Eine schrecklich nette Familie – Siemens

Die Unternehmerfamilie Siemens ist eine der bedeutendsten deutschen Familiendynastien. Die Familie gründete 1847 ein eigenes Unternehmen, das sich innerhalb von paar Jahrzehnten zu einem der weltweit grössten Elektrounternehmen entwickelte. Der Siemens-Konzern gehörte zu den ersten multinationalen Industrieunternehmen Europas. Auch in den letzten 100 Jahren gehörte Siemens stets zu den zehn grössten deutschen Unternehmen.

Die Tochterfirma Siemens Healthineers gehört inzwischen zu den weltweit grössten Herstellern von medizinischen Geräten. Siemens ist als grosser Elektronikkonzern mit der Rüstungsindustrie verbunden. Auch das US-Verteidigungsministerium gehört zu Siemens Kunden.

Die Siemens Familie wurde Ende des 19. Jahrhunderts in den europäischen Adel aufgenommen. Mehrere Siemens heirateten in deutsche Adelsfamilien.

Die Siemens Familie gehörte bereits 1913 zu den reichsten Deutschen. Das Familienvermögen wurde 2019 auf 7 Milliarden Euro (8,5 Milliarden US-Dollar geschätzt). Sie halten aktuell noch 6% der Anteile an Siemens und sind somit der grösste Aktionär.

Seit 2008 war erstmal kein Mitglied der Familie in der Konzernführung vertreten. Ab da vertrat Gerd von Brandenstein die Interessen der Siemens Familie im Aufsichtsrat. Er leitete die Vermögensverwaltung der Siemens Familie. Nach Angaben von Wikipedia kommt Gerd aus der Thüringer Uradelsfamilie von Brandenstein. Er ist ein Ururenkel von Carl Heinrich von Siemens (1829-1906) und ist somit auch familiär mit den Siemens verbunden. Nachdem Gerd 2015 den Aufsichtsrat von Siemens verliess, wurde er durch Nathalie von Siemens (*1971) ersetzt.

Siemens wird von gut vernetzten Personen geführt:
Der aktuelle Vorstandsvorsitzende von Siemens, Joe Kaeser, besuchte das Bilderberg-Treffen und ist Mitglied der Trilateralen Kommission. Die Trilaterale Kommission ist ein einflussreicher Think Tank und wurde 1973 von David Rockefeller gegründet, der bis 2016 dessen Ehrenvorsitzender war. Joe Kaeser war Mitglied des European Round Table of Industrialists (ERT) und hatte daher Kontakt zu 50 Konzernchefs aus ganz Europa. Er begleitete Angela Merkel mehrfach bei Delegationsreisen.

Der vorherige Siemens-Vorstandsvorsitzende, Peter Löscher, besuchte ebenfalls das Bilderberg-Treffen. Löscher arbeitete für die Pharmaunternehmen Merck & Co. (USA) und Höchst (Deutschland) sowie für den Mischkonzern General Electric (USA). Er besuchte den 70. Geburtstag von Hubert Burda, der zu den mächtigsten Medienunternehmern Deutschlands gehört. Löscher arbeitete auch für die Schweizer Holding des russischen Milliardärs Viktor Vekselberg, der als Investor in der Schweiz aktiv ist und ein gutes Verhältnis zu Präsident Wladimir Putin hat.

Klaus Kleinfeld war von 2005 bis 2007 Vorstandsvorsitzender von Siemens. Er gehörte zum Lenkungsausschuss der Bilderberg-Treffen. Von 2008 bis 2016 war er CEO des Aluminiumkonzerns Alcoa (wurde früher von der Mellon Familie kontrolliert). Er ist ein persönlicher Wirtschaftsberater der saudischen Königsfamilie und leitet ihr Bauprojekt Neom.
Peter von Siemens (1911-1986) war Mitglied der Stiftung „The 1001: A Nature Trust“. Diese aus Adligen und Milliardären bestehende Stiftung kontrolliert den WWF. Zum 1001 Club gehörten oder gehören noch immer Rothschild, Rockefeller, Loudon, Oppenheimer, Astor, Agnelli, Ford, Bin Laden und viele weitere.

Die Siemens Familie gehörte bereits im 16. Jahrhundert zur gesellschaftlichen Elite der deutschen Stadt Goslar. Viele waren führende Landwirte und Handwerksmeister, die in den Goslarer Gilden leitende Stellungen einnahmen (Gilden waren die Lobbyverbände und Denkfabriken des Mittelalters). Seit Anfang des 17. Jahrhunderts brachten sie auch erfolgreiche Kaufleute hervor. Mehrere wurden Ratsherren und vier wurden Bürgermeister der Reichstadt Goslar.

Siemens im 19. Jahrhundert
Der Erfinder Werner Siemens (1816-1892) gilt als der Begründer der modernen Elektrotechnik. Er gründete Siemens und führte das Unternehmen mit seinen Brüdern. 1888 wurde er vom deutschen Kaiser Friedrich III. in den Adelsstand erhoben. Friedrich III. war Grossmeister der deutschen Freimaurer. Die preussische Königsfamilie brachte noch weitere Freimaurer hervor.

Werner heiratete eine entfernte Nichte. Ihr Vater, Carl Georg Siemens (1809-1885), wurde später von der Württemberger Königsfamilie geadelt.

Einer der Brüder von Werner, Carl Wilhelm Siemens (1823-1883), gründete die britische Niederlassung von Siemens. 1859 nahm er die britische Staatsbürgerschaft an. 1883 wurde er vom britischen Königshaus zum Ritter geschlagen.
Ein weiterer Bruder war Carl Heinrich Siemens (1829-1906). Siemens errichtete im Auftrag des Kaiserreiches Russland ab 1852 ein landesweites Telegraphennetz. Als Anerkennung für seine unternehmerischen Verdienste wurde Carl 1895 vom russischen Zaren Nikolaus II. in den Adelsstand erhoben.

Der Politiker und Bankier Georg Siemens (1839-1901) wurde 1899 in den preussischen Adelsstand erhoben. Er gehörte zu den Gründungsdirektoren der Deutschen Bank, die 1870 gegründet wurde. Er war bis 1900 ihr Vorstandssprecher. Sie ist heute die grösste Bank Deutschlands und gehört zu den grössten Banken der Welt.

Siemens und die NS-Diktatur
Siemens profitierte von der Rüstungspolitik der NSDAP. Als Branchenführer der deutschen Elektroindustrie verzeichnete Siemens ab 1934 anhaltend wachsende Umsätze, die während der Kriegsjahre ihre Höchstwerte erreichen. Von 1940 bis 1945 beschäftigte Siemens mindestens 80’000 Zwangsarbeiter.
Hermann von Siemens
Hermann von Siemens (1885-1986) leitete Siemens von 1941 bis 1945, also während des 2. Weltkrieges. Er war in dieser Zeit auch im Aufsichtsrat von Krupp und der Vereinigten Stahlwerke. Somit hatte er höchstwahrscheinlich Kontakt zu den Familien Thyssen und Krupp, die ebenfalls Zwangsarbeiter einsetzten und zu den grössten Profiteuren der NS-Rüstungspolitik gehörten. Hermann wurde während des Krieges zum Wehrwirtschaftsführer ernannt, eine Auszeichnung der NSDAP, die an Leiter rüstungswichtiger Betriebe vergeben wurde. So gut wie alle der wichtigsten Industriellen der damaligen deutschen Wirtschaftselite erhielten diese Auszeichnung, unter anderem Porsche, Quandt, Merck, Krupp, Flick, Bosch, Röchling und Henkel. In der Nachkriegszeit folgten für Hermann keine juristische Konsequenzen, obwohl die Alliierten nach Kriegsende 50’000 bis 60’000 Personen verurteilten.

Carl Friedrich von Siemens
Carl Friedrich von Siemens (1872-1941) leitete das Unternehmen zwischen 1933 und 1941. Er beteiligte sich 1919 zusammen mit anderen deutschen Industriellen an der Gründung des Antibolschewistenfonds. Somit finanzierte er bereits 1919 rechtsradikale Netzwerke.

Carl war Mitglied des Generalrats der Wirtschaft, ein kurzlebiges Gremium das nur einmal tagte (am 20. September 1933). Es bestand aus hochrangigen deutschen Bankiers und Industriellen, welche die NSDAP Führung und Hitler bei ihren Zukunftsplänen berieten. Zu den Teilnehmern gehörten auch Schröder, Finck, Krupp, Thyssen und Bosch.
Carl Friedrich von Siemens war höchstwahrscheinlich kein „Antisemit“. Zur Zeit der Weimarer Republik war er Mitglied der Gesellschaft der Freunde, die aus der damaligen deutsch-jüdischen Wirtschafts- und Finanzelite bestand. Auch Bankiers aus den jüdischen Familien Oppenheim, Mendelsson und Bleichröder waren Mitglieder. Die Gesellschaft bestand von 1792 bis zu ihrem Verbot 1935. Neben Siemens war Hjalmar Schacht eines der wenigen nicht jüdischen Mitglieder. Schacht war bekennender Freimaurer und ein persönlicher Freund vom britischen Zentralbankier Montagu Norman. Die beiden gehörten zu den wichtigsten Förderern des Naziregimes. Obwohl Hitler und die NSDAP-Führung die Freimaurer und die jüdischen Bankiers als ihren „Erzfeind“ betrachteten (sie waren selbst jüdisch), nahm Hjalmar Schacht bis 1937 führende Positionen im Naziregime ein.

Carl Friedrich von Siemens gründete 1918 das Kuratorium für den Wiederaufbau des deutschen Wirtschaftslebens, über die Spenden an die damaligen Parteien DDP, DVP und DNVP gingen. Zu den führenden Köpfen des Kuratoriums gehörten auch:
Der jüdischen Unternehmer Felix Deutsch. Er gehörte zu den Mitgründern und der Führung der AEG, die damals wie Siemens zu den weltweit grössten Elektrokonzernen gehörte. Vor und während des 1. Weltkrieges war die AEG nach Krupp der zweitgrösste Rüstungsproduzent im deutschen Reich. Felix heiratete in die jüdische Bankiersfamilie Kahn. Der US-Investmentbanker Otto Hermann Kahn war der Schwager von Felix.

Der jüdische Kohlehändler und Bankier Eduard Arnhold. Er war im Aufsichtsrat der Dresdner Bank und kam aus der führenden Dresdner Bankiersfamilie Arnhold. Sein Bruder Max war hochrangiger Freimaurer in Dresden.
Ernst Borsig, ein führender Industrieller und Lobbyist. Das Unternehmen der Borsig Familie war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einer der weltweit grössten Herstellern von Dampflokomotiven.

Ludwig von Winterfeld
Ludwig von Winterfeld (1880-1958) gehörte zur Führung des Siemens-Konzerns. Er heiratete eine Enkelin von Werner Siemens. Ludwig kam aus der deutschen Uradelsfamilie von Winterfeld.
Ludwig nahm am Geheimtreffen vom 20. Februar 1933 teil. Bei dem Treffen spendeten deutsche Industrielle 3 Millionen Reichsmark an die NSDAP, welche die finanziellen Probleme der Partei lösten. Der adlige Wolf-Dietrich von Witzleben, der ebenfalls zur Konzernführung von Siemens gehörte, nahm auch am Treffen teil. Zu den Teilnehmern gehörten die wichtigsten (nicht jüdischen) Akteure der damaligen deutschen Wirtschaftselite, darunter auch Quandt, Krupp, Flick, Finck, Opel, Schnitzler und Hjalmar Schacht.

Ludwig gehörte zum F-Kreis, eine Organisation von Industriellen zur Beratung des deutschen Propagandaministeriums zu Fragen der deutschen Auslandspropaganda. Die Mitglieder trafen sich regelmässig mit Propagandaminister Goebbels. Ein Berater des F-Kreises war der US-Amerikaner Ivy Lee, der PR-Manager der Rockefeller Familie.

3 Gedanken zu „Eine schrecklich nette Familie – Siemens

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