den Anlauf der Seele an, mit dem noch jeder echte und ungebrochene arische religiöse Mensch sein Erleben begonnen hat. „Ich auch bin Gottessohn“, folgert Silesius aus der Feststellung der Gottesgleichheit und Seelenfreiheit, um dann die gegenseitige Bedingtheit zu betonen: „Gott ist so viel an mir, als mir an ihm gelegen.

Sein Wesen helf ich ihm wie er das meine hegen.“ Aus dem zentralen seelischen Erlebnis ergibt sich auch für Angelus Silesius die Nichtigkeit des Rechthabers: „Die Schrift ist Schrift, sonst nichts. Mein Trost ist Wesenheit / Und daß Gott in mir spricht das Wort der Ewigkeit“; worauf er sich zur Höhe der Erklärung erhebt, die ganze Welt sei ein „Spiel, das sich die Gottheit macht“. Angelus Silesius will auch nicht den Himmel erbetteln und erschwindeln, sondern „erobern“, „erstürmen“ und findet schließlich wieder den ruhenden Pol in sich selber:“Wer in sich Ehre hat, der sucht sie nicht von außen / Suchst du sie in der Welt, so hast du sie noch draußen.“

Diese aristokratischen Seelenbekenntnisse auch dieses „Cherubinischen Wandersmanns“ werden nun durch eine große Anzahl unbedeutender, weichmütiger Aussprüche gestört, die immer unerquicklicher erscheinen, je mehr man zum Ende kommt. Offenbar hat sich Silesius in die Sprache seiner früheren vorrömischen Zeit verliebt und dann selbst nach zwanzig Jahren das Mystische in kirchliche „Erbaulichkeit“ verwässert. (Die Lehre von der „Abgeschiedenheit’) die schlaffen „schönen Gefühle“, kurz, alle seelische Haltlosigkeit. seine Lehre von der Liebe ist die Darstellung der Liebe als Kraft, die sich gleich weiß jener göttlichen Macht, um die sie ringt; die Liebe muß „durch die Dinge hindurchbrechen“, denn nur ein „freigewordener Geist, der zwingt Gott zu sich“. Nun muß man sich vorstellen, was es für einen Dominikanerprior am Anfang des 14. Jahrhunderts angesichts einer weltbeherrschenden, unduldsamen Kirche zu bedeuten hatte, eine Umwertung der höchsten geltenden Werte vorzunehmen, ja, sogar den Versuch zu wagen, dem schlichten Gläubigen einen positiven neuen Höchstwert zu übermitteln. Das konnte nicht im offenen Angriff gegen Rom geschehen, sondern nur im bildhaften positiven Hinstellen seelischer Erfahrungen. Aus dieser Erkenntnis heraus lese man Eckeharks Predigt von der „Abgeschiedenheit der Seele“, vielleicht das schönste Bekenntnis des germanischen Persönlichkeitsbewußtseins.

Eckehart behandelt in ihr die christlich-kirchlichen Höchstwerte, Liebe, Demut, Barmherzigkeit und findet, daß sie an Höhe, Tiefe und Größe dem Zustand der auf sich allein gestellten Seele weichen müßten. Er wehrt die alleinige („Eins mit sich selber“ werden!) Verherrlichung der Liebe seitens des Paulus ab, denn das Beste an der Liebe sei doch, daß sie uns Gott zu lieben nötige. Nun sei es aber weit bedeutsamer, daß wir Gott zu uns her-, als daß wir uns zu Gott hinnötigen –, weil unsere Seele darauf beruhe, mit Gott eins zu werden. Gottes eigenste Stätte sei Einheit und Lauterkeit, diese beruhen aber auf Abgeschiedenheit. „Darum kann Gott nicht umhin, einem abgeschiedenen Herzen sich selber zu geben.“ Ferner beziehe sich die Leiden dieser Welt im Gefolge habende Liebe immer noch auf die Kreatur, was bei der Abgeschiedenheit nicht mehr der Fall sei. Diese vernichtet somit die Welt zum Nichts, bringt uns also näher zu Gott. Was die Demut betreffe, so beuge sich bei ihrer Ausübung die Seele unter die Geschöpfe, womit der Mensch wieder aus sich herausgehe. „Mag nun ein solches Herausgehen etwas noch so Vortreffliches sein, das Innebleiben ist doch immer noch etwas Höheres.“ „Vollkommene Abgeschiedenheit kennt kein Absehen auf die Kreatur, kein Sichbeugen und kein Sicherheben, sie will weder darunter, noch darüber sein, sie will nur in sich selber ruhen, niemandem zu Liebe und niemandem zu Leide. sie trachtet weder nach Gleichheit noch nach Ungleichheit mit irgendeinem anderen Wesen, sie will nicht dies oder das, sie will nur: mit sich selber eins sein.

Wohl nirgends hat sich die selbstherrliche Seele so scharf und klar ausgesprochen wie hier. Es ist die notwendige rhythmische Gegenbewegung nach der Anerkennung des fruchtbaren Werkes; das, was Goethe später als das höchste aller Evangelien pries: die Ehrfurcht vor sich selbst.

Die Barmherzigkeit ist nach Eckehart nun überhaupt nichts anderes als ein Herausgehen aus sich selber, ist also aus gleichen Gründen nicht als so hoch und wertvoll einzuschätzen wie die Abgeschiedenheit. Deshalb aber, weil auch Gottes Wesen ein von allen Namen abgeschiedenes sei, ergebe sich, daß alles Äußere an ihn nicht herantreten (Der Kampf um die Gnadenlehre) könne. Von hier aus weist Eckehart nun auch das mit so viel Zauberei umgebene Gebet und seine Bedeutung in die richtigen Schranken. „Ich behaupte: alle Gebete und alle guten Werke, von denen wird Gottes Abgeschiedenheit so wenig bewegt, als ob es so etwas gar nicht gäbe, und Gott wird gegen die Menschen deshalb um nichts milder und geneigter, als wenn er das Gebet oder gute Werk nie verrichtet hätte“. Das ist mehr als deutlich: eine vollendete Absage auch an die an Magie grenzende Fürbitte der „stellvertretenden“ und „alleinseligmachenden“ Kirche. Und dann folgt am Schluß ein völkisches Bekenntnis:

„Halte dich abgeschieden von allen Menschen, bleibe ungetrübt von allen aufgenommenen Eindrücken, mache dich frei von allem, was deinem Wesen eine fremde Zutat gehen… könnte, und richte dein Gemüt allzeit auf ein heilsames Schauen: bei welchem du Gott in deinem Herzen trägst, als den Gegenstand, von dem deine Augen nimmer wanken.“

Diese in sich selbst ruhende Größe der Seele äußert sich dann in der Beurteilung der römischen und späteren protestantischen Glaubenslehre.

Wir vermögen uns in dieser Welt der Erscheinungen eine seelische Stärkung als Folge einer inneren Zusammenballung nicht anders vorzustellen, denn als ein Geschenk des als Gott gedachten ewigen Wesens Aus dieser Sachlage heraus hat nun der Paulinismus – und mit ihm alle christlichen Kirchen – die Gnadenlehre als höchstes Mysterium des Christentums ausgebaut. Die jüdische Vorstellung vom „Knecht Gottes“, der vom willkürlichen, absolutistischen Gott Gnade zuerteilt erhält, ist somit übergegangen auf Rom und Wittenberg, klammert sich noch immer an Paulus, als den eigentlichen Schöpfer dieser Lehre, womit gesagt sein soll, daß die Kirchen nicht christlich, sondern paulinisch sind, da doch Jesus fraglos das Eins-Sein mit Gott als Erlösung und Ziel pries, (Eckehart und Augustinus) nicht die herablassende Gnadengewährung eines allmächtigen Wesens, dem gegenüber auch die größte menschliche Seele ein reines Nichts darstellte. Diese Gnadenlehre ist natürlich jeder Kirche sehr willkommen, sofern sie und ihre Führer als die „Stellvertreter Gottes“ auftreten und folglich auch die Macht des Gnaden-Spendens in ihren Zauberhänden vereinigen können. Ganz anders mußte sich nun zum Begriff der Gnade ein Genius wie Eckehart stellen. Auch er findet schöne Worte über die Liebe und Gnade Gottes: wo in einer Seele die Gnade sei, da sei diese „lauter und gottähnlich und gottverwandt“. Schon hier die Wendung zur Höhe, nicht zur Tiefe und Unterwürfigkeit. Die „Gnade wirkt nicht“, weil sie „zu vornehm“ dazu sei. sie ist vielmehr ein „Innesein und Anhaften und Einssein mit Gott, das ist Gnade“. Diese Gnade aber wird nicht etwa möglich durch Gottes Allmacht und unsere Nichtigkeit – wie die Kirchen lehren – sondern ganz im Gegenteil durch die Ebenbildlichkeit der Seele mit Gott. Eckehart knüpft bei dieser Betrachtung an Augustinus an, doch er wird ja wohl gewußt haben, daß dessen gelegentliche Seelenbekenntnisse doch zu vollständigen Niederbrüchen (er verlangt Todesstrafe für Ketzer) und zu einem „Gottesstaat“ zwecks Seelenknechtung der Menschen führten. Eckehart aber folgert aus der Tatsache der Größe der Seele: „Besäße sie diese nicht, so vermöchte sie überhaupt nicht Gott zu werden durch Gnade, noch oberhalb der Gnade.“ Hier vollzieht sich wieder die charakteristische

Gebärde des überlegenen, aus klarem Seeleninstinkt urteilenden nordischen Menschen (Eckehart von Hochheim war thüringischer Adel) gegenüber den Folgerungen des zerrissenen, unfreien, bastardisierten Augustinus. In dieser verharrenden Gottlebendigkeit erhebt sich die Seele zu immer höherem Lichte: „Da wird eine jegliche Kraft der Seele das Abbild einer der göttlichen Personen: der Wille das Abbild des heiligen Geistes, die (Sünde und Reue) Erkenntniskraft das des Sohnes, das Gedächtnis das des Vaters. Und ihre Natur wird zum Ebenbilde der Natur. Und bleibt doch die Seele ungeteilt eins. Das ist in dieser Sache der letzte Bescheid, zu dem mich mein Selbsterkennen befähigt.“ Und doch folgt dann noch das höchste Bekenntnis:“Nun höret, inwiefern die Seele Gott wird, auch oberhalb der Gnade! Was Gott ihr nämlich so verliehen hat, das soll sich nicht wieder wandeln, denn sie hat damit einen höheren Stand erreicht, wo sie der Gnade nicht mehr bedarf*.“

Hier sind Gedanken offen ausgesprochen, wie sie ein Luther nach weiterer zweihundertjähriger Knebelung des Abendlandes durch die „Stellvertreter Christi“ nicht einmal mehr zu denken wagte. Aus dieser Stellung zur Idee der Gnade ergibt sich für Eckehart auch eine ganz andere Einschätzung von Sünde und Reue.

„Gesündigt haben, ist keine Sünde, sobald uns es leid ist“, beginnt Meister Eckehart seine Predigt vom „Segen der Sünde“, welche Worte ihn sofort meilenweit von der üblichen geforderten Zerknirschung hinwegführen. Man solle natürlich nicht sündigen, aber selbst wenn die einzelne Tat „wider Gott gerichtet“ gewesen sei, so wisse der „großzügige und getreue Gott“ doch, wie daraus das Beste zu ziehen sei. Dieser Gott rechnet nicht in einem Kontobuch nach der Vergangenheit herum, denn: „Gott ist ein Gott der Gegenwart.“ Wieder wird ein schritt weggetan vom ganzen materialistischen Historizismus unserer Kirchen. Erst ein Paul de Lagarde wagte wieder so offen zu sprechen, wie einst der Dominikanerprior aus dem 14. Jahrhundert.

* Man vergleiche dieses aristokratisch-herrliche Bekenntnis mit dem rührend ringenden und doch sklavischen Halbafrikaner Augnstin: „preisen will dich Gott der Mensch, ein winzig Stück Kreatur von dir, der Mensch, der mit fich schleppt seine Sterblichkeit, mit sich schleppt das Zeugnis seiner Sünde und das Zeugnis, daß du den Stolzen widerstehst.“ (Zweitrangigkeit kirchlicher Höchstwerte) Wofür er von den protestantischen Priestern mit ähnlichem Bann belegt wurde, wie Eckehart von den römischen.

Eckehart unterscheidet zweierlei Arten von Reue: die sinnliche und göttliche. Die erste – worunter offenbar die kirchliche zu verstehen ist – bleibt „im Elend stecken und kommt nicht vom Fleck.“ sie bedeutet also nur ein unfruchtbares Jammern, „es wird nichts daraus“. Anders die göttliche Reue: „sobald nur im Menschen eine innere Mißbilligung auftaucht, gleich erhebt er sich auch zu Gott, und setzt sich, gegen jede Sünde sorglich gewappnet, in einen unerschütterlichen Willen.“ so ist auch hier wieder die Richtung nach oben erneut betont und alles nur danach gewertet, ob es die Seele schöpferisch gemacht, aufgerichtet hat, oder nicht: „Aber wer wirklich hereingekommen wäre in den Willen Gottes, der wird auch nicht wollen, die Sünder, in die er gefallen, möge überhaupt nicht geschehen sein.“ AIso dasselbe, was Goethe meinte, als er erklärte, ein Menschenerzieher werde auch den Irrtum auskosten lassen: „Was fruchtbar ist, allein ist wahr.“

Vom Zentrum des Meisters Eckehart gesehen, also vom Standpunkt der abgeschlossenen, gottgleichen, freien, schönen und adligen Seele aus erscheinen somit sämtliche kirchlichen Höchstwerte als Werte zweiten und dritten Ranges. – Liebe, Demut, Barmherzigkeit, Gebet, gute Werke, Gnade, Reue, das alles ist gut und nützlich, aber nur unter der einen Bedingung: wenn es die Kraft der Seele stärkt, sie erhebt, sie Gott gleicher werden läßt. Wenn nicht, so werden alle diese Tugenden unnütz, sogar schädlich. Die Freiheit der Seele ist ein Wert an sich, die kirchlichen Werte bedeuten bloß etwas in bezug auf ein außerhalb ihrer liegendes Moment, sei es Gott, Seele oder „die Kreatur“. Der Adel der allein auf sich gestellten Seele ist folglich das Allerhöchste; ihr allein hat der Mensch zu dienen. Wir Heutigen werden es die tiefste metaphysische Wurzel der Idee der Ehre nennen, die gleichfalls eine Idee an sich (Drei Kräfte der Seele) ist, d.h. ohne jeden Bezug auf einen anderen Wert. Die ‘Freiheitsidee ist ohne die Ehre nicht zu denken, diese wiederum nicht ohne die Freiheit. Die Seele wirkt Gutes selbst ohne jede Beziehung zu Gott, lehrt Eckehart, löst sie aIso von Allem, soweit dies in Worten überhaupt auszudrücken möglich ist. Damit zeigt sich Meister Eckehart nicht als ein verzückter Schwärmer, sondern als der Schöpfer einer neuen Religion, unserer Religion, losgelöst vom fremden Wesen, wie es durch Syrien, Ägypten und Rom uns eingeflößt worden ist.

Eckehart hat uns aber nicht nur einen religiösen und sittlichen Höchstwert vermittelt, sondern er hat auch psychologisch und – wie bereits angedeutet – erkenntnis-kritisch alle wichtigen Entdeckungen der „Kritik der reinen Vernunft“ vorweggenommen, wenn er sich auch nicht in spitzfindige Untersuchungen eingelassen hat.

Nach dem seligen Gewahrwerden des „Fünkleins“, des geheimnisvollen Zentrums unseres Seins, geht der „freigewordene Geist“ des Meisters Eckehart, zwar religiös beschwingt, aber philosophisch besonnen wieder den Weg zurück von der Seele zur Welt.

Drei Kräfte entdeckt er, vermittels deren die Seele in die Welt hineingreift: den Willen, der sich dem Objekt zuwendet, die Vernunft, die das Ergriffene durchschaut und ordnet, und das Gedächtnis, welches das Erlebte und Erschaute aufbewahrt. Diese drei Kräfte sind gleichsam das Gegenstück zur heiligen Dreieinigkeit. Dem Thema Vernunft-Wille sind eine ganze Reihe tiefster Auseinandersetzungen gewidmet: beide sind seelisch frei – jedoch je nach Stimmung und Gelegenheit weist Meister Eckehart im Verlauf seiner Jahrzehnte dauernden Predigten bald der einen, bald der anderen Kraft den ersten Rang zu (Büttner). (Vernunft und Wille) Die Vernunft „bemerkt“ alle Dinge, führt Eckehart einmal aus, jedoch der Wille ist es, „der alle Dinge vermag“. Wo also die Vernunft nicht weiter kann, da schwingt sich der Wille im Licht und in der Kraft des Glaubens, überlegen auf. Da will der Wille über allem Erkennen sein. Das ist seine höchste Leistung.“ Andererseits gibt gerade die Vernunft, welche „scheidet, ordnet und setzt“ und dann erkennt, daß es noch ein Übergeordnetes gibt, dem Willen erst den rechten Aufschwung. „Hierbei steht die Vernunft über dem Willen.“ Der Wille ist frei: „Gott zwingt den Willen nicht, er setzt ihn in Freiheit: so daß er nichts will, als was Gott und die Freiheit selber ist! Da vermag nun der Geist nichts anderes mehr zu wollen, als was Gott will. Das ist keine Unfreiheit von ihm, das ist seine eigenste Freiheit*.“ Eckehart führt dann Christi Worte an: er habe uns nicht zu Knechten machen wollen, sondern uns Freunde geheißen. „Denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr will.“ Diese neue und immer wieder erneute Betonung der Freiheitsidee aber deckt sich nicht immer mit Erfahrung. Darüber klagen die Leute. Und Eckehart mit ihnen: „Das * Ich kann mir nicht versagen, hier ein seelisch verwandtes Wort aus der Cyandogya-Upanishad anzuführen: „Fürwahr, aus Willen (Kratu) ist der Mensch gebildet; wie sein Wille ist in dieser Welt, darnach wird der Mensch, wenn er dahingeschieden ist; darum möge man nach gutem Willen trachten …“

„Geist ist sein Stoff, Leben sein Leib, Licht seine Gestalt, sein Ratschluß ist die Wahrheit, sein selbst die Unendlichkeit, allwissend ist er, allwirkend, das All umfassend, schweigend, unbekümmert: dieser ist meine Seele (atman) im inneren Herzen, kleiner als ein Reiskorn oder Gerstenkorn, oder Senfkorn, oder Hirsekorn, ober eines Hirsekorns Kern, – dieser ist meine Seele im innern Herzen, größer als die Erde, größer als der Luftraum, größer als der Himmel, größer als diese Welten.“ –

„Der Allwirkende, Allwissende, das AII-Umfassende, schweigende, Unbekümmerte, dieser ist meine Seele im innersten Herzen, dieser ist das Brahman, zu ihm werde ich, von hier abscheidend, eingehen. – „Wem dieses ward, fürwahr, der zweifelt nicht.“ Also sprach Candilya …“

Wer aus diesen Worten nicht jenen Flügelschlag rauschen hört, von dem Goethe sagte, er ließe in einem Augenblick Äonen hinter sich, der hat kein Gefühl mehr für Seelengröße. Und in der Brihadaranyakam Upanishad singt ein wonnetrunkener Philosoph:

Doch wer sich als das selbst erfaßt hat in Gedanken,
Wie mag der wünschen, noch dem Leibe nachzukranken?
Wem in des Leibes abgründiger Befleckung
Geworden ist zum Selbste die Erweckung,
Den als allmächtig, als der Welten Schöpfer wißt!
Sein ist das Weltall, weil er selbst das Weltall ist.

(Eckehart und die Idee der Liebe) ist meine Klage auch. Diese Erfahrung ist etwas so Hohes oder auch Gemeines, daß du sie nicht kaufen darfst um einen Heller oder einen halben Pfennig. Hab einzig ein rechtes Trachten und einen freien Willen, so wird sie dir zuteil.“ Das ist die Lehre Kants von dem Widerstreit Zwischen Idee und Erfahrung sowohl in theoretischer, wie in praktischer Hinsicht. Zugleich spottet Eckehart über „manche Pfaffen“, die „hochgelobt sind und große Paffen sein wollen“. Ähnliches tat auch Kant über die Schulmeister, die „Philosophen“ und die „Geschwätzigkeit der Jahrtausende“.

Kurz gesagt, alles, was die Seele irgend aufzubringen vermag, das soll zusammengefaßt sein in die einfache Einheit des Willens: und der Wille soll sich verwerfen an das höchste Gut und an dem haften unentwegt! Von hier aus gesehen erhält die Idee der Liebe erneut ihre richtige Stelle im seelisch-erkenntniskritischen Werk Eckehart: sie dient nicht der verzückten Einbildungskraft, nicht süßen Gefühlen, oder der sexual-psychischen Ekstase, wohin sie die Kirche mit wohlüberlegter Hypnotisierungsmethode versetzt hat, sondern sie steht im Dienst des freischöpferischen, im besten Sinne herrischen Willens. „Wer mehr („Treue“ des Knechtes“) Willen hat, hat auch mehr Liebe“, sagt Eckehart, was so ziemlich das Gegenteil der Lehren der römischen Klerisei und der heute immer mehr erstarrenden protestantischen Kirchen darstellt, die am liebsten den Eigenwillen ausrotten möchten, um dann die ihres Markes enthöhlte „Liebe“ des Knechts in ihren Dienst zu stellen. Wie sehr sich Eckehart auch hier seiner einzigen Stellung bewußt ist, Zeigen die Worte: „In diesem Sinne fällt die Liebe ganz und gar in den Willen.“ Und dann folgt der offene Spott über die kirchliche Liebeslehre: „Nun ist aber noch ein Zweites, ein Ausbruch und Auswirkung der Liebe, das denn freilich sehr ins Auge sticht als Innigkeit, Andacht und Jubilieren. Aber ehrlich gesagt: das Beste ist das keineswegs! Denn es stammt mitunter nicht aus Gottesliebe, sondern aus bloßer Natürlichkeit, daß man dergleichen schmelzende Gefühle zu kosten bekommt …“ Die Ironie ist mehr als deutlich. Aber gerade aus der dem freien Willen untertanen Liebe erwacht der echte Begriff der Treue. Er bringt vielleicht nicht mehr so viele „Gefühle“ und „Ergebnisse“ und „Verzückung“ mit sich wie die „Treue“ des Knechtes, ist aber nur echt, wenn er mit einem starken Willen gepaart ist.

Mit dem „Flügelpaar Vernunft und Willen“ müssen wir uns erheben: „so kommt man nimmer in Verzug, sondern nimmt ohne Unterlaß zu ins Mächtige.“ Nicht durch unsicheres Herumflattern, sondern dank der Höhe des erwachten Bewußtseins: „Bei jedem Werk muß man bewußt von seiner Vernunft Gebrauch machen … und Gott ergreifen im höchsten möglichen sinne.“

Das Beherrschen des Willens, der Vernunft, des Gedächtnisses bezieht sich auf die, Ich und Natur vermittelnden Sinne; diese wiederum unmittelbar auf die Außenwelt, worunter auch der Mensch als Person (Körper) zu verstehen ist. Diese ganze Erscheinungsvielheit stellt sich dar als von Raum und Zeit bedingt, die – wie gesagt – (Gott ein Gott der Gegenwart) Eckehart ebenfalls als nur mit dem Diesseits verknüpfte, wenn auch reine Formen der Anschauung erkennt.

Seine ganze religiöse Lehre ist zudem ursachlos. Indem er Gott als einen Gott der Gegenwart erfaßt, interessiert ihn ein genetisches, d. h- geschichtlich-ursächliches Verfahren überhaupt nicht; dies gehört zur Außenwelt, nicht zur Seelen- und Gotteskunde. Damit entsagt Eckehart der orientalischen Vermischung von Freiheit und Natur, allen jenen Fabeln und „Wundern“, ohne welche die Kirchen

des – wie Jesus sagte – „ehebrecherischen Geschlechtes“ auch heute noch nicht auskommen können. Ob die Erde eine Scheibe ist oder als eine Kugel im Äther schwebt, berührt deshalb echte Religion, also auch Eckeharts Lehre, nicht, während diese Entdeckung des Kopernikus unsere beiden christlichen Kirchen innerlich gestürzt hat, auch wenn sie sich und die Welt durch lahme Lügen darüber hinwegzutäuschen bemühen*.

Gerade in seiner, Schopenhauer bereits im voraus überwindenden Willenslehre zeigt sich nun Eckehart als abendländisch-dynamischer und die ewige Polarität des Daseins anerkennender Philosoph, Das Wesen der Leistungen der Vernunft ist ein „Herzubewegen der äußeren Dinge“, um diese Erkenntnis der Seele „einzuprägen“. „Dieselbe Bewegung setzt sich nun fort im Willen, der somit ebenfalls nimmer zur Ruhe kommt.“ AIso selbst der Mystiker ohnegleichen, welcher alles abscheiden möchte, um in reiner Gottesschau zu verharren, der „Ruhe in Gott ohne Ende“ erstrebt, er weiß, daß diese Ruhe nur Augenblicke dauern

* Gerade in dem materialistischen Auferstehungsdogma zeigt sich die hoffnungslose Verjudung der Kirchen. Das ganz aus dem jüdischen historizistisch-materialistischen Vorstellungskreis hervorgegangene Wort des Paulus: „Ist Christus nicht auferstanden, so ist nichtig unsere Predigt und nichtig Euer Glaube“, zeigt die Unlöslichkeit sowohl des Vor-Kopernikanischen Weltbildes mit dem Auferstehungsglauben als auch die rein stoffgebundene Grundlage unserer pseudo-christlichen Kirchen. (Zwiefachheit des Daseins) kann, Ziel ist, daß dieses Ziel aber nur durch immer neue Bewegung der Seele und ihrer Kräfte erreicht wird. Hier Zeigt sich Meister Eckehart als auch den indischen Weisen überlegen und anerkennt den ewigen Rhythmus als die Vorbedingung aller Fruchtbarkeit. Aus dieser theoretischen Einsicht zieht er dann auch (vgl. den Fall Martha-Maria) die praktische Folgerung für das Leben. Wenn das Gemüt, der Wille auch das Ewige suche, „so verlischt doch nimmer in ihm sein heiß Geliebtes“. „Dieser Mensch sucht nicht die Ruhe: denn ihn stört keine Unruhe. Dieser Mensch steht gut bei Gott angeschrieben, weil er alle Dinge göttlich nimmt, besser als sie an sich sind! Freilich! Dazu gehört Fleiß und ein waches, wahres, wirksames Bewußtsein, worauf das Gemüt zu fußen habe trotz Dingen und Leuten. solches kann der Mensch nicht lernen durch Weltflucht: indem er vor den Dingen flieht, und sich in die Einsamkeit kehrt, von der Außenwelt fort. sondern er maß eine innerliche Einsamkeit lernen, wo und bei wem es auch sei, er muß lernen, durch die Dinge hindurchzubrechen …“

Diese Zwiefachheit als Grundgesetz seines Daseins glaubt Eckehart auch in Jesus zu entdecken: „Auch bei ihm (Jesus) gibt es Unterschied der oberen und niederen Kräfte, auch bei ihm hatten sie zweierlei Werk. seinen oberen Kräften eignete ein Besitzen und Genießen ewiger Seligkeit. Aber die niederen, die Stunden zur selben stunde im ärgsten Leiden und stritten auf Erden. Und keine dieser Tätigkeiten hinderte die andere in ihrem Vorhaben!“ „Je länger und stärker der Streit (der höheren und niederen Kräfte), um so größer und löblicher auch der Sieg und die Ehre des Sieges.“

Das zaubergläubige Wesen Roms steht nun im Gegensatz zur Persönlichkeit Eckeharts noch deutlicher vor uns: (Die Una Catholica) es ist das afrikanisch-syrisch geistige Völkerchaos, die „Religion der Besessenheit“ (Frobenius), die vom Osten des Mittelmeeres her sich mit Hilfe der Zauberkulte und der Judenbibel und unter Mißbrauch der Erscheinung Jesu ihr westliches Zentrum schuf. Dieser Mittelpunkt hat sich nun bei fortschreitendem Erwachen des Abendlandes und nach Erdrosselung der Mystik alle Mühe gegeben, die romfeindliche

Weltanschauung sich einzuverleiben, um die Una Catholica als jeden, auch modernen Ansprüchen genügend darzustellen. Man geht heute etwa so zu Werke*.

Der römisch-jesuitische Philosoph stellt drei große Weltanschauungstypen fest: die Richtung der Immanenz (der Zuständlichkeit), die in sich selbst ruhen möchte; die Richtung der Transzendenz (der Gegenständlichkeit), die Gott nur als ersten Urheber gelten läßt, somit die Lehre des Deismus; die Richtung der Transzendentalität, welche den Verbindungsversuch der beiden anderen seelischen

Einstellungen darstellt. Um die Ausgestaltung dieser Typen geht das philosophische Ringen der Jahrtausende. Der römische Christ soll nun über diesem Ringen stehen, abseits und doch alle Typen umfassend, in allen lebend. Das Ringen der drei philosophischen Typen vermag nämlich – so sagt

Rom – nie zu einer Einheit zu gelangen alle Versuche, innerhalb der drei Systeme die Widerstreite (Antinomien) des Lebens zu überwinden, seien vergeblich und landeten stets in der gezwungenen Identitätserklärung der Gegensätze. Das geschehe deshalb, weil alle drei typischen Richtungen die gleiche „falsche“ Voraussetzung machten: als sei der Mensch irgendwie Gott gleich, als sei Gott gleichkam nur das unendlich ferne Ideal des menschlichen Strebens. Dadurch werde das Geschöpf aber als selbstherrlich geschlossen angesehen, was einem Versuch der* Ich Folge hier E. Przywara, S.J.: „Religionsphilosophie katholischer Theologie“, München 1926. (Jesuitische Grunddogmen) seelischen Zerstörung des über allen schwebenden schöpferischen Gottes gleichkomme. Hier greife nun die römische Lehre mit ihrer „Grundanschauung“ ein: daß nämlich (laut dem IV. Laterankonzil 1215) Gott seinem Geschöpf ähnlich und unähnlich zugleich sei. Ähnlich, weil er in dasselbe die Möglichkeit

der „Unruhe vor Gott“ gelegt habe, unähnlich, weil es als geringe Kreatur nur „Ruhe in Gott“ finden könne. Der Mensch lebt also nicht in seiner seelischen Atmosphäre, sondern im Bannkreis des absoluten, fernen, herrschenden Gottes. Der katholische Mensch sei also „nach oben offen“, was eine echt strebende Spannung ergebe, keinen „Kampf“, keine „explosive Einheit“ (Przywara, s. J.). Das sei die Grundlage Roms, die „Analogia entis“, die Analogie des Seins:“Gott nach Wirklichkeit und Wesen von der Welt unterschieden über alles, was außer ihm ist, oder gedacht werden kann, unaussprechlich erhaben, hat zur Offenbarung seiner Vollkommenheit im Gleichnis geschöpflicher Vollkommenheit in völliger Freiheit die Schöpfung aus dem Nichts erschaffen.“

Dieser römische Gedankengang, der angeblich schon vor des „Petrus Berufung“ bestanden haben soll, zeigt seine Herkunft nur zu deutlich. Der über allem thronende unnahbare furchtbare Gott, das ist der Jahwe des sog. Alten Testaments, den man mit Zittern lobt und in Furcht anbetet. Er schafft uns alle aus dem Nichts, er verrichtet, wenn es ihm paßt, zauberische Wundertaten und bildet die Welt zu seiner Verherrlichung. Dieser syrisch-afrikanische Zauberglaube war aber trotz Feuer und Schwert dem Europäer nicht aufzuzwingen. Das nordisch-seelische Erbgut bestand tatsächlich im Bewußtsein nicht nur der Gottähnlichkeit, sondern der Gottgleichheit der menschlichen Seele. Die indische Lehre von der Gleichheit des Atman mit dem Brahman – „sein ist das Weltall, weil er selbst das Weltall ist“ – war das erste große Bekenntnis dazu; die persische Lehre vom gemeinsamen (Die Analogia entia) Kampf des Menschen und des lichten Ahura Mazda zeigte uns die herbe nordisch-iranische Auffassung; der griechische Götterhimmel entsprang einer ebenso großen Seele wie die selbstherrliche Ideenlehre PIatons. Der altgermanische Gottesgedanke wiederum ist ohne seelische Freiheit gar nicht denkbar. Und auch Jesus sprach vom Himmelreich in uns. Die Willenhaftigkeit des seelischen Suchens zeigt bereits der Weltenwanderer Odin, zeigt der Sucher und Bekenner Eckehart, zeigen alle Großen über Luther bis Lagarde. Diese Seele lebte aber auch im ehrwürdigen Thomas von Aquino und in den meisten abendländischen Kirchenvätern. Die Analogia entis (wenn man eine Voraussetzung der Welterschaffung aus dem Nichts fortläßt) hat der europäisch-nordische Geist dem Alten Testament abgerungen: das römische System ist also nicht „seit Jesus“ vollendet, sondern nachweislich ein Kompromiß zwischen Syrien-Afrika und Europa, wobei alle nur möglichen geistigen Anleihen gemacht wurden, jedoch mit der anmaßenden Erklärung, das seien bloß Teile der alleinigen, alleinseligmachenden katholischen Lehre. Thomas und seinen Gegner Duns Scotus konnte Rom gerade noch ertragen, einen Eckehart bereits nicht mehr, denn dessen Erfolg hätte die Absetzung Jahwes bedeutet. Die Absetzung dieses Gottes Tyrannen aber wäre gleichbedeutend mit der Absetzung seines päpstlichen Stellvertreters gewesen. Seitdem ist die europäische Geistesentwicklung ohne, neben, gegen Rom ihren Weg gegangen, wobei Rom, wo es konnte, exkommunizierte; wenn alles nichts fruchtete, wurde das Neue eben „einverleibt“ und als „urkarholisches Teilgut“ verteidigt.

Im Wesen bedingt die römische Vorstellung des zu Gott erhobenen Dämons die Vernichtung unserer willenhaften Seele, einen Attentatsversuch auf die Polarität des geistigen Wesens. Durch die Analogia entis versucht die römisch-jesuitische moderne Religionsphilosophie dieser bei (Nordische Selbstverwirklichung) uns noch immer nicht durchsetzbaren Folgerung zu entgehen, indem durch diese das Vorhandensein einer „Spannung“ behauptet wird, die viel fruchtbarer sei, als der Versuch der „Identitätserklärung der Gegensätze“. In diesem Fall hat Rom die alte platonische Lehre vom sein und Werden sich dienstbar gemacht. Wir stehen strebend in einem ewigen Werden, jedoch mit dem Bewußtsein eines Seins, das „wird“. Dieser nordische Gedanke der Selbstverwirklichung erhält in jüdisch-römischer Verfälschung den Sinn einer Bewegung der Kreatur „zu Gott zu“, wobei aus der Selbstverwirklichung eine Verwirklichung des Gottes wird, in dessen Hand wir doch nur gestaltlosen Ton oder einen Leichnam darstellen.

Diese scheinbaren Zugeständnisse des römischen Jahweismus an das willenhafte seelenbewußte Abendland haben noch so manchen in Rom gehalten, der beim Erkennen des Wesens längst davongegangen wäre. Denn ob ich mich in seelischer Freiheit schenke (wie Eckehart) oder mich dem Herrn sklavisch beuge (wie Ignatius), um gleichsam als knetbarer Lehm, als Stock gebraucht oder wie ein Leichnam gewendet zu werden, das macht den Unterschied aus zwischen Mensch und Mensch, zwischen System und System, letzten Endes zwischen Rasse und Mestizentum. Rom-Jahwe bedeutet: zauberischer Despotismus, magisches Schöpfertum aus dem Nichts (ein für uns wahnwitziger Gedanke). Nordisches Abendland besagt: Ich und Gott sind seelische Polarität, Schöpfungsakt ist jede vollzogene Vereinigung, das Auseinandergehen ruft erneute dynamische Kräfte hervor. Die echte nordische Seele ist auf ihrem Höhenfluge stets „zu Gott zu“ und stets „von Gott her“. Ihre „Ruhe in Gott“ ist zugleich „Ruhe in sich“- Diese Vereinigung, als Verschenken und Selbstbewußtsein zugleich empfunden, heißt nordische Mystik. Römische „Mystik“ bedeutet wesentlich die unmögliche Forderung nach Aufhebung von Polarität und Dynamik, heißt Unterwerfung der Menschheit. (Dasein und Sosein) Die römische Philosophie steht also nicht, wie sie behauptet, außerhalb der drei typischen Seelenrichtungen Immanenz, Transzendenz und Transzendentalität, sie alle umfassend, sondern stellt einen Kompromißversuch dar, Teile aller dieser Typen mit dem jüdisch-syrisch-afrikanischen Glauben zu verbinden. Die römische Lehre fließt nicht aus einem Zentrum in laufend Strömen durch die Welt, sondern umkleidet ihren syrischen Grundstock mit den geborgten und verfälschten Lehren des nordischen Menschen, wie er in verschiedenen völkischen Persönlichkeiten sich seine Gedankenwelt erbaute. – Daraus ergibt sich auch die Einstellung zum Problem des Daseins und Soseins.

Die jüdisch-römische Lehre verkündet mit ihrer Behauptung der Erschaffung der Welt aus dem Nichts durch einen Gott eine Kausalverbindung zwischen „Schöpfer“ und „Geschöpf“, sie überträgt also eine nur für diese Welt gültige Anschauungsform auf metaphysisches Gebiet und behauptet diese Voraussetzung ihrer, den Schöpfer ,, stellvertretenden“ Stellung bis auf heute mit zähester Energie im Bewußtsein, an dieser Stelle den Kampf um ihr Dasein zu führen. Gegen diesen monströsen Grundlehrsatz hat der germanische Geist von jeher in schärfster Kampfstellung gestanden. schon der älteste nordische

Schöpfungsmyrhus der Welt, der indische, kennt das Nichts nicht. Er weiß nur von einem Gewoge, einem Chaos zu berichten. Er denkt sich den Kosmos als aus einem von innen wirkenden gegen das Chaos ringenden Ordnungsprinzip entstanden, denkt einen Augenblick auch an den Ordner von außen (nicht an den Schöpfer aus dem Nichts!), schließt aber mit höchster philosophischer Besonnenheit nach der Frage, woher die Schöpfung entsprungen:

Er, der die Schöpfung hat hervorgebracht,
Der auf sie schaut im höchsten Himmelslicht,
Der sie gemacht hat oder nicht gemacht,
Der weiß es! – oder weiß auch er es nicht?

Schöpfer und Geschöpf

Der indische Monismus war eigentlich aus einem scharfen Dualismus geboren: die Seele, das allein Wesentliche, die Materie eine Täuschung, die zu überwinden ist. Eine Schaffung dieser Materie, und gar aus dem Nichts, wäre jedem indischen Arier als blasphemischer Materialismus erschienen. Es ist im indischen Schöpfungsmyrhus eine ähnliche Stimmung vorherrschend wie in Hellas, wie in Germanien: das Chaos ordnet sich einem Willen, einem Gesetz unter, aber nie entsteht aus dem Nichts eine Welt, wie syrisch-afrikanische Wüstensöhne es lehrten und Rom mit seinem Dämon Jahwe es übernommen hat. Schillers Satz: „Wenn ich Gott denke, gebe ich den Schöpfer auf“ bedeutet in knappster Form die klare Absage der arisch-nordischen Rassenseele an die zauberisch -magische Verknüpfung von „Schöpfer und Geschöpf“, als Gott und ehrlose Kreatur. Rom hat Isis, Horus, Jahwe, PIaton, Aristoteles, Jesus, Thomas usw. zusammengeknetet und will dieses Soseins dem Dasein der Rassen und Völker gewaltsam aufzwingen, oder, wo dies nicht geht, durch einschmeichelnde Verfälschungen einträufeln, um dieses naturgewachsene Dasein zu verkrüppeln, die seelisch und rassisch Verkrüppelten dann aber unter das „katholische“ Dach zu sammeln.

Diesem grandiosen völkervernichtenden Versuch hat sich bis auf heute nur weniges gegenübergestellt, was typenschaffend gewirkt hat. Der eine Große entsagte der römischen Medizinmannphilosophie, der andere bekämpfte sie für sich, der dritte wandte sich anderen Aufgaben zu. Die systematische Sicherung Europas vor dem weitausgreifend angelegten Angriff ist im großen Maßstab noch nirgends begonnen worden. Das Luthertum ist in diesem Ringen leider ein Mitstreiter Roms trotz seines „protestieren“, denn die lutherische „Rechtgläubigkeit“ verschloß sich bisher dem Leben durch den Schwur auf die jüdische Bibel. Es predigte gleichfalls ein Sosein, ohne sich nach dem (Der Mystiker Paracelsus) organischen Dasein zu richten. Heute endlich beginnt ein grundsätzliches Erwachen aus der GewaIthypnose: nicht von einem Zwangsglaubenssatz, dazu noch jüdisch-römisch-afrikanischer Herkunft, treten wir an das Leben heran, sondern vom Dasein aus wollen wir das So-sein, wie einst Meister Eckehart es erstrebte, bestimmen. Dieses Dasein aber ist die rassengebundene Seele mit ihrem Höchstwert, der Ehre und der Seelenfreiheit, der die architektonische Gliederung der anderen Werte bestimmt. Diese Rassenseele lebt und entfaltet sich in einer Natur, die gewisse Eigenschaften weckt und andere zurückdämmt. Diese Kräfte von Rasse, Seele und Natur sind die ewigen Voraussetzungen, das Dasein, das Leben, aus welchem erst Gesittung, Glaubensart, Kunst usw. sich als das Sosein ergeben. Das ist die letzte, innere Umkehr, der neu erwachende Mythus unseres Lebens.

So würde auch der große Sehnsuchtsmensch Paracelsus sprechen, lebte er heute unter uns. Ein Erwachter in einer Welt aufgeblähter abstrakter volksfremder Gelehrter, die mit zusammengeleimten Autoritäten aus Griechenland, Rom, Arabien den lebendigen Menschenleib vergifteten, den Kranken noch kranker machten und, trotz allen gegenseitigen Gezänkes, wie eine Mauer zusammenstanden gegen einen Genius, der in die Urgründe des D a seins suchend hinabstieg. Die Natur in der Gesamtheit ihrer Gesetze erforschen, Arzneien werten als fördernde Aufbaumittel des Lebensprozesses des Leibes, nicht als zusammenhanglose Zaubermixturen, das war es, was auch den Theophrastus von Hohenheim als einsamen Propheten durch seine damalige Welt trieb, ruhelos, gehaßt und gefürchtet, mit dem Stempel des Genies, das auch Kirchen und Altäre, Lehren und Worte nicht als Selbstzweck anschaut, sondern danach wertet, wie tief sie eingebettet in der Umwelt von Natur und Blut ruhen. Der große Paracelsus wurde somit zum Wortführer aller deutschen (Eckeharts antirömisches Wesen) Naturerforscher und deutschen Mystiker, ein großer Prediger des Daseins, um von ihm sich wie Meister Eckehart tastend zu den Gestirnen aufzuschwingen und herrisch-demütig sich einzufügen in die großen Gesetze des Weltalls, voll Seligkeit ebenso über die Reinheit eines Lautes der Nachtigall wie über den unerklärlichen Schöpfersprudel des eigenen Herzens.

Mit seiner antirömischen Religion, Sittenlehre und Erkenntniskritik scheidet sich nun Eckehart bewußt, ja schroff von allen Grundgeboten sowohl der römischen, wie der späteren lutherischen Kirche. An Stelle der jüdisch-römischen Statik setzt er die Dynamik der nordisch-abendländischen Seele; an Stelle einer monistischen Vergewaltigung fordert er das Anerkennen der Zwiefachheit alles Lebens; an Stelle der Unterwürfigkeitslehre und einer Knechtseligkeit predigte er das Bekenntnis der Seelen- und Willensfreiheit; an die stelle der kirchlichen Anmaßung von der Stellvertreterschaft Gottes setzt er die Ehre und den Adel der seelischen Persönlichkeit; an die stelle der verzückten, sich hingebenden unterwürfigen Liebe tritt das aristokratische Ideal der persönlichen seelischen Abgeschlossenheit und Abgeschiedenheit; an die stelle der Vergewaltigung der Natur tritt ihre Vollendung. Und das alles heißt: an die stelle der jüdisch-römischen Weltanschauung tritt das nordisch – abendländische Seelenbekenntnis als die innere Seite des deutsch-germanischen Menschen, der nordischen Rasse.

Eckehart hat genau gewußt, daß er innerhalb der Kirche nur zu sehr wenigen spreche; er hat deshalb oft mit den ketzerischen Beguinen und Begarden Umgang gehabt, ihnen gepredigt, mit ihnen lange Tischgespräche geführt. Als „Bruder Eckehart“ wird er von ihnen erwähnt, und (Die Inquisition gegen den deutschen Apostel) während er Stück für Stück die römisch-syrischen Zwangsglaubenssätze zurückwies, ist er in keiner einzigen seiner Reden gegen die „Ketzer“ aufgetreten. Aber er wollte auch innerhalb der Kirche die Menschen seines Wesens suchen und vereinigen. Diesem Ziel galt sein Wirken in Erfurt, in Straßburg, in Köln und in Prag. Eckehart bestreitet schlankweg, daß es Lehrsätze geben dürfe, die man einfach „glauben müsse“, weil dies von den Oberen und der Überlieferung gefordert werde. Er ruft die freie hohe Vernunft und seine freie Seele als Geschenke Gottes herbei, auf die man zu hören habe. Er sagt seinen Zuhörern ausdrücklich, sie sollten sich, falls sie seinen Lehren folgten, offen auf ihn berufen: „Ich stehe mit meinem Leibe dafür“. Aber auch die Dunkelmänner waren am Werk, um sich, wie üblich, gegen den großen Geist zusammenzurotten. Als Eckehart in Köln lehrt, lodern um ihn die Scheiterhaufen der frommen Inquisition selbst in seinem Orden klagen viele, er spreche zuviel in der Landessprache und vor „gemeinen Leuten“ über Dinge, die zur Ketzerei verleiten könnten. Der Erzbischof von Köln verklagt dann Eckehart beim Papst, der ihn gern erledigt hätte, aber die Dominikaner als politische Stütze in seinen Kämpfen mit dem Kaiser brauchte und deshalb ihr geistiges Haupt noch nicht zu verbrennen wagte. so wurde der „Fall Eckehart“ von einem Ordensbruder untersucht, der ihn freisprach. (Ein solcher Freispruch wäre nach dem Unfehlbarkeitsdogma zu Beginn des „freien“ 20. Jahrhunderts nicht mehr möglich gewesen) Und doch schritt dann die Inquisition zu ihrem Werk. Am 24. Januar 1327 lehnt Eckehart ihr Eingreifen als Willkürakt ab und ladet seine Gegner für den 4. Mai 1327 vor den Papst. Eine ähnliche Erklärung Eckeharts in der Dominikanerkirche zu Köln schließt mit den Worten:“Ohne damit einen einzigen meiner Sätze preiszugeben, verbessere ich und widerrufe ich… alle die, von denen (Eckeharts „Widerruf“) man imstande sein wird, nachzuweisen, daß sie auf fehlerhaftem Vernunftgebrauche beruhen*.“

Eckeharts Erklärung wurde ganz folgerichtig von den frommen Inquisitoren als „leichtfertig“ zurückgewiesen. Ehe er aber zum Papst fahren konnte, starb er. Ob eines natürlichen Todes, oder durch Nachhilfe mit einem Pülverchen, ist unbekannt geblieben. Jedenfalls war die stärkste Kraft, die aus der römischen eine deutsche Kirche hätte machen können, gebrochen. Eckeharts Tod war eine der größten Schicksalsstunden Europas. Seine deutsche Religion wurde hernach von Rom offiziell durch eine Bulle „verurteilt“. Zunächst wurde nach bewährter Methode (um die Anhänger irre zu führen) Eckeharts „Widerruf“ als allgemeine Abbitte hingestellt, wogegen Eckehart, im Gegenteil, bereit war, mit aller Macht seine Lehre zu vertreten. Charakteristisch für seine Freiheit ist, daß er sich nicht auf kirchliche Lehrsätze, ja nicht einmal auf die Bibel beruft (wie später Luther), sondern allein auf die freie Vernunfterkenntnis. Nach dieser ersten Fälschung. „korrigierten“ die frommen Anhänger Roms den Meister Eckehart und reihten ihn als geistigen Schüler des Thomas von Aquino ein**.

* Vgl. Büttner: Predigten.
** Trotz des magischen Stoffes, den Thomas mit Hilfe des Aristoteles in ein rationalistisches System zu bringen hatte, und des dadurch bedingten Widerspruches in sich, soll die Großartigkeit des Versuches und die Stärke der geistigen Energie des Thomas nicht bestritten werden. Thomas war, wie vielleicht nicht allgemein bekannt sein durfte, Langobarden. Die Familie der Herren von Aquino rühmte sich dieser germanischen Abkunft und stand dem größten Hohenstaufer, Friedrich II., zur Seite. So Thomas von Aquino der Ältere, Graf von Acerra, der als Statthalter von Syrien Friedrich den Weg ins „heilige Land“ bahnte, den Kaiser auf seinem ersten Zug nach Deutschland begleitete, dann als besonderer Beauftragter nach Sizilien geschickt wurde und später in Friedrichs Namen mit dem Papst unterhandelte. Ferner Thomas II. von Aquino, ein anderer Statthalter Friedrichs und sein (Schwiegersohn, der zusammen mit dem letzten Staufer Konrad unterging. – Der „hl. Thomas“ war offenbar aus der Art geschlagen und fahnenflüchtig. Er stellte seinen Geist Rom zur Verfügung, von dem dieses noch heute zehrt. Im übrigen war Thomas ein Schüler Albrechts von Bollstedt (des Albertus Magnus) und des Iren Petrus von Hidernia.

Beguinen und Begarden

Der äußeren Verwilderung des römischen Zentrums im 13. Jahrhundert entsprach eine allgemeine Verlotterung der Geistlichkeit in allen Ländern, die längst zum Gespött aller Völker geworden wäre, wenn nicht etliche führende Persönlichkeiten mit dem Einsatz ihres ganzen Ichs die Lage immer wieder gerettet hätten. Als Reaktion gegen diese Verlumpung bildeten sich im 13. Jahrhundert u. a. auch die Gesellschaften der Brüder und Schwestern vom freien Geist, in welchen sich die Vorläufer der Mystik bemerkbar machten. Zusammen mit ihnen wirkten die Beduinen und Begarden (Waidschüler), jene Kreise, zu denen Meister Eckehart nahe Beziehungen unterhalten hat. Diese fromme, aber unkirchliche Bewegung ging (außerhalb und innerhalb der Kirche) wie ein breiter Strom durch die deutschen Lande. Sie griff vor allen Dingen einen Grundzug des vernichteten Arianismus wieder auf: die Religion in der Landessprache zu lehren. Schon in diesem Punkt zeigte sich von allem Anfang an bis auf heute der nie versiegende Kampf zwischen organischem Volkstum und römisch-lateinischer Aufpfropfung. (Gregor VII. hatte es als Frechheit bezeichnet, sich während des Gottesdienstes der Landessprache zu bedienen.) Das echte Volksempfinden lehnte die fremde lateinische Sprache ab, die doch nur als unverständliche nachzuplappernde Zauberformel angesehen und auch als solche verwendet wurde. Den Gebrauch der heiligen deutschen Muttersprache trotzte die religiöse deutsche Bewegung um die Mitte des 13. Jahrhunderts dem volksfeindlichen Rom (Eckehart als Lehrer des Deutschen) ab. Predigten und Lehrvorträge wurden nunmehr nicht lateinisch gesprochen, sondern in dem zum Herzen gehenden Deutsch. Und der größte Bahnbrecher für unser Wesen ist auch hier Eckehart gewesen, den seine Schüler und Nachfolger (u. a. Suso und Tauler) stets den „seligen und heiligen Meister“ nennen, Eckehart, wenn er auch viel lateinisch schreiben mußte, hat die deutsche Sprache zuerst zur Sprache auch der Wissenschaft gemacht. Er hat mühselig danach gerungen, die lateinische Satzbildung durch deutsche Wortprägungen zu ersetzen; er war auch hier ein Ketzer, dessen Werk – zertreten und halb erdrosselt durch die römische Kirche – erst Martin Luther wieder fortsetzte, und das so die Voraussetzung für das Bestehen des deutschen Volkstums schlechtweg schuf. Heute predigen zwar auch die katholischen Priester deutsch, aber die ganze Liturgie, die Sprüche und auch die Lieder und Gebetsformeln muß ein Teil unseres schlichten Volkes immer noch in lateinischer Sprache murmeln. Die Kirche kann diese Vergewaltigung nicht aufgeben, weil sie ihren unnationalen Charakter wahren muß, die Völker aber dürfen diese heidnisch-fremden Überbleibsel nicht mehr dulden. Ob der Tibetaner seine Gebetsmühle dreht, oder ein deutsches Bäuerlein lateinisch betet, ist grundsätzlich unterschiedslos, beides bedeutet nur mechanische Übung im Gegensatz zu echt religiöser Vertiefung.

So entschwand denn, dank den römischen Fälschungen, der eigentliche Eckehart den Augen des deutschen Volkes. Zwar zog die religiöse Welle weiter über die Lande Widukinds, den Rhein hinunter und überall erstanden Bekenner der Freiheit der Seele: Suso und Tauler, Ruysbroek und Grootes, Boehme und Angelus Silesius. Aber die größte Seelenkraft, der schönste Traum des deutschen Volkes war zu früh gestorben; alles spätere ist nur – von ganz oben gesehen – ein Abglanz von Eckeharts großer Seele. Aus seiner Männlichkeit wurde schwülstiges (Eckehart an unsere Zeit) Schwärmen, aus seiner kraftvollen Liebe wurde süße Verzückung. Nach dieser Richtung von der Kirche unterstützt, mündete der Strom der verweichlichten,, Mystik“ wieder im schoß der römischen Kirche. Luthers Tat zersprengte schließlich die fremde Kruste, aber auch er fand, trotz seiner Sehnsucht, nicht zu dem einen Seelengrunde Meister Eckeharts, nicht zu seiner geistigen Freiheit zurück. seine vom ersten Tage an unfreie Kirche verknöcherte deshalb an einer und versandete an der anderen Stelle. Die deutsche Seele mußte einen anderen Weg als den kirchlichen suchen. sie schlug ihn ein in der Kunst. Als der Geist Eckeharts verstummte, erwuchs die germanische Malerei, erklang die Seele J. S. Bachs, es kam Goethes Faust, Beethovens „Neunte“, Kants Philosophie…

Zum Schluß aber noch das Tiefste und Stärkste aus Eckeharts Lehre. Etwas, was noch mehr als alles andere seherisch an den Menschen u n s e r e r Zeit gerichtet erscheint.

Die Predigt vom „Gottesreich“ beendigt Eckehart mit folgenden Worten: „Diese Rede ist niemand gesagt, denn der sie schon sein nennt als eigenes Leben, oder sie wenigstens besitzt als eine Sehnsucht seines Herzens. Daß uns dies offenbar werde, das helf uns Gott.“

Nur an die seelisch Verwandten richten sich also alle seine Worte, an alle „inneren oder adeligen Menschen“ ergeht seine Lehre, und hier tritt dann ein Mysterium zutage, das erst heute wieder zu neuem Leben geboren wird.

In einer Predigt (über 2. Kor. l. 2) unterscheidet Eckehart zwischen dem Blut und dem Fleisch. Unter Blut versteht er (wie er glaubt, mit St. Johannes) alles, „was im Menschen nicht seinem Willen Untertan ist“, also das im Unterbewußtsein Wirkende, ein Gegenstück zur Seele. Und an anderer stelle sagt dann Eckehart (über Matthäus 10, 28): „Das Edelste, was am Menschen ist, ist das (Die Religion des Blutes) Blut – wenn es recht will. Aber auch das Ärgste, was am Menschen ist, ist das Blut – wenn es übel will.“

Damit ist das letzte ergänzende Wort ausgesprochen worden. Neben dem Mythus von der ewigen freien Seele steht der Mythus, die Religion des Blutes. Das eine entspricht dem anderen, ohne daß wir wissen, ob hier Ursache und Wirkung vorliegen. Rasse und Ich, Blut und Seele stehen im engsten Zusammenhange, für einen Bastard taugt Meister Eckeharts Lehre nicht, ebensowenig für jene fremdartige Rassenmischung, die von Osten in das Herz Europas eingesickert ist und das untertänigste Element Roms ausmacht. Eckeharts Seelenlehre richtet sich an die Träger des gleichen oder verwandten Blutes, die ähnliches Leben haben oder die Rede besitzen als „eine Sehnsucht ihres Herzens“ – nicht an seelisch Fremde und blutsmäßig Feindliche. Das erfordert aber auch eine umgekehrte Ablehnung. Hier spricht Meister Eckehart dann das völkische Bekenntnis aus: „Kein Gefäß kann zweierlei Trank in sich bergen: soll es Wein halten, so muß man das Wasser ausgießen, daß auch nicht ein Tropfen bleibt.“ Und weiter:“Man soll anderer Leute Weise achten, und niemandes Weise schmähen.“ „Unmöglich können doch alle Menschen nur einem Wege folgen.“ Und noch weiter: „Denn manchmal, was dem einen Leben ist, ist des anderen Tod.“

Das ist das vollkommene Gegenteil dessen, was die Kirche Roms (und schließlich auch Wittenbergs) uns lehrt. Sie will uns alle – ob Weiß, ob Gelb, ob schwarz – auf einen Weg, in eine Form, unter ein Dogma zwingen, und hat deshalb, als sie Macht wurde, unsere Seele, unsere europäischen Rassen vergiftet. Was ihr Leben war, war unser Tod. Daß wir nicht gestorben sind, verdanken wir nur der Macht der germanischen Seele, die den endgültigen Sieg Roms (und Jerusalems) bisher verhindert hat. In Meister Eckehart kam die nordische (Eckehart und Goethe) Seele zum erstenmal ganz zum Bewußtsein ihrer selbst. In seiner Persönlichkeit liegen alle unsere späteren Großen gebettet. Aus seiner großen Seele kann – und wird – einmal der deutsche Glaube geboren werden.

Am umfassendsten tritt die. Seelenverwandtschaft mit Eckehart bei Goethe zutage. Auch sein ganzes Dasein wurzelte in der Freiheit der Seele, zugleich aber im Bekenntnis zum schöpferischen Leben. Diese Seite hat der Künstler naturgemäß noch viel bestimmter betont als der religiöse Mystiker. Goethes ganzes Leben war ein Wiegen zwischen zwei Welten; wenn ihn die eine ganz gefangen zu nehmen drohte, flüchtete er sich leidenschaftlich in die andere. sprach Meister Eckehart von der „Abgeschiedenheit“ einerseits und dem „Werk“ andererseits, so nennt Goethe diese beiden Zustände mit Vorliebe Sinn und Tat. Der „Sinn“ bedeutet das Abstreifen der Welt, die ins Unendliche gehende Erweiterung der Seele, die „Tat“ die auf eine Schöpfung in dieser Welt hinausgehende Arbeit. Gleich Meister Eckehart hat Goethe das Gesetz unseres Daseins immer wieder betont: daß Sinn und Tat rhythmisch abwechselnd sich bedingende und sich gegenseitig steigernde Wesenheiten des Menschen sind; daß eins aufs andere hinweist, es erst erkennen und schöpferisch werden läßt. „Sich von der Welt zurückziehen und der Selbstschau leben, fördert nicht einmal unsere Selbsterkenntnis: „sich selbst kann man eigentlich nur in der Tätigkeit beobachten und erlauschen“. Wer sich zum Gesetz mache, das Tun am Denken und das Denken am Tun zu prüfen, der könne nicht irren und irre er, so werde er bald auf den rechten Weg zurückfinden. Der „Sinn“ nun, der in uns Indoeuropäern immer ein vorwaltendes Organ gewesen ist, braucht keine beständige Anspornung, und darum finden (Sinn und Tat) wir auch bei Goethe weniger Aufmunterungen nach dieser Richtung. Um so fester betont er dagegen die Beschränkung, die Tat. „Ich bekenne, daß mir von jeher die große, so bedeutende klingende Aufgabe: erkenne dich selbst, immer verdächtig vorkam, als eine List geheimverbündeter Priester, die die Menschen durch unerreichbare Forderungen verwirren und von der Tätigkeit gegen die Außenwelt zu einer inneren falschen Beschaulichkeit verleiten wollen. Der Mensch kennt nur sich selbst, insofern er die Welt kennt, die er nur in sich und sich nur in ihr gewahr wird. Jeder neue Gegenstand, wohl beschaut, schließt ein neues Organ in uns auf.“ „Seelenleiden, in die wir geraten, sie zu heilen, vermag der Verstand nichts, die Vernunft wenig, entschlossene Tätigkeit dagegen alles.“

In immer neuer Form kann Goethe sich nicht genug tun, unermüdlich auf die belebende Tat hinzuweisen; selbst aufs bescheidene Handwerk. Der größte Hymnus auf menschliche Tätigkeit ist Faust. Nach Umschiffung und Durchdringung aller Wissenschaft, alles Liebens und Leidens, wird Faust befreit durch die Tat. Dem immer ins Unendliche strebenden Geiste war die beschränkende Tat, das Abdämmen einer Wasserflut als Nutzdienst für den Menschen der Schlußstein des Lebens, die letzte Stufe zum Unbekannten. Der Adel der Tat gipfelt in dem Kunstwerk: „Des echten Künstlers Lehre schließt den Sinn auf, denn wo die Worte fehlen, spricht die Tat.“

„Wer Bedingung früh erfährt, gelangt bequem zur Freiheit.“ „Es darf sich einer nur für frei erklären, so fühlt er sich den Augenblick als bedingt, wagt er sich als bedingt zu erklären, so fühlt er sich frei.“ „Ein Meister ist, der einsieht, daß Beschränkung auch für den größten Geist eine notwendige Stufe zur höchsten Entfaltung darstellt.“ „Wie kann man sich kennen lernen: Durch Betrachten niemals, wohl aber durch Handeln. Versuche deine Pflicht (Die „zwei Welten“ Goethes) zu tun, und du weißt gleich, was an dir ist. Die Pflicht aber ist die Forderung des Tages.“

„Für den Menschen ist es ein Unglück, wenn sich irgendeine Idee bei ihm festsetzt, die keinen Einfluß ins tätige Leben hat oder ihn wohl gar vom tätigen Leben abzieht.“

„… nach meiner Meinung ist Entschiedenheit und Folge das Verehrungswürdigste am Menschen.“ „Es ist immer ein Unglück, wenn der Mensch veranlaßt wird, nach etwas zu streben, mit dem er sich durch eine regelmäßige Selbsttätigkeit nicht verbinden kann.“

Darum kann auch der geringste Mensch “ komplett“ sein, wenn er sich „innerhalb der Grenzen seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten bewegt“. „An und in dem Boden findet man für die höchsten irdischen Bedürfnisse das Material, eine Welt des Stoffes, den höchsten Fähigkeiten des Menschen zur Bearbeitung übergeben, aber auf jenem geistigen Wege werden immer Teilnahme, Liebe, geregelte freie Wirksamkeit gefunden. Diese beiden Welten gegeneinander zu bewegen, ihre beiderseitigen Eigenschaften in der vorübergehenden Lebensgestalt zu manifestieren, das ist die höchste Gestalt, wozu sich der Mensch auszubilden hat.“

Als Goethe sich in Rom an allen Sinnen gesättigt hat, schreibt er: „Ich mag nun gar nichts mehr wissen, als etwas hervorzubringen und meinen Sinn recht zu üben.“ Gleich darauf aber heißt es: „Es geht mit mir eine neue Epoche an. Mein Gemüt ist nun durch das viele Sehen und Erkennen so ausgeweitet, daß ich mich auf irgendeine Arbeit beschränken muß.“ An einer anderen Stelle sagt er zusammenfassend: „Ich hatte in meinem ganzen Leben dichtend und beobachtend, synthetisch und analytisch verfahren, die Systole und Diastole des menschlichen Geistes war mir ein zweites Atemholen.“

Als Schiller stirbt, sagt er, um seiner Verzweiflung Herr zu werden: „Als ich mich ermannt hatte, blickte ich (Mystik und Mechanistik) mich nach entschiedenen Tätigkeiten um“, und als er 1823 von schweren Seelen- und Körpernöten geplagt wurde, als er seinen Sohn verloren hatte, da ruft er seinen Sinn, der sich schon ins Jenseits zu verlieren schien, zurück: „Und nun über Gräber vorwärts.“

Dieser Seelenzustand Goethes gleicht im wesentlichen dem wirklichen Leben aller Großen des nordischen Abendlandes. Ein Leonardo zaubert in seine hl- Anna, in die Augen des Johannes des Täufers, in das Antlitz Christi eine ungreifbare übersinnliche Welt und zugleich ist er Ingenieur, kühlster Techniker, der nicht genug ersinnen konnte, um sich die Natur auch mechanisch dienstbar zu machen. Von vielen Sprüchen Leonardos könnte man meinen, sie seien dem Munde Goethes entsprungen. Bei Beethoven tritt nach tiefster mystischer Entrückung plötzlich ein leuchtendes Scherzo auf und das ergreifendste Lied der Abgeschiedenheit ist die Symphonie an die Freude. Beethoven, der in seinen Träumen zu verschwinden schien, er sprach zugleich das Wort des dynamischen Abendländers:

„Kraft ist die Moral der Menschen, die sich vor anderen auszeichnen; sie ist auch die meinige“; dem „Schicksal in den Rachen greifen“, stellte er als sein Ziel auf. Dasselbe wuchtige Nebeneinander macht auch Michelangelos Persönlichkeit aus: man lese seine Sonette an Victoria Colonna und trete dann vor seine Sibyllen und den weltverdammenden Christus. Auch hieran wird uns klar, daß abendländische Mystik nicht das Leben ausschließt, sondern, im Gegenteil, sich das schöpferische Dasein als Partner gewählt hat. Um sich zu steigern, bedarf es des Gegensatzes, je heroischer die Seele, um so mächtiger das äußerliche Werk; je abgeschlossener die Persönlichkeit, um so verklärter die Tat.

Das germanische dynamische Wesen äußert sich nirgends in Weltflucht, sondern bedeutet Weltüberwindung, Kampf. (Germanischer Forscherwille) Und zwar auf zweierlei Weise: religiös-künstlerisch-metaphysisch und luziferisch-empirisch.

Keine Rasse hat in dieser Weise Forscher über Forscher über den Erdball gesandt, welche nicht bloß Erfinder, sondern in wirklichem sinne Entdecker waren, wie das nordische Abendland: d. h. Männer, die das Gefundene in ein Bild der Welt umformten. Die dunkelsten Kontinente, die kältesten Pole, die tropischen Urwälder und die nacktesten Steppen, die fernsten Meere und die verborgensten Flüsse und Seen sind gefunden und die höchsten Berge sind überwunden worden. Die Sehnsucht so vieler Männer aller Zeiten und Völker, den Raum zu durchfliegen, erst im Europäer wurde diese Sehnsucht zur Kraft, die zur Erfindung führte. Und wer nicht im Auto, im Eisenbahnexpreß die luziferische, gewaltsam Raum und Zeit überwindende Macht spürt, wer nicht inmitten von Maschinen und Eisenwerken, mitten im Ineinandergreifen von tausend Rädern diesen Pulsschlag der empirischen Weltüberwindung fühlt, der hat eine Seite der germanisch-europäischen Seele nicht begriffen und wird dann auch die andere – mystische – Seite nie verstehen. Man denke an des hundertjährigen Fausts plötzlichen Ausruf:

Die wenig’ Bäume nicht mein eigen
Verderben mir den Weltbesitz. –

Hier spricht nicht die Gier, den Besitz zum Wohlleben auszubeuten, sondern der Drang des Herrn, „der im Befehlen Seligkeit empfindet.“

Es ist zwischen luziferisch und satanisch zu unterscheiden. Satanisch bezeichnet die moralische Seite der mechanistischen Weltüberwindung. sie wird diktiert durch rein triebhafte Motive. Das ist die jüdische Einstellung zur Welt. Luziferisch ist der Kampf um Unterjochung der Materie, ohne den subjektiven Vorteil als treibendes Motiv zur Voraussetzung zu haben. Das erste entspringt einem (Die Weisheit Lao-tses) unschöpferischen Charakter, wird folglich nie etwas finden, d. h. entdecken, auch nie wirklich erfinden; das zweite bezwingt Naturgesetze mit Hilfe von Naturgesetzen, spürt ihnen nach und erbaut Werke, den Stoff sich gefügig zu machen.

Daß die luziferische Weltüberwindung unschwer eine satanische werden kann, ist leicht zu begreifen; weshalb notwendig in einem vornehmlich luziferischen Zeitalter, wie das im Weltkrieg untergegangene eines war, das Judentum doppelt leichten Eingang und Wucherungsmöglichkeiten erhielt.

„Ruhe ist höher als Regung. Schwaches zwingt Starkes. Weiches zwingt Starres.“ In diesen Worten liegt die Stimmung einer ganzen Kultur, die Seele der chinesischen Rasse, verkörpert in Li-Pejang (Lao-tse), der vor 2500 Jahren lebte und doch zu uns spricht, wie ein müder Weiser von heute. Kein Mensch wird das Tao-Te-King lesen, ohne sich von einem Hauch echtesten Wesens umwoben zu fühlen. sich ihm hinzugeben gehört zu den schönsten Erlebnissen einer gelösten, weichen Gemütsverfassung: der Mensch bescheide sich mit der unabänderlichen Bahn; er wird diese ganz aus sich heraus gehen, er soll nicht tun, denn das Schicksal bringt ihn allein auf den rechten Weg der Ruhe, der Güte. Der Mensch erstrebe nicht das Wesen des Menschen zu ergründen. Er wisse nur eines: „Die Vernichtung des Leibes ist kein Verlust. Dies ist Unsterblichkeit.“ Vor jedem Übermaß hüte man sich und friedlich und ruhig lächelnd gehe man den geheimnisvoll vorgeschriebenen Schicksalsweg.

Die Freude an Lao-tse Weisheit ist die Sehnsucht nach einem seelischen und geistigen Gegenpol. sie ist aber keine Übereinstimmung und nichts ist falscher, als uns die (Deutschfeindliche Talmudmoral) Weisheit des Ostens als auch uns gemäß oder gar als eine uns überlegene zu preisen, wie es müde und innerlich rhythmenlos gewordene Europäer heute zu tun belieben. Noch ein anderer Kontrast.

Beim Studium der Geschichte und des Schrifttums der luden findet man fast nichts als emsige, endIose Geschäftigkeit, ein ganz einseitiges Zusammenballen aller Kräfte auf irdisches Wohlergehen. Aus dieser, man kann sagen, fast amoralischen Geistesanlage stammt denn auch ein Moralkodex, der nur eines kennt: den Vorteil des luden. Daraus folgt die Zulassung , ja Genehmigung des Überlistens, des Diebstahles, des Totschlags. Es folgt daraus der religiös und sittlich zugelassene Meineid, die TaImud- „Religion“ des „gesetzlichen“ Luges. Alle natürlich-egoistischen Anlagen erhalten einen Energiezuschuß durch die sie zulassende „Sittlichkeit“. Wenn bei fast allen Völkern der Welt religiöse und sittliche Ideen und Gefühle der rein triebhaften Willkür und Zügellosigkeit sich hemmend in den Weg stellen, bei den luden ist es umgekehrt. so sehen wir denn seit 2500 Jahren das ewig gleiche Bild. Gierig nach Gütern dieser Welt, zieht der Jude von Stadt zu Stadt, von Land zu Land und bleibt dort, wo er am wenigsten Widerstand für geschäftige Schmarotzerbetätigung findet. Er wird verjagt, kommt wieder, ein Geschlecht wird erschlagen, das andere beginnt unbeirrbar das gleiche Spiel. Gaukelhaft halb und halb dämonisch, lächerlich und tragisch zugleich, von aller Hoheit verachtet und sich doch unschuldig fühlend (weil bar der Fähigkeit, etwas anderes verstehen zu können, als sich selbst), zieht Ahasver als Sohn) n der Satan-Natur durch die Geschichte der Welt. Ewig unter anderen Namen und doch immer sich gleich bleibend; ewig die Wahrheit beteuernd und immer lügend; ewig an seine „Mission“ glaubend und doch von vollkommener Unfruchtbarkeit und Zum Parasiten verdammt, bildete der ewige Jude den (Verschiedene rassisch-seelische Dynamik) fernsten Kontrast zu Jajnavalkya, Buddha, Lao-tse. Dort Ruhe, hier Geschäftigkeit; dort Güte, hier Durchtriebenheit; dort Friede, hier abgrundtiefer Haß gegen alle Völker der Welt; dort ein Allverstehen, hier vollendetes Unvermögen und VerständnisIosigkeit.

Gleich weit entfernt von beiden Gegensätzen steht die nordische Idee, aber nicht, als ob sie sich zwischen ihnen befinde, sondern sie liegt außerhalb der jene verbindenden Linie. Denn die Ruhe Goethes ist nicht die Ruhe Lao-tse und die Tat Bismarcks ist nicht die Tätigkeit Rothschilds. Die germanische Persönlichkeit hat nicht ein Stück von chinesischer Ruhe und ein Stückchen jüdischer Geschäftigkeit (wohlverstanden die Persönlichkeit, nicht die Person), vielmehr ist das manchmal äußerlich Ähnliche durch Kräfte bestimmt und auf Ziele gerichtet, die (soviel man nach genauester Prüfung behaupten kann) von denen des Chinesen und des luden grundverschieden sind.

Auch der nordische Mensch glaubt tief an eine ewige Gesetzlichkeit der Natur; auch er weiß, daß er an diese Natur gebunden ist. Er verachtet sie auch nicht, sondern nimmt sie als Gleichnis eines Übernatürlichen. Aber er sieht zugleich auch in der Nichtnatur, in der Persönlichkeit, nicht eine Willkür, er begnügt sich nicht damit, an die Unsterblichkeit als solche zu glauben, er staunt vielmehr bei jeder Selbstbetrachtung über das Ewig-Eigenartige seines nicht natürlichen Ichs. Er findet auch bei jedem anderen ein verschieden geartetes inneres Wesen, ebenso in sich abgeschlossen, einen ebenso reichen, beziehungsreichen Mikrokosmus. Wenn Li-Pejang sagt, der Vollendete stoße nicht mit den „Anderen“ zusammen, weil sie beide die gleiche Richtung hätten, so liegt für nordisches Gefühl hier eine Gleichgültigkeit vor, die den auf derselben Bahn befindlichen Wanderer achtlos beiseite liegen läßt und still für sich allein gehen will. Hier stehen wir denn vor der Frage, ob diese scheinbar schöne große Ruhe (Moral und Metaphysik) des Chinesen nicht eine innere Regungslosigkeit der Seele bedeutet, nur die Kehrseite des wenig lebendigen Inneren.

Auch der Inder lehrte, daß „der Andere“ die gleiche Bahn zu Ende gehe. Er glaubte zu jedem Geschöpf dieser Welt das „große Wort“ „das bist auch Du“ sagen zu können, aber das Schwergewicht seiner metaphysischen Anschauung liegt den Schlußfolgerungen der Chinesen fern. Li-Pejang widmet sich der moralischen Seite unseres Wesens und läßt die metaphysische auf sich beruhen. Er predigt Ehrlichkeit gegen Ehrliche und gegen Nicht-Ehrliche, Liebe zum Freunde und zum Nicht-Freunde. Das sei die rechte Güte, in dieser Beziehung seien die edlen Menschen gleichgerichtet. Der Inder geht ganz in der m e t a p h y s i s ch e n Seite des Menschen auf. Er legt ein derart großes Gewicht auf sie, daß er in letzter Konsequenz zu der auch ausgesprochenen Anschauung gelangt, die Tat als solche könne einem Wissenden, des Atman-Brahman Teilhaftigen, nichts anhaben. Er wird „nicht durch das Werk befleckt, das böse“. Alles Fleischliche sei sowieso nur Trug und Schein, was mit ihm geschehe, gleichgültig. Das ist die letzte Konsequenz Indiens.

Li-Pejang lehrt die Untätigkeit, weil die „Bahn und der rechte Weg“ jedem Menschen aus dem Innersten vorgeschrieben seien und er durch suchen, Forschen, Tun nur Zwist und Unheil stiften würde. Indien fordert Tatenlosigkeit aus der Einsicht heraus, daß sie auf das metaphysische sein des Menschen ohne jeden Einfluß bleibe. Hier sind grundverschiedene Seelen am Werke. Von der Gleichheit der „guten Menschen“ zu fabeln wird zum Verbrechen. Es ist tausendmal schöner und erhabener, zu sehen, mit welchem Seelenreichtum wir auf diese Welt gekommen sind, wie auf verschiedenen stellen der Erde verschiedene Seelen am Werke sind, sich stammelnd auszudrücken. Es ist ein großer Fehler, hier als Fremder störend eingreifen zu wollen und zu versuchen, Kontraste (Geschichte als Charakterverwirklichung) zu verwischen. selten, daß ein in größerem Maßstabe durchgeführtes Zusammengehen und Verschmelzen verschiedener Seelen und Rassen etwas schöneres zur Folge hat. Meist tritt Verkümmerung ein. Mit so hohen Absichten z. B. einst begeisterte Missionare nach Indien und China gegangen sein mögen, so haben sie doch nur eine Eigenentwicklung gestört. Aber ebenso müssen wir uns wehren, wenn heute Männer kommen und über das Wesen der Großen des Abendlandes zu lächeln beginnen, indem sie auf Indien, China hinweisen als auf das Größte, an dem wir irregehenden Europäer uns aufzurichten hätten. So schön Jajnavalkya spricht, so schmeichelnd Lao-tse Töne auf uns eindringen: geben wir diesen Klängen dauernd Raum, so sind wir seelisch verloren. Wir gehen entweder u n s e r e n Weg, oder wir fallen in Chaos, Raserei, in den Abgrund.

Wir wissen: wir haben alle eine Richtung: die Sehnsucht aus „dem Dunkeln ins Helle“, aus Erdenfesseln zu einem unbekannten Ewigen. Aber wir geben uns durchaus nicht damit zufrieden, zu wissen, daß wir, sei es in moralischer oder metaphysischer Hinsicht, denselben Weg eingeschlagen haben, sondern uns interessiert das W i e unseres Fühlens und Denkens. Der Chinese hat eine tausendbändige Geschichte, die keine Geschichte ist, sondern aufzählende Chronik; bis in die kleinsten Einzelheiten scheint dem Erzähler alles wichtig. Der Inder hat dieser Zeitlichkeit überhaupt keine rechte Aufmerksamkeit zugewendet. Er hat keine wirkliche Chronik, aber auch keine Geschichte. Er hat nur Sagen und Gesänge und Hymnen. Eine Entwicklung suchte weder der eine noch der andere. Der eine hatte die Auswicklung der Persönlichkeit, sei es eines Menschen oder eines Volkes überhaupt nicht begriffen, der andere sah sie als Schein und somit als unwichtig an.

Es erschien der germanische Mensch in der Weltgeschichte. (Tat, d. h. seelisch geformte Kraft) Er umschiffte die ganze Erde; er entdeckte Millionen Welten; er grub in tropischer Sonnenhitze uralte, längst vergessene Städte aus; er forschte nach Dichtungen, nach sagenhaften Burgen; er entzifferte mit unsagbarer Mühe Papyrusrollen, Hieroglyphen und Tonscherbeninschriften, er untersuchte tausendjährigen Mörtel und Steine auf ihre Bestandteile; er lernte alle Sprachen der Welt; er lebte unter Buschmännern, Indianern, Chinesen und formte sich ein mannigfaches Bild der Völkerseelen Er sah Technik, Industrie, Philosophie, Moral, Kunst und Religion aus Anfängen verschiedenster Art zu Werken unterschiedlicher Natur heranwachsen: er begriff Persönlichkeit, weil er selbst eine war. Er faßte das Tun der Völker als Tat auf, d. h. als geformte seelische Kraft, als Ausdruck eines eigenartigen Innern. Er hatte nicht nur Interesse dafür, daß Menschen so oder so gedacht und gehandelt hatten, sondern er ruhte nicht eher, als bis er die inneren Kräfte, die dazu führten, wenigstens ahnen gelernt hatte. Das Bemühen, das lange Zeit so beliebt war, die Chinesen und die Deutschen zu vergleichen, weil beide Völker von einer Sammelwut und Registrierungssucht besessen seien, bleibt ganz an der Oberfläche. An einzelnen Absonderlichkeiten darf man eine Volksseele nicht messen, sondern an Leistungen. Und da sehen wir den Chinesen einen Katalogisierer bleiben, den Deutschen jedoch als Herrn der Geschichtswissenschaft (wenn man dies Wort überhaupt brauchen darf) und der Philosophie; d. h. das sammeln war einmal Zweck, das andere Mal Mittel. Das Ende war einmal mechanisches Aneinanderreihen, das andere Mal ein Bild der Welt. Und das ist der Unterschied.

Es ist auch sehr oberflächlich, wenn einfach gesagt wird, wie im genannten besonderen Falle, die Deutschen seien von anderen Völkern oder Rassen dadurch verschieden, daß sie ein Volk mit Begabung für Geschichte wären. (Deutungen der Persönlichkeit) Vielmehr liegt hier etwas anderes vor. Weil der Germane, besonders der Deutsche, im tiefsten Innern Wert und Würde der Persönlichkeit fühlte oder doch bewußt ahnte; weil er empfand, wenn sie sich irgendwo entfaltete oder verkümmerte, deshalb, aus einem lebendigen Gefühl, aus größter Aktivität der Seele zog es ihn, seinen Mitmenschen zu beobachten, zu erforschen, zu ergründen. Deshalb verstand er Geschichte als die Entwicklung einer Volkspersönlichkeit, deshalb suchte er unter Schutt und Trümmern der Jahrtausende nach Zeugnissen einer Menschenkraft.

Hier sind wir dann bei einem der Urphänomene angelangt, die weder zu erklären, noch zu erforschen sind.

Weil der germanische Geist instinktiv die Ewigkeit und Unverlierbarkeit der Persönlichkeit fühlt, weil er nicht die Einsicht verficht, „alles bist auch du“, so lebte in ihm fast ganz allein die Sehnsucht, die Manifestationen anderer fremder Persönlichkeiten zu erforschen. Der Grieche kümmerte sich um seine Vorzeit nicht, weil er Gegenwartsmensch, Person war; der Inder hatte keine Geschichte, weil er Zeit, Entwicklung, Persönlichkeit – alles als Phantom ansah; der Chinese sammelte alle Daten seiner Vergangenheit bis zum Alltag des Herrn der Mitte, er sammelte Daten der Person, er deutete nicht Wirklichkeiten der Persönlichkeit; ähnlich der sich mumifizierende Ägypter. Die bewußte Auffassung irgendeiner Kultur als Ausdruck eines nie Dagewesenen und nie Wiederkommenden, eines geheimnisvoll Eigenartigen, das ist die tat-mystische Grundstimmung des nordisch-germanischen Geistes.

Deshalb konnten Europäer Hieroglyphen und babylonische Tonscherben entziffern; deshalb setzten ganze Geschlechter ihre Schaffenskraft für Ausgrabungen in Griechenland, Ägypten, am Ganges und am Euphrat daran, um ein Wesen zu suchen und zu deuten. Bedeutete der europäische Geist Formen der Person (Griechen), so wäre (Der einsame Europäer) nie diese organische Ausweitung und organische Zusammenballung zustandegekommen. Man nennt das faustische Seele und meint damit das Streben nach Unendlichem auf jedem Gebiete. Dem zugrunde aber liegt die sonst nirgends in der Welt mit gleicher Stärke gefühlte Einzigartigkeit und Würde der Persönlichkeit.

Aus dieser Ehrfurcht heraus konnte ein Herder die Stimmen der Völker von Indien bis Island sammeln, ein Goethe uns Persien vorzaubern; konnten germanische Gelehrte die Verwirklichungen der so fernen und so oft wieder so nahen indischen Seele vorführen (Müller, Deussen usw.). Ein beziehungsreiches Weltbild im Kontrast gezeichnet und dadurch mit hohem Bewußtsein empfunden, rollt sich vor unserem geistigen Blicke auf. Alles steht eigenartig gefärbt und gestaltet da, geahnt und fremd zugleich, und inmitten und daneben stehe ich, der nordische Mensch, das Bewußtsein gewordene persönliche, als das letzte Mysterium des Daseins – einsam. Diese innere Stimmung oder dieses Bewußtsein ist der letzte Grund des Abgebrochenen, Fragmentarischen, Verlassenen, Unendlich-Fernen in der ganzen europäischen Kultur. Don Quichote, Hamlet, Parzival, Faust, Rembrandt, Beethoven, Goethe, Wagner, Nietzsche, sie alle haben dies gelebt, gesagt, geschöpft oder sind Zeugnisse dieses Erlebens. Und so wächst auch hier der nordische Begriff der Tat zu etwas ganz anderem aus, als was ein Lao-tse unter „Tun“ verstand und was einem Buddha als schädlich, weil leidenbringend, erschien. Noch mehr geschieden ist die Idee der Tat von der jüdischen emsigen Tätigkeit, die stets einen rein irdischleiblichen Zweck als Triebfeder aufweist. Tat ist für den Abendländer der Ausdruck eines inneren Wesens in einer Seelen-Entwicklung ohne irdischen Zweck, also eine Form unserer Seelenaktivität. Indem wir dieser folgen, leben wir erst wirklich hier auf Erden und für ein Höheres. Wir schreiben der Tat eine Würde zu, die uns allein zu (Tat, Mystik und Leben) uns selbst führt. Hier erinnere ich an das tiefste Wort Goethes: „Jede Tat, wohl beschaut, löst eine neue Fähigkeit in uns aus.“

Es spricht hier eine ganz andere Seele als im Tao-Te-King; sie ist aber auch grundverschieden von der, welche den vierfach heiligen Pfad gelehrt hat. Lao-tse verwirft die Tat, weil sie mit dem Tun zusammengehen müsse; Buddha fürchtet gleichfalls das Leiden. Ein Goethe nimmt aber auch das Leiden mit, sieht es sogar als nötig, als erhebend an („Wer nicht verzweifeln kann, der soll nicht leben“), er findet gleich dem großen Meister Eckehart in einem einzigen Augenblick der seelenerweiternden Seligkeit, im Erleben der schöpferischen Tat das ganze Leiden erkauft und überwunden. Mit dieser Seelenkraft läßt sich schlechthin gar nichts Vergleichen. sie ist urgewaltig, gar nicht still und noch weniger ergeben lächelnd, sondern mit weiten Fittichen sich über alles Irdische erhebend.

Betrachtet man weniger das äußere Leben, sondern die innere Sehnsucht eines Volkes, wie sie sich in seinen Größten ausspricht, so kann man, kurzgefaßt sagen: dem Chinesen ist Ruhe die Überwindung des Tuns, um ohne bewußtes Handeln den Schicksalsweg zu gehen; dem Inder bedeutet Ruhe die Überwindung des Lebens, die erste Stufe des Hinübergehens in das Ewige; des Juden Ruhe ist das Lauern auf eine, stoffliche Erfolge versprechende Tätigkeit; die Ruhe des nordischen Menschen ist Sammlung vor der Tat, ist Mystik und Leben zugleich. China und Indien wollen auf verschiedene Weise einen Pulsschlag des Lebens überwinden, beim Juden ist Ruhe nur eine Folge äußerer Umstände, der Nordländer hingegen will innerlich bedingten, organischen, schöpferischen Rhythmus. Es sind natürlich nur Wenige, die diesen nordischen Rhythmus durchs ganze Leben, durch ihr ganzes Werk (Der europäische Daseinsrhythrnus) durchzusetzen vermögen. Aber deshalb sind sie für uns die Größten unseres Geistes und unserer Rasse.

In einigen unserer Großen atmet dieser Rhythmus – bei aller Leidenschaftlichkeit im einzelnen – in mächtigen weiten Zügen. Das ist das Werk Leonardos, Rembrandts, Bachs, Goethes. Bei anderen ging dieser Pulsschlag heftiger, plötzlicher, dramatischer vor sich. Das sagt uns das Werk Michelangelos, Shakespeares, Beethovens. Und Immanuel Kant, der so vielen als die verkörperte Mäßigkeit selbst erscheint, betont als seine tiefste Überzeugung, daß nur durch Überschwänglichkeit, d. h- höchste seelische Tatbereitschaft, ein großes Werk geschaffen werden könne. Das war ein zartes Selbstbekenntnis. Man hört deshalb auch aus dem Werk des Weilen von Königsberg den weiten Flügelschlag der nordischen Seele: „Die Menge merkt nicht, daß der Philosoph begeistert ist.“

So stehen denn, auch was das Verhältnis zur Tat anbetrifft, die seelischen Richtungen verschiedener Völker klar vor unseren Augen. Die sonst verschiedenen Chinesen und Inder auf einer Seite, der Jude als Gegensatz und Widerspruch (nicht geistiger Antipode!), und außerhalb ihrer der nordisch-germanische Mensch als (in dieser Frage) Antipode beider Richtungen, beide Pole unseres Daseins: Mystik und Lebenstat umspannend, getragen von einem dynamischen Lebensgefühl, beflügelt vom Bekenntnis zum freischöpferischen Willen und der adeligen Seele. „Mit sich selbst eins werden“ wollte Meister Eckehart. Und das wollen endlich auch wir.


Weiter zu „Zweites Buch“: Das Wesen der germanischen Kunst

Zurück zum „Mythos d. 20. Jahrhunderts“

Autor: Germanenherz

Halt hoch das Haupt was dir auch droht und werde nie zum Knechte. Brich mit den Armen gern dein Brot und wahre deine Rechte! Treib nicht mit heiligen Dingen Spott und ehre fremden Glauben und lass dir deinen Schöpfer und Gott von keinem Zweifler rauben. Sieg oder Spott, folg deinem Gott!

2 Kommentare zu „Der Mythus des 20. Jahrhunderts Erstes Buch: III. Mystik und Tat“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s