Germanenherz

Germanenherz_Toto_Haas
Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt, verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit, seine Kultur und sich selbst. Wir sind und werden gezwungen, unseren eigenen speziellen Charakter und unseren Lebensstil zu verbergen und zu Verachten, um nicht als Nazi oder Antisemit verspottet und ausgegrenzt zu werden. Kein größerer Schaden kann einer Nation zugefügt werden, als wenn man ihr den Nationalcharakter, die Eigenheiten ihres Geistes und ihre Sprache nimmt. Wenn eine fremde Macht ein Volk ermahnt, die eigene Nationalität zu vergessen, so ist das kein Ausfluss von Internationalismus, sondern dient nur dem Zweck, die jüdische Fremdherrschaft zu verewigen.

Wir Deutschen haben uns für unsere Vergangenheit und unsere Ahnen nicht zu schämen, ganz im Gegenteil, wir müssen sie unbedingt neu entdecken. Es ist unsere Pflicht uns mit der Germanistik auseinanderzusetzen. Wir Deutschen haben eine wahre Kultur. Wir Deutschen gehören zu dem Ursprung einer westlich zivilisierten und autarken Welt ohne das wir eine kulturelle Identität künstlich erzeugen müssen indem wir andere Kulturen vernichten! Wir sind mehr als das was uns seit Dekaden eingeredet wird, wir haben eine Geschichte die es wert ist sich zu entwickeln, denn unsere Vorfahren haben ihr Leben gegeben damit wir heute in Freiheit leben sollten.
In  Wahrheit baute  die germanische Weltanschauung auf die Gleichstellung von Menschen und dem Respekt gegenüber der Natur.  Gewalt, Naturzerstörung, egoistischer Intellekt waren verpönt, der Sinn für das Gemeinwohl (Natur inkl. Mensch) war vordergründig. Nichts wurde getan, ohne die Ahnen und die beseelte Natur zu fragen. Das alte Wissen war allen zugänglich und wurde nicht von elitären Herrenmenschen für ihre eigenen Zwecke missbraucht und der Masse vorenthalten worden!

Das alles ist ein wesentlicher Teil der deutschen Historie, welche jedoch immer mehr in das Vergessen gedrängt wird. Wir sind inmitten eines kulturellen Bewusstseins der Selbstaufgabe und des ewigen Schuldkult, ohne sich auf das zu besinnen was wir sind und andere Völker als selbstverständlich erachten. Den Deutschen hat man die Geschichte abtrainiert. Bei den einen reicht das Gedächtnis nur bis zur letzten Fußball-WM, bei den anderen nur auf 1933.1945. Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern will, wird dazu genötigt, sie im weniger Positiven bzw. die negativen Eigenschaften zu wiederholen.

Wer sich aber mit den alten germanischen Mythen auseinandersetzt, wird schnell merken, dass uns die Judeachristen unsere fundamentalen Lebensgrundlagen und Lebensweisheiten gestohlen haben!. Die drei großen patriarchalen Religionen (Christentum, Islam, Judaismus) sind für rasendes Massenmorden, rücksichtslose Industrialisierung, Sklavenarbeit, Ungerechtigkeit, Plünderung der natürlichen Ressourcen verantwortlich! Sie haben uns den Zugang zu unseren Seelen geklaut, uns von ihren (Schulen, Banken, Medien) abhängig gemacht!
***Es ist an der Zeit, dass Odin zurückkommt***
.odin geist
Allvaters Anrufung
Der Du einst im Waldesrauschen
Deinem Volke Dich genaht,
Dass sein Herz in brunst’gem Lauschen
Sich entzündete zur Tat,

Der Du standest an Deutschlands Seite
Immerdar und allerorts,
Kraftverleiher warst im Streite,
Spender tiefen Weisheitsworts,

Wir, von Deinem Blut geboren,
Gott der Deutschen, nahen Dir,
Wir, in fremdem Volk verloren,
Dich, Allvater, rufen wir.

Hast es manches Mal gesehen,
Jenes Schauspiel voller Gram:
Sahst aus Deutschland Deutsche gehen,
Deren keiner wiederkam,

Die in Angst vor fremden Spöttern
Sich des Vaterlands geschämt,
Opfer brachten fremden Göttern,
Sich mit fremdem Putz verbrämt;

Hör’ uns rufen, hör’ uns schwören:
Wir sind treu, und wir sind Dein,
Unser Land soll uns gehören,
Uns’res Landes woll’n wir sein!

Sieh’, der Fremdling will’s verhindern,
Altes Recht, er schreibt es neu —
Vater, bleibe Deinen Kindern,
Gott der Deutschen, bleib’ uns treu!

Schüttle Deine heil’gen Locken,
Necke die allmächt’ge Hand,
Dass der Eindringling erschrocken
Weiche aus dem deutschen Land;

Dass er zagen lerne, zittern
Vor urew’ger Majestät,
Wenn in heil’gen Ungewittern
Deutsche Gottheit aufersteht;

Dass das Herz uns mutig werde,
Stark in neuer Zuversicht:
Vatergott und Vatererde
Raubt uns Macht der Menschen nicht!


Viking_Toto_Germanenherz
Vom Hohen Norden wird er kommen mit seinen Streitwagen, und seine Macht wird unbezwingbar sein. Eine Schar Aufrechter wird um Ihn sein, ihnen wird er das Licht geben, und sie werden der Welt leuchten, Und die Stunde des Lichtes wird heimkehren über die Erdenwelt.
Geduld ist das Vertrauen, dass alles kommt, wenn die Zeit dafür reif ist. Man sei sich der Gegenkräfte gewahr und schließe nicht die Augen vor ihnen. Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen. Zum Leben gehört auch der Mut zum Konflikt. Hindernisse sind dazu da, furchtlos, aber umsichtig überwunden zu werden. Man vertraue seinem Willen und seinem innerem Impuls. Man diene mit diesen Kräften der Schöpfung. Man tue, was zu tun ist. WENN DIE ZEIT REIF IST
toto_haas_lichtbringer*** Die Zeit ist nun reif ***
*** Mein Volk Erwache ***
Nur der Wache (Sehende) erkennt schnell die Lüge! Was keiner wagt, das sollt ihr wagen. Was keiner sagt, das sagt heraus. Was keiner denkt, das wagt zu denken. Was keiner anfängt, das führt aus. Wenn keiner ja sagt, sollt ihr’s sagen, wenn keiner nein sagt, sagt doch nein. Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben. Wenn alle mittun, steht allein. Wo alle loben, habt Bedenken, Wo alle spotten, spottet nicht. Wo alle geizen, wagt zu schenken. Wo alles dunkel ist, macht Licht. 

Runen Rad Runen Rat

Germanenherz Runologe 02
Ich weiß, dass ich hing
am windigen Baum
neun lange Nächte,
vom Speer verwundet,
dem Odin geweiht,
ich selber mir selbst,
am Ast des Baumes,
von dem niemand weiß,
aus welcher Wurzel er wuchs.Sie boten mir
nicht Brot noch Met
lernte sie seufzend,
fiel endlich zur Erde.Hauptlieder neun;
da neigt‘ ich mich nieder
auf Runen sinnend,
lernt‘ ich vom weisen Sohn
Bölthorns, Bestlas Vater
und trank einen Trunk
des teuren Mets,
aus Odrörir geschöpft.Runen wirst du finden
und Ratstäbe,
sehr starke Stäbe,
sehr mächtige Stäbe.
Erzredner ersann sie,
Götter schufen sie,
sie ritzte der hehrste der Herrscher.Odin den Asen,
den Alfen Dáinn,
Dvalinn den Zwergen,
Álsvidur den Riesen,
einige schnitt ich selbst.Weißt du zu ritzen?
Weißt du zu raten?
Weißt du zu finden?
Weißt du zu forschen?
Weißt du zu bitten?
Weißt du zu opfern?
Weißt du zu senden?
Weißt du zu tilgen?Besser nicht gebetet
als zuviel geboten:
die Gabe will stets Vergeltung.
Besser nichts gesendet
als zuviel getilgt.
So ritzt‘ es Thulur
zur Richtschnur den Völkern.
Dann entwich er
dahin, wo er herkam.
 Veit eg, að eg hékk
vindga meiði á
nætur allar níu,
geiri undaður
og gefinn Óðni,
sjálfur sjálfum mér,
á þeim meiði,
er manngi veit,
hvers hann af rótum renn.Við hleifi mig sældu
né við hornigi;
nýsta eg niður,
nam eg upp rúnar,
æpandi nam,
féll ag aftur þaðan.Fimbulljóð níu
nam eg af inum frægja syni
Bölþorns, Bestlu föður,
og eg drykk um gat
ins dýra mjaðar,
ausinn Óðreri.Rúnar munt þú finna
og ráðna stafi,
mjög stóra stafi,
mjög stinna stafi,
er fáði fimbulþulur
og gerðu ginnregin
og reist Hroftur rögna.Óðinn með ásum,
en fyr álfum Dáinn,
Dvalinn dvergum fyrir,
Álsviður jötnum fyrir,
eg reist sjálfur sumar.Veistu, hve rísta skal?
Veistu, hve ráða skal?
Veistu, hve fáa skal?
Veistu, hve freista skal?
Veistu, hve biðja skal?
Veistu, hve blóta skal?
Veistu, hve senda skal?
Veistu, hve sóa skal?Betra er óbeðið
en sé ofblótið,
ey sér til gildis gjöf;
betra er ósent
en sé ofsóið,
Svo Þundur um reist
fyr þjóða rök,
þar hann upp um reis,
er hann aftur um kom.

Runologe-Toto-Haas-GermanenherzRunen sind nicht einfach nur Schriftzeichen. Es sind Symbole, die Kraft beinhalten und diese auch übertragen können. Jeder Rune sind bestimmte Eigenschaften zugeordnet, die man durch die Darstellung des jeweiligen Symbols in Schrift oder Klang oder Körperhaltung freisetzen kann. Runen sind wie Schlüssel zu bestimmten Energien… wenn du weist wie du Energie lenken und kanalisieren kannst, dann musst du eigentlich nur den Schlüssel betätigen (durch die fuer dich passendste Methode) , dir Zugang zu dem Energie-Feld „hinter“ der Rune verschaffen. folgende Links nutzen. Die Runenbeiträge liegen noch auf  mein Google Blogspot
Buchvorstellung zum Thema Runen
Der kosmische Ursprung der Runen **
Runen wissenschaftliche Evolutionsforschung  **
Odins Runen – unsere Schrift **
Runen selbst herstellen **
Kleine Runenkunde
Am Anfang war das Wort
Runen 24er futhark  **

Runenmagie
Mittelalterliche Geheimrune n
Germanenherz_Toto_Haas_Runenrad Wenn du dich entschlossen hast dich mit den Runen zu beschäftigen so werden sie dich nicht mehr loslassen. Der Ruf der Runen ist sehr stark, das war er schon von alters her. Bereits unsere Vorfahren haben sich mit den Runen beschäftigt. Bei den Runen gibt es zwei verschieden Systeme sie zu benutzen. Das eine ist das sie als Schrift fungieren der zweite Aspekt, der meiner Meinung nach viel wichtigere, ist es sie als magisches System zu erkennen. Im magischen Sinne können Runen sehr viel tun. Mit ihnen kann man Dinge und Personen schützen oder Eigenschaften verändern.
Wenn du die Runen wirklich erkennen willst so musst du dahin gehen wo die Runen früher benutzt wurde. Finde alte Kraftorte, Eichenhaine, Hügelgräber oder Bergkuppen. An diesen Plätzen sind diese Symbole durch das viele Arbeiten mit ihnen immer noch präsent. Tausende Schamanen vor dir haben an diesen Plätzen ihr Wissen vertieft, weitergegeben oder gefunden. Im Beschäftigen mit der Natur erschließt sich die Bedeutung der Runen auch für uns. Runen sind Symbole für die Natur und für den Menschen. Auch für das Zusammenwirken von Mensch und Natur sind Runen ein Symbol.
Odin hing am Weltenbaum als er die Runen „fand“. Das bedeutet nicht dass du dich auch an einen Baum hängen sollst aber in die Natur musst du gehen. Verlasse die Stadt und mache dich auf um im Wald an einem Bach zu Meditieren. Finde deine Kraft unter einer mächtigen, tausend Jahre alten Eiche. Denke über die Natur nach und über das was die Natur dir mitteilen will. Finde deinen eigenen Zugang zur Natur, zu den Runen und zur geistigen Welt. Verbinde dich mit Odin, Thor, Thyr, Freya mit allen deinen Vorfahren und deren Göttern.
Den Einstig und Beginn der Runen findest du hier im Blog doch die Bedeutung für dich die findest du nur in dir selbst. Mache dich auf und folge dem Ruf der Runen, sie werden dich zu neuen Erkenntnissen über dich selbst und deine Umwelt bringen. Vielleicht begreifst du erst dann was dein Weg durch die Zeit ist und wie du ihn gehen sollst.

Walhall, Ragnarök: Ende und Neubeginn

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Das ist kein Todessignal sondern vielmehr, ein Aufruf zum Kampf. Die letzte Schlacht, Ragnarök.

Walhalla – das Ziel aller tapferen Krieger

Walhall (oder Valhall, im Volksmund oftmals auch Walhalla genannt) bezeichnet in der nordischen Mythologie das Ziel aller gefallenen Krieger, die sich als tapfer erwiesen hatten und in der Schlacht ihr Leben gelassen hatten. Von Göttervater Odin selbst auserwählt, fanden die mutigen Männer ihre letzte Ruhestätte in einer Halle mit 540 Toren, durch die je 800 Einherjer nebeneinander einziehen können. in seinem in Asgard errichteten Schloss Gladsheim im Reiche der Asen gelegen.

Tagsüber messen sich dort die Einherjer im Zweikampf. Abends vergnügen sich die Kämpfer bei Bier und Met, welches ihnen die Walküren reichen. Diesen kommt aber auch die Aufgabe zu, die tapfersten der auf dem Schlachtfeld gefallenen Kämpfer auszusuchen und nach Walhall zu bringen.

Heidrun

Auf dem goldbedeckten Dach weidet die Ziege Heidrun. Sie spendet den Kriegern jenen köstlichen Trank in unversiegbarer Fülle, der ihnen das heldische Wesen bewahrt. Die Ziege ernährt sich vom Baum des Lebens, der Weltesche. Niemand weiß, wie weit die Wurzeln der Weltesche (Yggdrasil) reichen. Eisen und Feuer können der Esche von jeher nichts anhaben. Die Krone ist sehr hoch und von weichem Nebel umwoben. Der Tau, der entsteht, befeuchtet die Täler. Zu den Füßen dieses gewaltigen Baumes sprießt der muntere Quell der Norne Urd. In den Zweigen der Esche wohnt, spielt und terrorisiert das Eichhörnchen Ratatöskr.

Helgi

Der einzige Krieger, der es der Sage nach je geschafft hat, nach seinem Tod Walhall noch einmal zu verlassen, war der strahlende Held Helgi. Als Helgi in seinem Totenhügel begraben liegt, holt Wodan ihn aus seinem irdischen Sein und zeichnet ihn mit einer Gunst wie nie zuvor aus. Doch auf der Erde sieht die Magd der von Helgi geliebten Sigrun den verwundeten, stark blutenden Helgi an seinem Grabhügel vorbeireiten. Er sagt zu ihr, daß er nach dem Wunsch ihrer Herrin am nächsten Tag erneut zu seinem Grabhügel zurückkehren wird. Er sendet die Magd mit der Kunde zu ihrer Herrin. Am nächsten Tag geht Sigrun zu der Grabkammer ihres Geliebten, und die Magd hat recht behalten. Sie fällt ihrem Geliebten voller Freude um den Hals, und das einstige Pärchen verbringt eine letzte innige Liebesnacht, bevor im Morgengrauen, noch ehe der erste Hahnenschrei in Asgard ertönt, der Geliebte wieder nach Walhall zurückkehrt.

Einherjer

Walhall galt nach germanischem Glauben als eine Art Kriegerparadies. Die Helden, die dort Einlass fanden, waren von Odin handverlesen. Im Regelfall gelangten nur ausgezeichnete und überaus tapfere Kämpfer und Krieger dorthin, die in der nordischen Mythologie unter dem Namen „Einherjer“ bekannt sind. Dies geschah jedoch nicht nur zur Ehrung der ruhmreichen Helden, sondern auch in Hinblick auf die letzte Schlacht, Ragnarök. Aufgabe der Einherjer sollte es sein, dem Göttervater und seinem Gefolge im endzeitlichen Kampf gegen die gewaltigen Riesen beizustehen.

Die Walküren als Botinnen Odins

Das letzte Geleit wurde den Einherjern von den Walküren gegeben, Odins Schlacht- oder Schildjungfern. Die Kriegerjungfrauen, die auf dem Schlachtfeld zu finsteren Todesgeistern wurden, die Helden in den Tod lockten, hatten die Aufgabe, die Gefallenen auszuwählen, denen der Einlass in Walhall gewährt werden sollte. Sie fanden die Einherjer, indem sie übers Eine Walküre (Arbo, 19. Jahrhundert)Schlachtfeld ritten und die Tapfersten unter den im Kampf getöteten Helden auswählten. Diejenigen Gefallenen, auf welche die Wahl der Walküren gefallen war, wurden im Anschluss von den geisterhaften Jungfrauen nach Walhall geleitet.

Walhall – die Halle der toten Krieger

Die prächtige Halle, die den Einherjern zur letzten Ruhestätte wurde, befand sich in Odins Burg in Asgard, der Burg Gladsheim. Diese galt als die größte in Asgard errichtete Burg und diente dem Göttervater selbst als Wohnsitz. Den Vorstellungen des germanischen Götterglaubens entsprechend handelte es sich bei Walhall um eine überaus prunkvoll gestaltete Halle, deren Dach aus auf Speeren ruhenden Schilden bestand. Besonderes Augenmerk wurde vor allem auf die über 500 Tore gelegt, die aus der Halle führten: Jedes Einzelne von ihnen war so breit, dass achthundert Einherjer in einer Reihe hindurch schreiten konnten. Walhall war bewusst so konzipiert, damit die auserwählten Krieger bereits beim ersten Anzeichen der Götterdämmerung ausrücken könnten, um an der Seite Odins und im Kampf für ihn und sein Gefolge ein zweites und letztes Mal zu fallen.

Das Kriegerparadies

Zuweilen wurden die Einherjer, die von den Walküren nach Walhall geleitet worden waren, dort auch von Odins Söhnen Hermod oder Bragi empfangen und vor den Thron des Göttervaters geführt, der die gefallenen Helden freudig und mit offenen Armen empfing. Die prunkvolle Halle war hauptsächlich Schauplatz von Kampfspielen und üppigen Gelagen.

Künstlerische Darstellung von WalhallaTagsüber maßen sich die Einherjer konzentriert und voller Kampfeslust im Zweikampf und diversen anderen Kampfspielen, um für die letzte große Schlacht an der Seite der Götter auf den Vigrid-Ebenen gewappnet und vorbereitet zu sein.

Abends hingegen wurden große Feste und üppige Gelage gefeiert, bei denen die Walküren den Kriegern Walhalls Bier und Met reichten. Verspeist wurde jeden Abend aufs Neue der Eber Saehrimnir, der am Folgetag wieder lebendig und erneut geschlachtet, gebraten und verzehrt wurde. Ihren Met hingegen erhielten die Einherjer von der Ziege Heidrun, die vom Laub eines Baumes frisst, der mitten in der Halle prangte. Aus ihrem Euter floss tagtäglich eine große Menge an Met, mit der alle Einwohner Walhalls verköstigt werden konnten.

In Gesellschaft Odins

Der Göttervater Odin selbst wohnte den Kampfesspielen seines Heeres gerne bei und beobachtete die Turniere. Von seinem Thron Hlidskialf aus sah er gemeinsam mit seiner Gattin Frigg dem munteren Treiben zu. Der Sage nach wurde die Giebelwand von einem Hirschgeweih geziert, durch das sich die Einherjer an vergangene Jagdfreuden erinnern sollten, die sie zu ihren Lebzeiten erlebt hatten. Über dem westlichen Tor Walhalls war ein Wolf angebracht, über diesem thronte ein Adler. Die symbolische Bedeutung verwies auf die Tiere, die den Gott in die Schlacht begleiten sollten.

Ragnarök: Ende und Neubeginn

Der Begriff „Ragnarök“ leitet sich aus der altnordischen Sprache her und bedeutet in die deutsche Gegenwartssprache übersetzt in etwa „Schicksal der Götter“. Im Gegensatz zu monotheistischen Weltbildern geht die germanische Mythologie ähnlich wie die griechisch-römische antike Vorstellung von der Fehlbarkeit der Götter und einem befristeten Dasein derselbigen aus. Durch die menschlichen Charakteristika, die den Göttern zugesprochen werden, können sie ebenso wie die Menschen durch Verbrechen und Kriege Schuld auf sich laden und somit gerichtet werden. Ragnarök bedeutet im germanischen Götterglauben das Ende der Welt in Zerstörung und Untergang, was die Götterwelt ebenso betrifft wie die Menschenwelt. Diese Vernichtung ist jedoch keineswegs endgültig, aufgrund einer zyklischen Vorstellung des Weltenlaufs wird nach dem Untergang eine neue und gereinigte Welt aus dem Meer emporsteigen.

Die vier großen eschatologischen Ereignisse

Eingeleitet und begleitet wird der Untergang der Götter durch vier große eschatologische Ereignisse. Nicht nur die Kämpfe der Götter, Riesen und Ungeheuer bedingen das Ende und den Untergang der Welt, auch die Elemente sind in das Schicksal der Götter eingebunden. Nacheinander läuten der Fimbulwinter, der Weltenbrand, das Versinken der Erde und die Verdunkelung der Sonne Ragnarök ein und besiegeln bereits im Voraus und während der letzten Schlacht die endgültige Katastrophe.

Der Fimbulwinter

An erster Stelle steht der sogenannte Fimbulwinter, eine karge Eiszeit mit drei strengen und eisig kalten Wintern, die von Schneefall, Frost und Stürmen geprägt sind. Die klirrende Kälte des Fimbulwinters wird von keinem Sommer unterbrochen und ist eine Abfolge einer kalten und kargen Periode, die in sich bereits die Zeichen des Untergangs trägt.

Der Weltenbrand

Der Zeit der klirrenden Kälte folgt als zweites großes eschatologisches Ereignis der Weltenbrand. Dieser wird vom Riesen Surt ausgelöst, der als Flammenriese Gewalt über das Feuer besitzt und mit den Flammen seines Schwertes alles Leben auslöscht.

Das Versinken der Erde

Das dritte eschatologische Ereignis, das mit dem Untergang einhergeht, ist das Versinken der Erde. Sie geht in den Wellen des aufgepeitschten Ozeans unter, der vom Wüten der an Land gekommenen Midgardschlange aufgewühlt wurde und nun das Land überflutet und alles in seinen Wogen verschlingt.

Die Verdunkelung der Sonne

Das letzte der vier eschatologischen Ereignisse, die das Schicksal der Götter einleiten und es als düstere Katastrophen begleiten, ist die Verdunkelung der Sonne. Im Chaos der bebenden Erde, die Felsen einstürzen lässt und Bäume entwurzelt, kann sich der gefährliche Fenriswolf aus seiner Gefangenschaft in Ketten lösen. Er verschlingt die Sonne und bringt dadurch Finsternis und Dunkelheit über die Welt.

Das Nahen der Feinde

Durch die Fluten des Ozeans, der die Erde überschwemmt hat, wird das Totenschiff Naglfar flott, das aus den unbeschnittenen Nägeln von Leichen erbaut ist. Das riesenhafte düstere Meeresgefährt bringt die Riesen, die Feinde der Götter mit sich. Im Chaos der bebenden Erde gelingt es den kampfwütigen grimmigen Gestalten, die Regenbogenbrücke Bifröst zu überqueren, die als Verbindung zwischen Midgard und Asgard fungiert und so einen Weg zwischen Himmel und Erde, zwischen Göttern und Menschen ermöglicht. Zusammen mit den Gestalten Hels, der Unterwelt, versammeln sich Frost- und Eisriesen, die gewaltigen Ungeheuer Fenriswolf und Midgardschlange, der Verräter Loki und die Feuerriesen.
Heimdall, der Wächter der Regenbogenbrücke, die unter dem Ansturm der Feinde letztlich einstürzt, stößt einen Warnruf in sein Horn und verkündet den Göttern Asgards die herannahende Gefahr, die zur Ebene Wigrid gezogen ist, um sich dem endgültigen Kampf zu stellen.

Die Vorbereitung der Schlacht

Durch Heimdalls Horn gewarnt, versammeln sich die Götter und beratschlagen darüber, wie der Krieg gegen die Feinde zu führen ist. Der Göttervater Odin reitet zum Brunnen des Mimir, einem Weisheitsquell unter der Weltenesche Yggdrasil, um Rat zu holen. Die Asen und Wanen versammeln sich zusammen mit den Einherjern, den gefallenen tapferen Kriegern, die ihre letzte Ruhestätte in Walhall gefunden haben. Gemeinsam wappnen sich Götter und Einherjer für den entscheidenden Kampf und werden schließlich vom Göttervater im glänzenden Harnisch zur Ebene Wigrid geführt, um sich ihrem Schicksal zu stellen.

Ragnarök: Der letzte Kampf

Der Kampfplatz Wigrid ist der Schauplatz der letzten und katastrophalen Begegnung zwischen den Göttern und den Mächten der Unterwelt. Der Wane Freyr fällt im Kampf mit dem furchtbaren Feuerriesen Surt, dessen Schwert kurz darauf die Erde in Brand setzt. Der Höllenhund Garm und der Kampfesgott Tyr töten einander in einem grausamen Zweikampf, auch der listige Verräter Loki und der Brückenwächter Heimdall stehen einander gegenüber und beenden gegenseitig ihr Leben. Der mächtige Donnergott Thor trifft im Kampf auf die fürchterliche und gewaltige Midgardschlange. Zwar gelingt es ihm, das Ungeheuer zu töten, er stirbt jedoch selbst nur wenige Sekunden später an ihrem tödlichen Gift.
Auch der Göttervater Odin findet in dieser Schlacht sein Schicksal und sein Ende in den Klauen und zwischen den Zähnen des Fenriswolfes. Sein Sohn Vidar schließlich rächt den getöteten Vater und besiegt den Fenriswolf.

Ragnarök – Götterschicksal

Wie die Entstehung der Welt für die Germanen nicht der Anfang der Geschichte war, sollte die Götterdämmerung nicht ihr Ende sein, sondern lediglich eine weitere Zäsur im unendlichen Zyklus der Zeit.

Wie die Entstehung der Welt für die Germanen nicht der Anfang der Geschichte war, sollte die Götterdämmerung nicht ihr Ende sein, sondern lediglich eine weitere Zäsur im unendlichen Zyklus der Zeit. Hauptquelle der Überlieferung ist auch hier die Völuspa. Ihre eindrucksvolle Schilderung vom Untergang und der Erneuerung der Welt wird von einigen Stellen des Wafthrudnirliedes und des Hyndlaliedes. Auf diese Quellen bauen auch die einschlägigen Kapitel 51 bis 53 aus Snorris Gylgafinning auf, in denen allerdings – wie wir schon anmerkten – einiges verfälscht und hinzugefügt haben. Auch die Skalden Kormak (um 930) und Arnor Jarlaskald (um 1056) bezogen sich auf die Völuspa und die zwischen 940-950 und 961-970 verfaßten Preislieder auf die Könige Eirik und Hakon, gedenken ebenfalls dieser Zeit.

Der Beginn von Ragnarök wird durch das Krähen des Hahnes Gullinkambi  verkündet.

„Am Morgen der Zeiten, nachdem die Schöpfung vollbracht ist, verleben die Götter ihr Goldalter auf dem Idafeld, in Edens Gefilden.

Vol. 7. Auf Idafeld kamen / die Asen zusammen,
Altäre zu schaffen / und Tempel zu bauen;
Sie gründeten Essen, / das Gold zu schmieden,
Hämmerten Zangen / und Handwerkszeug.

Vol. 8. Im Hofe übten sie / heiter das Brettspiel –
An blitzendem Golde / gebrach’s ihnen nicht –
Bis die mächtigen drei / Mädchen kamen,
Die Töchter der Riesen / aus Thursenheim.

Unter diesen drei Mädchen glaubt man die drei Nornen verstehen zu dürfen, obschon niemals von deren riesischer Abkunft die Rede ist. Ihr Erscheinen schliesst die goldene Friedenszeit ab. Nun schildert die Seherin die Hauptbegebenheiten der Götter. Mit dem Totschlag der Gullweig in Walhall hebt der erste Streit zwischen Asen und Wanen an, der erste Weltkrieg. Die gebrochene Götterburg stellte der Riesenbaumeister wieder her. Aber er ward um seinen Lohn, um Freyja, Sonne und Mond, die er sich ausbedungen hatte, betrogen.

Vol. 26. Das wankten die Eide, / die Worte und Schwüre,
Die festen Verträge, / die man vordem schloss.

Gewaltthat, Krieg, Wortbruch führen eine neue schwere Zeit herauf, die bis zum Ende von rastlosem Kampfe erfüllt bleibt. Nachdem einmal der Gedanke an einen Untergang der Welt sich befestigt hatte, gewinnen alle Handlungen der Götter eine tiefere und weitere Bedeutung. Namentlich Thors Kämpfe mit den Unholden müssen in ein ganz neues Licht rücken. An den Grenzen der Welt lauern die Riesen, um hereinbrechend das alte Chaos wieder an Stelle der Weltordnung zu setzen. Die Götter haben die Aufgabe, den Bestand der Schöpfung zu sichern. Sorgenvoll sieht Odin die drohenden Anzeichen des nahenden Verderbens sich mehren, aber ernst gefasst schreitet er dem Verhängniss entgegen, heldenhaft reitet er endlich zum letzten Kampfe. Heimdalls Horn wird am Weltbaum verborgen, bis sein gehender Klang zum letzten Kampfe ruft. Aus Mimirs Quell schöpft Odin gegen Verpfändung seines einen Auges Weisheit. Krieg verbreitet sich unter den Menschen, weithin über die Erde reiten die Walküren. Unheilverkündende Träume erschrecken die Asen, von der Seherin, die er aus dem Todesschlafe aufsingt, holt Odin die düstre Kunde vom Falle Baldrs. Der lichte Gott ist tot, aber in Wali ersteht ihm ein Rächer, der Anstifter des Unheils, Loki, wird in Fesseln geschlagen. Ostwärts im Eisenwalde bringt ein altes Riesenweib Fenrirs Brut[9] zur Welt, aus welcher der unholdsgestaltige Erraffer der Sonne hervorgeht. Der nährt sich vom Fleisch Gefallener und rötet mit rotem Blute den Sitz der Götter, der Sonnenschein verdüstert sich, in den Sommern darauf kommt wüstes Wetter. Nachdem das Untier gross geworden, greift es also die Sonne an und verwandelt ihren hellen Schein in blutrote Farbe, wie bei der Verfinsterung zu sehen ist. Die Gylfaginning berichtet von einem schrecklichen Winter, dem Fimbulwinter, der dem Weltende vorangeht“.

„51. Da sprach Gangleri: Was für Zeitungen sind zu sagen von der Götterdämmerung? Ich hörte dessen nie zuvor erwähnen. Har antwortete: Davon sind viele und wichtige Zeitungen zu sagen. Zum ersten, daß ein Winter kommen wird, Fimbulwinter genannt. Da stöbert Schnee von allen Seiten, da ist der Frost groß und sind die Winde scharf, und die Sonne hat ihre Kraft verloren. Dieser Winter kommen dreie nacheinander und kein Sommer da zwischen. Zuvor aber kommen drei andere Jahre, da die Welt mit schweren Kriegen erfüllt sein wird. Da werden sich Brüder aus Habgier ums Leben bringen und der Sohn des Vaters, der Vater des Sohnes nicht schonen. So heißt es in der Völuspa:

Brüder befehden sich / und fällen einander,
Geschwisterte sieht man / die Sippe brechen.
Unerhörtes ereignet sich, / großer Ehbruch.
Beilalter, Schwertalter, / wo Schilde klaffen,
Windzeit, Wolfszeit, / eh die Welt zerstürzt.
Der eine achtet / des andern nicht mehr.

Da geschieht es, was die schrecklichste Zeitung dünken wird: daß der Wolf die Sonne verschlingt, den Menschen zu großem Unheil. Der andere Wolf wird den Mond packen und so auch großen Schaden tun, und die Sterne werden vom Himmel fallen. Da wird sich auch ereignen, daß so die Erde bebt und alle Berge, daß die Bäume entwurzelt, die Berge zusammenstürzen und alle Ketten und Bande brechen und reißen. Da wird der Fenriswolf los, und das Meer überflutet das Land, weil die Midgardschlange wieder Jotenmut annimmt und das Land sucht. Da wird auch Naglfar, das Schiff, das so heißt und aus Nägeln der Toten gemacht ist, weshalb wohl die Warnung am Ort ist, daß, wenn ein Mensch stirbt, ihm die Nägel nicht unbeschnitten bleiben, womit der Bau des Schiffes Naglfar beschleunigt würde, den noch Götter und Menschen verspätet wünschen. Bei dieser Überschwemmung aber wird Naglfar flott. Hrymr heißt der Riese, der Naglfar steuert. Der Fenriswolf fährt mit klaffendem Rachen umher, daß sein Oberkiefer den Himmel, der Unterkiefer die Erde berührt, und wäre Raum dazu, er würde ihn noch weiter aufsperren. Feuer glüht hin aus den Augen und Nasen. Die Midgardschlange speit Gift aus, daß Luft und Meer entzündet werden; entsetzlich ist ihr Anblick, indem sie dem Wolf zur Seite kämpft. Von diesem Lärmen birst der Himmel: da kommen Muspels Söhne hervorgeritten. Surtur fährt an ihrer Spitze, vor ihm und hinter ihm glühendes Feuer. Sein Schwert ist wunderscharf und glänzt heller als die Sonne. Indem sie über die Brücke Bifröst reiten, zerbricht sie, wie vorhin gesagt ward. Da ziehen Muspels Söhne nach der Ebene, die Wigrid heißt; dahin kommt auch der Fehriswolf und die Midgardschlange, und auch Loki wird dort sein und Hrymr, und mit ihm alle Hrimthursen. Mit Loki ist Hels ganzes Gefolge, und Muspels Söhne haben ihre eigene glänzende Schlachtordnung. Die Ebene Wigrid ist hundert Rasten breit nach allen Seiten.

Und wenn diese Dinge sich begeben, erhebt sich Heimdall und stößt aus aller Kraft ins Giallarhorn und weckt alle Götter, die dann Rat halten. Da reitet Odin zu Mimirs Brunnen und holt Rat von Mimir für sich und sein Gefolge. Die Esche Yggdrasil bebt, und alles erschrickt im Himmel und auf Erden. Die Asen wappnen sich zum Kampf, und alle Einherier eilen zur Walstatt. Zuvorderst reitet Odin mit dem Goldhelm, dem schönen Harnisch und dem Spieß, der Gungnir heißt. So eilt er dem Fenriswolf entgegen, und Thor schreitet an seiner Seite, mag ihm aber wenig helfen, denn er hat vollauf zu tun, mit der Midgardschlange zu kämpfen. Freyr streitet wider Surtur, und kämfen sie ein hartes Treffen, bis Freyr erliegt, und wird das sein Tod, daß er sein gutes Schwert mißt, das er dem Skirnir gab. Inzwischen ist auch Garm, der Hund, losgeworden, der vor der Gnupahöhle lag: das gibt das größte Unheil, da er mit Tyr kämpft und einer den andern zu Falle bringt. Dem Thor gelingt es, die Midgardschlange zu töten; aber kaum ist er neun Schritte davongegangen, so fällt er tot zur Erde von dem Gifte, das der Wurm auf ihn gespien hat. Der Wolf verschlingt Odin, und wird das sein Tod. Alsbald kehrt sich Widar gegen den Wolf und setzt ihm den Fuß in den Unterkiefer. An diesem Fuße hat er den Schuh, zu dem man alle Zeiten hindurch sammelt, die Lederstreifen nämlich, welche die Menschen von ihren Schuhen schneiden, wo die Zehen und Fersen sitzen. Darum soll diese Streifen ein jeder wegwerfen, der darauf bedacht ist, den Asen zu Hilfe zu kommen. Mit der Hand greift Widar dem Wolf nach dem Oberkiefer und reißt ihm den Rachen entzwei, und wird das des Wolfes Tod. Loki kämpft mit Heimdall und erschlägt einer den andern. Darauf schleudert Surtur Feuer über die Erde und verbrennt die ganze Welt. So heißt es in der Völuspa:

Ins erhobne Horn / bläst Heimdall laut;
Odin murmelt mit / Mimirs Haupt.
Yggdrasil zittert, / die ragende Esche;
Es rauscht der alte Baum, / da der Riese frei wird.

Was ist mit den Asen, / was ist mit den Alfen?
All Jötunheim ächzt, / die Asen versammeln sich.
Die Zwerge stöhnen / vor steinernen Türen,
Der Bergwege Weiser: / Wißt ihr, was das bedeutet?

Hrym fährt von Osten, / es hebt sich die Flut;
Jörmungandr[18] wälzt sich / im Jötunmute.
Der Wurm schlägt die Brandung, / aufschreit der Adler,
Leichen zerreißt er; / Naglfagr wird los.

Der Kiel fährt von Osten, / Muspels Söhne kommen
Über die See gesegelt, / und Loki steuert.
Des Untiers Abkunft / ist all mit dem Wolf;
Auch Bileists Bruder / ist ihm verbunden.

Surtur fährt von Süden / mit flammendem Schwert,
Von seiner Klinge scheint / die Sonne der Götter.
Steinberge stürzen, / Riesinnen straucheln,
Zu Hel fahren Helden, / der Himmel klafft.

Nun hebt sich Hlins / anderer Harm,
Da Odin eilt / zum Angriff des Wolfs.
Belis Mörder / mißt sich mit Surtur:
Da fällt Friggs / einzige Freude.

Nicht säumt Siegvaters / erhabner Sohn,
Mit dem Leichenwolf / Widar zu fechten:
Er stößt dem Hwedrungssohn / den Stahl ins Herz
Durch gähnenden Rachen: / so rächt er den Vater.

Da schreitet der schöne / Sohn Hlodyns
Der Natter näher, / der neidgeschwollnen.
Mutig trifft sie / Midgards Weiher;
Doch fährt neun Fuß weit / Flörgins Sohn.
Alle Wesen müssen / die Weltstatt räumen.

Schwarz wird die Sonne, die Erde sinkt ins Meer, Vom Himmel fallen die heitern Sterne, Glutwirbel umwühlen den allnährenden Weltbaum, Die heiße Lohe beleckt den Himmel.

Auch heißt es so:

Widrid heißt das Feld, / wo sich finden zum Kampf
Surtur und die sel’gen Götter.
Hundert Rasten / hat es rechts und links:
Solcher Walplatz wartet ihrer.

52. Da fragte Gangleri: Was geschieht hernach, wenn Himmel und Erde verbrannt sind und alle Welten und die Götter alle tot sind und alle Einherier und alles Menschenvolk? Ihr habt vorhin doch gesagt, daß ein jeder Mensch in irgendeiner Welt leben soll durch alle Zeiten. Hat antwortete: Es gibt viel gute und viel üble Aufenthalte; am besten ist’s, in Gimil[20] zu sein. Sehr gut ist es auch für die, welche einen guten Trunk lieben, in dem Saale, der Brimir heißt und gleichfalls im Himmel steht. Ein guter Saal ist auch jener, der Sindri heißt und auf den Nidabergen steht, ganz aus rotem Gold gebaut. Diese Säle sollen nur gute und rechtschaffene Menschen bewohnen. In Nastrand[21] ist ein großer, aber übler Saal, dessen Türen nach Norden sehen. Er ist mit Schlangenrücken gedeckt, und die Häupter der Schlangen sind alle in das Haus hineingekehrt und speien Gift, daß Ströme davon durch den Saal rinnen, durch welche Eidbrüchige und Meuchelmörder waten, wie es heißt:

Einen Saal seh‘ ich / der Sonne fern,
In Nastrand; die Türen / sind nordwärts gekehrt.
Gifttropfen fallen / durch die Fenster nieder;
Aus Schlangenrücken / ist der Saal gewunden.
Im starrenden Strome / stehn da und waten
Meuchelmörder / und Meineidige.

Aber in Hwergelmir ist es am schlimmsten:
Da saugt Nidhöggr / der Entseelten Leichen.

53. Da sprach Gangleri: Leben denn dann noch Götter, und gibt es noch eine Erde oder einen Himmel? Har antwortete: Die Erde taucht aus der See auf, grün und schön, und Korn wächst darauf ungesät. Widar und Wali leben noch, weder die See noch Surturs Lohe hat ihnen geschadet. Sie wohnen auf dem Idafeld, wo zuvor Asgard war. Auch Thors Söhne, Modi und Magni, stellen sich ein und bringen den Miöllnir mit. Danach kommen Baldur und Hödur aus dem Reiche Hels: da sitzen sie alle beisammen und besprechen sich und gedenken ihrer Heimlichkeiten, und sprechen von Zeitungen, die vordem sich ereignet, von der Midgardschlange und dem Fenriswolf. Da finden sich im Grase die Goldtafeln, welche die Asen besessen haben. Wie es heißt:

Widar und Wali / walten des Heiligtums,
Wenn Surturs Lohe losch.
Modi und Magni / sollen Miöllnir schwingen
Und zu Ende kämpfen den Krieg.

An einem Orte, Hoddmimirs-Holz genannt, verbargen sich während Surturs Lohe zwei Menschen, Lif und Lifthrasir genannt, und nährten sich vom Morgentau. Von diesen beiden stammt ein so großes Geschlecht, daß es die ganze Welt bewohnen wird. So heißt es hier:

Lif und Lifthrasir / leben verborgen
In Hoddmimirs Holz;
Morgentau / ist all ihr Mahl.
Von ihnen stammt ein neu‘ Geschlecht.

Und das wird dich wunderbar dünken, daß die Sonne eine Tochter geboren hat, nicht minder schön als sie selber: die wird nun die Bahn der Mutter wandeln. So heißt es hier:

Eine Tochter entstammt / der strahlenden Göttin,
Eh der Wolf sie würgt.
Glänzend fährt / nach der Götter Fall
Die Maid auf den Wegen der Mutter.

Wenn du aber nun weiter fragen willst, so weiß ich nicht, woher dir das kommt; denn nie hört ich jemanden mehr von den Schicksalen der Welt berichten. Nimm also hiermit vorlieb.“

Der Neubeginn nach dem Ende

Nicht alle Götter fallen in der letzten Schlacht, die Söhne Thors, Magni und Modi, überleben, auch Odins Kinder Vidar und Vali finden sich im ehemaligen Asgard ein. Balder und Hödur kehren aus Hel zurück.
Nach dem großen Untergang wird eine neue und gereinigte Welt entstehen. Die neue Welt wird sauber und rein sein. Es wird keinen Hass mehr geben. Gemeinsam werden die übriggebliebenen Götter mit den Menschen leben, denn es wird ein allmächtiger Gott wiederkehren und herrschen. Ihn hat es schon immer gegeben und es wird ihn immer geben. Er wird keinen Namen haben. Dieser Gott hatte einst auch das Universum erschaffen. In einigen Überlieferungen wird er auch Allvater genannt.
So werden sich denn Ende und Neuanfang begeben

Germanische Mythologie

  EINLEITUNG Es läßt sich mit großer Wahrscheinlichkeit voraussetzen, daß die Stammväter der Germanen, nachdem sie sich von den anderen Ariern getrennt hatten und in zwei Strömen die Ebenen Mitteleuropas und den hohen Norden unseres Kontinents überfluteten, die alten religiösen Anschauungen der Urheimat noch treu bewahrten und vorzugsweise die lichten Mächte des Himmels verehrten. Darauf … Weiterlesen

Kulturbringer Odin, Allvater, Wotan

Einsam sind die tapferen und die Gerechten. Doch mit ihnen ist die Gottheit. Odin, Allvater, Wotan. Gar viele Namen hat Allvater, stetig wacht der Vater aller Götter. Sei Dir bewusst, dass der absolut unkriegerische, große Fragende und Reisende Gott der Germanen absolut friedlich war. Er war kein Missionar, kein Besetzer, kein Besserwisser! Er war bescheidener Suchender … Weiterlesen

Yggdrasil

Der Weltenbaum der germanischen Mythologie ist eine der schönsten Schilderungen der verschiedenen Sphären der Existenz.Die Zweige der Esche breiten sich über die ganze Welt und reichen hinauf bis über den Himmel. Drei Wurzeln halten ihn aufrecht, eine reicht zu der Unterwelt der Asen an den Fluss Äsir, die andere zu den Hrimthursen, wo einstmals Ginnungagap … Weiterlesen

Snorri Sturluson

Erzähler der Götter- und Heldensagen  Snorri Sturluson wurde im Jahre 1179 in Hvammur geboren. Seine Eltern Sturla Thórdarson, ein westisländischer Gutsherr, und Gudny Bödvarsdóttir gelten als Gründer des Geschlechtes der Sturlungar. In jungen Jahren wurde Snorri zu dem Goden Jón Loptsson nach Oddi geschickt, einem Bildungszentrum in Südisland und Sitz der Familiensippe der Oddverjar. Dort … Weiterlesen

Skaldendichtung

Im wikingerzeitlichen Norden stand die Dichtkunst in hohem Ansehen. Die Bezeichnung für Dichter war “Skalde” (altnordisch singular skáld). Der früheste bekannte Skalde war Bragi Boddason der Alte, von dem die sogenannte Ragnarsdrápa überliefert ist, ein Gedicht, in dem er mythologische, auf einem Schild dargestellte Szenen schildert. Wahrscheinlich ist er mit dem Bragi, der später als … Weiterlesen

Der himmlische Lichtbaum der Indogermanen in Sage und Kultus.

Wenn die prähistorische Archäologie allmählich immer mehr einen gewissen homogenen Zustand der in Europa sich ausbreitenden und dasselbe eigentümlich kolonisierenden indogermanischen oder arischen Stämme in Bezug auf das häusliche Leben und die Anfänge gewerblicher Thätigkeit aufdeckt, so entsprechen dem auch die Besultate der Untersuchungen über den mythologisch-religiösen Entwickelungsstandpunkt derselben. Neben den überall bei den betreffenden … Weiterlesen

Frömmigkeit nordischer Artung

Ein Querschnitt durch das Indogermanentum von Benares bis Reykjavik7. Auflage, 1989, Verlag Hohe Warte • Franz von Bebenburg • KG Hans F.K. Günther zeigt zunächst einmal, was nordische Frömmigkeit nicht ist, beispielsweise die Herabwürdigung des Leibes, die Abhängigkeit der Frömmigkeit von dem Tode, die Wertung des diesseitigen Lebens als Jammertal. Er zeigt darüber hinaus die … Weiterlesen

Die Irminsul

Ehre die Ahnen! Halgadom, aus den Stücken Runenkraft und Wotans Krieger Kennst du die alte Kunde vom germanischen Heiligtum, verborgen in Teutoburgs Wäldern, den göttlichen Mächten zum Ruhm? Dort an den Externsteinen die Irminsäule stand. So lange man sie ehrte, war Einigkeit im Land. Da kamen die fränkischen Heere, vergiftet vom Geist der Zeit, die … Weiterlesen

Atlantis, Edda und Bibel – 200 000 Jahre Germanischer Weltkultur

Hörbuch .Hier als pdf >   < Die Edda als pdf Wenn die „Edda“ nicht in Ihrem Bücherschrank steht, dann können Sie sie hier herunterladen: „Edda“ (PDF, 691 kB) Die Edda, das Buch der Götter und Heldensagen! Das Buch der Götter und Heldensagen, die Edda wird als Überlieferung des alten Nordischen Heidnischen Glaubens gehandelt. Sollte … Weiterlesen

 

Mythologie der Germanen – Der Seelenglaube

Tief aus der Deutschen Seele

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Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen von Meyer Elard Hugo.
Mythologie ist uralte religiöse Naturpoesie, die die Menschheit mit einer zaubervollen Märchenwelt umgab. Die Mythen wurden nicht wie unsre Kinder- und Hausmärchen nur von den Kindern geglaubt oder daheim zur Unterhaltung erzählt, sondern vom ganzen Volke wie etwas Wirkliches geschaut und empfunden und in Furcht und Hoffnung heilig gehalten. Denn sie waren aus seinem innersten Eigen geboren, geistige Spiegelbilder gewisser Naturvorgänge, sei es des engeren Menschenlebens, sei es der weiten Welt ringsum, in denen ein geheimnisvolles übermenschliches Wesen zu leben und zu weben schien.

So verflochten sich bereits mit diesen ältesten traumhaften Vorstellungen jene ältesten religiösen Gefühle der Furcht und der Hoffnung und somit der Abhängigkeit von etwas Übermenschlichem. Sie trieben den Menschen dazu, diesen Phantasiegebilden Ehren zu erweisen, ihnen zu opfern, auch ihr Tun und Treiben im Kultus dramatisch darzustellen. Die daraus entsprungenen Riten wurden dann zum Teil wieder in die Erzählung des Mythus aufgenommen und gestalteten sie oft eigenartig um. Doch finden wir im germanischen Mythus kaum sichere Spuren davon. Dagegen mit der Hebung der Kultur, dem wachsenden Schwung der Phantasie, der Verfeinerung des Gemütes und der Schärfung des Verstandes flössen reichere, freiere, sinnvollere Mythen zu, welche Kulturzustände oder geistige Tätigkeiten personifizierten und eine Erklärung der mancherlei Rätsel des Lebens und der Welt zu geben suchten. Diese schwollen, mit den alten vereint, je nach Schicksal, Begabung und Richtung der Völker zu mehr oder minder breiten, trüberen oder helleren Strömen, zu ganzen Mythologieen an, bis sie teilweise in das umfassendere Gedankenmeer einer monotheistischen Religion mündeten.

Die menschliche Einbildungskraft, die Haupttriebfeder der Mythologie, vermag zwar auch das toteste, unpersönlichste Ding bis zu einem gewissen Grade vorübergehend zu beleben und zu beseelen. Aber nur eine Auslese von Dingen und Erscheinungen war imstande, sie zu eigentlich lebensfähiger, personifizierender, eindrucksvoller und allgemein anerkannter Mythenbildung aufzuregen, nämlich solche, in denen drei Eigenschaften vereinigt waren: ein geheimnisvolles, rätselhaftes und darum staunenerweckendes Äussere, ein sinnenfälliger, den Schein persönlichen Lebens tragender Formen- oder Kraftwechsel und ein starker Einfluß auf das Wohl und Wehe des Menschen. Nur diesen erkannte man die Bedeutung und Lebenskraft eines übermenschlichen Wesens zu. Solche Erscheinungen sind im Menschendasein vor allem der Tod, dann der Traum und im weiteren Welträume die Luft- und Himmelserscheinungen: das Gewitter, der Wind, der Wolkenzug, das Himmelslicht, die Tageshelle und die großen Gestirne, endlich auch die sprossende Erde.

Wer mag bestimmen, welche von den erwähnten Erscheinungen zuerst die Phantasie wie mit einer Zauberrute aus ihrem Schlummer weckte? Sie mögen in unvordenklicher Zeit gleichzeitig gewirkt haben. Aber so viel ist gewiß, daß der Anblick des Sterbens, das dem Naturmenschen ebenso unverständlich war wie das Leben selbstverständlich, und die Folgen, die der Tod für die Angehörigen der Verstorbenen hatte, gerade in der unsrer Kunde erreichbaren ältesten Zeit einen besonders wichtigen und umfangreichen Mythenkreis veranlaßt haben. Dessen hohes Alter wird auch durch den Einklang der Vorstellung nicht nur der germanischen und indogermanischen, sondern auch der niedrigsten Völker der Erde bezeugt, der auf keinem mythologischen Gebiete so überraschend genau ist wie auf diesem. Noch ein anderes auffälligeres Zeugnis für diesen alten Bestand darf man anführen, das nämlich, daß der aus diesem Gebiete entsprungende rohe und ärmliche Geister- und Gespensterglaube üppiger als irgend welcher andre Heidenglaube noch heute fortwuchert. Denn es ist ein durchgreifendes Gesetz der Psychologie, daß eine Vorstellung je älter, desto unverwüstlicher ist. Die Götterwelt, das Letzte und Schönste des Heidentums, ist längst vor den Augen des Volkes versunken. Für zerstäubt in nichts gilt auch schon lange wenigstens der Mehrheit das Elfenwesen; die Gespenster aber leben in der Einbildung gar vieler noch heute fort und feiern sogar Triumphe in gebildeten Spiritistenkreisen. Fast möchte man sagen, der Same des Gespensterglaubens rege sich in uns Allen, wo die Nähe einer Leiche und das tiefe Dunkel der Nacht in einem Sterbezimmer, auf einem Friedhof, an einer Mordstätte sich vereinen, oder auch sogar mitten im hellerleuchteten vollen Theater, wenn ein wirklicher Dichter an ihn appelliert. „Auch kommt es nur“, sagt Lessing in seiner Dramaturgie,

„auf die Kunst des Dichters an, diesen Samen zum Keimen zu bringen; nur auf gewisse Handgriffe, den Gründen für die Wirklichkeit von Gespenstern in der Geschwindigkeit den Schwung zu geben. Hat er diese in seiner Gewalt, so mögen wir im gemeinen Leben glauben, was wir wollen, im Theater müssen wir glauben, was Er will. Vor dem Gespenste in Shakespeares Hamlet richten sich die Haare zu Berge, sie mögen ein gläubiges oder ein imgläubiges Gehirn bedecken“.

Wenn es uns rührt und erhebt, daß schon die Urmenschen hinter dem Tode ein Leben witterten und der erbarmungslosen Tatsache des Sterbens ein durch den Tod ununterdrückbares Leben entgegenstellten, so erfüllt es uns fast mit Scham, oder soll ich lieber sagen, mit Demut, daß ihre tiefsten Geheimnisse auch noch die unsrigen sind: Leben, Tod, Seele. Gerade darum haben diese der ältesten Religion den Boden aufgewühlt, sie sind die starken Pflugscharen noch unsers Glaubens.

Um den Begriff der Seele oder des Geistes dreht sich dieser alte Mythenkreis. Dieser Begriff ist ursprünglich keine Abstraktion, herausgezogen etwa aus der zusammenfassenden Beobachtung der vielen Einzelerregungen des eigenen Inneren, er ist auch nicht das Produkt der Sehnsucht nach einem höheren, freieren Dasein. Er ist dem schmerzlichen Anblick der seltsamen, wechselnden Wandelungen, die der Sterbende in seinen letzten Stunden durchmacht, abgerungen. Da wird der Atem immer schwerer und langsamer, um dann plötzlich still zu stehen, das Auge bricht und starrt unheimlich, Wärme und Farbe verlassen den Leib, kalt, bleich, steif und lautlos liegt er da, wie ein Stein. Nach unsrer gegenwärtigen Gemeinauffassung ist mit diesen Vorgängen das physische Leben und gleichzeitig mit ihm, aber losgelöst von ihm, das psychische Leben, die Seele, entflohen. Jenes besteht überhaupt nicht mehr und läßt den Leib als tote Masse zurück, die Seele aber lebt für sich in einer anderen Welt unvergänglich weiter. Eine alte weitverbreitete und auch germanische Auffassung war eine ganz andre. Nicht nur gleichzeitig mit, sondern in dem physischen Leben, in dem Atem, der Bewegung, der Wärme und Farbe entwich die Seele. Das physische Leben selber war ein Wesen, das im Tode sich löste, so daß es gleichsam zweimal da war, neben seinem lebendigen Ich ein im Tode erst frei werdendes andres Ich beherbergte. Dieses letzte, das im Kopfe wohnt, ging beim Sterben als ein Bewegliches, ein Hauch, ein Wind, ein Nebel, ein Licht oder gar als ein Tierchen aus dem Munde davon. Die Seele blieb also ein körperliches, wenn auch ein verflüchtigtes oder zusammengeschrumpftes Wesen. Sie hielt sich auch möglichst dicht an den verlassenen Leib, wohnte bei ihm im Grabe oder in dessen Nähe, oder auch in dem von ihm verlassenen Hause, oder in benachbarten Bäumen und Hügeln. Sie war auch nicht unvergänglich, sondern starb mit dem Zerfall der Leiche, zu der sie gehörte, oder welkte mit der Erinnerung der Überlebenden an den Toten auf immer dahin. Dazu stimmt, daß in den dänischen Steingräbern die Knochen der älteren Leichen bei Seite geschoben und über einander aufgestapelt wurden, um Platz für die neu beigesetzten Gerippe zu gewinnen. Viele neue Gräber sind auf fränkischen und merovingischen Gräberfeldern in und quer durch ältere gelegt.

Die Seele ist nach der germanischen Anschauung vor allem das Bewegliche. Denn die beiden Wörter Seele, gotisch saiwala, und See, gotisch saiws sind beide derselben Wurzel entsprungen, die etwas Bewegliches bezeichnet haben muß. Der Begriff einer noch heftigeren Beweglichkeit möchte im Worte Geist stecken, was besonders die nordischen Worte geisa = brausend einherfahren, wüten, geistr = heftig, feurig, geist = brausend, schnell verraten. Die deutsche Sage erzählt wiederholt von brausenden Geistern. Aus einer Wurzel an = hauchen entwickelte sich das indische anas Hauch, anilas Wind, das griechische anemos Wind, das lateinische anima Wind und Seele, vergleichbar dem griechischen Psyche Hauch und Seele. Zur Wurzel an gehört das althochdeutsche unst = Wind, Sturm und möglicherweise auch das althochdeutsche ano, unser Ahne, das ursprünglich einen, der ausgehaucht hat, einen Verstorbenen und darnach den Vorfahren bezeichnet hätte. Auch das gothische us-anan bedeutet aushauchen und das aus derselben Wurzel erwachsene nordische Seele, Leben, andi Geist und ör-endr todt, eigentlich ausgehaucht.

Noch sicherer als die Sprache bezeugt der Volksglaube die Windnatur der Seele. Die plötzlich gewaltsam ausgepreßte oder auch die beim Tode imruhige Seele fährt folgerichtig nicht als Wind, sondern als Sturm davon. Darum heißt es noch durch ganz Deutschland, daß sich ein Sturm erhebe, wenn sich jemand erhängt, und sich erst nach dessen Bestattung lege.

„Welcher Lump mag sich nun wieder erhängt haben!“

sagt man am Lechrain bei plötzlich losbrechendem Sturm. So sauste einmal an Hans Sachs im Walde bei Osnabrück das wütende Heer der kleinen Diebe vorbei, das aus lauter Erhängten bestand, und darunter ein erst desselbigen Tags Gehenkter, mit dem er sich in ein Gespräch einließ, fuhr dahin „als ein scharpfer Wind“. In Schwaben fahren auch die im Rausch Gestorbenen mit dem Muetisheer d. h. dem stürmischen wilden Heer. Von den Geistern Verstorbener heißt es in England, daß sie Hindernisse auf ihrem Wege umwerfen wie „a furious whirlwind“.

Rührend ist, daß eine im Kindbett und noch dazu ohne Beichte, also mit doppelt unruhiger Seele gestorbene Frau im Wirbelwind dahinfliegt. Dagegen wenn ein Mensch ruhig verscheidet, bewegt sich nach Schweizer Glauben die Luft im Sterbezimmer mit leisem Wehen. In Devonshire kann ein Verschluß im Hause das Sterben eines Kranken verzögern, und so öffnet man in Bayern wohl das Fenster oder deckt einige Dachschindeln ab, um einem Menschen das Sterben zu erleichtern. Gemeindeutscher Brauch, der sich noch an zahllosen Orten erhalten hat, war es, beim Eintreten des Todes ein oder mehrere Fenster, die Türe, die Luke oder gar die „Dachblatte“ zu öffnen, daß die Seele bequem hinwegfliegen könne. Man jagt sie sogar bisweilen durch Wehen mit Tüchern hinaus und ruft ihr nach „Geh hin und pfludere“ d. h. flattere. Hat das Dach im Aargau keine „Heiterlöcher“ d. h. Luftlöcher, so sucht die Seele des verstorbenen Hausbewohners gewaltsam Einlaß, indem sie es mit Sturm abdeckt. Darum muß in einigen Orten der Schweiz immer ein Fenster oder eine Stelle des Dachs offen bleiben, damit der „Geist“ aus- und eingehen könne. Im Unterinntal fahren noch heute die armen Seelen im sogenannten Allerseelenwind und anderswo in Deutschland nach älterem, schon von Geiler v. Keisersperg um 1500 bezeugten Glauben alle eines gewaltsamen Todes Gestorbene oder vor der Taufe gestorbene Kinder im wütenden Heer oder in der wilden Jagd, namentlich während der Zwölften, der zwölf heiligen Nächte der Jahreswende. Dieser Jagdzug der Seelen hat im höheren Norden im Geisterzuge der norwegischen Aaskereia, Oskerei, die ebenfalls in den Jul-nächten durch die Dörfer und Häuser tobt, noch den niedrigeren rein dämonischen Charakter bewahrt. Sie hat keine Gottheit an ihrer Spitze, die doch in Deutschland und Dänemark den Zug führt: nämlich Wodan oder auch Bertha oder Holda. In dieser Verbindung mit der Gottheit erreicht die Vorstellung vom Windseelenzuge ihren höchsten mythologischen Ausdruck. Ähnliche Stadien durchläuft der griechische Seelenglaube: in der Odyssee werden die dicht vor ihrer Hochzeit gestorbenen Töchter des Pandareos durch Stürme hinweggeführt, offenbar ursprünglich ihre, über ihr Los zürnenden windförmigen Seelen. Ein paar Verse weiter heißen diese Stürme schon Harpyien, sind also dahin raffende Winddämonen geworden. Später sausen vor ihrer Hochzeit verstorbene Mädchen im Heer der Jagdgöttin Artemis oder in dem ganz jagdartig dargestellten, von Hunden umbellten Schwarm der Hekate. In Indien fahren die Bhütas, die Seelen von Bösewichtern, im Gefolge des Sturmgottes Rudra durch die Luft. Selbst in den höchsten Mythen von der Windseele berühren sich also die verschiedenen indogermanischen Völker.

Verdichtet sich der Hauch, so wird er zum Nebel, Dunst, Rauch oder gar zur Wolke. Schon bei Homer geht die Seele als Rauch oder Schatten dahin. Nach dem neueren germanischen Aberglauben schwebt in Tirol die Seele eines Tugendhaften als weißes Wölkchen aus dem Munde. Wo man ihr im schlesischen Dyhemfurth beim Sterbefall nicht das Fenster öffnete, sah man sie am nächsten Morgen als Rauchwölkchen an der Zimmerdecke. In Ostpreußen können manche den Gestorbenen noch vierzig Tage nach dem Tode als eine nebelartige Gestalt erkennen. Und nicht nur im Tode, sondern auch im Traume des todähnlichen Schlafs wird jenes andere Ich, die Seele, lebendig und kann durch den atmenden Mund herausspazieren, um am Schluß des Traumes wieder zum Körper des Schläfers zurückzukehren. Diese Traumseele entschlüpft als Dunst dem Munde eines Schlafenden nach hessischer wie Oldenburger Sage; nach dieser kehrt sie zurück und mit ihr das Leben, nach jener bleibt sie aus und der Tod erfolgt. Diese Sage lebt voll ausgebildet in Island weiter und war schon vor mehr als einem Jahrtausend bekannt. Nur güt, was man in Island von einem bläulichen Dunst erzählt, im altfränkischen Bericht von einem Tierlein. Der gute Frankenkönig Gunthram, der um 600 lebte, war einmal auf der Jagd im Schoß eines Dieners eingeschlafen. Da schlich aus seinem Munde ein Tierlein in Schlangenweise hervor und wollte gern über den nahen Bach. Der Diener legte sein Schwert hinüber, auf dem das Tierlein das Wasser überschritt. Drüben schlüpfte es in einen Berg und lief nach einigen Stunden wieder über die Schwertbrücke in den Mund des Königs zurück. Erwacht aber erzählte dieser, er wäre im Traum über die eiserne Brücke eines großen Flusses gegangen und hätte in der Höhle des drüben gelegenen Berges einen unsäglich reichen Schatz gefunden.

Bevor wir aber die vielerlei Seelentierchen näher betrachten, müssen wir des Lichts oder Feuers als Seelenformen gedenken. Die Seele läßt den toten Leib kalt zurück oder, wie es Freidank derber ausdrückt: „die Seele fährt von mir wie ein Blaas (Hauch, Windlicht) und läßt mich liegen wie ein Aas.“ Wenn über dem Schlafenden oder am Dach eines Hauses ein Flämmchen schwebt, ein Licht von selbst erlischt oder eine Sternschnuppe in der Richtung eines Hauses fällt, so kommt nach deutschem Aberglauben der Tod, und der Sterbende „verzeigt sich“ gern Abwesenden durch einen plötzlichen Lichtschein. Die Seele macht sich dann gleichsam zeitig davon und kündet dadurch die Nähe des Todes des bereits von ihr verlassenen Leibes an. Das „Totenlicht“ setzte sich schon im Mittelalter an Haar und Kleidung der Nordleute, wenn sie sterben sollten. Manche altnordische Gräber umgab ein Feuer; nach der Hervarar-saga zeigten sich Angantyr und seine Brüder nachts als Flammen auf ihren Gräbern, und noch heute erscheinen isländische Gespenster vom „Totenfeuer“ ümleuchtet. In Deutschland flattert der Irrwisch, das Irrlicht, der Brünnlig, Pütz- und Wiesenhüpfer, in England der Willy with the wisp (Wisch), in Dänemark der blaas- oder lygtemand, der Feuer- oder Lichtmann, in Schweden der eidgast der Feuergeist über Sümpfen, feuchten Wiesen oder Feldrainen. Im Aargau gibt es Irrlichter beiderlei Geschlechts, Füerstein-mannli wie Zunselwibli. Das sind die Seelen derer, die wie die noch ungetauften Kinder, die Erhängten, die Ertrunkenen, vor der Zeit das liebe Leben eingebüßt, oder solcher, die ihr Leben mit einer beunruhigenden Tat beschlossen hatten und nun die Stätte derselben wieder aufsuchen, z. B. Grenzsteinverrücker und unehrliche Landmesser, die dann den Grenzstein auf der Schulter tragen müssen, oder Geizhälse, die irgendwo ihr Geld verscharrt hatten. Auch irrlichtem die von den Tirolern erschossenen und zerschmetterten Franzosen bei Mittenwald im Herbst auf ihren in fremder Erde bereiteten Gräbern umher. Die irrlichtemden Landmesser schlagen im Badischen wohl mit glühenden Meßstangen auf einander los, und bis ins Hochgebirge hinein, auf dem Streitgampen unter dem Pazinkopf in Tirol, befehden sich die feurigen Pütze. Reizbar ohrfeigt der Irrwisch den Wanderer, der ihn neckt, führt ihn irre, springt ihm auf den Rücken, zündet ihm das Haus an und bedroht sogar sein Leben. Seltener leuchtet er ihm dienstfertig heim. Wie andere Seelen fahren auch die Irrwische mit der wilden Jagd um.

Die flüchtige Seele als Vogel aufzufassen, lag nahe. Die indischen Ahnen, die Pitaras, fliegen in Vogelgestalt umher, weshalb beim Totenopfer den Vögeln ein Kuchen gegeben wurde. Den Griechen zeigte sich die Seele bei der Totenbeschwörung als Uhu oder Fledermaus. Germanische Seelen von Ermordeten und Selbstmördern fliegen als Raben und Krähen umher, diejenigen unschuldig Getöteter als weiße Tauben und Schwäne. Doch scheinen die Taubenfiguren bei Paulus Diaconus, die bei Pavia von Grabstangen nach der Richtung schauten, wo der in der Fremde gestorbene Langobarde seine Ruhestatt hatte, nicht die Toten, sondern deren klagende Verwandte zu bedeuten. In Westfalen sagt man Mädchen, die nicht heiraten:

„Ihr sollt die Kibitze heiraten,“

und auf dem wilden Gieritz(Kibitz)moos an der Aare in der Schweiz werden die alten Jungfern wirklich zu Kibitzen. In Schweden heißt der Schmetterling „Altweiberseele“, und in Deutschland sagt man, daß man vor der Geburt mit den „Feifaltem“ d. h. Schmetterlingen fliege. Auch in den Motten, Bienen, Käfern und sonstigem fliegenden Getier stecken Seelen, auch in der Hausgrille.

Aber andre Hausgenossen spielten unter den Seelentieren eine viel bedeutendere Rolle, die unschädliche Ringelnatter, die Maus, das Wiesel und die Kröte. Der Wohnung der Menschen zugetan, leise aus der Erde kriechend oder huschend und wieder still und plötzlich dann verschwindend, erschienen sie wie geheimnißvoll in ihrem alten Heim fortlebende Seelen der Verstorbenen, deren Leiber früher in dessen unmittelbarer Nähe oder sogar in dessen Innerem bestattet wurden. Wir blicken in den dunkelsten Winkel indogermanischer Hausreligion mit all ihrer Heimlichkeit und Unheimlichkeit, wie sie durch zahllose neuere, aber auch viele ältere nicht nur germanische, sondern auch andere indogermanische Zeugnisse enthüllt wird.

Früh wird auf attischen Grabdenkmälern und spartanischen Votivreliefs eine Schlange dargestellt, die als Opfergaben Honig und Brei zu sich nimmt, also nicht Schlangen-, sondern Menschennahrung. Verschiedene Seelenformen, Flügel wesen und Schlangen wesen, vereinigt die Darstellung einer Totenklage auf einem attischen Gefäß: am oder im Grabhügel flattern beschwingte Menschenfigürchen über einer Schlange, der Seele des Verstorbenen, von dem die Inschrift spricht. In Theophrasts Charakteren 16 errichtet der Abergläubische an dem Ort seines Hauses, wo er eine heilige Schlange gesehen, sofort ein Heroon, ein Ahnenheiligtum. Am Grabe des Heros wurde häufig eine Schlange als dessen dämonische Erscheinung gehegt. Wie er, hütet diese „Haushüterschlange“ Tempel, Haus und Grab; beleidigt aber bringt er, wie sie, Verderben. Nach dem neugriechischen Volksglauben lebt im Grunde jedes Hauses eine Schlange als Hausherr oder Hausherrin. Ihr Erscheinen im Innern desselben bedeutet Glück, besonders die unerwartete Rückkehr des Hausherrn. Verscheucht oder beleidigt zieht sie Unheil herab; man steckt Brot in ihr Erdloch und schmeichelt ihr mit dem Gruße: „Schönes Dingel!“ — Die Römer weihten ihrem Genius einen von einer Schlange umwundenen Altar und hielten im Schlafzimmer ein paar Schlangen, die für die Genien des Hausherrn und der Hausfrau galten, und zwar in so vielen Häusern, daß Plinius besorgte, die Schlangenbrut würde in Rom den Menschen noch über den Kopf wachsen, wenn ihr nicht die Feuersbrünste Einhalt täten. Starb eine solche Schlange, so galt das als böses Vorzeichen dem Vater der Gracchen, wie dem Kaiser Tiberius. Umwand eine Schlange fest das Haupt eines Schlafenden, das war den Römern ein gutes Vorzeichen; die Seele dachte nicht daran sich abzulösen. Die Schlangen aber, die Pompejus beim Verlassen seines Schiffes in Dyrrhachium erblickte, bedeuteten seinen nahen Untergang; als Seelen, die schon ihn und die Seinigen aufgegeben hatten. — In Litthauen hatte jeder Familienvater im warmen Winkel eine Schlange, der er Speise auf Heu darbrachte.

Die Ringelnatter heißt bei den Germanen Hausschlange, Hausotter, Hausunk, Hauswurm, schwedisch gärds- oder lyckoorm, Hof- oder Glücksschlange. Das altschwedische Erbauungsbuch, der Seelentrost, verbot schon tun 1400 den tief gewurzelten Glauben an Tomptorma d. h. Hausschlangen. Aber von Siebenbürgen und der Schweiz bis nach Skandinavien wurde diese da und dort noch neuerlich trotz ihres nicht angenehmen Geruchs im Stalle oder auch unter den Stubendielen gern geduldet und ihr im Herdwinkel wie in Griechenland eine für Schlangen ungeeignete offenbare Ahnenopferspende, nämlich Semmelmilch, vorgesetzt. Am Lechrain hielt noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts jedes Haus eine Hausotter, deren Geräusch den Tod eines Hausbewohners anzeigte. Auf den Betten, wenn sie gesonnt wurden, in der Küche und auf dem Rande des Brunnentrogs konnte man sie liegen sehen. Im Fricktaler Dorfe Mägden in der Schweiz vermutete man noch um dieselbe Zeit fast in jedem Keller eine Hausschlange, die sich nur bei außergewöhnlichen Fällen sehen ließ und durch ihr Geräusch, wie am Lechrain, einen Trauerfall der Familie anzeigte. Manchmal hatte ein Haus, ganz wie das römische, ihrer zwei, die mit Hausvater und Hausmutter lebten und starben. In Mittelschlesien wird die von niemand gesehene, in den Grund des Hauses sich einwühlende Hausotter für einen Schutzgeist angesehen. Doch in der ,Tunkelstunde‘ kommt die schlesische ,Otterkönigin‘, die Ahnfrau, gern einmal aus der Mauer herftir. Als der Hofbauer des sogenannten Schlangenhofes im badischen Schappacher Tal starb, starb auch der Schlangenkönig mit all den anderen Schlangen des Hofes, und von diesem wich seitdem der Segen. In der Liederedda gräbt sich die über den Tod ihres Sohnes Atli trauernde Mutter offenbar als Natter dem Gunnar rächend ins Herz. Gleich der Seele liegt auch die Hausotter gern unter der Türschwelle, auf der man wegen dieses Tieres in Bayern und im Voigtland allen Lärm, z. B. Holzspalten, möglichst vermeidet. Wie in Rom bedeutet das Erscheinen der männlichen Hausschlange im Spreewald den Tod des Vaters und der Mutter. Ja in einigen böhmischen Familien gab es ganze Schlangenfamilien, von der jedes Glied ein Glied der Hausbewohnerschaft vertrat, so daß, was einer der Schlangen geschah, auch dem entsprechenden Familiengliede widerfuhr. Mögen wir auch die beiden letzten Nachrichten den Slaven verdanken, die wie die Litthauer einen reichen Seelenschlangenkultus hatten, dieselben oder ähnliche Vorstellungen waren jedenfalls auch germanisch, z. B. nähert sich eine Schlange dem Hause, so bedeutet das nach norwegischem Glauben Glück, kriecht sie dagegen über die Straße, Unglück, wie in Rom. Wer im Bayreuthischen ein Erdhuhn oder eine Hausotter beschädigt oder sieht, muß selbigen Jahres sterben. Im innigsten Verhältnis steht dies Seelentier zum Kinde: Kinder werden wohl mit einer Schlange um den Hals geboren, wie in Rom. Die Hausschlange spielt in der Sage gern mit dem Kind des Hauses, teilt mit ihm Speise und Trank, schläft mit ihm in der Wiege und gibt ihm Gedeihen. Als aber einst das Kind, das mit ihr aus einem gemeinsamen Napf Milch und Brocken aß, sie schlug und ärgerlich rief: „Iß auch Brocken!“, da siechte es schnell dahin. Seine eigene Seele war getroffen. Die Schlange verwandelt sich also aus der Seele des lebenden und des verstorbenen Menschen zu einem Schutzgeist der Mitlebenden und der Überlebenden, zu einem Schutzgeist des Hauses. Sie wird die schützende ,Muhme‘ der ganzen Familie, wie auch das Wiesel und die Kröte. Um 1400 erzählt Nikolaus von Dinkelsbühl von der Muma, daß sie die Häuser besuche und aus offenen Gefäßen esse oder trinke, die dann die Leute alsbald wieder nachfüllten, denn sonst käme Unglück übers Haus. Mit der Muhme wird die Hausotter gemeint sein, der man ja noch viel später einen Milchnapf hinsetzte. Das Wiesel heißt gemütlich nicht nur Mühmlein, sondern in Spanien auch comadreja Gevatterin, Hebämmelein. Wie der Neugrieche die Hausschlange als „schönes Dingel“ begrüßt, so nennt der Oberbayer sein Hauswiesel „Schöntierlein oder Froie“. In andern deutschen Gegenden heißt es das Jüngferchen, bei den Griechen des Mittelalters „Bräutlein“. Obgleich es den Griechen und Römern ein bekanntes Haustier war, das etwa unsre Katze vertrat, erregte doch sein plötzliches Erscheinen bei einem außergewöhnlichen Unternehmen oder an ungewöhnlicher Stelle Furcht vor Unglück oder Tod. In Athen löste sich die Volksversammlung, in der es sich zeigte, auf; ließ es sich auf dem .Dach blicken, so war das ein böses Zeichen wie das Flämmchen auf dem Dach in Deutschland. Kommt ein Wiesel mehrmals nach einander in die Nähe derselben Wohnung, so beruft es jemand daraus ab. So gilt auch seine Vertreterin, die Katze, für einen Hausgeist. Im Aargau

„stirbt die schwarze Hauskatze ihrem Herrn vor“.

Wieseln oder schwarzen Katzen begegnen, ist im Lechrain und anderswo ein böser Angang. Bläst ein Wiesel den Menschen an, nachdem es die Springwurzel gefressen, so muß er nach Tiroler Glauben sterben. Ob die Kröten auch jenen andern Indogermanen für Seelentiere galten, ist mir nicht bekannt. Doch wagen die toskanischen Bauern eine Kröte nicht zu töten, weil so oft ein Mensch darin verwandelt ist, und in Sicilien füttert man Kröten im Hause mit Brot und Wein, weil diese „mächtigen Feen“ oder „unbegriffenen Genien“ Glück bringen. Die Germanen sahen in ihnen arme Seelen, namentlich in den Ostalpen. Aber auch im Badischen ächzt der Geist eines Wirtes als Kröte unter dem Ofen oder auch der eines Geizhalses auf dem mit ihm vergrabenen Geldsack. In Tirol darf man Kröten am Allerseelentage nicht töten, „weil arme Seelen darin sind“, wie sie denn auch an den Quatembertagen gleich armen Seelen zu Kapellen wallfahrten. Wie die römischen Laren oder Ahnengeister in Genien und sogar in Penaten Vorratsgeister übergehen, so hießen die Kröten in Schweden „bolvaetter“ Hausschutzgeister, im Aargau aber „Nahrungshunde“. Diese hielten im Keller die Lebensmittel in gutem Zustand und wurden mit Milch gepflegt. Mißhandelt bringen sie in Skandinavien Unglück und Alpdruck. Dagegen fing man sie am Lechrain wie die Wiesel im Frauendreißigst (15. Aug. bis 13. Sept.), spießte sie und opferte sie in Kirchen. „Mäusen pfeifen“ heißt „den Seelen ein Zeichen geben“. So pfiff ein schlecht behandeltes Bergmännchen Mäuse und Kinder in den Tannenberg bei Lorsch, der Hameler Rattenfänger Ratten und Kinder in den Koppelberg. Ein Windgeist pfeift den Kindern und ihren Seelen voran. Die von Hatto von Mainz in einer Scheune verbrannten Armen wimmeln als Mäuse aus dem Feuer hervor und verfolgen ihn bis zum Mäuseturm bei Bingen, wo sie ihn auffressen. Eine Mausheilige war die hl. Gertrud, die im krainischen Bauernkalender und im Gertrudenbüchlein als Spinnerin dargestellt wird, an deren Rocken Mäuse und Ratten hinauflaufen, offenbar Seelen, denn man nahm an, daß die Seelen in der ersten Nacht nach dem Tode bei dieser Heiligen herbergten. Der Sinn dieses Tiermythus ist jetzt klar. Auf ihrer Suche nach Seelenbildern stellte die Phantasie einen überraschenden Zusammenhang zwischen Tier und Mensch, einem kleinen Haustier und dem Edelsten, was er hat, seiner Seele her. Schon von den Indogermanen wurden jene der menschlichen Wohnung anhänglichen Erdtiere als Seelen der Toten des Hauses gedacht. Sie gehörten zum Ingesinde als einflußreiche Ahnengeister, mit deren Wohl und Wehe das der Nachlebenden auf das innigste verknüpft war. Daher die freundliche Pflege und die Furcht, sie zu verletzen oder gar zu töten. So erhob sich das Tierlein mehr und mehr zum Heros, Genius, Schutzgeist der Person und des Hauses. Aus dieser und ähnlichen Seelenvorstellungen erwuchs der namentlich im Norden so reich ausgebildete Glaube an die Folge- und Schutzgeister (siehe unten). Aber die Verwandlungsfähigkeit der Seele ist eine viel mannigfaltigere. Mochte sich der gemeine Mann mit einem Weiterleben als Haustierchen begnügen, so verlangte die Seele des Vornehmen für ihr öffentliches Auftreten vornehmere Tierformen. In Griechenland zeigte sich der wieder erwartete Ahnherr, der Heros, hier und dort in Wolfsgestalt, in eben dieser oder in Bärengestalt die Fylgja oder der Schutzgeist tapferer Nordleute. Während der kühne Bjarki noch schlummert, kämpft seine Fylgja schon vor seinem Zelte draußen in der Schlacht als Bär, um zu verschwinden, sobald er auf gewacht heraustritt. Die Traumseelen in Tierform schweben dann auch in die Träume Anderer, in denen das Schicksal ahnungsvoll auf steigt. Kriemhild träumt von ihrem Falken (Siegfried), daß ihn zwei Adler erkrallten (Hagen und Günther), und ähnlich sieht im Anfang der Gunnlaugssaga der träumende Thorstein auf dem Hausfirst einen schönen Schwan (Helga) sitzen, um den zwei Adler (Gunnlaug und Hrafn) kämpfen, bis sie beide im Streit tot herabfallen. Mit einem Falken aber (ihm selber) flieht endlich der Schwan davon. Öfter stürzen im Traum Scharen von Wölfen und Eisbären heran, welche Landesfeinde bedeuten. Andere Verstorbene nehmen je nach ihrem Charakter oder ihrer Lebenslage diese oder jene größere Tierform an. Den Bewohnern der Färöer und Rügens sind die ins Wasser sich werfenden rundköpfigen Seehunde Menschen, die sich ertränkt haben. Auf den Färöern kriechen sie in der Epiphaniasnacht mit ihren Menschenleibern aus dem Balg, um sich mit Tanz und Spiel in den Klippenhöhlen zu ergötzen. Nach dänischem Glauben legt der Seehund jeden neunten Tag seine Haut ab und wird ein Mensch. Auf der Tiroler Alm müssen Hirten, die ihr Vieh mißhandelten, nach ihrem Tode als Stiere, Säue, Hunde umgehen. Beim weinreichen Dorfe Oberflachs poltert das Gespenst eines unredlichen Trottenmeisters, das Trottentier, im Hause herum. Und viele Dorftiere, die abends in der Nähe der Dörfer dem Wandrer aufhocken und ihn irreführen in Kälber-, Hunde- und Schweinegestalt, sind die Seelen von Übeltätern, haben aber oft den Charakter von Wettergeistern. Auch lebendige Menschen können sich in Tiere verwandeln durch Zauberei. Die Königstöchter des eddischen Wielandsliedes machen sich zu Schwanjungfrauen, und der Iarl Franmar in dem einen Helgeliede nimmt Adlersgestalt an. Die bekannteste und schlimmste Tierform aber ist der Wolf. Er heißt althochdeutsch Weriwolf, bei Berthold von Regensburg werwolf, in England im Norden vargulfr (Verbrecherwolf), varulf. Noch heute sprechen wir vom Werwolf. Man schwankt, ob man den Werwolf als Mannwolf aus ags. ahd. Mann oder als Kleidwolf, Wolfsfellbekleideten aus ags. were, ahd. weri erklären soll. Für die erste Deutung spricht der griechische Werwolfsname: lykanthropos, Wolfsmensch, der bretonische denbleiz Mannwolf und vor allem der inselschwedische folkwarg Menschenwolf, ja auch der entlegenere, aber in seinem Wesen gleichartige indische „Menschentiger“. Die zweite Deutung empfehlen die altnordischen Ausdrücke ulfshamr Wolfskleid als Hülle des vargulfr und ulfhedinn wolfsbekleidet, das im ahd. Eigennamen Wolfhetan wiederkehrt. Auch der westfälisch-hessische Werwolfsname Böxenwolf d. h. Hosenwolf, wohl ein Wolf, der eigentlich Hosen trägt, spricht dafür. In Italien galt das allgemeine Wort Versipellis der Fell Wechsler, altnordisch hamrammr, der sein Kleid, sein Äußeres zu wechseln vermag. Das erste Zeugnis für Deutschland bringt Bonifacius im 8. Jahrhundert bei, wo er in einem Sermon verbietet, an Hexen und „ficti lupi“ d. h. fingierte Wölfe zu glauben; ausführlicher bekämpft Burkhard von Worms, wie es scheint, denselben Glauben an die sogenannten Parzen oder drei Schwestern, die einem Neugeborenen die Gabe verleihen könnten, sich jederzeit in einen Werwolf zu verwandeln. In einigen Familien galt diese Eigenschaft für erblich: ein gewisser Ulfhedinn hat einen Vater Ulfhamr und vielleicht noch einen Großvater Ulfhamr. Aber die nordische Sage von jenem geschilderten, selber so werwölfisch gesinnten größten Skalden, Egil Skallagrimsson, verbreitet noch mehr Licht über die unheimliche Art eines solchen Tiermenschen. Es ist des Dichters eigener Großvater Ulf, der vom ersten Morgengrauen an seine Wirtschaft mit kluger Tatkraft fördert und unablässig seine Knechte zur Arbeit antreibt. Abends aber kann ihn niemand zum Sprechen bringen, er wird in sich gekehrt und schlaftrunken. Nun zeigt er sich im Dunkel seines einsamen Lagers als hamrammr, er nimmt eine andere Gestalt an. Sein Arbeitsdrang erwacht von neuem, schlägt aber nun eine andre, furchtbare Richtung ein. Als Wolf fällt er mit unwiderstehlicher Stärke und Wildheit die Menschen draußen in der Nacht an. Ist die Wut gewichen, so liegt er andern Morgens tief erschöpft im Bette. Man nannte ihn von dieser abendlichen Vertierung Kveldülfr den Abendwolf. In der Wölsungensage legen zwei mit dicken Goldringen versehene Männer auf neun Tage Wolfsfelle an, um aus ihnen am 10. Tage herauszuschlüpfen und sie vor dem Schlaf an die Wand zu hängen. So finden Sigurds Vater Sigmund und Stiefbruder Sinfjötli diese Felle, ziehen sie über und fahren dann unter Geheul im Walde umher,

„mit Wölfen schwelgend und mit eisigem Atem Wunden saugend“.

Statt neun Tage muß der Werwolfsmensch nach pommerschen Sagen drei, sieben oder neun Jahre im Wolfsleib beharren. Sieben Jahre dauert diese Verwandlung in der Normandie, in Irland und Armenien. Nach deutschem Werwolfsglauben, der noch immer nicht im Norden und Osten (Hinterpommem), auch da, wo längst die Wölfe ausgestorben sind, erloschen ist, müssen namentlich die in den Zwölfnächten, zwischen Weihnacht und dem heiligen Dreikönigstage, geborenen Kinder Werwölfe werden. Die Kunst der Werwolfsverwandlung können auch, wie uns Burkhard von Worms soeben gelehrt hat, die Schicksalsweiber den Neugeborenen geben. Nach deutschem Aberglauben wird der siebente Sohn eines Ehepaares ein Werwolf, nach dänischem bringt die Frau, die sich behufs leichter Geburt eines Zaubers bedient, Knaben zur Welt, welche Werwölfe, oder Mädchen, welche Nachtmahren werden. Kenntlich im Norden sind die Menschen, die sich in Werwölfe verwandeln, an zusammengewachsenen Augenbrauen. Zum Werwolf kann sich derjenige selber machen, der einen aus Wolfsleder oder Menschenhaut verfertigten Wolfsgürtel um den Leib schnallt. Er geht nachts aus, um Menschen zu zerfleischen und Vieh zu verschlingen, der Böxenwolf springt den Leuten auf den Rücken. Die Nennung seines Taufnamens, oder ein Wurf von Stahl und Eisen über ihn weg, westfäl. Blankmaken genannt, oder eine gegen ihn gerichtete Degenspitze oder eine Verwundung entzaubert ihn. Doch wirkt die Verletzung oft nicht sofort, aber sie verrät ihn dann später, indem auch der wieder Mensch gewordene Körper an der entsprechenden Stelle die Wunde trägt. Eine Wolfsfalle, in die man drei Kreuze vom Holz von einem Osterfeuer steckt, fängt ihn. Verfolgt wird er wohl schon wieder zwar als Mensch im Bette angetroffen, aber noch hängt der Wolfsschwanz heraus. In Schleswigholstein galt er auch wohl als „gefroren“ d. h. unverwundbar. Im 16. Jahrhundert bis ins 17. hinein blühten die Werwolfsprozesse namentlich in Nord- und Mittelfrankreich, aber auch in Deutschland. Noch 1589 wurde in Köln Peter Stube, der Werwolf von Epprath, hingerichtet, weil er bekannte, in Wolfsgestalt 13 Kinder zerrissen und ihnen das Gehirn aus dem Kopf gefressen zu haben. 1610 wurden in Lüttich zwei Werwölfe wegen gleicher Untaten hingerichtet. Dieser allen europäischen Indogermanen und auch den indogermanischen Armeniern gemeinsame, dagegen bei den Persern und Indern nicht nachweisbare Glaube reicht hoch über die ältesten germanischen Zeugnisse in die Vorzeit hinauf. Schon das alte Griechenland kannte die Werwolfskrankheit, sie spielt schon in die Sage von dem altertümlichen Kultus des Zeus Lykaios hinein. Wer diesem Gotte auf dem hohen arkadischen Berge Lykaion ein Kind opferte, wurde zur Strafe in einen Wolf verwandelt. Enthielt er sich aber neun Jahre des Menschenfleisches, so nahm er im zehnten wieder Menschengestalt an, was an die neuntägige, beziehungsweise neunjährige Werwolfszeit bei den Germanen erinnert. Ferner stimmt zum deutschen Glauben, daß der neugriechische struppige, krallenbewehrte Kalikant-sare oder Werwolf, der wie der westfälische Böxenwolf jedem Begegnenden aufhockt und das Gesicht zerfleischt, ebenfalls in den Zwölfnächten geboren wird. Diese Zeit ist auch seine eigentliche Raubzeit, wie die der livländischen und polnischen Werwölfe. Während der russischen und rusinischen Weihnachtsfeier rennen in Wolfspelze Vermummte umher und peinigen in Haus und Hof, wen sie erhaschen, und auch in Deutschland gab es Leute, die sich in der Weihnachtszeit in Wölfe verwandelten. Der germanische Norden brachte noch eine eigentümliche Abart dieser halb wirklichen, halb eingebildeten Ver-tierung des Menschen hervor, den Berserkergang d. h. die Berserkerwut. Die Vertierung nahm nämlich in der Wikingerzeit, in der so viele Nordleute ihre Sache auf Raub und Mord und Krieg stellten, einen militärischen Charakter an. Die Berserker d. h. Bärenkleider waren Soldaten, die statt des Panzers ein Bärenfell trugen. Angesichts des Feindes überkam sie eine unsinnige Kampfeswut, die ihnen ungewöhnliche Stärke und außerdem Empfindungslosigkeit gegen allen Schmerz verlieh. Sie scheuten weder Eisen, noch Feuer, zerbissen den Rand ihrer Schilde, stürzten sich mit geschwungenen Schwertern gleich Wölfen heulend in die Schlacht und hieben, was ihnen in den Weg kam, Menschen oder Bäume, nieder. Nach einem solchen Ausbruch fielen sie, wie nach einer schweren Krankheit, in tiefe Erschöpfung. Wie aus dem Krieg, machten sie aus dieser Wut ein Gewerbe und verdangen sich bandenweise dem Könige, der am meisten bot. Die zwölf Berserker des sagenhaften Dänenkönigs Hrolf Kraki kämpften bald an der sächsischen Grenze, bald auf dem Eise des schwedischen Waenersees. Noch Harald Schönhaar um 900 hatte Berserker, die über ihren Panzern Wolfspelze trugen, in seinem Dienst, und sein Skalde Thorbjöm Hornklofi feierte diese brüllenden Helden samt dem Hofnarren und dem Lieblingshunde des Königs. Aber obgleich sie sich oft als Schützlinge Odins ausgaben, wurden sie von den übrigen „Kämpen“ mit Mißgunst oder gar mit Verachtung angesehen. So verrauchte die alte wilde Leidenschaft in einer anmaßlichen gewinnsüchtigen Schauspielerei, und was einst vielleicht mehr eine Plage der Ergriffenen gewesen war, wurde nun zu einer schlimmeren Plage ordentlicher Leute. Darum straften die Isländer mit Recht den Berserkergang mit Friedloslegung, wenn aucht nicht mit völliger. Deute ich eine Stelle im Paulus Diakonus 1, 11 richtig, so hätten Südgermanen schon Jahrhunderte vor der nordischen Wikingerzeit solche Krieger gekannt. Als nämlich die Langobarden auf ihrer Wanderung nach Süden auf die Assipiter stießen und die große Zahl dieser ihrer Feinde und ihre eigne geringe sahen, da sprengten sie listig aus, sie führten Hundsköpfe im Lager bei sich d. h. ungeheure Menschen mit Hundsköpfen, die nach Menschenblut dürsteten und, wenn sie keinen Feind erreichen könnten, ihr eigenes tränken. Der aus der gelehrten Literatur des Plinius und Solinus bekannte Name der Kynokephalen, eines fabelhaften hundsköpfigen Volkes, ist an die Stelle der in Wolfs- oder Bärenfell gekleideten langobardischen Vorkämpfer getreten. Im bayrischen oder Tiroler Raufer, der, wenn er keinen Gegner findet, wie ein Stier den Rasen ausrauft, lebt die alte Kampfeswut fort. Auf diese Nachtseiten menschlichen Geisteslebens fällt vom Seelenglauben her einiges Licht. Denn der eingebildete Wechsel der Hülle oder des Überwurfs, das alt nordische „hamskiptast“, woran das deutsche „Ausderhautfahren“ anklingt, deckt sich im wesentlichen mit der griechischen Ekstasis, dem Austritt nämlich der Seele aus dem Körper. Verläßt die Seele diesen im Tode dauernd, im Traume oder auch in der Ohnmacht vorübergehend, so macht sie sich auch in der Verzückung frei von ihm oder wird vielmehr seine Herrin. Sie reißt ihn mit sich in ihr neues fremdartiges Treiben hinüber. Der tief eingewurzelte Wahn, daß bei Tod und Traum die Seele eines kampflustigen Mannes als Kampftier, Wolf oder Bär, zum Vorschein komme, mochte im aufregenden Dunkel des Abends einen ruhelos tätigen Mann dazu aufstacheln, sich selber in ein solches Tier verwandelt zu fühlen. Er mochte seinen Sinnen und Gliedern eine melancholische Wildheit aufzwängen, wie sie den Wolf zu erfüllen schien, wenn er in der Stille der Nacht einsam die Herde würgte. Von demselben Wahn beherrscht konnten Leute das nächtliche Treiben ihres rücksichtlos rührigen Herrn leicht nach dieser Richtung hin deuten und seine etwaigen Erzählungen für wahr halten. Bis wie weit die Wirklichkeit dem Glauben entsprach? Man behauptet, den Werwolf könne man morgens mit bleichem Gesicht und Blut im Bart heimkehren sehen. Hieß doch auch der Verbannte, der wegen Friedensbruchs aus der menschlichen Gesellschaft Gestoßene, schon bei den Goten und den salischen Franken ein Warg, ein Wolf, oder ein Waldgänger, der im dunklen Wald ein Wolfsleben führte, ein Wolfshaupt, ags. wulfes heäfod, trug und überall auch im Heiligtum als „vargr i veum“, Wolf im Tempel, gehetzt wurde, gehetzt, so weit der Himmel sich wölbt und Menschen wohnen. Denn Bär und Wolf sind nach dem altnordischen Gesetz, wie nach dem Sachsenspiegel überall, selbst im Bannforst, friedlos. Die Werwölfe trieben in der dunkelsten Zeit des Jahres, in den Zwölf nächten, ihr Unwesen oder waren in dieser Zeit geboren. Legt ein Werwolf am 9. Tage oder auch erst im 3., 7. oder 9. Jahre sein Fell ab, so hängt das wieder mit dem Seelenglauben zusammen. Soeben ist mit geteilt worden, daß der in einen Seehund verwandelte Ertrunkene jeden neunten Tag seine Haut abstreife, um wieder Mensch zu werden, und überhaupt pflegt der Verstorbene, insbesondere der vorzeitig Verstorbene, am neunten Tag nach seinem Tode in Deutschland wie in Altgriechenland wiederzuerscheinen, wann nämlich die Zeit der ersten Versöhnungsopfer für die Toten abläuft. In Pommern heißen solche Wiedergänger Neuntöter, weil ihr werwölfisches Treiben neun Jahre dauert, ein Zeitraum, den in Griechenland die Selbstverbannung, das Wolfsleben, nach einem Morde erheischte. Ja der aus dem Grab gestiegene Wiedergänger geht mm geradezu als Werwolf um, wie im Jahre 1685 der verstorbne Bürgermeister von Ansbach. Die umgehende Leiche also nimmt nun wirklich die Gestalt des zauberisch verwandelten lebenden Menschen an. In Pommern namentlich werden nicht zur Rechenschaft gezogene Verbrecher nach ihrem Tode Werwölfe, die sich von Menschenfleisch nähren, sowie in der Normandie die Leichen Verdammter in Werwolfsgestalt Sarg und Hügel durchbrechen. Der englische König Johann ohne Land soll nach seinem Tode ebenfalls als Werwolf umgegangen sein. Wenn nun außerdem in Danziger Sagen dieser Gräberwerwolf zum Vampyr wird, so erkennt man wiederum, in wie alten Geleisen dieser düstre Glaube fährt. Denn der griechische Heros kehrt auch in Wolfsgestalt wieder und verübt Vampyrtaten. Auffallend erzählt die inselschwedische Sage, daß die Wölfe die Wiedergänger zerreißen, wo sie dieselben nur finden. Als ob sie in ihnen Nebenbuhler witterten. Die Berserkerwut aber gleicht mehr jener Ekstase der Bacchantinnen, die in der nächtlichen Feier des thrakischen Gottes Dionysos durch heftige Wirbeltänze zur Raserei gesteigert wurde. Mit geschwungnen Dolchen oder Thyrsosstäben, Schlangen würgend und zerreißend, trugen sie Feuer auf ihrem Lockenhaupt, ohne dessen Brand oder eine andere Wunde zu empfinden, und zerrissen mit ihren Zähnen das blutige Fleisch der Opfertiere, bis auch sie erschöpft zusammenbrachen. Hier haben wir die weibliche, griechische, dort die männliche, nordische Form der Ekstase; der wilde Tanz ist hier, der wilde Kampf dort die Triebfeder der Raserei. Von dieser Episode aus dem Seelentaumel Lebendiger rufen uns nun die Seelen der Toten wieder zu sich zurück. Denn außer dem Reiche der Lüfte und dem der Tiere sucht die Seele sich auch noch die gleichsam mitteninne liegende Pflanzenwelt dienstbar zu machen, diese jedoch nur mit halbem Erfolg. Die Bäume und Büsche, die um die Wohnung wuchsen, gehörten zwar auch, fast wie die Haus- und die besprochenen Seelentiere, mit zur Familie. Aber auf einen Fleck gebannt, zeigten sie doch kein ausreichendes Maß der Lebendigkeit, daß auch sie für wirkliche, vollgiltige Seelenverkörperungen gelten konnten. Um so besser eignete sich ihr dichtes, bald stummes, bald leise flüsterndes oder laut rauschendes Laub zum Aufenthalt der Seelen, namentlich solcher Verstorbener, die von ihrer heimlichen grünen Warte herab das Wohl der hinterbliebenen Ihrigen wachsam behüteten. Am längsten hat sich diese gewiss einst gemeingermanische Vorstellung im schwedisch-norwegischen Värd-oder Boträd Wacht- oder Hausbaum erhalten. Wir erinnern uns des Word, wie er als Schlange oder auch als Licht oder als des Menschen Scheinbild, also immer als Seele, sich offenbart, und der Boträd wird auch geradezu der Baum der Tomtegubber, der Gehöftsahnen, genannt, die im altschwedischen ,Seelentrost‘ sogar (tadelnd) Tomtegudha d. h. Gehöftsgötter heißen. Ein solcher Baum wurde durch Opfer und Gebet geehrt und von Schwangeren in ihrer Not umklammert, nicht weil er selber eine Seele oder ein Gott, sondern weil er der Sitz einer Ahnenseele, eines Schutzgeistes des Hauses, war. Darum leiteten manche schwedische Familien von einem solchen Baum ihren Namen ab, unter andern von einer dreistämmigen Hoflinde die drei Familien Lindelius, Tiliander (d. i. Lindemann) und die weltberühmte des Linnaeus oder Linn6. Aber der Glaube an eine eigentliche Verwandlung der Seele in einen Baum oder eine Blume, den Koberstein für altindogermanisch hält, scheint ein später zarter Seitenschößling des markigen Wiedergängerglaubens zu sein. Hin und wieder hört man z. B. von drei verfluchten und vom Blitz erschlagenen Jungfern, deren Seelen in drei große Bäume fuhren. Nach vielen Volksliedern und Ortssagen sprießen die Seelen Ermordeter oder unschuldig Gerichteter oder jung gestorbener Liebender aus dem Grabe oder dem hinströmenden Blut als weiße Lilien, rote Rosen, Myrthen und Epheu, ja als Eichen und Ebereschen hervor. Ruhen zwei Liebende darunter, so neigen und verzweigen sich die Gewächse, ,wär’n gern einander nah‘. In der englischen Ballade von Margret und William klettern die Rosenranken aus ihrer Brust sogar bis zur Turmspitze der Kirche, in der sie begraben liegen, empor und verschlingen sich hier in einen Liebesknoten.

„Das Gemüt vermag es nicht zu tragen, daß zwei jugendliche Wesen, deren Dasein soeben eines in dem andern erst erfüllt und vollendet werden sollte, so auf einmal auseinandergerissen oder beide zugleich der Zeitlichkeit entrückt sein könnten. Es ruft die Phantasie zu Hilfe, daß sie aus dem Tode ein neues Leben hervorgehen lasse, in dem sich das alte fortsetze, an das sich das Gemüt sinnlich halten, das es anschauen könne“.

Man könnte auch in den Grabesblumen gewaltsam oder unschuldig Getöteter ununterdrück-bare Zeugen der Unschuld sehen, die das von einer späteren Naturauffassung Tieren und Pflanzen beigelegte Mitgefühl unwiderstehlich aus der Unglücksstätte hervorgetrieben hätte. So wächst denn auch hinwiederum an solchem Ort kein Gras, und eine Fichte bleibt dort stets klein und dürr. Trostlose Trauer hängt darüber wie eine ewige Strafe. Aus dem Munde eines in der Schlacht gefallenen Königs wächst eine hohe Eiche, aus dem Grabe eines Selbstmörders ein Dornbusch oder eine Distel. Unter den alten Hagebuttensträuchem der nordfriesischen Gräber hausen Wiedergänger. Alle bisher besprochenen Seelenformen überbot an tiefer Gemütswirkung und poetischer Triebkraft weitaus die Erscheinung der Seele in Menschengestalt. Aus dem Traumbild oder auch dem wachen Phantasiebild, wie es im gram oder schreckerschütterten Gemüte der Überlebenden nach dem Tode eines verehrten, geliebten oder eines gefürchteten, gehaßten Angehörigen aufzusteigen pflegt, wurde ein mit voller Lebensgröße des Verstorbenen ausgestatteter Geist. Zuweilen schwebt er nur als ein Schatten vorüber wie der Geist von Hamlets Vater. Öfter aber ist der Wiederkehrende von Grabesdunst umwittert, entstellt oder verklärt, abgeblaßt oder gedunkelt, zuweilen ins Riesenhafte ausgereckt. Bald schwebt er still und flüchtig herbei, bald tritt er mit festem Fleisch und Bein in seiner leibhaftigen Gebärde und mit seiner Gemütsart mitten unter die Menschen, namentlich nach nordischer Sage mit übermenschlicher Höllenkraft ausgerüstet. In ihm, dem meist furchtbaren Heimsucher, aber auch wohl dem Helfer und Tröster der Überlebenden, dem phantastischen Wiedergänger, hat der Seelenmythus seinen höchsten, gleichsam klassischen Typus geschaffen und zugleich eins der wertvollsten Zeugnisse urältester Menschenkunde hinterlassen. Der an die Elemente, Tiere und Pflanzen geknüpfte Seelenglaube hatte entweder einen unbestimmten oder doch einen überwiegend ruhigen idyllischen Charakter, der Wiedergängerglaube legt wie kaum ein andrer das innerste Wurzelwerk der ältesten menschlichen Seele bloß. Aus ihm strömt eine leichenduftige und doch zum Leben drängende Poesie hervor, welche die ganze Tonleiter menschlicher Gefühle von der jämmerlichsten Gespensterangst durch die heißesten Gewissensqualen und die ergreifendsten Muttersorgen hindurch bis zu dem andachtsvollen Schauer durchläuft, den auch wir vor einer überirdischen Geistermacht empfinden. Der Ursprung dieses wilden, lebenssehnsüchtigen Glaubens, der doch auch ausnahmsweise so innig und zart sein kann, liegt in jener fernen Steinzeit, wo man die Toten, ihre ganzen Leiber, begrub, nicht in der späteren Zeit des Leichenbrandes, der nur ein paar Knochen in einem Häufchen Asche zurückließ. Er liegt in jener Zeit roher Gewalttat, Blutrache und Selbsthilfe, in der der Mörder nach seiner Untat zwar Gewissensangst nicht empfinden mochte, wohl aber das verwandte unbezwingbare Gefühl, daß der Gemordete ein Recht auf Vergeltung habe und zuraal, wenn dieser keine rächenden Erben besaß, als Ungesühnter sich selber zu blutiger Sühne erheben müsse. Denn seine ergrimmte Seele lebte und vermochte den begrabenen Leib zu vorübergehendem Nachleben mit sich fortzureißen, wie die Werwolfsseele den lebendigen in die ihr entsprechende Gestalt zwang. Aber nicht nur Ermordete kamen wieder, sondern alle, die im Leben oder im Tode nicht ihr Recht bekommen hatten, die, vor der Zeit gestorben, vom Leben nicht lassen wollten, oder die ungenügend bestattet waren. Wiederum liegt uns in der Wiederkehr solcher Toten ein indogermanisches Glaubensstück vor. Schon im alten Indien plagten Wiedergänger ihre Hinterbliebenen und fuhren die Seelen ungeborener Kinder als Blutsauger um. Die Preta d. h. die Hingegangenen irrten zunächst hungernd auf Erden umher, bis sie durch ein besonderes Opfer zu den Pitaras oder Ahnen ins Jenseits geführt waren. Die Pitaras aber schützten oder straften ihre Nachkommen, je nachdem sie geehrt oder vernachlässigt wurden. Ein aus Kummer über die Untreue seiner Frau gestorbener Mann kommt jede Nacht, sie zu peinigen. Doch man verwarf den Glauben, daß Hausväter nach ihrem Tode als Dämonen ihre Gräber auf suchten. Für das Kastenwesen ist dieser alte Glaube verwertet, wenn im Mahabharata die Brahmanenhasser nach dem Tode zu Unholden werden. — Die Perser dachten offenbar ähnlich. Denn Xenophon scheint ihren Glauben richtig aufgefaßt zu haben, wenn er den sterbenden König Kyros daran erinnern läßt, daß die Seelen derer, die Unrecht erlitten, den Mördern Schrecken einflößten. In Griechenland spielte der Glaube an die Wiederkehr der Toten in verschiedenen Farben. In der Ilias fleht die Seele des Patroklos, in Euripides’ Hekuba der Schatten des ermordeten Polydoros um Bestattung, beide, weil sie Ruhe finden möchten. Nach Hesiod werden die Menschen des ältesten, goldenen Geschlechts nach ihrem Tode Dämonen auf der Erde, Wächter der Menschen, die ,in Nebel gehüllt‘ d. h. unsichtbar Recht und Unrecht beobachten. Plato gab, wenn er auch etwas von seiner Philosophie hineinvernünftelte, doch deutlicher den volkstümlichen Grund der Unruhe gewisser Toten an. Seelen, die ihre Sinnlichkeit nicht ablegen, meint er, umschweben längere Zeit ihre Gräber, da die sinnliche Leidenschaft die Seele wie mit einem Nagel an den Körper hefte und sie selber fast körperlich mache. Der Gemeinglaube aber kannte zwei große Klassen von Wiedergängem, nämlich die Aoroi, die vor der Zeit Gestorbenen, und die nach dem Tode Vernachlässigten. Zu jenen gehören die eines gewaltsamen Todes, sowie die kinderlos oder unverheiratet Gestorbenen, zu diesen die Unbestatteten, auch die ohne die gebührlichen Totenopfer Gelassenen. Was ihnen lebend oder tot entzogen wurde, suchen ihre Seelen einzubringen, indem sie entweder einzeln als rachgierige Irrgeister Alastores umgehen oder scharenweise im Heer der Hekate beängstigend einherziehen. Namentlich die Heroen mit ihrem reizbaren Ehrgefühl machen gefürchtete Angriffe auf ihre Beleidiger. Sie quälen mit vampyrartigem Alpdruck, stürzen ganze Familien ins Verderben, erwürgen jeden, der ihnen begegnet, und verhängen sogar über weite Landschaften Dürre und Seuche. Darum spielen sie im Zauberwesen einst wie heute eine bedeutsame Rolle. Aus dem Grabe trieb es noch die widerwillig zum Christentum bekehrte „Braut von Korinth“, den ihr genommenen heidnischen Bräutigam zu umarmen und seines Herzens Blut zu saugen. Der neue Glaube vermochte nicht diesen mächtigen Zug nach Vergeltung und Befriedigung zu ersticken : die Manes, die Ahnen, auch noch christlicher Römer wurden durch Rachsucht oder Mitleid auf die Oberwelt zurückgeführt. Bei allen Germanen hieß oder heißt dieses Wesen der Wiedergänger, französisch reve, oder allgemeiner Gespenst, Draugr, Trugbild, mundartlich , Nachsehr er, Neuntöter. Sein Tun ist der Wiedergang, der Nachspuk, das Umgehen. Groß ist die Schar der germanischen Wiedergänger: Ermordete, Ertrunkene, Verhungerte, Liebende, Kindbetterinnen und diejenigen, die in ihrer Sterbestunde nicht den Beistand ihrer Söhne oder nicht ein ehrliches Begräbnis gefunden haben; aber auch solche, denen noch im erkalteten Herzen der Gedanke an ihre Untat oder auch die Sorge um Hab und Gut brennt, oder denen ein Gelübde oder auch die Lust am Saus und Braus der Jagd keine Ruhe läßt, oder Kinder, die hilflos oder, wie man später sagte, ungetauft dahingerafft sind. Nach diesen ihren verschiedenen wirklichen Schicksalen gestaltete sich das Nachschicksal, das Schein- und Trugleben des Wiedergängers, das ihn rächen, sühnen, trösten, befriedigen, schadlos halten soll, sehr verschieden. Und so bekommt jeder dieser so schroff abgerissenen Lebensläufe ein meist unheimliches, zuweilen aber unsäglich rührendes Nachspiel; der schrille Schlußakkord ihres Lebens klingt noch einmal dumpf wider. Die ältesten Wiedergänger scheinen die Seelen von Ermordeten und Mördern gewesen zu sein, von denen der eine den andern zum Bruch der Grabesruhe aufregt. Schon die bloße Nähe des Mörders, des „Mortmeilen“, macht das starre Blut des auf der Bahre liegenden Erschlagenen fließen. Als Hagen an Siegfrieds Bahre trat, „flössen die Wunden sehr“. Als Richard Löwenherz sich der Leiche seines königlichen Vaters näherte, da brach aus dessen Nase das Blut hervor, als ob es zu Gott über den schreien wollte, der für die Ursache seines Todes gehalten wurde. Im Jahr 1503 troff das Blut einer aufgegrabenen Baslerin durch die Bahre, als ihr Mann ihre Ermordung abschwören wollte. Der schon indische Glaube an dieses in Mitteleuropa freilich erst in den französischen Artusromanen des 12. Jahrhunderts bezeugte Bahrgericht scheint im badischen Volke selbst heute noch nicht ganz erloschen. — Ermordete und andere Verunglückte müssen nach ostdeutschem Glauben so lange umgehen, als sie noch hätten leben können. Nach altnordischem Gesetz begrub man mit Tod gestrafte Verbrecher auf der Flutgrenze, als ob das wiederkehrende Wasser seine Wiederkehr hindern solle. Die Bedeckung, das Hüllen „hylja“ der Leiche, wurde später im Norden gesetzliche Pflicht eines jeden, der den Leichnam fand; sogar der Mörder hatte sie an seinem erschlagenen Gegner zu erfüllen. Unterließ er sie, so wurde er eben deswegen geächtet und fühlte sich selber der Rache des wiederkehrenden Gemordeten mm aus doppeltem Grunde preisgegeben. Nach dem angelsächsischen Gesetz soll der Mörder dem Getöteten nichts nehmen, sondern ihn auf den Schild legen, das Haupt nach Westen, die Füße nach Osten gerichtet. Mit solcher Strenge wahrte das bajuwarische Volksrecht die Unverletzlichkeit der Toten, daß selbst derjenige, der beim Wegschießen der Aasvögel die Leiche mit dem Pfeil verwundete, in Todesstrafe verfiel. — Unter den Mördern sind vorzugsweise die Selbstmörder zur Wiederkehr geneigt; sie müssen fort und fort nach dem Ort ihrer Entleibung hinwandeln, der für so unheimlich gilt, daß man dort nicht ruhig sterben kann. Nach altschwedischem Gesetz sind sie zu verbrennen, damit sie nicht nach ihrem Tode andres ehrliches Volk heimsuchen. Geschwächt kommt der Wiederkehrsgedanke zu neuerem Ausdruck, wenn die Hand des Vatermörders, ja des Kindes, das nach den Eltern geschlagen hat, sowie die des Meineidigen, Diebes, Baumfrevlers sich aus dem Grab emporstreckt. — Ertrunkene wollen ihr Teil am Totenmahl: so tritt der ertrunkene Isländer Thorodd noch naß mit seinen Unglücksgefährten neun Tage nach seinem Untergang in die Halle, wo man bereits zu seinem Totengedächtnis das Erbbier trinkt. So behält auch in Schwaben das Wasser den Ertrunkenen neun Tage, um ihn dann wieder auszuwerfen. In Steiermark wandelt der Ertrunkene so lange in der Nähe seiner Unglücksstätte, bis er einen verlockt hat, ebenfalls zu ertrinken. — Furchtbar rächen sich die nicht gebührlich Bestatteten. Nach der altisländischen Eyrbyggjasaga schieden eines Abends der herrische Thorolf und sein Sohn in Groll von einander. Heimgekommen setzte sich der Alte in seinen Stuhl, sagte nichts, aß nichts; seine Leute gingen schlafen. Als sie andern Morgens wieder eintraten, sitzt Thorolf noch immer da — tot! Als der herbeigerufene Sohn bemerkt, wie das Gesinde über den auf dem Antlitz des Toten lagernden Unmut erschrocken ist, nähert er sich dem Stuhle von hinten, zieht den schweren Greis rückwärts auf seine Schultern und schlägt seinen Mantel um dessen unversöhntes Haupt. Darauf läßt er die Wand durchbrechen, und durch das Loch, das dann wieder geschlossen wird, schleift er ihn ins Freie. Wozu das alles? Zu der germanischen Totenbesorgung, den nordischen „näbjargir Totenhilfen“, wie zu den griechischen gehörte es, gleich nach dem Eintritt des Todes dem Verstorbenen die Augen zuzudrücken, wie es scheint, damit nicht der unheimlich gebrochene Blick als „böser Blick“ Unheil stifte. In Deutschland belegte man noch dazu Augen und Mund mit einem Sternchen oder Geldstück, das ursprünglich ebensowenig wie die griechische Beigabe des Naulon oder Fährgelds für einen unterirdischen Fergen bestimmt, sondern eine Geldabfindung für den Toten war. Dem gefürchteten Verstorbenen zog man in anderen altnordischen Sagen auch eine Haut über den Kopf. Ähnlich wie den Thorolf im Norden, schleifte man in Deutschland einen toten Missetäter unter der Schwelle hindurch, damit er den Heimweg nicht fände, ja noch heute wird hie und da aus demselben Grunde die Leiche nicht durch die Türe, sondern durch das Fenster hinausgebracht. Aus Furcht vor der Wiederkehr bricht man auch im fernen Indonesien eine Öffnung durch die Mauer. Aber den vernachlässigten Thorolf bezwangen alle solche Vorsichtsmaßregeln nicht; nach Sonnenuntergang tobte er furchtbar unter Mensch und Vieh und verwüstete selbst den Acker, bis er umgebettet und sein neues Grab hoch umzäunt wurde. Viele brechen ihren eigenen Grabesfrieden aus unstillbarer Kampfbegier, Waidlust, Habgier und aus Geiz. Gleich den marathonischen Kämpfern erheben sich die Gefallenen der katalaunischen Schlacht zu neuem Waffengange. Hilde, Högnis Tochter, weckt auf der Insel Haey durch Zauber die samt ihren Waffen zu Stein gewordenen Erschlagenen wieder auf, und so sollen sie immer wieder kämpfen bis zur Götterdämmerung. Nach einer deutschen Sage sprangen einmal Tote aus den Gräbern den Ihrigen bei, als diese schon unterliegen wollten. Leidenschaftliche Jäger, später namentlich solche, die ruchlos den Feiertagsfrieden nicht geachtet haben, gesellen sich als Wiedergänger der wilden Jagd bei. Leidenschaftliche Hauswirte kommen wieder. Der Isländer Vigahrapp ließ sich dicht unter der Küchentür stehend begraben, um von dort aus nach seinem Tode die Wirtschaft bequemer überwachen zu können. Weil ihm aber die Knechte nicht genügten, quälte und tötete er sie voll Zorns, ja er verödete dann seine ergibigen Äcker, Lachs- und Seehundweiden. Darum grub man ihn wieder aus, verbrannte ihn und streute seine Asche ins Meer. Milder als der Isländer verfuhr der Geist eines oberschwäbischen Bauern, der seiner Kinder wegen gern nach Scheuer und Stall schaute und jeweils den saumseligen Knechten eine „Humse“ Ohrfeige versetzte. Fridthiofs Vater will dem Grabe seines Königs gegenüber am Strande begraben sein, daß sie sich bequem über den Fjord hinüber zurufen können, wenn Wichtiges bevorsteht. — Endlich haben Geizhälse, Wucherer, Betrüger, Wortbrüchige, ja in Norwegen selbst Trunkenbolde und Spötter keinen Grabesfrieden, sondern gehen um. Zumal in den langen Winternächten um Weihnachten. Da läßt sich der gottlose Fastenverweigerer anfangs undeutlich sehen. Die Kühe, die ihn erblicken, werden wild und stoßen einander, die Menschen verlieren den Verstand, mit zerbrochenen Knochen findet man sie am andern Morgen. Und selbst der furchtloseste aller Menschen, Grettir, ist einer Ohnmacht nahe, als er den von ihm besiegten Wiedergänger bei seinem Fall seine grauen Augen starr auf den Mond richten sieht. Um ihn dann unschädlich zu machen, wird sein abgeschlagener Kopf gegen seinen Hintern gesetzt und auf „kalten Kohlen“ verbrannt. Mit versöhnendem Glanz leuchtet in dieses Reich düsterer Vorstellungen die Liebe hinein, die Brautpaars-, die Gatten- und die Mutterliebe. Die Mitglieder eines eng verbundenen Menschenpaars treibt es zu einander, aus dem Leben zum Tode, aus dem Tode zum Leben, mit unwiderstehlicher Sehnsucht, mit unverbrüchlicher Treue. Der Wiedergängerglaube verklärt sich zu imvergänglicher Poesie. Im zweiten Eddaliede von Helgi, dem Hundingstöter, nimmt Odin den gefallenen Helden in Walhall auf. Aber es wird ihm eine „Heimfahrt“ erlaubt, und die Magd seiner Witwe Sigrun sieht ihn mit stattlichem Gefolge zu seinem Grabhügel reiten und berichtet der Herrin, das Grab Helgis sei offen, der Fürst sei gekommen und bitte sie, das Bluten seiner Wunden zu stillen. So ging denn Sigrun ins Grab zu Helgi und sprach:

„Nun will ich küssen dich leblosen König, Bevor du die blutige Brünne abwirfst. Dein Haar ist, mein Helgi, von Reif durchdrungen, Ganz bist du von Leichentau bespritzt.“

Darauf er:

„Du allein verschuldest, Sigrun von Sefafjöll, Daß Helgi mit Leidestau benetzt ist. Du weinst, Goldgeschmückte, grimme Zähren, Du Sonnenhelle, eh’ schlafen du gehst. Jede fällt blutig auf die Brust des Helden, Naßkalt, tiefdringend, kummerschwer.“

Und nun trinken sie zusammen im Hügel köstlichen Trunk, und selig ruht sie die Nacht dem Toten im Arme, bis es Zeit für ihn ist, auf fahlem Rosse die morgenroten Himmelswege zu reiten. Es war ein alter, mm den alten Weibern überlassener Glaube — so heißt es in einem Prosazusatz zum Gedicht —, daß die Beiden wiedergeboren seien, er als ein anderer Helgi und sie als Kara. Es ist der höchste Schluß des Wiedergängertums, der auch noch hie und da im Norden gezogen wird: die Wiedergängerseele kommt nicht zu einem bloß scheinbaren, sondern zu einem vollen neuen Leben wieder. Und zwar kann sie auch nach dem Prosazusatz in einer andern Person wiedergeboren werden, sich also auf die Seelenwanderschaft begeben. Denn auch die Seelenwanderung war dem Norden nicht ganz fremd. Das Gedicht aber gibt der alten einfachen Wiedergängersage, die offenbar an das irdische Grab als alleinigen Wohnsitz des Toten gebunden war, ebenfalls eine andre neue Wendung. Sie spielt sich nun, der Einheitlichkeit des Schauplatzes beraubt, auf dem prunkvolleren Hintergrund des später erfundenen Totenreiches, der Walhalla, ab. Das germanische Volkslied aber bewahrt überall die ältere einfachere und wohl ergreifendere Fassung. Der dänische Ritter Aage kehrt aus dem schwarzen Grund zu seiner herzwunden Braut Else zurück die ihn fragt, wie es in seinem Grabe sei, indem sie unter Tränen seine welken Haare kämmt. Er antwortet:

„Jedesmal daß du dich freuest, Und dir ist froh dein Mut, Da ist mein Sarg gefiillet Mit Rosenblättern rot: Jedesmal daß du voll Sorgen Und dir ist schwer dein Mut, Da ist mein Sarg gefiillet Ganz mit geronnenem Blut.“

So folgt sie dem wieder Versinkenden in den schwarzen Grund, sowie in Schottland Margarete, bis an die Kniee geschürzt, dem Geist ihres Wilhelm durch die lange Wintemacht nacheilt, bis der Hahn kräht und er verschwindet im Nebel und läßt sie ganz allein. Da bricht ihr holder Leib tot zusammen. Und mm steigt vor uns jenes unvergleichliche Stimmungsbild des deutschen Volksliedes auf, aus dem Bürgers Lenore hervorgegangen ist: Der Mond scheint so helle, Die Toten reiten schnelle. „Feins Liebchen, graut dir nicht?“ Im Volkslied des mährischen Kuhländchens nässen die Tränen der Witwe das Hemde des Eheherrn im Grabe so sehr, daß sie, wie sie davon hört, hineindringt, um immer bei ihm zu bleiben. Umgekehrt kommt in Pommern die heißgeliebte Frau allnächtlich aus ihrem Grabe ans Bett ihres Gatten, um ihm freundlich zuzusprechen, bis er eines Morgens auf ihrem Grabe gefunden wird, lang ausgestreckt, als ob er das Gras hätte küssen und mit seinen Armen umfangen wollen. Milder und behaglicher äußerte der Iarl Thorgnyr seine Anhänglichkeit an die verstorbene Gattin, wenn er gern auf ihrem nah bei der Wohnung gelegenen großen Grabhügel bei guter Mahlzeit saß, Rat erteilte und den Spielen zusah. Wie leidenschaftlich tanzt dagegen die tote Braut im Aargau auf dem Kreuzweg so lange fort, bis ihr der Bräutigam nachstirbt! Man mag sie im Wirbelwind, der die Kreuzwege liebt und Windsbraut heißt, zu sehen geglaubt haben. Alt ist auch die rührende Geschichte von der Wiederkehr der im Kindbett verstorbenen Mutter zu ihrem hinterbliebenen Kinde. Wochenlang kommt sie in jeder Mitternacht mit leisen Tritten, das Licht verlischt, und bald hört man das Kind an ihrer Brust begierig saugen, oder sie kocht ein Müslein und wäscht die Windeln. Sie wiegt und singt es ein, bei ihm wachend bis zum ersten Hahnschrei. In Oberelsaß tränkt die Mutter Gottes, auf die die Mutterpflichten übertragen sind, in stillen Nächten gütig das mutterlose Kindlein am Milchbrunnen. Dann lächelt es am Morgen in der Wiege mit seinem Milchbärtchen. In Schlesien bereitet man solcher Kindbetterin das Bett. Wo man aber ihre Wiederkehr nicht wünscht, breitet man die Windeln ihres Kindes, mit Steinen beschwert, über ihr Grab. So bleibt sie dort. Grausam hielt man zu Burchards Zeit, um das Jahr 1000, eine samt ihrem Kinde in den Wochen gestorbene Frau fern; man heftete beide mit einem Pfahl im Grabe fest. Auch ein imgetauft gestorbenes Kind durchbohrten Weiber mit einem Pfahl, damit es sich nicht aus dem Grabe erhöbe und Schaden anrichte. Nach der neueren Sage tritt das Kind in seinem Totenhemdchen vor der weinenden Mutter Bett und fleht:

„Ach Mutter, höre doch auf; ich kann in meinem Sarge nicht einschlafen, mein Hemdchen ist noch immer naß von deinen Tränen!“

Leichenpfählungen trafen nach Saxo Grammatikus auch den blutsaugenden Wiedergänger Asvit und sollen noch in neuerer Zeit in Pommern tote Kindbetterinnen und ungetaufte Kinder getroffen haben. Oder man trennte des Wiedergängers Kopf ab oder durchschlug ihm die Sohlen. Oder man grub ihn, wie Thorolf und Vigahrapp, wieder aus und verbrannte ihn. Erklärt sich daraus, daß so manchen Toten Kopf, Hände und Füße, abgeschnitten und verbrannt, neben den übrigen Gliedern beerdigt wurden und in andern Gräbern wiederum nur der Schädel vorhanden war? Das waren übrigens nicht besonders germanische Maßregeln, sondern z. B. die Griechen ergriffen gleich erbarmungslose. Die Inder legten der Leiche nur eine Fußfessel an, um sie an der Wiederkehr zu hindern. In Altgriechenland aber schnitt der Mörder wohl dem Erschlagenen einzelne Glieder ab, um ihn zu schwächen, und hängte sie sich um den Nacken. In Neugriechenland nagelte man die Hände und die Füße des Wiedergängers fest, oder man riß ihm das Herz aus, zerstückelte und verbrannte es, oder man verbrannte den ganzen Körper. Den Wiedergänger unschädlich zu machen, beabsichtigt auch der uralte weltweite Brauch, Steine auf eine Mordstätte zu werfen. Zauberer, Räuber, Geächtete, selbst noch nicht ganz tote, steinigten die Nordleute, tun sie von weiterer Untat abzuhalten, und warfen noch später beim Vorübergehen Steine auf solche Haufen in demselben Sinne. In Schweden fürchtete man andernfalls von dem Erschlagenen irregeführt zu werden. Nach oldenburgischem und voigtländischem Glauben schafft am besten eine tiefe Einsenkung der Leiche oder eine feste Rasendecke der armen Seele Ruhe. Ein geistigeres Mittel war die Beschwörung, mit der man in England Wiedergänger feierlich in die See und in Deutschland später ein Geistlicher in den Wald oder auf einen hohen Berg z. B. den Feldberg bannte. Aber nicht nur gegenüber den zur Wiederkehr durch ihr Schicksal bestimmten Toten, sondern auch gegenüber den unter gewöhnlichen Umständen Verstorbenen und gebührend Begrabenen überwog die Furcht oder doch die Vorsicht die hingebende Verehrung, die sich erst später und auch dann nur vorzugsweise unter den höheren Ständen breitere Bahn machte. Hingen doch auch die gutmütigen und ungekränkten Sterbenden so fest am Leben, daß ihnen schon jedes Bedauern der Anwesenden das Sterben schwer machte. Die Furcht war der Grundzug der altgermanischen Totenbehandlung, wovon Burchard von Worms ums Jahr 1000 das erste vollere Zeugnis ablegt.

Er erwähnt nicht nur jene schauerlichen Pfählungen von Mutter und Kind, sondern auch lustige Leichenwachen, Körnerverbrennen und Kammklappem im Sterbehause, Aufsetzen des Sarges auf die Mitte eines auseinander gezogenen Wagens, Schütten von Wasser unter die Totenbahre und anderes. Aber auch die Volksüberlieferung ist hier besonders reich und fest. Durch ganz Deutschland und auch im Norden wurde der Seele des Verstorbenen alsbald das Fenster zu freiem Davonflug geöffnet, wo sie nicht etwa leicht von der freien Diele aus durch ein Loch im Dache oder den Schornstein entkommen konnte. Jeder Topf wurde umgekehrt, daß sie unterwegs nicht unterschlüpfe, das Geschirr des Toten zerschlagen, daß es ihn nicht festhalte. Nichts im Hause durfte rundum gehen, kein Spinn-, noch Wagenrad, etwa tun ihn nicht aufzuregen. Andererseits wurde alle Frucht gerüttelt, Wein und Bier geschüttelt, damit das nicht abstände, alles Vieh im Stalle aufgejagt und diesem, wie auch den Bienen, ja selbst den Bäumen der Tod angesagt und alle Schlafenden im Sterbehause geweckt, damit sie nicht mitstürben. So lange der Tote auf seinem Bett oder auf Stroh oder auf einem Brett im Hause lag, mußte er durch die Leichenwache nicht nur behütet, sondern auch ergötzt werden. Sie dauerte schon im Nibelungenlied drei Tage und drei, jetzt meistens zwei Nächte, ln guter Laune sollte er von den Lebenden scheiden, auch vielleicht derbe Scherze ihr Grausen betäuben. Singen und Lachen, Tanz und Vermummung bei Leichenwachen hatten im 10. und 11. Jahrhundert Regino von Prüm und Burchard von Worms zu verdammen, und im 13. sah sich das alte Stadtrecht von Zwolle genötigt, die Zahl der Wächter auf zwölf Männer und nur vier Frauen zu beschränken. Die Kurfürsten von Köln wiederholten im 18. Jahrhundert ihre scharfen Verbote gegen die Gelage und unzüchtigen Spiele der Leichenwachen, die man noch neuerdings im westfälischen Sauerlande untersagte wegen ihrer Stelldichein und tollen Pfänderspiele. In Tirol und im Schwarzwald beten die Wächter meistens, aber sie spielen und trinken auch dazwischen und erzählen sich lustige Geschichten. Auch in Skandinavien dauern die Leichenwachen fort. Daß in dem Hause, wo ein Toter lag, nach Burchard Korn verbrannt wurde, scheint auch germanisch, wenigstens werden noch in Westfriesland, freilich mit Bezugnahme auf die Dreieinigkeit, drei Handvoll Gerstenkörner um den Toten ausgestreut, in deutschen Sagen wird Korn auf die Gräber geworfen, und man hat auch im Innern derselben Korn gefunden. Burchard verbietet ferner den Frauen, ihre Weberkämme über der Leiche zusammenzuschlagen, was wohl die Seele verscheuchen sollte wie jenes Wehen mit Tüchern. Die Leiche darf noch an vielen Orten in Deutschland, Holland und Schweden nur so aus dem Bett oder dem Hause getragen werden, daß ihre Füße in der Richtung der Tür bleiben; so wird sie den Rückweg nicht finden. So lag schon Patroklos’ Leichnam mit dem Gesicht der Zelttüre zugewandt. Nach Burchard goß man, wenn die Leiche aufgehoben wurde, schweigend Wasser unter die Bahre, wie man dem Sarge heute in einzelnen Gegenden Wasser, hie und da auch Mehl, Asche, Feuer nachwirft, sogar dreimal. Oder man stellte, namentlich in Niederdeutschland und Ostholland, eine Schüssel Wasser unter oder an das Bett. Daraus hat sich auch wohl ein Seelenbad entwickelt, das man dem Toten ans Fenster setzt. Auch wird die Stube hinter der Leiche ausgefegt oder auf die Schwelle zur Abwehr ein Besen oder Stahl oder eine Axt gelegt. Die Leiche darf nicht höher als kniehoch in Westfriesland gehoben werden, nach Burchard aus Gesundheitsrücksichten. In Holland setzt man die Leiche noch hie und da auf einen sogen. ,Lank wagen*, der aus zwei durch einen langen Wagenbaumverbundenen Rädergestellen besteht; einen solchen auseinander geteilten Leichenwagen kennt auch Burchard. Das Reve- oder Leichenstroh ließ man bis vor kurzem in Westfalen auf dem Leichen weg, in Österreich auf dem Acker des Verstorbenen, in Holland auf einen Kreuzweg fallen und verbrannte es auch wohl vor dem Begräbnisplatz. So wurde die letzte Verbindung zwischen dem Toten und seinem Hause verweht und zerstört. Ausschließlich nur mit Leichen befahren wurde auch in Bayern der Toten weg, in Holland der Lijk-, Nood- oder Reeweg. Dem Toten gebührt die Totenklage, über die schon Tacitus in scharf zugespitzten Antithesen sich äußert.

„Die Deutschen legen das Jammern über den Tod schnell, den Schmerz langsam ab. Doch gilt bei den Frauen die Klage für ehrenvoll, bei den Männern die treue Erinnerung.“

Freilich übermäßige Klage stört die Totenruhe. Aber Klagen wurden angestimmt bei der Bestattung der Westgotenkönige Alarich und Theoderich und des Langobardenkönigs Alboin, und Beowulfs Grabhügel umritten zwölf Edelinge und priesen trauernd der Männer mildesten. Der Indiculus des 8. Jahrhunderts bekämpfte die „dadsisas“ die Totenklagen, die im 10. Regino von Prüm „Teufelsgesänge“ schimpfte. Man könnte fremden Einfluß vermuten, wenn bei den Deutschen in Siebenbürgen, Ungarn und Krain eigens bestellte Klageweiber ihre Weisen beim Begräbnis absingen. Aber im elsässischen Münstertal stürzen wohl noch nach einem Todesfall sofort laut schluchzende Weiber ins Sterbehaus, sowie bei Mülheim a. d. Ruhr noch kürzlich Frauen aus der Totenklage ein Gewerbe machten. In Schlesien aber darf man keine Träne auf die Leiche fallen lassen, weil sonst ihre Ruhe gestört oder der Weinende ihr nachgezogen wird. Weitaus die ältesten Zeugnisse für den Seelenglauben, ja für den Glauben der Germanen überhaupt liefert die Totenbestattung. Die Anlage, die Bauart und der Inhalt der Gräber geben mannigfachen Aufschluß über die Sinnes weise der näheren und der fernsten Vorzeit. Freilich sind aus der ältesten Steinzeit, in der die Menschen sich mit plumpen, grob zugehauenen Werkzeugen aus Feuerstein behalfen, Gräber nicht mit Sicherheit nachweisbar, vollends nicht germanische; die Leichen scheinen damals ohne besondere Bräuche nachlässig verscharrt worden zu sein. Mit der jüngeren Steinzeit aber begann eine sorgsame Beerdigung des Körpers, die nach vielen Jahrhunderten ihres Bestandes der Leichenverbrennung wich, um diese dann wieder überall zu verdrängen, so daß der Leichenbrand in dieser mehrtausendjährigen Geschichte gleichsam nur eine Episode bildet. Auch scheint er bei einigen Stämmen der Germanen nicht recht emporgekommen zu sein, wenigstens nicht bei den niederen Ständen. In der jüngeren Steinzeit baute man aus Steinen dem Toten zuerst kleinere Stuben, erweiterte sie dann zu den großen Riesenstuben oder Hünenbetten und ging dann mit Beginn der Bronzezeit, etwa seit 1500 v. Chr., zu der Steinkistenform über, einem bloßen Sarge. Meistens im norddeutschen oder dänischen Flachlande gelegen, wurden diese Steinhäuser aus mtihsamst zusammengeschleppten Findlingsblöcken hergestellt. Nichts kann den schwermütigen Reiz der Heide oder der Waldeinsamkeit mehr erhöhen als ein Hünengrab, dessen Felssteinmauem, halb oder ganz mit Erde bedeckt, von einem weiteren Steinkreise wie ein Heiligtum umzäunt sind. Dennoch war dieses ursprünglich wohl weniger ein eigentliches, der Andacht geweihtes Denkmal, als vielmehr ein festes Haus, das die Toten schützen, aber auch einschließen und von der Wiederkehr zu den Lebenden zurückhalten sollte. Die Gerippe liegen oder hocken in den geräumigeren Gräbern in größerer oder kleinerer Gemeinschaft, neben sich hochhalsige Krüge, trefflich geschliffene Steinbeile und oft auch schon gebrauchtes, ziemlich wertloses Gerät. Brandreste in den Kammern scheinen darauf hinzuweisen, daß man die Toten von Zeit zu Zeit durch Feuer erwärmte, um ihnen ihre dunkle Wohnstatt möglichst behaglich zu machen. Man dachte sich also die Toten noch fortlebend, doch nur eine Weile fortlebend. Denn wenn Gerippe später Verstorbener hineingelegt wurden, so wurden die älteren bei Seite geschafft und unordentlich aufeinander gestapelt. Nach dem Schädelbefund waren sie Germanen. Diese ältesten Germanengräber bedecken den nördlichsten Teil eines ungeheuren bogenförmigen Steingräberstreifens, der von Indien bis nach Spanien und von da durch Westeuropa bis an die Weichsel und nach Schweden reicht. Man vermutet, daß die im Morgenland üblichen einfachen Felsengräber die Vorbilder dieser zwar künstlicheren, aber immerhin noch einfacheren Steingräber gewesen seien, die in den ägyptischen Pyramiden und den mykenischen Kuppelgräbern ihre höchste Kunstform gefunden hätten. Wie dem sei, jedenfalls ist der Glaube an jene sehr bedingte Unsterblichkeit mit der von Volk zu Volk getragenen alten Kulturmitteilung der Steingräber nicht so fest verknüpft, daß er nicht auch schon vorher hätte gewonnen werden können. Doch mag er in dieser eingeführten fremden Grabform eine neue Stütze gefunden haben. Noch bis in die ältere Bronzezeit hinein, in der die Steingeräte den Bronzegeräten wichen, bis etwa zum Beginn des letzten vorchristlichen Jahrtausends, wurden die Leichen unverbrannt in Steingemächern oder nun auch in Steinsärgen beigesetzt. Nicht lange vor der jüngeren Bronzezeit aber, die im Norden etwa mit dem 8. Jahrhundert v. Chr. anhob, wurde der ebenfalls aus dem Orient herübergebrachte Leichenbrand bei den Germanen üblich. Er scheint aus einem Umschwung des Glaubens hervorgegangen zu sein. Wollte man die Seele vom toten Leibe entschiedener loslösen und aus der dumpfen Grabesruhe befreien, ihr einen anderen lichteren Raum zum Weiterleben schaffen? Nach der ältesten indischen Urkunde, dem Rigveda, gibt es unverbrannte und verbrannte Ahnen. Für den imverbrannten wird bei der Totenfeier gebetet:

„Spring auf, o Erde, presse dich nicht nieder. Umhüll ihn, Erde, wie den Sohn die Mutter hüllt in ihr Gewand“ (10, 18, 11).

Dagegen führt die Seele des Verbrannten auf dem Feuer leicht wie auf einem Wagen ins Reich des Totengottes Iama und vereint sich mit ihm und den Ahnen, mit neuem Leibe glänzend (10, 14, 8). Nach der Ilias 7, 410 werden die Toten erst durch ihre Verbrennung besänftigt, nach der Odyssee 11, 222 vernichtet das Totenfeuer die Sehnen, die Fleisch und Gebein Zusammenhalten, die Seele aber fliegt frei davon. Von Kleinasien, wo die homerische Dichtung entstand, kam der Leichenbrand erst im 7. Jahrhundert nach Attika, und die römischen Zwölftafeln des 5. Jahrhunderts kannten beides, das Beerdigen und das Verbrennen. Die Germanen legten die verbrannten Gebeine in einem Tongefäß in einem kleinen von Steinen umgebenen Raum oder auch in einer Holzkiste oder auch ohne Behälter in der Erde nieder. Aber dann wurde nach altem Brauche, wie früher über den unverbrannten Gerippen, auch über den verbrannten ein Hügel gewölbt. Weit jünger als die germanischen Aschenurnen der jüngeren Bronzezeit ist das älteste literarische Zeugnis, das des Tacitus:

„die Leichen berühmter Männer werden auf bestimmten Holzarten samt ihren Waffen und auch wohl ihrem Rosse verbrannt.“

Aber gerade bei den westdeutschen Stämmen, die Tacitus am genauesten kennt, ist dieser Brauch schon vor dem 5. Jahrhundert wieder erloschen. Das salische Gesetz spricht nur von Beerdigung. Nicht einmal die deutsche Heldensage, die doch in der Völkerwanderung wurzelt, weiß von Verbrennung, und auch in den Geschichts- und Rechtsbüchern der Burgunder, Bayern, Langobarden und Goten fehlt jeder Hinweis darauf. Im Gegenteil, die großen historischen bekannten Leichenfeiern sind Beerdigungen: die Westgoten senkten ihren König Alarich mit vielen Schätzen in das trocken gelegte Busentobett und beerdigten hernach ihren greisen König Theoderich in vollem Waffenschmuck angesichts des feindlichen Heers auf dem katalaunischen Schlachtfeld. Der Frankenkönig Childerich (gestorben481) und der Langobarden könig Alboin wurden in voller Wehr beerdigt, der erste sogar mit seinem Rosse. Noch Kaiser Otto III soll Karl den Großen in der Domgruft zu Aachen in voller Kaiserpracht thronend gesehen haben. Nur die Sachsen hielten am Leichenbrand zäher fest, nicht nur in der Poesie. Beowulfs „Beinhaus“ wird auf einem mit Waffen behängten Scheiterhaufen verbrannt, so daß der Rauch über das nahe Meer hinzieht, und dann die Brandstätte mit einem hohen breiten Hügel, einer „den Seefahrern weithin sichtbaren Burg“, zugedeckt, und noch Karl der Große setzte auf den Leichenbrand und solche Hügelbestattung der Sachsen Todesstrafe. Die westlichen Nordleute gaben, wie die Gräberfunde lehren, schon seit der Völkerwanderungszeit das Brennen nach und nach wieder auf, so daß z. B. auf der seit etwa 900 n. Chr. besiedelten Insel Island keine Spur mehr davon zu finden ist. Die östlichen Nordgermanen blieben beim alten Brauch noch im 10. Jahrhundert. Aber auch in der Sage und Dichtung der Norweger und Isländer wurden noch viele Jahrhunderte nach dem Aussterben der Sitte Scheiterhaufen für die gefallenen Helden angezündet, offenbar, um ein so altes malerisches Motiv nicht zu verlieren. Der Deutsche Siegfried, der nach seiner heimischen Sage beerdigt wird, verbrennt in der nordischen auf einem Holzstoß, und mit ihm verbrennen seine Brynhild, Knechte und Mägde, zwei Hunde und zwei Habichte, ein stattliches Gefolge, damit dem zum Totenreich voranziehenden Fürsten die hinter ihm zuschlagende Tür der Hel nicht auf die Fersen fallen könne. Aber die nordische Überlieferung schwankt auch in ihren Berichten von der Bestattung echt nordischer Götter und Helden. Nach dem Dänen Saxo erhielt Balder ein königliches Begräbnis, nach der isländischen Prosaedda aber einen großartigen Leichenbrand auf einem auf das Land gezogenen Schiffe. Als er hinaufgetragen wurde, brach seiner Gattin Nanna das Herz. Mitverbrannt wurde sein Roß in vollem Reitzeug, das Schiff wurde auf das Meer gestoßen. Auch der verstorbene Dänenkönig Harald Hilditönn wurde nach Saxo mit Roß, Wagen und Waffen auf einem Schiffshinterteil verbrannt und seine Urne in Lethra beigesetzt, dagegen ließ nach andrer Sage König Hring die Leiche Haralds, gewaschen und ausgerüstet, auf einem Wagen in den aufgeworfenen Hügel führen, das Roß töten und seinen eigenen Sattel zu dem Toten legen, damit dieser nach eigener Wahl nach Walhall reiten oder fahren könne. Waffen und Ringe warfen Hrings Krieger hinein. Die Schweden wollten den toten Frey nicht verbrennen, sondern begruben ihn, um ihrem Lande seine Gaben, gute Zeit und Frieden, zu erhalten. Nach den nordischen wie deutschen Gräberfunden wurden in dem Brennalter der Bronzezeit nicht Waffen und anderes Kriegs- oder Jagdzeug, sondern nach der Mode des klassischen Altertums vollständige Speise- und Trinkgeschirre in den Grabhügel gelegt. Die Herkunft dieser charakteristischen Beigaben aus dem Süden bezeugt am deutlichsten die häufige ungermanische Verzierung der Gefäße mit Mäanderbändem. Man suchte dem Verstorbenen das Dasein nach dem Tode möglichst genußreich zu gestalten. In jenen meist späteren Bestattungsberichten sind also die Bräuche verschiedener Zeitalter, das Brennen der Bronzezeit und die kriegerische Ausstattung der jüngeren Wikingerzeit, durcheinander geworfen. Tacitus zwar fand nach seiner obigen Aussage schon im Brennalter die Beigaben von Waffen und Roß vor, im Norden aber drang erst in der Wikingerzeit der neue kriegerische Geist in die Gräber, die Leichen wurden erst damals für ein weiteres Kampfleben, für Walhall ausgerüstet. Und die Ynglingasage verheißt jedem in Walhall den Besitz alles dessen, was auf seinen Scheiterhaufen gelegt ist. So fand man in den Bomholmer Gräbern, die der jüngeren Eisenzeit angehören, volle Waffenrüstung, auch Messer, Schere und Wetzstein und wiederum des Toten Reitpferd und Hund, einen Hund von großer, dänischer Rasse. So bargen die Grabhügel über verbrannten wie imverbrannten Leichen allerhand Schätze, die die Lebenden oft zum Nachgraben reizten, zum „Haugbrot“ oder Hügelbruch. Wer an der langen norwegischen Küste hinsegelte, sah ihrer viele, und die Schiffer verkürzten sich gern die Zeit mit Geschichten von ihren Insassen. Dafür dankbar trat einmal einer von ihnen, der tote König Vatnar, aus seinem Grabe, um dem Erzähler im Traume zu erscheinen und ihm zu sagen:

„Du hast meine Sage erzählt; nun will ich dich belohnen. Suche nach Gütern in meinem Grabe, und du wirst noch etwas finden.“

Er suchte und fand viel. Eigenartig germanisch, wenigstens nordgermanisch, ist die Ausstattung des Toten mit einem Schiff, das bald unversehrt mit ihm aufs Meer gestoßen oder beerdigt, bald brennend mit ihm aufs Meer gelassen oder verbrannt mit ihm gleichfalls mit Erde zugedeckt wurde. Wie oben bemerkt, wurde Balder auf brennendem Schiff den Wogen übergeben, Harald Hilditönn aber auf einem Schiffshinter-teüe verbrannt und dann mit einem Erdhügel bedeckt. Den Stammvater der dänischen Könige, Skyld, legten nach dem Beowulf gedieht seine Leute nach seinem Tode reichgeschmückt beim Maste in den Schoß eines Schiffes, befestigten ein goldnes Banner hoch über seinem Haupt und schoben das Fahrzeug ins Meer hinaus auf eine ungewisse Fahrt. Die Völkerwanderung scheint die Schiffsbestattung tief ins Binnenland gebracht zu haben: im 15. Jahrhundert fand man im Berner Oberland ein Totenschiff mit vielen Gerippen tief in der Erde. Aber die wichtigsten zwei Zeugnisse, ein antiquarisches und ein historisches, sind noch nicht gegeben. Vor einiger Zeit ist ein mit Erde bedecktes Schiffsgrab, das etwa aus dem Jahre 900 n. Chr. stammt, bei Gokstad in Norwegen gefunden worden; es barg ein mit einem Mast und 32 Rudern versehenes Schiff, dessen Bord mit Schildern behängt war, und dem darin liegenden unverbrannten Toten waren Pferde und Hunde beigegeben. Andere solcher Schiffsgräber sind außer in Norwegen noch in Schweden, aber nicht in Dänemark gefunden worden. Aber um dieselbe Zeit berichtet der Araber Ibn Fadlän von Schiffsbestattungen der skandinavischen Russen, d. h. der östlichen Nordgermanen, die den russischen Staat gründeten. Er traf ihre Kaufleute in den Jahren 921 und 922 unter den Wolga-Bulgaren. Einen Armen legen sie nach seinem Tode in ein eigens dafür gebautes kleines Schiff und verbrennen es. Beim Tode eines Reichen aber teilen sie seine Habe in drei Teile, von denen der eine der Familie zufällt, der zweite für die Ausstattung des Toten verwendet wird, während sie für den dritten berauschende Getränke kaufen, um es an dem Tage zu trinken, an dem ein Mädchen (die Lieblingskebse?) sich dem Tode preisgibt und mit dem Herrn verbrannt wird. Denn sie ziehen ein Schiff auf das Land und legen darin den prächtig gekleideten Toten auf eine mit Tüchern und Kopfkissen bedeckte Ruhebank. Dann bringen sie ihm berauschendes Getränk, Früchte, Basilienkraut, Brot, Fleisch und Zwiebeln, auch seine Waffen.

Dann werfen sie das Fleisch eines in zwei Teile zerschnittenen Hundes und zweier müde gehetzter und zerstückelter Pferde ins Schiff, endlich einen geschlachteten Hahn und ein Huhn. Das Schiff wird mit seinem Inhalt verbrannt und ein Hügel darüber aufgeworfen. Fast durch ein Jahrtausend kann man als stets wiederkehrende Grabbeigaben Waffen, Pferd und Hund verfolgen; ein kampf- und jagdfrohes Geschlecht ruht zwischen ihnen. Je nach der Mode der Zeit, dem Stande, dem Vermögen und vielleicht auch je nach dem Charakter des Verstorbenen wurden zu seiner Rüstung noch Schmucksachen, Hausrat, Nahrungsmittel und Amulette hinzugefügt. Von letzteren z. B. enthielt ein schönes seeländisches Grabgefäß aus Bronze ausser einem Pferdezahn und Ebereschenzweig Reste eines Vogels, eines Wiesels, einer Natter, als ob diese uns schon (S. 76) bekannten Seelentiere dazu ausersehen wären, das Seelenleben des Toten zu schützen und zu fristen. Die seefahrenden Nordleute brachten das Schiff hinzu, das auch in ihrem Götterkultus und in ihrer Kunst eine viel wichtigere Rolle spielte als bei den Binnenlandsbewohnem. In einem jütischen Sandhügel der jüngeren Bronzezeit fand man, in einem Tongefäß in einander gesteckt, etwa 100 kleine Goldboote, die wahrscheinlich Votivgaben für die Götter waren, und viele südskandinavische Felsenzeichnungen derselben Zeit zeigen uns neben bewaffneten Männern und Wagen mit Pferden am häufigsten Schiffe mit hohen „Hörnern“ oder Steven, oft zu ganzen Flotten vereint. Später, in der jüngeren Eisenzeit, verwendete man das Schiff auch für den Totenkultus. Man richtete namentlich in Dänemark zahlreiche Schiffssteinsetzungen auf, zwei schwach um das Grab ausgebogene Steinreihen. Tiefer griff, wie wir gesehen, die eigentliche Schiffsbestattung ein. Das Schiff war wahrscheinlich nicht nur dazu bestimmt, dem Verstorbenen in einer anderen Welt zu dienen, sondern ihn auch sicher über etwaige hemmende Gewässer dahin zu geleiten, gerade wie auch das mitbegrabene oder mitverbrannte Pferd oder dessen Stellvertreter, das Rind. Die Reise nach Walhall mochte Harald Hilditönn zu Wagen oder Roß machen (S. 110), und die auf jütischen Leichen gefundenen Kuhhäute sollten ihnen die Hilfe der geopferten Tiere sichern. In christlicher Zeit, zuerst nach einer St. Galler Urkunde von 806, fiel auf germanischem, wie keltischem Boden das dem Sarge voranschreitende oder nachfolgende Rind oder Pferd der Kirche statt dem Grabe zu, um dem Seelenheil des Toten zu dienen. Man gedenke dabei des indischen Bestattungsgebrauches, den Schwanz einer Kuh, mit deren Fell der Tote Glied für Glied belegt wurde, ihm in die Hand zu geben, damit er auf schwindelndem Wege nicht falle. Noch heute führt man dort an das Lager des Sterbenden eine reich geschmückte Kuh, damit dieser sie beim Schwanz ergreife und sicher zur anderen Welt hinübergeführt werde. Merkwürdigerweise haben alte Leute in Mecklenburg gehört, daß kurz vor dem Abscheiden eines Familienmitglieds ein Stück Vieh ins Zimmer gebracht worden sei, damit der Sterbende seine Seele in dasselbe hineinhauche. Die deutschen Redensarten: ,die schwarze Kuh drückt ihn oder ,hat ihn getreten bedeuten so viel als: ,er ist todkrank‘ oder ,er ist gestorben‘ . Das norwegische Gedicht Draumakvaedi preist den glücklich, der in dieser Welt den Armen eine Kuh gibt, er braucht nicht schwindlig auf der Gjallarbru, der Totenbrücke, zu gehen. Und auch den preist es glücklich, der in dieser Welt den Armen Schuhe gibt, er braucht nicht barfuß die Domenheide zum Totenreich zu durchwandern. Der Holsteiner Godeskalk sieht auf seiner um 1190 unternommenen visionären Reise zuerst eine breite Linde, die über und über mit Schuhen behängen war, die denjenigen, die im Leben barmherzig gewesen, gereicht wurden, um darnach eine , weite Domenheide zu durchschreiten. Diese Jenseitsschuhe sind nach dem Volksglauben von Yorkshire dieselben, die man im Leben Armen geschenkt hat. So wurde denn auch dieses wichtigen Reisebedarfs bei der Bestattung nicht vergessen. Es war im Norden Sitte, den Toten Helschuhe zu binden, in denen sie nach Walhall gehen konnten. Auch in Deutschland wurden sie mit Totenschuhen versorgt, um unverletzt über die spitzen Steine und durch die Domen der Unterwelt schreiten zu können. Nach einem rührenden, noch nicht völlig erloschenen deutschen Volksbrauch bedenkt man die im Kindsbett Verstorbene mit Schuhen, damit sie zu ihrem zurückgelassenen Kind kommen und es säugen könne. Statt Schuhe den Toten ins Grab zu geben, spendete man sie in christlicher Zeit den Armen als Gottesschuhe, Hedwigssohlen, oder auch in Gebildbrote für die Armen verwandelt.

Diese oft reiche, oft ärmliche Aussteuer der Toten war gewohnheitsrechtlich genau bemessen. Ein Drittel der Habe jenes russischen Nordmanns an der Wolga wurde dazu verbraucht, dem Toten Kleider zuzuschneiden. Aus diesem für die Totenbestattung bestimmten Drittel wahrscheinlich nur der fahrenden Habe wurde nach der Christianisierung in England, Frankreich und Deutschland the deads pari, la partie au der Tote nteilt oder Seelschats, Seelgerät, Seelteil, ursprünglich ebenfalls ein Drittel der fahrenden Habe, das aber nun der Kirche oder den Armen zufiel, nicht im Grab erstarb. Daher erklärt sich auch, daß der Seelschatz noch bei offenem Grabe geleistet und daß die altheidnischen Beigaben des toten Kriegers, Waffen und Streitroß, der christlichen Kirche zugewendet wurden. Doch kehrte man sich schon in der Heidenzeit nicht immer an solche strenge Teilungsvorschriften: in der Vatnsdaelasaga wird alles, was der Held im Krieg erobert hatte, nicht vererbt, sondern als sein eigenstes Eigen mit ins Grab gesenkt.

Der höchsten Totenbeigabe ist noch nicht gedacht, des mit dem Toten im Leben eng verbundenen Menschen. Die Gefolgsleute eines deutschen Fürsten verschmähten es nach Tacitus, ihren in der Schlacht gefallenen Herrn zu überleben. Sie mögen mit ihm ein gemeinsames Grab gefunden haben. Nanna folgt ihrem Gatten, Brynhild mit Knechten und Mägden ihrem Geliebten auf den Scheiterhaufen, aber dies scheint reine Poesie, der die Wirklichkeit nicht entsprach. Blutsbrüder schwuren sich nach Saxo gegenseitig zu, daß nach dem Tode des einen der andere sich begraben lasse. Auch sitzt nach einer anderen Erzählung der Überlebende wohl bei dem Verstorbenen drei Nächte im Hügel.

Reste der Sitte, dem Toten allerhand Sachen zu weiterem Gebrauch mit in den Sarg zu legen, bestehen im Widerspruch mit der christlichen Lehre bei allen germanischen Stämmen bis auf den heutigen Tag.

Nicht nur durch solche einmalige Liebesgaben, sondern auch durch wiederkehrende Totenopfer wurde für Nahrung und Ehrung des Verstorbenen gesorgt. Die Stiere und Böcke, die die Deutschen nach Papst Zacharias’ Angabe um 748 den Göttern beim Totenopfer schlachteten, galten wohl eigentlich nicht den Göttern, sondern den Toten. Papst Gregor III. im Jahr 739 und kurz darauf der erste Artikel des Indiculus und später Burkhard von Worms bekämpften diese deutschen Opfer, durch die manche Tote ebenso wie Kirchenheilige gefeiert wurden. Im Norden wenigstens opferte man dem König Olaf Geirstadaalf um Fruchtbarkeit an seiner Grabstätte wie einem Alf d. h. Halbgott, und man verteilte die Gebeine Halfdans des Schwarzen gerade wie die Reliquien eines griechischen Heros oder eines christlichen Heiligen, damit sie mehreren Landschaften zum Schutz und Segen gereichten. Nach Rimberts Leben des H. Ansgar erhoben die Schweden ihren König Erich sogar unter die Götter, bauten ihm einen Tempel und opferten ihm darin. Schon die Brandstätten der mykenischen Kuppelgräber und der germanisehen Riesenstuben, welche unverbrannte Leichen bergen, scheinen Opferstellen gewesen zu sein. Kunstloser angelegte Gruben auf Grabfeldem der Merowingerzeit sind mit Asche, Kohlen, Gefäßscherben und Tierknochen angefüllt zum Beweise, daß in ihnen die den Toten dargebrachten und auf den Gräbern genossenen Mahlzeiten zubereitet wurden. Da der altgermanische Opferhof häufig zum Gerichts- und Versammlungsplatz diente, so erklärt sich, warum man noch im Mittelalter auf großen Grabhügeln, als auf früheren Totenopferstätten, Gerichte und Versammlungen abhielt; so auf dem Gunzenlö bei Augsburg und dem Birtinlö bei Rottenburg am Neckar. Bei dem schifförmigen Grab von Blomsholm in Südschweden steht ein „dömhringr“ ein Gerichtssteinring mit einem mächtigen (Opfer ?)stein in der Mitte. Die Totenopfer wurden später von den heidnischen Friedhöfen auf die christlichen übertragen, und mit ihnen drangen Gelage, Gesänge und Tänze sogar in die Kirche, namentlich in deren Vorraum, das „Paradies“. Im Jahr 1348 wurden diese Lustbarkeiten auf den Gräbern am Niederrhein unterdrückt; noch 1638 hielt in England die Kirchenbehörde darnach Umfrage.

Einflußreicher als die Übertragung der Totenopfer von heidnischen Gräbern auf christliche war ihre schon früh aus praktischen Gründen vorgenommene Verlegung vom Grabe ins Sterbehaus. Hier wurde das Leichenmahl gehalten, seltener vor dem Hinaustragen der Leiche, meistens nach der Beerdigung. Es ist das niederdeutsche Ostelbier oder Riieaten Reu-, Traueressen, das nord- und mitteldeutsche Fell-, Haut-, Bastversaufen oder das Sachsenhäuser Totenvertanzen, das bayrische Eindaichteln, das gemeinhochdeutsche Totenvertrinken. Die englischen „minnying days“ Gedächtnistage, das jütische ,der seligen Leiche Heil trinken‘ und das altnordische ,drekka erfl‘ das Erbe trinken oder ,erfiöl‘ Erbbier weisen schon auf einen höheren Sinn.

Im Norden wurde die Erbteilung am Begräbnistage oder am 7. oder am 30. Tage nach dem Tode, oft aber auch wegen der gewaltigen Entfernungen erst am Jahrestage des Begräbnismahls vorgenommen. Dann strömten wie zum Julgelage oder zum Thing von nah und fern die Gäste zu der Feier herbei, die drei Nächte dauerte. Die nächsten Verwandten aber, z. B. die Söhne Hjaltis, gingen zu ihres Vaters Erbgelage so schön gekleidet, daß die Leute glaubten, die Äsen kämen. Am ersten Abend saß der Erbe auf einer Stufe des Hochsitzes, den man für den anwesend gedachten Ehrengast, den Geist des Verstorbenen, frei hielt Dann aber nach einem Minnetrunk auf diesen und die Götter, mit dem er vom Toten freundlich Abschied nahm, bestieg er den leeren Hochstuhl und nahm damit sein Erbe in Besitz. Dann wurde ein Preisgedicht auf den Toten vorgetragen. Diese Teilnahme des Toten an seinem eigenen Gedächtnismahl tritt bei den einfacheren deutschen Leichen-schmäusen zurück. Doch verweilte noch nach neuerer Aussage in Ostpreußen der „Geist“ während dieses Mahls hinter einem breiten Handtuch, womit der Sarg in die Tiefe gesenkt war, oder er setzte sich ungesehen mit zu Tische, an den man ihm Stuhl, Licht, Speise und Trank hingestellt hatte. Erst mit den Gästen entfernt sich auch er. Dieser Stuhl war auch in Schlesien gebräuchlich. In Oldenburg kehrte der Tote drei, im Voigtland neun Tage nach seinem Tode zum Hause zurück, wahrscheinlich um sich wie der ertrunkene Therodd (S. 96) seinen Anteil am Totenmahl zu sichern.

Ein kleiner Zug ist noch bezeichnend, weil er ähnlich im alten Griechenland wiederkehrt. Die Verstorbenen haben namentlich Anspruch auf das Haus- oder Heimbrot. Wenn jemand in Tirol Brosamen auf die Erde fallen läßt, so sagt er:

„Arme Seelen, rappet, daß ’s der Tuifel nit dertappet“,

und wenn er Brosamen ins Feuer wirft, so kommen sie armen Seelen zu. Auch in Griechenland gehörten vom Tisch gefallene Brosamen den Verstorbenen, den Heroen.

Wieder stoßen wir hier auf einen den Indogermanen gemeinsamen eigentümlichen Festbrauch. In Indien stimmten die verschiedenen Provinzen in der Wahl und Zahl der Totengedächtnistage nicht immer genau überein. Aber der 1.,3., 7., 9. nach dem Tode springen als die beliebtesten Tage der Wasserspenden an den Verstorbenen und der 30. als ein Haupttotenopfertag deutlich heraus. Am dritten, später am 10. (9.?) Tage lud der Erbe den Verstorbenen zum Kloßopfer ein und trat damit seine Erbschaft an. Die Seele der toten Perser blieb bei ihrem Leibe noch drei Tage bis zum Schaf- oder Ziegenmahl, und während neun Tage durfte kein Feuer im Hause brennen. Am 30. Tag war das Totenopfer. Nachdem die Griechen am 3. Tage das Grabesopfer der Trita dargebracht hatten, nahmen sie das Perideipnon, das Rundmahl, ein, wobei in die Runde getrunken und der Verstorbene, der für den Wirt galt, gepriesen wurde. Auch noch am 9. oder 10. Tage setzte man Speisen, die Ennata oder Neunten, aufs Grab und schloß in Athen am 30. die Trauerzeit. Die Römer reichten dem Toten am 3. oder 7. Tage das Silicernium, Schweigemahl, am Grabe und feierten am 8. und 9. Tag in großer Stille daheim das Novemdiale, das Neuntagsopfer. Älter war wahrscheinlich die Circumpotatio, der Rundtrunk, den das Zwölftafelgesetz verbot. Doch der Grundsatz blieb: „Keine Erbschaft ohne Totenopfer“. Beide klassischen Völker brachten auch ein Jahrestotenopfer. Die littauische Totenfeier endet mit dem 9. Tag.

Diese heidnischen Festsetzungen eignete sich, auf biblische Stellen gestützt, auch die Kirche für ihre Seelmessen an, und so sind auch im deutschen Mittelalter der 3., der 7. und der 30. oder 40. Tag durch feierliche Seelgottesdienste ausgezeichnet. Und manche Geistliche hatten die Neigung, diese Totenfeste nicht nur in christlichem, sondern auch in heidnischem Stil mitzufeiern, so daß die Wormser Synode von 868 den Priestern verbieten mußte, an den Totengedächtnistagen des 3., 7., 30. oder am Jahresgedächt-nis sich zu berauschen, zu Ehren der Heiligen zu beten und der Seele des Verstorbenen zuzutrinken, Klatsch- und Lachgeschichten zu erzählen oder zu singen und sich garstige Scherze mit einem Bären und mit Tänzerinnen und Maskenspiele, talamascae, vorführen zu lassen. Noch im Scherzgedicht vom Frankfurter Borgerkapitän trinkt man beim Leichenmahl des ,Gestorbenen Gesundheit’.

Nicht nur eine Privatfeier des Einzeltoten, sondern auch eine umfassendere gemeinsame Feier mehrerer Toten eines Geschlechts oder einer ganzen Gemeinde kannte bereits das indogermanische Altertum. Drei Generationen Ahnen bis zum Urgroßvater wurden geehrt; „einen vierten Ahnen gibt es nicht“ sagte ein indisches Gesetzbuch. Später opferte man den Ahnen bis ins zwölfte Glied hinauf und empfahl endlich auch dringlich die Ehrung der verstorbenen Mütter. Ahnenopfer brachte auf der Hochzeit das junge Paar, wenn es zum Zeichen der Fruchtbarkeit mit Reis bestreut war, und wenn die Braut sich dem häuslichen Feuer und den Ahnen verneigte. Die indischen Hausregeln setzten für die allgemeinen Haupttotenfeste den Nachmittag der zweiten Monatshälfte am Ende und am Anfang des Winters an. Nachdem die herangekommenen Ahnen mit Speis und Trank gestärkt waren, wurden sie entlassen mit den Worten „Nun gehet fort, ihr Väter, auf euren tiefen alten Pfaden“, und wurden auch wohl bis zur Dorfgrenze begleitet. — Die Perser spendeten zu Ende Februar den Ahnen und den Armen ein Mahl. — Auch die Griechen opferten den Toten gegen Abend an den drei letzten Monatstagen im Frühling, wie im Herbst. Auch sie vertrieben bei der Darreichung ihrer Gaben die Seelen mit den Worten: „Aus der Türe, ihr Seelen“. In Attika beteten die Neuvermählten, die auch mit Früchten überschüttet wurden, zu den Dritt-vätem um Kindersegen. — Die Römer öffneten beim Eintritt des Bräutigams ins Haus, der dabei Nüsse ausstreute, die Schreine, in denen die Ahnenbilder standen. Auch sie feierten im Frühling wie im Herbst ein Totenfest, vorzugsweise gegen Ende des Tags und Monats. Im Mai entließ man die Lemuren, die unruhig tungehenden Verstorbenen, nach einem Bohnenopfer mit dem neunmaligen Rufe: „Geht hinaus, ihr Ahnen.“

In denselben Bahnen bewegte sich die Seelenfeier der heidnischen Germanen und verließ sie auch nicht nach der Bekehrung. Auch sie schoben sie gern auf das Ende eines Zeitabschnitts. In der Oberpfalz und am Rhein kommen die armen Seelen jeden Samstag aus dem Fegfeuer in ihr Haus, und an diesem Tage wird ihnen im Zillertal ein Stück Butter auf den Dreifuß des Herdes gelegt, um ihre Brandwunden zu salben. In Tirol und Böhmen bleiben sie vom Mittag- oder Abendläuten des Allerheiligentags bis zum Morgenläuten des folgenden Allerseelentags. Am Schluß der Ernte, im Herbst, feierten die Marsen beim Tempel der Tanfana ein großes Erntefest, an dem als Teilnehmer wahrscheinlich auch die Toten gedacht wurden. Denn zu derselben Zeit ehrten die Sachsen nach ihrem Sieg bei Scheidungen im Jahre 531 drei Tage lang ihre Toten, offenbar nach älterer Sitte. Die Kirche verlegte auf den 29. September das Fest ihres Seelenpatrons St. Michael, und in der damit verknüpften Festzeit, der Meinweke, oder ,Gemeinen‘ , wurden täglich Seelmessen gelesen. Im Norden trank man auf dem Herbstfest zu Ehren der Götter und der Verstorbenen einen Gedächtnistrunk, der später die Mikjalsminni hieß, und Michaelis Kirchwreih ist nach oberbayrischer Anschauung in Himmel und auf Erden, d. h. wird von den Verstorbenen im Himmel, deren Minne getrunken wird, wie von den überlebenden Freunden auf Erden gefeiert. Odilo von Clugny setzte im 10. Jahrhundert diesen allgemeinen Seelenkult in Novembersanfang. Besonders in Tirol ist der neue christliche Kult mit altheidnischen Bräuchen stark verschmolzen. Wie man vor Jahrtausenden den Toten in ihren kalten Steingräbern Feuer anmachte (S. 106), heizt man hier noch für die Allerseelennacht ein, damit die armen Seelen sich wärmen können, stellt Krapfen oder besonders geformte Kuchen für sie auf den Tisch, auch Milch. In Schweden empfängt man die Verstorbenen erst am Julabend in möglichster Stille in gewärmter Badstube, überläßt ihnen den Hochsitz und erquickt sie mit Julspeise. In Norwegen räumt man ihnen am Julabend die Betten ein.

Auch die bei jenen vier indogermanischen Völkern bemerkte Frühlingsfeier der Toten fehlte den Germanen nicht, insbesondere nicht der bezeichnende Zug, die Verabschiedung der Seelen, wenn er auch verdeckt erscheint. Schon die zweite Synode von Tours 567 mißbilligt diejenigen, die an der Stuhlfeier Petri den Toten Speisen opfern und nach der Messe daheim sich heidnischen Mißbräuchen hingeben. Man muß bedenken, daß dieses Fest in der römischen Kirche bis mindestens ins 12. Jahrhundert ausschließlich an dem altrömischen Totentag, dem 22. Februar, den sogenannten Caristia begangen wurde. Lorichius tadelte noch im 16. Jahrhundert den heidnischen Unfug in Schwaben, Fleischspeisen am ersten Fastensonntag, also um dieselbe Zeit, durch die ganze Nacht für die Seelen bereit zu halten. Dann kochte man auch im Odenwald und am Niederrhein leckere Speisen für die lieben Englein d. h. Seelen und ließ sie bei offenem Fenster über Nacht auf dem Tisch stehen. Um dieselbe Jahreszeit, in den Anthesterien, rief man in Athen nach der Seelenbewirtung: „Aus der Tür hinaus, ihr Seelen!“, und die Inder und Römer kannten ähnliche Verabschiedungen der Seelen (S. 19). Derselbe Ruf scheint versteckt in der bis in unsere Tage hineinreichenden Petri Stuhlfeier Westfalens und der badischen Ortenau, die zwar jene bereits von der Wormser Synode bekämpfte Totenspeisung auf gegeben hat, aber auch auf eine Vertreibung, wie die athenische Feier, gerichtet ist. Mit lautem „Herausruf“ und Hämmern an die Pforten werden Kröten, Schlangen, Mäuse und Motten, die wir alle als Seelentiere kennen, aus der Türe hinausgejagt. Und wiederum ist es doch nur eine Verschleierung des seelischen Inhalts dieser alten Bräuche, wenn Schwaben, Bayern und Franken am etwas späteren Frühlingsfest des Laetaretags: „Daraus, daraus, Tod naus, Tod naus“ singen.

Die Kirche hat endlich auch den schönen Familienzug der Ahnenbegrüßung durch das Brautpaar, den wir in Indien, Griechenland und Rom fanden, nicht ausmerzen können oder wollen. In der schwedischen Landschaft Wärend trinkt der Bräutigam auf das Wohl seiner verstorbenen Voreltern und seiner Schwiegervoreltem. Am Lechrain, in Oberschwaben, Baden und um Saarlouis geht das Paar vor oder nach der Trauung mit den Freunden an die erblichen Grabstätten, um dort zu beten. Dies Betreten der Gräber nannte man bei Saarlouis „zu Gaste laden“. Das Gebet zu den Ahnen mag auch hier vorzugsweise auf Kindersegen gerichtet gewesen sein, wie bei jenen andern Völkern, wenigstens kommt die dort damit verbundene Beschüttung mit Früchten auch in Deutschland in demselben Abschnitt des Festverlaufes vor. Wenn das junge Paar aus der Kirche trat, überreichte man ihm in der Zwickauer Gegend Getreideähren, in Oberelsaß und in Mecklenburg aber begoß man es mit Korn oder Leinsamen. Nicht nur bei der Eheschließung, sondern auch bei andern wichtigen Entschlüssen suchte man die Stätten der Ahnen auf. So forderte der mächtige Gode Snorri einen ratsbedürftigen Freund auf, mit ihm hinauf aufs Helgafell, den heiligen Berg seiner Vorfahren, zu gehen, denn die dort geratenen Ratschläge seien gewöhnlich nützlich gewesen. Offenbar, weil die Toten für Schutzgeister der Familie galten.

Wie sich der Totenkultus aus dem engeren Geschlechtsverbande zu einer umfassenderen Geltung emporarbeitete, lehrt am deutlichsten die germanische namentlich im Norden, wo sich diese Art der Genossenschaft, gleich dem für ihre Hauptfeier maßgebenden Erbmahl, in der altertümlichsten und vollsten Form erhalten hat. Die nordische Gilde war eine nicht auf Blutsverwandtschaft, sondern auf einen feierlich beschworenen Bund gegründete Brüderschaft, deren Mitglieder in ältester Zeit die der Sippe zustehende Pflicht übernahmen, den Totschlag eines Mitglieds zu rächen, oder das Wergeid dafür zu empfangen und den Kultus des Toten zu besorgen. Sie führte ihren Namen von dem aus gemeinsamen Beisteuern, Geldern, bestrittenen regelmäßig wiederkehrenden Opfergelage, altnordisch gildi, altsächsisch geldy angelsächsisch gild, das ursprünglich dem Verstorbenen von der Genossenschaft verrichtet wurde. Der Erbe fügte bei diesem Mahl der Minne des Vaters die Minne der Götter, in christlicher Zeit aber Gottes, Christi und seiner Heiligen bei, die nach der Sage der Bischof Martin von Tours in einem Traum dem König Olaf Tryggvason statt der Götter beim Minnetrunk anzurufen geboten hatte. So trank denn auch z. B. König Svein als Erbe die Minne seines Vaters, des großen Knut, mit dem Gelübde, den Angelsachsen König Äthelred zu töten, dann die Minne Christi und endlich die des heiligen Michael. Der Totenminnetrunk wurde in den christlichen Gilden, z. B. den schwedischen, durch ein Gebet aller Brüder und später auch Schwestern für das Seelenheil der verstorbenen Mitglieder verdrängt, dann folgte aber der Rundtrunk auf das Gedächtnis Gottes im Himmel, der Dreieinigkeit oder des Schutzheiligen Erich oder Olaf oder aller Heiligen. Der altheidnische mit Blutrache und Totenverehrung verquickte Seelendienst mag vorzugsweise Karl den Großen im Jahr 779 bewogen haben, den sächsischen Gildebrüdem die gegenseitige Eidleistung zu verbieten und ihnen nur bei Feuers- und Wassersnot gegenseitige Hilfe zu gestatten.

Man verkehrte aber mit den Toten nicht nur durch Opfer, sondern auch durch , eine uralte Kultart, die gerade in diesem Verkehr ihre starke Stammwurzel hatte. Die Toten, an Alter den Lebenden überlegen und in andre Kreise entrückt, wußten mehr als die Hinterbliebenen. Schon die Sterbenden vermochten in die Zukunft zu schauen, wie der todeswunde Sigmund den Ruhm seines noch ungeborenen Sohnes Sigurd voraussagte, und dieser scheute sich, dem von ihm erlegten Drachen Fafnir seinen Namen zu nennen, aus Furcht vor des Sterbenden Fluch. Dem Verstorbenen vollends traute man übermenschliche Fähigkeiten zu und suchte sich in Zweifeln und Nöten seines Rats und Beistandes zu versichern. Man ging an sein Grab und weckte ihn durch feierliche Rufe, Beschwörungen und Runensprüche, die Hellirunen d. h. Unterweltsrunen. Als Sacrileg bekämpfte solches Toten wecken und befragen schon der fränkische Indiculus im 8. Jahrhundert bei den Sachsen. Swipdag rief vor seiner Brautfahrt seine Mutter Groa, ihn aus dem Grabe mit ihrer Zukunftskunde in Zaubersprüchen zu beraten. Hervör erwirkte durch ihren Weckruf, daß ihr toter Vater Angantyr ihr das fluchbeladene Schwert Tyrfing aus seinem Grabhügel warf. Wie im 12. Jahrhundert ein Norweger auf den Orkneys auf die Gräber ging, um von den Toten Ratschläge und Kunde verborgener Dinge zu empfangen, so legten in Deutschland „weise Leute“ noch vor kurzem den Toten nachts auf dem Friedhof Fragen über die Zukunft vor. Auch ging der alte Nordmann wohl zum Galgen, um mit dem vom eddischen Havamal überlieferten Runenspruch den daran schwebenden Leichnam zum Gehen und Sprechen zu bringen. Die Völur oder Seherinnen aber setzten sich nachts draußen auf das Feld, wo viele Geister schwärmten, und holten sich von ihnen ihre Weisheit (siehe unten). Also auch die Weissagung stammt aus dem Bereiche des Seelenkultus, und selbst der oberste Gott bedarf ihrer Hilfe. Durch Balders böse Träume erschreckt, ritt Odin zur Hel hinab und zwang durch seinen Leichenzauber eine längst tote Wölwa, auf die schon viel Schnee und Regen gefallen war, zur Auskunft über der Götter Schicksal.

Wie die christlichen Gräber unter dem Zeichen des Kreuzes oder auch unter einer frommen Inschrift stehen, so wurden die nordischen Grabsteine und Urnen nicht nur durch eingeritzte Hammerfiguren und Hakenkreuze, Thors Blitzwaffen, sondern auch noch deutlicher durch Runeninschriften wie: „Thor, weihe dieses Grab!“ geschützt. Im Bronzezeitalter aber stellte man im Norden große inschriftlose Steine bei und zuweilen in dem Grabe auf, die sogenannten Bautasteine, wahrscheinlich ursprünglich, um den Toten darin festzuhalten. Doch wurden diese Steine später durch Runen zu Gedenksteinen umgebildet. Dem Bautastein innerlich verwandt scheint die Heersäule (Haristado) oder der Stappel des Salischen Gesetzes, der ins Grab eingelassen wurde, und ziemlich klar liegt die Geschichte des bayrisch – alemannischen Toten-, Leichen-oder Rebretts vor. Man legte den Verstorbenen gleich nach dem Tode auf ein Brett, brachte ihn auf diesem zum Grabe, ließ ihn in die offene Erde hinabgleiten und legte das Brett über ihn. Dies letzte bezeugt das bajuwarische Gesetz. Auf der Züricher Landschaft und in der Ramsau ließ man noch später die Leiche vom Brette hinab, nahm dieses aber mit, um es als Gedenkladen über einen Bach zu legen oder am Wege aufzurichten. Noch später richtete in Bayern der Tischler zuerst das Brett, dann den Sarg und das einfache Holzkreuz. Das Brett wird noch im Salzburgischen beim Leichenzuge mitgetragen und bei der „Totenrast“, am ersten Feldkreuz oder alten Baum, woran ein Heiligenbild hing, unter kurzem Gebete niedergelegt. Oder es wird im Pinzgau nach der Heimkehr vom Begräbnis an der Scheune der Familie des Verstorbenen wagerecht befestigt oder senkrecht in die Erde gepflanzt. Sie sollen den, der über diese Rebretter oder Gedenkläden schreitet oder an ihnen vorbeigeht, zum Gebete für die arme Seele mahnen. Mitten in der freien stillen Natur oft in größerer Anzahl aufgerichtet, ergreifen sie als eigenartige Totengedächtnismäler einer anderen Welt mächtig das Gemüt, wie jene hohen unbehauenen Bautasteine, die in Schweden und Bornholm meistens auch in größerer Anzahl beisammenstehen.

Das bunte Wirrsal aller dieser oft widerspruchsvoller Vorstellungen und Bräuche indogermanischer Völker durchzieht wie ein roter Faden ein Urgefühl, ein Grundgedanke: die Seele ist ein nach dem Tode mehr oder minder sinnlich fortlebendes, wenn auch nur einige Zeit, etwa drei Menschenalter, nicht ewig fortlebendes Wesen. Sie fährt als Wind dahin, wohnt als Tier im Hause, streift in Wolfsgestalt umher oder kehrt als Wiedergänger in Menschengestalt zurück. Sie kann sich zu einem Heros, zu einem Rache- oder Schutzgeist steigern, wie wir noch hören werden. Sie kann mächtig auf das Dasein der Hinterbliebenen ein wirken. Weil sie reizbar ist, wird sie meistens abgewehrt oder zu versöhnen gesucht, doch macht sich später auch liebevolle Verehrung bemerkbar. Zumal am 3. Tage nach dem Tode, ferner am 9. (10.), später am 7., dann am 30. und endlich am Jahrestage des Todes verlangt die Seele ihr Opfer, die Seelengesamtheit im Herbst und im Frühling, wenn, wie es scheint, ihre Lebensweise mit der Jahreszeit sich ändert. Ein fleißiger Verkehr entsteht zwischen den Lebenden und den Toten und unterhält, wie z. ß. namentlich beim Gebet zu den Ahnen auf der Hochzeit, einen festen Familienzusammenhang. So ist auch vielfach noch der Aufenthalt der Seele das Haus, das sie als lebendiger Mensch bewohnte, oder doch die Umgebung desselben, das nahe Grab oder ein benachbarter Berg. Noch Snorres Vorfahren nimmt der heilige Fels Helgafell auf, und Holger Danske, Siegfried und die drei Grütlimänner gehen in den Berg. Doch bewohnen die Seelen auch abgelegene Heiden- und Waldhügel oder fahren unruhig in nebelnder oder sausender Luft einher. Wie es keine ewige Fortdauer, gibt es auch kein eigentliches Jenseits für sie. Doch besteht schon früh ein Vergeltungsglaube. Das ist der Urglaube der indogermanischen Völker, der zwar durch den Elfen- und den Götterglauben erweitert und veredelt wird, aber trotz aller Poesie und Philosophie und selbst trotz der Bekehrung zum Christentum noch immer wie ein Bleigewicht an den höheren Unsterblichkeitsvorstellungen unseres Volkes hängt.

Der Seelenglaube hat auf die anderen Gebiete der heidnischen Religion einen starken Einfluß geübt. Die Seele als Wind z. B. griff vielfach in den Kreis der Winddämonen und der Windgötter hinüber. Die Seele als Tier, das vor dem Todesmoment erscheint, und als Wiedergänger mußte den Glauben an besondere Schutz- oder Rachegeister wecken oder stärken. Vereinigte sich die Seele schon im Winde mit den Dämonen und Göttern, so lag es nahe, sie auch in deren Rast- und Wohnörter einzuführen und diese zu Höllen und Paradiesen zu gestalten. Die alten Totenopferzeiten und -bräuche wurden zum Teil auch den Naturgeistem und den Göttern zugewendet. Der Seelenglaube wurde eine Vorschule gar mancher höherer Mythenbildungen und Kultusformen. Diese sind weiten, teilweise später angelegten Schonungen vergleichbar, die im Schutze eines älteren Waldes aufwuchsen, um endlich hoch über jenen emporzuschießen. Wir betrachten nun diese anderen Bestände.

Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen, Meyer, Elard Hugo.

Mythologie der Germanen – Der Alpglaube

mythologie-der-germanen-elard-hugo-1837-1908Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen von Meyer Elard Hugo. Das Sterbelager und das Grab waren die Geburtsstätten des reichen Seelenglaubens, und schon dort war unter andern Erlebnissen und Eindrücken auch der Traum bei der Mythengeburt tätig. Das Traumbild des Toten aber, so wirksam es sich zeigte, war nicht die leitende Macht jenes Glaubensgebietes. Dagegen wenn der Traum sich krankhaft bis zum Alpdruck steigerte, wurde er allerdings die Haupttriebfeder einer anderen Vorstellungsmasse, des Alp- oder Mahrenglaubens. Auch dieser ist uralt.

Das Alpdrücken erklärte schon ein Hofmann Kaiser Ottos IV. für eine aus Verdickung der Säfte entstandene krankhafte Phantasie. Es wird durch eine akute Luftvergiftung oder, laienhafter gesagt, durch schwere Atemnot des Schlafenden hervorgerufen, wie sie etwa nach einer überreichlichen Mahlzeit namentlich in einem dumpfen Schlafraum aus der Verengerung oder dem Verschluß der Luftzugänge der Nase und des Mundes entsteht. Vom Fußende des Bettes fühlt der Schläfer eine unbehagliche Beklemmung allmählich auf den Leib, die Brust, den Hals, ja sogar den Mund vorrücken. Verwandelt sie sich also mehr und mehr in einen Erstickungsvorgang, so befreit sich der Betroffene endlich durch einen raschen Ruck, der auch die geschlossenen Lippen öffnet, oder häufiger noch durch ein Stöhnen oder einen Aufschrei der Angst und des Hilfsbedürfnisses, der ihm die erlösende Luft wieder zuführt. Er erwacht mit Herzklopfen und Schweiß. Nicht nur die Pein des Drucks ist es, die seine Nerven stark erregt, sondern auch die wilden Visionen, die gerade diese Traumart mit den durch betäubende Getränke erzeugten Hallucinationen teilt. Beim höchsten Grade des Alpfiebers reißt ein Taumel den Geplagten über Meere und Länder, von den höchsten Spitzen in die tiefsten Abgründe; feurige Kugeln umschwirren ihn, Flammen umlodern ihn, bis ein furchtbarer Knall die Irrfahrt urplötzlich abbricht.

In früheren roheren Zeiten mußte ein solcher Alpanfall viel öfter und stärker auftreten als in der unsrigen, weil namentlich bei einer auf die Jagdbeute angewiesenen Bevölkerung Speisemangel und Speiseüberfluß oft rasch wechselten und der letzte zu unmäßiger Magenüberladung und damit zu krankhaften Traumzuständen führte. Solche begünstigte ferner die dumpfere Enge der rauchigen Schlafstelle und das dichtere Zusammenleben und -schlafen mit den menschlichen und auch tierischen Hausgenossen. Wie oft mochten sich Hund und Katze dem Schlafenden lastend auf Brust oder Leib legen! Auch die Unordnung des Lagers verstärkte den Alpdruck, denn die Erfahrung hat gelehrt, daß ein Zipfel des Bettzeugs oder eine Bettfeder oder ein Halm des Bettstrohs, dem Träumenden zwischen die Lippen geraten, sich ihm leicht als rauhaariges, befiedertes, stachliges Lebewesen fühlbar macht. Und das beängstigende Dunkel der Nacht, das schon der wachen Phantasie, wie wir im vorigen Kapitel sahen, allerhand Gespenster vorgaukelte, steigerte die Schrecken dieses qualvollen Halbschlafs.

Der Alpdruck vereinigt alle Erfordernisse eines zur Mythenbildung aufregenden Vorgangs in sich, die Rätselhaftigkeit, die volle Beweglichkeit eines körperlichen Wesens und die Macht eines wirklichen Einflusses auf des Menschen Befinden. Nicht nur sein Drücken, sondern auch sein Kommen, sein stilles, sicheres, unentrinnbares Heranschleichen, wie sein plötzliches, spurloses Verschwinden war unerklärbar. Und doch war der Alp soeben noch ein dicker, schwerer Körper, der an Leibhaftigkeit, an sinnenfälligster Wirklichkeit, alle gewöhnlichen Traumbilder, ja alle Bilder der Phantasie überhaupt, bei weitem übertraf.

Man sah und hörte ihn nicht nur, man fühlte ihn auch dreist und erbarmungslos dicht über sich gedrängt, und noch, wenn er beim Erwachen sich aus dem Staube gemacht hatte, troff man von Schweiß, und laut pochte das Herz. Es war fast unmöglich, die Erlebnisse eines solchen Schlafes und die des wachen Zustandes auseinanderzuhalten, jene waren ebenso wirklich wie diese! Aber der Alpdruck blieb denn doch wohl immer auf einzelne Personen und seltenere vorübergehende Momente ihres Lebens beschränkt. Darum hat seine Mythenbildung sich immer in engeren Grenzen bewegt und früh das Bedürfnis gefühlt, sich an andere Mythenkreise anzuschließen, um von ihnen Haltung und Fülle zu borgen.

Der Alp war vor Jahrtausenden und ist noch allen Indogermanen unliebsam bekannt. Die Inder klagten die etwa unseren Elfen vergleichbaren Gandharven an, daß sie aus dem Walde herantanzten, um sich wie ein Hund, ein Affe, ein ganz behaartes Kind dem Schlafenden aufzuhalsen. Die Griechen nannten den Alp Ephialtes den Aufspringer, die Römer Inuus den Aufhocker oder Incubus den Auflieger, die Litauer Aitvars, der unglaublich große Hände und Füße hat, die Letten Leeton, der namentlich Pferde matt reitet. Der jetzt in Deutschland schriftgemäße Name Alp gehörte etwa bis zu Luthers Zeit als Alpdrucksbezeichnung nur Mitteldeutschland an, galt aber bei allen Germanen ursprünglich einer ganz anderen Klasse mythischer Wesen, den elfischen Naturdämonen, und ist daher wahrscheinlich erst am Schluß des Mittelalters von diesen auf jene übertragen, da auch diese eigentlichen Albe oder Elfen vermittelst der Gewitterschwüle und des Wirbelwindes körperliches Unbehagen, ja Druck und Atemnot hervorzubringen vermochten. Der ältere und einst durchgreifende, schon althochdeutsche und altnordische Name ist Mara, zum Unterschied von Ephialtes, Incubus, Aitvars und Leeton weiblich, wie auch die rheinfränkische Mahr, während das angelsächsische mara, das englische nightmare, das niederdeutsche moor männlich ist und im mittelhochdeutschen , mare, im pommerschen Mahrt, das Geschlecht schwankt Neuhochdeutsch tiberwiegt das weibliche. Die Holländer haben nachtmerri, die Franzosen cauchemar die Tretmare vom lateinischen calcare treten, die Slaven , femin., aber böhmisch daneben auch morous masc., denen sich der andere pommersche Name Murraue nähert. Trotz einer lautgesetzlichen Schwierigkeit wird das vielgestaltige Wort wohl auf althochdeutsches marren, hemmen, hindern, altnordisch meria pressen zurückgehen und die Presserin bedeuten. Ähnlich weist der Ausdruck der Östreicher, Bayern und einiger mitteldeutscher Stämme: die Trüd, Trude, Drüde auf ein gotisches trudan d. i. treten, ebenso wie die althochdeutsche truta Trotte, Presse und trutäre der Springer. Die Trude ist also eine Treterin, Trotterin. Diese drei weitest verbreiteten Namen: Alp, Mare und Trude sind von zahlreichen mundartlichen umgeben. Die Franken nennen sie Trempe d. i. Tramplerin, die Tiroler Stempe d. i. Stampferin. Die Schwaben und Alemannen haben das unerklärte Wort Schrättele dafür, außerdem Toggeli d. i. Drückerlein, ferner Rätsel, Druckerl und Lork d. i. Kröte; Ausdrücke, die das Geschlecht dieses Wesens unentschieden lassen. Doch sagen die Züricher: „’s Nachtfräuli hat mi drückt “ Dieser freundlicheren Frauenbezeichnung steht die ernstere oldenburgisch-friesische Walriderske gegenüber, die wohl das Reiten auf dem Wal d. h. dem wie tot hingestreckten Schläfer oder die Zutodereiterin bedeutet. Denn wirklich schreibt man dem Alp sogar tötende Kraft zu. Der überwiegend unheimliche Charakter spricht sich auch in dem allgemeineren Ausdruck: „der “ aus, der im Mittelalter vorkam und bis in neuere Zeit in Bremen und Pommern fortlebte. Die Haupttätigkeiten des Alps, das Treten, Drücken, Reiten, erkennt man schon aus den älteren Schilderungen. Die Mara „trat“ nach der alten Ynglingasaga Kap. 16 dem norwegischen König Wanlandi erst die Beine fast entzwei und drückte ihm dann den Schädel ein, so daß er starb. Dieses ,Trotten’ der Trud beschwört ein alter Spruch, der noch heute durch weitverbreitete Zauberbücher, wie das Romanusbüchlein und den Wahren Geistlichen Schild, unseren Bauern im Aargau, wie in der ungarischen Zips, namentlich aber im Süden und Westen Deutschlands zum Gebrauch empfohlen wird und in bayrischen Hausern noch hie und da in der Kammer oder an der Bettstatt um einen darauf gemalten Trudenfuß oder ein Pentagramm geschrieben steht:

„Trudenkopf, ich verbiete dir mein Haus und Hof, meinen Roß- und Kuhstall, ich verbiete dir meine Bettstatt, mein Fleisch und Blut, mein Leib und Seel, daß du mich nicht trudest. Trude in ein anderes Haus, bis du alle Berge steigest und alle Läublein an Bäumen zählest und über alle Wässer steigest. So kömmt der liebe Tag wieder in mein Haus. Amen.“

Und so fordert auch eine niederländische Beschwörung den Maer, das häßliche Tier, auf, alle Wasser zu wehen, alle Bäume zu blähen, alle Gerstenähren zu zählen, ihn aber diese Nacht nicht zu quälen. So scheuchte schon der alte Inder seine Plagegeister, die Gandharven und ihre Frauen, die Apsa-ras, mit feierlichen Worten hinweg zu den Wasserfurten und großen bewipfelten Bäumen, wo sie sich nach Herzenslust tummeln und schaukeln mögen. Vom norddeutschen Moor heißt es ,he het mi drukkt’ oder ,reden (geritten)‘, hochdeutsch ,dich hät geriten der mar’ . Daher ist ein derartiger Träumer mar-, mortridden oder mareridt und das neumärkische Alpdrücken ein Mahrtriden. Im Mittelalter ,zäumt’ der Alp den also Betroffenen, ebenso wie die oldenburgische Walriderske und die isländische Alfemoe. Ihre Reitlust treibt den Alp von Norwegen bis nach Tirol in den Stall zu den Pferden, wie den lettischen Leeton, und er hetzt sie drinnen oder draußen bis zur äußersten Erschöpfung ab. Am andern Morgen stehen sie stark schnaubend, schweißgebadet, mit unauflöslich verflochtenen Mähnen da. Selbst Kühen saugt er die Milch aus und verschont auch Geißen und Schweine nicht; doch bleibt ihm das Schwein am Lechrain ein Graus. Und zuletzt, wenn der Mare nichts anderes übrig bleibt, umklammert sie sogar einen Baum und drückt ihn mit,Weltsgewalt’ , wobei sie sich wohl selbst zu Tode drückt. Die von ihr besessene Eiche kränkelt von Stund an und zittert auch beim stillsten Wetter.

Das geheimnisvolle Treiben dieses Unholds wurde von Anfang bis zu Ende mit gespannter Einbildungskraft verfolgt. Sein unmerkliches Kommen und sein Eindringen ins Haus erklärte man sich verschieden. Das süddeutsche Schrätteli schwebt wie ein Schatten von den Bergen zu den Häusern herab. Der Alp gleicht einem Nachtschmetterling; aus den zusammengewachsenen Augenbrauen eines dämonischen Menschen, des ,Rätzels’ , fliegt er auf und setzt sich auf die Brust des Schläfers. Meistens schlüpft er nach altem, wie neuerem Glauben in die Stube durch ein Astoder Schlüsselloch hinein, gleich der leisen Zugluft, nie durch offene Türen und Fenster. Eine erst im Jahre 1889 verstorbene Frau kam in einem schlesischen Dorfe einmal wie ein Zugwind durch die verschlossene Türe, huschte in das Bett der Hausfrau und quälte sie, bis sie vor dem Schimpfen des Mannes floh. In Kämthen spielt das Schrattl in den an der Wand zitternden Sonnenstrahlen. Nach der Schilderung eines Kaiserstühlers kriecht das Schrättele durch das Schlüsselloch, man hört es durch die Stube ,tappen’ , von unten herauf kriechen und über das Deckbett rauschen, bevor es Einem auf die Brust hockt. Aber derselbe wußte auch vom Mann im Monde, daß er sich bei Mondlicht über das Bett lehnte und nach Einem langte. Und so kommt die Drud in der Oberpfalz nie, eh der Mond auf gegangen ist, und in Westfalen und Thüringen sind Mondsüchtige Maren. Das aufregende Mondlicht umgibt hier geisterhaft den Alp und verstärkt seine Kraft. Wir verstehen nun auch, warum ein mittelalterlicher Dichter von seiner Liebsten singt:

„da kam sie gerade wie ein Alp auf mich geschlichen“.

Wegen ihres unheimlichen, leis wandelnden und doch schwerfälligen Körpers gilt die Kröte für einen Alp, daher dessen Name Lork. Grausiger ist die steirische Habergeiß oder Nachts,die, wie Rosegger erzählt, in eulenleisem Fluge oft durchs Schlüsselloch trotz ihres riesengroßen Kopfes kommt und diesen lastend auf die Brust des Schläfers legt. Je nach der Beschaffenheit des die Atemnot verstärkenden Bettstücks oder anderen Belags und je nach dem Gewicht des Drucks wechselt die den Träumenden bedrängende Tiergestalt. Bald ist sie glatt, ein Aal, eine Schlange, die dann in Seitentälern des Haslitals Stollwurm, in der Eifel Drache, in Niedersachsen Unke heißt, bald haarig, rauh und stachlicht, ein Pudel, Marder, Igel oder eine Katze. Sie ,gumpt‘ wie eine Katze auf der Brust auf und ab. Weil sie fest umarmt und schwer stößt und stampft, ist sie ein Bär, Schwein oder Bock, heißt auch darum wohl eine Bocksmärte oder Bockhexe. An der unteren Wupper dringt sogar ein Roß durch das Schlüsselloch, legt seine Vorderhufe auf des Schlafenden Brust und stiert ihn mit glühenden Augen an. Am schlimmsten quält das Schrättele, wenn es als Blutegel sich bald in ein Knäuel zusammenrollt, bald wieder zu Riesenlänge ausdehnt. Dieses Tier läßt schon ahnen, daß es nicht beim Drücken bleibt. Das schmerzhafte Saugen kommt noch hinzu. Das alemannische Dockele oder Schrättele saugt in Katzenform die Brüstchen der Kinder, selbst der Männer, an, daß sie aufschwellen und man Milch herauspressen kann. Den Frauen dagegen saugt es die Milch aus. Trinkt am Lechrain ein Kind an der Mutterbrust, so hat die Mutter gewöhnlich einen aus geweihtem Wachs gebildeten Trudenfuß auf der Brust liegen, damit nicht die Trud dem Kinde die Milch entfremde. Dagegen schlürft der Alp auch hin und wieder das Blut der Erwachsenen aus, so daß sie bleich werden und dahinsiechen, und berührt sich in dieser Begierde mit dem slavischen Vampyr. Doch ist er nicht immer Kinderfeind: mit dem im Schlaf lächelnden Kind, heißt es in Schlesien, spielt das Jüdel, das doch wohl auch ein Alp ist.

Über die Brust drängt sich die Mare noch weiter aufwärts bis an den Hals und bläst in den Mund, ja sie steckt ihre Zunge dem Menschen tief in den Hals hinein, daß er nicht schreien kann. Nun geraten auch Gesicht und Gehör des Gepeinigten in Aufruhr: Lichter, Flammen umschwirren ihn, und ein dumpfer Knall erschüttert ihm Mark und Bein. Befreit den Schläfer ein plötzliches Wegschleudem des Arms oder des Kissens von der belasteten Brust und bricht dann sein Schrei endlich hervor, oder — in offenbar milderen Fällen — kräht im Hofe zum erstenmale der Hahn, oder kommt der liebe Tag, wie es in jener Trudenkopfbeschwörung heißt, wieder ins Haus, dann entweicht sie lautlos, meist wie ein flüchtiges Tier: eine weiße Maus, ein Schmetterling, eine Elster, oder gar nur wie ein Rauch. Oder sie liegt als eine harmlose Flaumfeder, ein Besenreis, ein Strohhalm auf der Bettdecke, vom Erlösten noch krampfhaft gepackt.

Aus diesem erlösenden Schrei, vor dem der Alp floh, entwickelten sich dann als förmliche Abwehr- und Verscheuchungsmittel Rufe verschiedenen Inhalts. Fluchen kann das schwäbische Schrättele nicht vertragen, unangenehm ist ihm überhaupt die laute Nennung seines Namens, in christlicher Zeit auch die des Namens Jesu oder Gottes. Das gipfelte dann in der feierlichen Beschwörung, die mit dem Anruf des Trottenkopfes begann, ihn in Berge und Wälder zum Blätterzählen verwies und mit den Namen der hl. Dreieinigkeit schloß. Auch legte man sich wohl in Dänemark über den Kopf ein großes Sieb, dessen Löchlein die Mahrt, die doch über die heilige Zahl Drei nicht hinaus kann, erst zählen muß, ehe sie zu schaden vermag. Wenn der Alp selbst beim Erwachen nicht weichen wollte oder wenn man ihn noch ,hinauswitschen‘ hörte, so drohte man ihn festzunageln oder versprach ihm ein Geschenk: drei Almosen oder die drei weißen Gaben Salz, Mehl und Ei, die man ihm mit der linken Hand reichte. Auch lud man ihn für den folgenden Tag zum Frühstück ein oder rief ihm hastig nach: ,Komm morgen um ein Glehet’ d. h. um etwas zu leihen. In einigen Gegenden Deutschlands stellt der Bauer noch heute für [den]Unbekannten, der ihn in der letzten Nacht gedrückt hat, ein Näpfchen Quarkkäse an die Türe, und eine ältere Münchner Handschrift eifert gegen die, welche dem Teufel etwas opfern und dem Schrättlein oder der Trut ,rote Schüher’ . Ja im schlesischen Orte Kauffung umgeben sich noch gegenwärtig Leute geflissentlich mit dem Nimbus eines Alps, um dadurch nicht unbeträchtliche Geschenke zu erzielen.

Noch auf andre Weise sucht man sich des Alps zu versichern. Hat man beim Erwachen einen Strohhalm, einen Faden oder eine Bettfeder gepackt, so darf man sich durch die Harmlosigkeit des Gegenstands nicht irre machen lassen, sondern muß ihn festhalten, ja man nagelt oder schraubt ihn unbarmherzig fest, damit er elend zu Grunde gehe, oder sich entpuppe, etwa als eine um Hilfe schreiende Alte. Ist der Alp noch im Zimmer, verstopft man das Astoder Schlüsselloch, durch das er hereingekommen ist, denn schon Mephistopheles sagt: ,’s ist ein Gesetz der Teufel und Gespenster, wo sie hereingeschlüpft, da müssen sie hinaus4. So wird auch der Alp gefangen.

Man sorgt aber auch schon im voraus für allerhand Abwehrmittel, Wasser und Feuer, scharfe Werkzeuge, Zauberzeichen und übelriechende Sachen. In der Oberpfalz stellt man z. B. die Bettfüße in Wasser, damit die Trude nicht hinauf kann. Eine brennende Kerze, ja schon ein unangezündeter geweihter Wachsstock von roter Farbe hält den Alp ab. Ebenso ein Feuerstahl, eine Flachshechel, ein Beil, ein Messer auf der Brust. Dann mag sich auf den Färöern der Unhold die Klinge in den Leib drücken. Hier wie im norwegischen Tellemarken vertreibt man die Mare, indem man ein in ein Tuch gewickeltes Messer dreimal um den Leib aus einer Hand in die andre läßt, mit dem Spruch:

„Marra, Marra, Minni,

„Bist du hier innen?

„Denkst du nicht an jenen Schlag,

„Den Sjurdur Sigmundarson dir gab

„Einmal auf das Nasenbein?“

Sigurd oder Siegfried, der vornehmste aller Helden, wird hier als ein Marenschrecken aufgeboten. In Österreich hemmt ein Mistelzweig auf der Türschwelle, in Bayern ein Trudenfuß auf der Mutterbrust, fast überall ein kreuzweise unter das Bett gestelltes Schuhpaar, in der Schweiz und Vorarlberg ein unter das Kissen oder an die Wiege gehängter, mit einem Loch versehener „Schratten-“ oder „Toggistein“. Diese Steine mögen zu den Donar geweihten Donnersteinen gehören, wie denn auch in Ostpreußen die Pferde am Donnerstag vor dem Abendbrot abgefüttert werden müssen, um nicht von der Mahr gedrückt zu werden. Im Stalle wehrt sie am kräftigsten ein schwarzer Geißbock mit seinen Hörnern und seinem Gestank ab, vom Oberrhein bis tief nach Rußland hinein. So verscheuchten die Inder die alpartigen Gandharvas und Apsaras mit dem „Bockshorn“, einem stark riechenden Kraute. Im deutschen Mittelalter räucherte man den Alp mit der Verbena oder dem Holzwurz aus. Und noch werden starkriechende Hexenkräuter in Süddeutschland gegen ihn aufgehängt oder aufs Bett gelegt. In Hessen bestreicht man noch hie und da die von ihm gefährdeten Brustwarzen sogar mit Menschenkot. Ein ganzes Arsenal kindlich roher Anschauungen und Abwehrmaßregeln, das dem höchsten Altertum entstammt und bei den anderen indogermanischen Völkern, namentlich dem griechischen in gleicher Fülle und Eigenart bestand, hat noch bei den heutigen Germanen viele uralte Spuren hinterlassen.

Aber noch hat der Alpmythus seine üppigste Blüte nicht getrieben. Es war unvermeidlich, daß der gefürchtete Druck nicht bloß als von einem Tier, sondern auch von einem Menschen ausgeübt gefühlt wurde; aus der Gesellschaft der vielgestaltigen Alptraumbilder konnte die menschliche Gestalt nicht ausgeschlossen bleiben. Warum sollte nicht eine Liebende oder eine Hassende ganz leibhaftig den Feind oder Freund, eingehüllt ins Dunkel der Nacht, zu grausamer Lust oder Qual heimsuchen, oder auch ihre Seele im Traum in irgend welcher Form sich leidenschaftlich zu gleichem Zwecke aus ihrem Munde drängen und ins Nachbarhaus schlüpfen? Und nicht nur lebende Personen mochten so handeln, auch die Wiedergänger, von denselben Gefühlen stürmisch bewegt, ergriffen das böse Mittel des Alpdrucks, um sich zu befriedigen, schon im griechischen Altertum. Wie der Alpmythus durch diese Seelenanschauung sich mit dem schon besprochenen Seelenmythus verschlingt, so greift er auf der anderen Seite bereits in den Naturdämonenmythus des nächsten Abschnittes hinüber. Denn wenn sich auch der Mensch mit dem Plagegeist in seinem Hause praktisch abgefunden hatte, die einmal erregte Einbildungskraft verfolgte diesen weiter hinaus ins Freie, nicht nur in verdächtige Nachbarwohnungen, sondern auch in die weite Natur. Irgend wo mußte der Unhold doch stecken! Lauerte er nicht draußen auf einen neuen Angriff. Und wie sah er denn nun dort aus? Der Alp hält nur selten draußen seine häusliche, wirklich empfundene, seine sozusagen pathologische Form fest. Jenes Schweizer Schrät-teli, das nachts wie ein Schatten von den Bergen zum Haus herabschwebt, huscht nach seinem bösen Treiben wiederum wie ein Schatten zu den Schluchten und Wäldern zurück und verbirgt sich dort über Tag. Jene bayrische Habergeiß (S. 133), die mit ihrem Kopf den Schlafenden im Hause so schwer bedrückt, macht draußen auf ihrem Eulenfluge in der Mondnacht den Hafer schwarz, und jenes Roß mit den feurigen Glotzaugen tobt im Dunkel gespenstisch über die Heide an der unteren Wupper. Die steirische , Törin’, die die Menschen drückt, hält sich über Tag auf dem Heuboden auf. Am liebsten fliegen die Maren gleich ihren indischen Schwestern, den Apsaras, in die Kronen hoher Bäume, die dann fortwährend unter ihrem Druck zittern, und verwirren deren Zweige zu den sogenannten Marennestern oder Maretakken. Auch ruhen sie auf Brombeersträuchern aus oder lassen sich ins Korn nieder, aus dessen Ähren dann das schwarze giftige Mutterkorn hervorschießt. So werden die ursprünglichen mehr sächlich oder tierisch gedachten, im Schlafraum tätigen Alpgeister zu überwiegend menschengestaltigen Naturgeistern, vorzugsweise zu Windelfinnen, die frei durch die Luft schweifen und auf Wald und Flur verderblich herabfliegen. Die enge Genossenschaft verrät schon der altnordische Mythus: Drifa die Schneewirbelriesin tötet ihren Verlobten Vanlandi durch eine Mara.

Jetzt erst, nachdem der Alpmythus sich um wirkliche Menschen oder um Dämonen von menschlichem Aussehen gelegt und die engen Wände der dumpfen Schlafkammer durchbrochen, strömten alle Leidenschaften und Gefahren des wirklichen Lebens in das Traumleben des Mythus ein. Traum und Wirklichkeit schwammen nun noch leichter in einander über. Die im Traum erschienenen Nachbarn und Dorf genossen gerieten in den schlimmen Verdacht der Alpdrückerei, und indem der Traummythus ins reale Dasein gleichsam zurückwuchs, behauptete man auch, an diesen Verdächtigen die Spuren der mit ihnen im Traum erlebten Ereignisse mit wachen Augen wahmehmen zu können. Es entstand im Dorf eine höchst ärgerliche aus Traum und Leben wirr zusammengegossene Skandalchronik. Aber geheimnisvollen Liebreiz nimmt oft derjenige Alpmythus an, der sich an die übermenschlichen in der Natur waltenden Elfenweiber schließt.

Die mit der traurigen Fähigkeit des Alpdrückens begabten Menschen mußten nach dem Volksglauben von Dämonen oder unter dämonischem Einfluß geboren sein. Ihre Geburt fiel in ein böses Zeichen oder in die uni den 16. Oktober gelagerte Galluswoche, in der mit den Hirten allerhand böse Geister und Seelen von der Weide zu den Dörfern heimkehrten. Ihre Mutter hat in ihren Geburtswehen den Teufel angerufen, oder es ist bei deren Taufe ein Versehen begangen. Ein mit Zähnen auf die Welt kommendes Kind ist auch zum Alpdrücken bestimmt. Und wie der siebente Sohn ein Werwolf wird, so wird die siebente Tochter eine Mahrt. Beide, Werwolf wie Mahrt, sind an zusammengewachsenen Augenbrauen zu erkennen, auch alte Weiber mit Plattfüßen sind Maren. „Gänsfüßige Trute“ schilt man noch in Konstanz. Den breiten drückenden Alp-, Druten-, Schrättelesfuß stilisierte man später in die fremde Zauberfigur des Penta- oder Hexagramms oder um und gebrauchte sie homöopathisch als Gegengift gegen den Zauber. Von ihm stammt der niederdeutsche Name Maerenvoet.

Das weibliche Geschlecht ist der Leidenschaft des Alpdrückens zugänglicher als das männliche. Krankhafte Einbildung leidender junger Mädchen kam dem wilden Aberglauben entgegen, Liebe, Haß, Eifersucht trieb beiderlei Jugend dazu an, und namentlich alte Weiber waren in ihrer Bosheit, Ränkelust und ihrem Neide darauf erpicht Unleugbar hat manche auf diesem Wege förmlich nach Hexenruhm gegeizt. Sie muß aber oft für ihr boshaftes Geschäft büßen. In der Kammer, der Werkstube, der Mühle vom erwachenden Gesellen oder Müllerburschen als Strohhalm ergriffen, wird sie angeschraubt oder festgenagelt und steht anderen Tags als nacktes Frauenzimmer da, den kleinen Finger in den Schraubstock geklemmt, oder hängt gar als altes Weib tot an der Wand. Oder man haut auch einer Katze die Pfote ab, worauf die Frau am andern Morgen mit abgehauener Hand im Bett liegt. Durch ganz Süddeutschland ist folgende Sage verbreitet, die höheren Alters sein wird, ein milderes gleichsam weibliches Seitenstück zu der harten männlichen Werwolfssage: Eine Frau sah einst ihre Magd in der Nacht bleich an der Wand lehnen. Am anderen Morgen bekannte diese ihr weinend, daß sie drücken gehen müßte und ihr nur geholfen werden könnte, wenn sie etwas hätte, was sie erdrücken dürfte.

„Ei, so erdrücke meinthalben die schönste Kuh im Stalle“

, sagte die Frau. Am anderen Morgen lag die Kuh im Stall tot, und die Magd war befreit. Leidenschaftlicher erscheinen diese Nachtwandlerinnen nach norddeutschen Sagen bald in Menschen-, bald in Katzengestalt oder als schnell dahinlaufende Reifen oder Räder. Geistliche Lieder singend, schweifen sie durch die Felder, reißen mit bloßen Händen die Domen ab, schwimmen durch große Gewässer, stürzen sich in Flammen und magern bei ihren nächtlichen Menschenquälereien zu frühem Tode ab. Aber diesen unbestimmten rasenden Drang ersetzt nun auch eine auf eine bestimmte Person gerichtete bestimmte Leidenschaft. Im Hauensteinischen Schwarzwald z. B. dringt ein von seinem Mädchen verlassener Liebhaber als Schrättele durch das Schlüsselloch und legt sich ihr aufs Bett, und ebenso handelt dort wie in der Provinz Sachsen die verlassene Liebste. Auch in einer Bamberger Sage quält eine Müllerin ihren Knecht als Mare aus verschmähter Liebe. Der Quälgeist geht bereits in den Buhl-geist über, und in ähnlichen Sagen ist es nun nicht die leibhaftige Gestalt, sondern nur die im Traum ausgefahrne Seele, die aufs Drücken ausgeht.

Auch aus Gräbern steigt die Alpqual auf, wie wir aus dem. Wiedergängermythus erfahren haben, und der ertrunkne Syiter legt sich mit der ganzen Schwere seiner nassen Kleider alpartig über das Bett des Schlafenden. Die drückende Wucht verwandelt sich in ein markerschütterndes Geschrei, mit dem der Geist eines Ermordeten, das ,schrauend Ding‘ oder ,lopend Rad‘ im Oldenburgischen, so grausig über die Heide stürmt, daß auch die Tiere zittern.

Die volle Schönheit entfaltet der Alpmythus aber erst, wenn er in den Elfenmythus umschlägt; und da dieser es ist, von dem der eigentliche Glanz ausgeht, so kann hier diese leuchtende Spitze nur eben berührt werden. In dem Falle nämlich, wo die Mare nicht eine Nachtwandlerin oder eine ausgefahrene Seele oder eine Wiedergängerin, überhaupt nicht ein menschliches, sondern ein elfisches Wesen war, entstanden ganz neue imgewöhnliche Verhältnisse. Es war freilich auch ein Dämon wie der ursprüngliche Alp, aber es zog als elfisches Wesen seine ganze in den Wettererscheinungen sich offenbarende Naturgewalt mit sich. Es flog mit dem Sonnenstrahl durch das Schlüsselloch oder eine Ritze zum Jüngling hinein. Es floh nun auch nicht immer nach einem Zusammensein von wenigen Nachtstunden wieder davon, sondern wurde gezwungen, lange Jahre bei ihm zu verbleiben. Wesen zweier Welten taten sich zu einem dauernden Bündnis zusammen, sie trat in seinen Dienst oder schloß sogar mit ihm eine Ehe; denn als Elfin war sie klug und gewandt und oft genug von bezaubernder Schönheit. Immer aber blieb die Dauer solcher Verhältnisse von einer bedenklichen Bedingung abhängig. Eine gewisse Fremdheit konnten die Beiden gegen einander nicht überwinden, eine Spannung zitterte durch alle Liebe hindurch, stammte das eine doch von dieser Erde, während das andere über der Erde seine Heimat hatte, wonach es eine unstillbare Sehnsucht trug. Wie hoch man die Schönheit und den Adel dieses fremden, fluchtbegierigen Weibes schätzte, geht daraus hervor, daß man von Island bis nach Griechenland und Indien hin hervorragende, selbst königliche Geschlechter aus solch einer wundersamen Verbindung eines Sterblichen mit einer Apsaras, einer Nereide, einer Elfin herleitete.

Manchmal führte der Alpdruck einer Elfenschöne zu keiner dauernden Lebensgemeinschaft, sondern hatte den entgegengesetzten Erfolg. Die alte quälerische Unholdsnatur wog noch vor. Ein baumstarker Montavoner hatte mit beiden Händen ein Doggi, das sich ihm auf die Brust legte, bei den Zöpfen festgehalten. Als aber sein Weib, dem er zurief, mit Licht kam, wurde er des Doggi nicht mehr Meister; es huschte windschnell zur Tür hinaus, und man sah noch, wie seine zwei fliegenden Riesenzöpfe um die Türpfosten schlugen. Die Mare auf den Färöern gleicht der schönsten Dime und drückt zur Nachtzeit den von ihr heimgesuchten Mann so fest auf die Brust, daß er keinen Atem holen, kein Glied rühren kann. Sie fährt ihm mit ihren Fingern in den Mund, um die Zähne zu zählen; wird ihr Zeit gelassen, sie abzuzählen, so muß er das Leben verlieren. Anders erging es einem Witwer im Oldenburgischen. Als er einmal die Nähe einer Walriderske spürte, griff er zu und erhaschte einen vollen weichen Arm; aber sie entschlüpfte ihm durch das Riemenloch der Tür. In der folgenden Nacht jedoch gelang es ihm, sie festzuhalten, ein schönes junges Mädchen. Er machte das Riemenloch dicht zu, und sie war mehrere Jahre seine treue Haushälterin. Wie er aber einmal das Loch geöffnet hatte, verschwand die Fremde mit dem Ruf

„Wat klingen de Klocken in Engelland!“

Unsichtbar sorgte sie auch dann noch für seine und seiner Kinder Kleider und Wäsche bis zu seinem Tode. Fast genau dasselbe erzählt man von einer vorarl-bergischen und einer graubündischen Mare, von einem Doggi. Aber häufiger ist die schönere Geschichte, daß die Mare von dem Mann auf Bettesrand festgehalten wird, nackt und in leuchtendem Goldhaar, daß sie dann Kinder bekommen und glücklich Zusammenleben, bis der Mann ihrem Drängen, ihr das einst von ihr zum Einschlüpfen benutzte Astloch zu zeigen, in einer weichen Stunde nachgibt. Auch in Smäland kam eine Alfenjungfrau durch ein Astloch der Wand mit den Sonnenstrahlen in ein Haus und wurde von dem Sohn geheiratet. Sie gebar ihm vier Kinder, durch die sie die Stammutter eines namhaften Geschlechts wurde, und verschwand an einem heiteren Tage auf dieselbe Weise, wie sie gekommen war. Aber um dem aus den Erscheinungen der freien Natur geschaffenen Elfenmythus nicht vorzugreifen, dürfen wir hier nicht auf die hochpoetische Verkleidung der wüsten Maren in herrliche Schwanweiber, die nun nicht mehr in Kammer oder Stall oder Mühle, sondern im freien Quellbade überrascht werden, weiter eingehen. Und wenn das Alpwesen nicht im Sonnenstrahl in die Stube dringt, sondern in der Mittagshitze der Erntezeit draußen über den glühenden Kornfeldern zittert, so gewinnt es auch den Charakter eines Naturgeistes, des Mittagsgespenstes, das den Sonnenstich erzeugt. Und vollends modernisiert ist unser Alp, wenn „er im Traum eines Kandidaten als mordlustiger Examinator erscheint“.

Mythologie der Germanen – Die höheren Dämonen

mythologie-der-germanen-elard-hugo-1837-1908Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen von Meyer Elard Hugo. Die Germanen gehörten zu denjenigen Naturvölkern, die zwar lange Zeiten hindurch nomadenhaft ihre Wohnsitze immer wieder wechselten, aber in der Regel mit diesem Wechsel einen höheren Kulturstand erreichten. Das zeigt auch ihr Übergang von der niederen zu einer höheren Mythologie. Sie gaben zwar keineswegs den Glauben an Gespenster und Maren, Elfen und Riesen auf — er bildete vielmehr den dauernden Untergrund ihrer Religion bis in die neuere Zeit hinein —, aber er allein genügte nicht mehr. Diese Wesen alle waren trotz ihrer mannigfachen Zauberkräfte doch nicht viel mehr als ihresgleichen. Im Umschwung der großen Schicksale, der die germanischen Stämme aus dem Osten zuerst nach Mitteleuropa und dann weiter nach Süd- und Westeuropa warf, bei der wachsenden Erkenntnis ihrer höheren Lebenszwecke bedurfte es für sie anderer stärkerer Mächte, als jene niederen Dämonen waren, um ein festes Vertrauen zu ihnen und das noch fehlende tiefste religiöse Gefühl, die Andacht, zu erwecken. Wie in der Sprache der alte Wortschatz einen allmählichen Bedeutungswandel erfuhr, indem man der Bezeichnung nicht bloß äußerlicher Dinge und Vorgänge, sondern auch innerer Eigenschaften Herr zu werden suchte, so bildete sich im Glauben der alte Mythenschatz um, indem seinem mehr sinnlichen Gehalt mehr und mehr geistige, sittliche und aesthetische Motive eingeflößt wurden. Die alten Figuren wurden umgeformt und vergeistigt, ihr Kultus gereinigt und vertieft. Aus dem sinnlichen Mythenstoff keimten immer kräftiger die Empfindungen des Unterschiedes von Schön und Häßlich, von Gut und Böse, von Vergangenheit und Zukunft empor. Über das Urgestein schob sich eine neue, in vielen Stücken wertvollere Schicht, die aber weder die Mächtigkeit der ältesten, noch die der späteren hatte. Mit andern Worten: der Glaube erstieg eine höhere Stufe, die der höheren Dämonen, die eine Zwischenstufe von der niederen Mythologie zu der Göttermythologie bildet.

Veredelung oder doch Vergeistigung des dämonischen Wesens ist das Hauptmerkmal, das diese höheren Dämonen von den niederen scheidet. Zwar haben auch sie noch nicht allen Zusammenhang mit den sinnlichen Naturerscheinungen gelöst, aber ein höherer, von diesen mehr oder minder unabhängiger Beruf füllt doch nun fast ihr ganzes Leben aus. Sie treten auch gewöhnlich nicht mehr in unzählbarer Menge auf, sondern ordnen sich entweder zu einer Sippe, wie die Riesen des späteren Mythus, oder sie verteilen sich in zwei oder drei Scharen, oder sie bilden eine scharf umrissene Gruppe von zwölf, neun, sieben oder drei Personen, wie die Walküren und die Nornen, oder auch nur ein Paar, oder sie schließen sich zu einer einzigen Gestalt zusammen, die nun ein ganz individuelles halbgöttliches Dasein führt, wie Mimer und Loki. Gleich den Elfen und den Riesen des späteren Mythus werden sie häufig in einen umfassenderen Götteroder Heroenmythus verflochten, aber sie greifen auch tief ins Menschenleben ein. So stellen sie einen Dämonenadel dar, der das niedere Volk der älteren Geister nicht verdrängt, aber überragt, jedoch selber wieder unter den noch jüngeren königlichen Göttern steht und diesen oft zu dienen hat. Mancher echt germanische Zug haftete schon den Seelen, Maren, Elfen und Riesen an, obgleich alle diese Dämonen internationale Figuren des indogermanischen Völkerkreises waren. Die höheren Dämonen haben zum Teil auch noch wenigstens ihren Ursprung in solchem weiteren Kreise, der sich aber schon zu einem indoeuropäischen zusammengezogen hat; zum Teil tragen sie bereits ein ganz nationales, eigentlichst germanisches Gepräge.

Unter diesen höheren Dämonen beanspruchen die weiblichen den Vortritt, sie zeigen sich gern in Gruppen. Die Nordleute nannten sie Disir, d. h. kluge Frauen oder genauer Spddisir, framvisar Disir zukunftskundige Frauen, worunter sie halbgöttliche Weiber verstanden, bald Nornen, bald Walküren, bald Schutzgeister. Ihnen scheinen die weit ungenauer charakterisierten Idisi in Deutschland zu entsprechen.

Die Schicksalsfrauen oder Nornen, die die erste Gruppe bilden, haben in den griechischen Moiren und den römischen Parzen ihre ziemlich getreuen Gegenbilder. Der Name der Nornen, der ursprünglich auf Island, die Färöern und Norwegen beschränkt war, ist nicht sicher zu deuten. Wenn er wirklich, wie man vermutet, die Flechterinnen bezeichnete, so würde das nicht nur zu der bisher einleuchtendsten Erklärung des lateinischen Parzennamens stimmen, sondern auch einen Hauptzug ihres Tuns wiedergeben. Nicht nur die nordischen Nornen, sondern auch die ihnen entsprechenden deutschen Schepfen flochten und wanden das Schicksalsseil. Seltener gebrauchte man für sie im Norden den Plural Urdir, dessen Sinn klar ist. Denn das singularische Urdá (r), der Name der bedeutendsten isländischen Norne, geht im Sinne von Geschick, Verhängnis, Tod als althochdeutsch Wart, altsächs. Wurdh, angelsächs. Wyrd, englisch Weird durch die andern germanischen Sprachen. Aber auch in diesen nahm der abstrakte Gattungsname, wie das entsprechende griechische Moira, das Lebenslos, mehr und mehr den Charakter des Eigennamens eines überirdischen Wesens an, die Wurt wurde eine Schicksalswalterin. Als Hadubrand, der seinen Vater Hildebrand für tot hält, vom Zweikampf mit diesem nicht lassen will, da ruft der Alte aus: „Nim wohlan, waltender Gott, Wehwurt geschieht!“ Schon persönlicher nimmt im Heliand und im Beowulf die Wurd oder Wyrd den Menschen weg, d. h. er stirbt, und die Wyrd webt ihm sein Geschick. In England waren die drei Weirdsisters bekannt.

Daneben erscheinen die Schicksalsfrauen als die altdeutschen Skeffarun, Skephentun, Schepfen und als rasche, jähe Gdchschepfen und noch bei Michael Behaim als die Geschöpfen, d. h. Verhängerinnen, wie auch den nordischen Nornen das Skapa, d. h. Verhängen, beigelegt wurde. Die angelsächsischen messen das Leben ab als graman Mettena grimme Messerinnen, und das ganze Schicksal hieß altsächsisch Wurdigiscapu oder Metodogiscapu und, als Werk ratender Mächte, Reganogiscapu.

Die Schicksalsfrauen treten fast immer in der Dreizahl auf, wahrscheinlich weil sie den Anfang, die Mitte und das Ende des Lebens bestimmten, und sehr häufig sind sie verschwistert oder wenigstens miteinander nahe verwandt. Burkhard von Worms nennt die drei „Parzen“, deren Bewirtung er tadelt, Schwestern, Saxo erzählt von drei schicksalbestimmenden Schwesternnymphen, der Engländer kennt drei Weirdsisters, der Friese , der Niedersachse drei weiße Jungfern, der Süddeutsche, insbesondere der Bayer, drei Schwestern, Basen, , Jungfern oder auch drei Heilrätinnen. Wie die Disir, die nicht nur Walküren, sondern auch Nornen bezeichnen, weiß oder schwarz sind, ist auch die der Urdr gleiche Hel halb schwarz, halb menschenfarbig, und von den drei bayrischen Heilrätinnen, deren eine Hel(d) heißt, ist die eine weiß, die andere halb weiß, halb schwarz und die dritte schwarz. Dem heiteren Geburtstage gebührt die weiße, dem freudevollen, aber auch mühevollen Hochstande des Lebens die gemischte und der ernsten Todesstunde die schwarze Farbe ihres Gewandes. Einfluß geübt haben mag auf diese Verteilung auch die Verschiedenheit der älteren Elfinnen, die, je nach der Wolkenfarbe, in der sie erschienen, bald licht und freundlich, bald finster und feindselig waren, bald zwischen beiden in der Mitte schwebten. So wurde im indischen Weda die leise auf dämmernde, dann voll prangende und wieder dahinschwindende Göttin der Morgenröte in den drei Formen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufgeführt. Namentlich mit den Wolken- und Quellelfinnen zeigen die Nornen nahe Verwandtschaft. Der Schotte kannte sogar Weirdelves, die Norae Skuld ist Tochter einer Alfin und ist von Alfen und Nornen umgeben. Saxo nennt die Nornen Nymphen, und die bayrischen drei Schwestern sind auch Wasserjungfern und Meerfräulein. Gleich deutschen Nixen, weißen und wilden Frauen, spinnen, flechten, singen, weissagen jene drei Schwestern, und die nordischen Nornen sind auch Schwäne und Schwanjungfrauen. Die drei süddeutschen Schwestern haben wie die Wirbelwindsbräute (S. 164) einen Gürtel, der, vom Menschen umgelegt, ihm den Leib zerreißt. Wenn die Schicksalsfrauen andrerseits in der Völuspa drei übermächtige Riesenmädchen heißen und Urd vereinzelt als schwarzgekleidete Riesin auftritt, so kommt darin ebenfalls ihre Herkunft von älteren Naturdämonen, aber auch die Gewalt ihres erhabenen Berufs zum Ausdruck. Dann wieder stammen sie von Äsen, Alfen und Zwergen ab, je nach ihrem Charakter und dem Gebiete ihrer Tätigkeit. Doch scheinen sie keine Macht über der Götter Dasein zu haben, und ihr Erscheinen nach der Menschenschöpfung in der Völuspa hat den Zweck, den Menschen das Schicksal zu bestimmen.

In der Nornenschilderung der beiden Edda’s mischt sich Uraltes und Neueres. Die drei Nornen sitzen am Urdarbrunnen unter der immergrünen Eiche Yggdrasil, dem Wolkenbaum, den sie (täglich) mit glänzendem Naß begießen. Von da fällt der Tau in die Täler herab. (Zwei Schwäne schwimmen auf dem Brunnen.) In diese alte Wolkenscenerie, in der man die stille Badestelle der Schwanjungfrauen wiedererkennt, dringt mm der Gedanke eines höheren Berufes. Aus dem Saal oder, nach anderer Lesart, dem See unter dem Baum kamen die vielwissenden Mädchen Urdr, Verdandi — sie schnitten in ein Holzstück (den Schicksalsspruch) — und Skuld. Sie bestimmten das Gesetz, sie erkoren das Leben den Menschenkindern, das Schicksal der Männer. Und nun beginnt in der Völuspa sich das Weltenschicksal zu entrollen. Ruhig walten die Nornen ihres hohen Amtes. Eine ähnlich großartige Landschaft tut sich hinter ihnen bei des vornehmsten echt nordischen Helden Helgi Geburt auf. Da schrieen die Adler, und heilige Wasser strömten von himmelhohen Bergen. Kräftig wanden sie die Schicksalsfäden unter burgenbrechendem Sturm. So künden sie noch wie mit Naturkraft ein leidenschaftliches kurzes Kampfleben an.

Wie die drei Nornen, wohnen die drei bayrischen Schwestern an einem Brunnen oder See, schwimmen als Enten darauf, singen und jammern vor großen Ereignissen. An ihrem Rastort, der „Jungfernrast“ bei Meransen, hoch oben in den Alpen, entsprang ein heiliger Baum und ein Brünnlein. Von da spenden sie Regen, weshalb man bei Dürre noch im 19. Jahrhundert sieben bis acht stundenweite Wallfahrten dorthin machte. Wie die Nornen das Schicksalsseil drehen und auswickeln, so spinnen die bayrischen Schwestern, hängen Wäsche auf und spannen ein Seil von einem Berg zum andern, um gutes oder schlechtes Wetter anzuzeigen. Wird ihrer eine verwundet, so bricht ein Unwetter los.

Jene blaß abstrakten Einzelnamen der drei nordischen Nornen: Urdr, Verdandi und Skuld, die offenbar das Gewordene oder die Vergangenheit, das Werdende oder die Gegenwart und das Gesollte oder die Zukunft bedeuten sollen, sind stark verdächtig, den spätlateinischen Parzennamen Praeteritum, Praesens und Futurum nachgebildet zu sein. Von echterem Klange sind die allerdings auch wenig frisch sinnlichen Namen der drei süddeutschen Schwestern Einbet, Wilbet und Werbet, die wohl von Bitten in der alten Bedeutung des Gebietens und Befehlens herzuleiten sind. So wird auch das entsprechende nordische Bidja das Befehlen, Bestimmen als eine Haupttätigkeit der Nornen hervorgehoben. Dann wäre Einbet die in ihrer Art einzige Schicksalsbestimmerin, die oberste Bestimmerin, Wilbet, die des Gewollten, des Erwünschten, Werbet, die der Wirren, der Wechsel des Lebens.

Diese drei heidnischen Schwestern wurden nicht nur in den Heiligenstand erhoben, sondern auch an manchen Orten alle drei oder ihrer zwei durch Heilige ersetzt. Sie heißen dann St. Einbet, St. Werbet, St. Wilbet; von denen die erste bei Freiburg i. B. auch allein eine Kapelle hatte. Auf dem Kapellenberg bei Gengenbach aber, dem Platz eines alten Römerkastells, wurde der Einbet und den beiden christlichen Märtyrerinnen St. Perpetua und St. Felicitas eine Kapelle gebaut, und im Jülichschen und im Elsaß sogar Fides, Spes und Caritas an ihre Stelle gesetzt. Sie wurden auch dem Heere der 11000 heiligen Jungfrauen eingereiht. Die Bayern verehrten die drei Schwestern in unterirdischen Gängen und Höhlen, „steinernen Stuben“, und an heilkräftigen Brunnen bis in die Brixener Gegend, die Alemannen bei dem Dreischwesterbrunnen auf dem Rigi und an den Hängen des Schwarzwalds und noch über dem Rhein, die Franken vorzugsweise im niederrheinischen Jülichgaue. Saxo weist den nordischen drei Schwestern einen Tempel mit drei Sitzen an.

Die deutschen und die nordischen Schicksalsfrauen stimmen nicht nur in ihrem Naturleben, sondern auch in ihrem Berufsleben überein. Jene wie diese „schaffen“ oder „schepfen“ d. h. verhängen, oder „bitten“ im Sinne von befehlen, bestimmen, oder „raten“ d. h. entscheiden das Schicksal. Die guten Nornen schaffen Glück und Ehre, die bösen Freud- und Ruhmlosigkeit. Sie richten und weisen und weissagen schon bei seiner Geburt des Menschen Los, das die beiden ersten, wie es nach der Völuspa scheint, auf ein Holz einkerben. Darum hieß auch im Angelsächsischen der Schicksalsbeschluß Schicksalsbuchstabe Vyrdstäf. Ihrem unwiderruflichen Wahrspruch, heißt es, kann niemand widerstehen oder

„Niemand lebt nur noch einen Abend, wenn er ihren Spruch vernommen hat“.

Es bricht hier das Gefühl des Unabwendbaren durch, das mit unerschrockenem Fatalismus die Helden des germanischen Südens wie die des Nordens durchdringt und noch in der neueren isländischen Alfensage so ergreifend zum Ausdruck kommt.

Nach Burkhard von Worms um 1000 bestimmen drei Schwestern das Schicksal des Menschen bei seiner Geburt und können ihnen dabei die Fähigkeit verleihen, sich in einen Werwolf zu verwandeln. Nach Saxo befragte König Fridlev nach feierlichen Gelübden drei auf Stühlen sitzende Nymphen in ihrem Tempel um die Zukunft seines Sohns. Die zwei ersten verhießen ihm Reichtum und Glück, die dritte aber Geiz. Der antiken Meleagersage scheint die vielleicht nur scheinnordische Nornagestssage zu entsprechen, in der zwei Nornen dem Kinde Glück verkünden, die dritte dagegen nur das kurze Leben einer neben ihm brennenden Kerze. Die wird mm rasch gelöscht, um ihre schnelle Aufzehrung zu verhindern, gerade wie der Feuerbrand des Herdes bei Meleagers Schicksalsoffenbarung. Auch die deutschen drei Schwestern stimmen keineswegs immer in ihrem Ausspruch überein, die zwei weißen haben meistens die gleiche Gesinnung, während die dritte sich oft nicht in den Willen der andern fügen will. So galten auch ihrer zwei für blind und wurden von der dritten übervorteilt.

Aber nicht nur durch Spruch oder Schrift fällen sie ihr Urteil, sie spinnen auch das Leben des Menschen an, spinnen es weiter, spinnen es ab. Sie wirken sein Lebensgewebe oder flechten ein Seil, bis die eine es zerreißt. Klar drückt dies ein Minnesinger des 13. Jahrhunderts, der Marner, aus:

„Zwei Schepfen flochten mir ein Seil, dabei die dritte saß; die zerbrach’s zu meinem Unheil“.

Unklarer ist das erste Helgilied. Die für Helgi kräftig gewundenen Schicksalsfäden waren goldene Seile, die die Nornen auseinander wickelten und unter dem Himmel befestigten. Ihre Enden bargen sie im Osten und Westen, zwischen denen sein Land in der Mitte lag. Eine Kette aber warf eine Norne nordwärts und befahl ihr, immer zu halten. Bedeutet das: Weit soll Helgi’s strahlender Ruhm sich ausbreiten und sein Andenken im Norden ewig dauern?

Die Nornen der Geburt sind Nothelferinnen, schon in der Liederedda Naudgönglur, die die Mutter vom neugeborenen Kinde lösen. So spinnen die zwei guten bayerischen Heilrätinnen Leinen für die Wöchnerin, die sich darauf legt, um leichter zu gebären, und die drei Jungfern von Schildtum, denen 1237 eine Kapelle geweiht wurde, beförderten glückliche Entbindung. Darum erschienen die Nornen, wie die drei deutschen Schwestern des Mittelalters und die neuisländischen Blakapur oder Schwarzmäntel, bei der Geburt im Hause des Neugeborenen und wurden hier bewirtet. Die „Nornengrütse“, wahrscheinlich die beliebteste mit Honig durchsüßte Grütze, die erste Speise der färöerschen Kindbetterin, ist wohl als Nornenopfer zu betrachten. Auch das Zuckerwerk, das noch in Deutschland und Holland das Neugeborene seinen Geschwistern mitbringt, mag ursprünglich für die Schicksalsfrauen bestimmt gewesen sein. Denn Burkhard von Worms erwähnt die volle Zurüstung eines Tisches mit Speis und Trank und drei Messern für die drei Schwestern. Aber sie fand nicht am Geburtstag, sondern zu Neujahr statt, war also übertragen auf die Zeit, in der man im Orient und darnach im Abendlande den Tisch des Glücks mit Speisen und Getränken versah.

Die Gabe, ein Geldstück oder eine Peitsche oder ein Kochlöffel, die man noch hie und da in Deutschland zu guter Vorbedeutung ins erste Kindsbad beschert oder dem Kinde ins Händchen steckt, wird früher als Gabe der Schicksalsfrauen gedacht worden sein, wie es der unten erwähnte griechische Brauch ausdrückt. Die deutschen Schicksalsfrauen wurden wahrscheinlich auch mit einem Liede begrüßt, das in moderner Form noch über der Wiege manches Bauernkindes gesungen wird:

„In N. N. steht ein goldnes Haus,
Da schauen drei Jungferle (Mariele) heraus,
Eine windet Seide,
Die andere schnitzelt Kreide,
Die dritte schneidet Haferstroh,
Behüt mir Gott mein Kindlein auch!“

Hoffnungsvoll beginnt das Leben mit dem Winden der schönen Seide, setzt sich fort in dem unklaren, wahrscheinlich verderbten Kreideschnitzeln und endet mit dem Schneiden des dürren Strohes, eines Symbols des Todes. Freundlicher heißt es auch von der letzten Jungfer: „Die dritte macht’s heilig Tor auf“, sie öffnet also den Himmel. — Weiße Fleckchen auf den Fingernägeln, die noch heute nach deutschem Aberglauben Glück bedeuten, gelten auf den Färöern für „Nornenspuren“.

Die altnordischen Nornen gossen Naß auf den Wolkenbaum, von dem Tau auf die Erde herabfällt. Auch die bayerischen drei Schwestern begünstigten nicht nur die Fruchtbarkeit der Weiber, sondern auch die der Felder, weshalb bei Dürre die Tiroler mühsam über Berg und Tal zu ihnen hoch nach Meransen hinauf wallfahrten. An den drei ersten Märzdonnerstagen verehrt man zu Lützkampen im Kreise Prüm die drei in Holz geschnitzten Fides, Spes und Caritas, vielleicht weil man dann die ersten Pfluggänge machte; in Frauweiler bei Bedburg wurde der Einbett, Willbett und Warbett am 1. August d. h. am Schluß der Getreideernte das Dreijungfernfest gefeiert, und den süddeutschen drei Heilrätinnen opferte man drei schwarze Pfennige oder auch vor der Ernte drei stehende Ähren, die man mit weißer Seide zusammenband und die dann ein Kind unter sieben Jahren auf das Feld legte. Auch scheinen sie Ehestifterinnen zu sein, denn die drei wilden Frauen vom Staufen bei Reichenhall, zwei weiß und die eine halb schwarz, halb weiß, kamen nicht nur nach der Geburt ins Haus und sangen, dem Kinde zum Glück, sondern sie kamen auch zur Hochzeit. So erschienen früher auch auf märkischen Hochzeiten drei Feien oder als Frauen verkleidete Maschkers. Von der Botenlaube, einer Burg bei Kissingen, stellten sich die drei Schwestern, in denselben Farben wie jene Staufer Frauen, bei Kindstaufen, Hochzeiten und Begräbnissen ein.

Ist der Nornen Spruch ergangen, so lebt niemand nur einen Abend. Der Urdarmdniy der Mond der Norne Urd, ein halbmondförmiger Schein, bewegt sich an der Wand eines Hauses und bedeutet großes Sterben; ebenso wie das westfälische Quädlecht an der Wand den Tod eines Hausbewohners ankündigt. Namentlich Urd, Wurd oder Wyrd führt den Tod durch ihren Eingriff herbei, und Ainbet wird als ein mörderisches Burgfräulein geschildert. Wie diese zur Held oder Rachel d. h. zur rächenden Hel, der Unterweltsgöttin, wird, berührt sich auch Urd nahe mit der nordischen Hel. Hel bezeichnete ursprünglich das Grab, weiterhin das Totenhaus und endlich die Herrscherin desselben. Sie ist halb schwarz, halb menschenfarbig oder ganz schwarz; sie hat ein Seil und einen Hund gerade wie die bayerische Held; sie nimmt nach der älteren nordischen Auffassung und der Volkssage alle Toten auf, nach der späteren nur die nicht im Kampf Gefallenen oder gar nur die Schlechten. Aber auch den getöteten Gott Balder erwartet die Hel in einem hohen geschmückten Hause, im Saale Eljudnir, mif Met und Goldschmuck der Dielen. Auf dem Helweg kommt man über den Totenfluß zur Helgrind, zum Höllengitter. Aus Näsheim, dem Totenheim, reitet ein großes Weib auf grauem Hengst, an dessen Schwanz ein Mann fortgeschleppt wird zur Strafe für seine Schlechtigkeit. In Dänemark geht ein Seuchen ankündigender Hel als dreibeiniger Helhengst um, der an den männlichen reitenden Tod der Apocalypse erinnert. In Bayern erscheint dieses gespenstische Todesroß allein oder mit den drei Schicksalsschwestern.

Der Dreischwesterglaube ist nicht schon in der indogermanischen Gemeinschaft entstanden, er scheint auf die europäischen Indogermanen beschränkt. Die Schicksalsfrauen sind nicht gleich den Gestalten der niederen Mythologie psychologische Urphänomene, sie sind Geisteserzeugnisse einer schon späteren Kultur in Europa, die mit der der asiatischen Arier, der Iranier und Inder, nicht mehr in genauem Verbände stand.

Schon in der homerischen Dichtung tritt eine einzige Schicksalsfrau oder mehrere, meist drei, auf, eine Moira oder drei Moiren, wie im germanischen Glauben eine Urd-Wurt oder drei Urdir. Die Moiren sind schon damals Klothes, Spinnerinnen, deren erste bei der Geburt eines Menschen den Lebensfaden anspinnt, während die beiden anderen ihn weiter- und abspinnen, oder die letzte ihn zerreißt oder nach römischer Anschauung abschneidet, sowie die germanischen spinnen, winden, weben und ein Seil drehen und zerreißen. Nach hellenistischem und neugriechischem Glauben spinnt nur eine, die andere zieht von drei Losstäbchen eins hervor, die dritte schreibt den Schicksalsspruch auf ein Täfelchen oder in ein Buch. So kannte der Angelsachse ein Vyrdstäf, ein Losstäbchen der Vyrd, und zwei der nordischen Nornen schnitten den Schicksalsspruch in ein Holz ein. Unwiderruflich ist der griechischen wie der germanischen drei Frauen Beschluß. Noch vor Kurzem riefen schwangere athenische Frauen die Hilfe der Moiren an und rieben sich dabei an einem Felsen bei der Quelle Kalirrhoé, und so breiteten ja auch die bayerischen Heilrätinnen ihr Leintuch hilfreich den Gebärenden unter. Die antiken Moiren wurden auch bei Geburten angefleht und in Sikyon alljährlich mit trächtigen Schafen, Honigwasser und Blumen beschenkt. Die neugriechischen Moiren, die in der dritten Nacht nach der Geburt erscheinen, werden im sorgsam gesäuberten Hause mit einem Teller Honig, Zuckerwerk und drei Gläsern Wasser, drei Löffeichen und drei Handtüchern empfangen. Auf Corfu legt man für sie neben den Neugeborenen außer Brot und Zuckerwerk auch Gold. Ähnlich wurden die germanischen Schicksalsfrauen bewirtet und beschenkt und ähnliche Gaben, Zuckerwerk und Geld, auch neben das deutsche Kind gelegt. Und, um das gleich anzuführen, auch den bretonischen Feen wurde eine reich besetzte Tafel mit drei Gedecken bereitet, um sie dem Neugeborenen günstig zu stimmen. Nehmen und Geben gehen in diesem Verkehr hin und her; die Gaben sind bald mehr für die überirdischen Weiber, bald mehr für das neue schwache Erdenkind bestimmt. Die griechischen Drei sind nicht immer einig in ihrem Verhalten gegen das neue Leben; öfter hadern sie vor ihrem endgültigen Schicksalsspruch unter einander. So zanken auch häufig die nordischen Nornen und die bayerischen Schwestern. Kleine Blütchen auf der Nase des neugeborenen Kindes gelten in Neugriechenland für Schriftzeichen der Moiren; weiße Tupfen auf den Fingernägeln, „das Blühen der Nägel“, im Norden für Nornenspuren. Die von der deutschen Mutter an der Wiege ihres Kindes begrüßten drei Jungfern schauen aus einem goldenen Haus; die Moiren wohnen auf dem Gipfel des Olympes oder am Ende der Welt in einem Palast mit herrlichem Garten. Die drei wilden Frauen vom Reichenhaller Staufen singen das Hochzeitslied, wie die drei Moiren bei der Vermählung des Zeus mit der Hera und der des Peleus mit der Thetis. Wie Wurt und die Todesgöttin Hel sich berühren, so wirken schon in der Ilias Moira und die beiden Todesgottheiten Thanatos und Ker kameradschaftlich zusammen, und der neugriechische Todesgott Charos auf seinem Pferde, der die Moiren vom Gebiete des Todes zurtickgedrängt hat, erinnert an den germanischen Helhengst, der die Stelle der Todesnorne einnimmt. Felsgrotten und unterirdische Gänge waren in Griechenland wie in Bayern die Lieblingskultstätten der Schicksalsfrauen.

Die auffallende Übereinstimmung der Grundzüge des germanischen Nornenglaubens mit denen des griechischen Moirenglaubens, die auch bei den Slaven und Kelten wiederkehren, darf nicht auf Entlehnung zurückgeführt werden, sondern ist aus alter Religionsgemeinschaft zu erklären. Aus dieser heraus entwickelte dann nach der Trennung jedes Volk für sich einzelne besondere, meist aber dann auch noch ähnliche Züge. Die Gesamtbenennung dieser mythischen Wesensgruppe scheint sich erst später befestigt zu haben und ist darum überall eine abweichende, und so auch die Benennung der einzelnen drei Gestalten. Die einzige Übereinstimmung auch in den Namen, die zwischen den römischen Parzen und den nordischen Nornen besteht, ist dagegen mehr gelehrten Charakters. Schon in Platos Republik erscheinen die Moiren als Zeitgottheiten, welche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft singen. Aber nach den Zeiten benannt sind erst bei Isidor die drei spätlateinischen Parzen Praeteritum, Praesens und Futurum, denen dann wieder in der Völuspa die Namen der drei Nornen Urdr, Verdandi und Skuld nachgebildet worden sind. Dagegen mag die Doppelfarbigkeit der drei bald weißen, bald schwarzen deutschen Schwestern und der römischen bald weißen, bald schwarzen Parzen in Bayern, wie in Rom aus ihrem zwiespältigen Wesen selbständig sich ergeben haben.

Wie die griechischen und germanischen Schicksalsfrauen spinnen die Parzen, singen bei der Gebtut, und ihrer eine, namens Scribunda, trägt den Schicksalsspruch ein und zwar in ein Buch; neu ist ihr Name „Mütter“, der vereinzelt dem Parzennamen vorgesetzt wird. Da wirkten wahrscheinlich die drei Matres oder Matronae herüber, denen in den Rheinlanden Hunderte von Steinen mit Inschriften und auch Bildnissen geweiht worden sind. Sie waren aber keine Schicksalsgottheiten, sondern keltische Ortsgottheiten wohl ausschließlich der Fruchtbarkeit, die dann auch von den angrenzenden Germanen übernommen wurden. Sie wurden dargestellt als mütterliche Frauen, die nebeneinander sitzend den Segen der Erde in Körben auf ihrem Schoße halten.

Die Schicksalsfrauen bestimmten zwar des Menschen Lebenslauf, aber sie verfolgten diesen nur von ferne, sie begleiteten ihn nicht. Fast nur bei Geburten und etwa noch bei Hochzeiten und Sterbefällen traten sie in die Häuser. Doch der Mensch hatte auch seinen persönlichen Begleiter, der ihm auf all seinen Wegen folgte, einen Schutzgeist. Das war in Griechenland der Daimon oder auch Heros, in Rom der Genius der Männer und die Juno der Frauen, im germanischen Norden aber — denn in Deutschland ist sie nicht erkennbar — die Fylgja oder Fylgjukona die Folgerin, Folgefrau. Mit ihr fällt oft zusammen die Hamingja, die wohl von dem Ham d. h. der zarten Glückshaube des Neugeborenen, die für ihren Sitz galt, ihren Namen hat. Beide unterschieden sich aber dadurch, daß die Fylgja nicht immer zuverlässig schützte und nicht immer Glück brachte, während die Hamingja ursprünglich mehr einer freundlichen Fortuna glich, die man sogar einem Andern mit auf den Weg gab.

Bei den Griechen, Römern und Nordgermanen hat sich der Schutzgeist aus der Vorstellung der Seele des Menschen entwickelt, darum teilt er einige merkwürdige Eigenschaften mit ihr. Er wird dem Menschen namentlich sichtbar im Traume und dicht vor dessen Tode, d. h. dann, wenn sich die Seele vom Menschen löst; sein Erscheinen kündet ihm also auch, wie das der Seele, den Tod an. Er nimmt dabei, wie sie, entweder Tier- oder auch Menschenform an und zwar von den Tierformen, ebenfalls wie sie, namentlich die der Hausschlange oder eine dem Charakter seines Schützlings entsprechende Tierform. Der griechische Heros zeigt sich bald als Schlange, bald als Wolf; ein dem Genius geweihter römischer Altar wird als von einer Schlange umwunden dargestellt. Da wir im Norden fast nur von den Lebensläufen vornehmer und kriegerischer Männer hören, tritt die Hausschlange zurück. Aber im Traum rennen die „Hugir“ die Seelen starker Männer als Bären und Wölfe heran und schweben als Adler, Raben, Schwäne und fantastische Tiere vorüber. Des Helden Bjarki Fylgja kämpft, während er noch im Zelte schlummert, schon draußen als Bär, der aber beim Erscheinen des Erwachten in der Schlacht sofort verschwindet. Scherzhaft behauptete ein Alter, der sein Enkelkind fallen sah, es wäre über einen Bären, seine Fylgja, gestolpert. Wie oft künden sich in den Sagen Personen und ihre Schicksale durch ihre Fylgjen in der Gestalt heldenhafter Tiere an! Jedoch Thord, ein zum Hause Njals gehöriger Freigelassener, sah vor seinem Tode seine Fylgja als ein bloßes Haustier, einen Geißbock, blutig in einer Pfütze liegen; ein im Traum eines andern erschienener roter Hengst wurde auch als Fylgja gedeutet, die einen gewaltsamen Tod ankündige.

Die reifste Form des nordischen Schutzgeistes, die weibliche, hat sich am entschlossensten von den alten Seelenvorstellungen losgesagt. Sie übertrifft die des antiken Schutzgeistes an Freiheit und plastischer Deutlichkeit, sowie an Tiefe des Ausdrucks für das Verhältnis des Menschen zu seinem besseren Selbst. Während die Griechen und überwiegend auch die Römer sich ihn als männlich dachten, faßten die Nordleute, denen ihr Weib eine irdische Lebensgefährtin war, auch diese überirdische Geleitschaft als eine Frau, eine übermenschliche Dis auf. So hatte denn auch ursprünglich jeder nur eine Fylgja, die geheim neben ihm waltete ; denn sie wurde in der Regel von Andern als etwa Geistersichtigen oder Hellsehern (spämadr) nicht erblickt, selbst von ihrem Schützling, wie bemerkt, nur im Traume, oder dicht vor seinem Tode. Aber indem sie ihm vor dem Kampfe Mut einflößte oder eine Warnung gab, schloß sie sich dicht an ihn an, weshalb sie auch einmal mit einer aufhockenden Mare verglichen wurde. Doch auch ganz anders trat sie auf. Der zwischen Heiden- und Christenglauben schwankende Hallfred Vandraedaskald sah sie, als er auf einer Seefahrt im Sterben war, als walkürenhaft gepanzertes Weib über die Wogen auf sein Schiff zuschreiten. Einem Andern, der eines gewaltsamen Todes sterben sollte, erschien sie blutbefleckt, als wäre sie schon von seinem Blute angespritzt. Am ergreifendsten weiß die dänische Volksballade vom Erik Glipping, der im Jahr 1286 ermordet wurde, den schmerzlichen Abschied von ihr und aller Lebenslust zu schildern: Der auf der Jagd verirrte König fand seine Fylgja in einem Waldhaus als schönste Jungfrau, und wie er sie umarmte, schwand sie ihm unter den Händen, und er stand wieder in dichtem Gestrüpp, einem schmählichen Tode verfallen.

Unter den Seelen ist die angesehenste die des Familienhaupts, des Ahnen oder vielleicht der Ahnin; sie bleibt wirksam über mehrere Generationen hinaus. So erweiterte sich dem entsprechend der persönliche Daimon und Genius der Alten zum Schutzgeist der ganzen Familie, so wurde die Fylgja des Einzelmenschen die Mannsfylgja zur Kyn-und Aettarfylgja zum Geschlechtsschutzgeist. Diese Fylgja oder Hamingja wandte sich beim Tode ihres ersten Schützlings oder auch schon dicht vorher einem anderen jüngeren, nächst verwandten Familienmitgliede zu. Der Held Hetgi, Hjörvards Sohn, ahnte seinen baldigen Tod, weil er bemerkte, wie seine Fylgja, auf einem schlangengezäumten Wolf reitend, bereits seinen Bruder Hedin auf gesucht hatte. Als jener Skalde Hallfred sich im Sterben von seiner walkürenhaften Fylgjukona lossagte, fragte sie seinen Bruder: „Willst du mich nehmen?“, und als dieser sich dessen weigerte, erklärte sich Hallfreds Sohn dazu bereit, und alsbald verschwand sie. Vigaglum träumte, er ginge einer übers Meer auf ihn zureitenden Frau entgegen, die mit ihren Schultern die Felsen des Fjords überragte. Er hielt sie für die Hamingja seines vermutlich verstorbenen Großvaters Vigfus, die nun beim Enkel Unterkunft suchte. In der Vatnsdaelasaga schützt die Hamingja eines Mannes auch schon dessen Söhne bei dessen Leibzeiten und „folgt“ auch anderen Verwandten.

Der dehnbare Begriff der Fylgja, Hamingja, Dis verflüchtigt sich mehr und mehr, wenn sie in einer Mehrzahl den Menschen umgeben. Der Römer duldete solche unlogische Vervielfachung des Genius nicht, obgleich er in der augusteischen Zeit wohl die Schattenseele eines Einzelnen durch den Plural „umbrae“ wiedergab. Auch der Grieche hielt am Einzeldämon fest, doch wechselte der Mensch wohl mit seinem Dämon, sei’s daß, wie bei Pindar, ein böser Schutzgeist einen guten verdrängte, sei’s daß, wie bei Euripides, der alte Dämon sich bei seinem Schützling langweilte und gern einem anderen Platz machte. Aber die Nordleute kannten ganze Gesellschaften von Schutzgeistern, die sich freilich zunächst wohl auflösen, um sich einzeln an einzelne Menschen zu heften. In den Vafthrud-nismal reiten drei Scharen kluger Riesenmädchen herbei, um nach dem Weltbrand den Erdbewohnern nur Hamingjen zu werden, nur Glück zu spenden. So wendet sich durch sie alles zum Besten zu guter Letzt. Jedoch hat nun weiterhin auch der Einzelne mehrere Schutzgeister, der eine große, starke, der andere kleine, schwache, die beim Zusammenprall jenen nicht widerstehen können. Auch verlassen die Disir wohl ihren Schützling und sterben kraftlos ab, dann erscheinen sie ihm im Traume als tote Weiber. Bei der Geburt wendet man nach Sigrdrifum. 9 nicht nur „Bergerunen“ an, um den Kreisenden zu helfen, sondern man bittet auch die Disir um ihren Beistand. Die guten, mächtigen Disir verbreiten Licht über ihren Schützling. So sah ein finnischer Seher tun König Olaf Tryggvasons Haupt leuchtende „Götter“ schweben, deren Nähe er nicht ertragen konnte.

Ein neues Motiv brachte wohl erst das aufsteigende Christentum, es schied die Fylgjen eines und desselben Mannes in zwei Parteien, die sich ihren Schützling streitig machten, wie sich um die Christenseele böse und gute Geister streiten. Der Isländer Thidrandi sah in einer mondhellen Nacht vor der Türe seines väterlichen Hauses neun schwarz gekleidete Disir mit gezogenen Schwertern von Norden heranreiten, neun lichte von Süden her. Von jenen wurde er auf den Tod verwundet. Es waren die heidnischen Fylgjen des Geschlechts, die vor der Bekehrung desselben ein Opfer, ihr Disablot (S. 270), verlangten. Die weißen waren die christlichen Schutzengel. Bald darauf landete der erste Missionar, Thangbrand, auf der Insel, und Thidrandis Vater ließ sich mit seinem „Heimvolk“ taufen und zwar gegen das Versprechen, daß der Erzengel Michael sein Fylgjuengil würde. So mündete der alte Glaube friedlich in den neuen.

Es gibt nur schwache Spuren eines ähnlichen Glaubens in Deutschland; denn eine unsichere ist doch die Bezeichnung des Todestags als „Folgedach“ bei den Wurster Friesen. Dagegen entwickelte sich aus einer anderen Seelenvorstellung, dem Schatten, bei den Südgermanen wie bei den Neugriechen etwas Vergleichbares. Die letzteren nennen sogar den persönlichen Schutzgeist Iskios d. h. Schatten, und vielleicht denkt der Norweger, wenn er hinter dem scheidenden Gaste nochmals die Türe öffnet, damit dessen Folgte nachkommen könne, an den Schatten, der durch das Schließen der Türe einen Augenblick abgeklemmt erscheint. Der Schatten folgt dem Menschen wie ein anderes Ich überall hin, wo Sonne und Mond auf seinen Weg scheinen und ein Feuer oder Licht ihn beleuchtet. Er gleicht somit der Seele, die sich vor oder bei dem Tode als Schatten vom Menschen löst oder als schattenhaftes Tierlein davonhuscht Daher knüpfen sich noch heute an die Erscheinungen des Schattens Todesgedanken, wie im Altertum an die Erscheinungen der Seele und des Schutzgeistes. In Bayern muß sterben, wer am Weihnachtsabend seinen Schatten doppelt d. h. zu seinem natürlichen Schatten noch seinen schattenförmigen Schutzgeist sieht. Anderswo in Deutschland und in der Schweiz ist dem der Tod nahe, der in dieser entscheidenden Zeit, in der auch Helgi von seinem Schutzgeist verlassen wird, einen kopflosen oder gar keinen Schatten hat. Da schwindet der Schutzgeist allmählich hin oder ist schon auf und davon. Wer binnen Jahresfrist sterben soll, sitzt auch in Schweden zur Julzeit am Jultisch mit einem doppelten oder einem kopflosen Schatten. Dieser Erscheinung des Schattens ist nahe verwandt die in Deutschland geglaubte, gleichfalls todan-ktindende Erscheinung des D die auch in andern germanischen Ländern, auf den Färöern unter den Namen Hamferd d. h. Fahrt in eine andere Gestalt, bekannt ist und dieselbe Wirkung wie jene hat.

Die oft kriegerischen Schutzgeister nähern sich bereits einer neuen Gruppe von Halbgöttinnen, den altdeutschen Idisi und nordischen Valkyrjur, die auch Disir hießen. Die Valkyrjur, angelsächs. Välcyrigen sind Kürerinnen der in der Schlacht gefallenen Krieger, des sogen. Wals; in ihnen atmet die eigentümlich wilde Kampflust der Germanen, die während ihres tausendjährigen Eroberungszuges nicht nur die Männer, sondern auch manche Weiber ergriff. Schon aus jener Frühzeit, in der unsre Vorfahren in die nordostdeutsche Tiefebene einbrachen, mag die nach einem römischen Inschriftstein in Tongern verehrte Vihansa d. i. Schlachtgöttin stammen, der Schild und Speer geweiht werden, sowie die kölnische Hariasa und die von Germanen am Hadrianswall verehrte , offenbare

Göttinnen des Heers. Tacitus weiß von dem Hain einer friesischen Göttin Baduhenna, in dem die aufständischen Friesen im Jahre 28 n. Chr. 900 Römer erschlugen. Badu aber ist Schlacht. Auch die alten kriegerischen Frauennamen, wie z. B. Brunhild und Helmgund die Panzer- und die Helmstreiterin, waren nicht eitle Phantasienamen, sondern Bezeichnungen überirdischer Frauenideale, denen die damit geschmückten irdischen Weiber im wilden Männerkampf nachstrebten. Tacitus schildert die deutsche Frau als Genossin der Arbeiten und Gefahren des Mannes, bereit, im Frieden wie im Kriege dasselbe wie er zu ertragen und zu wagen. Es kam vor, daß Frauen die Schlachtreihe ihrer wankenden oder fliehenden Männer wiederherstellten. Die Römer der späteren Kaiserzeit erstaunten über die wie Männer gerüsteten Weiber, die unter den gefangenen Goten einherschritten, oder unter den gefallenen Markomannen und Quaden auf der Walstatt lagen. Noch über die Völkerwanderung hinaus dauerte im Norden diese Kampffreudigkeit der Frauen fort. Im 8. und 9. Jahrhundert zogen norwegische und dänische Jungfrauen als Schildmädchen mit den Wikingern über See, um Sachsen und Iren zu schlagen. Kriegsschiffe hießen nach ihnen, und noch kürzlich hat man Grabhügel der jüngeren Eisenzeit bei Aasnes und am Nordfjord geöffnet, in denen eine vollbewaffnete Frau ruhte, auch zusamt einem Pferde, inmitten eines verbrannten Schiffes. In der berühmten Bravallaschlacht kämpften drei fremde Scharen, geführt von drei Schildmädchen, und Lathgertha stritt mit lang herabwallendem Haar unter den vordersten Kriegern. Oft werden sie in den altnordischen Sagen als übermütig und herrschsüchtig geschildert, und sie streben sogar nach Thronen. In den dänischen Volksliedern befreit das Weib mit der Waffe Bruder oder Bräutigam, verteidigt mit ihr seine eigene Ehre, kämpft statt des alten Vaters oder zieht gepanzert aus, um seinen Tod zu rächen. Noch 1500 scharten sich die Ditmarschen in der Schlacht von Hemmingsted, noch 1516 die Wursterfriesen um ein Schildmädchen.

Solche Heldinnen sah man nun auch in den stürmischen, düsteren und wieder leuchtenden Wettererscheinungen ; wie ja auch die Sturmriesin Skadi im Zorn in voller Rüstung gedacht wurde (S. 236). Die nordischen Dichter wurden nicht müde, die Schlacht als Wetter der Waffen, Lanzen, Schilde oder noch zutreffender als Rauschen, Schauer, Sturm und Wind der Walküren zu umschreiben. Vielleicht bedeuten schon ihre Namen Skögul und Göndul nichts anderes als Wolkenstreifen und Wolkenballen, jedenfalls die Namen Hrist und Mist Sturm und Nebelwolke. Die Walküre Sigrdrifa, der sieghafte Schneesturm, schläft in einer Brünne, von wetterleuchtender Waberlohe umgeben. Andre Walküren reiten unter Blitzen über Land und Meer auf Rossen, die befruchtenden Tau oder auch Hagel von den Mähnen schütteln. Gunnr und Göndul „rudern“ gleich den oldenburgischen Walridersken (S. 167), aber so, daß es Blut regnet. Dann freuten sich die Krieger, denn ein Blutregen galt ihnen wie den Griechen vor Troja als ein Vorzeichen mörderischen Kampfes. So werden die Wetterfrauen immer mehr zu Schlachtweibern und heißen darum auch Gunnr und Hildr die Kämpferin und ähnlich. Sie gehen auch hier, wie auf dem elfischen Gebiete, in Waldfrauen über, die die Schlachten lenken, unsichtbar mitten im Getümmel sind und ihren Freunden heimlich helfen und so auch dem dänischen Hother, dem Feinde Balders, eine feste Brünne und einen Siegesgürtel schenken. Saxo Grammaticus wundert sich wiederholt über die Dreistigkeit dieser Mädchen, nachts auszureiten, um einen Helden aufzusuchen und zu Taten zu reizen.

Wenn nun der Kampf losbricht, reiten die Walküren oder auch Disir, von Adlern und Raben, den gierigen Aasvögeln, umflattert, zu Neunen oder Dreimalneunen oder auch zu Sechsen und Sechsen, bewaffnet herab. Altnordische Sigrmeyjar Siegmädchen oder angelsächsische Sigevif Siegweiber walten des Kampfs und des Sieges, treiben Kriegshandwerk, indem sie mitten unter die Krieger sprengen, die Gegner durch „Herfjötr“ Heerfessel lähmen und töten, ihren Schützlingen aber helfen und sie lebend oder tot küssen und umarmen. Ein wildes Schlachtschauspiel unter dem wolkenüberflogenen Himmel des Nordens! Ein ähnliches deutsches Bild deutet der mehr als tausendjährige Merseburger Zauberspruch an, den Einer zu sprechen hat, um aus der Gefangenschaft befreit zu werden:

„Einst saßen Idisi, saßen hier- und dorthin,
Einige hefteten Hafte, einige hielten das Heer auf,
Einige klaubten rings alle Fesseln los:
„Entspring den Haftbanden, entlaufe den Feinden!“

Die Schlachtweiber also lassen sich an drei Stellen in drei Haufen nieder; der eine fesselt die gefangenen Feinde hinter dem Heere der Landsleute, der andere wirft sich den Feinden entgegen, und der dritte löst hinter ihrer Reihe die Fesseln eines Gefangenen mit einer Zauberformel, die ihm Freiheit gibt. In dieser Weise waren auch die nordischen Walküren tätig, denn eine heißt Hlöck die Kette und eine andere Herfjötr die Heerfessel. Einen umfassenderen Sinn hat ein angelsächsisches Schlachtgebet zu den Siegweibern, das merkwürdigerweise später auf die schwärmenden Bienen übertragen wurde:

„Sitzt, ihr Siegeweiber, kommt zur Erde herab.
Wollet ja nicht fort in den Wald fliegen!
O seid eingedenk meines Heiles,
Wie ein jeder Mensch seiner Speise und Heimat!“

Den nordischen Disir brachte man auch Opfer dar und zwar in einer Disarhalle oder einem Disarsaal z. B. im Tempelhofe zu Uppsala. Das Verhältnis der Krieger zu ihren Schlachtgenien gestaltete sich im Norden, wie es scheint, inniger, ja leidenschaftlicher als im Süden. Zumal in der Wikingerzeit. Einige Walküren umschweben schützend ihre tapferen Krieger in der Schlacht, wie liebende Wesen die Geliebten. Freilich reicht ihre Sorge nicht immer aus, und trotz der Hilfe seiner Walküre Kara wird Helgi im Kampfe erschlagen. Wenn die Helden nun als „Valr“ dalagen, dann hoben sie dieselben von der Walstatt auf und führten sie in das himmlische Kriegerheim, die Walhalla, ein. So wurden sie nun auch die Dienerinnen des Schlachtenlenkers und Walhallkönigs Odin, Odins , Herjans des Heergottes Disir. Der Gott sandte sie zu jedem Kampf hinab, den Wal zu küren, die Gefallenen auszulesen und zu ihm zu bringen mit dem Jubelruf: „Nun mehrt sich die Gefolgschaft.“ Andre Walküren empfingen die neuen Ankömmlinge in der Halle und schenkten ihnen Met oder Wein ein. Wie lieblich mögen diese Oskmeyar oder Wunschmädchen manchen sterbenden Wikinger umrauscht haben! Ungehorsame Walküren wurden von Odin ausgestoßen, und z. B. Sigrdrifa von ihm durch einen Domstich in Schlaf versenkt, weil sie wider Odins Willen ihrem Liebling Agnar den Sieg verliehen hatte. Von Sigurd auf erweckt, weiß sie ihn vielnütze Runen zu lehren. In der neuen Halle des reichen Isländers Olaf Pfau sah man Odin abgebildet, wie er seinen schwersten Ritt ritt, zum Leichenbrande Balders; da wurde er begleitet von seinen Raben und seinen Walküren.

Ist es ein schwacher, verchristlichter Nachklang, wenn nach der Legende die heilige , die Speerfreundin, die einen ganz walkürenhaften Namen hat, dem ihr ergebenen Ritter mit ihrem Hirtenstab erscheint und einen Becher Weins reicht oder hinter ihm aufs Roß sitzt, um ihn für das Himmelreich zu retten? Sie beherbergt in der ersten Nacht nach dem Tode die Verstorbenen, die in der zweiten zu den Erzengeln und dann erst zum Heere Gottes kommen. Sie wird als Spinnerin dargestellt, an deren Rocken, Kleid und Kopf Mäuse oder Ratten, die uns bekannten Seelentiere, hinauflaufen. Spann sie etwa den Schicksalsfaden? Denn auch die altnordischen Walküren erscheinen einmal zwar nicht als Spinnerinnen, so doch als Weberinnen, die vor der von Iren und Nordleuten geschlagenen Schlacht bei Clontarf 1014 an einem furchtbaren Gewebe arbeiteten. Daran hingen Menschenhäupter als Gewichte, Menschendärme waren Zettel und Einschlag, Schwerter die Spulen und Pfeile der Kamm. Und immer wieder klang durch ihr Lied der Kehrreim:

„Winden wir, winden wir das Speergewebe!“

Endlich zerrissen sie ihr blutiges Gewebe, von dem jede ein Stück festhielt, und schwangen sich auf ihre Rosse; sechs ritten gen Süden, sechs gen Norden. Ihre Schützlinge, die Nordleute, siegten. Noch der christliche König von Norwegen, Harald Hardrade der Strenge, singt dicht vor der Schlacht von Stamford im Jahre 1066, die ihm das Leben kostete, von den Walküren, die ihm, über dem Walplatz schwebend, den Kampf lehren.

Ein liebliches Gegenbild, ein Stillleben der Walküren, entwirft der Dichter des schönen eddischen Wielandsliedes (S. 161). Drei Walküren, Alvitr, Svanhvit und Ölrun, flogen aus dem Süden vom Schwarzwald, einem mächtigen Waldgebirge, an den Meeresstrand, um sich vom Kriegshandwerk auszuruhen, und spannen kostbaren Flachs, und Schwankleider lagen neben ihnen. Da wurden sie von Wieland und seinen beiden Brüdern gefangen, und sie lebten sieben Winter (Jahre) mit ihnen, aber den ganzen achten sehnten sie sich fort, und im neunten flogen sie davon zum Schwarzwald, um wieder Kampf zu suchen. Wielands Brüder wandelten, um sie zu finden, der eine nach Osten, der andere nach Süden; Wieland selber aber blieb einsam zurück und schlug rotes Gold und Edelgestein zu kostbarem Geschmeide zusammen, tief im Wolfstal, auf sein lichtes Weib wartend.

Echte Walkürennamen tragen auch noch andere Schwanfrauen, die „weisen Meerweiber“ Hadburg und Siglint im Nibelungenlied. Als sie in einem schönen Brunnen ihren Leib kühlten, nahm ihnen der grimme Hagen ihr Vogelgewand, und die erste weissagte den Burgundern große Ehren in Etzels Land, um ihre Kleider wieder zu bekommen. Als aber Hagen diese zurückgegeben hatte, warnte die andere:

„Meine Muhme hat dir gelogen; ihr habt alle den Tod an der Hand!“

In eine Heroine verwandelt ist in der Nibelungensage die Walküre Brünhild, die nicht mehr in Luft und Himmel, sondern auf Erden ihr herrlich schweres Schicksal lebt. Im Speer- und Steinwurf, im Sprung und dann weiter im Ringkampf ist sie imbesiegbar, außer für Siegfried. Doch im nordischen Bericht umlodert sie noch, ein Zeichen ihrer höheren Abkunft, die Waberlohe, die auch nur Siegfried durchreitet. Die nordischen Walküren berühren sich vielfach mit den Schicksalsfrauen, denn auch sie tun entscheidende Sprüche und spinnen und weben, sowie mit den Folgefrauen, denn auch sie schweben schützend über ihrem Helden. Ihrer neun reiten nach der Geburt Helgis heran, von denen die stattlichste, Svava, ihm den Namen des Heiligen d. h. des durch Götterschutz Unverletzlichen gibt. Diese drei Gruppen höherer weiblicher Mächte lassen sich nicht mehr allein aus Naturerscheinungen erklären, sondern sie schöpfen ihr Herzblut aus dem ahnungsvollen, mitfühlenden und mittätigen und kampffreudigen Wesen altgermanischer Weiblichkeit.

Walkürenhaft sind die Riesinnen Thórgerár Hölgabrúdr d. h. Háleygis oder Hölgis Braut, und Irpa. Jene war der Schutzgeist des Iarl Hakon vom norwegischen Haloga-land. Später wurde ihr ein Tempel in Island geweiht, den Grimkell im Zorne darüber, daß sie ihm nichts Gutes prophezeit hatte, samt allen Götterbildern verbrannte. Am Abend war er tot. Die Bildsäule der Thorgerd hatte einen Goldring um den Arm und krümmte die Hand, als ihn Einer greifen wollte, dem sie ihn nicht gönnte. Da kniete der Mann nieder und legte ihr unter Tränen viel Geld zu Füßen, und als er nun nochmals den Ring faßte, ließ sie ihn los. In einem norwegischen Tempel standen drei Bilder, Thors und der mit Armspangen geschmückten Thörgerdr und Irpa. In der Schlacht schleuderten sie aus jedem Finger Hagel, Sturm und Pfeile den Feinden ihrer Schützlinge entgegen, gleich Walküren der grimmigsten Art. In der Not opferte ihnen Hakon sogar seinen Sohn.

Zwei andere halbgöttliche Riesinnen sind Menglöd die Halsbandfrohe und Gerdr die Eingesperrte. Sie sind beide schöne Sommerwolkenfrauen, die aus düsterer Wolkenhaft im Lenzgewitter befreit werden. Die Befreiung der Menglöd, die wie die indische Wolke am Regenbogenhalsband ihre Freude hat und acht Winter(monde) eingesperrt war, vollzog Svipdagr, der sie wie ein svip, ein plötzlicher Blick, ein taghell aufleuchtender Blitz, mit dem Laevateinn, der Verderbensrute erlöst. Der Held lebt im skandinavischen Volkslied als Jung Sveidal fort. Die Erlösung der von den Hrimpursar, den Reifriesen, mit ewiger Haft bedrohten lichtarmigen Gerdr vollzog Freyr oder an seiner Statt sein Diener Skirnir der Aufheiterer, Wetterklärer mit seinem sich selber bewegenden Schwert, das Gambanteinn Zauberrute heißt und, wie der Laevateinn, den Blitz bedeutet. Beider Riesinnen Saal ist von Waberlohe, Wetterleuchten, umgeben, wie Brünhilds Lager, und bewacht von Hunden, und einem Wächter. Diese nordischen Mythen sind nah verwandt mit den deutschen Sagen von der Erlösung der weißen Schloß- oder Burgfrau.

Endlich sind die beiden Alaesiagen Beda und Fimmilena zu erwähnen. Diesen beiden und dem Mars Thingsus weihten römische Soldaten des 3. Jahrhunderts n. Chr., Friesen aus Twenthe, am Hadrianswall zwei Altäre. Der eine stellt nur Opfergeräte, der andere nur eine weibliche Figur mit Kranz und Palmzweig in den Händen dar. Die weibliche Gegenfigur, die zweite Alaesiaga, fehlt. Wie sich im Mars Thingsus römische Form und germanischer Inhalt vereinigen (s. u.), so sind auch vielleicht die Alaesiagen an die Stelle von Victorien getreten. Aber an sich sind sie ihren Widmern und ihren Namen nach offenbar deutsch. Ihr Gesamtname ist freilich unerklärt, auch die beiden Einzelnamen sind nicht sicher zu deuten. Doch scheint Beda vom friesischen Zeitwort beda zu stammen, worin die Bedeutung bitten und gebieten zusammenfallen, woraus auch schon die Namen der deutschen Schicksalsfrauen hergeleitet wurden. Fimmilena wird die Bewegliche bezeichnen. Sie sind, nach dem von ihnen unterstützten Hauptgott zu schließen, Thinggöttinnen d. h. Göttinnen des Gerichts oder des Kampfs.

Die Ausbildung von Naturgewalten zu höheren Dämonen erreicht ihren Gipfel in den Einzelgestalten Loki und Mimir, von denen der erste das bisher kaum beachtete Element des Feuers personifiziert, der andere in geistigerer Weise als die älteren Wasserdämonen das des Wassers. Als das gewaltige Himmelsfeuer, das Wetterleuchten, war Loki doch nur eine Begleiterscheinung anderer Wettermächte und als Herdfeuer in die Enge des Hauses gebannt nach Art untergeordneter Hausgeister. Darum ist er kein Vollgott geworden und hat trotz seiner tiefen Eingriffe in die Götterschicksale neben den Göttern eine oft untertänige Stellung, die auch die anderen indogermanischen, übrigens durch eigene Kulte viel höher geehrten Feuergottheiten einnehmen, der indische Agni, der griechische Hephaistos und der lateinische Vulcanus. Loki teilt mit diesen und nun gar mit den Herdgöttinnen Hestia und Vesta nur wenige Züge und scheint auch nur den Nordgermanen bekannt gewesen zu sein. Auf die Angabe Caesars, daß die Germanen außer Sonne und Mond auch den Vulkan verehrt hätten, ist kein Verlaß (S. 5).

Dieses absonderliche Mittelwesen wird freilich Gott genannt und als solcher in den drei oder vier Götterlisten der Edda mit aufgezählt. Aber Loki hat keine Götterwohnung im Himmel wie die anderen Götter, ja es ist nach der Lokasenna ein Wunder, wenn dieser Vater so ungeheuerlicher Kinder sich unter den Göttern blicken läßt. So heißt er denn auch Riese und Elf oder Zwerg und wird Wicht gescholten. Bald ist er der Götter Freund, bald ihr Feind, ihr Verleumder und Schandfleck. Er entführt z. B. die Jugendgöttin Idun zuerst den Göttern zu den Riesen, dann aber den Riesen zu den Göttern. Er ist schön von Aussehen, aber böse von Sinnesart. Wie ein Alf verzaubert er sich in größere und kleinere Tiere: Pferd, Kuh, Lachs, Fliege und Floh, auch gern in ein Weib und in die Hexe Thökk. Durch Alfen läßt er Göttergeschenke schmieden. Seine Sippe aber ist riesisch. Alle übertrifft er an Lug und Arglist. Er haßt alle lebenden Wesen, auch die Götter.

Der Name Loki ist identisch mit (V)logi Lohe und scheint von derselben Wurzel ausgegangen wie der römische Vulcanus. Auch sein andrer Name Loptr, das dem bayrischen Loftern d. i. Lodern verwandt ist, kennzeichnet ihn als Feuergott. Seine Eltern sind der Riese , der gefährliche Schläger d. i. der Blitz, und Laufey oder Ndl, das dürre Laub- oder Nadelwerk der Bäume, das die Flamme erzeugt oder nährt. Im Namen seines Bruders Byleiptr steckt jedenfalls leiptr der Blitz, und der seines andern Bruders Helblindi bezeichnet wohl das höllenartig finstre Gewitterdunkel. Schwieriger sind seine Gattinnen Sigyn und Angrboda und ihre Söhne zu erklären, sie sind wohl zum Teil fremden Mustern nachgebildet.

Loki ist die Himmelslohe, dann die Sommerschwüle und die in der Hitze zitternde Luft, ferner das Herdfeuer und endlich das vulkanische Erdfeuer; er ist das Feuer in seiner Beweglichkeit und Verderblichkeit. Er hohnlacht, wenn das Wetter imheimlich am Horizont aufleuchtet. Wenn es in Tirol „himmelblitzt“ ohne Regen und Donner, so nennt man das am Brenner „Wetterlachen“, wobei man nicht mehr an das ältere Wetterleichen, das Wetterspielen, denkt. Doch auch einem lächerlichen Spiel gleicht die Posse, die Loki mit einer an ihn gebundenen Geiß aufführt, um die finstre sturmwolkige Skadi zum Lachen zu bringen. Er buhlt mit ihr und mit Thors Gattin Sif, der er das Goldhaar abschert. Auf wunderbaren Fitigelschuhen durchläuft er Luft und Meer. — Bei drückender Schwüle vergiftet Loki die Luft schon nach der Völuspa. Meint man in Mecklenburg: „Nu höddt (hütet) de Düwel sin Schap up Land, wenn dat so flämmert, wenn de Luft so wackelt“, so sagt man in Dänemark altertümlicher: „Lokke driver med sine Geder d. h. Loki treibt seine Geißen aus“ und neuisländisch: „Loki führt über die Äcker“. In Jütland „sät Loki Hafer“ d. h. den Tieren schädliches Unkraut. Knistert das Herdfeuer stark, so prügelt der dänisch-norwegische Lokje seine Kinder; knallendes oder brummendes Herdfeuer kündet in Deutschland Zank an.

In Griechenland galt das Knistern für ein Lachen der Herdgöttin Hestia oder des Feuergottes Hephaestos. Um den zürnenden Lokje zu beschwichtigen, wirft man den „Pelz“, die Haut abgekochter Milch, in die Flamme. — Jung scheint der Mythus vom vulkanischen Loki, der nach der Völuspa „und hvera lundi“ d. h. unter dem Haine der Kessel, der Sprudel, also wahrscheinlich unter dem isländischen Geysir gefesselt liegt, und wenn er an seinen Banden rüttelt, Erdbeben erzeugt. Erst seit der Besiedelung Islands im 9. Jahrhundert lernten die Germanen Erdbeben und Vulkane kennen, also in einer Zeit, in der antike und christliche Vorstellungen von verwandten Wesen, wie Typhon und Luzifer, bereits ihren Einzug in den Norden hielten. Kein andrer war mehr dazu geschaffen, um deren Rolle zu übernehmen, als der tückisch stets auf Zwist und Schande und Unheil sinnende Loki.

Diese Züge seines allgemeinen Charakterbildes kehren in seinen zahlreichen, bald freundlichen, bald feindlichen Beziehungen zu den Dämonen und Göttern wieder. Alt sind seine Fahrten mit Thor zu Thrym, Geirröd und Utgardaloki, denn das Wetterleuchten ist der natürliche Gefährte des Gewitters. Noch ein neuisländisches Sprichwort lautet:

„Lange gehen Loki und Thor, das Unwetter läßt nicht nach“.

Bei Thors Heimkehr von dem furchtbaren Kampf mit dem Midgardsdrachen und mit dem Riesen Hymir verursacht er das Hinken des Bocks vor Thors Wagen. Wie Thors Hammer acht Rasten tief liegt, ist Loki acht Jahre d. h. ebenfalls acht Wintermonate in der Erde verborgen. Auf der Fahrt zu Utgardaloki begleiten den Donnergott Loki und Thjalfi, der Blitz, dieser, um mit dem schnellen Hugi, aber Loki, um mit dem Wildfeuer Logt zu kämpfen. Auf der Geirröds-, wie auf der Thrymsfahrt fliegt Loki als Späher in Freyjas Falkengewand voraus. Auf der ersten begleitet er ihn dann als Diener, der sich beim Durchwaten des Flusses Vimur ängstlich an Thors Kraftgürtel anklammert. Auf der anderen begleitet er ihn als kluge Magd. Als Loki die Idunn entführt, schützt ihn Thor vor dem verfolgenden Sturmriesen Thjazi. Dem riesigen Sturmroß Svadilfari gebiert Loki den Sleipnir, das den Windgott Odin trägt.

Aber Thor und Loki haben auch, ganz den von ihnen vertretenen Naturerscheinungen gemäß, Feindschaft miteinander. Das zeigt vor allem das „ Lokasenna Lokis Lästerung“ betitelte Eddalied. Loki tötet vor Aegirs Halle, in der die Götter zum Gelage versammelt sind, ihren Diener Fima- oder Funafengr, zankt mit Eldir, der ihm den Eintritt wehrt, wird aber nach seiner Berufung auf seine Blutsbrüderschaft mit Odin eingelassen. Nachdem er den Göttermet mit bösem Zusatz versehen, die Götter mit Hohn übergossen und sich seiner Liebschaften mit drei Göttinnen gerühmt hat, bringt ihn Thors Erscheinen endlich zum Schweigen, doch nicht bevor er den Gott mit dem leckenden „logi“, der Lohe, bedroht hat. — Ferner fängt Thor den Loki, als dieser der Sif das Haar abgeschoren, doch Loki löst rieh mit den kostbaren Schmiedearbeiten der Iwaldissöhne. Thor fängt den Loki nochmals, als diese Arbeiten vom Zwerge Brokkr noch tibertroffen werden; Lokis Lippen werden zusammengenäht. Zum drittenmale fängt Thor den Loki, als dieser nach dem von ihm verschuldeten Tode Balders in Lachsgestalt sich in einem Wasserfall verbirgt. — Alle diese letzten Mythen mögen in allerhand Spielen der Einbildungskraft mit den Naturerscheinungen ihre Keime haben, aber sie sind dann zu freieren Darstellungen des Götterlebens ausgestaltet worden. Und Lokis grausamste Bestrafung, seine Fesselung im Kesselhain, ist sogar der christlichen Legende entlehnt.

Während die Reisegenossenschaft Lokis und Thors in echter Naturanschauung wurzelt, scheint die Gesellschaft dreier himmlischer Erdenwanderer, zu denen auch Loki gehört, ein novellistisches, in der griechischen und christlichen Legende beliebtes Motiv zu sein, das auch dem Norden bekannt wurde. Im Thjazimythus sind Odin, Hoenir und Loki Reisegefährten, aber die beiden ersten sind überflüssige Figuren. Dieselbe Dreizahl zieht im Eingang der nordischen Nibelungensage über die Erde, wobei Loki unterwegs den Otr tötet, aber auch vom Zwerge Andvari das nötige Gold herbeischafft, um damit Otrs Vater Hreidmar die Mordbuße zu zahlen. Er erlangte auch den Goldring, der stets neues Gold erzeugte, aber von Andvari verflucht wurde, stets seinem Besitzer Verderben zu bringen. Diese Vorgeschichte des Nibelungenhorts ist wie die ganze Umrahmung der deutschen Siegfriedssage durch den Göttermythus erst später im Norden hinzugefügt worden. Auch die anderen Beziehungen Odins und Lokis, wie ihre Blutsbrüderschaft und der Auftrag Odins an Loki, der Freyja ein Halsband zu stehlen, das sie von den Zwergen gegen Gewährung ihrer Gunst bekommen hatte, mögen freie Erfindungen sein. Vielleicht gehört auch Lokis Kampf mit Heimdall um die schöne Meerniere d. h. den Regenbogen dazu.

Diesem schelmisch-boshaften Abenteurer, der originellsten Figur des germanischen Götterhimmels, war noch eine bedeutendere Rolle aufgespart in den neuen mythologischen Gestaltungen, die das Christentum heraufführte. Er wurde zum Teufel, der den Tod Christi-Balders anstiftete, der ráábani Baldrs, er wurde zum gefesselten Fürsten der Hölle und zu einem Hauptfeind der Gottheit in der großen Entscheidung des Weltuntergangs. Doch davon im Schlußkapitel.

Der nordische Kultus kümmerte sich so wenig um ihn, wie um die Riesen. Man warf, in späterer Zeit, ein Milchhäutchen ins knisternde Feuer, wenn Lokje seine Kinder schlug, oder schwedische Kinder warfen ihren ausgefallenen Zahn ins Feuer, um einen neuen von Loki zu bekommen. Das ist alles!

Aus der Schar der weissagenden Geister des rauschenden Wassers und Waldes erhebt sich ein anderer höherer Dämon, Mimir, den schon sein mit dem lateinischen Worte memor verwandter Name als ein geistigeres Wesen, als den Denker bezeichnet. In Südskandinavien verblieb er noch bis in die neuere Zeit ein gefährlicher Wassergeist, der z. B. in der südländischen Mimest dem Mimesbach haust, und nach dem auch der Mimesjö der Mimesee genannt ist Bei Saxo heißt er Miming, der ursprünglich wahrscheinlich Mime hieß, während sein berühmtes Schwert den bekannten Schwertnamen Miming nach ihm führte. Er war ein Waldsatyr, der eine für Menschen kaum erreichbare, von eisigen Bergen umstarrte Höhle bewohnte und ein Schwert darin barg, mit dem selbst der gegen alles Eisen gefeite Halbgott Balder getötet werden konnte. Außerdem hatte er einen Armring, der den Reichtum des Besitzers stetig vermehrte. In diese wilde Öde eilte Balders Feind Hother und lauerte Miming auf, lange vergebens. Als aber einmal der Waldgeist nachts aus seiner Höhle trat und sein Schatten den Eingang des davor aufgeschlagenen Zeltes Hothers verdunkelte, da stach dieser ihn nieder. Und nun mußte er, gefesselt und mit dem Tode bedroht, Schwert und Ring herausgeben. Das alte Motiv der Fesselung des zum Ratgeben gezwungenen deutschen Waldgeistes und des Witolfs oder Waldmannes kehrt hier wieder. Jenem Schwerte aber wird in der ursprünglichen Sagenfassung Balder erlegen sein.

Der deutsche Mime ist ein weiser Waldschmied, Wielands Lehrmeister, und heißt im Norden gewöhnlich Regin d. i. Berater, wie er denn auch durch kluge Zauberkunde sich auszeichnet. Er wird bald Riese, bald Zwerg, bald sogar Drache genannt, während er doch nur ein Bruder des Drachen Fäfnir ist. Aus seiner dunklen Waldschmiede bricht ein strahlendes Heldenleben hervor. Denn Mime erzieht den jungen Siegfried und stachelt ihn aus Gier nach seines Drachenbruders Golde zu dessen Ermordung an. Er hat für ihn ein Schwert Gram geschmiedet, das so scharf ist, daß es, in den Rhein gehalten, eine entgegentreibende Wollflocke zerschneidet. Er begrüßt den jungen Helden als Sieger, wie dieser mit Gras das Blut des Drachen von seinem Schwerte wischt.

Die isländische Überlieferung hat die alte einfache Wald- und Wassergeistsage von Mimir künstlich gesteigert, man möchte fast sagen, verhimmelt. Sein Brunnen liegt nun wie der Urdarbrunnen am Fuße der Weltesche Yggdrasil, die deswegen auch Mimatneidr Mimisbaum heißt. Der Mimisbnmnen wird auch Odroerir Geisterreger genannt und birgt Weisheit und Verstand. Aus ihm schöpft Odin die hineinverquirlten Runen, die ihm Zauberkräfte verleihen. Und so hoch schätzt dieser Mimirs Geist, daß er sein Auge in dessen Quell als Pfand läßt, um einen Trunk daraus zu erlangen. Oder der Gott raunt mit Mimirs Haupt, das wohl ursprünglich den natürlichen Urquell, das Brunnhaupt, das Bomhövede war und dann durch einen Mythenkünstler zu einem wirklichen, vom Leibe abtrennbaren Haupte gemacht wurde. Denn laut eines Friedensvertrages, den die beiden verfeindeten Göttergeschlechter der Äsen und der Wanen miteinander schlossen, wurden Geiseln ausgetauscht: die Äsen gaben Hoenir her, den Mimir nach Wanaheim begleitete, die Wanen die schöne Freyja. Als die Wanen sich nun mit dem zwar stattlichen, jedoch einfältigen Hoenir betrogen sahen, da schlugen sie zornig dem Mimir das Haupt ab und schickten es den Äsen. Odin aber salbte es unter Beschwörungen ein, damit es nicht verfaule und ihn weiterhin beraten könne. — Nicht die Verpfändung des Gottesauges, noch weniger die Enthauptung Mimirs und vor allem die Einbalsamierung seines Kopfes sind echte Volksmythen. Auch scheint die Annahme zweier Götterfamilien und ihres uralten Krieges durchaus unheidnisch. Überhaupt wurde in diesen an sich schon geheimnisvollen Wald- und Wassergeist durch die christliche Mythologie noch viel mehr hineingeheimnißt.

Wenn wir die römisch-germanischen namenreichen Inschriftsteine mustern, so gewinnen wir den Eindruck, daß die Germanen noch manche höhere Geister verehrt haben. Aber selten gelingt es, auch nur ihren Namen sicher zu deuten, geschweige denn ihr Wesen. Möglich wäre es, daß man mit dem aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. bei Köln bezeugten Requalivahanus d. h. dem im Dunkel Lebenden den geheimnisvoll im Waldesdunkel hausenden Mimer meinte. Spielt doch die mit Mime verknüpfte Siegfriedssage gerade am Niederrhein und scheint doch im anstoßenden Westfalen die Stadt Münster mit ihrem ältesten Namen Mimigardeford nach diesem Waldgeist benannt worden zu sein.

Die theoretische Magie als Grundlage der Runenmagie

Germanenherz Runologe 02Die skeptische Frage, ob es Magie überhaupt gibt, ist äußerst unpräzise, so wie auch Glaube oder Nichtglaube an Magie weder richtig noch falsch sind. Es kommt dabei darauf an, was man eigentlich unter Magie versteht, und schon hier laufen die Ansichten bereits mannigfaltig auseinander.

Sicher gehören Beschreibungen von Magie, wie sie in Filmen, Fantasy-Literatur oder Rollenspiel dargestellt werden, ins Reich der Mythen und Märchen. Ich kann mir kaum vorstellen, daß jemand durch Magie oder reine geistige Willenskraft Feuer erschaffen, Blitze schleudern oder ähnliche Dinge tun kann. Auch übernatürliche Wesen, wie Dämonen, Geister, Engel, Götter etc. gehören für mich ins Reich der Phantasie.

Aber es gibt eine Form der Magie, die real existent ist, die zu fühlen und wirken man lernen kann und die ich inzwischen kenne und nutze.

Das Gebiet der Magie deckt sich im Wesentlichen mit dem der modernen Psychologie, insbesondere der Tiefenpsychologie, wenn auch die Herangehensweise eine andere ist. Die Tiefenpsychologie ist eine psychologische Richtung, die sich hauptsächlich mit den unbewußten Schichten der Psyche und ihrer Bedeutung für ein Verständnis der gesamten seelischen Organisation des Menschen auseinandersetzt. Die Magie beschäftigt sich ebenfalls mit diesem Teil der Psyche, der dem Menschen normalerweise nicht bewußt ist, obwohl er einen ungeheuren Einfluß auf sein Leben hat.

Die Beschäftigung mit echter Magie ist eine Grundlagenforschung zur Erkenntnis von Bewußtsein und Unbewußtem („Unterbewußtsein“), deren Wesen und Wirken im Menschen und in der gesamten Natur. Es geht um das Verstehen und Nutzen der geheimnisvollen, aber doch spürbaren geistigen Kräfte und Energien und um das Aufdecken der darin verborgenen Möglichkeiten.

Die Magie ist ein System tiefenpsychologischer Techniken, die dem Menschen helfen können, sein Innerstes besser zu erforschen. Damit dient sie in erster Linie dazu, sich selbst besser verstehen zu lernen. Über eine solche wünschenswerte Selbsterkenntnis hinaus, befreit ein Verständnis der inneren Natur von unbewußten Zwängen und Blockaden und ermöglicht ein besseres Meistern des eigenen Lebens.

Und ganz nebenbei hat sie bei jenen, die sich auf sie einlassen, den Nebeneffekt, das innere Selbst in den täglichen Aktivitäten zum Ausdruck zu bringen und somit die Realität nach eigenem Willen zu lenken – das, was der Laie gewöhnlich mit Magie verbindet, ganz trivial ausgedrückt: das „Zaubern“.

· 1. Die Magie
· 1.1. Einleitung
· 1.2. Einführende Zusammenfassung
· 1.3. Was ist Magie?
· 1.4. Jede Erklärung ist nur ein Modell
· 1.5. Die magische Energie
· 1.6. Die Funktionsweise der Magie
· 1.7. Die Anwendung von Magie
· 1.8. Die drei Standbeine magischen Wirkens
· 1.9. Die Wahrnehmung magischer Energien
· 1.10. Das Ziel der Beschäftigung mit Magie

· 2. Magie und Ethik
· 2.1. Der Unterschied zwischen Religion und Magie
· 2.2. Magie und Religion nebeneinander
· 2.3. Weiße und schwarze Magie?
· 2.4. Das Magiergesetz
· 2.5. Schadenszauber und Flüche
· 2.6. Liebeszauber
· 2.7. Verantwortung
· 3. Der Magier
· 3.1. Wie sieht ein Magier aus?
· 3.2. Woran erkennt man einen Magier?
· 3.3. Was macht ein Magier?
· 3.4. Kann jeder Magier werden?
· 3.5. Die Voraussetzungen eines Magiers
· 3.6. Wie wird man ein Magier?
· 3.7. Magie ist das Unbewußte
· 3.8. Müssen Magier verschwiegen sein?
· 3.9. Nehmen Magier Drogen?
· 4. Die Grenzen der Magie
1. Die Magie

1.1. Einleitung
Heute ist ganz allgemein das Wissen um die Magie zugänglicher geworden. Zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte konnte man sich derart umfassend durch Bücher, Internet, Seminare usw. darüber informieren wie heute. Zudem haben viele allgemeine Vorurteile der Vergangenheit („alle Magie ist Teufelswerk“) zumindest etwas an Schärfe verloren.

Leider ist aber auch noch nie so viel Halbwissen, irreführender Unsinn und Scharlatanerie im Umlauf gewesen wie heute. Daher gilt es, genau zu prüfen, was man erfährt.

Wenn man vor einem längeren Text über Magie steht, stellt man sich als potentieller Leser sofort die Frage, ob sich die Mühe überhaupt lohnt, ihn zu lesen. Man muß etwas Zeit investieren und die eigenen Gedanken für den Text öffnen, ohne zu wissen, ob man dem Verfasser trauen kann oder ob man bloß einen weiteren der typisch abgedrehten pseudoesoterischen Texte vor sich hat, wie man sie leider nur zu oft findet.

Da hilft es nur, mit dem Lesen zu beginnen und dabei zu prüfen, ob das Gelesene interessant, verständlich und nachvollziehbar ist. Falls es das nicht ist, wendet man sich einem anderen Werk zu.

Um dieses Abwägen zu erleichtern, enthält das nächste Kapitel eine Zusammenfassung der in diesem Text vertretenen Gedanken, die dann in den weiteren Kapiteln ausführlich erläutert werden.

Der Text auf dieser und den folgenden Seiten soll ein Grundverständnis für die Funktionsweise der Kräfte des Unbewußten vermitteln, die man gemeinhin Magie nennt, und demjenigen, der sich damit auch in der Praxis beschäftigen möchte, zu einem Einstieg verhelfen.

Ich habe mich bemüht, den Text leicht verständlich und zugleich interessant zu gestalten und darin den magischen (was geschieht) und den psychologischen (wie es funktioniert) Aspekt gleichermaßen zu beleuchten, ein Grenzgang zwischen Phänomen und wissenschaftlicher Erklärung.

Diese Seiten sind kein detaillierter Lehrgang mit genau ausformulierten Ritualen, und man wird später auch sehen, warum so etwas unsinnig wäre. Vielmehr bilden sie eine Hilfestellung und Methodik für den Interessierten, seinen eigenen Zugang zur Magie und ihren Techniken zu finden und seinen individuellen Weg zu gehen, sofern er den Willen dazu hat und bereit ist, die Zeit und Anstrengung zu investieren.

Diese Abhandlung soll das theoretische Hintergrundwissen liefern, um direkt in die Praxis einsteigen und ihre Wirkung und Phänomene verstehen zu können. Die persönliche Weiterentwicklung und die Verantwortung dafür hat dann aber jeder selbst in der Hand. Es sollen keine Wege vorgeschrieben, sondern gangbare Wege aufgezeigt werden.

Bei keinen zwei Lesern dürften die gleichen Voraussetzungen hinsichtlich theoretischen Wissens und praktischer Erfahrung gegeben sein, daher versuche ich hier einen Kompromiß zu finden, der für den Anfänger ausreichend ausführlich und für den Fortgeschritten nicht trivial langweilig ist.

Wer die Grundstrukturen der Magie allerdings erst einmal verstanden hat, bedarf keines allzugroßen Detailwissens mehr, weil er aus ihnen alles andere mühelos und korrekt ableiten kann. Gerade der Anfänger ist sich dieser Freiheit oft am allerwenigsten bewußt. Anstatt selbständig weiterzudenken, was ihm als Einweihung angeboten wird, sucht er verzweifelt nach weiteren Regeln und vermeintlichen Grenzen, an die er sich klammern kann. Dies sollte nicht auch noch unterstützt werden.

Die Überheblichkeit, mit der vornehmlich frühere Autoren auf den „dummen, unwissenden Nichteingeweihten“ herabschauten, um ihm erst den Mund wässrig zu machen und ihm dann das entscheidende Wissen doch vorzuenthalten, sollte endlich der Vergangenheit angehören.

Eine Anleitung wie diese will nicht dogmatisch sein, denn viele Wege führen zum Ziel, und es sollen lediglich Anregungen gegeben werden. Rituellen Anweisungen und esoterischen Lehren blind zu folgen, ist nicht der Sinn, den diese Seiten vermitteln wollen, sondern Verständnis für die Funktionsweise der Magie und das eigene Arbeiten mit persönlichen, individuellen Inhalten und Methoden, denn nur sie können letztendlich das eigentliche Ziel der Magie erfüllen: die Weiterentwicklung des Selbst.

Auch wer nicht den praktischen Weg beschreiten möchte, kann durch die Magie etwas Wertvolles gewinnen, denn allein schon das Verständnis für die Magie und für das Unbewußte führt oft zu einem bewußteren Leben.

1.2. Einführende Zusammenfassung
Normalerweise gehört eine Zusammenfassung an das Ende eines Textes, hier sei sie jedoch an den Anfang gestellt. Das dient dazu, zunächst die hier vorgestellten Grundgedanken in gestraffter Form wiederzugeben, bevor sie anschließend detailliert erläutert werden. Somit kann der Leser schon an diesem Punkt entscheiden, ob er den Ausführungen weiter folgen mag oder nicht.

o Magie ist ein ganz persönlicher, individueller Erfahrungsraum. Deshalb ist sie schwer zu erklären, nicht allgemeingültig zu definieren und daher ist es schwierig, einen zu einem selbst passenden Lehrer zu finden.

o Magie hat sehr viel mit Psychologie, insbesondere Tiefenpsychologie, zu tun, und die meisten ihrer Funktionen sind psychologisch erklärbar. Ferner ist Magie eine Lehre, die niemals abgeschlossen und ständig im Wandel ist.

o Um die Funktionsweise von Magie zu erklären, wird ein Modell verwendet, das auf der Annahme beruht, daß Magie eine Form von Energie ist.

o Magische Energie wird von allen Lebewesen im Unterbewußtsein erzeugt, ausgestrahlt und ist dadurch in der Welt vorhanden.

o Alles Existierende besteht irgendwie aus Energie in unterschiedlicher Form. Magische Energie kann Energien auf anderer Ebene beeinflussen und verändern (Resonanzprinzip). Dadurch kann magisches Arbeiten tatsächlichen Einfluß auf Wahrscheinlichkeiten von Ereignissen und das (unbewußte) Denken anderer nehmen.

o Magier benutzen Ketten aus einander verändernden, ähnlichen Energieformen, um die gewünschte Veränderung beim Ziel zu erreichen. Das Bewußtsein regt das Unbewußte an, eine bestimmte, zielgerichtete Form magischer Energie zu erzeugen, welche den Willen des Magiers transportiert. Die Energie wird auf die magische Energie des Ziels projiziert und gleicht diese schwingungsmäßig dem Willen des Magiers an (Synchronismus). Die veränderte magische Energie des Ziels bewirkt wiederum Veränderungen über die verschiedenen Energiestufen zurück bis zur beabsichtigten Energieform, zum Beispiel über das Unterbewußtsein des Ziels in dessen Bewußtsein. Dies kann real greifbare Veränderungen beim Ziel bewirken.

o Die drei Standbeine jeden magischen Wirkens sind ein veränderter Bewußtseinszustand (Gnosis), der Wille und die Visualisierung.

o Der veränderte Bewußtseinszustand (gnostische Trance oder kurz Gnosis) dient dazu, das Unbewußte zu erreichen und es zur Erzeugung entsprechender magischer Energien zu veranlassen. Magische Werkzeuge und Rituale sind lediglich Hilfsmittel zur Erreichung dieses Zustands.

o Der Wille oder Willenssatz ist das gewollte Ergebnis und das Maß für die Intensität und Stärke der Wirkung einer Magieanwendung.

o Die Visualisierung ist die Aufnahme eines geistigen Bildes des gewollten Ergebnisses in die innere Realität, um die magische Energie auf dieses Ziel projizieren zu können, es zu „treffen“, also die Genauigkeit der magischen Operation.

o Durch diese drei Techniken wird die fremde Energie der eigenen schwingungsmäßig angeglichen, was zur Angleichung der fremden Realität an den eigenen Willen führt (Synchronismus).

o Magier können mit Hilfe ihres erweiterten Bewußtseinszustandes magische Energien mit dem Unterbewußtsein wahrnehmen, welches sich dabei der Sinnesorgane als Hilfsmittel zur Darstellung für das Bewußtsein bedient.

o Das eigentliche Ziel der Beschäftigung mit Magie ist nicht die Demonstration spektakulärer Effekte, sondern das Verbinden von Bewußtsein und Unterbewußtsein des Magiers, die ausgewogene Entwicklung beider Bereiche, deren Kommunikation miteinander und damit die Weiterentwicklung des Selbst. Natürlich kann man mit Magie auch tatsächlich „Zauber“ wirken, doch dies ist eigentlich nur ein sehr nützlicher Nebeneffekt auf dem magischen Weg, nicht die Hauptsache.

o Der Umgang mit Magie bedingt eine hohe Verantwortlichkeit und einen ethisch gefestigten Charakter.

o Magie ist keine Religion und funktioniert auch anders. Sie ist vielmehr eine Lebensphilosophie. Sie kommt ohne Religion aus, aber es geht auch mit Religion.

o Es gibt keine „schwarze“ oder „weiße“ Magie. Magie ist auch nicht gut oder böse. Sie ist als Energieform und auch als Wissenschaft ebenso neutral wie es elektrischer Strom oder die Physik sind.

o Der Anwender ist für sein Tun verantwortlich. Er wirke Magie nur, wenn er es für richtig hält, wenn er die Konsequenzen seines Vorhabens überdacht hat, die Verantwortung für sein Tun zu tragen bereit ist und dies alles mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Seine Verantwortung hat er auch sich selbst gegenüber.

o Schadenszauber, Flüche und Liebeszauber (gegen den freien Willen) gehören in den Bereich manipulatorischer, aggressiver Magie, sind daher negativ zu betrachten und mit Vorsicht zu handhaben, aber keineswegs irgendwie „verboten“. Man sollte sich nur über die möglichen (auch psychischen) Konsequenzen im Klaren sein.

o „Höhere“ oder „magische“ Wesen wie Götter, Geister oder Dämonen gibt es nicht real. Ihre wahrgenommenen Präsenzen und Manifestationen sind lediglich (oft sehr realistisch erscheinende) Projektionen aus der eigenen Psyche (sogenannte Psychogone). Man erschafft sie als flüchtige Energiegebilde immer selbst.

o Magier sind eigentlich ganz normale Menschen, die sich lediglich ein besonderes Talent erschlossen haben. Sie benutzen es, um ihren Weg zu gehen, positive Dinge anzuziehen und negative Ding fernzuhalten. Magie ist für sie ein spiritueller Weg.

o Wahre Magier donnern sich nicht auf und machen kein großes Aufheben um ihre Kunst. Wer das tut, ist fast immer ein Scharlatan oder steht noch ganz am Anfang seines Weges.

o Prinzipiell kann jeder Magier werden, der bereit ist, an sich selbst zu arbeiten und dafür etliche Anstrengungen in Kauf zu nehmen. Magie kann man nicht konsumieren, man muß sie aktiv erfahren und sich erarbeiten. Wer dazu keine Lust hat oder Magie lediglich „cool“ findet, wird scheitern.

o Die an einen Magier gestellten Voraussetzungen sind Aufgeschlossenheit, Aufmerksamkeit, Gelassenheit, Entspanntheit, Konzentration, Intuition, Ausdauer, Geduld, Glaube an den Erfolg, Selbstkenntnis und Verantwortlichkeit.

o Weil Magie etwas sehr Individuelles ist, muß sie sich jeder selbst erarbeiten. Es ist daher töricht, vorgegebenen Lehren und fremden Ritualen blind zu folgen, denn sie sollten lediglich als Anregung für den eigenen Weg dienen und dürfen auch abgelehnt werden.

Wer bis hierher den meisten dieser Punkte zugestimmt oder dabei wenigstens nicht den Kopf geschüttelt hat, wird wahrscheinlich auch von den nun folgenden, ausführlicheren und weiterführenden Kapiteln nicht enttäuscht werden. Sie stellen, metaphorisch ausgedrückt, keine Rezeptsammlung dar, sondern lehren die Kunst des Kochens an sich, denn ein guter Koch braucht keine Rezepte mehr, er kann mit Wissen, Erfahrung und Gefühl alles selbst entwickeln.

1.3. Was ist Magie?
Die Frage, was Magie eigentlich ist, ist sehr schwer zu beantworten. Es gibt verschiedene mehr oder weniger vermeintlich plausible Erklärungsansätze, aber keiner vermag sie vollständig zu erfassen.

Das liegt unter anderem daran, daß Magie etwas zutiefst Persönliches ist. Jeder erlebt, empfindet und benutzt Magie auf völlig individuelle Weise. Deshalb sind Definitionen und Anleitungen nur sehr grobe Hilfsmittel, weil letztlich jeder seinen eigenen, persönlichen Zugang zur Magie finden muß. Darum ist es auch so schwer, einen passenden Lehrer zu finden, denn der Weg eines Lehrers ist höchstwahrscheinlich nicht der eigene.
Carl Gustav Jung (26.07.1875 bis 06.06.1961), ein schweizer Psychologe, der u.a. an Siegmund Freud anknüpfte und sich darüberhinaus mit Magie, Alchemie und Religion beschäftigte, hat einmal gesagt: „Magisch ist nur ein anderes Wort für psychisch.“

Magie ist also das Wissen um die Kräfte der menschlichen Seele und wie diese bewußt angewandt werden können. Damit wird das Spektrum dessen, das man mit „magisch“ bezeichnen kann, um ein Vielfaches größer und auch natürlicher.

jung
Carl Gustav Jung

Magier und Hexen betrachten daher Magie und damit Verbundenes als absolut natürlich, denn die Magie ist ein Teil der Natur und des Menschen selbst. Magie erhebt sich nicht etwa über die Natur und ist schon gar nicht „widernatürlich“, wie es sehr vielen religiös denkenden Menschen eingetrichtert wurde. Carl Gustav Jung

Der Begriff „übernatürlich“ ist in Bezug auf Magie ebenfalls irreführend, denn Magie ist eine sehr natürliche Fähigkeit, welche der Mensch als Teil seiner eigenen Psyche tief in seinem Inneren trägt und die er von der Natur selbst erhalten hat. Daß sie „übernatürlich“ oder „unnatürlich“ sei, wird den Menschen hauptsächlich von den etablierten Religionen eingeredet, für deren Anhänger eine Beschäftigung mit Magie, kritischem Denken und die damit einhergehende persönliche Weiterentwicklung (und meist auch Fortentwicklung von den religiösen Dogmen) natürlich äußerst unerwünscht ist.

Magie wird oft als „Geheimwissenschaft“ bezeichnet. Für viele bedeutet dies zwar auch die Geheimhaltung des erlangten Wissens aus unterschiedlichen Motiven heraus (eigene Machterhaltung, wohlmeinende Bewahrung „Unkundiger“ vor Mißbrauch und Schaden, Zurückhaltung, weil „die Zeit/Welt/Menschheit noch nicht reif dafür“ sei usw.), aber eigentlich geht es, im Gegensatz zu weltlichem Geheimwissen, dessen Inhalt seinen Trägern bereits bekannt ist, bei der „Geheimwissenschaft“ Magie in erster Linie um die Geheimnisse selbst, mit der sich die Magie umgibt, und um deren Erforschung. Außerdem halten viele Magier vor der Allgemeinheit geheim, daß sie sich überhaupt mit Magie beschäftigen, um sich nicht den so typischen ablehnenden Reaktionen der Unwissenden auszusetzen.

Der unbezähmbare Drang nach Erkenntnis bewegt seit Jahrtausenden immer wieder Menschen dazu, sich den im menschlichen Geist verborgenen Mysterien auf unterschiedlichen Wegen zu nähern. Die Beschäftigung mit Magie ist eine Erforschung des eigenen Inneren, welches sein Wesen oft in seltsamen und zum Teil verwirrenden Erlebnissen und Erfahrungen andeutet – andeutet, aber eben nicht wirklich offenbart.

Die Wissenschaft von der Erforschung des dem Bewußtsein zunächst verschlossenen Teil des menschlichen Geistes, nämlich seinem Unterbewußtseins und – wenn man so will – seiner Seele, ist die Psychologie, genauer die Tiefenpsychologie. Man nimmt sie zu Hilfe, um viele – nicht alle – magischen Wirkmechanismen im menschlichen Geist zu erklären. Wie C. G. Jung schon lehrte, Magie ist immer auch Psychologie, denn es gibt hier keine klare Abgrenzung.

Man könnte sagen, daß die Beschäftigung mit Magie ein Weg ist, über mythische Denkmodelle und Techniken, in denen tiefenpsychologische Funktionsmethoden verschlüsselt sind, die verborgenen Fähigkeiten des Unterbewußtseins dazu anzuregen, tatsächliche Veränderungen der Realität zu bewirken. Die Kunst dabei ist es, dies im Einklang mit dem bewußten Willen zu erreichen, d.h. solche Veränderungen hervorzurufen, die man so auch wirklich haben will.

Die ernsthafte Beschäftigung mit Magie ist daher zwangsläufig immer eine Synthese aus dem Versuch, die mythischen Geheimnisse zu entschlüsseln, und der exakten Wissenschaft der Psychologie, beziehungsweise Tiefenpsychologie. So kann man die bei der praktischen Anwendung von Magie funktionierenden Wirkmechanismen des Geistes besser zu verstehen und auch zu nutzen lernen.

Magie ist, rein wissenschaftlich betrachtet, eigentlich im Grunde nur ein angewandtes System tiefenpsychologischer Techniken. Die meisten von ihnen und die durch sie hervorgerufenen Phänomene sind in ihrer Funktion daher psychologisch erklärbar, und es schadet auch keineswegs, diese Funktionen der Psyche zu kennen und zu verstehen, wenngleich einige von ihnen auch noch weitgehend unerforscht und daher nur rein theoretisch erklärbar sind.

Das Problem ist nur, daß diese wunderbaren psychologischen Techniken paradoxerweise nicht funktionieren, wenn man mit zu nüchterner Betrachtung an sie herangeht und sich ihrer während der Magieausübung zu sehr bewußt ist. Das liegt vor allem daran, daß sie im Unbewußten Gefühle auslösen sollen, welche zur gewünschten Bewußtseinserweiterung führen. Magie ist hauptsächlich eine Sache des Fühlens, weniger die bewußte Anwendung psychologischer Techniken und Formeln. Deshalb funktioniert sie auch nur durch die mythisch gestützte Methodik der praktischen Anwendung optimal, weil nur durch sie im Unbewußten entsprechende Gefühle assoziiert werden, und nicht durch die theoretisierende Bewußtheit über die psychologische Natur dieser Techniken.

Beim Fahrradfahren muß man das Gleichgewicht auch mit einem Gefühl für dieses halten, die bloße Kenntnis der dabei zur Geltung kommenden physikalischen Formeln nutzt dem Anfänger zunächst einmal gar nichts, denn durch sie allein bekommt er kein Gefühl für die Praxis – das kann er nur durch Fühlen und Übung erlangen. Konzentriert man sich stattdessen während des Versuchs mehr auf die Formeln als auf das Gefühl, wird man scheitern. In der Magie ist das ganz ähnlich.

Deshalb bedient sich die Magie der Mystifizierung, denn ein mythisches Denkmodell, in dem man sich im Rahmen der Magieanwendung bewegt, kann Stimmungen und Gefühle viel besser auslösen als ein nüchternes Durchschauen der psychologischen Wirkmechanismen.

Daher ist es wichtig, Letztere im Moment der Anwendung auch zu „vergessen“, damit die Magie funktionieren kann, sonst stört die wissenschaftliche Bewußtheit das mythische Denken, und es können durch dieses keine entsprechenden Gefühle erzeugt werden oder eben nicht mehr in der erforderlichen Intensität. Weil man aber nicht bewußt etwas vergessen kann (man versuche einmal, für ein paar Minuten bewußt nicht an ein Nilpferd zu denken), erreicht man ein temporäres „Vergessen“ eben nur durch Ablenkung, indem man sich sehr stark auf eine andere Sache konzentriert, auf das mythische Denkmodell eben. Mit genügender Intensität der Konzentration wird dieses im Moment des Ausübens für den Magier mythisch „wahr“, erzeugt in ihm so die gewünschten Gefühle, mit denen die Erweiterung seines Bewußtseins einhergeht, welche ihn befähigt, sein Unterbewußtsein zur Freisetzung jener Kräfte anzuregen, die seinen Willen schließlich Realität werden lassen können.

Dies ist auch der Grund dafür, warum vielfach eben nur die Mystik gelehrt wird: damit der Schüler nicht auf „dumme Gedanken“ kommt, die ihn blockieren können (oft leider aber auch deshalb, um als Lehrer das eigentliche Geheimnis allein für sich zu behalten oder schlimmer noch, wenn der Lehrer selbst glaubt, die mythischen Denkmodelle seien Realität). Deswegen funktioniert Magie seit alters her auch dann, wenn ihre Lehre allein auf der Grundlage mythischer Denkmodelle fußt, die dann vom Magier auch für wahr gehalten wurden (und noch immer werden), da es die wissenschaftliche Erklärung schließlich erst seit relativ kurzer Zeit (rund 100 Jahre) gibt.

Mythische Denkmodelle funktionieren magisch um so besser, je umfassender und in sich schlüssiger sie sind. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob sie einfach oder kompliziert gestaltet sind oder ob sie einen starken Bezug zur Realität haben und nur leicht an dieser vorbeigehen oder ob sie (wissenschaftlich objektiv betrachtet) sogar völlig unsinnig sind. Man muß sich nur in sie hineindenken und sie für den Moment der Magieausübung als Realität akzeptieren können. Sehr vorteilhaft und der Erzeugung von Atmosphäre förderlich ist es selbstverständlich auch, sich in ihnen wohlzufühlen.

Doch ist es natürlich besser, auch über die tatsächlichen psychologischen Funktionen der Magie Bescheid zu wissen, denn so hat man bei Problemen den besseren Überblick, kann Zusammenhänge leichter verstehen und natürlich auch sich selbst und seine Fähigkeiten und Techniken gezielter weiterentwickeln. Außerdem hilft es ungemein dabei, realistisch und mit beiden Beinen auf dem Boden und „im Leben“ zu bleiben und nicht „abzuheben“ (den Bezug zur Realität zu verlieren).

Daß es in der Magie und gerade auch in der Esoterik oft sehr seltsame, geradezu schwachsinnig erscheinende Lehren und Weltbilder gibt, kommt also nicht von ungefähr, wobei man gerade in der Esoterik aber fein zwischen tatsächlicher Mystifizierung und absichtlicher Verkomplizierung zur Verschleierung der Zusammenhänge zum Zwecke des Profitmachens und des Erzeugens von Abhängigkeiten unterscheiden muß.

Der so wichtige Unterschied zwischen Realität und mythischem Denkmodell und deren notwendiger Trennung voneinander ist vielen Anhängern dieser Lehren nämlich fatalerweise überhaupt nicht bewußt. Deshalb erachten auch so viele Esoteriker ihre mythischen Weltbilder als real existent und tragen somit zu ihrem Ruf als Spinner selbst bei.

Zudem, so muß man leider sagen, benutzen viele selbsternannte Magier und Esoteriker ihre mythischen Weltbilder auch zur Realitätsflucht, um andere psychische oder weltliche Probleme zu verdrängen, weil sie den Unterschied nicht kennen oder nicht kennen wollen, was natürlich der Sache nicht gerade dienlich ist und eher in eine Sackgasse führt, wobei diese Probleme durch Hinauszögern letztlich nur verschlimmert werden.

So verrennen sich diese Menschen immer tiefer in ihre eigene Mythologie oder in die, der sie blindlings folgen, verlieren immer mehr den Sinn für die Realität und erscheinen anderen Menschen dadurch immer weltfremder und „abgedrehter“. Magie sollte aber doch eigentlich die Arbeit an sich selbst sein und zu einem bewußteren Leben führen, und gerade eben nicht dazu, daß man sich selbst verliert.

Nicht zuletzt deshalb wird immer wieder vor der Beschäftigung mit Magie gewarnt, wenn psychische oder schwerwiegende weltliche Probleme vorhanden sind. Praktische Magie bedeutet, mit der eigenen Psyche zu experimentieren, und das kann beim Vorhandensein psychischer Störungen jeder Art üble Konsequenzen haben und diese Störungen noch verschlimmern. Auch eine gesunde Psyche ist selbstverständlich nicht „sicher“, doch steckt sie ein Herumexperimentieren leichter weg, und negative Auswirkungen sind sehr unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist vielmehr die angestrebte positive Weiterentwicklung.

Insofern dient ein wissenschaftliches, realistisches Bild der Magie, ihrer Funktion und Zusammenhänge auch als „Rettungsanker“ in Form einer Gedächtnisstütze für die Psyche, damit man „auf dem Teppich“ bleibt, beziehungsweise nach einer magischen Tätigkeit wieder leichter in die Realität zurückfinden kann. Witzigerweise mystifiziert man sogar diesen „Rettungsanker“, indem man ihn zum Beispiel in Form von Symbolen oder rituellen Handlungen in seine magischen Rituale mit einbezieht, um sich im Anschluß an die eigentliche Handlung durch ihn an die Realität zu „erinnern“ und leichter zu ihr zurückzufinden, und das funktioniert auch ziemlich gut.

Viele der mythischen Denkmodelle und Methoden, mit der die praktische Anwendung der Magie verkleidet wird, beispielsweise in einem Ritual, mögen zunächst kitschig, abergläubisch, unsinnig oder kindlich naiv wirken, doch vermögen sie als Symbolsprache im Unterbewußtsein Dinge auszulösen, deren Auswirkungen in Form von Erkenntnissen, einem veränderten Bewußtsein und tatsächlichem Einfluß auf die Umwelt spürbar und erlebbar sind, obwohl akademisch vorgebildete Psychologen trotz raffinierter Test-Verfahren und Großversuchsreihen in psychologischen Laboren solche Ergebnisse weder erzielen noch nachweisen können.

Vielleicht läßt sich an dieser Stelle wenigstens halbwegs der äußerst schwammige Grenzverlauf zwischen der „Geheimwissenschaft“ Magie und der anerkannten Wissenschaft der Psychologie festlegen.

Einige Methoden und Techniken der Magie mögen Psychologen bekannt vorkommen, ja sogar verblüffend modern erscheinen (obwohl viele davon bereits sehr, sehr alt sind), denn sie werden heute teilweise in der Psychotherapie und der psychosomatischen Medizin zur Behandlung der sich zunehmend ausbreitenden seelischen Erkrankungen (Neurosen) und seelisch bedingter Organkrankheiten eingesetzt – übrigens ohne daß ihre Wirkungsweise grundlegend erforscht wäre. Man kann die Grenze zwischen Magie und Psychologie also nicht unbedingt an der Erklärbarkeit der Phänomene festmachen.

Zu unterscheiden ist beim Begriff „Magie“ außerdem, ob man die magische Kraft oder Energie selbst meint oder den Umgang mit ihr, denn beides wird zu einem Themenkomplex zusammengefaßt, den man üblicherweise als „Magie“ bezeichnet. So soll zur präziseren Ausdrucksweise zwischen magischer Energie und Magieanwendung unterschieden werden.

Eine grobe Definition der Magieanwendung ist ein System tiefenpsychologischer Methodik, um sich gefühlsmäßig in einen erweiterten Bewußtseinszustand zu versetzen, der es erlaubt, auf geistigem Wege über eine Symbolsprache das Unterbewußtsein anzuregen, Kraft des bewußten Willens die Realität seiner bewußten Vorstellung anzugleichen.

1.4. Jede Erklärung ist nur ein Modell
Magie als Kraft wird auch magische Energie genannt. Daß sie eine Form von Energie ist, ist eine Behauptung, ein Denkmodell für etwas, das noch nicht vollständig erforscht und begriffen werden konnte. Weil sich aber viele Dinge im Zusammenhang mit Magie sehr gut mit einem Energiemodell erklären lassen, soll diese Definition zunächst als gültig betrachtet werden.

Der Begriff „Energie“ ist hierbei natürlich nur eine Metapher, eine Veranschaulichung, also keine physikalische Aussage. Magische Energie ist keine „stoffliche“ Energieform, die einer Überprüfung durch die exakten Wissenschaften standhielte, und sie ist bisher nicht physikalisch meßbar. Der Begriff „Energie“ ist nur ein Behelf, weil die Sprache keinen besseren kennt.

Der Mensch strebt stets danach, seinen Glauben und seine Philosophie in sein zeitgenössisches Weltbild einzubetten, um sich nicht ständig mit Widersprüchen auseinandersetzen zu müssen. Insbesondere betrifft das auch das Themengebiet der Magie, welches ja ebenfalls eine Philosophie ist und den Glauben an Magie voraussetzt. Psychologisch gesehen dienen die Versuche, die Magie mit dem Weltbild zu vereinbaren, vor allem dazu, den Verstand zu beruhigen und das scheinbar Irrationale der Magie begreifbar und vor allem akzeptierbar zu machen.

Das ist auch magisch gesehen durchaus sinnvoll, denn ein zufriedengestellter Verstand läßt dem Unbewußten mehr Freiraum zum Wirken als ein rein rationaler, dauernd skeptischer Verstand, der mit seinen beständigen Zweifeln der Magieanwendung alle möglichen Blockaden und Stolpersteine in den Weg legt.

Es kommt also weniger darauf an, ob die Erklärungsmodelle der Magie naturwissenschaftlich „wahr“ sind oder nicht. Wichtig ist allein, daß sie mythisch wahr sind, daß sie also den Magier selbst überzeugen und ihm als funktionierende Arbeitshypothese (Paradigma) dienen. Es kann nur dann etwas funktionieren, an dessen Funktionieren man auch glaubt. Glaubt man nicht an seine Magie, kann man sie auch nicht erfolgreich anwenden, da man sich durch Zweifel innerlich den Zugriff versperrt.

Ein Magier braucht aber eine gewisse Sicherheit für seinen Verstand, und mythische Modelle liefern die entsprechende Standfestigkeit, um ohne durch Skepsis hervorgerufene Blockaden seinem Unterbewußtsein vertrauen und sich so in einer eigentlich irrational erscheinenden Realität in Ruhe auf sein Vorhaben konzentrieren zu können. Man sollte solche Erklärungsmodelle also unter diesem Vorbehalt betrachten, bevor man sie kritisiert.

1.5. Die magische Energie
Magie als Kraft soll hier, dem Energiemodell folgend, auch als Energie angesehen werden. Diese mythische Energie des Unbewußten wird häufig auch als Magis, Od oder Prana (sanskrit: Atem, Lebenskraft) bezeichnet. Die Frage nach der genauen Natur magischer Energie läßt sich ebensowenig beantworten, wie man mit Sicherheit sagen kann, worin das genaue Wesen der Elektrizität besteht. Wie auch dort ist viel über die Erzeugung, Handhabung und Anwendung der betreffenden Energie bekannt, aber ihre eigentliche Natur bleibt verborgen.

Magische Energie erfüllt jedes Lebewesen (die Lebensenergie, das, was das Leben als solches ausmacht, manche nennen es Seele) von innen heraus und umgibt es in Form einer Aura. Aber auch vielen Gegenständen wohnt diese Energie mehr oder weniger stark inne. Sie kann darin gespeichert und in seltenen Fällen auch darin aus der Umgebung gebündelt erzeugt werden. Magische Energie ist außerdem in der Umwelt vorhanden, denn sie wird beständig von den Lebewesen ausgestrahlt. Magie ist die Energie, die allem im Universum das Leben gibt, aber auch das Leben selbst ist. Man könnte sie sogar als die Summe allen Lebens bezeichnen.

Das klingt nun ein wenig nach der „Macht“ aus „Star Wars“, und so ganz falsch ist dieser Ansatz gar nicht. Magie ist aber nicht eine „kosmische Kraft“, „Naturkraft“ oder „göttliche Kraft“, sondern als Lebenskraft die Kraft und Energie des Unterbewußtseins, welches das Zentrum des Lebens ist.

Die magische Energie hat ihren Sitz und Ursprung im Unbewußten („Unterbewußtsein“). Das Unbewußte kann diese Energie auch aussenden. Dies geschieht manchmal kraftvoll, zum Beispiel bewußt durch den Willen des Magiers oder unbewußt durch bestimmte emotionale Reaktionen des Unbewußten, und in schwächerer Form ohnehin ständig, einfach indem man lebt, ähnlich wie man Körperwärme ausstrahlt. Diese ausgesendete Energie ist dann in der Umwelt vorhanden.

Wenn man aber nun permanent Energie aussendet, so muß diese auch irgendwoher kommen. Außerdem bleibt nach dem Energieerhaltungssatz die Summe der Energie in einem geschlossenen System immer gleich. Woher kommt beispielsweise die Energie, mit welcher das Herz schlägt, mit welcher man sieht, mit welcher man denkt? Sie wird im und durch den Körper gebildet.

Auch das menschliche Gehirn arbeitet mit Energie, elektrischen Impulsen nämlich, die etwa 100 Watt stark sind und gemessen und mittels eines Elektro-Enzephalogramms (EEG) aufgezeichnet werden können. Also erzeugen Gedanken und Emotionen elektrische Energie. Aber sie erzeugen eben auch noch eine zweite Form von Energie, die man magische Energie nennt.

Diese Energie, die man auch den Lebensfunken oder die Lebensenergie nennt, hält die Maschine Körper in Gang, steuert sie. Sie kommt selbstverständlich auch nicht aus dem Nichts, sondern wird durch einen kontrollierten biochemischen Verbrennungsvorgang des Körpers aus Nahrung und Sauerstoff vom Körper selbst erzeugt, ebenso wie die bioelektrische Energie, welche Nerven und Gehirn betreibt. Die Energie, mit der gerade diese Zeilen gelesen werden, stammt aus einer der letzten Mahlzeiten.

Die Substanz aus der Nahrung wird im „Kraftwerk Körper“ in Lebensenergie umgewandelt, die eben nicht nur den Körper, die Muskeln, die Sinne und die Nerven betreibt, sondern eben auch den Geist. Zu Letzterem gehören Bewußtsein und das Unbewußte, und ein Teil dieser Energie wird vom Unbewußten eben auf eine bisher nicht bekannte Weise zu magischer Energie umgewandelt und so verwendet. Sie kommt nicht von außen, sondern wird von jedem selbst erzeugt.

Weil nun alle Lebewesen (und nicht unbedingt nur diese, aber das soll zunächst außen vor bleiben) also beständig magische Energie abstrahlen, ist die Welt davon erfüllt. Analog kann man sich einen Raum mit vielen Personen darin vorstellen, der sich durch die Körperwärme der Anwesenden erwärmt. Diese vielen verschiedenen magischen Energien bilden jedoch kein homogenes, untrennbares Gemisch, sondern sind schon einzeln vorhanden und existieren miteinander und durcheinander, vergleichbar mit den Frequenzen verschiedener Radioprogramme, die sehr wohl einzeln unterscheidbar und dennoch alle gemeinsam im selben elektromagnetischen Gemisch vorhanden sind.
Oft bilden magische Energien regelrechte Ströme durch die Welt. Linien aus magischer Energie, sogenannte Kraft- oder Ley-Linien umspannen ähnlich dem Magnetfeld die Erde wie ein Netz. Wo sich solche Linien kreuzen, gibt es Knoten- oder Kraftorte, an denen die Magie besonders stark und leichter zugänglich ist. Viele Kultstätten sind daher auf solchen Kraftorten errichtet.

watkins Der Erfinder des Begriffs Ley-Linie ist Alfred Watkins (1855 bis 1935) in seinem 1925 erschienenen Buch „The Old Straight Track“ (engl.: Der alte gerade Pfad). Der pensionierte englische Geschäftsmann Watkins war ein Pionier auf dem Gebiet der Geomantie (Weissagung durch Erdenergie). Er prägte den Begriff der Ley-Linie, weil zahlreiche auf diesen Linien liegende Orte auf „ley“, „lay“, „lee“, „lea“ oder „leigh“ enden, eine altdeutsche Bezeichnung für Fels oder Klippe. Nach Watkins verbinden diese virtuellen, geraden Linien bedeutende megalithische Bauwerke und Orte der Kraft miteinander.

1.6. Die Funktionsweise der Magie
Um zu begreifen, auf welche Weise Magie funktionieren kann, muß man sich vergegenwärtigen, daß nicht nur Magie als Kraft, sondern alles Existierende aus Energie besteht. Das gilt für einen Stein (Materie ist ebenfalls eine Form von Energie) genauso wie für Wärme, Licht, Gedanken und das Leben selbst. Alle diese Energieformen besitzen sozusagen eine unterschiedliche Frequenz.

Diese verschiedenen Energieformen existieren nicht getrennt voneinander, denn sonst könnte man gar keinen Kontakt zu ihnen bekommen. Sie existieren vielmehr miteinander und durcheinander. Wenn man beim elektromagnetischen Frequenzmodell bleiben möchte, so könnte man sich die unterschiedlichen Energieformen vielleicht analog zu infrarotem Licht, sichtbarem Licht, ultraviolettem Licht, Radarstrahlen, Röntgenstrahlen, Funk und Rundfunk vorstellen. Alle können gemeinsam im selben Raum existieren und bleiben doch voneinander gut unterscheidbar und haben alle verschiedene Erscheinungsformen.

So könnte man also als einfaches Modell die Energie von toter Materie, die körperliche Lebensenergie, die bewußte Mentalenergie, die unbewußte Mentalenergie und die magische Energie als Energieformen ansehen (natürlich gibt es noch weitere und auch viele Zwischenstufen), die ähnlich miteinander existieren.

Weil diese Energien nicht voneinander getrennt, sondern miteinander existieren und in gegenseitiger Wechselbeziehung zueinander stehen, können sie einander auch beeinflussen, ähnlich wie ein Funksignal ein Radiosignal stören kann. So kann eine Veränderung in der einen Ebene über eine Art Induktion auch eine Veränderung in der anderen Ebene bewirken und umgekehrt. Diese gegenseitige Beeinflussung der verschiedenen Energieformen ist in der Magie ein sehr wichtiger Grundsatz, den man als Resonanzprinzip bezeichnet.

Einander sehr nahe und ähnliche Energien beeinflussen einander natürlich leichter als einander fremde, voneinander entfernte. So können magische Energie und unbewußte Mentalenergie, die einander sehr ähneln, vielleicht mit einem Radiosignal und einem Funksignal verglichen werden und sich so leichter gegenseitig beeinflussen, während ein zum Beispiel mit sichtbarem Licht vergleichbarer Stein sich nur sehr schwer bis gar nicht vom „Radiosignal“ magische Energie verändern läßt.

Weil es sehr schwierig bis unmöglich ist, weit voneinander entfernte Energieformen durch eine Resonanz zu verbinden, weil sie eben völlig verschieden sind, bedient man sich eines Tricks. Einander ähnliche Energien beeinflussen sich wesentlich leichter, und so ist es nicht allzu schwierig, eine benachbarte Energieform zu erreichen. Diese verändert dann ihrerseits ihren nächsten Nachbarn und so weiter, bis eine Resonanzkette geschaffen wurde, die bis zur gewünschten Stufe reicht.

Diese Wirkung macht sich der Magier zunutze. Er setzt seine bewußte Mentalenergie auf eine Weise ein, die geeignet ist, das Unterbewußtsein so zu beeinflussen, daß es wiederum auf die magische Energie einwirkt, die so eine bestimmte Veränderung erfährt. Diese veränderte magische Energie wird ausgestrahlt, wobei die Art der Veränderung geeignet ist, die magische Energie des Zauberziels so zu manipulieren, daß dies wiederum zu einer Veränderung des dortigen Unterbewußtseins oder Bewußtseins, Körper, Materie oder was auch immer führt.

Der Magier erzeugt also eine Art energetischer Kettenreaktion, die seinen Willen transportiert, und die er dort auslöst, wo er es kann, nämlich in seinem Geist, seinem Wachbewußtsein, die dann bei ihm die Stufen unterschiedlicher Energien hinaufläuft, von der eigenen Spitze zur Spitze des Ziels überspringt und dort die Stufen wieder herunterläuft, bis sie (hoffentlich) auf der gewünschten Ebene zum beabsichtigtem Ergebnis führt.

Absichtliche Kettenreaktionen auszulösen, um damit gewünschte Veränderungen zu bewirken, ist das Ziel des Magiers. Durch mangelhafte Umsicht und Übung können aber auch ungewollte Kettenreaktionen ausgelöst werden, die auch zu unschönen Effekten beim Ziel oder bei sich selbst führen können.

Das Prinzip, diese eigenen und fremden subtilen Energien in Übereinstimmung mit dem Willen zu bringen, nennt man auch Synchronismus oder Synchronizität (Carl Gustav Jungs Ausdruck für „bedeutungsvoller Zufall“, den er gemeinsam mit dem Physiker Wolfgang Pauli prägte, um das anscheinend unzusammenhängende, „zufällige“ Zusammentreffen von Ereignissen oder Ereignissen und psychischen Geschehnissen zu beschreiben, die in einem offensichtlichen Sinnzusammenhang stehen). Dadurch können ganz reale Resultate auftreten, die aber bis heute durch die physikalische Wissenschaft noch nicht nachgewiesen sind.

1.7. Die Anwendung von Magie
Die Anwendung von Magie nennt der Volksmund „Zauberei“. Weil dieser Begriff jedoch durch Bühnenillusionskunst und Scharlatanerie einen negativen Beigeschmack bekommen hat, soll er hier nicht verwendet werden. Magier pflegen sie als magische Operation zu bezeichnen.

Nach dem Resonanzprinzip des Energiemodells kann das Unterbewußtsein durch seine magische Energie, die es aussendet (ob unbewußt oder gezielt durch den Willen des Magiers) auch auf andere magische Energien (eigene oder fremde) Einfluß nehmen, sie wahrnehmen und manipulieren, was wiederum zu Veränderungen dieser magischen Energie führt.

Diese Veränderung wirkt damit zurück auf das Unterbewußtsein und kann so letztlich auch zu „materiell greifbaren“ (realen) Veränderungen geistiger, körperlicher oder materieller Natur oder von Geschehnissen führen. Das ist dann im Prinzip das, was man mit Magieanwendung oder eben auch trivial mit „Zauberei“ meint.

Jemanden zu „verzaubern“ heißt also nichts anderes, als geistig über das Medium magische Energie indirekt Verbindung zu dessen Unterbewußtsein aufzunehmen und daraus Erkenntnisse zu ziehen oder dort Veränderungen gleich welcher Art herbeizuführen. Der Magier versucht, gemäß eines Vorhabens des praktischen Verstandes, Energien von einer Existenzebene auf eine andere zu überführen, um somit in Übereinstimmung mit dem Willen auf geistige Weise durch das Unterbewußtsein Veränderungen in der Realität zu bewirken.

Für den Magier ist die Beschäftigung mit Magie ein besonderer Erfahrungsraum, eine besondere Art des Erlebens, der Erkenntnis, des Eingebundenseins in die schöpferischen Kräfte des Universums und der aktiven Befähigung, in diesem wiederum schöpferisch (im Guten wie im Schlechten) aktiv und verantwortlich zu sein.

1.8. Die drei Standbeine magischen Wirkens
Die drei Standbeine jeden magischen Wirkens sind ein veränderter Bewußtseinszustand (Gnosis), der Wille und die Visualisierung.

Den veränderten Bewußtseinszustand, welcher der Schlüssel zu magischen Fähigkeiten ist, nennt man „magische Trance“, „gnostische Trance“ oder kurz „Gnosis“. Gnosis ist ein späthellenischer Begriff, der eigentlich soviel wie „intuitives, offenbartes Wissen“ beziehungsweise „Erkenntnis“ bedeutet und neben dem Zustand der gnostischen Trance auch die in diesem Zustand erlangten Erfahrungen und erworbenes praktisches Wissen, das „Gefühl“ für Magie meint. Damit wird die intuitive und subjektive Seite des magischen Handelns betont. Es handelt sich um eine gesteigerte „Klar“-Sicht, eine eigenartige Mischung aus Wissen und Gefühl, für die es im Deutschen keine richtige Entsprechung gibt. Das Wort Gnosis in seiner Bedeutung als Erkenntnis steckt zum Beispiel auch in Diagnose.

Ein veränderter Bewußtseinszustand bedeutet eine eindeutige qualitative Veränderung im mentalen Funktionsmuster des alltäglichen Wachbewußtseins. Neben der Gnosis gibt es zahlreiche unterschiedliche Spektren der Bewußtseinsveränderung, am bekanntesten sind Schlaf und Traum, aber auch die Effekte diverser Drogen. Der Wunsch, von Zeit zu Zeit sein Bewußtsein zu verändern, scheint zu einem wichtigen Bedürfnis des Menschen zu gehören. Seit der Steinzeit haben Menschen das bewußtseinsverändernde Potential der Pflanzen ihrer Umgebung zu diesem Zweck erprobt.

Die als Gnosis bezeichnete Form der Bewußtseinsveränderung, welche zum Beispiel durch Meditation oder mystische Erfahrung erlangt werden kann, ist von der Gewißheit einer neuartigen und qualitativ höherstehenden Klarheit und Einsicht in die tieferen Sinnzusammenhänge der Existenz gekennzeichnet.

Deshalb ist der Begriff der „gnostischen Trance“ hier nicht mißzuverstehen. Die gnostische Trance meint keineswegs etwa ein „geistiges Weggetretensein“ wie bei der hypnotischen Volltrance, bei welcher der Klient (oder das Opfer) jegliche Kontrolle über sein eigenes Tun verliert und vom Hypnotiseur beliebig zu manipulieren ist, und auch keine seltsamen Zuckungen, das Lallen in fremden Sprachen oder gar einen Drogenrausch.

Die gnostische Trance gleicht der hypnotischen zwar in einigen äußerlichen Merkmalen, doch bleiben Bewußtheit, die Willens- und die Entscheidungsfreiheit des Magiers dabei voll erhalten, auch wenn er sich dabei in einer anderen Realität befinden mag. Im Gegensatz zur einschränkenden Hypnose oder zum dämpfenden Rausch sind das Bewußtsein und die Wahrnehmung im Vergleich zum normalen Wachbewußtsein eher noch erweitert. Am kostbarsten ist dieser Zustand der Gnosis für den Magier gerade dann, wenn er ihn als besondere, klare Wachheit, als eine ganz eigentümliche Intensität aus dem Alltag heraus wahrnehmen kann.

Physiologen sprechen bei der gnostischen Trance von der Wirkung der Endorphine, körpereigene Stoffe mit drogenähnlicher, bewußtseinserweiternder Wirkung, die aufgrund bestimmter äußerer Reize im Gehirn ausgeschüttet werden und zu dem erwähnten veränderten Bewußtseinszustand führen.

Indem sich der Magier in diesen anderen, erweiterten Bewußtseinszustand versetzt und aus diesem heraus seinen bewußten Geist mit den Kräften seines Unterbewußtseins verbindet, ist er in der Lage, magisch zu arbeiten. Nur so ist es überhaupt erst möglich, magische Energien aus dem Unterbewußtsein heraus zu verstärken, zu erfassen und zu benutzen.

Ohne diesen Zustand der Gnosis kommt man an „die Magie“ tief in seinem Inneren gar nicht erst heran, und ohne sie nutzen Wille und Visualisierung so gut wie nichts und sind nicht erfolgreicher als „Positives Denken“ und ähnliche Psychopraktiken. Erst durch die Gnosis und die durch sie freigesetzte magische Energie können Wille und Visualisierung in die Realität umgesetzt werden.

Wie man sich in den Zustand der gnostischen Trance versetzen kann (sie kann beispielsweise im Verlauf eines Rituals durch die richtige Stimmung ganz von selbst erreicht werden), wird später auf der Seite mit den praktischen Übungen erläutert. Hier soll einstweilen die Theorie genügen.

Der Wille (altgriech.: Thelema), auch Willenssatz genannt, ist das Ergebnis, welches man von ganzem Herzen mit dem Zauber zu erreichen wünscht. Ohne einen festen, am besten genau ausformulierten Willenssatz bewirkt die Magie keine Veränderung beim Ziel. Die Intensität des Willens, mit der die Veränderung herbeigeführt werden soll, ist das Maß für die Stärke der Wirkung einer magischen Operation (im Volksmund: eines Zaubers).

Voraussetzung für jede Magie ist, daß man genau weiß, was man wirklich will. Diffuse Wünsche bewirken diffuse Ergebnisse, und die verlieren sich dann oft im allgemeinen Geschehen, so daß sie als Ergebnisse der eigenen Magie gar nicht mehr erkennbar sind.

Die Visualisierung, von „visio“ (lat.: Schau), oder Imagination, von „imago“ (lat.: Abbild), ist das aktive Hervorrufen von inneren Bildern. Es ist hierbei jedoch nicht im landläufigen Sinne von Einbildung gemeint, sondern im Sinne von Vorstellungskraft. Visualisieren ist die Kunst, sich das Zauberziel und den gewollten Zustand umfassend bildlich und real vorzustellen, ihn damit ins eigene Bewußtsein aufzunehmen, um Wille und Energie auf die Energie des Ziels zu projizieren. Ohne Visualisierung gibt es keine Verbindung zum Ziel, und alle durch Willen geformte Energie geht ziellos gestreut und somit schwach und wirkungslos am Ziel vorbei, ohne es zu „treffen“ oder in den gewünschten Zustand zu transformieren.

Die Visualisierung dagegen erzeugt einen gebündelten Strahl magischer Energie, richtet diesen auf das Ziel und überträgt energetisch den gewollten Zustand, sie ist also die Treffsicherheit und Genauigkeit einer magischen Operation. Nach den magischen Analogie-Grundsatz „was gleich aussieht, ist auch gleich“ trifft ein auf die Visualisierung konzentrierter Zauber das beabsichtigte Zielobjekt um so präziser, je genauer das imaginisierte Bild diesem in jeder Hinsicht gleicht. Das hat etwas damit zu tun, daß der Magier sein Zielobjekt in sein persönliches Bezugssystem aufgenommen haben muß, also eine persönliche Beziehung dazu geschaffen haben muß, um es mental-energetisch zu erreichen. Je deutlicher das Bild, desto intensiver ist der Bezug und desto besser ist auch die energetische Verbindung.

Das Ziel aller drei Techniken ist es, durch den Einsatz eigener Energie eine fremde Energie kraft des Willens der eigenen schwingungsmäßig anzugleichen, um somit den gewollten Zustand beim Ziel zur Realität werden zu lassen.

1.9. Die Wahrnehmung magischer Energien
Magier nehmen magische Energien über ihr Unterbewußtsein wahr. Weil es dafür kein sichtbares oder nachweisbares Sinnesorgan gibt, spricht man von erweiterter Wahrnehmung, im Volksmund auch sechster Sinn, drittes Auge oder zweites Gesicht genannt.

Diese erweiterte Wahrnehmung ist im Unterbewußtsein aktiv, aber nicht ständig für das Bewußtsein greifbar. Um magische Energien bewußt wahrnehmen zu können, muß der Magier vor allem seine eigene Wahrnehmung verändern.

Dies geschieht, indem er sich in den Zustand der Gnosis versetzt. Diese Verbindung von Bewußtsein mit dem Unterbewußtsein erlaubt es dem Unterbewußtsein, seine magischen Wahrnehmungen ins Bewußtsein zu projizieren. Mangels anderweitig geeigneter Medien bedient sich das Unterbewußtsein dabei der körperlichen Sinne, beziehungsweise den dafür zuständigen Bereichen des Gehirns, die für das Bewußtsein greifbar sind.

Die Form der Wahrnehmung kann von Magier zu Magier unterschiedlich sein. Bei den meisten ist es eine quasi-optische Wahrnehmung, d.h. der Magier glaubt das, was er spürt, auch zu sehen, meist durchscheinend oder halbdurchscheinend vor seinem inneren Auge, in das sichtbare Bild mit eingebunden. Was man da zu sehen glaubt, kann sehr unterschiedlich sein, meist sind es rauchschwadengleiche Linien und schleierartige Strömungen. Man kann diese Energien aber auch „riechen“, „schmecken“ mit den physischen Händen „fühlen“ usw. Die Form der Wahrnehmung ist dabei unerheblich.

Wenn man vom „Sehen“ oder von ähnlichen Wahrnehmungen magischer Energien spricht, handelt es sich bei diesen Worten nur um Annäherungen an einen Sachverhalt, den es im Sprachschatz nicht gibt, nämlich eine Wahrnehmung mit einem anscheinend nichtstofflichen Sinnesorgan des Unterbewußtseins, das sich der physischen Sinnesorgane lediglich als Zuträger und Visualisierungsinstrument bedient, um das Wahrgenommene dem Bewußtsein begreifbar zu machen, aber ohne diese Sinnesorgane wirklich zu benutzen.

Es ist nicht so, daß diese magischen Energien mal vorhanden wären und mal nicht, vielmehr liegt es am Magier, ob er sie als solche wahrnimmt oder nicht. Wie auch die Gravitation sind sie ständig gegenwärtig, weil alles Leben sie ununterbrochen emittiert.

Natürlich gibt es Phasen, in denen es dem Magier leichter oder schwerer fällt als sonst, den für die erweiterte Wahrnehmung erforderlichen Bewußtseinzustand herzustellen, aber das hat physische oder psychische Ursachen, die im Magier selbst begründet liegen, und sagt nichts über die Qualität der umgebenden magischen Energien aus.

1.10. Das Ziel der Beschäftigung mit Magie
Viel wichtiger als die Frage, was Magie eigentlich genau ist, ist vielmehr die Frage, warum man sich überhaupt mit ihr beschäftigen sollte und welches Ziel diese Beschäftigung verfolgt. Sicher kann man mittels der Magie Veränderungen in seinem Umfeld herbeiführen, doch das ist nur ein Nebeneffekt – die eigentlich wichtigste Veränderung geschieht im Magier selbst.

Die Arbeit mit Magie ist die willentliche Bewußtseinsveränderung mit dem Ziel, ein selbstbewußtes, selbstbestimmtes und kreatives Leben zu führen. Erreicht wird dies durch das verstärkte Verbinden der bewußten und unbewußten Bereiche des Geistes. Der Weg der Magie ist die ausgewogene Entwicklung beider Bereiche.

Magie ist in erster Linie die Arbeit an sich selbst, und deshalb hat sie viel mit Psychologie zu tun (und kann daher unter Umständen auch gefährlich sein). Das Verständnis von Magie fördert die Kommunikation zwischen Bewußtsein und Unterbewußtsein. Das Ziel der Magie ist die transformatorische Weiterentwicklung des Selbst. Für den wahren Magier ist der Weg das Ziel, und dieser Weg kann nie zu Ende gegangen werden.

Der magische Weg ist ein schwieriger Weg, weil man ihn weitgehend allein beschreiten muß. Das liegt zum einen daran, daß Lehrer, wie erwähnt, recht ungeeignet sind, zum anderen daran, daß es viele verschiedene Gebiete der Magie gibt und noch mehr Formen, damit umzugehen, und nicht zuletzt daran, daß jeder mit seiner ganz persönlichen Vorbildung, Neigung, Meinung und Begabung an einem anderen Punkt steht.

Als Wissenschaft und Kunst zugleich ist die Beschäftigung mit Magie aber zu keiner Zeit ein abgeschlossenes, fertiges System, sondern ständigen Wandeln und Lernprozessen unterworfen, so wie die Wissenschaft heute auch. Außerdem ist man gerade in der Magie ständig der Gefahr durch eigene Mißinterpretationen und unsinnige Lehren Dritter ausgesetzt. Hier hilft es nur, ruhig zu bleiben und kritisch (gerade auch selbstkritisch) nachzudenken.

2. Magie und Ethik
Bevor ein näherer Einstieg in die Magie behandelt wird, kommt man nicht umhin, sich mit einigen ethischen Gedanken zu beschäftigen. Tut man dies nicht schon im Vorfeld, so können einen später die Zweifel an sich selbst und die Versuchung von Fehltritten mitsamt ihrer Konsequenzen zu einem ziemlich ungünstigen Zeitpunkt einholen, und, wenn man nicht ethisch gefestigt ist, auch überrollen.

2.1. Der Unterschied zwischen Religion und Magie
Der Glaube, egal ob religiös oder esoterisch, erschafft ein Weltbild aus mystischen Erklärungen für die Fragen des Lebens. Glaube beginnt dort, wo das Wissen endet, denn er beruht nicht auf Fakten, sondern auf Hoffnung, und er ist in Regeln oder Dogmen gepackt, die sich seine Begründer ausgedacht haben.

Magie ist, nüchtern betrachtet, ein in sich logisches System geistiger Techniken, das auf erworbenem und erlebtem Wissen basiert, welches Schlußfolgerungen und damit persönliche Weiterentwicklung zuläßt. Sie liefert einfache, durchaus weltlich beziehungsweise psychologisch erklärbare Antworten auf die Fragen des Lebens.

Im Glauben macht man sich von äußeren Dingen (Kräften, Wesen oder Personen) abhängig und sich selbst klein, indem man sich in ein untergeordnetes Verhältnis zu ihnen setzt. Man ist dann auf die Gnade dieser Mächte angewiesen, um die man bitten muß. Man stützt sich dabei nur auf Hoffnung, denn was man zu erreichen sucht, erbittet man von außen und hofft, daß man es von dort bekommt.

In der Magie ist man frei und unabhängig von solchen Gedanken und Kräften. Magie ist die Kunst des Wissens, Wollens und Wagens, d.h. man nimmt sein Schicksal eigenverantwortlich (und auf eigenes Risiko) selbst in die Hand. Der Magier greift selbst zur Macht und bedient sich ihrer aus seinem eigenen Inneren heraus, um eigenverantwortlich Realität zu schaffen. Man kennt zwar seine Grenzen, kann sie aber auch erweitern (ein ständiger Prozeß) und ist unabhängig von allem anderen (außer von sich selbst) in der Lage, die Realität nach seinem eigenen Willen zu verändern.

Ein Magier bittet nicht, er befiehlt dem „Schicksal“ (durch „bedeutungsvolle Zufälle“ ablaufendes Geschehen), und er ist dabei unabhängig, es kommt nur auf die Stärke seines eigenen Willens an. Er braucht keine höheren Mächte, muß nicht einmal an solche glauben. Die Richtung seiner Entwicklung bestimmt der Magier selbst. Er ist nur seinem Gewissen verantwortlich. Die eigene Kraft wird dazu eingesetzt, die dem Ziel innewohnende Kraft zu manipulieren. Die Magie stützt sich auf den Willen. Der Magier hat somit zwar mehr „Arbeit“ als der religiös Betende, aber auch weitaus mehr Erfolg.

Selbst wenn man die Frage nach der Existenz höherer Wesen außen vor läßt, können Gebete aus rein psychologischer Sicht nur selten funktionieren. Einer der Gründe dafür ist bei vielen Menschen der, daß sie mit einer „Bitte“ zugeben, daß sie etwas nicht haben. Das Unterbewußtsein klammert sich dadurch an den Zustand des Mangels und hält daran fest, wodurch dieser Realität bleibt.

In der Magie wird dagegen der gewollte Zustand gedanklich als real anerkannt (Visualisierung). Der positive Effekt stellt sich durch die schöpferische Kraft der Gedanken und Gefühle (Gnosis) an die neue Realität ein. In dem Maße, wie es aus ganzem Herzen als Wahrheit erachtet wird (Wille), wird es sich auch in der Erfahrungswelt real manifestieren.

Es ist natürlich auch so, daß bei vielen Menschen beim Gebet die Bitte um Veränderung ebenfalls visualisiert wird, ähnlich wie es bei der magischen Technik der Fall ist. Bei manchen Menschen führt das auch zum Erfolg, nämlich dann wenn ihr Glaube und das Vertrauen auf Erfüllung ihrer Bitte so stark ist, daß das gewünschte Ergebnis – ähnlich wie bei einer magischen Operation – bereits als Realität angesehen wird. So können durchaus ähnliche Wirkmechanismen in Gang kommen.

Allerdings bleibt ein Unterschied, der wohl bei den meisten Menschen das „magische“ Funktionieren eines Gebets verhindert, nämlich der, daß das gewünschte Ziel nicht Ergebnis des eigenen festen Willens ist, sondern des guten Willens einer anderen, höheren Entität. Somit bleibt das Gebet eine Bitte, abhängig von fremdem Willen, egal wie groß das Vertrauen auf Erfüllung auch sein mag, denn einer Gottheit befiehlt man nicht.

Magie funktioniert aber nur durch eigenen festen Willen, ein Magier bittet nicht – er will etwas und befiehlt es, wobei er selbst die göttliche, schöpferische Rolle übernimmt und dadurch diese Abhängigkeit umgeht. Es gibt zwar durchaus Berichte, denen zufolge auch durch Gebet in festem Glauben tatsächlich Veränderungen der Realität bewirkt worden sind, doch erfordert dies einen ungeheuer starken Glauben und kommt sehr selten vor.

Da Glaube nicht auf Wissen beruht, ist es schwierig, belegbare Schlüsse zu ziehen und so weiter zu kommen. Hinzu kommt, daß es die ganze Mystifizierung dieser Lehren einem auch nicht gerade einfach macht, das System zu durchschauen. Regeln und Dogmen engen die Gläubigen ein, und hemmen sie mit Angst und Schuldgefühlen in ihrer persönlichen Entwicklung, wobei sie die Individualität unterdrücken. Und viele clevere Leute nutzen die – sagen wir mal – „Gutgläubigkeit“ der Menschen für persönliche Zwecke (Geld, Macht, Geltungssucht) aus (einige davon organisieren sich und nennen sich „Kirchen“, „Orden“, „Gemeinschaften“ usw.).

Das Ziel der Religion und Esoterik ist meist „Erleuchtung“ oder „Erlösung“, etwas, das zwar versprochen, aber selten gehalten wird, denn auch hier erhofft man sie sich von außen kommend, ohne die Möglichkeit, sie sich selbst aus eigener Kraft und aus eigenem Willen zu erarbeiten. Dieser Weg ist zwar leichter, da man weniger Eigenverantwortung übernehmen muß, führt aber selten über gewisse vorbestimmte Grenzen hinaus.

In der Magie erarbeitet man sich seinen Fortschritt (das Sicherschließen der eigenen inneren Kräfte und die eigene geistige Weiterentwicklung) selbst und ist nicht auf äußere Gnade angewiesen. Magie ist eigentlich nicht besonders kompliziert – sie wird nur von vielen furchtbar kompliziert gemacht. Jeder muß sich seine eigenen Regeln bilden, manche kommen mit wenigen aus, manche brauchen offenbar Hunderte. Das Ziel der Magie ist die Weiterentwicklung des Selbst – die Veränderung der Realität (das „Zaubern“) ist nur ein netter, aber sekundärer Nebeneffekt. Dieses Ziel erreicht der Magier durch die Arbeit an sich selbst, ein langer und schwerer Weg, aber auch ein äußerst erfolgreicher.

2.2. Magie und Religion nebeneinander
Um Magie auszuüben, muß man keine bestimmte Religion annehmen. Es ist vollkommen egal, ob man Heide, Asatru, Christ, Moslem, Buddhist, Hindu, Atheist oder sonstwas ist und ob man an keinen, einen oder mehrere Götter glaubt und wie stark gläubig man ist.

Auf die Magie selbst hat das keinen Einfluß – allerdings kann es Einfluß auf den Magier haben. Dieser ist nämlich seinem Gewissen verantwortlich, und wenn sich sein religiöses und sein magisches Gewissen nicht miteinander vertragen, dann hat er ein Problem, das so stark sein kann, daß es ihn nicht nur bei der magischen Arbeit behindert, sondern sogar psychisch schwer schädigen kann.

Streng genommen muß eine Religion eher als schädlich für einen Magier angesehen werden, weil Magie etwas sehr Individuelles ist und religiöse Dogmen gerade dazu dienen sollen, Individualität zu unterdrücken. Das ist besonders bei sehr dominant-dogmatischen Religionen wie dem Christentum und dem Islam so, aber selbst viele heidnische Strömungen, die sich selbst sehr heuchlerisch individualistisch nennen, versuchen viele Dinge durch Regeln und vorgegebene Dinge einzuengen („…bei uns ist alles ganz individuell und frei, aber du mußt es unbedingt so und so machen…“).

Viele Magier kommen dennoch sehr gut mit ihrer Religion klar. Dort, wo Glaube und religiöse Dogmen mit magischer Arbeit im Widerspruch stehen, muß man dann halt einen Kompromiß finden, und wenn das nicht möglich ist, muß man entweder seine Religion oder die Magie zurückfahren oder aufgeben. Wer das nicht kann, hat einen ernsthaften Konflikt, der mit Schuldgefühlen verbunden sein kann, welche der Psyche schwer schaden. Außerdem verankern sich religiöse Dogmen im Unterbewußtsein und behindern auch auf diese Weise durch Blockaden und Hemmungen den freien Zugang zu magischen Energien und das Arbeiten mit ihnen.

Aber auch wenn zum Beispiel das Christentum Magier und Hexen verdammt und als teuflisch ansieht, weil diese, indem sie den Kräften des Universums gebieten, sich auf „Gottes Terrain“ begeben (sich selbst vergöttlichen, beziehungsweise sich innerlich dem Göttlichen annähern), was in kirchlichen Augen Häresie ist, gibt es sehr wohl christliche Magier und Hexen, vor allem in den südlichen Bereichen Europas. Das eine muß das andere nicht ausschließen, denn es kommt noch der Unterschied dazu, ob man einem Gott oder aber bloß einer von Menschen geschaffenen Organisation, wie der Kirche oder einer anderen Sekte, treu sein möchte.

Natürlich ist es für einen Magier oder eine Hexe einfacher, die mit der Magie verbundene individualistische Lebensphilosophie auch mit einer entsprechend eingestellten Religion wie dem Heidentum (beziehungsweise Neuheidentum), dem Asatru oder dem Buddhismus zu verbinden oder als Atheist ganz auf eine Religion zu verzichten.

Ein Magier, der zu seiner persönlichen, inneren Stärke gefunden hat und ein klares Weltbild und eine gesunde Lebenseinstellung besitzt, benötigt eigentlich auch keine Religion mehr, weil er schon längst gefunden hat, was Religionen den Menschen geben sollten (jedoch oft nicht tun). Es geht aber, wie gesagt, auch mit Religion.

Wenn nicht wenige Magier christenfeindlich wirken, so hat das seine guten Gründe. Abgesehen von der vom Christentum gelehrten Feindlichkeit gegenüber Körper und Natur und einem „jenseitigen Gott“, der „nicht von dieser Welt“ (also unnatürlich) ist, und weiteren Dogmen zur Unterdrückung jeglicher Individualität und Natürlichkeit des Menschen, dem Missionierungswahn und der absoluten Intoleranz gegenüber jeder Abweichung, sowie den Greueltaten der Vergangenheit, wo im Namen der Kirche Hunderttausende angeblicher Magier und Hexen und vor allem auch Ketzer (also Kritiker) gefoltert, verstümmelt, verbrannt und gehängt wurden und später ganze Völker, wie zum Beispiel die Ureinwohner Amerikas und Australiens nahezu ausgerottet wurden, schlägt den Magiern auch heute noch Feindschaft entgegen.

Zwar findet keine offene Verfolgung mit Hinrichtung mehr statt, doch sorgen Kirche, sensationsgierige Medien und bigotte Spießbürgerlichkeit dafür, daß man sich nicht offen zu dem bekennen kann, was man wirklich ist, vor allem dann nicht, wenn man eine gewisse Stellung bekleidet oder sonstwie im Licht der Öffentlichkeit steht. Alle Andersdenkenden werden noch immer von der ignoranten und kirchlich beherrschten Mehrheit der „christlichen“ Bevölkerung gemäß den Hetzkampagnen bedenkenlos zusammen mit Satanisten, Sekten und Verrückten in einen Topf geworfen und geächtet.

Diese Hetze bewirkt, daß Magier in Positionen wie öffentlichen Ämtern oder als Geschäftsführer von Firmen, als Ärzte oder sonstige Dienstleister um ihre Existenz fürchten müssen, wenn ihre Lebensanschauung bekannt wird. Aber auch in dörflichen Gemeinschaften halten stockreaktionäre „Sittenwächter“ nach allem Ausschau, was nach „Andersartigkeit“ aussieht. Ist erst einmal ein Opfer gefunden, beginnt die Verfolgung – nicht mehr als bewaffneter Lynchmob, aber Meidung, üble Nachrede und gesellschaftliche Ächtung können einem auch schon schwer zu schaffen machen, und nicht selten eskaliert die Sache zu tatsächlichen Übergriffen, die schließlich als Sachbeschädigung oder gar Körperverletzung vor Gericht landen. Und leider kommt es zuweilen immer noch zu Morden oder Mordversuchen durch wahnhafte Weltverbesserer. Die Wirklichkeit belehrt jeden eines Besseren, der glaubt, auf die angebliche „Toleranz“ der „modernen“ Gesellschaft vertrauen zu können.

Umgekehrt dagegen sind Magier meist recht friedliche Zeitgenossen. Ihre Kirchenfeindlichkeit manifestiert sich gewöhnlich lediglich darin, daß sie Kritik an der Kirche äußern und über Mißstände und Widersprüche kirchlicher Lehren aufklären. Aktive Feindschaft, also Angriffe auf Christen, Priester oder Kirchengebäude, kommen seitens der Magier eigentlich nicht vor. Solche Anschläge sind eher das Werk spirituell Verwirrter oder Möchtegern-Satanisten, nicht von wirklichen Magiern (die im übrigen auch ganz andere Mittel dazu hätten). Außerdem wissen Magier wie auch wahre Christen sehr wohl, daß echtes Christentum und Kirche nicht dasselbe sind.

Natürlich haben auch die Magier die absolute Toleranz nicht für sich gepachtet, und sie setzen sich durchaus auch zur Wehr, wenn sie angegriffen werden, und sie rächen sich auch, wenn man ihnen nur genug Grund dafür gibt, jedoch paßt eine aktive Aggressivität von sich aus eigentlich nicht ins Weltbild eines Magiers. Er hat Besseres zu tun und ist in der Regel froh, wenn man ihn in Ruhe läßt.

2.3. Weiße und schwarze Magie?
Der einzige Unterschied zwischen Magiern, die sich selbst als „weiß“ oder „schwarz“ bezeichnen, besteht darin, daß der „weiße“ Magier sich in der Arroganz sonnt, sich selbst für gut, hilfreich und ehrenwert zu halten, und der „schwarze“ Magier sich in der Arroganz sonnt, sich selbst für böse, geheimnisvoll und mächtig zu halten.

Magie ist eine Form von Energie und als solche weder gut noch böse, weder weiß noch schwarz, sondern einfach neutral, ohne ihr innewohnende moralische Eigenschaften. Elektrischer Strom ist als Energie ja auch nicht gut oder böse, obwohl er nützen und schaden kann. Es kommt eben immer darauf an, was man damit macht und warum.

Begriffe wie schwarze und weiße Magie entstanden aus dem Klischeedenken des christlichen Volksglaubens, und diese Unterscheidung wurde rein zur Legitimation kirchlicher Handlungen benötigt. Schon in der frühen Geschichte des Christentums wurden von den Priestern rituelle und kultische Handlungen vollzogen. Diese wurden bis ins Mittelalter hin gepflegt und in manche Richtungen kontinuierlich ausgebaut.

Es gipfelte im Exorzismus, der immer dann angewandt wurde, wenn es darum ging, Menschen mit Visionen und Weltbildern, die nicht der allgemeinen Auffassung der Kirche entsprachen, so lange zu „behandeln“, bis der angebliche Dämon wieder ausgetrieben war. Alle heidnischen, rituellen oder magischen Handlungen wurden dann als schwarz und vom Teufel kommend abgetan. Was die Kirche dagegen an Handlungen vornahm, wurde dem Volk als weiß verkauft und damit gerechtfertigt, daß es von Gott käme.

Ebenso wurden heilende und helfende Zauber als weiß und böse, schädigende Zauber (meist den Hexen nachgesagt) als schwarz definiert. Aber dieses Schwarz-Weiß-Denken ist ebenso unsinnig wie die Vorstellung, daß ein Mensch nur böse oder nur gut sein könne. Man pendelt immer irgendwo zwischen beiden Extremen, aber ohne jemals eines zu erreichen.

Es käme auf die Absicht des Magiers an, bekommt man oft zu hören. Doch Magie als gut oder böse abhängig vom Magier zu bezeichnen, wäre ebenso, als wenn man ein Messer als gut oder böse bezeichnet, je nachdem, ob jemand damit als Koch in der Küche arbeitet, als Chirurg damit heilt oder als Mörder jemanden damit ersticht. Magie ist, ebenso wie das Messer, lediglich ein Werkzeug in den Händen des Magiers. Egal, was dieser damit tut, sie bleibt auch nur ein Werkzeug und damit neutral. Die Magie selbst wird also nicht gut oder böse, auch dann nicht, wenn mit ihrer Hilfe Gutes oder Böses getan wird.

Auch von weißen oder schwarzen Magiern zu sprechen ist nicht korrekt, weil, wie gesagt, niemand vollständig einer der beiden Ethiken von Gut oder Böse anhängen kann, wie sehr er sich auch darum bemüht. Magier können nicht schwarz oder weiß sein, allenfalls grau – vielleicht in verschiedenen (auch wechselnden) Grautönen, aber eben grau.

Magie danach zu klassifizieren, ob sie hilft oder schadet, sie sozusagen in „konstruktive“ und „destruktive“ Magie einzuteilen, ist ebenfalls ein Terrain mit Glatteis. Wenn ein Magier jemandem schadet, um ihn davon abzuhalten, einem Dritten etwas anzutun – hat er nun destruktive beziehungsweise schwarze Magie auf sein Opfer gewirkt oder konstruktive beziehungsweise weiße Magie, um den Dritten zu retten?

Die Neigung des Menschen, alles in zwei Schubladen einteilen zu wollen, versagt bei der Magie ganz einfach deshalb, weil es eben keine zwei Schubladen gibt. Alles gehört in eine, und die ist neutral. Auch wenn der Magier Gutes oder Böses im Schilde führt, die Magie selbst bleibt immer neutral. Und das Motiv eines Menschen in nur zwei extreme Fächer stecken zu wollen ist mehr als realitätsfremd.

Manche sind der Auffassung, daß „schwarze“ Magie stärker sei als „weiße“, also Schadenszauber stärker seien als helfende. Andere sind wiederum vom Gegenteil überzeugt. Das alles stimmt jedoch so nicht, denn abgesehen davon, daß es „Schwarz“ und „Weiß“, wie festgestellt, nicht gibt, ist Magie grundsätzlich immer nur so stark, wie der Ausübende beziehungsweise dessen Wille, Imagination und die Veränderung seines Bewußtseins. Dabei ist es völlig gleichgültig, zu welchem Zweck er seine Magie wirkt.

Ein wahrer Magier wendet Magie an, um seinen Weg zu gehen und dabei die Dinge heranzuziehen, die er benötigt, und jene Dinge beziehungsweise Kräfte zu entfernen, die ihm im Wege stehen oder schaden. Für ihn gibt es keine Dualität von „schwarz“ und „weiß“ oder „gut“ und „böse“ mehr, nur eigenverantwortliches Tun.

Solche dualistischen Konzepte sind auf Magie nicht anwendbar, nicht einmal im Sinne guten oder bösen Handelns. Die Magie folgt Naturgesetzen, und die Natur in all ihrer Vielfalt kennt gut und böse nicht. Die moralisch neutrale Magie fragt nicht nach gut oder böse, und sie ist wahrscheinlich nicht für jene Menschen geeignet, die sich noch keinen gut entwickelten Kodex persönlicher Ethik geschaffen haben, denn nur dieser schützt den Magier vor Entgleisungen.

Immer wieder bekommt man zu hören oder zu lesen, Magie dürfe nicht für eigennützige Zwecke eingesetzt werden. Das ist völliger Quatsch, der vermutlich von Leuten mit Helfersyndrom oder die zuviel „Charmed“ gesehen haben verbreitet worden ist. Selbstverständlich darf Magie eigennützig sein – ein Großteil dessen, was man im weltlichen Leben tut, ist es doch auch. Warum sollte man auch darauf verzichten, sich magisch selbst Vorteile zu verschaffen oder Nachteile zu beseitigen, wenn man Gleiches rein weltlich auch ohne schlechtes Gewissen tun könnte? Alles, was weltlich mit dem Gewissen vereinbar ist, kann man auch magisch tun, ohne seiner Psyche damit zu schaden. Umgekehrt werden alle magischen Handlungen der eigenen Psyche schaden wenn ihre weltlichen Äquivalente dies ebenfalls täten.

Natürlich kann und darf man auch helfend und uneigennützig (ist Hilfe wirklich uneigennützig oder befriedigt sie nicht vornehmlich das eigene Ego?) tätig sein, aber nur ein ausgeglichener und zufriedener Magier ist auch ein erfolgreicher Magier – und wer kann schon ausgeglichen und zufrieden sein, wenn er sich selbst nichts gönnt? Und letztlich ist das eigentliche Ziel der Magie, die Weiterentwicklung des Selbst, doch wohl das Eigennützigste, was man sich vorstellen kann.

2.4. Das Magiergesetz
„Tu was Du willst soll sein das ganze Gesetz.“ So formulierte es der berühmte Magier Aleister Crowley (1875 bis 1947) in seinem thelemitischen (von griech.: thelema, Wille) Gesetz. Und er hatte recht damit – nur ist es nicht ganz so simpel, wie es auf den ersten Blick scheint, und doch eigentlich ganz einfach.

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Der erste Satz des thelemitischen Gesetzes „Do what thou wilt, shall be the whole of the law.“ in Crowleys Handschrift
Der erste Satz des thelemitischen Gesetzes „Do what thou wilt, shall be the whole of the law.“ in Crowleys Handschrift
Um das anarchistische Magiergesetz wirklich zu verstehen, müßte man es allerdings etwas ausführlicher formulieren: „Tu was Du für richtig hältst, wenn Du die Konsequenzen Deines Vorhabens überdacht hast, die Verantwortung für Dein Tun zu tragen bereit bist und dies alles mit Deinem Gewissen vereinbaren kannst.“

Das klingt schon ganz anders, und im weiteren Verlauf wird noch deutlich werden, warum diese Ausformulierung ihre Gültigkeit hat. Obwohl die ausführliche Fassung eingeschränkter erscheint, sagt sie genau dasselbe aus, und sie bietet dennoch sehr viel Freiheit – mehr als manch einer vertragen kann.

Das Magiergesetz versteht sich aber nicht als eine Art moraljuristisches Gesetz, sondern will vielmehr als ein Naturgesetz begriffen werden. Deshalb bleibt es moralisch neutral, denn Magie ist keine Religion, und ihre Lehre ist daher weder bemüht, ihre Anwender moralisch zu erziehen, noch den Magiern einen guten Ruf in der Gesellschaft zu verschaffen. Somit beschränkt sie sich auch auf das rein Funktionelle und läßt das Ethische aus dem Gesetz heraus.

Dennoch erscheint die ausführliche Interpretation des Gesetzes bei aller Anarchie trotzdem noch ethisch geprägt, doch auch das hat rein logisch-funktionale Gründe, wie im Folgenden deutlich werden wird.

Die Magie folgt ihren Gesetzen, die für den Magier Naturgesetze sind, und funktioniert, soweit man es heute zu erkennen in der Lage ist, rein logisch, auch wenn es oft nicht so scheint, weil man die Gesetze einfach noch nicht verstanden hat und die Denkmodelle deshalb unzureichend sind. Daher macht die Lehre auch keine Vorschriften über die Art der Verwendung, sondern weist lediglich auf Konsequenzen und mögliche Gefahren hin. In einem Physikbuch steht schließlich auch nur, daß elektrischer Strom gefährlich ist, nicht aber, daß man zum Beispiel seine Türklinke nicht unter Strom setzen soll.

Es obliegt daher dem Magier selbst, darauf zu achten, daß er verantwortlich mit seiner Gabe umgeht. Die Magie schreibt ebensowenig moralische Verhaltensweisen vor wie die Physik. Diese muß sich der Anwender eines Naturgesetzes stets selbst definieren.

Es wird oft behauptet, daß wer die Magie negativ ausnutzt, sein Gleichgewicht mit dem Universum durcheinanderbringt und irgendwann die Konsequenzen daraus ziehen muß. Rein wörtlich genommen, ist das „Gleichgewicht mit dem Universum“ natürlich Unsinn, weil es eine Art „göttliche Ordnungsinstanz“ impliziert, die nicht existiert. Der dahinterstehende Gedanke aber ist eine Metapher dafür, daß jede Handlung (auch nichtmagischer Art) den Magier selbst und dessen Umgebung beeinflußt, sowohl durch die Tat als solche, als auch durch die Motive und Gedanken dahinter und durch die Reaktion der Umwelt darauf.

Insofern verändert sich ein „böser“ (oder besser: rücksichtsloser) Magier natürlich schon innerlich, verhält sich deshalb auch anders, und selbstverständlich wird dann auch seine Umgebung, die das mitbekommt, anders auf ihn reagieren. Durch sein rücksichtsloses Auftreten und Handeln bringt er schließlich andere dazu, sich von ihm abzuwenden, möglicherweise begegnen sie ihm sogar aggressiv.

Somit bekommt er schon irgendwann die Konsequenzen seines Tuns zu spüren, aber das ist keine „Rache des Universums“ oder „schlechtes Karma“, sondern schlicht und einfach eine logische Folge der Veränderung der Psyche und des Verhaltens eines Menschen durch das, was er denkt und tut, und die dadurch ausgelösten Reaktionen anderer ihm gegenüber.

Vielgepredigt ist auch die sogenannte „dreifache Wiederkehr“, eine Lehre, nach der alles, was man magisch tut, dreifach auf einen zurückfallen wird. Rein wörtlich betrachtet gaukelt dies eine dreifache Quantität vor, die natürlich absoluter Quatsch ist, dennoch wird es von vielen Verfechtern dieser Lehre genauso dargestellt, weil sie es selbst nicht verstanden haben oder es lediglich als Abschreckung benutzen, um beispielsweise in Hexenkreisen die Moral zu bewahren.

Eigentlich gemeint ist damit aber keine dreifache Quantität, sondern eher, daß das Echo eines Tuns in drei Schritten Spuren hinterläßt, nämlich erstens im eigenen Inneren, zweitens in der Umwelt und drittens bei der Reaktion der Umwelt gegenüber dem Magier.

Das gilt jedoch nicht nur für „negative“ Handlungen, denn ebenso ist es natürlich auch im umgekehrten Fall. Wer positiv auf andere zugeht, bekommt wahrscheinlich auch positive Echos. Das muß nicht immer so sein, denn durch Magie zu helfen kann trotzdem eine sehr einsame und auch undankbare Aufgabe sein, die von den Nichteingeweihten eben nicht honoriert oder sogar belächelt oder falsch verstanden wird.

„Actio gleich reactio“, formulierte es schon Sir Isaac Newton im 17. Jahrhundert richtig als zweites physikalisches Axiom, und das gilt nicht nur für die Physik. Wenn man etwas tut, löst man damit auch etwas aus, auf jede Handlung folgt eine Gegenreaktion. Dann trägt man die Verantwortung für die Resultate und muß mit den daraus resultierenden Konsequenzen leben. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Das Magiergesetz ist, richtig verstanden, insofern nur eine andere Formulierung von Newtons zweitem Axiom – einem anerkannten Naturgesetz.

Jede Anwendung von Magie wird den Ausübenden und dessen Ziel entsprechend seines Bestrebens verändern, daher sollte man sich vorher überlegen, ob man die Verantwortung für sein Tun und die möglichen Konsequenzen zu tragen bereit ist und dies alles mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Das ist der Sinn des Magiergesetzes, das sich ebenso auch auf jeden anderen Lebensbereich ausdehnen läßt.

„Tu was Du willst“ ist eben kein Freibrief für allerlei Untaten, denn das Wollen bezieht sich immer auch auf die Folgen eines Handelns, und welcher vernünftige Mensch will schon negative Konsequenzen bekommen?

Freiheit bedeutet immer auch Verantwortung und Wachsamkeit, auch und gerade sich selbst gegenüber. Das ist der Grund, warum wahre Magier sich die meiste Zeit über ohnehin freiwillig an eine weitere Einschränkung halten, nämlich: „Tu was Du willst, solange es niemandem schadet.“ Dieser Zusatz, den übrigens auch die Hexen fest in ihrem Glaubenssystem verankert haben, schützt den Anwender vor sich selbst, indem es ihn negative Echos eben gar nicht erst auslösen läßt. Er bleibt dem Magier als mahnende Schwelle des Gewissens auch zum Selbstschutz im Gedächtnis haften.

Für einen Magier ist es aber durchaus auch legitim, diesen Zusatz bewußt zu übertreten, das Magiergesetz wörtlich voll auszuschöpfen und absichtlich jemandem zu schaden, vorausgesetzt eben, daß er einen guten Grund dafür hat und aber dann auch in der Lage ist, die Verantwortung und Konsequenzen dafür zu tragen und mit seinem Tun und dem Echo leben zu können. Aber das wird, wie gesagt, bei einem vernünftigen Magier die Ausnahme bleiben, ebenso wie ein sogenannter magischer Krieg, über den später noch zu lesen sein wird, denn normalerweise hat ein Magier Besseres zu tun.

Die Ausübung von Magie ist, wie alle Handlungen mit weitreichenden und nicht immer ungefährlichen Auswirkungen, etwas, mit dem nur ein moralisch und ethisch gefestigter Charakter verantwortlich umgehen kann und sollte. Das ist auch die Kernaussage des Magiergesetzes. Natürlich verbietet dies niemandem, Magie nach Belieben anzuwenden, doch sollte man durchaus nicht darüber erhaben sein, sich durch die moralische Sicherheit des Zusatzes „solange es niemandem schadet“ auch selbst zu schützen – denn „niemandem“ schließt auch den Anwender selbst mit ein.

Natürlich darf man sich durch Magie auch persönliche Vorteile verschaffen. Das kann und darf man ja im weltlichen Leben auch tun. Aber um jemandem absichtlich zu schaden, sollte schon ein triftiger Grund vorliegen, so daß man es auch verantworten kann. Dasselbe gilt schließlich auch, wenn man einem anderen rein weltlich Schaden zufügt.

Verbrechen wie Sachbeschädigung, Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Vergewaltigung und sogar Mord sind Dinge, welche die meisten Menschen im Normalfall entweder deswegen nicht tun, weil es für sie ethisch nicht in Frage kommt oder weil sie die Konsequenzen durch die immer besser werdenden weltlichen Strafverfolger fürchten.

Ein mit böser Absicht gegen einen Menschen gewirkter Zauber ist immer ein Angriff auf dessen Seele. Eine Manipulation soll diese versklaven, und ein Schadenszauber soll das Wohlbefinden beeinträchtigen. Auf magischer Ebene ist beispielsweise ein Liebeszauber nichts anderes als Freiheitsberaubung und Vergewaltigung auf weltlicher Ebene, ein Schadenszauber nichts anderes als Körperverletzung oder Sachbeschädigung und ein Todeszauber nichts anderes als ein heimtückischer Mord.

Nur weil es keine „magische Polizei“ gibt und weil einen Zauber „ja niemand sieht“, fühlen sich etliche Möchtegern-Magier befleißigt und auch sehr sicher dabei, bedenkenlos allerlei Negatives auf ihre Mitmenschen loszulassen. Natürlich wird man auch so gut wie nie dabei „erwischt“, doch daß man „einfach so davonkommt“ ist ein Trugschluß.

Auch ohne „karmisches Gesetz“ oder „göttliche Ordnungsinstanz“ bekommt man mit der Zeit die Quittung für sein Tun. Man muß sich nur einmal vor Augen halten, wie sich jemand nach und nach psychisch negativ verändert, der ständig Verbrechen begeht.

Und auch auf magischer Ebene, bei „Verbrechen, die keiner sieht“, ist das so, denn die Psyche macht keinen Unterschied zwischen Weltlichem und Geistigem – zumal der Magier Gewolltes ja als real ansehen muß, damit sein Wirken funktioniert. Insofern bestraft man sich durch die psychologischen Wirkmechanismen im Grunde selbst, denn entweder verroht die Psyche mit der Zeit, was sich im Eigenempfinden, der Wirkung auf andere und deren Reaktionen niederschlägt, oder es werden Schuldgefühle erzeugt, die ebenfalls die Lebensqualität stark beeinträchtigen und dem Magier zudem Blockaden verschaffen können.

Wer von seiner Ethik her keine weltlichen Verbrechen begehen will, sollte daher auch von magischen Verbrechen Abstand nehmen, denn ethisch wie auch psychisch gibt es hier keinen Unterschied. Ausnahmen sind – je nach persönlicher Ethik – zwar möglich, bedürfen aber einer begründeten Rechtfertigung, damit man sie unbeschadet vor sich selbst verantworten kann. Wer sie verantworten kann, der mag sie auch ausführen. Wer man ist, zeigt sich darin, was man tut.

Wer die Verantwortung für sich selbst und sein Tun nicht wirklich in die eigene Hand nehmen kann oder mag oder seine Aggressionen und dunklen Tendenzen nicht zu zügeln in der Lage ist, der sollte sich überlegen, ob es nicht richtiger wäre, zunächst an sich selbst zu arbeiten, bevor man sich der (magischen) Arbeit an anderen zuwendet, sonst richtet man nur Schaden an – auch und gerade bei sich selbst.

Somit ist das Magiergesetz auch kein Gesetz im engeren Sinne, gegen das man unter keinen Umständen verstoßen dürfte. Es ist lediglich ein Hinweis auf ein Naturgesetz und auf mögliche Konsequenzen, aber kein Verbot. Jeder ist für sich und sein Tun selbst verantwortlich, dies ist die eigentliche Kernaussage.

Es werden oftmals auch noch andere „Gesetze“ der Magie genannt, aber davon sollte man sich nicht beeindrucken lassen. Dabei handelt es sich in der Regel lediglich um Beobachtungen, die in seinem sehr dogmatischen (Glaubens-)Kontext entstanden sind. Sobald man selbst an diese Gesetze glaubt, wirken sie vielleicht auch, weil das Unbewußte diese Überzeugung zu erfüllen versucht. Doch sobald man aufhört, an sie zu glauben, verlieren sie ihre Wirkung, und dies ist ein deutliches Zeichen dafür, daß sie nur selbst verursacht werden.

2.5. Schadenszauber und Flüche
Aggressive Magie ist alles, was anderen schadet oder sie manipuliert und was auf sie gegen ihren Willen und ohne ihr Wissen gewirkt wird. Deshalb lehnen Magier mit nichtaggressiver Ethik solche Dinge ab, gerade auch deshalb, weil diese Form der Magieanwendung auch negative Auswirkungen auf den Magier selbst haben kann.

Diese Art von Magie wird gezielt zum Schaden eines Menschen eingesetzt. Wenn man jemandem ein Unglück, irgendetwas Negatives oder eine Beeinflussung gegen seinen Willen angedeihen läßt so ist das ein Schadenszauber. Wenn plötzlich alles in die Brüche geht, was jemand anfaßt, so kann dies die Auswirkung eines solchen Fluches sein.

Die Kunst der Fluchverhängung spielte früher eine wichtige Rolle bei kriegerischen Auseinandersetzungen mit feindlich gesonnenen Gemeinschaften, führte andererseits aber dazu, daß Magier oder Hexen auch in ihrer eigenen Gemeinschaft immer gefürchtet blieben, was sie stets anfällig für Verfolgung machte.

Ein Schadenszauber muß einem Menschen nicht zwangsläufig direkt körperliche Schmerzen, physische Verletzungen, Krankheiten oder den Tod bereiten, sondern wirkt sich eher auf sein Handeln oder sein „Schicksal“ aus. Aber auch das Erstgenannte ist möglich, jedoch schwierig, und ich werde aus ethischen Gründen hier sicher keinen detaillierten Lehrgang darüber abhalten.

Ganz wichtig dabei ist, daß das Opfer an diesen Fluch glaubt – aber der Vorteil ist, daß es genügt, wenn das Unterbewußtsein des Opfers vom Fluch Kenntnis erlangt und an ihn glaubt, denn das Unterbewußtsein kann man über Magie (Telepathie) erreichen, auch ohne daß das Opfer davon etwas bewußt mitbekommt.

Ganz fiese Naturen setzen das Opfer über ihren Fluch auch noch wirklich in Kenntnis, denn das Bewußtsein kann die Erfüllung eines Fluches noch weiter unterstützen, auch und gerade wenn es sich dagegen wehrt. Doch dann sieht man sich als Magier eventuell auch der Gefahr eines Gegenangriffs oder Rache ausgesetzt.

Diese Zauber eignen sich besonders dazu, einer ungeliebten Person einen Denkzettel zukommen zu lassen, wobei man immer bedenken sollte, daß das, was man tut, irgendwie auch Auswirkungen auf einen selbst haben kann und man dafür verantwortlich ist, was man tut.

Ein Schadenszauber kann aber auch in den meisten Fällen eine persönliche Konfrontation mit den betreffenden Personen beziehungsweise den eigenen Einsatz in einer Sache nicht ersetzen. Magie kann jedoch dazu dienen, sich einen kleinen Vorteil zu verschaffen oder eine ansonsten aussichtslose Sache doch noch zu positivem Ausgang zu bringen.

Falls es doch mal um eine Person geht, so ist es besser, den Zauber entweder allgemein zu formulieren oder ihn so zu formulieren, daß er auf einen selbst wirkt. Bei sich selbst ist die Akzeptanz für die Wirkung größer als beim sich dagegen wehrenden Gegner. So ist es meist erfolgreicher, sich selbst zu stärken, als den Gegner zu schwächen, und dennoch gelangt man in der Konfrontation zum gewünschten Ergebnis.

Die Wirkungsweisen und -techniken von Flüchen sind übrigens dieselben wie die von Segen oder helfenden Zaubern. Der Inhalt mag ein anderer sein, aber ihre Wirkmechanismen im Unterbewußtsein des Betroffenen sind gleich.

2.6. Liebeszauber
Liebeszauber zählen zu den am häufigsten nachgefragten Zaubern bei allen Magiern, Hexen und Wundertätern, und die meisten durchgängig seit dem Mittelalter bis heute in „Zauberbüchern“ wiedergegebenen Rituale drehen sich um dieses Thema. Das ist auch kein Wunder, denn nichts motiviert mehr, als eine unerwiderte Liebe, und kaum jemand, der sich nicht schon einmal die eine oder andere Erfüllung in dieser Richtung gewünscht hätte.

Das liegt daran, daß alle Menschen Liebe brauchen. Ohne sie ist das Leben leer und elend. Nachdem seine grundlegenden Überlebensbedürfnisse erfüllt worden sind, verlangt es den Menschen nach Zuneigung und Freundschaft. Wird diese nicht von selbst erlangt, so versuchen einige sie zu erzwingen. Und nichts kann so schmerzhaft sein, wie jemanden zu lieben, ohne selbst von dieser Person geliebt zu werden. Infolgedessen ist der Liebeszauber auch der wohl am häufigsten verlangte und auch gewirkte Zauber. Scharlatane, von „ciarlatano“ (ital.: Gaukler, Schwindler), machen aus diesem Bedürfnis ein Millionengeschäft.

Ein Liebeszauber soll dergestalt auf einen anderen Menschen einwirken, daß dieser sich zum Urheber des Zaubers (oder zu dessen Klienten) hingezogen fühlt, sich im Idealfall in diesen verliebt, und diesem sexuell gefällig ist. Es handelt sich also um eine Beeinflussung des Geistes (genauer: des freien Willen) eines anderen Menschen. Deshalb gehören Liebeszauber in den Bereich der aggressiven, manipulatorischen, negativ wirkenden (laienhaft ausgedrückt: schwarzen) Magie.

Viele sogenannte Liebeszauber sind in Wirklichkeit eigentlich Zauber für sexuellen Besitz, d.h. das Opfer soll dem Nutznießer des Zaubers gegenüber sexuell willig gemacht werden. Nicht, daß dies überraschend wäre, denn Sex gehört auch zu den grundlegenden Bedürfnissen, und oft verlangt es den Anwendern dieser Zauber eher nach körperlicher als nach seelischer Liebe in Hinblick auf eine bestimmte Person. Aber auch für sexuelle Zauber können dieselben ethischen Standards angewendet werden, wie für die Liebeszauber.

Mal ganz abgesehen von Moral und Ethik, ein Liebeszauber hat nichts mit echter Liebe zu tun. Wahre Liebe entsteht natürlich, und sie erfreut sich selbstlos an der Existenz des Anderen, sie ist frei von Besitzdenken und gegenseitigen Ansprüchen.

Verliebtheit, unerwiderte Liebe und Liebeskummer sind seelisch schmerzhafte und auch meist unerträgliche Zustände starker emotionaler Verwirrung, in denen dem Betroffenen Ethik und Moral meist nicht mehr so viel gelten wie die Wunscherfüllung, die dann häufig recht wenig Rücksicht auf die Belange des Partners nimmt. Häufig wird dann blind nach einem scheinbaren Ausweg gesucht, und der scheint dann für nicht wenige der Liebeszauber zu sein.

Oft werden Liebeszauber damit zu rechtfertigen versucht, daß Liebe doch eine gute Sache sei. Das ist sie ja auch – aber eben die auf natürliche Weise entstandene Liebe. Ein Liebeszauber würde jedoch den freien Willen einer Person beeinflussen und ihr einen fremden Willen aufzwingen. Ein solcher Zauber bringt einen Menschen vielleicht zu Handlungen, die er selbst niemals freiwillig tun würde, und zu Gefühlen, die niemals von allein in ihm entstehen würden.

Auch im Namen einer „guten Sache“ wie der Liebe, ist das eine Manipulation gegen den freien Willen und daher sehr negativ zu betrachten. Deshalb wäre ein Liebeszauber streng genommen nicht nur ein Fluch, sondern sogar ein Verbrechen (auch wenn es gesetzlich nicht strafbar ist, aber eben ein moralisches Vergehen). Und das ist jeder Zauber, der auf eine Person gegen deren Willen oder ohne deren Wissen gewirkt wird. Die langfristigen psychischen Auswirkungen von Liebeszaubern beziehungsweise sexueller Zauber auf den Nutznießer entsprechen im Grunde denen der Verbrechen Freiheitsberaubung und sexueller Nötigung/Vergewaltigung auf weltlicher Ebene.

Ein Liebeszauber mag zwar den Geist des Opfers manipulieren, aber er kann keine echten Gefühle und schon gar keine echte Liebe hervorrufen. Eine aus einem Liebeszauber entstandene Beziehung ist deshalb nur eine Lüge, ein Schauspiel, inszeniert vom Magier, aber niemals entsteht daraus eine echte, innige Beziehung. Eines der wichtigsten Dinge in der Liebe ist schließlich die seelische Übereinstimmung, und sich die Seele des anderen durch Magie „zurechtzubiegen“ ist wahrhaft kein Zeichen aufrichtiger Liebe des Anwenders.

Oftmals ist eine Beziehung auch gar nicht das Ziel eines Liebeszaubers, sondern er wird rein aus dem Motiv des körperlichen Begehrens heraus gewirkt, aus egoistischem Verlangen, bei denen sich der Magier oder Auftraggeber über die Rechte und den freien Willen des Opfers einfach hinwegsetzt.

Ein Liebeszauber nimmt dem Opfer seinen freien Willen und damit seine Freiheit. Sexuelle Zauber sind damit vergleichbar, ein Opfer mit Drogen willenlos zu machen und dann sexuell zu mißbrauchen. Letztlich schaden solche Dinge also der eigenen Psyche, ebenso wie sich die eines weltlichen Verbrechers durch solche Taten negativ verändern würde.

Selbst wenn man den moralisch-ethischen Aspekt beiseite lassen und die psychische Eigenveränderung hinnehmen würde, wozu viele in solchen Ausnahmesituationen ja auch bereit sind, sollte man sich folgende Fragen stellen: Will man wirklich, daß der andere nur deshalb mit einem zusammen ist, weil sein freier Wille einem Zauber unterliegt? Oder möchte man nicht lieber um seiner selbst willen auf ehrliche, freiwillige und natürliche Weise geliebt werden oder, wenn es so nicht sein soll, nicht lieber auf eine Beziehung verzichten, die gar nicht echt ist? Wie wäre es wohl, selbst das Opfer eines Liebeszaubers von jemandem zu sein, den man selbst ablehnt?

Im Grunde ist das Opfer eines solchen Zaubers nur eine willenlose „Hülle“, die sich zwar zu einem hingezogen fühlt, aber nicht einmal weiß warum. Im Unbewußten wird das Opfer daher psychisch unter diesem inneren Widerspruch leiden und niemals wirklich glücklich sein. Und das bekommen beide Partner durch einen Liebeszauber auch immer und immer wieder zu spüren.

Darüberhinaus manipuliert ein Liebeszauber häufig genug auch seinen Nutznießer. Im schlimmsten Fall ist das Opfer durch einen starken Willen oder einen Zauber so gut geschützt, daß der Zauber auf seinen Urheber zurückfällt, der fortan dem Opfer völlig verfallen sein wird. Aber auch wenn das nicht passiert, hat der Liebeszauber dennoch häufig genug Auswirkungen auf den Nutznießer, der ihn schließlich in einem (echten oder sich selbst eingeredeten) Gefühl von Liebe wirkt, welches der Zauber natürlich als Träger dieses Willens ebenfalls aufgreift und auch im Anwender verstärkt.

Das kann zur Folge haben, daß solche künstlichen Beziehungen richtig lange halten, selbst wenn die Partnerschaft schon lange nicht mehr wünschenswert ist, auch seitens des Nutznießers nicht mehr. Daraus resultiert dann eine ziemlich schlimme Beziehung, in der auch der Nutznießer todunglücklich ist, doch – selbst verzaubert – unfähig und nicht willens ist, den Zauber aufzuheben oder einen Gegenzauber zu wirken.

Die Beziehung einfach zu lösen, funktioniert auch nicht, da man meist nicht dazu fähig ist, oder aber der noch immer verzauberte Partner wie wahnsinnig klammert und man ihn nicht mehr los wird. Es kann eine absolute Abhängigkeit voneinander (und von diesem Zauber) entstehen, egal wie schlecht diese Beziehung auch sein mag.

Bemerkt man, daß man die andere Person doch nicht mehr liebt, weil sie nicht das ist, was man sich von ihr erhofft hat, oder man sich anderweitig verlieben sollte, ist das wahrhaftig keine schöne Situation. Es kann auch passieren, daß man sich trennt, mal vom einen, mal vom anderen ausgehend, dann aber durch die Macht des Zaubers immer wieder zusammenkommt, und das Spiel wieder von vorn losgeht.

Ebenfalls häufig passiert es, daß eine durch Magie zustande gekommene Beziehung erst ein paar Monate gutgeht, es dann einen riesigen Knall gibt, dem eine Trennung folgt, und es entwickelt sich Haß. Dennoch kommt man gegenseitig nicht mehr voneinander los, weil kein wirklicher Schlußstrich gezogen werden kann, und ein langer, schmerzvoller Leidensweg beginnt.

Liebeszauber sind eine Selbsttäuschung für Kurzsichtige, denn langfristig schaffen sie nur noch mehr Leid und Schmerz.

Bevor es also Anfragen hagelt: Nein, ich wirke keine Liebeszauber, weder für mich, noch für meine Freunde, noch für sonstwen, und auch nicht für Geld. Es erwächst nämlich nichts Gutes daraus – und ein solcher Zauber muß zudem aufrechterhalten, also permanent mit Energie versorgt werden, was recht anstrengend ist, sonst kommt nämlich eines Tages das böse Erwachen.

Deshalb werde ich an dieser Stelle auch nicht erklären, wie man so etwas durchführt. Und auch jene, die „von selbst darauf kommen“, weil sie als Magier den richtigen Weg spüren, kann ich nur warnen, so etwas nicht zu tun. Jeder ist seinem eigenen Gewissen verantwortlich und wird dadurch beeinflußt, was er tut.

Aber ich empfehle jenen, die auf der Suche nach Liebe sind oder eine bestehende Beziehung retten wollen, etwas viel Besseres und auch Wirksameres: den indirekten Liebeszauber. Dieser wirkt nicht auf eine andere Person, sondern auf den Suchenden selbst. Natürlich ist ein indirekter Liebeszauber auch eine Manipulation, aber auf sich selbst, und daher ist man damit einverstanden. Er verbessert ganz einfach das Selbstbewußtsein, das Auftreten, die Ausstrahlung und damit auch die Attraktivität.

Das eigentliche Ziel des Zaubers ist es aber nicht, dauerhaft „magisch“ attraktiv zu wirken, denn auch das muß man aufrecht erhalten. Nein, Ziel ist es vielmehr, daß man das für kurze Zeit tut, um daraus zu lernen – zu lernen, wie es ist, wie es sich anfühlt, attraktiver zu sein oder sich so zu geben. Wenn man das verstanden und verinnerlicht hat, kann man es ins wahre Leben zumindest ein gutes Stück weit übernehmen und sich selbst auf natürliche Weise ändern und verbessern. So wird man auch in Liebesdingen erfolgreicher sein, mit dem Ergebnis, daß sich vielleicht dadurch ganz von selbst der gewünschte Erfolg einstellt, weil man beim anderen nun in einem neuen Licht erscheint, wenn man es wirklich will. Dieser Erfolg muß sich nicht einmal unbedingt beim angestrebten Partner zeigen, aber die Welt ist ja voller Alternativen.

Der indirekte Liebeszauber funktioniert wie jeder andere Zauber auch durch magische Trance, Willen und Visualisierung. Die praktische Ausgestaltung sollte man – wie bei jedem Zauber – selbst entwickeln, damit er auch auf einen persönlich zugeschnitten ist. Ob er kurzzeitig, länger oder sogar dauerhaft wirkt, liegt dann daran, was man will. Allerdings muß der Zauber aufrecht erhalten, d.h. weiter mit Energie versorgt werden, so lange er wirken soll. Das geschieht zwar mehr oder weniger unbewußt, kostet aber auf Dauer eine Menge Kraft, also nicht übertreiben.

Der wichtige Unterschied zu einem Liebeszauber ist aber, daß es ein positiv wirkender Zauber ist, mit dem das Ziel (man selbst) einverstanden ist, keine Beeinflussung einer dritten Person ohne deren Zustimmung, und das ist für die Psychen des Magiers und auch für die des Ziels (falls nicht identisch) und auch für die des angestrebten Partners ein ganz wichtiger Unterschied – auch für sein Gewissen.

Die Magie dient hier als Lernhilfe, nicht als manipulatorisches Werkzeug. Es ist eine kleine Stütze auf dem Weg eines Magiers, dessen ständiges Ziel die Verbesserung (Transformation) des Selbst ist – zumindest für den, der das Wesen der Magie verstanden hat…

Aber wenn jemand sein Herz nun mal bereits an eine ganz bestimmte Person verloren hat, und diese Liebe nicht erwidert wird, so gibt es auch für diese schmerzhafte Konstellation den richtigen Zauber, nämlich jenen, der nur auf den verzweifelten Liebenden wirkt, ihm hilft, loszulassen, und der bei ihm genau diese Schmerzen unterbindet – zugegeben, keine leicht zu erreichende und vielleicht auch nicht so befriedigende Lösung, aber wenigstens ein ohne Konflikt gangbarer Weg.

2.7. Verantwortung
Mit wachsender Möglichkeit der Beeinflussung wächst natürlich auch die Verantwortung gegenüber Mitmenschen, gegenüber Kultur und Natur. Man kann seinen Weg frei wählen, aber Freiheit wird oft nur mit Verantwortungslosigkeit verwechselt. Freiheit bedeutet immer auch Wachsamkeit, und sie macht eine Menge Arbeit. Bei Mißachtung dieser Verantwortung neigt der Erfolgsmagier dazu, schließlich nur noch Eigentore zu schießen, der Wanderer auf seinem Pfad kann diesen leicht wieder verlieren.

Ein Problem, das oft entsteht, wenn jemand seinen Weg kraftvoll geht, ist, daß er leicht Nachahmer findet, was natürlich Unfug ist, da jeder Mensch einen eigenen charakteristischen Weg hat. Und sicher ist es auch eine der Fallen für Magier, sich von einer wachsenden Anhängerschaft geschmeichelt zu fühlen. Das Gegenteil sollte der Fall sein, und aus der Lehre eines guten Meisters gehen nicht gute Schüler, sondern eigene Meister hervor.

 3. Der Magier

3.1. Wie sieht ein Magier aus?
Viele Menschen haben die Vorstellung, daß ein Magier eine mit magischen Symbolen bestickte Robe und einen spitzen Hut oder einen dunklen Umhang mit riesigem Kragen trägt, einen Zauberstab mit seltsamen Applikationen daran in der Hand hält, hoch droben in einem einsamen Turm wohnt, eine Hakennase und schmale Lippen hat, immer finster dreinschaut, ständig geheimnisvolles Zeug murmelt oder heimtückisch kichert und stets in einer Rauchwolke erscheint oder verschwindet, anstatt Türen zu benutzen, und selbstverständlich einen Pakt mit dem Teufel, Dämonen oder anderen bösen Mächten geschlossen hat.

Das ist natürlich alles Unsinn. Warum sollten Magier anders aussehen als jeder andere Mensch auch? Äußerlich unterscheiden sie sich generell überhaupt nicht vom Rest der Menschheit. Allenfalls durch dezente Zeichen, wie ein getragenes Pentagramm, geben sich manche zu erkennen, doch solche Zeichen werden auch von anderen Leuten getragen, die mit wahrer Magie nichts zu tun haben.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen unter den Magiern, die sich tatsächlich aufdonnern und sich mit allerlei „magischem“ Krimskrams behängen, wie Ringen, Kristallen, Amuletten, besondere Kleidung, etc., um damit ihre „esoterische“ Wichtigkeit meinen unterstreichen zu müssen.

Dadurch sind sie aber noch lange keine Magier oder „Esoteriker“. Esoterik bedeutet „von innen kommend“. Alle äußeren „magischen“ Attribute haben einen exoterischen Charakter, und solange jemand Magie im Äußeren sucht, steht er noch auf der untersten, exoterischen Stufe des Weges. Klischee-Magier
Bei auf solche Weise aufgemachten Magiern scheint entweder der Mangel an Selbstwert größer zu sein als ihr Können oder aber sie tun es aus kommerziellen Werbezwecken oder aus Geltungssucht heraus, und solch ein Verhalten hat nichts mit Spiritualität zu tun.

Wer am meisten wie ein Klischee-Magier aussieht, ist wahrscheinlich auch am weitesten von der Magie entfernt und mit ziemlicher Sicherheit sogar ein Scharlatan. Ein wahrer Magier hat es nämlich nicht nötig, sich so herauszuputzen, da für ihn solche Dinge gar nicht wichtig sind.

3.2. Woran erkennt man einen Magier?
Es ist schwierig, Magier so ohne weiteres zu erkennen, denn gewöhnlich gehen diese nicht mit ihrer Gabe hausieren. Ein Magier unterscheidet sich von einem gewöhnlichen Menschen durch seine „inneren“ Qualitäten, wie Zentriertheit, Gelassenheit, spirituelle Erkenntnis und Bewußtheit seines Weges. Während der Nichtmagier sich gewöhnlich meist mehr oder weniger murrend in sein Schicksal fügt, sucht und findet der Magier Mittel und Wege, sein Schicksal zu lenken, Probleme zu lösen und auch Niederlagen in Siege umzuwandeln.

Manche, nicht alle, entscheiden sich dafür, anderen Menschen mit ihren Fähigkeiten zu helfen und machen entsprechend Werbung. An ihrem Erfolg zeigt sich, wie gut sie sind, und sicherlich gibt es weitaus mehr Scharlatane als echte Magier.

Andere Magier benutzen diese Kraft, um ihren eigenen Weg zu gehen und verhalten sich dabei eher unauffällig.

3.3. Was macht ein Magier?
Auf Dauer ist es wirklich zu anstrengend, ständig finster dreinzuschauen, geheimnisvolles Zeug zu murmeln, heimtückisch zu kichern, täglich Leute zu verfluchen, zu verwandeln oder zu verzaubern, den Teufel zu verehren, in blutigen Ritualen Jungfrauen zu opfern, sich mit soeben beschworenen Dämonen herumzuärgern und gleichzeitig noch daran zu werkeln, die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Deshalb tun Magier auch ganz andere Dinge, als Volksmeinung und Boulevardpresse es ihnen nachsagen. Ein Magier in der heutigen Zeit übt genauso normale Berufe aus wie jeder andere auch. Daher hat er auch einen ganz gewöhnlichen Tagesablauf. Nur hat er einfach eine andere Einstellung zur Natur, zum Universum, zu seinem Unterbewußtsein und dessen Kräften, und er achtet deshalb mehr auf diese. Ab und zu benutzt er seine Kräfte auch, um Erkenntnisse zu erlangen oder etwas zu bewirken. Aber mit den typischen Klischeevorstellungen hat magisches Arbeiten nichts zu tun.

Ganz allgemein ausgedrückt ist ein Magier ein Mensch, der eine entschiedene Anstrengung unternimmt, um aus sich selbst heraus eine tatsächlich funktionierende Beziehung zwischen seinem Inneren und seiner äußeren Realität herzustellen, weil er nicht damit zufrieden ist, nur eine Marionette im großen Spiel zu sein, sondern auf eigenes Risiko mitspielen will.

Magier streben zwar nach Macht, doch dieser Begriff bedarf einer Erklärung, weil er in Bezug auf Magier sehr oft mißverstanden wird (manchmal auch von ihnen selbst). Das Wort „Macht“ stammte schon in altgermanischer Zeit von der persischen Wurzel „magh“ (können, vermögen) ab. Später entwickelten sich daraus über das mittelhochdeutsche „müg(e)lichkeit“ auch die Wörter „Möglichkeit“ und „Vermögen“ im Sinne von „Fähigkeit, Kraft, Zeugungskraft, Mittel, Geld und Besitz“. Magische Macht bedeutet magisches Können, das Vermögen, magisch zu wirken, und natürlich wollen Magier diese Macht erlangen und steigern.

Magische Macht bedeutet für den ernsthaften Magier aber in erster Linie die Macht über das eigene Schicksal zu erlangen. Anstatt ständig fremdbestimmt als Opfer durchs Leben zu wandeln, will er dieses Leben in die eigenen Hände nehmen, eigenverantwortlich und frei, nur den eigenen und bestimmten gesellschaftlichen und staatlichen Gesetzen gehorchend. Außerdem ist der Spruch „Wissen ist Macht“ für den Magier sehr zutreffend, denn ein großer Teil der angestrebten Macht sind Wissen und Erkenntnis.

Die Macht in Form von Herrschaft über andere Menschen, wie der Begriff assoziieren mag, kann zwar damit inbegriffen sein, ist für die meisten Magier allerdings nachrangig und auch negativ belegt. Obwohl es immer wieder Magier gibt, denen es vornehmlich um diese Form der Machtausübung geht, betrachten sie die meisten lediglich als nützliche und ab und zu auch benutzte, zumeist aber nicht notwendige Möglichkeit, sich zu wehren, Hindernisse zu beseitigen oder materielle Ziele zu verwirklichen.

Es gibt unendlich viele Arten, Magier oder etwas ähnliches sein zu können und diesen Weg zu gehen, jeder auf seine Weise, so wie es auch die unterschiedlichsten Arten gibt, Magie zu betrachten und auszuüben. Nur eines haben wohl alle gemeinsam: sie arbeiten mit Magie und haben eine Wahrnehmung, die über die normalen Sinne hinausgeht.

Was sie dann damit anstellen, kann aber wieder vollkommen unterschiedlich sein. Magie ist etwas sehr Individuelles, und so wirkt jeder Magiebegabte auf seine eigene, ganz persönliche Art und Weise. Grobe Richtungen lassen sich in Begriffe gruppieren, so zum Beispiel Magier, Hexen, Druiden, Schamanen, Priester etc., aber auch innerhalb einer solchen Gruppe gibt es zwischen ihren Vertretern große Unterschiede. Und jeder von ihnen ist einzigartig, denn die Begabungen und Interessen sind nun einmal verschieden.

Deshalb macht der eine Magieanwender auch noch lange nicht dasselbe wie ein anderer. Jeder Magier lebt im Grunde seine ureigene individuelle Version dieser Weltanschauung. Für manche ist es eine Zaubertechnik, für andere eine Lebensphilosophie und für wieder andere eine Religion. Manche glauben an Götter, andere nicht. Manche organisieren sich, andere arbeiten allein oder mit Freunden. Magier tragen sehr viel Verantwortung, und etliche mißbrauchen ihre Fähigkeiten auch. Jeder ist ein Individuum, so wie jeder andere Mensch auch. Dennoch sind sie alle Magier, egal ob sie sich nun Magier, Zauberer, Hexe, Schamane, Priester, Psioniker oder wie auch immer nennen.

Unter Magiern gibt es genauso gute und böse Charakterzüge wie unter den anderen Menschen auch – denn sie sind normale Menschen, die sich lediglich ein besonderes Talent erschlossen haben. Deshalb gehören die Magier auch keinem elitären Kreis an (obwohl sie oft der Gefahr unterliegen, dies so zu sehen), sondern unterscheiden sich nicht wirklich von anderen, die ebenfalls ein besonderes Talent haben, wie beispielsweise ein Musiker.

Die einen machen viele Rituale, die anderen wirken Magie aus dem Stegreif, es gibt welche, die sehr festgelegte Glaubensvorstellungen haben, andere sehen es einfach als Lebensphilosophie und arbeiten kaum mit Magie. Nur man selbst kann sagen, was für einen selbst richtig und was falsch ist.

Der wohl überwiegende Teil der Magier arbeitet als Einzelgänger für sich allein, andere schließen sich zu Gruppen zusammen. Solche Gruppen nennt man bei Magiern Zirkel, von „circulum“ (lat.: Kreis), bei rein zeremoniellen Gruppen Orden und bei Hexen Coven, was aus dem Englischen kommt und sich von „conventus“ (lat.: Versammlung) ableitet. Die meisten Traditionen zeremonieller Magie konzentrieren sich auf die Zusammenarbeit mit anderen in einer kleinen Gruppe. Allerdings gehört längst nicht jeder Magier einer Gruppe an. Viele ziehen es vor, ihren eigenen Weg zu gehen und sich ihre Inspiration aus publizierten Quellen und aus sich selbst heraus zu holen.

Meist werden auch Gruppenmitglieder Mischformen praktizieren, bei denen Einzelgänger zuweilen bei Gruppen teilnehmen, und Gruppen, deren Mitglieder mehreren Gruppen angehören. Natürlich gibt es auch absolute Einzelgänger und Gruppen, die sich abkapseln, aber alle sind gleichrangig, und jeder kann frei entscheiden, wo und mit wem er zusammenarbeiten möchte (vorausgesetzt, daß die Gruppe denjenigen aufnehmen möchte, denn auch deren Mitglieder können dies natürlich frei entscheiden). Wer mit der Linie einer Gruppe nicht einverstanden ist, scheidet aus und sucht oder gründet eine Neue.

So werden manche Magier bestimmte Rituale und Feste mit der Gruppe teilen, andere aber lieber allein durchführen. Auch Gruppen gehen nicht immer einen gemeinsamen Weg. Viele entwickeln auch in der Gruppe ihre eigene, persönliche Spiritualität, um dadurch Selbstbewußtsein und Kraft zu gewinnen. Dieses nutzen sie dann sowohl als Individuum als auch in ihrer Rolle des Gruppenmitglieds.

Meistens geht es bei konkretem magischen Tun um konstruktive, hilfreiche Dinge für einen selbst oder einen engen Kreis von Freunden und Familie oder auch Haustieren. Sei es Heilung, Unterstützung, Erfolge in Beruf, Geschäften, privaten Dingen, Liebe, Förderung von Glück und Wohlstand – es geht um eine magische Steigerung dessen, was man gemeinhin „Lebensqualität“ nennt.

Magie dient auch als spiritueller Weg. Einige magische Übungen und Rituale werden durch die Magier auch als tiefgehende spirituelle Disziplin benutzt. Das Ziel dieser Magie ist nicht die Transformation der äußeren Welt, sondern die Veränderung der inneren Welt, dem Geist und der Seele des Magiers.

3.4. Kann jeder Magier werden?
Da bin ich mir nicht sicher. Prinzipiell kann wohl jedes intelligente Wesen (ich sage bewußt nicht „Mensch“, weil nicht auszuschließen ist, daß auch bestimmte Tiere den Zugang finden könnten) diesen Zustand erreichen. Weil der Mensch ein geistiges Wesen ist, kann er daher grundsätzlich auch Magie wirken, wenn auch mit erheblichen Unterschieden in Art (Qualität) und Umfang (Quantität) und damit in der Effizienz.

Ob es da physische Grenzen gibt, d.h. ob jemand diesen Teil des Unterbewußtseins einfach nicht hat, ihm der Zugang aus physischen Gründen verwehrt ist oder er einfach kein Talent dafür hat, soll im Raum stehen bleiben. Die meisten scheitern aber wohl eher aus psychologischen Gründen.

Der Großteil der Menschheit ist zu einer wirksamen magischen Handlung nicht fähig – ausgenommen, er agiert in einer Massenbewegung. Das liegt nicht etwa daran, daß die meisten Menschen nicht genügend magische Kraft besäßen, denn sie haben viel mehr Kraft, als sie jemals vermuten würden.

Die meisten Menschen sind deshalb keine Magier, weil sie ihre Energien nicht durch Wissen und entsprechende Techniken auf die richtigen Stellen konzentrieren können oder dieses durch Zweifel oder Erziehung nicht wollen. Ein richtig angesetzter Hebel kann sehr viel bewegen, doch wenn man nicht weiß, wo er anzusetzen ist, bewegt man gar nichts.

Magie ist anstrengend! Sie ist etwas zum Nachdenken und „Machen“ – vor allem zum Aus-dem-Quark-kommen-müssen, was die Einstellung zu sich selbst, dem eigenen Leben und zur Natur betrifft. Unsere Gesellschaft ist aber zu einer Horde fauler Konsumenten verkommen, die nichts selbst machen und vor allem nicht nachdenken wollen.

Magie kann man aber nicht konsumieren, denn man muß sie aktiv erfahren. Der Umgang mit ihr ist das Arbeiten an sich selbst. Und das wollen leider die Wenigsten – oder sie behaupten es nur. Aber nur auf diese Weise gelangt man zu einer Verbesserung des eigenen Selbst. Wer dazu zu faul ist und erwartet, alles schön fertig aufbereitet serviert zu bekommen, wird die Beschäftigung mit wahrer Magie bald wieder aufgeben und läuft dann Gefahr, irgendeinem „esoterischen“ Schwachsinn aufzusitzen.

3.5. Die Voraussetzungen eines Magiers
Der Arzt und Mystiker Agrippa von Nettesheim (1486 bis 1535) schrieb: „Die magische Gewalt setzt beim Menschen eine große Würdigkeit voraus, denn unsere Gedanken, unsere höchste Geisteskraft ist allein der Wundertäter in uns.“

Gemeint ist mit dieser „Würdigkeit“ eine gewisse geistige Disziplin, die nicht nur Wissen und Konzentrationsfähigkeit beinhaltet, sondern genauso auch geistige und ethisch-moralische Reife und Verantwortung mit einschließt.

Der Weg des Magiers stellt harte Anforderungen, deren Wucht den Anfänger die eigene Winzigkeit erkennen läßt. Und auch ich bin mir bewußt, wie schwierig dieser magische Weg ist und daß dafür mancher Preis zu zahlen ist – und das endet niemals, auch wenn man schon erfahrener geworden ist. Daher bemühe ich mich, dem Leser, auf den all diese Anforderungen einstürmen, deutlich zu machen, daß es mir nicht besser geht als ihm, und daß ich gerade auch die Anfangsschwierigkeiten nicht vergessen habe und auf sie eingehen werde.

Um ein Magier sein zu können, bedarf es eigentlich hauptsächlich folgender geistiger Eigenschaften:

o Aufgeschlossenheit – Ein Magier muß bereit sein, die durch Erziehung oder von Autoritäten übernommenen Dogmen und Konventionen zu überprüfen und gegebenenfalls abzustreifen. Er muß bereit für neue Erfahrungen sein und diese auch akzeptieren können. Wer also Magie praktizieren will, braucht zunächst einmal den Mut, über den eigenen Schatten des Gewohnten zu springen, seinen Ängsten ins Auge zu blicken und sie zu überwinden, ohne sie jedoch zu verdrängen oder kurzerhand auszumerzen. Diese Bereitschaft ist unabdingbar, und sie wird im Laufe der Praxis immer wieder auf die Probe gestellt werden.

o Aufmerksamkeit – Durch die Aufmerksamkeit des Geistes schärft der Magier seine Sinne und lernt sich und seine eigenen Impulse besser kennen.

o Gelassenheit – Durch seelische Gelassenheit lernt er, alle Phänomene, die ihm auf seinem Weg begegnen mögen, ohne emotionalen Zwang einzuschätzen und konstruktiv zu nutzen.

o Entspanntheit – Durch körperliche Entspanntheit lernt er, seinen Körper besser zu beherrschen und Blockaden zu lösen, die ihn sonst behindern würden.

o Konzentration – Alle Magie beginnt bei den Gedanken, und nichts ist so mächtig, wie ein konzentriert formulierter und über längere Zeit visualisierter Gedanke. Aber man muß seine Gedanken auch unter Kontrolle halten können, sonst schweifen sie ab und führen den Magier von seinem Ziel fort.

o Intuition – Dies ist eine wichtige Voraussetzung, denn wer keine „Idee“ hat, wie er vorgehen soll, kommt auch nur schwerlich zum Ziel.

o Ausdauer – Ein Magier muß den festen Willen haben, auch dann durchzuhalten, wenn es ihm schwerfällt und sich scheinbar alles gegen ihn wendet. Das wird oft der Fall sein, denn auch auf einem magischen Weg fallen einem die Dinge nicht in den Schoß. Jemand hat einmal sehr treffend gesagt, daß man nicht leicht und auch nicht billig Magier wird. Die Fähigkeit, Realität zu transformieren, erreicht man nicht, wenn man bei der kleinsten Hürde aufgibt, die sich einem in den Weg stellt.

o Geduld – Weder wirke man Magie in Eile, noch versuche man auf einem holprigen Weg zu rennen, den man besser mit viel Zeit nur gehen sollte. Ergebnisse und Fortschritt lassen sich nicht erzwingen.

o Glaube – Es ist unerläßlich, daß man an seine Fähigkeiten glaubt und auf sie vertraut, sonst funktionieren sie nicht. Ein Magier akzeptiert üblicherweise seinen Glauben an Magie, wobei der Glaube selbst nur ein Werkzeug, eine mythische Arbeitshypothese zum Erreichen von Wirkungen darstellt, denn er ist kein Selbstzweck. Bei diesem Glauben handelt es sich um nicht mehr als einen psychologischen Geisteszustand, der für den Moment alle tiefenpsychologische Theorie vergißt und nur das Funktionieren magischer Techniken als Tatsache annimmt. Das ist gerade anfangs nicht einfach, gibt aber dem Unterbewußtsein die Kraft und die Möglichkeit, tatsächlich die eigene und manchmal auch die Realität anderer Menschen formen zu können. Der feste Glaube an seine eigene Magie ist das Mittel, nicht der Zweck – das Fahrzeug, aber nicht das Ziel.

o Selbstkenntnis – Sehr wichtig ist die Selbstkenntnis. Das bedeutet, sein eigenes Selbst zu kennen, zu erkennen und dabei auch ehrlich zu sich selbst zu sein. Wer sich selbst nicht kennt, hat auch nicht die nötige Grundlage, um Magie zu wirken. Darum gehört zu jeder vernünftige Ausbildung das Nachdenken über sich selbst und die Analyse der eigenen Person.

o Verantwortlichkeit – Als Magier ist es unabdingbar, für das jeweilige Weltbild sowie seine Handlungen jederzeit die volle Verantwortung zu übernehmen.

Alle diese Faktoren stehen in Wechselwirkung zueinander und bedingen sich daher gegenseitig. Sie gehören zu den Grundlagen auf dem magischen Pfad.

Die Realität im Geist zu transformieren kann man lernen, aber es ist ein langer und schwieriger Weg, oftmals unmöglich erscheinend, zuweilen von angeborenen, teils anerzogenen, teils auch unerklärlichen Grenzen und Behinderungen erschwert.

Manche benötigen dazu einen Lehrer, der sie anleitet, andere, meist Fortgeschrittenere, hingegen schaffen diesen Weg auch allein, wenn es nur noch gilt, einst Gekonntes und Gewußtes wieder an die Oberfläche des Bewußtseins zu bringen. Denn Lernen auf dem magischen Weg bedeutet nicht nur Äußeres zu verinnerlichen, sondern auch das Innere hervorzukehren (sich er-innern).

Wer ein erfolgreicher Magier werden möchte, sollte körperlich, geistig und seelisch gesund und ausgeglichen sein. Dazu gehören auch Dinge wie ausreichend Schlaf, gutes und gesundes Essen und ein erfülltes Sexualleben. Personen mit körperlichen oder gerade auch psychischen Krankheiten gehen bei der Beschäftigung mit der Magie ein erhöhtes Risiko ein, dennoch liegt ihr Handeln in ihrer eigenen Verantwortung.

Eine sehr wichtige Voraussetzung, um ein erfolgreicher und vor allem geistig gesunder Magier sein zu können, ist es, sein weltliches Leben leben zu können.

Sein weltliches Leben zu leben – das klingt einfach. Na klar lebt man sein weltliches Leben, also was soll das?

Gemeint ist aber, es wirklich zu „leben“, nicht bloß es „abzusitzen“, es „zu durchlaufen“, es „abzuspulen“, vor sich hin zu vegetieren als bloße Existenz. Nein, hier geht es um ein bewußtes leben und „er-leben“ des weltlichen Lebens, und dies mit Freude und Stolz, denn das Leben, auch das profane, ist heilig und verdient es, auch so gelebt zu werden. Das soll nun keine Mystifizierung werden, sondern hat einen sehr realen Hintergrund, der aber vielleicht gerade durch ein mystisches Bild am ehesten verständlich gemacht werden kann.

Man stelle sich einen Baum vor, der nach oben wächst und bestrebt ist, möglichst hoch und möglichst breit seine Blätter auszustrecken, um das Sonnenlicht einzufangen. Je mehr Licht er bekommt, desto besser kann er in die Höhe wachsen und desto besser kommt er an immer mehr Licht heran. Und so wächst und wächst er, sein ganzes Streben nur auf das Licht gerichtet. Aber in luftiger Höhe ist es auch windig, und würde der Baum nur nach oben wachsen, würde er irgendwann unweigerlich umkippen, sei es, daß ihn ein Sturm entwurzelt, dem er nicht standhalten kann, oder durch sein zunehmendes Ungleichgewicht auch einfach so.

Deshalb ist es wichtig, daß der Baum im gleichen Maße, wie er nach oben strebt, auch seine Wurzeln wachsen läßt, sie weit verzweigt und tief in die Erde senkt, damit sie ihn festhalten und mit dem lebensnotwendigen Wasser versorgen. Ohne genügenden Halt durch die Wurzeln kann der Baum nicht bestehen, ohne genügend Wasser über die Wurzeln aufzunehmen, kann er keine Blätter bilden, die das Licht einfangen. Aber läßt er nur Wurzeln und keine Zweige mit Blättern wachsen, wird er ohne genug Licht nur dahinkümmern und nie blühen. Er muß beides gleichermaßen tun, nach oben wie nach unten wachsen, um ein erfülltes und stabiles Dasein im Gleichgewicht zu haben.

Ein entwurzelter Baum – das wäre ein Mensch, der so blindlings nur nach dem Okkulten strebt, daß er im wahrsten Sinne den Halt, den Boden unter den Füßen verliert. Er erleidet einen Realitätsverlust, und dieser ist eine psychische Störung. Mit einer solchen wird er aber als Magier nicht weit kommen, sondern sich in einem Gewirr esoterischer Irrlehren, Selbsttäuschungen und Sackgassen verlieren, aus dem der Weg zurück sehr schwierig ist. Dies passiert insbesondere jenen Menschen, die sich trotz oder gerade wegen ihrer weltlichen Probleme mit Magie beschäftigen. Sie nutzen diese Beschäftigung dann exzessiv, um ihre weltlichen Probleme zu verdrängen, anstatt sich ihnen zu stellen, eine Flucht vor der Realität.

Umgekehrt wäre das Beispiel vom zu sehr verwurzelten Baum mit unterentwickelter Krone ein Mensch, der sich so sehr ans Weltliche klammert, sich schicksalsergeben allein von Gewohnheiten, Konsum und Medien leiten läßt, ohne je den Blick „nach oben“ zu richten, also dafür offen zu sein, daß es noch mehr Dinge geben kann, die eine Lebensqualität ausmachen. Er wird im wahrsten Sinne des Wortes nicht sehr viel vom „Licht“ abbekommen.

So wie ein gesunder Baum Wurzeln und Krone gleichmäßig entwickelt, sollte auch der Magier danach streben, in Beidem ein Gleichgewicht zu finden – im Weltlichen wie im Spirituellen. Nur wer fest im Leben verwurzelt ist, mit beiden Beinen fest im Leben steht, also ein erfülltes und bewußtes Leben auch „lebt“, besitzt die Standfestigkeit, sich der magischen Arbeit zu öffnen, weiß er doch eine gesunde Grundlage hinter sich, die ihm auch dabei hilft, nicht „den Boden unter den Füßen zu verlieren“, also „auf dem Teppich zu bleiben“, mit anderen Worten: im Leben zu stehen ohne den Sinn für die Realität zu verlieren. Und, was ebenso wichtig ist, aber oft unterschätzt wird, sie hilft dabei, nach einer „magischen“ Reise in andere Bewußtseinsebenen auch wieder sicher und mit vollständigem Bewußtsein („mit beiden Beinen“) in die Realität zurückzukehren.

Der Realitätsverlust ist eine oftmals viel zu sehr unterschätzte Gefahr der Beschäftigung mit dem Okkulten, der nicht wenige auch unterliegen. Deshalb wird auch immer wieder und wieder darauf hingewiesen, daß nur diejenigen sich relativ gefahrlos mit Magie beschäftigen können, die auch ihr Leben fest im Griff haben, d.h. die ein geregeltes und erfülltes Leben haben und ihre Probleme bewältigen können – es wirklich können, und sich nicht bloß dieser Illusion hingeben.

Weltliche und vor allem psychische Probleme sind eine Belastung für die Seele, und wie auch psychische Störungen und Erkrankungen können sie zu verheerenden Entgleisungen führen, wenn man sich mit Magie beschäftigt, denn Magie anzuwenden heißt tiefenpsychologische Experimente mit sich selbst durchzuführen, und das kann nur gutgehen, wenn man diese auch verträgt und nicht schon seelisch angeschlagen ist.

An sich zu arbeiten heißt für den Magier immer sowohl geistig als auch weltlich. Wie auch psychische Probleme behindern Alltagsprobleme und damit einhergehende Sorgen, Unzufriedenheit, Ärger, Streß, Ängste usw. den Geist bei der magischen Arbeit, indem sie ihn ablenken und Blockaden errichten. Dadurch kann die magische Tätigkeit auch in recht unerwünschte Richtungen gelenkt werden, insbesondere durch präsente Probleme, die das bewußte wie unbewußte Denken bestimmen und sich so noch verstärken können.

Also sollte man darauf achten, daß man sein weltliches Leben wirklich „lebt“, es also bewußt wahrnimmt und es auskostet, zu sich und seiner Art zu leben und dem, was man tut, steht, sich aber auch den Anforderungen und Problemen stellt, mit denen einen das Leben konfrontiert und diese meistert. Ein erfülltes weltliches Leben hat seinen Preis, und den muß man zahlen, denn er wird einem nicht abgenommen, auch durch Magie nicht (sie kann die Preisschraube zwar ein wenig lockern, mehr aber auch nicht).

Dazu gehört auch die tägliche Arbeit zum Broterwerb, der Lebensgrundlage, beziehungsweise damit vergleichbare Aufgaben (Haushaltsführung). Es spielt keine Rolle, was man tut oder wie das gesellschaftlich einzuordnen ist. Man sollte es nach besten Kräften tun und stolz darauf sein, denn auch das hat etwas mit Zufriedenheit zu tun – selbst wenn die Leistung von anderen nicht anerkannt wird, man selbst weiß aber, was man geleistet hat (oder auch nicht geleistet hat).

Wenn man sein Leben mit jemandem teilt, sollte man auch die Höhen und Tiefen des Partners verstehen, seine Komplexe und Talente, seine Fehler hinnehmen und die eigenen anerkennen. Man sollte weder zulassen, daß es zum ständigen Streit kommt, falls der Partner das Interesse für Magie nicht teilt oder akzeptiert, noch daß bei gemeinsamem Interesse so viel Zeit in die magische Beschäftigung gesteckt wird, daß für ein weltliches Zusammenleben nicht genug Zeit übrigbleibt.

Hat man Kinder, lehrt man sie die Dinge so zu sehen, wie sie sind, aber man zeigt ihnen auch, daß es noch Dinge jenseits des Weltlichen gibt, und man lehrt sie Verständnis, Respekt und Mitgefühl vor der Natur, ihren Geschöpfen und der Umwelt, denn eines Tages werden sie für dieses Erbe verantwortlich sein.

Diese Aufzählungen ließen sich noch endlos fortsetzen. Sein weltliches Leben wirklich und bewußt zu „leben“ ist eine der wichtigsten Aufgaben – eigentlich eines jeden Menschen, aber insbesondere eines Magiers. Es ist nämlich gleichzeitig der wichtigste magische Weg, den man je beschreiten wird, auch wenn nur wenige Menschen ihn je als solchen sehen werden.

Deshalb ist es auch so wichtig, eine Pause von der Beschäftigung mit Magie zu machen und sich ganz dem Weltlichen zu widmen, wenn dort etwas nicht stimmen sollte. Es gilt, erst einmal das weltliche Leben wieder in Ordnung zu bringen, bevor man sich erneut der Magie zuwendet, und die Magie kann warten – sie ist sehr, sehr geduldig, sie läuft einem nicht weg. Aber sie kann einen überrennen, wenn man nicht fest im Leben steht, und viele ignorieren diese Warnungen bis sie sich eines Tages als entwurzelter, umgestürzter Baum wiederfinden, der nicht oder nur schwerlich wieder aufzurichten ist.

Nur ein gleichmäßig entwickelter Baum kann mit seinen starken Wurzeln sowohl den „weltlichen Erdbeben“ als auch den „magischen Stürmen“ standhalten, die es ab und zu ganz sicher geben wird.

3.6. Wie wird man ein Magier?
Zu einem Magier wird man nicht, ein Magier ist man oder nicht. Das bezieht sich aber nicht nur auf irgendwelche magischen Fähigkeiten, sondern in erster Linie auf die Art zu denken. Letztendlich kann nur jeder selbst entscheiden, ob er ein Magier ist und was das für ihn heißt.

Die erste Frage, die sich jemand stellen sollte, der Magier sein möchte, lautet: „Warum will ich Magier sein?“

Die zweite Frage lautet dagegen: „Und warum will ich wirklich Magier sein?“

Die ehrliche Antwort auf diese zweite Frage ist der erste Schritt auf dem Weg. Ohne Ehrlichkeit sich selbst gegenüber führt der Weg nirgendwohin.

Viele haben angefangen, als Magier zu leben, aber viele haben auch schnell wieder aufgegeben, als sie merkten, daß dieser Weg steinig ist und man an sich selbst arbeiten muß, daß sie nicht perfekt sind und daß sie lernen müssen.

Wer nur deshalb ein Magier sein will, weil er es cool findet oder sich durch Magie schnelle Erfolge bei irgendetwas verschaffen will oder denkt, er gehöre dann zu einer Elite, der wird wahrscheinlich schon bald aufgeben und einen anderen, leichteren Weg gehen müssen.

In den Anzeigen einschlägiger Zeitschriften wimmelt es nur so von selbsternannten Magiern und Schamanen aller nur erdenklicher Ausprägungen. Für viel Geld einen Workshop oder ein Wochenendseminar besucht, schon ist der Magier oder Schamane fertig und bereits am Tag danach wird um Kundschaft geworben, die man selbst ausbilden oder deren Krankheiten man, wieder für viel Geld, heilen kann. Dies hat mit Magie oder Schamanismus nichts, aber auch rein gar nichts zu tun. Im Gegenteil, es werden Hoffnungen geweckt und Ansprüche aufgestellt, die dann nicht erfüllt werden können.

Nun könnte man über soviel Dummheit lachen, wenn diese Dummheit nicht so gefährlich wäre. Natürlich könnte ich zum Beispiel einer Gruppe von Menschen an einem Wochenende ein magisches Ritual in seinen Formen mit allen Einzelheiten erläutern und die notwendigen äußeren Techniken vermitteln, aber die dann materialisierten Kräfte auch zu beherrschen, dazu bedarf es langer kontinuierlicher Übung. Deshalb sei an dieser Stelle vor selbsternannten Magiern und ihren Spielereien ausdrücklich gewarnt. Auch wer gelernt hat, wie man einen Pinsel hält, ist damit noch lange kein begabter Maler.

Zunächst einmal hängt es von einem selbst ab, was man eigentlich erreichen will und wie das geschehen soll. Die Menschen sind sehr verschieden in ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten. Was für den einen richtig ist, muß es für den anderen noch lange nicht sein. So lassen sich pauschal nur ein paar wenige Ratschläge erteilen.

Man kann magisches Wissen nicht so ohne weiteres weitergeben. Tonnen von Theorie sind nicht so wertvoll wie ein Quentchen Praxis, und das praktische Wissen (das gnostische Wissen) ist eher ein tief verwurzeltes Gefühl für Magie und magische Erkenntnis als ein mit Worten beschreibbares Themengebiet.

Auch über das Fahrradfahren kann man einiges erzählen, aber worauf es ankommt, ist letztlich die praktische Übung. Wie will man jemandem rein theoretisch schildern, wie man auf zwei dünnen Reifen, mit denen man eigentlich umkippen müßte, das Gleichgewicht hält? Dafür entwickelt man durch praktische Übung mit der Zeit ein Gefühl, aber beschreiben kann man es nicht wirklich. Mit der Magie verhält es sich ähnlich – nur ist es dort noch weitaus komplizierter.

Magie ist nichts, was man in einem Schnellkurs erlernen kann. In das magische Arbeiten muß man hereinwachsen, ständig an den eigenen Fähigkeiten arbeiten und sich selbst unter Kontrolle haben. Nur wer sich selbst beherrscht, kann auch die Magie beherrschen. Es gehört eine starke und gefestigte Persönlichkeit mit einem starkem Willen zu dem Bild des Magiers oder der Magierin. So sollten labile oder in ihrer Persönlichkeit noch nicht gefestigte Menschen lieber erst einmal damit beginnen, an sich selbst zu arbeiten, um ein sicheres Gefäß zu bilden, in welchem das Wissen und Können bewahrt werden sollen.

Davon ausgehend, daß man sich inzwischen darüber klar geworden ist, was es für einen selbst bedeutet, ein Magier sein zu wollen, muß man sich zunächst einmal nach einer für sich passenden Art, an die Magie heranzugehen, umschauen. Das bedeutet, daß man sich kurz mit den gängigen magischen Gebieten beschäftigen sollte, um dann das für sich selbst Richtige auszuwählen.

Dazu nimmt man sich einige Stunden Zeit und geht in eine gut sortierte esoterische Buchhandlung. In der Abteilung Magie schaut man in jedes Buch hinein. Nur das, bei dem man sofort versteht, worum es geht, das sinnvoll und logisch nachvollziehbar erscheint, sich vielleicht schon mit einigen einem selbst, aber allgemein weniger bekannten und auch verifizierten Fakten deckt, und das vor allem zu Lesen auch Spaß macht, kauft man und arbeitet erst einmal ganz durch.

Ich möchte an dieser Stelle auch keine Empfehlung für ein bestimmtes Werk aussprechen, denn bei jedem Interessierten sind Hintergrund und Vorbildung völlig verschieden, und daher mögen auch vollkommen unterschiedliche Werke als Einstieg für den Einzelnen geeignet oder ungeeignet sein. Man sollte dort beginnen, wo man mit seiner Erfahrung, seinen Gedanken, seiner Literaturkenntnis und seinem sonstigen Wissen auch tatsächlich steht, und nicht dort, wo selbsternannte Lehrer einen gern hätten. Der Ausgangspunkt eines jeden unterscheidet sich von dem jedes anderen Menschen.

Ein guter Lehrer hätte allenfalls die Aufgabe, zu erkennen, wo sein Schützling sich auf dem Pfad befindet und ihm dies zu verdeutlichen. Er kann dem Schüler dann zwar Möglichkeiten aufzeigen, sollte sich aber nie anmaßen, dessen Weg zu bestimmen, denn höchstwahrscheinlich ist dieser nicht der eigene.

Den Zugang zur Magie muß jeder auf ganz individuelle Weise finden. Den Weg der Magie zu betreten ist ein sehr großer Schritt, und die größte Hürde dabei ist der eigene Unglaube, der einem im Weg steht (was nicht sein darf, kann auch nicht sein, also funktioniert es auch nicht). Zweifel an der Existenz der Magie oder der eigenen Fähigkeiten, Erziehung und religiöse Dogmen sind hier wohl die größten Hemmschuhe.

Den Zugang zur Magie kann man nicht erzwingen. Meist kommt „die Magie“ sogar ganz von selbst zu einem, wenn man eigentlich gar nicht daran denkt. Bei dem einen geschieht das schon sehr früh, bei dem anderen erst sehr spät. Es kann aber hilfreich sein, wenn man tiefer in sich selbst hineinlauscht und den Kontakt zu seinem eigenen Unterbewußtsein sucht.

Hat man den Weg zur Magie aber erst einmal beschritten, so kann man in kleinen Schritten langsam weitergehen. Auch hier gilt es, sich Zeit zu lassen. Die Magie kommt zu einem, wenn es an der Zeit ist, man kann ihr ein wenig entgegengehen, aber man kann sie nicht zu sich zwingen. Sich zu verkrampfen blockiert, und nur in der Entspannung kann die Energie fließen.

Die Magie stellt hohe Anforderungen an den Suchenden. Sie zeigt sich nicht gleich auf Anhieb, beziehungsweise auf eine Weise, die nicht immer sofort erkannt wird. Ferner spielt sie einem gerne Streiche, die gewöhnlich mit den eigenen seelischen Unzulänglicheiten zusammenhängen. Schließlich konfrontiert sie den Suchenden mit seinen vergrabenen Konflikten, Komplexen und Charakterschwächen, die erkannt und bewältigt werden müssen, will man weiterkommen. Deshalb ist die Beschäftigung mit Magie völlig ungeeignet für Menschen mit schweren psychischen Problemen, da diese dann eher weiteren Schaden nehmen statt voranzukommen.

Man wird nicht darum herumkommen, sich mit den grundsätzlichen magischen Übungen Konzentration und Visualisierung zu beschäftigen. Ohne diese beiden Fähigkeiten bewirkt man in der Magie nichts. Außerdem sind noch Übungen in Entspannungstechniken sowie „richtiges“ Atmen wichtig. Wer falsch atmet, erzeugt eine Disharmonie in seinem Energiesystem und wird mit magischen Übungen schnell Probleme bekommen, da hier psychische Energie freigesetzt wird, die sich dann in den Blockaden staut.

Es ist wichtig, immer tief in den Bauchraum zu atmen, d.h., das Zwerchfell muß voll miteinbezogen werden. Die meisten Menschen atmen zu flach. Wenn man jetzt plötzlich anfängt, „tief“ zu atmen, besonders, wenn man obendrein noch Raucher ist, treten Schwindelgefühle, Hustenreiz, Lungenstechen und ähnliche Probleme auf. Das ist auch kein Wunder, wenn die Lunge lange Zeit nicht richtig ausgelastet war. Wenn man das aber, ohne zu übertreiben, regelmäßig übt, verschwinden diese Phänomene, und es stellt sich mit der Zeit ein gesteigertes Wohlbefinden ein.

Ferner ist auch auf eine aufrechte Körperhaltung zu achten. Wer längere Zeit in verkrümmter Haltung vor dem Computer oder am Schreibtisch sitzt, blockiert dadurch ebenfalls seine Atmung. Hier ist Ausgleich gefragt.

Es ist für den Anfang eine gute Übung, gesteigerte Bewußtheit in Bezug auf die eigene Körperhaltung zu entwickeln. Wenn man dies nun noch durch entsprechende Entspannungs-, Konzentrations- und Visualisierungsübungen unterstützt, kommt man leichter voran.

Wie in jeder Ausbildung lernt der eine schneller und der andere langsamer. Deswegen ist der einfachste Weg der, seinen Zeitrahmen an seinen individuellen Bedürfnissen anzupassen und sich selbst gegenüber ehrlich genug zu sein, erst bei befriedigenden Ergebnissen mit der nächsten Übung anzufangen. Übungen sollten zwar regelmäßig gemacht werden, aber Übertreibungen sind nicht ratsam. Man sollte außerdem nur dann magisch arbeiten, wenn einem auch stimmungsmäßig danach ist und man sich dabei wohlfühlt.

Der Magier muß sich auf seinem Weg auch mit seinem größten Kritiker auseinandersetzen – mit sich selbst. Er wird viel Kritik aushalten müssen aber auch vieles verstehen, was ihm vorher unbekannt war. Er wird von vielen Menschen, die nicht verstehen, was er tut, angegriffen werden, aber auch selbstsicherer werden. Er wird „Freunde“ verlieren, aber auch neue Freunde gewinnen, auch solche, an die er vorher nie dachte.

Ob diese Lebensänderung und der damit verbundene und nicht zu unterschätzende Aufwand für einen Menschen akzeptabel ist, das kann nur jeder selbst ganz allein für sich entscheiden.

3.7. Magie ist das Unbewußte
Das Unterbewußte oder Unbewußte ist ein ursprünglich von Carl Gustav Carus in seinem Werk „Psyche“ geprägter Begriff. Es meint psychische Inhalte, die dem Bewußtsein nicht oder vorübergehend nicht zugänglich sind, aber dennoch zur Gesamtheit der Psyche gehören und einen nachhaltigen Einfluß auf Bewußtsein, Seelenleben, Persönlichkeit und Verhalten haben. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Hypothesen über die Art und Organisation des Unterbewußtseins.

Die magischen Urkräfte schlummern tief im Unbewußten. Dabei ist dieses „Unbewußte“ nicht bloß als „Hinterstübchen des Gehirns“ zu begreifen, sondern als eine Totalität, die jede Zelle des Körpers durchdringt und erfaßt. Die Instinkte sind derart tief im Körperlichen verankert, daß Wahrnehmung und Körperreaktion praktisch eins sind. Dann spricht man von „Reflexen“, aber auch, vor allem in älteren Texten, von „Fleischeswissen“.

Dieses genetische Urwissen halten die meisten beim modernen Menschen für weitgehend verkümmert. Dem ist jedoch nicht so. Man mißachtet es lediglich. Vielfach wird die Instinktsicherheit des Zivilisationsmenschen beständig unterschätzt, um dagegen den Mythos vom „naturverbundenen“ Wilden zu stellen, der angeblich fehlerlos im Einklang mit seiner Umwelt lebt.

Erstens ist auch auf die Instinkte des Naturmenschen (und auch auf die eines Tieres) nicht immer Verlaß, und zweitens leben gerade Naturvölker in einem Gefängnis von Tabus und Stammesregeln, die den Preis für ihre vermeintliche Instinktüberlegenheit doch reichlich hoch erscheinen läßt. In Wirklichkeit unterscheiden sich beide nicht sonderlich in ihren Instinkt-Reserven, sie gehen nur unterschiedlich damit um.

Der heutige, vielbeklagte „Verlust an Natürlichkeit“ (den übrigens die alten Griechen schon ebenso bejammerten wie die Renaissance, der Barock und die Romantik) ist viel eher eine Art von bewußtem, anerzogenem Ausblenden intuitiver Wahrnehmung. Man befindet sich in einer selektiven Wahrnehmung, die für den Magier kritisch wird, wenn ihm nicht bewußt ist, daß er den eigenen Teilausschnitt der Wirklichkeit mit dem Ganzen verwechselt.

Genauso kann es aber auch umgekehrt fatal sein. Weil der Mensch in der Regel nicht darauf trainiert ist, mit Intuitionen nüchtern umzugehen, reagiert er zwar mit gewaltiger Entzückung, wenn die Intuition zutreffend und einigermaßen positiv ist, aber auch mit ebenso gewaltiger Enttäuschung, wenn ihn die Intuition mal in die Irre führt oder Schlimmes verheißt.

Während man seinem Intellekt immer zubilligt, daß er sich auch mal irren kann, bricht für die meisten angehenden Magier gleich die ganze Welt zusammen, wenn sich irgendeine nette Vorahnung, auf die sie felsenfest vertraut haben, plötzlich als falsch entpuppt. Dahinter steht häufig eine Überschätzung der Magie, die nicht selten mit einer nichteingestandenen Furcht vor ihr einhergeht.

Sich also zu weit in Richtung seines Verstandes zurückzuziehen ist ebenso falsch wie sich völlig in „die Magie“ (das Unbewußte) zu flüchten. Wie so oft, ist auch hier ein gesunder Mittelweg erstrebenswert. Und vor allem: nur, weil jemandem etwas nicht vertraut ist, ist es deshalb noch lange nicht unnatürlich.

Magie ist etwas Natürliches, das wußten schon die alten heidnischen Religionen. Die Magie wurde nur paradoxerweise von einer Gesellschaft, welche durch eine im Widerspruch zur Natur stehende Religion („macht Euch die Erde untertan“) geprägt wurde, als unnatürlich bezeichnet. Diese Kultur verhinderte jedoch lediglich die Wahrnehmung, nicht aber das Vorhandensein der Magie im Menschen.

Menschen mit einem ausgeprägten Unterbewußtsein, vor allem jene, die über eine große Sensibilität, Intuition und Vorstellungskraft verfügen, haben eigentlich die größten Chancen, den Zugang zur Magie zu finden, denn oft sind sie bereits Magier, ohne es zu wissen.

Das Unterbewußtsein wendet seine „magischen“ Kräfte nämlich sehr oft an, aus eigenem Antrieb, ohne den Willen des Menschen, ja meist sogar ohne, daß dieser es großartig bemerkt. Plötzliche Eingebungen, telepathische Erlebnisse oder seltsame „Wendungen des Schicksals“ sind Anzeichen solcher unterbewußten Aktivitäten.

Wer so etwas an sich feststellt, kann versuchen, darauf zu achten und das Gefühl wahrzunehmen, das davon ausgeht. Vielleicht gelingt es ihm eines Tages, diese Dinge auch bewußt herbeizuführen. Dann hat er seinen Weg gefunden.

Es ist nicht falsch, seine gefühlsmäßigen Entscheidungen zu hinterfragen. Wer sich intuitive Entscheidungsgänge bewußt macht, lernt seine Gefühle besser kennen und ihnen auch immer öfter zu vertrauen. Wer anderen zuhört, ihre Bedürfnisse wahrnimmt, schärft sein eigenes Bauchgefühl und Urteilsvermögen. In drei Sekunden bildet sich der Mensch ein erstes Urteil über einen anderen Menschen. Die Trefferquote liegt bei etwa 80 %. Vor allem im Berufsleben raten Psychologen dazu, dieses Gefühl als wichtigen Ratgeber und als Entscheidungshilfe zu benutzen.

Das Gehirn ist mit 130 Milliarden Nervenzellen das komplexeste Organ überhaupt. Man kennt bis heute nur einen Bruchteil seiner Funktionen. Schon wenn wir einen Gegenstand ergreifen, ist das Gehirn zu 100 % aktiv. Zwar ist jeder Bereich des Gehirns für bestimmte Funktionen zuständig (zum Beispiel Sehen, Sprechen, Hören, Denken, Lernen, Bewegen der Gliedmaßen etc.), doch sind stets sämtliche Gehirnzellen aktiv, denn eine Gehirnzelle schläft nie. Ebenso falsch wie das Zitat, der Mensch nutze nur 10 % seines Gehirns, ist auch die Legende, es stamme von Albert Einstein.

Die Zahl der Nervenverbindungen im Gehirn ist unbekannt, dürfte aber etliche Billionen betragen. Sie verändern sich ständig. Intensive Sinneseindrücke, Gedankenspiele oder Erlebnisse lassen im Gehirn neue Synapsen entstehen, um den „Datenaustausch“ zu verbessern und zu beschleunigen. Wenn man beispielsweise ein Musikinstrument erlernt, arbeitet beim Anfänger in den ersten 20 Minuten nur ein kleiner Teil des Gehirns daran. Nach 20 Tagen ist bereits ein Großteil des Gehirns damit beschäftigt. Doch erst nach 20 Jahren Übung ist das Gehirn nahezu perfekt dazu verschaltet.

Gefühle und damit auch die „Intelligenz der Gefühle“, die Intuition, entstehen in einem der entwicklungsgeschichtlich ältesten Teile des Gehirns, der Amygdala (Mandelkern). Die Gefühle, die Intuition erst möglich machen, werden von Hormonen oder Botenstoffen gesteuert. Die wichtigsten sind Arginin-Vagopressin (Negativ-Erlebnisse, Angst und Unangenehmes), Oxytocin (Mutter-Kind-Bindungshormon, Wohlgefühl), Serotonin (zusammen mit Oxytocin bei Verliebtheit), Noradrenalin (Erregtheit), Acetylcholin (gezielte Aufmerksamkeit) und Dopamin (Antrieb und Neugierde).

Die Amygdala reagiert impulsiv, aber sie „weiß“ oft mehr als der Verstand. Intuition ist eine Art emotionaler Urinstinkt, der den Menschen schon in der Urzeit vor Gefahren schützte. Intuition ist nämlich eine atemberaubend schnelle Entscheidung, viel schneller als der Verstand es je sein könnte. Der Mandelkern ist in der Lage, in gerade mal drei Hunderstel Sekunden eine Situation zu erfassen, sie einzuschätzen und darauf zu reagieren. Dies ist der direkte Draht zwischen Gehirn und Körper. Hier laufen Informationen auf, die den Verstand nie erreichen.

Das klingt abenteuerlich, ist aber wissenschaftlich nachweisbar. Verkabelte Testpersonen sahen einen harmlosen Film. In diesem Film waren ein paar einzelne Bilder eingeschnitten worden, die ein Monster zeigten. Sie waren viel zu kurz sichtbar, als daß der Verstand sie hätte erfassen können, aber die Amygdala reagierte nach den Gehirnstrommessungen bei allen Testpersonen sofort mit Furcht und Abwehr. Dort war das Bild also angekommen und erkannt worden.

Die Intuition ist ein Frühwarnsystem, mit dessen Hilfe man schnell reagieren kann, und es arbeitet in allen Bereichen, egal ob Familie, Beruf oder Straßenverkehr. Befragungen von Opfern von Gewalttaten haben ergeben, daß beinahe jedem dieser Fälle fast unmerkliche Warnsignale vorausgehen, zu fein, um sie zu erkennen, aber deutlich genug, daß die Amygdala sie registriert und Alarm auslöst. Immer mehr Wissenschafts-Experten plädieren darauf, auf die Intuition zu vertrauen, um sich gefährliche Situationen zu ersparen.

Jeder hat den berühmten sechsten Sinn, nur traut man seinen Gefühlen oft nicht. Seit der Kindheit wird dem Menschen beigebracht, sie zu verbergen. Psychologen befragten Opfer von Betrügern. 87 % hatten beim Unterschreiben ein komisches Gefühl, unterschrieben aber dennoch, weil der Verstand auf die Scheinargumente hereingefallen war. Wer seine Ängste zuläßt, hat eine wichtige Kontrollinstanz, die vor Naivität und Leichtsinn warnt.

Wenn die eigene Intuition als eher schwach empfunden wird, kann man sie auch trainieren. Man kann zum Beispiel auf die Körpersprache anderer achten. Sie sendet meist sehr deutliche Signale aus und läßt sich nur schwer unterdrücken. Wer immer gleiche Wege geht, wird unaufmerksam, deshalb sollte man ruhig mal Ungewöhnliches tun, abwegige Entscheidungen treffen und auf Fremde zugehen. Das hält die Sinne wach. Außerdem hilft es, Spontaneität zuzulassen und Absprachen zu überdenken und gegebenenfalls auch zu ändern. Je häufiger man direkt aus dem Bauch heraus entscheidet, desto wacher bleibt die Intuition.

Kinder haben oftmals einen besonders leichten Zugang zur Magie, weil sie über eine große Vorstellungskraft verfügen und sie benutzen, ohne groß nachzudenken. Sie sind für alles offen, akzeptieren schnell und stehen sich selbst nicht durch Zweifel und Dogmen im Weg. So sagt man Kindern zum Beispiel eine besondere Wahrnehmungsfähigkeit nach. Ähnlich ist es auch bei vielen Tieren, die gewisse Dinge einfach „spüren“.

Ferner haben Kinder die einmalige Fähigkeit, sich durch ihre Phantasie eigene Realitäten zu schaffen. Nichts anderes tut im Prinzip auch der Magier, der bestimmte Dinge einfach vor seinem geistigen Auge „visualisiert“ und dadurch für ihn real werden läßt.

Im Laufe seines Aufwachsens wird dem Menschen dann seine Kindlichkeit „aberzogen“ und durch Regeln, Dogmen und feste Weltbilder ersetzt. Vielen Menschen geht dadurch ihr Zugang zur Intuition und damit auch zur Magie verloren. Wer ein Magier sein will, muß lernen, sich von den fremden, aufgezwungenen Realitäten zu befreien und zu seiner eigenen Mitte und Zentriertheit (zu seinen Instinkten, seiner Intuition, seiner „Magie“) zu finden.

Wenn man sich seine Kindlichkeit bewahrt oder sich an sie zurückerinnert und sich wieder in dieses Gefühl hineinversetzt, so mag einem dies den Zugang zur Magie erleichtern. Das Zurückfallen in eine kindliche Vorstellungswelt, die den Zugang zum Unterbewußtsein erleichtert, nennt der Magier Atavismus (lat.: Rückfall). Dieser Begriff ist eigentlich eine biologische Bezeichnung des Wiedererscheinens von Merkmalen der Vorfahren, die in der Vorgängergeneration fehlten, beziehungsweise ein Rückfall in eine frühere Entwicklungsstufe.

Magietheoretiker spekulieren, daß die Anwendung von Magie einen Atavismus darstellt, da sie möglicherweise bei frühen Vorfahren allgemeiner verbreitet war. Für diese noch spekulative Hypothese spricht, daß entwicklungsgeschichtlich ältere Teile des Gehirns (Hirnstamm, Formatio reticularis, Limbisches System) mit magischen Phänomenen des Unterbewußtseins in Beziehung stehen. .

3.8. Müssen Magier verschwiegen sein?
Es ist noch eine Bemerkung zur Verschwiegenheit zu machen. Verschwiegenheit bedeutet nicht, daß man sein Wissen als „Geheimlehre“ für sich behalten und niemandem zugänglich machen darf, damit es bloß nicht zu viele „Eingeweihte“ gibt (dann dürfte es diese Seiten hier nicht öffentlich geben). Die Weitergabe magischen Wissens ist sogar gewünscht – aber nur an diejenigen, denen diese Informationen auch willkommen sind.

Es empfiehlt sich, aller scheinbaren Aufklärung moderner Zeiten zum Trotz, nicht allzu offenherzig mit den eigenen magischen Erfahrungen und dem Wissen hausieren zu gehen. Man muß auch nicht gleich jedem erzählen, daß man Magier ist, denn auf diejenigen, die es nicht interessiert oder die nicht an Magie glauben, wirkt ein solches Verhalten aufdringlich und wichtigtuerisch und bringt einem schnell den Ruf eines Spinners ein.

Die Magie war noch nie etwas für die breite Masse und wird es wahrscheinlich auch niemals sein. Die meisten Menschen haben Angst vor der Magie, weil sie nichts oder zu wenig oder das Falsche darüber wissen oder wissen wollen, oder sie leugnen schlichtweg ihre Existenz. Das Thema Magie wird zwar in der Öffentlichkeit weitgehend belächelt, dennoch haben Magier, Hexen und Zauberer Hochkonjunktur – und ebenso die Angst vor ihnen und der Ärger über Scharlatane.

Es kann geschehen, daß Bekannte, Freunde und Eltern dem angehenden Magier plötzlich mit seltsamer Distanz begegnen, wenn er ihnen von seinen magischen Praktiken erzählt. Ebensogut könnte man sich öffentlich zum Sadomasochismus oder Satanismus bekennen.

Man wird den Magier merkwürdig und mit Unverständnis anschauen und nach „Schwarzen Messen“ fragen, und von dort ist es nur noch ein Schritt, sein Name mit der Bezeichnung „Satanist“ oder „Teufelsanbeter“ die Runde macht – von anderen, noch schlimmeren Unterstellungen ganz zu schweigen. Es ist dagegen noch direkt harmlos, wenn man nur für einen verrückten Spinner gehalten wird.

Wer dies nicht glaubt, weil er meint, in einer aufgeklärten Welt zu leben, die doch von großstädtischer Toleranz geprägt sei, der verfolge nur die Berichte der Regenbogenpresse zu diesem Thema oder schlage diesen Rat in den Wind, um sich selbst aus erster Hand von seiner Richtigkeit zu überzeugen.

Nun mag man zu Recht einwenden, daß es dem um persönliche Freiheit bemühten Magier doch gleichgültig sein sollte, was seine Mitmenschen von ihm denken. Doch abgesehen davon, daß er es dann auch nicht nötig haben sollte, sich mit ihnen über seine Kunst auseinanderzusetzen oder diese an die große Glocke zu hängen, benötigt selbst der gewiefteste und erfahrendste Magier gewisse Arbeitsbedingungen, und zu diesen gehören Ruhe und Konzentration.

In mittelalterlichen Zauberbüchern wird oft erwähnt, daß der Magier im Einklang mit seiner Religion leben sollte. Dies heißt aber nichts anderes, als die Entfremdung von der eigenen Umwelt möglichst zu vermeiden. Eine solche Entfremdung kostet viel seelische Kraft und auch magische Energie.

Der Magier springt schließlich von einer Wirklichkeit in die andere, und dazu bedarf er einer gewissen äußeren Ruhe und Stabilität, damit die Realität der anderen, der Umwelt also, nicht ständig gegen die seine Sturm läuft und umständliche, zeitraubende Verteidigungs- und Rechtfertigungsversuche erforderlich macht.

Durch das Schweigen lernt der Magier zudem, seine eigene magische Realität im eigenen Inneren zu festigen und zu leben. Das wiederum wird schließlich zu einer beachtlichen Quelle magischer Kraft und Sicherheit. Wer zu Schweigen gelernt hat, den werden Zweifel und Skepsis der Außenwelt nicht mehr anfechten, selbst wenn sie irgendwann doch einmal zum Thema werden sollten. Selbstverständlich gelten diese Vorbehalte nicht für den Austausch mit Gleichgesinnten.

Oft wollen Außenstehende oder Journalisten gerne einmal bei einem Ritual zuschauen oder mitmachen. Die meisten echten Magier lehnen solche Gesuche grundsätzlich und konsequent ab, und zwar aus mehreren Gründen. Zum einen stören Anwesende allein schon durch ihre Anwesenheit Atmosphäre, Stimmung und Konzentration, und fast immer ist das Ritual nutzlos und vergeudet. Ferner hat man kaum Zeit und Lust, einem Außenstehenden erst alles minuziös erklären zu müssen.

Außerdem macht man zumeist sehr schlechte Erfahrungen mit der Presse. Sieht anfangs alles nach Wohlwollen und Objektivität aus, so staunt man hinterher oft darüber, wie verzerrt und feindselig die tatsächlich abgedruckten Berichte ausfallen.

Zudem gilt das Gebot der Geheimhaltung für die allermeisten seriösen Magier. Diese darf aber nicht mit Geheimniskrämerei verwechselt werden, denn sie bezieht sie sich auch nicht auf angewandte Techniken und Rituale, sondern vielmehr auf die Namen von Teilnehmern und auf offenbarte Zauber, die durch Preisgabe an Dritte evtl. einen Teil ihrer Wirksamkeit einbußen würden.

3.9. Nehmen Magier Drogen?
Diese Frage drängt sich dem Laien natürlich zwangsläufig auf, wenn von einem „veränderten Bewußtseinszustand“ die Rede ist.

Im Allgemeinen nehmen Magier wahrscheinlich sogar weniger Drogen zu sich als der Durchschnittsmensch, weil sie eben einen klaren Geist haben möchten. Die Veränderung des Bewußtseins wird auf spirituell-psychologischem Weg erlangt, nicht durch irgendwelche Chemikalien. Drogen beeinträchtigen auch den Willen, so daß ein vernünftiges, kontrolliertes magisches Arbeiten unter dem Einfluß von Drogen vermutlich gar nicht möglich wäre. Einem durch Drogen oder Alkohol benebelten Geist mangelt es sicherlich an Konzentrationsfähigkeit.

Der Rauch einiger Harze und Pflanzen wirkt psychoaktiv, und bei Ritualen wird auch geräuchert. Diese Wirkungen sind jedoch sehr sanft, unterstützend und mit der von Drogen in keiner Weise zu vergleichen, denn sie regen lediglich die Sinne an, vergleichbar mit einem wohlriechenden, anregenden oder beruhigenden Duftöl. Auch Ritualweine und ähnliches werden in der Regel nur in kleinen Mengen zu sich genommen, so daß man auch hier nicht von rauschähnlicher Beeinflussung sprechen kann.

Im ganz normalen Leben mögen auch Magier die verschiedensten Drogen konsumieren, wie Koffein, Nikotin, Alkohol oder sogar illegale Drogen oder eben auch nicht, so wie jeder andere Mensch auch. Harte Drogen werden es aber normalerweise nicht sein, denn wer seinen Körper und Geist mit so etwas vergiftet, wird kaum eine sinnvolle magische Arbeit zustandebringen, obwohl es auch Ausnahmen gibt, wie beispielsweise der heroinabhängige Aleister Crowley. Außerdem verträgt sich ein solcher Konsum nicht mit dem Selbstwertgefühl eines Magiers. Wer bereit ist, harte Drogen zu nehmen, hat auch sicher nicht die psychischen Voraussetzungen, um Magier sein zu können.

Vor und während magischer Arbeiten läßt der besonnene Magier wohlweislich die Finger auch von „weichen“ Drogen. Kluge Menschen fahren ja auch nicht Auto, wenn sie betrunken sind, beziehungsweise trinken nichts, wenn sie fahren wollen. Das wäre hier durchaus vergleichbar.

Es gibt aber auch Ausnahmen. So verwenden einige Magier, vor allem bei den sogenannten Naturvölkern, durchaus auch Drogen, um mit ihrer Hilfe eine gnostische Trance zu erlangen. Diese Praktiken würde ich für mich jedoch strikt ablehnen.

Vom Gebrauch von Pflanzen mit (auch leichter) halluzinogener Wirkung ist dringend abzuraten, auch zum Räuchern. Abgesehen davon, daß es nach meiner Überzeugung für magisches Arbeiten nicht notwendig ist, mit halluzinogenen Drogen zu arbeiten, und solche Mittel zur Realitätsflucht einer magischen Weiterentwicklung eher hinderlich sind, stellen diese auch eine echte Gefahr dar, denn sie sind immer auch Gifte, die Körper und Geist schädigen.

Gerade bei Pflanzen kann die Konzentration der wirksamen Substanzen teilweise um das Hundertfache schwanken, was von mehreren Umweltfaktoren (Art und Beschaffenheit des Bodens, Witterungseinflüsse, Klima, eventuell spezielle Unterarten etc.) abhängt, und somit sind Dosierung und Wirksamkeit nur sehr schlecht abzuschätzen. Selbst für pharmazeutische Fachleute sind Vorraussagen schwierig, was den Wirkstoffgehalt einer Ernte betrifft.

Schon so mancher hat durch unsachliche Experimente mit hochgiftigen Pflanzen, wie Bilsenkraut, Stechapfel, Engelstrompete und Tollkirsche, sein Leben verloren oder seinen Verstand so aufgeweicht, daß er lebenslang unter den unkontrollierbaren Nachwirkungen leidet, von denen Psychosen und Aussetzer in der Gehirntätigkeit noch die Harmloseren sind. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob gewisse Pflanzen oder Substanzen zugänglich oder legal sind, gefährlich sind sie allemal, und man sollte sich dahingehend nicht beschwatzen lassen. Auch nichthalluzinogene Pflanzengifte, wie Glykoside oder viele Alkaloide, können tödlich sein.

Die Verwender von Drogen argumentieren, daß diese ihnen den Zugang zur Magie erleichtern – das stimmt auch in gewisser Weise, denn sie ersparen dem Faulen ein wenig mentale Arbeit. Allerdings kommt man auf diesem „beschleunigten“ magischen Weg zwar zunächst schneller vorwärts, landet jedoch in einer Sackgasse. Ein benebelter Verstand ist nicht in der Lage, sich frei zu entfalten, und die fortwährende Schädigung des Gehirns setzt der Karriere als Magier (und auch als Lebewesen) schließlich vorzeitige Grenzen.

4. Die Grenzen der Magie
Was man nicht kann (zumindest kann ich es nicht und habe noch keinen Beweis dafür gesehen, daß es funktioniert), ist die Materie selbst zu verändern. Es ist also nicht möglich, Materie zu erschaffen, zu vernichten, zu verwandeln oder zu bewegen.

Man kann lediglich auf die im zu verzaubernden Ziel enthaltenen Energien einwirken, sie verändern und, sofern das Ziel lebt, dadurch dessen Geist beeinflussen und es somit auch zu bestimmten körperlichen Reaktionen oder Handlungen veranlassen.

Man darf nicht vergessen, daß die Magie auch ihre Grenzen hat. Magie kann nicht das Unmögliche vollbringen, wie zum Beispiel etwas ungeschehen zu machen oder fehlende Gliedmaßen zu ersetzten. Sie kann lediglich das Machbare lenken. Die Ziele, die man mittels Magie zu erreichen sucht, sollten erfüllbar sein. Es ist töricht zu versuchen, das Unmögliche herbeizuführen. Die Magie hat ihre Gesetze wie jede anerkannte Wissenschaft, und diese haben ihre Gültigkeit wie alle anderen Naturgesetze – unabhängig von Glauben oder Nicht-Glauben.

Magie sollte außerdem erst dann zuhilfe genommen werden, wenn alle weltlichen Mittel versagt haben. Wer an die Magie Erwartungen stellt, die vom Magier eigentlich mit weltlichen Mitteln selbst erfüllt werden müßten, dem wird sie den Ball unaufgefordert und gnadenlos wieder zurückspielen.

Magie ist kein Allheilmittel für sämtliche Probleme. Magische Arbeit kann nicht alles im Leben lösen, und sie entbindet den Magier sicher nicht davon, selbst den Hintern hochbekommen zu müssen. Aber sie vermag ihm die dafür notwendige Energie und die richtige Einstellung dazu zu vermitteln, und das ist doch auch schon etwas.

Magie sollte auch die Medizin nie ersetzen, obwohl sie diese ergänzen kann. In allen Fällen, in denen man normalerweise einen Arzt zu Rate ziehen würde, sollte dies auch der Magier tun. Ein Zauber verhindert wohl nur selten eine Wundinfektion, vertreibt Erkältungen oder heilt Krankheiten oder Verletzungen. Aber ein Zauber kann die Heilung unterstützen – und vor allem den inneren Willen zur Heilung. Die Selbstheilungskräfte des Körpers sind stark, doch manchmal müssen sie eben erst angeregt werden.

Man löse sich von der Vorstellung, daß allein die Magie der Schlüssel zum Ziel ist. Was mit weltlichen Mitteln lösbar ist, sollte auch der Magier mit weltlichen Methoden lösen. Sämtliche Rituale und magische Praktiken haben nämlich nur ein Ziel: den Willen des Magiers zu bündeln und auf innere Realitäten zu lenken. Das höchste Ziel der Magie ist nicht die Demonstration von spektakulären Effekten, sondern die spirituelle Transformation des Individuums.

Die Elemente
· 1. Die Natur der Elemente
· 2. Die Erde
· 3. Das Wasser
· 4. Die Luft
· 5. Das Feuer
· 6. Der Geist
· 7. Die Elemente im Pentagramm
· 8. Die Himmelsrichtungen der Elemente
· 9. Die Arbeit mit den Elementen

1. Die Natur der Elemente

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Die Dreiecke als Symbole der Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer. Chymisches Lustgärtlein, Stoltzius von Stoltzenberg (1624)

„Dies ist die Wurzel und Grundlage aller Körper, Naturen, Kräfte und wunderbaren Werke; wer diese Eigenschaften der Elemente und ihre Mischungen kennt, der wird ohne Schwierigkeit wunderbare und erstaunliche Dinge vollbringen und ein vollendeter Meister der natürlichen Magie sein“, schrieb Agrippa von Nettesheim, Doktor der Rechte und der Medizin, Philosoph und Schriftsteller im Jahre 1510.

Im Okkultismus, der zeremoniellen Magie und der Hexerei arbeitet man viel mit den Kräften und Energien der Elemente. Die Elemente dienen dabei als Analogien und sind somit Hilfsmittel für den Magier, dessen psychische Energien sie durch ihre assoziative Wirkung verstärken können.

In seinem mystischen Weltbild bedient sich der Magier dabei der Energie, welche die Elemente ihm liefern (gleiches gilt auch für Gestirne oder die Erde als Planet), denn unter den Elementen kann er sich konkret etwas vorstellen und sie leicht „anzapfen“. Tatsächlich mobilisiert er natürlich lediglich die Kräfte in seinem eigenen Inneren, doch durch die starken Assoziationen dieser Metapher fällt es dem Magier wesentlich leichter an seine eigenen Energien heranzukommen, indem er dem Unbewußten vorgaukelt, diese aus externen, mächtigen Quellen zu beziehen, und somit trickst er den blockierenden Selbstzweifel aus.
Die vier Elemente
Man kann sich zurecht fragen, warum man für die Ausübung von Magie nun ausgerechnet auf die Symbole der Elemente zurückgreift. Die Philosophie der Elemente hat die westliche Kultur seit ihrer Existenz begleitet und geprägt. Kaum eine andere Symbolik hat über einen derartig langen Zeitraum einen Einfluß auf das Abendland und kaum eine andere ist psychologisch so gut geeignet, tiefe Assoziationen zu erzeugen. Deshalb schließe ich mich dieser Symbolik an.

Es ist für den Magier aber nicht unbedingt notwendig, mit den Elementen und ihren Kräften zu arbeiten, denn er kann sie genauso gut auch zu einer einzigen „Naturkraft“ zusammenfassen und nur diese in seine Vorstellung und Arbeit mit einbeziehen. Letztlich ist es ja auch nur ein und dieselbe Kraftquelle, nämlich das eigene Unterbewußtsein, doch weil dieses eben auf verschiedene Weisen wirken kann, erscheint den meisten Magiern die Aufteilung in verschiedenartige Kräfte sinnvoll, symbolisch repräsentiert durch die Analogien der Elemente.

Das Wort „Element“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet (Grund-)Bestandteil, Wesensmerkmal, Faktor, Kraft. Somit wird der Begriff des „Elements“ in vielen Zusammenhängen benutzt. Gemeint sind hier natürlich die spirituellen Elemente, nicht zu verwechseln mit den chemischen Elementen des Periodensystems oder den auch als Elemente bezeichneten Naturgewalten.

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Die Beziehungen zwischen den vier Elementen des Empedokles und ihre Eigenschaften: Wasser = naß und kalt Luft = naß und heiß Feuer = heiß und trocken Erde = kalt und trocken

Es gibt unterschiedliche Auffassungen über die Anzahl der Elemente, entweder vier oder fünf. Die vier Elemente oder auch materiellen Elemente sind dabei in Altertum, Alchemie und Okkultismus durchweg die klassischen vier Elemente des Empedokles von Agrigent: Feuer, Wasser, Erde und Luft, jedoch mit sehr unterschiedlichen Deutungen. Später kommt als 5. Element der Geist, Äther oder Quintessenz (als separates Element) hinzu.

Magier und Hexen benutzen oft die Kräfte der klassischen vier magischen Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft. Für viele Magier, und auch für mich, existieren jedoch alle fünf Elemente. Während die ersten vier materieller Natur sind, so handelt es sich bei dem fünften Element um den Geist, welcher nichtmaterieller und spiritueller Natur ist und für die Essenz des Lebens steht.

In der Magie werden je nach Element der daraus kommenden Energie bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. Darüber hinaus hat jedes Element eine ihm zugesprochene korrespondierende Farbe, Gegenstände und eine Sinneswahrnehmung. Es gibt zwar je nach kulturellem Hintergrund leichte Abweichungen zur Farbsymbolik, jedoch gibt es folgende weitverbreitete Symbolik: Die Beziehungen zwischen den vier Elementen des Empedokles

Element:
Symbol:
Aktivität:
Gegensatz:
Farbe:
Gegenstände:
Sinn:
Erde
elemente
passiv
(weiblich)
Luft
Schwarz, Braun, Gelb, Olivgrün, Grün
Pentakel, Erdschale, Schild, Salz, Steine
Fühlen
Wasser
elementw
passiv
(weiblich)
Feuer
Grün, Blau-Grün, Indigo
Kelch, Kessel, Wasserschale, Besen
Schmecken
Luft
elementl
aktiv
(männlich)
Erde
Blau, Weiß
Dolch, Messer, Schwert, Räucherschale, Feder, Rauch
Riechen
Feuer
elementf
aktiv
(männlich)
Wasser
Rot, Gold, Orange, Weiß
Zauberstab, Stecken, Speer, Kerzen, Feuerschale
Sehen
Geist
elementg
beides
keines oder alle vier
Transparent, Weiß, Schwarz
Glocke, Gong, Kristallkugel, Magierspiegel, Feuerschale, Geistschale
Hören
Man kann diese Aufstellung noch um einiges mehr ergänzen, so werden auch bestimmte Bäume und Tiere, Düfte und Temperamente den Elementen zugeschrieben. Das führt jedoch zu weit. Obige Entsprechungen sind aber diejenigen, die am konstantesten überliefert sind.

Die Symbolik gibt den Charakter der Elemente wieder. Feuer und Luft wird mit dem Dreieck nach oben ihre aktive männliche Kraft zugesprochen. Sie sind leicht und schnell beweglich. Wasser und Erde haben dagegen ein Dreieck nach unten, das auf ihre passive weibliche Kraft verweist. Sie sind substantieller, schwer und langsamer. Die Elemente sind damit polar geordnet, allein der Geist, welcher die Quintessenz aller Elemente darstellt ist beides zugleich und nichts davon.

Jedes materielle Element hat einen Gegenpart, mit dem es sich sowohl ergänzt als auch bekämpft. Erde und Luft bilden Gegensätze, ebenso wie Feuer und Wasser. Der nichtmaterielle Gegenpart aller materiellen Elemente als Summe ist der Geist.

elemerd 2. Die Erde Das Element Erde
Ohne das Element Erde hätte man keinen Boden unter den Füßen, keine körperliche Substanz und auch keine Nahrung. Das Element Erde ist in Stein und Erde, Sand und Kristallen, aber auch in Metallen, Holz und Getreide. Es umfaßt alle natürlichen festen Stoffe. Die Erde trägt und ernährt das Leben. Die Erde schenkt dem Menschen Substanz, Halt, Schutz, Nahrung und den Tastsinn.

Das weibliche, passive Element Erde repräsentiert alles was mit Erde, Form und Wachstum zu tun hat. Die Erde steht für die Saat, das Wachstum, die Frucht, die Ernte, die Pflanzen, die Tiere, den Körper und die Materie. Sie steht für alles Feste und Beständige, aber auch für die langsame Umwandlung, denn alles was verfault und auf oder in der Erde liegt, zersetzt sich zu Erde und wird in etwas Neues umgewandelt.

Das Element Erde steht für alles Wachsende (Pflanzen und Tiere), für Gestein, Erze, Mineralien, Salze, Fossilien, fossile Brennstoffe und jede Art von Erde. Die Erde steht für Samen, Saat, Wachstum, Frucht und Ernte. Das kann man auch auf den Körper übertragen, für den ja das die Erde repräsentierende Pentakel mit seinem Pentagramm steht (wird bei den magischen Werkzeugen erklärt).

An Charaktereigenschaften steht das Element Erde für Zuverlässigkeit, Bodenständigkeit, sowohl Disziplin, Beschränkung auf das Notwendigste wie aber auch sinnlich-iridische Genüsse und alle irdischen Künste wie Malerei und Bildhauerei. Es steht für das Bewußtsein für den Körper, für Nahrung und Arbeit. Es kann auch für eine innere Erstarrung stehen.

Dem Element Erde besonders nahe ist man in Höhlen, Canyons, Wäldern, Tälern, Feldern, Gärten, Parks, Minen und Löchern.

elemwas 3. Das Wasser Das Element Wasser
Ohne das Wasser gibt es kein Leben, man würde austrocknen und verdursten und ohne Wasser als Träger für allerlei Stoffe gäbe es die meisten biochemischen Reaktionen nicht. Wasser ist wichtig für das Gedeihen, und dieses Element steht für alles, was feucht, kühl, fließend und formend ist. Das Wasser ist seit Anbeginn der Grundbaustoff des Lebens, welches im Meer entstand. Der Mensch beginnt sein Leben im Fruchtwasser. Über das Wasser sind alle Lebewesen miteinander verbunden. Alles Wasser ist in einem ständigen Kreislauf und wird durch die Erde gereinigt, durch das Feuer emporgehoben und kommt durch die Luft hernieder.

Wasser erschafft und kann aber auch zerstören. Es ist geschmeidig und sanft stark und gewaltig. Im Wasser liegt die Keimkraft aller Dinge, und es sorgt für Ernährung und Wachstum. Es ist weiblich, passiv, alles durchdringend, nährend und zerstörend, und es repräsentiert das Gefühl und das Unbewußte, Mut, aber auch Verzweiflung. Das Wasser schenkt dem Menschen belebenden Trank, Reinigung, Kühle und den Geschmackssinn.

An Charaktereigenschaften steht das Element Wasser für die Macht der Gefühle, der Sehnsucht nach Spiritualität, für die Tränen der Freude und der Trauer, für alle Wallungen der Körperflüssigkeiten, für die Phantasie und Kreativität, Einfühlungsvermögen, aber auch für die Macht der Illusionen, wenn die Sehnsüchte Dinge hoffen lassen, die einer Überprüfung des Verstandes nicht standhalten.

Wasser ist extrem flexibel, auf der einen Seite fließt der Bach um ein Hindernis herum, auf der anderen Seite schleift und poliert er das Hindernis solange, bis es verschwunden ist und er seinen natürlichen Lauf wieder einnehmen kann. Wasser reinigt alles, schwemmt alles weg, reißt alles mit. Es hat eine hohe gestalterische Kraft, es sucht sich seinen Weg durch die Landschaft, es schleift und formt alles, was auf seiner Bahn liegt. Es scheint Hindernisse zu umgehen, doch dadurch formt es das Hindernis um, bis es seinen natürlichen Lauf wiederhat.

Über das Wesen des Elements Wasser schrieb ein chinesischer Gelehrter im 11. Jahrhundert: „Von allen Elementen sollte der Weise sich das Wasser zum Lehrer wählen… Wasser erobert durch Nachgeben; es greift nie an, aber gewinnt immer die letzte Schlacht“.

Dem Element Wasser begegnet man an Seen, Quellen, Bächen, Flüssen, Stränden, Meeren, Dampfquellen oder Fontainen, aber auch bei Regen, Schnee oder Nebel.

elemluf 4. Die Luft Das Element Luft
Ohne Luft kann man nicht atmen und somit nicht leben. Sie umgibt einen ständig und überall. Sie ist unsichtbar und doch zu fühlen. Das Element Luft repräsentiert alles Leichte, Vergängliche, und Filigrane, aber auch die Klarheit. Sie steht für den Verstand und die Kommunikation, Wissen und Weisheit, eine Idee und auch Dogma, ist trennend und doch verbindend. Die Luft schenkt dem Menschen den Atem und den Geruchssinn.

Für das aktive, männliche Element Luft stehen die Wolken, der Wind und sein Pfeifen sowie alle Arten von Rauch und deren Quellen. Der aufsteigende Rauch einer Räucherung steht für das leichte, verspielte Element Luft. Er bildet immer wieder neue Formen und gleicht den Wolken am Himmel. Das Element Luft ist unsichtbar und flüchtig. Manchmal ist es still, manchmal ein sanftes Lüftchen, aber es kann als heftiger Sturm auch enorme Kräfte entwickeln und als Wirbelsturm ganze Ortschaften verwüsten.

Man kann den Kontakt zur Luft und ihren Kräften am besten an Orten finden an denen man die Eigenschaften des Luftelementes deutlich spüren kann. Das kann auf dem Gipfel eines baumlosen, windumspielten Hügels sein, auf einer Lichtung, auf der die Bäume nur licht wachsen, oder auf einer Wiese, die frei von jeglichen Hindernissen ist.

elemfeu 5. Das Feuer Das Element Feuer
Ohne Feuer wäre alles kalt und dunkel, und ohne sein Licht und seine Wärme wäre kein Leben möglich. Wer tief in eine Kerzenflamme blickt, wird sich bewußt, daß die Feuerenergie auch in ihm selbst ist, repräsentiert durch die eigene Antriebskraft, die Leidenschaft, den Willen, das Verlangen, die Intuition und auch durch die Körperwärme. Das Feuer schenkt dem Menschen seine Wärme, sein Licht und damit auch den Gesichtssinn.

Für das Feuer steht die Flamme, die Glut, der Blitz, die glühende Lava und die Sonne. Das Element Feuer repräsentiert alles, was scharf, heiß oder warm, brennend, trocken, leuchtend, strahlend, transformierend, inspirativ und auf eine ganz eigene Weise reinigend und erneuernd ist. Aus einer verbrannten Erde entsteht wieder neues Leben, mit seiner Hilfe wird geschmiedet. Es hat die Kraft zu zerstören, zu verändern und zu erschaffen. Tatsächlich gleicht auch nichts mehr einem lebenden Wesen als das Feuer. Es stirbt und nährt sich von selbst. Feuer hat eine starke Energie und verbrennt die Dinge.

Feuer ist Leben und Tod zugleich. Auf der einen Seite verzehrt es alles, doch andererseits sind es winzige Verbrennungsprozesse, die den Körper am Leben erhalten. Feuer steht für Energie, Kraft, Verbrennung, Hitze, Glut, Leidenschaft, aber auch für Vernichtung, Krieg und unkontrollierbare Kraft, denn ist es einmal entfacht, so ist es nur schwer im Zaum zu halten. Feuer ist ein aktives, männliches, schnellebiges, bewegliches Element.

An Fähigkeiten und Charaktereigenschaften steht das Element Feuer für Tatendrang, Machtdrang, Begeisterungsfähigkeit, Leidenschaft und für die Fähigkeit, für etwas innerlich zu brennen, verglühen oder auch vor Wut zu kochen.

Dem Element Feuer begegnet man am ehesten an Feuerstellen, Öfen, aber auch in Wüsten, an heißen Quellen und Vulkanen. Aber auch eine Kerze genügt oft schon, das Element Feuer zu symbolisieren.

Für die klassischen Magier ist es selbstverständlich, daß das Feuer ein Element ist. Bei den Kelten war das nicht so. Feuer war bei ihnen kein Element, sondern entstand durch die Transformation der drei anderen Elemente. Die Energie von Erde, Luft und Wasser manifestierte sich im Feuer und wurde darin umgewandelt. Ohne die drei Elemente wäre kein Feuer möglich und umgekehrt (drei Aggregatzustände fest, flüssig und gasförmig und dazu die transformatorische Kraft des Feuers, die den Wechsel zwischen diesen Aggregatzuständen erst ermöglicht).

Das war den Druiden genau bekannt, denn die Zahl Drei spielte im Denken der Kelten eine wichtige Rolle. Wenn ein fester Stoff brennt, wird er gasförmig, also wird Erde in Luft transformiert. Brennt ein gasförmiger Stoff, wird er entweder in einen anderen gasförmigen Soff umgewandelt, oder in eine Flüssigkeit, oder in einen festen Stoff. Brennt eine Flüssigkeit, wird sie ebenfalls gasförmig oder fest (Ruß).

Feuer bedeutet somit Transformation, und diese Bedeutung hat Feuer auch in der Magie beibehalten, obwohl es heute als eigenes Element angesehen wird. Bei Ritualen spielt das Feuer eine wichtige Rolle, denn es symbolisiert eine Transformation, und Ziel eines Rituals ist ja die Transformation der Realität.

elemgei 6. Der Geist Das Element Geist
Ohne den Geist, auch Äther, Akasha oder Quintessenz (Aristoteles nannte es „quinta essentia“, was auf Latein „fünfte Wesenheit“ bedeutet) genannt, wäre kein Leben möglich, denn der Geist ist die Essenz des Lebens selbst, der Lebensfunke, der in der eigentlich toten Materie der anderen Elemente das Lebendige ausmacht. Der Geist ist formlos, nichtmateriell und alles durchdringend. Der Geist schenkt dem Menschen alles Immaterielle, das ihn ausmacht, und den Gehörsinn.

Der Geist steht für Instinkt, Bewußtsein seiner selbst, Unterbewußtsein, Gefühle, Gedanken, Intuition, Wille, Wissen, Erkenntnis, Kreativität, Kunst, Musik und Klang. Das Element des Geistes ist die Energie, die alle anderen Energien verbindet. Erst durch ihn wird der Mensch zu einem lebendigen und vernunftbegabten Wesen (jedenfalls einige von ihnen). Der Geist ermöglicht auch erst den Zugang zur Magie.

Dieses Element ist männlich aktiv und weiblich passiv zugleich und auch wieder keins von alldem. Die Bezeichnung Äther meint nicht den chemischen Stoff sondern ein das Universum ausfüllendes, feinstoffliches Medium, eben der Geist (lateinisch „Spiritus“) und damit die Spiritualität. Das alchemistische Symbol des Elementes Geist ist das Hexagramm, die Quintessenz der Vereinigung von Feuer und Wasser, sozusagen als Summe der Dreieckssymbole. Der Geist ist das nichtmaterielle Gegenstück der Summe aller vier Elemente, die sich in ihrer Gesamtheit gegenseitig ins Nichtmaterielle aufheben. Alle vier materiellen Elemente bilden somit eine Einheit, die sich im Element Geist wiederspiegelt.

Dem Element Geist begegnet man an Orten großen Wissens, wie Universitäten oder Bibliotheken, dort wo Kunst zuhause ist und an Plätzen, die inspirierend wirken. Auch klärende Orte, wie Winter- oder Eislandschaften oder einfach mit frischer, sauberer Luft, lassen einen dieses Element fühlen.

Manchmal wird auch ein leerer Kreis oder das achtspeichige Rad als Symbol für den Geist benutzt, denn es symbolisiert auch die stille Mitte und kennt keinen Anfang und kein Ende.

7. Die Elemente im Pentagramm
mensch Die Symbolik des Pentagramms bezieht sich auf die fünf Elemente und erinnert gleichzeitig an die Form des menschlichen Körpers. Als Sinnbild für den Menschen selbst (Kopf, Arme und Beine jeweils in einem Ausläufer) spricht es sowohl den Gedanken der materiellen wie auch der immateriellen Kreativität an und lehrt, daß das letztere vor der ersteren zu geschehen hat, wenn etwas dabei herauskommen soll.

Darüber hinaus nennt es alle Dinge, die zur Erschaffung materieller Erscheinungsformen notwendig sind, nämlich die rationelle Kraft der Luft, die transformatorische Kraft Feuer, die Schöpferkraft des Wassers, die Tatkraft zur Materialisation der Erde und die bewußte Kraft des fünften Elements, dem Geist. Zugleich weist es aber auch auf das Gleichgewicht und den Gegensatz sowie das Zusammenwirken der fünf Elemente hin.

Jedem Ausläufer des Pentagramms ist ein Element zugeordnet. Da der Geist jedoch sprichwörtlich über die Materie gestellt wird, stellt sich die Frage, warum eben jenes fünfte Element ein äußerer Teil des Sterns ist und sich nicht in der Mitte befindet. Das liegt zum einen daran, daß „Geist über Materie“ ein sehr subjektiver Satz ist. In Wahrheit sind alle Elemente gleichwertig, denn nichts geht, wenn eines fehlt, dann ist auch kein Leben möglich.

Zum anderen entstammt das Pentagramm der mittelalterlichen europäischen Kultur, die mitnichten das Universum, sondern sich selbst als im Zentrum aller Dinge stehend zu sehen pflegte, und der Mensch – das Ich – ist das Zentrum und die Summe der fünf Elemente, aus denen er besteht. Auch ein Magier hat ein solches egozentrisches Weltbild, mit sich selbst im Zentrum seines individuellen Erfahrungsraumes.

Für die Anordnung der Elemente im Pentagramm gibt es verschiedene Auffassungen. Diejenige, der ich folge, ist folgendermaßen festgelegt und begründet. Zunächst einmal stellt man sich den Menschen im Pentagramm wie das eigene Spiegelbild oder den eigenen Schatten vor, wenn man vor seinem unteren Ende steht. Schließlich soll es den Magier ja selbst wiedergeben. Im Gegensatz zur berühmten Zeichnung des Menschen im Pentagramm, reflektiert es dadurch aber das Hinein, nicht das Hinaus. Der Mensch würde also bäuchlings auf einem Ritualpentagramm liegen, nicht auf dem Rücken wie bei der Zeichnung. Somit entspricht der rechte obere Zacken auch dem rechten Arm des Magiers und nicht dem linken.

Das Element Geist wird dem Kopf des Menschen zugeordnet und kommt an die Spitze. Es ist wichtig, aber nicht wichtiger oder höher gestellt als die anderen Elemente, auch wenn der Mensch es subjektiv so empfinden mag. Man unterteilt die Elemente ja in aktive und passive, wobei der Geist beides ist, denn er ist aktiv wenn man wach ist und passiv (aber nicht weniger eifrig) wenn man schläft. Die Anordnung der Elemente im Pentagramm
Nun liegt es nahe, die aktiven Elemente den Händen (Armen) zuzuordnen. Das Feuer entspringt dem Herzen und befindet sich daher links oben. Die Kraft der Luft ist die rechte Hand, die den der Luft zugeordneten Ritualdolch führt (Linkshänder haben trotzdem rechts die Luft) und dort befindet sich auch der größere der beiden Lungenflügel zum Atmen. Deshalb ist die Luft rechts oben anzusiedeln.

Die passiven Elemente sind materiell schwer und gehören auch aus anderen Gründen nach unten. Die Erde ist links unten, das Bein (meist das Sprungbein), das am meisten mit der Erde verbunden ist und den Magier „erdet“. Außerdem muß die Erde als gegenteiliges Element der Luft dieser gegenüber (genau gegenüber ist in einem Pentagramm ja nicht möglich) liegen und nicht nebenan. Bleibt für das Wasser noch der Platz rechts unten, dem Feuer als dessen opponierendes Element gegenüberliegend.

All diese Interaktionen bündeln ihre Energie und machen so die Einzigartigkeit des Pentagramms wie auch des Menschen aus. Die Linienführung des Pentagramms weist auf die Unendlichkeit hin, gleich des Zyklus von Tod und Wiedergeburt allen Seins. Dies drückt auch der Umschließende Kreis aus, der ein weiterer Ergänzungspart des Pentagramms ist. Alles zusammen stellt ein universelles Symbol dar.

Sowie der Kreis unendlich und neutral ist, trägt das Pentagramm immer eine nach oben (Stern) und eine nach unten (Fünfeck) weisende Spitze in sich. Der Schwerpunkt liegt zwar immer dort, wo die Sternspitze hinzeigt, aber durch das umgekehrte Fünfeck im inneren entsteht ein Zweig der Ausgleichung.

Eine nach oben weisende Spitze verstärkt den positiven Aspekt, nach unten betont sie den negativen Aspekt. Wegen all dem weist ein nach oben gestelltes Pentagramm einen enormen Schutzwert auf, vielleicht den Höchsten aller Symbole, denn das Pentagramm ist in jedem Menschen vorhanden und stellt dessen Essenz dar.

8. Die Himmelsrichtungen der Elemente
Den vier materiellen Elementen werden nach klassischer Tradition (sehr häufig in der zeremoniellen Magie und bei den Hexen so anzutreffen) die folgenden Himmelsrichtungen zugeordnet, nach denen man ihre Symbole oder Anrufungsrichtungen auch im Ritual anordnen kann:

Himmelsrichtungen der Elemente nach häufiger Tradition
Himmelsrichtungen der Elemente nach häufiger Tradition

Als Begründung für diese Aufteilung nimmt man den Sonnenlauf, beziehungsweise die Jahreszeiten. Der Morgen steht für die Luft, die Sonne geht im Osten auf, die Jahreszeit entspricht dem Frühling. Mittags ist die heißeste Zeit, die Sonne steht im Süden, der Sommer ist die wärmste Jahreszeit, Synonym für das Feuer. Der Abend oder Herbst ist das Wasser, die Sonne geht im Westen unter. Die kalte, dunkle Nacht und der Winter werden der Erde zugeschrieben.
Ich selbst folge dieser Tradition nicht, da ich sie zwar für romantisch und mythisch nachvollziehbar, aber auch für unlogisch halte. In jeder schematischen Darstellung der Elemente liegen die gegensätzlichen Elemente Feuer und Wasser sowie Erde und Luft einander gegenüber, beim klassischen Himmelsrichtungsmodell tun sie das aber nicht, sondern liegen nebeneinander, was in meinen Augen zu disharmonischen Konflikten der Gegensätze an den „Schnittstellen“ führt, wo sich die miteinander „verfeindeten“ Elemente gegenseitig bekämpfen. Damit wenden sie mehr Kraft gegeneinander auf, als sie für das Ritual freisetzen könnten, würde jeweils ein „befreundetes“ Element als „Puffer“ dazwischenliegen.

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Himmelsrichtungen der Elemente nach meiner Auffassung

Ich ordne die Elemente daher etwas anders an, Wasser und Erde tauschen die Plätze, und ich erkläre ihre Lage nicht nach Tages- oder Jahreszeit, sondern geographisch aus der Sicht Deutschlands. Im Süden, wo es warm ist, macht für mich das Feuer Sinn, dem gegenüber muß dann im Norden das Wasser liegen, wo sich ja auch tatsächlich das nächstgelegene große Wasser befindet, die Nord- und Ostsee. Auch die Luft im Osten anzusetzen, macht für mich Sinn, da auch der Wind zumeist aus dem Osten kommt. Bleibt für die Erde der gegenüberliegende Westen, wo ja auch tatsächlich bis zum Atlantik eine Menge Land (Frankreich und die iberische Halbinsel) kommt.
Natürlich kann man die Elemente auch noch ganz anders anordnen, denn wie so oft in der Magie gibt es hier keine festen Vorgaben. Was sich für den Magier als für ihn mythisch richtig und wahr anfühlt, das ist es auch, denn letztlich sind die Elemente ja nur eines von vielen Symbolen, welche das Unbewußte zur magischen Arbeit anregen sollen. Indem man sich die Kraft der Elemente mythisch erschließt, öffnet man sich in Wahrheit ja für die eigenen Kräfte aus dem Inneren.

9. Die Arbeit mit den Elementen
In der zeremoniellen Magie bedient man sich häufig der Kräfte und Energien der einzelnen Elemente. Jedes Element für sich hat eine eigene, ganz spezifische Prägung und wird aus diesem Grunde auch für ganz genau festgelegte Ziele verwendet. Das Spüren, Erfühlen und Unterscheiden der einzelnen Energien sollte einer der frühen Lernschritte auf dem Weg zum Magier sein. Der Intuitivmagier macht sich deren Energie und Kraft zunutze.

Natürlich sollte klar sein, daß es sich bei den Elementen auch wieder lediglich um Hilfen zur Imagination, Visualisierung und Fokussierung handelt und nicht wirklich um lebendige Kräfte oder gar Wesen. Aber die Elemente erzeugen eben ganz bestimmte Assoziationen im menschlichen Unterbewußtsein und können dort auch besondere, unterschiedliche Kräfte hervorrufen, und das macht die Vorstellung von Elementen für den Magier so wertvoll.

Elementare (Manifestierungen von Elementen) und Elementale (Elementargeister) sind selbstverständlich nicht wirklich real existente Elementarwesen, sondern bestehen nur aus Vorstellungskraft, der psychischen Energie des Magiers.

Ein Elemental ist per definitionem eine aus den eigenen psychischen Energien erschaffene Wesenheit, die auch nur für den Magier in seiner Vorstellung existent ist. Mit Hilfe der Elemente geschaffene Manifestationen aus deren Energie können so bezeichnet werden.

Manchmal auch als Elementargeister bezeichnet, nennt man die Elementale der Erde Gnomen, die des Wassers Undinen oder Nymphen, die der Luft Sylphen und die des Feuers Salamander. Es gibt keine eigenen Elementale des fünften Elementes Geist, weil dieses ja eine Kombination aller Elemente darstellt. Elementale werden traditionell als männlich oder weiblich eingestuft, haben aber keine Seele. Im Gegensatz zu den immateriellen Elementalen sind Elementare materielle Manifestationen, eben wie belebte Erde, Luft, Wasser oder Feuer. Wasserelementar
Allerdings können sich auch schädliche Einflüsse zu einer Art Elemental manifestieren, so zum Beispiel Inkubi und Sukkubi aus psychosexueller Energie oder Dämonen aus negativer oder pathologischer psychischer Energie. Vor solch unliebsamen „Wesenheiten“ schützt man sich mit verschiedenen Hilfsmitteln, wie zum Beispiel mit dem Schutzkreis, welcher der Psyche Sicherheit visualisiert.

Streng genommen sind solche „Wesen“ nur als Symbole in der psychischen Welt existent und nicht real – das kann nicht oft genug betont werden. Sie werden vom Bewußtsein (ein-)gebildet und sind insofern natürlich auch sterblich, denn sie verschwinden, wenn das Unterbewußtsein nicht mehr an sie denkt und glaubt – was aber bei psychischer Labilität manchmal gar nicht so einfach zu realisieren ist.

„Wer sie nicht kennte,
die Elemente,
ihre Kraft
und Eigenschaft,
wäre kein Meister
über die Geister.“
(Aus „Faust“, Johann Wolfgang von Goethe)

altar

Die magischen Werkzeuge

· 1. Allgemeines
· 1.1. Was sind magische Werkzeuge?
· 1.2. Welche Werkzeuge braucht man?
· 1.3. Wie bekommt man all diese Dinge?
· 1.4. Wie funktionieren magische Werkzeuge?
· 1.5. Die richtigen Ritualgegenstände
· 1.6. Das richtige Verhältnis zu seinen Werkzeugen
· 1.7. Umgang und Aufbewahrung
· 1.8. Magische Werkzeuge nur für magische Zwecke?
· 1.9. Sicherheitsüberlegungen

· 2. Die Werkzeuge der Elemente
· 2.1. Die Werkzeuge der Erde
· 2.1.1. Das Pentakel (kleines Werkzeug)
· 2.1.2. Die Schale (großes Werkzeug)
· 2.1.3. Die Erdschale (zusätzliches Werkzeug)
· 2.1.4. Der Schild (zusätzliches Werkzeug)
· 2.1.5. Die Weihe der Erde
· 2.2. Die Werkzeuge der Luft
· 2.2.1. Der Ritualdolch (kleines Werkzeug)
· 2.2.2. Das Ritualmesser (kleines Werkzeug)
· 2.2.3. Das Schwert (großes Werkzeug)
· 2.2.4. Die Räucherschale (zusätzliches Werkzeug)
· 2.2.5. Die Weihe der Luft
· 2.3. Die Werkzeuge des Wassers
· 2.3.1. Der Kelch (kleines Werkzeug)
· 2.3.2. Der Kessel (großes Werkzeug)
· 2.3.3. Die Wasserschale (großes Werkzeug)
· 2.3.4. Der Besen (zusätzliches Werkzeug)
· 2.3.5. Die Weihe des Wassers
· 2.4. Die Werkzeuge des Feuers
· 2.4.1. Der Zauberstab (kleines Werkzeug)
· 2.4.2. Der Stecken (großes Werkzeug)
· 2.4.3. Der Speer (großes Werkzeug)
· 2.4.4. Die Feuerschale (zusätzliches Werkzeug)
· 2.4.5. Die Weihe des Feuers
· 2.5. Die Werkzeuge des Geistes
· 2.5.1. Die Glocke (kleines Werkzeug)
· 2.5.2. Die Kristallkugel (kleines Werkzeug)
· 2.5.3. Der Magierspiegel (kleines Werkzeug)
· 2.5.4. Die Feuerschale (großes Werkzeug)
· 2.5.5. Die Geistschale (großes Werkzeug)
· 2.5.6. Die Weihe des Geistes
· 2.6. Das Ätzen von Werkzeugen
· 2.7. Die Entladung oder Zerstörung eines Werkzeugs · 3. Die Symbole
· 3.1. Der Kreis
· 3.2. Das Pentagramm
· 3.2.1. Die Geschichte des Pentagramms
· 3.2.2. Die Bedeutung des Pentagramms
· 3.2.3. Richtigstellung für das Pentagramm
· 3.3. Das Hexagramm
· 3.4. Das Dreieck
· 3.5. Das persönliche Schutzsymbol
· 3.6. Symbole interpretieren oder erschaffen
· 3.7. Die Arbeit mit Symbolen

· 4. Farben, Licht und Feuer
· 4.1. Die Farben
· 4.2. Das Licht
· 4.3. Das Feuer
· 4.4. Das Flammenfärben
· 4.5. Die Kerzen
· 4.5.1. Zweck und Verwendung
· 4.5.2. Die Art der Kerzen
· 4.5.3. Das Reinigen einer Kerze
· 4.5.4. Das Salben einer Kerze
· 4.5.5. Der Kerzenhalter
· 4.5.6. Grablichte zu Ahnenritualen
· 4.5.7. Kerzenfarben
· 4.5.8. Das Löschen der Kerzen
· 4.5.9. Kerzen selbst herstellen

· 5. Der Altar

· 6. Rituelle Kleidung

· 7. Sonstige Gegenstände
· 7.1. Symbolische Gegenstände
· 7.2. Gebrauchsgegenstände
· 7.3. Das magische Tagebuch

· 8. Verbrauchsmaterialien
· 8.1. Kräuter
· 8.2. Duftstoffe
· 8.2.1. Räucherwerk
· 8.2.2. Ätherische Öle
· 8.3. Opfergaben

· 9. Divinatorische Werkzeuge
· 9.1. Das Pendel
· 9.2. Die Kristallkugel
· 9.3. Der magische Spiegel

1. Allgemeines

1.1. Was sind magische Werkzeuge?
Ritualgegenstände oder magische Werkzeuge (Paraphernalien) sind Hilfsmittel, die bei magischen Zeremonien und Ritualen verwendet werden können. Sie dienen dazu, als Analogien für bestimmte Kräfte die Sinne des Magiers anzuregen, beziehungsweise seinen Willen und sein Tun symbolisch zu unterstreichen. Mit ihrer Hilfe sammelt der Magier Kraft, lenkt oder verwandelt diese, schützt sich, symbolisiert und visualisiert bestimmte Dinge, damit er sich besser konzentrieren kann und auch über die Symbolsprache seinem eigenen Unterbewußtsein seine Absicht vermitteln kann. Somit wird der Erfolg des Rituals leichter erreicht.

In der Ritualmagie bedient man sich unzähliger Hilfsmittel und Werkzeuge, die alle ein Ziel verfolgen, nämlich die Bündelung der Aufmerksamkeit und der Kraft des Magiers, durch die er wirken kann. Um diese Gegenstände haben sich schon im Altertum bestimmte Bräuche entwickelt, und viele sind als Tradition in der Magie noch heute erhalten geblieben. Diese Traditionen sollen als Anregungen dafür dienen, was man benutzen kann und wie, aber letztlich muß jeder für sich entscheiden ob er etwas davon für sich übernehmen möchte.

1.2. Welche Werkzeuge braucht man?
Um ein Ritual durchzuführen, braucht man im Grunde keine besonderen Gegenstände, bis natürlich auf diejenigen, die schon aus rein praktischen Gründen nötig sind. Die weiter unten aufgeführten Gegenstände sind deshalb auch nur Anregungen und kein Muß. Wirklich erforderlich sind sie für die magische Arbeit nicht, denn sie sind nur eine Garnitur, die das Ritual stimmungsvoller machen, und sie erleichtern die Arbeit durch ihren Symbolismus.

Man kommt auch ohne magische Werkzeuge aus, beziehungsweise benötigt nicht alle. Ein wirkliches Brauchen im Sinne von „ohne geht es nicht“ gibt es nicht. Ein geübter Magier kann auch völlig ohne Hilfsmittel nur mit seinem Geist Magie wirken. Werkzeuge können die magische Arbeit aber eben sehr erleichtern, und auch gerade dem Anfänger sind durch zumindest einige Werkzeuge erleichterte Techniken zu empfehlen. Auch hier entscheidet wieder allein das Gefühl des Magiers darüber, was er benutzen möchte und wofür und was nicht.

Es ist immer wieder wichtig zu betonen, daß es hinsichtlich Werkzeugen, Symbolen und Ritualen keine Vorgaben geben darf. All diese Dinge stellen lediglich ein Gerüst dar, das der Magier selber zum Leben erwecken muß, denn es ist sein individueller Weg, um sich der Magie und ihren Kräften nähern und von ihnen zu lernen.

Man sollte sich immer vor Augen halten, daß der stetige Gebrauch von Werkzeugen auch eine Gefahr in sich birgt. Erleichtern sie dem Anfänger den Einstieg in die Magie und sind sie hilfreiches Beiwerk für den Fortgeschrittenen, so können sie später aber auch zu Blockaden führen, welche eigentlich völlig unnötig sind, aber die Weiterentwicklung des Magiers hemmen. Gewöhnt man sich zu sehr an Werkzeuge und legt innerlich genaue Regeln für ihren Gebrauch fest, so fällt es später schwer, ohne Werkzeuge auszukommen oder sich von diesen Regeln wieder zu lösen, wenn man darüber hinaus möchte. Je mehr man etwas „verinnerlicht“, desto schwerer ist das Unterbewußtsein später wieder davon abzubringen.

Man sollte sich also stets bewußt machen, daß magische Werkzeuge eben nur Hilfsmittel und Symbole sind, die man nicht unbedingt braucht, und auf die man des öfteren auch bewußt verzichten sollte, damit man „verinnerlicht“, daß es eben auch ohne geht. Später wird man nämlich fast gänzlich auf sie verzichten, weil man seine Kräfte auch so zu beherrschen gelernt hat, und sie nur zu „besonderen Gelegenheiten“ hervorholen. Wenn der Schritt dorthin nicht gelingt, bleibt man in seiner magischen Entwicklung stehen und kommt nicht oder nur schwerlich weiter.

Frühere Magier entwickelten eigene Sprüche, Gebete, Zeichen und Symbole zu den verschiedenen Naturkräften, um diese dadurch zu kontaktieren und zu beherrschen. Viele davon wurden von späteren Magiern übernommen, weiterentwickelt, verändert oder verfälscht, so daß heute eine verwirrende Vielfalt verschiedenster Symbole und Rituale existiert, und jeder ihrer Vertreter behauptet, seine seien die einzig richtigen. Das ist alles Quatsch! Die Magie ist ein individueller Erfahrungsweg, auf dem jeder seine eigenen Bilder und Formeln entwickeln muß. Gleiches gilt für die Werkzeuge, die ja ebenfalls nur Symbole sind.

Seit der Antike sind bestimmte symbolische Gegenstände bei Ritualen in Gebrauch, und aus ihrer rituellen Benutzug hat sich eine Tradition entwickelt. Ob man dieser Tradition folgt, weil man Verbundenheit mit seinen Ahnen ausdrücken möchte oder diese Gegenstände eben traditionell gebräuchlich sind oder weil ihre Symbolik einfach nur gut auf die Psyche wirkt, und diese Gegenstände vollständig oder teilweise benutzt oder auch nur als schmückende Ausstattung beifügt oder sie wegläßt, sei ganz dem persönlichen Geschmack des Magiers vorbehalten.

Falls man im Verlauf des Rituals mit den Elementen arbeiten und ihre Kräfte „anrufen“ möchte, so scheint es sinnvoll, für jedes einen entsprechenden (symbolischen) Ritualgegenstand zu wählen, in welchem sich die jeweilige Elementarkraft „manifestieren“ kann. Man kann aber auch ein Sammelsurium verschiedener Dinge oder auch gar keinen Gegenstand benutzen, ganz wie man möchte.

Was in der zeremoniellen Magie mit streng vorgeschriebenen Ritualen eigentlich als Pflicht angesehen wird, ist in der individuellen Magie nicht unbedingt erforderlich. Jeder sollte für sich selbst entscheiden ob er magisches Werkzeug verwenden möchte und auch welches. Es muß auch nicht unbedingt das traditionell vorgeschriebene Werkzeug sein. Wer zum Beispiel keinen Dolch besitzt oder verwenden möchte, kann das Element Luft auch ebensogut durch eine hübsche Feder oder ähnliches versinnbildlichen. Es kommt einzig und allein auf die Verbundenheit des Magiers zu seinem Werkzeug an und nicht auf die Beschaffenheit des Werkzeugs.

Die Esoterikwelle hat es mit sich gebracht, daß viele Menschen sich teilweise unnützen „magischen“ Krempel besorgen und sammeln. Das mag in einer gewissen Sammlerleidenschaft begründet liegen oder auch in einer gewissen Unzufriedenheit mit sich selbst und/oder der Umwelt. Zu Kompensationszwecken wird dann der eine oder andere „magische Gegenstand“ besorgt, welcher dann hilft oder aber auch nicht. Aber nicht der Gegenstand selbst ist wichtig, sondern die Art und Tiefe der Affinität zu ihm und was man damit tut, sonst nutzt er gar nichts.

In der zeremoniellen und individuellen Magie sind alle Dinge, welche der Magier für seine Arbeit benutzt, heilig beziehungsweise magisch geweiht (konsekriert). Diese Werkzeuge machen die magische Arbeit einfacher, als wenn man alles seiner Imaginationsfähigkeit anvertrauen muß. Es macht zwar mehr Sinn, sich selbst zu entwickeln und möglichst mit leeren Händen zu arbeiten, aber das beste Symbol für einen Dolch ist nun mal ein Dolch.

Es gilt also, einen goldenen Mittelweg zu finden, zwischen gar keinen Werkzeugen und übertriebener Sammlerwut und Paraphernalienfetischismus. Magische Werkzeuge machen zwar das Leben leichter, aber nur noch mit Gegenständen zu arbeiten läßt die eigenen Fähigkeiten verkümmern und bewirkt eine schleichende Abhängigkeit, die eigentlich nicht notwendig wäre. Wichtig ist, die Gegenstände als reine dienende Hilfsmittel zu sehen und nicht sich selbst als Diener dieser Gegenstände.

1.3. Wie bekommt man all diese Dinge?
Zu den ersten Aufgaben des Magiers gehört es, in den Besitz dieser Werkzeuge zu gelangen, indem er sich diese anfertigt oder sie auf den Wegen des „Zu-Falls“ von selbst zu ihm kommen. Magische Werkzeuge können also selbst hergestellt, gekauft, in Auftrag gegeben, geschenkt oder gefunden werden.

Im Idealfall sollte sich der Magier alle Ritualgegenstände selbst anfertigen, denn dadurch bekommt er zu ihnen eine starke persönliche Bindung, doch ist das nicht immer ohne weiteres durchführbar (zum Beispiel das Schmieden eines Dolches oder gar eines Schwertes). Deshalb wird oft mit fertigen oder halbfertigen Produkten gearbeitet. Häufig werden dese dann aber vom Magier selbst noch verziert, was die Bindung intensiviert.

Unter Hexen gibt es die Tradition, daß man beim Kauf eines solchen Werkzeugs nie um den Preis feilschen darf, sondern den ausgewiesenen Preis als Opfer für den Gegenstand oder für die Götter, sofern man welche verehrt, und dafür daß der Gegenstand zu einem gefunden hat, akzeptieren muß. Dem kann man folgen oder es (wie ich) als Erfindung überteuerter Esoterikläden abtun und ignorieren, das ist eine Sache der persönlichen Überzeugung. Ich finde jedoch, daß wenn die Lebensumstände einen eher behutsamen und wohlüberlegten Umgang mit Geld verlangen, sollte die Tradition dem gesundem Menschenverstand weichen.

1.4. Wie funktionieren magische Werkzeuge?
Es ist darauf hinzuweisen, daß sämtliche rituellen Gegenstände lediglich als Werkzeuge und Symbole dienen. Es sind keine von sich aus „magischen“ Gegenstände, die wirklich notwendig für die Durchführung eines Rituals sind.

Sie werden erst durch den Willen des Magiers „magisch“ oder „heilig“ und unterstützen ihn durch ihren Symbolcharakter bei seiner Arbeit, nicht mehr. Trotzdem können sie sehr wichtig sein, um Energien zu lenken oder um in ihrer symbolischen Funktion auf den Magier oder den Empfänger des Zaubers zu wirken, denn sie helfen psychologisch bei der Bewußtseinsveränderung. Magische Werkzeuge und Symbole erfüllen ihre Funktion deshalb nur für denjenigen, der bereits im voraus imstande ist, sich aus eigener Kraft in einen anderen Bewußtseinszustand zu begeben.

Magische Werkzeuge stellen Analogien dar. Das bedeutet, daß ihre Verwendung im Ritual bestimmte, ihnen zugeordnete Kräfte aus dem Unterbewußtsein auf den Plan ruft. Außerdem sind sie gerade für den Anfänger sehr hilfreich, um Kontakt zu den Elementarkräften herzustellen. Auch kann er mit ihrer Hilfe lernen, mit den ihnen entsprechenden Energien umzugehen. Letztlich dienen sie alle nur zur Anregung der eigenen Psyche.

Das Geheimnis von magischen Werkzeugen ist, daß man sie bewußt und mit voller Absicht verwendet, und daß man sozusagen ein entschiedenes Signal gibt, wenn man ein Werkzeug einsetzt. Es einfach nur zum Vollmond hochzuhalten und mystische Texte zu murmeln genügt nicht, weil nicht die Handlung eine Veränderung bewirkt, sondern die innere Einstellung dazu. Es kommt darauf an, an wen dieses Signal gerichtet ist. Dies hängt von der persönlichen Sicht der Dinge ab. Für den einen geht die Botschaft direkt zu den Göttern, für den anderen vielleicht eher in Richtung Unterbewußtsein – es ist gleich, solange es funktioniert.

Magische Werkzeuge werden vom Magier vor einem Ritual rituell gereinigt (Purifikation) und ihrem Zweck oder einer bestimmten Energieform geweiht (Konsekration) oder gesegnet (wenn es bereits geweiht ist). Diese Weihe genannte Widmung erzeugt im Unterbewußtsein des Magiers die Überzeugung, daß das Werkzeug für seine Aufgabe „bereit“ ist, und das löst wiederum Blockaden des Magiers und erleichtert ihm den Umgang mit den entsprechenden Kräften.

Bei jedem Mal, in dem Energie durch das Werkzeug fließt beziehungsweise von diesem gelenkt wird, verbleibt ein geringer Teil der Energie in ihm. So lädt es sich im Laufe der Zeit immer mehr mit Energie auf (das ist symbolisch gemeint, denn eigentlich wird bloß die Affinität des Magiers zu seinem Werkzeug immer mehr gesteigert, aber die Energiemetapher ist anschaulicher für das Unterbewußte) und wird somit immer wirksamer, oder besser gesagt, sein Besitzer kann einen immer größeren Nutzen aus ihm zu ziehen, denn der Gegenstand alleine vermag zunächst einmal gar nichts.

Viele Magier verzichten im Verlauf ihrer Karriere auf das eine oder andere Werkzeug, weil sie die Energien zwischenzeitlich aus eigener Kraft rufen und ohne Vermittler durch ihren Körper leiten können, doch für den Anfänger ist die Arbeit mit den Werkzeugen hilfreich, um deren Natur und die Natur dessen, was sie verkörpern, verstehen zu lernen.

1.5. Die richtigen Ritualgegenstände
Es ist vollkommen unterschiedlich, mit welchen rituellen Gegenständen in verschiedenen Traditionen gearbeitet wird. Die meisten Magier besitzen den einen oder anderen Gegenstand, der für sie einen „magischen“ Wert hat.

Die Auswahl des ritualspezifischen Zubehörs richtet sich nach den persönlichen Vorlieben und Assoziationen des Magiers. Der Magier sollte stets nur mit Ritualgegenständen arbeiten, die ihm gefallen und in deren Gegenwart er sich wohlfühlt. Deshalb muß er andere Gegenstände, die sich zwar in seinem Besitz befinden, ihn aber momentan nicht ansprechen, nicht gleich fortwerfen. Sie können Aufgaben symbolisieren, die zu einem späteren Zeitpunkt seines Lebens aktuell werden, und dann wird er sie vielleicht mit ganz neuen Augen sehen.

Wichtig ist nur, daß er Freude an jenen Gegenständen hat, mit denen er jetzt gerade arbeitet, daß sein Kelch ihn mit Stolz erfüllt, wenn er ihn emporhebt und daß er seinen Dolch schön findet, wenn die Klinge im Kerzenlicht schimmert. Denn diese Gegenstände sind für den Magier nicht nur magisch, sie sind heilig zugleich. Diese Dinge sollten immer etwas ganz Besonderes im Leben des Magiers sein.

Was auch immer der Magier im einzelnen mit seinen Werkzeugen im Ritual anstellt, sei seiner Kreativität und Intuition überlassen, aber er darf niemals vergessen, daß diese Gegenstände von dem Augenblick an, in dem er sie dem Alltag enthebt und durch die Weihe zu rituellen Gegenständen macht, wahrhaftig heilig sind. Der Magier sollte sie lieben – und auf diese Weise durch sie das, was sie repräsentieren. Der Sinn dessen ist ebenfalls wieder die Steigerung der Affinität, damit das Unterbewußtsein ohne Störung über den Gegenstand als Symbol wirken kann.

1.6. Das richtige Verhältnis zu seinen Werkzeugen
Der Begriff „Werkzeug“ deutet bereits das Verhältnis an, welches zwischen dem magisch Arbeitenden und seinen Hilfsmitteln bestehen sollte. Der Magier beherrscht, lenkt und führt das Werkzeug und nicht umgekehrt. Das klingt zwar zunächst selbstverständlich, erhält aber spätestens dann einen tieferen Sinn, wenn man sich vergegenwärtigt, welche Kräfte von diesen Hilfsmitteln repräsentiert werden. Und da gibt es Menschen, die ihren Verstand nicht benutzen, sondern sich von ihm tyrannisieren lassen.

Es ist manchmal sehr amüsant, welch ein Aufhebens unter Magiern um die magischen Werkzeuge gemacht wird, die oftmals zu den reinsten Statussymbolen zu verkommen scheinen. Hinter der Debatte, wer den raffiniertesten Dolch und den am feinsten ziselierten Kelch besitzt, tritt die Frage nach der Bedeutung dieser Gegenstände nun doch etwas in den Hintergrund. Dies ist jedoch sehr kleingeistig und eines wahren Magiers nicht würdig.

Es ist nicht nur von Bedeutung, zu wissen, was man mit einem bestimmten magischen Werkzeug innerhalb eines Rituals tut, sondern auch, was es bewirkt, warum es gerade für dieses und kein anderes Element steht und welche Analogien man in dem Moment heraufbeschwört, in dem man es in die Hand nimmt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein sehr einfach oder sehr edel gearbeitetes Werkzeug handelt. Allein das Maß der Affinität seines Besitzers zu diesem Gegenstand ist auch das Maß seiner Macht, denn seine wahre Macht erhält der Gegenstand ja nur aus dem Inneren seines Besitzers.

Es ist deshalb nicht nötig, sich mit aufwendigen und teuren Requisiten einzudecken. Natürlich erfreut man sich an einem schön und edel gearbeiteten Gegenstand, aber das ist persönlicher Geschmack und kein Maß für die Wirksamkeit. Materie soll zwar erfreuen, aber letztlich kommt nur darauf an, was man an Energie hineinlegt.

Ferner ist es unsinnig, zwischen Preis und Wert für die Magie einen Zusammenhang zu sehen. Wenn zum Beispiel Kerzen aus duftendem, natürlichem Bienenwachs nach eigenem Ermessen zu teuer sind, dann nimmt man eben Teelichte, denn die tun es genauso gut, weil es nur auf das Feuer ankommt, nicht unbedingt auf die Kerze selbst. Jeder muß selbst entscheiden, auf was er dabei Wert legt und wieviel Luxus er sich gönnen möchte.

Jedem erfahrenen Magier ist klar, daß alle magischen Gegenstände nur Hilfsmittel sind, welche die Imagination unterstützen und ohne die zu arbeiten eigentlich vorzuziehen wäre. Doch das ist nicht so leicht, denn nur der Fortgeschrittene beherrscht die „Techniken der leeren Hand“ wirklich. Und selbst dieser wird sein magisches Zubehör pflegen, in Ordnung halten und erweitern, obwohl er seiner eigentlich nicht mehr bedarf, um sich stets an seine eigene Fehlbarkeit zu erinnern, um sich schwierige Operationen zu erleichtern und um sicherzugehen, daß wenigstens die materiellen magischen „Batterien“ noch vorhanden sind, sollte er einmal mental aus irgendeinem Grund versagen und seine Kraft verlieren.

Man sollte nicht vergessen, daß magisch geladene Werkzeuge, Talismane und Amulette Teile des Magiers selbst sind. Man behandelt sie entsprechend, als wären sie zugleich Teile des eigenen Körpers (magisch gesehen sind sie auch tatsächlich Teil des Energiekörpers), und trägt dafür Sorge, daß man selbst die Gewalt über sie behält.

1.7. Umgang und Aufbewahrung
Bezüglich der Handhabung magischer Werkzeuge trifft man auf unterschiedliche Anschauungen. Weit verbreitet ist der Brauch, sie außerhalb des Rituals an einem altarähnlichen Platz irgendwo zu Hause möglichst dekorativ anzuordnen. Dadurch verbreiten sie ihre Eigenschaften und Energien dann ständig und erinnern einen daran, daß man auch dann ein Magier ist, wenn man gerade kein Ritual vollzieht.

Allerdings verkommen sie auf diese Weise leicht zu Statussymbolen. Außerdem muß man ja nicht jedem Besucher durch diese Ausstellung gleich auf die Nase binden, daß man Magier ist. Wenn man eine starke Bindung zu seinen Werkzeugen hat, nehmen sie es auch nicht übel, einfach nur in einer Schublade oder Kiste aufbewahrt zu werden. Deshalb verzichte ich persönlich auf solch einen Schau-Altar.

Allerdings ist es allgemein üblich, magische Werkzeuge mit großer Sorgfalt zu behandeln, und im Zuge dessen lassen viele Magier niemand anderen ohne ausdrückliche Erlaubnis an sie heran. Der schnellste Weg, nie wieder von einem Magier eingeladen zu werden, besteht darin, unmittelbar nach dem Betreten seiner Wohnung auf seinen Altar zuzustürmen, den Kelch zu grabschen und ihn ausgiebig zu bewundern.

Der wahre Magier wird lediglich mit maximal bedeutungsvollem Lächeln kurz auf die Altaranordnung eines Kollegen blicken und dann sofort ein von der Magie möglichst weit entferntes Thema anschneiden. Dann weiß jeder sofort, daß ein magisches Werkzeug für einen dasselbe ist wie die eigene Zahnbürste, genauso intim – und genauso vertraut und normal.

1.8. Magische Werkzeuge nur für magische Zwecke?
Es gibt zwei unterschiedliche Auffassungen zu dieser Frage. Die eine schreibt vor, daß für magische Zwecke verwendete Werkzeuge ausschließlich zu diesem Zweck benutzt, ja nicht einmal von einem anderen Menschen angefaßt werden dürfen, da sie sonst durch Fremdenergien verunreinigt oder entweiht würden und nicht mehr funktionieren. Manche Magier sind sogar der Meinung, daß kein anderer ihren Altar berühren sollte, da er ihre Persönlichkeit und ihr Unterbewußtsein symbolisiert.

Die andere Auffassung geht ganz pragmatisch davon aus, daß Gegenstände, die auch für andere Zwecke benutzt werden können, diesen ruhig dienlich sein dürfen, denn dazu sind sie schließlich gemacht worden. Zur magischen Arbeit sollten ohnehin alle Werkzeuge jedes Mal neu gereinigt und geweiht (beziehungsweise kurz gesegnet, wenn sie bereits geweiht sind) werden, und wenn dies auch nur durch eine kurze Visualisierung und festen Willen geschieht.

Es gibt auch Mischformen, so zum Beispiel verwenden einige Magier ihren Dolch für alles mögliche, den Kelch hingegen strikt und absolut nur zum rituellen Gebrauch.

Welcher Auffassung man folgt, ist eine Frage der persönlichen Einstellung, und jeder sollte selbst erspüren, wann und wozu er seine Werkzeuge einsetzen kann und wann und wozu nicht. Ich verwende meinen Altar als Spieltisch für Rollenspiele und als Kaffeetisch, mein Schwert im Schaukampf, ich esse und schnitze mit meinem Ritualmesser, und ich habe auch kein Problem damit, wenn ein anderer meinen Mittelalter-Dolch benutzt, der zugleich auch mein Ritualdolch ist. Meinen Kelch verwende ich nur für Rituale, jedoch lediglich aus dem Grund, daß er versilbert ist und zum normalen Trinken einfach unbequem schwer zu halten und auch umständlich zu Reinigen ist. Mein Pentakel dient allein magischen Zwecken, weil ich sonst keine andere Verwendung dafür wüßte.

Ich für meinen Teil habe jedenfalls noch keinen Unterschied in der magischen Funktion meiner rein zu magischen Zwecken bestimmten Gegenstände und auch zu anderen Dingen benutzten Werkzeugen festgestellt. Es mag jeder betrachten, wie er möchte, für mich ist die persönliche Beziehung zu einem Gegenstand für die magische Arbeit entscheidender als ihn wie eine heilige Reliquie zu behandeln.

Eine persönliche Beziehung baut sich nach meiner Auffassung sogar eher und stärker auf, wenn man den Gegenstand ganz einfach oft in der Hand hält, betrachtet und benutzt, auch zu ganz profanen und alltäglichen Zwecken, die nichts mit Magie zu tun haben. Der Gegenstand wird dadurch zu einem Teil von einem selbst, zu einer Verlängerung der eigenen Hand, und nichts anderes ist er doch auch im Ritual, wo er durch seinen Symbolwert die eigenen Kräfte unterstützen soll. Dann wird auch kein Fremdeinfluß das Band zwischen dem Magier und seinem Werkzeug zerstören können.

Allein der Wille des Magiers ist es, der dem Gegenstand seine Funktion verleiht. Mit diesem Willen reinige und weihe oder segne ich den Gegenstand vor dem Ritual für seinen Zweck – ganz egal, was vorher damit geschehen ist. Mein Wille gibt ihm seine Bedeutung, seinen Symbolismus, seine Funktion und seine Macht. Wenn der Wille stark ist, dann kann ich ein Ritual sogar mit einem alten, rostigen Suppenlöffel anstelle eines Ritualdolches durchführen, und es wird trotzdem funktionieren. Es kommt nicht darauf an, was das Werkzeug ist, sondern darauf, was der Magier will, das es ist.

Das einzige Tabu ist es, die Werkzeuge eines anderen Magiers ohne dessen vorherige Erlaubnis anzufassen oder gar zu benutzen, egal ob zu magischen oder weltlichen Zwecken, wenn man nicht weiß, welcher Auffassung er bezüglich seinen Gegenständen folgt. Es ist ein Gebot der kollegialen Höflichkeit unter Magiekundigen, dies zu respektieren und um Erlaubnis zu fragen.

1.9. Sicherheitsüberlegungen
Wer Ritualgegenstände im Freien benutzt, der sollte darauf achten, daß nichts aus Glas, Porzellan oder Ton ist. Es kann immer mal etwas umstürzen und zu Bruch gehen, und Scherben sind eine Gefahr für Tiere und Menschen, Glasscherben im Sommer zusätzlich durch die Brennglaswirkung eine Brandgefahr. Außerdem kann man sich auch selbst daran schneiden, und in Wald und Feld gibt es nur selten Hilfe. Also sollte man solche Glasgegenstände lieber nicht mitnehmen. Es ist übrigens auch nie verkehrt, einen Erste-Hilfe-Kasten bei sich zu haben, wenn man ins Gelände geht. Und auch ein (für das Ritual ausgeschaltetes) Mobiltelefon ist im Notfall eine große Hilfe.

Selbstverständlich ist auch die Feuersicherheit sehr wichtig, vor allem dann, wenn mit offenem Feuer gearbeitet wird, was bei vielen Ritualen der Fall ist. Unter Umständen von Brandgefahr sollte man auf ein Feuer besser verzichten. Einige Sicherheitstips werden bei den Beschreibungen der entsprechenden Werkzeugen bereits gegeben. Ansonsten kann ich jedem Magier nur empfehlen, das zu benutzen, auf das er eigentlich am meisten stolz ist: seinen Verstand!

2. Die Werkzeuge der Elemente
Die magischen Werkzeuge der Elemente sind Symbole für die Energien dieser Elemente. Speziell für die Arbeit mit den Elementarkräften (beziehungsweise mit den durch die Analogien mit den Elementen im Unterbewußtsein hervorgerufenen psychischen Kräften) gibt es eine sehr lange und recht einheitliche Tradition darüber, welche Gegenstände als Werkzeuge der Elemente dienen. Prinzipiell kann man jedes Hilfsmittel, welches an ein bestimmtes Element erinnert, auch als Sinnbild desselben verwenden, aber man kann ebenso auch der Tradition seiner Ahnen folgen.

In vielen Traditionen spricht man vom großen und kleinen Werkzeug jedes Elements. Dementsprechend sieht auch die Aufgabenverteilung aus. Das kleine Werkzeug wird eher für persönliche oder kleinere Arbeiten verwendet, während das große Werkzeug immer dann Einsatz hat, wenn es um die ganze Gruppe oder sehr bedeutende Aktionen geht, denn es ist raumgreifender und benötigt auch mehr Platz. Natürlich kann die Aufgabe des einen auch immer vom anderen getan werden. Ihre unterschiedliche Größe hat rein symbolischen Charakter und ist kein Maß für ihre Wirksamkeit.

Häufig gibt es auch mehrere kleine oder große Werkzeuge. Man muß nicht alle Arten von Werkzeugen besitzen, und eines von jeder Sorte genügt völlig. Wer überwiegend allein arbeitet, kann auf die großen Werkzeuge auch ganz verzichten. Aber selbst derjenige, der nur ein Werkzeug für jedes Element haben möchte, ist durchaus frei in seiner Wahl, ob er ein großes oder kleines Werkzeug bevorzugt und welches das ist. Die Werkzeuge jeweils eines Elementes sind prinzipiell gegeneinander austauschbar.

Element: kleines Werkzeug: großes Werkzeug: sonstiges Werkzeug:
Erde Pentakel Schale Erdschale, Schild
Luft Ritualdolch, Ritualmesser Schwert Räucherschale
Wasser Kelch Kessel, Wasserschale Besen
Feuer Zauberstab Stecken, Speer Feuerschale
Geist Glocke, Kristallkugel, Magierspiegel Feuerschale, Geistschale

ergänzend

Zauberei und Hexerei

Die alten Deutschen kannten Zauber mit Tat und Wort; den ersteren verbietet Nr. 10 des Indiculus (de phy-lacteriis et Ugaturis), den zweiten Nr. 12 (de incantationibus). Das Wort Zauber (ahd. zoubar) selbst bedeutet eigentlich „Mennig“, die rote Farbe, mit der … Weiterlesen

Die weisen Frauen Hagedisen – Hexen

 Die erfolgreiche Vorgehensweise und die überzeugenden Ergebnisse der heilkundigen Frauen stellten eine große Bedrohung für das aufkommende Christentum, sprich die Kirche dar. Denn diese Frauen verließen sich mit ihren außergewöhnlichen Begabungen eher auf ihre Sinne und Erfahrungen als auf die … Weiterlesen

Magische Nächte. Die 12 Rauhnächte

Die 12 Rauhnächte Die zwölf Nächte am Ende des Jahres und die mit ihnen verknüpften Mysterien gehen bis in die Antike zurück. Sie haben sowohl römische als auch germanische und sogar indische, japanische und chinesische Wurzeln, und auch heute noch … Weiterlesen

Runen Rad Runen Rat

Ich weiß, dass ich hing am windigen Baum neun lange Nächte, vom Speer verwundet, dem Odin geweiht, ich selber mir selbst, am Ast des Baumes, von dem niemand weiß, aus welcher Wurzel er wuchs.Sie boten mir nicht Brot noch Met … Weiterlesen

Das Erforschen der Zukunft

Als Mittel zur Erforschung des göttlichen Willens bei den Deutschen nennt Cäsar „Losorakel und Prophezeiungen (sortes et vaticinationes; b. g. 150), Tacitus „Götterzeichen und LosorakeV1 (auspicia et sortes, Germ. 10). Beim Los wurde die Gottheit nach ihrem Willen gefragt, im … Weiterlesen

Wald- und Feldkulte: Der Baumkultus der Germanen und Ihrer Nachbarstämme

Mythologische Untersuchungen Vorwort.  Das vorliegende Buch, welchem demnächst ein zweiter Band „griechische und römische Agrarkulte aus nordeuropäischen Ueberlieferungen erläutert“ folgen wird, beginnt die Veröffentlichung einer Reihe von Vorarbeiten, die sieh dem Verfasser als erforderlich ergeben hatten, um zur Klarheit und … Weiterlesen

Herr der eigenen Sinne und Manipulation der Gedanken

Von Manipulation der Gedanken eines Menschen spricht man dann, wenn die Annahme eines Identifikationsangebots oder einer Ware und Dienstleistung nicht zu seinem Vorteil, sondern zu seinem Nachteil führt. Wie Ich es im Beispiel im Video mit der Nußallergie erwähnte. Die Manipulation von Menschen verfolgt Ziele und dient dazu, andere Menschen hinsichtlich ihres Verhaltens zu beeinflussen. … Weiterlesen

Der himmlische Lichtbaum der Indogermanen in Sage und Kultus.

Wenn die prähistorische Archäologie allmählich immer mehr einen gewissen homogenen Zustand der in Europa sich ausbreitenden und dasselbe eigentümlich kolonisierenden indogermanischen oder arischen Stämme in Bezug auf das häusliche Leben und die Anfänge gewerblicher Thätigkeit aufdeckt, so entsprechen dem auch … Weiterlesen

Deutsche Mythologie – Der Götterglaube und Ort der Götterverehrung


Deutsche-Mythologie-Buchdeckel Der Götterglaube

Wie bei den Dämonen ist bei den Naturgöttern der Zusammenhang mit den zugrunde liegenden Naturerscheinungen gelockert, ja oft aufgelöst; der Glaube, daß es die großen Naturmächte sind, von denen Wohl und Wehe des menschlichen Daseins abhängt, ist mehr und mehr zurückgetreten. Die Götter sind zu wunderbarer Größe und Herrlichkeit gesteigerte Menschen, Idealbilder von Königen und Fürsten, von erstaunlicher Kraft und Weisheit. Wie Zeus, Hera, Apollo idealisierte Hellenen sind, so sind Wodan, Frija, Donar ideale Germanen. Eine bestimmte Rangordnung unter den Göttern gab es ursprünglich nicht; jeder war in gewissen Lebenslagen der Höchste, der Donnerer, wenn das Gewitter tobte, der Windgott, wenn es stürmte. Solch ein „Augenblicksgott“ ist ferner die Gottheit, die eine einzelne bestimmte Ernte schützt oder eine einzelne bestimmte Waffe zum Siege lenkt und eben in der Garbe, in der Lanze selbst wohnt. Sie entwickelt sich zu einer „Sondergottheit“, die nunmehr ein für allemal der Ernte, dem Kriege vorsteht, und wird schliesslich zu einem „persönlichen Gott“, der immer reicher und idealer ausgestattet wird und alle zusammen gehörenden „Sondergötter“ in sich vereinigt, Darum haften auch ethische Elemente den Götter anfangs nur locker und äußerlich an; *der Gewittergott ist wohl ein gewaltiger, kriegerischer Held und nur wenig von dem Gescblochte der Riesen unterschieden, aber leuchtende Reinheit und Erhabenheit einer höchsten sittlichen Kraft hat er ursprünglich nicht.

Darum konnte Civilis noch zu den Batavern sagen: die Götter stünden bei den Mutigsten (Hist. 417), und die Usipeter und Tencterer 125 Jabre früher: den Sueben kämen nicht einmal die unsterblichen Götter gleich (Caes. b. g. 4,). Solche Auffassungen können nur zu einer Zeit und bei Stämmen geherrscht haben, wo die Götter noch nicht zu allmächtigen Wesen aufgestiegen waren. Die spätere Zeit lehrt, daß mit dem Fortschreiten der Kultur die Götter als ihre Träger und Bringer gelten, daß es Wesen von höchster Sittlichkeit und Macht waren, daß ihnen die Vergangenheit und Zukunft kund war, daß sie, die Unbesiegbaren, das Geschick des Menschen daheim und im Felde entschieden und, durch das Los befragt, ihren Willen verkündeten: sie sind der Urquell des Rechtes, das sie geschaffen haben, das sie durch ihre Priester zu erkennen geben und im Gottesurteile zur Geltung bringen; sie haben die ewigen, unvergänglichen Gesetze in der Gemeinde- und Familienordnung gestiftet, und wie sie den Vorsitz im Gerichte führen, geleiten sie den Helden in den Kampf, geben Sieg, Verstand und Dichtkunst, Wissen und Weisheit; der Tod in der Schlacht ist ihr Werk, und er ist das höchste auf Erden zu erstrebende Ziel des Mannes; sie sind die Ahnherrn des germanischen Volkes und seiner Königsgeschlechter, kurz, sie sind die Spender alles Guten und Schönen, und sie triumphieren als die geistigen Wesen über die rohe Kraft. Darum greift auch der Götterkultus überall in das Leben ein, in das häusliche wie in das öffentliche, in das Heer- und Kriegswesen wie in Recht und Verfassung. Darum schicken die Stämme ihnen zu Ehren zu gemeinsamer Opferfeier Abgesandte, übertragen die Leitung einem Priester, der mit allen erforderlichen Gebräuchen vertraut ist, und bringen ihm das Höchste dar, was der Mensch zu geben vermag, ein menschliches Leben. Veredelnd dringt der Götterglaube auch in die Dichtkunst, die Schwester der Religion, die wie diese in den tiefsten Tiefen der menschlichen Natur wurzelt.

Die Gestalt und das Aussehen der Götter wird zum Idealbilde menschlicher Schönheit, ln der Urzeit wurden sie nackt gedacht; die deutschen Wolken- und Wassermädchen haben, wie die Wassergeister, die Maren und Elbe, un-verhüllten Körper, sind aber oft von berückender Schönheit. Das Heldenzeitalter der deutschen Stämme denkt sich seine Götter als Helden ohne Gleichen, von kraftvoller, männlicher Gestalt, die Göttinnen als hehre Königinnen, als Muster häuslicher Tugenden, oft auch als reisige Jungfrauen. Eine Brünne umschließt die edeln Glieder, ein Helm bedeckt das Haupt, die Hand führt Lanze und Schwert, sie tummeln das mutige Roß oder fahren auf einem dröhnenden Wagen. Ein Offizier des Tiberius, Velleius Paterculus, erzählt, daß ein deutscher Greis den waffengeschmückten römischen Imperator für einen Gott gehalten habe. Auf einem Einbaume war er über den Strom an das römische Lager herangerudert, betrachtete lange schweigend den Kaiser und rief dann aus: „Heute habe ich, o Cäsar, die Götter gesehen, von denen ich früher nur gehört hatte.“ Unverwandten Blickes auf ihn zurück schauend fuhr er über den Strom zu den Seinen zurück. (Histor. rom. 2,107).

Man darf nicht hinter jedem Attribute eines Gottes einen besonderen Naturgrund suchen, den Gott gleichsam als Allegorie auffassen. Wenn der Donner in den Lüften grollte, sagte man in alter Zeit: „Nun fährt der Alte wieder da oben und haut mit seiner Axt an die Räder“; die Ähnlichkeit des rollenden Donners mit dem Getöse eines rollenden Wagens führte von selbst dazu, dem Donnergotte einen Wagen zu geben. Der Blitz spaltete die Bäume und Felsen; das konnte der Gewitterherr nur mit einer Waffe tun, die dem Menschen selbst bekannt war; man gab ihm also die rohe Baumkeule oder den steinernen Hammer, beides Waffen, die auf den ältesten Kulturzustand zurückgehen. So gibt Tracht und Ausstattung der Götter einen Anhalt, das Alter gewisser Vorstellungen zu bestimmen.

Als Gebieter über die verschiedenen Elemente führten die Götter verschiedene Beinamen: als flammender Sonnengott hieß Tius z. B. Istwio, als die wandelnde hieß die Sonne Sintligunt, als Göttin der Fülle und des Reichtums Fulla. Diese Epitheta, die die charakterisehen Merkmale und die hervorstechendsten Äußerungen der göttlichen Macht wiedergehen, lösten sich von dein höheren Wesen ab, dem sie angehörten, und erwuchsen zu einer selbständigen Persönlichkeit (Hypostase); sie verleugneten die alte Naturgebundenheit, konnten sich lebendiger entwickeln als diese und machten den ethischen Fortschritt zur freieren Beweglichkeit menschlicher Charaktere. Durch die Hypostase geschah erst die eigentliche Bevölkerung des Götterhimmels, hauptsächlich sie führte zum Polytheismus. Durch sie wurden die Mythen manigtaltiger, sie gaben den reichsten Stoff zur religiösen Dichtung, und da der eine Stamm diese Machtäußerung und diesen Beinamen höher schätzte als der andere — z. B. betonten die Seestämme das geheimnisvolle Erscheinen des Himmelsgottes Tius Ingwio, die Binnenstümine seine furchtbare Gewalt und Erhabenheit unter dem Namen Tius Irmino —, knüpfte sich an diese neuen Göttergestalten der Kultus der Sakralverbände, der Amphiktyonien, an.

Der Grundstock der germanischen Mythen sind Naturmythen, bildlich-poetische Beschreibungen von Naturvorgängen aus der Heidenzeit, die die Götter oder die Dämonen vollbringen und erleiden. Solche Mythen sind ursprünglich nur ganz kurz gehalten, nicht weil die Phantasie des Forstellens und die Kunst des Erzählens versagte, sondern weil der von der Natur überlieferte Stoff sich eigentlich mit schlichten, kurzen Vergleichen zufrieden stellen mußte, z. B. der Sieg der Sonne, die Gewitterschlacht, das Auftauchen des Zwielichtes. Durch das Verhältnis der Götter und Dämonen untereinander sowie zu den Gestalten des Seelen- und Marenglauben» entsteht eine verschlungenere Mythenbildung. In ihr ist nicht immer ohne weiteres das Bild eines längeren, verwiekelteren Naturvorganges zu sehen, sondern nur die Elemente spiegeln die Natur wieder, ihre Verbindung ist oft ein Work der frei schaffenden Phantasie und Dichtung. Das Bedürfnis nach dichterischer Ausschmückung und Abrundung sucht nach Motiven, nach wirkungsvollem Anfang und Abschluß. Eine Zeit, die höhere Göttergestalten bildete, besaß schon eine Fülle von Geschichten aller Art, Ausgeburten einer fabuliert listigen Phantasie, Märchen und novellistische Ansätze. Sie flogen umher wie Spinnefäden im Herbste, die sich bald an einen Baum, bald an einen Busch, bald an einen Menschen ansetzen, schlossen sich an die Mythen an und wiesen auch den Göttern in ihnen eine Rolle zu.

Einen großen Teil der Motive zum Aufbau der Göttersage haben die Märchen geliefert, und manches Märchen mag aus einem Mythus entstanden sein, aber der Schluß war voreilig, in allen Märchen verblaßte Göttermythen zu sehen. Andererseits kann nicht geleugnet werden, daß die Gestalten des Volksglaubens, die Riesen und Zwerge, die Wichtelmänner und die Nixen, wie auch die Hexen und selbst die alte Volksgöttin Frau Holle in Märchen noch deutlich und klar erkennbar sind. Bekannt ist das Märchen „der junge Riese “(K. H. M. Nr. 90): Er ist anfänglich so groß wie ein Daumen, wächst aber später und wird groß und stark nach Art der Riesen. Er zerbricht einen Stab so lang und schwer, daß ihn acht Pferde kaum fortschaffen können, und schlägt das Eisen auf den Amboß, daß er in die Erde sinkt. Als er auf den Grund eines Brunnens heruntersteigt, um ihn zu reinigen, werden Mühlsteine auf ihn hinabgeschleudert, um ihm den Kopf einzuschlagen; aber er ruft: „Jagt die Hühner vom Brunnen weg, die kratzen da oben im Sande und werfen mir die Körner in die Augen.“ Beim Heraufsteigen sagt er: „Seht einmal, ich habe doch ein schönes Halsband um“, da war es ein Mühlstein, den er um den Hals trug. — Lange Zeit hat dieses Märchen als eine verblaßte Erinnerung an den Siegfriedmythus gegolten, wozu besonders der Umstand beitrug, daß der Held des Märchens wie Siegfried den Amboß in den Grund schlägt. Aber dieser Zug ist erst aus dem Märchen in die Heroensage eingedrungen; das Märchen seihst beruht durchaus auf den Vorstellungen des Dämonenglaubens, wie schon das Heranwachsen des Däumlings zu einem Riesen zeigt (S. 107). Noch immer sieht übertriebener Eifer in dem Knüppel, der jeden unbarmherzig durchbleut, Wodans sieg-und glückverleihenden Speer, oder in dem Tischchen die nährende Mutter Erde, in dem Golde, das der Esel speit, die goldenen Strahlen der Frühlingssonne oder den goldenen Emtesegen, in dem rotbärtigen Sehreiner, Müller und Bauern Repräsentanten des alten Donnerers (K. H. M. Xr. 36; S. 99).

Die Wiederbelebung und Befreiung der erstorbenen, frostumfangenen Vegetationskraft der Erde durch den Jahres- und Lichtgott scheint allerdings im Märchen von Dornröschen wiederzukehren (K. H. M. Xr. 50), die Ähnlichkeit ist zu überraschend groß, als daß sie durch einen aus Griechenland — Sizilien eingeführten Mythus von der „sprossenden“ Thalia erklärt werden könnte; das deutsche wie das griechische Märchen beruhen vielmehr auf derselben mythischen Grundlage, dem Zusammenhänge von Wärme und Licht mit Blühen und lieben (vgl. aber S. 122). Die gleiche alte Xatursymbolik enthalten die Märchen von Rapunzel und Sneewittchen (K. H. M. Xr. 12, 53). Die Frage, ob die Inder die eigentlichen Schöpfer des Märchens seien, das von hier seinen Siegeszug über die ganze Welt angetreten habe, oder oh die Gleichartigkeit der Märchen aus der Gleichartigkeit der primitiven Veranlagung des Menschengeschlechtes herrühre, kommt für die Mythologie nicht sonderlich in Betracht. Jedenfalls steht unser Märchenschatz mit dem heimischen Sagenschatz in inniger Verbindung.

Eine mythische Deutung der Heldensage wird von der Forschung unserer Tage fast allgemein abgelehnt. Während man früher in den Helden „verblaßte Götter“ gesehen, dann dieso Ansicht dahin eingeschränkt hatte, daß kleine Geschichten mit ursprünglich naturmythischer Grundlage auf menschliche Helden übertragen seien, daß die Heldensage also durch eine Mischung von Mythus und Geschichte entstanden sei, schreibt man jetzt der freischaffenden Phantasie und dichterischen Ausdrucksweise den wesentlichsten Anteil an der Bildung der Heldensage zu: meist nur Xamcn, kaum der allgemeine Umriß eines großen historischen Ereignisses stammen aus der Geschichte, die Fabel aber, der Inhalt sei rein poetische Schöpfung der Pliantasie, eine Wanderfabel ohne mythische Grundlage und von unbestimmbarer Herkunft. Die Heldensage kann also nicht mehr als Quelle deutscher Mythologie verwertet werden.

Altmythische Vorstellungen sind aber in der Volkssage und dem Volksaberglauben des Mittelalters und der Gegenwart erhalten. „Überlebsei“ (survivals) nennt man allerhand Vorgänge, Sitten und Anschauungen, die durch Gewohnheit in einen neuen Zustand der Gesellschaft hinübergetragen sind, der von dem verschieden ist, in dem sie ursprünglich ihre Heimat hatten; so hleiben sie als Beweise und Beispiele eines älteren Kulturzustandes, aus dem sich ein neuerer entwickelt hat.

Die ethnographisch – anthropologische Betrachtung von Sitte und Sage zeigt, daß die unendliche Mannigfaltigkeit vom Rohesten bis zum Idealsten in Glauben, Sitte und Gewohnheit aus derselben Wurzel entsprossen ist, daß hinter den Vorstellungen auch der zivilisiertesten Völker dieselben rohen Entwickelungsstufen auftauchen, die wir noch heute bei den sogenannten wilden Völkern finden, daß die einfachsten Naturerscheinungen der niederen Mythologie die allgemein menschlichen Keime und Grundelemento enthalten, aus denen erst eine, immer mehr ideal-ethisch sich entfaltende nationale Mythologie entsteht (S. 47, 95).

Das Leben der Wilden, das die längst überwundene Periode der Steinzeit bis auf unsere Tage fortsetzt, repräsentiert den ursprünglichsten, uralten geistigen und sittlichen wie materiellen Zustand des Menschengeschlechtes; daher vermag die Religion der Wilden häufig Lehren und Gebräuche eines zivilisierteren Glaubens zu erklären. Das Studium der Uberlebsel zeigt überall eine Entwickelung nach dem Höheren hin und erklärt, warum das, was in der niederen Kultur ein verständlicher religiöser Glaube ist, sich häufig als sinnloser Aberglaube in die höhere Kultur hinein fortsetzt Der im Volke fortlebende Volksglaube ist also nicht ein entarteter Niederschlag eines alten Götterglaubens, sondern die in ihm auftretenden Götter sind nur als eine Art Natunvesen, noch nicht als reine Götter anzusehen. Der Wode als Schimmelreiter ist in der deutschen Sage ein dämonisches Wesen, der wähle Jäger, die wähle Jagd ein nächtliches Schattenbild, das sich als urgcrmanisch erweist.

Allen Germanen gemeinsam ist die Vorstellung des auf weißem Rosse dahinjagenden Sturmes oder des ewigen Wanderers, der im Gewitterzuge auch zu Fuß dahinschreitet, den Wolkenhut tief in die Stirn gedrückt, aus der im zuckenden Blitzstrahl sein finsteres Auge leuchtet. Aber der Schluß ist verfehlt, daß Wodan nicht hei allen Stämmen, besonders nicht hei den oberdeutschen, als eigentliche Gottheit verehrt sei. Die dämonischen Züge, die er von Anfang an besaß, werden im Glauben des Volkes gewiß stärker hervorgetreten sein als in dem der Adligen und Priester, und sie konnten sich um so leichter erhalten, als die Bekehrer im allgemeinen ihre Angriffe nur gegen die höhere Mythologie richteten.

Wertvolle Quellen der deutschen Mythologie sind außerdem die Personen- und Ortsnamen, Tier-, Pflanzen-, Wochentags- und Monatsnamen, die Runeninschriften, die ahd. Glossen und die Inschriften auf Weihsteinen von deutschen Söldnern im römischen Dienste. In ihnen werden die Gottheiten entweder mit einem heimischen Namen oder Beinamen bezeichnet, oder es wird der Name der römischen Gottheit beigesetzt, mit der die deutsche verglichen wurde. Steht dieser letztere Name allein, so ist für uns die eigentliche Bedeutung meist gar nicht mehr oder kaum noch erkennbar. Durch die Ausbeutung der inschriftlichen Denkmäler zeigt sich der taciteische Götterkreis erweitert; alle Versuche, diese Funde für eine Darstellung der deutschen Mythologie mit den übrigen Nachrichten zu vereinigen, hauen sich auf der etymologischen Deutung der inschriftlichen Namen auf; es sind hauptsächlich Probleme sprachlicher Art. Einige Altäre sind mit Bildern geschmückt wie der des Mars Thingsus und mehrere, die der Nehalennia errichtet sind. Den Gottheiten sind auf ihnen Attribute beigegeben; wenn auch die Ausführung durch römische Künstler erfolgte, so müssen diese Beigaben doch germanischen Glauben wiederspiegeln, denn die etwa nach römischer Auffassung eingemeißelten Zeichen hätten für den Germanen keinen Sinn gehabt. Das beweist ein Tins- oder Wodansbild auf einer Jnppitersäule, denn Juppiter ist niemals zu Pferde und nie bartlos dargestellt. Dieser Gegensatz zur römischen Darstellung zeigt, daß die Germanen den Gott auch nach ihrer Auffassung abgebildet sehen wollten.

Unter den Berichten des Altertums ist die Germania des Tacitus die Hauptquelle. Der erste Römer, der nach eigener Erkundigung von germanischen Göttern berichtet, ist Cäsar: „die Germanen rechnen zur Zahl der Götter nur die, die sie sehen, und durch deren Segnungen sie offenbar gefördert werden, Sonne, Vulcan und Mond; von den übrigen haben sie nicht einmal durch den Mythus (fama) vernommen“ (b. g. 621 )• Von Cäsar stammt die interpretatio Roniana her, denn er konnte sie von niemand übernehmen, Tacitus fand sie vor und verbesserte sie. Diese Verdolmetschung geschah nicht nach Namensähnlichkeiten oder nach der inneren physikalischen Bedeutung der Gottheiten, sondern nach den Äußerlichkeiten ihres Kultus und der Ähnlichkeit der Gesamtvorstellung, die man von ihnen hatte. Die Angaben Cäsars und des Tacitus stimmen offenbar nicht zueinander; nicht nur ist Tacitus viel besser über den deutschen Glauben unterrichtet, sondern in einem Punkte wenigstens ist Cäsars Mitteilung falsch, daß nämlich die Germanen nur Sonne, Mond und Feuer angebetet hätten.

Tacitus erwähnt leibhaftige Götter der Germanen, unter römischen Namen: Mars (Tius), Mercur (Wodan), Hercules (Donar), Castor und Pollux (die Söhne des Tius?), Isis (Nehalennia); unter Beibehaltung der deutschen Namen: Tuisto, dessen Sohn Mannus, sowie die Nerthus. Tacitus redet nachdrücklich von Helden und Abkömmlingen der Götter (Germ. 2), von dem Gotte, der den Krieg lenkt (Germ. 7), von den Namen der Götter, nach denen die heiligen Haine benannt wurden (Germ. 9), von dem Priester, der keine Weissagung beginnt, ohne die Götter anzurufen (Germ. 10) und sich für den Diener der Götter hält (Germ. 10), von dem allwaltenden Gotte (Germ. 39), von den Göttern der Germanen (Hist. 517), die auf sie bemiederblicken, von den heimischen Göttern, denen zu Ehren die römischen Adler in den Hainen aufgehängt soien (Ann. l5tt), von den heimischen Göttern (Ann. 2l0, 11,«) und von den gemeinsamen Göttern (Hist 4M).

Cäsar sagt, „die Germanen kümmern sich nicht viel um Opfer“ (621), Tacitus weiß um so mehr darüber. Ja, Cäsar widerspricht sich zwei Bücher vorher selbst (47, 8. 178). Die drei Zeilen, die er dem religiösen Leben unserer Almen widmet, werden also dem germanischen Götterglauben durchaus nicht gerecht. Der geniale Feldherr hatte für das geistige Leben seiner gefürchteten Gegner kein Verständnis, seine Berührungen mit ihnen sind allerdings nur flüchtig gewesen. Wie hätte er sonst die hübsche Jägergeschichte als Wahrheit wiedergeben können, daß die Germanen die Alcen — eine Art Rehe mit stumpfen Hörnern und mit Beinen ohne Gelenkknoten und Gliederung — dadurch erlegen, daß sie die Bäume anhauen: an diese lehnen sich dann die Tiere an, werfen sie um und stürzen .mit ihnen nieder! (627). Alle Bemühungen, hinter Cäsars Sol, Luna, Vulcan deutsche Götter zu suchen, müssen vergeblich sein. Bei Luna hat man an eine nur inschriftlich bezeugte Göttin Haeva oder Alaiteivia gedacht, bei Vulcan an Donar, bei Sol an Tius. Nur das ist vielleicht außer der Dreizahl, die echt sein wird, der wahre Kern seiner Angabe, daß die Germanen die segnenden Mächte des Himmelslichtes verehrten; die beigefügte Interpretatio soll nur verdecken, wie ungenügend er über Einzelheiten des germanischen Götterglaubens unterrichtet war.

Noch 150 Jahre nach Cäsar erkennt man aus der Schilderung des Tacitus deutlich, daß bei den Germanen der Lichtkultus vorherrschte. Als der König der Ansivaren Boiocalus die Römer flehentlich um Fand für sein Volk anrief, blickte er zur Sonne und den übrigen Gestirnen empor und fragte sie, wie wenn sie zugegen wären, ob sie Verlangen trügen, den menschenleeren Boden anzuschauen (Ann. 1355). Aber nichts ist charakteristischer für die göttliche Verehrung, die die Germanen den Mächten des Lichtes erwiesen, als das Aufkommen Wodans. Der nächtliche Sturmgott entthront den Gott des strahlenden Himmels und Tages Tius, aber er bleibt nicht mehr der Gebieter der Nacht und des Todes, sondern ist selbst zum leuchtenden Himmelsgotte geworden, von dem nicht nur die materielle, sondern vor allem die geistige Kultur herrührt, höheres Wissen und Dichtkunst. Das Aufsteigen Wodans mußte eine Umwälzung hervorrufen, die als die größte zu bezeichnen ist, die der deutsche Geist in der Urzeit durchgemacht hat.

Tacitus hat für seine Germania (98) ohne Frage die Werke seiner Vorgänger benutzt, Casars Kommentare zuweilen mit wörtlicher Übereinstimmung; er bezeichnet seine Quellen mit „einige sagen“ (quidarn dieunt). Ob er aber aus eigener Anschauung beschreibt, ist nicht nachweisbar; er selbst beruft sich nie darauf. Daß er als Befehlshaber einer Legion am Niederrhein oder Statthalter der Provinz Belgica seine Kenntnis der germanischen Verhältnisse erworben habe, ist nicht ganz unwahrscheinlich. Die Meinung, Tacitus habe als Reisender in germanischen Hallen Ale getrunken und zugleich Nachrichten gesammelt, nennt Gustav Frey tag selbst eine „fröhliche Vermutung“. Daß trotzdem vieles den Eindruck des Selbsterlebten macht, beruht auf den Mitteilungen seiner Gewährsmänner, die Augenzeugen gewesen sein müssen. Über die Völker vom Rhein bis zur Elbe wird genau berichtet; wTas von den Verhältnissen jenseits der Elbe und im Norden handelt, klingt mythenhaft (cetera iam fabulosa K. 46). Gewiß hat er auch die römischen Archive durchgearbeitet, in denen Berichte über Land, Stämme, gesellschaftliche Verhältnisse, Gebräuche und Religion der Germanen aufgehäuft waren. Aus Deutschland zurückkehrende Kaufleute, Offiziere, und Beamte, germanische Gefangene und flüchtige Häuptlinge werden die schriftlichen Quellen ergänzt haben. Sobald er sich aber auf seine germanischen Gewährsmänner verließ, wurde das Geschichtliche seiner Beschreibung gefährdet.

Denn die Germanen kannten noch nicht wie die Griechen und Römer die scharfe Grenzlinie zwischen wirklicher und mythischer Ethnographie und Geographie. Für sie lag wirklich das Reich der Riesen, der Etiones, im Norden, für sie waren die Gestalten der wilden Jagd, der Elbe, Mahren und Wildfrauen leibhaftige Wesen mit Fleisch und Blut — Tacitus aber faßt diese mythischen Namen als Bezeichnungen von Völkern auf und redet von Ellusii, Etiones und Harii (S. 146, 157; s. u. Wodan). Dem gläubigen Germanen waren diese Phantasieländer und Völker Wirklichkeit, und sollten sie dem wißbegierigen Römer von ihren fernen Ländern und Grenzen erzählen, so mußten sie auch davon berichten. Trotz dieser und anderer Mißverständnisse behält die Germania als Quelle für den Glauben und Brauch unserer Vorfahren den Wert, daß sie zuerst in größerem Umfange eine Schilderung des religiösen Lebens gibt vor jener tiefgreifenden Umwälzung, wo die Überlegenheit des alten Kulturvolkes auch auf diese germanischen Verhältnisse einwirkt, und daß bereits bei ihm das Geheimnisvolle und die enge Verknüpfung mit dem Leben des Stammes als besonders charakteristische Merkmale der deutschen Religion hervorgehoben werden.

Wieviel von den religiösen Vorstellungen der Germanen indogermanischer Urbesitz gewesen ist, läßt sich kaum entscheiden. Nur das läßt sich vielleicht sagen, daß sie aus der Urheimat bereits .den Lichttkultus, die Verehrung der segnenden Mächte des Himmels, mitgebracht haben. Die höheren Götter der Indogermanen waren als himmlische Wesen gedacht (deivos). Eins dieser Himmelswesen war der „Vater Himmel“ selbst, DiCus; der blitzbewehrte, heldenhafte Gewittergott; vielleicht das in der Gestalt göttlicher, in Heldenschönheit prangender Jünglinge verehrte Zwielicht und die Morgenröte. Die wilden Waldleute, Maren, Elbe und Wasserfrauen lassen sich ebenfalls in das indogermanische Altertum zurückverfolgen. Von den Mythen, die die Tuten und Erlebnisse dieser Götter erzählen, sind uralt: der Mythus von dem Drachensiege des Himmelsgottes, vom Donnergott und von der Mutter Erde, von den Ehen göttlicher Wesen mit den sterblichen Menschen. Sogar der Kultus des Hhumelsgottes reicht in die Urzeit zurück (s. u. Tius), ebenso besondere Formen des Gottesdienstes, Zaubersprüche,. Notfeuer, Menschenopfer und Ansätze zur Bildung eines Priesterstandes. Nicht nur sprachliche Gleichungen wie idg. Dious, aind. Dyaus, gr. Jisvg = Zevg, lat. Juppiter, Jovis, urgcrm. *Tiwaz, got. Tius, ahd. Ziu, an. Tyr „glänzend, himmlisch, Gott“, und idg. deivos, aind. devas, altir. dia, lat. divus, urgerin. *tiwöz, an. tlvar, „die Lichtgötter“, inschriftlich Alateivia, sondern auch die ältesten Zeugnisse bestätigen einen Lichtkultus der Germanen.

Unter dem heitern Himmel südlicher Länder war die Vorstellung eines leuchtenden Himmelsgottes und seiner lichten Söhne entstanden; unter dem grauen Himmel Deutschlands mußte diese Gestalt zurücktreten. Der trübe germanische Himmel erzeugte das Bild eines Mannes, der den breiten Hut tief über das Gesiebt zieht, den Gott Wodan. Die harte wirtschaftliche Arbeit schuf den freundlichen segensreichen Bauerngott Donar. Der Hauptgott selbst sank zum Kriegsgott herab; aus dem donnerfrohen Götterherrscher Juppiter wird Mars. Aber auch die andern Götter werden schwert-und kriegsfrohe Hecken, wie auch die Wolkenfrauen als Wodans Dienerinnen, als Walküren, die Streitrüstung anzogen.

Die Germanen zerfallen, vielleicht auf Grund uralter Scheidung, in Ost- und Westgermanen. Zu den Ostgermanen gehören die Skandinavier (ostnordisch: Schweden, Dänen; westnordisch: Norweger, Isländer) und die vandiliseh-gotischen Stämme (West- und Ostgoten; Vandalen: Burgunder, Heruler, Skiren, Kugier, Nahanarvalen). Zu den Westgermanen gehören die Ahnen der Deutschen, Niederländer und Engländer; nach uralter Stammsage ist ihre Einteilung in drei größere Gruppen überliefert, die Istwäonen, Ingwäonen und Herminonen. Die Existenz von diesen vier, resp. fünf Stämmen, wenn man die Skandinavier als besonderen Stamm, als die Nordgennanen, auf faßt, steht durch Plinius und Tacitus fest. Die Ingwäonen haben wir in den Eroberern Englands und ihren deutschen Verwandten; sie wohnen dem Ozean am nächsten; die Friesen gehören zu ihnen und höchst wahrscheinlich die Ixmgolmrden. Die Istwäonen sind die späteren Franken; die Herminonen, die Bewohner des Binnenlandes, sind teils die Thüringer und Hessen, teils die Schwaben = Alemannen. Die vandiliseh-gotischen Stämme haben wir in den Bayern und Österreichern, doch nicht unvermischt.

Als die Hörner die Germanen kennen lernten, zerfielen diese in eine Unzahl kleinerer politischer Gemeinwesen. Aber verschiedene Völker, die staatlich getrennt waren, sahen sich dennoch als einen Stamm an. Was hielt sie also zusammen? Die Religion war das einigende Band: sie verehrten eine Stammesgottheit, zu deren Feier sie an großen Festtagen in Scharen herbeieilten. Es waren also Kultverbände, die alljährlich, als eine große Familie und Blutsverwandtschaft sich betrachtend, zu einer gemeinsamen Feier in einem Stammes-tempel sich vereinigten und ihre Gemeinschaft bei einem blutigen Opfer erneuerten. Von allen vier Stammeskulten haben wir genaue Berichte (Germ. 40; Ann. l5l; Germ. 39 und 9, Germ. 43). Seit der Mitte des 3. Jhds. stellen sich jene religiösen Verbände plötzlich auch als politische Verbände dar, die früheren Priestergeschlechter an den Stammestempeln stehen an der Spitze erobernder Heeresmassen, die alten Amphiktyonien werden organisierte Gemeinwesen: so sucht man die Entstehung der drei Stämme der Franken, Sachsen und Alemannen zu erklären, zu denen sich als vierter die Bayern gesellen.

Die Götter der Westgermanen sind die eigentlich deutschen Götter. Aber eine deutsche Mythologie als Ganzes in der geschichtlichen Zeit gibt es eigentlich nicht; es gibt nur eine Anzahl von Kultkreisen, wenn sich auch die Verehrung einzelner Götter über ganz Germanien erstreckt. In historischer Zeit steht kaum ein Gott in gleichem Ansehen bei allen Stämmen. Das sächsische Taufgelöbnis z. B. „ich entsage dem Thunaer und Woden und Saxnöt“ zeigt, daß bei den Sachsen nicht Woden und nicht Tius die erste Stelle in der Göttertrias einnehmen, sondern der Gewittergott ; die Angabe des Tacitus (Germ. 9) „von den Göttern verehren die Gennanen am meisten den Wodan“, findet also für die Sachsen keine Anwendung. Die Darstellung müßte also von den Zeugnissen des Pytheas, Cäsar und Tacitus ausgehen, die Inschriften und dann die Nachrichten aus der Völkerwanderung folgen lassen; gesondert wäre Glaube und Brauch der rhein-anwohnenden Germanqn, der Nord- und Ostseevölker und der im Innern Deutschlands seßhaften Stämme sowie der vandilisch-gotischen Völker zu betrachten, und auch hier wäre noch zwischen mittelbaren und unmittelbaren Zeugnissen zu scheiden. Aber eine solche Darstellung würde nimmermehr ein einheitliches Bild ergeben, fortwährende Wiederholungen würden sich lästig machen, und ein Überblick würde doch nicht erreicht. Werden nur die Überlieferungen in der Zeit und an dem Orte festgehalten, wo sie entstanden sind, so kann eine Entstellung und Fälschung des zu entwerfenden Bildes nicht erfolgen.

Ort der Götterverehrung

Germanenherz odinknot and runen Um den häuslichen Herd versammelte sich die Familie zum Opfer und Gebet, Der Hausvater war der Priester, der Herd der Altar, das Haus der Tempel. Aber auch außerhalb der Behausung, in der freien Natur nahte sich die Gottheit dem Menschen und nahm Verehrung, Spende und Gelübde an. Für den einzelnen, wie besonders für die größeren Verbände lagen Opferstätten im Walde, unter Bäumen, auf Auen und Wiesen, an Brunnen, Quellen, Teichen und Flüssen, auf Bergen und Hügeln, bei großen Steinen und Felsen. Je zahlreicher die Versammlung besucht wurde, und je länger die Beratung dauerte, um so mehr machte sich das Bedürfnis nach einem festen Gebäude geltend, das die Menge vor der Unbill des Wetters schützte. Und wie im Laufe der Zeiten eine bestimmte Person mit der Leitung des Thinges und des damit verbundenen Götterdienstes betraut wurde, so gestaltete sich das Thinggebäude zum Tempel um.

Der Gott des in Thing und Heer versammelten Volkes war Tius Thingsus; ihm waren vermutlich die ältesten Tempel geweiht. Aber auch bei den Kultzentren werden sich bald Tempel erhoben haben. Ursprünglich waren die Tempel ganz einfach angelegt, vielleicht aus Holz und Zweigen zusammengefügt, dann aber auch aus Steinen errichtet. Die Worte Gregors „sind die ags. Tempel gut gebaut, so weihe man sie zu christlichen Tempeln um“ (S. 329), lassen an einen festen Bau denken. Die kleineren Tempel, die zum Privatgebrauche Einzelner, wie für die kleineren Dörfer dienten, waren natürlich kunstloser angelegt; in einem hüttenartigen Häuschen stand das Götzenbild oder hingen die Symbole und wurden die Opfergeräte auf bewahrt. Ahd. plöstarhüs, plözhüs bezeichnet ein solches Opfergebäude, und mancher, der den Christenglauben nur äußerlich angenommen hatte, suchte es noch heimlich auf. Darum verbietet der Indiculus solche kleine Tempel* chen (No. 4: de casulis id est fanis).

In jedem Dorfe, als dem Zentrum der Dorfmark, war der zur „Sprache“ der Gemeindeangelegenheiten geeignete Platz (Mal = Sprache, Beredung; Malstätte) zugleich die Kultusstatt oder der Tempel des Ortes, der mit Bäumen, meistens mit Linden umsäumt war. In diesem heiligen Baume des Dorfes wohnte die schützende Gottheit; darum ward er bei festlichen Gelegenheiten feierlich geschmückt und umtanzt. Noch heute finden sich solche heiligen Bäume in der Nähe von Kirchen, und Wirtshäuser daneben tragen noch oft den Namen „Zur Linde“, „Zur Tanne“ usw. Opferquellen erwähnt der Indiculus (Nr. 11: de fort-Uhus sacrificimum).

Die gallischen nnd spanischen Konzile verboten im 6., 7. und 8. Jhd. in formelhaften Erlassen den heidnischen Götzendienst in Wäldern und an den Wassern, und für Deutschland werden sie dann wiederholt. Rückfall ins Heidentum ist es, wenn jemand an einer Quelle betet (Homil. de eaeril.) und bei Burchard von Worms fehlt die Beichtfrage nicht, ob jemand an Quellen, Bäumen, Steinen oder Kreuzwegen gebetet, Brot oder irgend ein Opfer zu den Quellen gebracht, ein Licht oder eine Fackel angezündet, oder dort gegessen habe. — Die Alemannen verehrten Bäume, Flüsse, Hügel und Schluchten, denen sie Pferde, Stiere und unzählige andere Tiere opferten (Agathias 17; für die Franken vgl. S. 358). Die Sachsen widmeten den Laubbäumen und Quellen Verehrung (Rud. v. Fulda), und die Bewohner des Gau Faidara in Holstein, die nur dem Namen nach Christen waren, erwiesen den Wäldern und Quellen abergläubischen Dienst (Helmold, Chron. Slav. 1*7). Nur schweigend schöpften die Friesen das Wasser aus der Herrmann, Deutsche Mythologie. 2. Aufl. 26 dem Foseti geheiligten Quelle, sie war zugleich das AmphiIctyonenheilig-tum, und ein Tempel erhob sich neben ihr.

Heilig, geweiht und heilbringend waren alle Quellen, besonders die nie versiegenden, wasserreichen, die auch im Winter nicht zufroren und als heilsam für Gesunde und Kranke galten. Manche Brunnen heißen noch heute Heiligenbrunn, Wihborn. Eine Quelle gehörte zu der Stätte des Gottesdienstes, die gewöhnlich unter Bäumen oder ganz im Walde lag, oft genug mag sie der Ausgang der heiligen Anlage gewesen sein. Oft wird auch ein kleiner Holzbau, zur Reinhaltung der Quellen und Brunnen, über dem Wasserspiegel errichtet sein. Bei den großen Jahresfesten warf man mit Blumen geschmücktes Gebäck in die Quelle, schrieb ihr sühnende, heilende und weissagende Kraft zu und trank schweigend von dem heilawäc, d. h. dem zu bestimmten heiligen Zeiten geschöpften Wasser. An den Ufern des Flusses, am Rande der Quelle stellte man Opfergaben hin und zündete hauptsächlich abends und nachts Lichter an, nicht nur um durch die in der Flut scheinende Flamme den Schauer der Anbetung zu erhöhen, sondern die Fackeln und Kerzen an Bäumen und Quellen sollten die himmlische Szenerie nachahmen, die von Blitzen durchleuchteten Wolken.

Auf den Bergen lassen sich die Wolken nieder, aus ihnen bricht der Wind hervor, mit ihnen vermählt sich der Donnergott im Gewitter. Die Wolkengöttiu, der Wiudgott Wodan und Donar genossen hier besondere Verehrung (z. B. Wodenes-berg, Donnersberg usw.; S. 241, 262). Berge sind von alters her bei allen Völkern beliebte Opferstätten; auf ihnen glaubt die kindliche Vorstellung der im Himmel thronenden Gottheit näher zu sein. Unter den Felsen wohnen die Elbe und ZwTerge, hausen die Seelen der Verstorbenen. Das Verbot des Eligius und Martin von Bracara, die Opfer betreffend, wiederholt der I ndi cu 1 u s (Nr. 7: de sacris quae jaciunt super pe(ras), und noch im 11. Jhd. eifert Burchard gegen die Gelübde an Steinen.

Aber als die wichtigsten Kultstätten galten die heiligen Haine. Bei Griechen, Römern und Germanen findet sich der Glaube an das Leben des Baumes, die Baumseele (S. 20). Der Baum wächst, trägt Früchte, verwelkt, stirbt wie der Mensch. Darum vergleicht ihn kindlicher Glaube den lebenden Wesen. Viele Bäume bluten wie die Menschen, wenn sie der Schlag der Axt trifft. Wald und Hain beleben sich mit Waldgeistern und Wildfrauen. Darum suchte man auch den Sitz der unsterblichen Götter in den Bäumen. Wälder und Haine sind die Tempel, die die Natur selbst den Göttern errichtet hat. „Hätf es nie in deinen Zweigen, heil’ge Eiche, mir gerauscht0, ruft Johanna aus, deren empfänglichem Gemüte „in der Eiche Schatten“ die Mutter Gottes erschienen war. Scheffel singt: „Ehre und Preis sei dem Bauherrn der Welt, der sich als Tempel den Wald hat bestellt!“ Auch die Sprache lehrt, daß Tempel zugleich Wald ist; die ältesten Bezeichnungen dafür können sich von dem Begriffe des heiligen Haines noch nicht loslösen und schwanken zwischen lucus und fanum. Ahd. paro, ags. bearo Hain gehört zu altslav. bora Fichte; der Bedeutuugsübergang ist derselbe wie bei „der Tann“ und „die Tanne“, der Wald aus der betreffenden Holzart erweitert sich dann zum Walde überhaupt. Ahd. loh (lichte Stelle im Hain, lat. lucus) und forst bedeuten Wald und Heiligtum zugleich; ahd. haruc wird in Glossen mit nemus, fanum, ara wiedergegeben (doch s. u. Tempel, Altar, S. 407).

Im Hoyaschen lag ein Heiligenloh, ein Heiligelo bei Alkmaar in Holland, ein Heiligenforst bei Hagenau, Heiligen-holtz bei Zwiefalten. Mit „Forst“ bezeichnete man in christlicher Zeit zunächst die königlichen Bannwälder; diese hängen, wohl auch sachlich mit den alten heiligen Wäldern zusammen und leiten von ihnen ihren ersten Ursprung ab. Einzelne kleine isolierte Waldstücke haben sich bis auf die Gegenwart unter dem Namen Loh erhalten. Ahd. wih, ive, as. iüih, ags. vih, veoh, an. vö bezeichnet einen geheiligten Platz, speziell die Kultusstätte uud als solche ursprünglich den Hain, was noch die Gleichung „forst edo Imme edo wih“ einer ahd. Glosse wiederspiegelt (S. 330). Dann bezeichnet wih auch einzelne Gegenstände und Symbole, die unter dem Schutze der Gottheit standen oder zur Ausübung heiliger Handlungen dienten, die Banner und Feldzeichen. Denn als Standarten dienten die Bilder und Abzeichen, die in den Hainen aufbewahrt und bei Kriegszügen oder Prozessionen als die Symbole der anwesend gedachten Götter der Menge vorangetragen wurden. Daher stammen die ahd. Eigennamen Oswig, Eberwih, Beranwib, Hundwig, Wolfwig, Arnwig.

Die Zeugnisse des Tacitus für den Waldkultus der Germanen sind die ältesten und die zahlreichsten. Das Werfen mit Baumlosen wird unter den Baumorakeln als eine der ältesten Formen anzusehen sein (Germ. 10). Romanhafte Träumerei ist freilich die idealisierte Schilderung in Germ. 9: „Die Götter in geschlossene Bäume zu engen oder einem menschlichen Antlitz ähnlich nachzuhüden, halten sie nicht der Größe der Himmlischen fiir angemessen. Haine und Wälder weihen sie ihnen und bezeichnen mit dem Namen de)’ Götter jenes Geheimnisvolle, das sie allein durch fromme Anbetung schauen Dieselbe Stimmung flößen ihm in Italien die Haine und Wälder und die Abgeschiedenheit ein: der Geist zieht sich zurück in seine unbefleckten Räume und erfreut sich eines geweihten Aufenthaltes (de orat. 12). Dasselbe sentimentale Gefühl kehrt bei seinen röm. Zeitgenossen wieder. Seneca schreibt: „Betrittst du einen Wald von alten, ungewöhnlich hohen Bäumen, in dem dir das Durcheinander von Ästen und Zweigen den Anblick des Himmels entzieht: weckt nicht die Erhabenheit eines solchen Haines, die Stille des Ortes, der wunderbare Schatten dieses freien und doch so dichten Gewölbes in dir den Glauben an ein höheres Wesen(Ep. 41). Bei Plinius heißt es: „Die Bäume waren der Gottheit Tempel, und die ländliche Einfalt weiht nach altem Brauch einen stattlichen Baum noch heute einem Gotte, und nicht größer ist die Andacht, mit der wir zu Götterbildern flehen, die von Gold und Edelsteinen strahlen, als die, mit der wir die Haine und in ihnen das tiefe Schweigen selbst anbeten“ (H. N. 12J. In den Gewölben gotischer Dome hat man die Laubdächer des alten Kultus wiederfinden wollen.

Aus den Hainen werden die Tierbilder und Götterzeichen von den Priestern hervorgeholt und dem Heere in der Schlacht vorangetragen. In einem Walde, der durch den Weihedienst der Vorfahren und durch uralte Gottesfurcht geheiligt ist, versammeln sich die Abgeordneten der Sueben (Germ. 39); niemand geht anders denn gebunden in den Tiushain. Auch in der Edda wird ein „Fesselbain* erwähnt, und noch aus den Verboten der Kirche im II. Jhd. geht hervor, daß man einen heiligen Wald ohne vorherige Weihung nicht betreten durfte; ein geweihter Baum durfte nach heidnischem Glauben seines Laubes oder seiner Zweige nicht beraubt noch umgehauen werden (Konzil von Nantes 895; Burcb. v. Worms). Auf der Nerthusinsel befindet sich ein unentwegter Hain (Germ. 40), aber auch ein Tempel, bei den Nabanarvalen wird ein Hain mit altem Gottesdienst gezeigt (Germ. 43). Vor der Schlacht bei Idisiaviso kommen die verbündeten Stämme in Donars heiligem Walde zusammen (Ann. 2,a), 900 Römer werden im Haine der Baduhenna, der Gattin des Tius, von den Friesen niedergemacht (Ann. 47J). Nach der Schlacht im Teutoburger Walde wurden die röm. Offiziere an den Altären in den nahen Hainen hingeschlachtet, an den Baumstämmen bleichten die Schädel der geopferten Rosse (Ann. 1Q1), in einem nahen Haine war auch der Adler einer der Legionen des Varus vergraben (Ann. 2a). In einem heiligen Haine ruft Civilis die Großen des Volkes und die Entschlossensten der Menge zusammen (Hist. 4i4). Die Alemannen und Sueven verehren Bäume (Agathias 17; Mart. v. Brac. 7; S. 401), und die Franken machten sich Bildnisse an Wäldern und Quellen, aus Vögeln und wilden Tieren und anderen Elementen, verehrten sie göttlich und brachten ihnen Opfer dar (Greg. v. Tonrs 210).

Lange Jahrhunderte hindurch, auch nach der Einführung des Christentums, hielt der Gebrauch an, die Gottheit in heiligen Bäumen und Wäldern zu verehren. Bonifatius fällte die ungeheuere Eiche, den Donarsbaum, bei Geismar. Die Bestimmungen zahlreicher Konzilien, Kapitularien und Bußbücher verbieten, an Quellen, auf Bergen, in Wäldern Opfer darzubringen, besonders Tiere und Früchte, Opfermahlzeiten zu halten, Lichter anzuzünden, Gelübde zu tun oder durch Aufhängen von künstlich nachgebildeten erkrankten Gliedmassen Heilung zu suchen. Von Waldheiligtümern handelt der Indiculus (Nr. 6: de sacris silvarum quae nimidas vocant). Ein von den Franken schwer verwundeter Sachse ließ sich nach dem Treffen bei Nottein 779 heimlich aus seiner Burg in einen heiligen Wald tragen, der dem höchsten Gotte geweiht war, um hier sein Leben auszuhauchen. Der Landtag zu Paderborn 785 bedroht den mit Strafen, der an Quellen, Bäumen oder in Hainen Gelübde täte oder nach heidnischer Sitte opferte. Erzbischof Unwan von Bremen ließ die Haine, die die Marschbewohner seines Sprengels in törichter Verblendung besuchten, niederhaueu und davon die Kirche neu bauen.

Germanenherz aus dem Buch: Deutsche mythologie in gemeinverständlicher darstellung (Paul Herrmann 1906)

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1 Allvater waltet, Alfen verstehn, Wanen wissen, Nornen weisen, Iwidie nährt, Menschen dulden, Thursen erwarten, Walküren trachten. 2 Die Asen ahnten übles Verhängnis, Verwirrt vom widrigen Winken der Seherin. Urda sollte Odhrärir bewachen, Wenn sie wüßte so großen Schaden zu … Weiterlesen

Odins Runenlied

In der Edda ist der Verlauf der höchsten Einweihung im Hávamál zu finden.  Demzufolge hing Odin, vom Speer verwundet, neun Tage und Nächte am Weltenbaum  und erlitt die schlimmsten Qualen. Nach dieser Zeit des Leidens erhielt er  als Belohnung die … Weiterlesen

Tacitus’ “Germania“

 Von Andrew Hamilton,  Das Original Tacitus’ Germania erschien am 30. September 2011 bei Counter-Currents Publishing/North American New Right. Tacitus’ Germania, eine kurze Monographie über die germanische Ethnographie, die ca. 98 n. Chr. geschrieben wurde, ist von großer historischer Bedeutung. Die … Weiterlesen

Tacitus üder die Germanen

 Publius Cornelius Tacitus (* um 58 n. Chr.; † um 120) war ein bedeutender römischer Historiker und Senator. De origine et situ Germanorum Die Germania Allgemeiner Teil 1-46 Lage des Landes, Herkunft der Bewohner, Religion, Sitten und Bräuche, die allen … Weiterlesen

Frömmigkeit nordischer Artung

Ein Querschnitt durch das Indogermanentum von Benares bis Reykjavik7. Auflage, 1989, Verlag Hohe Warte • Franz von Bebenburg • KG Hans F.K. Günther zeigt zunächst einmal, was nordische Frömmigkeit nicht ist, beispielsweise die Herabwürdigung des Leibes, die Abhängigkeit der Frömmigkeit … Weiterlesen

Das Erforschen der Zukunft

Deutsche-Mythologie-BuchdeckelAls Mittel zur Erforschung des göttlichen Willens bei den Deutschen nennt Cäsar „Losorakel und Prophezeiungen (sortes et vaticinationes; b. g. 150), Tacitus „Götterzeichen und LosorakeV1 (auspicia et sortes, Germ. 10). Beim Los wurde die Gottheit nach ihrem Willen gefragt, im anderen Falle erfuhr man ihn aus gewissen Vorzeichen. Die Wahrsagekunst scheint mehr Aufgabe der Frauen gewesen zu sein, Los und Weissagung stand jedem freien Manne zu; nur bei Angelegenheiten, die den Staat betrafen, lagen sie in der Hand des Priesters. Im häuslichen wie im öffentlichen Leben aber waren sie mit Gebet und Opfer verbunden. Los (ahd. kluz, got. hlauts) ist das, mit dessen Hilfe geweissagt wird, -das Opferblut; Losen (ahd. hliozan) bedeutet aus Zeichen oder durch Werfen bezeichneter Gegenstände und deren Fallen weissagen oder bestimmen, und dann überhaupt das Schicksal befragen.

Tacitus beschreibt das Verfahren beim Losen folgendermaßen (Germ. 10): „ Man zerlegt die Zweige eines -fruchttragenden Baumes (Erle und Buche mit ihren Eckern, Hasel, Hollunder und Wachholder) in kleine Stäbchen, die durch getvisse Zeichen unterschieden sind und streut sie aufs Geratewohl und wie es der Zufall fügt, über ein weißes Laken. Alsdann nimmt, wenn in öffentlicher Angelegenheit das Los beß’agt wei’dcn soll, der Ewart der Gemeinde, wenn in häuslicher, bloß das Haupt der Familie nach einem Gebet an die Götter*, den Blick gegen Himmel gelichtet, dreimal je ein Stäbchen auf und deutet aus den vorher eingeschnittenen Zeichen nach den Hegeln der Weissagekunst und infolge übernatürlicher Eingebung den durch die Lose ausgespi’ochenen göttlichen Willen. Wenn die Zeichen dawider sind, so findet über dieselbe Sache ßir denselben Tag keine Befragung mehr statt: gestatten sie es aber, so ist noch die Bestätigung durch Götterzeichen erforderlich“.

Obwohl Tacitus dies Verfahren leicht nennt und sich redlich Mühe gibt, es in leichtem Ton auseinander zu setzen, bleiben doch zwei Punkte unklar: 1. lautete die Antwort Ja und Nein, oder gab sie einen förmlichen Orakelspruch? 2. wie waren die eingeritzten Zeichen beschaffen?

Die Antwort der germanischen Frauen im Heere des Ariovist, daß ein Sieg vor Neumond wider den Willen der Götter sei (Cäs. 150), setzt unbedingt einen eigentlichen Spruch voraus. Nach einem ags. Gedichte sendet der Herzog Ascanius nach denen über Land, die sich auf das Teufelswesen verstehen, um zu erfahren, ob das zu erwartende Kind ein Knabe oder Mädchen sei. Sie werfen ihre Lose und finden an der Kraft des unheilvollen Liedes, daß ein Knabe zur Welt kommen werde (Layamons Brut). Hier kann an ein einfaches Ja oder Nein gedacht werden. Bei Cäsar wie bei Tacitus kehrt die Dreizahl wieder: dreimal wird über den ProciJlus das Los geworfen, ob er sogleich verbrannt werden oder einstweilen am Leben bleiben sollte: hier wurde nur Ja oder Nein erwartet (Cäsar, b. g. 158), und je dreimal wirft König Radbod über den gefangenen Willibrord und seine Genossen an drei Tagen hintereinander das Los: es ward für jeden einzelnen dreimal täglich die Frage auf Ja oder Nein gestellt, und nur einmal entschied das Los ungünstig (V. Willibr. 12; S. 366). An dieses dreifache Verfahren ist aber bei Tacitus nicht zu denken; er sagt nicht, daß aus der hingeworfenen Menge der Stäbchen nur einige aufgegriffen und ausgelegt wurden., sondern soviele Stäbchen wurden bei der Losung gebraucht, wie Zeichen vorhanden waren, und jedes Zeichen hatte eine bestimmte Form und Gestalt. Unvollkommen sind die Orakel, bei denen es nur auf ein Ja oder Nein hinausläuft, reichen Aufschluß aber boten die drei gezogenen Stäbe. Jedem Stabe wurden zwei oder drei Worte mit dem Anlaute des Stabes gesucht, dessen Zeichen er enthielt; auf alle Worte mit gleichem Anlaute konnte das Zeichen gedeutet werden. Der Orakelspruch war somit ein alliterierender Vers, zu dem die Stabreime durch das Los gesucht wurden. Die Zusammenstellung, die sich durch den Zufall ergab, und ihre Ausdeutung wurde als Erklärung des göttlichen Willens angesehen. Denn der alten Zeit galt, was Schiller seinem Wallenstein in den Mund legt:
Es gibt keinen Zufall,

Und was uns blindes Ungefähr nur dünkt.

Gerade das steigt aus den tiefsten Quellen.

Der stehende Ausdruck für die Befragung der Götter durch das Los war rünö (gr. eqe^o), an. reyna prüfen, erforschen, raun Versuch). Dann verstand man unter Runen die geheimnisvollen, der Deutung bedürftigen Zeichen (notae, Tacitus), durch die die göttliche Antwort erfolgte. Die Rune bezeiclmet das „Geheimnis des Dinges“, das eigentliche Wesen, nach einem feinsinnigen Worte das etwa, was Kant „das Ding an sich“ nennt. Jegliches Ding und jeglicher Mensch hat seine Rune; wer sich ihrer bemächtigt, hat das Ding selbst in Besitz, den Menschen selbst in der Hand. Da endlich das Orakel in Versen abgefaßt war, heißt rüna auch Zauberlied, und aus der Bedeutung „Geheimnis“ (ahd. rünen = raunen, heimlich flüstern) ergibt sich, daß das Zauberlied geflüstert wurde. Das Stäbchen, worauf die Zeichen standen, hieß got. tains, an. teinn, afries. t§n, ags. tan, ahd. mhd. zein, mittelniederl. teen.

Neben dieser eigentlich divinatorischen Losung, deren Zweck eine Entscheidung durch Ja oder Nein, oder durch einen ganzen Orakelspruch war, gab es noch eine andere, die Tacitus nicht erwähnt. Die Losung vermittels des Stäbchens (zein) dient auch zur Feststellung einer oder mehrerer Personen aus einer größeren Menge, z. B. zur Entdeckung eines Verbrechers, Bestimmung eines Opfers. Das Los entschied über Schuld und Unschuld eines Angeklagten, wie über Mein und Dein. Auch hierbei gab es zwei verschiedene Arten der Auslosung. Entweder zeichne e jeder seinen Losstab mit einem Zeichen, nach Art der Hausmarken, deren sich der norddeutsche und nordische Landmann zur Bezeichnung seines Eigentums an Tieren und Geräten noch heute bedient, und mit denen die Merkzeichen der Steinmetzen, Künstler und Kaufleute Zusammenhängen; dann entschied das zuerst gezogene oder zuletzt übrig bleibende Los. Oder die Zahl der Stäbe entsprach der Menge der Personen, aus denen einer oder mehrere herausgelesen werden sollten, und ein Stab darunter oder mehrere waren mit einem entscheidenden Zeichen versehen. Den ersten Fall erläutert folgendes Beispiel:

In dem friesischen Rechtsbuche, das unter Pippin verfaßt wurde, ist ein durchaus heidnisches Verfahren aufgezeichnet, das ganz äußerlich auf christliche Verhältnisse übertragen ist. War bei einem Auflauf ein Mensch getötet und der Täter nicht zu ermitteln, so sollten durch den Kläger sieben der Mordes angeklagt werden, und jeder von den sieben konnte sich mit zwölf Eideshelfern freischwören. Darauf wurden sie in die Kirche geführt, zwei Stäbchen geschnitten, von denen das eine mit dem Zeichen des Kreuzes versehen, das andere unbezeichnet war, und diese, mit weißer Wolle umwickelt, auf den Altar oder die Reliquien gelegt. Der Priester, und, war dieser nicht zugegen, ein unschuldiger Knabe, hob nach einem Gebete oins von den Losen auf: das mit dem Kreuz bezeichnete sprach den Angeklagten frei; kam aber das andere heraus, so wurden sieben neue Lose geschnitten, und jeder Beschuldigte ritzte in ein solches seine Marke, so daß er und die Umstehenden erkennen konnten, daß es sein Stäbchen war. Die sieben Stäbchen wurden nach demselben Brauch umwickelt, vom Knaben sechs Lose nacheinander anfgehoben und jedem das zugestellt, das er als das seine erkannte: das zuletzt übrig gebliebene bezeichnete den Schuldigen und verurteilte ihn zur Zahlung des Wergeides.

Das andere Verfahren müssen die Sachsen beobachtet haben.

Wenn sie nach einem Raubzuge in Gallien beutebeladen und mit ihren Gefangenen wieder zu Schiffe gingen, brachten sie zuvor aus diesen jeden zehnten den Göttern zum Opfer dar und ließen dabei das Los entscheiden. Sie versahen unter einer der Menge der Gefangenen entsprechenden Anzahl von Losen je das zehnte mit dem Todeszeichen und ließen dann alle nacheinander, so wie die Gefangenen einzeln vorgeführt wurden, unter Anrufung und Beschwörung der Götter und anderen Weihegebräuchen durch einen Priester aufnehmen (S. 222). Auf dieselbe Weise wurden auch die friesischen Knaben zum Opfer ausgelost, die der heilige Wulfram errettete (S. 367).

Im altonglischen Andreas heißt es (V. 1097 ff.):
„Da war alles bei einander, hei der Thingstätte, das Volk versammelt; sie ließen da unter ihnen einen Zweig anzeigen, den, welcher von ihnen zuerst dem andern sollte als Speisung mit dem Leben entgelten; sie losten mit den Kräften der Hölle, unter heidnischem Gottesdienste zählten sie (nämlich die Losstäbchen). Da wandte sich der Zweig gerade auf einen Altgefährten.“

Es findet zwar nicht das bei Tacitus geschilderte Verfahren statt, aber es handelt sich ebenfalls um ein Losorakel; vermutlich zieht sich jeder sein Stäbchen selbst, und wer das mit der Todesrune bezeichnete zieht, muß sterben.

„Der Zein ging über ihn“, war gewiß die alte Formel, die von dem durch das Los gewiesenen Opfer galt. Die Rune, die das bestimmte Todeszeichen gab, war vermutlich das Zeichen des Kriegs- mid Todesgottes Tius: das einen Speer oder Pfeil vorstellt.

In dem friesischen und altgermanischen Gebrauche kehrt wie bei Tacitus das Gebet an die Götter wieder; die Erzählung vom Herzog Askanius aber bezeugt ausdrücklich die Anwendung von Zauberliedern bei der Losung (S. 388). Weissagung und Zauber stehen mit dem Opferwesen im nächsten Zusammenhänge. Die Opferschau setzt regelmäßig die Losung voraus. Aus dem im Opferbecken aufgefangenen Blute weissagten die greisen Frauen der Kimbern. Die Alemannen legten 354 die bereits gegen Konstantin erhobenen Waffen nieder, sei es, daß ihre Wahrsager nicht einig waren oder daß sonst die Autorität ihrer Opfer sie daran hinderte, sich auf eine Schlacht eiuzulasseu (Ammian. Marc. 14,0,9). Obwohl die Franken 539 bereits Christen waren, behielten sie doch viele ihrer heidnischen Gebräuche bei, wie Menschenopfer und andere abscheuliche Opfer, die sie zwecks ihrer Orakel anstellten (Konzil von Orleans 511; Procop. b. g. 2„). „Hast du, sagt Abt Regino, Schwarzkünstler oder Zeichendeuter oder Zauberer oder Loser um Rat gefragt, so sollst du drei Jahre Buße tun“. Als Bonifatius 722 zu den Hessen kam, opferten diese heimlich Bäumen und Quellen, andere taten es ganz offen; einige wiederum betrieben teils offen teils im Geheimen Seherei und Losungen, Wunder und Zauberformeln; andere dagegen beobachteten Zeichen und Vogelflug und pflegten die verschiedensten Opfergebräuche (Wiiibaldi V. Bonif. 6). Diese Aufzählung läßt die ursprüngliche Vereinigung aller dieser Geschäfte beim heidnischen Opfer erkennen. Auch die Alemannen, die Gallus bekehrte, verehrten die Götzenbilder mit Opfern, beobachteten Zeichen und Losungen und befolgten viele abergläubische Gebräuche (V. Galli). Nr. 14 des Indiculus handelt von der Weissagung im allgemeinen und von deren vorzüglichsten Art, dem Loswerfen (de divinis et sortilegis).

Die Losung war demnach noch später die gewöhnlichste Art der Weissagung, wie schon zur Zeit Cäsars und Tacitus. Wie aber waren die Kennzeichen beschaffen, die nach Tacitus auf die Buchenstäbe geritzt wrnrden und zur Weissagung dienten? wraren sie Buchstaben? kannten die Germanen schon eine Schrift? Die Worte des Tacitus (Germ. 19) „geheime Liebesbriefe sind Männern wde Frauen gleich unbekannt“, können sich nur auf den Abgang heimlichen Briefwechsels

unter den beiden Geschlechtern beziehen; über die Frage, ob die Deutschen die Buchstabenschrift gekannt haben, ergibt sich nichts daraus. Ebensowenig ergibt sich aus der Nachricht, daß Marbod einen Brief an Tiberius, und der Chattenfürst Adgandester an den röm. Senat einen solchen geschrieben habe (Ann. 2es, 88); denn sie werden lateinisch geschrieben haben. Aber der Name der einen weisen Frau, den Tacitus überliefert hat, Albrüna, „die den Elfenzauber Kennende“ ist ein entscheidendes Zeugnis für das Alter der Runen. Seit alter Zeit ferner wird runa in Namen von Frauen angewendet, die dadurch als im Besitze höherer Weisheit befindlich gekennzeichnet werden sollen. Wenn mithin Cäsar und Tacitus als das gewöhnlichste Mittel, den Willen der Götter zu erfragen, die Losung kennen, müssen seit ältester Zeit dabei Runen gebraucht sein.

Zur Beantwortung der Frage, ob Buchstaben oder nur geheime mystische Zeichen in Anwendung kamen, ist es nötig, sich die vermutliche Entstehung der ursprünglichsten und einfachsten Losrunen klar zu machen. Nicht der Mensch schaffte sie sich in der Urzeit, sondern der Gott bot sie ihm als Frucht des Baumes. Zweiglein von bestimmter Form sind die ältesten Runen. Späterhin wurden sie nachgeahmt, indem der Priester eine Rute in mehrere Zeine zerlegte; ursprünglich aber mußte man sie finden. Bei der Weissagung für das Volk können sie dann unverändert geschüttelt und gedeutet werden; bei zauberischer Anwendung auf bestimmte Personen mußte der Hauptstab mit persönlichen, bestimmten Kennzeichen belebt werden. Zu dieser Auffassung paßt das Zeugnis der runischen Technik: ein Grundstrich oder ein oder zwei Schrägstriche von halber Länge machen die Runen aus; ein Winkel aus zwei Halbstrichen ersetzt den Bogen. Eben diese einfachen Figuren entstehen, wenn die Reiser auf den Boden fallen oder auf dem Tuche geschüttelt werden (Germ. 10): Stäbchen und Winkel.

Am Ende des 2. oder Anfang des 3. Jhds., vielleicht auch noch früher, ist über das Gesamtgebiet der Germanen ein runische8 Alphabet verbreitet, das aus 24 Teilen besteht,

und das man nach den ersten sechs Buchstaben als Fupark bezeichnet. Dieses germanische, historische Alphabet sah folgendermaßen aus: Historisches-Alphabet

Daß das lat. Alphabet die Quelle dieses Runenalphabets ist, zeigen Gleichungen wie = lat. F; ^=lat. R; = lat C; = lat. H; = lat. S. Die Anordnung ist aber offenbar ohne Kenntnis des lat. und griech. Alphabetes zustande gekommen. Die Runen, die aus lat. Buchstaben nicht abgeleitet werden können, müssen auf eine ältere Runenschrift zurückgeführt werden; zu ihr gehören etwa die Zeichen für p, n, w, p, ng, o und die dreizehnte Rune. Da sich die Rune O) Ing auf den Stammvater der Ingwäonen bezieht, wird ihr Name bei den ingv. Stämmen an der Ostseeküste aufgekommen und dieses urgermanische Ruuen-alphabet im deutschen Flachlande in der Nähe des Meeres erfunden sein. Die germ. Runen des 2. und 3. Jlids. sind also z. T. nur die Fortsetzung der urgerra. Runen, aber vermehrt durch Nachbildungen von römischen Schriftzeichen. Alte, noch lebensfähige Glieder des früheren Systems wurden in das neue anfgenommen, und diese Erfindung eroberte danu in raschem Siegeszuge das gesamte vielgeteilte Volk der Germanen. Dürfen wir also mit größter Wahrscheinlichkeit für die Zeit des Tacitus die Kenntnis der Runen voraussetzen, dann ist auch der Gedanke nicht völlig abzuweisen, daß die vermeintlich griechischen Buchstaben auf den Grabdenkmälern Vorrunen gewesen seien (Germ. 3). Indes müssen wir mit dem kritischen Römer wiederholen: „nach seiner Neigung mag ein jeder deu Glauben verweigern oder gewähren“.

Runen wurden ursprünglich nicht „gemalt“ (malen setzt schon Tinte und Pergament voraus) oder „geschrieben“ (lat. scribere), sondern „eingeritzt“. Das lehrt der altgermanische Ausdruck für „Schreiben“, dessen erste Anwendung die auf die Runenschrift ist, as. ags. writan, engl, to write, ahd. rizzan, got. vreitan. an. rita, ritzen, reißen (Reißbrett, Reißzeug, Riß, Grundriß, Abriß eines Baues). Auch der Ursprung des Wortes „Buchstabe“ geht in die älteste Zeit zurück: ahd. buohstab, ags. b» ktäf, an. bökstafr. Buchstabe gehört zu Buche, und wenn Tacitus (Germ. 10) von einem fruchttragenden Baume überhaupt spricht, so mag aus irgend einem Grunde die Buche den Vorzug gehabt haben. Auch sie trägt ja Früchte, die Bucheckern waren in alter Zeit sehr geschätzt. Vom Brauch der Losrunen gehen auch die drei germanischen Bezeichnungen für „Lesen“ aus: ahd. as. afries. lesan, an. lesa; ags. nedan, engl, to read; got. siggvan. Die deutsch-nordische Bezeichnung hält sich an das Auslesen und Aufnehmen der Runenstäbe, die englische an das Raten und Deuten; die gotische (siggvan) meint den feierlichen Vortrag des Orakelspruches, des Liedes, das den Runenzauber umschreibt. Erst durch den Spruch, der über sie gesprochen, empfingen die Zauberinnen ihre Kraft. Bei der Losung sollte der Zufall die Stäbe geben eines von den Göttern im Gebet oder „an der Kraft eines unheilvollen Liedes“ (S. 389) erflehten Ausspruches. Jedem Stabe wurden zwei oder drei Worte gesucht mit dem Anlaute, dessen Zeichen er enthielt. Diese Worte bildeten die Säulen, über denen das Versgebäude sich erhob. Runen und Vers hängen so eng zusammen, daß der Kundige aus den Runen den Vers selbst bilden konnte. Der Runenstab ward gesprochen oder gesungen zum Versstab. Poetische Begabung und Tätigkeit war also bei der Auslegung erforderlich. Das Gebet und die Deutuug dessen, der die Lose wTarf, fand in gestabten Worten statt, und die Ratschläge und Antworten der Veleda können gar nicht anders wie gestabt gedacht werden. Sie wurden mit pathetischer Stimme in halbsingendem Tone langsam und feierlich gesprochen, und die Stimme wurde dem Geheimnisvollen und Wunderbaren der Situation entsprechend gedämpft.

Über die andere Art und Weise, die Zukunft zu erforschen, über die Götterzeichen und Prophezeiungen sind wir besser unterrichtet als Tacitus. Er fährt fort (Germ. 10): „Der Vögel Stimmen und Flug zu befragen ist auch den Deutschen bekannt; aber eigentümlich ist es ihnen, auch der Bosse ahnendes Wiehern und Mahnungen auszuforschen. Sie werden von der Gemeinde in Waldtriflen und Hainen gehalten, ganz weiß und von keiner irdischen Dienstleistung entweiht. Sie werden an den heiligen Wagen gespannt; und der Priester und der König oder der angesehenste Mann des Stammes begleitet sie und beobachtet ihr Wiehern, Schnauben und Stampfen. Und keinem Vorzeichen wird größerer Glauben beigemessen, nicht nur beim Volke, sondern auch bei den Vornehmen; denn die Priester halten sie nur für Diener (Werkzeuge) der Götter, die nicht eingeweiht sind in deren geheimnisvollen Willen, die heiligen Pferde aber für Vertraute.u Die dritte Art der Götterzeichen, die sich auf die Erforschung des Kriegsglückes beschränkt (Germ. 10 a. E.), ist bereits besprochen (S. 371).

Tacitus spricht nur von den Vorzeichen, die in Verbindung mit den Kultgebräuchen von solchen Leuten beobachtet und erbeten werden, die sich berufsmäßig damit beschäftigen. Aber diese Götterzeichen greifen im Unterschiede zum Losen, das Sache des Priesters oder Hausvaters ist, in alle Verhältnisse des Lebens ein, und ihr Befragen war jedermann möglich. Durch die zauberhaften symbolischen Handlungen, die auf dem Boden des Seelenglaubens erwachsen sind, suchte der Mensch von den Geistern gleichfalls eineu Einblick in die Zukunft zu erlangen, aber es war ein Zwang, den man auf sie ausübte, so daß sie das Geschick offenbaren mußten. Bei den Vorzeichen im Götterdienst aber zog die Gottheit freiwillig für einen Augenblick den Schleier vor dem Unbekannten fort und deutete das bevorstehende Verhängnis an, abwehrend oder anspomend. Man muß zwischen gesuchten, von der Gottheit erflehten Vorzeichen unterscheiden, und zwischen solchen, auf die der Mensch zufällig und wider Erwarten stößt; die ersteren werden mehr größere Verbände, die letzteren mehr den einzelnen beschäftigt haben.

Der Indiculns verbietet das abergläubische Beobachten von Vorzeichen, die am Herde oder bei Beginn eines Unternehmens angestellt werden (Nr. 17 de observatione pagana in foco vel in inchoatione rei alicuius). Der Flamme und dem Rauch auf dem Herde schrieb man heilende, schützende Kraft zu, aus der Farbe und Richtung des Notfeuers und der anderen Opferfeuer zog man Schlüsse für Witterung, Fruchtbarkeit und Gedeihen von Mensch und Vieh (S. 195, 358, 361). Frauen stiegen aufs Dach und weissagten daselbst aus einem brennenden Holzscheite (Pirmin, Burchard). Jede Begegnung, nicht bloß von Vögeln und Tieren, wurde für bedeutungsvoll angesehen, unwillkürliche Handlungen, wie Straucheln und Niesen (Indic. Nr. 13), Tages- und Mondzeiten, einzelne Wochen-, Monats- und Jahrestage wurden beobachtet. Träume zu bestimmter Zeit galten als Boten der Götter, deren Willen man zu befolgen hatte. Wolf und Bär hatten guten Angang, d. h. ihre Begegnung war von glücklicher Vorbedeutung, Hasen und Elstern hatten üblen Angang. Allgemein gelten Kometen als Vorboten von Landesunglück, Krieg, Pest und Teuerung. Noch heute achtet man auf die verschiedensten Wahrzeichen aus der Himmelswelt, von Tieren und Pflanzen, Menschen und dem Hause, dem Familien- und Geschäftsleben. Alle diese Zeichen finden sich auch bei den entlegensten Völkerstämmen und beruhen auf uralter Überlieferung. In die ferne Vorzeit, weit über Tacitus hinaus, reichen die Augurien und Losungen, die sich an die Quellen und die Gewässer überhaupt knüpften (S. 142). Die Quellen Weissagungen waren mannigfacher Art. Die Bewegungen der Wellen, die Töne, die man zu hören glaubte, der hohe oder niedere Wasserstand, das Aussetzen des Zuflusses der Quellen auf kürzere oder längere Zeit in den zahlreichen sogenannten Hungerquellen (D. S. Nr. 102, 103, 104), dann die eigentliche Losung durch Pflanzen, Kränze, Stäbe, Steine und andere Dinge boten viele Mittel, um den Ausgang wichtiger Sachen, Lebensdauer, Zeit der Verheiratung oder sonstiger Ereignisse zu erkunden (D. S. Nr. 104, 111). Uralt sind auch die Weissagungen aus dem Speer- und Hammerwurf, aus dem Opfer dem Opferfeuer, der Witterung beim Opfer, mit Hilfe von Opferresten (die zauberkrätftige Rindshaut; S. 362).

Es mag genügen, auf einige Belege des 8. Jhds. hinzuweisen. Es wird als heidnisch verboten, der Begegnung eines Mönches oder dem Aufbruche vor Hahnenschrei Unheil zuzuschreiben; die Tagwählerei und Beobachtung der Mondphasen für verschiedene Unternehmungen, wie bei Antritt einer Reise, bei der Bestellung des Ackers, besonders am Neujahrstage ist heidnischer Aberglaube (Homilia de sacrilegiis § 11—13, Burch. v. Worms. 1992. 137).

Die Weissagung aus der Stimme oder aus dem Fluge der Vögel, dem Schnauben und Wiehern der Rosse, die Tacitus erwähnt, verbietet der Indiculus (Nr. 13: de auguriis vel avium vel equorum vel bovtitn stercora [Rinderkot] vel sternutationes [Niesen]). Weniger aus der Richtung des Vogel-fluges als aus dem Vogelgeschrei, ja wohl aus dem Schall und den Tönen überhaupt, die der an einsamem Orte Beobachtende wahrnahm, entnahm man das Orakel. Das Befragen des Fluges der Vögel bei Tacitus ist mehr von dem Erscheinen gewisser Vögel zu verstehen, das wie der Angang der Tiere überhaupt, Heil oder Unheil verkündete. Ahd. fogilrartöd = Vogelrede, Vogelstimme (got. razda Stimme) steht für augurium und auspicium.

Eine wenig bekannte Erzählung bietet Josephus (Jüdische Altertümer 18fl—7): Agrippa, ein jüdischer Prinz aus dem Fürstenhause de9 Herodes, war wegen einer unvorsichtigen Äußerung in einer Villa bei Tusculum in Ketten gelegt. Als er, mitten unter vielen Gefesselten, in tiefer Niedergeschlagenheit sich an einen Baum vor dem Palaste lehnte, setzte sich ein^ Uhu darauf, und ein Germane, der dies bemerkte, fragte, wer der jm Purpurkleide wäre, trat dann dicht vor Agrippa hin und sagte: ,Bei den Göttern meiner Heimat beschwöre ich dich, glaube meinen Worten. Ich halte es lür recht und billig dir, auch mit eigener Gefahr, zu enthüllen, welche Zukunft dir die Götter offenbaren. In kurzem wirst du aus diesen Ketten befreit weiden und zu der höchsten Höhe der Ehre und Macht einpoi steigen. Wenn du aber diesen Vogel wieder erblickst, wird binnen fünf Tagen dein Ende kommen. So wird es geschehen, denn so verkündet es die Gottheit, die dir diesen Vogel gesandt hat.“ Durch diese Prophezeiung erschien der Germane dem Agrippa damals so lächerlich, wie er sich in dem späteren Verlaufe bewunderungswürdig erwies. Denn Caligula befreite ihn bei seinem Regierungsantritt und erhob ihn zur Königswürde. — Hermigisel, König der Warner, erblickte über Feld reitend einen Vogel (einen Raben oder eine Krähe) auf einem Baume und hörte sein Krähen. Auf Vogelsang sich verstehend, sagte der König zu seinem Gefolge, es werde ihm sein Tod nach 40 Tagen geweissagt (Procop. b. g. 4J0; vgl. Jord. 42 = D. S. Nr. 381), „Wer Sperlinge und gewisse Vögel oder das Gebell von Hunden beachtet, ist kein Christ, sondern ein Heide* (Homilia de sacrilegiis § 9). Auf unheilkündenden Angang der Krähe zu achten, verbietet im 11» Jhd. Burchard von Worms.

Das zweite Vorzeichen, das der Indieul us gleichfalls hat, ist nach Tacitus das wichstigste unserer Vorfahren und wird noch im 9. Jhd. erwähnt (Rud. y. Fulda, Translatio S. Alexandri). Kriegern galt das Wiehern als ein Vorzeichen des Sieges, und wenn sich die Rosse ihrer freudigen, mutweckenden Stimme enthielten, der Niederlage. Da man die Entscheidung der Gottheit selbst überließ, welches Stück sie sich aus der Herde aussuchen wollte, liegt die Annahme nahe, daß man auch die Rosse gehen ließ, wohin sie wollten. Die Beobachtung der von ihnen einschlagenen Richtung war für die Weissagung nhtbestimmend, darum gingen Priester und Fürst nur nebenher, ohne den Wagen zu lenken, und darum heißen die heiligen Pferde Mitwisser der Götter (Germ. 10). Vielleicht ist ein gleiches Verfahren auch für die Kühe zu vermuten, die den heiligen Wagen der Nerthus zogen, und auch hier heißt es vom Priester nur, daß er die Göttin begleitet (Germ, 40).

Der dritte Punkt des Indiculus (Nr. 13: bovum stercora) ist unklar. Wir wissen zwar, daß die Rinder Verehrung genossen, daß Kühe vor den Nerthuswagen geschirrt wurden, und daß die Kimbern über einem ehernen Stiere schwureu, aber Kot der Rinder dient im späteren Aberglauben mehr zur Abwehr von Zauber als zum Entnehmen von Vorzeichen.

Aus dem Gehirne von Tieren zu weissagen, verbietet endlich No. 16 des Indiculus (de cerebro animalium). Die greisen Frauen der Kimbern weissagteu aus dem Blute der geschlachteten Kriegsgefangenen. Gregor I. verbietet den Franken, Götzenopfer, in Tierköpfen bestehend, den Göttern darzubringen (Ep. 9n, 75). Wie die Köpfe von Tieren und Menschen, so spielt auch das Gehirn bei Opfer und Weissagung eine große Bolle. Im Gehirne, wie im Blute sah das Altertum den Sitz des Lebens.
„Es gibt nur eine Art der Weissagung“, sagt Anzengruber (Der Schandfleck, Ges. Werke II, 103), »und diese erfüllt die Menschen mit Scheu vor den Sehern und mit Vorliebe für die Gaukler; denn es ist nicht die Kunst, aus dem Fluge der Vögel, den Eingeweiden der Opfertiere, den Kartenblättern oder dem Kaffeesatz — es ist die Kunst, aus den eigenen und fremden Sünden das Kommende vorherzusagen, welche sich bis zum heutigen Tag an Staaten, Völkern und Fürsten erprobt, und deren furchtbare Folgerichtigkeit in Stunden stiller Einkehr bei sich selbst auch den einzelnen Menschen durchschauert.“

Germanenherz aus dem Buch: Deutsche mythologie in gemeinverständlicher darstellung (Paul Herrmann 1906)

ergänzend

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  Thema Runen: bei Germanenherz Runen sind nicht einfach nur Schriftzeichen. Es sind Symbole, die Kraft beinhalten und diese auch übertragen können. Jeder Rune sind bestimmte Eigenschaften zugeordnet, die man durch die Darstellung des jeweiligen Symbols in Schrift oder Klang oder … Weiterlesen

Am Anfang war das Wort

Die Entwicklung der Weißen Rasse begann vor 350 Millionen Jahren im nördlichen Teil Europas Da die Heilige Schrift, das Heilige Wort und die Heilige Tat im Einklang stehen … Die Heilige Schrift sind die Runen, die uns am Heiligen Berg, … Weiterlesen

Zauberei und Hexerei

Die alten Deutschen kannten Zauber mit Tat und Wort; den ersteren verbietet Nr. 10 des Indiculus (de phy-lacteriis et Ugaturis), den zweiten Nr. 12 (de incantationibus). Das Wort Zauber (ahd. zoubar) selbst bedeutet eigentlich „Mennig“, die rote Farbe, mit der … Weiterlesen

Magische Nächte. Die 12 Rauhnächte

Die 12 Rauhnächte Die zwölf Nächte am Ende des Jahres und die mit ihnen verknüpften Mysterien gehen bis in die Antike zurück. Sie haben sowohl römische als auch germanische und sogar indische, japanische und chinesische Wurzeln, und auch heute noch … Weiterlesen

Gedicht: “Lied der Linde” (1850) / Prophezeiung für die Zukunft ?

Das ‘Lied der Linde’ ist das Werk eines unbekannten Dichters und vor allem Sehers. Es wurde zwischen 1820 und 1850 im Hohlraum des Stammes der uralten, von Sagen und Legenden umwobenen Linde zu Staffelstein in Mainfranken gefunden, was zum Namen … Weiterlesen

Wodan Ruprecht (Hruodpercht) Wodanstag

Ruprecht Wodanstag

Die deutsche Weihnacht ist eine Verschmelzung des christlichen Jesusglaubens mit der germanischen Tradition (Nordlands Art!), da durch die Zwangs-Christianisierung Germaniens das Julfest abgelöst werden sollte. Die Jul-Tradition war derart tief in der völkischen Kultur der Germanen verwurzelt, daß die römische Kirche, wie auch beim Ostara-Fest, eine zuerst beabsichtige Auslöschung verwarf und daraufhin die Julzeit umdeutete und anpaßte. So wurde aus dem germanischen Julfest das christliche Weihnachtsfest

(Dezember= Julmond – Sonarblot)
6ter.Jul Wodanstag
Mit dem 6ten Jul (Dezember) beginnt die eigentliche Vorbereitungszeit auf das Julfest.
Wodan zieht durch die Orte und bringt den Kindern Geschenke, um die Wartezeit auf das Wiederkommen des Lichtes zu vertreiben. Jedoch bekommen nur die Kinder Geschenke die alte Äpfel für sein Pferd vor die Tür stellen.
Sicher finden einige das Unvorstellbar, dass Wodan der in der wilden Jagt, die Armee aus Toten anführt, plötzlich Kinder beschenkt. Aber man sollte daran denken, dass Wotan zwei Seiten hat, die eine wütende brausende des Totengottes. Aber er ist auch Gott der Dichtkunst und der Herr über die Runen. Er schenkte denn Menschen ja auch die Runen und dass er nun einmal im Jahr die Kinder beschenkt, soll daran erinnern wie er einst denn Menschen die Rune schenkte.
Wenn ein Kind geboren wird, so soll es zu seiner Namensgebung einen Julteller erhalten. Das soll ein alter Zinnteller, ein Holzteller oder ein irgend ein Teller mit Lebensbaum und Umschrift sein. Jedes Mitglied der Familie stellt diesen Julteller als Gabenteller am Wodanstage, vor den Kamin. Außerdem sollte man, wie schon erwähnt, für Sleipnir alte Äpfel vor die Tür legen.

Die Kirche setzte, da sie die jährliche Einkehr des Göttervaters mit dem weißen Barte, mit dem Einauge und dem Pelzmantel nicht hindern konnte, bald einen ihrer Heiligen, nämlich den Nikolaus an seine Stelle.

Aber in vielen Gegenden Deutschlands ist er doch der Schimmelreiter oder der Ruprecht (Hruodpercht) = der von Ruhm Strahlende, Beiname Wodans) geblieben.

Hier noch einige Argumente dafür, dass das Nikolausfest schon vor dem Christlichen Fest, als Wodansfest gefeiert wurde
Viele Symbole von Nikolaus und Wodan gleichen sich:
– Das weiße Roß
– Der Mantel
– Der lange Bart
– der Stab (Odin hält einen Speer)
– das Reiten durch die Luft
– die Geschenke, die durch den Schornstein kommen (Wodan bringt Wärme und Licht ins Haus)
– Das Buch der Weisheit (Wodan gilt als allwissend)
– die Nüsse. Diese gelten als eine Frucht Wotans.

Wodan

Als unbestritten höchster Gott der Germanen galt lange Zeit Wodan, und noch heute ist die landläufige Meinung, daß er von Anfang an die führende Stelle unter den deutschen Göttern eingenommen habe. Wenn aber der sächsische Täufling um 790 dem Thunaer, Wöden und Saxnöte abschwören muß, wenn es mit derselben Reihenfolge in einem Gedichte des Paulus Diaconus heißt, „Thonar und Waten werden nicht helfen“, so stimmt die Stelle, die Wodan hier einnimmt, gewiß nicht zu der Bedeutung, die Tacitus ihm zuschreibt „von den Göttern verehren sie am meisten den Wodau“ (Germ. 9). Zwar hat sich Wodan in der Tat zum Hauptgott aufgeschwungen, aber erst nachdem er den alten Himmelsgott Tius von seinem Throne verdrängt hatte. Der düstere, finstere Gott, dem der Mensch scheu aus dem Wege geht, wenn er mit tief in die Stirn gedrücktem Hut im nächtlichen Sturme hoch zu Roß dahinjagt, der Grimme, in dessen Gefolge die Seelen der Toten fahren, der erbarmungslos holden Frauen nach jagt und sie quer über den Sattel seines Rosses bindet, ist so grundverschieden von dem erhabenen Götterkönige, der gleich Helios im leuchtenden Himmelssaale sitzt und mit Frea die Geschicke der Menschen lenkt, daß nur besondere Umstände diese Gegensätze erklären können. Es darf angenommen werden, daß im allgemeinen die Volksüberlieferung das ältere, -dunklere Bild bewahrt hat. Eine Entwickelung vom natürlichen zum geistigen Wesen Gottes liegt gewissermaßen bereits in seinem Namen. Wodan, hd. Wuotan, as. Wodan, bei den Langobarden durch Vortritt eines G Gwödan, ags. Vöden, an. Odinn, Ot>enn, ndrd. Waud, Wod, bayer. Wütan gehört zur idg. Wurzel vä „wehen“ und ist durch zwei Suffixe gebildet; germ. *votha, = rasend, besessen, wütend ist verwandt mit lat. vates, skr. vätas (geistig erregt) und bezeichnet nicht nur die stürmische Bewegung der Luft, sondern weist bereits auf das innerliche, geistige Wesen hin (ags. vöd = Ruf, Schall, Rede, Gedicht, an. ö^r = Geist, Sang, Gedicht). Wodan ist die Fortbildung vermittelst des SuffLxes-ano, urgerm. *Wdtanaz, altgerm. *Wödanaz, und auch diese StammerWeiterung ist bezeichnend für die veränderte Stellung, die der „Wüter“ oder „Stürmer“ im Laufe der Zeiten errang. Noch im 11. Jhd. wird der Name des Gottes als Wut übersetzt (Wodan id est Juror, Adam. Brem.).

Anders steht der Nomade, anders der Ackerbauer den Himmelserscheinungen gegenüber. Dem Hirten ist die glühende Sonnenhitze Feind und Widersacher, der nächtliche Himmel Freund und Beschützer. Der Hirte freut sich, wenn die sengende Sonne unterliegt, der Ackerbauer begrüßt jubelnd die erwärmenden Strahlen, die das Wachstum des Feldes fördern, und läßt sie gern über den finstern, nächtlichen Himmel triumphieren. Der Hirt berechnet die Zeit nach Nächten, der Ackerbauer macht die Sonne zum Maßstabe seiner Zeiteinteilung. Die Nachtseite Wodans hat der Volksglaube mit erstaunlicher Zähigkeit bis in die Gegenwart bewahrt.

Über ganz Deutschland ist die Vorstellung des Nachtjägers verbreitet, der mit dem wütenden Heer (Wodans oder Wuotaus Heer), der wilden Fahre (der wilden Schar), durch die nächtlichen Lüfte stürmt und eine Frau oder Tiere, wie Eber und Hirsch,, verfolgt oder tötet. Er ist auch der Führer der abgeschiedenen, in den Lüften umherziehenden Seelen, der Totengott, der bei Windstille in seinem unterirdischen Reiche, dem Innern der Berge, haust. Aber der grimme Gott der Nacht, des Todes und der Unterwelt beschützt das Gedeihen der Pflanzen, der Ernte und der Herden. Der Wind führt den ersehnten Regen herbei und reinigt die Luft, Krankheiten verscheuchend, darum ist Wodan heil- und zauberkundig. Er ist selbst ein unermüdlicher Wanderer, wie ihn zwei Inschriften bezeichnen (Mercurius viator), und der göttliche Geleiter der Wanderer und Reisenden, der Schirmherr des Verkehres, der Verleiher des Glückes und Reichtums, mächtig geheimer Weisheit und kundig der Dichtkunst. Diese Züge Wodans sind vielleicht altgermanisch. Seine Fortbildung zum Sieges-, Kultur- und Himmelsgotte geht von den Istwäonen aus, die unter dem Zeichen des nächtlichen Sturmgottes siegreich bis an den Rhein vorgedrungen waren und zuerst mit der keltischen Kultur in Berührung kamen.

Als das älteste Zeugnis für die nächtliche Seite Wodans darf vielleicht Tacitus gelten (Germ. 43): „Die Harii steigern die innewohnende Wildheit noch durch Kunst und klug berechnete Wahl der Angriffszeit; schwarz sind die Schilde und bemalt die Leiber, für die Schlachten wählen sic dunkle Nächte, und schon durch die schaudererregende und schattenhafte Erscheinung des Totenheeres flößen sie Schrecken ein, so daß kein Feind den schauerlichen und gleichsam höllischen Anblick aushält“ Diese Ilarier haben niemals als Volksstamm existiert, dessen Wohnsitze an der oberen Oder gelegen seien, es ist unmöglich, daß ihre Feinde sich mit ihnen nur auf nächtliche Kämpfe eingelassen haben sollen; mochten ihre geschwärzten Schilde und Leiber das erstemal Entsetzen einflössen, das nächste Mal werden sie ihre grausige Wirkung verfehlt haben. Der Kern der Schilderung bleibt unangefochten der, daß es im germanischen Glauben eine Vorstellung von gespenstischen Kriegern gab, die des Nachts aus der Unterwelt heraufstiegen und Grauen und Entsetzen verbreiteten. Der germanische Berichterstatter, von dem den Römern die Schilderung der Harier zukam* hatte treuherzig erzählt, daß hinter den hohen Gipfeln und tiefen Wäldern des suebischen Bergrückens sich die Wege zum Geisterreiche öffneten, wo die Ellusii ihr Unwesen trieben (S. 145), woher die Gespensterheere emporstiegen, die Harii. Und wenn der Gewährsmann diese Ellusii, Etiones (S. 157), Harii als gleich wirkliche Wesen ansah und ihren Wohnsitz als gleich wirkliche Gegenden schilderte, wie die Stämme und Landstriche vor der Bergscheide, so faßte der römische Forscher diese mythischen Völker als wirkliche Germanenstämme auf und machte ihren höllischen Anblick zu einer Art Tättowierung und ihr nächtliches Auftreten zu einer Kriegslist. Germ. *Harjaz, hari ist das Heer, die nächliche Gespensterschar, die des Nachts ihren Umzug durch die Lüfte hält, das Wutensheer, Heer des Gottes Wuotan, entstellt zu „wütendes Heer“, schwäbisch „s Muotes her“ (alem. m = w). Im# Münchener Nachtsegen stehen Wütan und Wütanes her nebeneinander, und die Begleiter, mit denen er erscheint, kennzeichnen ihn deutlich als nächtlichen Stürmer.

Die finstere Seite des Gottes bezeichnen in Norddeutschland die Namen Helljäger, Nachtjäger, der wilde Jäger, in Süddeutschland ist der wilde Jäger Führer der wilden Jagd. In Mecklenburg wie im Algäu braust der Schimmelreiter unter wildem Toben durch die Luft, daß die Bäume unruhig werden, wie wenn der stärkste Sturmwind ginge, und man glaubt ihn über das Dach der Hütte dahindonnern zu hören. In einem Felsen sieht man ihn mit seinem Pferde verschwinden, denn aus den Bergen bricht der Wind hervor, in die Berge kehrt er zurück. Der Jägerhansl im Algäu hat einen großen breit-krämpigen Hut auf, der ihm bis zu den Achseln herabhängt, und reitet gewöhnlich auf einem Schimmel. Wenn er der Jagd obliegt, so rauscht und tobt es, wie wenn der stärkste Sturm wüte, und man hört weithin mit gellender, wilder Stimme rufen: hio! hol hio! ho! In den Tannen beginnt ein fürchterliches Krachen und Prasseln, als wollte der Sturm alles niederreißen, wenn auch sonst kein Lüftchen weht. Wildes Hundegebell und die Lockrufe des wilden Jägers lassen sich näher und näher vernehmen, zuletzt beginnt es zu wetterleuchten, zu blitzen und zu donnern. — Die Jagd war von altersher die Lieblingbeschäftigung des kriegerischen Germanen, und das wilde, lärmende Treiben des irdischen Jagdzuges wurde auf den himmlischen übertragen. Darum begleiten den Gott die leichengierigen Totenvögel, die Raben, und kläffend stürzen große und kleine Hunde hinter dem Wode her. Im klaren Lichte des Mondscheines waren Holzdiebe in den Wald geschlichen. Da erhob sich plötzlich ein fürchterliches Getöse, der Mond verfinsterte sich, der Wind fing an zu rauschen und immer mächtiger zu schwellen, die Zäune sanken krachend zusammen, die Bäume brachen. Aus der Luft stürzte auf seinem weißen Rosse, von vielen Hunden umgeben, der Wode und rief: „Was sucht ihr hier? die Nacht ist mein und der Tag ist euer!“ Ein aargauisches Kätsel setzt den Gott getadezu mit dem nächtlichen Himmel gleich:

Der Muot mit dem Breithut

Hat mehr Gäste als der Wald Tannenäste (Auflösung: Sternenhimmel).

Noch heute singt man in Ottenhöfen (Achem, Baden) vom Winde:

Der Wind isch e altes Männle Und het e schlappigs Hüetle uf.

Ein im 16. Jhd. erwähntes giftiges Kraut heißt Woden dungel, Wuotanes zunkal, as. Wödanes, Wodansstem; Wodesteme als Pflanzenname findet sich auch sonst. In der Altmark wie in Hannover sprengt der Helljäger über das Hellhaus hinweg, oder jagt im Hellgrunde. Im Oberharz, im Göttingischen, Braunschweigischen und in Westfalen jagt Hackeiberend, Hackelberg mit seinen Hunden: es ist der Mantelträger, ein Beiname des nächtlichen Sturmgottes (got. hakuls, ahd. hachul = Mantel, die Hekla auf Island heißt jiach ihrer Schneedecke „Mantel“). In Norddeutschland und in Schwaben jagt der Weltjäger in der ganzen Welt herum. Scheint doch der Wind immer unterwegs zu sein, und wie der Mensch sich beim Unwetter in den Mantel hüllt und den Hut ins Gesicht drückt, so legte der Glaube dem rastlos zu Fuße wandernden oder auf dem Donner- und Wolkenrosse dahinjagenden Gotte Mantel und Hut bei. Germanische Söldner weihten in Gallia Narbonensis dem nächtlich wandernden Sturmgotte Wodan zwei Inschriften und nannten ihn Mercurins veator und viator. Selbst den Namen Wodan hat man zu ahd. wadalön = umherschweifen, wallen gestellt und als den „Wanderer“ gedeutet. Bei heftigem nächtlichen Sturme sagt man in Pommern, Mecklenburg und Holstein „der Wode jagt“, im Osnabrückischen „der Wodejäger“, im oldenburgischen Saterland ,’der Wöinjäger zieht um“. Der Zug bewegt sich zwischen Himmel und Erde, bald über die Erde allein. Nur wer mitten im Wege bleibt, dem tut er nichts; darum ruft Wod dem Begegnenden zu: „midden in den Weg!“ Wie der Weg fest bestimmt ist, den Wodans Jagd einschlägt, so fallen auch die Umzüge in bestimmte Zeiten, meist in den Anfang und Schluß des Winters, in Schwaben in den Herbst und Frühling oder zu Weihnachten, in Schwerin hält der wilde Jäger. Wod seinen Einzug im Herbste, seinen Umzug in den Zwölften, seinen Auszug zur Frühlingszeit, namentlich in der Mainacht.

Nicht nur auf schwarzem, öfters auch auf weißem Wolkenrosse stürmt Wodan an der Spitze der wilden Jagd durch die Luft, oft dröhnt durch das Geheul der Hunde das Rollen des nach fahrenden Wagens. Wie der Wind die nächtlichen Wolken jagt, so scheucht er die schwarzen Gewitterwolken vor sich her, und das dumpfe Grollen des Donners erklingt wie das Dröhnen eines dahinrollenden Wagens. Die Sagen von Wodan, Frau Holle und Berchta berühren sich hier aufs engste: im tobenden Gewittersturme wird der zerbrochene Wagen verkeilt, und die goldgelben Blitze sind die herabfallenden Späne. Der Wind- und Wolkengott tritt in Verbindung mit dem Gewitter.

In der Nacht umkreist das Gespann des Himmelsgottes, der Irminswagen, den Pol, nach seinem Stande bestimmte man die nächtliche Stunde, sein Weg, die Milchstraße, hieß gleichfalls nach dem obersten Gotte die Iringsstraße (S. 214). Aber in Oldenburg und in Westfalen fährt der Woinsjäger um das Siebengestirn; noch im 15. Jhd. heißt das Siebengestirn im Niederländischen Woenswaghen, und im Harz ist das Sternbild des Wagens Hackelbergs Gespann.

Zahlreiche Sagen berichten, daß der Gott bei seinem Umzuge den Leuten eine Pferde-, Reh- oder Rinderkeule herabgeworfen habe, die ihn anriefen. Wer spottend und höhnend in das Hallo der wilden Jagd einstimmt, dem schreit der Wode aus den Wolken zu:

Hast du helfen jagen,

Sollst du auch helfen tragen (knagen),

und aus der Höhe stürzt ein Roßschenkel herab, der dem Spottenden am Rücken . klebt, durch seinen Geruch eine ab-

scheuliche Last wird und zauberhaft an ihm bleibt, daß er sie nicht los werden kann. Geschieht aber der Huf aus einfältigem Herzen, oder hat sich der Mensch dem Gotte willfährig erwiesen, dann verwandelt sich die Keule, oder was er sonst wirft, in funkelndes Gold.

Großartig und altertümlich klingt folgende Sage aus Mecklenburg. So gewaltig und furchtbar die Erscheinung des Gottes ist, seinem Verkehrer erweist er sich hilfreich, und wenn er einen Ebenbürtigen findet, einen Menschen, der seinem Wesen verwandt ist, kraftvoll und klug, so» belohnt er ihn freigebig:

Ein Bauer kam in der Nacht von der Stadt; sein Weg führte ihn durch einen Wald, da hörte er die wilde Jagd und das Getümmel der Hunde und den Zuruf des Jägers in hoher Luft. „Midden in den Weg! Midden in den Weg!“ ruft eine Stimme, allein erachtet ihrer nicht. Plötzlich stürzt aus den Wolken, nahe vor ihm hin, ein langer Mann auf einem Schimmel. „Hast Kräfte?“ spricht er, „wir wollen uns beide versuchen, hier die Kette, fasse sie an, wer kann am stärksten ziehen?“ Der Bauer faßte beherzt die schwere Kette, und hoch auf schwang sich der wilde Jäger. Der Bauer hatte sie um eine nahe Eiche geschlungen, und vergeblich zerrte der Jäger. „Hast gewiß das Ende um die Eiche geschlungen?“ fragte der herabsteigende Wod. „Nein“ versetzte der Bauer, der sie eiligst losgewickelt, „sieh, so halt‘ ich’s in meinen Händen.“ „Nun so bist du mein in den Wolken“, rief der Jäger und schwang sich empor. Wieder schürzte schnell der Bauer die Kette um die Eiche, und es gelang dem Wod nicht. „Hast doch die Kette um die Eiche geschlungen!“ sprach der niederstürzende Wod. „Nein“, erwiderte der Bauer, der sie wieder schon in den Händen hielt, „sieh, so halt‘ ich sie in meinen Händen.“ „Und wärst du schwerer als Blei, so mußt du hinauf zu mir in die Wolken.“ Blitzschnell ritt er hinauf in die Wolken, aber der Bauer half sich auf die alte Weise. Die Hunde hollen, die Wagen rollten, die Rosse wieherten dort oben, die Eiche krachte an den Wurzeln und schien sich zu drehen. Dem Bauer bangte, aber die Eiche stand. „Hast brav gezogen“, sprach der Jäger, „mein wurden schon viele Männer, du bist der erste, der mir widerstand! Ich werde dir’s lohnen.“ Laut ging die Jagd an: Hallo! Hallo! Wod! Wod! Der Bauer schlich seines Weges, da stürzt aus ungesehenen Höhen ein Hirsch ächzend vor ihn hin, und Wod ist da, springt vom weißen Rosse und zerlegt das Wild. „Du sollst von dem Blute und ein Hinterviertel haben“, sagte er. „Ich habe keinen Eimer und keinen Topf“, sagte der Bauer. „So zieh deinen Stiefel aus“, sagte der Wod. Der Bauer tat, wie ihm geheißen, und trug Fleisch und Blut des Hiraches im Stiefel weiter. Die Last wurde ihm immer schwerer, und nur mit Mühe erreichte er sein Haus. Wie er nachsah, war der Stiefel roll Gold und das Hinterstück ein lederner Beutel voll Silber.

Es ist der hoch oben in den Wolken dahinfahrende Sturmgott, der aus der Höhe herniederstürzt und alles zu sich emporreißen will, daß die Erde bebt und die Eichen an den Wurzeln krachen. Die Kette, an der Wodan den Wanderer seine Kraft versuchen läßt, erinnert an die Stelle der Ilias (820 ff.), wo Zeus die Götter auffordert, eine Kette von Gold vom Himmel herunter zu lassen, sich unten insgesamt daran zuhängen und ihre Kraft zu erproben.

In der Erscheinung Wodans ist der natürliche Hintergrund noch zu erkennen. Bald ist er als der Windgott der unermüdliche himmlische Wanderer, bald ein im Sturm und im rollenden oder nachhallenden Donner zu Roß oder zu Wagen dahintosender Jäger, bald ist er der dunkle Nachtgott (S. 232). Durchweg überwiegt die finstere Seite. Ein weiter, wallender Mantel fliegt um seine Schultern, in dem man leicht das nächtliche wölken bezogene Himmelsgewölbe wieder erkennt, tief in die Stirn ist sein breitkrämpiger Schlapphut gedrückt, der Wolken- oder Nebelhut; Hunde, die Windstöße, umbellen ihn, und Raben umflattern ihn; das schwarze oder weiße Roß ist ein Bild der dunklen Wetterwolke oder des flüchtigen Nebels. Goldene Rüstung und kriegerischer Schmuck fehlen noch völlig. Nur den Speer, womit der Hirt den Wolf oder Bär verscheucht, führt die Hand des Gottes: aus dem Jahre 843 ist der Name Kcrans belegt, der wie Ansgar-Oskar den Speergott Wodan bedeutet (S. 192). Es ist der Blitz, den der Gott aus der dunklen Wolke hervorschleudert. Aber frühzeitig ward diese Waffe Symbol des Toten- und Schlachtengottes. Wie der Gott den vernichtenden Blitz entsendet und damit die gewaltige Gewitterscblacht eröffnet, so ward der Speerwurf das Symbol der Ankündigung des Krieges. Aus dem Fluge des Speeres ergab sich ein Anzeichen über den Ausgang des Kampfes. Durch seine Entsendung ward das gesamte feindliche Heer dem Walgotte Wodan geweiht (Ann. 1357). Hatte der Gott gnädig den Sieg verliehen, so ward das durch ihn eroberte Land unter seinem Schutze eingenommen: der Speer ward das Zeichen der Besitzergreifung.

Vor der großen Hunnenschlacht auf den katalaunischen Feldern feuert Attila, wie ein germanischer Heerkönig, das Heer durch eine Rede an und schließt mit den Worten: „Als Erster schleudere ich den Speer gegen die Feinde!“ (Jord. Get. 539). Der Langobardenkönig Authari reitet bei Regium in das Meer und berührt eine dortstehende Säule mit der Lanze: „Bis hierher soll das Gebiet der Langobarden reichen!“ Kaiser Otto wirft vor seinem Rückzuge aus Dänemark seinen Speer in die See, die davon den Namen Odensund trägt; dasselbe wird von Karl d. Gr. berichtet. Als die Bayern den Römern Tirol abgewannen, stieß ihr Führer Herzog Adalger am Haselbrunnen unweit Brixen seine Lanze ins Erdreich: „Das Land hab ich gewonnen den Bayern zu Ehren!“ (Kaiserchronik).

Wie die wilde Jagd den Menschen emporreißt, so hebt der Windgott seine Lieblinge zu sich auf sein Pferd, rettet sie vör Gefahren und führt sie im Zauberfluge an den gewünschten Ort. Einem Manne begegnet ein Reiter auf hohem Rosse, faßt ihn und hebt ihn zu sich. Das Pferd stiebt mit ihm durch die Luft, daß ihm Hören und Sehen vergeht; endlich wird er hart an einer Stadt bei der Brücke zur Erde geworfen. In einem Lübecker Schwerttanzspiele des 16. Jhd. ruft Starkader aus, auf den alle eindringen:

Heilige Wode, nü len mi dln perd.

Lät mi henriden! ik bün’t wol werd!

Als er plötzlich verschwunden ist, wie die scenische Anmerkung sagt, ruft einer der Mitspieler:

Het em de düvel halt? üt is dat spil.

Wodans Einäugigkeit ist zwar nicht direkt bezeugt, darf aber als altgermanische Vorstellung gelten. Nur darf man sie nicht aus dem Tageshimmel, sondern eher aus dem nächtlichen Himmel erklären; denn Wodau als Sonnengott ist jüngere Vorstellung. Der unter den Wolken hervorzuckende Blitzstrahl erinnerte an das Leuchten eines von einer Wolke als einem Hute beschatteten Auges. Andere Erklärer denken an das Ochsen- oder Sturmauge (engl, bullseye, frz. oeil-de-boeuf), die runde Öffnung einer sturmverkündenden Wolke. Bei schwerem Wetter zeigt sich oft eine lichte Öffnung in den Wolken; meistens kommt der Wind aus der Richtung, wo sich das Auge im Wolkenhimmel öffnet; diesen weißlichen, von Finsternis umgebenen Raum nennen die Seeleute noch heute Sturmauge.

Den auf weißem Rosse stürmenden Reiter Wodan, der, von den Winden umheult, den zündenden Wetterstrahl aus finsterm Gewölke schleudert, kennt noch der allgemein geltende Volksglaube vom wilden Jäger. Nacht und Nebel, Wolken und Wetter jagt der nächtliche Gott über den Himmel dahin, daß die Sonne verlischt, und Finsternis ihre Schwingen breitet, und von dieser allgemeinen Vorstellung hebt sich die Jagd auf ein einzelnes Tier, einen Eber, einen Hirsch (D. S. Nr. 308), auch wohl eine Kuh oder ein oder mehrere weibliche Wesen ab. In Norddeutschland ist die Sage von Wodan-Hackel bereud zu Hause, der stets einen Schimmel reitet (D. S. Nr. 310):

Er war Oberjägermeister und ein gewaltiger Weidmann. Eines Nachts hatte er auf der Harzburg einen schweren Traum; es däuchte ihm, als ob er mit einem furchtbaren Eber kämpfe, der ihn nach langem Streite zuletzt besiegte. Diesen Traum konnte er gar nicht aus den Gedanken wieder los werden. Einige Zeit danach stieß er im Vorharz wirklich auf einen Eber, den im Traume gesehenen ähnlich. Er griff ihn an; der Kampf blieb lang unentschieden; endlich gewann er und streckte den Feind zu Boden nieder. Froh, als er ihn so zu seinen Füßen erblickte, stieß er mit dem Fuß nach den schrecklichen Hauern des Ebers und rief aus: ,Du sollst es mir noch nicht tun!“ Aber er hatte mit solcher Gewalt gestossen, daß der scharfe Zahn den Stiefel durchdrang und den Fuß verwundete. Erst achtete er die Wunde nicht und setzte die Jagd fort. Bei seiner Zurückkunft aber war der Fuß schon so geschwollen, daß der Stiefel vom Bein getrennt werden mußte, und bald starb er.

Man braucht die verfolgten und getöten Tiere nicht als Sonnentiere aufzufassen, sondern es sind die in Deutschland üblichen Jagdtiere. Die naturmythische Deutung erklärt diese Jagd so: wohl erlegt der nächtliche Sturmgott sie und zerreißt sie, aber sie werden immer wieder lebendig, und die Nachtjagd beginnt immer von neuem: denn die Sonne wird jeden Morgen neu geboren.

Wie die Nordwindsöhne Zetes (dia-d^njs der Sturmwind) und Kalais die „raffenden“ Sturmgöttinnen verfolgen, die Harpyien Sturmfuß (Okypete), Fußschneil (Podarge) und Schnellfliegerin (Aello), so jagt in Deutschland Wodan im Sturmgebraus der Windsbraut und den Holzfräulein nach. Seit alter Zeit heißt der einem Gewitter vorausgehende Wirbelwind Windsbraut, Windis prüt oder das ,.fahrende Weib“; als man die mythische Beziehung (Gemahlin des Windgottes) nicht mehr verstand, brachte man den zweiten Teil mit sprießen, Sproß, spritzen, zusammen, weiterhin auch mit Spreu, sprühen. Aber im Altertume bezeichnete Windsbraut nicht den Sprühwind, sondern den Wirbelwind, die Buhle, die der im Tosen und Heulen des Sturmes dahinjagende Gott verfolgt. Zahlreiche Sagen erzählen, wie der wilde Jäger einem gespenstischen Weibe (Wetterhexe mit roten fliegenden Haaren, weißes Weib), der Buhle, fahrenden Mutter oder einer ganzen Schar wilder Frauen nachsetzt. Jemand sieht ein Weib ängstlich vorüberlaufen, bald darauf stürzt ein Reiter, der wilde Jäger mit seinen Hunden, ihr nach, und es dauert nicht lauge, so kehrt er wieder und hat die nackte Frau quer vor sich auf dem Pferde liegen. Wie der Sturmriese Vasolt und der Wunderer mit laut schallendem Home und wütend bellenden Hunden eine Jungfrau verfolgen (S. 167), so jagt der wilde Jäger bei Saalfeld unsichtbar mit seinen Hunden die Moosleute (D. S. Nr. 48), der Nachtjäger in Schlesien die mit Moos bekleideten Rüttelweiber (D. S. 270), die Lohjungfern, die Holzweibchen oder Holzfräulein (S. 147). Bald fällt der halbe Leib eines dieser Wesen, bald ein Fuß mit grünem Schuh bekleidet dem nachrufenden Spötter gleichsam als sein Jagdanteil aus den Wolken herab.

Auch bei der Verfolgung eines einzelnen Weibes durch den wilden Jäger wird man eher an eine stürmische Werbung des Gottes um eine Frau zu denken haben, als an die Tötung. Das Wort „Brautlauf“ für Hochzeit zeigt, daß bei den Deutschen alter Zeit die Sitte bestand, die Braut zu entführen. Solches Erjagen der Braut steckt auch hinter dem Mythus von der Windsbraut, die allnächtlich von ihm erlegt werde, aber immer wieder auflebe.

In Nortbamptonshire jagt der wilde Jäger mit seinen wilden Hunden ewig eine Jungfrau, seine Geliebte, um deren willen er sich den Tod gab; täglich tötet er sie, und täglich lebt sie auf, um aufs neue vor ihm herzufliehen.

Dieser englischen Sage entspricht eine deutsche, die von Hans Sachs und Joh. Pauli (16. Jhd.; Schimpf und Ernst, Nr. 210) bearbeitet ist.

Ein Köhler wacht bei seinem Meiler, da erscheint ein nacktes Weib in vollem Laufe, will um die Kohlengrube wenden, wird aber von ihrem Verfolger, einem Reiter auf schwarzem Rosse, ergriffen, mit dem Schwerte durchbohrt und ins Feuer geworfen; nachdem sie ganz schwarz gebrannt ist, zieht er sie hervor, setzt sie vor sich aufs Pferd und sprengt davon. Mehrere Nächte hintereinander wiederholt sich die Erscheinung. — Zu einem Pferdehirten, der des Nachts draußen in der Koppel bei den Pferden war, die gerade an einem Kreuzwege lag, kam eilig eine Frau gelaufen und bat ihn, sie über den Weg zu bringen. Da sie ihn so flehentlich bat, fand er sich endlich bereit dazu und brachte sie hinüber. Sogleich lief sie, so schnell sie nur konnte, weiter, ward aber in wunderbarer Weise immer kleiner und kleiner, bis sie zuletzt nur noch auf den Knien zu laufen schien. Gleich darauf stürzte ein Reiter, der wilde Jäger, mit seinen Hunden, herbei und verlangte ebenfalls, über den Kreuzweg gebracht zu werden: seit sieben Jahren jage er schon nach jener Frau, und wenn er sie in dieser Nacht nicht bekäme, so sei sie erlöst. Da brachte ihn der Hirt samt seinen Hunden hinüber, und cs dauerte nicht lange, so kam der wilde Jäger zurück und hatte die nackte Frau quer vor sich liegen.

Aus dem 13. Jhd. wird eine solche Sage berichtet (Cäs. v. Heisterbach 1210):

Einem Ritter begegnet bei Nacht ein Weib, das vor einem blasenden Jäger und seinen bellenden Hunden herläuft und um Hilfe ruft. Er springt vom Pferde, zieht mit dem Schwerte einen Kreis um sich (S. 29), in den er die Verfolgte aufnimmt, und schlingt deren Haarflechten um seinen linken Arm, während er in der Rechten das bloße Schwert hält. Als aber der Jäger näher kommt, schreit das Weib: «Laß mich, laß mich los, da ist er!‘ Sie reißt so gewaltig, daß ihm die Haare in der Hand bleiben und läuft davon. Der Jäger hinterdrein, erreicht sie bald und legt sie quer vor sich aufs Roß, daß das Haupt hüben, die Beine drüben herunterhängen.

Nachdem Wodan die Gemahlin des alten Himmelsgottes Frija au sich gerissen hatte, stürmt er mit ihr zusammen durch die nächtlichen Lüfte. In Mecklenburg fährt ein Mann in grünem Jägerrock und einem dreitimpigen Hut bei der wilden Jagd mit Fru Gauden einher. Auch Hackeiberend und Frau Holle jagen gemeinsam an der Spitze des wütenden Heeres.

Bei dem Kultus des nächtlichen Sturmgottes ist von der niedrigsten Stufe der geistigen Entwickelung auszugehen. Der Kärnthner Bauer stellt eine hölzerne Schale mit verschiedenen Speisen auf einen Baum vor dem Hause oder wirft Heu in die Luft: dann tut der Wind keinen Schaden. Dieses Füttern der Windes, woraus sich das Opfer für den persönlich aufgefaßten Windgott entwickelte, erinnert an das Bemühen Etzels, den gefräßigen Wunderer durch Vorsetzen von Speise zu besänftigen (S. 166). Bei heftigem Sturme wirft man in Schwaben, Tirol und Opferpfalz einen Löffel oder eine Hand voll Mehl in die Luft für den „Wind und sein Kind“, in der Opferpfalz mit den Worten: „Da, Wind, hast du Mehl für dein Kind, aber aufhören mußt du“. Im nieder-österreichischen Gebirge wird am 29. Dezember Mehl uud Salz unter einander gemischt und auf einem Brett zum Dachfirste hinausgestellt. Verführt es der Wind, so sind im nächsten Jahre keine Stürme zu fürchten. — Auch Wodans Hunde erhalten Opfer. Sie dringen in die Backkammer, fallen über den Teig und schlürfen, wie wenn sie bei der Tranktonne seien. Läßt man die Tür auf, so zieht der Wode hindurch, und seine Hunde verzehren alles, was im Hause ist, sonderlich den Brotteig, wenn gerade gebacken wird. — Auch Wodans Pferd erhielt Opfer. Wenn die Bauern in Schleswig ein Stück Land mit Hafer besät hatten,, Hessen sie einen Sack voll Korn auf den nahen Berg bringen und dort stehen. Nachts kam dann „jemand“ und brauchte den Hafer für sein Pferd. In Mecklenburg ließ man, nach einem Rostocker Berichte des 16. Jhds., bei der Roggenernte am Ende eines jeden Feldes einen Streifen Getreide unge-mäht, flocht es mit den Ähren zusammen und besprengte es mit Bier. Die Arbeitsleute traten darauf um den Getreidebusch, nahmen ihre Hüte ab, richteten ihre Sensen in die Höhe und riefen Wodan dreimal mit folgenden Worten an:

Wode, hole deinem Roß nun Futter!

Nun Distel und Dorn,

Aufs andre Jahr besser Korn!

Noch im Anfänge des vorigen Jahrhunderts ließ mau in der •Gegend von Hagenow in einer Ecke des Feldes einige Halme stehen, damit ,,de Waur“ Futter für sein Pferd fände. Am Wodenstage soll man keinen Lein jäten, „damit Wodans Pferd den Samen nicht pertrete“. Aber auch der Windgott selbst, der der Spender des Erntereichtums ist, empfing Gaben, und zwar Mehl und Brot. Ein Bauer hatte spät abends die Tür offen gelassen. Da kam der wilde Jäger durch sie ge ritten und nahm ein Brot vom Brotschragen herab. Darauf sprengte er wieder fort und rief dem Bauern zu: „Weil ich dies Brot in deinem Hause bekommen habe, soll es in deinem Hause nimmer daran fehlen!“ Er hielt auch Wort, und nie hatte der Bauer Brotmangel. Eine Erinnerung an das Opfer für den Sturmgott und die Windsbraut ist ein Gebrauch der Oberpfalz. Dort wrarf man drei Hände voll Mehl in den Wind und rief: „Wind und Windin, hier geh ich dir das Deine! laß mir das Meine!“

Der Wind- und Totengott ruht, wenn die Stürme nicht verheerend durch das Land brausen, in seinem unterirdischen Reiche, das als Berghöhle gedacht ist. Über ganz Deutschland, England wie über den Norden sind Wodansberge verbreitet. Hackelbergsgräber finden sich in Norddeutschland zahlreich, er sitzt in einem Berge, und von Bergen nimmt der wilde Jäger wie das wütende Heer seinen Auszug. Vom Odenberg (Glücksberg? einsamer, öder Berg?) beim Gudensberg in Hessen, [noch 1154, 1170 Wuodenesberg,j stürmt Karl der Große mit seinem rasselnden Reiterheer hervor, tränkt die Rosse in dem Quell Glisborn, den der Huf seines Pferdes aus der Erde gestampft hat, und liefert eine blutige Schlacht. In einer Walkenrieder Urkunde von Jahre 1277 wird ein Berg erwähnt, „qui Wodansberg vocatur“, den man auf den „Hutberg“ Kyffhäuser bezieht (ahd. chuppha mhd. kupfe = Hut; oder ahd. chupisi Zelt = zeltförmiger Hügel). Die Vorstellungen vom Aufenthaltsorte der Seelen im Berge, von einer mythischen letzten Schlacht am Ende aller Dinge verschmolzen hier, etwa im 15. oder 16. Jhd., mit der deutschen Kaisersage, die nicht im germ. Heidentum, sondern in den altchristlichen Vorstellungen von der dem jüngsten Gerichte vorangehenden dämonischen Herrschaft des Antichristes ihre Wurzel haben; und da Tilleda unter dem Kyffhäuser Kaiserpfalz war, wurde aus dem im Berge ruhenden Gott ein bergentrückter Kaiser. Wie Karl der Große beim Gudinsberg, trat Kaiser Friedrich II. an Wodans Stelle, und die Gestalt des apokalyptischen Kaisers wurde mit volkstümlichen und mythologischen Elementen ausgeschmückt. Nicht zu beweisen ist, daß Wodans Himmelsschloß Walhall im Kvffhäuser lokalisiert sei, und daß die zechenden und Kampfspiele übenden Ritter den nordischen Einherjem entsprächen; bei den Raben aber, die um den Berg fliegen, kann man vielleicht an Wodans heilige Vögel denken. Andere Wodansberge sind: der Godesberg bei Bonn (947, 973 Wodenesberg), Godenesberg (1133), jetzt Utzberg in Weimar, Wunstorp bei Hannover (früher Wodens-torp). Schon 973 wird ein Wodenesweg im Magdeburgischen erwähnt, entweder als der Weg zu verstehen, den der nächtliche Stürmer einschlägt, oder wäg ist = Wand, Mauer (got. waddjus, ags. wäg, an. veggr) oder als Wodans Heiligtum (ahd. wih = Tempel). In Thüringen gibt es ein Wudanes-huseu (jetzt Gutmannshausen bei Weimar) in Oldenburg, ein Wodensholt, (jetzt Godensholt), in England Wodnesbeorg, Wodnesfeld.

In dem Heere oder Jagdumzuge des nächtlichen Sturmgottes befinden sich die Seelen der Verstorbenen. Das Wuotes Heer heißt auch Totenvolk, Totenschar. Wodan ist nicht nur der Nacht- und Sturmgott, sondern in gemeingerm. Zeit bereits der Totengott. In seinem unterirdischen Reiche, dem Innern der Berge, herrscht er über die Winde, hier sammelt er auch die Toten in sein nächtliches Heer. Als der Stürmer der Lüfte sich zum kampfwütigen Kriegsgotte erhoben hatte, bildeten vor allem die Männer und Krieger sein Gefolge; sie entbot er zu sich durch seine göttlichen Dienerinnen, die Walküren. Wer im Dienste des Gottes gefallen war, hatte die frohe Hoffnung, nach seinem Tode bei Wodan weiter zu leben. Schon die Germanen des Ariovist waren im Kampfe deswegen so mutig und verachteten den Tod, weil sie an ein Wiederaufleben glaubten (Appian. Celt. I3), und diese Zuversicht (einig dvaßiojaeüjg) hat nur dann einen Sinn, wenn sie sich auf ein Fortleben im Reiche des Kriegs- und Totengottes bezog. Auch die Kimbern jauchzten, wenn sie in den Schlachtentod gingen, und jammerten nur, wenn sie auf dem Krankenbette sterben sollten (Valerius Maximus II, 6,n). Mochten ursprünglich alle Toten dem Gotte angehören, später kamen nur die Kämpfer in Betracht; sie waren von ihm dem Tode im voraus bestimmt: „da sterbent wan die veigen“, da sterben nur, die sterben sollen, heißt es noch im 13. Jhd. sprichwörtlich. Freudig des Glaubens, daß der Gott ihn erkoren, wenn er die Todeswunde empfing, stürmte der Germane, leicht gekleidet, ohne Rüstung, mit leichten Waffen in das Wetter der Speere. Aus seinem Blute entsprang sein Recht, ein Gefolgsmann des großen Gottes fortab zu sein und teil zu haben an seiner Herrlichkeit. Darum konnte ahd. urheizzo = der Geweihte (Glosse für suspensus zum Opfer aufgehängt, der ..Verheißene*) im as. und ags. die Bedeutung Kämpfer annehmen.

Die Kimbern- und Teutonenkriege erklären das Aufsteigen Wodans, vielleicht aber thronte er damals schon in den hellen Lufträumen, bei ihm seine Gemahlin und die gefallenen Helden. Hier bewohnte er nach der langob. Stammsage mit Frea einen Saal, der natürlich in einer Burg gelegen haben muß, und von hier pflegte er des Morgens durch das Fenster gen Osten auszublicken. Im Norden heißt diese Halle Walhall (Totenhalle), aber für das deutsche Altertum läßt sich dieser Name nicht belegen.

Verräter und Überläufer hängten die Germanen an Bäumen auf (Germ. 12); mit einem weidenen Ringe wurde ihnen die Kehle zugeschnürt, so daß ihnen der Atem, die Seele, gleichsam der Wind, ausgepreßt wurde; sie verfiel dann dem Wind-und Totengotte. Wer einen Gehängten vom Galgen nahm, beging nach fränkischer Anschauung noch in christlicher Zeit eine Missetat gegeu den Kultus; denn man entzog dem finstern Gotte sein Opfer. Todesstrafe setzt die Lex Salica (ca. 500v aus demselben heidnisch-religiösen Grunde, wenn jemand den gebundenen Verbrecher dem Richter entreißt und dadurch der drohenden Bestrafung entzieht. Weil Wodan die Toten bei sich aufnimmt, wie dem Hermes xlwxoTiofmdg die Seelen der Verstorbenen übergeben werden, umschrieben ihn die Römer mit Mercurius. Ein Altar, der im Jahre 1874 im oberen Ahrtale gefunden wurde, trägt die Inschrift: Mercuri Chatmini.

Mercurius Channini soll aus *Chanjini entstanden sein, Nom. sing. *hanjC\ as. ags. *henno, ags. fries. *hetma; ahd. hqno, hano sei der Vernichter, der Tod, der Gott der Vernichtung, der Todesgott (idg. ken = stechen, schlagen, vernichten, xaivio). Der mhd. Ausruf iä henne soll soviel bedeuten wie „fürwahr, bei Wodan“; in Niederhessen findet sich entsprechend „Gott Henne“, und christlich entstellt „Henne der Teufel“. Auch „Freund Hein“, wie wir noch heute den Tod bezeichnen, wird nicht als eine Erfindung des Matthias Claudius oder als ein Witz auf einen Hamburger Arzt anzusehen sein, sondern als eine verderbte Form für den tötenden Wodan (S. 17). Der Hain, das Waldheiligtum, wo die alten Germanen ihre Toten begruben, hat sicher nichts mit Freund Hein zu tun.

Das symbolische Tier der unterirdischen Mächte ist die Schlange. Sie ist auch das Symbol des nächtlichen, unterirdischen Totengottes Wodan, und wie die Langobarden einst von ihm Namen und Sieg empfingen, so verehrten sie auch die goldene Schlange als sein heiliges Tier.

Zur Zeit, da Grimoald König der Langobarden war, lebte der treffliche Priester Barbatus zu Benevent (602—83). Obwohl sie bereits das Wasserbad der heiligen Taufe empfangen hatten, hielten sie doch noch an dem alten Brauche des Heidentums und beugten sich vor dem Bilde einer Schlange. Barbatus bekommt es in seine Hände, schmilzt es ein und läßt Schüsseln und Kelche daraus schmieden. Als das ruchbar wurde, sagte einer der Umstehenden: „Wenn mein Weib das getan hätte, würde ich ihr ohne Verzug den Kopf abschlagen“ (V. Barbati). An einer anderen Stelle heißt es: Sie verehrten eine goldene Schlange als das Symbol ihres höchsten Gottes, und ein ganzer Stadtteil von Benevent soll davon den Namen Vipera getragen haben.

Nicht nur die himmlischen oberen Gottheiten, auch die Götter der Unterwelt sind Urheber des Wachstums der Pflanzen und der Ernte. Den heißen Strahlen der Tagessonne‘ muß die Kühle der Nacht folgen, der Wind jagt die Wolken, bis sie ihr segnendes Naß spenden, der Wind führt den männlichen Blütenstaub befruchtend den weiblichen Blüten zu. Darum gilt der Landstrich im kommenden Sommer als ganz besonders fruchtbar, über den die wilde Jagd gezogenist. Wenn das Guetis Heer schön singt, gibt es im Aargau ein fruchtbares Jahr. Der schwäbische Bauer, der nur um Sonnenschein, nicht auch um Wind bittet, bekommt kein Korn. ..Ohne Wind verscheinet das Korn“, sagt ein Sprichwort, und eine alte Bauernregel lautet „Viel Wind, viel Obst“. Darum ist der nächtliche Sturmgott auch der Spender der Fruchtbarkeit und des Erntesegens, und darum wurde er vor allem mit Erntedankopfern verehrt. Fast in ganz Deutschland ließen die Schnitter bei der Ernte auf dem Acker einen Busch Ähren für Wodan stehen, damit er ihn als Futter für sein Fferd gebrauchte. Erntewöd hieß diese letzte Garbe, die Ernte in Bayern bis zum 18. Jahrhundert die Waudlsmähe (Waude — Woude — Wuote); das Opfer für seine Hunde hieß von Passau bis Preßburg Waudfutter. Dann traten die Schnitter mit entblößtem Haupte um die blumengeschmückte Wode in einen Kreis und riefen unter dem Schwingen der Hüte und dem weithin schallenden Streichen der Sicheln zu dreien Malen mit überlauter Stimme den Gott im Gebet an. Man bat Wodan, die geringe Gabe gnädig anzunehmen und sie als Futter für sein Roß zu holen; an ihrer Kleinheit und Wertlosigkeit sei nur die heurige schlechte Ernte schuld; würde sie im nächsten Jahre besser ausfallen, so solle er auch reichlicher von ihnen bedacht werden: Wode, hole deinem Roß nun Futter . . . (S. 240). Unterbleibt diese Feierlichkeit, so gerät im folgenden Jahre weder Korn noch Obst. Zuweilen wird auch ein Feuer angezündet, und die Burschen rufen, wenn die Flamme lodert, unter Hutschwenken: Wauden! Wauden! Wauden! Der heilige Columban (f 615) traf auf seiner Reise heidnische Schwaben oder Alemannen gerade im Begriff ihrem Gotte Wodan, den andere Mercur nennen, ein Opfer darzubringen. In ihrer Mitte stand eine Kufe, die 26 Maß Bier, etwas mehr oder weniger, enthielt.

Bei der Frühlings- und Maifeier, sowie beim Erntedankfeste fielen Wodan Rosse und Rinder zum Opfer. Die Knochen der Opfertiere galten als heilkräftige Talismane; noch im 16. Jhd. wurden vier Roßköpfe auf den vier Ackerenden angebracht, um die Saat vor dem Winde zu sichern. Wodan behütete auch den herbstlichen Heimtrieb der Herde. In einem christlich überarbeiteten Segen, dem sog. Wiener Hundesegen, wird er zum Schutze der Rinder und Schafe, auch der Hunde an gerufen vor Wolf und Wölfin, sowie vor Dieben, wenn das Vieh zu Holz uud zu Felde, zu Wasser und Weide geht.

Alle deutschen Stämme scheinen Wodan bereits als Gott desZaubers verehrt zu haben. Ihm schrieb man vielleicht die Erfindung der „Vorrunen“ zu, d. h. der im Orakelwesen üblichen Zeichen, und des Runenzaubers. Auf istwäon. Boden wurde er dann zum Träger der geheimnisvollen Schriftrunen, die die heimischen heiligen Zeichen mit den aus der Fremde eingewanderten Buchstaben vereinten. „Sage mir, wer zuerst Buchstaben setzte?“, lautet ein ags. Gespräch. „Ich sage dir, Mercurius (Wodan), de)‘ Biese“ Eine wunderbare Macht schrieb der Germane diesem Runenzauber zu, besonders dem dazu gemurmelten Liede oder Spruche. Runenweisheit und Dichtkunst gehören zusammen. Darum gilt Wodan den Angelsachsen als Gott aller List, nach christlicher Auffassung des Truges und der Diebereien. Wodan allein vermag Balders Roß den verrenkten Fuß zu heilen, er spricht den Genesung bringenden Zauberspruch: weder Balder selbst noch die vier Göttinnen vermögen in seiner Gegenwart etwas auszurichten. Als wundertätiger Arzt und Heilgott erscheint Wodan auch in einem ags. Zaubersegen, in dem die neun heilkrätigsten Kräuter der Erde genannt werden, die alle Krankheiten und alles Gift bannen:

„Eine Schlange kam gekrochen, zerschlitzte den Menschen.

Da nahm Wodan die neun Kraftkräuter,

Schlug damit die Natter, daß in neun Stücke sic flog.“

Bei den spanischen Sueben nahm daher Wodan die oberste Stelle ein, die ungebildeten Landleute daselbst verehrten im 6. Jhd. den Juppiter als Zauberer (Magus) (Mart, v. Brac. K. 7); doch ist die Beziehung auf Wodan recht zweifelhaft.

Nächtliche und himmlische Züge vereinigt das Gesamtbild Wodans, wie es in geschichtlicher Zeit erscheint. Viel Wind bedeutet noch heute Krieg, und als Gott der geistigen Begabung muß Wodan schon in alter Zeit die Kriegskunst verstanden und geleitet haben. Das Wort Sturm ist schon im Altertum von dem Kampfe der Lüfte auf den Kampf der Männer übertragen; Wetter der Speere, Sturm der Lanzen, Regen der Schwerter sind alte Bezeichnungen des Schlachtengetümmels: sie erklären, wie der Herr der Stürme zum Gebieter des Kampfes werden konnte. Folchans (Gott des Kriegsvolkes) hieß daher der Gott des „furor germanicus*, der germanischen Kampfeswut, und als Siegesgott lehrte er die Germanen selbst die Schlachtordnung des Fußvolkes, den „Eberrüssel“. Die äußerste Spitze des Keiles bildeten nur wenige oder ein einzelner Mann, der König oder die Edlen mit ihrem Gefolge, sofern sie nicht zu Roß kämpften; fochten mehrere Völkerschaften zusammen, so bildete jede für sich einen Keil. Ein solcher Angriffsstoß war von furchtbarer Kraft, unwiderstehlich schob er sich in die feindlichen Reihen ein. Bei den Germanen des Ariovist tritt, soviel wir wissen, uns zum ersten Male die keilförmige Schlachtordnung entgegen (Caes. b. g. 152). Tacitus hebt ausdrücklich hervor, daß die Schlacht aus Keilen zusammengesetzt wurde (Germ. 6; Hist. 416, 420, o16). Die Alemannen schlossen sich bei Straßburg gegen .Julian in einen Keil zusammen. Bei den Franken war noch im 9. Jhd. die keilförmige Aufstellung in ihrer ganzen ursprünglichen Eigentümlichkeit erhalten, auch bei den Angelsachsen war in der verhängnisvollen Schlacht bei Hastings der dichtgeschlossene, tiefgegliederte Keil allgemein. Wodan galt als Erfinder dieser Angriffsform, die wir vom Jahre 58 vor Christus bis ins 11. Jhd. verfolgen können. So trat er dicht neben Tius, und bereits zur Zeit des Tacitus muß er bei dem Volke, von dem der Römer seine Nachrichten über das Opferwesen bezog, also bei den Istwäonen, über Tius und Donar gestanden haben.

Denn „sie verehren von den Göttern am meisten den Mercurius (Wodan), dem sie an bestimmten Tagen auch Menschenopfei• zu bringen für Recht halten“ (Germ. 9). .Vis die Hermunduren im Jahre 58 mit den Chatten um den salzhaltigen Grenzfluß stritten, gelobten sie Tius und Wodan das feindliche Heer zum Opfer (Ann. 1357). (’hlodowechs Gemahlin sucht ihren Gatten von der Ohnmacht der heidnischen Götter zu überzeugen im Gegensätze zur Allmacht des Christengottes und fragt ihn, wie weit denn die Macht seines Tius (Mars) und Wodan reiche (S. 211). Noch im 6. Jhd. gelten also diese beiden als die angesehensten Götter der istw. Franken. Als Hengist und Horsa mit den Sachsen nach England kommen, werden sie gefragt, was für Götter sie anbeten. Die Antwort ist: „Unter Führung des Mercurius überschritten wir die Meere und suchten das fremde Reich auf. Den Mercurius verehren wir besonders, den wir in unserer Sprache Wodan nennen. Ihm weihten unsere Altvorderen den vierten Wochentag, der bis heute noch seinen Namen, den Wodenes dai, erhalten hat.“ Eine Chronik des 10. Jhd. sagt von Hengist und Hors^: sie waren die Enkel eines Barbarenkönigs Woddan, den die Heiden wie einen Gott verehrten, und dem sie Opfer darbrachten um Sieg oder Heldentum. Wie in der sächsischen Abschwörungsformel der Täufling Thunaer, Woden und Saxnot entsagt und an den Christengott zu glauben verspricht (S. 190), so wird in einem ags. Denk-sprucliG Wodan als Hauptgott der Heiden dem christlichen Gott gegenübergestellt:

„ Wodan wirkte Irrlehre, der allwallende Gott die weiten Himmel.“

Von Wodan, dem Kriegs- und Siegesgotte, leiteten also alle ags. Könige ihren Stammbaum ab, und noch König Heinrich II. von England, der Zeitgenosse Friedrich Barbarossas, fühlte sich als Nachkomme Wodans. In Altsachsen und in den sächsischen Besiedelungsländern Mecklenburg, Pommern, Altmark und Priegnitz haften bis heute Sagen und Gebräuche von Wodan. Und wie noch heute in den alten Wohnsitzen der Langobarden Frau Gode, Gode fortleben, so berichtet bereits Paulus Diaconus, daß die Langobarden den Wodan unter der Form Gwodan verehrt hätten. (I8. Prolog zum Edikt K. Rotharis; D. S. Nr. 389). Den lateinischen Quellen liegt ein altes stabreimendes Lied zugrunde, und die Alliteration läßt sich noch erkennen:

Es gibt im Norden eine Insel Scadanan, wo viele Völker wohnen, unter ihnen auch ein kleiner Stamm, die Winniler (die Kampfrüstigen). Und es war bei ihnen eine [weise] Frau, Namens Garabara (die Scharfblickende, Kluge), und sie hatte zwei Söhne, der Name des einen war Ybor (Eber) und der des andern Agio (=mhd. Ecke, der Schrecker). Diese hatten mit ihrer Mutter Gambara die Herrschaft über die Winniler. Es erhoben sich nun die Herzoge der Wandalen, Ambri (der Unermüdliche) und Assi mit ihrem Heere, und sie sagten zu den Winnilern: „ Entweder zahlt uns Zins oder rüstet euch zur Schlacht und kämpft mit uns.* Da antworteten Ybor und Agio mit ihrer Mutter Gambara: „Besser ist es für uns, uns zur Schlacht zu rüsten als den Wandalen Zins zu zahlen.“ Da beteten Ambri und Assi, die Herzöge der Wandalen, zu Wodan, daß er ihnen Uber die Winniler Sieg verliehe. Wodan antwortete und sprach: „Die ich bei Sonnenaufgang zuerst sehe, denen will ich den Sieg geben.“ In gleicher Zeit traten Gambara und ihre Söhne zu Frea, Wodans Gemahlin, und flehten um Sieg für die Winniler. Da gab Frea den Kat: die Frauen der Winniler sollten ihre Haare auflösen und um das Gesicht nach Art eines Bartes binden, dann aber frühmorgens mit ihren Männern auf dem Platze sein und sich zusammen da aufstellen, wo Wodan sie sehen müßte, wenn er wie gewöhnlich aus dem Fenster gen Morgen blickte. Als es nun dämmerte und die Sonne aufgehen wollte, drehte Frea, die Gattin Wodans, das Bett, worin ihr Mann lag, richtete sein Antlitz gen Morgen und weckte ihn. Und als er hinaussah, erblickte er die Winniler und ihre Frauen, die das aufgelöste Haar um das Gesicht geschlungen hatten, und er sprach: „Wer sind jene Langbärte?“ Da sagte Frea zu Wodan: „Wie du ihnen den Namen gegeben hast, so gib ihnen auch den Sieg“ (denn es war altgerm. Sitte, daß der Namengebung ein Geschenk folgen mußte; daher stammen unsere Patengeschenke). Und Wodan gab den Winnilem den Sieg, so daß sie sich nach seinem Ratschlüsse wehrten und den Sieg errangen. Von jener Zeit an wurden die Winniler Langobarden, die Langbftrtigen genannt.

Als Kriegsgott erregt Wodan Kampf zwischen Winnilern und Wandalen; beide Völker, also auch die ostgerm. Wandalen, rufen ihn um Sieg an. Er thront im Himmel und hat hier einen Saal (S 243), wie Zeus auf dem Ida sitzt und den Sterblichen zuschaut, wie Helios alles überblickt und vernimmt (II. 3277); von hier aus lenkt er das Geschick der Völker. Er hat die Macht und das Reich des alten Him-melsgottes Tius, und auch Erija, die ursprüngliche Gemahlin des Tius, sitzt ihm zur Seite. Gemütvoller Humor selbst den Himmlischen gegenüber ist deutsche Charakteranlage, es sei an Wodans Begegnung mit dem Mecklenburger Bauern erinnert (S. 234) und an die Schwänke, in denen Gott, Christus und Petrus auftreten. Auf keinen Fall ist deswegen auf junges Alter der Sage zu schliessen. Auch Hera und Athene besteigen gegen den Willen des Zeus den flammenden Wagen, um die zu bekämpfen, denen der Olympier den Sieg verleihen will; aber ganz anders erhebt Zeus seine Stimme (11. 8382 ff).

So wenig wie der heitere Ton, in dem das durch dramatischen Dialog ausgezeichnete Lied verfaßt ist, und die frohe Stimmung, die in Wodans himmlischem Reiche herrscht, gegen hohes Alter der Sage sprechen, darf die etymologische Deutung des Namens der Langobarden dagegen angeführt werden. Die Langobarden sind nicht die „alten Krieger“, noch die mit langen Barten Bewaffneten; diese sind keineswegs eine charakteristische Waffe für sie, denn beim Thing erscheinen die Langobarden mit dem Gere, und als Symbol der Wehrhaftmachung diente ihnen der Pfeil. Der Name des Volkes steht vielmehr zum Wodanskult in engster Beziehung, sie nannten sich nach dem langbärtigen Gotte Wodan. Daß sie sich ihren höchsten Gott auch so vorstellten, beweist der schöne langob. Name „Ansegranus“, der mit dem Götterbarte.

Daß die Langobarden Wodan als chthonischen Gott verehrten, zeigt sein Symbol, die goldene Schlange (S. 244). Für seine Verehrung als Wetter- und Kriegsgott spricht auch folgender Kult; Im Jahre 579 waren die Langobarden teilweise noch Heiden. Bei einer Siegesfeier, bei der 400 Gefangene niedergemacht wurden (zu Ehren des Kriegsgottes Wodan), brachten sie dem Teufel ein Opfer dar. Dieses bestand in dem Haupte einer Ziege, das sie im Kreise umtanzten und mit einem ,,verabscheuungswürdigen“ Liede dem Gotte weihten. Nachdem sie es selbst mit gebeugtem Rücken angebetet hatten, wollten sie dazu auch die Gefangenen zwingen; da diese aber schon Christen waren, zogen sie den Märtyrertod vor (Gregor. Dial. 328). Daß dieses Bocksopfer und der Opferleich dem Wodan galten, lehrt ein anderes Zeugnis (Miracula Apollinaris):

Deutsche Heiden — Alemannen oder Wandalen — fielen in Burgund ein und wollten eine Kirche zerstören, die dem Märtyrer Apollinaris von Chlodwigs Gemahlin gebaut war. Als alle Bemühungen, sie in Brand zu stecken, sich als vergeblich erwiesen, riefen sie ihre Priester zusammen und trieben sie an, nach alter Sitte ihrem Gotte Wodan Ziegen zu opfern und ihn (als Sturmgott) zu bitten, dem Feuer Kräfte zu geben, um den Tempel des Gottes eines fremden Volkes zu verbrennen. Jene brachten auch sogleich ihre unheiligen, törichten Opfer dar und riefen alle einstimmig ihren Wodan an. Aber während sie damit beschäftigt waren, erlosch das Feuer abermals, das an das Gotteshaus gelegt war. Als das die Anführer sahen, stürzten sie über die Diener ihrer Heiligtümer her und wüteten gegen sie mit grausem Mord.

Mit seinem Reiche hatte der leuchtende Gott Tius auch seine Gemahlin an Wodan abtreten müssen (S. 239). Nach der langob. Sage thront Frea neben Wodan im Himmel. Die älteste Vorstellung aber war, daß der Windgott im Sturmge-brause seine Buhle, die vom Winde gepeitschte Wolke, verfolgte; wenn dann der Gott die Verfolgte eingeholt hat, feiert er mit ihr das Fest der Vermählung.

WodanDiese Jagd auf die verfolgte Frau, als eine rohe und altertümliche Form des Brautraubes aufgefaßt, erklärt den Anteil, den der kriegerische Windgott an der deutschen Hochzeitsfeier hat. Dem Brautlaufe liegt der Gedanke zugrunde, daß die Frau durch Kraft und Geschicklichkeit ersiegt werden muß. Durch ungestümes Vorwärtseilen errang sich der Bräutigam beim Wettlaufe die Braut; von dem Gotte, der als der Schnellste und Siegreichste galt, dem unwiderstehlich dahinstürmenden Windgotte Wodan, erhoffte und erflehte er dabei Beistand und Hilfe. Darum ward Wodan als siegreicher Schützer des Brautlaufes und der Hochzeit angerufen, während man die eigentliche Weihe dem hammerbewehrten Donar zuschrieb. Braut- und Liebes-leute wandten sich an Wodan in feierlichem Hochzeitswunsche, und auf Gescheuken, die sie einander verehrten, ritzten sie wohl einen Segenswunsch ein: wie der Gott seine himmlische Gemahlin mit Eile und Ungestüm ersiegt habe, so möge er seinem irdischen Vertreter den eilenden Fuß beflügeln. Ein solcher alter Hochzeitswunsch ist uns auf der •sogenannten Nordendorfer Spange erhalten (Abb. 10, 11). Im Jahre 1843 stießen die Arbeiter beim Bau der Eisenbahn von Augsburg nach Donauwörth in der Nähe von Nordendorf auf menschliche Gebeine und mannigfache Schmuckgegenstände aus dem 6. oder 7. Jhd. Man hatte einen alten Kirchhof aufgefuuden: die Köpfe waren nach Westen, die Fußenden nach Osten zu gekehrt. Die Reste der Vergangenheit werden uns zu Zeugen des Glaubens und Lebens unserer Vorfahren.

Auf dieser Nordendorfer Spange stehen die Runen: RunenEine Gewandspange mit einem feierlichen Hochzeitswunsche darf als ein passendes Hochzeitsgeschenk angesehen werden, das die Braut dem Geliebten überreichte. In dem Spruche: Loga l>ore Wodan, wigi Thonar = ,,die Heirat ersiege, Wodan; weihe, Donar!“ sind Wodan und wigi, £>ore und ponar durch gleichen Anlaut gebunden: es ist ein aus zwei Kurzzeilen bestehender Langvers. Auch die Namen des alemannischen Liebespaares sind erhalten; von einer anderen Hand ist der Inschrift ein zweiter Teil zugefügt: „Awa hat die Spange dem Leubwini geschenkt.“ Und wie in den Zwölfnächten Wodan als Sankt Nikolaus mit breitkrämpigem Hute, oder als Schimmel oder Schimmelreiter erschien, für dessen Pferd die Kinder Heu und Hafer in ihre Schuhe steckten, die Alten eine Sache ins Freie stellten, so erschien im vorigen Jahrhundert in der Nacht zur Hochzeit „eine wodanähnliche Figur, ein Schimmelreiter mit rotem Mantel und breitkrämpigem Hut“

Aber Wodan blieb nicht mehr bloßer Naturgott, sondern er entwickelte sich zu einem Kulturgott im höchsten Sinne des Wortes. Bereits in historischer Zeit ist er bei den Istwäonen unter dem Einflüsse der von Süden und Norden her eindringenden Kultur zum Spender alles Segens, Gott des Rechtes, der Gewandtheit und der Erfindung, der Wissenschaft und der Dichtkunst geworden. Alles Schöne und Edle wird auf ihn übertragen, alles Hohe und Herrliche stammt von ihm, jeder Wunsch wird von ihm gewährt. Wie auf germanischen Denksteinen Tius mit der Victoria erscheint, so werden dem Wodan (Mercurius) und der Felicitas oder Fortuna von den Gardereitern Inschriften geweiht. War Wodans Speer ursprünglich der aus der nächtlichen Wolke geschleuderte Blitz, dann das Symbol des Schlachtengottes, so erhielt der Speerwurf jetzt auch rechtliche Bedeutung (S. 235). Regelmäßige Stöcke oder Pfähle wurden zur Landmessung in die Erde gestoßen und das abgesteckte Gebiet dem Schutze Wodans empfohlen; darum war Yönstoc (Vödenstoc, Wodans Stock oder Pfahl) im ags. ein Grenzmal, und wenn in den Niederlanden ein gewisses Handmaß oder die Spanne Woenslett (Woedensglied) heißt, so erscheint auch in dieser Anwendung Wodan als Gott des Maßes.

Er wird selbst als König der Götter angerufen: ein Bataver Blesio weiht dem Mercurius rex (dem Könige Wodan) einen Stein, der am Ufer der Waal gefunden ist, und auf einer anderen, bei Aachen gefundenen Inschrift wird Wodan Mercurius \Leudisio genanut, Herrscher über alles und alle.

Vom Rhein aus erobert sieh Wodan seine Macht und Stellung, ursprünglich dem Himmelsgotte Tius untergeordnet, dann mit ihm sich in die Herrschaft teilend und endlich unbestritten der alleinige Gebieter der Götter und Menschen. Tacitus versichert, daß die Deutschen vorzüglich den Mercurius, Hercules (Donar) und Mars (Tius) verehrten. Aus den allgemeinen Andeutungen geht hervor, daß Wodan wie Tius dem Kriege Vorstand. Die vornehmsten Opfer waren Menschenopfer, und diese fielen dem Mercurius (Germ. 9, Ann. 1357). Die Anwendung klassischer Namen auf deutsche Götter, die interpretatio Roniana, verbreitete sich allgemein und wurde von den lateinischen Schriftstellern der folgenden Jahrhunderte mit genauer Übereinstimmung beibehalten. Paulus Diaconus sagt: Wodan, den sie mit vorgeschlagenem Buchstaben GWodan nennen, ist derselbe, der bei den Römern Mercurius heißt. Die Alemannen opferten ihrem Wodan, den andere Mercur nennen (Jon. v. Bobbio); Mars und Mercur sind die Götter, zu denen Chlodovech betet (S. 211). Hengist und Horsa verehren besonders den Mercur, der in der heimischen Sprache Wodan heiße. Die Deutschen nannten den vierten Wochentag, den Tag des Mercur (frz. Mercredi) nach ihrem Gotte Wodan: noch heute heißt der Mittwoch ndd. Gudenstag, engl. Wednesday, ags. Vödenes däg, holländ. Woensdag. Wenn die Römer Wodan mit Mercur Wiedergaben, so mag Tacitus immerhin die Stelle Casars vorgeschwebt haben, daß die Gallier eine an Mercur gemahnende Gottheit verehrt hätten (b. g. 617), und ihre Kenntnis des gallischen Mercur (keltisch Lug) mag bei ihrer Verdolmetschung mitgewirkt haben, aber als tatsächlicher Bestand bleibt doch, daß Wodan eine Gottheit war ähnlich dem aus Hermes entwickelten Mercur, geistig rührig, überall in das Leben eingreifend, ein Förderer des Verkehrs, gewandt in Rede und Wort. Hermes und Wodan sind Windgötter, Schnelligkeit und Kraft sind beiden gemeinsam. Wie Wodan seine Lieblinge auf sein Götterroß hebt, so trägt Hermes den Ganymed in den Himmel empor. Beide wehren Krankheiten ab, schützen die Flur und die Herde und sind Führer des Totenheeres. Dem wilden Jäger entspricht Hermes diäxioQos (dtdwco* wegtreiben, jagen). Beiden sind Berge heilig, und auch Hermes ist in einer Gebirgshöhle verborgen. Wie dem Hermes das erste und beste Los heilig ist, so gilt Wodan als Erfinder der Losrunen und Glücksspiele. Wie Hermes trägt Wodan den breitrandigen Hut und den wallenden Mantel.

Tacitus hat bei seiner Schilderung der Deutschen vorzüglich die rheinischen Völker im Auge. Am untern Rheine waren die Germanen zuerst mit der keltischen und dann mit der römischen Kultur in Berührung getreten. Noch als Nomaden waren die Istwäonen mit ihren Herden iu das zur Weidewirtschaft geeignete Keltenland hinabgestiegen und hatten sich in den Häusern und geschlossenen Einzelhöfen der Kelten festgesetzt. Während sonst das germanische Dorf mit seinen Häusern und Gäßchen, den ringsumgebenden Ackerfluren, dem umfangreichen Wiesen-, Weide-und Waldland den Siegeszug der Deutschen bis in das Herz Galliens begleitet, sind die Einzelhöfe keltischen Ursprunges. Als die Istwäonen in das keltische Gebiet eindrangen, wurden die bisherigen Besitzer, soweit sie nicht entflohen oder umkamen, ihre Sklaven oder Liten. Diese keltisch-germanische Mischkultur der Istwäonen trat in der Zeit zwischen Cäsar und Tacitus durch die Feldzüge des Drusus, Tiberius, Varus und Germa-nicus mit der noch höher entwickelten römischen Kultur in Beziehung. In Krieg und Frieden, Rechtspflege und Handelsverkehr waren Berührungen zwischen Germanen und Römern unvermeidlich; acht römische Legionen lagen zur Zeit des Tiberius am Rhein. So ward dem Lande und seiner Kultur vornehmlich ein militärischer Charakter gegeben, aber auch die Namen der Wochentage, der Monate, das Alphabet drangen von Rom aus an den Rhein. Als Tiwaz Istwaz bei den Rheinländern von Wodan verdrängt wurde, ward Wodan der Träger dieser höheren Kultur. Ausbildung der Kriegskunst und bessere Bewaffnung, Beredsamkeit und höheres Wissen, Gewandtheit und Erfindungsgabe verdankte man ihm. Der Gott selbst zeigt jetzt kriegerisches, ritterliches Gepräge: er führt den Speer oder das Schwert, sprengt auf mutigem Roh einher, die Brust bedeckt mit goldener Brünne. Waren die istw. Marsen noch zur Zeit des Germanicus (14 u. Chr.). Pfleger des Heiligtums des Tius und der Tanfana, so wurden die gleichfalls istw. Ansiwaren, nördlich der Sieg, die Wahrer und Hüter des istw. Ans- oder Wodandienstes und errangen unter den Istwäonen die führende Stellung. Schon Tacitus deutet an, daß sie ein gewisses Stammesansehen genossen, Adel und Königsgeschlecht der ripuarischen Franken sind ansiwarisch, anscheinend auch die Familie der Pippiniden. Julian muß gegen die Franken, die „auch Ansiwari heißen^, über den Rhein zu Felde ziehen, die Nachricht des Tacitus von ihrer Vernichtung ist also ein Irrtum (Ann. 1356; D. S. 366); von ihrem Lande nördlich der Sieg begründeten die Ansiwari die Macht des ripuarischen Frankenreiches.

Von den istw. Stämmen rückt der Haupt- und Kulturgott Wodan zu den andern deutschen Stämmen vor und nimmt auch bei ihnen die Stelle des Tius ein. Charakteristisch für Wodans Vordringen ist die Geschichte seines Stammes. Während die got. Amelungensage die Macht und Herrlichkeit der Treue preist, zeigt die rheinische Nibelungensage das zerstörende Wirken der Untreue. „Den Franken ist es erb und eigen, lachend das Treuwort zu brechen“ (Vopiscus): keine Hindernisse schrecken das merovingische Königsgeschlecht von seinem Ziele, der Alleinherrschaft, zurück, in blutigen, rücksichtslosen Kämpfen wird das Königs- und Adelsgeschlecht ausgerottet, auch nach Einführung des Christentums wuchern Verrat und Mord in unerhörten Greueltaten fort, aber ein deutsches Land nach dem andern unterwirft sich dem salischen Eroberungstriebe, dessen unersättlicher Vertreter Chlodovech ist, bis sich in ungeahntem Glanze das fränkische Reich erhebt. So erobert der Götterkönig Wodan einen Stamm nach dem andern in unvergleichlichem Siegeszuge, die Ingwäonen wie die Erminonen, und drückt seinen Namen und sein Gepräge so unauslöschlich fest auf die deutsche Geistesbildung, daß Wodan als die Verkörperung des deutschen Glaubens gelten darf. Der dichterische, fürstliche, siegreiche Wodan, der unbestrittene Göttervater und Götterherrscher dringt nach Norddeutschland zu den Sachsen und Langobarden und zu den Nordgermanen; hier ist er in seinem vollen Glanze erhalten. Noch bevor die Langobarden .ihre alten Wohnsitze an der untern Elbe verließen, muß Wodan ihr Hauptgott gewesen sein. Aber auch bei den ost-germ. Vandalen muß er damals schon seinen Siegeseinzug gehalten haben. Mindestens gleichzeitig, wenn nicht schon früher, haben ihn auch die Sachsen verehrt. Wie fest hier seine Verehrung wurzelt, bezeugen die ags. Königsgenealogien, die ins 5. Jhd. zurückreichen, die Abschwürungsformel noch aus dem 8. Jhd., und das Verzeichnis heidnischer und abergläubischer Gebräuche und Meinungen aus der Zeit Karls des Großen. Wodansopfer und Wodansheiligtümer werden in ihm verboten, sowie Wochentage (den Mittwoch) ihm zu Ehren vor den übrigen auszuzeichuen (Indiculus Nr. 8; 20). Eine Musterpredigt aus derselben Zeit verbietet Opfer, die dem Donar und Wodan über Felsen, an Quellen, an Bäumen dargebracht werden, und die heidnische Mittwochfeier. Den Nordfriesen heißt der Mittwoch noch heute Winjsday, Winsday = Wodanstag. In Mitteldeutschland verehren ihn die Thüringer als den höchsten zauber- und heilkundigen Gott, in Hessen und Thüringen findet sich ein Wodensberg. Selbst den suebischen Bauern in Spanien galt im 6. Jhd. der Mittwoch als Wodanstag für besonders heilig, an dem man nicht arbeiten dürfte (Mart. v. Bracara, S. 247). Es fällt daher nicht allzuschwer ins Gewicht, daß auf süddeutschem Boden ein Wuotanestac nicht belegt ist (S. 184). Denn die Nordendorfer Spange, der Eigenname Wuotan, der 17mal im 9. Jhd. vorkommt, die Glosse wötandyrannus, das Zeugnis des Jonas von Bobbio und der Miracula Apollinaris (S. 251) beweisen, daß Wodan in Oberdeutschland keineswegs bloßer Nacht- und Windgott wie im Münchener Nachtsegen öder gar nur ein Dämon war. Die Angabe des Langobarden Paulus Diaconus wäre unbegreiflich, wenn gerade die nächsten Grenznachbarn seines Stammes, Alemannen und Bayern, eine so auffällige Ausnahme gebildet hätten. Paulus Diaconus wird mit Recht für die Zeit vor der Bekehrung behaupten: Wodan wird von allen Stämmen Germaniens als Gott verehrt.

Germanenherz aus dem Buch: Deutsche mythologie in gemeinverständlicher darstellung (Paul Herrmann 1906).

ergänzende Beiträge

Julfesten

Germanenherz Julfesten

Wenn durchs Land der Herbstwind pfeift, sind schon Berg und Tal bereift,
dann wendet sich mit frohem Sinn, unser Herz zur Julzeit hin:
Herbststürme brausen, grau das Himmelszelt,
wir harren und hausen in unsrer dunklen Welt.
Kein Wettersturm ist uns zu hart; wir sind von Nordlands Art!

Hat der Julmond Schnee gebracht, freuen wir uns dieser Pracht.
Hei, frisch die Schneeschuh angeschnallt, uns ist kein Schnee zu kalt;
Schneestürme brausen über Wald und Feld,
wir schlittern und sausen durch unsre weiße Welt.
Kein Aufwärts ist zu steil, zu hart, wir sind von Nordlands Art!

Hat die Zeit uns wohlgetan, sehnen wir das Fest heran,
die Sonnenwend mit neuem Licht, das hell ins Finstre bricht:
Lichter erhellen jedes deutsche Haus, wo wir uns gesellen,
bei Wetter, Sturm und Braus, ums heilge Feuer froh geschart,
wir sind von Nordlands Art!

Das Julfest ist ein nordeuropäisches Fest der Wintersonnenwende. Es ist eines der 8 Jahreskreisfeste der alten Germanen. Wintersonnenwende – Das große germanische Fest Rauch von Holz und Harz liegt in der Luft ich atme ein den verlockenden Duft Yulezeit ist da,… Weiterlesen

Wintersonnenwende – Das große germanische Fest

Rauch von Holz und Harz liegt in der Luft ich atme ein den verlockenden Duft Yulezeit ist da, Yulezeit ist da Im tiefsten Winter, so einsam die Nacht die Sonne wendet und Balder erwacht Stellt das Sonnenrad auf, stellt das Sonnenrad auf … Weiterlesen

Zauberei und Hexerei

Germanenherz-Toto-Haas-Banner-kleinDie alten Deutschen kannten Zauber mit Tat und Wort; den ersteren verbietet Nr. 10 des Indiculus (de phy-lacteriis et Ugaturis), den zweiten Nr. 12 (de incantationibus). Das Wort Zauber (ahd. zoubar) selbst bedeutet eigentlich „Mennig“, die rote Farbe, mit der die Runen in die Lostäfelchen eingetragen wurden. Das Zauberlied ist die älteste nachweisbare Dichtungsart der Germanen wie der Indogermanen überhaupt, und die Sprache lehrt, daß Zauberei mit dem Wort und der Dichtkunst eng zusammengehört. „Lied“ ist ursprünglich das Zauberlied, ebenso hat ahd., as. galdar oder galstar von Hause aus die Bedeutung „Zaubergesang“, „Zauberlied“: es wurde in halbsingendem Tone langsam und feierlich gesprochen; auch „schwören“ bedeutet ursprünglich „mit lauter, halbsingender Stimme etwas äußern“. Neben dem Liede geht das Wort her, neben der gesungenen Zauber weise die gesprochene Segensformel. Dahin gehört engl, spell „Zauberspruch, Zauber“, verglichen mit ags. spell „Erzählung, Geschichte“ von einer Wurzel „sprechen, singen“. Als die Langobarden viele ihrer Sklaven zu Freien machten, um die Zahl ihrer Streiter zu vergrössern, bekräftigten sie ihnen vermittelst eines Pfeiles die Weihe und murmelten dabei noch einige Worte in ihrer Sprache, um der Sache Festigkeit zu verleihen (Pis. Diac. 1, 3); gemeint ist ein Zauberspruch, der die ungewöhnliche Handlung zum Heile wenden sollte.

Das deutsche Heidentum kannte eine erlaubte und eine verbotene Zauberei, eine weiße und eine schwarze Magie, nach mittelalterlichem Ausdrucke Gotteswerk und Teufelskunst.

Da der Tod das Werk schadenfroher, feindlicher Geister ist, muß der Priester zugleich Arzt, Medizinmann sein und einmal den Verkehr mit diesen Mächten vermitteln, dann auch eben dadurch über Leben und Gesundheit der Stammesgenossen wachen. Wenn eine Seuche das Land verheert, der gewohnte Regen oder Sonnenschein ausbleibt, ein Verwandter oder ein Tier plötzlich krank wird, ist der böse Geist die Veranlassung, und nur der Zauberer vermag den Schaden abzuwehren. Er kann umgekehrt die bösen Geister beschwören und bannen, die Zukunft Voraussagen und Verstorbene heraufrufen, kurz das Leben und den Besitz durch Wundertaten schützen und sichern. Seine Tätigkeit besteht also in dem Abwehren des Schädlichen und in dem Zuwenden des Heilsamen, für sich wie für seine Umgebung. Männer und Frauen können den Zauber ausführen, doch überwiegen die männlichen Priester.

Die Seele ist nicht unabänderlich an den Körper gebunden; in dem Augenblicke, wo sie den Leib verlassen hat, kann ein feindseliger Geist in den Körper einfahren und den betreffenden Menschen zum Werkzeuge seiner Bosheit machen. Er ist dann mit übernatürlichen Kräften ausgestattet und imstande, Besitz, Gesundheit und Leben anderer Menschen zu schädigen, Enthüllungen über die Zukunft zu geben und staunen-erregende Taten auszuführen, aber gewissermaßen auf unrechtmäßige Weise. Der Zauberer sieht in ihm natürlich einen Nebenbuhler, und seine Bekämpfung wird ihm um so leichter, als die Tätigkeit des Gegners vorwiegend vernichtend, schädigend ist. So entbrennt der Kampf zwischen weißer und schwarzer Kunst. Besonders das weibliche Geschlecht mit seiner zarteren, nervöseren Veranlagung und seinem Hange zum Übersinnlichen, Mystischen ist solchen Einflüssen und Verzückungen ausgesetzt. Derartige Zustände bezeich-nete das deutsche Heidentum als „Ausfahren mit der Nachtfrau“. Darum heißt im Münchener Nachtsegen „du sollst mich nicht entführen“, soviel wie du sollst meinen Geist nicht hinwegführen“. Bedenkt man, daß die Wesen, die Feld und Flur, Menschen und Vieh schädigen, überwiegend Weiber sind, und daß sie ihre Gestalt tauschen und besonders zur Nachtzeit ausfahren können, so hat man die Grundlage des deutschen Hexenglaubens. Der Hexenglaube zeigt deutlich noch die ganze ungebrochene Kraft des Seelenglaubens und darf als ein allgemein menschlicher Wahn angesehen werden.

In heidnischer Zeit bestand also bereits ein scharfer Unterschied zwischen Zauberei und Hexerei, der sich noch bis in die Anfänge des Christentums verfolgen läßt. Aber die einzelnen Merkmale sind auch schon zuweilen ineinander übergegangen. Seitdem Könige und Häuptlinge selbst den Kult der allmächtigen Götter versehen, dauert die Macht der alten Zauberpriester nur im Geheimen fort. Niemals wird ihre Tätigkeit vom Staate beansprucht. Nur der Einzelne, der sich nicht über den engen Kreis des Gespensterglaubens zu erheben vermag, wendet sich an sie und hofft von ihnen Rat und Hilfe in Fällen, die das helle Sonnenlicht scheuen. So wird die Zauberei bereits im Heidentume zur Hexerei.

Zauber und Götterkultus verhalten sich zueinander etwa wie Aberglaube und Glaube. Denn Aberglaube ist nicht nur nach einem bekannten Worte Friedrichs des Großen „ein Kind der Furcht, der Schwachheit und der Unwissenheit“, sondern etymologisch „nachgebliebener Glaube“ und dann eine verächtliche Bezeichnung für Reste einer überwundenen Weltanschauung, die aber noch weiter auf das Handeln und Denken der Menschen ein wirkt und dementsprechend Gebräuche Jiervorruft. Aus der Beseelung der Natur folgt, daß das höhere Wissen des Zauberers die schädliche Einwirkung der Seelen verhindern, ihren freundlichen Einfluß zu sich oder andern hinleiten kann. Wie noch heute die Naturvölker, glaubten auch die alten Deutschen, ein Seelenwesen an einen bestimmten Platz oder Gegenstand bannen zu können, von dem dann die heilsame Wirkung ausging. Großer Segen war dem beschieden, der einen solchen zauberkräftigen Schatz immer bei sich trug. Schmuck, Steine, Kräuter und Knochen gelten noch heute als Amulett, als der Sitz eines schützenden Geistes- oder Seelenwesens.

„Das Beschwören der Kräuter zu schändlichen Taten und das Anrufen der Dämonen beim Beschwören, was ist es anders wie Teufelsdienst ?“ (Mart. v. Brac.; de corr. rust. 16). Prim in, der Stifter des Klosters Reichenau, Zeitgenosse des Bonifatius, der schon bei seiner Ankunft durch die Kraft des hl. Kreuzes alle Schlangen und sonstiges schädliches Gewürm vertilgt hatte, verbietet in seiner alemannischen Musterpredigt, an Spruch-und Loszauberer, Wahrsager, Wettermacherinnen und Vorzeichen zu glauben, Zauberzettel, Zauberkräuter und Bernstein anzuhängen (Dicta abbatis Pri-minii K. 22). Regino von Prüm eifert gegen Hirtensegen über Brot und Kräuter und Binden, die, in den Bäumen verborgen oder auf Kreuzwege gelegt, die eigenen Tiere von Krankheit befreien und diese anderen zuführen sollen.

Der Indiculus (Nr. 10) verbietet solche Schutz- und Hilfsmittel vor und in allerhand Not (phylacteria), aus den verschiedensten Stoffen hergestellt, und solche, die angehängt oder angebunden werden (ligaturae). Solche Amulette waren, wie die Erlasse der Kirche zeigen, aus Knochen oder Bernstein hergestellt, aus Pflanzen, Schriftzeichen usw. Um die zauberhafte Wirkung zu erhöhen, wurden Zauberlieder gemurmelt. Bei Burchard von Worms lautet eine Beichtfrage: .Hast du dich befaßt mit Angebinden (ligaturae) und Zauberliedern und den mannigfachen Hexereien, wie sie nichtswürdige Leute, Sau- und Kuhhirten und bisweilen Jäger treiben, indem sie Teufelslieder sagen auf Brot oder auf Kräuter und auf gewisse nichtsnutzige Binden und diese dann in einem Baume verbergen oder an einem Kreuzwege hinwerfen, um von Krankheit und Verlust ihre Herden und Hunde zu befreien und diejenigen anderer zu schädigen?“ Noch heute sind geschriebene Amulette Zauberschutzmittel gegen Krankheiten, Gefahren, Verwundung, Behexung usw.; meist werden sie auf bloßem Leibe getragen, bisweilen muß man sie auch verschlucken.

Der Zauberer vermag auch auf die Seelen einzuwirken, indem er ihnen symbolisch an einer bildlichen Handlung zeigt, was er von ihnen begehrt. Wenn man des Morgens das heilige Feuer entflammte, so förderte dieser Zauber den Aufgang der Sonne. In dieser ovi-ind&eia, dem Parallelismus zweier Ereignisse, haben noch heute viele Gebräuche ihren Ursprung. Die Sympathie lehrt solchen Zauber vermittelst des Abbildes: man kann eine Wirkung durch eine Handlung erzielen, die dem Vorgänge selbst ähnlich ist. Man legt einen Teil eines Tieres oder ein Kraut auf die kranke Stelle und hängt es dann in den Herdrauch oder vergräbt es; wie es verdorrt, so nimmt auch die Krankheit ab. Was in der Landwirtschaft wachsen und gedeihen soll, muß bei zunehmendem Monde, was schwinden und vergehen soll, bei abnehmendem Monde vorgenommen werden. Alte Weiber im Saalfeldischen schneiden den Rasen aus, den ihr Feind betreten hat, und hängen ihn in den Schornstein oder legen ihn hinter den Herd, damit auch der Mensch sich abzehrt; schon Bur-chard von Worms kennt diesen Wahn.

Der höhere Kultus ist reich an solchen Gebräuchen, die ursprünglich zauberhafte Bedeutung haben und das gewünschte Ereignis herbeiführen, indem dabei ein Bild dieses Ereignisses dargestellt wird. Der Regen- und Sonnenzauber ist erst später zu den heiligen Riten bei der Verehrung der mächtigen Götter hinzugetreten. Burchard von Worms meldet, daß die Mädchen in Hessen und am Rheine die kleinste aus ihrer Mitte entkleideten, mit Laub umhüllten und an die Stelle führten, wo Binsen wuchsen, ihr diese an die rechte Fußzehe banden und sie mit Laubzweigen in den Händen an den nächsten Bach geleiteten, mit ihren Büscheln Wasser über sie sprengten und schließlich im Krebsgänge heimzogen: alsbald ergoß sich Regen. Indische, griechische, römische, sla-vische und deutsche Bräuche stimmen darin überein, daß man bei Dürre Wasser ausgoß, um für das nächste Jahr hinreichenden Regen herabzulocken. Gleichfalls uralt ist die Sitte, einen in Laub gekleideten Mann oder eine nackte Jungfrau mit Wasser zu begießen, um durch das Begießen das himmlische Naß herabzuzaubern. Wie man sich die Wolken als Tiere vorstellte, so faßte man auch das ganze Himmelsgewölbe als ein Fell auf. Im Indischen schoß man bei der Sonnwendfeier Pfeile auf ein Kuhfell: die Schüsse sollten den Verschluß des Himmels öffnen und dem ersehnten Regen durch die entstandenen Öffnungen Durchgang verschaffen. Im Hochsommer bei anhaltender Dürre zogen die magnesi-schen Jünglinge, in Schafsfelle gekleidet, auf den Pelion zu Zeus; in Athen diente das Fell eines bei den Diasien geopferten Widders zu Sühnezeremonien. Die Langobarden verehrten einen Baum, der nicht weit von den Mauern von Benevent stand, als heilig; sie hängten ein Fell daran auf, ritten dann alle zusammen um die Wette, so daß die Pferde von den Sporen bluteten, hinweg, warfen mitten im Laufe mit Wurfspießen rückwärts nach dem Fell und erhielten dann jeder einen kleinen Teil davon zum Verzehren. Dieser Ort hieß noch im 9. Jhd. Votum (V. Barbati). — Die wichtigsten Formen des Sonnenzaubers sind das Scheibenschlagen oder Radwälzen, der Fackellauf zur Befruchtung der Felder und Obstgärten, und das Hindurchspringen und Hindurchtreiben von Menschen und Tieren durch das Feuer, um Gesundheit zu erlangen. Das Feuer wurde durch Drehung eines die Sonne darstellenden Rades oder einer Scheibe erzeugt: der Sonnenzauber soll der Vegetation Licht und Wärme sichern.

Eine besondere magische Kraft wohnt dem Wort inne; Gebet und Zauber gehören naturgemäß zusammen. Manche Zauberformeln reichen in ihrer Anlage in die indogermanische Urzeit zurück; der Merseburger Spruch gegen Verrenkung findet sich z. T. wörtlich im Indischen wieder. Der höhere Kultus hat sich ihrer bemächtigt, sie auf die grossen Götter übertragen, vertieft und dichterisch ausgestattet. Die Kraft des Zaubers wird erhöht, wenn die zu erreichende Wirkung mit Vorgängen aus der Götterwelt verglichen wird: die zauberische Macht, die den Göttern den erwünschten Erfolg brachte, wird in jedem ähnlichen Falle von neuem sich betätigen. Zaubersprüche gegen Krankheiten sind in England um 670 bezeugt; sie sind gewiß vom Festlande mit hinüber genommen. Im 7. oder 8. Jhd. werden in den nördlichen Teilen des fränkischen Reiches Zauberlieder erwähnt gegen Schlangenbiß, Krampf, allerlei Geschwüre, Durchfall, Bienenstich, Bandwurm und andere Eingeweidewürmer, Kopfweh, Hühneraugen, Rose, Stich des Skorpions, Nasenbluten, gegen Räude des Viehes, gegen Ungeziefer im Garten und Feld und gegen Behexung. Ein altsächsischer Spruch gegen Lähme des Pferdes lautet: „Ein Fisch schwamm das Wasser entlang, da wurden seine Federn (Flossen) verletzt, da heilte ihn unser Herr. Derselbe Herr, der den Fisch heilte, heile das Boß von dem Hinken Sächsisch und hochdeutsch ist ein Zauberspruch „gegen die Wurmsucht“; stechende Schmerzen schrieb man bohrenden Würmern zu. Die Krankheit soll in einen Pfeil gebannt werden, und wrenn der Wurm in ihn hineingekrochen ist, wird der Pfeil in den Wald geschossen:

„Geh aus, Wurm, mit neun Würmlein;

Heraus von dem Mark in die Adern,

Von den Adern in das Fleisch,

Von dem Fleische in die Haut,

Von der Haut in diesen Pfeil.“

Den altertümlichen epischen Eingang hat der Spruch gegen Pferdekrankheit aus dem 9. Jhd. bewahrt:

Ein Mann ging seinem Wege nach, zog sein lloß hinter sich drein;

Da begegnete ihm mein Herr mit seinem himmlischen Gefolge.

„Warum, Mann, gehst duf warum reitest du nicht?“

„Wie kann ich reiten! Mein Roß ist steif geworden.“

Dann zieh es hier bei Seite und raune ihm in das Ohr,

Tritt es an den rechten Fuß, so wird es von der Steifheit geheilt.“

In dem Münchener Nachtsegen zitiert der von den Geistern des wilden Heeres und des Alptraumes heimgesuchte Schläfer verschiedene Bibelstellen, die ihn vor den „klingenden Zaubergesängen“ der Unholde schützen sollen (vor den klingenden golden). Also auch feindlichen, Unheil bringenden Zauber kannten unsere Vorfahren und schrieben ihn tückischen Menschen und Mächten zu. Hier ist, wie schon bemerkt (S. 46), die Wurzel des heidnischen Hexenwahns zu suchen. Mit der Auffassung der Hexe als eines Geistes oder einer Mare sind Vorstellungen von irdischen, feindlichen Zauber treibenden Frauen vermischt.

Schon bei Bischof Burchard von Worms heißt es:

»Wer wird nicht in Träumen und nächtlichen Gesichten aus sich selbst herausgeführt, und wer sieht nicht vieles im Schlafe? Wer wäre aber so töricht und stumpfsinnig zu glauben, daß das alles, was bloß im Geiste geschieht, auch mit dem Leibe vorgehe?“ »Hast du getan, was gewisse Weiber zu tun pflegen und fest glauben, ich meine, daß, wenn ein Nachbar an Milch und Bienen Überfluß hat, sie den ganzen Überfluß an Milch und Honig sich und ihren Tieren oder wem sie wollen, mit Hilfe des Teufels, durch ihre Blendwerke und Zaubereien zuzuwenden glauben?“

Die Kirche hat keineswegs von Anfang an den Hexenwahn genährt, sondern den ganzen Glauben an Unholden, Hexen auf die Dummheit des Volkes zurückgeführt. »Hast du geglaubt“, heißt es weiter bei Burchard, »daß es ein Weib gebe, das zu tun vermag, was einige, vom Teufel getäuscht, tun zu müssen versichern: nämlich, daß sie mit einer Schar Teufel, die in die Gestalt von Weibern verwandelt sind, die die Dummheit des Volkes Unholden nennt, in gewissen Nächten auf Tieren reiten müssen und zu deren Gesellschaft gezählt werden?“ Burchard bedroht geradezu den Glauben an die Wirklichkeit der Hexerei mit Kirchenstrafen: »Hast du je geglaubt oder Teil gehabt an jenen, die sagen, sie könnten durch Verzauberung Wetter machen oder die Gesinnung derMenschen bewegen (ebenso Pr im in). Hast du geglaubt oder teilgehabt an jenem Wahn, daß ein Weib sei, das vermittelst gewisser Zaubereien und Beschwörungen die Gesinnungen der Menschen, so Haß in Liebe oder Liebe in Haß zu verwandeln oder die Güter derMenschen durch ihre Blendwerke zu rauben vermöge? Wenn du dies geglaubt oder daran teil genommen hast, hast du ein Jahr Buße zu tun.“

In diesen Zeugnissen des ll.Jhd. sind die drei charakteristischen Hexenmerkmale enthalten: sie fahren zur Nachtzeit aus und reiten durch die Lüfte, in verwandelter Gestalt, sie schädigen den Menschen und seine Habe, Feld und Flur, sie machen das Wetter. Der Hexenausritt, die Nachtfahrt der Unholden, verrät deutlich Ursprung aus dem Seelenglauben. Schon die Kirchenversammlung von Ancyra (um 900) erwähnt den Glauben an Hexenritte: „Verbrecherische Weiber glauben durch Verblendung des Teufels, daß sie nächtlicher Weile mit Diana oder Herodias und vielen Frauen auf Tieren reitend über weite Länder flögen und in gewissen Nächten zum Dienste jener heidnischen Dämonen berufen würden.“ Im Münchener Nachtsegen heißen die Hexen darum „die nahtvarn“, „die zünriten“ d. i. die auf dem Zaune Reitenden, und „die wege-schriten“, d. i. die einen Weg Schreitenden, die Umherschweifenden, oder die plötzlich auf den Wegsschreitenden, oder schrittlings auf dem Wege stehenden Gespenster. Die beiden ersten Namen müssen sehr alt sein, da sie auch im Nordischen begegnen (kveldridur, tünridur). Sie heißen auch Taustreicherinnen, weil sie in der Johannisnacht den Tau von den Wiesen sammeln. Die Hexe weicht vor dem Besen — denn vor dem fegenden Besen verläßt die Seele das Haus; aber die Hexe reitet auch auf dem Besen, denn die Seele hat hinter dem Herde ihren Wohnsitz, wo der Besen aufbewahrt wird. Als Seelen fahren die Hexen mit dem wilden Heere; ihre Schar, wie schwarze Wolken erscheinend, verdunkelt die Luft. Ein Jäger schoß hinein, und sogleich stürzte ein nacktes Weib tot herunter: das war die Hexe, die immer im Wetter ist. Nach Hexeuakten des 16. und 17. Jhds. versammeln sich die Hexen an Wasserbächen und Seen und schlagen solange hinein, bis Nebel aufsteigen, die sich allmählich in finstere Wolken verdichten: auf diesen Wolken fahren sie dann in die Höhe. Als seelisches Wesen verwandelt sich die Hexe in allerlei Tiere, die oft als dreibeinig bezeichnet werden. Unsichtbar schleicht sie als Alp durch ein Astloch aus und ein, drückt und quält den Schläfer, d. h. sie reitet auf ihm oder saugt ihm das Blut aus. Eine Bürgermeisterin zu Magdeburg litt 1592 an dem Alpdrücken: die Zauberin, die ihr den Alp angehext, wurde entdeckt und verbrannt.

Zu einem Knechte kam die Hausfrau in die Kammer, einen Zaum und eine Peitsche in der Hand, und warf ihm diesen über die Ohren. Da ward er plötzlich in einen schwarzen Hengst verwandelt, auf dem sie nach dem Blocksberge ritt. Schlag Zwölf kamen von allen Seiten die Hexen, auf Besenstielen, Ofengabeln, Feuerzangen, Dreschflegeln, Ziegen und Böcken reitend. Sie aßen und tranken und sangen. Beim ersten Hahnenschrei brach alles auf, die Hausfrau des Knechtes bestieg wieder ihr Pferd. An einem Wasser unterwegs hielten die Hexen an, um ihr Vieh zu tränken. Da warf der Hengst seine Reiterin in das Wasser, stand wieder als Mensch vor ihr, warf nun selbst den Zaum über den Kopf der Hexe, wodurch sie in eine schwarze Stute verwandelt wurde, und ritt weiter. Dabei kam ihm der Gedanke, sein Pferd beschlagen zu lassen; vier tüchtige Eisen wurden auf ihre Hufe genagelt, wobei sie sich gar jämmerlich anstellte. Am andern Morgen lag die Hausfrau krank zu Bette, und man fand an ihren Händen und Füßen vier blanke Hufeisen.

Lähmung und Geschwulst bei Mensch und Tier, Gelenkrheumatismus und Tobsucht schrieb man der Tätigkeit der Hexen zu. Das älteste Beispiel für den letzten Fall steht schon bei Dio Cassius (1715): Alemannen erzählten, Zauber-mittel angewendet zu haben, um den Kaiser Caracalla wahnsinnig zu machen. Hexenschuß, Alpschuß oder rnarg-schoß (Mahrschuß) heißen noch heute solche rheumatische Schmerzen, die man sich durch -eine Erkältung während des Schlafes zuzieht; der Name zeigt, daß sie der Volksglaube demselben Wesen zuschreibt, das im Alptraum erscheint.

Aus dem Alptraume stammt auch der Glaube, daß die Hexen Menschen aufzehren. Nach der lex Salica (etwa 500) steht Geldstrafe darauf, wenn eine Hexe einen Menschen aufgegessen hat: „Wenn eine Hexe einen Menschen aufißt, und es ihr bewiesen wird, so ist sie für schuldig zu erkennen, 8000 Pfennige oder 200 Schillinge zu zahlen“. Die Hexen bei den Franken im 6. Jhd. hantierten schon mit Hexenküche und Hexenkessel und kochten Menschenfleisch. Bei den heidnischen Sachsen war die übliche Strafe der Hexen der Feuertod. „Wenn jemand“, heißt es in einem Kapitulare Karls d. Gr., „vom Teufel verblendet, nach Art der Heiden glaubt, daß ein Mann oder eine Frau eine Hexe sei und Menschen verzehre, und wenn er deshalb sie verbrennt oder ihr Fleisch zum Aufessen hingibt oder es aufißt, so soll er mit dem Tode bestraft werden.“ Zauberer und Wahrsager aber sollen nur an die Kirchen und Priester ausgeliefert werden. Der Indi-culus verbietet, nach Heidenart zu glauben, daß Frauen, weil sie dem Monde befehlen, die Herzen der Menschen aus deren Körper herausnehmen könnten, um sie zu essen (Nr. 30: de eo, qttod credunt, qiiia feminae lunam comendent, quod possint corda hominum tollere iuxta paganos). Burchard von Worms eifert gegen den Glauben, daß man bei verschlossenen Türen auszugehen vermöge, die Menschen töten, ihre ge* kochten Herzen verzehren, an Stelle des Herzens einen Strohwisch oder ein Stück Holz einsetzen und sie wieder lebendig machen könne. Mit ihm fast gleichzeitig weiß auch Notker Teutonicus, daß hier zu Lande die Hexen wie die Menschenfresser tun sollen, und der Münchener Nachtsegen nennt neben den auf dem Zaune reitenden Hexen (zünrite) die manezzen, die Menschenfresser. „Pfi, ruft Bert hold von Regensburg, geloubestü, daz dü einem man sin herze üz sinem libe nemest und im ein strö hin wider stözest?“ Deutlich erhellt aus alle dem der altgermanische Hexenwahn, seine Bekämpfung durch das Christentum und die Unterscheidung zwischen Zauberern und Hexen. Der Bozener Dichter Hans Vintler sagt in seiner „Blume der Tugend“ zu Anfang des 15. Jhds.:

Mancher Dumme spricht,

Die Trude sei ein altes Weib

Und könne die Leute saugen.

Nach allgemeinem Volksglauben kann den Hexen nichts Entsetzlicheres nachgesagt werden, als daß sie auf Bergeshöhen in der Frühlingsnacht Menschen schlachten und ihr Fleisch, namentlich die Herzen, verzehren. Den Hexenwahn auf dem Standpunkte, wo man annimmt, daß die Seele eines Menschen aus dem Leibe wandern und andere Seelen aus gesunden Körpern in ihrem Blute verzehren könne (Vampyrismus), erwähnt noch Luther in den Tischreden: „Es schrieb ein Pfarrherr Georg Röser zu Wittenberg, wie ein Weib auf einem Dorfe gestorben wäre und nun, wie sie begraben wäre, fresse sie sich selbst im Grabe; darum wären schier alle Menschen im selben Dorfe gestorben“. Denn der erste, der an einer herrschenden Seuche stirbt, ist ein Nachzehrer; er sitzt im Grabe aufrecht und zehrt an seinem Laken, und das Sterben dauert so lange, bis er damit fertig ist, wenu mau ihn nicht vorher ausgräbt und ihm mit dem Spaten den Hals absticht. Schon im 11. Jhd. erwähnt Burchard von Worms, daß man die Leiche einer Frau im Grabe mit einem Pfahle durchstach, ohne Zweifel, weil man sie für eine Nach-zehrerin hielt (vgl. S. 38).

Etliche Hexen, heißt es weiter bei Vintler, fahren „mit der Var“ auf Kälbern und auf Böcken durch Stein und durch Stöcken:

Etliche bind so behend,

Daß sie fahren hundert Meilen,

In einer kleinen Weilen;

Sie brechen den Leuten ab Die Beine, wie ich gehöret hab’.

Auch der Münchener Nachtsegen erwähnt, daß die Hexen den Fuß abschneiden, die Sinne rauben, Fieber bringen und durch ihren unsichtbaren Tritt schmerzenden Krampf verursachen, wie der Hexenschuß die Wirkung eines unsichtbaren Geschosses ist. Ob der Glaube an die Buhlschaft der Hexe mit dem Teufel im deutschen Heidenturae wurzelt, ist noch nicht entschieden. Dafür spricht, daß auch der Alp sich mit Menschen verbindet. Die gotische Sage vom Ursprünge der Hunnen schreibt den Zauberweibern oder Hexen Verkehr mit Geistern zu (Jord. 121; D. S. Nr. 377): Filimer, der König der Goten, erfuhr von dem Aufenthalte gewisser Zauberweiber in seinem Volke, die er selbst in seiner Muttersprache Haliurunnen nannte. Da er sie für verdächtig hielt, vertrieb er sie und nötigte sie, fern von seinem Heere in Einöden umherzuirren. Dort wurden sie von unreinen Geistern, den Waldleuten, als sie in der Wüste umherschweifteu, erblickt; diese begatteten sich mit ihnen, und so entstand das wilde Volk der Hunnen. [Got. haljarüna = ags. helrün ist die mit höllischer Kunst begabte Zauberin, eigentlich die Totenbeschwörerin (S. 28)]. So sagt auch Vintler in seiner Aufzählung der Bestandteile des Hexenwahns: „Etliche glauben, der Alp minne die Leute“. — Die Hexen wechseln des Nachts die Kinder aus, sehen sie mit ihrem bösen Blick an, bewirken Verkrüppelungen und Verstümmelungen und schaden auch den Tieren. Sie stehleu der Kuh die Milch aus der Wammen oder das Schmalz aus dem Kübel, derweil man es rührt.

Sie trinken den Wein aus den Kellern verstohlen,

Dieselben heißet man Unhollen.

Wie Menschen und Tiere vom Alpdrücke gequält werden, so verfilzt die Hexe dem Pferde die Mähne, flicht unentwirrbare Zöpfe daraus und treibt es in Schweiß, so daß es morgens matt und abgeschlagen dasteht, wie wenn es die ganze Nacht abgehetzt wäre. Weil die Hexen den kalbenden und milchenden Kühen nachstellen, heißen sie auch Molkentöwersche, Molkenzauberinnen, die untreuen Molken Stehlerinnen: sie färben die Milch rot oder vertreiben sie völlig. Als Taustreicherin streift die Hexe in der Mainacht den Tau von der Wiese, um der Herde den ersten Weidegang zu verderben. Sie bringt Scharen von Ungeziefer über ein Gehöft oder über eine ganze Gegend, verbreitet Seuchen unter Menschen und Vieh, und schädigt die Ernte. Wenn nächtlicher Frost die Blüten des Weines und des Obstes versengt, ein Hagelwetter die Ernte niederwirft, so hat die Hexe das Unheil angerichtet. Nach bayerischem Volksrechte wird die aranscarti, Erntescharte, d. i. niedergelegte Streifen im Getreidefeld, durch Hexerei verursacht und mit 12 Solidi bestraft. Außerdem hat der Urheber für jeden Schaden zu haften, der Haus, Gut oder Vieh des Eigentümers binnen Jahresfrist trifft. Eine Buße von 40 Schillingen wird dem angedroht, der gestohlenes Gut, besonders Pferde und Vieh, durch Zauberkünste außer Landes entführt oder verbirgt. Die Hexen kochen Hagel, sagt man noch heute in der Schweiz. Zauberer, Wettermacher und Feldbehexer stehen in den Verordnungen der Kirche neben einander. Nach westgotischem Rechte werden Wettermacher zu Haut und Haar bestraft und entweder vom Richter durch Einkerkerung oder nach dem Ermessen des Königs unschädlich gemacht. Die bayerische Synode von Reisbach (799) bestimmt: Der Presbyter hat gegen solche, die wahrsagen, zaubern und Wetter machen, vorzugehen und soll sehen, sie durch sorgfältigste Untersuchung zu einem Bekenntnis zu zwingen. Bei Vintler heißt es: „Viele sagen, die Hexen können Ungewitter machen, auch wohl Regen hin und her wenden“. Um Regen hervorzurufen, bedient sich die Hexe eines Zweiges oder Stabes.

Daß man sich die Hexen in der Urzeit nackt vorstellte, und daß die Nacktheit bei dem Wetterzauber erforderlich war, geht daraus hervor, daß die Hexen splitternackt aus den Wolken herunterstürzen, wenn der von ihnen erregte Zauber zerstört wird. Wiederholt begegnet die Neunzahl bei der Ausübung der Hexerei. Die Hexen brauchen neun Kräuter zu ihren Zaubermitteln, neun Steine zur Beschwörung des Unwetters. Wenn man in der Christnacht auf einem Schemel von neunerlei Holze knieet, kann man die Weiber erkennen, die Truden oder Hexen sind. Die Katzen verwandeln sich in Hexen, wenn sie neun Jahre alt sind. Ein altes Weib, das ein junges Mädchen zur Hexerei verführen wollte, bestellte dieses in die neuute Nacht.

Wie die Seelen und Maren erkennt man die Hexen an zusammengewachsenen Augenbrauen, roten, triefenden Augen, dem watschelndem Gange, denn sie haben Plattfüße, Drudenfüße, und daran, daß sie einem nicht ins Gesicht sehen und über keinen Besen hinwegschreiten können. Sie können nicht weinen, ihre Gesichtsfarbe ist fahl, ihr Haar verwirrt und struppig, ihr ganzer Leib mager, doch gibt es auch junge und schöne Hexen. Die Hexe im Märchen von Schneewittchen (K. H. M. Nr. 53) nimmt die Gestalt eines alten Weibes an und bereitet den Giftkamm.

Auf abgebrochenen, starr emporragenden Felsen halten die Hexen ihre Zusammenkunft mit Tanz und Schmaus. Ein solches abgebrochenes Felsstück hieß urgerm. *bruklaz, daher sind die Brockelsberge = Blocksberge die Versammlungsorte der Hexen. Der Brocken im Harz ist schon 1438 Hexentanzplatz. Andere Blocksberge sind in Mecklenburg, Preußen und Holstein. In Thüringen versammeln sich die Hexen auf dem Hörselberg und auf dem Inselsberg, in Hessen auf dem Bechelberg, in Franken auf dem Staffelstein; an den Jaberg und den Fuchsberg bei Hilden am Rhein heftet sich noch jetzt der Hexenglaube. Sicher waren die alten Blocksberge auch ehemalige Kultstätten, wo den seelischen Geistern geopfert wurde. Schon die Hauptzeiten der Hexenversammlungen: die Nacht vom letzten April zum 1. Mai, die Walpurgisnacht, die zwölf Nächte und die Johannisnacht zeigen, daß wir es mit alten Opferfesten zu tun haben. Überhaupt bewahrt die Beschreibung des Hexensabbats deutlich die Erinnerung an heidnische Opferfeiern, die auf Bergeshöhen gehalten werden, besonders an die Opferfeste der Weiber. Wenn die Hexen den nackten Körper gesalbt haben, fahren sie in Weibsgestalt oder in Tiere verwandelt durch die Luft nach dein bestimmten Festplatze, einem Berge oder auch einer Wiese. Dort schlingen sie den Reigen, den Hexentanz, und führen wilde Tänze auf, schlachten das Opfer und schmausen in toller Gier; namentlich ist es ein Pferde- und ein Menschenopfer, und die Herzen gelten als besonderer Leckerbissen. Schon die Lex Salica deutet auf ein gemeinsames Kochen der Hexen. Strafen werden über den verhängt, der einen Mann Hexenkesselträger, einen, der sich dazu hergibt, den Hexen ihr Gerät zu tragen, schimpft (hereburgius hoc est strioporcio). Die volkstümlichen Schilderungen haben den zum Opferfest gehörenden Reigen und die Opfermahlzeit bis heute festgehalten.

Die Germanen kannten männliche und weibliche unheimliche Geister. Der Münchener Nachtsegen begreift unter den nahtvarn auch die um Wütan und den Alp gescharten Gespenster, kennt also wohl auch das Masculinum „der naht-vare“ neben dem Femininum „diu nahtvare“. Die Gesamtheit der das Gebild von Menschenhand hassenden Wesen nannte man „Unhold“, das Bösgesinnte, Feindliche. Aber schon bei den Goten muß der Glaube an weibliche Wesen überwogen haben; denn Wulff  übersetzt das griechische daipiov, daipoviov mit dem fern, unhol^ö, seltener gebraucht er das Masc. unhul£>a. Ein anderes Collectivum zur Bezeichnung der unheimlichen Mächte scheint mhd.: „daz getwas“ gewesen zu sein (Betörung, das Betörung wirkende): der Zustand ist in ein mythologisches Wesen verwandelt, das diesen Zustand herbeiführt. Der München er Segen bezeichnet das gesamte Hexengesindel als „unreiniz getw&z“. Aus einem Gedichte des 14. Jhds. „Irregang und Girregar“ geht der Zusammenhang des Hexenwahnes mit dem Alptraume hervor. Als ein Vater tobt, daß ein Fremder bei seiner Tochter gewesen sei, beruhigt ihn seine Frau damit, daß ein böser Traum ihn gequält habe:

Dich hät geriten der mar,

Kin elbischez äs.

Du solt daz ttbele getwäs Mit dem kriuze vertriben.

Der Mann meint freilich: die Weiber sagten immer, wenn den Männern etwas begegne, ein Alp betrüge sie, aber endlich glaubt er doch, daß er von Übeln Ungeheuern genarrt sei. Der heute fast ausschließlich noch bekannte Name Hexe heißt ahd. hagzissa, hagazussa, hagzus, ags. haegtesse, mndl. haghetisse, mhd. hecse oder ahd. häzus, häzissa. Das Wort wird meist als ein Compositum aufgefaßt, aber seine Bedeutung ist noch nicht völlig aufgeklärt. Man hat an das Ad-ject. haga* gedacht: das kluge, verschmitzte Weib, oder an hac Wald, Hain: Hage Dise= Waldweib, oder bei dem zweiten Teile an altengl. tesu, Schade, Frevel, tesvian verderben = Waldfrevlerin, Feldschade. Neuerdings geht man umgekehrt von der kürzeren Form aus: hazusa ist eine alle Partizipialbildung zu ahd. hazzen, got. hatan, d. i. hassen; *haga—hazusa ist also die Hassende im Hag, im Walde = die hassende, feindselige Waldfrau. Aber ein Zusammenhang der Hexen mit dem Walde ist nur schwach bezeugt. In der Kaiserchronik (12. Jhd.) wird eine Frau Hexe gescholten und ihr zugerufen: Dü soltest pilltcher dä ze holze varn,

Danne di mägede hie bewarn;

Dü bist ain unholde, —

und im Märchen von Hansel und Gretel (K. H. M. Nr. 15) haust die böse Hexe im wilden Walde und lauert den Kindern auf, tötet sie, kocht sie und ißt sie auf. Selbst wenn man für Hag die ursprüngliche Bedeutung annimmt, „umhegte Flur“, die Hexe also als die Feld und Flur Anfeindende,
Schädigende erklärt, bleibt immer ein grammatisches Bedenken: der Stammvokal von häzus ist lang, wie sich schon aus dem Fehlen des Umlautes ergibt. Daran scheitert auch die Deutung: hagazessa = Schlagwetter, Unwetter, die Personifikation des aufziehenden Sturmes und Wetters (hag gehört zu einem verschollenen Verbum = schlagen; ahd. zessa, mhd. zcsse = Sturm). Geiler von Kaisersberg nennt die Hexe eine „Zessenmacherin“ == Sturmerregerin; aber dies Wort hat mit der ahd. Form nichts zu tun. Somit bleibt für den ersten Teil des Compositums nur das Adjectivum haga übrig = schattenhaft, gespeusterhaft und für den zweiten Teil die idg. Wurzel „des“ anfeinden (skr. däsyus, ags. tesu Schaden), die Hexe ist also die gespenstische Schädigerin. Diese Erklärung ist außerordentlich ansprechend, aber leider ist diese Bedeutuug nur erschlossen, nicht tatsächlich bewiesen. Neuerdings unterscheidet man zwischen der Hexe der heidnischen Zeit, die wirklich ein dämonisches Wesen war, ein „spottendes, höhnendes“ Gespenst, die „Gauklerin“, (*hagat zu xjjpafo) „schmähe“, skr. käkkati „lacht“) und zwischen der Hexe der jüngeren Zeit, die ein Zauberei treibender Mensch war: die meisten Bestandteile von dem, was wir volkstümlichen Hexenglauben nennen, scheinen romanischen oder durch die romanische Welt vermittelten orientalischen Ursprunges zu sein.

Die Bezeichnung Truden für Hexen ist bis heute in Oberdeutschland üblich. In Österreich sagt man: „Es hat mi die Trud druckt“. Sie kann ungeheure Größe annehmen, aber sich auch ganz klein machen, kommt des Nachts in die Häuser und drückt die Leute oder quält das Vieh im Stalle. In Tirol, an einem Bergabhange des Matscher Tales, am „Trudenfuß“, ist die Stapfe eines rechten Fußes einer Steinplatte eingedrückt, und an der jenseitigen Talwand befindet sich ein linker Fußtritt. Diese Spuren rühren von der „großen Trude“ her, die hier saß, aufstand und übers Tal wegschritt. Der Drudenfuß, d. h. der Abdruck der ineinander geschränkten Füße einer Drude, gilt noch heute als Abwehrmittel gegen böse Geister, besonders gegen den Alp. Er wird an der Wiege und an der Tischplatte angebracht, auch an der Schwelle, und hat die Gestalt des sogenannten Pentagramma.

Der Drudenfuß auf Faustens Schwelle verwehrt Mephistopheles das Entweichen. Die „große Trude“ kennt vielleicht auch der Münchener Nachtsegen, wo sie als Trutan (trut-an Stammmutter der Truden) neben Wütan erscheint, wenn der Name nicht slavisch ist. Truden sind also Hexen, bei denen die Tätigkeit des Alps besonders hervortritt. In Oberdeutschland ist dann der Name auf den Alp übergegangen.

Neben der Hexe erscheint in Beichtbüchern des 14. und 15. Jhds. der Bilwis; der, wie es scheint, slavische Name ist auf ein deutsches männliches Seelen wesen übertragen. In ganz Süddeutschland gilt der Bilwisschneider noch heute für einen Hexenmann. Unter denen, die keinen Zutritt zum Abendmahl haben, werden auch die genannt, „die da sagen, daß sie mit der Perchta, den Bilbissen oder Truden auf den Blocksberg fahren“; der Bilwis befindet sich also in der Gesellschaft nächtlich ausfahrender Hexen. Wie man die langen Streifen, die sich der Hase im hohen Getreide durchbeißt, noch heutzutage für Hexenwerk ansieht und mit dem Namen Hexenstiege belegt, so holt sich der Bilwis seinen Zehnten von Korn und Roggen und schneidet lange Streifen durchs Getreide, den sogen. Bilmesschnitt. Wie von der Hexe, so weiß man in Thüringen von dem tödlichen Blicke des Bilmesschnitters: will ihm einer aufpassen, so muß ersterben, wenn der Schnitter ihn früher, als er jenen, erblickt; so mörderisch ist sein Blick, daß man ihn selbst damit töten kann, indem man einen Spiegel vor die Brust nimmt: erblickt sich der andere darin, so verliert er sein Leben; bei Wolfram von Eschenbach schießt er wie ein elfischer Geist, wie eine Hexe durch die Kniee und lähmt Fliehende (Willehalm 324, 6). Er entzieht gleichfalls den Kühen die Milch, hat seinen Sitz im Baume, besorgt im Stalle die Pferde und flicht ihnen die Mähnen, verfilzt sie aber auch. Wo der gespenstische Schnitter durch die Felder geht, werden die Halme braun und die Ähren ohne Körner. Wenn er mit ausgebreiteten Armen durch die Äcker wandert, steigt Rauch hinter ihm auf, und
alle Ähren, die er berührt, tragen statt Mehl Asche. Er reitet wie die Hexe auf einem Geisbocke mit drei Füßen und legt breite verwüstete Streifen durch das Getreide, oder er schwebt über den Äckern, die Schnittsichel am Geißfüße, und wo der Fuß das Korn berührt, verschwindeu die Ähren und der gestutzte Halm wird schwarz; von einem solchen Felde sagt man, es sei verhext. Alle Körner fliegen beim Dreschen durch die Luft in die Scheuer des Zauberers, oder in die des Bauern, dem er als Hausgeist dient. „Für dy Pilbis“ soll man den Kindern Zettel um den Hals binden mit der Aufschrift: „von dannen weicht, ihr Träume, ihr schädlichen Gespenster“. Der Zusammenhang mit dem Seelen- und Alpglauben ist offenbar. Darum kann man auch Menschen erkennen, die diesen unheilvollen Zauber treiben: sie haben vorne auf dem Kopfe keine Haare und eine hohe, spitze Stirn. Wenn man einen Keil von geweihtem Wacholderholz in die Tenne einschlägt, so muß der Bilwisschnitter kommen: es ist gewöhnlich ein Nachbar. Ruft man ihn beim Erkennen mit Namen an, so muß er wie alle Nachtgeister sterben. Aber durch Opfer kann man ihn günstig stimmen. Man wirft beim Dreschen Wacholder nach links und ruft: „nimm, was dein ist“, sonst laufen die Körner dem Bilwis zu. Wenn man in der Christnacht das Getreide drischt, so trifft jeder Schlag des Flegels den Bilwisschnitter auf den Kopf.

Deutsche-Mythologie-BuchdeckelAuch hier ist der Glaube an die zauberische Kraft mancher Menschen und an ihre Fähigkeit, die Gestalt zu tauschen, sowie die Überzeugung vom Fortwirken der Seele wie beim Hexenwahne die Grundlage. Der Bilwis ist, wenn man den Namen aus dem Deutschen herleiten darf, der, „der das Wissen liebt, der dem Wissen holde“ (ahd. bili = gp/Aos lieb), eine passende Bezeichnung eines mit bevorzugten Geisteskräften Ausgestatteten, eines Zauberers; bei einseitiger Hervorhebung des zum Schaden der Menschen angewandten Wissens ergab sich die Bedeutung eines feindlichen Wesens von selbst. Noch im Mittelalter wird der Bilwis den Zauberern und Schwarzkünstlern gleichgestellt.

Germanenherz aus dem Buch: Deutsche mythologie in gemeinverständlicher darstellung (Paul Herrmann 1906)

ergänzend

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Es tobt die Schlacht zwischen der Rothschild-Kazaren-Mafia (RKM-Todesreligion) und der interkosmischen Vril-Religion

Der „Oberteufel“, der gegen alle lichten Kräfte kämpft

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Der größte Teil dieses Beitrags erschien bei: http://www.veteranstoday.com Von Dr. Preston James, Mike Harris und Oliver Konstantin
Endkampf: Vril gegen RKM
Endkampf: Vril gegen RKM

Bevor die Menschheit den Einfluss der Rothschild-Kazaren-Mafia [1] (RKM) eliminieren kann, muss ein Großteil unserer Mitmenschen die verborgene, unglaublich satanische Geschichte kennen, die hinter ihrem Wirken steht.

Wir müssen wissen, dass die RKM nach den Grundsätzen eines geheimen Todeskultes operiert, wie dem Babilonischen Talmud (Kabalismus, Satanismus, Sabbatismus, Frankismus usw.). Nur wenn wir um den finsteren Urglauben des RKM-Systems wissen, verstehen wir, warum die RKM sich dem Ziel der Verhöllisierung der Welt durch systematische Infiltration und Vernichtung jeder Nation auf der Erde verschrieben hat.

Was wir wissen ist, dass die RKM die Ausrottung von mehr als 90 Prozent der Menschheit zur Leitlinie ihres Programms erhoben hat. Mehr noch, die RKM hat diesen unheimlichen Todeskult mit einer Gravur in die sogenannten „Guide Stones“ (Leitlinien-Steine) im US-Bundesstaat Georgia verewigt. Niemand weiß, wer den Auftrag zur Errichtung der „Guide Stones“ gab, aber sie sind vorhanden und erklären, dass die Menschheit auf eine Anzahl von 500 Millionen reduziert werden soll. Insbesondere auf hebräisch steht in den Steinen eingraviert: „Haltet die Menschheit stets unter 500.000.000 im Einklang mit der Natur“. Die Menschenausrottung soll offenbar in erster Linie über die genmanipulierten landwirtschaftlichen Erzeugnisse erfolgen. Gerade in der BRD tobt sich dahingehend der jüdische Giftkonzern „Monsanto“ mit seinen landwirtschaftlichen Großanbaugebieten aus. Im Zuge der BRD-Verschuldung sollen beim EU-Zusammenbruch alle landwirtschaftlichen Anbauflächen auf deutschem Boden von der Lobby sozusagen „gepfändet“ und „Monsanto“ übereignet werden. Auch Todesbakterien werden gerade neu getestet wie die WELT vom 28.05.2015 berichtet: „US-Armee versendet versehentlich Anthrax-Proben. …. Die USA hatten den tödlichen Milzbrand-Erreger Bacillus anthracis in der Vergangenheit für ein Biowaffenprogramm verwendet.“

Die Menschheit muss wissen, dass die Rothschild-Kazarische-Mafia den größten parasitären Organismus darstellt, der jemals die Welt heimgesucht hat und das Lebensblut aus jedem seiner Wirtsnationen heraussaugt bis der Massentod der jeweiligen Einwohner erreicht wird.

Wenn dieser von der RKM eingeleitete Prozess unvermindert anhält, wird der Menschheits-Parasit jede Wirtsnation zerstören, die er befallen hat. Am Ende wird er die ganze Welt vernichten. [2]

Da sich die Wahrheit über die RKM durch das Internet und von Mund zu Mund über die Welt verbreitet, wird die Menschheit schon bald verstehen, dass ein großer, globaler Krieg gegen die RKM erklärt und geführt werden muss. Die Menschheit wird begreifen, dass die Rothschild-Kazarische-Mafia das Ziel verfolgt, jede Kultur, jede Nation und jede Gesellschaft zu befallen, um diese zu zerstören.

Da immer mehr Menschen von dem RKM-Übel erfahren, werden sich sogar unterschiedliche Kulturen und Nationen zusammenschließen, um nur ein einziges gemeinsames Ziel zu verfolgen: Die RKM-Infiltration auszumerzen, die fast jede Nation der Erde gekapert hat und kontrolliert.

Um dem Vernichtungsgriff, mit der die RKM-Führung die Welt umkrallt, zu sprengen, müssen wir der RKM den Kopf abschlagen, nämlich die RKM-Führung von ihrem elastischen, grenzenlosen Fiat-Falschgeld, von ihrem „funny money“ (Lustgeld), dem auf Schulden gegründeten Papier, trennen.

Wir wissen mit Sicherheit, dass wir, um dieses Ziel wirkungsvoll und schnellstmöglich erreichen zu können, den RKM-Kopf vom organisatorischen Rumpf abschlagen müssen, damit der endlos produzierte Zufluss von Betrugsgeld gestoppt wird. Das heißt, dass das verfassungswidrige System der „Federal Reserve“ (sogenannte US-Notenbank) eliminiert und ein neues Bankensystem vom amerikanischen Finanzministerium geschaffen werden muss. Und dieses Ziel kann erst dann erreicht werden, wenn die Amerikaner ihren Kongress wieder zurückerobert und all jene ausgetrieben haben, die sich der AIPAC und Israel verschrieben haben.

Jeder AIPAC-israelische Einfluss, der im Kongress das Volk verhökert, muss kalt gestoppt werden und alle Kongressmitglieder, die sich diesem Verrat angeschlossen haben, müssen abgewählt und dann wegen Spionage vor Gericht gestellt werden.

Die ehemalige Krongressabgeordnete Cynthia McKinney berichtete gegenüber verschiedenen Quellen, dass alle neu gewählten Kongressmitglieder im Rahmen ihrer AIPAC-Mitgliedschaft einen Treueeid auf Israel ablegen müssen. Wer sich weigert, dem wird ein mit allen Finanzmitteln ausgestatteter Gegner im Wahlkampf gegenübergestellt. McKinney weigerte sich, den Israel-Eid abzulegen und verlor die Wiederwahl.

Wenn wir, das Volk, den Kopf der RKM, also den endlosen, elastischen Geldzufluss, produziert in ihrem privaten „Federal Reserve System“, abschlagen können, dann wird es für das Bankstersystem unmöglich sein, den Menschen RKM-Schulden-Geldscheine zu menschenfeindlichen Zinsen zu verleihen und die Menschen mit betrügerischen Finanzwetten zu versklaven. Damit wird der RKM sofort die Machtbasis entzogen.

Sobald die vollkommen illegalen Steuern wie Mehrwertsteuer, Einkommensteuer abgeschafft und ein ehrliches Geldsystem des Volkes etabliert ist, steigt die Kaufkraft um etwa 40 Prozent an, da dieser Prozentsatz als Tribut vom Fiat-Lustgeld verlangt wird.

Machen wir uns nichts vor, kein geistig zurechnungsfähiger Mensch würde einem ausländischen Bankster für Falschgeld auch noch menschenrechtswidrige Zinsen bezahlen. Unser derzeitiges Geld wird durch keine realen Werte, sondern allein durch Taschenspielertricks geschaffen.

Sobald man versteht, dass alle Preise um etwa 40 Prozent wegen des RKM-Systems (Wucher) aufgebläht sind, obwohl dieses Geld uns gehört, wird sich bei den Menschen Wut einstellen. Wenn wir begreifen, dass wir allesamt vom RKM-System in den USA seit 1913 betrogen und finanziell ausgeraubt werden, wird sich massiver Widerstand formieren.

Um die RKM kalt zu erwischen, endgültig auszuschalten, müssen sich die Völker der Welt zu einem globalen Krieg gegen die RKM, gegen diesen mächtigsten Todeskult der Welt zusammenschließen. Die RKM ist die unheimlichste Organisation, die fast alle Nationen infiltriert hat und ihre Arme reichen in fast alle Regierungen der Welt. Viele Staatsführer sind gekauft, werden kompromittiert oder erpresst. Jene, die sich weigern der RKM zu dienen, werden auf geheimen Wegen ermordet. Dieser Todeskult, dieser antimenschliche Parasit, saugt uns das Leben aus unserem Dasein.

Wir wissen, das die RKM in 25 amerikanischen Städten und in jeder großen europäischen Hauptstadt gestohlene Atomwaffen stationiert hat (die Samson-Option), mit denen sie den Vasallenregierungen drohen. Mit dieser Drohung werden die Staatsführer unter Kontrolle gehalten, was oft auch die „Israelische nukleare Erpressung“ genannt wird.

Wir müssen verstehen, dass sich die RKM-Führungspersönlichkeiten von normalen Menschen unterscheiden.

RKM-Führungspersönlichkeiten wurden entweder ohne menschliche Seele geboren, oder sie haben ihre Seele im Laufe der Zeit verkauft. Normale Menschen, es sei denn, sie sind menschlich total verkommen, haben eine soziale Ader und ein Gewissen. Sie schämen sich, wenn sie anderen etwas Böses tun. Die RKM-Führer hingegen schämen sich niemals, wenn sie anderen Böses tun, vielmehr bereitet es ihnen Freude. Sie nutzen die Beschaffenheit des Normalmenschen aus, der sich für schlechte Taten schämt. Sie konzentrieren sich auf die Politik, um Scham bei jenen zu erzeugen, die sie unterdrücken und ausrauben. Sie haben es verstanden, das Volk mit Hollywood und ihren Massenmedien zum Begehen von Übeltaten abzurichten. Mit der Massenbeeinflussung durch ihre Massenmedien zerstören sie den Charakter und die moralische Stärke der Menschen, wodurch es ein Leichtes wird, zu kontrollieren und zu korrumpieren.

Somit findet man RKM-Führer unausweichlich damit beschäftigt, extreme Formen der Perversion und der Pornographie über die Menschheit zu bringen, was Normalmenschen Unbehagen bereiten würde. Diese Gruppe führt einen Kulturkrieg gegen die Amerikaner und gegen die Menschheit. Sie rauben den Menschen ihren Charakter und manipulieren sie derart, dass sie auch ihre Rechtschaffenheit verlieren.

Es ist offenkundig, dass die Vereinigten Staaten von Amerika 1913 von der RKM infiltriert wurden, als das verfassungswidrige „Federal Reserve System“ einen Brückenkopf in Amerika etablierte.

Sobald der Brückenkopf für die Geldproduktion und –Verteilung in Amerika 1913 eingerichtet war, ging die RKM mit aller Energie daran, jede einzelne amerikanische Institution zu infiltrieren und zu kapern. Eine Institution nach der anderen, manchmal mehrere gleichzeitig, wurden vereinnahmt.

Das rechtswidrige Gesetz (Federal Reserve Act) wurde 1913 verabschiedet, indem Mitglieder des US-Kongress‘ bestochen wurden, damit am Tag vor Heiligabend des Jahres 1913 abgestimmt werden konnte, wohl wissend, dass die Mehrheit der Kongressmitglieder bereits ihren Weihnachtsurlaub angetreten hatten und noch nicht einmal die nötige Anzahl von Abgeordneten für ein Quorum anwesend waren. Dieses kriminelle Gesetz wurde von einem kompromittierten Präsidenten, Woodrow Wilson, willfährig für die Bankster unterzeichnet.

Sobald die RKM ihre betrügerische Geldproduktion und Geldverteilung aufgenommen hatte, dieses weltgrößte Falschgeldsystem, begannen diese kriminellen Bankster fast jeden einzelnen Kongressabgeordneten und jeden Regierungsbeamten zu kaufen und zu bestechen. Auch das Justizsystem sowie die Militärführung wurden gekauft. Das wurde im Jahre 2015 erneut von dem amerikanischen Juden, Buchautor und Journalisten Thomas L. Friedman eindrucksvoll bestätigt. „Unsere jetzige Demokratie ist die beste Demokratie, die man kaufen kann.“ [3]

Während die RKM ihr elastisches Scheckbuch ihres Falschgeldes nutzte, um die amerikanische Politik zu kapern, ließen sie geldgierige Amerikaner wegen Wucher anklagen, aber nur deshalb, um diese Leute als Wucherkonkurrenz auszuschalten.

Natürlich hätte das Massenmedien-Kartell im Rahmen der Anti-Kartellgesetze schon lange aufgebrochen werden können, da aber der US-Kongress, die Regierung, das Justizministerium und die Gerichte sich sozusagen im Besitz der RKM befinden, ist das unmöglich geworden.

Durch die totale Kontrolle der Massenmedien setzte die RKM eine Propagandamaschine mit beispielloser Wucht gegen die Amerikaner ein, damit manipulierte sie die Gedanken der Menschen und setzt somit jede gewünschte Politik durch.

Die RKM schaffte es, die Fakten über ihren Beginn der Macht aus den öffentlichen Bibliotheken zu entfernen. Sie konnten nicht riskieren, dass herauskommen würde, dass sie mit ihrer Propaganda für die Vergewaltigungen, Folterungen, Massenmorden und Kriegen verantwortlich sind.

Die RKM hat es geschafft, dass der amerikanische Normalbürger keinen Zugang zu Informationen erhält, woher die RMK stammt und was ihr tödliches Programm ist. Die Masse darf nicht wissen, wie sie ausgeraubt, tyrannisiert und entwaffnet wird, um Amerika in ein großes GAZA II, also in das größte Freilicht-Gefängnis der Welt zu transformieren. Ein Gebiet, auf dem Amerikaner massengemordet werden können, wie die Palästinenser. Das geheime Ziel der RKM ist es, eine RKM-Apartheid gegen das Volk zu schaffen.

Was die RKM den Russen im Zuge der „Bolschewistischen Revolution“ zufügte, war weniger eine Revolution, als ein Akt der Folter, des Massenmordes und des Raubes des russischen Vermögens. Am besten eignen sich für die Taten die Begriffe „internationales Piratentum“ und „Parasitentum“. Mike Harris schilderte die Geschichte darüber sehr eindrucksvoll als einen rachedurstigen Massenmord, weil Russland die Kazarenführsten im Jahr 1200 aus Kazarien vertrieben hatte. Wir wissen heute, dass die RKM hinter den scheußlichen Massenvergewaltigungen und hinter dem Völkermord an den Armeniern 1915-1917 stand. Rache durch Ausrottung, egal wie lange es auch dauert, ist immer das Motiv Nummer eins für die RKM

Wir müssen wissen, dass die Hauptmotivation, von der die RKM getrieben wird, Hass [4] und Rache ist. Das wird am Beispiel des bolschewistischen Terrors von Folter, Massenvergewaltigungen und Massenmord an 22 Millionen unschuldigen Russen zwischen 1917 und 1920 sowie an den Massenmorden und Massenvergewaltigungen der von Ehrenburg aufgehetzten Sowjetsoldateska an den wehrlosen deutschen Frauen und Kindern 1945 verdeutlicht.

Aber nichts fürchtet die RKM mehr, als Vergeltung durch die Welt, sollte die Öffentlichkeit herausfinden, wer sie sind und was sie tun. Das ist der Grund, warum die RKM ihre Bestechung der Offiziellen, die Kompromittierungen, die Kinderschändungen geheim hält. Ihre schlimmen Taten schieben sie anderen in die Schuhe und agieren als Beschützer der von ihnen terrorisierten Massen.

Die Bevölkerungen haben keinen Zugang zu den kontrollierten Massenmedien, sondern sind darauf angewiesen, was sie von anderen oder über das Internet über den Todeskult erfahren. Bis noch vor kurzem galten die alternativen Medien als Sammelbecken von Verrückten oder Verschwörern, heute gelten sie schon in weiten Bereichen als die einzigen echten Wissensquellen. Das lässt hoffen. Heute, Dank des weltweiten Internets, Dank der Gutenberg Presse, kommt die Wahrheit weltweit zunehmend an die Öffentlichkeit.

Selbstverständlich läuten deshalb bei der RKM alle Alarmglocken. Sie geraten in Panik. Um diese Wahrheitsverbreitung zu stoppen, etablierte die RKM zahlreiche Lock-Webseiten. Sie versuchen, die ganze Leserschaft zu diesen Seiten herüberzuziehen. Aber um anzulocken, müssen sie einen begrenzten Faktenlauf gestatten. In der Hoffnung, mit 60 bis 80 Prozent Wahrheit die Leser einzufangen, werden die Gutgläubigen dann mit Lügen in eine andere Richtung gedrängt, weg von der Wahrheit.

Die Desinformationen durch RKM-Hilfswillige im Internet benutzen bekannte Wahrheiten, an die dann Lügen angeheftet werden, um die Richtung zu ändern. Aber neuerdings geht diese Taktik nicht mehr so richtig auf, da die Internetnutzer sehr aufmerksam geworden sind und die Wahrheitsstückchen von der Lüge unterscheiden können. Sie stellen die Verbindung zur Wahrheit meistens selbst her, ignorieren die kunstvoll verpackten Lügen. Die aufgeweckten Internetleser setzen das Puzzle von Wahrheit selbst zusammen, indem sie die falschen Bestandteile der Meldungen einfach unbeachtet lassen.

Da die Wahrheit überall in der Welt durchbricht, erschrecken die Führer der RKM vielfach bereits in sichtbarer Weise. Sobald die Verbrechen der RKM in Amerika in allen Einzelheiten erklärt wurden, so dass alles leicht verständlich wird, kann der Plan, offiziell den Krieg gegen diesen Feind Amerikas und der Menschheit zu erklären, formuliert werden. [5]

DIE RELIGION DES INTERKOSMOS

Die Heimsuchung der Erde und der Menschheit durch die RKM stützt sich auf die sogenannte jüdische Religion sowie auf die seit 180 vom hohen Rabbinat gekaufte Christenkirche Roms.

Sowohl die jüdische Religion wie auch die falsche Christenreligion des Vatikan nehmen für sich in Anspruch, „Universalreligionen“ zu sein. Keine von beiden, wie quasi alle anderen Religionen auch nicht, hat aber ein Anrecht auf einen solchen Anspruch. Selbst der Anspruch „Weltreligion“ – also eingegrenzt auf die Welt Erde – erscheint fragwürdig, zumal auch das Wort Weltreligion letztlich wieder Universalreligion bedeuten soll; denn dass es auch noch andere, womöglich bedeutendere Welten geben könnte als die irdische – im Diesseits und im Jenseits – befindet sich außerhalb des geistigen Horizonts der Verfechter jener „universellen Religionen“.

Die Anhänger der Thule- und Vril-Gesellschaften gewannen auf diesem Gebiet allerdings einen höheren Erkenntnisstand und eine weiterreichende Sicht als die üblichen Religionsvertreter. Die Religion von Thule, die Religion des Vril, steht auf einer unvergleichlich höheren Stufe als sämtliche sogenannte Weltreligionen mit all ihren Ansprüchen an Universalität; die Religion von Thule, die Religion des Vril, sprengt die Grenzen irdisch diesseitiger Enge.

Die alten Kulturvölker der Erde beanspruchten nicht, „universelle Religionen“ zu besitzen. Ihre Götter, richtiger: Schutzpatrone, waren Nationalgötter, gewissermaßen Schutzheilige für einen jeweils bestimmten Raum. Die meisten von Ihnen kannten außerdem eine über allem stehende Obergottheit, wie sie im germanischen ALLVATER (Alfadur) besonders klar in Erscheinung tritt. Kein Volk aber erhob Anspruch darauf, dass sein Nationalgott zugleich Universalgott sei, bis die Hebräer mit einer solchen Ideologie die Geschichte zu manipulieren versuchten. Aber natürlich ist auch der Judengott kein universeller Gott.

Das Universum ist größer als die Erde – und der Interkosmos ist größer als unser Universum. Umfassende religiöse Erkenntnis kann allein dort gedeihen, wo das Bewusstsein dieser größeren Maßstäbe zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Die heutzutage auf der Erde noch vorherrschenden sogenannten „Weltreligionen“ haben sich geistig um keinen Millimeter aus jener Zeit fortbewegt, als sie noch behaupteten, die Erde müsse sei eine Scheibe. Sie stecken tief in der Nichterkenntnis, eingemauert in die Kerker ihrer auf Irrtum und Fälschung beruhenden „heiligen“ Schriften. Die angeblich universellen Weltreligionen der Erde sind in Wahrheit so fern von Gotterkenntnis wie die Höhle des Neandertalers vom Frankfurter Messeturm. Es fehlt ihnen jeder Blick in die Weite, die Unbegrenztheit, die wahre Freiheit. Und im Wesentlichen ist irdische Religion zum Mittel weltlichen Zwecks geworden – womit sich, sinnbildlich gesprochen, das Neandertalertum in die Lebensformen der Gegenwart einmengt.

Aus begrenzten Räumen erwachsene Nationalreligionen in die Übernationalität erhoben, das musste zu Unheil führen, sollten doch nun Generalmaßstäbe für die ganze Welt angelegt werden, die tatsächlich aus einem begrenzten Kulturkreis kamen und also mit anderen Kulturkreisen unmöglich harmonieren konnten.

Die wahrhaft universelle Religion muss über jeder Enge stehen, die wahre Religion ist „interkosmisch“, sie steht über allen Dingen, sie lässt den einzelnen Völkern die ihnen jeweils gemäßen Gottheiten und Schutzpatrone – und schafft übergeordnete Glaubensgewissheit im überschauenden Großen, ohne Gleichmacherei im Einzelnen.

Denn die wahre Gottheit ist die Gottheit vieler Welten und Dimensionen, ihr Einheitsmaßstäbe unterstellen zu wollen, ist ganz einfach lächerlich. Alle Wesen sind ungleich, kein Mensch ist wie der andere, verschieden sind die Völker – und völlig unterscheiden sich die Rassen voneinander. Welche Absurdität, welche Anmaßung, beispielsweise dem Schwarzen in Afrika die Maßstäbe der christlichen Kirche aufdrängen zu wollen – oder auch die des Demokratismus. Jedes Volk hat seine eigenen Maßstäbe, und so lange man ihm diese belässt, lebt es in Einklang mit sich und der Natur. Als ob, wiederum zum Beispiel, die Schwarzen in Afrika, nicht ihre eigenen Religionen gehabt hätten, die ihnen und ihrer Lebensart gemäß waren! Erst das Aufpressen fremder Maßstäbe rief Elend und Hunger hervor

Alle Religionen und selbsternannten „Heilslehren“, die sich universell geben, bringen Unheil über die Menschen; insbesondere über jene Menschen, die nicht dem Ursprungskulturkreis der jeweiligen Religion oder Heilslehre (z.B. Marxismus, Demokratismus, Globalismus, Geldherrschaft) angehören.

Wer trägt also die Hauptschuld am Unglück der Völker der sogenannten Dritten Welt? – Wo liegen die Ursprünge dieses Unheils – außer im Kolonialismus, der wiederum durch universelle Ansprüche jedweder Art motiviert wurde?

Wäre es nach den angeblich so „bösen Rassisten“ der Thule-Gesellschaft gegangen, so lebten die Völker der Dritten Welt heute nicht in Armut und Elend, bedroht von millionenfachem Hungertod, sondern ihrer Art gemäß in ihrer ureigensten Kultur, in Unabhängigkeit und relativem Wohlstand. Denn ohne Vermischung und Infiltration fremder Maßstäbe wären die Völker der Dritten Welt niemals ins Elend geraten, nie hätten sich die naturverbundenen, hoch anständigen Völker vieler sogenannter Drittweltländer von selber ins Elend gestürzt, wäre ihnen nicht der „westliche Lebensstil“ aufgepfropft worden – der zu ihnen dort ebensowenig passte wie in jenen Ländern zu ihnen passte, in die man sie als Sklaven oder „Immigranten“ brachte. – Respekt vor der Unterschiedlichkeit, Achtung gegenüber der Verschiedenheit, Anerkennung der eigenen Art eines jeden Wesens: Das ist wahre Gotterkenntnis.

Die interkosmische Religion von Thule, die Religion des Vril, ist wahre Gotterkenntnis. Denn sie anerkennt die Verschiedenheit, sie weiß, dass es Wesen auf anderen Welten gibt, Wesen auf anderen Planeten in unserem Kosmos und Wesen in Welten des Jenseits, die alle ihre Eigenart besitzen und allein dann in Harmonie und Wohlbefinden leben können, wenn man sie jeweils in ihrer Mitwelt und unter sich belässt. Dieser „Rassismus“ ist in Wahrheit Gotterkenntnis, ist die einzige Grundlage des Wohlergehens für alle Wesen, die in Achtung vor einander sich selbst bewahren und jede Vermengung, die den Kern des Unheils darstellt, vermeidet. Wenn die Welt Erde vom Unheil der Universalität beanspruchenden Religionen und politischen Heilslehren befreit und von dem durch sie Hervorgerufenen genesen soll, so kann dies allein durch die Ideale des Vril und von Thule geschehen. Denn alle Menschen haben das gleiche Anrecht auf ein artgemäßes Dasein; und alle Völker und Rassen besitzen genug Fähigkeiten aufgrund ihrer eigenen Natur, um das Leben meistern zu können und keiner braucht einen fremden Vormund.

Die Religion des Vril, der Glaube von Thule, achtet einen jeden in seiner Art. Wer weiß, dass in den Fernen des Weltenalls womöglich Lebewesen von solcher Andersartigkeit sind, dass wir sie uns nicht einmal vorstellen können. Der erleuchtete Mensch begreift, dass es ein höheres Gesetz als jedes von Menschen in Verfassungen niedergeschriebenes Gesetz gibt, das lautet:

Alle Wesen sind ungleich, Vermischung ist widergöttlich und die Ursache allen Unheils.

Die „Religion des Interkosmos“, das „Vril von Thule“, (allumspannende Weisheit des Lebens), geboren aus dem Wissen um die Offenbarungen des „ILU“ in Verbindung mit der transmedialen Kommunikation, ist die Erfahrung, dass zwei 68 Lichtjahre voneinander entfernte Welten ein und dieselbe Grundmaßstäbe kennen. Es sind die Lehren, die aus dem überlegenen Wissen einer weit überlegenen Kultur gezogen werden konnten. Und es ist die Glaubensgewissheit aufgrund göttlicher Botschaften.

Die Religion des VRIL erkennt die höchste übergeordnete Gottheit, die allem und jedem gleichermaßen gilt und über allem steht. Und sie anerkennt die Verschiedenheit im Kleinen, wie sie das übergeordnete Große versteht.

Einen „universellen Erdengott“ gibt es nicht.

Atlantis, Edda und Bibel
Um die Weltläufe zu verstehen, muss man diese Bücher kennen!

Jedes Volk hat seine eigenen jenseitigen Bezugswesen – „Götter“ -, die auf das irdische Geschehen in begrenztem Ausmaß einwirken können. Es gibt einen Weltwidersacher, einen „Oberteufel“, der gegen alle lichten Kräfte kämpft und sich als Widersacher der Obergottheit versteht, welche jedoch unendlich hoch über ihm steht.

Das deutsche Volk, als Kernvolk des Germanentums, ist mit dem aldebaranischen Volk der Sumi-Er direkt verwandt. Deshalb ist dessen Gott-Schutzpatron auch für das deutsche Volk bedeutsam (in der Jesaias-Off. kommt dies bereits zum Ausdruck), nämlich durch die Begriffe Molok, Malok, Moloch. In der Edda: „Mörnir“)

Die Thule-Religion des VRIL ist aber vor allem eine Religion des Wissens um das wahre ewige Leben, um den Sinn des Erdendaseins und den Weg nach dem irdischen Sterben zu begreifen.

Die interkosmische Religion trägt diese Bezeichnung, weil sie über das diesseitige Erdenleben hinaus Gültigkeit hat, weil ihre Lehre und ihr Wissen weit über die Schwelle des Irdischen in das Jenseitige hinüberreicht.

Wir könnten wahrscheinlich ganz einfach sagen: VRIL ist die Religion der lichten Gottmenschen von Aldebaran, unserer Ur-Vorfahren – also unsere Religion, die Glaubensgewissheit der ewigen göttlichen Wahrheit.

Der Gott MALOK ist aller Wahrscheinlichkeit nach weitgehend identisch mit dem babylonischen MARDUK und dem germanischen ODIN, bzw. WOTAN. Der Widersacher unserer Gottheit, der Oberteufel, ist der Gott der RKM, genannt Jahwe. Von dem Verkünder des Lichts und der interkosmischen Religion, von Jesus selbst formuliert. Jesus sagte zu den Juden: „Ihr seid die Kinder des Teufels, der ein Lügner und Menschenmörder von Anbeginn war.“
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1) Chasaren (auch Khasaren, hebräisch Kuzarim)Das jüdische Königreich der Khasaren
2) Adolf Hitler schreibt in MEIN KAMPF: „Siegt der Jude mit Hilfe seines marxistischen Glaubensbekentnisses über die Völker dieser Welt, dann wird seine Krone der Totentanz der Menschheit sein, dann wird dieser Planet wieder wie einst vor Jahrmillionen menschenleer durch den Äther ziehen.“
3) Welt.de, 01.05.2015
4) „Juden verstehen zu hassen.“ (sagte Ariel Sharon, ex Premierminister Israels, Los Angeles Times, 02.02.2002, S. B3)
5) Im englischen Original-Artikel ist der Plan formuliert: http://www.veteranstoday.com/2015/05/08/proposed-declaration-of-war-against-the-rothschild-khazarian-mafia/
6) globalfire.tv
Zionistische Weltregierung ein Griff nach der Macht
Die Protokolle der Weisen von Zion:
Ashkenazis
Es war einmal ein Opfervolk
Die verborgene Weltdiktatur des Rothschild-Imperiums
Tödliches Wissen Das große Menschenmorden im Namen der Lüge
Israel / Palästina Analysen
Elite plante 1871 3 Weltkriege
Die Georgia Guidestones

Hier sind die Worte des jüdischen Philosophen Rabbi Marcus Eli Ravage, veröffentlicht im einem Artikel in The Century Magazine, Vol. 115, Januar 1928, Nr. 3:

“Wenn Ihr es wirklich ernst meint, wenn Ihr über jüdische Verschwörungen redet, darf ich dann eure Aufmerksamkeit auf eine lenken über die es sich zu reden lohnt? Warum Worte wegen der angeblichen Kontrolle eurer öffentlichen Meinung durch jüdische Finanziers, Zeitungsbesitzer und Filmmagnaten verschwenden, wenn Ihr uns statt dessen, mit gutem Recht, der bewiesenen Manipulation eurer gesamten Zivilisation durch das jüdische Evangelium anklagen könnt?Ihr habt noch nicht einmal angefangen, die wirkliche Tiefe unserer Schuld zu begreifen? Wir sind Eindringlinge. Wir sind Störer. Wir sind Zerrüttler. Wir haben eure natürliche Welt, eure Ideale, euer Schicksal genommen und zerstört. Wir waren nicht nur die Ursache des letzten Krieges sondern nahezu all eurer Kriege, nicht nur der Russischen sondern nahezu aller Eurer großen Revolutionen. Wir haben Zwist und Verwirrung und Frustration in euer persönliches und öffentliches Leben gebracht. Und wir tun das immer noch…”

Tödliches Wissen Das große Menschenmorden im Namen der Lüge

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 Atlantis, Edda und BibelDie Holocaust-Aufklärer sprechen gerne davon, dass es sich bei dieser Geschichte um die größte und schlimmste Lüge der Menschheitsgeschichte handele. Aber das ist falsch. Die schlimmsten Lügen in unserem Universum sind die über unsere Herkunft und über unsere falsche Religion. Die christliche Kirche, oder besser die christliche Lehre, nahm ihren Ausgangspunkt nämlich nicht in Palästina, sondern ist eine Urschöpfung der untergegangenen arischen Kultur.

Es ist noch nicht allzu lange her, als uns von der grauenhaften, menschenverachtenden Vatikan-Kirche eingetrichtert wurde, der Mensch sei etwa 4000 Jahre v. Chr. erschaffen worden. Denn so steht es im Alten Testament, und das Alte Testament wird von der Vatikan-Kirche als authentisches Wort Gottes ausgegeben. Eine alttestamentarische Splittergruppe, die Zeugen Jehovas, datieren die Erschaffung der Welt exakt auf den Herbst des Jahres 4025 vor Christus, also vor etwa 6.000 Jahren. Und die derzeit immer aktiver werdenden „Kreationisten“, bestehend aus orthodoxen Juden und Evangelikalen (Möchtegern-Juden), verkünden in ihren Lexika wie Conservapedia und CreationWiki: „Die Erde ist ziemlich genau 6000 Jahre alt“.

Die 6000 Jahre Erdzeitalter gründen sich auf den jüdischen Kalender, der vor fast 6000 Jahren begann. Das christliche Kalenderjahr 2015 entspricht dem jüdischen Kalenderjahr 5775. Das Bibel- und Talmud-Judentum gibt die Erschaffung der Welt und allen Lebens auf Erden mit Beginn des jüdischen Kalenders an.

Der vom Talmud-Judentum zusammengebastelte Koran der Moslems kann seine wirkliche Herkunft ebenfalls kaum verleugnen, denn erst kürzlich wurde bekannt, dass ein führender saudischer Imam lehrt, dass sich die Erde nicht um die Sonne drehe. Scheich Bandar al-Chaibari erklärte gegenüber dem saudischen Fernsehsender Al-Arabia: „Die Erde steht still, sie bewegt sich nicht.“ [1]

Der Irrsinn des Scheichs und der Kreationisten gewinnt erneut an Boden in unserer immer wahnsinniger werdenden Welt, was kein Zufall, sondern gewollt ist. Denn dahinter steht das gewaltige Ziel, der gigantische teuflische Auftrag: Das Wissen um unsere Herkunft und das Wissen um die Dinge der Welt zu verhindern, und damit unsere Befreiung vom geistigen Joch zu hintertreiben.

Nicht umsonst steht im Jüdischen Gesetz (Bibel) geschrieben, dass jeder, der, wenn er vom „Baum der Erkenntnis isst“, also zum Wissenden wird und plötzlich Gut und Böse richtig zuordnen kann, sterben muss. „Von allen Bäumen des Gartens [Eden] darfst du essen, nur vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn am Tage, da du davon issest, musst du sterben.“ (Genesis 2:16-17)

Kein Zweifel, hinter diesem Konzept verbirgt sich der düstere Plan, dass niemand in der nichtjüdischen Welt um die Geheimnisse der Welt, um die Wahrheit unserer Herkunft und um die richtige Zuordnung von Gut und Böse jemals wissen darf.

Die ganzen Schauerlichkeiten, der abgrundtiefe Menschenhass, der Auftrag zur Ausrottung und Unterwerfung der nichtjüdischen Welt, sind im Alten Testament festgeschrieben. Deshalb wurde dem Normalmenschen einst sogar verboten, das „Wort Gottes“, die Bibel, zu lesen. Dieses Verbot ging in die Geschichte als „Bibelverbot“ ein. Ab dem 5. Jahrhundert riet man den Laien, nicht alle Bücher der Bibel ohne Unterschied zu lesen, sondern vor allem das Neue Testament, da das Alte Testament „leichter missverstanden“ werden könne. Papst Gelasius I. bezeichnete Ende des 5. Jahrhunderts das Lesen der Apokryphen als gefährlich für Christen. 1199 verbot Innozenz III. in einem Schreiben an den Bischof von Metz die Lektüre der Bibel in privaten Zusammenkünften. Auf der Synode der Universität von Toulouse wurde von Papst Gregor IX. 1229 ein generelles Bibelverbot für Laien dieser Kirchenprovinz ausgesprochen.

Vergessen wir nicht, dass Julius Streicher und Alfred Rosenberg in Nürnberg von den Inquisitoren des 2. Welt-Hexen-Kriegs aufgehängt wurden, weil sie in ihren Schriften die menschenfeindlichen Kernaussagen der Bibel und des Talmud öffentlich gemacht und die Menschen zur Erkenntnis von Gut und Böse geführt hatten.

Und so nahm das Teufelswerk seinen Lauf. Nachdem zwischen 130 und 180 die wahren Christen, die Marconianer, vom Vatikan (auf Weisung des hohen Rabbinats) ausgerottet worden waren, konnte der menschliche Geist in Ketten gelegt werden. Fortan tobte die Ausrottung des selbständig denkenden Menschen in nie zuvor gekanntem Ausmaß. So wie heute Scheich Bandar al-Chaibari lehrt, dass sich die Erde nicht dreht, oder wie die Kreationisten lehren, die Welt sei 6000 Jahre alt, so wurde damals vom Vatikan gelehrt, dass die Erde eine Scheibe und der Mensch etwa 4000 v. Chr. erschaffen worden sei.

Wer selbst nachdachte, wer mit Logik und heimlich erworbenem Wissen diesem Irrsinn entgegentrat, landete auf dem Scheiterhaufen. So geschehen mit Giordano Bruno, der am 17. Februar 1600 auf dem Campo de‘ Fiori in Rom auf dem Scheiterhaufen nach achtjähriger Haft in den Kerkerhöhlen der Inquisition sein grausames Ende fand. Der Dominikanermönch, eigentlich Filippo Bruno, war nicht nur Dichter und Philosoph, sondern auch Astronom, wodurch er zu der Erkenntnis gelangte, dass es sich bei den sichtbaren Sternen um Sonnen handelte, die im „unendlichen Universum und der Vielheit der Welten“ von möglicherweise bewohnten Planeten umkreist würden. Auf jeden Fall konnte Bruno nicht mehr die Vatikan-Lüge, die Erde sei eine Scheibe, offiziell vertreten. Als er herausfand, dass hinter der Verfolgungsmaschinerie gegenüber Wissenden das führende Judentum steckte, erklärte er bei seinen Vorträgen: „Die Juden sind eine so pestilenzialische, aussätzige und gemeingefährliche Rasse, dass sie schon vor ihrer Geburt ausgerottet zu werden verdienen.“ [2] Acht Jahre in vatikanischen, kleinsten, dunklen Kerkerhöhlen konnten den bis auf die Knochen verfallenen Bruno nicht brechen. Dem vatikanischen Ketzergericht rief er vor seinem Gang zum Scheiterhaufen zu: „Ihr verhängt das Urteil vielleicht mit größerer Furcht, als ich es annehme!“

Vergessen wir nicht, dass wir im Norden schon vor Tausenden von Jahren, wahrscheinlich vor Jahrhunderttausenden das Himmelsgestirn genauestens kannten und die Bahnen der Planeten berechnen konnten. Dieses Wissen wurde von den Nordmenschen festgehalten und von den Frühzeit-Juden gestohlen. Dazu Hermann Wieland: „Die jüdische biblische Geschichte ist nichts anderes, als eine Sammlung geschichtlicher Tatsachen, die aus anderer Leute und Völker Geschichte in jüdischem Gewande verarbeitet wurden, um die Juden als das erste und wichtigste, von Gott stammende und auserwählte Volk der Erde erscheinen zu lassen.“ Während die Geheimnisse um die Planeten und um unsere Herkunft von den Juden bestens durch den Raub der alten Schriften des Weltenwissens bewahrt wurden, ließen sie alle anderen töten, die danach forschten oder in diesem Kernbereich unserer Existenz selbständig zu wahren Erkenntnissen kamen.

Die Himmelsscheibe von Nebra (Sachsen-Anhalt) gilt als die weltweit älteste konkrete Himmelsdarstellung und als einer der wichtigsten archäologischen Funde aus dieser Epoche vor etwa 3600 Jahren. Für die an den wissenschaftlichen Untersuchungen beteiligten Wissenschaftler steht nunmehr jedoch fest, dass diese Scheibe nicht ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeerraum stammt und anschließend ihren Weg nach Mitteleuropa gefunden hat. Damit ist die Scheibe die erste erhaltene Abbildung des Kosmos der Menschheitsgeschichte, und zwar aus dem Norden. Der Ort auf dem damals vermutlich unbewaldeten Berg dürfte schon in der Jungsteinzeit genutzt worden sein, möglicherweise als Observatorium. Die Forschung ist noch nicht abgeschlossen. Etwa 20 Kilometer entfernt von der Fundstelle befindet sich die ebenfalls runde, etwa auf das 5. Jahrtausend v. Chr. datierte Kreisgrabenanlage von Goseck, die astronomische Kenntnisse schon aus weit älterer Zeit als zur Entstehung der Himmelsscheibe von Nebra belegt.

abstammungs_luege

„Die Zeichnungen illustrieren die Breite und Länge der Kiefer. Die Zahlen geben den Prozentsatz zwischen Länge und Breite an. Handelt es sich um einen Primaten mit einem Prognathismus (Profilwinkel von 80°), ist der Kiefer lang und schmal, so wie beim Orang-Utan. Und wenn das Gesicht aber flach ist, wie beim weißen Menschen, dann beträgt die Länge des Kiefers weniger als die Breite. Wie erwartet liegt der Kiefer des Negers zwischen dem des Orang-Utans und dem des Weißen.“

Und damit kommen wir zur eigentlichen Ur-Lüge, die Lüge über unsere Herkunft. Einmal wird mit allen Mitteln versucht, die Urzivilisation, die aus dem Norden kam, auf andere Erdteile zu verlegen, um die nordischen Menschen glauben zu machen, sie seien ein Affenprodukt. Warum aber der moderne Mensch sehr viel älter ist, als der afrikanische Evolutionsmensch (Halbaffen-Stand) und auch die Affen sich nicht weiterentwickelten, sondern auf völlig anderen genetischen Konstruktionen als der nordische Mensch existieren, erklären uns die Evolutionisten nicht. Die Wahrheit ist, dass der Weiße Mensch nicht aus der Linie des Affen abstammt. „Vergleicht man die Unterkiefer (Mandibula) von Orang-Utan und Negern mit dem Unterkiefer des weißen Menschen, erhält man folgende Ergebnisse. Bei Primaten mit einem Prognathismus (Profilwinkel von 80°), ist der Kiefer lang und schmal, wie beim Orang-Utan. Wenn aber das Gesicht flach ist, wie beim weißen Menschen, dann beträgt die Länge des Kiefers weniger als die Breite. Wie erwartet liegt der Kiefer des Negers zwischen dem des Orang-Utans und dem des Weißen.“ [3]

Um diese Tatsachen zu vertuschen, werden also die Lügner aus den Reihen der Evolutionisten in den Kampf gegen die Aufklärung geschickt, damit das erlaubte Denkfeld der manipulierten weißen Massen von Kreationisten und Evolutionisten kontrollierbar bleibt.

Neben der Lüge von der 6000-jährigen Erdgeschichte sollen die Nordmenschen also glauben, dass sie vom Affen abstammen, obgleich sich ihre Schädel- und ihre Körperstruktur in keinen Evolutions-Einklang mit der Affen-Anatomie bringen lässt.

Vielmehr ist es so, dass der nordische Mensch neben den Evolutions-Geschöpfen auf diesem Planeten lebte, bereits vor Hunderttausenden von Jahren die Weltmeere bereiste und sein Zivilisations- und Kulturerbe auf allen Kontinenten hinterlassen hat. Der Beweis dafür ist das Vorhandensein des Hakenkreuzes, des Kreuzes, die Hügelgräber und die Pyramiden auf allen Kontinenten. In dem Wissenschafts-Magazin „Nature“ wurde berichtet, dass Menschen schon vor 800.000 bis 880.000 Jahren solche Reisen unternahmen. Der Beweis dafür waren Funde von Steinwerkzeug auf den Flores-Inseln, 340 Meilen östlich von Bali. Diese Feinheiten der Organisation solcher Reisen von Südasien hätte eine Sprache erfordert, die das möglich gemacht hätte. [4]

Aber dennoch müssen sich noch heute alle Forscher den Dogmen der vorgefertigten Evolutionstheorie ergeben und behaupten, dass der direkte Nachkomme des modernen Menschen sich aus dem Affen in Afrika entwickelt hätte. Vor etwa 140.000 Jahren sei er nordwärts gewandert und hätte sich dann nach Europa, in den Mittleren Osten und Asien ausgebreitet. Das ist falsch, denn es ist erwiesen, was aber quasi nicht gelehrt werden darf, dass unter Wissenschaftlern Konsens darüber herrscht, dass der moderne Mensch bereits vor 25 Millionen Jahren, oder früher existierte. Der Anthropologe Frank Spencer gab 1984 zu: „Aus den zusammengefügten Skeletten muss geschlossen werden, dass das moderne menschliche Skelett weit in die Zeit zurückreicht. Eine Tatsache, die viele Forscher dazu zwang, ihre Ansicht über die menschliche Evolution zu revidieren…“ [5]

Und kürzlich mussten die Afrika-Evolutions-Wissenschaftler unter dem Druck der Funde das moderne Menschen-Erdenalter erneut verlängern: „Der Mensch könnte weit älter sein als gedacht. Frühmenschen der Gattung Homo könnten schon vor 2,8 Millionen Jahren gelebt haben … berichtet ein Forscherteam im Fachmagazin ‚Science‘. Die Form des Kiefers und der Zähne lassen darauf schließen, dass es sich bereits um einen Vertreter der Gattung Homo handelt und nicht um einen der Gattung Australopithecus.“ [6]

Tatsächlich ist es so, dass der moderne Mensch, der Nordmensch, neben dem sogenannten Evolutionsmenschen auch in Afrika existierte. Die Entdeckung wurde in „Nature“ beschrieben und füllt eine Lücke der fossilen Menschenfunde in Afrika, wo diese hätten nach gängigem Lehrsatz nicht vorhanden sein dürfen. Clark Howell von der Universität Berkeley: „Die Fossilien sind unzweifelhaft keine Neandertaler und zeigen, dass der moderne Mensch in Afrika entstand, lange vor der Neandertaler-Zeit.“ [7] Viele Wissenschaftler schließen daraus, dass der Neandertaler eine andere Rasse war und sich nicht mit dem Nordmenschen vermischte. Beide existierten nebeneinander.

Dass der Nordmensch auch in Afrika lebte, ist nicht verwunderlich, denn es gab zum Beispiel die Pol-Wanderung, d.h., das Kippen der Erde. „Geoforscher um Bernhard Steinberger vom Helmholtz-Zentrum Potsdam (GFZ) erklärten aufgrund einer neuen Studie, dass sich nicht nur die Erdkruste, sondern auch der drunter liegende Mantel gegenüber den Drehpolen stetig verschoben hat. Laut dieser ist die Erde zweimal in den vergangenen 100 Millionen Jahren derart stark gekippt, dass es sich um echte Polwanderung handelte.“ [8] Aufgrund des Kippens der Erdneigung war der Süden zeitweise auch der Lebensmittelpunkt der arischen Hyperboreer. „Wissenschaftler haben mitten in der Sahara ein eindrucksvolles Zeugnis aus einer Zeit entdeckt, in der die riesige Wüste noch grün war. … Die grüne Sahara in ihrer feuchtesten Zeitspanne – vor etwa 10.000 und 8000 Jahren, wurde von groß gewachsenen Menschen bewohnt.“ [9]

Tatsache ist, der hyperboreische Nordmensch existierte überall in der Welt neben dem sogenannten Evolutionsmenschen (eine Art Laborgeschöpf), das beweisen nicht nur die uralten Funde des Hakenkreuzes und des Kreuzes (Odin-Kreuz) überall in der Welt, sondern wird auch erklärlich durch die unterschiedlichen Erdzeitalter.

Ein weiteres Beispiel: Am 9. Januar 2012 berichteten australische Wissenschaftler über die älteste DNA-Analyse aus menschlichen Überresten. Die Ergebnisse erschüttern die Theorie, dass die Menschheit in Afrika ihren Ursprung hat. Forscher der Australian National University datierten das Alter eines menschlichen Skeletts vom Mungo-See im Bundesstaat New South Wales auf etwa 68.000 Jahre. „Der ANU Anthropologe Alan Thorne unterstreicht, dass die gefundenen DNA-Sequenzen des Mungo-Mannes eine genetische Linie aufweisen, die älter ist als die bekannten DNA-Sequenzen von Menschen, die es aber auch nicht mehr gibt. Berücksichtigt man die zweifelsfrei moderne Erscheinung des Mungo-Mannes, so argumentieren die australischen Wissenschaftler, dann muss man die ‚Afrika-Hypothese‘, wonach alle lebenden Menschen Nachkommen einer Gruppe von 120.000 Jahre alten Lebewesen aus Afrika seien, mit größten Zweifeln versehen.“ [10]

Es ist somit hochwahrscheinlich, dass der moderne, der nordische Mensch ein vollkommen separates Wesen war, das den Globus weit vor dem sogenannten Evolutions-Menschen bereist hatte, was heute durch Funde immer wahrscheinlicher wird. Somit wanderte der moderne Mensch über das Erdenrund für eine lange Zeit, also vor Hunderttausenden von Jahren, was durch viele Beweise untermauert wird. Die Geologin Dr. Virginia Stehen McIntyre vom Geologischen Institut der USA fand solche Beweise. In Mexiko präsentierte die Geologin Schlussfolgerungen im Zusammenhang mit Steinwerkzeug, das sie in Hueyatlaco (Mexiko) gefunden hatte, das aber mehr als 250.000 Jahre alt ist. Die Datierung ihrer Fundstücke wurde von zwei weiteren Mitgliedern der USGS bestätigt. Das alles widerlegt die Behauptung, dass Menschen, die Steinwerkzeug herstellten, zuerst vor etwa 100.000 Jahren in Afrika lebten.

Noch interessanter ist, dass man mittlerweile herausgefunden hat, dass die DNA außerhalb des Zellkerns im Bereich der Zelle (mitochondrial DNA), also die zirkuläre, doppelsträngige DNA in der inneren Matrix der Zelle, verantwortlich für die Erbanlagen, ist. „Menschliche mitochondrial DNA, mtDNA, wird alleine von der Mutter weitergegeben.“ [11]

Wie kommt es, dass nur die Juden das wussten, denn nach dem jüdischen Gesetz gilt nur als Jude, wer eine jüdische Mutter hat. Woher haben die Juden dieses Jahrtausende alte Geheimwissen und warum versuchen sie zu verhindern, dass das Gesetz der Erbanlagen auch für Nichtjuden begreiflich wird? Dazu heißt es in der Bibel, Genesis: „Wer vom Baum der Erkenntnis isst, vom Wissen um Gut und Böse, der muss sterben.“

Dieses Wissen stammt in Wirklichkeit von den „Nazianern“, denn in Vorzeiten im Mittleren Osten siedelnden Arier. Gemäß neuesten wissenschaftlichen Werken lautete die altertümliche, von Juden geprägte Bezeichnung für die von Gott erhobenen arischen Heiligen „Nazianer“ (Nazis), wie dies am Beispiel Jesu Christi eindrucksvoll von dem Religionsforscher Alan F. Alford dargestellt wird: „Der Begriff ‚Nazirite‘ [englische Bibel, oder ‚Nasarer‘, Luther-Bibel] stammt aus der Wurzel Nzr oder Nsr und ist höchst bedeutsam. Nsr dürfte ein altertümliches ägyptisches Verb sein, das bedeutet ‚brennen‘ oder ‚lodern‘. Somit bedeutet das Wort Nsrsr ‚Insel des Feuers‘. Was mag also das Wort ‚Nazarener‘ [Jesus kam aus der Stadt Nazareth] bedeuten? In seinem jüngsten Buch ‚Jesus – Hundert Jahre vor Christus‘, erklärt Professor Alvar Ellegard, dass eine ‚Volks-Etymologie‘ [Forschung für Sprach- und Volksherkunft] unter griechisch sprechenden Juden vor langer Zeit existierte. Von daher kommt der Begriff ‚Nazarener‘ (Nazoraioi), oder Nazianer (Naziraioi). Mehr noch, Ellegard stellte klar, dass der Begriff Nazianer (Nazis) für ‚heilige, von Gott ausgewählte, erhobene Personen‘ gelte. Wenn dieses Argument zutrifft, dann sagt uns Ellegard, dass Jesus gemäß den Evangelien eine ‚heilige, erhobene Person‘ war, die aus Nazareth, ‚dem Herkunftsort des Erhobenen, des Heiligen‘ stammt.“ [12]

In der Bibel, englische Ausgabe, (4. Buch Mose) und im Buch des Propheten Amos werden die Gottgleichen (damals die Arier) „Nazirites“, also Nazianer, Nazis genannt. Somit wussten die Machtjuden, dass das nationalsozialistische System Hitlers eine Auferstehung der „Gottgleichen“ von Nazareth bedeutete. Zumal der Begriff „Nazi“ allen Menschen, außer den Juden, unbekannt war. Die Luther-Bibel von 1534 benutzt das Wort „Nasarer“ oder „Nasaren“. Bei Amos in der englischen Bibel heißt es: „Ich schuf die Propheten aus der Mitte eurer Söhne und Nazirites (also Nazis) aus euren jungen Männern. Wollt ihr das bestreiten, Volk von Israel?“ (11)

kabbala_swastika_aus_parashat_eliezer

Das von den Ariern gestohlene Geheimwissen kommt in der Kabbala in „Parashat Eliezer“ zum Vorschein.

Ein Hakenkreuz erstellt mit hebräischen Buchstaben als mystisches Symbol ist übrigens in der jüdischen Kabbala verewigt, und zwar in dem Werk „Parashat Eliezer“.

Dass die Juden mit Jesus/Baldur in Kontakt waren, beweisen schon die noch heute im Judentum erhaltenen Wahrzeichen des nordischen Jesus (Esus), das Hakenkreuz. Das Hakenkreuz, das Jahrzehntausende älter ist, als die Bibelgeschichte über Jesus, wird nämlich nicht nur in der jüdischen Kabbala benutzt, sondern auch heute noch in Synagogen in Israel als Boden-Mosaik gepflegt, wie beispielsweise in der Synagoge von Maoz-Haim. Die jüdischen Kabbalisten wissen gar wohl, was die biblischen Erzählungen bedeuten sollen, die wörtlich zu glauben man uns Christen kaltblütig zumutet.

Auch in der frühen Christen-Kirche war das Hakenkreuz vorherrschend. Oft fand sich auf dem Kruzifix ein Hakenkreuz. Selbst die Tiara des Papstes (Papst-Krone) wurde mit einem Hakenkreuz verziert (noch im Jahr 800). Im Buch „Atlantis, Edda und Bibel“ bestens dokumentiert.

Ein anderes Phänomen, das totgeschwiegen wird, sind die sogenannten Tiermenschen, die es tatsächlich gab, und die weder etwas mit den Neandertalern, mit den sogenannten Frühmenschen aus Afrika, noch etwas mit dem Homo Sapiens zu tun hatten. »Ein Erlanger Theologie-Professor zeigte Fotos von Mischwesen (Udumi). Er sagte: „Es gibt assyrische Darstellungen von ‚udumu-Wesen‘! Foto von einem assyrischen Relief, im britischen Museum. Das eigenartige Wesen“, so klärt der Professor, sei „ein ‚udumu‘, ein Mischwesen aus Tier und Mensch“. Der Text aus diesem wissenschaftlichen Magazin des Jahres 1907 sagt: „Die udumi haben wirklich existiert, haben wirklich so ausgesehen, wie sie uns auf den Monumenten überliefert sind“. Weitere Schwarzweißfotos, die ebenso aus der „Fachzeitschrift“ von 1907 stammen, zeigen eine seltsame Kreatur, die im Tierreich so nicht vorkommt! Vor dem Mann schreitet, wie ein Mensch auf den Hinterbeinen gehend, ein Mischwesen aus Mensch und Tier. Der Elefant ist geradezu fotorealistisch dargestellt, von der Schwanzspitze bis hin zum Rüssel und zu den Stoßzähnen des stattlichen Tieres. Sehr naturgetreu sind auch Kamele auf der Siegessäule. Wer also das geheimnisvolle Relief mit den Mischwesen schuf, konnte sehr wohl die Natur präzise und realistisch abbilden. Man darf also daraus schlussfolgern, dass es auch die merkwürdigen Mischwesen gab.« [13]

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In der „Fachzeitschrift“ von 1907 wird eine seltsame Kreatur abgebildet, die im Tierreich so nicht vorkommt! Vor dem Mann schreitet, wie ein Mensch auf den Hinterbeinen gehend, ein Mischwesen aus Mensch und Tier. Der Elefant ist geradezu fotorealistisch dargestellt, von der Schwanzspitze bis hin zum Rüssel und zu den Stoßzähnen des stattlichen Tieres. Sehr naturgetreu sind auch Kamele auf der Siegessäule. Wer also das geheimnisvolle Relief mit den Mischwesen schuf, konnte sehr wohl die Natur präzise und realistisch abbilden. Man darf also daraus schlussfolgern, dass es auch die merkwürdigen Mischwesen gab.

Die sogenannte Wissenschaft, die natürlich ebenfalls in Ketten gelegt ist, dreht sich im Kreis. Wenn sie neue Entdeckungen macht, werden die Erkenntnisse am Ende wieder derart verhunzt, dass alles erneut auf die Evolutions-Theorie bzw. auf den Kreations-Schwindel hinausläuft.

Wenige wagen, aus dem Lügenkartell auszubrechen. Es war zuerst der Schweizer Forscher Erich von Däniken, der die Entstehungsgeschichte des Menschen als Pionierprodukt von Außerirdischen Besuchern darstellte. Mit sehr guten Begründungen. Später folgte ihm der englische Religionsforscher Alan Alford auf dieser Linie. Alford wurde jedoch mit einer Klage in Höhe von 50 Millionen Dollar des israelischen Autors Zecharia Sitchin überzogen. Kurz danach nahm Alford seine Forschungsergebnisse dahingehend zurück, dass es sich bei Jahwe um einen außerirdischen Verbrecher handele, der eine spezielle Brut von Untertanen heranzüchtete, um gegen den arischen „Lichtgott“ Marduk zu kämpfen.

Was diese unorthodoxen Forscher eint ist die Tatsache, dass sie sich in weiten Bereichen auf dechiffrierte Texte der Bibel, auf sumerische, ägyptische wie aztekische Schrifttafeln und Papyrus-Rollen stützen.

Hermann Wieland erklärt die Erkenntnisse u.a. so: „Dieser Ritus (Kultus) wurde für die große unwissende Volksmenge die eigentliche Religion, für die Wissenden (Initiierten, Adepten. Hierophanten) nur die äußere Hülle für die ihnen anvertrauten, durch Jahrtausende hindurch vererbten arischen Geheimnisse und Kenntnisse. Das Volk sah in dem Kultus das Wesen der Religion, für die Wissenden war jener nur deren äußere Erscheinungsform. So gab es eine äußerliche (exoterische) Religion für die große Masse, eine geheime (esoterische) für die Eingeweihten. Zu dieser gehörten die Weisen aller alten arischen Kulturvölker. Daraus erklärt sich, dass die Lehren der alt-arischen Kulturträger überall gleichlauteten und auch ihr Kultus in der ganzen Welt ähnlich war, sodass die Eroberer Mexikos 1520 naturgemäß dort einen dem katholischen Kultus ähnlichen finden mussten. Um aber das hohe arische Geistesgut nicht in die Hände des Pöbels fallen zu lassen, wurde es in den alten heiligen Schriften nicht wortgetreu überliefert, sondern in Fabeln und Parabeln, Gleichnissen und in Worten dargestellt, deren eigentlichen Sinn nur die Eingeweihten verstanden. Wer den Schlüssel zu dieser uralten arischen Geheimschrift (Chiffreschrift) besitzt, kann den eigentlichen tiefsinnigen Inhalt jener alten arischen Schriften gar wohl verstehen. Wer ihn nicht besitzt, sieht in ihnen nur lächerliches, ungereimtes Zeug, Fabeln und kindische Märchen. Wer die Geheimsprache der Initiierten der alten Kulturvölker kennt und den Inhalt jener alten arischen Schriften mit dem der Bibel vergleicht, der sieht zu seiner großen Überraschung, dass die Bibel, abgesehen von Fälschungen und Zutaten, nichts anderes ist als ein Auszug und ein Teil aus jenen uralten arischen Geheimschriften und dass sie eine Fülle arisch-atlantischer Weisheit enthält. Der katholische Theologe Dr. Jörg Lanz von Liebenfels hat hierfür unwiderlegliche Nachweise erbracht und diese in einer langen Reihe von Veröffentlichungen niedergelegt.“

Einer der großen Denker und Pioniere auf diesem Gebiet, lange vor Alford, Däniken und Sitchin war nämlich Karl Weinländer (alias Hermann Wieland, ehemaliger Hochschullehrer aus dem deutschen Elsass). Nach dem Ersten Weltkrieg, als die Elsässer plötzlich in Feindesland leben mussten, publizierte Weinländer aus Sicherheitsgründen unter mehreren Pseudonymen, unter anderem unter dem Namen Hermann Wieland. Unter diesem Namen erschien sein bekanntestes Buch, das heute noch einen hohen Stellenwert im esoterisch-naturwissenschaftlichen Bereich weltweit einnimmt: „Atlantis, Edda und Bibel“.

Wieland weist anhand von Bibel- und Edda-Texten sowie archäologischen Funden nach, dass die Arier vor mindestens 200.000 Jahren sich in allen Teilen der Welt niedergelassen hatten. Der neueste Stand der Forschung bestätigt diese Fakten durchaus, was zu Wielands Zeiten noch nicht der Fall war. Im Braunkohlentagebau Schöningen bei Helmstedt entdeckte man 1994 beispielsweise einen alt-paläolithischen Fundplatz, auf dem sich zusammen mit Steinwerkzeugen mehrere hölzerne Wurfspeere erhalten haben, die uns völlig neue Einblicke in die Entwicklung und Kultur des frühen Menschen vor etwa 400.000 Jahren ermöglichen. Die Speere sind – bis auf einen – aus jungen Fichtenbäumen gefertigt. Nur einer ist aus Kiefernholz. Die meisten Speere sind über zwei Meter lang und bis zu 6 cm im Durchmesser. Der Schwerpunkt liegt an der Stelle mit der größten Dicke und befindet sich nahe bei der Spitze. Und in England fand man kürzlich die „ältesten Fußabdrücke Europas. Eine Familie hinterlässt im Schlick der Themse ihre Fußspuren. Diese Abdrücke kommen jetzt, nach fast einer Million Jahre, zum Vorschein.“ [14]

Wieland bezieht sich zunächst auf die Überlieferung Platos, der in allen Einzelheiten das mythische, arische Inselreich Atlantis schilderte. Atlantis sei schließlich um 9600 v. Chr. infolge einer Naturkatastrophe innerhalb „eines einzigen Tages und einer unglückseligen Nacht“ untergegangen. Das mag man glauben oder auch nicht, jedenfalls spielt Atlantis bei hochkarätigen Geologen in der ganzen Welt eine zentrale Rolle. Der amerikanische Geologe und Atlantisforscher, Dr. Floyd McCoy, sagte gegenüber dem ZDF im Zusammenhang mit Platons Überlieferung: „Und so eine Erzählung denkt man sich nicht aus oder erfindet sie. Sie muss auf eine gewaltige Katastrophe zurückgegangen sein, dass sie im Gedächtnis der Menschen über Jahrtausende blieb.“ [15]

Wieland beschreibt, wie durch eine galaktische Katastrophe dieser neue Kontinent entstanden sei, der zur wichtigsten Kolonie der Arier wurde. Danach entwickelte sich auf diesem glücklichen Kontinent ein gewaltiger Seehandel, der Atlantis sowohl mit dem amerikanischen wie auch dem europäischen Kontinent verband. In den Schrifttafeln der Azteken und Inkas, wie auch bei den Indianern Nordamerikas, finden sich entsprechende Nachweise.

Der Autor findet nach der Entschlüsselung der Bibeltexte sowie der arisch-indisch-persischen Schriften ausreichend Hinweise über die Katastrophe von vor etwa 11.500 Jahren, als Atlantis wieder im Meer versank. Er führt u.a. den großen deutschen Forscher Alexander von Humboldt an, der in Mittelamerika ebenfalls Hinweise darüber fand.

Laut Wieland ging Atlantis auch unter, weil im Laufe der Zeit das Ariertum vermischt wurde und somit die Stärke zum Erhalt des strahlenden Kontinents nicht mehr vorhanden war. Den Untergangskampf verpackt Wieland gleichnishaft in die germanische Mythologie, lässt Odin, Baldur und die Asen gegen die Widersacher der Menschheit, symbolisiert durch Loki und die Midgardschlange, auf Atlantis kämpfen. Wer Wielands Beschreibung über den Untergang des arischen Atlantis liest, erkennt die multikulturellen Untergangszeichen von heute überdeutlich.

Nach Wieland haben die Juden die alten Weltwissensschriften der Arier gestohlen und daraus (verschlüsselt) ihre Bibel und die prophetischen Bücher geschaffen. Andere Teile haben sie verfälscht in ihren „heiligen“ Texten verwendet. Die Juden seien ein vagabundierendes, zigeunerartiges Volk, schreibt Wieland. Seitjeher versuchten sie, allen anderen das notwendige Lebenswissen vorzuenthalten – mit Kriegen und Weltkriegen.

Heute wird der Geisteswissenschaftler Wieland sogar in den Kernbereichen seiner Forschungen offiziell bestätigt: „Viele Experten leiten den Begriff Hebräer von ‚hapiru‘ ab – was so viel wie ‚Vagabund‘ heißen kann. … Das Alte Testament, ein Gespinst aus Legenden. … Als Märchen und monumentale Camouflage – so steht das Wort Gottes mittlerweile da. … Eine Gruppe von Fälschern, ‚Deuteronomisten‘ erfanden, nach Art eines Hollywood-Drehbuchs die Geschichte vom Gelobten Land. … Sogar vor Betrug und Dokumentenfälschung scheuten die Zion-Priester nicht zurück.“ [16]

Der damals in weiten Kreisen bekannte Theologieprofessor Adolf von Harnack erzählt in seinem Werk über den Griechen „Marcion“ die geschichtliche Tatsache, dass der urchristliche Marcion sich weigerte, das jüdische Gesetzbuch als Gotteswerk anzuerkennen, weil Jesus die Juden im Evangelium des Johannes als Kinder des Teufels brandmarkt. Marcion testierte 144 n. Chr. in der ersten römischen Synode vor den versammelten Presbytern, dass sofort nach Christi Tod „eine große Verschwörung wider die Wahrheit sofort eingesetzt und mit durchschlagendem Erfolg ihre Absichten durchgesetzt hat.“ [17]

Beim Neuen Testament, bei den Evangelien, so Wieland, handele es sich um uralte germanische Weisheiten, die dann teilweise von den Juden gefälscht, aber ihr Wissensextrakt von ihnen selbst genutzt worden seien. In diesem Zusammenhang weist Wieland diese Fälschungen an einem Beispiel äußerst drastisch nach. Der Allvater der Arier thronte über allem und er wollte nicht, dass sich die Menschen ein Bildnis von ihm machten. Das arische Ägypten, das die Gotteswelt aus dem Norden übernahm, weist diese Tatsache in den überlieferten Schriften nach.

Im Zusammenhang mit dem Namen des arischen „Allvaters“, beschied dieser, ohne seinen Namen zu nennen: „Ich bin, der ich bin“. Dieses Testament des arischen „Allvaters“ wurde später auch von den ägyptischen Priesterkasten in ihre Religionsschriften eingeführt – und noch später von den Juden gestohlen. Moses fragte angeblich Gott auf dem Berg Sinai, welchen Gottesnamen er den Israeliten als Auftraggeber nennen solle und erhielt angeblich die Antwort: „Ich bin, der ich bin“ (‚ehyeh ‚aʃer ‚ehyeh). Fortan wird der abgekupferte Judengott, abgeleitet von JHWH, Jahwe genannt. Die Abkürzung JHWH geht auf die eng verwandten hebräischen Verben „hwh“ (sein) und „hjh“ (da sein) zurück. Moses wurde aber 1593 v. Chr. geboren, also 2000 Jahre später, als der ägyptische Gottesname für den Allvater mit „ich bin, der ich bin“ [18] testiert wurde. Somit ist bewiesen, dass die Juden die heiligen Schriften der Arier gestohlen und für ihre Zwecke angewandt haben.

Die Kirche Roms verlangt von uns, die jüdischen Literaturdiebe, Geschichtsfälscher und Betrüger als „Auserwähltes, Heiliges Volk Gottes“ anzusehen, argumentiert Wieland. Und das, obgleich sogar die Noah-Geschichte von der Sintflut gestohlen ist. Wieland ist mit dieser Forschungsfeststellung heute offiziell bestätigt worden. Auf Keilschrifttafeln aus Ruinen im heutigen Irak haben sich die Geschichten des Königs Gilgamesch erhalten. Dazu der deutsche Altorientalist Stefan M. Maul: „Als man vor knapp 150 Jahren entdeckte, dass Noah und die Sintflut viel älter sind als die Bibel, war das eine Weltsensation. Die Geschichten um den König von Uruk mit Namen Gilgamesch sind in der Tat einer der ältesten uns bekannten literarischen Stoffe. … Im Jenseits trifft er schließlich den einzigen Menschen, der dem Tod entkommen ist, Uta-napischti, den Noah der biblischen Sintflut-Erzählung.“ [19]

Aber das zentrale Geheimnis der Welt, so Wieland, sei das Rassengeheimnis. Als die Verfolgung der Arier auf Atlantis begann und die arisch-atlantischen Gelehrten vom niederrassigen Pöbel getötet oder vertrieben wurden, da hielten sie ihr Wissen geheim und teilten es nur solchen Ariern mit, die sie für würdig hielten, ihre Schüler und Mitwisser der arischen Weisheit zu sein. Ein Schleier des Geheimnisses sollte über die geschichtlichen, naturwissenschaftlichen und religiösen Kenntnisse geworfen werden, damit sie von Unwürdigen nicht entweiht würden. Offenbar hatten die furchtbaren Ereignisse auf Atlantis die Arier gelehrt, dass es gleichbedeutend mit Selbstmord wäre, wenn sie ihre Feinde weiterhin mit Kenntnissen ausrüsteten, die von jenen nur als Waffen im Vernichtungskampf gegen die Arier eingesetzt würden.

Aber diese Kenntnisse gelangten schließlich doch in die Hände der jüdischen Priester, die das Vermischungsgebot der Arier dann zum höchsten Gesetz des Judentums erhoben. Und Wieland hat dafür einen Kronzeugen, einen besseren kann es kaum geben. Der ehemalige jüdische Premierminister Groß Britanniens, Benjamin Disraeli (1874 bis 1880). Disraeli lässt im letzten Teil seiner Trilogie „Young England“ seinen „mysteriösen und mächtigen“ jüdischen Supermann Sidona zu Tancered sagen: „Alles ist Rasse, es gibt keine andere Wahrheit“.

Wieland schreibt: „In die Zeit der tiefsten Schmach fielen nun eine Reihe von Veröffentlichungen auf dem Gebiete der Rassenkunde und Vorgeschichte, die dem entehrten, geschundenen, zu ‚Schweinen‘ und scheußlichen ‚Barbaren‘ gestempelten Volke erkennen ließen, dass die verlästerten Germanen das erste und einzige Kulturvolk der Erde sind und dass ihm mittels unglaublicher Geschichtsfälschungen ein Schleier vor seine glanzvolle Vorgeschichte gezogen wurde, damit es sich und seinen Wert, seine Bedeutung nicht erkennen könne und willig die Ausbeutung durch eine Fälscher- und Betrügergesellschaft dulde. Wer sich aber mit den alten germanischen Mythen auseinandersetzt, wird schnell merken, dass uns die Judeachristen unsere fundamentalen Lebensgrundlagen und Lebensweisheiten gestohlen haben! Die Bibel ruht auf arisch-germanischer Grundlage. Ihre wertvollsten Teile sind von jüdischen Priestern gefälscht worden, damit ihr Volk als ‚Heiliges, auserwähltes Volk Gottes‘ erscheine, durch diesen Schwindel die Weltherrschaft erhalte und in der Erreichung dieses Zieles durch das irregeführte Ariertum nicht gehindert werde. Die Evangelien wiederum sind so vollkommen ein Ausdruck arischen Geistes und arischen religiösen Empfindens, dass sie im schroffsten Gegensatz zum Judentum stehen und von diesem immer abgelehnt wurden. Hebräisch und aus dem atlantischen Heidentum stammend sind die mosaischen Blutgesetze und Menschenopfer.“

Mag einiges in Wielands Buch weit hergeholt erscheinen, mögen auch manche Irrungen enthalten sein, mag er sich in der Wortwahl in Rassendingen verschiedentlich vergriffen haben, mag die Gewichtung von Atlantis nicht vollends zutreffen, so bleibt die Kern-Lehre seines Buches eine der faszinierendsten esoterisch-naturwissenschaftlichen Forschungsarbeiten der jüngeren Menschheitsgeschichte. Zur Erweiterung des eigenen Horizontes kann man auf dieses Buch nicht verzichten.


1) RT.com, February 17, 2015
2) Giordano Bruno: Die Vertreibung der triumphierenden Bestie, 2. Aufl., Berlin und Leipzig, ca. 1907, S. 180
3) Nature 228, 1352 (26 December 1970), Evolution and Genetics.
4) Fission-track ages of stone tools and fossils on the east Indonesian island of Flores, M. J. Morwood, Nature 392, March 12, 1998.
5) The Hidden History of the Human Race, by Michael Cremo and Richard A. Thompson, Govardhan Hill Publishing, Badger, CA, 1994, p. 155.
6) FAZ, 05.03.2015, S. 1
7) Clive Cookson, Science Editor, Bradshaw Foundation.
8) JOURNAL OF GEOPHYSICAL RESEARCH, VOL. 117, B09101, pp. 30, 2012.
9) Süddeutsche.de, 17. Mai 2010.
10) News.bbc.co.uk, Tuesday, 9 January 2001.
11) „Mitochondrial DNA: The Eve Gene“. Bradshaw Foundation. Bradshaw Foundation. Retrieved 5 November 2012.
12) Alan F. Alford, When The Gods Came Down, The Catastrophic Roots of Religion Revealed, Hodder and Stoughton, London 2000, page 398 – APPENDIX C JESUS OF NAZARETH.
13) ein-buch-lesen.de, 19.05.2003.
14) pm-magazin.de, 11/2014
15) zdf.de/terra-x, 07.08.2011
16) DER SPIEGEL 52/21.12.2002
17) Adolf von Harnack und Carl Schmidt: Das Evangelium vom fremden Gott, J. C. Hinrichs’sche Buchandlung, Leipzig 1924.
18) Kapitel 17 des „Papyrus Prisse“ (etwa 3400 v. Chr. verfasst) wird uns Gott in folgender Weise geschildert: „Ich bin der Verborgene, der den Himmel gemacht und alle Wesen geschaffen hat, ich bin der große Gott, der aus sich selbst erstand, ich bin das Gesetz und alles Sein und Wesen, ich bin, der ich bin.“
19) Welt.de, 02.03.2015  http://globalfire.tv/nj/15de/religion/07nja_toedliches_wissen.htm  https://germanenherz.wordpress.com/2006/04/18/atlantis-edda-und-bibel-200-000-jahre-germanischer-weltkultur/  ergänzend: DER JESUS VON NAZARETH  und hier Die christliche Lehre kam aus dem Norden. und hier VON BÜCHERN, DIE DEN GEIST UND DEN LEIB TÖTEN .und hier Die vorchristlichen Ursprünge des Christentums .und hier Der Reichtum der Kirche ist Blutgeld und hier Die Christianisierung und hier Zur Unglaubwürdigkeit des Judäo-Christentums und hier Die Christianisierung Nordgermaniens und hier Die Deutschen – ein auserwähltes Volk  und hier  Die Religion der Germanen

Audiovorträge mit Jürgen Rieger

Rieger-Juergen Wir können seine Textknechtschaften lesen. Das ist eine Sache. Aber seine Audiovorträge, dass ist eine andere und sucht seinesgleichen. An Kenntnissen und lebendigem „Typisch norddeutsch“ vorgetragenen Art, „kaum zu übertreffen“.

1) Abspielen: Einfach mit der linken Maustaste auf den gewünschten Vortrag Klicken, dann spielt euer Betriebssystemplayer die Audiodatei ab, oder !
2)  Runterladen: mit der rechten Maustaste drauf, dann speichern unter, und die gewünschte Audiodatei befindet sich in wenigen Augenblicken auf euren Rechner.

1984- – Gibt es einen freien Willen (57m 43s).mp3 52.7 MB
1986– Biologische Politik (47m 17s).mp3 43.2 MB
1988- – Von der christlichen Moral zur biologisch begruendeten Ethik (1h 04m).mp3 58.9 MB
1991– Sachsenmord und Sachsenhain in Verden (1h 20m).mp3 73.4 MB
1992- – Bevoelkerungsexplosion und Rassenmischung (1h 28m).mp3 80.6 MB
1993- – Germanische Verlobung und Trauung (1h 33m).mp3 85.3 MB
1993– Multikultur – die verhaengnisvolle Utopie unserer Geschichte (19m 27s).mp3 17.8 MB
1994– Einwanderungsland Deutschland (1h 31m).mp3 84.0 MB
1995– Erhaltung unserer genetischen Substanz (1h 15m).mp3 68.9 MB
1995– Kultur und Volk (1h 16m).mp3 70.2 MB
1995– Rasse und Rassismus – Eine Richtigstellung (1h 51m).mp3 102.3 MB
1995- – Zum Sinn artglaeubiger Feiergestaltung (43m 55s).mp3 40.1 MB
1996- – Lenin laesst gruessen (48m 54s).mp3 44.7 MB
1996- – Sittengesetz unserer Art – Aussprache (1h 06m).mp3 60.7 MB
1997– Sommersonnenwende Hetendorf mit Demonstration (46m 53s).mp3 42.8 MB
1997– Die verlogene und skandaloese Wehrmachtsausstellung (40m 38s).mp3 37.1 MB
1998– Asatru in Vinland (1h 09m).mp3 63.7 MB
1999- – Germanische Festzeiten (1h 17m).mp3 71.2 MB
2002– Gorch Fock – Morgenfeier (22m 30s).mp3 20.6 MB
2004- – Vortrag in Hamburg ueber die politischen Zustaende in der BRD (1h 15m).mp3 30.1 MB
2007– Deutschlands aussenpolitische Lage – Ein Deutsch-Russisches Friedenswerk (1h 27m).mp3 79.7 MB
2009– 2000 Jahre germanischer Freiheitskampf (1h 14m).mp3 67.8 MB
2009- – Sommersonnenwende (36m 52s).mp3 33.7 MB
2009– Wunsiedel Trauermarsch (1h 47m).mp3 98.3 MB

Die Audiodateien befinden sich auf http://archive.org/details/VortraegevonJuergenRieger

ergänzend

Jürgen Rieger – unvergessen

Kamerad Rechtsanwalt Jürgen Rieger 11.05.1946 – 29.10.2009 Heute jährt sich der fünfte Todestag unseres Freundes und Kameraden Jürgen Rieger. Die schönen Stunden bei den gelungenen Brauchtumsveranstaltungen, Jahreskreisfeste mit ihn, werden unvergessen bleiben! Zur Erinnerung: Die würdige Abschiedsrede von Dr. Pierre Krebs Einlaß in Walhall Jürgen, Du hast die höchste Prüfung bestanden: die Treue zu Dir … Weiterlesen

Das Sittengesetz unserer Art von Jürgen Rieger

 Ursprünglich veröffentlicht auf der Seite der Artgemeinschaft. Jürgen Rieger beschreibt in seinem “Sittengesetz unserer Art” die Grundsätze unseres heidnisch-germanischen Wesens, welche uns durch den Lauf der Geschichte als fortdauernde, biologisch-begründete Merkmale begleitet und geformt haben. So mancher wird jetzt anmerken, dass nicht jeder Germane Deutscher und jeder Deutsche nur Germane sei. Das stimmt teilweise. Das … Weiterlesen

Deutschland und Russland

Ergänzender Beitrag von Februar 2006 von Jürgen Rieger Der zweite Weltkrieg, die großen Leiden der ostdeutschen Bevölkerung bei der Besetzung und der nachfolgende „Kalte Krieg“ mit der Sorge, daß auch die westliche Hälfte Deutschlands kommunistisch werden könnte, haben zu einer Entfremdung zwischen Deutschen und Russen geführt. Es scheint mir deshalb richtig, zunächst einmal einen geschichtlichen … Weiterlesen

Ahnenverehrung von Jürgen Rieger

 Aus dem Vorwort von Riegers Buch Ahnenverehrung – Weg zur irdischen Unsterblichkeit: Im Anschluß an das Lesen von Spenglers Der Untergang des Abendlandes war ich schon vor geraumer Zeit zur Auffassung gelangt, daß die Beschäftigung mit dem Konfuzianismus für mich notwendig sei. Spengler hat anhand vieler Beispiele das Aufblühen, die Hochzeit und das Vergehen von Kulturen … Weiterlesen

Kampf der Kulturen – Kampf der Religionen

von Rechtsanwalt Jürgen Hans Paul Rieger TEIL I In Heft 4/3801 der „Nordischen Zeitung“ habe ich in dem Beitrag „Amerikas Kreuzzug in den Dritten Weltkrieg“ vor einem Krieg in Afghanistan gewarnt, und davor, daß dies zu einem weltweiten Religionskrieg zwischen Moslems und Christen führen könne. Ich habe ferner dargelegt, daß Osama bin Laden nur ein … Weiterlesen

Odins Rabenzauber (Hrafnagaldr Odins)

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1
Allvater waltet, Alfen verstehn,
Wanen wissen, Nornen weisen,
Iwidie nährt, Menschen dulden,
Thursen erwarten, Walküren trachten.
2
Die Asen ahnten übles Verhängnis,
Verwirrt vom widrigen Winken der Seherin.
Urda sollte Odhrärir bewachen,
Wenn sie wüßte so großen Schaden zu wehren.
3
Auf hub sich Hugin den Himmel zu suchen;
Unheil fürchteten die Asen, verweil er.
Thrains Ausspruch ist schwerer Traum,
Dunkler Traum ist Dain Ausspruch.
4
Den Zwergen schwindet die Stärke. Die Himmel
Neigen sich nieder zu Ginnungs Nähe.
Alswidr läßt oftmals sie sinken,
Oft die sinkenden hebt er aber empor.
5
Nirgends haftet Sonne noch Erde,
Es schwanken und stürzen die Ströme der Luft.
In Mimirs klarer Quelle versiecht
Die Weisheit der Männer. Wißt ihr was das bedeutet?
6
Im Tale weilt die vorwissende Göttin
Hinab von Yggdrasils Esche gesunken,
Alfengeschlechtern Idun genannt,
Die Jüngste von Iwalts ältern Kindern.
7
Schwer trägt sie dies Niedersinken
Unter des Laubbaums Stamm gebannt.
Nicht behagt es ihr bei Nörwis Tochter
An heitere Wohnung gewöhnt so lange.
8
Die Sieggötter sehen die Sorge Nannas
Um die niedre Wohnung: sie geben ihr ein Wolfsfell.
Damit bekleidet verkehrt sie den Sinn,
Freut sich der Auskunft, erneut die Farbe.
9
Wählte Widrir den Wächter der Brücke,
Den Giallerertöner die Göttin zu fragen
Was sie wisse von den Weltgeschicken.
Ihn geleiten Loptr und Bragi.
10
Weihlieder sangen, auf Wölfen ritten
Die Herrscher und Hüter der Himmelswelt.
Odhin spähte von Hlidskialfs Sitz
Und wandte weit hinweg die Zeugen.
11
Der Weise fragte die Wächterin des Tranks,
Ob von den Asen und ihren Geschicken
Unten im Hause der Hel sie wüßten
Anfang und Dauer und endlichen Tod.
12
Sie mochte nicht reden, nicht melden konnte sies:
Wie begierig sie fragten, sie gab keinen Laut.
Zähren schossen aus den Spiegeln des Haupts,
Mühsam verhehlt, und netzten die Hände.
13
Wie schlafbetäubt erschien den Göttern
Die Harmvolle, die des Worts sich enthielt.
Je mehr sie sich weigerte, je mehr sie drängten;
Doch mit allem Forschen erfragten sie nichts.
14
Da fuhr hinweg der Vormann der Botschaft,
Der Hüter von Herians gellendem Horn.
Den Sohn der Nal nahm er zum Begleiter;
Als Wächter der Schönen blieb Odhins Skalde
15
Gen Wingolf kehrten Widrirs Gesandte,
Beide von Forniots Freunden getragen.
Eintraten sie itzt und grüßten die Asen,
Yggrs Gefährten beim fröhlichen Mahl.
16
Sie wünschten dem Odhin, dem seligsten Asen,
lang auf dem Hochsitz der Lande zu walten;
Den Göttern, bei Gastmal vergnügt sich zu reihen,
Bei Allvater ewiger Ehren genießend.
17
Nach Bölwerks Gebot auf die Bänke verteilt,
Von Sährimnir speisend saßen die Götter.
Skögul schenkte in Hnikars Schalen
Den Met und maß ihn aus Mimirs Horn. td
18
Mancherlei fragten sie über dem Mahle
Den Heimdal die Götter, die Göttinen Loki,
ob Spruch und Spähung gespendet die Jungfrau –
Bis Dunkel am Abend den Himmel deckte.
19
Übel, sagten sie, sei es ergangen,
Erfolglos die Werbung, und wenig erforscht.
Nur mit LIst gewinnen ließe der Rat sich
Daß ihnen die Göttliche Auskunft gäbe.
20
Antwort gab Omi , sie Alle hörten es:
“Die Nacht ist zu nützen zu neuem Entschluß.
Bis Morgen bedenke wer es vermag
Glücklichen Rat den Göttern zu finden.”
21
Über die Wege von Wallis Mutter
Nieder sank die Nahrung Fenrirs
Vom Gastmal schieden die Götter entlassend
Hroptr und Frigg, als Hrimfai auffuhr.
22
Da hebt sich von Osten aus den Eliwagar
des reifkalten Riesen dornige Rute,
mit der er in den Schlaf die Völker schlägt,
die Midgard bewohnen, vor Mitternacht.
23
Die Kräfte ermatten, ermüden die Arme,
Schwindelnd wankt der weiße Schwertgott.
Ohnmacht befällt sie in der eisigen Nachtluft,
die Sinne schwanken der ganzen Versammlung.
24
Da trieb aus dem Tore wieder der Tag
Sein schön mit Gestein geschmücktes Roß;
weit über Mannheim glänzte die Mähne:
Des Zwergs Überlisterin zog es im Wagen.
25
Am nördlichen Rand der nährenden Erde
Unter des Urbaums äußerste Wurzeln
Gingen zur Ruhe Gygien und Thursen.
Gespenster Zwergen und Schwarzalfen.
26
Auf standen die Herrscher und die Alfenbestrahlerin.
Die Nacht sank nördlich gen Nifelheim.
Ulfrunas Sohn stieg Argiöl hinan,
Der Hornbläser, zu den Himmelsbergen.

Quelle: Handschrift des Brynjolfur Sveinsson in der Übersetzung von Karl Simrock.

Anmerkungen:

1 Iwiedie, Waldgeister

2 Ödhrörir (Geistanreger), göttlicher Met, Unsterblichkeitstrank; wird von der
Norne Urd bewahrt

3 Dain und Thrain, Zwerge (vgl. Völupsa, Strophen 11 und 12)

4 Ginnung, Ginnungagap, die Leere, Urzustand

5 Idun, Tochter des Zwergs Iwalt; symbolisiert die Vegetation und verwahrt die
goldenen Äpfel (Lebensspeise der Götter). Hier verschmilzt sie mit Urd, die den Lebenstrank bewahrt

6 Nörwis Tochter, die Nacht

7 Nanna, Baldurs Frau, Blütengöttin; hier als Synonym für Idun

8 Widrir, Odin

9 Giallarertöner, Heimdall

10 Loptr, Loki

11 Nal, Lokis Mutter, auch Laufey

12 Skalde, Bragi

13 Wingolf, Sitz der Götinnen

14 Horniots Freunde, die Elemente Wasser, Feuer Luft

15 Bölwerk, Odin

16 Hnikars Schalen, Odins Trinkgefäße, in denen die Walküre Skögul Met ausschenkt

17 Omi, Odin

18 Wallis Mutter, Walis Mutter Rindr

19 Nahrung Fenrirs, der Mond

20 Hroptr, Odin

21 reifkalter Riese, Nörwi, der Vater der Nacht

22 der weiße Schwergott, Heimdall

23 des Zwergs Überlisterin, die Sonne, von deren Strahl die Zwerge erstarren

24 Gygien und Thursen, Riesen

25 Alfenbestrahlerin, die Sonne

26 Ulfruna, eine der neun Mütter Heimdalls

27 Argiöl, Beiname der Himmelsbrücke Bifröst

Am Anfang war das Wort

Die Entwicklung der Weißen Rasse begann vor 350 Millionen Jahren im nördlichen Teil Europas
Da die Heilige Schrift, das Heilige Wort und die Heilige Tat im Einklang stehen …
Die Heilige Schrift sind die Runen, die uns am Heiligen Berg, dem Harz, dem Herzen Nordeuropas, gegeben wurden.
Uns wurden die „Heilgen Tafeln“ überreicht, wir sind das auserwählte Volk, die auserwählte Rasse, die Weiße Rasse. Der Runenstein ist ein zum Glück noch erhaltener Beweis. Der größte Teil wurde von den Geschichtsfälschern vernichtet oder schlummert in den Kellern des Vatikan. Die Wahrheit setzt sich durch, es ist nur eine Frage der Zeit, denn die Wahrheit liegt unzerstörbar in unserem Blut. Die Täuschung dauert nicht ewig, da können sich die Juden noch so sehr anstrengen. Auch die Wiederauffindung der „Himmelsscheibe von Nebra“ – sie wurde zwischenzeitlich in Händen von Schwarzhändlern – ist so ein Beweis für die Genialität und Höherentwicklung des Nordmenschen über den Rest der Welt.
Die Theosophen, insbesondere Helena Blavatsky, erforschten erfolgreich die Entwicklungsgeschichte des Menschen und haben erstaunliches herausgefunden. Der hellsichtige Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposophie, bestätigte die Rassenlehre und widersprach ebenfalls der Irrlehre Darwins. Der Mensch entwickelte sich parallet zum Tier. Die Worte Rose, Rasse und Riese stammen aus einer Wurzel. Der Rosengarten wäre also auch der Rassegarten, der Garten, in dem die Rasse gefast (d. h. gezeugt) und entwickelt wurde, und darum heißt ein Dorf, das auf dem Gebiete eines alten Rosengartens bei Altenburg in Thüringen liegt, heute noch Rasephas (- Rassenzeugung). Die Zahl der Aufrassungs- und Runen-Übungsplätze und also auch der Rosengärten in dem Gebiete des jetzigen Deutschen Reiches ist also mit rund 600.000 (sechshunderttausend) nicht zu hoch geschätzt.
Hilfestellung kam aus Richtung Aldebaran, wie der unten abgebildete Stein dokumentiert. Die Rassenschulen, geleitet von den Hyperboräern in Atlantis, später in den Aufrassungsschulen im Harz, Portugal und Georgien, formten die Weiße Rasse. In Amerika, Nordafrika und Asien entstanden auch atlantische Kulturreiche.
Dr. Hermerding erforschte die Kultstätten im Harz. Er fand die atlantische Schulungsstätte der Hyperboräer im Harz. Diese Entdeckung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Höherentwicklung der Weißen Rasse begann in diesen Kultstätten. Die arischen Kultstätten sind selbstverständlich immer noch voll funktionstüchtig und strahlen auch heute noch weit ins Umland henaus. Diese arischen Kultstätten stehen an ganz besonderen Punkten – denken wir nur an die Astronomischen Markierungen der Vorzeit, den „Bodenhimmel“ -, meist wurden sie in christlicher Zeit deshalb auch mit Kirchen überbaut, um die Zeichen unsere Urreligion zu verschleiern. Das gleiche Ziel hatten die Geschichtsfälscher im 13/14 Jahrhundert. Die Gegenrasse wendet schon immer diese Technik – arische Erkenntnisse und Fähigkeiten verbieten und für sich selber vereinahmen – an.
Im „Das Gilgamesch-Epos in gnostischer Sicht“ deutete Dr. Hermerding allerdings an, daß die Juden angeblich irgendeine Rolle bei dieser Entwicklung spielten. Dies ist unmöglich, denn eine Rasse der Juden gab es zu diesen Zeiten nicht. Weder in den persischen oder ägyptischen Schriften gab es Juden. Nach ihrem ersten Auftreten, schätzungsweise vor 2000 Jahren, erkannte sie jeder als die Gegenrasse. Sie bastelten sich ca. 160 n. Chr. die Bibel – die Moseslegende – aus alten arischen Schriften zusammen. Das „Auserwählte Volk“ sollte Vorbild für die Völker der Welt sein, so wie es das Deutsche Volk eben ist: „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“. Die Juden haben sich als „Auserwähltes Volk“ erfunden, aber niemand glaubt ihnen. Vor 100 Jahren kam dieses verlauste und verkommene Khasaren-Juden-Volk nach Europa aus Richtung Sibirien. Heute tragen sie Anzüge und haben die Geldmacht, im Innern sind sie aber immer noch ehr- und sittenlos. Sie verpesten durch Hollywood- und Pornoindustrie die Kultur in der westlichen Welt. Ihre Verbrechen sprechen für sich. Deshalb wurden sie ja dutzendemal aus ihren Gastländern vertrieben, sie sind schon immer sehr unbeliebt. Sie fälschten die Geschichte komplett in der Großen Geschichtsfälschung im 13/14 unter Zuhilfenahme der Katholischen Kirche, die die jahrtausendealten bestehenden arischen Kultstätten besetzte. Wenn den Juden eine Leistung zu bescheinigen ist, dann die des Kulturzerstörers bei allen Völkern der Erde.
Runenstein aus dem HarzDieser 60 kg schwehre Runenstein wurde 1991 von Frau Ulmann bei einer Harzwanderung in der Nähe von Schierke gefunden. Die Herkunft und Beschaffenheit läßt sich wissenschaftlich belegen. Er entstand vor 350 Millionen Jahren unter hohem Druck in einer Tiefe von ca. 3000 – 4000 m bei ca. 400 – 500 Grad Celsius einschließlich dieser runenähnlichen Strukturen.

Runenstein aus dem Harz 2Auch auf der Rückseite sind die gleichen Zeichen zu sehen, genau so wie im Schnitt.
Dr. Hermerding: Die obere Reihe ist eine Botschaft vom Aldebaran, dem hellsten Stern des Sternbildes Stier – „Auftrag ist die ersten Menschen zu entwickeln!“
Hartmut Knappe, Brocken, Harz und Hexentanz,

Mythos Harz – Atlantis Kultstätten
Vom einst warmem Norden aus, dem Ursprungs-Lande des Poles, des Apoles, des Apollo, des Hyperboräers, verbreitete sich die Geschichte von der Geburt eines Weltheilandes.
Mythos Harz – Atlantis Kultstätten:
http://www.youtube.com/watch?v=c1hC5EifjA0
http://www.youtube.com/watch?v=ogtucfTyC2M
http://www.youtube.com/watch?v=MNrG6s78Yts
http://www.youtube.com/watch?v=jvhnNFJ_PWk
Mythos Harz:
http://www.youtube.com/watch?v=ut41nSJy6x8
http://www.youtube.com/watch?v=bNyTzcGi-Dw 

Skaldendichtung

Skaldendichtung 01Im wikingerzeitlichen Norden stand die Dichtkunst in hohem Ansehen. Die Bezeichnung für Dichter war “Skalde” (altnordisch singular skáld). Der früheste bekannte Skalde war Bragi Boddason der Alte, von dem die sogenannte Ragnarsdrápa überliefert ist, ein Gedicht, in dem er mythologische, auf einem Schild dargestellte Szenen schildert. Wahrscheinlich ist er mit dem Bragi, der später als einer der Götter, der Asen, gezählt wurde, identisch. Dieser Bragi wird in der Snorra-Edda und in dem Eddalied Lokasenna als Gott der Dichtkunst dargestellt. Ab wann aber der historische Bragi als ein Ase aufgefaßt wurde, ist nicht zu sagen.

Daß die Skalden in der heidnischen Zeit ihre Kunst als Geschenk der Götter, vor allem Odins, auffaßten, ist jedenfalls gut belegt. Hierbei spielt der Mythos vom Dichtermet eine besondere Rolle. Er ist u.a. im Eddalied Hávamál und in der Snorra-Edda in leicht unterschiedlichen Versionen überliefert. Snorris Fassung wird am Ende dieses Artikels vollständig wiedergegeben.

Skalden hielten sich oft an Fürstenhöfen auf. Insbesondere die norwegischen Könige waren dafür bekannt, daß sie zahlreiche Skalden bei sich hatten, aber auch schwedische, dänische und englische Könige sowie die Jarle der Orkneys und die norwegischen Ladejarle, zogen diese Dichter an. Einige Herrscher, wie etwa der Orkneyjarl Rögnvaldr, galten selbst als herausragende Skalden.

Gedichte wurden wie ein kostbares, handwerkliches Produkt betrachtet: Sie konnten einem Herrscher gewidmet und somit geschenkt werden und erforderten dann eine Gegengabe. Ein besonderer Fall ist hierbei die “Haupteslösung”: Egil Skallagrímsson, Hauptperson der Egils saga, muß dem mit ihm verfeindeten Herrscher von York, Erik Blutaxt, ein Gedicht widmen, um sich vor der drohenden Hinrichtung zu retten. Hierbei handelt es sich also um Preislieder, die den Angesprochenen für seinen Charakter oder seine Taten loben. Es sind aber auch Gedichte über tote Herrscher bekannt und genealogische Gedichte, z.B. Ynglingatal, die den Ursprung eines Geschlechtes bis auf die Götter zurückführen und es dadurch im Rang erhöhen.

Längere, aus mehreren Strophen bestehende Gedichte, die außerdem eine Art Refrain, den stef, hatten, wurden als drápa bezeichnet. Sie wurden als am ehrenvollsten betrachtet, noch vor dem steflosen und wohl meist kürzeren flokkr. Neben solchen umfangreicheren Werken gibt es aber eine ganze Reihe einzelner Strophen, die nicht zu einem größeren Verband gehören. Diese werden lausavísur (“lose Strophen”) genannt. Sie sind meist eine Art Kommentar des Dichters zu einer bestimmten Situation oder einem Ereignis, aber auch Spottdichtung gehört dazu. Es war nämlich möglich, die Ehre eines anderen durch Schmähdichtung erheblich zu verletzen und dies konnte zu tödlichen Racheakten führen. Dasselbe gilt für Liebesdichtung, durch die die Ehre der Familie der betroffenen Frau (und damit der “Marktwert” als mögliche Ehefrau) als gekränkt betrachtet wurde. In den frühen isländischen Gesetzessammlungen sind sowohl Liebes- als auch Spottdichtung daher verboten.

In der Kristni saga heißt es, jemand habe auf den Missionsbischof Friedrich, der zusammen mit dem Isländer Thorvald auf Island herumreiste und das Christentum predigte, diese Strophe gedichtet:

Es hat Kinder geboren
der Bischof, neun Stück;
von denen allen
ist Thorvald der Vater.

Laut der Saga erschlug Thorvald als Rache dafür zwei Männer.

Übrigens waren zwar die meisten Skalden, deren Werke überliefert sind, Männer, aber es gab durchaus auch Frauen, die sich erfolgreich als Dichterinnen betätigten und einige davon sind namentlich bekannt, wie etwa Jórunn skáldmær und Steinunn Refsdóttir.

Die in der Skaldik verwendete Sprache unterscheidet sich deutlich von der normalen Prosasprache. Poetische Ausdrücke, die ein alltägliches Wort ersetzen, werden als heiti bezeichnet. Hierzu zählen mythische Eigennamen. Beispielsweise ist Hangatyr (“Tyr der Gehängten”) ein anderer Name Odins. Es ist auch möglich, nur einen Teil statt des Ganzen zu nennen, etwa “Kiel” anstatt “Schiff”. Manche heiti können nur in ihrem Kontext verstanden werden, z.B. “Lärmmacher” für “Feuer”.

Bekannt ist die Skaldendichtung aber für die in ihr oft verwendeten mehrgliedrigen Umschreibungen, die kenningar (singular kenning). Sie sind mindestens zweigliedrig, können aber deutlich länger sein und mehrere Kenningar in sich selbst enthalten. Z.B. ist “der Gürtel des Weges des Schiffes” eine Kenning für die Midgardschlange: der “Weg des Schiffes” ist das Meer, der das Meer umspannende Gürtel die Schlange. Insgesamt wurden ca. 100 Begriffe durch Kenningar umschrieben, aber der Großteil der Kenningar bezieht sich auf die 10 bis 15 in der Dichtung häufigsten Worte. Meistens sind das Bezeichnungen für Waffen, Schiffe, Mann, Frau, Körperteile und dergleichen. Kenningar haben oft einen mythologischen Bezug.

Drei Reimarten konnten in der skaldischen Dichtung verwendet werden:

Beim Stabreim (Alliteration) ist der Anlaut der Reimwörter gleich. Grundsätzlich stabt jeder Konsonant mit sich selbst, aber die Konsonantengruppen sk, sp und st reimen nicht untereinander und nicht mit s, sondern nur mit sich selbst, also sk mit sk, sp mit sp und st mit st. J wird meistens wie ein Vokal behandelt. Alle Vokale und Diphthonge staben untereinander, meistens wird es sogar als hochwertiger betrachtet, wenn die stabenden Vokale unterschiedlich sind. Stabreim kommt in der gesamten germanischen Dichtung zum Einsatz, ist also nicht speziell nordisch. Seine Funktion ist es, die Reimwörter, die zugleich meistens die bedeutungsschwersten Worte eines Verses sind, hervorzuheben.

Binnenreim (altnordisch hending) ist der Gleichklang von Lauten im Inneren von Reimwörtern. Bei Vollreim (aðalhending) reimen Vokal und ein oder mehrere darauf folgende Konsonanten; bei Halbreim (skothending) lediglich die Konsonanten. Der Binnenreim wird nur in der Skaldik verwendet.

Endreim kommt im Norden erstmals in Egils oben erwähnter “Haupteslösung” zum Einsatz. Er markiert das Versende und verbindet zwei oder mehr Verse miteinander. Es wird vermutet, daß die Verwendung des Endreims über England in den Norden gelangte.

Das in der Skaldik meistverwendete und gleichzeitig komplizierteste Versmaß ist das Dróttkvætt. Es hat 8 Kurzverse, und je zwei Verspaare bilden zusammen eine Halbstrophe (helming). Im Normalfall hat jeder Vers 6 Silben und dabei drei Hebungen. Die Verspaare sind durch Stab- und Binnenreim zusammengebunden. Im Anvers liegen zwei Stäbe auf Hebungen (stuðlar “Stützen”), im Abvers ein Stab auf der ersten Silbe (höfuðstaðr “Hauptstab”).

Die Wortstellung im Satz kann dabei völlig anders sein als in der normalen Sprache; selbst die einzelnen Glieder der Kenningar können an unterschiedlichen Stellen in der Strophe stehen.

Hier ein recht einfaches Beispiel mit normaler Wortfolge und ohne Kenningar, in dem der Orkneyjarl Rögnvald seine Fähigkeiten beschreibt (Stabreim rot markiert, Binnenreim grün):

Tafl emk örr at efla,
íþróttir kank níu,
týnik trauðla rúnum,
tíð er bók ok smíðir,
skríða kank á skíðum,
skýtk ok rœk, svát nýtir ;
hvártveggja kank hyggja :
harpslött ok bragþöttu.

(“Ich bin gut im Brettspiel,
beherrsche neun Fähigkeiten,
ich verderbe selten Runen,
kenne mich mit Büchern und Handwerk aus,
kann mit Skiern laufen,
schieße und rudere mit Erfolg;
beides beherrsche ich:
Harfenspiel und Dichtkunst.”)
Skaldendichtung 1Skaldengedichte wurden bereits im Mittelalter und werden meist auch heute noch als relativ zuverlässige historische Quellen betrachtet. Man ging bzw. geht davon aus, daß sie wegen ihrer komplizierten, an genau festgelegte Regeln gebundenen Form auch durch die manchmal jahrhundertelange mündliche Überlieferung nicht wesentlich verändert werden konnten. Dennoch sollte man hier vorsichtig sein. Von ca. 250 namentlich bekannten und einigen anonymen Skalden aus der Zeit vor 1300 sind Werke oder Teile von Werken schriftlich überliefert. In den meisten Fällen sind ihre Gedichte in Sagas in den Prosatext eingeschoben. Im Fall der eher historiographischen Literatur, wie etwa den Königssagas, geschah dies, um das zuvor Erzählte zusätzlich zu belegen – eine Art Quellenverweis. In den Isländer- und Vorzeitsagas dienen Skaldenstrophen oft aber dazu, um eine bestimmte Stelle durch eine Figur quasi in direkter Rede kommentieren zu lassen: “Da sprach XY die Strophe: …”. In vielen Fällen scheint es unmöglich zu sein, daß die Strophe wirklich zu dem geschilderten Zeitpunkt entstanden ist, beispielsweise während eines Kampfes oder in einem Sturm auf hoher See. Etliche solche Strophen werden als Fälschungen betrachtet, die erst später, in vielen Fällen wohl vom Sagaverfasser selbst, produziert wurden. Man muß dabei auch bedenken, daß das mittelalterliche Publikum, für das die Sagas bestimmt waren, wohl wenig oder nichts gegen ein solches Vorgehen einzuwenden hatte, vor allem, wenn die Strophe gut war. Es kam aber auch vor, daß derjenige, der ein tatsächlich altes, mündlich tradiertes Gedicht niederschrieb, dieses nicht mehr vollständig verstand und es daher veränderte. Wenn dasselbe Gedicht in mehreren Handschriften überliefert ist, weichen diese oft erheblich voneinander ab – was zeigt, daß auch bei der Skaldik nicht grundsätzlich von einer unverfälschten Überlieferung ausgegangen werden kann. Wenig Dichtung ist in Runen überliefert, eine Ausnahme ist der Karlevistein auf der schwedischen Insel Öland, der eine ganze Strophe im Dróttkvætt enthält.

Übrigens haben einige Sagas Dichter als Hauptpersonen und werden daher manchmal in einer Gruppe unter dem Titel “Skaldensagas” zusammengefaßt. Hierzu gehören vor allem Gunnlaugs saga ormstunga, Bjarnar saga Hitdælakappa, Kormáks saga und Hallfreðar saga vandræðaskálds. Meist wird in ihnen u.a. eine (tragische) Liebesgeschichte thematisiert.
Aus der Snorra-Edda (Skáldskaparmál 5 und 6)

In der Rahmenhandlung des Folgenden kommt Ägir als Gast zu den Asen und stellt dem in der Halle neben ihm sitzenden Bragi Fragen.

Und wiederum sprach Ägir: “Woher habt ihr die Fähigkeit, die ihr Skaldenkunst nennt?”

Bragi antwortet: “Das begann damit, daß die Götter mit dem Volk, das Wanen heißt, verfeindet waren. Aber sie hielten ein Friedenstreffen ab und schufen Frieden, indem beide Seiten zu einem Gefäß gingen und ihren Speichel hineinspuckten. Aber am Schluß nahmen die Götter ihn und wollten dieses Friedenszeichen nicht verlorengehen lassen und schufen einen Menschen daraus. Der heißt Kvasir. Er ist so weise, daß keiner ihn etwas fragen kann, worauf er nicht die Antwort weiß. Er zog weit in der Welt herum, um den Menschen Wissen beizubringen. Als er auf deren Einladung hin zu den Zwergen Fjalarr und Galarr kam, da riefen sie ihn zu einem geheimen Gespräch und erschlugen ihn. Sein Blut ließen sie in zwei Gefäße und einen Kessel rinnen, und der heißt Odrörir, aber die Gefäße heißen Son und Bodn. Sie mischten Honig zu dem Blut und daraus wurde der Met, von dem jeder, der davon trinkt, ein Skalde oder gelehrter Mann wird. Die Zwerge sagten den Asen, Kvasir sei an seinem Verstand erstickt, weil kein anderer so gelehrt war, daß er ihn nach Wissen hätte fragen können.

Dann luden diese Zwerge den Riesen zu sich ein, der Gilling heißt, und seine Frau. Die Zwerge luden Gilling ein, mit ihnen aufs Meer hinauszurudern. Aber als sie am Land entlang fuhren, ruderten die Zwerge auf eine Klippe und das Schiff kenterte. Gilling konnte nicht schwimmen und ertrank, aber die Zwerge drehten das Schiff wieder um und ruderten an Land. Sie erzählten seiner Frau, was passiert war. Sie ertrug dies schlecht und weinte laut. Da fragte Fjalarr, ob es leichter für sie würde, wenn sie nach draußen aufs Meer blicke, wo er ertrunken sei. Und das wollte sie. Da besprach er mit Galarr, seinem Bruder, daß er sich über die Tür stellen solle wenn sie hinausgehe und ihr einen Mühlstein auf den Kopf fallen lassen, denn er meinte, ihm sei ihr Gejammer zuwider. Und das tat er.

Als das der Riese Suttung, Gillings Sohn erfuhr, begab er sich zu den Zwergen und brachte sie aufs Meer und setzte sie auf eine Flutschäre. Sie bitten Suttung um Gnade für ihr Leben und bieten ihm als Ausgleich für seinen Vater den wertvollen Met, und diese Abmachung kommt zustande. Suttung bringt den Met heim und bewahrt ihn da auf, wo es Hnitbjörg heißt. Er beauftragt seine Tochter damit, darüber zu wachen.

Deshalb nennen wir die Skaldenkunst “Kvasirs Blut” oder “Getränk der Zwerge” oder “irgendeine Flüssigkeit Odrörirs oder Bods oder Sons”, oder “Fahrzeug der Zwerge”, weil ihnen der Met als Lebensrettung von der Flutschäre diente, oder “Suttungsmet” oder “Hnitbjörgflüssigkeit”.

Da sagte Ägir: “Das kommt mir schwer verständlich vor, die Skaldenkunst mit diesen Ausdrücken zu bezeichnen. Aber wie kamt ihr Asen an den Suttungsmet?”

Bragi antwortet: “Dazu gibt es diese Geschichte, daß Odin von daheim loszog und an eine Stelle kam, wo neuen Knechte Gras mähten. Er fragt, ob sie wollten, daß er ihre Sicheln wetze. Sie stimmten zu. Da nimmt er einen Wetzstein von seinem Gürtel und wetzt sie, und ihnen kam es vor, als schnitten die Sicheln viel besser. Sie wollten den Wetzstein kaufen. Aber er äußerte sich so, daß der, der ihn kaufen wolle, etwas Angemessenes dafür geben müsse. Aber alle sagten, das wollten sie und baten, ihn ihnen zu verkaufen, aber er warf ihn in hinauf in die Luft. Alle wollten danach greifen und dabei kam es so, daß jeder mit der Sichel den Hals des anderen durchschnitt.

Odin übernachtete bei dem Riesen der Baugi hieß, dem Bruder Suttungs. Baugi sagte, seine Vermögensverhältnisse seien schlecht und seine neun Knechte hätten sich erschlagen. Er sagte, er habe keine Aussichten, Arbeiter zu bekommen. Odin nannte sich bei ihm Bölverk. Er bot an, für Baugi die Arbeit von neun Männern zu verrichten, aber wollte als Lohn einen Schluck vom Suttungmet haben. Baugi sagte, daß er in keiner Weise über den Met bestimme, denn Suttung wolle ihn für sich allein haben. Aber er versprach, mit Bölverk dorthin zu gehen und zu versuchen, ob sie den Met erlangen könnten.

Bölverk verrichtet im Sommer die Arbeit von neun Männern, aber im Winter verlangte er von Baugi seinen Arbeitslohn. Da gehen sie beide zu Suttung. Baugi erzählt seinem Bruder Suttung von seiner Vereinbarung mit Bölverk, aber Suttung will keinen Tropfen des Mets herausrücken. Da sagte Bölverk zu Baugi, daß sie mit irgendeiner List versuchen sollten, ob sie den Met bekommen könnten, und Baugi hatte nichts dagegen einzuwenden. Da zieht Bölverk den Bohrer, der Rati heißt, hervor und sagt, daß Baugi den Felsen anbohren solle, wenn der Bohrer dazu tauge. Das macht er. Dann sagt Baugi, er habe jetzt den Felsen durchbohrt. Aber Bölverk bläst in das Bohrloch und es fliegen ihm die Späne entgegen. Da merkte er, daß Baugi ihn betrügen wollte und forderte ihn auf, durch den Fels hindurchzubohren. Baugi bohrte erneut und als Bölverk zum zweiten Mal hineinblies, da wehte es die Späne nach innen. Da nahm Bölverk die Gestalt einer Schlange an und kroch in die Bohröffnung. Baugi stieß mit dem Bohrer hinter ihm her, aber verfehlte ihn.

Bölverk ging dann dorthin, wo Gunnlöd war und lag drei Nächte bei ihr. Dann versprach sie ihm, daß er drei Schlücke von dem Met trinken dürfe. Mit dem ersten Schluck trank er alles aus Odrörir, mit dem zweiten aus Bodn und mit dem dritten aus Son. Damit hatte er den gesamten Met.

Daraufin nahm er Adlergestalt an und flog so schnell wie möglich davon. Aber als Suttung den Adler fliegen sah, nahm er Adlergestalt an und flog hinter ihm her. Aber als die Asen Odin fliegen sahen, da stellten sie draußen auf den Hof ihre Gefäße, und als Odin Asgard erreichte, spie er den Met in die Gefäße. Aber weil Suttung ihn fast erreichte, ließ er ein wenig von dem Met fallen, und das wurde nicht verwahrt. Das kann jeder haben, der will und wir nennen es den Tölpelskaldenanteil. Aber den Suttungmet gab Odin den Asen und den Menschen, die dichten können. Deswegen nennen wir die Skaldenkunst “Beute Odins” und seinen “Fund” und seinen “Trunk” und sein “Geschenk” und “Trunk der Asen”.

Die Snorra-Edda ist ein Lehrbuch der Skaldendichtung.

ergänzend:  Snorri Sturluson  Erzähler der Götter- und Heldensagen

Snorri Sturluson

Erzähler der Götter- und Heldensagen

Snorri Sturluson Skalde (Dichter), Historiker und Autor der Snorra-Edda
Snorri Sturluson
Skalde (Dichter), Historiker und Autor der Snorra-Edda

 Snorri Sturluson wurde im Jahre 1179 in Hvammur geboren. Seine Eltern Sturla Thórdarson, ein westisländischer Gutsherr, und Gudny Bödvarsdóttir gelten als Gründer des Geschlechtes der Sturlungar.

In jungen Jahren wurde Snorri zu dem Goden Jón Loptsson nach Oddi geschickt, einem Bildungszentrum in Südisland und Sitz der Familiensippe der Oddverjar. Dort lernte er nicht nur das Lesen und Schreiben, sondern wurde auch in Latein, Theologie, Geografie und isländischem Recht unterrichtet. Die weltoffene Atmosphäre dieses nationalen Bildungszentrums sowie die für damalige Verhältnisse umfassende Ausbildung haben ohne Zweifel großen Einfluss auf den jungen Snorri gehabt und sein weiteres Leben maßgeblich bstimmt.

In Snorri vereinigten sich zwei deutlich ausgeprägte Charakterzüge. Zum einen gierte er nach Macht und Reichtum, zum andern prägte sein Wissensdurst und sein engagiertes Interesse für die Dichtkunst sein Leben nachhaltig.

Nach seiner Rückkehr heiratete er 1199 Herdis, die Tochter des wohlhabenden Goden Bersi, kam damit zu großem Besitz und Reichtum und erbte nach dem Tod seines Schwiegervaters dessen Godentitel. Bereits 1206 trennte Snorri sich von seiner Ehefrau und zog nach Reykholt, wo er 1224 seine zweite Frau Hallveig Ormsdatterden heiratete und für den Rest seines Lebens seinen Wohnsitz hatte. Überreste seines Hofes und vor allem das von einer heißen Quelle gespeiste Bad mit seinem unterirdischem Gang sind dort heute noch zu besichtigen. Snorri soll dem weiblichen Geschlecht sehr zugetan gewesen sein und eine große Zahl Kinder gehabt haben.

Sein ganzes Leben war durch das Bestreben gekennzeichnet, seine Macht und seinen Einfluss zu steigern. Dieser Ehrgeiz, geschickt ausgehandelte Verträge und die beiden gezielten, politisch motivierten Ehen machten ihn zu einem sehr einflussreichen Mann mit großen Besitztümern. Bereits 1215 wurde ihm das einflussreiche Amt als Gesetzessprecher des isländischen Althing übertragen und er genoss hohes Ansehen beim norwegischen Königshof. Doch dieser politische Ehrgeiz und sein Machtstreben führten schließlich zu Snorris Sturz, der sich schon früh abzeichnete.
Im Sommer 1218 reiste er nach Norwegen, um den Jarl Skùli Bàrdarson, der stellvertretend für König Håkon Håkonarson das Land regierte, zu besuchen. Snorri versprach dem Jarl für den Schutz der norwegischen Händler in Island zu sorgen, wurde königlicher Gefolgsmann und blieb zwei Jahre in Norwegen. Nach seiner Rückkehr übernahm er erneut das Amt des Gesetzessprechers.
Von 1237 bis 1239 hielt Snorri sich erneut in Norwegen auf. In dieser Zeit jedoch verwickelte Jarl Skùli sich in einen fatalen Machtkampf gegen seinen Schwiegervater König Håkon. Der König schlug diesen Aufstand nieder und ließ den Jarl 1240 in Bjørgvin (dem heutigen Bergen) töten.

Während Snorris Abwesenheit verschärften sich die kriegerischen Auseinandersetzungen im fragilen Machtgefüge der isländischen Clans und seiner Familie. Sein Neffe Sturla Thordarson unterlag 1238 in der entscheidenden Schlacht von Örlygsstaðir dem Goden und König Håkons Vertrauten Gissurr Thorvaldsson, der – obwohl einer Tochter Snorris verheiratet – ein erbitterter Gegner der Familie war.
Snorri, der von dem Niedergang der Sturlungar in jener Schlacht erfahren hatte und um seine Macht fürchtete, verließ trotz eines königlichen Ausreiseverbotes im Frühjahr 1239 Norwegen und kehrte nach Island zurück. König Håkon ging jedoch wegen dieser verbotenen Abreise davon aus, dass Snorri in dem Aufstand verwickelt gewesen sei und befahl Gissurr Thorvaldsson, Snorri entweder zur Rückkehr nach Norwegen zu bewegen oder ihn zu töten. Gissur sah mit diesem Befehl die Gelegenheit gekommen, das letzte Mitglied der einst so mächtigen Sturlungar aus dem Weg zu räumen, sammelte einige Männer um sich und tötete Snorri und einige seiner Söhne am 23. September 1241 daheim in Reykholt. Direkt nach der Tat übernahm der königstreue Thorgils Skardi die Position des mächtigsten Mannes Islands. Später ernannte König Håkon den gedungenen Mörder Gissurr zum neuen Jarl auf Island.
Eine Ironie der Geschichte – ausgerechnet ein norwegischer König war für den Tod des Mannes verantwortlich, der mit der Heimskringla die Geschichte der norwegischen Monarchie für die Nachwelt erhielt.

Weitaus bekannter ist das Vermächtnis des Skalden und Historikers Snorri Sturluson.
Zu seinen Werken gehören die Heimskringla, die Geschichte der norwegischen Könige, und die Snorra-Edda (auch Prosa-Edda genannt). Ebenfalls wird ihm die Egilssaga, eine der bekanntesten isländischen Sagas, zugeschrieben, was aber umstritten ist. Innerhalb der Geschichte des norwegischen Königshofes ist insbesondere die Geschichte von König Olaf dem Heiligen (Óláfs saga helga) hervorzuheben, die wie keine andere Snorris brillante Erzählkunst bezeugt. Snorri Sturluson unterscheidet sich in seiner realistischen und objektiven Behandlung des Quellenmaterials von anderen zeitgenössischen Historikern. Bewusst vermeidet er jegliche Übertreibung und Interpretation.

Das bekannteste Werk von Snorri Sturluson ist die Edda, die bedeutendste Quelle der nordischen Mythologie und heidnischer Bräuche. Sein Name wird schon in der ältesten Edda-Handschrift, dem Codex Upsaliensis, erwähnt, die kurz nach 1300, nur gut 50 Jahre nach seinem Tod, niedergeschrieben worden war. Das Werk ist in vier Kapitel unterteilt:

  • Prologus, Snorris Vorwort,
  • Gylfaginning, Gylfis Verblendung,
  • Skáldskaparmál, die Sprache der Dichtkunst,
  • und Háttatal, eine Sammlung altnordischer Versformen, die Snorri für den norwegischen König Hakon dichtete.

Aufbau und Stil entsprechen dem Zeitgeist jener Epoche. Getreu der zeitgenössischen Vorstellung von der göttlichen Abstammung der Könige entwirft er einen Stammbaum des Königshauses, der seinen Ursprung bei den Asen hat. Deutlicher als jeder andere Zeitgenosse zeichnet er ein Weltbild der heidnischen Ahnen. Snorris Begabung, lebendig zu erzählen, wissenschaftlich zu informieren und gleichzeitig unterhaltsam zu schreiben, kommt in der oft heiteren Beschreibung der nordischen Götterwelt besonders zur Geltung. Die Götter sind menschlich und nicht frei von Fehlern; trotzdem verlieren sie in Snorris Beschreibung niemals ihre Würde. Snorri schrieb seine Edda als ein Handbuch für angehende Skalden.

In Skáldskaparmál erläutert er die Skaldenkunst, die Verwendung mythischer Umschreibungen (kenningar) sowie Metaphorik.
Das Háttatal ist eine Sammlung von 102 skaldischen Preisliedern, die Snorri für den norwegischen König Hakon gedichtet und kommentiert hat.
Im Dichter Snorri Sturluson vereinigen sich der Gelehrte, der in der europäischen Bildung und den Traditionen seiner Zeit bewandert ist, und der Volksdichter, der ein Gespür dafür hat, wie man unterhaltsame Geschichten schreibt. Seine Beschreibung der Götter ist für den Leser ein reines Vergnügen. Seine Werke basieren auf altnordischen Literaturtraditionen und stellen eine einzigartige Mischung aus Historie und Fiktion dar. Auch wenn Snorri seine Werke in Island verfasst hat, ist sein Blickwinkel immer international. Das Thema seiner Werke ist die gemeinsame geistige und kulturelle Tradition Skandinaviens und damit ein wichtiger Beitrag zum europäischen Kulturerbe. Die Snorra-Edda erschließt uns in einzigartiger Weise Weltbild und Leben der Wikinger.

Odins Runenlied

In der Edda ist der Verlauf der höchsten Einweihung im Hávamál zu finden.  Demzufolge hing Odin, vom Speer verwundet, neun Tage und Nächte am Weltenbaum  und erlitt die schlimmsten Qualen. Nach dieser Zeit des Leidens erhielt er  als Belohnung die Einweihung in die Runenmagie. Er empfing achtzehn mächtige  Zauberlieder, von denen jedes einer Rune entsprechen könnte. Die Namen oder  Formen der Runen werden in dem Lied nicht erwähnt, aber wenn man die  Bedeutung der Runen kennt, erkennt man sie im Runenlied (altnordisch:  Rúnatal) wieder.
Auf der linken Seite wird hier das altnordische Original wiedergegeben, auf  der rechten Seite die deutsche Übersetzung.


Veit eg, að eg hékk   vindga meiði á   nætur allar níu,   geiri undaður   og gefinn Óðni,   sjálfur sjálfum mér,   á Þeim meiði,   er manngi veit,   hvers hann af rótum renn.
Við hleifi mig seldu   né við hornigi,   nýsta eg niður,   nam eg upp rúnar,   æpandi nam,   féll eg aftur Þaðan.
Fimbulljóð níu   nam eg af inum frægja syni   BölÞórs Bestlu föður,   og eg drykk of gat   ins dýra mjaðar,   ausinn Óðreri.
Þá nam eg frævast   og fróður vera   og vaxa og vel hafast.   Orð mér af orði   orðs leitaði,   verk mér af verki   verks leitaði.
Rúnar munt Þú finna   og ráðna stafi,   mjög stóra stafi,   mjög stinna stafi,   er fáði fimbulÞulur   og gerðu ginnregin   og reist Hroftur rögna,
Óðinn með ásum,   en fyr álfum Dáinn,   Dvalinn dvergum fyrir,   Ásviður jötnum fyrir,   eg reist sjálfur sumar.
Veistu hve rísta skal?   Veistu hve ráða skal?   Veistu hve fáa skal?   Veistu hve freista skal?   Veistu hve biðja skal?   Veistu hve blóta skal?   Veistu hve senda skal?   Veistu hve sóa skal?
Betra er óbeðið   en sé ofblótið,   ey sér til gildis gjöf.   Betra er ósent   en sé ofsóið.   Svo Þundur um reist   fyr Þjóða rök,