Anklage wegen Volksverhetzung

Es ist gar nicht so einfach „die Fackel der Wahrheit“ durch ein Gedränge von indoktrinierten Schafschafe zu tragen, ohne jemandem den Bart zu versengen.
So, nun steht die Anklage. Cui bono ? Sie nennen es Volksverhetzung was auf meine Webseiten zum lesen steht. Ich hatte hier mal ein passenden Beitrag zum Thema Es geht wie schon so oft um sogenannte VOLKSVERHETZUNG die keine ist sondern nur die WAHRHEIT.
Der KHK,, der sich von den Kinderdieben mit 3 Anzeigen wegen Beiträge auf meinen Webseiten, vor den Karren spannen liess, der den unrechtmäßigen Zugang zu meiner Wohnung und den Raub meiner IT und Telekommunikation „organisierte und durchführte“, als einziges Beweismittel zur Verfügen zu stellen, daß ist ja wohl ein Witz.  Auch bei dem Thema sehen wir, die Handschrift eines korrupten und rechtbeugenden Justizapparates. Da seht ihr schon, was Sie vorhaben. Die -unabhängige, örtliche Amtsperson Bad Bramstedt Jessica Dammann und dem mit „Beamtenausweis“ prollenden KHK Petersen und KOK Stier,  die im Schlafzimmer den Raub und die Zerstörung meiner IT durchführten, die das Diebstahlprotokoll schrieben, während der KHK Heuer, meine Tochter und Ich, im Wohnzimmer verbleiben mußten,  daß könnte ein Zeuge sein. Und wo ist die Auswertung der Beweise, von meiner IT und Telekommunikation, die hier unrechtmäßig geraubt wurde ??? Da werden die gestohlenen Kinder und das gesundheitliche befinden deren Mutter, fast zur Nebensache bzw. gar nicht erst erwähnt. Die genderisierte Pädo. und Menschenhändler-Justiz ist zu korrupt und weisungsgebunden, um die Zusammenhänge zu verstehen.

Wer derart seine Unschuld verloren hat wie die aktuelle Rechtsprechung der Stasi-BRD-Verwaltung, die können sich ihren moralischen Zeigefinger sonst wohin stecken! Ich glaube mal, (ihr Juristen ohne Bindung an der Rechtswissenschaft) braucht mal eine wichtige und längst überfällige Lektion. Und Ihr könnt mir glauben, Ich werde dem gewachsen sein. Lasst euch überraschen Ich hatte mal Staatsrechtslehre und Verfassungsrecht auf dem Lehrplan. Ex iniuria ius non oritur „Aus Unrecht wird kein Recht entstehen“ Zuschauer sind herzlich eingeladen. Ich habe seit über 10 Jahren keinen Bundes Personalausweis mehr ! Ich bin kein Personal des Bundes. Ich kann Euch auf die Hand versprechen, daß wird auf sicher interessant. Du bist Zeitzeuge  Vorgänge die sich nur noch mit „Standgericht“, „Showprozess“ beschreiben lassen. Rechtsbeugung und Rechtsauslegung nach Ermessen (Willkür) Es geht geradewegs in eine kommunistische DDR 2.0 Diktatur und wer das noch nicht begriffen hat, den halte Ich nach dem Codex Political Korrectness – für Hirntot.

Überhaupt: wer ist denn der Ankläger? Die Staatsanwaltschaft selbst. Sie hätte bei der Konstellation, das keine strafrechtlich relevante Sachverhalte gibt, gar kein Strafverfahren einleiten dürfen. Somit hat auch die Staatsanwaltschaft gegen das Gesetz verstoßen. Denn es ist verboten andere durch falsche Anschuldigung, Beschuldigung strafrechtlich vorzugehen. Also selbst eine Straftat begangen.
Derartige Vorgänge gab es schon einmal in Deutschland. Nun wieder!
Da muss man sich ernsthaft fragen, ob Methoden des nationalistischen Justiz-, Polizei, und Rechtswesen in der Rechtsprechung wieder zum politischen System wiedergeben wurde und schleichend etabliert werden soll. So bekämpft man Unliebsame und Kritiker, kriminalisiert sie und sperrt sie ein. Mundtotmachen ist allerdings schon seit längerem realer Alltag seit einigen Jahren. Erst geschickt versteckt. Doch immer offener und unverhohlen freizügig. Deutschland ist der einzige Staat, im gesamten Europarat sogar, in welchem die Richter von der Exekutive bestellt werden. Und das bedeutet natürlich notgedrungen eine Abhängigkeit, denn der Richter kann von der Exekutive, die ihn bestellt, die ihn befördert, ihn beurteilt, die ihm Vergünstigungen verschafft oder auch versagt, nicht unabhängig sein.

So wird offen gezeigt und bewiesen: Rechtsstaatlichkeit ist auch in Deutschland keine Garantie und wird zunehmend unsicherer. Damals nannte man derartige Methoden der Ermittlung GESTAPO und STASI. Wie nennt man das heute? Das ist eine staatsterroristische Aktion und eine sprudelnde Geldquelle für korrupte Juristen.
Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind unterwandert und ausgehebelt. Nur noch eine Frage der Zeit bis es erneut zur Aufhebung des GG kommt. Einmal.mehr wird bewiesen: Meinungsfreiheit soll abgeschafft und kriminalisiert werden. Wir befinden uns im Krieg gegen das System, und es ist nicht länger nur ein Krieg mit Worten.

Ich schreibe heute Abend weiter zum Thema

Ich glaube an die Wahrheit.
Sie zu suchen, nach Ihr zu forschen in und um uns, muß unser höchstes Ziel sein.
Damit dienen wir vor allem dem Gestern und dem Heute.
Ohne Wahrheit gibt es keine Sicherheit und keinen Bestand.
Fürchtet nicht, wenn die ganze Meute aufschreit.
Denn nichts ist auf dieser Welt so gehasst und gefürchtet wie die Wahrheit.
Letzten Endes wird jeder Widerstand gegen die Wahrheit zusammenbrechen wie die Nacht vor dem Tag! -Theodor Fontane (1819 – 1898)

ergänzend, mein Beitrag von 02 März 2019
Anklage erhoben – unter Beschränkung gemäß § 154 STPO

Erst wenn das letzte Buch verboten, das letzte Wort als politisch inkorrekt geächtet, das letzte rosa Spielzeug verbannt, das letzte Auto verrostet, die letzte Toilette gegendert, der letzte selbständige Gedanke eingegangen und der letzte Witz als diskriminierend verdammt ist,dann werdet ihr merken, dass ihr genau die Diktatur eingeführt habt, vor der ihr uns angeblich immer beschützen wolltet.

Vorab zum Thema: Immer mehr Menschen in Deutschland sitzen im Gefängnis bzw. werden mit hohen Geldstrafen. wegen ihrer Meinung drangsaliert. Wer sich mit einer Meinung vorwagt, die nicht dem Narrativ von Politik und Massenmedien entspricht, hat mit heftigen Anfeindungen durch die öffentlich-rechtlichen Sittenwächter zu rechnen. Obwohl unsere Verfassung jedem Bürger garantiert, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei äußern zu dürfen, herrschen sprech und Denkverbote.

Die Schergen des BRD-Konstrukts täuschen uns mit einer Staatssimulationund verfolgen Aufgewachte, die diese massive Täuschung durchschauen und anprangern. Wie war das am 18.5.1990? Da ist die DDR der BRD beigetreten oder war es vielleicht umgekehrt? Mit der schwindenden Macht der noch Herrschenden schwinden offensichtlich auch die Grundrechte der Bürger. Meinung wird nicht mehr als Bereicherung empfunden, sondern als Gefahr. Und damit wären wir wieder bei der kommunistischen Stasi DDR.

  • Wer die Gender Studies kritisiert, wird als rechts bzw. Nazi diffamiert.
  • Wer die ungeregelte Zuwanderung nicht bejubelt, wird als rechts diffamiert.
  • Wer es nicht normal findet, in der oralen Phase stecken zu bleiben und seine sexuelle Orientierung zu feiern, wird als rechts diffamiert.
  • Wer kein *_Innen schreiben will, wird als rechts diffamiert.
  • Wer die Diskriminierung von Männern und die Auswüchse der Misandrie nicht akzeptieren will, wird als rechts diffamiert.
  • Wer die mannigfaltigen Versuche, individuelle Freiheit einzuschränken und Rechte nur noch an gleichgeschaltete Gruppen zu vergeben, kritisiert, wird als rechts diffamiert.

Die Liste ließe sich ohne Ende fortsetzen. Wenn der Gesetzgeber Gesetze erlässt, die dem Volk mehr schaden als nützen, dann muß man mal genauer hinsehen.

Der Art 5 MEINUNGSFREIHEIT im Grundgesetz und die Menschenrechte

Artikel 5 des Grundgesetzes sagt:

Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Der Art 5 MEINUNGSFREIHEIT im Grundgesetz bedeutet ja aber nur ein ABWEHRRECHT des Einzelnen GEGEN den Staat, gegen staatliche Einflussnahme. Das heißt, das Meinungsfreiheitsrecht, die eigene Meinung zu äußern, ist ein Grundrecht, das GEGEN den Staat geltend gemacht werden muss … Weiterlesen 

Eine Meinung ist niemals kriminell es sei denn, du lebst in einem besetzten Land, oder in einem Polizeistaat mit Meinungsdiktatur. In beiden Fällen ist der Verrat, bei den verlogenen Staatsknetenzecken und dem diebischen Werkschutz der ReGIERenden zu finden.Sie haben das Vertrauen der Bürger doppelt missbraucht und sollten in diesem Maße auch zur Verantwortung gezogen werden. Deutschland ist das einzige Land in dem 17.000 neue Polizisten gebraucht werden, „weil angeblich, die Kriminalität sinkt.“, eine erstaunliche Nachricht. Sie verwundert aber alle diejenigen nicht, die sehenden Auges durch unsere Städte gehen und beobachten, wie die öffentliche Sicherheit mehr und mehr verfällt,

Gegen mich bzw. Beiträge dieser Webseiten „Germanenherz und Totoweise“ wird gerade Anklage erhoben. Posteingang 02.03.19 Sie wollen mich seit über 2 Jahre kriminalisieren, weil Ich den 2016 Geplanten und im Januar 2017 den Diebstahl meiner Enkelkinder nicht akzeptieren wollte.

-unter Beschränkung gemäß § 154a STPO – in Neumünster zwischen Mai 2012 und Juni 2016 durch zehn selbstständige Handlungen in drei Fällen in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, gegen Teile der Bevölkerung zum Hass aufgestachelt. Nur mal nebenbei gesagt – Ich wohne seit 2010 in Bad Bramstedt 

 Der Anstand, das Gefühl für Takt und Verhältnismäßigkeit bleibt auf der Strecke. Man beachte mal, die Verhältnismäßigkeit „für eine Meinung und Beiträge auf meinen Webseiten“ Die Zerstörung meiner Familie.
Der Diebstahl meiner Enkelkinder wurde – legalisiert, indem man mich – kriminalisiert.
Der unrechtmäßige Raub meiner IT & Telekommunikation ( 10 000 € Hardware und über 100 000 € Software) und den Sachschaden in meiner Wohnung,
Daß alles, wegen § 154a STPO ??? Verdacht der Volksverhetzung Und meine Runenbeiträge, seien nationalsozialistische Ideologien, des Weiteren, wurden ein Paar hier eingestellte und präsentierte Bücher beanstandet. Wer in Deutschland offen mit seinem Namen seine Meinung kundtut, muss befürchten, die volle Macht der heuchlerischen Justiz zu spüren zu bekommen.

Die Staatsanwältin Kuhlbrodt möchte das Hauptverfahren gegen mich eröffnen.
Ich kann innerhalb 1 Woche Bla Bla Fristablauf usw.

Amtsgericht Neumünster
Boostedter Strasse 26
24534 Neumünster
Tele: 04321 940 222
Fax: 04321 940 228
Akten / Geschäftszeichen.
201 Ds 590 Js 39852/16

Wo sind meine Anwälte – für Wahrheit, Recht und Freiheit! ???

Es ist ja nicht so, daß Ich nicht in der Kenntnis bin, worum es hier geht. Ich bin in der rechtswissenschaftlichen Staatsrechtslehre und dem Verfassungsrecht kundig, und sehr gut vorbereitet. Stöbert mal durch meine Blogs.

Denn sie säen Wind und werden Sturm ernten. Man reiche mir eine Robe und, man gebe mir die Gelegenheit.

Amtsgericht Neumünster – Amtsgericht Neumünster ??? Da war doch was !
 T.+ S. Haas Klosterbad Konstantin Piontek und Meineid Simon Stache Kiel
Da wurde von dem Rechtsverdeher Wulf CDU 5 Minuten vor Termin, mein Richter getauscht und mein Anwalt Ebel zurück gepfiffen
Herr und Frau Haas durften für 6 Monate Arbeit, auf 28 000€ verzichten. 

Der Stadt Neumünster entstand anschließend, durch Herrn Piontek Klosterbad ein erheblich, finanzieller Schaden.

Simon Stache aus Kiel bekam nach dem Urtel von Piontek, 43 Geräte aus dem Fitnessstudio im Klosterbad, für seine Meineid Falschaussage gegen mich.

Ich habe nach dem haarsträubenden Urteil, die Stadt verlassen, und nie wieder betreten. – Ich wohne seit 2010 in Bad Bramstedt.. Wie kann Ich da, in Neumünster zwischen Mai 2012 und Juni 2016 ??? Ihr bräuchtet doch nur, mein Netzwerkprotokoll-Bericht im 1und1 Router, den ihr hier aus der Wand gerissen habt und meine Handys auslesen. Auf meine IT und Datenträger, könntet ihr ja in der beschlagnahmten Zeit von 12 Monaten, selbst was auf die Datenträger gebastelt haben. was mich nun belasten soll. Von dem Zugang zu meiner Wohnung „ohne örtliche Amtsperson“ über die Beschlagnahme, bis zum heutigen Tage. Ihr hattet kein Recht, meine IT zu beschlagnahmen. Die IT Hard & Software & Telekommunikation, haben nur noch Konsumentenschrott – Wert. Ihr werdet für den Schaden bezahlen.

ergänzend:

Der Maulkorbparagraph 130 StGB Volksverhetzung

Der Begriff Volksverhetzung bezeichnet in der Bundesrepublik Deutschland eine Straftat. Richtiger hieße es jedoch Bevölkerungs-Verhetzung, da Hetze gegen das Deutsche Volk durchaus erlaubt und sogar erwünscht ist. Das Gegenstück in der sogenannten „DDR“ hieß Staatsfeindliche Hetze. Repressive Regime benötigen derlei Willkürparagraphen, um Gegner und Kritiker kriminalisieren zu können und gegebenenfalls mundtot zu machen. Eine Gegenbewegung … Weiterlesen

Grundgesetzwidrigkeit bzw. Nichtigkeit des § 130 Abs. 3

Grundgesetzwidrigkeit bzw. Nichtigkeit des § 130 Abs. 3:
Verstoß gegen Sondergesetzverbot (Art 5 Abs. 2 GG)
und Zitiergebot (Art. 19 Abs. 1 Satz 2 GG)

Ausnahme vom Sondergesetzverbot für § 130 Abs. 3 hinsichtlich Art. 5 Abs. 1 GG ist im „Verbrechensbekämpfungsgesetz” vom 28.10.1994 nicht genannt.

Art. 5 Abs 2 GG enthält ein Verbot von Sondergesetzen bzw. Einzelfallgesetzen. Das Grund-recht auf Meinungsäußerungsfreiheit kann nur von „allgemeinen Gesetzen” eingeschränkt werden: „Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.”

Art. 19 Abs. 1 Satz 2 GG enthält ein Zitiergebot für grundrechteinschränkende Gesetze:
(Satz 1:) „Soweit nach diesem Grundgesetz ein Grundrecht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes eingeschränkt werden kann, muß das Gesetz allgemein und nicht nur für den Einzelfall gelten. (Satz 2:) Außerdem muß das Gesetz das Grundrecht unter Angabe des Artikels nennen.”

Stefan Huster hat in der Neuen Juristischen Wochenschrift (NJW 8/1996, S. 487 ff.) dargelegt, daß § 130 Abs. 3 StGB mit dem Grundrecht der Meinungsfreiheit (Art. 5 Abs. 1 S. 1) unvereinbar ist: § 130 Abs. 3 stellt„ersichtlich geradezu den Musterfall einer Norm dar, die auf diese (vom Bundesverfassungsgericht näher bestimmten) Weise gegen eine bestimmte inhaltliche Meinung gerichtet ist“(S. 489). Weiter schreibt er: „Das Verbot der Leugnung einer historischen Tatsache in § 130 Abs. 3 StGB ist gewiß ein Sonderfall, sogar ein Fremdkörperin einem freiheitlichen Gemeinwesen.”

Das Bundesverfassungsgericht hat in der Entscheidung vom 4.11.2009, 1 BvR 2150/08, festgestellt, daß § 130 Abs. 4 StGB ein Sondergesetz ist (1. Leitsatz und Abs.-Nr. 53). Die Entscheidung enthält grundsätzliche Festlegungen, die sich auf die Anwendbarkeit des § 130 Abs. 3 auswirken.

Daß die in o.g. Entscheidung aufgestellten Grundsätze nicht nur für § 130 Abs. 4 Bedeutung haben, sondern u.a. auch für § 130 Abs. 3, ist bereits an der Erklärung des 1. Senats des BVerfG erkennbar, daß die Entscheidung „Klarheit über die Rechtslage für Meinungsäußerungen“ schaffen soll und „folglich allgemeine verfassungsrechtliche Bedeutung“ hat (Abs.-Nr. 44).

Daher habe der 1. Senat davon abgesehen, von der durch den Tod des Beschwerdeführers an sich gegebenen Möglichkeit zur Verfahrenseinstellung Gebrauch zu machen (Die Entscheidung erging bezüglich § 130 Abs. 4 aufgrund einer Grundrechtsbeschwerde des vor Beschlußfassung verstorbenen Rechtsanwalts Jürgen Rieger gegen das Verbot eines Gedenkmarsches für Rudolf Heß in Wunsiedel).

Der 1. Senat des BVerfG hat in seiner o.g. Entscheidung betont, daß das Sonderrechtsverbot allgemein gelten muß und sich auf alle meinungsbeschränkenden Gesetze erstreckt (Abs.-Nr. 63).

Als Anzeichen für Sonderrecht führte er ausdrücklich die Anknüpfung eines meinungsbeschränkenden Gesetzes „an bestimmte historische Deutungen von Geschehnissen“ an (Abs.-Nr. 60). Dies trifft zweifellos auf § 130 Abs. 3 zu.

Der 1. Senat des BVerfG stellte fest, daß es sich um an sich mit dem Grundgesetz unvereinbare Sondergesetze handelt, sofern sich Einschränkungen der Meinungsfreiheit nicht allgemein auf Meinungen zu Schreckensherrschaften, sondern auf Meinungen zu geschichtlichen Gewalt- und Willkürregimen besonderer Art beziehen – ausdrücklich benannt: auf Meinungen zu der nationalsozialistischen Herrschaft.

Er erklärte § 130 Abs. 4 StGB aus diesem Grund zum Sondergesetz und sieht ihn trotzdem – als Ausnahme – nur aus dem Grund als mit Art. 5 Abs. 1 und 2 GG vereinbar an, da § 130 Abs. 4 der Gutheißung der „historischen nationalsozialistischen Gewalt- und Willkürherrschaft“ Grenzen setze (Leitsatz Nr. 1) und „nicht schon eine Verharmlosung des Nationalsozialismus als Ideologie oder eine anstößige Geschichtsinterpretation dieser Zeit unter Strafe“ stellt (Abs.-Nr. 82).

Der 1. Senat des BVerfG hält § 130 Abs. 4, obwohl er ein Sondergesetz ist, aus dem Grund für mit dem Grundgesetz vereinbar, da er von der gesetzgeberischen Wertung ähnlich angelegt sei wie § 140 StGB, der die Belohnung und Billigung von bestimmten, tatsächlich begangenen und besonders schweren Straftaten unter Strafe stellt (Abs.-Nr. 82). Soweit nach § 130 Abs. 3 StGB nicht nur ein Billigen bzw. Gutheißen, sondern auch ein „Leugnen“ und Verharmlosen strafbar ist, ist er nach diesen vom BVerfG aufgestellten Grundsätzen mit dem Grundgesetz nicht vereinbar.

Daß trotzdem weiterhin Strafurteile wegen Bestreitens oder Bezweifelns des „Holocaust” gefällt werden, ist wohl darauf zurückzuführen, daß das Bundesverfassungsgericht zu verstehen gab, die BRD dürfe Einzelfall- bzw. Sondergesetze wie in § 130 StGB ausnahmsweise erlassen (Bestrafung einer speziellen Tatsachenbehauptung oder Meinung mit inbegriffenem Verteidigungs- und Beweisverbot) wegen der „einzigartigen“ „geschichtsgeprägten Identität“ der BRD „gegenbildlich” zum Nationalsozialismus (BVerfGE vom 4.11.2009, a.a.O., Abs.-Nr. 65, 66), mit anderen Worten: weil sie die BRD ist (Verstoß gegen das Willkürverbot). Und „aufgrund der Einzigartigkeit der Verbrechen“(BVerfGE a.a.O., Abs.-Nr. 68) bzw. des „Holocaust” (ein Zirkelschluß).

Jedenfalls stufte das Bundesverfassungsgericht in der o.g. Entscheidung § 130 Abs. 4 und (wie oben dargelegt) auch Abs. 3 StGB als Sondergesetz ein (BVerfGE vom 4.11.2009, a.a.O.).

Daß § 130 Abs. 3 als Sondergesetz eingestuft wird, wird von BVerfGE vom 22.06.2018 (1 BvR 673-18) bestätigt (Rn Nr. 22,23)

Ein Verstoß gegen das Zitiergebot hat die Nichtigkeit des Einschränkungsgesetzes zur Folge. Das Zit.i.rgebot soll verhindern, daß neue, dem bisherigen Recht fremde Möglichkeiten des Eingriffs in Grundrechte geschaffen werden, ohne daß „der Gesetzgeber” sich darüber Rechenschaft ablegt und dies ausdrücklich zu erkennen gibt (Warn- und Besinnungsfunktion). Vom Zitiergebot ist zwar die Begrenzung derjenigen Grundrechte nicht betroffen, die von vorneherein mit Schranken versehen sind. Grundsätzlich nicht zitierpflichtig sind daher Einschränkungen der Meinungsfreiheit, weil das Grundrecht nach Art 5 Abs. 2 GG nur „im Rahmen der allgemeinen Gesetze garantiert ist”. Jedoch betrifft das Zitiergebot Gesetze, die darauf abzielen, ein Grundrecht über die in ihm selbst angelegten Grenzen hinaus einzuschränken (BVerfGE 28, 46). (Seifert/Hömig, Kommentar zum Grundgesetz der BRD, a.a.O., Artikel 19 Rn. 4).

Die in Art 5 Abs. 1 GG selbst angelegten Grenzen sind die „allgemeinen Gesetze”.

Das Zitiergebot betrifft mithin nichtallgemeine Gesetze bzw. Sondergesetze.

Da § 130 Abs 3 StGB kein allgemeines Gesetz ist, sondern eine ganz spezielle Meinung verbietet (vgl. oben Huster und die o.g. BVerfGE vom 4.11.2009), stellt er eine Einschränkung dar, die über die in Art. 5 GG angelegten Grenzen der Meinungsäußerungsfreiheit hinausgeht. § 130 Abs 3 geht als „Sondergesetz” bzw. „Einzelfallgesetz” über die übliche Einschränkung der Meinungsäußerungsfreiheit hinaus und stellt eine dem Recht fremde Möglichkeit des Eingriffs in Grundrechte dar.

Das Zitiergebot gilt daher hinsichtlich des § 130 Abs. 3 StGB für Art. 5 Abs. 1 GG. Daß § 130 Abs. 3 eine Einschränkung des Grundrechts der Meinungsäußerungsfreiheit bedeutet, hätte daher bei Beratung und Verabschiedung des § 130 Abs. 3 genannt sein müssen.

Im sog. „Verbrechensbekämpfungsgesetz” vom 28.10.1994 (BGBl. 1 S. 3186), das den § 130 Abs. 3 StGB einführte, ist eine Einschränkung von Art. 5 Abs. 1 GG nicht genannt, weder in Artikel 17 (Einschränkung von Grundrechten) noch sonstwo. Insbesondere steht dort nirgends, daß für § 130 Abs. 3 eine Ausnahme vom grundgesetzlichen Sondergesetzgebot gemacht werde.

§ 130 Abs. 4 und (wie oben dargelegt) auch Abs. 3 wurde vom Bundesverfassungsgericht im Nachhinein (15 Jahre nach Verabschiedung des Abs. 3) als „Sondergesetz” eingestuft. Statt ihn deswegen konsequenterweise als nichtig anzusehen, hat es ihn, wegen seiner Sondereigen-schaft für mit dem Grundgesetz vereinbar erklärt.

Dies ist eine nachträgliche Verschärfung, mit der das Bundesverfassungsgericht sich nicht nur grundgesetzwidrig eine Überkompetenz anmaßte (Verstoß gegen das Gewaltenteilungsprinzip, Art. 20 Abs. 2 Satz 2, wonach die „Gesetzgebung” dem Bundestag obliegt), sondern auch gegen das strafrechtliche Rückwirkungsverbot nach Art. 103 Abs. 2 GG verstieß. Es liegt ein Übergriff des Bundesverfassungsgerichts in die Grundgesetzgebung und in den Kernbereich der Gesetzgebungsgewalt vor.

§ 130 Abs 3 StGB ist aus mehreren Gründen grundgesetzwidrig und nichtig.

Rechtsbeugung, Meineid und Hochverrat.

Justitia die korrupte, rechtsbeugende und weisungsgebundene Hure der Wirtschaft und Poliutik. Die demokratische Gewaltenteilung steht in Deutschland lediglich auf dem Papier und funktioniert in der Praxis nicht.

Das fiel sogar dem Europarat auf, der — Pressezitat: „Deutschland 2009 aufforderte, für die Justiz eine eigene Selbstverwaltung einzuführen und die Möglichkeit abzuschaffen, dass Justizminister der Staatsanwaltschaft Anweisungen … geben können“. Und: „Jetzt hat auch der Generalanwalt beim Europäischen Gerichtshof, Manuel Campos Sánchez-Bordona, gerügt, dass bundesdeutsche Staatsanwaltschaften einem grundsätzlichen Weisungsrecht des Justizministeriums unterstehen. Dadurch fehle ihnen die notwendige Unabhängigkeit, …“. Ende Zitat.

— Aber auch das Richterwesen sowie Legislative / Exekutive sind in Deutschland politisch restlos verfilzt,

Rechtsbeugung, Meineid, Hochverrat. Beschämend für einen sogenannten Rechtsstaat. Die  Justiz kann nur noch als ein erbärmlicher Haufen von ehrlosen Rechtsbeugern angesehen werden – die sich hinter einem „Machtsystem“ verstecken. Wenn sich Richter und Staatsanwälte beim Missbrauch der Amtsgewalt ( § 302 StGB ) gegenseitig decken, dann werden solche Vorgänge auch als organisierte Kriminalität bezeichnet. ( … Weiterlesen

Wirtschaftsmasse für die Menschenhändler

 

Jetzt wollen sie den Diebstahl offiziell machen

Hier mal die Bestätigung

Sie nennen es:

Wirtschaftliche und rechtliche Jugendhilfe

Es ist nur noch Wirtschaftsmasse für die Menschenhändler

 

Emilie Ayleen geb. 08.09.2014

Melina Sophie geb. 24.08.2016

Seit Januar 2017 in den Fängen der Menschenhändler. Und auch seit Januar 2017 versucht eine diebische Nazizecke von der Bundespolizei Kiel und die Saatsanwaltschaft Kuhlbrodt Neumünster, mich wegen meiner Webseiten zu kriminalisieren.So sind mir bis Heute, die Hände gebunden.

Welch ein makaberes Tauschgeschäft. Rolli mit 386€ Rente gegen zwei Kinder für den Gender und Pädo-Staat. Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte.

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Melina Sophie 2019

Emilie Ayleen 2019

 Nun, nach über 2 Jahren der Familienentwöhnung und hin und her schieben, was sind das jetzt für Kinder? Die kleine Melina war gerade mal 4 Monate Jung, am Tage des Diebstahl.  Wirtschaftsmasse für die Menschenhändler

Den Schaden an meiner Tochter und ihren Kindern, kann keiner wieder gut machen.

Wir bekommen ja Bilder

 

 ergänzend: Kinderklau durch Inobhutnahme

Rekordwert Jugendämter nehmen mehr als 84.000 Kinder in Obhut

Rund 84.200 Kinder und Jugendliche sind 2016 in Deutschland  in Obhut und gestohlen genommen worden – so viele wie noch nie.

Ein paar Informationen über die Allmacht der Jugendämter:

1.) Sie dürfen: eigenmächtig, nach eigenem Gutdünken Kinder von ihren Eltern, oder auch anderen Personen jederzeit ohne Prüfung durch ein Gericht wegnehmen und verschleppen.

2.) Das Gericht hat dem Jugendamt keine Vorschriften zu machen, es kann schalten und walten wie es möchte.

3.) Gegen falsche Behauptungen des Jugendamtes können sich Eltern nicht gerichtlich zur Wehr setzen.

4.) Im Gegensatz zu den Eltern brauchen Jugendämter nicht für die Gerichtskosten aufkommen.

5.) Jugendämter unterliegen keiner unparteiischen Kontrolle.

㤠42
Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen

(1) 1Das Jugendamt ist berechtigt und verpflichtet, ein Kind oder einen Jugendlichen in seine Obhut zu nehmen, wenn
1. das Kind oder der Jugendliche um Obhut bittet oder
2. eine dringende Gefahr für das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen die Inobhutnahme erfordert und
a) die Personensorgeberechtigten nicht widersprechen oder
b) eine familiengerichtliche Entscheidung nicht rechtzeitig eingeholt werden kann oder
3. ein ausländisches Kind oder ein ausländischer Jugendlicher unbegleitet nach Deutschland kommt und sich weder Personensorge- noch Erziehungsberechtigte im Inland aufhalten.
2Die Inobhutnahme umfasst die Befugnis, ein Kind oder einen Jugendlichen bei einer geeigneten Person, in einer geeigneten Einrichtung oder in einer sonstigen Wohnform vorläufig unterzubringen; im Fall von Satz 1 Nr. 2 auch ein Kind oder einen Jugendlichen von einer anderen Person wegzunehmen.“
aus: https://dejure.org/gesetze/SGB_VIII/42.html
„…Das Jugendamt ist zu hören; dies begründet keine Weisungsbefugnis des Gerichts. Das Gericht ist nicht befugt, dem Jugendamt bestimmte Ermittlungen oder bestimmte Mitwirkungshandlungen aufzugeben. Das Jugendamt hat vielmehr seinen eigenen pädagogischen Sachverstand entsprechend seinen definierten fachlichen Standards einzubringen…“
aus: https://www.haufe.de/…/jung-sgbviii-50-mitwirkung-in-verfah…
„…Wegen des Charakters der Mitteilung des Jugendamtes als unselbständiger Teil des familiengerichtlichen Erkenntnisprozesses kann das Jugendamt jedoch nicht verpflichtet werden, Berichte, (gutachterliche) Stellungnahmen oder sonstige (mündliche) Äußerungen, die es dem Familiengericht hat zukommen lassen, zu widerrufen, zurückzuziehen oder sonst für unbrauchbar erklären zu lassen (vgl. VG München, Beschluss v. 21.6.2012, M 18 E 12.2701, JAmt 2012 S. 485). Gibt das Jugendamt nach § 50 eine Stellungnahme gegenüber dem Familiengericht ab, ist Adressat dieser Stellungnahme das Gericht und nicht das Kind oder die Eltern, so dass sich diese gegen die Stellungnahme des Jugendamtes nicht gesondert auf dem Verwaltungsrechtswege wehren können… “ aus: https://www.haufe.de/…/jung-sgbviii-50-mitwirkung-in-verfah…

„… Das Jugendamt ist nach § 162 Abs. 2 FamFG auf seinen Antrag hin am Verfahren zu beteiligen (OLG Sachsen-Anhalt, Beschluss v. 5.9.2001 zu §§ 49, 49a FGG, 8 WF 177/01, FamRZ 2003 S. 468). Ist es Verfahrensbeteiligter, entspricht es nicht der Billigkeit i. S. d. § 81 Abs. 1 FamFG, diesem dann ggf. die Kosten des Verfahrens ganz oder auch nur teilweise aufzuerlegen….“
aus: https://www.haufe.de/…/jung-sgbviii-50-mitwirkung-in-verfah…
„…Die Dienst- und Fachaufsicht über die Jugendämter liegt, …, beim Chef bzw. bei der Chefin der Verwaltung.
aus: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Jugendamt
§ 42 SGB VIII Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen – dejure.org
(1) 1 Das Jugendamt ist berechtigt und verpflichtet, ein Kind oder einen Jugendlichen in seine Obhut zu nehmen, wenn 1. das Kind oder der Jugendliche…  https://dejure.org/gesetze/SGB_VIII/42.html

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Kinderschutz – Familienhilfe – Kindesentnahme – Kindesentzug – Kinderraub – Fremdunterbringung – Kindesmissbrauch ?
Jährlich finden mindestens 80.000 Inobhutnahmen statt – durchaus auch mit fadenscheinigen Begründungen, so Christidis.

Was wird mit diesen Kindern gemacht ?
Sexueller Missbrauch wurde an einigen Heimkindern vorgenommen. Sie wurden nicht nur aus ihren Familien, sondern auch aus ihren Schulen herausgerissen. Sie sind oft so gestört, weil sich gerade in diesen Bereichen (Kinderschutz, Kinderheimen) vermehrt Päderasten¹ befinden. Menschen, die Kinder vergewaltigen und missbrauchen, das sind Sadisten. Völlige Überforderung finden wir auch bei Alleinerziehenden, in Armut lebenden Elternteilen. Das ist politisch gewollt. Das System lässt die Kinder ohne Schutz z.B. des Vaters oder der Mutter aufwachsen. Kindern fehlen wichtige Verhaltensweisen, z.B. das Sich-Wehren etc. Diese Kinder werden auch in Schulen oder Freizeiten sexuell genötigt, weil sie niemanden haben, der für sie einsteht.

Entelternung oder Teilentelternung ist ein staatliches Ziel ?
Es wird zumindest gefördert und willkürlich entschieden, welche Institution die Kinder bekommen oder wer der angeblich bessere Elternteil sei. Eltern und Elternteile, die sich nicht wehren können, sind Opfer, auch Eltern, deren Kinder – oft pubertäre Kinder – die sogenannten „Schutz“maßnahmen vom Staat aufsuchen, sind leichte Beute für das System.

Offizielle Forschungsprojekte als getarnte Zuhälter für Kinder
Kinder werden abgegriffen. Sie entwickeln psychische Störungen und werden einer ganz bestimmten Klientel zugeführt. Es gibt auch „offizielle Forschungsprojekte“, die die Kinder nach der Aufnahme missbrauchen. Die Kinder kommen von selbst oftmals aus diesem Sumpf nicht heraus. Nur das fortschreitende Alter kann sie schützen. Wenn die Jugendlichen nämlich aus der begehrten Altersstruktur herausgewachsen sind, dann sind sie für die Vergewaltiger nicht mehr interessant.

Wirtschaftliche Ausnutzung von Kindern
Jugendliche werden nicht nur seelisch und körperlich missbraucht, sie werden auch wirtschaftlich ausgebeutet. Manche werden sogar aus Deutschland rausgebracht, um als Arbeitskräfte in fremden Ländern eingesetzt zu werden. Diese Form von Ausbeutung wird als „Erlebnispädagogik“ tituliert.
Die Eltern wissen davon in den seltensten Fällen. Die Jugendlichen werden von ihren Missbrauchern angehalten, nichts zu erzählen. Die Rollen werden vertauscht: Den Jugendlichen wird erzählt, „Deinen Eltern geht es nicht gut.“ Kinder sollen also ihre Eltern schützen. In Wahrheit können aber die Eltern nicht mehr ihre Kinder schützen.

Frage an Mitarbeiter vom Jugendamt: „Hast du nicht noch ein paar ‚böse‘ Jungs für mich ?
Wissen denn die Mitarbeiter von Jugendämtern und Justiz, was hier geschieht oder geschehen kann ? Es gibt JA-Mitarbeiter, die Kinder professionell in solche Einrichtungen bringen und dafür ordentlich entlohnt werden. Jugendliche haben Frau Christidis selbst berichtet, dass sie gesehen haben, wie „Briefchen“ (Couverts) zugeschoben wurden usw. oder, dass „ein Heimleiter am Telefon einem Jugendamtsmitarbeiter gesagt hat: ‚Ich brauch‘ mal wieder Nachschub, wir hätten da wieder ein Projekt, hast du nicht noch ein paar böse Jungs für mich ?‘ … ja und dann werden die Jungs eben geliefert.“

Humankapital Kinder
Auch Wirtschaftsverbände haben in der Zwischenzeit Expertisen herausgegeben und dargelegt, was für ein monströses Wirtschaftssystem sich gerade in dem Kinder- und Jugendhilfebereich herausgebildet hat. Es hat sich verselbständigt. Viele Kommunalpolitiker sitzen im Vorstand oder im Aufsichtsrat solcher Kindereinrichtungen und machen damit Werbung beim Wähler.  … Weiterlesen 

Heuchlerische und verstohlene Nazijäger
Vorab Info. Für die Klagenden, ungebildeten und geltungsbedürftigen Kuhlbrodt´s „Nazijäger“ Die meine Runenbeiträge für Nationalsozialistische Ideologien halten. Schauen Sie bitte mal, auf mein Banner. Das zu definierende Runentextwerk, befindet sich am Rand, und ist um einiges älter „wie die von … Weiterlesen 

Was soll ich da noch sagen

Der Spitzbuben Erlass und die Robe

Religionskritik und virtueller Onlinegedankenaustausch

Wer stetig lügt und falsches spricht, der gebraucht da gern ein fremd Gesicht. Befasst euch mit dem Esausegen. Die Lügenmacht ist längst allumfassend und kann nur mehr mit diesem Teil aus ihrem eigenen Glauben gebrochen werden. Die Welt ist von 3 Betrügern irregeführt worden: Moses, Jesus und Mohammed.
Vatikan: (Kaballa – Der Sefirot-Baum)

Allvater…. Runa .. (Yggdrasil Göttlicher  Weltenbaum)Textknechtschaften, Gebölke und Gelala bei Germanenherz von Preußen.

https://dailymotion.com/video/xqhs0q?autoPlay=1  Unsere Krone ging verloren.  Aber, ihr werdet sehen, es geht auch ohne Kreuz und Krone. Wir werden „GEMEINSAMals Diener des Staates, etwas ganz Neues aufbauen. Wenn . . . wir ein Volk sind. Wir haben nur die eine Chance „Gemeinsam“ Wir müssen unsere Kräfte bündeln. Wir müssen uns schnellstens Vereinigen. Das ist kein Spaß !!!

Weltweiter Migrationsvertrag als Verpflichtung bei Doppelmoral im Vatikan: Papst feiert Migrationspakt – wollte Vertrag aber selbst nicht unterschreiben

 Der Vatikan hat vor den Vereinten Nationen in New York erneut zur Aufnahme und zum Schutz von Migranten aufgerufen. Besondere Erwartungen setzte er in den geplanten UN-Migrationspakt, sagte Erzbischof Bernardito Auza, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den UN, am Freitag zum Abschluss der Beratungen über das Abkommen.

 Der weltweite Migrationsvertrag werde es für Staaten, die Zivilgesellschaft und jeden Einzelnen schwieriger machen, die Probleme Betroffener zu ignorieren und der gemeinsamen Verantwortung ihnen gegenüber nicht nachzukommen.
Der Entwurf für den „Global Compact For Migration“ wurde am Freitag in der UN-Vollversammlung in New York beschlossen. Die USA sind nicht an den Verhandlungen beteiligt, auch Ungarn sieht den Vertragstext kritisch. Hauptanliegen des rechtlich nicht bindenden Dokumentes ist eine bessere Organisation der weltweiten Flüchtlings- und Migrantenströme. Es soll im Dezember im marokkanischen Marrakesch offiziell angenommen werden. Hier schauen  https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2018-07/vatikan-uno-global-compact-for-migration-auza.html

Ein Elternpaar aus Schleswig-Holstein, das sein Kind nicht an einem Schulausflug in eine Moschee teilnehmen ließ, ist rechtskräftig zu einem Bußgeld verurteilt worden. Das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht entschied am Dienstag, eine Rechtsbeschwerde gegen ein entsprechendes Urteil des Amtsgerichts Meldorf nicht zuzulassen.

Das selbe Kieler Bildungsministerium hat auch gendergerecht zugestimmt, daß „Vorschulkinder“ zukünftig mit Dildos, Liebeskugeln und Analsex unterrichtet und praktiziert werden. Die Zerstörung der Familie ist eines der wichtigsten Ziele der Illuminaten.

Das Volk , musste schon immer für all die Kosten der Kirchen aufkommen, während die Priester Bischöfe und Kardinäle,ihre dicken Plautzen immer mehr füllten. Irgendwie passt das alles nicht, zu den vielgepriesenen Teilungen von Staat und Kirche. Aber letzendlich wird das Volk von der Kirche dumm gehalten und von Staat arm.

Wir brauchten mehr als 1000 Jahre um festzustellen, daß wir keine Kaiser, Könige und Fürsten benötigen, damit sie mit uns spielen, uns ausrauben und sagen, was wir zu tun und zu lassen haben. Hoffentlich dauert es keine weiteren 1000 Jahre, bis wir feststellen, daß wir dazu auch, keine Regierungen, keine Politiker und keine verlogenen und völkerzersetzenden Religionen brauchen. Auf deren Spielfeld, nach deren Spielregeln, deren Schiedsrichter und deren Moderator ist das Ergebnis doch sehr vorhersehbar. Christentum, Islam u. Judentum haben den gleichen Ursprung und glauben an den selben Gott. Dieser Gott ist für alle drei nur ein Instrument um freie Menschen zu knechten und zu versklaven. Die herrschende religiöse Kaste aller drei Religionen ist das absolut Böse in dieser Welt. Gehirnwäsche ist deren Instrument. Freies Denken wird unterdrückt. Und wo das nicht klappt wird brutale Gewalt angewendet.
 Der Aufruhr, den eine Wahrheit verursacht, ist direkt proportional dazu, wie tief der Glaube an die Lüge war. Nicht über die Tatsache, dass die Welt rund ist, haben sich die Menschen aufgeregt. Sondern darüber, dass die Welt nicht flach war. Wenn ein gut verpacktes Netz aus Lügen den Massen über Generationen hinweg verkauft worden ist, dann erscheint die Wahrheit völlig grotesk und ihr Verkünder wie ein rasender Verrückter. Was glaubt ihr, was hier los wäre, wenn mehr Menschen wüssten, was hier los ist! Sie halten das für Unsinn? Kann sein, aber vielleicht fehlen Ihnen ja auch einfach nur die richtigen Informationen. ***SAGT NICHT IHR HABT NICHTS GEWUSST–ICH HAB ES EUCH GESAGT ***

Die meisten Gläubigen, die heute auf ihren „Messias“ warten, würden ihn dann vielleicht gleich wieder aufhängen. Auf die einsamen Rufer gibt niemand mehr acht. Ein Prophet findet am wenigsten Aufmerksamkeit und Anerkennung in seinem Volk, in seiner Heimat und in seiner eigenen Familie. Noch ehe der Hahn kräht, wirst Du mein Volk, mich dreimal verraten haben.

Die Wahrheit wird von denen Unterdrückt , die viel zu Verbergen und zu Verlieren haben ! Vor allem was die wahren Strukturen im Hintergrund und die Tatsächlichen Machtgefüge Betreffen. Im Römerbrief wirft Paulus den Juden vor, das sie schnell dabei sind „Blut zu Vergießen“, dass sie zu nichts gutem taugen und das auf ihren Wegen „Verderben und Unheil“ ist. Das jetzige Christentum fußt auf deren vor 2000 Jahren geschaffenen Gründungsfigur des heiligen Bartholomäus Baphomet. Als Astaroth transformierte weibliche babylonische Göttin Ištar, die erst zur westsemitischen Göttin Astarte wurde in Berlin ein Tempel gestellt, der Flughafen, hat auch damit was zu tun. Das richtige Christentum ist um einiges Älter. Hier mal schauen  Die christliche Lehre kam aus dem Norden  Was wär‘ ein Gott, der nur von außen stieße, Im Kreis das All am Finger laufen ließe! Ihm ziemt’s, die Welt im Innern zu bewegen, Natur in sich, sich in Natur zu hegen, So daß, was in ihm lebt und … Weiterlesen

Die alten Blutlinien der europäischen Königshäuser und der von ihnen kreierte Vatikan, wollten von Anfang an, die Weltherrschaft über die von Ihnen ausgeraubten, unterjochten und versklavten Völker dieser Erde. Die, die damals behaupteten sie hätten Drachenblut, sind die, die uns schon sehr oft an Fremdmächte verkauft haben. Momentan im aktuellen Weltgeschehen sehr aktiv im Einsatz. Deren Pläne sind Uralt und ganz einfach zu durchschauen. Wer darüber, die Wahrheit schreibt und spricht, muß vor ein Scheingericht.

ergänzend :  Bei der Invasion des Irak wurden mehr als 5 Billionen Dollar an Gold und Öl gestohlen.

Denken Sie daran, dass Saddam keine Massenvernichtungswaffen besaß und nicht am 11. September beteiligt war, aber der Reichtum seines Landes wurde geplündert. Dann gingen sie nach Afghanistan, um die Mohnfelder und die Lithiumminen gewaltsam zu sichern, nachdem die Taliban den ganzen Mohn zerstört hatten. Danach gingen sie und töteten Gaddafi in Libyen, um die Kontrolle über seine mehr als 22 Tonnen Gold, die 30 Billionen mehr Ölpipeline, die Afrika wiederbelebt hätte, und die Diamanten, Silber und andere Lagerstätten zu gewinnen. Überall auf der Welt gibt es Krieg und Genozid für Gold, Öl, Drogen und andere natürliche Ressourcen und alles ist für die Rothschilds, den Vatikan, Könige und Banker, jedoch behaupten sie, dass wir Milliarden den gleichen Familien schulden, die alles gestohlen haben, habe alle Länder geplündert!

Die Kreuzzüge

Germanenherz Die ChristianisierungJeder zugefügte Schaden muss gleichem Maße beglichen werden. Ob nun, Christ, Moslem oder Jude. Sie werden noch dieses Jahr 2018 für ihre Schandtaten, an Mensch, Natur und Tierwelt zahlen. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brand um Brand, Wunde um Wunde, Beule um Beule, Seele um Seele.  So steht es geschrieben, so soll es geschehen!

Der Reichtum der Kirche ist Blutgeld

Ich liebe Deutschland

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Name ist Deutschland wißt ihr noch wer ich bin
Hat meine Existenz für euch überhaupt noch einen Sinn

Ihr wart doch einst so stolz auf mich habt alles für mich getan
Doch heute verleugnet ihr meinen Namen fühlt nur noch Schuld und Scham

Ich liege im Sterben keine Rettung weit und breit
Das Herz Europas hört auf zu schlagen nach so langer, langer Zeit
Wenn ihr nicht endlich aufwacht und handelt gibt es keine Hoffnung für mich
Doch wenn ich sterbe, sterbt ihr genau so wie ich — genau so wie ich

Wißt ihr nicht mehr als ich früher war, voller Größe, Mut und Kraft
Habt ihr vergessen wie schön ich war das habt alles nur ihr geschafft
Heute bin ich geteilt überfremdet und für viele nur noch lächerlich
Verhöhnt verspottet ausgenutzt und die Welt lacht über mich

Ich liege im Sterben keine Rettung weit und breit
Das Herz Europas hört auf zu schlagen nach so langer, langer Zeit
Wenn ihr nicht endlich aufwacht und handelt gibt es keine Hoffnung für mich
Doch wenn ich sterbe, sterbt ihr genau so wie ich — genau so wie ich

Ich hab der Welt so vieles gegeben an Kunst, Musik und Kultur
Ihr meinen Stempel aufgedrückt, doch bald verliert sich diese Spur
Wenn du erst aufwachst nach meinem Tode ist es zu spät für dich
Dann erinnere dich an meine Worte und dann weine über mich

Ich liege im Sterben keine Rettung weit und breit
Das Herz Europas hört auf zu schlagen nach so langer, langer Zeit
Wenn ihr nicht endlich aufwacht und handelt gibt es keine Hoffnung für mich
Doch wenn ich sterbe, sterbt ihr genau so wie ich — genau so wie ich
genau wie ich
genau wie ich

Freiheit und Frieden für die Völker dieser Erde

Satans Herrschaft über diese Welt, diese „gegenwärtige, böse Welt“ (Galater 1,4; 1. Johannes 5,19), wird für die nächsten eintausend Jahre beendet sein. Der Kampf um die Kontrolle über die Erde ist vorbei. Nach Gottes Zeitplan wird es Zeit für den Beginn eines neuen Zeitalters. Lebt in Frieden und nimmt alles nicht so ernst was von den Medien kommt!

Satan wird den Planeten Erde nicht für immer beherrschen. Die biblischen Prophezeiungen offenbaren, dass eine erstaunliche Reihe von Ereignissen unsere Welt wie nie zuvor erschüttern und ein neues Zeitalter einleiten wird – ein tausendjähriges Zeitalter unter der Herrschaft des Reiches Gottes (Matthäus 6,10; Lukas 21,31).

Satans Zorn wird sich vor allem gegen Gottes Volk richten, das in Offenbarung 12 symbolisch durch eine Frau verkörpert wird: „Und der Drache wurde zornig über die Frau und ging hin, zu kämpfen gegen die übrigen von ihrem Geschlecht, die Gottes Gebote halten und haben das Zeugnis Jesu“ (Vers 17).

Das hässliche Phänomen der religiösen Verfolgung wird erneut auftreten, und zwar auf Satans Betreiben hin (Offenbarung 2,10). „Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern“, warnte Jesus. „Dann werden viele abfallen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen“ (Matthäus 24,9-10).

Markus berichtet eine weitere erschreckende Einzelheit über diese verheißene Verfolgung in Christi Prophezeiung: „Und es wird ein Bruder den andern dem Tod preisgeben und der Vater den Sohn, und die Kinder werden sich empören gegen die Eltern und werden sie töten helfen“ (Markus 13,12). In Offenbarung 6, Verse 9-11 wird diese Zeit des Märtyrertums ebenfalls beschrieben.

 Der Übergang von Satans Kontrolle über die Erde zu Gottes Herrschaft wird weder leicht noch schmerzlos erfolgen. Der Prophet Daniel beschreibt es als „eine Zeit so großer Trübsal . . . wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt, bis zu jener Zeit“ (Daniel 12,1). Christus sagte, dass kein Mensch überleben würde, wenn Gott nicht in die Weltereignisse eingreifen und sein Reich errichten und Satan seiner Herrschaft über die Menschheit entheben würde (Matthäus 24,21-22).

In Offenbarung 9, Verse 1-12 lesen wir von einer anscheinend enormen militärischen Streitmacht, die, symbolisch als ein Schwarm Heuschrecken dargestellt, aus dem Brunnen des Abgrunds aufsteigen wird. Sie wird dann mit fürchterlichen, heuschreckenartigen Vorrichtungen die Menschen wie mit Stacheln von Skorpionen quälen (Vers 5 bzw. 10). Diese Beschreibung klingt erstaunlich ähnlich den Auswirkungen von modernen chemischen und biologischen Waffen.

Diese Leidenswelle wird von „einem König“, dem „Engel des Abgrunds“, dessen Name „auf Hebräisch Abaddon“ heißt und auf Griechisch „Apollyon“, angeführt werden. Diese Titel bedeuten „Zerstörung“ bzw. „Zerstörer“. Dieses Wesen scheint niemand anderes als Satan selbst zu sein, dessen Charakter und Lebenszweck mit diesen Titeln auf perfekte Weise zusammengefasst werden.

Als Nächstes lesen wir von einer gewaltigen militärischen Streitmacht von 200 Millionen Soldaten (Vers 16; Menge-Übersetzung). Danach folgt ein unvorstellbares Blutbad.

 

Ein Drittel der Menschheit – buchstäblich Milliarden von Menschen, wenn man die heutige Erdbevölkerung berücksichtigt –, wird in diesem großen Krieg ums Leben kommen (Verse 15 und 18) und damit die Opferzahlen aller vergangenen Kriege weit in den Schatten stellen.

In dieser Orgie der Zerstörung scheint Satan kurz vor der bevorstehenden Rückkehr Christi seine Kontrolle über die Menschheit nicht mehr länger aufrechterhalten zu können und deshalb bemüht zu sein, so viele von ihnen wie möglich umzubringen.

Bitte mal den folgenden Film Megiddo – The Omega Code 2 anschauen. Der Film zeigt einen Teil des Biblisch Prohezeiten Endzeitgeschehens, Auf den Ebenen von Megiddo kommt es zur alles entscheidenden Schlacht zwischen dem Guten und dem Bösen.

Die Prophezeiungen des Johannes von Jerusalem 

Johannes von Jerusalem (ursprünglicher Name: Jehan de Vezelay), ein französischer Tempelritter des 12. Jahrhunderts, war einer der neun Gründer des geheimnisvollen Templerordens. In der Zeit nach dem Ersten Kreuzzug grub er im Tempelberg von Jerusalem und schien dort ein großes … Weiterlesen 

KÖNIGREICH DER HIMMEL I Film deutsch I 2005

Im 12. Jahrhundert tobt ein Glaubenskrieg um die heilige Stadt Jerusalem. Europäische Kreuzritter versuchen, die Stadt, bei der Jesus gekreuzigt wurde, gegen die Truppen Saladins (Ghassan Massoud) zu verteidigen. Zu dieser Zeit begibt sich der junge Schmied Balian (Orlando Bloom) von der französischen Provinz auf den langen Weg in das heilige Land. Sein Vater Godfrey (Liam Neeson) ist ein hochangesehener Kreuzritter, der jedoch auf der gemeinsamen Reise nach einem Kampf stirbt. Balian erreicht Jerusalem und findet sich in einem Gewirr aus Intrigen des Tempelritters Guy de Lusignan (Marton Csokas) wieder, die zu einer herben Niederlage der Ritter gegen die muslimischen Verbände führen…

Die Kreuzzüge

Jeder zugefügte Schaden muss gleichem Maße beglichen werden. Ob nun, Christ, Moslem oder Jude. Sie werden noch dieses Jahr 2018 für ihre Schandtaten, an Mensch, Natur und Tierwelt zahlen. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Hand um Hand, Fuß um … Weiterlesen 

Die Christianisierung

Die Einführung des Christentums bei den Germanen gewinnt in der Erörterung der Gegenwart eine immer noch steigende Bedeutung. Eine Zeit, deren Lebensgefühl weitgehend durch die Übernahme fremden Zivilisationsgutes bestimmt wird, muß sich notgedrungen mit einer Erscheinung auseinandersetzen, die, aus der … Weiterlesen 

Der Reichtum der Kirche ist Blutgeld

 »Wie viel die Fabel von Christus Uns und den Unsern genützt hat, ist bekannt.« Papst Leo X. 11) S. 142. »Die Kirche ist die höchste aller denkbaren Korruptionen.« Der Philosoph Friedrich Nietzsche 11) S. 363. »Wir brennen wahrhaftig vor Geldgier, … Weiterlesen 

Die kriminelle Geschichte des Papsttums

NEXUS Magazin 9, Februar-März 2007 Im Namen des päpstlichen Amtes wurden im Laufe der Jahrhunderte so viele Straftaten begangen wie sonst kaum irgendwo, und die wahre Geschichte der Päpste ist voller Skandale, Grausamkeiten, Ausschweifungen, Schreckensherrschaften, Kriege und moralischer Verkommenheit. Die … Weiterlesen 

Der Bolschewismus von Moses bis Lenin

Dietrich Eckart, Schriftsteller, geb. 1868 gest. 1923, Freund Adolf Hitlers, wurde 1921 erster Hauptschriftleiter des „Völkischen Beobachters“, nahm an der Erhebung vom 9. November 1923 teil. Inhaftiert in Stadelheim, starb er bald nach seiner Entlassung am 26. Dezember 1923. Er … Weiterlesen 

Armageddon

Die Realität der „Juden“ als auserwähltes Volk ist, daß sie unweigerlich ihren eigenen Untergang herbeiführen werden. Das haben sie immer, das werden sie immer. Der Untergang (Armageddon) der Juden, wird von ihrer eigenen Hand gebaut und ausgeführt werden. „Auserwählt“ zu … Weiterlesen 

Religionskritik und virtueller Onlinegedankenaustausch

Wer stetig lügt und falsches spricht, der gebraucht da gern ein fremd Gesicht. Textknechtschaften, Gebölke und Gelala bei Germanenherz von Preußen. Unsere Krone ging verloren.  Aber, ihr werdet sehen, es geht auch ohne Kreuz und Krone. Wir werden „GEMEINSAM“ als … Weiterlesen 

Die Prophezeiungen des Johannes von Jerusalem

Johannes von Jerusalem (ursprünglicher Name: Jehan de Vezelay), ein französischer Tempelritter des 12. Jahrhunderts, war einer der neun Gründer des geheimnisvollen Templerordens. In der Zeit nach dem Ersten Kreuzzug grub er im Tempelberg von Jerusalem und schien dort ein großes … Weiterlesen 

Magic Runes by Germanenherz

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Den Einstig und Beginn zum Thema Runen, findest du auf meinen Germanenherz Blog´s. Doch die Bedeutung für dich, die findest du nur in dir selbst. Mache dich auf und folge dem Ruf der Runen, sie werden dich zu neuen Erkenntnissen über dich selbst und deine Umwelt bringen. Vielleicht begreifst du erst dann, was dein Weg durch die Zeit ist und wie du ihn gehen sollst.

Runen Rad Runen Rat

Ich weiß, dass ich hing am windigen Baum neun lange Nächte, vom Speer verwundet, dem Odin geweiht, ich selber mir selbst, am Ast des Baumes, von dem niemand weiß, aus welcher Wurzel er wuchs.Sie boten mir nicht Brot noch Met … Weiterlesen

Die theoretische Magie als Grundlage der Runenmagie

Die Runenmagie wird wohl am ehesten von den verschiedenen magischen Richtungen mit der Alten Sitte in Verbindung gebracht und wohl auch von nicht wenigen Menschen betrieben. Runenmagie kann verschiedene Formen haben. Grundsätzlich soll sie so funktionieren, daß die Kraft der Rune (also das Energieprinzip, das die Rune verkörpert) angewandt wird. Runische Magie ist Zeichenmagie, das Zeichen, die Rune, wird ihrem Sinngehalt und ihrem magischen Potential entsprechend verwendet. Man kann sich das vielleicht so vorstellen, daß die Menschen früher die Energien, die sie wahrnahmen, mit Symbolen bezeichnet haben. In diesem Sinne stehen die Runen für bestimmte Energien, zu denen man einen Kanal öffnen und mit denen man arbeiten kann.
Fliegenpilze

Als einfachste Form magischer Runenanwendung ist wohl die Visualisierung zu nennen. Dabei wird die Rune mit ihren Kräften vor dem inneren Auge vorgestellt und sie kann dann auch projiziert werden, was bedeutet, daß man die visualisierte Kräfte auf ein Ziel hin aussendet. Wirksam ist hierbei die Form der Rune, wie sie als Bild erscheint, und gerade in bezug auf die Aussendung in Verbindung mit der gewünschten Wirkung der Rune, die man ebenfalls visualisieren kann. Man kann dies auch sehr gut dadurch unterstützen, daß man die Stellung (Stadha) der Rune einnimmt oder die Rune mit den Händen bildet. Als Beispiel für diese Anwendung könnte man die Heilung nennen.

Runen können aber auch gesprochen oder gesungen werden. Wirksam ist hier der Laut der Rune (was durch Stöður und Visualisierung unterstützt werden kann). Zaubergesänge allgemein werden als seið-læti bezeichnet, die Wortmagie in einem zeremoniellen, runischen Sinn als galdr; es existiert sogar ein eigenes Versmaß dafür, das galdralag. Durch Wiederholung der Worte / Strophen kann eine Verstärkung erreicht werden. Man verwendet hier entweder nur den Runennamen, den man intoniert, bzw. die Runenreihe, die man komplett singt, oder aber richtige Verse, in denen die Wirksamkeit der Runen sich manifestieren soll. Eine Galdr-Verfluchung wird als alög bezeichnet. Golther glaubt, daß „runo“ das Raunen oder Murmeln eines Zauberspruches bezeichnet, wohingegen galdr der eigentliche „Zaubergesang“ sei (also eine Form von Seiðr).

Die skeptische Frage, ob es Magie überhaupt gibt, ist äußerst unpräzise, so wie auch Glaube oder Nichtglaube an Magie weder richtig noch falsch sind. Es kommt dabei darauf an, was man eigentlich unter Magie versteht, und schon hier laufen die … Weiterlesen

Zauberei und Hexerei

In meinem neuen Titelbild könnt ihr es sehen. Meine Othala Rune symbolisiert, den Sündenbock des heiligen Bartholomäus (Astaroth) in seiner Niederlage, fixiert in meinem Runenkreis
 Die alten Deutschen kannten Zauber mit Tat und Wort; den ersteren verbietet Nr. 10 des Indiculus (de phy-lacteriis et Ugaturis), den zweiten Nr. 12 (de incantationibus). Das Wort Zauber (ahd. zoubar) selbst bedeutet eigentlich „Mennig“, die rote Farbe, mit der … Weiterlesen

Magische Nächte. Die 12 Rauhnächte

Die 12 Rauhnächte Die zwölf Nächte am Ende des Jahres und die mit ihnen verknüpften Mysterien gehen bis in die Antike zurück. Sie haben sowohl römische als auch germanische und sogar indische, japanische und chinesische Wurzeln, und auch heute noch finden sie vielerorts im Brauchtum Beachtung. Nach uralten Überlieferungen suchen zu dieser Zeit die Seelen … Weiterlesen

Die weisen Frauen Hagedisen – Hexen

Die erfolgreiche Vorgehensweise und die überzeugenden Ergebnisse der heilkundigen Frauen stellten eine große Bedrohung für das aufkommende Christentum, sprich die Kirche dar. Denn diese Frauen verließen sich mit ihren außergewöhnlichen Begabungen eher auf ihre Sinne und Erfahrungen als auf die Gebote des Glaubens. Versuch und Jrrtum lehrte sie Ursache und Wirkung zu erkennen. Sie Forschten … Weiterlesen

Das Erforschen der Zukunft

Als Mittel zur Erforschung des göttlichen Willens bei den Deutschen nennt Cäsar „Losorakel und Prophezeiungen (sortes et vaticinationes; b. g. 150), Tacitus „Götterzeichen und LosorakeV1 (auspicia et sortes, Germ. 10). Beim Los wurde die Gottheit nach ihrem Willen gefragt, im anderen Falle erfuhr man ihn aus gewissen Vorzeichen. Die Wahrsagekunst scheint mehr Aufgabe der Frauen … Weiterlesen

In stillem Gedenken an RA Jürgen Rieger.

.Die Artgemeinschaft-GGG e.V.

Er hat unsere Gemeinschaft 20 Jahre geleitet, er hat sie geprägt, er hat sie weiter geformt und gestaltet. Sein plötzlicher Tod riss eine Lücke in unsere Gemeinschaft, doch die Artgemeinschaft lebt weiter. Seine Arbeit war nicht umsonst, es sind immer noch jung und alt vereint im Glauben unserer Art. Für den Erhalt unserer heidnischen Kultur und Tradition, im Einklang mit dem Artbekenntnis und Sittengesetz unserer Art.

Jürgen Rieger – Gestorben am 29.10.09

ergänzend

Jürgen Rieger – unvergessen

Kamerad Rechtsanwalt Jürgen Rieger 11.05.1946 – 29.10.2009 Heute jährt sich der fünfte Todestag unseres Freundes und Kameraden Jürgen Rieger. Die schönen Stunden bei den gelungenen Brauchtumsveranstaltungen, Jahreskreisfeste mit ihn, werden unvergessen bleiben! Zur Erinnerung: Die würdige Abschiedsrede von Dr. Pierre Krebs Einlaß in Walhall Jürgen, Du hast die höchste Prüfung bestanden: die Treue zu Dir … Weiterlesen

Audiovorträge mit Jürgen Rieger

 Wir können seine Textknechtschaften lesen. Das ist eine Sache. Aber seine Audiovorträge, dass ist eine andere und sucht seinesgleichen. An Kenntnissen und lebendigem „Typisch norddeutsch“ vorgetragenen Art, „kaum zu übertreffen“. 1) Abspielen: Einfach mit der linken Maustaste auf den gewünschten Vortrag Klicken, dann spielt euer Betriebssystemplayer die Audiodatei ab, oder ! 2)  Runterladen: mit der rechten Maustaste drauf, dann speichern … Weiterlesen

Das Sittengesetz unserer Art von Jürgen Rieger

 Ursprünglich veröffentlicht auf der Seite der Artgemeinschaft. Jürgen Rieger beschreibt in seinem “Sittengesetz unserer Art” die Grundsätze unseres heidnisch-germanischen Wesens, welche uns durch den Lauf der Geschichte als fortdauernde, biologisch-begründete Merkmale begleitet und geformt haben. So mancher wird jetzt anmerken, dass nicht jeder Germane Deutscher und jeder Deutsche nur Germane sei. Das stimmt teilweise. Das … Weiterlesen

Ahnenverehrung von Jürgen Rieger

 Aus dem Vorwort von Riegers Buch Ahnenverehrung – Weg zur irdischen Unsterblichkeit: Im Anschluß an das Lesen von Spenglers Der Untergang des Abendlandes war ich schon vor geraumer Zeit zur Auffassung gelangt, daß die Beschäftigung mit dem Konfuzianismus für mich notwendig sei. Spengler hat anhand vieler Beispiele das Aufblühen, die Hochzeit und das Vergehen von Kulturen … Weiterlesen

Deutschland und Russland

Ergänzender Beitrag von Februar 2006 von Jürgen Rieger Der zweite Weltkrieg, die großen Leiden der ostdeutschen Bevölkerung bei der Besetzung und der nachfolgende „Kalte Krieg“ mit der Sorge, daß auch die westliche Hälfte Deutschlands kommunistisch werden könnte, haben zu einer Entfremdung zwischen Deutschen und Russen geführt. Es scheint mir deshalb richtig, zunächst einmal einen geschichtlichen … Weiterlesen

Kampf der Kulturen – Kampf der Religionen

von Rechtsanwalt Jürgen Hans Paul Rieger TEIL I In Heft 4/3801 der „Nordischen Zeitung“ habe ich in dem Beitrag „Amerikas Kreuzzug in den Dritten Weltkrieg“ vor einem Krieg in Afghanistan gewarnt, und davor, daß dies zu einem weltweiten Religionskrieg zwischen Moslems und Christen führen könne. Ich habe ferner dargelegt, daß Osama bin Laden nur ein … Weiterlesen

Germanenherz

Germanenherz_Toto_Haas
Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt, verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit, seine Kultur und sich selbst. Wir sind und werden gezwungen, unseren eigenen speziellen Charakter und unseren Lebensstil zu verbergen und zu Verachten, um nicht als Nazi oder Antisemit verspottet und ausgegrenzt zu werden. Kein größerer Schaden kann einer Nation zugefügt werden, als wenn man ihr den Nationalcharakter, die Eigenheiten ihres Geistes und ihre Sprache nimmt. Wenn eine fremde Macht ein Volk ermahnt, die eigene Nationalität zu vergessen, so ist das kein Ausfluss von Internationalismus, sondern dient nur dem Zweck, die jüdische Fremdherrschaft zu verewigen.

Wir Deutschen haben uns für unsere Vergangenheit und unsere Ahnen nicht zu schämen, ganz im Gegenteil, wir müssen sie unbedingt neu entdecken. Es ist unsere Pflicht uns mit der Germanistik auseinanderzusetzen. Wir Deutschen haben eine wahre Kultur. Wir Deutschen gehören zu dem Ursprung einer westlich zivilisierten und autarken Welt ohne das wir eine kulturelle Identität künstlich erzeugen müssen indem wir andere Kulturen vernichten! Wir sind mehr als das was uns seit Dekaden eingeredet wird, wir haben eine Geschichte die es wert ist sich zu entwickeln, denn unsere Vorfahren haben ihr Leben gegeben damit wir heute in Freiheit leben sollten.
In  Wahrheit baute  die germanische Weltanschauung auf die Gleichstellung von Menschen und dem Respekt gegenüber der Natur.  Gewalt, Naturzerstörung, egoistischer Intellekt waren verpönt, der Sinn für das Gemeinwohl (Natur inkl. Mensch) war vordergründig. Nichts wurde getan, ohne die Ahnen und die beseelte Natur zu fragen. Das alte Wissen war allen zugänglich und wurde nicht von elitären Herrenmenschen für ihre eigenen Zwecke missbraucht und der Masse vorenthalten worden!

Das alles ist ein wesentlicher Teil der deutschen Historie, welche jedoch immer mehr in das Vergessen gedrängt wird. Wir sind inmitten eines kulturellen Bewusstseins der Selbstaufgabe und des ewigen Schuldkult, ohne sich auf das zu besinnen was wir sind und andere Völker als selbstverständlich erachten. Den Deutschen hat man die Geschichte abtrainiert. Bei den einen reicht das Gedächtnis nur bis zur letzten Fußball-WM, bei den anderen nur auf 1933.1945. Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern will, wird dazu genötigt, sie im weniger Positiven bzw. die negativen Eigenschaften zu wiederholen.

Wer sich aber mit den alten germanischen Mythen auseinandersetzt, wird schnell merken, dass uns die Judeachristen unsere fundamentalen Lebensgrundlagen und Lebensweisheiten gestohlen haben!. Die drei großen patriarchalen Religionen (Christentum, Islam, Judaismus) sind für rasendes Massenmorden, rücksichtslose Industrialisierung, Sklavenarbeit, Ungerechtigkeit, Plünderung der natürlichen Ressourcen verantwortlich! Sie haben uns den Zugang zu unseren Seelen geklaut, uns von ihren (Schulen, Banken, Medien) abhängig gemacht!
***Es ist an der Zeit, dass Odin zurückkommt***
.odin geist
Allvaters Anrufung
Der Du einst im Waldesrauschen
Deinem Volke Dich genaht,
Dass sein Herz in brunst’gem Lauschen
Sich entzündete zur Tat,

Der Du standest an Deutschlands Seite
Immerdar und allerorts,
Kraftverleiher warst im Streite,
Spender tiefen Weisheitsworts,

Wir, von Deinem Blut geboren,
Gott der Deutschen, nahen Dir,
Wir, in fremdem Volk verloren,
Dich, Allvater, rufen wir.

Hast es manches Mal gesehen,
Jenes Schauspiel voller Gram:
Sahst aus Deutschland Deutsche gehen,
Deren keiner wiederkam,

Die in Angst vor fremden Spöttern
Sich des Vaterlands geschämt,
Opfer brachten fremden Göttern,
Sich mit fremdem Putz verbrämt;

Hör’ uns rufen, hör’ uns schwören:
Wir sind treu, und wir sind Dein,
Unser Land soll uns gehören,
Uns’res Landes woll’n wir sein!

Sieh’, der Fremdling will’s verhindern,
Altes Recht, er schreibt es neu —
Vater, bleibe Deinen Kindern,
Gott der Deutschen, bleib’ uns treu!

Schüttle Deine heil’gen Locken,
Necke die allmächt’ge Hand,
Dass der Eindringling erschrocken
Weiche aus dem deutschen Land;

Dass er zagen lerne, zittern
Vor urew’ger Majestät,
Wenn in heil’gen Ungewittern
Deutsche Gottheit aufersteht;

Dass das Herz uns mutig werde,
Stark in neuer Zuversicht:
Vatergott und Vatererde
Raubt uns Macht der Menschen nicht!

Viking_Toto_Germanenherz
Vom Hohen Norden wird er kommen mit seinen Streitwagen, und seine Macht wird unbezwingbar sein. Eine Schar Aufrechter wird um Ihn sein, ihnen wird er das Licht geben, und sie werden der Welt leuchten, Und die Stunde des Lichtes wird heimkehren über die Erdenwelt.
Geduld ist das Vertrauen, dass alles kommt, wenn die Zeit dafür reif ist. Man sei sich der Gegenkräfte gewahr und schließe nicht die Augen vor ihnen. Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen. Zum Leben gehört auch der Mut zum Konflikt. Hindernisse sind dazu da, furchtlos, aber umsichtig überwunden zu werden. Man vertraue seinem Willen und seinem innerem Impuls. Man diene mit diesen Kräften der Schöpfung. Man tue, was zu tun ist. WENN DIE ZEIT REIF IST
toto_haas_lichtbringer*** Die Zeit ist nun reif ***
*** Mein Volk Erwache ***
Nur der Wache (Sehende) erkennt schnell die Lüge! Was keiner wagt, das sollt ihr wagen. Was keiner sagt, das sagt heraus. Was keiner denkt, das wagt zu denken. Was keiner anfängt, das führt aus. Wenn keiner ja sagt, sollt ihr’s sagen, wenn keiner nein sagt, sagt doch nein. Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben. Wenn alle mittun, steht allein. Wo alle loben, habt Bedenken, Wo alle spotten, spottet nicht. Wo alle geizen, wagt zu schenken. Wo alles dunkel ist, macht Licht. 

21.12 – 06.01 Julfestzeit und magische Rauhnächte

. Germanenherz wünscht allen Beseelten, friedliche und besinnliche Festtage.
Gledelig Jul und erkenntnisreiche,  magische 12 Rauhnächte. Ein gesundes neues Jahr und uns allen eine bessere Zeit!. In diesem Sinne, Heil und Segen auf all unseren Wegen.

 

 

Wir sind von Nordlands Art !

jul-2016Wenn durchs Land der Herbstwind pfeift, sind schon Berg und Tal bereift, dann wendet sich mit frohem Sinn, unser Herz zur Julzeit hin:
Herbststürme brausen, grau das Himmelszelt, wir harren und hausen in unsrer dunklen Welt.
Kein Wettersturm ist uns zu hart; wir sind von Nordlands Art!

Hat der Julmond Schnee gebracht, freuen wir uns dieser Pracht.
Hei, frisch die Schneeschuh angeschnallt, uns ist kein Schnee zu kalt;
Schneestürme brausen über Wald und Feld,
wir schlittern und sausen durch unsre weiße Welt.
Kein Aufwärts ist zu steil, zu hart, wir sind von Nordlands Art!

Hat die Zeit uns wohlgetan, sehnen wir das Fest heran,
die Sonnenwend mit neuem Licht, das hell ins Finstre bricht:
Lichter erhellen jedes deutsche Haus, wo wir uns gesellen,
bei Wetter, Sturm und Braus, ums heilge Feuer froh geschart,
wir sind von Nordlands Art!

Mehr zum Thema in den folgenden Links

Julfesten

Julfesten Das Julfest ist ein nordeuropäisches Fest der Wintersonnenwende. Es ist eines der 8 Jahreskreisfeste der alten Germanen. Wintersonnenwende – Das große germanische Fest Rauch von Holz und Harz liegt in der Luft ich atme ein den verlockenden Duft Yulezeit ist da, Yulezeit ist da Im tiefsten Winter, so einsam die Nacht die Sonne wendet und Balder … Weiterlesen

Wodan Ruprecht (Hruodpercht) Wodanstag

Die deutsche Weihnacht ist eine Verschmelzung des christlichen Jesusglaubens mit der germanischen Tradition (Nordlands Art!), da durch die Zwangs-Christianisierung Germaniens das Julfest abgelöst werden sollte. Die Jul-Tradition war derart tief in der völkischen Kultur der Germanen verwurzelt, daß die römische Kirche, wie auch beim Ostara-Fest, eine zuerst beabsichtige Auslöschung verwarf und daraufhin die Julzeit umdeutete … Weiterlesen

Magische Nächte. Die 12 Rauhnächte

Die 12 Rauhnächte Die zwölf Nächte am Ende des Jahres und die mit ihnen verknüpften Mysterien gehen bis in die Antike zurück. Sie haben sowohl römische als auch germanische und sogar indische, japanische und chinesische Wurzeln, und auch heute noch finden sie vielerorts im Brauchtum Beachtung. Nach uralten Überlieferungen suchen zu dieser Zeit die Seelen … Weiterlesen

Zauberei und Hexerei

Die alten Deutschen kannten Zauber mit Tat und Wort; den ersteren verbietet Nr. 10 des Indiculus (de phy-lacteriis et Ugaturis), den zweiten Nr. 12 (de incantationibus). Das Wort Zauber (ahd. zoubar) selbst bedeutet eigentlich „Mennig“, die rote Farbe, mit der die Runen in die Lostäfelchen eingetragen wurden. Das Zauberlied ist die älteste nachweisbare Dichtungsart der … Weiterlesen

Die weisen Frauen Hagedisen – Hexen

Die erfolgreiche Vorgehensweise und die überzeugenden Ergebnisse der heilkundigen Frauen stellten eine große Bedrohung für das aufkommende Christentum, sprich die Kirche dar. Denn diese Frauen verließen sich mit ihren außergewöhnlichen Begabungen eher auf ihre Sinne und Erfahrungen als auf die Gebote des Glaubens. Versuch und Jrrtum lehrte sie Ursache und Wirkung zu erkennen. Sie Forschten … Weiterlesen

Das Erforschen der Zukunft

Als Mittel zur Erforschung des göttlichen Willens bei den Deutschen nennt Cäsar „Losorakel und Prophezeiungen (sortes et vaticinationes; b. g. 150), Tacitus „Götterzeichen und LosorakeV1 (auspicia et sortes, Germ. 10). Beim Los wurde die Gottheit nach ihrem Willen gefragt, im anderen Falle erfuhr man ihn aus gewissen Vorzeichen. Die Wahrsagekunst scheint mehr Aufgabe der Frauen … Weiterlesen

Die Indogermanen

Germanenherz aus dem Buch: Die Indogermanen – Ihre Verbreitung, ihre Urheimat und ihre Kultur (1905) Vorwort In diesem Buche habe ich beabsichtigt, eine knappe Übersicht über die Urheimat und Kultur der Indogermanen zu geben. Um die Urheimat zu bestimmen, mussten die Sprachen Europas betrachtet und die Wanderungen der einzelnen Stämme kurz dargestellt werden. Die Kultur … Weiterlesen

Der himmlische Lichtbaum der Indogermanen in Sage und Kultus.

Wenn die prähistorische Archäologie allmählich immer mehr einen gewissen homogenen Zustand der in Europa sich ausbreitenden und dasselbe eigentümlich kolonisierenden indogermanischen oder arischen Stämme in Bezug auf das häusliche Leben und die Anfänge gewerblicher Thätigkeit aufdeckt, so entsprechen dem auch die Besultate der Untersuchungen über den mythologisch-religiösen Entwickelungsstandpunkt derselben. Neben den überall bei den betreffenden … Weiterlesen

Deutsche Mythologie – Das Priesterwesen

Keine der deutschen oder nordischen Benennungen für Priester ist mit einem gleichbedeutenden Worte der anderen idg. Sprachen verwandt, jede ist etymologisch leicht zu erkennen, mithin kann der gesonderte Begriff für Priester, für ein deutlich von anderen Ständen geschiedenes Priestertum nicht allzuweit in die Urzeit zurück reichen. Wie der Hausvater für die Sippe das Gebet verrichtete, … Weiterlesen

Wald- und Feldkulte: Der Baumkultus der Germanen und Ihrer Nachbarstämme

Mythologische Untersuchungen Vorwort. Das vorliegende Buch, welchem demnächst ein zweiter Band „griechische und römische Agrarkulte aus nordeuropäischen Ueberlieferungen erläutert“ folgen wird, beginnt die Veröffentlichung einer Reihe von Vorarbeiten, die sieh dem Verfasser als erforderlich ergeben hatten, um zur Klarheit und Sicherheit über das Fachwerk zu gelangen, in welches die einzelnen Stücke der von ihm unternommenen … Weiterlesen

Runen Rad Runen Rat

Germanenherz Runologe 02
Ich weiß, dass ich hing
am windigen Baum
neun lange Nächte,
vom Speer verwundet,
dem Odin geweiht,
ich selber mir selbst,
am Ast des Baumes,
von dem niemand weiß,
aus welcher Wurzel er wuchs.Sie boten mir
nicht Brot noch Met
lernte sie seufzend,
fiel endlich zur Erde.Hauptlieder neun;
da neigt‘ ich mich nieder
auf Runen sinnend,
lernt‘ ich vom weisen Sohn
Bölthorns, Bestlas Vater
und trank einen Trunk
des teuren Mets,
aus Odrörir geschöpft.Runen wirst du finden
und Ratstäbe,
sehr starke Stäbe,
sehr mächtige Stäbe.
Erzredner ersann sie,
Götter schufen sie,
sie ritzte der hehrste der Herrscher.Odin den Asen,
den Alfen Dáinn,
Dvalinn den Zwergen,
Álsvidur den Riesen,
einige schnitt ich selbst.Weißt du zu ritzen?
Weißt du zu raten?
Weißt du zu finden?
Weißt du zu forschen?
Weißt du zu bitten?
Weißt du zu opfern?
Weißt du zu senden?
Weißt du zu tilgen?Besser nicht gebetet
als zuviel geboten:
die Gabe will stets Vergeltung.
Besser nichts gesendet
als zuviel getilgt.
So ritzt‘ es Thulur
zur Richtschnur den Völkern.
Dann entwich er
dahin, wo er herkam.
 Veit eg, að eg hékk
vindga meiði á
nætur allar níu,
geiri undaður
og gefinn Óðni,
sjálfur sjálfum mér,
á þeim meiði,
er manngi veit,
hvers hann af rótum renn.Við hleifi mig sældu
né við hornigi;
nýsta eg niður,
nam eg upp rúnar,
æpandi nam,
féll ag aftur þaðan.Fimbulljóð níu
nam eg af inum frægja syni
Bölþorns, Bestlu föður,
og eg drykk um gat
ins dýra mjaðar,
ausinn Óðreri.Rúnar munt þú finna
og ráðna stafi,
mjög stóra stafi,
mjög stinna stafi,
er fáði fimbulþulur
og gerðu ginnregin
og reist Hroftur rögna.Óðinn með ásum,
en fyr álfum Dáinn,
Dvalinn dvergum fyrir,
Álsviður jötnum fyrir,
eg reist sjálfur sumar.Veistu, hve rísta skal?
Veistu, hve ráða skal?
Veistu, hve fáa skal?
Veistu, hve freista skal?
Veistu, hve biðja skal?
Veistu, hve blóta skal?
Veistu, hve senda skal?
Veistu, hve sóa skal?Betra er óbeðið
en sé ofblótið,
ey sér til gildis gjöf;
betra er ósent
en sé ofsóið,
Svo Þundur um reist
fyr þjóða rök,
þar hann upp um reis,
er hann aftur um kom.

Runologe-Toto-Haas-GermanenherzRunen sind nicht einfach nur Schriftzeichen. Es sind Symbole, die Kraft beinhalten und diese auch übertragen können. Jeder Rune sind bestimmte Eigenschaften zugeordnet, die man durch die Darstellung des jeweiligen Symbols in Schrift oder Klang oder Körperhaltung freisetzen kann. Runen sind wie Schlüssel zu bestimmten Energien… wenn du weist wie du Energie lenken und kanalisieren kannst, dann musst du eigentlich nur den Schlüssel betätigen (durch die fuer dich passendste Methode) , dir Zugang zu dem Energie-Feld „hinter“ der Rune verschaffen. folgende Links nutzen. Die Runenbeiträge liegen noch auf  mein Google Blogspot
Buchvorstellung zum Thema Runen
Der kosmische Ursprung der Runen **
Runen wissenschaftliche Evolutionsforschung  **
Odins Runen – unsere Schrift **
Runen selbst herstellen **
Kleine Runenkunde
Am Anfang war das Wort
Runen 24er futhark  **

Runenmagie
Mittelalterliche Geheimrune n
Germanenherz_Toto_Haas_Runenrad Wenn du dich entschlossen hast dich mit den Runen zu beschäftigen so werden sie dich nicht mehr loslassen. Der Ruf der Runen ist sehr stark, das war er schon von alters her. Bereits unsere Vorfahren haben sich mit den Runen beschäftigt. Bei den Runen gibt es zwei verschieden Systeme sie zu benutzen. Das eine ist das sie als Schrift fungieren der zweite Aspekt, der meiner Meinung nach viel wichtigere, ist es sie als magisches System zu erkennen. Im magischen Sinne können Runen sehr viel tun. Mit ihnen kann man Dinge und Personen schützen oder Eigenschaften verändern.
Wenn du die Runen wirklich erkennen willst so musst du dahin gehen wo die Runen früher benutzt wurde. Finde alte Kraftorte, Eichenhaine, Hügelgräber oder Bergkuppen. An diesen Plätzen sind diese Symbole durch das viele Arbeiten mit ihnen immer noch präsent. Tausende Schamanen vor dir haben an diesen Plätzen ihr Wissen vertieft, weitergegeben oder gefunden. Im Beschäftigen mit der Natur erschließt sich die Bedeutung der Runen auch für uns. Runen sind Symbole für die Natur und für den Menschen. Auch für das Zusammenwirken von Mensch und Natur sind Runen ein Symbol.
Odin hing am Weltenbaum als er die Runen „fand“. Das bedeutet nicht dass du dich auch an einen Baum hängen sollst aber in die Natur musst du gehen. Verlasse die Stadt und mache dich auf um im Wald an einem Bach zu Meditieren. Finde deine Kraft unter einer mächtigen, tausend Jahre alten Eiche. Denke über die Natur nach und über das was die Natur dir mitteilen will. Finde deinen eigenen Zugang zur Natur, zu den Runen und zur geistigen Welt. Verbinde dich mit Odin, Thor, Thyr, Freya mit allen deinen Vorfahren und deren Göttern.
Den Einstig und Beginn der Runen findest du hier im Blog doch die Bedeutung für dich die findest du nur in dir selbst. Mache dich auf und folge dem Ruf der Runen, sie werden dich zu neuen Erkenntnissen über dich selbst und deine Umwelt bringen. Vielleicht begreifst du erst dann was dein Weg durch die Zeit ist und wie du ihn gehen sollst.

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Fehu

germanisch: Fehu
gotisch: Faíhu
altenglisch: Foeh
altnordisch:
Bedeutung: Vieh
Lautwert: F
Zahl: 1
Schreiben: F / V
Kraft: aktiv
Geschlecht: weiblich
Aett: 1. Freyr
Götter: Freyr, Freyja
Baum: Holunder
Pflanze: Maiglöckchen
Kraut: Brennessel
Edelstein: Moosachat
Farbe: helles Rot
Elemente: Feuer, Erde
Halbmond: 12.  Vollmond
Zeit ca.: Mitte Nov. – Anfang Dez.
Schlagworte: Vieh, Rindvieh, Tierherde, Geld, materieller Besitz, Eigentum, Nahrung, archetypische Energie der Bewegung, ewiges Werden, bewegliche Form der Macht, aussendende Rune
Bedeutung: Übersetzt bedeutet der Name Fehu „Vieh“, genauer: Rindvieh, und man mag in der äußeren Form dieser Rune zwei Hörner erkennen, symbolisch für ein Rind des Viehbestands. Tiere oder Tierherden, insbesondere Rinderherden, wurden früher mit Reichtum gleichgesetzt, denn wer viele Tiere besaß, hatte erstens genügend zu essen und zweitens ein wichtiges Tauschobjekt. Fehu steht somit für Besitz und Reichtum, und auch Geld und materieller Besitz, der nicht gerade aus Viehherden besteht, kann sich in dieser Rune ausdrücken. Im Allgemeinen steht Fehu daher heute für Geld und bewegliches Eigentum (im Gegensatz zum unbeweglichen Eigentum, welches die letzte Rune Othala symbolisiert). Für Geld steht auch das englische „fee“ (Gebühr), welches etymologisch von Fehu abstammt (beziehungsweise vom davon stammenden altenglischen „Foeh“). Geld ist auch Ausdruck von Energie – ohne Geld fehlt auch Energie, so zumindest im modernen Lebenskonzept. Fehu ist damit auch Kraft, symbolisiert durch die Kraft des Rinds, mit welcher der Mensch erst in der Lage ist, einen Acker zu pflügen. Fehu ist die Urenergie, die ganz am Anfang der Schöpfung stand. Diese Urenergie ist groß und gewaltig, vor allem aber unkontrolliert, chaotisch und kaum faßbar. Ein Mensch, der in Ekstase oder in einen Wutausbruch verfällt, stellt dieses chaotische Energie ausgezeichnet dar. Mit Fehu ist man reich, und man ist fest in seinem Urgrund verankert, so daß man jedem Sturm unerschütterlich entgegentreten kann. Gleichzeitig sagt Fehu aber, daß ein großzügiger Umgang mit Geld und beweglichem Besitz allgemein die einzige Möglichkeit ist, Streit und Kampf aus Habgier zu verhindern. Die Rune fordert auf, nicht am Reichtum festzuhalten, sondern ihn weiterzugeben, ihn zu teilen. Die Rune steht auch für den immateriellen Besitz eines Menschen, der sich in seinem „guten Ruf“ (Ruhm) ausdrückt. Auf der spirituellen Ebene ist Fehu die Fähigkeit, die geworfenen Runen bei der Divination zu interpretieren.

Immer wieder stößt man auch auf die Deutung „Feuer“ für Fehu. Diese scheinbare Lautübereinstimmung ist jedoch eine von mehreren Fehlinterpretationen des Prof. Friedrich Fischbach, ein von romantischem Deutschtum getragener Wiesbadener Forscher, der mit seiner 1900 erschienenen Schrift „Ursprung der Buchstaben Gutenbergs“, den Grundstein zur Fehlentwicklung der esoterischen Runenliteratur legte. Er verglich antike Schriftzeichen mit den Runenformen, um deren hieroglyphischen Ursprung herauszufinden. Hierbei ging er bewußt streng einseitig vor, indem er bemüht war, jedes Runenzeichen aus der Sicht des von ihm überbetonten Feuerkults zu verstehen, was zwangsläufig zu Irrtümern und der Verwechslung der Urenergie mit dem Urfeuer in Muspelheim führen mußte. Obwohl seit 1874 der Runologe Wimmer darauf hingewiesen hatte, daß das 16’er Futhark das jüngere System ist, beharrte Fischbach auf dem überholten Standpunkt, es handele sich dabei um das Ur-Futhark. Er machte jene tragischen Fehler, welche später Guido List und andere Autoren aufgriffen und übernahmen. Leider findet man sogar in der modernen Literatur immer wieder diese frei erfundene Interpretation Fischbachs, für die es keine historischen Quellenbelege gibt.

Mythologie: Fehu ist die reine archetypische Energie der Bewegung und Ausdehnung im Multiversum. Fehu ist Ausdruck der allumfassenden und allgegenwärtigen Macht und wird durch die anstürmende Rinderherde symbolisiert. In der germanischen Schöpfungsgeschichte entstand die Welt aus Dampf, als das Feuer Muspelheims und das Eis Niflheims (siehe Isa) einander berührten und bekämpften. Dies steht sinnbildlich für eine Synthese aus Urenergie (nicht mit Urfeuer zu verwechseln) und Urmaterie. Fehu steht aber nicht für die undifferenzierte, homogene Macht der Urenergie, sondern eher für das Mysterium ihres ewigen, wunderbaren Wirkens innerhalb des ganzen Multiversums. Diese Rune ist für die der Fruchtbarkeit zugrundeliegende Kraft zuständig und ebenso sowohl für die der Erschaffung als auch der Zerstörung und das harmonische Zusammenwirken dieser beiden Extreme, aus denen dann die evolutionäre Kraft hervorgeht. Fehu ist die archetypische Kraft, welche den ewigen Prozeß des Entstehens, des Werdens, des Vergehens und neuen Werdens in Gang setzt. Das Wort „Vermögen“ bedeutet ursprünglich „Können“. Indem der Mensch die ihm anvertraute (oder auch ausgelieferte) Materie nicht verneint, sondern sie achtet und pflegt, ohne sie jedoch zum Götzen zu machen, erfährt er die Einheit des Seins im Rhythmus von Geburt, Tod und Wiedergeburt. Fehu, als Symbol für die Fruchtbarkeit und Mehrung des Viehs, ist Freyr zugeordnet, dem nordischen Gott der Ekstase und der Fruchtbarkeit. Er wird mit einem großen erigierten Penis dargestellt und sein Heiligtum war in Upsala (Schweden). Er sorgt für die Fruchtbarkeit der Menschen, der Tiere und der Natur. Freyr steht mit Fehu in enger Verbindung, und ihm werden auch die ersten acht der 24 Runen zugeschrieben (Freyrs-Aett)

Magie: Wie aus dem bereits Gesagten unschwer zu entnehmen ist, kann man die Rune Fehu für ganz gezielte magische Bereiche einsetzen: Energie, Fruchtbarkeit, Ekstase und Reichtum. Im Ruhezustand ist sie neutral, erst durch die Intentionen des Anwenders wird die Richtung festgelegt, in die es gehen soll. Magie ist neutral, und man kann sie für gute und schlechte Dinge einsetzen. Man kann sie dazu benutzen, um Energie anzuziehen, nur muß man frühzeitig bremsen, denn sonst wird die Energie zu viel, und die Arbeit verfällt ins Chaotische, Unkontrollierte. Wenn man die aufgenommene Energie dann nicht mehr kanalisieren, sie nicht mehr anwenden kann, dann kommt es zu einem Energiestau, und man explodiert auf die eine oder andere Weise – ganz nach Veranlagung. Fehu will mit seinem Konzept des Geldes und Reichtums auch daran erinnern, daß vor jeder spirituellen Reise zunächst die materielle Sicherheit des Daseins hergestellt werden sollte, welche auch Grundlage spiritueller Energie ist. Erst wenn man mit beiden   Beinen im Leben steht und Sicherheit im Leben hat, ist es auch sicher, spirituell andere Welten zu bereisen und sich sicher auf dem magischen Weg fortzubewegen. Sind diese materiellen Grundlagen nicht gegeben, führt der spirituelle Weg noch weiter vom Selbst weg, so daß man schließlich den Boden unter den Füßen und jeglichen Zugang zur Alltagswelt verliert. Fehu ist sowohl die Realität des Alltags wie auch der Katalysator für alles, was dahinter liegt. Es ist das Heim, in das man nach jeder Wanderung wieder Heimkehren muß, und sich dort den einfachen Freuden des Lebens hinzugeben. Wie Fehu Sinnbild des beweglichen Besitzes ist, so steht sie auch für bewegliche Energie, sozusagen das „bewegliche Kapital des Geistes“. Im magisch-psychischen Bereich ist das Konzept der beweglichen und übertragbaren magischen Macht eng mit dem altgermanischen Begriff des „Hamingja“ (oft als „Glück“ übersetzt, meint aber positive Energie) verbunden. Diese Energie kann von einem Einzelwesen ausgehen und ist eine mittels Fehu kanalisierte, auf ein Ziel gerichtete expansive Kraft, welche die Projektion seelischer Wesenheiten und magischer Macht von einem Menschen auf einen anderen oder von einem Menschen auf ein Objekt erleichtert.

Anwendung: Konstruktiv wirkt Fehu auf das Fließen von Energie, neutral liefert Fehu bewegliche Energie und destruktiv verwandt, blockiert sie das Fließen, und der Geldbeutel wird immer leichter. Fehu ist außerdem eine Fruchtbarkeitsrune.

Wirkung: Stärkung der psychischen Kräfte. Übertragung oder Projektion von Kraft. Förderung der persönlichen und gesellschaftlichen Weiterentwicklung sowie Vergrößerung des persönlichen Reichtums. Beeinflussung beweglicher Güter, Zerstörung feindlichen Besitzes. Amulett gegen finanzielle Schwäche oder Bedrohungen. Talisman für materielle Mehrung.

Heilrune: Zuständig für den Brustbereich und gegen Atmungsbeschwerden. Kräftigung bei Krankheit und in Zeiten seelischer Krisen, Heilung erkrankter Fortbewegungsorgane.

Orakelbedeutung: Finanzielle Stärke und Wohlstand in der Gegenwart und der nahen Zukunft. Gewonnener und/oder erworbener Besitz.

Runenbotschaft: Man hüte und mehre seinen Besitz, denn er gibt Sicherheit und Unabhängigkeit. Aber man verhafte sich ihm nicht und blockiere sich nicht durch Geiz. Noch höher als materiellen Besitz ehre man   den verborgenen Wert in seinem Inneren. Wer die Kräfte dieser Rune mißbraucht, um seine egoistischen Ziele durchzusetzen, wird auch den Fluch des Goldes erfahren. Man lerne, seine eigene Macht und seine eigene Kraft anzunehmen, erst dann kann man sie nutzen, um seine persönliche Entwicklung und die der anderen, der Gesellschaft und der Menschheit als Ganzes zu fördern. Reich sein heißt „reiches Sein“ – man werde reich, innerlich wie äußerlich, dann kann man sein Leben so gestalten, wie es seiner Bestimmung und/oder seinem eigenen Wollen entspricht.

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Uruz
germanisch: Uruz
gotisch: Úrus
altenglisch: Úr
altnordisch: Úr
Bedeutung: Auerochse
Lautwert: U
Zahl: 2
Schreiben: U
Kraft: passiv
Geschlecht: männlich
Aett: 1. Freyr
Götter: Thor (auch Loki, Odin)
Baum: Birke
Pflanze: Kapuzinerkresse
Kraut: Sumpfmoos
Edelstein: Granat
Farbe: dunkles Grün
Elemente: Erde
Halbmond: 12.  Neumond
Zeit ca.: Ende Okt. – Ende Nov.
Schlagworte: Auerochse, Opferstier, Heilung, Quelle der ordnenden und formgebenden Kräfte, kosmischer Same, natürliche Ordnung
Bedeutung: Diese Rune symbolisiert durch die typische Krümmung ihres Rückens einen Auerochsen (germanisch: Ur), und dieser ist Sinnbild für die gewaltige Kraft der Erde. Der Energie von Fehu wurde hier eine Form gegeben, und manchmal kann man bei soviel komprimierter Energie schon rot sehen. Diese Rune besitzt ein verstecktes, aggressives Potential. Uruz steht sozusagen zwischen Himmel und Erde und schöpft aus diesen Gegensätzen die Kraft, die unverwundbar werden läßt. Sie ist das Symbol für die Eigenart eines Menschen, der erdverbunden, kämpferisch und doch nie ganz von dieser Welt nach Höherem strebt. Der Auerochse verkörpert ungeheure Energie, die solange ruhig bleibt, bis sie gereizt wird. Dann kommt die Aggression zum Zuge, mit welcher das Tier um seine Freiheit und sein Leben kämpft. Aggression wird in der heutigen Gesellschaft negativ bewertet, doch tatsächlich ist es doch die allen   Menschen innewohnende Kraft, mit der man sich durchsetzen kann, mit der man wieder in die Freiheit gelangt. Die Verteufelung der Aggression läßt heute die Schwachen über die Starken herrschen. Ein gesunder und bewußter Umgang mit dieser Energie macht den Menschen vollständiger und mächtiger. Wird die Aggression heruntergeschluckt, frißt sie einen auf. Allein der Wille vermag die potentielle Energie der Aggression in Bahnen der Kreativität zu lenken. Uruz gilt auch als Gottesstier-Opferrune, da sie im Runenkalender in die Zeit des zweiten Disenopfers (altnordisch: Dísablót), beziehungsweise Samhain fällt (um Ende Oktober).

Mythologie: Der Auerochse ist ein Wildrind, das früher in fast ganz Europa angetroffen wurde. In der Bronze- und Eisenzeit zogen große Herden durch Norddeutschland. Der Auerochse wurde im 17. Jahrhundert ausgerottet und ist in den 1980’er Jahren wieder „zurück“-gezüchtet worden. Der Auerochse steht für das Wild, wie Fehu für das domestizierte Vieh steht. Der Auerochse ließ sich niemals vom Menschen domestizieren, es war immer ein freies, stolzes Tier, behielt seine Ursprünglichkeit und verteidigte tapfer und wehrhaft sein Revier. Daher ist Uruz die Rune der starken Persönlichkeit mit einer großen Regenerationsfähigkeit. Uruz ist die Rune für den Gott der heiligen Jagd und seines Schamanen. Dies ist der erste Schritt aus der Sicherheit Fehus heraus, in Richtung der Ungezwungenheit. Dieser Schritt ist aber auch mit einem Risiko verbunden. Uruz steht auch für Sterblichkeit und die Erkenntnis des Todes. Die Rune wird daher als Tor zur Unterwelt gesehen. Die Energie dieser Rune ist roh und ungestüm, maskulin, und eng mit dem Element Feuer verbunden. Mit der Tötung eines Urs bewiesen Jünglinge ihre Männlichkeit. Der Junge der seinen ersten Auerochsen tötete wurde zum Mann und damit in die ersten Mysterien des Erwachsenseins eingeweiht, die Sterblichkeit allen Seins. Uruz wird auch als Urdbrunnen (Urd war eine der drei Nornen, Schicksalsgöttinnen) gesehen, welcher Gesundheit, Leben und Einfachheit verleiht und das wesentliche Selbst offenbart.

Magie: Die Rune Fehu brachte Energie, doch dies ziemlich unkontrolliert und chaotisch. Die logische Folge ist nun Uruz, welche diese chaotische Energie in eine bestimmte Form bringt. Uruz verkörpert aber eben nicht die Form, sondern die formgebende Kraft. Weiterhin steht Uruz mit der Erdkraft in Verbindung. Man findet diese Kraft in den Kraftlinien (sogenannte Ley-Linien) der gesamten Erde wieder, welche diese wie ein Netz umspannen. Viele Kraftplätze finden sich an und auf ihnen und ihren Kreuzungspunkten. Wer sensibel ist, kann diese Kraftlinien wahrnehmen, ebenso wie die Germanen es taten. Sie erbauten darauf ihre heiligen Plätze, aus welchen dann im Zuge der Christianisierung Kapellen, Kathedralen und Kirchen wurden. Stonehenge, Glastonbury, die Externsteine, Chartre, Prag, der Heiligenberg bei Heidelberg – dies sind alles Orte auf diesen Kraftlinien. Manchmal findet man solche Kraftplätze der Erde auch mitten im Wald oder Feld. Bäume und Pflanzen wachsen dort etwas anders als anderswo, und kein Mensch weiß mehr um die Bedeutung dieses Kraftortes, doch dort kann man die Energie der Erde besonders deutlich wahrnehmen. Manchmal hat man solche Punkte sogar mitten in der Wohnung. Mit Uruz kann man die Erdenergie mit in seine Arbeit einbeziehen und sie nutzen. Mit dieser Kraft kann man heilen und wird selbst geheilt. Uruz verleiht jugendliche Kraft und fördert die Regeneration der physischen Gesundheit. Man vermag mit ihr so stark und mutig wie ein Auerochse zu werden, vorausgesetzt, man läuft nicht ständig vor seiner eigenen Kraft davon. Die Energie, welche durch die Fehu-Rune angezogen wird, vermag Uruz durch die Kraft des Willens in die Tat umzusetzen. Auch wenn es vonnöten sein sollte, einen chaotischen Zustand wieder in geordnete Bahnen zu lenken, empfiehlt sich diese Rune. Die Kraft von Uruz ist gefährlich, kann zwar begrenzt kontrolliert, nie aber gezähmt werden. Sie steht für Freiheit, Ungezügeltheit und überwältigende Kreativität, d.h. wenn man sie einzusperren versucht, wird sie einen Ausweg finden („Das Leben findet einen Weg“).

Anwendung: Uruz entspricht positiv einer beständigen, kraftvollen Erdenergie, neutral der ruhenden Erdkraft und negativ der zerstörerischen Kraft der Erde und dem Tod. Der negative Aspekt der Uruz-Rune ist die blinde Wut, die unkontrollierte Aggression, die Durchsetzung des eigenen Willens ohne Rücksicht auf andere Menschen und die Bedürfnisse der eigenen Seele. Menschen, die sich selbst besonders wichtig nehmen und bei der Ausführung ihrer Ideen über Leichen gehen, entsprechen diesem negativen Aspekt. Eine andere Schattenseite von Uruz ist das krankhafte Alles-in-eine-Form-Pressen. Um sich sein Weltbild aufrecht zu erhalten, wird alles geordnet und dem eigenen Horizont angepaßt. Was über diesen hinausgeht, wird verteufelt und als lebensbedrohend empfunden. Uruz kann zwar bei der inneren Verwurzelung helfen, doch zeigt sich ihre negative Seite auch im physischen Bereich, im Festsitzen und Festhalten an alten Mustern und Strukturen.

Wirkung: Kreatives Erschaffen und Formen äußerer Umstände durch Willenskraft und Imagination beziehungsweise Inspiration. Erlangen von Stärke, Entschlossenheit und Ausdauer. Heilung und Aufrechterhaltung eines guten geistigen und körperlichen Gesundheitszustandes. Anziehen von glücklichen äußeren Umständen. Induktion von Erdenergie. Konzentrationsfördernd. Bewußtmachen von Kausalitäten.   Erkennen und Verstehen des Selbst. Schutz vor Nachlässigkeit und Unzuverlässigkeit bei materiellen Unternehmungen. Erdung und organische Kräftigung, Steigerung der Vitalität. Talisman für die Stabilisierung und Konkretisierung geschäftlicher Vorhaben und Sicherung von Grund und Boden.

Heilrune: Zuständig für die Muskulatur, die körperliche Kraft, die Stärkung der Abwehrkräfte und die Förderung einer gesunden körperlichen Konstitution. Uruz steht eng mit der Tätigkeit des Heilens in Verbindung. Dabei geht es um die Heilung anderer Menschen und der von sich selbst. In Odins Runenlied heißt es zu Uruz: „Ein anderes weiß ich, des alle bedürfen, Die heilkundig heißen.“ Oft geht eine Krankheit mit der Entwurzelung von Körper, Seele oder Geist einher. Zu diesen Wurzeln kann Uruz zurückführen. Uruz findet bei Heilungen Verwendung, meistens in Kombination mit anderen Runen. Fehu und Uruz ergänzen sich ausgezeichnet.

Orakelbedeutung: Körperliche Kraft und Schnelligkeit, kann sich auf den Befrager und andere beziehen.

Runenbotschaft: Man achte auf das, was einen im tiefsten Inneren bewegt und antreibt und stelle den Kontakt zu seinem eigenen Ursprung (wieder) her. Man sei stark, bodenständig, wehrhaft und selbstbewußt. Man werde sich seiner wahren Ursprünge bewußt und bleibe ihnen treu – aber entwickle auch weiter, was einem gegeben wurde. Man lerne, mit beiden Beinen fest auf dem Boden zu stehen, aber auch zu gehen. Sorgfalt in kleinen Dingen bringt Kraft und innere Ruhe. Man richte seinen Blick auf das Höhere und schöpfe so aus der Quelle der Urkraft.

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Thurisaz
germanisch: Þhurisaz
gotisch: ÞiuÞ
altenglisch: Thorn
altnordisch: Þurs
Bedeutung: Riese
Lautwert: TH
Zahl: 3
Schreiben: Th
Kraft: aktiv
Geschlecht: männlich
Aett: 1. Freyr
Götter: Thor
Baum: Eiche, Weißdorn
Pflanze: Mondviole
Kraut: Gartenlauch
Edelstein: Saphir
Farbe: leuchtendes Rot
Elemente: Feuer
Halbmond: 11.  Vollmond
Zeit ca.: Mitte Okt. – Anfang Nov.
Schlagworte: Riese, Dämon Schaden, Chaos, gegen die Ordnung gerichtete Kräfte, Polarität von Leben und Tod
Bedeutung: Thurisaz bedeutet Riese (altnordisch: Thurse) und später bei den Angelsachsen auch Dorn. Thurisaz steht in enger Verbindung zu den Riesen, welche sich nach der nordischen Mythologie als Unholde für alle Unwetter und Naturkatastrophen verantwortlich zeichnen. Thor ist der einzige, unter den Göttern, welcher sie in Zaum zu halten vermag. Uruz konnte die Fehu-Energie nicht mehr halten und entlädt sich nun in Thurisaz. Sie ist die erste der „Hindernis“-Runen. Diese Hindernisse müssen nicht notwendigerweise zerstörerischer Natur sein, sondern sie werden dem Suchenden in den Weg gelegt, um ihn zu stärken. Man kann kein mutiger Held sein, ohne nicht vorher einen Drachen erschlagen zu haben. Die Lehre dieser Rune lautet: „Aus (schlechter) Erfahrung wird man klug.“, auch im Sinne von: „Man muß sein Schicksal auf sich nehmen und das Beste daraus machen.“ Was im ersten Augenblick ein negatives und zerstörerisches Element ist, kann sich durchaus in eine wichtige Lehrstunde verwandeln und der Beginn einer positiven Wende sein. Die Riesen scheinen böse und zerstörerisch gegenüber den Asen, aber sie stehen auch für Wechsel und Veränderung und bereiten den Weg für Neues. Thurisaz steht für ungezähmte Kräfte und Chaos, die sich gegen die göttliche Ordnung wenden.

Oft wird Thurisaz auch als Thors-Rune fehlinterpretiert, Aber Thurisaz bedeutet eben gerade nicht Thor. Diese falsche Annahme mag an der lautlichen Ähnlichkeit liegen, ist aber eine Verwechslung der Thursen mit deren Erzgegner Thor. Diesen Irrtum begründete 1900 Prof. Friedrich Fischbach, und er setzt sich, von Guido List und anderen Autoren brav aufgegriffen, bis heute in zahlreichen Werken über Runen fort. Auch die Fehldeutung des Runensymbols als Thors Hammer Mjöllnir, wofür es keinen Quellennachweis gibt, beruht auf diesem Irrtum. Daß Thor in Wahrheit keine ihm zugeordnete Rune besitzt, liegt daran, daß das ältere Futhark sehr viel früher entstand als der Glaube an Thor/Donar, der erst etwa Anfang des Frühmittelalters aufkam.

Mythologie: Thurisaz ist die Rune der Riesen. Um die Bedeutung dieser Rune zu verstehen, muß man die Rolle der Riesen in der germanischen Mythologie genauer betrachten. Im Schöpfungsmythos sind die Riesen die ersten Wesen, die aus dem leeren Raum, dem Ginnungagap und den in ihn hineindringenden Urelementen Feuer und Eis gezeugt worden sind. Ymir (der Rauschende) heißt der erste Riese. In ihm sind beiderlei Geschlecht vereinigt, von ihm stammen alle Riesen ab, und diese zeugen schließlich die Götter Odin, Wili (Hönir) und We (Loki). Diese töten dann Ymir, um aus dem toten Körper die Erde zu bilden und Ordnung in das Urchaos der Welt zu bringen. Die Riesen werden in ein Gebiet außerhalb der gehegten Welt (Asgard und Midgard) verbannt oder haben ihren Wohnsitz in den Elementen, die sie darstellen. Von nun an gibt es Feindschaft zwischen den Göttern und dem Geschlecht der Riesen, die immer wieder versuchen, ihre eingeschränkte Macht zurückzugewinnen und wieder das Urchaos und die Macht der Urelemente über die Welt hereinbrechen zu lassen. Der einzige, der es im germanischen Götterhimmel mit den Riesen aufnehmen kann, ist der Gott Thor oder (in Deutschland) auch Donar genannt. Der Kampf der Götter, insbesondere der Kampf Thors gegen die Riesen, symbolisiert nichts anderes, als der Kampf der Ordnung gegen das Chaos. Darum ist Thor den Menschen auch beschützender Freund gegen die Urgewalten der Natur und gegen Unheil und Gefahr. Deshalb ist Thor als Gegenspieler der Riesen dem bäuerlichen Menschen verläßlicher Freund und Beschützer im Kampf gegen die Urgewalten der Natur. Thor vertreibt die Riesen mit seinem Hammer Mjöllnir (der Zermalmer), den man zum Schlagen benutzen, aber ebenso auch werfen kann, wobei er wie ein Bumerang wirkt. Eine weitere, allerdings angelsächsische Bedeutung der Thurisaz-Rune ist im Schlaf- und Todesdorn Wotans zu sehen, mit der er die ungehorsame Walküre in Schlaf versetzt, sie so dem irdischen Schicksal geweiht wird und sie den Weg der Entmachtung und Erniedrigung als ehemals weibliche (vanische) Gottheit, durch die Vorherrschaft des Mannes, gehen muß. Die Erweckung der Walküre durch den Helden basiert auf dem urindogermanischen Mythos des Erweckens der sich im Winterschlaf befindlichen Natur durch die Kraft der Sonne im Frühjahr.

Magie: Thurisaz ist eine der mächtigsten Runen des Futhark und auch die Unberechenbarste. Daß diese schon an dritter Stelle kommt, ist eine Prüfung für alle Menschen, die sich mit den Runen wirklich auseinandersetzen wollen. Viele hören genau an diesem Punkt damit auf, sich weiter für Runen zu interessieren, denn sie bemerken plötzlich, daß es wirklich funktioniert und man spürt, daß das Runensystem nicht nur Esoterik-Geschwätz ist, sondern daß tatsächlich Kraft dahinter steckt – und die verträgt nicht jeder. Thurisaz bringt den Menschen mit der unkontrollierbaren Kraft seines Unbewußten in Verbindung. Wenn man sie unterdrückt, regt sie sich erst recht. Thurisaz zwingt einen dazu, sich mit seinen Schatten auseinanderzusetzen, und wahrscheinlich ist das der Grund, warum so viele Menschen es bei Thurisaz mit den Runen auch wieder aufgeben. Die wilde psychische Kraft von Thurisaz ist auch in der Tat nicht ungefährlich, weil diese Rune sozusagen an der Schwelle des Bewußtseins operiert und sehr problematisch werden kann, wenn man nicht weiß, was im Unbewußten eigentlich vor sich geht. Die ursprünglich chaotische Energie von Fehu wird durch Uruz in verwendbare Bahnen gelenkt und kann in Thurisaz als Explosion ans Tageslicht treten. Ein ordentlicher Wutanfall ist Thurisaz. Aber auch das Wissen um seine Kraft und Unbesiegbarkeit symbolisiert diese Rune. Gerade aus diesem Grund stellt sie eine der mächtigsten aktiven Schutzrunen des Systems dar. Darüber hinaus bietet sie Hilfe bei Studien und Meditationen, und führt zur Selbstdisziplin. Man kann die Rune zur aktiven Verteidigung in jeder Form verwenden. Wie in der Realität auch, sollte man dabei ohne Sentimentalität vorgehen, aber auch jede unnötige Grausamkeit vermeiden.

Anwendung: Konstruktiv angewandt, kann diese Rune aktiven Schutz darstellen, in neutraler Form ähnelt sie einem Energiestoß und destruktiv ist Thurisaz eine chaotische, alles zerstörende Energie. Thurisaz ist eine Rune der Extreme, und sie läßt sich nur mühsam neutral halten. Aus diesem Grund sollte man am Anfang vorsichtig mit Thurisaz umgehen, da sonst mehr Schaden als Nutzen entsteht. Thurisaz kann in einer Botschaft als Warnung dienen und wird neben Isa in Flüchen verwendet.

Wirkung: Aktive Verteidigung. Zerstören von Feinden. Fluch (altnordisch: Nidstang). Umsetzen des Willens in Handlung Vorbereitung für die Entwicklung in allen Bereichen. Liebesmagie. Amulette gegen Gewaltausübung durch Gegner. Talismane für Liebesbeziehungen.

Heilrune: Man kann Thurisaz auch mit den Schmerzen einer schweren Geburt in Verbindung bringen. Die Kräfte, die während der Geburt eines Kindes walten, lassen einen wirklich die gewaltigen Urkräfte nachvollziehen, welche die Gebärende ganz und gar erfassen, mit sich reißen in einen Zustand zwischen Leben und Tod, um schließlich doch das Leben siegen zu lassen.

Orakelbedeutung: Schmerzvolle Ereignisse, Disziplin, Wissen, Fokus, gerichtete Energie, Dorn. Thurisaz   deutet an, daß ein Konflikt oder ein Problem endgültig nur mit einer Konfrontation gelöst werden kann und durch Kompromisse und zögerliches Abwarten nur aufgeschoben wird. Probleme verschlimmern sich, wenn man sie ignoriert. Thurisaz könnte in seiner Wirkung mit Hagalaz verwechselt werden. Thurisaz symbolisiert jedoch die rohe Gewalt, die von den Ordnungsmächten der Natur in Schach gehalten wird, während Hagalaz die Kräfte symbolisiert, die in der Materie wohnen und aus dieser freigesetzt werden. Hagalaz ist daher eine Rune, die auf verschiedene Energiezustände hinweist, die ihre Wirkung in der Welt unterschiedlich vollziehen. Hagel kann die Ernte vernichten, tut dieses jedoch äußerst selten. Hagel wird hingegen sehr schnell von seinem festen Zustand wieder in den Flüssigen versetzt, wechselt seine Energie unmittelbar, wird wieder zu Wasser und dient der Fruchtbarkeit des Feldes. Das Zusammentreffen von Hagalaz und Thurisaz ist ein äußerst ernster Zustand. Ein solcher Zustand würde im Extremfall bei einem Reaktorunfall eines Atomkraftwerkes oder bei der Explosion einer Atombombe entstehen. Hier treffen rohe Gewalt und energetische Umwandlung auf absolut zerstörerische Weise zusammen. Man kann nur hoffen, daß einem die Kombination von Hagalaz und Thurisaz erspart bleibt. Das Antreffen der beiden Runen für sich allein kann zwar Unannehmlichkeiten und auch Schmerzen bedeuten, aber niemals die Bedrohung der eigenen Existenz. So kann die Kombination von Thurisaz und Naudhiz auf einen bedrohlichen Zustand hinweisen, der durch Gewalt entsteht. Das können die Gewalten der Natur sein, oder sie können auf einen Unfall hinweisen. Die Kraft von Hagalaz kann man durch tiefe Reife- und Transformationsprozesse nutzen lernen. Naudhiz zwingt durch seine Macht zur Wandlung, aber gegen die Macht von Thurisaz schützen nur die Götter (beziehungsweise das Göttliche im Menschen), denn es gibt keine Verbindung zwischen Menschen und Riesen, nur zwischen Riesen und Göttern, und die Götter treten wieder mit den Menschen in Verbindung, beziehungsweise sind als Archetypen im Menschen verankert.

Runenbotschaft: Man sei sich der Gegenkräfte gewahr und schließe nicht die Augen vor ihnen. Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen. Zum Leben gehört auch der Mut zum   Konflikt. Hindernisse sind dazu da, furchtlos, aber umsichtig überwunden zu werden. Man vertraue seinem Willen und seinem innerem Impuls. Man diene mit diesen Kräften der Schöpfung. Man tue, was zu tun ist.

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Ansuz
germanisch: Ansuz
gotisch: Ansus
altenglisch: Ós
altnordisch: Áss
Bedeutung: Wind
Lautwert: A
Zahl: 4
Schreiben: A
Kraft: passiv
Geschlecht: männlich
Aett: 1. Freyr
Götter: Odin
Baum: Esche
Pflanze: Purpurwinde
Kraut: Fliegenpilz
Edelstein: Smaragd
Farbe: dunkles Blau
Elemente: Luft
Halbmond: 11.  Neumond
Zeit ca.: Ende Sep. – Mitte Okt.
Schlagworte: Wind, Atem, Inspiration, Gott (Ase), Ekstase, spirituelle Macht, Wort, Dichtung, Gesang, Wissen, Mund (Quelle göttlicher Äußerungen)
Bedeutung: Diese Rune symbolisiert den Wind, welcher alles durchdringen kann. Der Wind steht auch für die Kommunikation. Diese Rune repräsentiert die gewaltige Energie und Stärke von Uruz, kombiniert mit der Disziplin und Erfahrung von Thurisaz. Diese Elemente werden auch in Odin kombiniert, der die Charakteristiken des Häuptlings mit denen des Schamanen kombiniert. Odin ist der Gott des Krieges und der Weisheit. Ansuz ist eine ausbalancierte Rune. Wie bei Fehu entscheiden sich viele Menschen an diesem Punkt ihrer Reise zu verharren. Ansuz repräsentiert Macht, sowohl weltlich wie auch magisch, und ihre Macht kann sehr verführerisch sein. Odin lernte die Lehren der ersten drei Runen und so ist es ihm möglich, weise zu herrschen, aber eigentlich ist dies nur ein neuer Anfang. Es fehlen noch viele Elemente in diesen drei Runen und damit auch in seiner Erfahrung.

Mythologie: Ansuz unterstützt den Kontakt zu den Gottheiten, und Odin hat einen besonders starken Bezug zu ihr. Ansuz steht für die Asen, deren höchster Odin ist. Dies ist übrigens nicht überall in der germanischen Welt so. Manchmal steht Tyr an der Spitze, manchmal Thor. Dies ist von Region zu Region verschieden und auch eine Frage der Zeitepoche, denn zu Beginn der nordischen Kultur steht Odin noch nicht an der Spitze der Götter. Ursprünglich befand sich Tyr dort und wurde später durch Odin verdrängt. Odin ist es schließlich auch, der im späteren Verlauf der Geschichte den ersten Menschen den Atem (Önd, Ond oder Anda) verleihen wird. In Indien nennt man diesen Lebensatem Prana, manche deutschen Mystiker nannten es Od, und im allgemeinen heißt die Lebensenergie auch heute noch in Deutschland Atem oder Odem. Ansuz steht also in enger Verbindung mit den Asen und so auch mit Odin. Manchmal wird in der Form der Ansuz-Rune der wehende Umhang des Gottes Odin gesehen. Ihre Form könnte aber auch auf das Piktogramm eines fliegenden Raben zurückgehen (wenn man sie um 90° nach links dreht). Der Rabe ist ebenfalls ein Sinnbild Odins, denn zwei Raben begleiten ihn überall hin. Sie heißen Hugin (Sinn, Gedanke) und Munin (Erinnerung, Wille) und raunen dem Gott ins Ohr, was sie auf ihrem Flug durch die Welt sahen und tragen ihm Informationen aus aller Welt zu. Die Asen spenden den Menschen den Atem, die Luft zum Leben und die Luft des Lebens. Die beiden Runen Thurisaz und Ansuz halten das kosmische Gleichgewicht aufrecht, Ansuz als Prinzip der Ordnung und Thurisaz als Prinzip des Chaos. So verwundert es auch nicht, daß Odin, welcher ja von den Riesen abstammt, oft selbst als Gott des Chaos auftritt und sich immer mit einem Fuß am Rand der sogenannten Legalität bewegt. Odin gleicht in vielem Merkur, dem Gott der Händler. So steht Odin auch für die Kommunikation und die Beseelung der Welt durch das Wort. Wenn man Dinge beim Namen nennen kann, verlieren sie ihre Macht und Wirkung dies ist bei Wesen der Anderswelt genauso wie bei psychosomatischen Krankheitsbildern. Ansuz ist die Rune des Odin als Gott der Magie und der Ekstase, die Rune des Empfangens, des Bewahrens, des Umwandelns und des Ausdrückens von spiritueller Macht und göttlichem Wissen. Diese Kraft wird direkt von den Asen empfangen und in der Menschheit transformiert, um dann gegenüber dem Multiversum wieder in Form magischer und religiöser Handlungen zum Ausdruck gebracht zu werden. Ansuz verkörpert das Medium, durch welches göttliches Wissen empfangen wird, den Träger dieser Macht, und die Kraft selbst, die sich als ekstatischer Zustand manifestiert. Diese Gleichheit von Träger und Inhalt kommt bei den Symbolen für einen Zustand der Inspiration oder der Ekstase häufig vor. In der nordischen Mythologie sind sowohl der poetische Met der Inspiration als auch das Gefäß, welches ihn enthält, unter dem Namen Odhroerir (derjenige, der Inspiration auslöst) bekannt. Ansuz ist die Ekstase, aus der ein großer Schatz an Weisheit und Wissen hervorgeht. Ansuz ist die Rune des Wortes, des Gesanges, der Dichtkunst und der magischen Beschwörung (Galdr) als Träger und Ausdrucksform magischer Kraft. Ansuz verkörpert die magische Kraft der Vorfahren, etwas, das von einer Generation an die andere weitergegeben wurde. Ansuz stellt ein ekstatisches Konzept dar, das die stabile institutionelle Kraft der Heimrune Othala ergänzt. Das Wissen und die Magie der Sprache empfingen die Ahnen von den Göttern und gaben es an alle weiteren Generationen durch das gesprochene Wort weiter, den Atem des Lebens. Hier liegt ein entscheidender Unterschied zwischen der mündlichen und der schriftlichen Form von Überlieferung. Ansuz ist die Rune der Poeten. Sie zeigt den ersten Schrei eines Neugeborenen, den letzten Schrei eines Sterbenden und das Flüstern in der Dunkelheit, welches die Angst vertreibt. Es ist die Rune der wilden Jagd, der Götter, welche die heulenden Winde reiten, die verlorenen Seelen sammeln und in die Arme der wartenden Ahnen führen. Sie kann dazu verwendet werden, Inspiration und Verständnis auszulösen. Sie fördert poetische Fähigkeiten.

Magie: Ansuz steht für den Wind, in dessen Säuseln das Flüstern Odins allgegenwärtig ist. Ansuz hilft, weise Entscheidungen zu treffen, verleiht Erfolg und Führerschaft und ist eine Hilfe bei Divination und Magie. Was Thurisaz fesselt, kann Ansuz lösen. Mit dieser Rune ist es möglich, sich aus den Fesseln der eigenen Ängste zu befreien, um der Selbsterkenntnis näherzukommen. Eine wichtige Funktion von Ansuz ist neben der Befreiung aus verschiedenen Fesseln die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mit den Göttern – also den von ihnen repräsentierten Kräften und Archetypen im Menschen. Wenn man sich in einer verzwickten Situation befindet, fängt man manchmal zu beten an. Dieses Beten stellt eine Art der Kontaktaufnahme dar, und in der Regel bekommt man auch durch die Ansuz-Kraft Hilfe. In diesem Augenblick durchflutet den Menschen die kosmische Inspiration (das unbewußte Wissen) und hilft ihm aus dem Schlamassel heraus. Über die Ansuz-Rune kann man Kontakt zu den Göttern (dem Unterbewußtsein) und zur Geschichte seines Volkes aufnehmen. Ob dies in Form von Gebet oder Meditation geschieht, ist dabei nicht von Bedeutung. Fehu und Ansuz stehen in einer engen Beziehung zueinander. Fehu repräsentiert das kosmische Feuer, die chaotische Energie des Lebens, während Ansuz für das geistige Feuer des Lebensatems steht. Bei der magischen Arbeit kann man Ansuz benutzen, um Kontakt mit seinen Vorfahren aufzunehmen und über diese Visualisierungshilfe zu den Quellen des alten (unbewußten) Wissens zurück zu gelangen. Auch wenn man sich bei der Arbeit der Hilfe der weisen Götter (ebenfalls unbewußtes Wissen) bedienen möchte, kommt diese Rune zum Einsatz. Eines der Elemente Odins ist der Wind; so kann Ansuz dazu verwendet werden, den Wind zu besänftigen oder ihn zu rufen. Dies ist neben der tatsächlichen Bedeutung auch bildlich zu verstehen: Immer dann, wenn es Zeit für frische Luft ist, kommt Ansuz zum Zuge. Im negativen Sinne kann diese Rune auch dazu verwendet werden, einem Lebewesen den Atem zu nehmen. Zu diesem Zweck bedient man sich noch weiterer Runen, so daß sich eine wirkungsvolle Binderune ergibt. „Den Atem nehmen“ bedeutet in kleinerem Rahmen, jemanden zum Schweigen zu bringen   und im Großen, jemandem das Leben, beziehungsweise die geistige Kraft nehmen.

Anwendung: Positiv angewandt, stärkt Ansuz die Kommunikation mit den Gottheiten beziehungsweise dem Archetypischen im Menschen, neutral stellt sie die überall vorkommende Energie des Universums dar und in ihrer negativen Ausformung bringt sie den Anwender zurück zu allem Irdischen. Gerade bei der sogenannten negativen Ausformung dieser Rune erkennt man die Sinnlosigkeit jeglicher Wertung in diesen Bereichen.

Wirkung: Steigerung sowohl der aktiven als auch der passiven magischen Kraft divinatorischer Fähigkeiten. Überzeugungskraft des sprachlichen Ausdrucks, Macht der Suggestion und Hypnose. Erlangen von kreativer Weisheit, Inspiration, Ekstase und Kommunikation mit Göttlichem. Verbannung von Tod und Furcht durch das Wissen. Förderung der Inspiration und Überzeugungskraft, Zugang zu Ekstase und Kreativität. Amulette gegen Intrigen und üble Nachrede. Talismane für sprachliche Aktivitäten und zur Steigerung der Intuition und Sensitivität.

Heilrune: Zuständig für Mund, Zähne und Sprachstörungen. Behandlung von Organen des Sprechens und deren Erkrankungen, unterstützend bei Heilsuggestionen. Ansuz kann auch als Lebensretter-Rune dienen. Man kann zum Beispiel nach einem schweren Unfall während der Erste-Hilfe-Maßnahmen Ansuz projizieren, um Hilfe und Unterstützung der Götter (in diesem Fall innere Heilkräfte) zu gewährleisten.

Orakelbedeutung: Segnungen, vor allem in Zusammenhang mit Religion. Der Trost des Glaubens. Autorität, Führer, Balance zwischen Körper und Geist, Gerechtigkeit.

Runenbotschaft: Man erkenne die Macht des richtigen Gedankens. Man lasse die Inspiration zu, indem man sich ihr von ganzem Herzen öffnet. Man lege alle Vorurteile ab. Man lausche der göttlichen Stimme in seinem Inneren, man finde die Wahrheit und werde wahrhaftig. Gemeint ist der Geist Odins oder Wotans, die Verständigung mit dem Göttlichen im Menschen selbst. Hier wird die Einheit zwischen menschlichem Bewußtsein und göttlichen Gedanken symbolisiert; auch im Sinne der platonischen Ideenlehre, wonach alle   Gedanken Erinnerungen sind, die aus dem göttlichen Ursprung des Menschen kommen. Die Raben Hugin (Gedanke) und Munin (Erinnerung) als Begleiter Odins zeigen die Wichtigkeit dieses Prinzips. Gedanken und Erinnerungen sind die ständigen Weggefährten im Leben.

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Raidho
germanisch: Raiðo
gotisch: Raiða
altenglisch: Ráð
altnordisch: Reið
Bedeutung: Reiten
Lautwert: R
Zahl: 5
Schreiben: R
Kraft: aktiv
Geschlecht: männlich
Aett: 1. Freyr
Götter: Thor
Baum: Eiche
Pflanze: Löwenmaul
Kraut: Beifuß
Edelstein: Chrysopras
Farbe: leuchtendes Rot
Elemente: Luft
Halbmond: 10.  Vollmond
Zeit ca.: Mitte Sep. – Anfang Okt.
Schlagworte: Reiten, Rhythmus, Reisen (auch Geist- und Astralreisen), Weg, Wagen, Konzentration der Kraft auf ein Ziel, Urteil, Ratschlag, innere Ordnung, Reise der Seele nach dem Tod, Reise-Amulett
Bedeutung: Raidho bedeutet Ritt und Rhythmus. Die Rune symbolisiert den Rhythmus des Reitens, der Bewegung und die Gabe, zur rechten Zeit am rechten Platz zu sein, und somit Glück im Leben zu haben. Raidho ist das Gesetz des Wirklichen und umschreibt die Reise Suchender auf den Wegen der geistigen Welt ihrer Vorfahren. Sie symbolisiert die Bewegung und Entwicklung nach den Naturgesetzen. Damit kann Raidho auch als Rune des Schicksalsprinzips gesehen werden, als Vollendung der Lebensgesetze in und um dem Menschen. Raidho beschreibt den Weg des Lebens, den der Mensch in einer feindlichen und fremden Umwelt zu durchreisen hat. Die Erfahrungen, die er auf seiner Lebensreise sammelt, ermöglicht es ihm, sein Urteilsvermögen zu entwickeln und Weisheit zu erlangen. Immer wieder wird der Krieger getrieben, durch die feindliche Welt zu reiten, diese in all seinen Erscheinungsformen kennenzulernen und so Wissen und Urteilsvermögen zu erlangen, indem er die Gesetze des Lebens kennen und verstehen lernt. Dies steht in Verbindung mit der germanischen Rechtsprechung, die sich an den Naturgesetzen orientiert. Sie strebt den Ausgleich oder die Wiederherstellung des durch menschliche Tat wider den Naturgesetzen gestörten Gleichgewichtes an. Nur derjenige kann Recht sprechen, der genug von der Welt gesehen hat und sich nicht scheut, immer wieder in sie hinauszutreten. Die verwöhnten Sprößlinge einer dekadenten Wohlstandsgesellschaft sind nicht in der Lage, Recht zu sprechen, sie sind nur die Knechte der Entfremdung von der Weisheit der Ahnen. Erkenntnisse möchten in die Tat umgesetzt werden. Wissen, das nicht umgesetzt werden kann oder wird, ist trocken und verliert seine Kraft; ganz besonders in Zusammenhang mit der eigenen Entwicklung. Gerade diesen Prozeß beschreibt die Abfolge Ansuz-Raidho vortrefflich. Das durch Ansuz gewonnene Wissen (die Inspiration des göttlichen Geistes) wird durch die folgende Raidho-Rune in Bewegung gebracht. Das Gehen, das Reisen und die Fortbewegung schlechthin sind die treffenden Sinnbilder dieser Rune, und zu all dem gehört auch der Rhythmus, und damit hat man den wichtigsten Aspekt dieser Rune dazugewonnen: Reisen im eigenen Rhythmus fordert den richtigen Weg. Letzterer ergibt sich nämlich ganz von selbst, wenn man sich wirklich in seinem eigenen Rhythmus bewegt und die Fremdbestimmung, soweit es nur geht, hinter sich läßt. Das Leben bringt es mit sich, daß man sich nach anderen Menschen richten muß, daß man sich zum Beispiel bei seiner Lohnarbeit nach einem fremden Rhythmus zu richten hat – dabei gibt man sich selbst teilweise auf und verläßt den eigenen Weg. Dabei wären Menschen, die ihren eigenen Takt und ihre eigenen Zeiten gefunden haben, wesentlich zufriedener mit sich selbst, und vor allem wären ihre Leistungen wesentlich effizienter. Raidho steht für eine Suche, eine Reise oder allgemein den rechten (im Sinne von „richtig“) Weg. In diesem Zusammenhang steht Raidho auch für die Strecken, welche die Sonne und die Sterne auf ihren zyklischen Bahnen zurücklegen. Jeder kann mit etwas Übung auf einem Pferd kurze Entfernungen zurücklegen. Das Geheimnis dieser Rune ist unter anderem aber die Ausdauer. Hohe Ziele erreicht man nur, wenn man das Ziel nicht aus den Augen verliert und mit echtem Willen den Weg hinter sich bringt, ohne sich dabei durch Probleme vom Ziel abbringen zu lassen.

Mythologie: Raidho steht mit Thor im Zusammenhang und symbolisiert das Rad seines Streitwagens. Dreht man die Rune um 90° im Uhrzeigersinn, kann man diese Symbolik erkennen. Raidho ist auch das Rad des Sonnenwagens. Raidho steht für den Weg im Leben eines jeden und wie er mit anderen Wegen zusammentrifft oder sie kreuzt. In der nordischen Mythologie werden diese Pfade als Fäden auf einer Spindel des Schicksalsrades gesehen, die von den Nornen gesponnen werden. Die Nornen sind drei Schwestern, die nahe bei der Wurzel Yggdrasils wohnen und diese mit dem Wasser aus der Quelle des Wyrd (altnordisch: Schicksal) begießen. Sie spinnen sowohl die Fäden der Götter, wie auch die der Menschen, aber was am wichtigsten ist, sie verstehen die Zusammenhänge zwischen Runen und Magie. Dieses komplexe Gebilde aus Fäden bildet ein Netzwerk. Jedes Ereignis formt einen anderen Weg auf diesem Netz. Wenn man an einem Faden vibriert, zittern viele andere mit ihm. So können bestimmte Ereignisse wieder zurück auf die Sicherheit Fehus schlagen, ohne daß man dies wirklich wollte. Raidho erinnert daran, daß, obwohl man seine Ziele erreicht hat (Ansuz), das Leben stetig weiter geht und man auch nicht stehen bleiben kann. Vielleicht kommt man sogar dort an, wo man gestartet war, aber auf einer anderen Ebene, die Reise endet niemals…

Magie: Raidho ist als Rune des Rhythmus und des Tanzes auch grundsätzlich die Rune des Kultes und der Rituale. Das Wort Ritual stammt sogar etymologisch von Raidho ab. Man „reitet“ ein Ritual in einem bestimmten Rhythmus, und jedes Ritual ist auch eine Reise in die geistige Welt. Das Ritual ist eine rhythmische Abfolge von magischen Handlungen, mit der man die Persönlichkeit und somit die Umwelt verändern kann (wie innen – so außen). Da Raidho ganz wesentlich mit dem Rhythmus des Lebens zusammenhängt, kann man diese Rune natürlich dazu verwenden, wieder in diesen Rhythmus hinein zu kommen und dann zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein – was wiederum die Wunder des Lebens ermöglicht. Durch Raidho kann man sich den Lebensweg ebnen, da man über die Stolpersteine hinwegsetzt. Durch die Raidho-Kraft wird man zum Ritter seines eigenen Lebensweges, man reitet selbst und wird nicht geritten. Raidho beschützt das Reisen. Alles, was man mit dem Reisen in Verbindung bringen kann, trifft meist auch auf Raidho zu. Ein Raidho-Amulett ist ein guter Schutz für ein Fahrzeug.

Anwendung: Konstruktiv angewandt, bringt Raidho die Gabe des Glücks und des in der eigenen Kraft ruhenden Lebens, neutral stellt sie die kosmischen Rhythmen dar, und destruktiv führt sie aus dem Rhythmus heraus, läßt manchmal sogar alles rückwärts ablaufen, oder Begebenheiten wiederholen sich, als Fluch oder zur Erkenntnis.

Wirkung: Förderung ritueller Fähigkeiten und Erfahrungen. Hilfe zum Zugang zu „innerer Führung“. Stärken des Bewußtseins für richtige und natürliche Vorgänge. Verschmelzen des persönlichen mit dem Weltrhythmus. Erfahrung von Gerechtigkeit. Förderung von Mobilität. Beschleunigen oder Stabilisieren von Zyklen. Festigung der eigenen Mitte. Schutz auf Reisen. Sieg bei Gerichtsprozessen. Amulette gegen Prozeßverluste und Reiseunfälle. Talismane für Gerichtsverhandlungen und Reisen. Die negativen Aspekte von Raidho sind: Stagnation, Unbeweglichkeit, Verlieren des Rhythmus beziehungsweise der Kontrolle über das „Pferd“. Somit kann man die dunkle Seite der Rune auch benutzen, um jemandem „vom hohen Roß“ zu werfen. Die Beschäftigung mit Raidho oder die Wirkung ihrer Energie trägt manchmal seltsame Früchte, denn um in den eigenen Rhythmus zu kommen, zerstört die Rune oft den alten völlig. Die alten, längst überfällig gewordenen Mauern werden niedergerissen, und man steht vor einem Scherbenhaufen, aus dem man mit neuem Rhythmus und neuer Identität wieder ins Leben hervorgeht.

Heilrune: Zuständig für Beine und Gesäßbacken. Einsatz zur Wiederherstellung einer gesamtorganischen Ordnung von Geist und Körper. Behandlung rhythmischer Störungen.

Orakelbedeutung: Reise, sowohl physische als auch weltanschauliche. Die richtige Entscheidung fällen und ausführen. Die Rune kann für einen Vorgang der Veränderung stehen.

Runenbotschaft: Man lerne die Welt und ihre natürlichen Gesetze kennen, nach denen sich alles bewegt. Man werde durch sie weise und gerecht. Bei Raidho geht es um den Rhythmus und um den eigenen Weg. Man sollte einfach mal sein eigenes Leben betrachten und sehen, wieviel davon von einem selbst bestimmt wird und wieviel man wegen den Anforderungen von außen macht. Man sollte versuchen, hierbei mindestens ein Verhältnis von 51:49 herzustellen. Dabei ist es ausgesprochen wichtig, daß man erst einmal wieder lernt, etwas für sich selbst zu tun, somit herauszufinden, was man selbst will und – natürlich – seinen eigenen Rhythmus zu finden. Selbständig arbeitende Menschen haben es da wesentlich leichter als die Knechte von Lohn und Brot, aber es geht bei beiden, wenn der Willen und die Inspiration vorhanden sind. Man denke einfach nur an die bisherige Abfolge des Futhark: Fehu liefert die Energie, Uruz die Bodenständigkeit und den Willen, Thurisaz die Wut und die Kraft, Ansuz die göttliche Inspiration des Geistes und Raidho den Rhythmus des eigenen Lebens. Nach dem Willen und dem Geist formt sich nun der Rhythmus einer Struktur heraus und kann Anwendung finden. Ein Pferd hört man schon von weitem kommen, man erkennt dessen Geschwindigkeit am Rhythmus des Hufschlags. Somit erschließt sich hier die Bedeutung der Raidho-Rune in Bezug auf das Reiten, einer der wichtigsten Fortbewegungsmethoden früherer Zeiten. Das Pferd ist ja seit seiner Domestizierung ein Freund des Menschen, und es gibt wohl nur wenige Tiere, mit denen man eine so innige Beziehung aufbauen kann wie mit Pferden. Wichtig beim Reiten ist der Einsatz des eigenen Willens, denn wenn das Pferd bemerkt, daß man diesen verliert, wird es einem mit seinem eigenen Willen durchgehen. Raidho hat also auch etwas mit der Kontrolle des Weges durch den eigenen Willen zu tun. Hier hält sozusagen die Struktur in das menschliche Leben Einzug. Es geht bei dieser Rune jedoch nur um die Symbolik oder die Tätigkeit des Reitens und nicht um das Pferd selbst. Dieses kommt erst im letzten Aett zum Zuge. Raidho steht mit dem Prinzip der Fortbewegung in Verbindung und dank des Laufs der Zeit kann man sich bewegen, ohne den Ort zu verlassen. Die Zeit wird zum Transportmittel der Entwicklung. Mit den Runen kann man verändernd auf den Rhythmus des Lebens einwirken.

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Kenaz
germanisch: Kenaz, Kaunaz
gotisch: Kusma (Schwellung)
altenglisch: Cén
altnordisch: Kaun (Geschwür)
Bedeutung: Feuer
Lautwert: K
Zahl: 6
Schreiben: K / Q / X
Kraft: passiv
Geschlecht: weiblich
Aett: 1. Freyr
Götter: Heimdall, Freyja
Baum: Föhre, Kiefer
Pflanze: wilde Rose
Kraut: Sumpfdotterblume
Edelstein: Blutstein
Farbe: helles Rot
Elemente: Feuer
Halbmond: 10.  Neumond
Zeit ca.: Anfang Sep. – Ende Sep.
Schlagworte: Feuer, Fackel, Kien(span), Erneuerung durch Tod und Opfer, Rune des Schmiedes und des Künstlers, Transformation, sexuelle Liebe, Entzündung, Schaden durch Feuer, Geschwür, assoziiert mit dem Kulten der Göttin Nerthus
Bedeutung: Kenaz bedeutet Kien(span), Fackel oder Feuer. Wenn man die Sonnenstrahlen in einem Parabolspiegel einfängt, entsteht im Brennpunkt extreme Hitze. Ein solches Feuer symbolisiert Kenaz. Somit kann man diese Rune als Rune der Erkenntnis bezeichnen, welche erst durch die Spiegelung in einem Gegenüber ermöglicht wird. In der modernen Version bedeutet das schottische „Ken“ soviel wie „wissen“ oder „verstehen“, und so sollte diese Rune auch interpretiert werden. Heute werden Inspiration und Wissen häufig mit Licht gleichgesetzt: „jemandem geht ein Licht auf“, oder bildlich erscheint er mit einer Glühbirne über dem Kopf. So bildlich kann man diese Rune auch deuten. Kenaz steht auch für das Licht von Sonne und Mond, und die Rune ähnelt in der Form doch einer Mondsichel. Anders als bei Thurisaz erlaubt Kenaz lediglich kleine Stücke der Weisheit zu erfahren, nur soweit man es braucht. Meistens kommt die Erkenntnis in Form einer plötzlichen Eingebung, und man sieht dann klar, was sonst verborgen war. Diese Denkweise ist mehr mit der rechten Gehirnhälfte verbunden, der Hälfte, die bei Frauen ausgeprägter ist. Dem Reisenden durch die Runen wird mit Kenaz ein weibliches Element mitgegeben. Kenaz ist das Symbol für Umwandlung jeder Art, ob diese im Inneren eines Menschen stattfindet (in Form einer Erleuchtung) oder diese sich auf der Ebenen der Umformung von Energie in Materie vollzieht. Auch das Feuer einer Idee und Erkenntnis, die im Inneren brennt und den Menschen erleuchtet, ist hier gemeint. Kenaz ist auch das Feuer der Leidenschaft, das im Menschen brennt und ihn zu verzehren droht. So versinnbildlicht Kenaz darüberhinaus die sexuelle Energie, die der Eingeweihte zu seiner Wandlung und Vollkommenheit nutzt. Auch diese Energie muß in geordneten Bahnen gehalten werden. Kenaz mahnt, den Körper rein zu halten, denn alles, womit man sich schadet und seine Lebensenergie schwächt, geht auch auf seine Nachkommen über. Kenaz ist aber wie ein Parabolspiegel eben auch ein Spiegel. Schaut man in einen so geformten Spiegel hinein, sieht man seltsam aus, aber durch den vergrößernden Effekt, kann man einzelne Dinge besser erkennen (Schminkspiegel sind deshalb häufig Hohlspiegel). Ähnlich ist es auch in der nicht ganz so alltäglichen Wirklichkeit. Kenaz verwandelt das Selbstbild erheblich. Das Feuer der Erkenntnis erhellt schonungslos das vergrößerte Detail, und somit kommt man wieder bei der Bedeutung dieser Rune als Fackel an. Reflektieren bedeutet auch, über etwas nachzudenken und es mit dem Intellekt zu durchleuchten, sich eine eigene Meinung zu etwas zu bilden. Man schafft sich also ein eigenes Bild, welches sich aus den erhaltenen Informationen und den eigenen Erfahrungen zusammensetzt. Die Reflektion des Intellekts erleuchtet also das Bewußtsein und bringt Licht in das Dunkel des Unterbewußtseins. Kenaz ist auch für das Konzept der Verwandtschaft (engl.: kin) von Bedeutung, besonders in Zusammenhang mit jenem Teil der Stammesüberlieferungen, der eine Einheit der lebenden und toten Stammesmitglieder vertritt. Eine andere, aber sekundäre Bedeutung von Kenaz ist im Jüngeren Futhark in Form der Kaun-Rune zu finden, die statt der Kenaz-Rune im Älteren Futhark jetzt den K-Laut vertritt. „Kaun“ bedeutet im Nordischen Geschwür und das damit verwandte gotische „Kusma“ (Schwellung), und geraten die Kenaz-Kräfte außer Kontrolle, mag Kenaz tatsächlich zum Geschwür werden, welches ungezügelt wächst und ein   negatives Feuer (Fieber, Entzündung, Wundbrand) verursacht. Die Zerstörung des Gesunden durch destruktive Energie ist die Bedeutung der Kaun-Rune.

Mythologie: Ein weiterer Aspekt von Kenaz ist die Erzeugung eines Dritten aus der Vereinigung von Zweien. Gegensätze werden in einer ästhetischen Art und Weise zusammengefügt und das Ergebnis dieser Vereinigung im Sichtbaren manifestiert. Kenaz ist daher die Rune menschlicher Leidenschaft, Lust und sexueller Liebe in ihrer positiven Bedeutung. Hier liegt die emotionelle Wurzel der Kreativität in allen Bereichen. Dieser Aspekt der Rune entspricht in vielem der Göttin Freyja. In der Halle spendet die Fackel Licht und Sicherheit, die dunkle Nacht wird erhellt, der Mensch kann in seinem Schein kreativ tätig sein oder gesellig beisammen sitzen, um das Nachtmahl einzunehmen. Kenaz ist die Idee, welche die dunkle Götternacht erhellt und im neuen Göttertag umgesetzt wird. Auf jeden Fall ist hier ein schöpferischer Moment in Form von Lichtwerdung und Transformation versinnbildlicht. Die Kraft, die in diesem Vorgang steckt, beherrscht der Mensch und nutzt sie, um kreativ zu formen. Kenaz ist das heilige Feuer des Herdes,   an dem die Germanen ihr Ahnenopfer dargebracht haben, und das heilige Feuer der Schmiede, das die göttliche Schaffenskraft symbolisiert. Kenaz verkörpert das Mysterium der Regeneration durch Tod oder Opferung. Sie ist die Rune des Feuers, d.h. des vom Menschen kontrollierten Feuers in Form der Fackel. Rituell gesehen ist Kenaz das Feuer der Schöpfung, des Opfers, der Feuerstelle und der Esse – vom Menschen kontrolliertes und einem bestimmten Zweck dienendes Feuer. Die Verbrennung als Begräbnisritual erleichtert die Transformation der psychischen Aspekte des Menschen in neue und regenerierte Formen und verhindert ihren Rückfall in die physische Ausgangsform. Im Opferfeuer wird das Fleisch des Opfertiers gegart und geheiligt und damit vorbereitet für den Genuß durch Götter und Menschen. Das Feuer wird stets als transformierende und regenerierende Kraft angesehen.

Magie: Kenaz ist in der Tat wie ein Parabolspiegel. Bei einem solchen wird etwas eingefangen und wieder   abgestrahlt, wobei alles Eingefangene auf einen Brennpunkt gebracht wird – so auch bei Kenaz. Mit ihrer Hilfe kann man auch magisch sehr genau „peilen“ beziehungsweise feststellen, aus welcher Richtung etwas kommt. Ob das nun positive Energie eines Freundes ist oder sogar ein magischer Angriff (im ersten Moment unterscheiden sich diese Wahrnehmungen sowieso selten), man kann es anpeilen und orten. Selbstverständlich geht das auch mit allen anderen Formen von „Sendern“. Man wird durch Kenaz aber nicht zum einem Empfänger, denn man nimmt nicht auf, sondern sammelt und fokussiert lediglich. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Gerade aus diesem Grund eignet sich Kenaz auch hervorragend dazu, magische Angriffe (oder wie immer man diese wenigen Momente im Leben auch betiteln mag, bei denen man ganz deutlich spürt, daß etwas von außen auf einen einwirkt und die Schutzschichten des eigenen Raumes durchbrechen will) abzuwehren. Das auf einen Gesendete wird ganz einfach gesammelt und wieder zurückgeschickt. Mit dieser Technik zieht man sich auch keinen Ärger zu, solange man diese Energie nicht noch zusätzlich verstärkt – einfach nur zurückschicken, das genügt völlig. Im Runenlied Odins heißt es: „…so wer mich versehrt … und den andern allein der mir es antut, verzehrt der Zauber, ich bleibe frei.“ Odin schickt mit der Rune Kenaz den Runenzauber wieder zurück zum Absender und bleibt unversehrt. Kenaz verkörpert außerdem die Fähigkeit und den Willen, etwas hervorzubringen und zu erschaffen. Sie ist deshalb die Rune des Künstlers und Handwerkers und ein Symbol für die technischen Aspekte der Magie. Die kontrollierte Macht der Psyche wird mit der kontrollierten Energie der Natur kombiniert und aus dieser Verbindung geht das Werk hervor. Feuer hat aber auch einen zerstörerischen Aspekt, der dann wirkt, wenn die Macht von Kenaz unkontrolliert eingesetzt wird. Das Element Feuer ist zunächst undifferenziert, kann aber als Herdfeuer oder Hausbrand völlig unterschiedliche Konsequenzen hervorrufen. Wenn es ausbricht, kann es als grundlegendes Element der Schöpfung im spirituellen Sinne sowohl Kreation als auch Zerstörung bewirken. Eine angemessene Kontrolle dieser Kraft ist sehr wichtig.

Anwendung: Positiv ermöglicht Kenaz den Zugang zur inneren Fackel des Wissens, neutral spiegelt sie die Welt (welche auch immer) und negativ wirft sie den Menschen auf sich selbst zurück, entzündet ein Feuer unter dem trägen Hintern. Einer der negativen Aspekte dieser Rune wäre ihre Anwendung als unerwünschtes, bewußtseinserweiterndes Instrument bei Menschen, die nicht darum gebeten haben. Man macht ihnen dann sprichwörtlich „Feuer unter dem Hintern“, und sie werden gezwungen, mit der freigesetzten Energie etwas in Bewegung zu setzen. Entweder sie rennen vor sich selbst und ihren Problemen davon, oder sie bezwingen eine weitere Hürde auf dem Lebensweg. Auch ein noch so gut gemeinter Versuch, einen Menschen auf seinem Weg weiterzubringen, kann mehr Schaden als Nutzen anrichten, wenn er nicht selbst darum gebeten hat. Derartige gut gemeinte Hilfe kann eine sehr negative Ausübung von Magie sein.

Wirkung: Fördert die Fähigkeiten auf allen Gebieten. Kreative Inspiration. Prozesse der Regeneration und Heilung. Liebe (insbesondere die sexuelle). Schutz vor Feuer. Besänftigen von cholerischem Temperament. Aktive Verteidigung, Gegenangriffe. Amulette gegen Brandausbrüche, Fieber und Entzündungen. Talismane zur Steigerung von Kreativität und sexuellem Erfolg.

Heilrune: Behandlung von Entzündungen, Vereiterungen, Brandwunden und Fieber, Erkrankungen des Genitalbereichs, Heilung von Augenleiden. Kenaz verstärkt Heilungsprozesse.

Orakelbedeutung: Möglichkeit gesundheitlicher Probleme sowie allgemeiner geistlicher und körperlicher Kränklichkeit oder des Unbehagens. Kenaz kann Gefahr oder eine innere Sperre darstellen, die zum Erreichen der eigenen Ziele überwunden werden muß. Aber es kann auch Weisheit, Einsicht, die Lösung eines Problems, eine kommende kreative Phase, Inspiration oder Erleuchtung bedeuten.

Runenbotschaft: Man halte seinen Geist, seine Seele und seinen Körper rein, damit sich die schöpferische Kraft, die in einem wohnt, entfalten kann und auch für seine Nachkommen erhalten bleibt. Man entwickle Klarheit über die konstruktiven Aspekte seiner Leidenschaften und nutze sie zur Förderung seines Lebens. Man lerne, kreativ mit den Kräften des Feuers auf allen Ebenen umzugehen. Feuer kann Leben erhalten und es auch zerstören – vom Menschen allein hängt es ab, wie er es nutzt.

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Gebo
germanisch: Gebo
gotisch: Giba
altenglisch: Gyfu
altnordisch: Gipt
Bedeutung: Gabe
Lautwert: G
Zahl: 7
Schreiben: G
Kraft: aktiv
Geschlecht: beide / neutral
Aett: 1. Freyr
Götter: Odin
Baum: Ulme
Pflanze: Eberraute
Kraut: Stiefmütterchen
Edelstein: Opal
Farbe: dunkles Blau
Elemente: Luft
Halbmond: 9.  Vollmond
Zeit ca.: Mitte Aug. – Anfang Sep.
Schlagworte: Gabe, Geschenk (auch aus den Geistwelten), Austausch, Gefolgschaft, Gabe der Götter an treue Gefolgsleute
Bedeutung: Gebo bedeutet Geschenk oder Gabe. Das Prinzip von Gebo beinhaltet dabei auch die Gegengabe, die sich aus einem Geschenk ergeben muß. Geschenke sind nicht nur Aufmerksamkeiten, sondern initiieren eine soziale Bindung. Gebo ist die Rune der Verbindung, besonders der Verbindung zwischen Menschen. Bis jetzt war die Reise durch die Rune eine einsame. Diese Rune repräsentiert die Orte, an denen man mit anderen interagiert und erlaubt eine Form der bewußten Beziehung zu anderen. Solche Beziehungen werden durch den Austausch gegenseitiger Geschenke gefestigt. Das Zeichen eines Geschenks als Symbol eines Schwurs oder eine Bundes ist ein sehr altes Ritual, so zum Beispiel im Lehnswesen. Man verschenkte Land und band damit die Bewohner an sich. Im Gegenzug mußte der Schenker das Land im Kriegsfall beschützen. Aber auch der Ring zwischen zwei Liebenden zeigt eine Verbindung durch Geschenke. Geschenke an die Götter haben die gleiche Grundlage. Diese Geschenke zeigen die Loyalität zu dem Gott und erwarten im Gegenzug die Akzeptanz des Gottes. Man erwartet aber direkt keine Gegenleistung. Gebo findet sich oft als Symbol der Gastfreundschaft im Gebälk von Fachwerkhäusern, manchmal absichtlich, meist aber aus statischen Gründen. Die Gebo-Rune zeigt sich durch das Überkreuzen zweier Balken als Struktur, die sich auch im Multiplikationszeichen × wiederfindet,   ein Symbol für Mehrung und Wechselbeziehung zwischen zwei Kräften, die mehr ergeben als nur die Summe ihrer Teile.

Mythologie: Das Göttertrio Odin, Wili (Hönir) und Ve (Loki) belebte die noch hölzernen ersten Menschen Ask und Embla, und seit dieser Zeit vergelten die Menschen den Göttern diese Gabe durch Treue und Opfer, was wiederum eine Gabe der Götter in Bewegung setzt und sich somit ein kontinuierlicher Kreislauf zwischen Menschen und Göttern entfaltet. Nachdem die Götter die ersten Menschen belebt hatte, bauten sie sich Asgard, die Heimat der Götter, welche mit der Welt der Menschen (Midgard) in Verbindung und Austausch steht. Dieser Austausch findet über die Regenbogenbrücke Bifröst statt, welcher die Brücke zwischen Asgard und Midgard darstellt. Auf diesem Wege kommen die Energie und die Gaben der Götter auf die Erde. Durch diesen gerechten Austausch entsteht Stabilität. Um zu einem ausgeglichenen Leben zu gelangen, ist es wichtig, die Konflikte unter Menschen sofort beizulegen und zu klären. Ein ungeklärter Konflikt wirkt sonst wie ein schleichendes Gift und macht die Kraft von Gebo zunichte. Gebo steht auch für die vier Himmelsrichtungen und die vier Elemente und die sich aus deren Kräften ergebende energetische Stabilität auf der Erde. Die Opferriten waren Mittelpunkt der germanischen Religion. Sie stellten eine Initiation dar, welche die Verbindung zu den Göttern ermöglichte. Der Germane opferte nicht aus Angst, sondern aus Dankbarkeit und zum symbolischen Erhalt des natürlichen Gleichgewichts für empfangene und erwünschte Gaben. Gebo ist die Rune der „Gabe der Götter“ an die Menschen und umgekehrt. Ein Verhältnis gegenseitigen Gebens und Nehmens herrscht zwischen Menschen und Göttern, zwischen Mensch und Mensch, Mensch und Natur. Wer nicht gibt, dem   wird nicht gegeben, der tritt aus dem so wichtigen Austausch heraus, entzieht sich jeden Wirkens und der Weiterentwicklung in der Welt. Das Gebo-Prinzip kommt in dieser gegenseitigen Abhängigkeit von Geben und Empfangen voll zum Ausdruck. Man lebt durch seine Götter (die man als archetypische Prinzipien im Inneren trägt), und sie leben durch den Menschen. Der diese Wechselbeziehung eingegangene Mensch wird zu einem Teil des Göttlichen und erfährt die Gaben der Götter in all ihrem Reichtum und ihrer Faszination (aus Gebo gehen Ingwaz und auch Othala hervor). Wer sich öffnet und sich den Göttern zum Geschenk macht, erhält den unendlichen Reichtum des germanischen Erbes als Gegengabe und die Verpflichtung, dieses Erbe zu pflegen und weiterzugeben. Die Götter sind solange tot, wie man nicht an sie glaubt. Findet man seinen Glauben an sie wieder, damit den Glauben an einen selbst, werden sie mit jedem einzelnen Menschen, der sich ihnen zuwendet, unendlich an Kraft gewinnen. Auch das genetische Material ist etwas, was von den Göttern als ewiges Geschenk und Verpflichtung gegeben wurde. Das menschliche Chromosom hat mit seinen beiden Chromatiden weiblichen und männlichen Ursprunges die Form der Gebo-Rune. Auch in der geschlechtlichen Beziehung zwischen Mann und Frau wirkt das gegenseitige Verhältnis von Geben und Empfangen. In diesem Bündnis verschmelzen beide zu einem schöpferischen Ganzen. Ohne dem, was der eine gibt, ist der andere unvollständig. Die Germanen wußten um dieses Mysterium, darum sah der Germane seine Frau als ihm ebenbürtig an. Er schätzte ihre weiblich-intuitive Geisteskraft, ihre Kreativität und ihre lebensspendende Liebesfähigkeit als höchste Werte und war sich der Tatsache bewußt, daß sie zusammen Teil des heiligen Lebenszyklus sind. Die Frau hatte in der germanischen Gesellschaft ihren festen Platz als Mutter, Hüterin der Sippe, Heilerin, runenkundige Seherin und Priesterin und genoß in ihren Funktionen hohes Ansehen. Sie war dem germanischen Mann Kameradin in allen Lebenssituationen, wenn es sein mußte, auch mit der Waffe in der Hand. In der germanischen Mythologie erscheint sie als weise und wissend. Der Mann erhöhte sich erst durch sie zum Helden oder König, ja sogar der Auf- und Untergang eines ganzen Reiches ist von der richtigen Verbindung zwischen Mann und Frau abhängig. Auch die Walküren wählen den Helden und küren den König. Die südländische Mißachtung und Erniedrigung des Weiblichen kam erst mit dem Christentum in die nordisch-germanische Welt und erreichte ihren Gipfel in der systematischen Ausrottung wissender Frauen durch die Inquisition.

Magie: Man kann diese Rune benutzen, um disharmonische Zustände wieder ins Gleichgewicht, in Harmonie zu bringen. Auch als Binderune findet sie Verwendung, um entgegengesetzte runische Energien ins Gleichgewicht zu bringen. Selbstverständlich kann man Gebo auch für einen Fluch gebrauchen, indem man Gleiches mit Gleichem bekämpft, wobei dann jedoch das Risiko sehr groß ist, daß das „Geschenk“ wieder zurückkommt. Um zwei Menschen, Frau und Mann (also zwei entgegengesetzte Polaritäten), zusammenzubringen, kann man Gebo ebenfalls verwenden, denn sie harmonisiert. Männliche und weibliche Seelenseite sind in einem Menschen ins Gleichgewicht gebracht worden, und somit wird er zu einer Liebesbeziehung befähigt, die sein Seelengleichgewicht oder auch Ungleichgewicht wiederspiegeln wird. Gebo steht ferner in Bezug zur Ekstase – sei es nun die Ekstase, welche beim Zusammensein eines Paares entsteht oder die gnostische Ekstase eines magischen Rituals. Die Ekstase selbst harmonisiert (wie Gebo) unausgeglichene Kräfte. Aus der Vereinigung zweier Kräfte geht eine dritte hervor, und das ist Wunjo, die achte Rune des Futhark. Setzt man Gebo zur Harmonisierung und Zusammenführung zweier im Inneren befindlicher entgegengesetzter Kräfte ein, so wird eine Dritte daraus hervorgehen. Man kann diese Rune als Seelenmedizin verwenden, um Spannungen aufzulösen und in kreative Energie umzuwandeln. Gebo steht auch für das Mysterium der psychischen Vereinigung zweier oder mehrerer Menschen, um eine schöpferische Macht hervorzubringen, welche die Summe ihrer Einzelkräfte übersteigt. Es ist auch die Rune der sexuellen Magie. In altgermanischen Zeiten wurden sexuelle Magie besonders zur Erlangung göttlichen Wissens und göttlicher Weisheit praktiziert. Gebo ist die Rune der (nichtsexuellen) Liebe unter Geschwistern und der psychosexuellen Kraft, die zwischen zwei Kraftpolen ausgetauscht wird – zwei menschlichen oder zwei göttlichen. Im letzteren Fall steht Gebo für die sexuelle Lebenskraft, wie sie in der Fruchtbarkeitsmagie und in schamanischen Praktiken Anwendung findet.

Anwendung: Gebo ist die erste der fünf im Futhark vorkommenden Runen, die weder wend- noch umkehrbar sind. Man kann Gebo drehen und wenden, wie es einen beliebt, sie bleibt doch immer die Gleiche. So gibt es auch nur einen neutralen Aspekt und dieser ist das Prinzip, daß alles was man in die Welt gibt, auch wieder zurückkommt. Der negative Aspekt einer Gebo-Rune wäre allenfalls ein wohlgemeinter Wunsch für einen Mitmenschen, der jedoch noch gar nicht reif dafür ist. So wird der wohlgemeinte Wunsch zu einem Fluch. Gleiches wird mit Gleichem vergolten – das wäre die Schattenseite der Rune und ist auch die Warnung für Runenzauberer, denn da ein Austausch stattfindet, bekommt man nach dem Magiergesetz seine Flüche eines Tages auch irgendwie wieder zurück.

Wirkung: Sexualmagie (Einweihung durch Sexualmagie), mystische Vereinigung. Steigerung der magischen Kräfte. Harmonie zwischen Geschwistern und Liebenden. Magischer Einfluß im Reich der Götter und der Menschen. Erlangen von Weisheit. Fördern des Gruppenzusammenhalts. Schutz vor Unterwanderung und Zwietracht. Liebeszauber. Amulette gegen Geiz, Erstarrung und unberechtigte materielle Ansprüche anderer. Talismane für Liebe und Wohlstand Für Bindezauber sowie für Segenssprüche oder Flüche.

Heilrune: Zuständig für Vergiftungen, Kräftigen der inneren Mitte, Auflösen von Blockaden, Freisetzen des Energieflusses, Harmonisieren sexueller Strömungen.

Orakelbedeutung: Geschenke oder Gabe, sowohl im Sinne von Opfer als auch von Großzügigkeit, Verträge und persönliche Beziehungen. Gebo kann auch eine Verbindung, Liebe, Heirat oder Partnerschaft bedeuten.

Runenbotschaft: Man sei großzügig und gebe, denn daran erkennt man den wahren Wert eines Menschen. Man erlebe die Ekstase der Großmut und der Freigebigkeit. Man klammere sich an nichts – dann können die Energien ungehindert zum Wohle aller fließen. Am Ende wird man doch alles Materielle zurücklassen. Das gegenseitige Geben und Nehmen ist die Grundlage aller freien Entfaltung. Doch auch das Zuviel verabscheuen die Götter ebenso wie das Zuwenig. Man gebe auch sich selbst dem Göttlichen und empfange dessen Gaben. Im Hávamál steht geschrieben: „Der Freund soll dem Freunde Freundschaft gewähren und Gabe gelten mit Gabe. Hohn mit Hohn soll der Held erwidern, und Losheit mit Lüge.“

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Wunjo
germanisch: Wunjo
gotisch: Winja (Weide)
altenglisch: Wynn
altnordisch: Vend
Bedeutung: Wonne
Lautwert: P
Zahl: 8
Schreiben: W / V / Q
Kraft: passiv
Geschlecht: männlich
Aett: 1. Freyr
Götter: Odin
Baum: Esche
Pflanze: Rittersporn
Kraut: Flachs
Edelstein: Diamant
Farbe: Gelb
Elemente: Erde
Halbmond: 9.  Neumond
Zeit ca.: Anfang Aug. – Anfang Sep.
Schlagworte: Wonne, Freude, Sippe, Stamm, gemeinsame Wurzel und Herkunft, harmonisches   Zusammenleben, Kameradschaft, Vereinigung unterschiedlicher Kraftfelder, Abwesenheit von Leid und Kummer
Bedeutung: Wunjo bedeutet Wonne oder Freude und ist Ausdruck jener wohligen Zufriedenheit, die man in früheren Zeiten Wonne nannte. Diese Rune symbolisiert das Geschenk für die viele Arbeit, welches man unter Freunden findet, die einem auch in den schlimmsten Situationen nicht in den Rücken fallen. Wunjo ist die letzte Rune des ersten Aetts und steht damit für das Ende des ersten Zirkels und für die Vorbereitung der nächsten Gruppe. Es ist eine sehr positive und stabile Rune, aber ebenso ein Ort, an dem viele Menschen auf ihrer Reise verweilen. Sie ist mit Walhalla verbunden, denn ihr Paradies währt nicht ewig (in Walhalla wartet man auf die Götterdämmerung Ragnarök). Wie der Reichtum Fehus ist das Glück Wunjos nur eine temporäre Illusion. Man hat den Erfolg nur auf einer Ebene erreicht und es gibt noch viele Weisheiten zu lernen. Wunjo ist allerdings ein willkommener Ruhepunkt auf der Reise, eine Ort an dem man auftanken kann und sich auf den Rest der Reise vorbereiten sollte. Es ist auch der Zeitpunkt zu reflektieren, was man erreicht hat. Wunjo zeigt ein Stückchen von dem, was möglich ist, aber wenn man sich zu früh nach diesen fernen Zielen streckt, werden sie verschwinden, bevor man die Ziele erreichen kann. Das magische Werkzeug Wunjo als Hammer birgt eine große Palette an Möglichkeiten. Man kann beginnen, Pläne zu schmieden, denn jetzt ist ein Punkt der Ruhe und Zufriedenheit erlangt, den man nicht dazu nutzen muß, sich faul auszuruhen. Man kann auch einen Schritt weitergehen und sich in das Aett der Zauberer vertiefen. Niemand muß, doch jeder kann, wenn er will. Die bisher erarbeiteten Kräfte und Möglichkeiten des Bauern-Aetts geben die Standfestigkeit, die man benötigt, um in das Aett der Zwischenwelten zu gelangen. Mit Lebensfreude läßt es sich bekanntlich besser arbeiten als mit einer Portion Angst und Weltenschmerz. Wie man die Kraft von Wunjo letztendlich nutzt, bleibt individuell. Sie kann dazu dienen, Zufriedenheit herzustellen, zu seinem Stamm zurückzufinden oder eben, um Erwirtschaftetes im Leben zu sichern und zu erhalten. Mit Wunjo ist man nun am Ende des ersten Aett angekommen. Begonnen hat alles mit der feurigen Kraft, die für Fruchtbarkeit (Fehu) stand. Der Weg des Bauern ging weiter mit dem Auerochsen Ur (Uruz), die chaotischen Kräfte der Wetterriesen, der Thursen (Thurisaz) machten ihm zu schaffen, aber die Hilfe der Götter oder Asen (Ansuz) war ihm gewiß, und er erkannte den Rhythmus (Raidho) der Jahreszeiten. Er besann sich in stillen Stunden und sann über die gemachten Erfahrungen, sammelte Wissen und Kenntnis (Kenaz), welches er zusammen mit Freunden als Geschenk (Gebo) austauschte, um schließlich und endlich in seinem Stamm, seiner Familie die Wonne (Wunjo) seine ihm gebührende Stellung einzunehmen.

Mythologie: In der Welt der alten Germanen war die Gesellschaft „stammesorientiert“, denn ein starker traditioneller Clan bot den wirkungsvollsten Schutz gegen Eindringlinge von außen oder ein totalitäres System von innen. Indem er der Ehre und der Integrität des Stammes den Vorrang einräumte, war der Einzelne am besten imstande, seine Freiheit zu wahren. Wunjo verkörpert das Mysterium des harmonischen Zusammenlebens verschiedener verwandter Kräfte. Innerhalb der Stammesgemeinschaft stellt dies die Quelle höchster Freude dar. Wenn alle Mitglieder des Stammes in harmonischer Weise zusammenarbeiten, während sie in ihre Umwelt integriert sind, so herrscht ein wahrhaft heiliger Zustand. Wunjo wird offenbart, wo Menschen sich in ihrem Urgrund vereint erleben (aus Laguz wird Wunjo). Sie ist die Rune der Seelenverwandtschaft, auf deren Grundlage Menschen ihre fruchtbaren Beziehungen aufbauen sollten, und der man als verbindende Gemeinsamkeit Vertrauen schenken kann. Wunjo ist dem beschert, der ohne große Kämpfe ein ausgeglichenes Leben führen darf und in Einheit mit dem Göttlichen lebt. Wunjo ist der Wunsch, der am Anfang jeden Werdens steht und die Kräfte des Willens freisetzt. Er beinhaltet die Erinnerung an das Urzentrum, in welchem der Mensch in Einheit mit dem Göttlichen leben durfte und die er im tiefsten Inneren seiner Seele wieder anstrebt. Der Wunsch und der Wille sind die Kräfte, die den Weg zur inneren und äußeren Harmonie und Vollkommenheit öffnen. Das Symbol Wunjos erinnert an eine Stammesfahne oder, liegend gezeichnet, an einen Pflug beziehungsweise einen Hammer. All diese Attribute stehen für das Ziel des Bauern-Aett, da ein Pflug es möglich macht, den Boden zu bewirtschaften und somit das Leben zu sichern, ein Hammer für die gestalterischen Fähigkeiten eines Schmiedes steht und der Anblick der Stammesfahne bei den Vorfahren Freude auslöste. Heutzutage fällt es schwer, sich diesen nationalen Stolz, diesen Zusammenhalt sowie die damit verbundene Sicherheit und Freude eines Clans, eines Stammes oder eines Volkes zu vergegenwärtigen. Mit genügend Geschichtswissen weiß man schließlich auch um die Schattenseiten eines Fahnen-Treue-Eides. Die Fahne symbolisiert den Stamm und somit die Vollkommenheit, den Frieden und die Freude der Ahnen. Wunjo erinnert auch an das Wünschen, und Odin ist der Erfüller der Wünsche. Der Nikolaus ist der verchristlichte Nachfahre Odins.

Magie: Diese Rune umschreibt ausgewogene Energiezustände, die den vollkommenen Zustand der Harmonie erreicht haben. Gegensätze werden aufgehoben, es findet zusammen, was zusammen gehört; sei es aus Gleichheit oder aus Gegensätzlichkeit heraus. Wunjo entsteht bei der Verschmelzung von Mann und Frau als Einheit, die sich aus Gegensätzlichkeit ergibt und beglückt. Freude ist aber auch da, wo Gegensätzlichkeit noch nicht entstanden ist und sich alles in ungestörter energieloser Ruhe befindet. Wenn man einmal seinen Seelenweg gefunden hat, trifft man fast immer auf Menschen, die sich für die gleichen Dinge interessieren, eine ähnliche Lebensphilosophie ihr eigen nennen, und mit denen man ziemlich schnell auf einen Nenner kommt. Vieles mag unterschiedlich erscheinen, doch im Wesenskern ähneln sich diese Menschen ungemein. Wollte man aus dieser Gemeinschaft nun eine Gruppe bilden, die zusammen einen Stamm oder einen Clan repräsentiert – also eine lebendige Gruppe – dann könnte man Wunjo als harmonisierende und verbindende Rune einsetzen. Sie vermag unterschiedliche Energien zu harmonisieren. Dies wird im Falle eines Stammes oder Clans besonders wichtig, wenn es keinen befehlenden Anführer geben soll, sondern eine lebendige und für jeden einzelnen Menschen individuelle Art des Seins und Tuns. Eine religiöse Gemeinschaft, die Menschen mit verschiedenen Ansichten zusammenbringen will, ohne daß der eine dem anderen seiner Ansichten wegen Schlechtes will, braucht die Wunjo-Rune in ihrem magischen Konzept. Wunjo kann dazu verwendet werden, um entgegengesetzte runische Kräfte „auf einen Stamm“, beziehungsweise unter einen Hut zu bringen, damit sie gemeinsam auf ein bestimmtes Ziel hinarbeiten können. Gebo wird als Hilfsmittel benutzt, um Polaritäten auszugleichen und Wunjo, um „innere Gegensätzlichkeiten“ zu harmonisieren. Das christliche Pax Christi-Zeichen entspricht nämlich genau einer Binderune aus Wunjo und Gebo und hegt ähnliche Absichten, und wieder einmal hat die Kirche etwas Urheidnisches gestohlen. Wunjo kann benutzt werden, um Wünsche in Zusammenhang mit dem Weg des Willens zu verwirklichen. Wunjo verleiht Wünschen Form und die nötige Harmonie, um sie zu verwirklichen. Nur wenn ein Wunsch mit etlichen anderen Ebenen des Seins im Einklang steht, kann er erfüllt werden – diese Harmonisierung der Ebenen bewirkt Wunjo. Die Macht dieser Rune hilft bei der Förderung von Kameradschaft und Wohlwollen zwischen Brüdern und Schwestern und spielt damit eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung von Gesellschaften und Gilden. Wunjo repräsentiert die Energie, die unterschiedliche Kraftfelder vereint, und ist damit ein äußerst wertvolles Konzept für die Runenmagie. Mit Hilfe dieser Energie ist dem Runenmagier möglich, mehrere Runen zu einer einzigen harmonischen Kraft zu vereinen, die auf ein spezifisches Ziel ausgerichtet werden kann.

Anwendung: Positiv stellt Wunjo die Wonne einer Liebesnacht dar. Neutral die Lebensfreude, welche sich aus einer familiären Gemeinschaft ergibt und negativ wird Wunjo Sinnbild der Trauer und des Abschiedes.

Wirkung: Stärkt Verbindung und Zusammengehörigkeit. Beschwören von Kameradschaft und Harmonie. Verhindert Entfremdung. Glück und Wohlbefinden. Bewußtwerden der Vielschichtigkeit der Beziehungen zwischen allen Dingen. Verbindung der Runen für spezifische Zwecke. Steigern von Humor, Heiterkeit, allgemeinem Wohlbefinden und der eigenen Anziehungskraft. Amulette gegen Mutlosigkeit, Depression und   Pessimismus Talismane für allgemeines Glück, Erfolg eines Unternehmens, Wohlbefinden und Zusammenhalt in Familien und anderen Gemeinschaften. Wunjo verhilft zu Gemeinschaften, Gruppengeist, gemeinsame Arbeit an einem Projekt und Integration innerhalb einer bestimmten Gruppe.

Heilrune: Zuständig für Atemstörungen und allgemeiner Schmerzlinderung. Einsatz zur seelischen Aufheiterung und Steigerung der Lebensfreude. Behandlung von Potenzproblemen. Förderung der Genesung durch Stärkung des Gesundheitsbewußtseins.

Orakelbedeutung: Wonne, Freude, Erfolg, Anerkennung, Belohnung, das Erreichen von Zielen, aber auch die Möglichkeit des Übertreibens. Bei Zügelung allgemeiner Erfolg und Wertschätzung.

Runenbotschaft: Der Wunsch eröffnet die Welt des Willens. Man wünsche sich die Einheit, die einen stark macht. Freude in der Gemeinschaft und Freude durch die Gemeinschaft. Durch den eigenen Beitrag wird die Gemeinschaft bereichert und durch die Vielfalt der Gemeinschaft ergänzt man die eigenen Mängel. Durch dieses Prinzip wird eine Sippe nach außen hin zu einem geschlossenen, widerstandsfähigen Ganzen, welches von den Eigenheiten aller Mitglieder lebt. Man pflege deshalb aktiv die Beziehung zur physischen wie zur seelischen „Sippe“. Man vernachlässige keine Freundschaften und bereinige etwaige Zwistigkeiten in seiner näheren Umgebung. Man lasse sich nicht herunterziehen, sondern lebe fröhlich.


Hagalaz
germanisch: Hagalaz
gotisch: Hagl
altenglisch: Hægl
altnordisch: Hagall
Bedeutung: Hagel
Lautwert: H
Zahl: 9
Schreiben: H
Kraft: aktiv
Geschlecht: weiblich
Aett: 2. Hel
Götter: Hella, Holda
Baum: Eibe und Esche
Pflanze: Farn
Kraut: Maiglöckchen
Edelstein: Onyx
Farbe: helles Blau
Elemente: Wasser
Halbmond: 8.  Vollmond
Zeit ca.: Mitte Jul. – Anfang Aug.
Schlagworte: Hagel, Graupeln, zerstörerische Naturkräfte, Zerstörung (auch von eigenen Hindernissen)
Bedeutung: Diese Rune bedeutet Hagel und ist kalendarisch dem Juli/August zugeordnet, eine Zeit, in der es tatsächlich häufig hagelt. Zusätzlich steht Hagalaz für die harte Form der Reinigung und Heilung. Hagalaz gehört zu einer der mysteriösesten Runen. Sie leitet die Einweihung in das Reich zwischen den Welten ein, beziehungsweise dem Verständnis dafür. Es ist die Rune des heiligen Haines im Kosmos. Diese Rune umfaßt alles. Hagel zerstört zwar die Ernte, doch gerade diese Zerstörung offenbart ein Geheimnis. Hagalaz enthält sowohl zerstörerisches Potential in Form des Hagels, aber auch die Kraft der Transformation, da das Eis zu Wasser wird, wenn es den Boden erreicht. Dieses Wasser trägt dann wieder zu Fruchtbarkeit und Wachstum bei. Damit ist es Zeichen für die Entstehung von Neuem durch die Zerstörung von Altem. Hagalaz spiegelt ein Ereignis wider, auf das man keinen Einfluß hat, welches über einem hereinbricht mit der Gewalt eines Hagelsturms, und das ertragen werden muß. Dieses Ereignis kann zerstörend wirken, schärft aber zugleich auch die Vorsicht für zukünftige, ähnliche Situationen. Man kann in einem derartigen Geschehen auch das Wirken der Naturkräfte sehen, denen der Mensch in solchen Situationen einfach untergeordnet ist.

Oft wird die Hagel-Rune Hagalaz wegen des gleichklingenden Anlautes auch in Bezug zu Hel, beziehungsweise deren Erscheinungsformen als Holle, Berchta oder Perchta, gesetzt, wofür es jedoch keine direkten Quellenbeweise gibt.

Mythologie: Die Idee, daß etwas Altes zerstört werden muß, um Neues zu erschaffen zieht sich durch die ganze Mythologie. Insbesondere in der Erzählung von Ragnarök. Dieser Mythos ist wichtig zum Verständnis dieser Rune. Deshalb liegt diese Rune auch zwischen Kenaz (Feuer) und Isa (Eis) und erinnert an den nordischen Schöpfungsmythos. Beide haben zerstörerische Kräfte in sich, doch zusammen schufen sie die Welt. Die Verbindung von zwei Balken durch einen Querbalken stellt genau dieses Zusammenwirken der Kräfte im Runensymbol dar. Das Hagelkorn stellt ein Symbol für das brodelnde „Rauhreif-Ei“ dar, das Ymir enthält, den Ur-Riesen des Rauhreifs. Ymir entstand aus der Kreuzung des Weltenfeuers von Muspelheim mit dem Welteneis von Niflheim. Diese Rune enthält das Grundmuster des gesamten Seins. Hagalaz ist eine Art Weckruf, ein Hinweis auf etwas Neues. Nur wer auch loslassen kann hat die Hände frei für Neues. Allerdings ist diese Handlung häufig mit negativen Erfahrungen verbunden. Hagalaz repräsentiert das vollendete Modell, das die potentielle Energie neutraler Macht im Multiversum enthält, die aus der dynamischen, schöpferischen und generativen Einheit von Feuer (Energie) und Eis (Materie) entsteht. Die Rune beschreibt die ewige kosmische Harmonie. In der germanischen Religion und Mythologie stellt die Zahl neun die heiligste und geheimnisvollste aller Zahlen dar. Die fälschlich als Weltesche bezeichnete immergrüne Welteneibe Yggdrasil besteht aus neun Welten, Odin hing neun Nächte lang an jenem Baum, um die Runen zu empfangen, der Gott Heimdall wurde von neun Müttern geboren und so weiter. Es ist die Zahl der Vollendung, die zu einer Expansion von Macht und Produktivität führt. Hagalaz ist die Mutter der Runen, einerseits auf Grund ihres numerischen Wertes, andererseits wegen ihrem Formsymbolismus.

Magie: Hagalaz steht für stetige Evolution innerhalb eines vorgegebenen Rahmens. Es ist das Zeichen des Schutzes und des Banns, da der vollendete und harmonische Charakter dieser Rune besondere Sicherheit mit sich bringt und dem Eindringen disharmonischer Elemente vorbeugt. Hagalaz sorgt für Schutz und gleichzeitig für Verwirrung und Zerstörung. Man kann sie (mit Vorsicht) auch für Rachezauber benutzen.

Anwendung: Konstruktiv angewandt führt diese Rune zum Verständnis einer ganz besonderen weiblichen Kraft. Neutral umfaßt sie alles, und destruktiv angewandt, kann sie den Menschen in die eigenen Tiefen führen.

Wirkung: Vollkommenheit und Gleichgewicht der Kräfte. Mystische und göttliche Erfahrung und Wissen. Operationen der Entwicklung und Evolution. Schutz. Fördern der Fruchtbarkeit und des Keimens auf allen Ebenen. Harmonisieren, Bannen von unerwünschten Fremdeinflüssen, aktive Verteidigung oder Angriff. Ausbrechen aus zerstörerischen Strukturen. Amulette gegen Angriffe und Katastrophen jeder Art. Talismane für das Gelingen von Vorhaben.

Heilrune: Zuständig für Wunden, Schnitte und Blutkrankheiten, Wiederherstellung der persönlich-kosmischen Harmonie, Steigerung der Heilungskräfte, Harmonisierung der Körperenergien, Förderung der Fruchtbarkeit.

Orakelbedeutung: Unkontrollierte Kräfte, sei es im Unbewußten oder außerhalb in der physischen Welt, dort vor allem das Wetter. Plötzlicher Verlust, Zerstörung, drastische Änderungen, Prüfungen.

Runenbotschaft: Nur aus der Zerstörung des Alten kann etwas Neues entstehen. Die Verbindung gegensätzlicher Kräfte schafft Harmonie. Man erkenne die Strukturen des Ganzen, denn vorsichtige Handhabung konträrer Energien führt zu großen Entwicklungen.

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Naudhiz
germanisch: Nauðiz
gotisch: NauÞs
altenglisch: Nýd
altnordisch: Nauðr
Bedeutung: Not
Lautwert: N
Zahl: 10
Schreiben: N
Kraft: passiv
Geschlecht: weiblich
Aett: 2. Hel
Götter: Skuld
Baum: Buche, Eberesche
Pflanze: Krokus
Kraut: Wiesenknöterich
Edelstein: Lapislazuli
Farbe: tiefes Schwarz
Elemente: Feuer
Halbmond: 8.  Neumond
Zeit ca.: Anfang Jul. – Ende Jul.
Schlagworte: Not, Einengung, Zwang, Wendung der Not, Kraft des Widerstandes, Polarität des Schicksalsbegriffes, Rune der Nornen, Ursache menschlicher Sorgen
Bedeutung: Naudhiz bedeutet Not, beziehungsweise Zwänge. Wer in Not ist, kann eine Wende herbeiführen, ist man nicht in Not, so führt diese Rune unweigerlich zu dieser. Naudhiz beinhaltet das Konzept der Notwendigkeit. Durch äußere Umstände gezwungen und in die Ecke getrieben, entwickelt die Rune die Konzepte für eine Verbesserung der Lage. Ähnlich wie bei Thurisaz werden Konflikte nur dann lösbar, wenn man die Konfrontation mit ihnen sucht. Beim Konzept von Naudhiz wird diese Konfrontation allerdings durch die Umstände erzwungen. Einmal in die Enge getrieben, entfalten sich ungeahnte Kräfte, und eine nie gekannte Motivation, dieser Situation noch einmal zu entkommen. Der Stab der Rune zeigt die Entzündung des Notfeuers. Das Zeichen kann auch als Feuerbohrer interpretiert werden, welcher zum Überleben oder Entzündendes Notfeuers benötigt wurde. Naudhiz ist ein Konzept mit zwei Seiten. Es steht   für den Begriff des Elends, aber auch für die Erlösung aus diesem Elend. Die Rune steht für das selbst erzeugte Feuer, die brennende Not, entstanden durch Reibung und Widerstand gegen die Erfüllung der menschlichen Pflichten sowohl materieller wie auch spiritueller Natur. Naudhiz repräsentiert die vom Willen   gelenkte Handlung, verbunden mit Wissen und Weisheit, die als eine Gegenkraft zu den negativen Kräften fungieren kann.

Eine andere, umstrittene und historisch nicht nachweisbare Interpretation sieht in der Rune den Knoten, welcher zum Knüpfen eines Netzes gebraucht wird. Das Netz der Nornen werde aus diesem Knoten gewoben, heißt es.

Mythologie: Das Prinzip dieser Rune, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, um sich aus der Not zu befreien ist typisch für das Heidentum, insbesondere Asatru, und es steht im klaren Gegensatz zur christlichen fatalistischen Ergebenheit in das Schicksal, die zur Resignation führen muß. Wenn Hagalaz der drohende Kochlöffel ist, dann ist Naudhiz der leere Topf. Sie ist eine freundliche Erinnerung daran, daß nicht alles so ist wie es sein sollte. Das Leben ist aus dem Tritt und nichts ist so wie es sein sollte. Egal wieviel man auch hat, es scheint nie zu auszureichen. Auf der andere Seite kann diese Unzufriedenheit mit dem Ist-Zustand auch zu einem neuen Anfang führen und der erste Schritt zu Veränderung einleiten. Naudhiz steht für die Unausgewogenheit zwischen dem eigenen Verlangen und den tatsächlichen Zuständen. Aber auch dieses Bewußtsein alleine kann schon eine Erleuchtung sein. Es bringt einen dazu, die eigene Situation genauer zu analysieren und sich mit einer Lösung zu beschäftigen. Naudhiz bringt den Menschen wieder zurück auf seinen spirituellen Pfad, wenn er von ihm etwas abgekommen ist. Nach einer umstrittenen Theorie sollen auch die Nornen, welche das Geschick der Menschen wirken, mit dieser Rune in Verbindung stehen.

Magie: Infolge der dem Symbolismus dieses Zeichens innewohnenden sexuellen Elemente wurde die Naudhiz-Rune zu einem machtvollen Werkzeug isländischer Liebesmagie. Sie hat auch eine stark beschützende Funktion – besonders auf spirituellen Gebiet. Diese Rune sollte nicht nur in Zeiten innerer oder äußerer Not Beachtung finden, sondern gerade auch dann, wenn es einem besonders gut geht – nicht etwa, um die gute Laune zu dämpfen, sondern um stets das Ganze im Auge zu behalten, das Auf und Ab des Schicksals.

Anwendung: Positiv führt Naudhiz aus der Not heraus, neutral symbolisiert sie die Arbeit der Nornen und negativ führt sie zur Not – ein runisches Paradoxon.

Wirkung: Überwinden von Leid oder negativem Schicksal, Entwickeln magischer Willenskraft und spiritueller Kräfte, willentlich gelenkter Einsatz der Widerstandskräfte, um magische Ziele zu erreichen, plötzliche Inspiration, Beseitigen von Haß und Streit, Bedürfnis und Verlangen nach Ordnung, Erkenntnis persönlicher Notwendigkeiten, Schutz- und Liebesmagie (Eroberung eines geliebten Menschen), Gegenangriffe zur Schwächung und Auszehrung des Gegners, Weissagung. Amulette gegen Not und materielle Angriffe. Talismane zur Stärkung der Widerstandskraft und zur Förderung des Einfallsreichtums sowie zur Überwindung materieller Widrigkeiten. Die Rune bietet in einer scheinbar aussichtslosen Lage eine Lösung, allerdings auf meist unerwartete Weise.

Heilrune: Zuständig für die Arme, Abwehr und Verhinderung von Krankheiten aller Art, Hilfe bei depressiven Syndromen, Mattheit und Verlust des Lebenswillens.

Orakelbedeutung: Einschränkung durch Not, harte Arbeit bringt schließlich Linderung von Leid durch finanzielle Einschränkung. Armut, Verantwortung, Hindernis, Frustration, schwere Zeiten.

Runenbotschaft: Man nutze sein Schicksal und widerstrebe ihm nicht.

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Isa
germanisch: Isa
gotisch: Eis
altenglisch: Is
altnordisch: Ís
Bedeutung: Eis
Lautwert: I
Zahl: 11
Schreiben: I / Y
Kraft: aktiv
Geschlecht: weiblich
Aett: 2. Hel
Götter: Verdandi, Skadi, Rindr, Eisriesen
Baum: Erle
Pflanze: Gartenwicke
Kraut: Bilsenkraut
Edelstein: Katzenauge
Farbe: tiefes Schwarz
Elemente: Wasser
Halbmond: 7.  Vollmond
Zeit ca.: Mitte Jun. – Anfang Jul.
Schlagworte: Eis, Konzept der Materie, Stille, Nullschwingung, Stillstand, Erstarrung, Gefrieren, in der Edda: der Frost-Riese Ymir wird aus Eis geboren
Bedeutung: Die Rune Isa bedeutet Eis, und sie stellt auch einen Eiszapfen dar. Ihre Bedeutung weist auf die Urmaterie Niflheims, das Eis, hin, aus welchem mit dem Feuer (Urenergie) Muspelheims die Welt (Midgard) entstand. Isa ist jenes Welteneis, das aus Niflheim fließt. In dieser Bedeutung hat die Rune im Gegensatz zur eigentlichen Eigenart von Eis einen Aspekt von Beweglichkeit. Isa stellt die Anziehungskraft, Schwerkraft, Trägheit und Entropie im Multiversum dar. Isa ist eine elementare Rune, deren Form in fast allen andern Runen wiederzuerkennen ist. Sie symbolisiert auf der einen Seite einen Zustand der absoluten Erstarrung. Wie für die Wassermoleküle in gefrorenen Wasser, gibt es in Isa keine Bewegung. Alles steht still und ist stabil. Auf der anderen Seite birgt die Transformation von Wasser nach Eis jedoch auch die Kraft, alle (physisch) einengenden Einflüsse zu sprengen. Isa steht im Gegensatz zum Zustand der totalen Beweglichkeit, die in Kenaz (Feuer) ausgedrückt ist.

Einer auf Prof. Friedrich Fischbach zurückgehenden Fehlinterpretation zufolge, wird Isa manchmal auch als Ich-Begriff gedeutet. Dieser oft zitierte Ansatz ist jedoch grundfalsch.

Mythologie: In der modernen Mythologie ist Feuer männlich und Eis (Wasser oder Erde als Materie) weiblich, es ist aber unbekannt, ob dies in den nordischen Kulturen auch der Fall war. Sicherlich war Eis ein täglicher Einflußfaktor im Leben der Menschen in Skandinavien, es bedrohte ihre Ernte, ihre Schiffe und damit ihr Leben. Isa steht für den Moment der zurückblickenden Ruhe vor der Phase der Aktivität. Bleibt man aber zu lange stehen so geht das Leben ohne einen weiter und man wird eingefroren im Ist-Zustand. Nur die Ausgewogenheit kann hier wieder Bewegung und Leben schaffen, in diesem Fall das Feuer. Nicht umsonst fällt Isa kalendarisch häufig in die Zeit der Sommersonnenwendfeuer. In der Mythologie entspricht   diese Runenkraft den Kräften der Eisriesen (Hrimthursar). Isa ist die Stille, das Fehlen jeglicher Schwingung. Feuer und Eis sind diejenigen Kräfte, welche die Welt erschaffen, aber diese Kräfte sind es auch, die jeder Existenz ein Ende bereiten werden. Eis und Feuer halten sich gegenseitig in der Waage. Jedes der beiden Extreme kann fatale Auswirkungen haben, wenn es ohne die Kontrolle des anderen wirkt. Die bewohnbare Welt ist zwischen den Extremen von Niflheim und Muspelheim durch eine gegenseitige Abschwächung (Kontrolle) entstanden. Hier balancieren sich die Kräfte gegenseitig aus.

Magie: Magisch kann Isa dazu benutzt werden, einen Prozeß aufzuhalten. Isa wird zwar neben Thurisaz in Flüchen verwendet, hat aber durchaus nicht nur negative Gesichtspunkte. Durch eine kontrollierte Erstarrung kann man zum Beispiel vor äußeren Einflüssen schützen oder andere Runeneinflüsse festigen. Isa hilft zur Selbstintegration innerhalb eines Universums, gibt Macht über andere Wesenheiten und stärkt die Gabe zur Konzentration. Sie dient zum Entwickeln von Willenskraft.

Anwendung: Isa ist die zweite nicht wend- oder umkehrbare Rune. Sie steht für die Konzentration auf das Wesentliche, die Erkenntnis des eigenen Bewußtseins und Wertes. Ihre neutrale Wirkweise ist eben diese. Zuwenig Isa führt zur klassischen Versumpfung („Ich bin nichts wert“), und zuviel Isa gebiert versteifte Egoisten mit Magengeschwüren.

Wirkung: Entwickeln von Konzentrationsfähigkeit und Willensstärke, Kontrolle und Bann unerwünschter, dynamischer Kräfte, Beherrschung, Bannung und Kontrolle anderer Wesenheiten, Überwindung äußerer und innerer Hektik und Unruhe, Herstellung von Stille und Versonnenheit, Regeneration. Amulette gegen Lähmung durch widrige Einflüsse und Umstände sowie gegen Unruhe in Unternehmungen. Talismane für Durchsetzungskraft und Beharrlichkeit sowie zur Förderung telepathischer Fähigkeiten. Diese Rune hilft gegen unerwünschte Emotionen und Einflüsse von anderen Wesen, welche die Individualität stören.

Heilrune: Zuständig für Erfrierungen, Lähmungen und körperliche Gefühllosigkeit, Wiederbelebung erfrorener Lebenskräfte, Dämpfung von Hyperaktivität, therapeutische Ruhigstellung. Blockadebrechende Rune.

Orakelbedeutung: Blockaden, Faulheit, Stagnation, Geduld, Reflektion, Ruhe, Rückzug.

Runenbotschaft: Man lerne, in der Schönheit des Eises auch die Gefahr zu sehen. Man erstarre manchmal, um sich zu sammeln, sich selbst zu finden und zu stärken. Doch bleibt man zu lange in der Erstarrung, friert der Geist fest.

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Jera
germanisch: Jera
gotisch: Jér
altenglisch: Gér
altnordisch: Ár (Adler)
Bedeutung: Jahr
Lautwert: J
Zahl: 12
Schreiben: J / Y
Kraft: passiv
Geschlecht: beide
Aett: 2. Hel
Götter: Freyr, Freyja, Baldur, Höðr
Baum: Eiche
Pflanze: Kornblume
Kraut: Rosmarin
Edelstein: Karneol
Farbe: helles Blau
Elemente: Erde
Halbmond: 7.  Neumond
Zeit ca.: Anfang Jun. – Ende Jun.
Schlagworte: Jahr, Rad, Jahresrad, Ernte, ein fruchtbares Jahr, Zyklus des Lebens, Werden-Sein-Vergehen, Wandel, Fruchtbarkeit, Sonnenadler
Bedeutung: Jera bedeutet wörtlich übersetzt Jahr und symbolisiert den ewigen Rhythmus von Kommen und Gehen oder allgemein das Rad der Zeit.. Das Bild der Rune stellt den Zyklus von Sommer und Winter dar. Manche sehen darin auch die heilige Vermählung von Sonne (Himmel) und Erde. In einer Zeit der Zentralheizung und Supermarkt-Orangen im Winter fällt es einem schwer, die Verbindung der Ahnen zum Jahreskreis und seinen Wechseln zu verstehen. Mit dem Wechsel der Jahreszeiten änderte sich nicht nur das Wetter, sondern auch das Leben der Menschen. Der Wechsel des Jahres war im Blut der Bewohner, und sie brauchten keinen Kalender, um zu wissen, was für eine Zeit im Jahr es war. Jera folgt Isa, so wie das Frühjahr dem Winter folgt. Die Stagnation des Eises wird durch die neue Jahreszeit durchbrochen. Ebenso hat man nun aber auch den ganzen Satz negativer Runen durchbrochen, die mit diesem Aett begannen. Man hat nicht nur das gegen das Eis oder gegen ein unfaires Schicksal gekämpft, sondern hat auch aus den Erfahrungen gelernt und kann einfach auf die kommenden Ereignisse warten. Der nordische Name ár der Rune vermittelt die Assoziation mit dem Adler als Symbol des schnellen Fluges und der Sonne.

Götter: Der kosmische Fruchtbarkeitsaspekt dieser Rune weist auf Freyr und Freyja hin, die man um gute Ernte und Frieden (til árs og friðjar) anruft.

Mythologie: Jera verkörpert das universelle zyklische Muster von Werden, Vergehen und neuem Werden, das sich auch durch die gesamte Runenreihe zieht. Jera ist eine der beiden zentralen Runen des älteren Futhark. Sie beschreibt die zyklische Natur des stets im Werden begriffenen Seins, das Geheimnis des allgegenwärtigen Kreises. Jera verkörpert das Mysterium des zwölfteiligen Zyklus des jährlichen Sonnenumlaufs. Raidho ist der tägliche Weg und die bahnbrechende Kraft der Sonne, Jera ihr jährlicher Weg und Sowilo die Sonne selbst. Jera stellt den Lohn für ehrenhaftes, rechtmäßiges und den Gesetzen der Natur entsprechendes Verhalten in der Vergangenheit dar. Das ist nicht im moralischen Sinn gemeint – hier geht es um Naturgesetze. Wenn der Same richtig gesät ist, und das Glück (Hamingja) mit einem ist, dann wird die Ernte reichlich ausfallen. Es ist der Genuß der Früchte wohlüberlegter Bemühungen zur Erreichung eines bewußt oder instinktiv gewählten Ziels. Das hat sowohl für die Welt der sichtbaren Erscheinungen als auch für das Reich der Götter Gültigkeit.

Magie: Jera zeigt die dynamische Rotation von Kreisläufen, die durch gegensätzliche Komponenten gebildet werden. So bilden die Gegensätze Sommer und Winter den Kreis des Jahres, Feuer und Eis den Kreis der Schöpfung oder Mann und Frau den Kreis des menschlichen Lebens. Jera steht für Tod und Wiedergeburt. Die fruchtbringende Vollendung des Jahreskreises ist zum Beispiel die Erntezeit. Die Rune steht mit Fruchtbarkeit in Verbindung. In der Praxis kann Jera einen Vorgang zu einem guten, ertragreichen Ende führen. Sie steigert Fruchtbarkeit und Gewinn, führt zu Harmonie und Frieden. Die Rune repräsentiert das allgemeingültige Gesetz der Ernte. So wie man gesät hat, kann man ernten. Diese Rune enthält den Schlüssel zu jedem Prozeß, welcher in einer bestimmten Reihenfolge abläuft.

Anwendung: Konstruktiv angewandt fördert Jera gutes Gelingen jeglicher Arbeit, neutral steht sie für „alles zu seiner Zeit“ und destruktiv kann sie zur Verzögerung eingesetzt werden.

Wirkung: Fruchtbarkeit, Kreativität, Frieden, Harmonie, Erleuchtung, Begreifen der zyklischen Natur und des Geheimnisses des allgemeinen gegenwärtigen Kreislaufs, Sicherung der Ernte und Fruchtbarkeit, Überwindung von Stagnation. Manifestation anderer Konzepte in der sichtbaren Welt. Amulette gegen Schäden durch andere. Talismane zur Überwindung von Stagnation, Terminschwierigkeiten und zur Förderung des allgemeinen Gelingens längerfristiger Vorhaben.

Heilrune: Zuständig für den Darmtrakt und für Verdauungsstörungen. Wiederherstellung des natürlichen Zyklus, Korrektur organischer Rhythmusstörungen.

Orakelbedeutung: Hoffnungen und Erwartungen von Frieden und Wohlstand. Die Verheißung von Erfolg. Die Resultate früherer Bemühungen werden verwirklicht. Wechsel, Fortschritt, Belohnung, Bewegung, Produktivität.

Runenbotschaft: Man nehme bewußt die Jahreszeiten und ihren Wechsel wahr. Durch rechtes Tun zur rechten Zeit sichert man Fortbestand und Gewinn. Was man gesät hat, wird man auch ernten – und man ernte, was man gesät hat; das bedeutet aber auch, für die Konsequenzen seines Tuns geradezustehen. Stürme kommen und gehen, aber es wird immer Sonne im Leben geben. Man habe Spaß, wann immer man es kann.

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Eiwaz
germanisch: Îhwaz, Eihwaz
gotisch: Eihwas
altenglisch: Éoh
altnordisch: Ihwar
Bedeutung: Eibe
Lautwert: E/I
Zahl: 13
Schreiben: Ei
Kraft: aktiv
Geschlecht: männlich
Aett: 2. Hel
Götter: Odin, Ullr, Skadi
Baum: Eibe
Pflanze: Flieder
Kraut: Alraune
Edelstein: Topas
Farbe: dunkles Blau
Elemente: alle
Halbmond: 6.  Vollmond
Zeit ca.: Anfang Mai – Anfang Jun.
Schlagworte: Eibe, Weltenbaum, vertikale Achse der Welt, Tod, ewiges Leben, Immergrün, extrem hartes Holz, halluzinogene Kraft des alkaloiden Eibentoxins, Vision, Hinterhalt, ein Bogen aus Eibenholz, Runenzauber, abwehrende Kräfte
Bedeutung: Eiwaz (auch Eihwaz) bedeutet Eibe, und die Rune steht in enger Verbindung zum Eibenbaum, welcher bei den Germanen als Verbindung zwischen den Welten geschätzt wurde. Im Sommer verströmt er ein Gas, das Trancezustände hervorruft. Eiwaz ist die Rune des Todes, der Transformation, somit auch Rune des Neubeginns. Beim Symbol dieser Rune deutet man den senkrechten Pfeiler als Stamm des Weltenbaumes Yggdrasil, den unteren Abzweig als Wurzeln, den oberen als Äste. Einer anderen Interpretation zufolge stellt Eiwaz die drei Wurzeln Yggdrasils dar, unter denen die Welten der Menschen, der Reifriesen und die Unterwelt liegen. Zwar wird der Weltenbaum heute oft allgemein fälschlich als Esche interpretiert, jedoch war ursprünglich eine Eibe damit gemeint. Yggdrasil wurde außerdem auf alten Kultplätzen meist durch eine Eibe symbolisiert, die wie der Weltbaum in der Edda immergrün ist. Die Eibe heißt im Nordischen auch „Barraskr“ (Nadelesche), möglicherweise rührt daher die spätere Fehlinterpretation als Esche. Die Wurzeln Yggdrasils kommen aus dem Reich des Todes, und der Wipfel ragt bis ins hohe Asgard, dem Reich des Lebens selbst. Dieser Stab vereinigt die Mysterien von Leben und Tod zu der umfassenden Erkenntnis der natürlichen Zyklen. Phonetisch ist Eiwaz ein Laut zwischen „E“ und „I“, das „Ei“ und ist der zusätzliche (sechste) Vokal im Germanischen, von denen im Deutschen nur fünf übrig geblieben sind. Diese Rune wurde kaum als Schriftzeichen verwendet, weil sie auch für den Tod steht und Tore in andere Welten öffnen kann. Wurde sie niedergeschrieben, dann meist im Zusammenhang mit Magie. Für normale Runenschrift wird sie daher nicht benutzt und ersetzt deshalb nicht – wie man meinen könnte – das „ei“, sondern dafür werden Isa und Ehwaz verwendet. Möglicherweise hat genau diese Tatsache zusammen mit christlichen Einflüssen zur späteren Reduktion auf fünf Vokale im Deutschen geführt.

Mythologie: Yggdrasil bedeutet „Pferd des Yggr (Odin)“ und bezieht sich auf Odins Selbstopfer am Weltbaum, durch das er die Runen erlangt hat und fähig wird, entlang der Weltachse durch alle neun Welten zu „reiten“. Eiwaz bezeichnet die Verbindung zwischen den Welten. Diese Rune verkörpert das Mysterium von Leben und Tod und nimmt eine mystische Verbindung der beiden vor. Die Eibe enthält ein Toxin, welches das Zentralnervensystem beeinflußt und an heißen Tagen bei einem Menschen, der sich unter ihr befindet, Halluzinationen auslösen kann. Dadurch kann die Eibe schamanische Reisen unterstützen. Neben ihrer Verbindung mit dem Tod ist die Eibe auch das Symbol des dauerhaften Lebens und der Ausdauer, denn sie wird bis zu 2.000 Jahre alt. So ist Eiwaz die lebensspendende Kraft und der Weg, sie zu erlangen. Die Eibe war schon immer der Baum der Runen, der Magie und des Todes in der Mythologie, insbesondere der nordischen. Die Eibe wird sehr alt und ist immergrün. Aus Ihrem Holz wurden Bögen hergestellt und aus dem Eibengift Pfeilgift. Aus Ihrem Holz wurden Runenstäbe und Amulette gefertigt. Die Eibe stellt auch ein machtvolles Zeichen zum Schutz und Bann dar. Noch heute gibt es in manchen Teilen Deutschlands das Sprichwort: „Vor den Eiben kann kein Zauber bleiben.“ Ein friesischer Runen-Talisman aus Eibenholz aus der Zeit um 600 trägt die Inschrift: „Trage diese Eibe immer bei dir. In ihr ist Kraft enthalten.“ Eiwaz ist die dreizehnte Rune des Futhark und markiert die zweite Hälfte dieses Alphabets. Diese Rune ist der Wendepunkt auf der Reise des Runensuchenden und steht für die Transformation des Initiationsprozesses. Bei diesen Prozessen ist ein symbolisches Durchleben des Todes üblich und wird auch in der schamanistischen Tradition benutzt. Das alte Ich stirbt und ein neues Ich wird geboren. Eiwaz ist der Durchgang durch den man Hel erreicht, um Wissen und Weisheit zu erlangen, sowie die Akzeptanz des eigenen Todes. Dieser Prozeß ist natürlich furchteinflössend, aber etwas, das man erfahren muß. Denn nur wenn man seine tiefsten Ängste (er-)kennt, ist man auch auf sie vorbereitet. Ähnliches machte Odin durch, als er am Weltenbaum hing, um die Runen zu erfahren. Eiwaz ist das Tor zur Weisheit und liegt zwischen dem Leben (Jera) und der Wiedergeburt (Perthro).

Magie: Eiwaz ist eine mächtige Rune des Schutzes und der Verteidigung. Eiwaz kann auch dazu benutzt werden, einen Wechsel herbeiführen oder eine Veränderung erleichtern. Eiwaz bewirkt Weisheit in allen Dingen. Sie sorgt für Kommunikation zwischen den Welten, sie hilft zum Verständnis von Leben und Tod, stärkt die persönliche Willenskraft und erleichtert die spirituelle Kontaktaufnahme mit den Vorfahren.

Anwendung: Positiv steht Eiwaz für Weiterentwicklung, neutral für den natürlichen Wandel und negativ für einen übertriebenen Totenkult.

Wirkung: Einweihung in die Weisheit des Weltenbaumes, Förderung von geistiger Ausdauer und starker Willenskraft, spirituelle Kraft, Kreativität und Vision, Schutz vor destruktiven Kräften, Kommunikation zwischen verschiedenen Ebenen der Realität, Begreifen des Mysteriums von Leben und Tod und die Befreiung von der Furcht vor dem Tod. Starker Schutz vor fremdem Zauber, Bannung unerwünschter Einflüsse, Angriff und Vernichtung von Gegnern. Amulette gegen Betörung, Schwindeleien und Betrug. Talismane für magischen Schutz sowie für Liebes- und Bindungszauber. Die Rune kann enorme Ausdauer und Widerstandskraft verleihen.

Heilrune: Zuständig für Augenerkrankungen. Steigerung der Abwehrkräfte und der Ausdauer. Psychosomatische Ursachenbestimmung.

Orakelbedeutung: Wechsel, Initiation, Konfrontationsängste, eine Wegkreuzung, Tod, Transformation. Der Antrieb, etwas zu erwerben, welcher Motivation und Zielstrebigkeit verleiht.

Runenbotschaft: Leben und Tod bilden eine untrennbare natürliche Einheit. Man fürchte weder das eine noch das andere. Ist man darüber erhaben, öffnen sich neue Welten. Man werde sich darüber klar, was man im Leben wirklich will und wie man sein Leben leben will. Man strebe in allem die Vollendung an und bedenke das Ende. Man entlarve die Täuschung, vor allem die Selbsttäuschung, und finde Zufriedenheit im Erkennen seiner wahren Ziele.

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Perthro
germanisch: PerÞro
gotisch: PairÞra
altenglisch: Peorð
altnordisch: Peorð
Bedeutung: Geburt
Lautwert: P
Zahl: 14
Schreiben: P
Kraft: passiv
Geschlecht: weiblich
Aett: 2. Hel
Götter: Nerthus, Frigg, Mimir
Baum: Buche, Espe
Pflanze: Chrysantheme
Kraut: Eisenhut
Edelstein: Aquamarin
Farbe: tiefes Schwarz
Elemente: Wasser
Halbmond: 6.  Neumond
Zeit ca.: Ende Apr. – Ende Mai
Schlagworte: Geburt, Wiedergeburt, Los, selbstbestimmtes Schicksal, permanente Veränderung, Zeit, Weissagung, etwas Geheimes (Rune des Geheimen)
Bedeutung: Perthro (auch Perdho) wird als Geburt oder Wiedergeburt, als Vulva, als Gefäß oder als Würfelbecher (der das Schicksal enthält) interpretiert. Die wirkliche Bedeutung der Rune Perthro war schon immer eine heiße Streitfrage zwischen Runengelehrten. Ihre Besonderheit liegt darin, daß der phonetische Laut P, mit dem auch die Rune beginnt, nirgendwo sonst in der germanischen Sprache bekannt ist. Dies führte zu der Interpretation, daß dieses Wort aus einer anderen Sprache importiert wurde. Ein altes englisches Runengedicht stellt eine Verbindung mit einer Art Spiel her, was viele dazu gebracht hat sie mit dem Bauern im Schach zu assoziieren oder als Würfelbecher. Gerade die letzte Interpretation dieser Rune ist sehr interessant, da sie auch ihrer Form entgegen kommt: einem Behältnis, das die Runen selbst enthielt. Eine andere Interpretation führt Perthro auf das slawische Wort „Pizda“ (Vulva) zurück. Diese Interpretation paßt zwar in die Reihenfolge der Runen (Wiedergeburt nach dem Tod) ist aber im gesamten Kontext eher fraglich. Aber wie immer man diese Rune auch wörtlich interpretieren möchte (keine der Theorien kann wirklich bewiesen werden), die prinzipielle Bedeutung von Perthro ist „Gefäß“, etwas, das schützt, birgt und auf irgendeine Weise etwas hervorbringt. Diese Rune ist eng mit dem Begriff Schicksal verknüpft, und der eingeschlagene Weg ist in gewissem Sinne vorbestimmt. Perthro ist der Beginn dieses Weges.

Mythologie: Diese Rune steht für die vielen Möglichkeiten und Ereignisse, auf die man selbst keinen Einfluß hat. Das Glück ist eine beständige Prüfung, die sich dem Suchenden stellt. Das Schicksal ist nicht fatal und unabänderbar, aber es gibt doch immer wieder Dinge, welche das eigene Umfeld beeinflussen und sich dem eigenen Zugriff entziehen. Damit umfaßt diese Rune auch den Aspekt Zeit. Sie fordert dazu auf, die eigene Zeit kompromißlos zu nutzen und damit zum Herrn über das eigene Leben zu werden. Diese Rune ist Tod und Wiedergeburt. Sie steht für die Einweihung in jegliche Geheimnisse. Perthro ist ein kultisches Symbol für die Wirkung der Kraft der Urgesetze (Örlög) im gesamten Multiversum und für die Möglichkeiten, die Götter und Menschen zur Erforschung dieser Wirkungen haben. Örlög wird meist mit „Schicksal“ übersetzt, hat aber nichts mit „Vorherbestimmung“ im christlichen Sinn zu tun, sondern bedeutet wörtlich „Ur-Schichten“ oder „Ur-Gesetze“, die durch frühere oder vergangene Handlungsweisen entstanden sind. Diese selbstverursachten Schichten aus vergangenen Taten stellen die Gesetze dar, denen Götter und Menschen unterworfen sind. Es sind nicht die unabänderlichen Gesetze der Natur, sondern eher jene, welche die Gesetze der Wesenheiten aufgrund von Handlungen und Geschehnissen der Vergangenheit bestimmen. Es ist dieses kosmische Prinzip, auf dem das allgemeine germanische Gesetz aufgebaut ist. Die Perthro-Rune enthält das Mysterium der nornischen Gesetze. Die Nornen (Nornir) sind die Medien, durch die eine Handlung empfangen wird, um dann in eine projektierbare, im wesentlichen aber unveränderte Form umgewandelt und in die Sphäre zurückgegeben zu werden, aus der diese Handlung ursprünglich erhalten wurde. Perthro ist die Rune der Zeit, und dieses Konzept kommt auch in den Nornen zum Ausdruck. Ihre Namen sind Urd (Urðr, das Gewordene), Verdandi (das Werdende) und Skuld (das werden wird). Die nornische Kraft definiert einen Aspekt des Gesetzes von Ursache und Wirkung im Multiversum, und ein Verständnis dieser Kraft ist daher unerläßlich für die Ausübung der Runenkunst. Eine zentrale Aussage der Perthro-Rune ist das Mysterium der Weissagung und der Gleichzeitigkeit. Die Kunst der Weissagung ermöglicht es dem Runenwissenden, persönliches oder jenseits des Persönlichen liegendes Örlög zu erkennen und sich der Skuld-Kraft und des Einflusses von Urd und Verdandi bewußt zu werden. Perthro stellt den großen Plan des kosmischen Werdens dar, was im Sinne der erwähnten Prinzipien verstanden werden sollte. Sie wird als ständige Veränderung wahrgenommen – die ewig die gleiche bleibt.

Magie: In der Magie dient Perthro zur Förderung der Fruchtbarkeit, Erleichterung der Geburt, Erleichterung der Magie, Verbesserung der psychischen Möglichkeiten. Perthro gibt Rat und hilft, Weissagungen zu erlangen.

Anwendung: Perthro ist die klassische Gebär-Rune. Im neutralen Aspekt steht sie für das Gebären, im positiven Aspekt für Erneuerung und im negativen Aspekt für den Rückzug in die embryonale Phase. Durch den Kessel der Wiedergeburt kommt man selbstverständlich auch in Kontakt mit dem kollektiven Unbewußten und hat somit Zugang zu allen Arten des Wissens.

Wirkung: Herbeiführen günstiger Zeitpunkte für Vorhaben. Weissagung. Realisierung von Vorstellungen oder Ereignissen als magischer Akt Amulette gegen Pechsträhnen. Talismane für Glücksspiel und zur Förderung der Weissagung. Bindungszauber.

Heilrune: Zuständig für die weiblichen Brüste und den Genitalbereich, für Entbindungen, Aktivierung der allgemeinen Lebenslust, besonders bei chronischen Krankheiten.

Orakelbedeutung: Wiedergeburt, Mysterien, Magie, Divination, Fruchtbarkeit, Sexualität, ein neuer Anfang, Prophezeiung. Weibliche Belange und Mysterien einschließlich der weiblichen Fruchtbarkeit. Kreativität.

Runenbotschaft: Die Gleichzeitigkeit allen Geschehens, das Schicksal (Örlög) ist nicht unbeugsame Vorherbestimmung, sondern das kosmische Gesetz von Ursache und Wirkung. Fataler Schicksalsglaube ist   bequem, aber falsch, denn er führt zu keiner Entwicklung. Man nehme daher sein Schicksal selbst in die Hand und mache aus den Dingen, auf die man keinen Einfluß hat, wenigstens das Beste.

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Algiz
germanisch: Algiz, Elhaz (Elch)
gotisch: Algis (Schwan)
altenglisch: Eolh (Elch)
altnordisch: Ihwar
Bedeutung: Schutz
Lautwert: Z
Zahl: 15
Schreiben: Z
Kraft: aktiv
Geschlecht: beide
Aett: 2. Hel
Götter: Heimdall, Walküren
Baum: Eibe
Pflanze: Riedgras
Kraut: Angelika
Edelstein: Amethyst
Farbe: Silber
Elemente: Luft
Halbmond: 5.  Vollmond
Zeit ca.: Anfang Apr. – Anfang Mai
Schlagworte: Schutz, Verteidigung, Elch, Schwan, Macht und Kraft des Menschen, heilige Stätte, Rune des menschlichen Strebens nach der Göttlichkeit, Rune der Kommunikation mit anderen Welten
Bedeutung: Die urgermanische Form Algiz bedeutet „Schutz“. Diese Rune wird zuweilen auch Elhaz genannt und bedeutet dann Elch oder Schutz. Die gotische Schreibweise Algis bedeutet Schwan, und die altenglische Eolh wieder Elch. Einer weiteren Interpretation zufolge bedeutet Algiz Schutzmacht oder Walküre. Auch das gotische Wort Alhs (Heiligtum) wird mit dieser Rune in Verbindung gebracht. Das Runenzeichen Algiz zeigt die Zweige des Baumes, die Hörner des Elchs (dessen Geweih für das Glück „Hamingja“ steht), den fliegenden Schwan, die ausgespreizten Finger einer Hand (das ursprünglichste Zeichen für Schutz und Verteidigung), einen Runenkundigen bei der Anrufung oder ein Schwert. Algiz stellt den neugeborenen Menschen, den Augenblick der Geburt, sowie jeden weiteren Zeitpunkt im menschlichen Erleben, sowie dessen ganz eigenes Paradoxon (das des Augenblicks) dar. Diese Rune verbindet oben und unten, vorne und hinten, kurzum alles Erfaßbare und bündelt es im Menschen. Sie stellt die Antenne des Menschen dar. Algiz ist jene Kraft im Leben und Geist des Menschen, die ihn in Richtung der Welt der Asen streben läßt. Es ist die Rune der Verbindung zwischen den Göttern und der Menschheit,   die Kraft, die das Bewußtsein des Menschen zum Reich der Götter zieht, und steht daher in Verbindung mit der Regenbogenbrücke Bifröst, die Asgard und Midgard verbindet und dem Bewußtsein die Reise durch die Welten ermöglicht. Dabei ist Algiz eher der gewundene Pfad der Zweige und Wurzeln als der gerade des Stammes, den die Rune Eiwaz verkörpert. Algiz ist eine Rune des Bewußtseins und der Bewußtheit (eine Hugrún).

Mythologie: Mit Schutz und der gotischen Bedeutung „Schwan“ hängt auch die Verbindung der Runen mit den Walküren zusammen, die beschützende und lebensspendende Wesen sind und oft in einem magischen Umhang aus Schwanenfedern durch die Lüfte fliegen. Man nennt sie daher auch Schwanenmaiden oder Schwanenjungfrauen. Als Schutz und Sieg bringendes Zeichen wurde Algiz oft in Speere geritzt. Der alternative Runenname Elhaz bezieht sich auf die vier kosmischen Hirsche, die ständig an den Nadeln des Weltenbaums nagen. Heimdall, welcher mit Algiz in Verbindung steht, ist eine ebenso interessante wie rätselhafte Figur der nordischen Mythologie. Er ist der Beschützer, der die Regenbogenbrücke Bifröst nach   Asgard bewacht. Er kennt die Wege zwischen den Welten und weiß von ihren Gefahren. Am bekanntesten ist sein Horn, mit dem er die Götter vor herannahenden Feinden warnt, aber ebenso wichtig ist sein Schwert, und dies sollte bei der Diskussion von Algiz nicht außer Acht gelassen werden. Die Edda erwähnt unter anderem den poetischen Namen „Heimdalls Kopf“ für ein Schwert und umgekehrt „Heimdalls Schwert“ für einen Kopf. Sowohl das Schwert, als auch das Horn sind Waffen zur Verteidigung, wie für den Angriff, ganz abhängig von der Situation. Auf der Reise durch die Runen hat man nun Tod und Wiedergeburt erlebt und steht nun vor dem Wächter der Welten, bevor man wieder in die eigene Welt darf. Er bringt den Menschen dazu, sein neues Wissen weise zu nutzen. Von nun an muß man nicht immer nur an sich selbst denken, sondern auch die Folgen seines Handelns mit einbeziehen.

Magie: Die Rune ist ein sehr wirksames Schutzsymbol. Sie steht für ein Zusammentreffen von Wegen oder Kräften oder für einen zentralen Punkt, von dem Kräfte oder Wege abgehen (dies wird besonders mit der Anrufung assoziiert, die Kräfte rufen oder bannen kann). Sie unterstützt bei Beschwörungen die Kommunikation mit anderen Welten. Die Rune wird dazu verwendet, die persönlichen Kräfte allgemein, wie auch die magischen Fähigkeiten zu steigern.

Anwendung: Negativ oder positiv gibt es hier nicht, denn Algiz ist die dritte nicht wend- und umkehrbare Rune.

Wirkung: Schutz und Verteidigung, Stärkung der Lebenskraft, Kommunikation im Allgemeinen, Entlarven von Illusionen und Fremdsuggestion. Mystische und religiöse Kommunikation mit nichtmenschlichen, empfänglichen Wesen. Kommunikation mit anderen Welten, besonders mit Asgard und den kosmischen Quellen von Urd, Mimir und Hvergelmir. Stärkung der Hamingja (magische Kraft und „Glück“) und der Lebenskraft. Amulette gegen Beschränkung der Handlungssphäre. Talismane für Wohlstand, Jagdglück, Informationen und Weisheit.

Heilrune: Zuständig für Kopf und Gehirn. Einsatz zur Energetisierung bei der Selbstheilung und zur Heilung anderer. Allgemeine Stärkung der Vitalkräfte.

Orakelbedeutung: Der Drang, sich selbst oder andere zu beschützen. Festhalten am Erfolg oder Bewahrung einer errungenen oder verdienten Stellung. Weitere Bedeutungen sind Schutz, Hilfe, Verteidigung, Warnung oder ein Mentor.

Runenbotschaft: Man muß sich über seine Ethik Gedanken machen, denn auch dies bedeutet Algiz: Nach welchen Maßstäben handelt man nun, wer ist der Wächter dieses Tuns und was läßt er durchgehen? Das Schwert kommt in die Hand des Suchenden, aber wann nutzt er es zur Verteidigung, wann zum Angriff? Man werde aktiv und lasse sich von den Kräften des Kosmos durchfluten. Dies verleiht intuitive Erkenntnis, daher lausche man auf die innere Stimme.

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Sowilo
germanisch: Sowilo
gotisch: Saugil
altenglisch: Sigil
altnordisch: Sól
Bedeutung: Sonne
Lautwert: S
Zahl: 16
Schreiben: S
Kraft: passiv
Geschlecht: männlich
Aett: 2. Hel
Götter: Baldur
Baum: Wachholder
Pflanze: Johanniskraut
Kraut: Mistel
Edelstein: Rubin
Farbe: Gold
Elemente: Luft
Halbmond: 5.  Neumond
Zeit ca.: Ende Mrz. – Ende Apr.
Schlagworte: Sonne, Licht, Wärme, Rune des Sonnenkultes und des drehenden Rades, solares Prinzip, Rune des Ehrenkodex, Siegopferrune, Erleuchtung, Sieg durch Schnelligkeit, Macht durch eigenen Willen
Bedeutung: Die Rune Sowilo bedeutet Sonne, und sie symbolisiert alle Zusammenhänge mit der Sonne. Ihr Bild stellt einen Teil des Sonnenrades oder einen Sonnenstrahl dar. Somit steht auch die Rune selbst für das heilige Sonnenrad (Swatiska). Legt man zwei Sowilo-Runen überkreuz, entsteht das Symbol des Sonnenrades, welches stark einem Hakenkreuz ähnelt. Manchmal wird in Sowilo auch ein Donnerkeil gesehen. Sie stellt auch den Blitz dar, welcher als göttliches Feuer vom Himmel fällt. Sowilo steht in ihrer Eigenschaft als Sonnenrune im Gegensatz zu Isa. Sie repräsentiert den Sieg, beziehungsweise besser: den Weg zum Sieg. Ihre Form läßt einen Blitz erahnen, der auch für Inspiration stehen kann (Geistesblitz). Der individuelle Wille führt über Sowilo zum Erfolg. Widerstand kann gebrochen werden, so wie die Kraft der Sonne das lebensfeindliche Eis schmilzt und es wieder zum lebensspendenden Wasser macht. Zusammengefaßt steht Sowilo für einen errungenen Sieg, ein hart erkämpftes, aber letztendlich erreichtes Ziel. In späterer Zeit wurde diese Rune als „Siegrune“ gedeutet. Tatsächlich stellt sie zwar eine machtvolle, willensgelenkte Kraft dar, die zu Erfolgen und Siegen verhelfen kann, die Interpretation als „Siegrune“ beruht aber auf einem Mißverständnis des altenglischen Runennamens „Sigil“, der wie Sowilo ebenfalls „Sonne“ und nicht „Sieg“ bedeutet. Die wirkliche „Sigrún“ der nordischen Tradition ist Tiwaz. Die SS benutze die Rune Sowilo in ihrem Einheitenkennzeichen, um die Stellung dieser Einheit im dritten Reich zu symbolisieren. Durch ihren Mißbrauch in der NS-Vergangenheit Deutschlands ist diese Rune, wie auch das Sonnenrad, häufig ein Anstoß zu Verdächtigungen und Verleumdungen von Menschen, die sich mit den Runen im Allgemeinen beschäftigen. Sowilo steht am Ende des zweiten Aetts, und symbolisiert – wie Wunjo – Erfolg und Ruhm. Aber hier kommt keine Ruhe auf, denn die Sonne ist ein aktives Zeichen. Hier erwartet den Suchenden nicht die Ruhe des Abends, sondern die wilde Siegesfeier. Man ist auf seiner Reise am Ende des zweiten Aetts angekommen, und wieder ist der Abschluß ein positives Erlebnis, aber diesmal ist man sich auch dessen bewußt. Man kann den Fenris-Wolf auf seinen Fersen sehen, der die Sonne verschlingen will, und man weiß, daß man weiterziehen muß. Aber hier kann man kurz pausieren und die Sonne mit ihrer Wärme genießen. So kann man Energie für den Weg tanken der noch vor einem liegt.

Mythologie: Die Sonne ist fast allen Religionen in der Welt heilig. Ihre Wärme und ihr Licht symbolisieren Leben und Wachstum und stehen für alles, was gut ist. In der nordischen Mythologie wird die Sonne als Wagen beschrieben, der über den Himmel fährt und von einem großen Wolf verfolgt wird. Der Wolf wird die Sonne verschlingen, wenn die Zeit Ragnarök gekommen ist. Durch die ganze indo-europäische Kultur wird die Sonne auch häufig mit einem Pferd verglichen, das über den Himmel reitet. Beide Symbole stehen für Leben und Fruchtbarkeit. Sowilo verkörpert die archetypische Sonne und ihr Licht, symbolisch in Form des Sonnenrades ausgedrückt. Das Konzept des sich drehenden Rades (nordisch: Hvel) ist für das Verständnis der Rune wesentlich. Es wird durch die Räder des Sonnenwagens und durch die Scheibe, die durch ihre Drehung entsteht, dargestellt. Dieser Symbolkomplex steht im Zentrum des alten, hyperboräischen Sonnenkultes der Bronzezeit. Im Nordischen gibt es für die Sonne zwei Namen, das nordische Wort „Sól“ und das altgermanische „Sunna“, das als Kultwort in der Edda (Alvismal) erhalten blieb: „Unter den Menschen heißt sie Sól und Sunna unter den Göttern.“ Sól steht für das Phänomen, Sunna   für die geistige Idee, die dem Konzept innewohnende spirituelle Macht. Beide Wörter sind weiblich. Das Mysterium der Sonne ist in der Erfahrung der nördlichen Völker, die sie vor allem als Lebensspenderin erleben, im wesentlichen weiblicher Natur – im Gegensatz zum männlichen „Mani“ (Mond). Es ist aber auch eng mit dem Schicksal Baldurs verbunden, des sonnenhaft lichten Gottes, der mit den Sonnenwenden stirbt und wiedergeboren wird. Als Baldur-Rune kann Sowilo daher auch männlich sein. Sowilo ist der magische Wille, der im gesamten Multiversum zum Ausdruck kommt. Im einzelnen Menschen drückt er sich in den „spirituellen Rädern“ (Hvel, Chakren) aus. Die Rune stellt die eminente spirituelle Kraft dar, die den Runenkundigen durch die Pfade von Yggdrasil leitet. Sie verkörpert einen Aspekt des Zieles und auch den aktiven, entschlossen verfolgten Weg zu ihm. Sie kann als eine dynamische Verbindung zwischen Himmel und Erde (Asgard und Midgard) dienen. Sowilo ist auch die Rune des germanischen Ehrenkodex, ein höchst wirkungsvoller Weg zu ekstatischen Erfahrungen. Das Sonnenrad symbolisiert diese Sonne und Zeichnungen des Hakenkreuzes werden durch das ganze Neolithikum gefunden.

Magie: Dies ist eine Rune für Erfolg und Sieg in allen Angelegenheiten, wobei der Eigenantrieb entscheidend ist.

Anwendung: Sowilo liefert die Lebensenergie. Leider wird sie meistens in verkehrter Drehrichtung verwandt und wirkt somit zerstörend. Neutral ist sie Energie pur, positiv, anregende Lebensenergie und negativ destruktive Kraft, welche die Materie zu zerstören sucht.

Wirkung: Stärkung der psychischen Zentren (Hvel) und des spirituellen Willens, Führung entlang des Pfades, Erleuchtung, Sieg und Erfolg durch den Willen des Einzelnen und durch persönliche Bemühungen, Schutz der Vitalität, Absicherung kollektiver Vorhaben. Amulette gegen Ehr- und Kraftverlust. Talismane zur Stärkung von Körper und Geist.

Heilrune: Zuständig bei Verbrennungen und Hautkrankheiten. Wiederherstellung überreizter Nerven. Behandlung von Übernervosität und geistigen Störungen.

Orakelbedeutung: Die Lebenskraft. Stabile Gesundheit oder andere günstige Umstände und künftige Harmonie. Verbindung zwischen dem höheren Selbst und dem Unbewußten.

Runenbotschaft: Wer den Sieg will, der muß auch selbst etwas dafür tun. Nur dem Tüchtigen winkt das Glück (der Erfolg, die Sonne). Man erkenne die wahren Stärken und Schwächen der Situation, seiner selbst und die seiner Partner, und berücksichtige sie in seiner Planung. Man lausche dem Rat seiner inneren Stimme und handle danach.


Tiwaz
germanisch: Teiwaz
gotisch: Teiws
altenglisch: Tir
altnordisch: Týr
Bedeutung: Sieg
Lautwert: T
Zahl: 17
Schreiben: T
Kraft: aktiv
Geschlecht: männlich
Aett: 3. Tyr
Götter: Tyr
Baum: Eiche
Pflanze: Fackellilie
Kraut: Salbei
Edelstein: Koralle
Farbe: leuchtendes Rot
Elemente: Luft
Halbmond: 4.  Vollmond
Zeit ca.: Mitte Mrz. – Anfang Apr.
Schlagworte: Sieg, Speer, Tyr, Recht und Gesetz, Gerechtigkeit, Rune der Selbstaufopferung, spirituelle Disziplin, Sieg in der Schlacht
Bedeutung: Tiwaz steht für den Himmelsgott Tyr und bedeutet damit Ruhm oder Mut. Dargestellt als Speer, aber auch als Säule, welche die Himmelswölbung stützt, ist sie die Rune der Männer, und diese können aus ihr Kraft zur Weiterentwicklung beziehen. Mit ihr beginnt das dritte Aett, die Acht des Kriegers. Die Rune steht für Gerechtigkeit, Ordnung der Welt, Sieg (in Entsprechung mit dem Gesetz), Selbstaufopferung und spirituelle Disziplin. Dies ist die eigentliche Siegesrune (Sigrún), und die treibende Kraft ist dabei die Gerechtigkeit. Sie repräsentiert dabei hauptsächlich einen rechtmäßig errungenen Sieg über einen ungerechtfertigten Angriff.

Mythologie: Die Tiwaz-Rune verkörpert die Kraft des Asen-Gottes Tyr (Ása-Týr), der für Recht und Gesetz sowie für das Thing (Þing) sorgt. Sein transzendenter (über sich hinausweisender) Charakter zeigt sich in der nordischen Überlieferung im Mythos von der Fesselung des Fenriswolfs, wobei Tyr seine Hand opfert, um die Götter vor der Zerstörung zu bewahren. Tyr legte Fenris während dessen Fesselung als Vertrauensbeweis seine Hand ins Maul. Als Fenris jedoch merkte, daß er betrogen werden sollte, biß er die Hand ab und verschlang sie. Dennoch war es zu spät, und er blieb gefesselt. Tiwaz ist damit die Rune der Selbstaufopferung und der Könige und großen Volksführer. Das Wort Tiwaz (auch Teiwaz) oder nordisch Týr ist die germanische Bezeichnung für einen einzelnen Gott – im Unterschied zu GoÞ (Goth oder Gott) für die Ganzheit des Göttlichen – und kehrt in zahlreichen indogermanischen Namen für den Himmelsgott wieder. Tiwaz/Tyr ist im wesentlichen die Kraft der göttlichen Ordnung im Multiversum und besonders in der Menschenwelt, in Gesetz und Rechtsfindung. Insofern ist Tyr auch ein Kriegsgott, denn auch kriegerische Konflikte wurden in der germanischen Kultur als Rechtskonflikte angesehen, wie das nordische Wort Vápnadómr („Rechtsprechung durch Waffen“) ausdrückt. Man glaubte, daß diejenige Partei von den Göttern begünstigt wird, die durch rechtmäßiges und ehrenhaftes Verhalten in der Vergangenheit mehr Heil besaß. Streitigkeiten konnten früher auf einem Thing durch Zweikämpfe entschieden werden. Unter den Germanen war das Konzept der „siegenden Gerechtigkeit“ weit verbreitet, d.h. ein fälschlicherweise Beschuldigter konnte einen Zweikampf nicht verlieren, da das Recht, und damit Tyr selbst, auf seiner Seite war. Die göttliche Ordnung des Multiversums drückt sich in der Form der Tiwaz-Rune als Abbild der Weltsäule aus, die Himmel und Erde zugleich trennt und verbindet. Tiwaz wird auch durch die Irminsul der Sachsen dargestellt, die auf den Externsteinen aufgestellt war. So wie das zweite Aett mit der reinigenden Zerstörung durch Hagalaz begann, so beginnt auch das dritte Aett mit einem Verlust. Aber dieser Verlust ist freiwillig, um ein größeres Ziel zu erreichen, geopfert von jemanden, der versteht was er aufgibt und warum. Tyr opfert seine Hand, um den Wolf Fenris zu binden, dieses Opfer war ehrenvoll, und Tyr wurde für sein Selbstopfer vom ganzen Pantheon bewundert. Tyr ist wahrscheinlich der älteste Gott der nordischen Mythologie, und er war wichtiger als Odin. Die Rune ist ebenso die älteste des Futhark, da sie fast unverändert aus der Bronzezeit überliefert wurde. Sie repräsentiert all das, was man mit einem Gott verbindet: Stärke, Heldentum, Pflicht und Verantwortung. Aber sie steht ebenso für ein tieferes Mysterium, das der Verwundung eines Gottes.

Magie: Tiwaz kann dort eingesetzt werden, wo eine gerechte Entscheidung herbeigeführt werden soll. Wie Thurisaz, erinnert der Schmerz daran, sich noch mehr auf Pflichten und Verantwortung zu konzentrieren. Tiwaz ist der Weg des Kriegers.

Anwendung: Tiwaz lenkt Energie auf eine bestimmte Richtung. Konstruktiv wirkt sie sich auf das Finden und Erreichen eines Zieles aus, neutral dient sie dem Intellekt, und destruktiv leitet sie alle Ideen in das große Nichts, die Zerstörung der Träume.

Wirkung: Erreichen von gerechtem Sieg und Erfolg, Aufbau spiritueller Willensstärke, Entwickeln der Macht positiver Selbstaufopferung und der Kraft des Glaubens in Magie und Religion, Steigern der Loyalität, Abwehr von Mißtrauen und Streit, aktive Verteidigung, Bestehen im Kampf, Fördern des kollektiven Zusammenhalts. Amulette gegen das Auftreten absehbarer Konflikte. Talismane für Sieg und Durchsetzung.

Heilrune: Zuständig für Handgelenke, Hände und Finger und für Arthritis. Wiederherstellung des organischen Gleichgewichtes. Einsatz im Sinne von „Heilen durch Erkennen“.

Orakelbedeutung: Wissen um die eigenen wahren Stärken. Allgemeiner Erfolg in rechtlichen Dingen. Ehre, Gerechtigkeit, Führerschaft und Autorität. Tiwaz steht auch für Gerechtigkeit, eine Entscheidungen oder die Herausforderung, für sein Recht zu kämpfen, wenn es versagt wird.

Runenbotschaft: Der Mut zur Selbstaufopferung führt zum gerechten Erfolg. Man übe und verlange selbst Treue, auch in schwierigen Zeiten. Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit sind gefordert, wenn die Gerechtigkeit siegen soll.

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Berkana
germanisch: Berkana
gotisch: Baírkan
altenglisch: Beorc
altnordisch: Bjarkan
Bedeutung: Birke
Lautwert: B
Zahl: 18
Schreiben: B
Kraft: passiv
Geschlecht: weiblich
Aett: 3. Tyr
Götter: Berta, Holda
Baum: Birke
Pflanze: Mondwinde
Kraut: Frauenmantel
Edelstein: Mondstein
Farbe: dunkles Grün
Elemente: Erde
Halbmond: 4.  Neumond
Zeit ca.: Ende Feb. – Ende Mrz.
Schlagworte: Birke, Brüste der Mutter Erde, Rune der Übergangsriten, Variation, Zufall, Evolution, repräsentiert die Birke als Baum des Lebens und des Todes, weibliche Intuition, assoziiert mit Fruchtbarkeitskulten
Bedeutung: Berkana bedeutet Göttin der Birke, und die Birke ist ein Symbol für Fruchtbarkeit. In der ganzen europäischen Kultur werden Birkenzweige für kultische Zwecke genutzt. Man bringt sie in Form von Herzen an der Tür von frisch Verheirateten an oder schmückt damit den Maibaum. Hexen sollen auf Besen aus Birkenholz geritten sein – vielleicht kommt dieses Bild aus dem Brauch sich mit Birkenzweigen zu schlagen, um fruchtbar zu werden. Wenn Tiwaz eine fundamental männliche Rune war, so ist Berkana ausnehmend weiblich, denn sie steht für die Mutter, die weise alte Frau und das junge Mädchen. Tyrs Wunde entsteht durch die Begegnung mit dem Tod, Berkanas Wunde ist die des Lebens – die der Menstruation. Um 90° gedreht stellt die Rune die Brüste der Erdmutter dar.

Mythologie: Die Birke leuchtet in der Vollmondnacht und ihr reflektiertes Licht wirft keinen Schatten. Iduna ist die Göttin der Birken und steht für natürliche Weiblichkeit. Die Göttin der Birke (Iduna oder Frigg) wird in Berkana auch als Erdmutter, die große Göttin, angesehen. Sie ist die Mutter aller Lebewesen Midgards und Herrin über Geburt und Wiedergeburt. Sie ist das weibliche Konzept des Lebens, die Form der Rune Berkana wird mit den lebensspendenden Brüsten einer Mutter assoziiert. Heiden sehen in der Erdmutter auch die dreifache Göttin, da die Erscheinung als Mädchen, Mutter und alte Frau starke Parallelen zum Heidentum aufweist. Die Berkana-Rune enthält das komplexe Mysterium der großen Mutter. In ihrem kosmologischen Aspekt ist sie die Mutter jeglicher Manifestation und verkörpert das Mysterium kosmischer und menschlicher Geburt und Wiedergeburt. Berkana herrscht über die vier zentralen menschlichen „Übergangsrituale“ (Geburt, Eintritt in die Welt der Erwachsenen, Hochzeit und Tod). Die Göttin der Birke verkörpert den aufblühenden, aber auch den dunklen Aspekt der großen Mutter, die „schreckliche Mutter“, die über den Tod regiert. Im Ritual der Erdmutter Nerthus, wie es Tacitus beschreibt, bringt die in einem Wagen über die Felder ziehende Göttin Segen, Frieden und Fruchtbarkeit, nimmt am Ende aber Menschenopfer entgegen, die in ihrem heiligen See ertränkt werden – wobei allerdings unklar ist, ob es sich um ein faktisches Opfer oder um eine symbolische Beschreibung von Tod und Wiedergeburt handelt, für die oft, besonders in germanischen und keltischen Mythen, ein geheimnisvoller See steht (das Wort Seele kommt von See). In der Berkana-Rune ist alles Werden und Sein enthalten. Sie ist die Einheit des Kreislaufs von Geburt, Leben, Tod und Wiedergeburt, die Einheit der Evolution und das „Mysterium des Augenblicks“, durch das sich diese Einheit des Seins in ein Werden entfaltet. Als Rune der Muttergottheit ist Berkana eine erhaltende, schützende und daher auch verbergende Macht. Sie herrscht über alle schützenden und verbergenden Orte wie Höhlen, Behausungen und Einweihungsorte.

Magie: Berkana ist die Rune der Frauen, und sie können aus ihr Kraft beziehen. Berkana hilft beim Bewußtwerden der Einheit des Augenblicks als Mutter aller Dinge und bei der Verwirklichung von Ideen durch den schöpferischen Prozeß und bewirkt Fruchtbarkeit und Wachstum. Der Prozeß der Erneuerung in Form einer Wiedergeburt in veränderter Form wird vom Prinzip dieser Rune unterstützt. Nach einer Zeit der negativen Erfahrungen brechen die positiven Gefühle und der Lebenswille wieder hervor wie die Pflanzen im Frühling.

Anwendung: Positiv stärkt Berkana die weiblichen Seiten, neutral ist sie Beschützerin des Menschen und negativ die Mutter, die ihre Kinder frißt.

Wirkung: Reinkarnation und Wiedergeburt im Geist. Stärkt die Macht des Geheimen. Rituale des Schutzes und der Verheimlichung. Festhalten und Bewahren anderer Kräfte. Schutz des Heims und des unmittelbaren persönlichen Umfelds. Sicherung der Versorgung. Schutz vor Täuschung. Amulette gegen Bedrohung des Besitzstandes von außen und gegen Heimtücke. Talismane zur Förderung des allmählichen wachsenden Reichtums und der allgemeinen Fruchtbarkeit.

Heilrune: Zuständig für verschiedene Fruchtbarkeitsstörungen. Steigerung der physischen Standfestigkeit. Stärkung von Knochengerüst und Muskulatur. Steigerung der allgemeinen Widerstandsfähigkeit. Heilung von Infektionen.

Orakelbedeutung: Allgemeine Fruchtbarkeit, sowohl geistige als auch körperliche, sowie persönliche Entwicklung, Gesundheit, das Gedeihen eines Unternehmens, ein neuer Anfang, Wachstum, Klarheit.

Runenbotschaft: Diese Rune kann alles verbergen und geheimhalten oder Geheimnisse teilen – wohl dem, der weiß, wie. Man pflege den Kontakt zur Erde in jeder Hinsicht: körperlich, geistig und seelisch.

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Ehwaz
germanisch: Ehwaz, Ehwo (zwei Pferde)
gotisch: Aíhws
altenglisch: Eh
altnordisch: Íor (Pferd)
Bedeutung: Pferd
Lautwert: E
Zahl: 19
Schreiben: E
Kraft: aktiv
Geschlecht: beide
Aett: 3. Tyr
Götter: Freyr und Freyja
Baum: Eiche, Esche
Pflanze: Forsythie
Kraut: Kreuzkraut
Edelstein: Kalkspat
Farbe: strahlendes Weiß
Elemente: Erde
Halbmond: 3.  Vollmond
Zeit ca.: Anfang Feb. – Anfang Mrz.
Schlagworte: Pferd, esoterische Ähnlichkeit zwischen Pferd (Ehwaz) und Mensch (Mannaz), Rune von Sleipnir, Rune des Weltenreitens, Macht der Zwillinge, beziehungsweise des Dualismus, Loyalität, Ehe, Treue, eigener Geist, Unbewußtes, Bewegung, assoziiert mit dem Lauf der Sonne
Bedeutung: Die Rune Ehwaz bedeutet Pferd, und leitet sich vom urgermanischen „Ehwo“ (zwei Pferde) ab – das Runenzeichen stellt zwei einander zugewandte Pferde dar, steht aber auch für Odins achtbeiniges Roß Sleipnir. Das Pferd kommt nach nordischer Überlieferung der Runen vor dem ganzen Menschen. Daraus ergeben sich interessante Denkanstöße. Das Pferd war schon immer in fast jeder Kultur ein kraftvolles Symbol. Häufig zogen Pferde die Sonne über den Himmel und waren damit ein elementarer Bestandteil des Lebens. Stärke, Schnelligkeit und Loyalität sind ihre Eigenschaften, und ihre Verbindung zum Menschen ist einmalig. Sie machen es dem Menschen möglich, Dinge zu bewerkstelligen, zu denen er alleine nicht fähig wäre und lassen ihn Distanzen überwinden, die er alleine nicht geschafft hätte. Dieses Tier hat seine Wildheit und Stärke nicht verloren, obwohl es domestiziert ist. Der altnordische Runenname Íor (Pferd) wird sogar nur für ein Pferd in Zusammenhang mit kultischen Handlungen benutzt. Wie die Sonne steht Ehwaz für Energie und Bewegung. In diesem Falle kommt aber noch Respekt für die Quelle der Energie hinzu. Dies ist keine unpersönliche Energie, sondern eine lebende Quelle, die Respekt verdient und deren Wünsche man beachten muß. Diese Rune erinnert daran, immer zu helfen und nicht zu schaden mit der Macht, die man erhalten hat. Wie das Schwert ist auch das Pferd mächtig und kann gefährlich sein. Wenn man unvorsichtig ist, bricht es, und man verliert seine Stärke für immer. Es ist das Gleichgewicht, das auf dem Weg der Runen erreicht werden muß. Ehwaz repräsentiert die harmonische Beziehung zwischen zwei Kräften, die sich gegenseitig ergänzen. Dies gilt sowohl für die Beziehung zwischen Mensch und Pferd als auch für Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Die Rune steht für Partnerschaft. Die Ehwaz-Rune stellt das Symbol der idealen Mann-Frau-Beziehung und somit das Mysterium der mit dem Gesetz im Einklang stehenden Ehe „Êh“ (Vertrag, Ehe) dar.

Mythologie: Ehwaz repräsentiert die Macht der göttlichen Zwillinge, repräsentiert durch zwei Pferde. Diese Machtstruktur spiegelt eine duale Form germanischen Königtums wieder. Auch diese Führer wurden in der Mythologie oft als Pferde dargestellt (zum Beispiel Hengest und Horsa). Auch der Name der Zwillingsgottheit Asvinau im indischen Veda bedeutet wörtlich „zwei Pferde“. Hier wird eher die harmonische Beziehung zwischen den beiden Kräften der dualen Machtstruktur betont als die defensive und nach außen gerichtete Kraft, die von der Algiz-Rune repräsentiert wird. All das weist auf die enge Beziehung zwischen Mensch und Pferd hin, die bei den Indoeuropäern im allgemeinen und de germanischen   Völkern im besonderen erkennbar ist. Das Pferd stellt eine Quelle göttlichen Wissens dar, und Pferde wurden oft von den alten germanischen Priestern in Weissagungsriten befragt. Die spirituelle Qualität von Ehwaz steht in engem Zusammenhang mit der Menschheit (Mannaz). Im Altnordischen heißt es: „Marr er Manns Fylgja“ (Das Pferd ist der Doppelgänger oder Schutzgeist des Mannes). Die Fylgja ist in einer Familie erblich, also der Geist der Ahnen, der den Nachkommen ihre ererbte Identität gibt und sie beschützt. Die Binderune von Ehwaz und Mannaz ist „em“ („ich bin“). Die Ehwaz-Rune erleichtert das Reisen zwischen den einzelnen Welten von Yggdrasil. Der Runenkundige kann mit ihrer Macht durch die Reiche der Realität „reiten“. Ehwaz ist die Rune von Odins achtfüßigem Roß Sleipnir. Oft findet man auf runischen Amuletten das Bildnis eines auf einem Pferd reitenden Mannes als symbolische Form integrierten Schutzes unter der Schirmherrschaft von Odin. Dies ist der jenseitige Aspekt von Ehwaz, das Pferd steht jedoch auch mit Fruchtbarkeitsmagie in Verbindung und damit mit Freyr, dem Gott der Fruchtbarkeit, des Friedens und der Sinnlichkeit. Dies ist die Rune des Vertrauens und der Loyalität. Die spirituelle Beziehung   zwischen einem Reiter und seinem Pferd ist ein gutes Beispiel für die Kraft dieser Rune. In diesem Geheimnis ist ein großes Potential an Macht enthalten. Ehwaz ist die Kombination zweier gleichgestimmter, aber in Form einer Dualität ausgedrückter Kräfte oder Wesenheiten (wie Mann/Pferd, Pferd/Kutsche, Mann/Fylgja, Körper/Seele), die in harmonischer Weise auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten.

Magie: Ehwaz verleiht Kraft und gilbt Hilfe in der Kommunikation und auf Reisen. Sie kann dabei unterstützen, einen Zauber auf große Entfernung zu wirken (obwohl dies nur eine geistige Blockade abbaut, denn eigentlich spielen Entfernungen für die Magie überhaupt keine Rolle) und fördert die Schnelligkeit. Ehwaz kann als Instrument für Reisen durch die Anderswelt genutzt werden, setzt aber Vertrauen, Loyalität und harmonische Dualität voraus, die sie andererseits auch verleiht. Mit Hilfe dieser Rune kann man durch alle Welten „reiten“, es bleibt kein Tor verschlossen. Bei Beschwörungen kann man Ehwaz zum Herstellen und Abbrechen von Verbindungen jeglicher Art benutzen.

Anwendung: Neutral ist diese Rune dem Wesen der Pferde sehr ähnlich, im positiven Aspekt fördert sie das Liebesleben sowie das Sich-Begegnen, und im negativen Aspekt bringt sie jedes Pferd zu Fall, vor allem das in einem selbst.

Wirkung: Hilfe bei schamanischer Reise. Bewußtmachen der fundamentalen Einheit von Körper und Geist. Verleiht Vertrauen und Loyalität. Fördert Schnelligkeit. Sicherung von Flucht- und Auswegmöglichkeiten. Steigerung der Sinnlichkeit und Unmittelbarkeit. Amulette gegen die Bewegungsfähigkeit einschränkende. Angriffe Talismane für Einigkeit Loyalität und Zuverlässigkeit.

Heilrune: Zuständig für Rückenschmerzen, -probleme und -erkrankungen, Förderung der Beweglichkeit, Harmonisierung symbiotischer Prozesse in Körper und Geist.

Orakelbedeutung: Gesellschaftliche Stellung, persönlicher Status, eine Nachricht der Götter. Beim Werfen bestätigt diese Rune ohne jede Einschränkung die Bedeutung der sie umgebenden Runen. Sie kann aber auch Transport, Bewegung, Energie, Kraft, Wille oder Kommunikation bedeuten. In der Divination kann Ehwaz auch für einen Weg stehen, den man „gemeinsam mit“ oder „geführt von“ jemandem geht oder gehen wird.

Runenbotschaft: Man erkenne den Wert seines „Reittiers“ – gleichgültig, ob dies ein reales Tier, einer oder mehrere menschliche Partner seien oder ob es sich dabei um Theorien, Arbeitshypothesen oder andere Hilfen handelt, mit denen man von einer Realität in die andere „reitet“. Eine für beide Seiten vorteilhafte Symbiose entsteht nur, wenn beide Teile den anderen integrieren statt ihn zu mißachten und auszubeuten. Treue und Verläßlichkeit sind die Grundlagen dieser Art von Beziehung. Wenn sie richtig funktioniert, entsteht eine Einheit, die weit mehr beinhaltet, als die Summe ihrer Teile eigentlich vermuten läßt. Individuelle Eigenschaften werden nicht ausgemerzt, sondern betont und hervorgehoben, sodaß jeder Teil seinen ganz eigenen Beitrag zum Wohle des Ganzen einbringen kann.

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Mannaz
germanisch: Mannaz
gotisch: Manna
altenglisch: Mann
altnordisch: Maðr
Bedeutung: Mann
Lautwert: M
Zahl: 20
Schreiben: M
Kraft: passiv
Geschlecht: männlich
Aett: 3. Tyr
Götter: Heimdall
Baum: Stechpalme
Pflanze: Fingerhut
Kraut: Krapp
Edelstein: Granat
Farbe: dunkles Rot
Elemente: Luft
Halbmond: 3.  Neumond
Zeit ca.: Ende Jan. – Ende Feb.
Schlagworte: Mann, Mensch, Menschlich, göttliche Abstammung des Menschen, Intelligenz, Tradition, Rune der Einweihung und der Blutsbrüderschaft, Öffnung des inneren Auges, Verbindung vom Menschlichem zum Göttlichem
Bedeutung: Mannaz bedeutet Mann oder Mensch, aber auch das männlich-weibliche Menschenpaar, und im weitesten Sinne steht Mannaz für Menschlichkeit und damit für ganz Midgard. In einer mehr praktischen Bedeutung steht Mannaz, für die Menschen, mit denen man eine Verbindung hat, also die Familie und Freunde, die Sippe. Die Personen, die den Menschen daran erinnern, daß er von Natur aus ein Tier mit einem sozialem Gefüge ist. Die Form der Rune symbolisiert die Vermählung zwischen Himmel und Erde oder ein menschliches Paar. Diese Rune kann sich, als für den Menschen stehend, auf ein Individuum oder eine Gruppe beziehen und so die Position des Menschen in der Schöpfung symbolisieren. Abhängig von seiner sozialen Umgebung und den Umständen seines Lebens, ist der Mensch nicht isoliert lebensfähig. Er definiert sich aus einer Interaktion mit anderen Menschen und Gruppen. Mannaz zeigt das Innere, die Zusammenhänge, von denen das Individuum in der umgebenden Natur abhängt. In der Sippe existieren aber auch die Ahnen, ihre Erinnerungen und Erfahrungen. Alles zusammen ergibt einen Schatz von Wissen, welche im Inneren jedes Einzelnen verborgen liegt. Um dieses Wissen zu erschließen, bedarf es eines tiefen Verständnisses der eigenen, subjektiven Zusammenhänge. Mannaz wird durch die Integration der Ahnen in die Sippe zum Tor, welches zu dem alten Wissen führt (Zugang zur „Erberinnerung“ oder dem „kollektiven Unterbewußtsein“).

Mythologie: Die Rune steht neben dem Menschen auch für den göttlichen Vorfahr und Himmelsvater und damit auch für die Verbindung des Menschen mit den Göttern (Ymir) und mit der Natur (zwei Bäume). Sie nimmt die wilde Energie von Ehwaz und kontrolliert sie durch ein soziales Bewußtsein, sie erinnert an diejenigen, die man mit seinen Taten beeinflußt, magisch wie auch weltlich. Die Rune selbst ähnelt Gyfu indem sie weibliche und männliche Elemente vereint, sie ist aber vollständiger in dieser Vereinigung. Sie ist das komplette Netz menschlicher Beziehung, mit dem Selbst im Zentrum, welches das Netz des Schicksal wiederspiegelt, welches durch Raidho erforscht wird. Als man das Netz betrat, war es mehr oder weniger fest, aber dieses hier ist beweglich und lebendig. Vergangenheit und Gegenwart, männlich und weiblich, das Selbst und die anderen – alle Gegensätze werden hier verbunden und zusammengefügt. Mannaz ist die Heimat des Selbst und spricht für alle, die man erreicht und erreicht hat durch die Gabe der Runen. Mannaz ist das Mysterium der göttlichen (archetypischen) Struktur in jedem Einzelwesen und in der Menschheit im allgemeinen. Diese Struktur wird vom Gott Heimdall als Urahn der Menschheit verliehen. Eine Schilderung davon findet man in der „Rigsthula“ der älteren Edda. Sie beschreibt, wie Rigr (Heimdall) die archetypischen Repräsentanten der drei sozialen Funktionen in der Welt der Menschen hervorbringt (den Ernährer, den Krieger und den Priester/König), welche die drei Ebenen der göttlichen Struktur widerspiegeln. Heimdall ist dort eigentlich Odin in einer seiner vielen Ausdrucksformen, der des Ur- und Allvaters (Alfaðir). Die Mannaz-Rune stellt das Symbol Heimdalls als genetische Verbindung zwischen Göttern und Menschen und als Wächter der Regenbogenbrücke Bifröst dar, welche Asgard mit Midgard verbindet. Dies ist die Rune, welche die Entstehung der germanischen Völker aus der göttlichen Ordnung und die göttliche Abstammung der Menschen beschreibt. Sie repräsentiert das Mysterium der Menschheit und die runische Struktur in der menschlichen Seele. Mannaz ist die Macht menschlicher Intelligenz, Vernunft, Erinnerung und Tradition. Es ist das Runenzeichen des „vollendeten Menschen“, des vollkommenen menschlichen Wesens, des Eingeweihten in einen der vielen Kulte des „alten Glaubens“. Mannaz stellt ein androgynes, archetypisches Wesen dar, und ihr Mysterium verkörpert somit die Macht des Androgynen in der psychologischen Sphäre der Menschheit. Die Rune repräsentiert die Einrichtung der Blutsbrüderschaft.

Magie: Diese Rune fördert die geistige Weiterentwicklung auf allen Ebenen und erweitert das Bewußtsein. Manaz hilft beim Überwinden geistiger Schwierigkeiten, sie bewirkt den Ausgleich der guten und bösen Seite des Menschen (Dr. Jekyll & Mr. Hyde).

Anwendung: Diese Rune steht für den in Harmonie mit seinen beiden Seiten lebenden Menschen. Neutral zielt sie auf den heilen Menschen ab, positiv unterstützt sie den Heilungsprozeß und negativ wirft sie ihn gänzlich durcheinander.

Wirkung: Förderung der Intelligenz, des Gedächtnisses und generell der geistigen Kräfte. Ausgleich der „Pole der Persönlichkeit“. Öffnen des „geistigen Auges“ (Hugauga). Bewußtmachen der göttlichen Struktur der Menschheit. Abwehr von Fehleinschätzungen anderer. Amulette gegen Trennungs- und Lösezauber. Talismane für Liebeszauber und Vereinigung.

Heilrune: Zuständig für Füße und Fußknöchel, Zerrungen, Behebung von Selbsttäuschung und geistiger Umnachtung, Harmonisierung der motorischen Aussteuerung.

Orakelbedeutung: Das Individuum. Die Einstellung zu anderen und deren Einstellung zu sich selbst. Freunde und Feinde.

Runenbotschaft: Der Mensch, seine Sippe, seine Ahnen, die Götter und der Kosmos – alles ist eins, und der Einzelne kann Zugriff erhalten auf das Wissen aller. Man erkenne das Wesen der Menschlichkeit, man nehme die Menschen so, wie sie wirklich sind, und nicht etwa so, wie man sie gern hätte oder wie das System es von ihnen verlangt.

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Laguz
germanisch: Laguz, Laukaz (Lauch)
gotisch: Lagus
altenglisch: Lagu
altnordisch: Lögr
Bedeutung: Wasser
Lautwert: L
Zahl: 21
Schreiben: L
Kraft: aktiv
Geschlecht: weiblich
Aett: 3. Tyr
Götter: Nerthus
Baum: Weide
Pflanze: Seerose
Kraut: Lauch
Edelstein: Perle
Farbe: tiefes Grün
Elemente: Wasser
Halbmond: 2.  Vollmond
Zeit ca.: Mitte Jan. – Anfang Feb.
Schlagworte: Wasser, Meer, Welle, Quelle des organischen Lebens, Urwasser – latentes Potential zwischen Eis und Feuer, Rune der Wasserweihe, Lauch, organische Fruchtbarkeit, Rune der Kräuterweihe, Vorwärtskommen, Aufladen der eigenen Energie
Bedeutung: Laguz bedeutet Wasser oder Gewässer. Die Vorstellung der meisten Menschen, wenn sie an Wasser denken, ist eine eher angenehme Assoziation – friedevoll, Liebe, Leidenschaft, Intuition, Emotionen im Allgemeinen. Man muß aber auch daran denken, daß für die Menschen des Nordens Wasser normalerweise für das Meer stand, und das war fürchterlich. Ein unberechenbarer Ort, die Heimat der Midgardschlange und das Grab von unzähligen Seefahrern. Laguz sollte mit den schönen und weniger schönen Eigenschaften des Wasser in Verbindung gebracht werden. Diese Rune spricht die Urängste an, wie Kälte, Dunkelheit und all diese schrecklichen Dinge, die tief im Unterbewußtsein verwurzelt sind. Wie Ehwaz den Wanderer mit seiner Sterblichkeit konfrontiert, läßt Laguz ihn die Grundlagen seines Selbst und seines Verhaltens untersuchen, und erlaubt es ihm dadurch, sein Handeln zu ändern und Behinderungen zu beseitigen. Das Verständnis und die Weisheit, die durch Ehwaz gewonnen wird, haben den Reisenden auf die dunkleren Seiten (repräsentiert durch Laguz) vorbereitet, und er akzeptiert sie nun als Teil seines ganzen Selbst. Laguz bereitet den Reisenden ebenso darauf vor, anderen zu helfen, indem man sich selbst untersucht und erkennt, sie erlaubt ihnen besser auf die eigene Weisheit und Erfahrung zurückzugreifen. Das macht sie unter anderem zur Rune des spirituellen Beraters. Man sieht im Symbol der Rune Laguz eine Welle oder den schnellwüchsigen grünen Teil des Lauchs, weil man die Rune auch mit dem urgermanischen „Laukaz“ (Lauch) in Verbindung bringt, was im altnordischen Runennamen „Laukr“ zum Ausdruck kommt. Der Lauch ist ein Symbol für organisches Wachstum, phallische Macht (Tugend), und Fruchtbarkeit im physischen wie im spirituellen Bereich. Laukaz herrscht über die Lehre der Kräutermagie, die im Altnordischen als „Lyf“ und im Altenglischen als „Lac-Nunga“ bezeichnet wurde. Das „Itrlaukr“ (glänzender Lauch) gab man oft einem jungen Mann, sobald er sich als Krieger erwiesen hatte.

Mythologie: Laguz ist die Grundenergie des Lebens im Multiversum und die geheime Quelle allen organischen Lebens. Laguz ist das Gesetz (Lög) des Lebens, innerhalb des ganzen Multiversums ebenso wie in Midgard. Es sind dies die Schichten (Gesetze) vergangener kosmischer und menschlicher Taten, welche die zukünftige Entwicklung der Lebensformen bestimmen. Die Laguz-Rune steht für die Ur-Wasser in Niflheim, die das latente, ungeformte Potential des Lebens enthalten, welches zu Eis verfestigt ist und durch die Feuer von Muspelheim mit Energie geladen werden muß, bevor es als manifestiertes Muster verwirklicht werden kann. Die Laguz-Rune stellt eine machtvolle Rune der Einweihung dar – besonders der Einweihung in das Leben. In heidnischen Zeiten besprengte man ein neugeborenes Kind mit Wasser und gab ihm seinen Namen, sobald es sich als des Lebens würdig erwiesen hatte. Dadurch wurde das Kind wieder in die Lebenskraft seines Stammes integriert. Das Mysterium des „Vatni Ausa“ (das rituelle Besprengen mit Wasser) geht auf vorchristliche Zeiten zurück und ist ein Hauptbestandteil der alten nordischen Lehre der Wiedergeburt (Aptrburdhr). Die Funktionen der Uruz-Rune und der Laguz-Rune sind auf unterschiedlichen Ebenen eng miteinander verwandt. Laguz beinhaltet auch den Ritus der Überquerung des Wassers am Ende des Lebens – der Überquerung des Ur-Wassers, um ins Totenreich zu gelangen. In diesem Zusammenhang sind die Mythen um Odin als Fährmann der Seele von. Bedeutung. Auch die Schiffsbegräbnisse der Wikinger und die dadurch angedeutete symbolische Überquerung des Wassers weisen auf diesen Glauben hin.

Magie: Diese Rune steht für das Wasser. Sie repräsentiert auch den Lauch, der häufig in der Magie angewendet wurde. Magie kann in ihren Auswirkungen wie Lauch sein. Man kann ihn für sich nutzen, aber   es ist nicht ungefährlich, ihn aus dem Boden zu ziehen, da man sich an seinen scharfen Seiten leicht schneiden kann. Ein tiefes Gewässer kann für das verborgene Unbewußte stehen, welches sich unter der Oberfläche ausbreitet, aber nicht einsehbar ist. Das Meer wurde als eine Quelle des Lebens angesehen und stand auch für die Mysterien von Leben und Tod (das Meer gibt, nimmt aber auch Leben). Laguz ist das kollektive Unbewußte, das universelle Wissen. Man verschaffe sich Klarheit über sein eigenes Durchhaltevermögen und seine Standhaftigkeit angesichts von Schicksalsprüfungen – und über die gewaltigen Kräfte in seinem Inneren, die es einem ermöglichen, solche Prüfungen zu bestehen. Die Rune steht für das Getränk, welches im Ritual mit runischer Macht „aufgeladen“ wird.

Anwendung: Laguz symbolisiert einen großen, reinigenden, klaren Fluß, der alles, was ins Stocken geraten ist, wieder zum Fließen bringt. Neutral steht diese Rune für die reinigende Kraft des Wassers, positiv wirkt sie auf die Gefühlswelt ein und erinnert uns an die Wichtigkeit des Loslassens. Negativ vermag sie alles in Fluß gekommene wieder zu stoppen.

Wirkung: Stärkung des Magnetismus. Entwicklung hellseherischer Fähigkeiten. Führung bei schwierigen Einweihungsprüfungen. Gesteigerte Vitalität und Lebenskraft. Konzentration ungeformter magischer Kraft zur Strukturierung und Formung durch den Willen. Stabilisieren mentaler und emotionaler Abweichungen. Schutz vor Feigheit, Verrat und Unflexibilität. Schutz vor Vergiftungen. Amulette gegen Vergiftungen und Unfälle. Talismane zur Steigerung der Standhaftigkeit und für sicheres Reisen. Diese Rune wirkt auch stark auf den Körper

Heilrune: Zuständig für Nieren- und Hauterkrankungen und Nierenbeschwerden. Anwendung bei Vergiftungen. Gebrauch zur Erlangung von Kräuterwissen. Heilung von Lähmung und Unbeweglichkeit.

Orakelbedeutung: Erfolg bei Reise oder Erwerb, allerdings mit der Möglichkeit des Verlustes. Imagination und geistig-paranormale Angelegenheiten. In der Divination steht Laguz für das Unbekannte, das „unter der Oberfläche Verborgene“.

Runenbotschaft: Das Wasser ist tief und scheinbar unergründlich. Es gibt seine Geheimnisse dem Suchenden preis, wenn er mit Umsicht hineintaucht. Wasser ist gefährlich und kann auch töten, doch ohne Wasser ist auch kein Leben möglich. Es kommt auf das richtige Maß an. Man handle unverzüglich und schiebe nichts mehr auf die lange Bank. Man lerne, den „Wogenhengst“ (das Schiff) zu zähmen, der einen über die Wasser des Lebens trägt.

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Ingwaz
germanisch: Ingwaz
gotisch: Enguz, Iggws
altenglisch: Ing, Yngvi
altnordisch: Ing, Yngwio
Bedeutung: Himmelslicht
Lautwert: NG
Zahl: 22
Schreiben: Ng
Kraft: passiv
Geschlecht: beide
Aett: 3. Tyr
Götter: Freyr, Freyja
Baum: Apfelbaum
Pflanze: Enzian
Kraut: Brunelle
Edelstein: Topas
Farbe: goldenes Gelb
Elemente: Wasser, Erde
Halbmond: 2.  Neumond
Zeit ca.: Anfang Jan. – Ende Jan.
Schlagworte: Himmelslicht, Ing (der legendäre Held, später Gott), Gemahl der Erdmutter, Kraft des Freyr, neutrale männliche Energie als Potential der Erneuerung im Jahres- und Lebenslauf, Sexualität, Fruchtbarkeit
Bedeutung: Ingwaz bedeutet Ing, der Erdgott, der auch als Fruchtbarkeits- und Sonnengott Ingvi-Freyr angesehen wird. Die Form der Rune kann als Feld gedeutet werden, manche sehen darin auch das männliche Genital, andere wiederum das Himmelsfeuer (Rune zu Imbolc), aber ihre wirkliche Signifikanz liegt wohl in der Balance. Sie zeigt eine harmonische Beziehung zwischen den Menschen und den vier Elementen der Natur. Ingwaz erinnert an die alte Verbindung der Götter mit dem Land und verbindet den Menschen wieder mit seiner spirituellen Natur durch die reale Natur. Sie ist eine Erdungsrune, die den Menschen und seinen Körper, seinen Geist und seine Wahrnehmung wieder auf die Erde zurückführt. Manche halten sie auch für das männliche Gegenstück zu Berkana, denn während Berkana das weibliche Mysterium in sich birgt, so steht Inguz für das männliche. Ingwaz steht für die Energie des Samens. Die Rune ist zurückgezogen und isoliert. Sie beinhaltet den Reifungsprozeß, welcher sich im Verborgenen abspielt. Ingwaz stellt Rückzug, Transformation im Verborgenen und die darauffolgende Rückkehr dar. Dazu kann als Beispiel das Reifen einer Pflanze, die Geburt eines Kindes oder das Leben eines Schmetterlings dienen. Das Leben zieht sich zurück und vollzieht im Verborgenen eine Umwandlung, eine Transformation zu neuer Kraft. Der obere Bereich im Bild der Rune steht für den Bereich der sichtbaren Realität (Alltag), der untere Teil für das verborgene Reich der Verwandlung (bildlich: die Erde). Am Anfang des Zyklus steht der Rückzug in den verborgenen Bereich. In dieser geheimen, intimen Umgebung vollzieht sich die Umwandlung. Die Kräfte werden wieder gesammelt, und eine Regeneration findet statt. Ein Samenkorn überwintert zum Beispiel unter der Erde und sammelt die Kräfte für sein Hervorbrechen im Frühling. Am Ende steht die Wiederkehr mit neuer Kraft oder in einer neuen Form.

Mythologie: Man nimmt an, daß Ing der Name eines alten germanischen Erdgottes ist, der zusammen mit der Erdmutter Nerthus wirkte. Ihr Kult war in alter Zeit besonders in den Nordseegebieten stark ausgeprägt. In einem altenglischen Runengedicht wird berichtet, daß Ing zuerst unter den Ostdänen von einem menschlichen Auge erblickt wurde, bis er gegen Osten über das Meer ging, und sein Wagen folgte ihm nach. So nannten die Heardings den Helden. Der hier erwähnte Wagen ist identisch mit dem, der im Nerthus-Kult verwendet wurde. Ingwaz stellt den Gemahl der Erdmutter dar und den ihr zur Seite stehenden Priester. Dieser Kult spielte bei den Völkern der Nordsee eine so bedeutende Rolle, daß sie oft als Ingvaeones (Jene des Ing) bezeichnet wurden. Der vanische Gott Freyr, der Gott des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit, ist auch unter dem Namen Yngvi bekannt. Ing ist auch der dänische/angel-sächsische Name für Freyr. Es scheint, daß Freyr ganz allgemein im Norden die Rolle und den Namen des Ing an sich gerissen hat, und er spielt auch bei den Fruchtbarkeitsritualen eine Rolle, indem er in einem Wagen in rituellen Prozessionen fährt. Ackerbau ist einer der ersten Versuche der Menschheit ihre Umgebung zu kontrollieren. Die Fruchtbarkeit der Tiere und Pflanzen ist in jeder heidnischen Religion ein zentrales Thema. Von dem frühesten Sumerer bis zur modernen Volksglauben, haben die Menschen versucht, den Erfolg ihrer Ernte zu verbessern. Der größte Teil der westlichen Zivilisation hat den Kontakt zum Land und seinen Lebewesen verloren. Die spirituelle Konsequenz dieser Trennung von der Erde ist erschreckend, da die meisten Menschen keinen Bezug mehr zum natürlichen Leben auf der Erde haben. Im Ing-Nerthus-Kult verzehrt das feminine Element das maskuline, um die verbrauchten Energien wieder zu ersetzen, die nötig waren, um dem Land und dem Volk Fruchtbarkeit zu spenden. Kennzeichnend ist in diesem Zusammenhang die Sage, in der Freyr sein Schwert opfert, um Skadhi zu gewinnen oder auch der Name Gelding (kastriertes Pferd) für Odin. Das männliche Element repräsentiert die sich immer wieder selbst erneuernde „kosmische Nahrung“ in Form von potentieller Energie, die den Winter hindurch von der Göttin einbehalten wird, um sie dann im Frühling plötzlich und mit gewaltiger Kraft in einem orgiastischen Prozessions-Ritual wieder freizusetzen. Die Ingwaz-Rune stellt einen Vorrat potentieller Energie dar, die erst durch einen Prozeß des Wachstums und der Reifung hindurchgehen muß, um an Kraft zu gewinnen. Dieses Prinzip hat für alle Ebenen des Multiversums Gültigkeit, und dieser Rune wohnt große Kraft inne, denn jede Macht muß eine solche geschützte Periode des Wachstums und der Reifung durchmachen, ehe sie in ihrer potentesten Form in Erscheinung treten kann.

Magie: In dieser Rune ist eines der größten Geheimnisse nordischer Sexualmagie verkörpert.

Anwendung: Inguz ist die vierte, nicht wend- und umkehrbare Rune. Sie wirkt beschützend, und wenn sie zum Wirken kommt, herrscht um einen wohltuende Ruhe. Man kann sie einsetzen, um Abstand vom „Lärm der Welt“ zu bekommen.

Wirkung: Fruchtbarkeitsrituale. Plötzliche Freisetzung von Energie. Speicherung und Transformation von Kraft für rituelle Zwecke. Konzentration von Energie und Gedanken. Amulette gegen Entwicklungsstörungen. Talismane für Fruchtbarkeit, organisches Gelingen und zur Absicherung von Ruhepausen.

Heilrune: Zuständig für Erkrankungen und Beschwerden der männlichen Genitalien. Ebenfalls Anwendung bei Autismus und zur Heilung von Lähmungen.

Orakelbedeutung: Männliche Fruchtbarkeit und Erwartungen auf der physischen Ebene, darunter auch Angelegenheiten der Gesundheit, der Familie und des Nachwuchses. Aber auch Arbeit, Produktivität, Freigebigkeit, Balance und Verbindung mit der Erde.

Runenbotschaft: Man erkenne, daß Phasen der Ruhe im Leben ebenso notwendig sind, wie Zeiten eifrigen Tuns. Man übe Selbstbesinnung und Geduld und lausche in sich hinein.. Wieviel Geduld hat man mit sich selbst? Man lasse die Dinge sich entwickeln und erzwinge nichts. Alles braucht Zeit, um zu reifen, oft im Verborgenen, bis es genug Kraft gewonnen hat, um machtvoll hervorzubrechen. Jedes Vorhaben beginnt zunächst als Samenkorn.

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Dagaz
germanisch: Dagaz
gotisch: Dags
altenglisch: Dæg
altnordisch: Dagr
Bedeutung: Dämmerung
Lautwert: D
Zahl: 23
Schreiben: D
Kraft: aktiv
Geschlecht: männlich
Aett: 3. Tyr
Götter: Heimdall, Loki
Baum: Fichte, Weide
Pflanze: Ringelblume
Kraut: Scharlei
Edelstein: Chrysolith
Farbe: helles Blau
Elemente: Erde
Halbmond: 1.  Vollmond
Zeit ca.: Mitte Dez. – Anfang Jan.
Schlagworte: Dämmerung, Tag, Licht, Zwielicht, Rune des Erwachens, Übergangszustand, heilige   Synthese aus der Polarität des Lebens, mystischer Augenblick, Gnosis
Bedeutung: Dagaz steht für den Tag, beziehungsweise das Licht des Tages, wie es zum Zeitpunkt des Sonnenaufganges und Sonnenunterganges wahrgenommen wird, in der Morgen- und Abenddämmerung. Es ist die Rune des vollkommenen Erwachens. So symbolisiert auch die Form der Rune den Ausgleich zwischen Tag und Nacht. Die Rune Dagaz ist ein odinisches Paradoxon, welches für die Bildung einer Synthese aus Gegensätzlichem, das Erreichen des mystischen Augenblicks und das Empfangen mystischer Inspiration steht. Diese Rune ist ein Widerspruch in sich, löst ihn aber auch auf.

Mythologie: Das durch Dagaz symbolisierte Zwielicht ist ein Symbol für die Geburt der Erkenntnis, oder das Licht des Bewußtseins. Gegensätze sind Teile von etwas Größerem, etwas Umfassendem. Kein Ding im Multiversum kann für sich allein betrachtet werden, da es immer von seinen Gegensätzen und den umgebenden Bedingungen abhängt. Die Suche nach dem Licht des Wissens geht beim Mysterium von Dagaz von den Extremen, den Außenbereichen aus. Die Gesamtheit ist der Schlüssel, nicht die isolierte Betrachtung einer Seite. Das beeinflußt auch die Betrachtung der (zum Beispiel christlichen) Konzepte von Gut und Böse, die als solches im Heidentum eigentlich nicht existent sind. Dreidimensional betrachtet stellt die Form von Dagaz einen endlosen Kreislauf dar (zum Beispiel Möbiusband). So kehrt etwa die Dämmerung immer wieder, ebenso wie Extreme immer um einen Bereich der Ausgeglichenheit kreisen (zum Vergleich Niflheim und Muspelheim in der Kosmologie). Diese Extreme sind die Bereiche derer, welche die Erkenntnis auf den Spuren von Odin zu erlangen suchen. Die Kenntnis der Extreme verhilft eher zum Verständnis der Gesamtheit als ein Verharren in der Ausgeglichenheit der Mitte. Diese Rune markiert das Beinahe-Ende des dritten Aetts und macht den Weg frei für Othala, den Kreis zu vollenden. Wie in den vorherigen beiden Aetts, beendet Dagaz das dritte mit Licht und Hoffnung. Während Wunjo für irdischen Ruhm und Sonne steht, bringt Dagaz die beiden Reiche zusammen, schafft damit das sehr abstrakte Licht von Sowilo wieder auf die Erde zurück, in das Alltagsleben. Wie Ingwaz symbolisiert sie die Harmonie mit der Natur und der Umgebung des Menschen, geht aber einen Schritt weiter und schließt die Spiritualität mit ein. Im übertragenen Sinne steht Dagaz als Dämmerungs-Rune auch für die Götterdämmerung Ragnarök. Wenn der Untergang des Heidentums durch Ragnarök (weltlich durch die Kirche) eine Art Abenddämmerung war, so erlebt die Welt jetzt, da sich immer mehr Menschen auf ihre Wurzeln zurückbesinnen, sich vom naturfeindlichen Christentum abwenden und die alte Religion wiederentdecken, vielleicht bereits wieder eine zarte Morgendämmerung, welche im Geist von Dagaz beschützt und gefördert werden möge.

Magie: Dagaz repräsentiert das rituelle Feuer der Feuerstelle und das mystische Licht, das der Vitki (Runenmagier) bei magischen Handlungen wahrnimmt. Dagaz verkörpert die Synthese der Kraft von Tag und Nacht durch die Konzepte der Morgen- und Abenddämmerung. Dies kommt in den himmlischen Phänomenen des Morgen- und Abendsterns zum Ausdruck – Symbole der göttlichen Zwillinge. Dagaz ist die Rune der Polarität und des „odinischen Paradoxons“, welches das zentrale Geheimnis des odinischen Kults darstellt. Es ist in der paradoxen Natur des Gottes Odin selbst enthalten und kann am ehesten mit dem Begriff des „mystischen Augenblicks“ erklärt werden, dem Augenblick, der im Wirbel polarisierter Konzepte gesucht und gefunden wird. Diese Konzepte werden miteinander verschmolzen, so daß aus zwei Extremen eins wird. Dagaz ist der Ort und Zeitpunkt, in dem aus Dunkelheit und Licht, Freude und Schmerz, Leben und Tod, Körper und Seele, Materie und Energie eine Synthese in einem gemeinsamen Konzept gebildet wird, das über ihren wahrnehmbaren, erkennbaren Gegenpol hinausgeht. Dagaz übersteigt die Grenzen sprachlicher Ausdrucksmöglichkeit. Sie ist reine Runen-Gnosis. Dagaz ist die am stärksten der Mystik verbundene Rune des älteren Futhark, sie führt den Suchenden direkt in die Transzendenz jenseits der Polaritäten. Deshalb ist es auch nicht möglich, hier weitere Empfehlungen für ihren Gebrauch in der Magie zu geben, denn das ist eine unmittelbare, zutiefst persönliche Angelegenheit zwischen dem Kosmischen und dem Inneren des Magiers.

Anwendung: Dagaz symbolisiert den Augenblick zwischen Tag und Nacht, welcher im Volksmund auch als „Blaue Stunde“ bekannt ist. Es ist die fünfte nicht wend- und umkehrbare Rune. Sie dient der Harmonisierung und wenn man sie auf der Stirn visualisiert, öffnet sie das dritte Auge.

Wirkung: Mystische Inspiration. Zugang zum Überpersönlichen. Abbau von Engstirnigkeit. Amulette zur Vermeidung zwielichtiger Zustände der Verkennung oder falsche Gesellschaft. Talismane zur Steigerung der Durchsetzungskraft, des eigenen Beharrungsvermögens bei der Verfolgung wichtiger Lebensziele.

Heilrune: Zuständig für Angstzustände, Geistesstörung und Niedergeschlagenheit, Festigung der Gesundheit und Verwurzelung im Überpersönlichen.

Orakelbedeutung: Sicherheit und Gewißheit. Die Klarheit des Tageslichts im Gegensatz zur Ungewißheit der Nacht. Zeit, ein Unternehmen zu planen oder zu beginnen. Sie verspricht Glück, Erfolg, Aktivität, Zufriedenheit und ein erfülltes Leben.

Runenbotschaft: Man sei zwischen den Extremen, betrachte sie nicht einzeln, sondern immer als Gesamtheit, verschmelze mit ihnen, erreiche den mystischen Augenblicks durch Erfassen des Mysteriums, und man empfange mystische Inspiration als Geschenk Odins. Man suche das Ideal überall – es verbirgt sich vielleicht auch dort, wo man es am wenigsten vermutet.

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Othala
germanisch: OÞala
gotisch: OÞal
altenglisch: Éthel
altnordisch: Óðal
Bedeutung: Heim
Lautwert: O
Zahl: 24
Schreiben: O
Kraft: passiv
Geschlecht: männlich
Aett: 3. Tyr
Götter: Odin
Baum: Weißdorn
Pflanze: Schneeglöckchen
Kraut: Goldfaden
Edelstein: Rubin
Farbe: tiefes Gelb
Elemente: Feuer, Luft
Halbmond: 1.  Neumond
Zeit ca.: Ende Nov. – Ende Dez.
Schlagworte: Heim, Heimat, Eigentum oder Erbbesitz, Verwurzelung, Geburtsland, Einfriedung, Hain der Mitte, unbewegliches und unverkäufliches, meist immaterielles Generationserbe, aristokratische Ordnung, Odins-Rune
Bedeutung: Othala (auch Odalaz oder Odhalaz) bedeutet Heim oder Heimat, aber auch ererbter Besitz. Othala ist das Ziel des Futhark und die Heimat des auf der Suche nach Wissen befindlichen Runenreisenden. Zur Heimat gehört auch der Stamm und die eigene Familie, und dies stellt Othala in allen möglichen Varianten dar. Das Runenzeichen symbolisiert ein abgeschlossenes, in einer Wechselbeziehung mit der Umgebung stehendes Gut. Die Form des Zeichens dient auch als Monogramm Odins. Mit Othala findet sich der Suchende am Ende des dritten Aetts auf der normalen Welt wieder, so wie man bei Fehu begonnen hat. Während Vieh allerdings beweglicher Besitz ist, ist das Land das einzige, was beständig ist. Es kann als Erbe weiter gereicht werden, aber – wichtiger noch – es definiert, wer man ist. Die Heimat ist der Grund und Boden, auf welchem der Mensch oder die Sippe verwurzelt ist. Hier lebten die Vorfahren, hier sind sie bestattet, hier lebten und leben die Eltern. Die frühe Kindheit wurde hier erlebt und man verbindet Geborgenheit und Unbeschwertheit mit dieser Rune. Sie bedeutet Heimat im positivsten Sinne des Wortes. Sie drückt, im Gegensatz zu Fehu (beweglicher Besitz), den unbeweglichen, den Landbesitz einer Sippe aus. Auch gemeinsame Werte der Sippe, wie zum Beispiel die Sprache oder kulturelle Gebräuche, spielen in diesen Bereich hinein. Othala ist der Boden, auf dem eine Sippe wachsen kann und der Boden, auf dem das Sippenbanner (Wunjo) errichtet wird. Sie ist die Vorraussetzung, die Basis. Die Heimat ist der Treffpunkt zwischen Midgard und Asgard, zwischen dem dort verwurzelten Menschen und den Göttern, zu denen er von dort aus blickt. Heimat ist die Achse, um die sich das Leben dreht. Die Idee des Landes oder Besitzes ist dennoch nur ein Symbol – man muß sein eigenes Zentrum finden, um seinem Leben einen Sinn zu geben, und dies ist das letztendliche Ziel der Reise durch die Runen. Alles führt schließlich wieder nach Hause, trotz aller Erlebnisse. Das soll aber nicht heißen, daß diese Reisen sinnlos sind. Im Gegenteil, nur durch diese Erkundungen bekommt das Heim überhaupt eine Bedeutung für den Menschen, und er versteht erst, was eine Heimat überhaupt ist. Keine diese Lehrstunden ist wirklich sinnvoll, wenn man sie nicht in sein alltägliches Leben einbindet und ein Zentrum findet, in dem man ruhen kann. Othala komplettiert nicht nur den kleinen Kreis des dritten Aetts, sondern bringt den Suchenden auch zum Beginn des Futharks selbst zurück, nur auf einer höheren Ebene. Von dort aus kann man die Reise wieder von vorn beginnen.

Mythologie: Das Mysterium von Othala wird durch die befestigte Abgrenzung des Clans symbolisiert, die seine unantastbaren Grenzen festlegt und ihn gegen glaubensfeindliche Eindringlinge schützen soll. Es ist die Essenz des kosmischen Konzeptes von Midgard – die Festung in der Mitte. Die Rune ist auch das Zeichen für angeborene Qualitäten, die aus der Abstammung von einem bestimmten Clan oder einer Sippe resultieren. Diese sind im wesentlichen spirituellen Ursprungs, und sie sind letztlich das Ergebnis göttlicher Abstammung zuzüglich der in der Vergangenheit von den Vorfahren gesetzten Handlungen. Othala ist eine spirituelle Quelle magischer Macht, resultierend aus den tugendhaften Taten vergangener Generationen, welche als runische Prägungen im „genetischen Code“ der Nachkommen gespeichert sind – eine machtvolle Rune Odins. Diese Rune symbolisiert das Erbe, das von Generation zu Generation in der ganzen Sippe weitergegeben wird, sowohl im materiellen wie auch im spirituellen Bereich. Es ist ebenso unbeweglich wie Grund und Boden und kann nur innerhalb des Stammes oder der Sippe vererbt werden. Durch die Institution der Ehe haben jedoch auch Außenstehende die Möglichkeit, Zugang zu dieser Macht zu erhalten und sie zu integrieren. Othala verkörpert die weise und gerechte Verwaltung des Landes durch die Edlen, jene, die von der geistigen Macht dieser Rune durchdrungen sind und sie im Einklang mit Stammestradition und Gesetz zur Anwendung bringen. Es ist die Rune des materiellen Wohlstands und Wohlbefindens. Sie wirkt Hand in Hand mit dem ergänzenden Konzept beweglichen Eigentums – der in Fehu enthaltenen Macht, um dieses wichtige Prinzip im Universum zu entwickeln und aufrechtzuerhalten. Othala bürgt für menschliche Freiheit innerhalb einer gesicherten und gesetzmäßigen Gesellschaft, die mit sich selbst und ihrer Umgebung im Einklang steht. Sie verkörpert traditionell bewahrte Stammes- und Sippengesetze auf spiritueller Ebene. Man könnte Othala auch als das Heidentum selbst betrachten, eine ererbte Heimat, in der man nun in der Morgendämmerung der Rune Dagaz wieder zu Wurzeln beginnt.

Magie: In der Magie kann Othala Rituale zum Kauf von Land unterstützen, helfen, ein Projekt zu komplettieren oder die Familie zu stärken. Othala ist die Rune der Freiheit innerhalb gewisser Grenzen.

Anwendung: Neutral steht Othala für die Energie, welche aus der Verwurzelung entspringt, positiv für den geistigen und emotionalen Weg nach Hause, negativ für den Verlust des Vorgenannten.

Wirkung: Aufrechterhaltung der Ordnung von Strukturen innerhalb der Gemeinschaft. Erwerben von Reichtum und Wohlstand. Förderung von Erbschaftsangelegenheiten. Sicherung des Besitzes. Hilfe bei Immobilienangelegenheiten. Kontakt zum Wissen der Ahnen und Übernahme desselben. Übergang vom Egoismus zum Stammesbewußtsein (gemeinsame Interessen in Familie und Heim). Amulette gegen Verlust des kollektiven Besitzes und gegen materielle Gefährdungen. Talismane für kollektiven Wohlstand und für den Zugang zu altem Wissen.

Heilrune: Zuständig für Erbkrankheiten und erblich bedingte Behinderungen. Erdung und Stabilisierung der Vitalkräfte.

Orakelbedeutung: Erbschaft, Land, Besitz, Gefolgschaft, Zugehörigkeitsgefühl. Heim, einschließlich körperlicher Vaterschaft. Spirituelles Erbe, Erfahrung und fundamentale Werte.

Runenbotschaft: Man werde sich darüber bewußt, was und wo die eigene Heimat ist und was sie bedeutet – sowohl auf der materiellen als auch auf der geistig- spirituellen Ebene. Man erkenne seine materiellen Wurzeln (Bodenständigkeit), denn man ist ein Geschöpf des Bodens. Man empfängt seine Heimat von den Ahnen, man nutze sie und mehre ihren Nutzen für die Sippe und gebe sie schließlich an seine Erben weiter, deren Ahne man dereinst selbst sein wird. Eine innere Heimat sorgt dafür, daß man immer zu sich selbst zurückfinden kann.

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Walhall, Ragnarök: Ende und Neubeginn

germanenherz-walhalla

Das ist kein Todessignal sondern vielmehr, ein Aufruf zum Kampf. Die letzte Schlacht, Ragnarök.

Walhalla – das Ziel aller tapferen Krieger

Walhall (oder Valhall, im Volksmund oftmals auch Walhalla genannt) bezeichnet in der nordischen Mythologie das Ziel aller gefallenen Krieger, die sich als tapfer erwiesen hatten und in der Schlacht ihr Leben gelassen hatten. Von Göttervater Odin selbst auserwählt, fanden die mutigen Männer ihre letzte Ruhestätte in einer Halle mit 540 Toren, durch die je 800 Einherjer nebeneinander einziehen können. in seinem in Asgard errichteten Schloss Gladsheim im Reiche der Asen gelegen.

Tagsüber messen sich dort die Einherjer im Zweikampf. Abends vergnügen sich die Kämpfer bei Bier und Met, welches ihnen die Walküren reichen. Diesen kommt aber auch die Aufgabe zu, die tapfersten der auf dem Schlachtfeld gefallenen Kämpfer auszusuchen und nach Walhall zu bringen.

Heidrun

Auf dem goldbedeckten Dach weidet die Ziege Heidrun. Sie spendet den Kriegern jenen köstlichen Trank in unversiegbarer Fülle, der ihnen das heldische Wesen bewahrt. Die Ziege ernährt sich vom Baum des Lebens, der Weltesche. Niemand weiß, wie weit die Wurzeln der Weltesche (Yggdrasil) reichen. Eisen und Feuer können der Esche von jeher nichts anhaben. Die Krone ist sehr hoch und von weichem Nebel umwoben. Der Tau, der entsteht, befeuchtet die Täler. Zu den Füßen dieses gewaltigen Baumes sprießt der muntere Quell der Norne Urd. In den Zweigen der Esche wohnt, spielt und terrorisiert das Eichhörnchen Ratatöskr.

Helgi

Der einzige Krieger, der es der Sage nach je geschafft hat, nach seinem Tod Walhall noch einmal zu verlassen, war der strahlende Held Helgi. Als Helgi in seinem Totenhügel begraben liegt, holt Wodan ihn aus seinem irdischen Sein und zeichnet ihn mit einer Gunst wie nie zuvor aus. Doch auf der Erde sieht die Magd der von Helgi geliebten Sigrun den verwundeten, stark blutenden Helgi an seinem Grabhügel vorbeireiten. Er sagt zu ihr, daß er nach dem Wunsch ihrer Herrin am nächsten Tag erneut zu seinem Grabhügel zurückkehren wird. Er sendet die Magd mit der Kunde zu ihrer Herrin. Am nächsten Tag geht Sigrun zu der Grabkammer ihres Geliebten, und die Magd hat recht behalten. Sie fällt ihrem Geliebten voller Freude um den Hals, und das einstige Pärchen verbringt eine letzte innige Liebesnacht, bevor im Morgengrauen, noch ehe der erste Hahnenschrei in Asgard ertönt, der Geliebte wieder nach Walhall zurückkehrt.

Einherjer

Walhall galt nach germanischem Glauben als eine Art Kriegerparadies. Die Helden, die dort Einlass fanden, waren von Odin handverlesen. Im Regelfall gelangten nur ausgezeichnete und überaus tapfere Kämpfer und Krieger dorthin, die in der nordischen Mythologie unter dem Namen „Einherjer“ bekannt sind. Dies geschah jedoch nicht nur zur Ehrung der ruhmreichen Helden, sondern auch in Hinblick auf die letzte Schlacht, Ragnarök. Aufgabe der Einherjer sollte es sein, dem Göttervater und seinem Gefolge im endzeitlichen Kampf gegen die gewaltigen Riesen beizustehen.

Die Walküren als Botinnen Odins

Das letzte Geleit wurde den Einherjern von den Walküren gegeben, Odins Schlacht- oder Schildjungfern. Die Kriegerjungfrauen, die auf dem Schlachtfeld zu finsteren Todesgeistern wurden, die Helden in den Tod lockten, hatten die Aufgabe, die Gefallenen auszuwählen, denen der Einlass in Walhall gewährt werden sollte. Sie fanden die Einherjer, indem sie übers Eine Walküre (Arbo, 19. Jahrhundert)Schlachtfeld ritten und die Tapfersten unter den im Kampf getöteten Helden auswählten. Diejenigen Gefallenen, auf welche die Wahl der Walküren gefallen war, wurden im Anschluss von den geisterhaften Jungfrauen nach Walhall geleitet.

Walhall – die Halle der toten Krieger

Die prächtige Halle, die den Einherjern zur letzten Ruhestätte wurde, befand sich in Odins Burg in Asgard, der Burg Gladsheim. Diese galt als die größte in Asgard errichtete Burg und diente dem Göttervater selbst als Wohnsitz. Den Vorstellungen des germanischen Götterglaubens entsprechend handelte es sich bei Walhall um eine überaus prunkvoll gestaltete Halle, deren Dach aus auf Speeren ruhenden Schilden bestand. Besonderes Augenmerk wurde vor allem auf die über 500 Tore gelegt, die aus der Halle führten: Jedes Einzelne von ihnen war so breit, dass achthundert Einherjer in einer Reihe hindurch schreiten konnten. Walhall war bewusst so konzipiert, damit die auserwählten Krieger bereits beim ersten Anzeichen der Götterdämmerung ausrücken könnten, um an der Seite Odins und im Kampf für ihn und sein Gefolge ein zweites und letztes Mal zu fallen.

Das Kriegerparadies

Zuweilen wurden die Einherjer, die von den Walküren nach Walhall geleitet worden waren, dort auch von Odins Söhnen Hermod oder Bragi empfangen und vor den Thron des Göttervaters geführt, der die gefallenen Helden freudig und mit offenen Armen empfing. Die prunkvolle Halle war hauptsächlich Schauplatz von Kampfspielen und üppigen Gelagen.

Künstlerische Darstellung von WalhallaTagsüber maßen sich die Einherjer konzentriert und voller Kampfeslust im Zweikampf und diversen anderen Kampfspielen, um für die letzte große Schlacht an der Seite der Götter auf den Vigrid-Ebenen gewappnet und vorbereitet zu sein.

Abends hingegen wurden große Feste und üppige Gelage gefeiert, bei denen die Walküren den Kriegern Walhalls Bier und Met reichten. Verspeist wurde jeden Abend aufs Neue der Eber Saehrimnir, der am Folgetag wieder lebendig und erneut geschlachtet, gebraten und verzehrt wurde. Ihren Met hingegen erhielten die Einherjer von der Ziege Heidrun, die vom Laub eines Baumes frisst, der mitten in der Halle prangte. Aus ihrem Euter floss tagtäglich eine große Menge an Met, mit der alle Einwohner Walhalls verköstigt werden konnten.

In Gesellschaft Odins

Der Göttervater Odin selbst wohnte den Kampfesspielen seines Heeres gerne bei und beobachtete die Turniere. Von seinem Thron Hlidskialf aus sah er gemeinsam mit seiner Gattin Frigg dem munteren Treiben zu. Der Sage nach wurde die Giebelwand von einem Hirschgeweih geziert, durch das sich die Einherjer an vergangene Jagdfreuden erinnern sollten, die sie zu ihren Lebzeiten erlebt hatten. Über dem westlichen Tor Walhalls war ein Wolf angebracht, über diesem thronte ein Adler. Die symbolische Bedeutung verwies auf die Tiere, die den Gott in die Schlacht begleiten sollten.

Ragnarök: Ende und Neubeginn

Der Begriff „Ragnarök“ leitet sich aus der altnordischen Sprache her und bedeutet in die deutsche Gegenwartssprache übersetzt in etwa „Schicksal der Götter“. Im Gegensatz zu monotheistischen Weltbildern geht die germanische Mythologie ähnlich wie die griechisch-römische antike Vorstellung von der Fehlbarkeit der Götter und einem befristeten Dasein derselbigen aus. Durch die menschlichen Charakteristika, die den Göttern zugesprochen werden, können sie ebenso wie die Menschen durch Verbrechen und Kriege Schuld auf sich laden und somit gerichtet werden. Ragnarök bedeutet im germanischen Götterglauben das Ende der Welt in Zerstörung und Untergang, was die Götterwelt ebenso betrifft wie die Menschenwelt. Diese Vernichtung ist jedoch keineswegs endgültig, aufgrund einer zyklischen Vorstellung des Weltenlaufs wird nach dem Untergang eine neue und gereinigte Welt aus dem Meer emporsteigen.

Die vier großen eschatologischen Ereignisse

Eingeleitet und begleitet wird der Untergang der Götter durch vier große eschatologische Ereignisse. Nicht nur die Kämpfe der Götter, Riesen und Ungeheuer bedingen das Ende und den Untergang der Welt, auch die Elemente sind in das Schicksal der Götter eingebunden. Nacheinander läuten der Fimbulwinter, der Weltenbrand, das Versinken der Erde und die Verdunkelung der Sonne Ragnarök ein und besiegeln bereits im Voraus und während der letzten Schlacht die endgültige Katastrophe.

Der Fimbulwinter

An erster Stelle steht der sogenannte Fimbulwinter, eine karge Eiszeit mit drei strengen und eisig kalten Wintern, die von Schneefall, Frost und Stürmen geprägt sind. Die klirrende Kälte des Fimbulwinters wird von keinem Sommer unterbrochen und ist eine Abfolge einer kalten und kargen Periode, die in sich bereits die Zeichen des Untergangs trägt.

Der Weltenbrand

Der Zeit der klirrenden Kälte folgt als zweites großes eschatologisches Ereignis der Weltenbrand. Dieser wird vom Riesen Surt ausgelöst, der als Flammenriese Gewalt über das Feuer besitzt und mit den Flammen seines Schwertes alles Leben auslöscht.

Das Versinken der Erde

Das dritte eschatologische Ereignis, das mit dem Untergang einhergeht, ist das Versinken der Erde. Sie geht in den Wellen des aufgepeitschten Ozeans unter, der vom Wüten der an Land gekommenen Midgardschlange aufgewühlt wurde und nun das Land überflutet und alles in seinen Wogen verschlingt.

Die Verdunkelung der Sonne

Das letzte der vier eschatologischen Ereignisse, die das Schicksal der Götter einleiten und es als düstere Katastrophen begleiten, ist die Verdunkelung der Sonne. Im Chaos der bebenden Erde, die Felsen einstürzen lässt und Bäume entwurzelt, kann sich der gefährliche Fenriswolf aus seiner Gefangenschaft in Ketten lösen. Er verschlingt die Sonne und bringt dadurch Finsternis und Dunkelheit über die Welt.

Das Nahen der Feinde

Durch die Fluten des Ozeans, der die Erde überschwemmt hat, wird das Totenschiff Naglfar flott, das aus den unbeschnittenen Nägeln von Leichen erbaut ist. Das riesenhafte düstere Meeresgefährt bringt die Riesen, die Feinde der Götter mit sich. Im Chaos der bebenden Erde gelingt es den kampfwütigen grimmigen Gestalten, die Regenbogenbrücke Bifröst zu überqueren, die als Verbindung zwischen Midgard und Asgard fungiert und so einen Weg zwischen Himmel und Erde, zwischen Göttern und Menschen ermöglicht. Zusammen mit den Gestalten Hels, der Unterwelt, versammeln sich Frost- und Eisriesen, die gewaltigen Ungeheuer Fenriswolf und Midgardschlange, der Verräter Loki und die Feuerriesen.
Heimdall, der Wächter der Regenbogenbrücke, die unter dem Ansturm der Feinde letztlich einstürzt, stößt einen Warnruf in sein Horn und verkündet den Göttern Asgards die herannahende Gefahr, die zur Ebene Wigrid gezogen ist, um sich dem endgültigen Kampf zu stellen.

Die Vorbereitung der Schlacht

Durch Heimdalls Horn gewarnt, versammeln sich die Götter und beratschlagen darüber, wie der Krieg gegen die Feinde zu führen ist. Der Göttervater Odin reitet zum Brunnen des Mimir, einem Weisheitsquell unter der Weltenesche Yggdrasil, um Rat zu holen. Die Asen und Wanen versammeln sich zusammen mit den Einherjern, den gefallenen tapferen Kriegern, die ihre letzte Ruhestätte in Walhall gefunden haben. Gemeinsam wappnen sich Götter und Einherjer für den entscheidenden Kampf und werden schließlich vom Göttervater im glänzenden Harnisch zur Ebene Wigrid geführt, um sich ihrem Schicksal zu stellen.

Ragnarök: Der letzte Kampf

Der Kampfplatz Wigrid ist der Schauplatz der letzten und katastrophalen Begegnung zwischen den Göttern und den Mächten der Unterwelt. Der Wane Freyr fällt im Kampf mit dem furchtbaren Feuerriesen Surt, dessen Schwert kurz darauf die Erde in Brand setzt. Der Höllenhund Garm und der Kampfesgott Tyr töten einander in einem grausamen Zweikampf, auch der listige Verräter Loki und der Brückenwächter Heimdall stehen einander gegenüber und beenden gegenseitig ihr Leben. Der mächtige Donnergott Thor trifft im Kampf auf die fürchterliche und gewaltige Midgardschlange. Zwar gelingt es ihm, das Ungeheuer zu töten, er stirbt jedoch selbst nur wenige Sekunden später an ihrem tödlichen Gift.
Auch der Göttervater Odin findet in dieser Schlacht sein Schicksal und sein Ende in den Klauen und zwischen den Zähnen des Fenriswolfes. Sein Sohn Vidar schließlich rächt den getöteten Vater und besiegt den Fenriswolf.

Ragnarök – Götterschicksal

Wie die Entstehung der Welt für die Germanen nicht der Anfang der Geschichte war, sollte die Götterdämmerung nicht ihr Ende sein, sondern lediglich eine weitere Zäsur im unendlichen Zyklus der Zeit.

Wie die Entstehung der Welt für die Germanen nicht der Anfang der Geschichte war, sollte die Götterdämmerung nicht ihr Ende sein, sondern lediglich eine weitere Zäsur im unendlichen Zyklus der Zeit. Hauptquelle der Überlieferung ist auch hier die Völuspa. Ihre eindrucksvolle Schilderung vom Untergang und der Erneuerung der Welt wird von einigen Stellen des Wafthrudnirliedes und des Hyndlaliedes. Auf diese Quellen bauen auch die einschlägigen Kapitel 51 bis 53 aus Snorris Gylgafinning auf, in denen allerdings – wie wir schon anmerkten – einiges verfälscht und hinzugefügt haben. Auch die Skalden Kormak (um 930) und Arnor Jarlaskald (um 1056) bezogen sich auf die Völuspa und die zwischen 940-950 und 961-970 verfaßten Preislieder auf die Könige Eirik und Hakon, gedenken ebenfalls dieser Zeit.

Der Beginn von Ragnarök wird durch das Krähen des Hahnes Gullinkambi  verkündet.

„Am Morgen der Zeiten, nachdem die Schöpfung vollbracht ist, verleben die Götter ihr Goldalter auf dem Idafeld, in Edens Gefilden.

Vol. 7. Auf Idafeld kamen / die Asen zusammen,
Altäre zu schaffen / und Tempel zu bauen;
Sie gründeten Essen, / das Gold zu schmieden,
Hämmerten Zangen / und Handwerkszeug.

Vol. 8. Im Hofe übten sie / heiter das Brettspiel –
An blitzendem Golde / gebrach’s ihnen nicht –
Bis die mächtigen drei / Mädchen kamen,
Die Töchter der Riesen / aus Thursenheim.

Unter diesen drei Mädchen glaubt man die drei Nornen verstehen zu dürfen, obschon niemals von deren riesischer Abkunft die Rede ist. Ihr Erscheinen schliesst die goldene Friedenszeit ab. Nun schildert die Seherin die Hauptbegebenheiten der Götter. Mit dem Totschlag der Gullweig in Walhall hebt der erste Streit zwischen Asen und Wanen an, der erste Weltkrieg. Die gebrochene Götterburg stellte der Riesenbaumeister wieder her. Aber er ward um seinen Lohn, um Freyja, Sonne und Mond, die er sich ausbedungen hatte, betrogen.

Vol. 26. Das wankten die Eide, / die Worte und Schwüre,
Die festen Verträge, / die man vordem schloss.

Gewaltthat, Krieg, Wortbruch führen eine neue schwere Zeit herauf, die bis zum Ende von rastlosem Kampfe erfüllt bleibt. Nachdem einmal der Gedanke an einen Untergang der Welt sich befestigt hatte, gewinnen alle Handlungen der Götter eine tiefere und weitere Bedeutung. Namentlich Thors Kämpfe mit den Unholden müssen in ein ganz neues Licht rücken. An den Grenzen der Welt lauern die Riesen, um hereinbrechend das alte Chaos wieder an Stelle der Weltordnung zu setzen. Die Götter haben die Aufgabe, den Bestand der Schöpfung zu sichern. Sorgenvoll sieht Odin die drohenden Anzeichen des nahenden Verderbens sich mehren, aber ernst gefasst schreitet er dem Verhängniss entgegen, heldenhaft reitet er endlich zum letzten Kampfe. Heimdalls Horn wird am Weltbaum verborgen, bis sein gehender Klang zum letzten Kampfe ruft. Aus Mimirs Quell schöpft Odin gegen Verpfändung seines einen Auges Weisheit. Krieg verbreitet sich unter den Menschen, weithin über die Erde reiten die Walküren. Unheilverkündende Träume erschrecken die Asen, von der Seherin, die er aus dem Todesschlafe aufsingt, holt Odin die düstre Kunde vom Falle Baldrs. Der lichte Gott ist tot, aber in Wali ersteht ihm ein Rächer, der Anstifter des Unheils, Loki, wird in Fesseln geschlagen. Ostwärts im Eisenwalde bringt ein altes Riesenweib Fenrirs Brut[9] zur Welt, aus welcher der unholdsgestaltige Erraffer der Sonne hervorgeht. Der nährt sich vom Fleisch Gefallener und rötet mit rotem Blute den Sitz der Götter, der Sonnenschein verdüstert sich, in den Sommern darauf kommt wüstes Wetter. Nachdem das Untier gross geworden, greift es also die Sonne an und verwandelt ihren hellen Schein in blutrote Farbe, wie bei der Verfinsterung zu sehen ist. Die Gylfaginning berichtet von einem schrecklichen Winter, dem Fimbulwinter, der dem Weltende vorangeht“.

„51. Da sprach Gangleri: Was für Zeitungen sind zu sagen von der Götterdämmerung? Ich hörte dessen nie zuvor erwähnen. Har antwortete: Davon sind viele und wichtige Zeitungen zu sagen. Zum ersten, daß ein Winter kommen wird, Fimbulwinter genannt. Da stöbert Schnee von allen Seiten, da ist der Frost groß und sind die Winde scharf, und die Sonne hat ihre Kraft verloren. Dieser Winter kommen dreie nacheinander und kein Sommer da zwischen. Zuvor aber kommen drei andere Jahre, da die Welt mit schweren Kriegen erfüllt sein wird. Da werden sich Brüder aus Habgier ums Leben bringen und der Sohn des Vaters, der Vater des Sohnes nicht schonen. So heißt es in der Völuspa:

Brüder befehden sich / und fällen einander,
Geschwisterte sieht man / die Sippe brechen.
Unerhörtes ereignet sich, / großer Ehbruch.
Beilalter, Schwertalter, / wo Schilde klaffen,
Windzeit, Wolfszeit, / eh die Welt zerstürzt.
Der eine achtet / des andern nicht mehr.

Da geschieht es, was die schrecklichste Zeitung dünken wird: daß der Wolf die Sonne verschlingt, den Menschen zu großem Unheil. Der andere Wolf wird den Mond packen und so auch großen Schaden tun, und die Sterne werden vom Himmel fallen. Da wird sich auch ereignen, daß so die Erde bebt und alle Berge, daß die Bäume entwurzelt, die Berge zusammenstürzen und alle Ketten und Bande brechen und reißen. Da wird der Fenriswolf los, und das Meer überflutet das Land, weil die Midgardschlange wieder Jotenmut annimmt und das Land sucht. Da wird auch Naglfar, das Schiff, das so heißt und aus Nägeln der Toten gemacht ist, weshalb wohl die Warnung am Ort ist, daß, wenn ein Mensch stirbt, ihm die Nägel nicht unbeschnitten bleiben, womit der Bau des Schiffes Naglfar beschleunigt würde, den noch Götter und Menschen verspätet wünschen. Bei dieser Überschwemmung aber wird Naglfar flott. Hrymr heißt der Riese, der Naglfar steuert. Der Fenriswolf fährt mit klaffendem Rachen umher, daß sein Oberkiefer den Himmel, der Unterkiefer die Erde berührt, und wäre Raum dazu, er würde ihn noch weiter aufsperren. Feuer glüht hin aus den Augen und Nasen. Die Midgardschlange speit Gift aus, daß Luft und Meer entzündet werden; entsetzlich ist ihr Anblick, indem sie dem Wolf zur Seite kämpft. Von diesem Lärmen birst der Himmel: da kommen Muspels Söhne hervorgeritten. Surtur fährt an ihrer Spitze, vor ihm und hinter ihm glühendes Feuer. Sein Schwert ist wunderscharf und glänzt heller als die Sonne. Indem sie über die Brücke Bifröst reiten, zerbricht sie, wie vorhin gesagt ward. Da ziehen Muspels Söhne nach der Ebene, die Wigrid heißt; dahin kommt auch der Fehriswolf und die Midgardschlange, und auch Loki wird dort sein und Hrymr, und mit ihm alle Hrimthursen. Mit Loki ist Hels ganzes Gefolge, und Muspels Söhne haben ihre eigene glänzende Schlachtordnung. Die Ebene Wigrid ist hundert Rasten breit nach allen Seiten.

Und wenn diese Dinge sich begeben, erhebt sich Heimdall und stößt aus aller Kraft ins Giallarhorn und weckt alle Götter, die dann Rat halten. Da reitet Odin zu Mimirs Brunnen und holt Rat von Mimir für sich und sein Gefolge. Die Esche Yggdrasil bebt, und alles erschrickt im Himmel und auf Erden. Die Asen wappnen sich zum Kampf, und alle Einherier eilen zur Walstatt. Zuvorderst reitet Odin mit dem Goldhelm, dem schönen Harnisch und dem Spieß, der Gungnir heißt. So eilt er dem Fenriswolf entgegen, und Thor schreitet an seiner Seite, mag ihm aber wenig helfen, denn er hat vollauf zu tun, mit der Midgardschlange zu kämpfen. Freyr streitet wider Surtur, und kämfen sie ein hartes Treffen, bis Freyr erliegt, und wird das sein Tod, daß er sein gutes Schwert mißt, das er dem Skirnir gab. Inzwischen ist auch Garm, der Hund, losgeworden, der vor der Gnupahöhle lag: das gibt das größte Unheil, da er mit Tyr kämpft und einer den andern zu Falle bringt. Dem Thor gelingt es, die Midgardschlange zu töten; aber kaum ist er neun Schritte davongegangen, so fällt er tot zur Erde von dem Gifte, das der Wurm auf ihn gespien hat. Der Wolf verschlingt Odin, und wird das sein Tod. Alsbald kehrt sich Widar gegen den Wolf und setzt ihm den Fuß in den Unterkiefer. An diesem Fuße hat er den Schuh, zu dem man alle Zeiten hindurch sammelt, die Lederstreifen nämlich, welche die Menschen von ihren Schuhen schneiden, wo die Zehen und Fersen sitzen. Darum soll diese Streifen ein jeder wegwerfen, der darauf bedacht ist, den Asen zu Hilfe zu kommen. Mit der Hand greift Widar dem Wolf nach dem Oberkiefer und reißt ihm den Rachen entzwei, und wird das des Wolfes Tod. Loki kämpft mit Heimdall und erschlägt einer den andern. Darauf schleudert Surtur Feuer über die Erde und verbrennt die ganze Welt. So heißt es in der Völuspa:

Ins erhobne Horn / bläst Heimdall laut;
Odin murmelt mit / Mimirs Haupt.
Yggdrasil zittert, / die ragende Esche;
Es rauscht der alte Baum, / da der Riese frei wird.

Was ist mit den Asen, / was ist mit den Alfen?
All Jötunheim ächzt, / die Asen versammeln sich.
Die Zwerge stöhnen / vor steinernen Türen,
Der Bergwege Weiser: / Wißt ihr, was das bedeutet?

Hrym fährt von Osten, / es hebt sich die Flut;
Jörmungandr[18] wälzt sich / im Jötunmute.
Der Wurm schlägt die Brandung, / aufschreit der Adler,
Leichen zerreißt er; / Naglfagr wird los.

Der Kiel fährt von Osten, / Muspels Söhne kommen
Über die See gesegelt, / und Loki steuert.
Des Untiers Abkunft / ist all mit dem Wolf;
Auch Bileists Bruder / ist ihm verbunden.

Surtur fährt von Süden / mit flammendem Schwert,
Von seiner Klinge scheint / die Sonne der Götter.
Steinberge stürzen, / Riesinnen straucheln,
Zu Hel fahren Helden, / der Himmel klafft.

Nun hebt sich Hlins / anderer Harm,
Da Odin eilt / zum Angriff des Wolfs.
Belis Mörder / mißt sich mit Surtur:
Da fällt Friggs / einzige Freude.

Nicht säumt Siegvaters / erhabner Sohn,
Mit dem Leichenwolf / Widar zu fechten:
Er stößt dem Hwedrungssohn / den Stahl ins Herz
Durch gähnenden Rachen: / so rächt er den Vater.

Da schreitet der schöne / Sohn Hlodyns
Der Natter näher, / der neidgeschwollnen.
Mutig trifft sie / Midgards Weiher;
Doch fährt neun Fuß weit / Flörgins Sohn.
Alle Wesen müssen / die Weltstatt räumen.

Schwarz wird die Sonne, die Erde sinkt ins Meer, Vom Himmel fallen die heitern Sterne, Glutwirbel umwühlen den allnährenden Weltbaum, Die heiße Lohe beleckt den Himmel.

Auch heißt es so:

Widrid heißt das Feld, / wo sich finden zum Kampf
Surtur und die sel’gen Götter.
Hundert Rasten / hat es rechts und links:
Solcher Walplatz wartet ihrer.

52. Da fragte Gangleri: Was geschieht hernach, wenn Himmel und Erde verbrannt sind und alle Welten und die Götter alle tot sind und alle Einherier und alles Menschenvolk? Ihr habt vorhin doch gesagt, daß ein jeder Mensch in irgendeiner Welt leben soll durch alle Zeiten. Hat antwortete: Es gibt viel gute und viel üble Aufenthalte; am besten ist’s, in Gimil[20] zu sein. Sehr gut ist es auch für die, welche einen guten Trunk lieben, in dem Saale, der Brimir heißt und gleichfalls im Himmel steht. Ein guter Saal ist auch jener, der Sindri heißt und auf den Nidabergen steht, ganz aus rotem Gold gebaut. Diese Säle sollen nur gute und rechtschaffene Menschen bewohnen. In Nastrand[21] ist ein großer, aber übler Saal, dessen Türen nach Norden sehen. Er ist mit Schlangenrücken gedeckt, und die Häupter der Schlangen sind alle in das Haus hineingekehrt und speien Gift, daß Ströme davon durch den Saal rinnen, durch welche Eidbrüchige und Meuchelmörder waten, wie es heißt:

Einen Saal seh‘ ich / der Sonne fern,
In Nastrand; die Türen / sind nordwärts gekehrt.
Gifttropfen fallen / durch die Fenster nieder;
Aus Schlangenrücken / ist der Saal gewunden.
Im starrenden Strome / stehn da und waten
Meuchelmörder / und Meineidige.

Aber in Hwergelmir ist es am schlimmsten:
Da saugt Nidhöggr / der Entseelten Leichen.

53. Da sprach Gangleri: Leben denn dann noch Götter, und gibt es noch eine Erde oder einen Himmel? Har antwortete: Die Erde taucht aus der See auf, grün und schön, und Korn wächst darauf ungesät. Widar und Wali leben noch, weder die See noch Surturs Lohe hat ihnen geschadet. Sie wohnen auf dem Idafeld, wo zuvor Asgard war. Auch Thors Söhne, Modi und Magni, stellen sich ein und bringen den Miöllnir mit. Danach kommen Baldur und Hödur aus dem Reiche Hels: da sitzen sie alle beisammen und besprechen sich und gedenken ihrer Heimlichkeiten, und sprechen von Zeitungen, die vordem sich ereignet, von der Midgardschlange und dem Fenriswolf. Da finden sich im Grase die Goldtafeln, welche die Asen besessen haben. Wie es heißt:

Widar und Wali / walten des Heiligtums,
Wenn Surturs Lohe losch.
Modi und Magni / sollen Miöllnir schwingen
Und zu Ende kämpfen den Krieg.

An einem Orte, Hoddmimirs-Holz genannt, verbargen sich während Surturs Lohe zwei Menschen, Lif und Lifthrasir genannt, und nährten sich vom Morgentau. Von diesen beiden stammt ein so großes Geschlecht, daß es die ganze Welt bewohnen wird. So heißt es hier:

Lif und Lifthrasir / leben verborgen
In Hoddmimirs Holz;
Morgentau / ist all ihr Mahl.
Von ihnen stammt ein neu‘ Geschlecht.

Und das wird dich wunderbar dünken, daß die Sonne eine Tochter geboren hat, nicht minder schön als sie selber: die wird nun die Bahn der Mutter wandeln. So heißt es hier:

Eine Tochter entstammt / der strahlenden Göttin,
Eh der Wolf sie würgt.
Glänzend fährt / nach der Götter Fall
Die Maid auf den Wegen der Mutter.

Wenn du aber nun weiter fragen willst, so weiß ich nicht, woher dir das kommt; denn nie hört ich jemanden mehr von den Schicksalen der Welt berichten. Nimm also hiermit vorlieb.“

Der Neubeginn nach dem Ende

Nicht alle Götter fallen in der letzten Schlacht, die Söhne Thors, Magni und Modi, überleben, auch Odins Kinder Vidar und Vali finden sich im ehemaligen Asgard ein. Balder und Hödur kehren aus Hel zurück.
Nach dem großen Untergang wird eine neue und gereinigte Welt entstehen. Die neue Welt wird sauber und rein sein. Es wird keinen Hass mehr geben. Gemeinsam werden die übriggebliebenen Götter mit den Menschen leben, denn es wird ein allmächtiger Gott wiederkehren und herrschen. Ihn hat es schon immer gegeben und es wird ihn immer geben. Er wird keinen Namen haben. Dieser Gott hatte einst auch das Universum erschaffen. In einigen Überlieferungen wird er auch Allvater genannt.
So werden sich denn Ende und Neuanfang begeben

Germanische Mythologie

  EINLEITUNG Es läßt sich mit großer Wahrscheinlichkeit voraussetzen, daß die Stammväter der Germanen, nachdem sie sich von den anderen Ariern getrennt hatten und in zwei Strömen die Ebenen Mitteleuropas und den hohen Norden unseres Kontinents überfluteten, die alten religiösen Anschauungen der Urheimat noch treu bewahrten und vorzugsweise die lichten Mächte des Himmels verehrten. Darauf … Weiterlesen

Kulturbringer Odin, Allvater, Wotan

Einsam sind die tapferen und die Gerechten. Doch mit ihnen ist die Gottheit. Odin, Allvater, Wotan. Gar viele Namen hat Allvater, stetig wacht der Vater aller Götter. Sei Dir bewusst, dass der absolut unkriegerische, große Fragende und Reisende Gott der Germanen absolut friedlich war. Er war kein Missionar, kein Besetzer, kein Besserwisser! Er war bescheidener Suchender … Weiterlesen

Yggdrasil

Der Weltenbaum der germanischen Mythologie ist eine der schönsten Schilderungen der verschiedenen Sphären der Existenz.Die Zweige der Esche breiten sich über die ganze Welt und reichen hinauf bis über den Himmel. Drei Wurzeln halten ihn aufrecht, eine reicht zu der Unterwelt der Asen an den Fluss Äsir, die andere zu den Hrimthursen, wo einstmals Ginnungagap … Weiterlesen

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Erzähler der Götter- und Heldensagen  Snorri Sturluson wurde im Jahre 1179 in Hvammur geboren. Seine Eltern Sturla Thórdarson, ein westisländischer Gutsherr, und Gudny Bödvarsdóttir gelten als Gründer des Geschlechtes der Sturlungar. In jungen Jahren wurde Snorri zu dem Goden Jón Loptsson nach Oddi geschickt, einem Bildungszentrum in Südisland und Sitz der Familiensippe der Oddverjar. Dort … Weiterlesen

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Im wikingerzeitlichen Norden stand die Dichtkunst in hohem Ansehen. Die Bezeichnung für Dichter war “Skalde” (altnordisch singular skáld). Der früheste bekannte Skalde war Bragi Boddason der Alte, von dem die sogenannte Ragnarsdrápa überliefert ist, ein Gedicht, in dem er mythologische, auf einem Schild dargestellte Szenen schildert. Wahrscheinlich ist er mit dem Bragi, der später als … Weiterlesen

Der himmlische Lichtbaum der Indogermanen in Sage und Kultus.

Wenn die prähistorische Archäologie allmählich immer mehr einen gewissen homogenen Zustand der in Europa sich ausbreitenden und dasselbe eigentümlich kolonisierenden indogermanischen oder arischen Stämme in Bezug auf das häusliche Leben und die Anfänge gewerblicher Thätigkeit aufdeckt, so entsprechen dem auch die Besultate der Untersuchungen über den mythologisch-religiösen Entwickelungsstandpunkt derselben. Neben den überall bei den betreffenden … Weiterlesen

Frömmigkeit nordischer Artung

Ein Querschnitt durch das Indogermanentum von Benares bis Reykjavik7. Auflage, 1989, Verlag Hohe Warte • Franz von Bebenburg • KG Hans F.K. Günther zeigt zunächst einmal, was nordische Frömmigkeit nicht ist, beispielsweise die Herabwürdigung des Leibes, die Abhängigkeit der Frömmigkeit von dem Tode, die Wertung des diesseitigen Lebens als Jammertal. Er zeigt darüber hinaus die … Weiterlesen

Die Irminsul

Ehre die Ahnen! Halgadom, aus den Stücken Runenkraft und Wotans Krieger Kennst du die alte Kunde vom germanischen Heiligtum, verborgen in Teutoburgs Wäldern, den göttlichen Mächten zum Ruhm? Dort an den Externsteinen die Irminsäule stand. So lange man sie ehrte, war Einigkeit im Land. Da kamen die fränkischen Heere, vergiftet vom Geist der Zeit, die … Weiterlesen

Atlantis, Edda und Bibel – 200 000 Jahre Germanischer Weltkultur

Hörbuch .Hier als pdf >   < Die Edda als pdf Wenn die „Edda“ nicht in Ihrem Bücherschrank steht, dann können Sie sie hier herunterladen: „Edda“ (PDF, 691 kB) Die Edda, das Buch der Götter und Heldensagen! Das Buch der Götter und Heldensagen, die Edda wird als Überlieferung des alten Nordischen Heidnischen Glaubens gehandelt. Sollte … Weiterlesen

 

Mythologie der Germanen – Der Seelenglaube

Tief aus der Deutschen Seele

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Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen von Meyer Elard Hugo.
Mythologie ist uralte religiöse Naturpoesie, die die Menschheit mit einer zaubervollen Märchenwelt umgab. Die Mythen wurden nicht wie unsre Kinder- und Hausmärchen nur von den Kindern geglaubt oder daheim zur Unterhaltung erzählt, sondern vom ganzen Volke wie etwas Wirkliches geschaut und empfunden und in Furcht und Hoffnung heilig gehalten. Denn sie waren aus seinem innersten Eigen geboren, geistige Spiegelbilder gewisser Naturvorgänge, sei es des engeren Menschenlebens, sei es der weiten Welt ringsum, in denen ein geheimnisvolles übermenschliches Wesen zu leben und zu weben schien.

So verflochten sich bereits mit diesen ältesten traumhaften Vorstellungen jene ältesten religiösen Gefühle der Furcht und der Hoffnung und somit der Abhängigkeit von etwas Übermenschlichem. Sie trieben den Menschen dazu, diesen Phantasiegebilden Ehren zu erweisen, ihnen zu opfern, auch ihr Tun und Treiben im Kultus dramatisch darzustellen. Die daraus entsprungenen Riten wurden dann zum Teil wieder in die Erzählung des Mythus aufgenommen und gestalteten sie oft eigenartig um. Doch finden wir im germanischen Mythus kaum sichere Spuren davon. Dagegen mit der Hebung der Kultur, dem wachsenden Schwung der Phantasie, der Verfeinerung des Gemütes und der Schärfung des Verstandes flössen reichere, freiere, sinnvollere Mythen zu, welche Kulturzustände oder geistige Tätigkeiten personifizierten und eine Erklärung der mancherlei Rätsel des Lebens und der Welt zu geben suchten. Diese schwollen, mit den alten vereint, je nach Schicksal, Begabung und Richtung der Völker zu mehr oder minder breiten, trüberen oder helleren Strömen, zu ganzen Mythologieen an, bis sie teilweise in das umfassendere Gedankenmeer einer monotheistischen Religion mündeten.

Die menschliche Einbildungskraft, die Haupttriebfeder der Mythologie, vermag zwar auch das toteste, unpersönlichste Ding bis zu einem gewissen Grade vorübergehend zu beleben und zu beseelen. Aber nur eine Auslese von Dingen und Erscheinungen war imstande, sie zu eigentlich lebensfähiger, personifizierender, eindrucksvoller und allgemein anerkannter Mythenbildung aufzuregen, nämlich solche, in denen drei Eigenschaften vereinigt waren: ein geheimnisvolles, rätselhaftes und darum staunenerweckendes Äussere, ein sinnenfälliger, den Schein persönlichen Lebens tragender Formen- oder Kraftwechsel und ein starker Einfluß auf das Wohl und Wehe des Menschen. Nur diesen erkannte man die Bedeutung und Lebenskraft eines übermenschlichen Wesens zu. Solche Erscheinungen sind im Menschendasein vor allem der Tod, dann der Traum und im weiteren Welträume die Luft- und Himmelserscheinungen: das Gewitter, der Wind, der Wolkenzug, das Himmelslicht, die Tageshelle und die großen Gestirne, endlich auch die sprossende Erde.

Wer mag bestimmen, welche von den erwähnten Erscheinungen zuerst die Phantasie wie mit einer Zauberrute aus ihrem Schlummer weckte? Sie mögen in unvordenklicher Zeit gleichzeitig gewirkt haben. Aber so viel ist gewiß, daß der Anblick des Sterbens, das dem Naturmenschen ebenso unverständlich war wie das Leben selbstverständlich, und die Folgen, die der Tod für die Angehörigen der Verstorbenen hatte, gerade in der unsrer Kunde erreichbaren ältesten Zeit einen besonders wichtigen und umfangreichen Mythenkreis veranlaßt haben. Dessen hohes Alter wird auch durch den Einklang der Vorstellung nicht nur der germanischen und indogermanischen, sondern auch der niedrigsten Völker der Erde bezeugt, der auf keinem mythologischen Gebiete so überraschend genau ist wie auf diesem. Noch ein anderes auffälligeres Zeugnis für diesen alten Bestand darf man anführen, das nämlich, daß der aus diesem Gebiete entsprungende rohe und ärmliche Geister- und Gespensterglaube üppiger als irgend welcher andre Heidenglaube noch heute fortwuchert. Denn es ist ein durchgreifendes Gesetz der Psychologie, daß eine Vorstellung je älter, desto unverwüstlicher ist. Die Götterwelt, das Letzte und Schönste des Heidentums, ist längst vor den Augen des Volkes versunken. Für zerstäubt in nichts gilt auch schon lange wenigstens der Mehrheit das Elfenwesen; die Gespenster aber leben in der Einbildung gar vieler noch heute fort und feiern sogar Triumphe in gebildeten Spiritistenkreisen. Fast möchte man sagen, der Same des Gespensterglaubens rege sich in uns Allen, wo die Nähe einer Leiche und das tiefe Dunkel der Nacht in einem Sterbezimmer, auf einem Friedhof, an einer Mordstätte sich vereinen, oder auch sogar mitten im hellerleuchteten vollen Theater, wenn ein wirklicher Dichter an ihn appelliert. „Auch kommt es nur“, sagt Lessing in seiner Dramaturgie,

„auf die Kunst des Dichters an, diesen Samen zum Keimen zu bringen; nur auf gewisse Handgriffe, den Gründen für die Wirklichkeit von Gespenstern in der Geschwindigkeit den Schwung zu geben. Hat er diese in seiner Gewalt, so mögen wir im gemeinen Leben glauben, was wir wollen, im Theater müssen wir glauben, was Er will. Vor dem Gespenste in Shakespeares Hamlet richten sich die Haare zu Berge, sie mögen ein gläubiges oder ein imgläubiges Gehirn bedecken“.

Wenn es uns rührt und erhebt, daß schon die Urmenschen hinter dem Tode ein Leben witterten und der erbarmungslosen Tatsache des Sterbens ein durch den Tod ununterdrückbares Leben entgegenstellten, so erfüllt es uns fast mit Scham, oder soll ich lieber sagen, mit Demut, daß ihre tiefsten Geheimnisse auch noch die unsrigen sind: Leben, Tod, Seele. Gerade darum haben diese der ältesten Religion den Boden aufgewühlt, sie sind die starken Pflugscharen noch unsers Glaubens.

Um den Begriff der Seele oder des Geistes dreht sich dieser alte Mythenkreis. Dieser Begriff ist ursprünglich keine Abstraktion, herausgezogen etwa aus der zusammenfassenden Beobachtung der vielen Einzelerregungen des eigenen Inneren, er ist auch nicht das Produkt der Sehnsucht nach einem höheren, freieren Dasein. Er ist dem schmerzlichen Anblick der seltsamen, wechselnden Wandelungen, die der Sterbende in seinen letzten Stunden durchmacht, abgerungen. Da wird der Atem immer schwerer und langsamer, um dann plötzlich still zu stehen, das Auge bricht und starrt unheimlich, Wärme und Farbe verlassen den Leib, kalt, bleich, steif und lautlos liegt er da, wie ein Stein. Nach unsrer gegenwärtigen Gemeinauffassung ist mit diesen Vorgängen das physische Leben und gleichzeitig mit ihm, aber losgelöst von ihm, das psychische Leben, die Seele, entflohen. Jenes besteht überhaupt nicht mehr und läßt den Leib als tote Masse zurück, die Seele aber lebt für sich in einer anderen Welt unvergänglich weiter. Eine alte weitverbreitete und auch germanische Auffassung war eine ganz andre. Nicht nur gleichzeitig mit, sondern in dem physischen Leben, in dem Atem, der Bewegung, der Wärme und Farbe entwich die Seele. Das physische Leben selber war ein Wesen, das im Tode sich löste, so daß es gleichsam zweimal da war, neben seinem lebendigen Ich ein im Tode erst frei werdendes andres Ich beherbergte. Dieses letzte, das im Kopfe wohnt, ging beim Sterben als ein Bewegliches, ein Hauch, ein Wind, ein Nebel, ein Licht oder gar als ein Tierchen aus dem Munde davon. Die Seele blieb also ein körperliches, wenn auch ein verflüchtigtes oder zusammengeschrumpftes Wesen. Sie hielt sich auch möglichst dicht an den verlassenen Leib, wohnte bei ihm im Grabe oder in dessen Nähe, oder auch in dem von ihm verlassenen Hause, oder in benachbarten Bäumen und Hügeln. Sie war auch nicht unvergänglich, sondern starb mit dem Zerfall der Leiche, zu der sie gehörte, oder welkte mit der Erinnerung der Überlebenden an den Toten auf immer dahin. Dazu stimmt, daß in den dänischen Steingräbern die Knochen der älteren Leichen bei Seite geschoben und über einander aufgestapelt wurden, um Platz für die neu beigesetzten Gerippe zu gewinnen. Viele neue Gräber sind auf fränkischen und merovingischen Gräberfeldern in und quer durch ältere gelegt.

Die Seele ist nach der germanischen Anschauung vor allem das Bewegliche. Denn die beiden Wörter Seele, gotisch saiwala, und See, gotisch saiws sind beide derselben Wurzel entsprungen, die etwas Bewegliches bezeichnet haben muß. Der Begriff einer noch heftigeren Beweglichkeit möchte im Worte Geist stecken, was besonders die nordischen Worte geisa = brausend einherfahren, wüten, geistr = heftig, feurig, geist = brausend, schnell verraten. Die deutsche Sage erzählt wiederholt von brausenden Geistern. Aus einer Wurzel an = hauchen entwickelte sich das indische anas Hauch, anilas Wind, das griechische anemos Wind, das lateinische anima Wind und Seele, vergleichbar dem griechischen Psyche Hauch und Seele. Zur Wurzel an gehört das althochdeutsche unst = Wind, Sturm und möglicherweise auch das althochdeutsche ano, unser Ahne, das ursprünglich einen, der ausgehaucht hat, einen Verstorbenen und darnach den Vorfahren bezeichnet hätte. Auch das gothische us-anan bedeutet aushauchen und das aus derselben Wurzel erwachsene nordische Seele, Leben, andi Geist und ör-endr todt, eigentlich ausgehaucht.

Noch sicherer als die Sprache bezeugt der Volksglaube die Windnatur der Seele. Die plötzlich gewaltsam ausgepreßte oder auch die beim Tode imruhige Seele fährt folgerichtig nicht als Wind, sondern als Sturm davon. Darum heißt es noch durch ganz Deutschland, daß sich ein Sturm erhebe, wenn sich jemand erhängt, und sich erst nach dessen Bestattung lege.

„Welcher Lump mag sich nun wieder erhängt haben!“

sagt man am Lechrain bei plötzlich losbrechendem Sturm. So sauste einmal an Hans Sachs im Walde bei Osnabrück das wütende Heer der kleinen Diebe vorbei, das aus lauter Erhängten bestand, und darunter ein erst desselbigen Tags Gehenkter, mit dem er sich in ein Gespräch einließ, fuhr dahin „als ein scharpfer Wind“. In Schwaben fahren auch die im Rausch Gestorbenen mit dem Muetisheer d. h. dem stürmischen wilden Heer. Von den Geistern Verstorbener heißt es in England, daß sie Hindernisse auf ihrem Wege umwerfen wie „a furious whirlwind“.

Rührend ist, daß eine im Kindbett und noch dazu ohne Beichte, also mit doppelt unruhiger Seele gestorbene Frau im Wirbelwind dahinfliegt. Dagegen wenn ein Mensch ruhig verscheidet, bewegt sich nach Schweizer Glauben die Luft im Sterbezimmer mit leisem Wehen. In Devonshire kann ein Verschluß im Hause das Sterben eines Kranken verzögern, und so öffnet man in Bayern wohl das Fenster oder deckt einige Dachschindeln ab, um einem Menschen das Sterben zu erleichtern. Gemeindeutscher Brauch, der sich noch an zahllosen Orten erhalten hat, war es, beim Eintreten des Todes ein oder mehrere Fenster, die Türe, die Luke oder gar die „Dachblatte“ zu öffnen, daß die Seele bequem hinwegfliegen könne. Man jagt sie sogar bisweilen durch Wehen mit Tüchern hinaus und ruft ihr nach „Geh hin und pfludere“ d. h. flattere. Hat das Dach im Aargau keine „Heiterlöcher“ d. h. Luftlöcher, so sucht die Seele des verstorbenen Hausbewohners gewaltsam Einlaß, indem sie es mit Sturm abdeckt. Darum muß in einigen Orten der Schweiz immer ein Fenster oder eine Stelle des Dachs offen bleiben, damit der „Geist“ aus- und eingehen könne. Im Unterinntal fahren noch heute die armen Seelen im sogenannten Allerseelenwind und anderswo in Deutschland nach älterem, schon von Geiler v. Keisersperg um 1500 bezeugten Glauben alle eines gewaltsamen Todes Gestorbene oder vor der Taufe gestorbene Kinder im wütenden Heer oder in der wilden Jagd, namentlich während der Zwölften, der zwölf heiligen Nächte der Jahreswende. Dieser Jagdzug der Seelen hat im höheren Norden im Geisterzuge der norwegischen Aaskereia, Oskerei, die ebenfalls in den Jul-nächten durch die Dörfer und Häuser tobt, noch den niedrigeren rein dämonischen Charakter bewahrt. Sie hat keine Gottheit an ihrer Spitze, die doch in Deutschland und Dänemark den Zug führt: nämlich Wodan oder auch Bertha oder Holda. In dieser Verbindung mit der Gottheit erreicht die Vorstellung vom Windseelenzuge ihren höchsten mythologischen Ausdruck. Ähnliche Stadien durchläuft der griechische Seelenglaube: in der Odyssee werden die dicht vor ihrer Hochzeit gestorbenen Töchter des Pandareos durch Stürme hinweggeführt, offenbar ursprünglich ihre, über ihr Los zürnenden windförmigen Seelen. Ein paar Verse weiter heißen diese Stürme schon Harpyien, sind also dahin raffende Winddämonen geworden. Später sausen vor ihrer Hochzeit verstorbene Mädchen im Heer der Jagdgöttin Artemis oder in dem ganz jagdartig dargestellten, von Hunden umbellten Schwarm der Hekate. In Indien fahren die Bhütas, die Seelen von Bösewichtern, im Gefolge des Sturmgottes Rudra durch die Luft. Selbst in den höchsten Mythen von der Windseele berühren sich also die verschiedenen indogermanischen Völker.

Verdichtet sich der Hauch, so wird er zum Nebel, Dunst, Rauch oder gar zur Wolke. Schon bei Homer geht die Seele als Rauch oder Schatten dahin. Nach dem neueren germanischen Aberglauben schwebt in Tirol die Seele eines Tugendhaften als weißes Wölkchen aus dem Munde. Wo man ihr im schlesischen Dyhemfurth beim Sterbefall nicht das Fenster öffnete, sah man sie am nächsten Morgen als Rauchwölkchen an der Zimmerdecke. In Ostpreußen können manche den Gestorbenen noch vierzig Tage nach dem Tode als eine nebelartige Gestalt erkennen. Und nicht nur im Tode, sondern auch im Traume des todähnlichen Schlafs wird jenes andere Ich, die Seele, lebendig und kann durch den atmenden Mund herausspazieren, um am Schluß des Traumes wieder zum Körper des Schläfers zurückzukehren. Diese Traumseele entschlüpft als Dunst dem Munde eines Schlafenden nach hessischer wie Oldenburger Sage; nach dieser kehrt sie zurück und mit ihr das Leben, nach jener bleibt sie aus und der Tod erfolgt. Diese Sage lebt voll ausgebildet in Island weiter und war schon vor mehr als einem Jahrtausend bekannt. Nur güt, was man in Island von einem bläulichen Dunst erzählt, im altfränkischen Bericht von einem Tierlein. Der gute Frankenkönig Gunthram, der um 600 lebte, war einmal auf der Jagd im Schoß eines Dieners eingeschlafen. Da schlich aus seinem Munde ein Tierlein in Schlangenweise hervor und wollte gern über den nahen Bach. Der Diener legte sein Schwert hinüber, auf dem das Tierlein das Wasser überschritt. Drüben schlüpfte es in einen Berg und lief nach einigen Stunden wieder über die Schwertbrücke in den Mund des Königs zurück. Erwacht aber erzählte dieser, er wäre im Traum über die eiserne Brücke eines großen Flusses gegangen und hätte in der Höhle des drüben gelegenen Berges einen unsäglich reichen Schatz gefunden.

Bevor wir aber die vielerlei Seelentierchen näher betrachten, müssen wir des Lichts oder Feuers als Seelenformen gedenken. Die Seele läßt den toten Leib kalt zurück oder, wie es Freidank derber ausdrückt: „die Seele fährt von mir wie ein Blaas (Hauch, Windlicht) und läßt mich liegen wie ein Aas.“ Wenn über dem Schlafenden oder am Dach eines Hauses ein Flämmchen schwebt, ein Licht von selbst erlischt oder eine Sternschnuppe in der Richtung eines Hauses fällt, so kommt nach deutschem Aberglauben der Tod, und der Sterbende „verzeigt sich“ gern Abwesenden durch einen plötzlichen Lichtschein. Die Seele macht sich dann gleichsam zeitig davon und kündet dadurch die Nähe des Todes des bereits von ihr verlassenen Leibes an. Das „Totenlicht“ setzte sich schon im Mittelalter an Haar und Kleidung der Nordleute, wenn sie sterben sollten. Manche altnordische Gräber umgab ein Feuer; nach der Hervarar-saga zeigten sich Angantyr und seine Brüder nachts als Flammen auf ihren Gräbern, und noch heute erscheinen isländische Gespenster vom „Totenfeuer“ ümleuchtet. In Deutschland flattert der Irrwisch, das Irrlicht, der Brünnlig, Pütz- und Wiesenhüpfer, in England der Willy with the wisp (Wisch), in Dänemark der blaas- oder lygtemand, der Feuer- oder Lichtmann, in Schweden der eidgast der Feuergeist über Sümpfen, feuchten Wiesen oder Feldrainen. Im Aargau gibt es Irrlichter beiderlei Geschlechts, Füerstein-mannli wie Zunselwibli. Das sind die Seelen derer, die wie die noch ungetauften Kinder, die Erhängten, die Ertrunkenen, vor der Zeit das liebe Leben eingebüßt, oder solcher, die ihr Leben mit einer beunruhigenden Tat beschlossen hatten und nun die Stätte derselben wieder aufsuchen, z. B. Grenzsteinverrücker und unehrliche Landmesser, die dann den Grenzstein auf der Schulter tragen müssen, oder Geizhälse, die irgendwo ihr Geld verscharrt hatten. Auch irrlichtem die von den Tirolern erschossenen und zerschmetterten Franzosen bei Mittenwald im Herbst auf ihren in fremder Erde bereiteten Gräbern umher. Die irrlichtemden Landmesser schlagen im Badischen wohl mit glühenden Meßstangen auf einander los, und bis ins Hochgebirge hinein, auf dem Streitgampen unter dem Pazinkopf in Tirol, befehden sich die feurigen Pütze. Reizbar ohrfeigt der Irrwisch den Wanderer, der ihn neckt, führt ihn irre, springt ihm auf den Rücken, zündet ihm das Haus an und bedroht sogar sein Leben. Seltener leuchtet er ihm dienstfertig heim. Wie andere Seelen fahren auch die Irrwische mit der wilden Jagd um.

Die flüchtige Seele als Vogel aufzufassen, lag nahe. Die indischen Ahnen, die Pitaras, fliegen in Vogelgestalt umher, weshalb beim Totenopfer den Vögeln ein Kuchen gegeben wurde. Den Griechen zeigte sich die Seele bei der Totenbeschwörung als Uhu oder Fledermaus. Germanische Seelen von Ermordeten und Selbstmördern fliegen als Raben und Krähen umher, diejenigen unschuldig Getöteter als weiße Tauben und Schwäne. Doch scheinen die Taubenfiguren bei Paulus Diaconus, die bei Pavia von Grabstangen nach der Richtung schauten, wo der in der Fremde gestorbene Langobarde seine Ruhestatt hatte, nicht die Toten, sondern deren klagende Verwandte zu bedeuten. In Westfalen sagt man Mädchen, die nicht heiraten:

„Ihr sollt die Kibitze heiraten,“

und auf dem wilden Gieritz(Kibitz)moos an der Aare in der Schweiz werden die alten Jungfern wirklich zu Kibitzen. In Schweden heißt der Schmetterling „Altweiberseele“, und in Deutschland sagt man, daß man vor der Geburt mit den „Feifaltem“ d. h. Schmetterlingen fliege. Auch in den Motten, Bienen, Käfern und sonstigem fliegenden Getier stecken Seelen, auch in der Hausgrille.

Aber andre Hausgenossen spielten unter den Seelentieren eine viel bedeutendere Rolle, die unschädliche Ringelnatter, die Maus, das Wiesel und die Kröte. Der Wohnung der Menschen zugetan, leise aus der Erde kriechend oder huschend und wieder still und plötzlich dann verschwindend, erschienen sie wie geheimnißvoll in ihrem alten Heim fortlebende Seelen der Verstorbenen, deren Leiber früher in dessen unmittelbarer Nähe oder sogar in dessen Innerem bestattet wurden. Wir blicken in den dunkelsten Winkel indogermanischer Hausreligion mit all ihrer Heimlichkeit und Unheimlichkeit, wie sie durch zahllose neuere, aber auch viele ältere nicht nur germanische, sondern auch andere indogermanische Zeugnisse enthüllt wird.

Früh wird auf attischen Grabdenkmälern und spartanischen Votivreliefs eine Schlange dargestellt, die als Opfergaben Honig und Brei zu sich nimmt, also nicht Schlangen-, sondern Menschennahrung. Verschiedene Seelenformen, Flügel wesen und Schlangen wesen, vereinigt die Darstellung einer Totenklage auf einem attischen Gefäß: am oder im Grabhügel flattern beschwingte Menschenfigürchen über einer Schlange, der Seele des Verstorbenen, von dem die Inschrift spricht. In Theophrasts Charakteren 16 errichtet der Abergläubische an dem Ort seines Hauses, wo er eine heilige Schlange gesehen, sofort ein Heroon, ein Ahnenheiligtum. Am Grabe des Heros wurde häufig eine Schlange als dessen dämonische Erscheinung gehegt. Wie er, hütet diese „Haushüterschlange“ Tempel, Haus und Grab; beleidigt aber bringt er, wie sie, Verderben. Nach dem neugriechischen Volksglauben lebt im Grunde jedes Hauses eine Schlange als Hausherr oder Hausherrin. Ihr Erscheinen im Innern desselben bedeutet Glück, besonders die unerwartete Rückkehr des Hausherrn. Verscheucht oder beleidigt zieht sie Unheil herab; man steckt Brot in ihr Erdloch und schmeichelt ihr mit dem Gruße: „Schönes Dingel!“ — Die Römer weihten ihrem Genius einen von einer Schlange umwundenen Altar und hielten im Schlafzimmer ein paar Schlangen, die für die Genien des Hausherrn und der Hausfrau galten, und zwar in so vielen Häusern, daß Plinius besorgte, die Schlangenbrut würde in Rom den Menschen noch über den Kopf wachsen, wenn ihr nicht die Feuersbrünste Einhalt täten. Starb eine solche Schlange, so galt das als böses Vorzeichen dem Vater der Gracchen, wie dem Kaiser Tiberius. Umwand eine Schlange fest das Haupt eines Schlafenden, das war den Römern ein gutes Vorzeichen; die Seele dachte nicht daran sich abzulösen. Die Schlangen aber, die Pompejus beim Verlassen seines Schiffes in Dyrrhachium erblickte, bedeuteten seinen nahen Untergang; als Seelen, die schon ihn und die Seinigen aufgegeben hatten. — In Litthauen hatte jeder Familienvater im warmen Winkel eine Schlange, der er Speise auf Heu darbrachte.

Die Ringelnatter heißt bei den Germanen Hausschlange, Hausotter, Hausunk, Hauswurm, schwedisch gärds- oder lyckoorm, Hof- oder Glücksschlange. Das altschwedische Erbauungsbuch, der Seelentrost, verbot schon tun 1400 den tief gewurzelten Glauben an Tomptorma d. h. Hausschlangen. Aber von Siebenbürgen und der Schweiz bis nach Skandinavien wurde diese da und dort noch neuerlich trotz ihres nicht angenehmen Geruchs im Stalle oder auch unter den Stubendielen gern geduldet und ihr im Herdwinkel wie in Griechenland eine für Schlangen ungeeignete offenbare Ahnenopferspende, nämlich Semmelmilch, vorgesetzt. Am Lechrain hielt noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts jedes Haus eine Hausotter, deren Geräusch den Tod eines Hausbewohners anzeigte. Auf den Betten, wenn sie gesonnt wurden, in der Küche und auf dem Rande des Brunnentrogs konnte man sie liegen sehen. Im Fricktaler Dorfe Mägden in der Schweiz vermutete man noch um dieselbe Zeit fast in jedem Keller eine Hausschlange, die sich nur bei außergewöhnlichen Fällen sehen ließ und durch ihr Geräusch, wie am Lechrain, einen Trauerfall der Familie anzeigte. Manchmal hatte ein Haus, ganz wie das römische, ihrer zwei, die mit Hausvater und Hausmutter lebten und starben. In Mittelschlesien wird die von niemand gesehene, in den Grund des Hauses sich einwühlende Hausotter für einen Schutzgeist angesehen. Doch in der ,Tunkelstunde‘ kommt die schlesische ,Otterkönigin‘, die Ahnfrau, gern einmal aus der Mauer herftir. Als der Hofbauer des sogenannten Schlangenhofes im badischen Schappacher Tal starb, starb auch der Schlangenkönig mit all den anderen Schlangen des Hofes, und von diesem wich seitdem der Segen. In der Liederedda gräbt sich die über den Tod ihres Sohnes Atli trauernde Mutter offenbar als Natter dem Gunnar rächend ins Herz. Gleich der Seele liegt auch die Hausotter gern unter der Türschwelle, auf der man wegen dieses Tieres in Bayern und im Voigtland allen Lärm, z. B. Holzspalten, möglichst vermeidet. Wie in Rom bedeutet das Erscheinen der männlichen Hausschlange im Spreewald den Tod des Vaters und der Mutter. Ja in einigen böhmischen Familien gab es ganze Schlangenfamilien, von der jedes Glied ein Glied der Hausbewohnerschaft vertrat, so daß, was einer der Schlangen geschah, auch dem entsprechenden Familiengliede widerfuhr. Mögen wir auch die beiden letzten Nachrichten den Slaven verdanken, die wie die Litthauer einen reichen Seelenschlangenkultus hatten, dieselben oder ähnliche Vorstellungen waren jedenfalls auch germanisch, z. B. nähert sich eine Schlange dem Hause, so bedeutet das nach norwegischem Glauben Glück, kriecht sie dagegen über die Straße, Unglück, wie in Rom. Wer im Bayreuthischen ein Erdhuhn oder eine Hausotter beschädigt oder sieht, muß selbigen Jahres sterben. Im innigsten Verhältnis steht dies Seelentier zum Kinde: Kinder werden wohl mit einer Schlange um den Hals geboren, wie in Rom. Die Hausschlange spielt in der Sage gern mit dem Kind des Hauses, teilt mit ihm Speise und Trank, schläft mit ihm in der Wiege und gibt ihm Gedeihen. Als aber einst das Kind, das mit ihr aus einem gemeinsamen Napf Milch und Brocken aß, sie schlug und ärgerlich rief: „Iß auch Brocken!“, da siechte es schnell dahin. Seine eigene Seele war getroffen. Die Schlange verwandelt sich also aus der Seele des lebenden und des verstorbenen Menschen zu einem Schutzgeist der Mitlebenden und der Überlebenden, zu einem Schutzgeist des Hauses. Sie wird die schützende ,Muhme‘ der ganzen Familie, wie auch das Wiesel und die Kröte. Um 1400 erzählt Nikolaus von Dinkelsbühl von der Muma, daß sie die Häuser besuche und aus offenen Gefäßen esse oder trinke, die dann die Leute alsbald wieder nachfüllten, denn sonst käme Unglück übers Haus. Mit der Muhme wird die Hausotter gemeint sein, der man ja noch viel später einen Milchnapf hinsetzte. Das Wiesel heißt gemütlich nicht nur Mühmlein, sondern in Spanien auch comadreja Gevatterin, Hebämmelein. Wie der Neugrieche die Hausschlange als „schönes Dingel“ begrüßt, so nennt der Oberbayer sein Hauswiesel „Schöntierlein oder Froie“. In andern deutschen Gegenden heißt es das Jüngferchen, bei den Griechen des Mittelalters „Bräutlein“. Obgleich es den Griechen und Römern ein bekanntes Haustier war, das etwa unsre Katze vertrat, erregte doch sein plötzliches Erscheinen bei einem außergewöhnlichen Unternehmen oder an ungewöhnlicher Stelle Furcht vor Unglück oder Tod. In Athen löste sich die Volksversammlung, in der es sich zeigte, auf; ließ es sich auf dem .Dach blicken, so war das ein böses Zeichen wie das Flämmchen auf dem Dach in Deutschland. Kommt ein Wiesel mehrmals nach einander in die Nähe derselben Wohnung, so beruft es jemand daraus ab. So gilt auch seine Vertreterin, die Katze, für einen Hausgeist. Im Aargau

„stirbt die schwarze Hauskatze ihrem Herrn vor“.

Wieseln oder schwarzen Katzen begegnen, ist im Lechrain und anderswo ein böser Angang. Bläst ein Wiesel den Menschen an, nachdem es die Springwurzel gefressen, so muß er nach Tiroler Glauben sterben. Ob die Kröten auch jenen andern Indogermanen für Seelentiere galten, ist mir nicht bekannt. Doch wagen die toskanischen Bauern eine Kröte nicht zu töten, weil so oft ein Mensch darin verwandelt ist, und in Sicilien füttert man Kröten im Hause mit Brot und Wein, weil diese „mächtigen Feen“ oder „unbegriffenen Genien“ Glück bringen. Die Germanen sahen in ihnen arme Seelen, namentlich in den Ostalpen. Aber auch im Badischen ächzt der Geist eines Wirtes als Kröte unter dem Ofen oder auch der eines Geizhalses auf dem mit ihm vergrabenen Geldsack. In Tirol darf man Kröten am Allerseelentage nicht töten, „weil arme Seelen darin sind“, wie sie denn auch an den Quatembertagen gleich armen Seelen zu Kapellen wallfahrten. Wie die römischen Laren oder Ahnengeister in Genien und sogar in Penaten Vorratsgeister übergehen, so hießen die Kröten in Schweden „bolvaetter“ Hausschutzgeister, im Aargau aber „Nahrungshunde“. Diese hielten im Keller die Lebensmittel in gutem Zustand und wurden mit Milch gepflegt. Mißhandelt bringen sie in Skandinavien Unglück und Alpdruck. Dagegen fing man sie am Lechrain wie die Wiesel im Frauendreißigst (15. Aug. bis 13. Sept.), spießte sie und opferte sie in Kirchen. „Mäusen pfeifen“ heißt „den Seelen ein Zeichen geben“. So pfiff ein schlecht behandeltes Bergmännchen Mäuse und Kinder in den Tannenberg bei Lorsch, der Hameler Rattenfänger Ratten und Kinder in den Koppelberg. Ein Windgeist pfeift den Kindern und ihren Seelen voran. Die von Hatto von Mainz in einer Scheune verbrannten Armen wimmeln als Mäuse aus dem Feuer hervor und verfolgen ihn bis zum Mäuseturm bei Bingen, wo sie ihn auffressen. Eine Mausheilige war die hl. Gertrud, die im krainischen Bauernkalender und im Gertrudenbüchlein als Spinnerin dargestellt wird, an deren Rocken Mäuse und Ratten hinauflaufen, offenbar Seelen, denn man nahm an, daß die Seelen in der ersten Nacht nach dem Tode bei dieser Heiligen herbergten. Der Sinn dieses Tiermythus ist jetzt klar. Auf ihrer Suche nach Seelenbildern stellte die Phantasie einen überraschenden Zusammenhang zwischen Tier und Mensch, einem kleinen Haustier und dem Edelsten, was er hat, seiner Seele her. Schon von den Indogermanen wurden jene der menschlichen Wohnung anhänglichen Erdtiere als Seelen der Toten des Hauses gedacht. Sie gehörten zum Ingesinde als einflußreiche Ahnengeister, mit deren Wohl und Wehe das der Nachlebenden auf das innigste verknüpft war. Daher die freundliche Pflege und die Furcht, sie zu verletzen oder gar zu töten. So erhob sich das Tierlein mehr und mehr zum Heros, Genius, Schutzgeist der Person und des Hauses. Aus dieser und ähnlichen Seelenvorstellungen erwuchs der namentlich im Norden so reich ausgebildete Glaube an die Folge- und Schutzgeister (siehe unten). Aber die Verwandlungsfähigkeit der Seele ist eine viel mannigfaltigere. Mochte sich der gemeine Mann mit einem Weiterleben als Haustierchen begnügen, so verlangte die Seele des Vornehmen für ihr öffentliches Auftreten vornehmere Tierformen. In Griechenland zeigte sich der wieder erwartete Ahnherr, der Heros, hier und dort in Wolfsgestalt, in eben dieser oder in Bärengestalt die Fylgja oder der Schutzgeist tapferer Nordleute. Während der kühne Bjarki noch schlummert, kämpft seine Fylgja schon vor seinem Zelte draußen in der Schlacht als Bär, um zu verschwinden, sobald er auf gewacht heraustritt. Die Traumseelen in Tierform schweben dann auch in die Träume Anderer, in denen das Schicksal ahnungsvoll auf steigt. Kriemhild träumt von ihrem Falken (Siegfried), daß ihn zwei Adler erkrallten (Hagen und Günther), und ähnlich sieht im Anfang der Gunnlaugssaga der träumende Thorstein auf dem Hausfirst einen schönen Schwan (Helga) sitzen, um den zwei Adler (Gunnlaug und Hrafn) kämpfen, bis sie beide im Streit tot herabfallen. Mit einem Falken aber (ihm selber) flieht endlich der Schwan davon. Öfter stürzen im Traum Scharen von Wölfen und Eisbären heran, welche Landesfeinde bedeuten. Andere Verstorbene nehmen je nach ihrem Charakter oder ihrer Lebenslage diese oder jene größere Tierform an. Den Bewohnern der Färöer und Rügens sind die ins Wasser sich werfenden rundköpfigen Seehunde Menschen, die sich ertränkt haben. Auf den Färöern kriechen sie in der Epiphaniasnacht mit ihren Menschenleibern aus dem Balg, um sich mit Tanz und Spiel in den Klippenhöhlen zu ergötzen. Nach dänischem Glauben legt der Seehund jeden neunten Tag seine Haut ab und wird ein Mensch. Auf der Tiroler Alm müssen Hirten, die ihr Vieh mißhandelten, nach ihrem Tode als Stiere, Säue, Hunde umgehen. Beim weinreichen Dorfe Oberflachs poltert das Gespenst eines unredlichen Trottenmeisters, das Trottentier, im Hause herum. Und viele Dorftiere, die abends in der Nähe der Dörfer dem Wandrer aufhocken und ihn irreführen in Kälber-, Hunde- und Schweinegestalt, sind die Seelen von Übeltätern, haben aber oft den Charakter von Wettergeistern. Auch lebendige Menschen können sich in Tiere verwandeln durch Zauberei. Die Königstöchter des eddischen Wielandsliedes machen sich zu Schwanjungfrauen, und der Iarl Franmar in dem einen Helgeliede nimmt Adlersgestalt an. Die bekannteste und schlimmste Tierform aber ist der Wolf. Er heißt althochdeutsch Weriwolf, bei Berthold von Regensburg werwolf, in England im Norden vargulfr (Verbrecherwolf), varulf. Noch heute sprechen wir vom Werwolf. Man schwankt, ob man den Werwolf als Mannwolf aus ags. ahd. Mann oder als Kleidwolf, Wolfsfellbekleideten aus ags. were, ahd. weri erklären soll. Für die erste Deutung spricht der griechische Werwolfsname: lykanthropos, Wolfsmensch, der bretonische denbleiz Mannwolf und vor allem der inselschwedische folkwarg Menschenwolf, ja auch der entlegenere, aber in seinem Wesen gleichartige indische „Menschentiger“. Die zweite Deutung empfehlen die altnordischen Ausdrücke ulfshamr Wolfskleid als Hülle des vargulfr und ulfhedinn wolfsbekleidet, das im ahd. Eigennamen Wolfhetan wiederkehrt. Auch der westfälisch-hessische Werwolfsname Böxenwolf d. h. Hosenwolf, wohl ein Wolf, der eigentlich Hosen trägt, spricht dafür. In Italien galt das allgemeine Wort Versipellis der Fell Wechsler, altnordisch hamrammr, der sein Kleid, sein Äußeres zu wechseln vermag. Das erste Zeugnis für Deutschland bringt Bonifacius im 8. Jahrhundert bei, wo er in einem Sermon verbietet, an Hexen und „ficti lupi“ d. h. fingierte Wölfe zu glauben; ausführlicher bekämpft Burkhard von Worms, wie es scheint, denselben Glauben an die sogenannten Parzen oder drei Schwestern, die einem Neugeborenen die Gabe verleihen könnten, sich jederzeit in einen Werwolf zu verwandeln. In einigen Familien galt diese Eigenschaft für erblich: ein gewisser Ulfhedinn hat einen Vater Ulfhamr und vielleicht noch einen Großvater Ulfhamr. Aber die nordische Sage von jenem geschilderten, selber so werwölfisch gesinnten größten Skalden, Egil Skallagrimsson, verbreitet noch mehr Licht über die unheimliche Art eines solchen Tiermenschen. Es ist des Dichters eigener Großvater Ulf, der vom ersten Morgengrauen an seine Wirtschaft mit kluger Tatkraft fördert und unablässig seine Knechte zur Arbeit antreibt. Abends aber kann ihn niemand zum Sprechen bringen, er wird in sich gekehrt und schlaftrunken. Nun zeigt er sich im Dunkel seines einsamen Lagers als hamrammr, er nimmt eine andere Gestalt an. Sein Arbeitsdrang erwacht von neuem, schlägt aber nun eine andre, furchtbare Richtung ein. Als Wolf fällt er mit unwiderstehlicher Stärke und Wildheit die Menschen draußen in der Nacht an. Ist die Wut gewichen, so liegt er andern Morgens tief erschöpft im Bette. Man nannte ihn von dieser abendlichen Vertierung Kveldülfr den Abendwolf. In der Wölsungensage legen zwei mit dicken Goldringen versehene Männer auf neun Tage Wolfsfelle an, um aus ihnen am 10. Tage herauszuschlüpfen und sie vor dem Schlaf an die Wand zu hängen. So finden Sigurds Vater Sigmund und Stiefbruder Sinfjötli diese Felle, ziehen sie über und fahren dann unter Geheul im Walde umher,

„mit Wölfen schwelgend und mit eisigem Atem Wunden saugend“.

Statt neun Tage muß der Werwolfsmensch nach pommerschen Sagen drei, sieben oder neun Jahre im Wolfsleib beharren. Sieben Jahre dauert diese Verwandlung in der Normandie, in Irland und Armenien. Nach deutschem Werwolfsglauben, der noch immer nicht im Norden und Osten (Hinterpommem), auch da, wo längst die Wölfe ausgestorben sind, erloschen ist, müssen namentlich die in den Zwölfnächten, zwischen Weihnacht und dem heiligen Dreikönigstage, geborenen Kinder Werwölfe werden. Die Kunst der Werwolfsverwandlung können auch, wie uns Burkhard von Worms soeben gelehrt hat, die Schicksalsweiber den Neugeborenen geben. Nach deutschem Aberglauben wird der siebente Sohn eines Ehepaares ein Werwolf, nach dänischem bringt die Frau, die sich behufs leichter Geburt eines Zaubers bedient, Knaben zur Welt, welche Werwölfe, oder Mädchen, welche Nachtmahren werden. Kenntlich im Norden sind die Menschen, die sich in Werwölfe verwandeln, an zusammengewachsenen Augenbrauen. Zum Werwolf kann sich derjenige selber machen, der einen aus Wolfsleder oder Menschenhaut verfertigten Wolfsgürtel um den Leib schnallt. Er geht nachts aus, um Menschen zu zerfleischen und Vieh zu verschlingen, der Böxenwolf springt den Leuten auf den Rücken. Die Nennung seines Taufnamens, oder ein Wurf von Stahl und Eisen über ihn weg, westfäl. Blankmaken genannt, oder eine gegen ihn gerichtete Degenspitze oder eine Verwundung entzaubert ihn. Doch wirkt die Verletzung oft nicht sofort, aber sie verrät ihn dann später, indem auch der wieder Mensch gewordene Körper an der entsprechenden Stelle die Wunde trägt. Eine Wolfsfalle, in die man drei Kreuze vom Holz von einem Osterfeuer steckt, fängt ihn. Verfolgt wird er wohl schon wieder zwar als Mensch im Bette angetroffen, aber noch hängt der Wolfsschwanz heraus. In Schleswigholstein galt er auch wohl als „gefroren“ d. h. unverwundbar. Im 16. Jahrhundert bis ins 17. hinein blühten die Werwolfsprozesse namentlich in Nord- und Mittelfrankreich, aber auch in Deutschland. Noch 1589 wurde in Köln Peter Stube, der Werwolf von Epprath, hingerichtet, weil er bekannte, in Wolfsgestalt 13 Kinder zerrissen und ihnen das Gehirn aus dem Kopf gefressen zu haben. 1610 wurden in Lüttich zwei Werwölfe wegen gleicher Untaten hingerichtet. Dieser allen europäischen Indogermanen und auch den indogermanischen Armeniern gemeinsame, dagegen bei den Persern und Indern nicht nachweisbare Glaube reicht hoch über die ältesten germanischen Zeugnisse in die Vorzeit hinauf. Schon das alte Griechenland kannte die Werwolfskrankheit, sie spielt schon in die Sage von dem altertümlichen Kultus des Zeus Lykaios hinein. Wer diesem Gotte auf dem hohen arkadischen Berge Lykaion ein Kind opferte, wurde zur Strafe in einen Wolf verwandelt. Enthielt er sich aber neun Jahre des Menschenfleisches, so nahm er im zehnten wieder Menschengestalt an, was an die neuntägige, beziehungsweise neunjährige Werwolfszeit bei den Germanen erinnert. Ferner stimmt zum deutschen Glauben, daß der neugriechische struppige, krallenbewehrte Kalikant-sare oder Werwolf, der wie der westfälische Böxenwolf jedem Begegnenden aufhockt und das Gesicht zerfleischt, ebenfalls in den Zwölfnächten geboren wird. Diese Zeit ist auch seine eigentliche Raubzeit, wie die der livländischen und polnischen Werwölfe. Während der russischen und rusinischen Weihnachtsfeier rennen in Wolfspelze Vermummte umher und peinigen in Haus und Hof, wen sie erhaschen, und auch in Deutschland gab es Leute, die sich in der Weihnachtszeit in Wölfe verwandelten. Der germanische Norden brachte noch eine eigentümliche Abart dieser halb wirklichen, halb eingebildeten Ver-tierung des Menschen hervor, den Berserkergang d. h. die Berserkerwut. Die Vertierung nahm nämlich in der Wikingerzeit, in der so viele Nordleute ihre Sache auf Raub und Mord und Krieg stellten, einen militärischen Charakter an. Die Berserker d. h. Bärenkleider waren Soldaten, die statt des Panzers ein Bärenfell trugen. Angesichts des Feindes überkam sie eine unsinnige Kampfeswut, die ihnen ungewöhnliche Stärke und außerdem Empfindungslosigkeit gegen allen Schmerz verlieh. Sie scheuten weder Eisen, noch Feuer, zerbissen den Rand ihrer Schilde, stürzten sich mit geschwungenen Schwertern gleich Wölfen heulend in die Schlacht und hieben, was ihnen in den Weg kam, Menschen oder Bäume, nieder. Nach einem solchen Ausbruch fielen sie, wie nach einer schweren Krankheit, in tiefe Erschöpfung. Wie aus dem Krieg, machten sie aus dieser Wut ein Gewerbe und verdangen sich bandenweise dem Könige, der am meisten bot. Die zwölf Berserker des sagenhaften Dänenkönigs Hrolf Kraki kämpften bald an der sächsischen Grenze, bald auf dem Eise des schwedischen Waenersees. Noch Harald Schönhaar um 900 hatte Berserker, die über ihren Panzern Wolfspelze trugen, in seinem Dienst, und sein Skalde Thorbjöm Hornklofi feierte diese brüllenden Helden samt dem Hofnarren und dem Lieblingshunde des Königs. Aber obgleich sie sich oft als Schützlinge Odins ausgaben, wurden sie von den übrigen „Kämpen“ mit Mißgunst oder gar mit Verachtung angesehen. So verrauchte die alte wilde Leidenschaft in einer anmaßlichen gewinnsüchtigen Schauspielerei, und was einst vielleicht mehr eine Plage der Ergriffenen gewesen war, wurde nun zu einer schlimmeren Plage ordentlicher Leute. Darum straften die Isländer mit Recht den Berserkergang mit Friedloslegung, wenn aucht nicht mit völliger. Deute ich eine Stelle im Paulus Diakonus 1, 11 richtig, so hätten Südgermanen schon Jahrhunderte vor der nordischen Wikingerzeit solche Krieger gekannt. Als nämlich die Langobarden auf ihrer Wanderung nach Süden auf die Assipiter stießen und die große Zahl dieser ihrer Feinde und ihre eigne geringe sahen, da sprengten sie listig aus, sie führten Hundsköpfe im Lager bei sich d. h. ungeheure Menschen mit Hundsköpfen, die nach Menschenblut dürsteten und, wenn sie keinen Feind erreichen könnten, ihr eigenes tränken. Der aus der gelehrten Literatur des Plinius und Solinus bekannte Name der Kynokephalen, eines fabelhaften hundsköpfigen Volkes, ist an die Stelle der in Wolfs- oder Bärenfell gekleideten langobardischen Vorkämpfer getreten. Im bayrischen oder Tiroler Raufer, der, wenn er keinen Gegner findet, wie ein Stier den Rasen ausrauft, lebt die alte Kampfeswut fort. Auf diese Nachtseiten menschlichen Geisteslebens fällt vom Seelenglauben her einiges Licht. Denn der eingebildete Wechsel der Hülle oder des Überwurfs, das alt nordische „hamskiptast“, woran das deutsche „Ausderhautfahren“ anklingt, deckt sich im wesentlichen mit der griechischen Ekstasis, dem Austritt nämlich der Seele aus dem Körper. Verläßt die Seele diesen im Tode dauernd, im Traume oder auch in der Ohnmacht vorübergehend, so macht sie sich auch in der Verzückung frei von ihm oder wird vielmehr seine Herrin. Sie reißt ihn mit sich in ihr neues fremdartiges Treiben hinüber. Der tief eingewurzelte Wahn, daß bei Tod und Traum die Seele eines kampflustigen Mannes als Kampftier, Wolf oder Bär, zum Vorschein komme, mochte im aufregenden Dunkel des Abends einen ruhelos tätigen Mann dazu aufstacheln, sich selber in ein solches Tier verwandelt zu fühlen. Er mochte seinen Sinnen und Gliedern eine melancholische Wildheit aufzwängen, wie sie den Wolf zu erfüllen schien, wenn er in der Stille der Nacht einsam die Herde würgte. Von demselben Wahn beherrscht konnten Leute das nächtliche Treiben ihres rücksichtlos rührigen Herrn leicht nach dieser Richtung hin deuten und seine etwaigen Erzählungen für wahr halten. Bis wie weit die Wirklichkeit dem Glauben entsprach? Man behauptet, den Werwolf könne man morgens mit bleichem Gesicht und Blut im Bart heimkehren sehen. Hieß doch auch der Verbannte, der wegen Friedensbruchs aus der menschlichen Gesellschaft Gestoßene, schon bei den Goten und den salischen Franken ein Warg, ein Wolf, oder ein Waldgänger, der im dunklen Wald ein Wolfsleben führte, ein Wolfshaupt, ags. wulfes heäfod, trug und überall auch im Heiligtum als „vargr i veum“, Wolf im Tempel, gehetzt wurde, gehetzt, so weit der Himmel sich wölbt und Menschen wohnen. Denn Bär und Wolf sind nach dem altnordischen Gesetz, wie nach dem Sachsenspiegel überall, selbst im Bannforst, friedlos. Die Werwölfe trieben in der dunkelsten Zeit des Jahres, in den Zwölf nächten, ihr Unwesen oder waren in dieser Zeit geboren. Legt ein Werwolf am 9. Tage oder auch erst im 3., 7. oder 9. Jahre sein Fell ab, so hängt das wieder mit dem Seelenglauben zusammen. Soeben ist mit geteilt worden, daß der in einen Seehund verwandelte Ertrunkene jeden neunten Tag seine Haut abstreife, um wieder Mensch zu werden, und überhaupt pflegt der Verstorbene, insbesondere der vorzeitig Verstorbene, am neunten Tag nach seinem Tode in Deutschland wie in Altgriechenland wiederzuerscheinen, wann nämlich die Zeit der ersten Versöhnungsopfer für die Toten abläuft. In Pommern heißen solche Wiedergänger Neuntöter, weil ihr werwölfisches Treiben neun Jahre dauert, ein Zeitraum, den in Griechenland die Selbstverbannung, das Wolfsleben, nach einem Morde erheischte. Ja der aus dem Grab gestiegene Wiedergänger geht mm geradezu als Werwolf um, wie im Jahre 1685 der verstorbne Bürgermeister von Ansbach. Die umgehende Leiche also nimmt nun wirklich die Gestalt des zauberisch verwandelten lebenden Menschen an. In Pommern namentlich werden nicht zur Rechenschaft gezogene Verbrecher nach ihrem Tode Werwölfe, die sich von Menschenfleisch nähren, sowie in der Normandie die Leichen Verdammter in Werwolfsgestalt Sarg und Hügel durchbrechen. Der englische König Johann ohne Land soll nach seinem Tode ebenfalls als Werwolf umgegangen sein. Wenn nun außerdem in Danziger Sagen dieser Gräberwerwolf zum Vampyr wird, so erkennt man wiederum, in wie alten Geleisen dieser düstre Glaube fährt. Denn der griechische Heros kehrt auch in Wolfsgestalt wieder und verübt Vampyrtaten. Auffallend erzählt die inselschwedische Sage, daß die Wölfe die Wiedergänger zerreißen, wo sie dieselben nur finden. Als ob sie in ihnen Nebenbuhler witterten. Die Berserkerwut aber gleicht mehr jener Ekstase der Bacchantinnen, die in der nächtlichen Feier des thrakischen Gottes Dionysos durch heftige Wirbeltänze zur Raserei gesteigert wurde. Mit geschwungnen Dolchen oder Thyrsosstäben, Schlangen würgend und zerreißend, trugen sie Feuer auf ihrem Lockenhaupt, ohne dessen Brand oder eine andere Wunde zu empfinden, und zerrissen mit ihren Zähnen das blutige Fleisch der Opfertiere, bis auch sie erschöpft zusammenbrachen. Hier haben wir die weibliche, griechische, dort die männliche, nordische Form der Ekstase; der wilde Tanz ist hier, der wilde Kampf dort die Triebfeder der Raserei. Von dieser Episode aus dem Seelentaumel Lebendiger rufen uns nun die Seelen der Toten wieder zu sich zurück. Denn außer dem Reiche der Lüfte und dem der Tiere sucht die Seele sich auch noch die gleichsam mitteninne liegende Pflanzenwelt dienstbar zu machen, diese jedoch nur mit halbem Erfolg. Die Bäume und Büsche, die um die Wohnung wuchsen, gehörten zwar auch, fast wie die Haus- und die besprochenen Seelentiere, mit zur Familie. Aber auf einen Fleck gebannt, zeigten sie doch kein ausreichendes Maß der Lebendigkeit, daß auch sie für wirkliche, vollgiltige Seelenverkörperungen gelten konnten. Um so besser eignete sich ihr dichtes, bald stummes, bald leise flüsterndes oder laut rauschendes Laub zum Aufenthalt der Seelen, namentlich solcher Verstorbener, die von ihrer heimlichen grünen Warte herab das Wohl der hinterbliebenen Ihrigen wachsam behüteten. Am längsten hat sich diese gewiss einst gemeingermanische Vorstellung im schwedisch-norwegischen Värd-oder Boträd Wacht- oder Hausbaum erhalten. Wir erinnern uns des Word, wie er als Schlange oder auch als Licht oder als des Menschen Scheinbild, also immer als Seele, sich offenbart, und der Boträd wird auch geradezu der Baum der Tomtegubber, der Gehöftsahnen, genannt, die im altschwedischen ,Seelentrost‘ sogar (tadelnd) Tomtegudha d. h. Gehöftsgötter heißen. Ein solcher Baum wurde durch Opfer und Gebet geehrt und von Schwangeren in ihrer Not umklammert, nicht weil er selber eine Seele oder ein Gott, sondern weil er der Sitz einer Ahnenseele, eines Schutzgeistes des Hauses, war. Darum leiteten manche schwedische Familien von einem solchen Baum ihren Namen ab, unter andern von einer dreistämmigen Hoflinde die drei Familien Lindelius, Tiliander (d. i. Lindemann) und die weltberühmte des Linnaeus oder Linn6. Aber der Glaube an eine eigentliche Verwandlung der Seele in einen Baum oder eine Blume, den Koberstein für altindogermanisch hält, scheint ein später zarter Seitenschößling des markigen Wiedergängerglaubens zu sein. Hin und wieder hört man z. B. von drei verfluchten und vom Blitz erschlagenen Jungfern, deren Seelen in drei große Bäume fuhren. Nach vielen Volksliedern und Ortssagen sprießen die Seelen Ermordeter oder unschuldig Gerichteter oder jung gestorbener Liebender aus dem Grabe oder dem hinströmenden Blut als weiße Lilien, rote Rosen, Myrthen und Epheu, ja als Eichen und Ebereschen hervor. Ruhen zwei Liebende darunter, so neigen und verzweigen sich die Gewächse, ,wär’n gern einander nah‘. In der englischen Ballade von Margret und William klettern die Rosenranken aus ihrer Brust sogar bis zur Turmspitze der Kirche, in der sie begraben liegen, empor und verschlingen sich hier in einen Liebesknoten.

„Das Gemüt vermag es nicht zu tragen, daß zwei jugendliche Wesen, deren Dasein soeben eines in dem andern erst erfüllt und vollendet werden sollte, so auf einmal auseinandergerissen oder beide zugleich der Zeitlichkeit entrückt sein könnten. Es ruft die Phantasie zu Hilfe, daß sie aus dem Tode ein neues Leben hervorgehen lasse, in dem sich das alte fortsetze, an das sich das Gemüt sinnlich halten, das es anschauen könne“.

Man könnte auch in den Grabesblumen gewaltsam oder unschuldig Getöteter ununterdrück-bare Zeugen der Unschuld sehen, die das von einer späteren Naturauffassung Tieren und Pflanzen beigelegte Mitgefühl unwiderstehlich aus der Unglücksstätte hervorgetrieben hätte. So wächst denn auch hinwiederum an solchem Ort kein Gras, und eine Fichte bleibt dort stets klein und dürr. Trostlose Trauer hängt darüber wie eine ewige Strafe. Aus dem Munde eines in der Schlacht gefallenen Königs wächst eine hohe Eiche, aus dem Grabe eines Selbstmörders ein Dornbusch oder eine Distel. Unter den alten Hagebuttensträuchem der nordfriesischen Gräber hausen Wiedergänger. Alle bisher besprochenen Seelenformen überbot an tiefer Gemütswirkung und poetischer Triebkraft weitaus die Erscheinung der Seele in Menschengestalt. Aus dem Traumbild oder auch dem wachen Phantasiebild, wie es im gram oder schreckerschütterten Gemüte der Überlebenden nach dem Tode eines verehrten, geliebten oder eines gefürchteten, gehaßten Angehörigen aufzusteigen pflegt, wurde ein mit voller Lebensgröße des Verstorbenen ausgestatteter Geist. Zuweilen schwebt er nur als ein Schatten vorüber wie der Geist von Hamlets Vater. Öfter aber ist der Wiederkehrende von Grabesdunst umwittert, entstellt oder verklärt, abgeblaßt oder gedunkelt, zuweilen ins Riesenhafte ausgereckt. Bald schwebt er still und flüchtig herbei, bald tritt er mit festem Fleisch und Bein in seiner leibhaftigen Gebärde und mit seiner Gemütsart mitten unter die Menschen, namentlich nach nordischer Sage mit übermenschlicher Höllenkraft ausgerüstet. In ihm, dem meist furchtbaren Heimsucher, aber auch wohl dem Helfer und Tröster der Überlebenden, dem phantastischen Wiedergänger, hat der Seelenmythus seinen höchsten, gleichsam klassischen Typus geschaffen und zugleich eins der wertvollsten Zeugnisse urältester Menschenkunde hinterlassen. Der an die Elemente, Tiere und Pflanzen geknüpfte Seelenglaube hatte entweder einen unbestimmten oder doch einen überwiegend ruhigen idyllischen Charakter, der Wiedergängerglaube legt wie kaum ein andrer das innerste Wurzelwerk der ältesten menschlichen Seele bloß. Aus ihm strömt eine leichenduftige und doch zum Leben drängende Poesie hervor, welche die ganze Tonleiter menschlicher Gefühle von der jämmerlichsten Gespensterangst durch die heißesten Gewissensqualen und die ergreifendsten Muttersorgen hindurch bis zu dem andachtsvollen Schauer durchläuft, den auch wir vor einer überirdischen Geistermacht empfinden. Der Ursprung dieses wilden, lebenssehnsüchtigen Glaubens, der doch auch ausnahmsweise so innig und zart sein kann, liegt in jener fernen Steinzeit, wo man die Toten, ihre ganzen Leiber, begrub, nicht in der späteren Zeit des Leichenbrandes, der nur ein paar Knochen in einem Häufchen Asche zurückließ. Er liegt in jener Zeit roher Gewalttat, Blutrache und Selbsthilfe, in der der Mörder nach seiner Untat zwar Gewissensangst nicht empfinden mochte, wohl aber das verwandte unbezwingbare Gefühl, daß der Gemordete ein Recht auf Vergeltung habe und zuraal, wenn dieser keine rächenden Erben besaß, als Ungesühnter sich selber zu blutiger Sühne erheben müsse. Denn seine ergrimmte Seele lebte und vermochte den begrabenen Leib zu vorübergehendem Nachleben mit sich fortzureißen, wie die Werwolfsseele den lebendigen in die ihr entsprechende Gestalt zwang. Aber nicht nur Ermordete kamen wieder, sondern alle, die im Leben oder im Tode nicht ihr Recht bekommen hatten, die, vor der Zeit gestorben, vom Leben nicht lassen wollten, oder die ungenügend bestattet waren. Wiederum liegt uns in der Wiederkehr solcher Toten ein indogermanisches Glaubensstück vor. Schon im alten Indien plagten Wiedergänger ihre Hinterbliebenen und fuhren die Seelen ungeborener Kinder als Blutsauger um. Die Preta d. h. die Hingegangenen irrten zunächst hungernd auf Erden umher, bis sie durch ein besonderes Opfer zu den Pitaras oder Ahnen ins Jenseits geführt waren. Die Pitaras aber schützten oder straften ihre Nachkommen, je nachdem sie geehrt oder vernachlässigt wurden. Ein aus Kummer über die Untreue seiner Frau gestorbener Mann kommt jede Nacht, sie zu peinigen. Doch man verwarf den Glauben, daß Hausväter nach ihrem Tode als Dämonen ihre Gräber auf suchten. Für das Kastenwesen ist dieser alte Glaube verwertet, wenn im Mahabharata die Brahmanenhasser nach dem Tode zu Unholden werden. — Die Perser dachten offenbar ähnlich. Denn Xenophon scheint ihren Glauben richtig aufgefaßt zu haben, wenn er den sterbenden König Kyros daran erinnern läßt, daß die Seelen derer, die Unrecht erlitten, den Mördern Schrecken einflößten. In Griechenland spielte der Glaube an die Wiederkehr der Toten in verschiedenen Farben. In der Ilias fleht die Seele des Patroklos, in Euripides’ Hekuba der Schatten des ermordeten Polydoros um Bestattung, beide, weil sie Ruhe finden möchten. Nach Hesiod werden die Menschen des ältesten, goldenen Geschlechts nach ihrem Tode Dämonen auf der Erde, Wächter der Menschen, die ,in Nebel gehüllt‘ d. h. unsichtbar Recht und Unrecht beobachten. Plato gab, wenn er auch etwas von seiner Philosophie hineinvernünftelte, doch deutlicher den volkstümlichen Grund der Unruhe gewisser Toten an. Seelen, die ihre Sinnlichkeit nicht ablegen, meint er, umschweben längere Zeit ihre Gräber, da die sinnliche Leidenschaft die Seele wie mit einem Nagel an den Körper hefte und sie selber fast körperlich mache. Der Gemeinglaube aber kannte zwei große Klassen von Wiedergängem, nämlich die Aoroi, die vor der Zeit Gestorbenen, und die nach dem Tode Vernachlässigten. Zu jenen gehören die eines gewaltsamen Todes, sowie die kinderlos oder unverheiratet Gestorbenen, zu diesen die Unbestatteten, auch die ohne die gebührlichen Totenopfer Gelassenen. Was ihnen lebend oder tot entzogen wurde, suchen ihre Seelen einzubringen, indem sie entweder einzeln als rachgierige Irrgeister Alastores umgehen oder scharenweise im Heer der Hekate beängstigend einherziehen. Namentlich die Heroen mit ihrem reizbaren Ehrgefühl machen gefürchtete Angriffe auf ihre Beleidiger. Sie quälen mit vampyrartigem Alpdruck, stürzen ganze Familien ins Verderben, erwürgen jeden, der ihnen begegnet, und verhängen sogar über weite Landschaften Dürre und Seuche. Darum spielen sie im Zauberwesen einst wie heute eine bedeutsame Rolle. Aus dem Grabe trieb es noch die widerwillig zum Christentum bekehrte „Braut von Korinth“, den ihr genommenen heidnischen Bräutigam zu umarmen und seines Herzens Blut zu saugen. Der neue Glaube vermochte nicht diesen mächtigen Zug nach Vergeltung und Befriedigung zu ersticken : die Manes, die Ahnen, auch noch christlicher Römer wurden durch Rachsucht oder Mitleid auf die Oberwelt zurückgeführt. Bei allen Germanen hieß oder heißt dieses Wesen der Wiedergänger, französisch reve, oder allgemeiner Gespenst, Draugr, Trugbild, mundartlich , Nachsehr er, Neuntöter. Sein Tun ist der Wiedergang, der Nachspuk, das Umgehen. Groß ist die Schar der germanischen Wiedergänger: Ermordete, Ertrunkene, Verhungerte, Liebende, Kindbetterinnen und diejenigen, die in ihrer Sterbestunde nicht den Beistand ihrer Söhne oder nicht ein ehrliches Begräbnis gefunden haben; aber auch solche, denen noch im erkalteten Herzen der Gedanke an ihre Untat oder auch die Sorge um Hab und Gut brennt, oder denen ein Gelübde oder auch die Lust am Saus und Braus der Jagd keine Ruhe läßt, oder Kinder, die hilflos oder, wie man später sagte, ungetauft dahingerafft sind. Nach diesen ihren verschiedenen wirklichen Schicksalen gestaltete sich das Nachschicksal, das Schein- und Trugleben des Wiedergängers, das ihn rächen, sühnen, trösten, befriedigen, schadlos halten soll, sehr verschieden. Und so bekommt jeder dieser so schroff abgerissenen Lebensläufe ein meist unheimliches, zuweilen aber unsäglich rührendes Nachspiel; der schrille Schlußakkord ihres Lebens klingt noch einmal dumpf wider. Die ältesten Wiedergänger scheinen die Seelen von Ermordeten und Mördern gewesen zu sein, von denen der eine den andern zum Bruch der Grabesruhe aufregt. Schon die bloße Nähe des Mörders, des „Mortmeilen“, macht das starre Blut des auf der Bahre liegenden Erschlagenen fließen. Als Hagen an Siegfrieds Bahre trat, „flössen die Wunden sehr“. Als Richard Löwenherz sich der Leiche seines königlichen Vaters näherte, da brach aus dessen Nase das Blut hervor, als ob es zu Gott über den schreien wollte, der für die Ursache seines Todes gehalten wurde. Im Jahr 1503 troff das Blut einer aufgegrabenen Baslerin durch die Bahre, als ihr Mann ihre Ermordung abschwören wollte. Der schon indische Glaube an dieses in Mitteleuropa freilich erst in den französischen Artusromanen des 12. Jahrhunderts bezeugte Bahrgericht scheint im badischen Volke selbst heute noch nicht ganz erloschen. — Ermordete und andere Verunglückte müssen nach ostdeutschem Glauben so lange umgehen, als sie noch hätten leben können. Nach altnordischem Gesetz begrub man mit Tod gestrafte Verbrecher auf der Flutgrenze, als ob das wiederkehrende Wasser seine Wiederkehr hindern solle. Die Bedeckung, das Hüllen „hylja“ der Leiche, wurde später im Norden gesetzliche Pflicht eines jeden, der den Leichnam fand; sogar der Mörder hatte sie an seinem erschlagenen Gegner zu erfüllen. Unterließ er sie, so wurde er eben deswegen geächtet und fühlte sich selber der Rache des wiederkehrenden Gemordeten mm aus doppeltem Grunde preisgegeben. Nach dem angelsächsischen Gesetz soll der Mörder dem Getöteten nichts nehmen, sondern ihn auf den Schild legen, das Haupt nach Westen, die Füße nach Osten gerichtet. Mit solcher Strenge wahrte das bajuwarische Volksrecht die Unverletzlichkeit der Toten, daß selbst derjenige, der beim Wegschießen der Aasvögel die Leiche mit dem Pfeil verwundete, in Todesstrafe verfiel. — Unter den Mördern sind vorzugsweise die Selbstmörder zur Wiederkehr geneigt; sie müssen fort und fort nach dem Ort ihrer Entleibung hinwandeln, der für so unheimlich gilt, daß man dort nicht ruhig sterben kann. Nach altschwedischem Gesetz sind sie zu verbrennen, damit sie nicht nach ihrem Tode andres ehrliches Volk heimsuchen. Geschwächt kommt der Wiederkehrsgedanke zu neuerem Ausdruck, wenn die Hand des Vatermörders, ja des Kindes, das nach den Eltern geschlagen hat, sowie die des Meineidigen, Diebes, Baumfrevlers sich aus dem Grab emporstreckt. — Ertrunkene wollen ihr Teil am Totenmahl: so tritt der ertrunkene Isländer Thorodd noch naß mit seinen Unglücksgefährten neun Tage nach seinem Untergang in die Halle, wo man bereits zu seinem Totengedächtnis das Erbbier trinkt. So behält auch in Schwaben das Wasser den Ertrunkenen neun Tage, um ihn dann wieder auszuwerfen. In Steiermark wandelt der Ertrunkene so lange in der Nähe seiner Unglücksstätte, bis er einen verlockt hat, ebenfalls zu ertrinken. — Furchtbar rächen sich die nicht gebührlich Bestatteten. Nach der altisländischen Eyrbyggjasaga schieden eines Abends der herrische Thorolf und sein Sohn in Groll von einander. Heimgekommen setzte sich der Alte in seinen Stuhl, sagte nichts, aß nichts; seine Leute gingen schlafen. Als sie andern Morgens wieder eintraten, sitzt Thorolf noch immer da — tot! Als der herbeigerufene Sohn bemerkt, wie das Gesinde über den auf dem Antlitz des Toten lagernden Unmut erschrocken ist, nähert er sich dem Stuhle von hinten, zieht den schweren Greis rückwärts auf seine Schultern und schlägt seinen Mantel um dessen unversöhntes Haupt. Darauf läßt er die Wand durchbrechen, und durch das Loch, das dann wieder geschlossen wird, schleift er ihn ins Freie. Wozu das alles? Zu der germanischen Totenbesorgung, den nordischen „näbjargir Totenhilfen“, wie zu den griechischen gehörte es, gleich nach dem Eintritt des Todes dem Verstorbenen die Augen zuzudrücken, wie es scheint, damit nicht der unheimlich gebrochene Blick als „böser Blick“ Unheil stifte. In Deutschland belegte man noch dazu Augen und Mund mit einem Sternchen oder Geldstück, das ursprünglich ebensowenig wie die griechische Beigabe des Naulon oder Fährgelds für einen unterirdischen Fergen bestimmt, sondern eine Geldabfindung für den Toten war. Dem gefürchteten Verstorbenen zog man in anderen altnordischen Sagen auch eine Haut über den Kopf. Ähnlich wie den Thorolf im Norden, schleifte man in Deutschland einen toten Missetäter unter der Schwelle hindurch, damit er den Heimweg nicht fände, ja noch heute wird hie und da aus demselben Grunde die Leiche nicht durch die Türe, sondern durch das Fenster hinausgebracht. Aus Furcht vor der Wiederkehr bricht man auch im fernen Indonesien eine Öffnung durch die Mauer. Aber den vernachlässigten Thorolf bezwangen alle solche Vorsichtsmaßregeln nicht; nach Sonnenuntergang tobte er furchtbar unter Mensch und Vieh und verwüstete selbst den Acker, bis er umgebettet und sein neues Grab hoch umzäunt wurde. Viele brechen ihren eigenen Grabesfrieden aus unstillbarer Kampfbegier, Waidlust, Habgier und aus Geiz. Gleich den marathonischen Kämpfern erheben sich die Gefallenen der katalaunischen Schlacht zu neuem Waffengange. Hilde, Högnis Tochter, weckt auf der Insel Haey durch Zauber die samt ihren Waffen zu Stein gewordenen Erschlagenen wieder auf, und so sollen sie immer wieder kämpfen bis zur Götterdämmerung. Nach einer deutschen Sage sprangen einmal Tote aus den Gräbern den Ihrigen bei, als diese schon unterliegen wollten. Leidenschaftliche Jäger, später namentlich solche, die ruchlos den Feiertagsfrieden nicht geachtet haben, gesellen sich als Wiedergänger der wilden Jagd bei. Leidenschaftliche Hauswirte kommen wieder. Der Isländer Vigahrapp ließ sich dicht unter der Küchentür stehend begraben, um von dort aus nach seinem Tode die Wirtschaft bequemer überwachen zu können. Weil ihm aber die Knechte nicht genügten, quälte und tötete er sie voll Zorns, ja er verödete dann seine ergibigen Äcker, Lachs- und Seehundweiden. Darum grub man ihn wieder aus, verbrannte ihn und streute seine Asche ins Meer. Milder als der Isländer verfuhr der Geist eines oberschwäbischen Bauern, der seiner Kinder wegen gern nach Scheuer und Stall schaute und jeweils den saumseligen Knechten eine „Humse“ Ohrfeige versetzte. Fridthiofs Vater will dem Grabe seines Königs gegenüber am Strande begraben sein, daß sie sich bequem über den Fjord hinüber zurufen können, wenn Wichtiges bevorsteht. — Endlich haben Geizhälse, Wucherer, Betrüger, Wortbrüchige, ja in Norwegen selbst Trunkenbolde und Spötter keinen Grabesfrieden, sondern gehen um. Zumal in den langen Winternächten um Weihnachten. Da läßt sich der gottlose Fastenverweigerer anfangs undeutlich sehen. Die Kühe, die ihn erblicken, werden wild und stoßen einander, die Menschen verlieren den Verstand, mit zerbrochenen Knochen findet man sie am andern Morgen. Und selbst der furchtloseste aller Menschen, Grettir, ist einer Ohnmacht nahe, als er den von ihm besiegten Wiedergänger bei seinem Fall seine grauen Augen starr auf den Mond richten sieht. Um ihn dann unschädlich zu machen, wird sein abgeschlagener Kopf gegen seinen Hintern gesetzt und auf „kalten Kohlen“ verbrannt. Mit versöhnendem Glanz leuchtet in dieses Reich düsterer Vorstellungen die Liebe hinein, die Brautpaars-, die Gatten- und die Mutterliebe. Die Mitglieder eines eng verbundenen Menschenpaars treibt es zu einander, aus dem Leben zum Tode, aus dem Tode zum Leben, mit unwiderstehlicher Sehnsucht, mit unverbrüchlicher Treue. Der Wiedergängerglaube verklärt sich zu imvergänglicher Poesie. Im zweiten Eddaliede von Helgi, dem Hundingstöter, nimmt Odin den gefallenen Helden in Walhall auf. Aber es wird ihm eine „Heimfahrt“ erlaubt, und die Magd seiner Witwe Sigrun sieht ihn mit stattlichem Gefolge zu seinem Grabhügel reiten und berichtet der Herrin, das Grab Helgis sei offen, der Fürst sei gekommen und bitte sie, das Bluten seiner Wunden zu stillen. So ging denn Sigrun ins Grab zu Helgi und sprach:

„Nun will ich küssen dich leblosen König, Bevor du die blutige Brünne abwirfst. Dein Haar ist, mein Helgi, von Reif durchdrungen, Ganz bist du von Leichentau bespritzt.“

Darauf er:

„Du allein verschuldest, Sigrun von Sefafjöll, Daß Helgi mit Leidestau benetzt ist. Du weinst, Goldgeschmückte, grimme Zähren, Du Sonnenhelle, eh’ schlafen du gehst. Jede fällt blutig auf die Brust des Helden, Naßkalt, tiefdringend, kummerschwer.“

Und nun trinken sie zusammen im Hügel köstlichen Trunk, und selig ruht sie die Nacht dem Toten im Arme, bis es Zeit für ihn ist, auf fahlem Rosse die morgenroten Himmelswege zu reiten. Es war ein alter, mm den alten Weibern überlassener Glaube — so heißt es in einem Prosazusatz zum Gedicht —, daß die Beiden wiedergeboren seien, er als ein anderer Helgi und sie als Kara. Es ist der höchste Schluß des Wiedergängertums, der auch noch hie und da im Norden gezogen wird: die Wiedergängerseele kommt nicht zu einem bloß scheinbaren, sondern zu einem vollen neuen Leben wieder. Und zwar kann sie auch nach dem Prosazusatz in einer andern Person wiedergeboren werden, sich also auf die Seelenwanderschaft begeben. Denn auch die Seelenwanderung war dem Norden nicht ganz fremd. Das Gedicht aber gibt der alten einfachen Wiedergängersage, die offenbar an das irdische Grab als alleinigen Wohnsitz des Toten gebunden war, ebenfalls eine andre neue Wendung. Sie spielt sich nun, der Einheitlichkeit des Schauplatzes beraubt, auf dem prunkvolleren Hintergrund des später erfundenen Totenreiches, der Walhalla, ab. Das germanische Volkslied aber bewahrt überall die ältere einfachere und wohl ergreifendere Fassung. Der dänische Ritter Aage kehrt aus dem schwarzen Grund zu seiner herzwunden Braut Else zurück die ihn fragt, wie es in seinem Grabe sei, indem sie unter Tränen seine welken Haare kämmt. Er antwortet:

„Jedesmal daß du dich freuest, Und dir ist froh dein Mut, Da ist mein Sarg gefiillet Mit Rosenblättern rot: Jedesmal daß du voll Sorgen Und dir ist schwer dein Mut, Da ist mein Sarg gefiillet Ganz mit geronnenem Blut.“

So folgt sie dem wieder Versinkenden in den schwarzen Grund, sowie in Schottland Margarete, bis an die Kniee geschürzt, dem Geist ihres Wilhelm durch die lange Wintemacht nacheilt, bis der Hahn kräht und er verschwindet im Nebel und läßt sie ganz allein. Da bricht ihr holder Leib tot zusammen. Und mm steigt vor uns jenes unvergleichliche Stimmungsbild des deutschen Volksliedes auf, aus dem Bürgers Lenore hervorgegangen ist: Der Mond scheint so helle, Die Toten reiten schnelle. „Feins Liebchen, graut dir nicht?“ Im Volkslied des mährischen Kuhländchens nässen die Tränen der Witwe das Hemde des Eheherrn im Grabe so sehr, daß sie, wie sie davon hört, hineindringt, um immer bei ihm zu bleiben. Umgekehrt kommt in Pommern die heißgeliebte Frau allnächtlich aus ihrem Grabe ans Bett ihres Gatten, um ihm freundlich zuzusprechen, bis er eines Morgens auf ihrem Grabe gefunden wird, lang ausgestreckt, als ob er das Gras hätte küssen und mit seinen Armen umfangen wollen. Milder und behaglicher äußerte der Iarl Thorgnyr seine Anhänglichkeit an die verstorbene Gattin, wenn er gern auf ihrem nah bei der Wohnung gelegenen großen Grabhügel bei guter Mahlzeit saß, Rat erteilte und den Spielen zusah. Wie leidenschaftlich tanzt dagegen die tote Braut im Aargau auf dem Kreuzweg so lange fort, bis ihr der Bräutigam nachstirbt! Man mag sie im Wirbelwind, der die Kreuzwege liebt und Windsbraut heißt, zu sehen geglaubt haben. Alt ist auch die rührende Geschichte von der Wiederkehr der im Kindbett verstorbenen Mutter zu ihrem hinterbliebenen Kinde. Wochenlang kommt sie in jeder Mitternacht mit leisen Tritten, das Licht verlischt, und bald hört man das Kind an ihrer Brust begierig saugen, oder sie kocht ein Müslein und wäscht die Windeln. Sie wiegt und singt es ein, bei ihm wachend bis zum ersten Hahnschrei. In Oberelsaß tränkt die Mutter Gottes, auf die die Mutterpflichten übertragen sind, in stillen Nächten gütig das mutterlose Kindlein am Milchbrunnen. Dann lächelt es am Morgen in der Wiege mit seinem Milchbärtchen. In Schlesien bereitet man solcher Kindbetterin das Bett. Wo man aber ihre Wiederkehr nicht wünscht, breitet man die Windeln ihres Kindes, mit Steinen beschwert, über ihr Grab. So bleibt sie dort. Grausam hielt man zu Burchards Zeit, um das Jahr 1000, eine samt ihrem Kinde in den Wochen gestorbene Frau fern; man heftete beide mit einem Pfahl im Grabe fest. Auch ein imgetauft gestorbenes Kind durchbohrten Weiber mit einem Pfahl, damit es sich nicht aus dem Grabe erhöbe und Schaden anrichte. Nach der neueren Sage tritt das Kind in seinem Totenhemdchen vor der weinenden Mutter Bett und fleht:

„Ach Mutter, höre doch auf; ich kann in meinem Sarge nicht einschlafen, mein Hemdchen ist noch immer naß von deinen Tränen!“

Leichenpfählungen trafen nach Saxo Grammatikus auch den blutsaugenden Wiedergänger Asvit und sollen noch in neuerer Zeit in Pommern tote Kindbetterinnen und ungetaufte Kinder getroffen haben. Oder man trennte des Wiedergängers Kopf ab oder durchschlug ihm die Sohlen. Oder man grub ihn, wie Thorolf und Vigahrapp, wieder aus und verbrannte ihn. Erklärt sich daraus, daß so manchen Toten Kopf, Hände und Füße, abgeschnitten und verbrannt, neben den übrigen Gliedern beerdigt wurden und in andern Gräbern wiederum nur der Schädel vorhanden war? Das waren übrigens nicht besonders germanische Maßregeln, sondern z. B. die Griechen ergriffen gleich erbarmungslose. Die Inder legten der Leiche nur eine Fußfessel an, um sie an der Wiederkehr zu hindern. In Altgriechenland aber schnitt der Mörder wohl dem Erschlagenen einzelne Glieder ab, um ihn zu schwächen, und hängte sie sich um den Nacken. In Neugriechenland nagelte man die Hände und die Füße des Wiedergängers fest, oder man riß ihm das Herz aus, zerstückelte und verbrannte es, oder man verbrannte den ganzen Körper. Den Wiedergänger unschädlich zu machen, beabsichtigt auch der uralte weltweite Brauch, Steine auf eine Mordstätte zu werfen. Zauberer, Räuber, Geächtete, selbst noch nicht ganz tote, steinigten die Nordleute, tun sie von weiterer Untat abzuhalten, und warfen noch später beim Vorübergehen Steine auf solche Haufen in demselben Sinne. In Schweden fürchtete man andernfalls von dem Erschlagenen irregeführt zu werden. Nach oldenburgischem und voigtländischem Glauben schafft am besten eine tiefe Einsenkung der Leiche oder eine feste Rasendecke der armen Seele Ruhe. Ein geistigeres Mittel war die Beschwörung, mit der man in England Wiedergänger feierlich in die See und in Deutschland später ein Geistlicher in den Wald oder auf einen hohen Berg z. B. den Feldberg bannte. Aber nicht nur gegenüber den zur Wiederkehr durch ihr Schicksal bestimmten Toten, sondern auch gegenüber den unter gewöhnlichen Umständen Verstorbenen und gebührend Begrabenen überwog die Furcht oder doch die Vorsicht die hingebende Verehrung, die sich erst später und auch dann nur vorzugsweise unter den höheren Ständen breitere Bahn machte. Hingen doch auch die gutmütigen und ungekränkten Sterbenden so fest am Leben, daß ihnen schon jedes Bedauern der Anwesenden das Sterben schwer machte. Die Furcht war der Grundzug der altgermanischen Totenbehandlung, wovon Burchard von Worms ums Jahr 1000 das erste vollere Zeugnis ablegt.

Er erwähnt nicht nur jene schauerlichen Pfählungen von Mutter und Kind, sondern auch lustige Leichenwachen, Körnerverbrennen und Kammklappem im Sterbehause, Aufsetzen des Sarges auf die Mitte eines auseinander gezogenen Wagens, Schütten von Wasser unter die Totenbahre und anderes. Aber auch die Volksüberlieferung ist hier besonders reich und fest. Durch ganz Deutschland und auch im Norden wurde der Seele des Verstorbenen alsbald das Fenster zu freiem Davonflug geöffnet, wo sie nicht etwa leicht von der freien Diele aus durch ein Loch im Dache oder den Schornstein entkommen konnte. Jeder Topf wurde umgekehrt, daß sie unterwegs nicht unterschlüpfe, das Geschirr des Toten zerschlagen, daß es ihn nicht festhalte. Nichts im Hause durfte rundum gehen, kein Spinn-, noch Wagenrad, etwa tun ihn nicht aufzuregen. Andererseits wurde alle Frucht gerüttelt, Wein und Bier geschüttelt, damit das nicht abstände, alles Vieh im Stalle aufgejagt und diesem, wie auch den Bienen, ja selbst den Bäumen der Tod angesagt und alle Schlafenden im Sterbehause geweckt, damit sie nicht mitstürben. So lange der Tote auf seinem Bett oder auf Stroh oder auf einem Brett im Hause lag, mußte er durch die Leichenwache nicht nur behütet, sondern auch ergötzt werden. Sie dauerte schon im Nibelungenlied drei Tage und drei, jetzt meistens zwei Nächte, ln guter Laune sollte er von den Lebenden scheiden, auch vielleicht derbe Scherze ihr Grausen betäuben. Singen und Lachen, Tanz und Vermummung bei Leichenwachen hatten im 10. und 11. Jahrhundert Regino von Prüm und Burchard von Worms zu verdammen, und im 13. sah sich das alte Stadtrecht von Zwolle genötigt, die Zahl der Wächter auf zwölf Männer und nur vier Frauen zu beschränken. Die Kurfürsten von Köln wiederholten im 18. Jahrhundert ihre scharfen Verbote gegen die Gelage und unzüchtigen Spiele der Leichenwachen, die man noch neuerdings im westfälischen Sauerlande untersagte wegen ihrer Stelldichein und tollen Pfänderspiele. In Tirol und im Schwarzwald beten die Wächter meistens, aber sie spielen und trinken auch dazwischen und erzählen sich lustige Geschichten. Auch in Skandinavien dauern die Leichenwachen fort. Daß in dem Hause, wo ein Toter lag, nach Burchard Korn verbrannt wurde, scheint auch germanisch, wenigstens werden noch in Westfriesland, freilich mit Bezugnahme auf die Dreieinigkeit, drei Handvoll Gerstenkörner um den Toten ausgestreut, in deutschen Sagen wird Korn auf die Gräber geworfen, und man hat auch im Innern derselben Korn gefunden. Burchard verbietet ferner den Frauen, ihre Weberkämme über der Leiche zusammenzuschlagen, was wohl die Seele verscheuchen sollte wie jenes Wehen mit Tüchern. Die Leiche darf noch an vielen Orten in Deutschland, Holland und Schweden nur so aus dem Bett oder dem Hause getragen werden, daß ihre Füße in der Richtung der Tür bleiben; so wird sie den Rückweg nicht finden. So lag schon Patroklos’ Leichnam mit dem Gesicht der Zelttüre zugewandt. Nach Burchard goß man, wenn die Leiche aufgehoben wurde, schweigend Wasser unter die Bahre, wie man dem Sarge heute in einzelnen Gegenden Wasser, hie und da auch Mehl, Asche, Feuer nachwirft, sogar dreimal. Oder man stellte, namentlich in Niederdeutschland und Ostholland, eine Schüssel Wasser unter oder an das Bett. Daraus hat sich auch wohl ein Seelenbad entwickelt, das man dem Toten ans Fenster setzt. Auch wird die Stube hinter der Leiche ausgefegt oder auf die Schwelle zur Abwehr ein Besen oder Stahl oder eine Axt gelegt. Die Leiche darf nicht höher als kniehoch in Westfriesland gehoben werden, nach Burchard aus Gesundheitsrücksichten. In Holland setzt man die Leiche noch hie und da auf einen sogen. ,Lank wagen*, der aus zwei durch einen langen Wagenbaumverbundenen Rädergestellen besteht; einen solchen auseinander geteilten Leichenwagen kennt auch Burchard. Das Reve- oder Leichenstroh ließ man bis vor kurzem in Westfalen auf dem Leichen weg, in Österreich auf dem Acker des Verstorbenen, in Holland auf einen Kreuzweg fallen und verbrannte es auch wohl vor dem Begräbnisplatz. So wurde die letzte Verbindung zwischen dem Toten und seinem Hause verweht und zerstört. Ausschließlich nur mit Leichen befahren wurde auch in Bayern der Toten weg, in Holland der Lijk-, Nood- oder Reeweg. Dem Toten gebührt die Totenklage, über die schon Tacitus in scharf zugespitzten Antithesen sich äußert.

„Die Deutschen legen das Jammern über den Tod schnell, den Schmerz langsam ab. Doch gilt bei den Frauen die Klage für ehrenvoll, bei den Männern die treue Erinnerung.“

Freilich übermäßige Klage stört die Totenruhe. Aber Klagen wurden angestimmt bei der Bestattung der Westgotenkönige Alarich und Theoderich und des Langobardenkönigs Alboin, und Beowulfs Grabhügel umritten zwölf Edelinge und priesen trauernd der Männer mildesten. Der Indiculus des 8. Jahrhunderts bekämpfte die „dadsisas“ die Totenklagen, die im 10. Regino von Prüm „Teufelsgesänge“ schimpfte. Man könnte fremden Einfluß vermuten, wenn bei den Deutschen in Siebenbürgen, Ungarn und Krain eigens bestellte Klageweiber ihre Weisen beim Begräbnis absingen. Aber im elsässischen Münstertal stürzen wohl noch nach einem Todesfall sofort laut schluchzende Weiber ins Sterbehaus, sowie bei Mülheim a. d. Ruhr noch kürzlich Frauen aus der Totenklage ein Gewerbe machten. In Schlesien aber darf man keine Träne auf die Leiche fallen lassen, weil sonst ihre Ruhe gestört oder der Weinende ihr nachgezogen wird. Weitaus die ältesten Zeugnisse für den Seelenglauben, ja für den Glauben der Germanen überhaupt liefert die Totenbestattung. Die Anlage, die Bauart und der Inhalt der Gräber geben mannigfachen Aufschluß über die Sinnes weise der näheren und der fernsten Vorzeit. Freilich sind aus der ältesten Steinzeit, in der die Menschen sich mit plumpen, grob zugehauenen Werkzeugen aus Feuerstein behalfen, Gräber nicht mit Sicherheit nachweisbar, vollends nicht germanische; die Leichen scheinen damals ohne besondere Bräuche nachlässig verscharrt worden zu sein. Mit der jüngeren Steinzeit aber begann eine sorgsame Beerdigung des Körpers, die nach vielen Jahrhunderten ihres Bestandes der Leichenverbrennung wich, um diese dann wieder überall zu verdrängen, so daß der Leichenbrand in dieser mehrtausendjährigen Geschichte gleichsam nur eine Episode bildet. Auch scheint er bei einigen Stämmen der Germanen nicht recht emporgekommen zu sein, wenigstens nicht bei den niederen Ständen. In der jüngeren Steinzeit baute man aus Steinen dem Toten zuerst kleinere Stuben, erweiterte sie dann zu den großen Riesenstuben oder Hünenbetten und ging dann mit Beginn der Bronzezeit, etwa seit 1500 v. Chr., zu der Steinkistenform über, einem bloßen Sarge. Meistens im norddeutschen oder dänischen Flachlande gelegen, wurden diese Steinhäuser aus mtihsamst zusammengeschleppten Findlingsblöcken hergestellt. Nichts kann den schwermütigen Reiz der Heide oder der Waldeinsamkeit mehr erhöhen als ein Hünengrab, dessen Felssteinmauem, halb oder ganz mit Erde bedeckt, von einem weiteren Steinkreise wie ein Heiligtum umzäunt sind. Dennoch war dieses ursprünglich wohl weniger ein eigentliches, der Andacht geweihtes Denkmal, als vielmehr ein festes Haus, das die Toten schützen, aber auch einschließen und von der Wiederkehr zu den Lebenden zurückhalten sollte. Die Gerippe liegen oder hocken in den geräumigeren Gräbern in größerer oder kleinerer Gemeinschaft, neben sich hochhalsige Krüge, trefflich geschliffene Steinbeile und oft auch schon gebrauchtes, ziemlich wertloses Gerät. Brandreste in den Kammern scheinen darauf hinzuweisen, daß man die Toten von Zeit zu Zeit durch Feuer erwärmte, um ihnen ihre dunkle Wohnstatt möglichst behaglich zu machen. Man dachte sich also die Toten noch fortlebend, doch nur eine Weile fortlebend. Denn wenn Gerippe später Verstorbener hineingelegt wurden, so wurden die älteren bei Seite geschafft und unordentlich aufeinander gestapelt. Nach dem Schädelbefund waren sie Germanen. Diese ältesten Germanengräber bedecken den nördlichsten Teil eines ungeheuren bogenförmigen Steingräberstreifens, der von Indien bis nach Spanien und von da durch Westeuropa bis an die Weichsel und nach Schweden reicht. Man vermutet, daß die im Morgenland üblichen einfachen Felsengräber die Vorbilder dieser zwar künstlicheren, aber immerhin noch einfacheren Steingräber gewesen seien, die in den ägyptischen Pyramiden und den mykenischen Kuppelgräbern ihre höchste Kunstform gefunden hätten. Wie dem sei, jedenfalls ist der Glaube an jene sehr bedingte Unsterblichkeit mit der von Volk zu Volk getragenen alten Kulturmitteilung der Steingräber nicht so fest verknüpft, daß er nicht auch schon vorher hätte gewonnen werden können. Doch mag er in dieser eingeführten fremden Grabform eine neue Stütze gefunden haben. Noch bis in die ältere Bronzezeit hinein, in der die Steingeräte den Bronzegeräten wichen, bis etwa zum Beginn des letzten vorchristlichen Jahrtausends, wurden die Leichen unverbrannt in Steingemächern oder nun auch in Steinsärgen beigesetzt. Nicht lange vor der jüngeren Bronzezeit aber, die im Norden etwa mit dem 8. Jahrhundert v. Chr. anhob, wurde der ebenfalls aus dem Orient herübergebrachte Leichenbrand bei den Germanen üblich. Er scheint aus einem Umschwung des Glaubens hervorgegangen zu sein. Wollte man die Seele vom toten Leibe entschiedener loslösen und aus der dumpfen Grabesruhe befreien, ihr einen anderen lichteren Raum zum Weiterleben schaffen? Nach der ältesten indischen Urkunde, dem Rigveda, gibt es unverbrannte und verbrannte Ahnen. Für den imverbrannten wird bei der Totenfeier gebetet:

„Spring auf, o Erde, presse dich nicht nieder. Umhüll ihn, Erde, wie den Sohn die Mutter hüllt in ihr Gewand“ (10, 18, 11).

Dagegen führt die Seele des Verbrannten auf dem Feuer leicht wie auf einem Wagen ins Reich des Totengottes Iama und vereint sich mit ihm und den Ahnen, mit neuem Leibe glänzend (10, 14, 8). Nach der Ilias 7, 410 werden die Toten erst durch ihre Verbrennung besänftigt, nach der Odyssee 11, 222 vernichtet das Totenfeuer die Sehnen, die Fleisch und Gebein Zusammenhalten, die Seele aber fliegt frei davon. Von Kleinasien, wo die homerische Dichtung entstand, kam der Leichenbrand erst im 7. Jahrhundert nach Attika, und die römischen Zwölftafeln des 5. Jahrhunderts kannten beides, das Beerdigen und das Verbrennen. Die Germanen legten die verbrannten Gebeine in einem Tongefäß in einem kleinen von Steinen umgebenen Raum oder auch in einer Holzkiste oder auch ohne Behälter in der Erde nieder. Aber dann wurde nach altem Brauche, wie früher über den unverbrannten Gerippen, auch über den verbrannten ein Hügel gewölbt. Weit jünger als die germanischen Aschenurnen der jüngeren Bronzezeit ist das älteste literarische Zeugnis, das des Tacitus:

„die Leichen berühmter Männer werden auf bestimmten Holzarten samt ihren Waffen und auch wohl ihrem Rosse verbrannt.“

Aber gerade bei den westdeutschen Stämmen, die Tacitus am genauesten kennt, ist dieser Brauch schon vor dem 5. Jahrhundert wieder erloschen. Das salische Gesetz spricht nur von Beerdigung. Nicht einmal die deutsche Heldensage, die doch in der Völkerwanderung wurzelt, weiß von Verbrennung, und auch in den Geschichts- und Rechtsbüchern der Burgunder, Bayern, Langobarden und Goten fehlt jeder Hinweis darauf. Im Gegenteil, die großen historischen bekannten Leichenfeiern sind Beerdigungen: die Westgoten senkten ihren König Alarich mit vielen Schätzen in das trocken gelegte Busentobett und beerdigten hernach ihren greisen König Theoderich in vollem Waffenschmuck angesichts des feindlichen Heers auf dem katalaunischen Schlachtfeld. Der Frankenkönig Childerich (gestorben481) und der Langobarden könig Alboin wurden in voller Wehr beerdigt, der erste sogar mit seinem Rosse. Noch Kaiser Otto III soll Karl den Großen in der Domgruft zu Aachen in voller Kaiserpracht thronend gesehen haben. Nur die Sachsen hielten am Leichenbrand zäher fest, nicht nur in der Poesie. Beowulfs „Beinhaus“ wird auf einem mit Waffen behängten Scheiterhaufen verbrannt, so daß der Rauch über das nahe Meer hinzieht, und dann die Brandstätte mit einem hohen breiten Hügel, einer „den Seefahrern weithin sichtbaren Burg“, zugedeckt, und noch Karl der Große setzte auf den Leichenbrand und solche Hügelbestattung der Sachsen Todesstrafe. Die westlichen Nordleute gaben, wie die Gräberfunde lehren, schon seit der Völkerwanderungszeit das Brennen nach und nach wieder auf, so daß z. B. auf der seit etwa 900 n. Chr. besiedelten Insel Island keine Spur mehr davon zu finden ist. Die östlichen Nordgermanen blieben beim alten Brauch noch im 10. Jahrhundert. Aber auch in der Sage und Dichtung der Norweger und Isländer wurden noch viele Jahrhunderte nach dem Aussterben der Sitte Scheiterhaufen für die gefallenen Helden angezündet, offenbar, um ein so altes malerisches Motiv nicht zu verlieren. Der Deutsche Siegfried, der nach seiner heimischen Sage beerdigt wird, verbrennt in der nordischen auf einem Holzstoß, und mit ihm verbrennen seine Brynhild, Knechte und Mägde, zwei Hunde und zwei Habichte, ein stattliches Gefolge, damit dem zum Totenreich voranziehenden Fürsten die hinter ihm zuschlagende Tür der Hel nicht auf die Fersen fallen könne. Aber die nordische Überlieferung schwankt auch in ihren Berichten von der Bestattung echt nordischer Götter und Helden. Nach dem Dänen Saxo erhielt Balder ein königliches Begräbnis, nach der isländischen Prosaedda aber einen großartigen Leichenbrand auf einem auf das Land gezogenen Schiffe. Als er hinaufgetragen wurde, brach seiner Gattin Nanna das Herz. Mitverbrannt wurde sein Roß in vollem Reitzeug, das Schiff wurde auf das Meer gestoßen. Auch der verstorbene Dänenkönig Harald Hilditönn wurde nach Saxo mit Roß, Wagen und Waffen auf einem Schiffshinterteil verbrannt und seine Urne in Lethra beigesetzt, dagegen ließ nach andrer Sage König Hring die Leiche Haralds, gewaschen und ausgerüstet, auf einem Wagen in den aufgeworfenen Hügel führen, das Roß töten und seinen eigenen Sattel zu dem Toten legen, damit dieser nach eigener Wahl nach Walhall reiten oder fahren könne. Waffen und Ringe warfen Hrings Krieger hinein. Die Schweden wollten den toten Frey nicht verbrennen, sondern begruben ihn, um ihrem Lande seine Gaben, gute Zeit und Frieden, zu erhalten. Nach den nordischen wie deutschen Gräberfunden wurden in dem Brennalter der Bronzezeit nicht Waffen und anderes Kriegs- oder Jagdzeug, sondern nach der Mode des klassischen Altertums vollständige Speise- und Trinkgeschirre in den Grabhügel gelegt. Die Herkunft dieser charakteristischen Beigaben aus dem Süden bezeugt am deutlichsten die häufige ungermanische Verzierung der Gefäße mit Mäanderbändem. Man suchte dem Verstorbenen das Dasein nach dem Tode möglichst genußreich zu gestalten. In jenen meist späteren Bestattungsberichten sind also die Bräuche verschiedener Zeitalter, das Brennen der Bronzezeit und die kriegerische Ausstattung der jüngeren Wikingerzeit, durcheinander geworfen. Tacitus zwar fand nach seiner obigen Aussage schon im Brennalter die Beigaben von Waffen und Roß vor, im Norden aber drang erst in der Wikingerzeit der neue kriegerische Geist in die Gräber, die Leichen wurden erst damals für ein weiteres Kampfleben, für Walhall ausgerüstet. Und die Ynglingasage verheißt jedem in Walhall den Besitz alles dessen, was auf seinen Scheiterhaufen gelegt ist. So fand man in den Bomholmer Gräbern, die der jüngeren Eisenzeit angehören, volle Waffenrüstung, auch Messer, Schere und Wetzstein und wiederum des Toten Reitpferd und Hund, einen Hund von großer, dänischer Rasse. So bargen die Grabhügel über verbrannten wie imverbrannten Leichen allerhand Schätze, die die Lebenden oft zum Nachgraben reizten, zum „Haugbrot“ oder Hügelbruch. Wer an der langen norwegischen Küste hinsegelte, sah ihrer viele, und die Schiffer verkürzten sich gern die Zeit mit Geschichten von ihren Insassen. Dafür dankbar trat einmal einer von ihnen, der tote König Vatnar, aus seinem Grabe, um dem Erzähler im Traume zu erscheinen und ihm zu sagen:

„Du hast meine Sage erzählt; nun will ich dich belohnen. Suche nach Gütern in meinem Grabe, und du wirst noch etwas finden.“

Er suchte und fand viel. Eigenartig germanisch, wenigstens nordgermanisch, ist die Ausstattung des Toten mit einem Schiff, das bald unversehrt mit ihm aufs Meer gestoßen oder beerdigt, bald brennend mit ihm aufs Meer gelassen oder verbrannt mit ihm gleichfalls mit Erde zugedeckt wurde. Wie oben bemerkt, wurde Balder auf brennendem Schiff den Wogen übergeben, Harald Hilditönn aber auf einem Schiffshinter-teüe verbrannt und dann mit einem Erdhügel bedeckt. Den Stammvater der dänischen Könige, Skyld, legten nach dem Beowulf gedieht seine Leute nach seinem Tode reichgeschmückt beim Maste in den Schoß eines Schiffes, befestigten ein goldnes Banner hoch über seinem Haupt und schoben das Fahrzeug ins Meer hinaus auf eine ungewisse Fahrt. Die Völkerwanderung scheint die Schiffsbestattung tief ins Binnenland gebracht zu haben: im 15. Jahrhundert fand man im Berner Oberland ein Totenschiff mit vielen Gerippen tief in der Erde. Aber die wichtigsten zwei Zeugnisse, ein antiquarisches und ein historisches, sind noch nicht gegeben. Vor einiger Zeit ist ein mit Erde bedecktes Schiffsgrab, das etwa aus dem Jahre 900 n. Chr. stammt, bei Gokstad in Norwegen gefunden worden; es barg ein mit einem Mast und 32 Rudern versehenes Schiff, dessen Bord mit Schildern behängt war, und dem darin liegenden unverbrannten Toten waren Pferde und Hunde beigegeben. Andere solcher Schiffsgräber sind außer in Norwegen noch in Schweden, aber nicht in Dänemark gefunden worden. Aber um dieselbe Zeit berichtet der Araber Ibn Fadlän von Schiffsbestattungen der skandinavischen Russen, d. h. der östlichen Nordgermanen, die den russischen Staat gründeten. Er traf ihre Kaufleute in den Jahren 921 und 922 unter den Wolga-Bulgaren. Einen Armen legen sie nach seinem Tode in ein eigens dafür gebautes kleines Schiff und verbrennen es. Beim Tode eines Reichen aber teilen sie seine Habe in drei Teile, von denen der eine der Familie zufällt, der zweite für die Ausstattung des Toten verwendet wird, während sie für den dritten berauschende Getränke kaufen, um es an dem Tage zu trinken, an dem ein Mädchen (die Lieblingskebse?) sich dem Tode preisgibt und mit dem Herrn verbrannt wird. Denn sie ziehen ein Schiff auf das Land und legen darin den prächtig gekleideten Toten auf eine mit Tüchern und Kopfkissen bedeckte Ruhebank. Dann bringen sie ihm berauschendes Getränk, Früchte, Basilienkraut, Brot, Fleisch und Zwiebeln, auch seine Waffen.

Dann werfen sie das Fleisch eines in zwei Teile zerschnittenen Hundes und zweier müde gehetzter und zerstückelter Pferde ins Schiff, endlich einen geschlachteten Hahn und ein Huhn. Das Schiff wird mit seinem Inhalt verbrannt und ein Hügel darüber aufgeworfen. Fast durch ein Jahrtausend kann man als stets wiederkehrende Grabbeigaben Waffen, Pferd und Hund verfolgen; ein kampf- und jagdfrohes Geschlecht ruht zwischen ihnen. Je nach der Mode der Zeit, dem Stande, dem Vermögen und vielleicht auch je nach dem Charakter des Verstorbenen wurden zu seiner Rüstung noch Schmucksachen, Hausrat, Nahrungsmittel und Amulette hinzugefügt. Von letzteren z. B. enthielt ein schönes seeländisches Grabgefäß aus Bronze ausser einem Pferdezahn und Ebereschenzweig Reste eines Vogels, eines Wiesels, einer Natter, als ob diese uns schon (S. 76) bekannten Seelentiere dazu ausersehen wären, das Seelenleben des Toten zu schützen und zu fristen. Die seefahrenden Nordleute brachten das Schiff hinzu, das auch in ihrem Götterkultus und in ihrer Kunst eine viel wichtigere Rolle spielte als bei den Binnenlandsbewohnem. In einem jütischen Sandhügel der jüngeren Bronzezeit fand man, in einem Tongefäß in einander gesteckt, etwa 100 kleine Goldboote, die wahrscheinlich Votivgaben für die Götter waren, und viele südskandinavische Felsenzeichnungen derselben Zeit zeigen uns neben bewaffneten Männern und Wagen mit Pferden am häufigsten Schiffe mit hohen „Hörnern“ oder Steven, oft zu ganzen Flotten vereint. Später, in der jüngeren Eisenzeit, verwendete man das Schiff auch für den Totenkultus. Man richtete namentlich in Dänemark zahlreiche Schiffssteinsetzungen auf, zwei schwach um das Grab ausgebogene Steinreihen. Tiefer griff, wie wir gesehen, die eigentliche Schiffsbestattung ein. Das Schiff war wahrscheinlich nicht nur dazu bestimmt, dem Verstorbenen in einer anderen Welt zu dienen, sondern ihn auch sicher über etwaige hemmende Gewässer dahin zu geleiten, gerade wie auch das mitbegrabene oder mitverbrannte Pferd oder dessen Stellvertreter, das Rind. Die Reise nach Walhall mochte Harald Hilditönn zu Wagen oder Roß machen (S. 110), und die auf jütischen Leichen gefundenen Kuhhäute sollten ihnen die Hilfe der geopferten Tiere sichern. In christlicher Zeit, zuerst nach einer St. Galler Urkunde von 806, fiel auf germanischem, wie keltischem Boden das dem Sarge voranschreitende oder nachfolgende Rind oder Pferd der Kirche statt dem Grabe zu, um dem Seelenheil des Toten zu dienen. Man gedenke dabei des indischen Bestattungsgebrauches, den Schwanz einer Kuh, mit deren Fell der Tote Glied für Glied belegt wurde, ihm in die Hand zu geben, damit er auf schwindelndem Wege nicht falle. Noch heute führt man dort an das Lager des Sterbenden eine reich geschmückte Kuh, damit dieser sie beim Schwanz ergreife und sicher zur anderen Welt hinübergeführt werde. Merkwürdigerweise haben alte Leute in Mecklenburg gehört, daß kurz vor dem Abscheiden eines Familienmitglieds ein Stück Vieh ins Zimmer gebracht worden sei, damit der Sterbende seine Seele in dasselbe hineinhauche. Die deutschen Redensarten: ,die schwarze Kuh drückt ihn oder ,hat ihn getreten bedeuten so viel als: ,er ist todkrank‘ oder ,er ist gestorben‘ . Das norwegische Gedicht Draumakvaedi preist den glücklich, der in dieser Welt den Armen eine Kuh gibt, er braucht nicht schwindlig auf der Gjallarbru, der Totenbrücke, zu gehen. Und auch den preist es glücklich, der in dieser Welt den Armen Schuhe gibt, er braucht nicht barfuß die Domenheide zum Totenreich zu durchwandern. Der Holsteiner Godeskalk sieht auf seiner um 1190 unternommenen visionären Reise zuerst eine breite Linde, die über und über mit Schuhen behängen war, die denjenigen, die im Leben barmherzig gewesen, gereicht wurden, um darnach eine , weite Domenheide zu durchschreiten. Diese Jenseitsschuhe sind nach dem Volksglauben von Yorkshire dieselben, die man im Leben Armen geschenkt hat. So wurde denn auch dieses wichtigen Reisebedarfs bei der Bestattung nicht vergessen. Es war im Norden Sitte, den Toten Helschuhe zu binden, in denen sie nach Walhall gehen konnten. Auch in Deutschland wurden sie mit Totenschuhen versorgt, um unverletzt über die spitzen Steine und durch die Domen der Unterwelt schreiten zu können. Nach einem rührenden, noch nicht völlig erloschenen deutschen Volksbrauch bedenkt man die im Kindsbett Verstorbene mit Schuhen, damit sie zu ihrem zurückgelassenen Kind kommen und es säugen könne. Statt Schuhe den Toten ins Grab zu geben, spendete man sie in christlicher Zeit den Armen als Gottesschuhe, Hedwigssohlen, oder auch in Gebildbrote für die Armen verwandelt.

Diese oft reiche, oft ärmliche Aussteuer der Toten war gewohnheitsrechtlich genau bemessen. Ein Drittel der Habe jenes russischen Nordmanns an der Wolga wurde dazu verbraucht, dem Toten Kleider zuzuschneiden. Aus diesem für die Totenbestattung bestimmten Drittel wahrscheinlich nur der fahrenden Habe wurde nach der Christianisierung in England, Frankreich und Deutschland the deads pari, la partie au der Tote nteilt oder Seelschats, Seelgerät, Seelteil, ursprünglich ebenfalls ein Drittel der fahrenden Habe, das aber nun der Kirche oder den Armen zufiel, nicht im Grab erstarb. Daher erklärt sich auch, daß der Seelschatz noch bei offenem Grabe geleistet und daß die altheidnischen Beigaben des toten Kriegers, Waffen und Streitroß, der christlichen Kirche zugewendet wurden. Doch kehrte man sich schon in der Heidenzeit nicht immer an solche strenge Teilungsvorschriften: in der Vatnsdaelasaga wird alles, was der Held im Krieg erobert hatte, nicht vererbt, sondern als sein eigenstes Eigen mit ins Grab gesenkt.

Der höchsten Totenbeigabe ist noch nicht gedacht, des mit dem Toten im Leben eng verbundenen Menschen. Die Gefolgsleute eines deutschen Fürsten verschmähten es nach Tacitus, ihren in der Schlacht gefallenen Herrn zu überleben. Sie mögen mit ihm ein gemeinsames Grab gefunden haben. Nanna folgt ihrem Gatten, Brynhild mit Knechten und Mägden ihrem Geliebten auf den Scheiterhaufen, aber dies scheint reine Poesie, der die Wirklichkeit nicht entsprach. Blutsbrüder schwuren sich nach Saxo gegenseitig zu, daß nach dem Tode des einen der andere sich begraben lasse. Auch sitzt nach einer anderen Erzählung der Überlebende wohl bei dem Verstorbenen drei Nächte im Hügel.

Reste der Sitte, dem Toten allerhand Sachen zu weiterem Gebrauch mit in den Sarg zu legen, bestehen im Widerspruch mit der christlichen Lehre bei allen germanischen Stämmen bis auf den heutigen Tag.

Nicht nur durch solche einmalige Liebesgaben, sondern auch durch wiederkehrende Totenopfer wurde für Nahrung und Ehrung des Verstorbenen gesorgt. Die Stiere und Böcke, die die Deutschen nach Papst Zacharias’ Angabe um 748 den Göttern beim Totenopfer schlachteten, galten wohl eigentlich nicht den Göttern, sondern den Toten. Papst Gregor III. im Jahr 739 und kurz darauf der erste Artikel des Indiculus und später Burkhard von Worms bekämpften diese deutschen Opfer, durch die manche Tote ebenso wie Kirchenheilige gefeiert wurden. Im Norden wenigstens opferte man dem König Olaf Geirstadaalf um Fruchtbarkeit an seiner Grabstätte wie einem Alf d. h. Halbgott, und man verteilte die Gebeine Halfdans des Schwarzen gerade wie die Reliquien eines griechischen Heros oder eines christlichen Heiligen, damit sie mehreren Landschaften zum Schutz und Segen gereichten. Nach Rimberts Leben des H. Ansgar erhoben die Schweden ihren König Erich sogar unter die Götter, bauten ihm einen Tempel und opferten ihm darin. Schon die Brandstätten der mykenischen Kuppelgräber und der germanisehen Riesenstuben, welche unverbrannte Leichen bergen, scheinen Opferstellen gewesen zu sein. Kunstloser angelegte Gruben auf Grabfeldem der Merowingerzeit sind mit Asche, Kohlen, Gefäßscherben und Tierknochen angefüllt zum Beweise, daß in ihnen die den Toten dargebrachten und auf den Gräbern genossenen Mahlzeiten zubereitet wurden. Da der altgermanische Opferhof häufig zum Gerichts- und Versammlungsplatz diente, so erklärt sich, warum man noch im Mittelalter auf großen Grabhügeln, als auf früheren Totenopferstätten, Gerichte und Versammlungen abhielt; so auf dem Gunzenlö bei Augsburg und dem Birtinlö bei Rottenburg am Neckar. Bei dem schifförmigen Grab von Blomsholm in Südschweden steht ein „dömhringr“ ein Gerichtssteinring mit einem mächtigen (Opfer ?)stein in der Mitte. Die Totenopfer wurden später von den heidnischen Friedhöfen auf die christlichen übertragen, und mit ihnen drangen Gelage, Gesänge und Tänze sogar in die Kirche, namentlich in deren Vorraum, das „Paradies“. Im Jahr 1348 wurden diese Lustbarkeiten auf den Gräbern am Niederrhein unterdrückt; noch 1638 hielt in England die Kirchenbehörde darnach Umfrage.

Einflußreicher als die Übertragung der Totenopfer von heidnischen Gräbern auf christliche war ihre schon früh aus praktischen Gründen vorgenommene Verlegung vom Grabe ins Sterbehaus. Hier wurde das Leichenmahl gehalten, seltener vor dem Hinaustragen der Leiche, meistens nach der Beerdigung. Es ist das niederdeutsche Ostelbier oder Riieaten Reu-, Traueressen, das nord- und mitteldeutsche Fell-, Haut-, Bastversaufen oder das Sachsenhäuser Totenvertanzen, das bayrische Eindaichteln, das gemeinhochdeutsche Totenvertrinken. Die englischen „minnying days“ Gedächtnistage, das jütische ,der seligen Leiche Heil trinken‘ und das altnordische ,drekka erfl‘ das Erbe trinken oder ,erfiöl‘ Erbbier weisen schon auf einen höheren Sinn.

Im Norden wurde die Erbteilung am Begräbnistage oder am 7. oder am 30. Tage nach dem Tode, oft aber auch wegen der gewaltigen Entfernungen erst am Jahrestage des Begräbnismahls vorgenommen. Dann strömten wie zum Julgelage oder zum Thing von nah und fern die Gäste zu der Feier herbei, die drei Nächte dauerte. Die nächsten Verwandten aber, z. B. die Söhne Hjaltis, gingen zu ihres Vaters Erbgelage so schön gekleidet, daß die Leute glaubten, die Äsen kämen. Am ersten Abend saß der Erbe auf einer Stufe des Hochsitzes, den man für den anwesend gedachten Ehrengast, den Geist des Verstorbenen, frei hielt Dann aber nach einem Minnetrunk auf diesen und die Götter, mit dem er vom Toten freundlich Abschied nahm, bestieg er den leeren Hochstuhl und nahm damit sein Erbe in Besitz. Dann wurde ein Preisgedicht auf den Toten vorgetragen. Diese Teilnahme des Toten an seinem eigenen Gedächtnismahl tritt bei den einfacheren deutschen Leichen-schmäusen zurück. Doch verweilte noch nach neuerer Aussage in Ostpreußen der „Geist“ während dieses Mahls hinter einem breiten Handtuch, womit der Sarg in die Tiefe gesenkt war, oder er setzte sich ungesehen mit zu Tische, an den man ihm Stuhl, Licht, Speise und Trank hingestellt hatte. Erst mit den Gästen entfernt sich auch er. Dieser Stuhl war auch in Schlesien gebräuchlich. In Oldenburg kehrte der Tote drei, im Voigtland neun Tage nach seinem Tode zum Hause zurück, wahrscheinlich um sich wie der ertrunkene Therodd (S. 96) seinen Anteil am Totenmahl zu sichern.

Ein kleiner Zug ist noch bezeichnend, weil er ähnlich im alten Griechenland wiederkehrt. Die Verstorbenen haben namentlich Anspruch auf das Haus- oder Heimbrot. Wenn jemand in Tirol Brosamen auf die Erde fallen läßt, so sagt er:

„Arme Seelen, rappet, daß ’s der Tuifel nit dertappet“,

und wenn er Brosamen ins Feuer wirft, so kommen sie armen Seelen zu. Auch in Griechenland gehörten vom Tisch gefallene Brosamen den Verstorbenen, den Heroen.

Wieder stoßen wir hier auf einen den Indogermanen gemeinsamen eigentümlichen Festbrauch. In Indien stimmten die verschiedenen Provinzen in der Wahl und Zahl der Totengedächtnistage nicht immer genau überein. Aber der 1.,3., 7., 9. nach dem Tode springen als die beliebtesten Tage der Wasserspenden an den Verstorbenen und der 30. als ein Haupttotenopfertag deutlich heraus. Am dritten, später am 10. (9.?) Tage lud der Erbe den Verstorbenen zum Kloßopfer ein und trat damit seine Erbschaft an. Die Seele der toten Perser blieb bei ihrem Leibe noch drei Tage bis zum Schaf- oder Ziegenmahl, und während neun Tage durfte kein Feuer im Hause brennen. Am 30. Tag war das Totenopfer. Nachdem die Griechen am 3. Tage das Grabesopfer der Trita dargebracht hatten, nahmen sie das Perideipnon, das Rundmahl, ein, wobei in die Runde getrunken und der Verstorbene, der für den Wirt galt, gepriesen wurde. Auch noch am 9. oder 10. Tage setzte man Speisen, die Ennata oder Neunten, aufs Grab und schloß in Athen am 30. die Trauerzeit. Die Römer reichten dem Toten am 3. oder 7. Tage das Silicernium, Schweigemahl, am Grabe und feierten am 8. und 9. Tag in großer Stille daheim das Novemdiale, das Neuntagsopfer. Älter war wahrscheinlich die Circumpotatio, der Rundtrunk, den das Zwölftafelgesetz verbot. Doch der Grundsatz blieb: „Keine Erbschaft ohne Totenopfer“. Beide klassischen Völker brachten auch ein Jahrestotenopfer. Die littauische Totenfeier endet mit dem 9. Tag.

Diese heidnischen Festsetzungen eignete sich, auf biblische Stellen gestützt, auch die Kirche für ihre Seelmessen an, und so sind auch im deutschen Mittelalter der 3., der 7. und der 30. oder 40. Tag durch feierliche Seelgottesdienste ausgezeichnet. Und manche Geistliche hatten die Neigung, diese Totenfeste nicht nur in christlichem, sondern auch in heidnischem Stil mitzufeiern, so daß die Wormser Synode von 868 den Priestern verbieten mußte, an den Totengedächtnistagen des 3., 7., 30. oder am Jahresgedächt-nis sich zu berauschen, zu Ehren der Heiligen zu beten und der Seele des Verstorbenen zuzutrinken, Klatsch- und Lachgeschichten zu erzählen oder zu singen und sich garstige Scherze mit einem Bären und mit Tänzerinnen und Maskenspiele, talamascae, vorführen zu lassen. Noch im Scherzgedicht vom Frankfurter Borgerkapitän trinkt man beim Leichenmahl des ,Gestorbenen Gesundheit’.

Nicht nur eine Privatfeier des Einzeltoten, sondern auch eine umfassendere gemeinsame Feier mehrerer Toten eines Geschlechts oder einer ganzen Gemeinde kannte bereits das indogermanische Altertum. Drei Generationen Ahnen bis zum Urgroßvater wurden geehrt; „einen vierten Ahnen gibt es nicht“ sagte ein indisches Gesetzbuch. Später opferte man den Ahnen bis ins zwölfte Glied hinauf und empfahl endlich auch dringlich die Ehrung der verstorbenen Mütter. Ahnenopfer brachte auf der Hochzeit das junge Paar, wenn es zum Zeichen der Fruchtbarkeit mit Reis bestreut war, und wenn die Braut sich dem häuslichen Feuer und den Ahnen verneigte. Die indischen Hausregeln setzten für die allgemeinen Haupttotenfeste den Nachmittag der zweiten Monatshälfte am Ende und am Anfang des Winters an. Nachdem die herangekommenen Ahnen mit Speis und Trank gestärkt waren, wurden sie entlassen mit den Worten „Nun gehet fort, ihr Väter, auf euren tiefen alten Pfaden“, und wurden auch wohl bis zur Dorfgrenze begleitet. — Die Perser spendeten zu Ende Februar den Ahnen und den Armen ein Mahl. — Auch die Griechen opferten den Toten gegen Abend an den drei letzten Monatstagen im Frühling, wie im Herbst. Auch sie vertrieben bei der Darreichung ihrer Gaben die Seelen mit den Worten: „Aus der Türe, ihr Seelen“. In Attika beteten die Neuvermählten, die auch mit Früchten überschüttet wurden, zu den Dritt-vätem um Kindersegen. — Die Römer öffneten beim Eintritt des Bräutigams ins Haus, der dabei Nüsse ausstreute, die Schreine, in denen die Ahnenbilder standen. Auch sie feierten im Frühling wie im Herbst ein Totenfest, vorzugsweise gegen Ende des Tags und Monats. Im Mai entließ man die Lemuren, die unruhig tungehenden Verstorbenen, nach einem Bohnenopfer mit dem neunmaligen Rufe: „Geht hinaus, ihr Ahnen.“

In denselben Bahnen bewegte sich die Seelenfeier der heidnischen Germanen und verließ sie auch nicht nach der Bekehrung. Auch sie schoben sie gern auf das Ende eines Zeitabschnitts. In der Oberpfalz und am Rhein kommen die armen Seelen jeden Samstag aus dem Fegfeuer in ihr Haus, und an diesem Tage wird ihnen im Zillertal ein Stück Butter auf den Dreifuß des Herdes gelegt, um ihre Brandwunden zu salben. In Tirol und Böhmen bleiben sie vom Mittag- oder Abendläuten des Allerheiligentags bis zum Morgenläuten des folgenden Allerseelentags. Am Schluß der Ernte, im Herbst, feierten die Marsen beim Tempel der Tanfana ein großes Erntefest, an dem als Teilnehmer wahrscheinlich auch die Toten gedacht wurden. Denn zu derselben Zeit ehrten die Sachsen nach ihrem Sieg bei Scheidungen im Jahre 531 drei Tage lang ihre Toten, offenbar nach älterer Sitte. Die Kirche verlegte auf den 29. September das Fest ihres Seelenpatrons St. Michael, und in der damit verknüpften Festzeit, der Meinweke, oder ,Gemeinen‘ , wurden täglich Seelmessen gelesen. Im Norden trank man auf dem Herbstfest zu Ehren der Götter und der Verstorbenen einen Gedächtnistrunk, der später die Mikjalsminni hieß, und Michaelis Kirchwreih ist nach oberbayrischer Anschauung in Himmel und auf Erden, d. h. wird von den Verstorbenen im Himmel, deren Minne getrunken wird, wie von den überlebenden Freunden auf Erden gefeiert. Odilo von Clugny setzte im 10. Jahrhundert diesen allgemeinen Seelenkult in Novembersanfang. Besonders in Tirol ist der neue christliche Kult mit altheidnischen Bräuchen stark verschmolzen. Wie man vor Jahrtausenden den Toten in ihren kalten Steingräbern Feuer anmachte (S. 106), heizt man hier noch für die Allerseelennacht ein, damit die armen Seelen sich wärmen können, stellt Krapfen oder besonders geformte Kuchen für sie auf den Tisch, auch Milch. In Schweden empfängt man die Verstorbenen erst am Julabend in möglichster Stille in gewärmter Badstube, überläßt ihnen den Hochsitz und erquickt sie mit Julspeise. In Norwegen räumt man ihnen am Julabend die Betten ein.

Auch die bei jenen vier indogermanischen Völkern bemerkte Frühlingsfeier der Toten fehlte den Germanen nicht, insbesondere nicht der bezeichnende Zug, die Verabschiedung der Seelen, wenn er auch verdeckt erscheint. Schon die zweite Synode von Tours 567 mißbilligt diejenigen, die an der Stuhlfeier Petri den Toten Speisen opfern und nach der Messe daheim sich heidnischen Mißbräuchen hingeben. Man muß bedenken, daß dieses Fest in der römischen Kirche bis mindestens ins 12. Jahrhundert ausschließlich an dem altrömischen Totentag, dem 22. Februar, den sogenannten Caristia begangen wurde. Lorichius tadelte noch im 16. Jahrhundert den heidnischen Unfug in Schwaben, Fleischspeisen am ersten Fastensonntag, also um dieselbe Zeit, durch die ganze Nacht für die Seelen bereit zu halten. Dann kochte man auch im Odenwald und am Niederrhein leckere Speisen für die lieben Englein d. h. Seelen und ließ sie bei offenem Fenster über Nacht auf dem Tisch stehen. Um dieselbe Jahreszeit, in den Anthesterien, rief man in Athen nach der Seelenbewirtung: „Aus der Tür hinaus, ihr Seelen!“, und die Inder und Römer kannten ähnliche Verabschiedungen der Seelen (S. 19). Derselbe Ruf scheint versteckt in der bis in unsere Tage hineinreichenden Petri Stuhlfeier Westfalens und der badischen Ortenau, die zwar jene bereits von der Wormser Synode bekämpfte Totenspeisung auf gegeben hat, aber auch auf eine Vertreibung, wie die athenische Feier, gerichtet ist. Mit lautem „Herausruf“ und Hämmern an die Pforten werden Kröten, Schlangen, Mäuse und Motten, die wir alle als Seelentiere kennen, aus der Türe hinausgejagt. Und wiederum ist es doch nur eine Verschleierung des seelischen Inhalts dieser alten Bräuche, wenn Schwaben, Bayern und Franken am etwas späteren Frühlingsfest des Laetaretags: „Daraus, daraus, Tod naus, Tod naus“ singen.

Die Kirche hat endlich auch den schönen Familienzug der Ahnenbegrüßung durch das Brautpaar, den wir in Indien, Griechenland und Rom fanden, nicht ausmerzen können oder wollen. In der schwedischen Landschaft Wärend trinkt der Bräutigam auf das Wohl seiner verstorbenen Voreltern und seiner Schwiegervoreltem. Am Lechrain, in Oberschwaben, Baden und um Saarlouis geht das Paar vor oder nach der Trauung mit den Freunden an die erblichen Grabstätten, um dort zu beten. Dies Betreten der Gräber nannte man bei Saarlouis „zu Gaste laden“. Das Gebet zu den Ahnen mag auch hier vorzugsweise auf Kindersegen gerichtet gewesen sein, wie bei jenen andern Völkern, wenigstens kommt die dort damit verbundene Beschüttung mit Früchten auch in Deutschland in demselben Abschnitt des Festverlaufes vor. Wenn das junge Paar aus der Kirche trat, überreichte man ihm in der Zwickauer Gegend Getreideähren, in Oberelsaß und in Mecklenburg aber begoß man es mit Korn oder Leinsamen. Nicht nur bei der Eheschließung, sondern auch bei andern wichtigen Entschlüssen suchte man die Stätten der Ahnen auf. So forderte der mächtige Gode Snorri einen ratsbedürftigen Freund auf, mit ihm hinauf aufs Helgafell, den heiligen Berg seiner Vorfahren, zu gehen, denn die dort geratenen Ratschläge seien gewöhnlich nützlich gewesen. Offenbar, weil die Toten für Schutzgeister der Familie galten.

Wie sich der Totenkultus aus dem engeren Geschlechtsverbande zu einer umfassenderen Geltung emporarbeitete, lehrt am deutlichsten die germanische namentlich im Norden, wo sich diese Art der Genossenschaft, gleich dem für ihre Hauptfeier maßgebenden Erbmahl, in der altertümlichsten und vollsten Form erhalten hat. Die nordische Gilde war eine nicht auf Blutsverwandtschaft, sondern auf einen feierlich beschworenen Bund gegründete Brüderschaft, deren Mitglieder in ältester Zeit die der Sippe zustehende Pflicht übernahmen, den Totschlag eines Mitglieds zu rächen, oder das Wergeid dafür zu empfangen und den Kultus des Toten zu besorgen. Sie führte ihren Namen von dem aus gemeinsamen Beisteuern, Geldern, bestrittenen regelmäßig wiederkehrenden Opfergelage, altnordisch gildi, altsächsisch geldy angelsächsisch gild, das ursprünglich dem Verstorbenen von der Genossenschaft verrichtet wurde. Der Erbe fügte bei diesem Mahl der Minne des Vaters die Minne der Götter, in christlicher Zeit aber Gottes, Christi und seiner Heiligen bei, die nach der Sage der Bischof Martin von Tours in einem Traum dem König Olaf Tryggvason statt der Götter beim Minnetrunk anzurufen geboten hatte. So trank denn auch z. B. König Svein als Erbe die Minne seines Vaters, des großen Knut, mit dem Gelübde, den Angelsachsen König Äthelred zu töten, dann die Minne Christi und endlich die des heiligen Michael. Der Totenminnetrunk wurde in den christlichen Gilden, z. B. den schwedischen, durch ein Gebet aller Brüder und später auch Schwestern für das Seelenheil der verstorbenen Mitglieder verdrängt, dann folgte aber der Rundtrunk auf das Gedächtnis Gottes im Himmel, der Dreieinigkeit oder des Schutzheiligen Erich oder Olaf oder aller Heiligen. Der altheidnische mit Blutrache und Totenverehrung verquickte Seelendienst mag vorzugsweise Karl den Großen im Jahr 779 bewogen haben, den sächsischen Gildebrüdem die gegenseitige Eidleistung zu verbieten und ihnen nur bei Feuers- und Wassersnot gegenseitige Hilfe zu gestatten.

Man verkehrte aber mit den Toten nicht nur durch Opfer, sondern auch durch , eine uralte Kultart, die gerade in diesem Verkehr ihre starke Stammwurzel hatte. Die Toten, an Alter den Lebenden überlegen und in andre Kreise entrückt, wußten mehr als die Hinterbliebenen. Schon die Sterbenden vermochten in die Zukunft zu schauen, wie der todeswunde Sigmund den Ruhm seines noch ungeborenen Sohnes Sigurd voraussagte, und dieser scheute sich, dem von ihm erlegten Drachen Fafnir seinen Namen zu nennen, aus Furcht vor des Sterbenden Fluch. Dem Verstorbenen vollends traute man übermenschliche Fähigkeiten zu und suchte sich in Zweifeln und Nöten seines Rats und Beistandes zu versichern. Man ging an sein Grab und weckte ihn durch feierliche Rufe, Beschwörungen und Runensprüche, die Hellirunen d. h. Unterweltsrunen. Als Sacrileg bekämpfte solches Toten wecken und befragen schon der fränkische Indiculus im 8. Jahrhundert bei den Sachsen. Swipdag rief vor seiner Brautfahrt seine Mutter Groa, ihn aus dem Grabe mit ihrer Zukunftskunde in Zaubersprüchen zu beraten. Hervör erwirkte durch ihren Weckruf, daß ihr toter Vater Angantyr ihr das fluchbeladene Schwert Tyrfing aus seinem Grabhügel warf. Wie im 12. Jahrhundert ein Norweger auf den Orkneys auf die Gräber ging, um von den Toten Ratschläge und Kunde verborgener Dinge zu empfangen, so legten in Deutschland „weise Leute“ noch vor kurzem den Toten nachts auf dem Friedhof Fragen über die Zukunft vor. Auch ging der alte Nordmann wohl zum Galgen, um mit dem vom eddischen Havamal überlieferten Runenspruch den daran schwebenden Leichnam zum Gehen und Sprechen zu bringen. Die Völur oder Seherinnen aber setzten sich nachts draußen auf das Feld, wo viele Geister schwärmten, und holten sich von ihnen ihre Weisheit (siehe unten). Also auch die Weissagung stammt aus dem Bereiche des Seelenkultus, und selbst der oberste Gott bedarf ihrer Hilfe. Durch Balders böse Träume erschreckt, ritt Odin zur Hel hinab und zwang durch seinen Leichenzauber eine längst tote Wölwa, auf die schon viel Schnee und Regen gefallen war, zur Auskunft über der Götter Schicksal.

Wie die christlichen Gräber unter dem Zeichen des Kreuzes oder auch unter einer frommen Inschrift stehen, so wurden die nordischen Grabsteine und Urnen nicht nur durch eingeritzte Hammerfiguren und Hakenkreuze, Thors Blitzwaffen, sondern auch noch deutlicher durch Runeninschriften wie: „Thor, weihe dieses Grab!“ geschützt. Im Bronzezeitalter aber stellte man im Norden große inschriftlose Steine bei und zuweilen in dem Grabe auf, die sogenannten Bautasteine, wahrscheinlich ursprünglich, um den Toten darin festzuhalten. Doch wurden diese Steine später durch Runen zu Gedenksteinen umgebildet. Dem Bautastein innerlich verwandt scheint die Heersäule (Haristado) oder der Stappel des Salischen Gesetzes, der ins Grab eingelassen wurde, und ziemlich klar liegt die Geschichte des bayrisch – alemannischen Toten-, Leichen-oder Rebretts vor. Man legte den Verstorbenen gleich nach dem Tode auf ein Brett, brachte ihn auf diesem zum Grabe, ließ ihn in die offene Erde hinabgleiten und legte das Brett über ihn. Dies letzte bezeugt das bajuwarische Gesetz. Auf der Züricher Landschaft und in der Ramsau ließ man noch später die Leiche vom Brette hinab, nahm dieses aber mit, um es als Gedenkladen über einen Bach zu legen oder am Wege aufzurichten. Noch später richtete in Bayern der Tischler zuerst das Brett, dann den Sarg und das einfache Holzkreuz. Das Brett wird noch im Salzburgischen beim Leichenzuge mitgetragen und bei der „Totenrast“, am ersten Feldkreuz oder alten Baum, woran ein Heiligenbild hing, unter kurzem Gebete niedergelegt. Oder es wird im Pinzgau nach der Heimkehr vom Begräbnis an der Scheune der Familie des Verstorbenen wagerecht befestigt oder senkrecht in die Erde gepflanzt. Sie sollen den, der über diese Rebretter oder Gedenkläden schreitet oder an ihnen vorbeigeht, zum Gebete für die arme Seele mahnen. Mitten in der freien stillen Natur oft in größerer Anzahl aufgerichtet, ergreifen sie als eigenartige Totengedächtnismäler einer anderen Welt mächtig das Gemüt, wie jene hohen unbehauenen Bautasteine, die in Schweden und Bornholm meistens auch in größerer Anzahl beisammenstehen.

Das bunte Wirrsal aller dieser oft widerspruchsvoller Vorstellungen und Bräuche indogermanischer Völker durchzieht wie ein roter Faden ein Urgefühl, ein Grundgedanke: die Seele ist ein nach dem Tode mehr oder minder sinnlich fortlebendes, wenn auch nur einige Zeit, etwa drei Menschenalter, nicht ewig fortlebendes Wesen. Sie fährt als Wind dahin, wohnt als Tier im Hause, streift in Wolfsgestalt umher oder kehrt als Wiedergänger in Menschengestalt zurück. Sie kann sich zu einem Heros, zu einem Rache- oder Schutzgeist steigern, wie wir noch hören werden. Sie kann mächtig auf das Dasein der Hinterbliebenen ein wirken. Weil sie reizbar ist, wird sie meistens abgewehrt oder zu versöhnen gesucht, doch macht sich später auch liebevolle Verehrung bemerkbar. Zumal am 3. Tage nach dem Tode, ferner am 9. (10.), später am 7., dann am 30. und endlich am Jahrestage des Todes verlangt die Seele ihr Opfer, die Seelengesamtheit im Herbst und im Frühling, wenn, wie es scheint, ihre Lebensweise mit der Jahreszeit sich ändert. Ein fleißiger Verkehr entsteht zwischen den Lebenden und den Toten und unterhält, wie z. ß. namentlich beim Gebet zu den Ahnen auf der Hochzeit, einen festen Familienzusammenhang. So ist auch vielfach noch der Aufenthalt der Seele das Haus, das sie als lebendiger Mensch bewohnte, oder doch die Umgebung desselben, das nahe Grab oder ein benachbarter Berg. Noch Snorres Vorfahren nimmt der heilige Fels Helgafell auf, und Holger Danske, Siegfried und die drei Grütlimänner gehen in den Berg. Doch bewohnen die Seelen auch abgelegene Heiden- und Waldhügel oder fahren unruhig in nebelnder oder sausender Luft einher. Wie es keine ewige Fortdauer, gibt es auch kein eigentliches Jenseits für sie. Doch besteht schon früh ein Vergeltungsglaube. Das ist der Urglaube der indogermanischen Völker, der zwar durch den Elfen- und den Götterglauben erweitert und veredelt wird, aber trotz aller Poesie und Philosophie und selbst trotz der Bekehrung zum Christentum noch immer wie ein Bleigewicht an den höheren Unsterblichkeitsvorstellungen unseres Volkes hängt.

Der Seelenglaube hat auf die anderen Gebiete der heidnischen Religion einen starken Einfluß geübt. Die Seele als Wind z. B. griff vielfach in den Kreis der Winddämonen und der Windgötter hinüber. Die Seele als Tier, das vor dem Todesmoment erscheint, und als Wiedergänger mußte den Glauben an besondere Schutz- oder Rachegeister wecken oder stärken. Vereinigte sich die Seele schon im Winde mit den Dämonen und Göttern, so lag es nahe, sie auch in deren Rast- und Wohnörter einzuführen und diese zu Höllen und Paradiesen zu gestalten. Die alten Totenopferzeiten und -bräuche wurden zum Teil auch den Naturgeistem und den Göttern zugewendet. Der Seelenglaube wurde eine Vorschule gar mancher höherer Mythenbildungen und Kultusformen. Diese sind weiten, teilweise später angelegten Schonungen vergleichbar, die im Schutze eines älteren Waldes aufwuchsen, um endlich hoch über jenen emporzuschießen. Wir betrachten nun diese anderen Bestände.

Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen, Meyer, Elard Hugo.

Mythologie der Germanen – Der Alpglaube

mythologie-der-germanen-elard-hugo-1837-1908Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen von Meyer Elard Hugo. Das Sterbelager und das Grab waren die Geburtsstätten des reichen Seelenglaubens, und schon dort war unter andern Erlebnissen und Eindrücken auch der Traum bei der Mythengeburt tätig. Das Traumbild des Toten aber, so wirksam es sich zeigte, war nicht die leitende Macht jenes Glaubensgebietes. Dagegen wenn der Traum sich krankhaft bis zum Alpdruck steigerte, wurde er allerdings die Haupttriebfeder einer anderen Vorstellungsmasse, des Alp- oder Mahrenglaubens. Auch dieser ist uralt.

Das Alpdrücken erklärte schon ein Hofmann Kaiser Ottos IV. für eine aus Verdickung der Säfte entstandene krankhafte Phantasie. Es wird durch eine akute Luftvergiftung oder, laienhafter gesagt, durch schwere Atemnot des Schlafenden hervorgerufen, wie sie etwa nach einer überreichlichen Mahlzeit namentlich in einem dumpfen Schlafraum aus der Verengerung oder dem Verschluß der Luftzugänge der Nase und des Mundes entsteht. Vom Fußende des Bettes fühlt der Schläfer eine unbehagliche Beklemmung allmählich auf den Leib, die Brust, den Hals, ja sogar den Mund vorrücken. Verwandelt sie sich also mehr und mehr in einen Erstickungsvorgang, so befreit sich der Betroffene endlich durch einen raschen Ruck, der auch die geschlossenen Lippen öffnet, oder häufiger noch durch ein Stöhnen oder einen Aufschrei der Angst und des Hilfsbedürfnisses, der ihm die erlösende Luft wieder zuführt. Er erwacht mit Herzklopfen und Schweiß. Nicht nur die Pein des Drucks ist es, die seine Nerven stark erregt, sondern auch die wilden Visionen, die gerade diese Traumart mit den durch betäubende Getränke erzeugten Hallucinationen teilt. Beim höchsten Grade des Alpfiebers reißt ein Taumel den Geplagten über Meere und Länder, von den höchsten Spitzen in die tiefsten Abgründe; feurige Kugeln umschwirren ihn, Flammen umlodern ihn, bis ein furchtbarer Knall die Irrfahrt urplötzlich abbricht.

In früheren roheren Zeiten mußte ein solcher Alpanfall viel öfter und stärker auftreten als in der unsrigen, weil namentlich bei einer auf die Jagdbeute angewiesenen Bevölkerung Speisemangel und Speiseüberfluß oft rasch wechselten und der letzte zu unmäßiger Magenüberladung und damit zu krankhaften Traumzuständen führte. Solche begünstigte ferner die dumpfere Enge der rauchigen Schlafstelle und das dichtere Zusammenleben und -schlafen mit den menschlichen und auch tierischen Hausgenossen. Wie oft mochten sich Hund und Katze dem Schlafenden lastend auf Brust oder Leib legen! Auch die Unordnung des Lagers verstärkte den Alpdruck, denn die Erfahrung hat gelehrt, daß ein Zipfel des Bettzeugs oder eine Bettfeder oder ein Halm des Bettstrohs, dem Träumenden zwischen die Lippen geraten, sich ihm leicht als rauhaariges, befiedertes, stachliges Lebewesen fühlbar macht. Und das beängstigende Dunkel der Nacht, das schon der wachen Phantasie, wie wir im vorigen Kapitel sahen, allerhand Gespenster vorgaukelte, steigerte die Schrecken dieses qualvollen Halbschlafs.

Der Alpdruck vereinigt alle Erfordernisse eines zur Mythenbildung aufregenden Vorgangs in sich, die Rätselhaftigkeit, die volle Beweglichkeit eines körperlichen Wesens und die Macht eines wirklichen Einflusses auf des Menschen Befinden. Nicht nur sein Drücken, sondern auch sein Kommen, sein stilles, sicheres, unentrinnbares Heranschleichen, wie sein plötzliches, spurloses Verschwinden war unerklärbar. Und doch war der Alp soeben noch ein dicker, schwerer Körper, der an Leibhaftigkeit, an sinnenfälligster Wirklichkeit, alle gewöhnlichen Traumbilder, ja alle Bilder der Phantasie überhaupt, bei weitem übertraf.

Man sah und hörte ihn nicht nur, man fühlte ihn auch dreist und erbarmungslos dicht über sich gedrängt, und noch, wenn er beim Erwachen sich aus dem Staube gemacht hatte, troff man von Schweiß, und laut pochte das Herz. Es war fast unmöglich, die Erlebnisse eines solchen Schlafes und die des wachen Zustandes auseinanderzuhalten, jene waren ebenso wirklich wie diese! Aber der Alpdruck blieb denn doch wohl immer auf einzelne Personen und seltenere vorübergehende Momente ihres Lebens beschränkt. Darum hat seine Mythenbildung sich immer in engeren Grenzen bewegt und früh das Bedürfnis gefühlt, sich an andere Mythenkreise anzuschließen, um von ihnen Haltung und Fülle zu borgen.

Der Alp war vor Jahrtausenden und ist noch allen Indogermanen unliebsam bekannt. Die Inder klagten die etwa unseren Elfen vergleichbaren Gandharven an, daß sie aus dem Walde herantanzten, um sich wie ein Hund, ein Affe, ein ganz behaartes Kind dem Schlafenden aufzuhalsen. Die Griechen nannten den Alp Ephialtes den Aufspringer, die Römer Inuus den Aufhocker oder Incubus den Auflieger, die Litauer Aitvars, der unglaublich große Hände und Füße hat, die Letten Leeton, der namentlich Pferde matt reitet. Der jetzt in Deutschland schriftgemäße Name Alp gehörte etwa bis zu Luthers Zeit als Alpdrucksbezeichnung nur Mitteldeutschland an, galt aber bei allen Germanen ursprünglich einer ganz anderen Klasse mythischer Wesen, den elfischen Naturdämonen, und ist daher wahrscheinlich erst am Schluß des Mittelalters von diesen auf jene übertragen, da auch diese eigentlichen Albe oder Elfen vermittelst der Gewitterschwüle und des Wirbelwindes körperliches Unbehagen, ja Druck und Atemnot hervorzubringen vermochten. Der ältere und einst durchgreifende, schon althochdeutsche und altnordische Name ist Mara, zum Unterschied von Ephialtes, Incubus, Aitvars und Leeton weiblich, wie auch die rheinfränkische Mahr, während das angelsächsische mara, das englische nightmare, das niederdeutsche moor männlich ist und im mittelhochdeutschen , mare, im pommerschen Mahrt, das Geschlecht schwankt Neuhochdeutsch tiberwiegt das weibliche. Die Holländer haben nachtmerri, die Franzosen cauchemar die Tretmare vom lateinischen calcare treten, die Slaven , femin., aber böhmisch daneben auch morous masc., denen sich der andere pommersche Name Murraue nähert. Trotz einer lautgesetzlichen Schwierigkeit wird das vielgestaltige Wort wohl auf althochdeutsches marren, hemmen, hindern, altnordisch meria pressen zurückgehen und die Presserin bedeuten. Ähnlich weist der Ausdruck der Östreicher, Bayern und einiger mitteldeutscher Stämme: die Trüd, Trude, Drüde auf ein gotisches trudan d. i. treten, ebenso wie die althochdeutsche truta Trotte, Presse und trutäre der Springer. Die Trude ist also eine Treterin, Trotterin. Diese drei weitest verbreiteten Namen: Alp, Mare und Trude sind von zahlreichen mundartlichen umgeben. Die Franken nennen sie Trempe d. i. Tramplerin, die Tiroler Stempe d. i. Stampferin. Die Schwaben und Alemannen haben das unerklärte Wort Schrättele dafür, außerdem Toggeli d. i. Drückerlein, ferner Rätsel, Druckerl und Lork d. i. Kröte; Ausdrücke, die das Geschlecht dieses Wesens unentschieden lassen. Doch sagen die Züricher: „’s Nachtfräuli hat mi drückt “ Dieser freundlicheren Frauenbezeichnung steht die ernstere oldenburgisch-friesische Walriderske gegenüber, die wohl das Reiten auf dem Wal d. h. dem wie tot hingestreckten Schläfer oder die Zutodereiterin bedeutet. Denn wirklich schreibt man dem Alp sogar tötende Kraft zu. Der überwiegend unheimliche Charakter spricht sich auch in dem allgemeineren Ausdruck: „der “ aus, der im Mittelalter vorkam und bis in neuere Zeit in Bremen und Pommern fortlebte. Die Haupttätigkeiten des Alps, das Treten, Drücken, Reiten, erkennt man schon aus den älteren Schilderungen. Die Mara „trat“ nach der alten Ynglingasaga Kap. 16 dem norwegischen König Wanlandi erst die Beine fast entzwei und drückte ihm dann den Schädel ein, so daß er starb. Dieses ,Trotten’ der Trud beschwört ein alter Spruch, der noch heute durch weitverbreitete Zauberbücher, wie das Romanusbüchlein und den Wahren Geistlichen Schild, unseren Bauern im Aargau, wie in der ungarischen Zips, namentlich aber im Süden und Westen Deutschlands zum Gebrauch empfohlen wird und in bayrischen Hausern noch hie und da in der Kammer oder an der Bettstatt um einen darauf gemalten Trudenfuß oder ein Pentagramm geschrieben steht:

„Trudenkopf, ich verbiete dir mein Haus und Hof, meinen Roß- und Kuhstall, ich verbiete dir meine Bettstatt, mein Fleisch und Blut, mein Leib und Seel, daß du mich nicht trudest. Trude in ein anderes Haus, bis du alle Berge steigest und alle Läublein an Bäumen zählest und über alle Wässer steigest. So kömmt der liebe Tag wieder in mein Haus. Amen.“

Und so fordert auch eine niederländische Beschwörung den Maer, das häßliche Tier, auf, alle Wasser zu wehen, alle Bäume zu blähen, alle Gerstenähren zu zählen, ihn aber diese Nacht nicht zu quälen. So scheuchte schon der alte Inder seine Plagegeister, die Gandharven und ihre Frauen, die Apsa-ras, mit feierlichen Worten hinweg zu den Wasserfurten und großen bewipfelten Bäumen, wo sie sich nach Herzenslust tummeln und schaukeln mögen. Vom norddeutschen Moor heißt es ,he het mi drukkt’ oder ,reden (geritten)‘, hochdeutsch ,dich hät geriten der mar’ . Daher ist ein derartiger Träumer mar-, mortridden oder mareridt und das neumärkische Alpdrücken ein Mahrtriden. Im Mittelalter ,zäumt’ der Alp den also Betroffenen, ebenso wie die oldenburgische Walriderske und die isländische Alfemoe. Ihre Reitlust treibt den Alp von Norwegen bis nach Tirol in den Stall zu den Pferden, wie den lettischen Leeton, und er hetzt sie drinnen oder draußen bis zur äußersten Erschöpfung ab. Am andern Morgen stehen sie stark schnaubend, schweißgebadet, mit unauflöslich verflochtenen Mähnen da. Selbst Kühen saugt er die Milch aus und verschont auch Geißen und Schweine nicht; doch bleibt ihm das Schwein am Lechrain ein Graus. Und zuletzt, wenn der Mare nichts anderes übrig bleibt, umklammert sie sogar einen Baum und drückt ihn mit,Weltsgewalt’ , wobei sie sich wohl selbst zu Tode drückt. Die von ihr besessene Eiche kränkelt von Stund an und zittert auch beim stillsten Wetter.

Das geheimnisvolle Treiben dieses Unholds wurde von Anfang bis zu Ende mit gespannter Einbildungskraft verfolgt. Sein unmerkliches Kommen und sein Eindringen ins Haus erklärte man sich verschieden. Das süddeutsche Schrätteli schwebt wie ein Schatten von den Bergen zu den Häusern herab. Der Alp gleicht einem Nachtschmetterling; aus den zusammengewachsenen Augenbrauen eines dämonischen Menschen, des ,Rätzels’ , fliegt er auf und setzt sich auf die Brust des Schläfers. Meistens schlüpft er nach altem, wie neuerem Glauben in die Stube durch ein Astoder Schlüsselloch hinein, gleich der leisen Zugluft, nie durch offene Türen und Fenster. Eine erst im Jahre 1889 verstorbene Frau kam in einem schlesischen Dorfe einmal wie ein Zugwind durch die verschlossene Türe, huschte in das Bett der Hausfrau und quälte sie, bis sie vor dem Schimpfen des Mannes floh. In Kämthen spielt das Schrattl in den an der Wand zitternden Sonnenstrahlen. Nach der Schilderung eines Kaiserstühlers kriecht das Schrättele durch das Schlüsselloch, man hört es durch die Stube ,tappen’ , von unten herauf kriechen und über das Deckbett rauschen, bevor es Einem auf die Brust hockt. Aber derselbe wußte auch vom Mann im Monde, daß er sich bei Mondlicht über das Bett lehnte und nach Einem langte. Und so kommt die Drud in der Oberpfalz nie, eh der Mond auf gegangen ist, und in Westfalen und Thüringen sind Mondsüchtige Maren. Das aufregende Mondlicht umgibt hier geisterhaft den Alp und verstärkt seine Kraft. Wir verstehen nun auch, warum ein mittelalterlicher Dichter von seiner Liebsten singt:

„da kam sie gerade wie ein Alp auf mich geschlichen“.

Wegen ihres unheimlichen, leis wandelnden und doch schwerfälligen Körpers gilt die Kröte für einen Alp, daher dessen Name Lork. Grausiger ist die steirische Habergeiß oder Nachts,die, wie Rosegger erzählt, in eulenleisem Fluge oft durchs Schlüsselloch trotz ihres riesengroßen Kopfes kommt und diesen lastend auf die Brust des Schläfers legt. Je nach der Beschaffenheit des die Atemnot verstärkenden Bettstücks oder anderen Belags und je nach dem Gewicht des Drucks wechselt die den Träumenden bedrängende Tiergestalt. Bald ist sie glatt, ein Aal, eine Schlange, die dann in Seitentälern des Haslitals Stollwurm, in der Eifel Drache, in Niedersachsen Unke heißt, bald haarig, rauh und stachlicht, ein Pudel, Marder, Igel oder eine Katze. Sie ,gumpt‘ wie eine Katze auf der Brust auf und ab. Weil sie fest umarmt und schwer stößt und stampft, ist sie ein Bär, Schwein oder Bock, heißt auch darum wohl eine Bocksmärte oder Bockhexe. An der unteren Wupper dringt sogar ein Roß durch das Schlüsselloch, legt seine Vorderhufe auf des Schlafenden Brust und stiert ihn mit glühenden Augen an. Am schlimmsten quält das Schrättele, wenn es als Blutegel sich bald in ein Knäuel zusammenrollt, bald wieder zu Riesenlänge ausdehnt. Dieses Tier läßt schon ahnen, daß es nicht beim Drücken bleibt. Das schmerzhafte Saugen kommt noch hinzu. Das alemannische Dockele oder Schrättele saugt in Katzenform die Brüstchen der Kinder, selbst der Männer, an, daß sie aufschwellen und man Milch herauspressen kann. Den Frauen dagegen saugt es die Milch aus. Trinkt am Lechrain ein Kind an der Mutterbrust, so hat die Mutter gewöhnlich einen aus geweihtem Wachs gebildeten Trudenfuß auf der Brust liegen, damit nicht die Trud dem Kinde die Milch entfremde. Dagegen schlürft der Alp auch hin und wieder das Blut der Erwachsenen aus, so daß sie bleich werden und dahinsiechen, und berührt sich in dieser Begierde mit dem slavischen Vampyr. Doch ist er nicht immer Kinderfeind: mit dem im Schlaf lächelnden Kind, heißt es in Schlesien, spielt das Jüdel, das doch wohl auch ein Alp ist.

Über die Brust drängt sich die Mare noch weiter aufwärts bis an den Hals und bläst in den Mund, ja sie steckt ihre Zunge dem Menschen tief in den Hals hinein, daß er nicht schreien kann. Nun geraten auch Gesicht und Gehör des Gepeinigten in Aufruhr: Lichter, Flammen umschwirren ihn, und ein dumpfer Knall erschüttert ihm Mark und Bein. Befreit den Schläfer ein plötzliches Wegschleudem des Arms oder des Kissens von der belasteten Brust und bricht dann sein Schrei endlich hervor, oder — in offenbar milderen Fällen — kräht im Hofe zum erstenmale der Hahn, oder kommt der liebe Tag, wie es in jener Trudenkopfbeschwörung heißt, wieder ins Haus, dann entweicht sie lautlos, meist wie ein flüchtiges Tier: eine weiße Maus, ein Schmetterling, eine Elster, oder gar nur wie ein Rauch. Oder sie liegt als eine harmlose Flaumfeder, ein Besenreis, ein Strohhalm auf der Bettdecke, vom Erlösten noch krampfhaft gepackt.

Aus diesem erlösenden Schrei, vor dem der Alp floh, entwickelten sich dann als förmliche Abwehr- und Verscheuchungsmittel Rufe verschiedenen Inhalts. Fluchen kann das schwäbische Schrättele nicht vertragen, unangenehm ist ihm überhaupt die laute Nennung seines Namens, in christlicher Zeit auch die des Namens Jesu oder Gottes. Das gipfelte dann in der feierlichen Beschwörung, die mit dem Anruf des Trottenkopfes begann, ihn in Berge und Wälder zum Blätterzählen verwies und mit den Namen der hl. Dreieinigkeit schloß. Auch legte man sich wohl in Dänemark über den Kopf ein großes Sieb, dessen Löchlein die Mahrt, die doch über die heilige Zahl Drei nicht hinaus kann, erst zählen muß, ehe sie zu schaden vermag. Wenn der Alp selbst beim Erwachen nicht weichen wollte oder wenn man ihn noch ,hinauswitschen‘ hörte, so drohte man ihn festzunageln oder versprach ihm ein Geschenk: drei Almosen oder die drei weißen Gaben Salz, Mehl und Ei, die man ihm mit der linken Hand reichte. Auch lud man ihn für den folgenden Tag zum Frühstück ein oder rief ihm hastig nach: ,Komm morgen um ein Glehet’ d. h. um etwas zu leihen. In einigen Gegenden Deutschlands stellt der Bauer noch heute für [den]Unbekannten, der ihn in der letzten Nacht gedrückt hat, ein Näpfchen Quarkkäse an die Türe, und eine ältere Münchner Handschrift eifert gegen die, welche dem Teufel etwas opfern und dem Schrättlein oder der Trut ,rote Schüher’ . Ja im schlesischen Orte Kauffung umgeben sich noch gegenwärtig Leute geflissentlich mit dem Nimbus eines Alps, um dadurch nicht unbeträchtliche Geschenke zu erzielen.

Noch auf andre Weise sucht man sich des Alps zu versichern. Hat man beim Erwachen einen Strohhalm, einen Faden oder eine Bettfeder gepackt, so darf man sich durch die Harmlosigkeit des Gegenstands nicht irre machen lassen, sondern muß ihn festhalten, ja man nagelt oder schraubt ihn unbarmherzig fest, damit er elend zu Grunde gehe, oder sich entpuppe, etwa als eine um Hilfe schreiende Alte. Ist der Alp noch im Zimmer, verstopft man das Astoder Schlüsselloch, durch das er hereingekommen ist, denn schon Mephistopheles sagt: ,’s ist ein Gesetz der Teufel und Gespenster, wo sie hereingeschlüpft, da müssen sie hinaus4. So wird auch der Alp gefangen.

Man sorgt aber auch schon im voraus für allerhand Abwehrmittel, Wasser und Feuer, scharfe Werkzeuge, Zauberzeichen und übelriechende Sachen. In der Oberpfalz stellt man z. B. die Bettfüße in Wasser, damit die Trude nicht hinauf kann. Eine brennende Kerze, ja schon ein unangezündeter geweihter Wachsstock von roter Farbe hält den Alp ab. Ebenso ein Feuerstahl, eine Flachshechel, ein Beil, ein Messer auf der Brust. Dann mag sich auf den Färöern der Unhold die Klinge in den Leib drücken. Hier wie im norwegischen Tellemarken vertreibt man die Mare, indem man ein in ein Tuch gewickeltes Messer dreimal um den Leib aus einer Hand in die andre läßt, mit dem Spruch:

„Marra, Marra, Minni,

„Bist du hier innen?

„Denkst du nicht an jenen Schlag,

„Den Sjurdur Sigmundarson dir gab

„Einmal auf das Nasenbein?“

Sigurd oder Siegfried, der vornehmste aller Helden, wird hier als ein Marenschrecken aufgeboten. In Österreich hemmt ein Mistelzweig auf der Türschwelle, in Bayern ein Trudenfuß auf der Mutterbrust, fast überall ein kreuzweise unter das Bett gestelltes Schuhpaar, in der Schweiz und Vorarlberg ein unter das Kissen oder an die Wiege gehängter, mit einem Loch versehener „Schratten-“ oder „Toggistein“. Diese Steine mögen zu den Donar geweihten Donnersteinen gehören, wie denn auch in Ostpreußen die Pferde am Donnerstag vor dem Abendbrot abgefüttert werden müssen, um nicht von der Mahr gedrückt zu werden. Im Stalle wehrt sie am kräftigsten ein schwarzer Geißbock mit seinen Hörnern und seinem Gestank ab, vom Oberrhein bis tief nach Rußland hinein. So verscheuchten die Inder die alpartigen Gandharvas und Apsaras mit dem „Bockshorn“, einem stark riechenden Kraute. Im deutschen Mittelalter räucherte man den Alp mit der Verbena oder dem Holzwurz aus. Und noch werden starkriechende Hexenkräuter in Süddeutschland gegen ihn aufgehängt oder aufs Bett gelegt. In Hessen bestreicht man noch hie und da die von ihm gefährdeten Brustwarzen sogar mit Menschenkot. Ein ganzes Arsenal kindlich roher Anschauungen und Abwehrmaßregeln, das dem höchsten Altertum entstammt und bei den anderen indogermanischen Völkern, namentlich dem griechischen in gleicher Fülle und Eigenart bestand, hat noch bei den heutigen Germanen viele uralte Spuren hinterlassen.

Aber noch hat der Alpmythus seine üppigste Blüte nicht getrieben. Es war unvermeidlich, daß der gefürchtete Druck nicht bloß als von einem Tier, sondern auch von einem Menschen ausgeübt gefühlt wurde; aus der Gesellschaft der vielgestaltigen Alptraumbilder konnte die menschliche Gestalt nicht ausgeschlossen bleiben. Warum sollte nicht eine Liebende oder eine Hassende ganz leibhaftig den Feind oder Freund, eingehüllt ins Dunkel der Nacht, zu grausamer Lust oder Qual heimsuchen, oder auch ihre Seele im Traum in irgend welcher Form sich leidenschaftlich zu gleichem Zwecke aus ihrem Munde drängen und ins Nachbarhaus schlüpfen? Und nicht nur lebende Personen mochten so handeln, auch die Wiedergänger, von denselben Gefühlen stürmisch bewegt, ergriffen das böse Mittel des Alpdrucks, um sich zu befriedigen, schon im griechischen Altertum. Wie der Alpmythus durch diese Seelenanschauung sich mit dem schon besprochenen Seelenmythus verschlingt, so greift er auf der anderen Seite bereits in den Naturdämonenmythus des nächsten Abschnittes hinüber. Denn wenn sich auch der Mensch mit dem Plagegeist in seinem Hause praktisch abgefunden hatte, die einmal erregte Einbildungskraft verfolgte diesen weiter hinaus ins Freie, nicht nur in verdächtige Nachbarwohnungen, sondern auch in die weite Natur. Irgend wo mußte der Unhold doch stecken! Lauerte er nicht draußen auf einen neuen Angriff. Und wie sah er denn nun dort aus? Der Alp hält nur selten draußen seine häusliche, wirklich empfundene, seine sozusagen pathologische Form fest. Jenes Schweizer Schrät-teli, das nachts wie ein Schatten von den Bergen zum Haus herabschwebt, huscht nach seinem bösen Treiben wiederum wie ein Schatten zu den Schluchten und Wäldern zurück und verbirgt sich dort über Tag. Jene bayrische Habergeiß (S. 133), die mit ihrem Kopf den Schlafenden im Hause so schwer bedrückt, macht draußen auf ihrem Eulenfluge in der Mondnacht den Hafer schwarz, und jenes Roß mit den feurigen Glotzaugen tobt im Dunkel gespenstisch über die Heide an der unteren Wupper. Die steirische , Törin’, die die Menschen drückt, hält sich über Tag auf dem Heuboden auf. Am liebsten fliegen die Maren gleich ihren indischen Schwestern, den Apsaras, in die Kronen hoher Bäume, die dann fortwährend unter ihrem Druck zittern, und verwirren deren Zweige zu den sogenannten Marennestern oder Maretakken. Auch ruhen sie auf Brombeersträuchern aus oder lassen sich ins Korn nieder, aus dessen Ähren dann das schwarze giftige Mutterkorn hervorschießt. So werden die ursprünglichen mehr sächlich oder tierisch gedachten, im Schlafraum tätigen Alpgeister zu überwiegend menschengestaltigen Naturgeistern, vorzugsweise zu Windelfinnen, die frei durch die Luft schweifen und auf Wald und Flur verderblich herabfliegen. Die enge Genossenschaft verrät schon der altnordische Mythus: Drifa die Schneewirbelriesin tötet ihren Verlobten Vanlandi durch eine Mara.

Jetzt erst, nachdem der Alpmythus sich um wirkliche Menschen oder um Dämonen von menschlichem Aussehen gelegt und die engen Wände der dumpfen Schlafkammer durchbrochen, strömten alle Leidenschaften und Gefahren des wirklichen Lebens in das Traumleben des Mythus ein. Traum und Wirklichkeit schwammen nun noch leichter in einander über. Die im Traum erschienenen Nachbarn und Dorf genossen gerieten in den schlimmen Verdacht der Alpdrückerei, und indem der Traummythus ins reale Dasein gleichsam zurückwuchs, behauptete man auch, an diesen Verdächtigen die Spuren der mit ihnen im Traum erlebten Ereignisse mit wachen Augen wahmehmen zu können. Es entstand im Dorf eine höchst ärgerliche aus Traum und Leben wirr zusammengegossene Skandalchronik. Aber geheimnisvollen Liebreiz nimmt oft derjenige Alpmythus an, der sich an die übermenschlichen in der Natur waltenden Elfenweiber schließt.

Die mit der traurigen Fähigkeit des Alpdrückens begabten Menschen mußten nach dem Volksglauben von Dämonen oder unter dämonischem Einfluß geboren sein. Ihre Geburt fiel in ein böses Zeichen oder in die uni den 16. Oktober gelagerte Galluswoche, in der mit den Hirten allerhand böse Geister und Seelen von der Weide zu den Dörfern heimkehrten. Ihre Mutter hat in ihren Geburtswehen den Teufel angerufen, oder es ist bei deren Taufe ein Versehen begangen. Ein mit Zähnen auf die Welt kommendes Kind ist auch zum Alpdrücken bestimmt. Und wie der siebente Sohn ein Werwolf wird, so wird die siebente Tochter eine Mahrt. Beide, Werwolf wie Mahrt, sind an zusammengewachsenen Augenbrauen zu erkennen, auch alte Weiber mit Plattfüßen sind Maren. „Gänsfüßige Trute“ schilt man noch in Konstanz. Den breiten drückenden Alp-, Druten-, Schrättelesfuß stilisierte man später in die fremde Zauberfigur des Penta- oder Hexagramms oder um und gebrauchte sie homöopathisch als Gegengift gegen den Zauber. Von ihm stammt der niederdeutsche Name Maerenvoet.

Das weibliche Geschlecht ist der Leidenschaft des Alpdrückens zugänglicher als das männliche. Krankhafte Einbildung leidender junger Mädchen kam dem wilden Aberglauben entgegen, Liebe, Haß, Eifersucht trieb beiderlei Jugend dazu an, und namentlich alte Weiber waren in ihrer Bosheit, Ränkelust und ihrem Neide darauf erpicht Unleugbar hat manche auf diesem Wege förmlich nach Hexenruhm gegeizt. Sie muß aber oft für ihr boshaftes Geschäft büßen. In der Kammer, der Werkstube, der Mühle vom erwachenden Gesellen oder Müllerburschen als Strohhalm ergriffen, wird sie angeschraubt oder festgenagelt und steht anderen Tags als nacktes Frauenzimmer da, den kleinen Finger in den Schraubstock geklemmt, oder hängt gar als altes Weib tot an der Wand. Oder man haut auch einer Katze die Pfote ab, worauf die Frau am andern Morgen mit abgehauener Hand im Bett liegt. Durch ganz Süddeutschland ist folgende Sage verbreitet, die höheren Alters sein wird, ein milderes gleichsam weibliches Seitenstück zu der harten männlichen Werwolfssage: Eine Frau sah einst ihre Magd in der Nacht bleich an der Wand lehnen. Am anderen Morgen bekannte diese ihr weinend, daß sie drücken gehen müßte und ihr nur geholfen werden könnte, wenn sie etwas hätte, was sie erdrücken dürfte.

„Ei, so erdrücke meinthalben die schönste Kuh im Stalle“

, sagte die Frau. Am anderen Morgen lag die Kuh im Stall tot, und die Magd war befreit. Leidenschaftlicher erscheinen diese Nachtwandlerinnen nach norddeutschen Sagen bald in Menschen-, bald in Katzengestalt oder als schnell dahinlaufende Reifen oder Räder. Geistliche Lieder singend, schweifen sie durch die Felder, reißen mit bloßen Händen die Domen ab, schwimmen durch große Gewässer, stürzen sich in Flammen und magern bei ihren nächtlichen Menschenquälereien zu frühem Tode ab. Aber diesen unbestimmten rasenden Drang ersetzt nun auch eine auf eine bestimmte Person gerichtete bestimmte Leidenschaft. Im Hauensteinischen Schwarzwald z. B. dringt ein von seinem Mädchen verlassener Liebhaber als Schrättele durch das Schlüsselloch und legt sich ihr aufs Bett, und ebenso handelt dort wie in der Provinz Sachsen die verlassene Liebste. Auch in einer Bamberger Sage quält eine Müllerin ihren Knecht als Mare aus verschmähter Liebe. Der Quälgeist geht bereits in den Buhl-geist über, und in ähnlichen Sagen ist es nun nicht die leibhaftige Gestalt, sondern nur die im Traum ausgefahrne Seele, die aufs Drücken ausgeht.

Auch aus Gräbern steigt die Alpqual auf, wie wir aus dem. Wiedergängermythus erfahren haben, und der ertrunkne Syiter legt sich mit der ganzen Schwere seiner nassen Kleider alpartig über das Bett des Schlafenden. Die drückende Wucht verwandelt sich in ein markerschütterndes Geschrei, mit dem der Geist eines Ermordeten, das ,schrauend Ding‘ oder ,lopend Rad‘ im Oldenburgischen, so grausig über die Heide stürmt, daß auch die Tiere zittern.

Die volle Schönheit entfaltet der Alpmythus aber erst, wenn er in den Elfenmythus umschlägt; und da dieser es ist, von dem der eigentliche Glanz ausgeht, so kann hier diese leuchtende Spitze nur eben berührt werden. In dem Falle nämlich, wo die Mare nicht eine Nachtwandlerin oder eine ausgefahrene Seele oder eine Wiedergängerin, überhaupt nicht ein menschliches, sondern ein elfisches Wesen war, entstanden ganz neue imgewöhnliche Verhältnisse. Es war freilich auch ein Dämon wie der ursprüngliche Alp, aber es zog als elfisches Wesen seine ganze in den Wettererscheinungen sich offenbarende Naturgewalt mit sich. Es flog mit dem Sonnenstrahl durch das Schlüsselloch oder eine Ritze zum Jüngling hinein. Es floh nun auch nicht immer nach einem Zusammensein von wenigen Nachtstunden wieder davon, sondern wurde gezwungen, lange Jahre bei ihm zu verbleiben. Wesen zweier Welten taten sich zu einem dauernden Bündnis zusammen, sie trat in seinen Dienst oder schloß sogar mit ihm eine Ehe; denn als Elfin war sie klug und gewandt und oft genug von bezaubernder Schönheit. Immer aber blieb die Dauer solcher Verhältnisse von einer bedenklichen Bedingung abhängig. Eine gewisse Fremdheit konnten die Beiden gegen einander nicht überwinden, eine Spannung zitterte durch alle Liebe hindurch, stammte das eine doch von dieser Erde, während das andere über der Erde seine Heimat hatte, wonach es eine unstillbare Sehnsucht trug. Wie hoch man die Schönheit und den Adel dieses fremden, fluchtbegierigen Weibes schätzte, geht daraus hervor, daß man von Island bis nach Griechenland und Indien hin hervorragende, selbst königliche Geschlechter aus solch einer wundersamen Verbindung eines Sterblichen mit einer Apsaras, einer Nereide, einer Elfin herleitete.

Manchmal führte der Alpdruck einer Elfenschöne zu keiner dauernden Lebensgemeinschaft, sondern hatte den entgegengesetzten Erfolg. Die alte quälerische Unholdsnatur wog noch vor. Ein baumstarker Montavoner hatte mit beiden Händen ein Doggi, das sich ihm auf die Brust legte, bei den Zöpfen festgehalten. Als aber sein Weib, dem er zurief, mit Licht kam, wurde er des Doggi nicht mehr Meister; es huschte windschnell zur Tür hinaus, und man sah noch, wie seine zwei fliegenden Riesenzöpfe um die Türpfosten schlugen. Die Mare auf den Färöern gleicht der schönsten Dime und drückt zur Nachtzeit den von ihr heimgesuchten Mann so fest auf die Brust, daß er keinen Atem holen, kein Glied rühren kann. Sie fährt ihm mit ihren Fingern in den Mund, um die Zähne zu zählen; wird ihr Zeit gelassen, sie abzuzählen, so muß er das Leben verlieren. Anders erging es einem Witwer im Oldenburgischen. Als er einmal die Nähe einer Walriderske spürte, griff er zu und erhaschte einen vollen weichen Arm; aber sie entschlüpfte ihm durch das Riemenloch der Tür. In der folgenden Nacht jedoch gelang es ihm, sie festzuhalten, ein schönes junges Mädchen. Er machte das Riemenloch dicht zu, und sie war mehrere Jahre seine treue Haushälterin. Wie er aber einmal das Loch geöffnet hatte, verschwand die Fremde mit dem Ruf

„Wat klingen de Klocken in Engelland!“

Unsichtbar sorgte sie auch dann noch für seine und seiner Kinder Kleider und Wäsche bis zu seinem Tode. Fast genau dasselbe erzählt man von einer vorarl-bergischen und einer graubündischen Mare, von einem Doggi. Aber häufiger ist die schönere Geschichte, daß die Mare von dem Mann auf Bettesrand festgehalten wird, nackt und in leuchtendem Goldhaar, daß sie dann Kinder bekommen und glücklich Zusammenleben, bis der Mann ihrem Drängen, ihr das einst von ihr zum Einschlüpfen benutzte Astloch zu zeigen, in einer weichen Stunde nachgibt. Auch in Smäland kam eine Alfenjungfrau durch ein Astloch der Wand mit den Sonnenstrahlen in ein Haus und wurde von dem Sohn geheiratet. Sie gebar ihm vier Kinder, durch die sie die Stammutter eines namhaften Geschlechts wurde, und verschwand an einem heiteren Tage auf dieselbe Weise, wie sie gekommen war. Aber um dem aus den Erscheinungen der freien Natur geschaffenen Elfenmythus nicht vorzugreifen, dürfen wir hier nicht auf die hochpoetische Verkleidung der wüsten Maren in herrliche Schwanweiber, die nun nicht mehr in Kammer oder Stall oder Mühle, sondern im freien Quellbade überrascht werden, weiter eingehen. Und wenn das Alpwesen nicht im Sonnenstrahl in die Stube dringt, sondern in der Mittagshitze der Erntezeit draußen über den glühenden Kornfeldern zittert, so gewinnt es auch den Charakter eines Naturgeistes, des Mittagsgespenstes, das den Sonnenstich erzeugt. Und vollends modernisiert ist unser Alp, wenn „er im Traum eines Kandidaten als mordlustiger Examinator erscheint“.

Mythologie der Germanen – Die höheren Dämonen

mythologie-der-germanen-elard-hugo-1837-1908Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen von Meyer Elard Hugo. Die Germanen gehörten zu denjenigen Naturvölkern, die zwar lange Zeiten hindurch nomadenhaft ihre Wohnsitze immer wieder wechselten, aber in der Regel mit diesem Wechsel einen höheren Kulturstand erreichten. Das zeigt auch ihr Übergang von der niederen zu einer höheren Mythologie. Sie gaben zwar keineswegs den Glauben an Gespenster und Maren, Elfen und Riesen auf — er bildete vielmehr den dauernden Untergrund ihrer Religion bis in die neuere Zeit hinein —, aber er allein genügte nicht mehr. Diese Wesen alle waren trotz ihrer mannigfachen Zauberkräfte doch nicht viel mehr als ihresgleichen. Im Umschwung der großen Schicksale, der die germanischen Stämme aus dem Osten zuerst nach Mitteleuropa und dann weiter nach Süd- und Westeuropa warf, bei der wachsenden Erkenntnis ihrer höheren Lebenszwecke bedurfte es für sie anderer stärkerer Mächte, als jene niederen Dämonen waren, um ein festes Vertrauen zu ihnen und das noch fehlende tiefste religiöse Gefühl, die Andacht, zu erwecken. Wie in der Sprache der alte Wortschatz einen allmählichen Bedeutungswandel erfuhr, indem man der Bezeichnung nicht bloß äußerlicher Dinge und Vorgänge, sondern auch innerer Eigenschaften Herr zu werden suchte, so bildete sich im Glauben der alte Mythenschatz um, indem seinem mehr sinnlichen Gehalt mehr und mehr geistige, sittliche und aesthetische Motive eingeflößt wurden. Die alten Figuren wurden umgeformt und vergeistigt, ihr Kultus gereinigt und vertieft. Aus dem sinnlichen Mythenstoff keimten immer kräftiger die Empfindungen des Unterschiedes von Schön und Häßlich, von Gut und Böse, von Vergangenheit und Zukunft empor. Über das Urgestein schob sich eine neue, in vielen Stücken wertvollere Schicht, die aber weder die Mächtigkeit der ältesten, noch die der späteren hatte. Mit andern Worten: der Glaube erstieg eine höhere Stufe, die der höheren Dämonen, die eine Zwischenstufe von der niederen Mythologie zu der Göttermythologie bildet.

Veredelung oder doch Vergeistigung des dämonischen Wesens ist das Hauptmerkmal, das diese höheren Dämonen von den niederen scheidet. Zwar haben auch sie noch nicht allen Zusammenhang mit den sinnlichen Naturerscheinungen gelöst, aber ein höherer, von diesen mehr oder minder unabhängiger Beruf füllt doch nun fast ihr ganzes Leben aus. Sie treten auch gewöhnlich nicht mehr in unzählbarer Menge auf, sondern ordnen sich entweder zu einer Sippe, wie die Riesen des späteren Mythus, oder sie verteilen sich in zwei oder drei Scharen, oder sie bilden eine scharf umrissene Gruppe von zwölf, neun, sieben oder drei Personen, wie die Walküren und die Nornen, oder auch nur ein Paar, oder sie schließen sich zu einer einzigen Gestalt zusammen, die nun ein ganz individuelles halbgöttliches Dasein führt, wie Mimer und Loki. Gleich den Elfen und den Riesen des späteren Mythus werden sie häufig in einen umfassenderen Götteroder Heroenmythus verflochten, aber sie greifen auch tief ins Menschenleben ein. So stellen sie einen Dämonenadel dar, der das niedere Volk der älteren Geister nicht verdrängt, aber überragt, jedoch selber wieder unter den noch jüngeren königlichen Göttern steht und diesen oft zu dienen hat. Mancher echt germanische Zug haftete schon den Seelen, Maren, Elfen und Riesen an, obgleich alle diese Dämonen internationale Figuren des indogermanischen Völkerkreises waren. Die höheren Dämonen haben zum Teil auch noch wenigstens ihren Ursprung in solchem weiteren Kreise, der sich aber schon zu einem indoeuropäischen zusammengezogen hat; zum Teil tragen sie bereits ein ganz nationales, eigentlichst germanisches Gepräge.

Unter diesen höheren Dämonen beanspruchen die weiblichen den Vortritt, sie zeigen sich gern in Gruppen. Die Nordleute nannten sie Disir, d. h. kluge Frauen oder genauer Spddisir, framvisar Disir zukunftskundige Frauen, worunter sie halbgöttliche Weiber verstanden, bald Nornen, bald Walküren, bald Schutzgeister. Ihnen scheinen die weit ungenauer charakterisierten Idisi in Deutschland zu entsprechen.

Die Schicksalsfrauen oder Nornen, die die erste Gruppe bilden, haben in den griechischen Moiren und den römischen Parzen ihre ziemlich getreuen Gegenbilder. Der Name der Nornen, der ursprünglich auf Island, die Färöern und Norwegen beschränkt war, ist nicht sicher zu deuten. Wenn er wirklich, wie man vermutet, die Flechterinnen bezeichnete, so würde das nicht nur zu der bisher einleuchtendsten Erklärung des lateinischen Parzennamens stimmen, sondern auch einen Hauptzug ihres Tuns wiedergeben. Nicht nur die nordischen Nornen, sondern auch die ihnen entsprechenden deutschen Schepfen flochten und wanden das Schicksalsseil. Seltener gebrauchte man für sie im Norden den Plural Urdir, dessen Sinn klar ist. Denn das singularische Urdá (r), der Name der bedeutendsten isländischen Norne, geht im Sinne von Geschick, Verhängnis, Tod als althochdeutsch Wart, altsächs. Wurdh, angelsächs. Wyrd, englisch Weird durch die andern germanischen Sprachen. Aber auch in diesen nahm der abstrakte Gattungsname, wie das entsprechende griechische Moira, das Lebenslos, mehr und mehr den Charakter des Eigennamens eines überirdischen Wesens an, die Wurt wurde eine Schicksalswalterin. Als Hadubrand, der seinen Vater Hildebrand für tot hält, vom Zweikampf mit diesem nicht lassen will, da ruft der Alte aus: „Nim wohlan, waltender Gott, Wehwurt geschieht!“ Schon persönlicher nimmt im Heliand und im Beowulf die Wurd oder Wyrd den Menschen weg, d. h. er stirbt, und die Wyrd webt ihm sein Geschick. In England waren die drei Weirdsisters bekannt.

Daneben erscheinen die Schicksalsfrauen als die altdeutschen Skeffarun, Skephentun, Schepfen und als rasche, jähe Gdchschepfen und noch bei Michael Behaim als die Geschöpfen, d. h. Verhängerinnen, wie auch den nordischen Nornen das Skapa, d. h. Verhängen, beigelegt wurde. Die angelsächsischen messen das Leben ab als graman Mettena grimme Messerinnen, und das ganze Schicksal hieß altsächsisch Wurdigiscapu oder Metodogiscapu und, als Werk ratender Mächte, Reganogiscapu.

Die Schicksalsfrauen treten fast immer in der Dreizahl auf, wahrscheinlich weil sie den Anfang, die Mitte und das Ende des Lebens bestimmten, und sehr häufig sind sie verschwistert oder wenigstens miteinander nahe verwandt. Burkhard von Worms nennt die drei „Parzen“, deren Bewirtung er tadelt, Schwestern, Saxo erzählt von drei schicksalbestimmenden Schwesternnymphen, der Engländer kennt drei Weirdsisters, der Friese , der Niedersachse drei weiße Jungfern, der Süddeutsche, insbesondere der Bayer, drei Schwestern, Basen, , Jungfern oder auch drei Heilrätinnen. Wie die Disir, die nicht nur Walküren, sondern auch Nornen bezeichnen, weiß oder schwarz sind, ist auch die der Urdr gleiche Hel halb schwarz, halb menschenfarbig, und von den drei bayrischen Heilrätinnen, deren eine Hel(d) heißt, ist die eine weiß, die andere halb weiß, halb schwarz und die dritte schwarz. Dem heiteren Geburtstage gebührt die weiße, dem freudevollen, aber auch mühevollen Hochstande des Lebens die gemischte und der ernsten Todesstunde die schwarze Farbe ihres Gewandes. Einfluß geübt haben mag auf diese Verteilung auch die Verschiedenheit der älteren Elfinnen, die, je nach der Wolkenfarbe, in der sie erschienen, bald licht und freundlich, bald finster und feindselig waren, bald zwischen beiden in der Mitte schwebten. So wurde im indischen Weda die leise auf dämmernde, dann voll prangende und wieder dahinschwindende Göttin der Morgenröte in den drei Formen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufgeführt. Namentlich mit den Wolken- und Quellelfinnen zeigen die Nornen nahe Verwandtschaft. Der Schotte kannte sogar Weirdelves, die Norae Skuld ist Tochter einer Alfin und ist von Alfen und Nornen umgeben. Saxo nennt die Nornen Nymphen, und die bayrischen drei Schwestern sind auch Wasserjungfern und Meerfräulein. Gleich deutschen Nixen, weißen und wilden Frauen, spinnen, flechten, singen, weissagen jene drei Schwestern, und die nordischen Nornen sind auch Schwäne und Schwanjungfrauen. Die drei süddeutschen Schwestern haben wie die Wirbelwindsbräute (S. 164) einen Gürtel, der, vom Menschen umgelegt, ihm den Leib zerreißt. Wenn die Schicksalsfrauen andrerseits in der Völuspa drei übermächtige Riesenmädchen heißen und Urd vereinzelt als schwarzgekleidete Riesin auftritt, so kommt darin ebenfalls ihre Herkunft von älteren Naturdämonen, aber auch die Gewalt ihres erhabenen Berufs zum Ausdruck. Dann wieder stammen sie von Äsen, Alfen und Zwergen ab, je nach ihrem Charakter und dem Gebiete ihrer Tätigkeit. Doch scheinen sie keine Macht über der Götter Dasein zu haben, und ihr Erscheinen nach der Menschenschöpfung in der Völuspa hat den Zweck, den Menschen das Schicksal zu bestimmen.

In der Nornenschilderung der beiden Edda’s mischt sich Uraltes und Neueres. Die drei Nornen sitzen am Urdarbrunnen unter der immergrünen Eiche Yggdrasil, dem Wolkenbaum, den sie (täglich) mit glänzendem Naß begießen. Von da fällt der Tau in die Täler herab. (Zwei Schwäne schwimmen auf dem Brunnen.) In diese alte Wolkenscenerie, in der man die stille Badestelle der Schwanjungfrauen wiedererkennt, dringt mm der Gedanke eines höheren Berufes. Aus dem Saal oder, nach anderer Lesart, dem See unter dem Baum kamen die vielwissenden Mädchen Urdr, Verdandi — sie schnitten in ein Holzstück (den Schicksalsspruch) — und Skuld. Sie bestimmten das Gesetz, sie erkoren das Leben den Menschenkindern, das Schicksal der Männer. Und nun beginnt in der Völuspa sich das Weltenschicksal zu entrollen. Ruhig walten die Nornen ihres hohen Amtes. Eine ähnlich großartige Landschaft tut sich hinter ihnen bei des vornehmsten echt nordischen Helden Helgi Geburt auf. Da schrieen die Adler, und heilige Wasser strömten von himmelhohen Bergen. Kräftig wanden sie die Schicksalsfäden unter burgenbrechendem Sturm. So künden sie noch wie mit Naturkraft ein leidenschaftliches kurzes Kampfleben an.

Wie die drei Nornen, wohnen die drei bayrischen Schwestern an einem Brunnen oder See, schwimmen als Enten darauf, singen und jammern vor großen Ereignissen. An ihrem Rastort, der „Jungfernrast“ bei Meransen, hoch oben in den Alpen, entsprang ein heiliger Baum und ein Brünnlein. Von da spenden sie Regen, weshalb man bei Dürre noch im 19. Jahrhundert sieben bis acht stundenweite Wallfahrten dorthin machte. Wie die Nornen das Schicksalsseil drehen und auswickeln, so spinnen die bayrischen Schwestern, hängen Wäsche auf und spannen ein Seil von einem Berg zum andern, um gutes oder schlechtes Wetter anzuzeigen. Wird ihrer eine verwundet, so bricht ein Unwetter los.

Jene blaß abstrakten Einzelnamen der drei nordischen Nornen: Urdr, Verdandi und Skuld, die offenbar das Gewordene oder die Vergangenheit, das Werdende oder die Gegenwart und das Gesollte oder die Zukunft bedeuten sollen, sind stark verdächtig, den spätlateinischen Parzennamen Praeteritum, Praesens und Futurum nachgebildet zu sein. Von echterem Klange sind die allerdings auch wenig frisch sinnlichen Namen der drei süddeutschen Schwestern Einbet, Wilbet und Werbet, die wohl von Bitten in der alten Bedeutung des Gebietens und Befehlens herzuleiten sind. So wird auch das entsprechende nordische Bidja das Befehlen, Bestimmen als eine Haupttätigkeit der Nornen hervorgehoben. Dann wäre Einbet die in ihrer Art einzige Schicksalsbestimmerin, die oberste Bestimmerin, Wilbet, die des Gewollten, des Erwünschten, Werbet, die der Wirren, der Wechsel des Lebens.

Diese drei heidnischen Schwestern wurden nicht nur in den Heiligenstand erhoben, sondern auch an manchen Orten alle drei oder ihrer zwei durch Heilige ersetzt. Sie heißen dann St. Einbet, St. Werbet, St. Wilbet; von denen die erste bei Freiburg i. B. auch allein eine Kapelle hatte. Auf dem Kapellenberg bei Gengenbach aber, dem Platz eines alten Römerkastells, wurde der Einbet und den beiden christlichen Märtyrerinnen St. Perpetua und St. Felicitas eine Kapelle gebaut, und im Jülichschen und im Elsaß sogar Fides, Spes und Caritas an ihre Stelle gesetzt. Sie wurden auch dem Heere der 11000 heiligen Jungfrauen eingereiht. Die Bayern verehrten die drei Schwestern in unterirdischen Gängen und Höhlen, „steinernen Stuben“, und an heilkräftigen Brunnen bis in die Brixener Gegend, die Alemannen bei dem Dreischwesterbrunnen auf dem Rigi und an den Hängen des Schwarzwalds und noch über dem Rhein, die Franken vorzugsweise im niederrheinischen Jülichgaue. Saxo weist den nordischen drei Schwestern einen Tempel mit drei Sitzen an.

Die deutschen und die nordischen Schicksalsfrauen stimmen nicht nur in ihrem Naturleben, sondern auch in ihrem Berufsleben überein. Jene wie diese „schaffen“ oder „schepfen“ d. h. verhängen, oder „bitten“ im Sinne von befehlen, bestimmen, oder „raten“ d. h. entscheiden das Schicksal. Die guten Nornen schaffen Glück und Ehre, die bösen Freud- und Ruhmlosigkeit. Sie richten und weisen und weissagen schon bei seiner Geburt des Menschen Los, das die beiden ersten, wie es nach der Völuspa scheint, auf ein Holz einkerben. Darum hieß auch im Angelsächsischen der Schicksalsbeschluß Schicksalsbuchstabe Vyrdstäf. Ihrem unwiderruflichen Wahrspruch, heißt es, kann niemand widerstehen oder

„Niemand lebt nur noch einen Abend, wenn er ihren Spruch vernommen hat“.

Es bricht hier das Gefühl des Unabwendbaren durch, das mit unerschrockenem Fatalismus die Helden des germanischen Südens wie die des Nordens durchdringt und noch in der neueren isländischen Alfensage so ergreifend zum Ausdruck kommt.

Nach Burkhard von Worms um 1000 bestimmen drei Schwestern das Schicksal des Menschen bei seiner Geburt und können ihnen dabei die Fähigkeit verleihen, sich in einen Werwolf zu verwandeln. Nach Saxo befragte König Fridlev nach feierlichen Gelübden drei auf Stühlen sitzende Nymphen in ihrem Tempel um die Zukunft seines Sohns. Die zwei ersten verhießen ihm Reichtum und Glück, die dritte aber Geiz. Der antiken Meleagersage scheint die vielleicht nur scheinnordische Nornagestssage zu entsprechen, in der zwei Nornen dem Kinde Glück verkünden, die dritte dagegen nur das kurze Leben einer neben ihm brennenden Kerze. Die wird mm rasch gelöscht, um ihre schnelle Aufzehrung zu verhindern, gerade wie der Feuerbrand des Herdes bei Meleagers Schicksalsoffenbarung. Auch die deutschen drei Schwestern stimmen keineswegs immer in ihrem Ausspruch überein, die zwei weißen haben meistens die gleiche Gesinnung, während die dritte sich oft nicht in den Willen der andern fügen will. So galten auch ihrer zwei für blind und wurden von der dritten übervorteilt.

Aber nicht nur durch Spruch oder Schrift fällen sie ihr Urteil, sie spinnen auch das Leben des Menschen an, spinnen es weiter, spinnen es ab. Sie wirken sein Lebensgewebe oder flechten ein Seil, bis die eine es zerreißt. Klar drückt dies ein Minnesinger des 13. Jahrhunderts, der Marner, aus:

„Zwei Schepfen flochten mir ein Seil, dabei die dritte saß; die zerbrach’s zu meinem Unheil“.

Unklarer ist das erste Helgilied. Die für Helgi kräftig gewundenen Schicksalsfäden waren goldene Seile, die die Nornen auseinander wickelten und unter dem Himmel befestigten. Ihre Enden bargen sie im Osten und Westen, zwischen denen sein Land in der Mitte lag. Eine Kette aber warf eine Norne nordwärts und befahl ihr, immer zu halten. Bedeutet das: Weit soll Helgi’s strahlender Ruhm sich ausbreiten und sein Andenken im Norden ewig dauern?

Die Nornen der Geburt sind Nothelferinnen, schon in der Liederedda Naudgönglur, die die Mutter vom neugeborenen Kinde lösen. So spinnen die zwei guten bayerischen Heilrätinnen Leinen für die Wöchnerin, die sich darauf legt, um leichter zu gebären, und die drei Jungfern von Schildtum, denen 1237 eine Kapelle geweiht wurde, beförderten glückliche Entbindung. Darum erschienen die Nornen, wie die drei deutschen Schwestern des Mittelalters und die neuisländischen Blakapur oder Schwarzmäntel, bei der Geburt im Hause des Neugeborenen und wurden hier bewirtet. Die „Nornengrütse“, wahrscheinlich die beliebteste mit Honig durchsüßte Grütze, die erste Speise der färöerschen Kindbetterin, ist wohl als Nornenopfer zu betrachten. Auch das Zuckerwerk, das noch in Deutschland und Holland das Neugeborene seinen Geschwistern mitbringt, mag ursprünglich für die Schicksalsfrauen bestimmt gewesen sein. Denn Burkhard von Worms erwähnt die volle Zurüstung eines Tisches mit Speis und Trank und drei Messern für die drei Schwestern. Aber sie fand nicht am Geburtstag, sondern zu Neujahr statt, war also übertragen auf die Zeit, in der man im Orient und darnach im Abendlande den Tisch des Glücks mit Speisen und Getränken versah.

Die Gabe, ein Geldstück oder eine Peitsche oder ein Kochlöffel, die man noch hie und da in Deutschland zu guter Vorbedeutung ins erste Kindsbad beschert oder dem Kinde ins Händchen steckt, wird früher als Gabe der Schicksalsfrauen gedacht worden sein, wie es der unten erwähnte griechische Brauch ausdrückt. Die deutschen Schicksalsfrauen wurden wahrscheinlich auch mit einem Liede begrüßt, das in moderner Form noch über der Wiege manches Bauernkindes gesungen wird:

„In N. N. steht ein goldnes Haus,
Da schauen drei Jungferle (Mariele) heraus,
Eine windet Seide,
Die andere schnitzelt Kreide,
Die dritte schneidet Haferstroh,
Behüt mir Gott mein Kindlein auch!“

Hoffnungsvoll beginnt das Leben mit dem Winden der schönen Seide, setzt sich fort in dem unklaren, wahrscheinlich verderbten Kreideschnitzeln und endet mit dem Schneiden des dürren Strohes, eines Symbols des Todes. Freundlicher heißt es auch von der letzten Jungfer: „Die dritte macht’s heilig Tor auf“, sie öffnet also den Himmel. — Weiße Fleckchen auf den Fingernägeln, die noch heute nach deutschem Aberglauben Glück bedeuten, gelten auf den Färöern für „Nornenspuren“.

Die altnordischen Nornen gossen Naß auf den Wolkenbaum, von dem Tau auf die Erde herabfällt. Auch die bayerischen drei Schwestern begünstigten nicht nur die Fruchtbarkeit der Weiber, sondern auch die der Felder, weshalb bei Dürre die Tiroler mühsam über Berg und Tal zu ihnen hoch nach Meransen hinauf wallfahrten. An den drei ersten Märzdonnerstagen verehrt man zu Lützkampen im Kreise Prüm die drei in Holz geschnitzten Fides, Spes und Caritas, vielleicht weil man dann die ersten Pfluggänge machte; in Frauweiler bei Bedburg wurde der Einbett, Willbett und Warbett am 1. August d. h. am Schluß der Getreideernte das Dreijungfernfest gefeiert, und den süddeutschen drei Heilrätinnen opferte man drei schwarze Pfennige oder auch vor der Ernte drei stehende Ähren, die man mit weißer Seide zusammenband und die dann ein Kind unter sieben Jahren auf das Feld legte. Auch scheinen sie Ehestifterinnen zu sein, denn die drei wilden Frauen vom Staufen bei Reichenhall, zwei weiß und die eine halb schwarz, halb weiß, kamen nicht nur nach der Geburt ins Haus und sangen, dem Kinde zum Glück, sondern sie kamen auch zur Hochzeit. So erschienen früher auch auf märkischen Hochzeiten drei Feien oder als Frauen verkleidete Maschkers. Von der Botenlaube, einer Burg bei Kissingen, stellten sich die drei Schwestern, in denselben Farben wie jene Staufer Frauen, bei Kindstaufen, Hochzeiten und Begräbnissen ein.

Ist der Nornen Spruch ergangen, so lebt niemand nur einen Abend. Der Urdarmdniy der Mond der Norne Urd, ein halbmondförmiger Schein, bewegt sich an der Wand eines Hauses und bedeutet großes Sterben; ebenso wie das westfälische Quädlecht an der Wand den Tod eines Hausbewohners ankündigt. Namentlich Urd, Wurd oder Wyrd führt den Tod durch ihren Eingriff herbei, und Ainbet wird als ein mörderisches Burgfräulein geschildert. Wie diese zur Held oder Rachel d. h. zur rächenden Hel, der Unterweltsgöttin, wird, berührt sich auch Urd nahe mit der nordischen Hel. Hel bezeichnete ursprünglich das Grab, weiterhin das Totenhaus und endlich die Herrscherin desselben. Sie ist halb schwarz, halb menschenfarbig oder ganz schwarz; sie hat ein Seil und einen Hund gerade wie die bayerische Held; sie nimmt nach der älteren nordischen Auffassung und der Volkssage alle Toten auf, nach der späteren nur die nicht im Kampf Gefallenen oder gar nur die Schlechten. Aber auch den getöteten Gott Balder erwartet die Hel in einem hohen geschmückten Hause, im Saale Eljudnir, mif Met und Goldschmuck der Dielen. Auf dem Helweg kommt man über den Totenfluß zur Helgrind, zum Höllengitter. Aus Näsheim, dem Totenheim, reitet ein großes Weib auf grauem Hengst, an dessen Schwanz ein Mann fortgeschleppt wird zur Strafe für seine Schlechtigkeit. In Dänemark geht ein Seuchen ankündigender Hel als dreibeiniger Helhengst um, der an den männlichen reitenden Tod der Apocalypse erinnert. In Bayern erscheint dieses gespenstische Todesroß allein oder mit den drei Schicksalsschwestern.

Der Dreischwesterglaube ist nicht schon in der indogermanischen Gemeinschaft entstanden, er scheint auf die europäischen Indogermanen beschränkt. Die Schicksalsfrauen sind nicht gleich den Gestalten der niederen Mythologie psychologische Urphänomene, sie sind Geisteserzeugnisse einer schon späteren Kultur in Europa, die mit der der asiatischen Arier, der Iranier und Inder, nicht mehr in genauem Verbände stand.

Schon in der homerischen Dichtung tritt eine einzige Schicksalsfrau oder mehrere, meist drei, auf, eine Moira oder drei Moiren, wie im germanischen Glauben eine Urd-Wurt oder drei Urdir. Die Moiren sind schon damals Klothes, Spinnerinnen, deren erste bei der Geburt eines Menschen den Lebensfaden anspinnt, während die beiden anderen ihn weiter- und abspinnen, oder die letzte ihn zerreißt oder nach römischer Anschauung abschneidet, sowie die germanischen spinnen, winden, weben und ein Seil drehen und zerreißen. Nach hellenistischem und neugriechischem Glauben spinnt nur eine, die andere zieht von drei Losstäbchen eins hervor, die dritte schreibt den Schicksalsspruch auf ein Täfelchen oder in ein Buch. So kannte der Angelsachse ein Vyrdstäf, ein Losstäbchen der Vyrd, und zwei der nordischen Nornen schnitten den Schicksalsspruch in ein Holz ein. Unwiderruflich ist der griechischen wie der germanischen drei Frauen Beschluß. Noch vor Kurzem riefen schwangere athenische Frauen die Hilfe der Moiren an und rieben sich dabei an einem Felsen bei der Quelle Kalirrhoé, und so breiteten ja auch die bayerischen Heilrätinnen ihr Leintuch hilfreich den Gebärenden unter. Die antiken Moiren wurden auch bei Geburten angefleht und in Sikyon alljährlich mit trächtigen Schafen, Honigwasser und Blumen beschenkt. Die neugriechischen Moiren, die in der dritten Nacht nach der Geburt erscheinen, werden im sorgsam gesäuberten Hause mit einem Teller Honig, Zuckerwerk und drei Gläsern Wasser, drei Löffeichen und drei Handtüchern empfangen. Auf Corfu legt man für sie neben den Neugeborenen außer Brot und Zuckerwerk auch Gold. Ähnlich wurden die germanischen Schicksalsfrauen bewirtet und beschenkt und ähnliche Gaben, Zuckerwerk und Geld, auch neben das deutsche Kind gelegt. Und, um das gleich anzuführen, auch den bretonischen Feen wurde eine reich besetzte Tafel mit drei Gedecken bereitet, um sie dem Neugeborenen günstig zu stimmen. Nehmen und Geben gehen in diesem Verkehr hin und her; die Gaben sind bald mehr für die überirdischen Weiber, bald mehr für das neue schwache Erdenkind bestimmt. Die griechischen Drei sind nicht immer einig in ihrem Verhalten gegen das neue Leben; öfter hadern sie vor ihrem endgültigen Schicksalsspruch unter einander. So zanken auch häufig die nordischen Nornen und die bayerischen Schwestern. Kleine Blütchen auf der Nase des neugeborenen Kindes gelten in Neugriechenland für Schriftzeichen der Moiren; weiße Tupfen auf den Fingernägeln, „das Blühen der Nägel“, im Norden für Nornenspuren. Die von der deutschen Mutter an der Wiege ihres Kindes begrüßten drei Jungfern schauen aus einem goldenen Haus; die Moiren wohnen auf dem Gipfel des Olympes oder am Ende der Welt in einem Palast mit herrlichem Garten. Die drei wilden Frauen vom Reichenhaller Staufen singen das Hochzeitslied, wie die drei Moiren bei der Vermählung des Zeus mit der Hera und der des Peleus mit der Thetis. Wie Wurt und die Todesgöttin Hel sich berühren, so wirken schon in der Ilias Moira und die beiden Todesgottheiten Thanatos und Ker kameradschaftlich zusammen, und der neugriechische Todesgott Charos auf seinem Pferde, der die Moiren vom Gebiete des Todes zurtickgedrängt hat, erinnert an den germanischen Helhengst, der die Stelle der Todesnorne einnimmt. Felsgrotten und unterirdische Gänge waren in Griechenland wie in Bayern die Lieblingskultstätten der Schicksalsfrauen.

Die auffallende Übereinstimmung der Grundzüge des germanischen Nornenglaubens mit denen des griechischen Moirenglaubens, die auch bei den Slaven und Kelten wiederkehren, darf nicht auf Entlehnung zurückgeführt werden, sondern ist aus alter Religionsgemeinschaft zu erklären. Aus dieser heraus entwickelte dann nach der Trennung jedes Volk für sich einzelne besondere, meist aber dann auch noch ähnliche Züge. Die Gesamtbenennung dieser mythischen Wesensgruppe scheint sich erst später befestigt zu haben und ist darum überall eine abweichende, und so auch die Benennung der einzelnen drei Gestalten. Die einzige Übereinstimmung auch in den Namen, die zwischen den römischen Parzen und den nordischen Nornen besteht, ist dagegen mehr gelehrten Charakters. Schon in Platos Republik erscheinen die Moiren als Zeitgottheiten, welche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft singen. Aber nach den Zeiten benannt sind erst bei Isidor die drei spätlateinischen Parzen Praeteritum, Praesens und Futurum, denen dann wieder in der Völuspa die Namen der drei Nornen Urdr, Verdandi und Skuld nachgebildet worden sind. Dagegen mag die Doppelfarbigkeit der drei bald weißen, bald schwarzen deutschen Schwestern und der römischen bald weißen, bald schwarzen Parzen in Bayern, wie in Rom aus ihrem zwiespältigen Wesen selbständig sich ergeben haben.

Wie die griechischen und germanischen Schicksalsfrauen spinnen die Parzen, singen bei der Gebtut, und ihrer eine, namens Scribunda, trägt den Schicksalsspruch ein und zwar in ein Buch; neu ist ihr Name „Mütter“, der vereinzelt dem Parzennamen vorgesetzt wird. Da wirkten wahrscheinlich die drei Matres oder Matronae herüber, denen in den Rheinlanden Hunderte von Steinen mit Inschriften und auch Bildnissen geweiht worden sind. Sie waren aber keine Schicksalsgottheiten, sondern keltische Ortsgottheiten wohl ausschließlich der Fruchtbarkeit, die dann auch von den angrenzenden Germanen übernommen wurden. Sie wurden dargestellt als mütterliche Frauen, die nebeneinander sitzend den Segen der Erde in Körben auf ihrem Schoße halten.

Die Schicksalsfrauen bestimmten zwar des Menschen Lebenslauf, aber sie verfolgten diesen nur von ferne, sie begleiteten ihn nicht. Fast nur bei Geburten und etwa noch bei Hochzeiten und Sterbefällen traten sie in die Häuser. Doch der Mensch hatte auch seinen persönlichen Begleiter, der ihm auf all seinen Wegen folgte, einen Schutzgeist. Das war in Griechenland der Daimon oder auch Heros, in Rom der Genius der Männer und die Juno der Frauen, im germanischen Norden aber — denn in Deutschland ist sie nicht erkennbar — die Fylgja oder Fylgjukona die Folgerin, Folgefrau. Mit ihr fällt oft zusammen die Hamingja, die wohl von dem Ham d. h. der zarten Glückshaube des Neugeborenen, die für ihren Sitz galt, ihren Namen hat. Beide unterschieden sich aber dadurch, daß die Fylgja nicht immer zuverlässig schützte und nicht immer Glück brachte, während die Hamingja ursprünglich mehr einer freundlichen Fortuna glich, die man sogar einem Andern mit auf den Weg gab.

Bei den Griechen, Römern und Nordgermanen hat sich der Schutzgeist aus der Vorstellung der Seele des Menschen entwickelt, darum teilt er einige merkwürdige Eigenschaften mit ihr. Er wird dem Menschen namentlich sichtbar im Traume und dicht vor dessen Tode, d. h. dann, wenn sich die Seele vom Menschen löst; sein Erscheinen kündet ihm also auch, wie das der Seele, den Tod an. Er nimmt dabei, wie sie, entweder Tier- oder auch Menschenform an und zwar von den Tierformen, ebenfalls wie sie, namentlich die der Hausschlange oder eine dem Charakter seines Schützlings entsprechende Tierform. Der griechische Heros zeigt sich bald als Schlange, bald als Wolf; ein dem Genius geweihter römischer Altar wird als von einer Schlange umwunden dargestellt. Da wir im Norden fast nur von den Lebensläufen vornehmer und kriegerischer Männer hören, tritt die Hausschlange zurück. Aber im Traum rennen die „Hugir“ die Seelen starker Männer als Bären und Wölfe heran und schweben als Adler, Raben, Schwäne und fantastische Tiere vorüber. Des Helden Bjarki Fylgja kämpft, während er noch im Zelte schlummert, schon draußen als Bär, der aber beim Erscheinen des Erwachten in der Schlacht sofort verschwindet. Scherzhaft behauptete ein Alter, der sein Enkelkind fallen sah, es wäre über einen Bären, seine Fylgja, gestolpert. Wie oft künden sich in den Sagen Personen und ihre Schicksale durch ihre Fylgjen in der Gestalt heldenhafter Tiere an! Jedoch Thord, ein zum Hause Njals gehöriger Freigelassener, sah vor seinem Tode seine Fylgja als ein bloßes Haustier, einen Geißbock, blutig in einer Pfütze liegen; ein im Traum eines andern erschienener roter Hengst wurde auch als Fylgja gedeutet, die einen gewaltsamen Tod ankündige.

Die reifste Form des nordischen Schutzgeistes, die weibliche, hat sich am entschlossensten von den alten Seelenvorstellungen losgesagt. Sie übertrifft die des antiken Schutzgeistes an Freiheit und plastischer Deutlichkeit, sowie an Tiefe des Ausdrucks für das Verhältnis des Menschen zu seinem besseren Selbst. Während die Griechen und überwiegend auch die Römer sich ihn als männlich dachten, faßten die Nordleute, denen ihr Weib eine irdische Lebensgefährtin war, auch diese überirdische Geleitschaft als eine Frau, eine übermenschliche Dis auf. So hatte denn auch ursprünglich jeder nur eine Fylgja, die geheim neben ihm waltete ; denn sie wurde in der Regel von Andern als etwa Geistersichtigen oder Hellsehern (spämadr) nicht erblickt, selbst von ihrem Schützling, wie bemerkt, nur im Traume, oder dicht vor seinem Tode. Aber indem sie ihm vor dem Kampfe Mut einflößte oder eine Warnung gab, schloß sie sich dicht an ihn an, weshalb sie auch einmal mit einer aufhockenden Mare verglichen wurde. Doch auch ganz anders trat sie auf. Der zwischen Heiden- und Christenglauben schwankende Hallfred Vandraedaskald sah sie, als er auf einer Seefahrt im Sterben war, als walkürenhaft gepanzertes Weib über die Wogen auf sein Schiff zuschreiten. Einem Andern, der eines gewaltsamen Todes sterben sollte, erschien sie blutbefleckt, als wäre sie schon von seinem Blute angespritzt. Am ergreifendsten weiß die dänische Volksballade vom Erik Glipping, der im Jahr 1286 ermordet wurde, den schmerzlichen Abschied von ihr und aller Lebenslust zu schildern: Der auf der Jagd verirrte König fand seine Fylgja in einem Waldhaus als schönste Jungfrau, und wie er sie umarmte, schwand sie ihm unter den Händen, und er stand wieder in dichtem Gestrüpp, einem schmählichen Tode verfallen.

Unter den Seelen ist die angesehenste die des Familienhaupts, des Ahnen oder vielleicht der Ahnin; sie bleibt wirksam über mehrere Generationen hinaus. So erweiterte sich dem entsprechend der persönliche Daimon und Genius der Alten zum Schutzgeist der ganzen Familie, so wurde die Fylgja des Einzelmenschen die Mannsfylgja zur Kyn-und Aettarfylgja zum Geschlechtsschutzgeist. Diese Fylgja oder Hamingja wandte sich beim Tode ihres ersten Schützlings oder auch schon dicht vorher einem anderen jüngeren, nächst verwandten Familienmitgliede zu. Der Held Hetgi, Hjörvards Sohn, ahnte seinen baldigen Tod, weil er bemerkte, wie seine Fylgja, auf einem schlangengezäumten Wolf reitend, bereits seinen Bruder Hedin auf gesucht hatte. Als jener Skalde Hallfred sich im Sterben von seiner walkürenhaften Fylgjukona lossagte, fragte sie seinen Bruder: „Willst du mich nehmen?“, und als dieser sich dessen weigerte, erklärte sich Hallfreds Sohn dazu bereit, und alsbald verschwand sie. Vigaglum träumte, er ginge einer übers Meer auf ihn zureitenden Frau entgegen, die mit ihren Schultern die Felsen des Fjords überragte. Er hielt sie für die Hamingja seines vermutlich verstorbenen Großvaters Vigfus, die nun beim Enkel Unterkunft suchte. In der Vatnsdaelasaga schützt die Hamingja eines Mannes auch schon dessen Söhne bei dessen Leibzeiten und „folgt“ auch anderen Verwandten.

Der dehnbare Begriff der Fylgja, Hamingja, Dis verflüchtigt sich mehr und mehr, wenn sie in einer Mehrzahl den Menschen umgeben. Der Römer duldete solche unlogische Vervielfachung des Genius nicht, obgleich er in der augusteischen Zeit wohl die Schattenseele eines Einzelnen durch den Plural „umbrae“ wiedergab. Auch der Grieche hielt am Einzeldämon fest, doch wechselte der Mensch wohl mit seinem Dämon, sei’s daß, wie bei Pindar, ein böser Schutzgeist einen guten verdrängte, sei’s daß, wie bei Euripides, der alte Dämon sich bei seinem Schützling langweilte und gern einem anderen Platz machte. Aber die Nordleute kannten ganze Gesellschaften von Schutzgeistern, die sich freilich zunächst wohl auflösen, um sich einzeln an einzelne Menschen zu heften. In den Vafthrud-nismal reiten drei Scharen kluger Riesenmädchen herbei, um nach dem Weltbrand den Erdbewohnern nur Hamingjen zu werden, nur Glück zu spenden. So wendet sich durch sie alles zum Besten zu guter Letzt. Jedoch hat nun weiterhin auch der Einzelne mehrere Schutzgeister, der eine große, starke, der andere kleine, schwache, die beim Zusammenprall jenen nicht widerstehen können. Auch verlassen die Disir wohl ihren Schützling und sterben kraftlos ab, dann erscheinen sie ihm im Traume als tote Weiber. Bei der Geburt wendet man nach Sigrdrifum. 9 nicht nur „Bergerunen“ an, um den Kreisenden zu helfen, sondern man bittet auch die Disir um ihren Beistand. Die guten, mächtigen Disir verbreiten Licht über ihren Schützling. So sah ein finnischer Seher tun König Olaf Tryggvasons Haupt leuchtende „Götter“ schweben, deren Nähe er nicht ertragen konnte.

Ein neues Motiv brachte wohl erst das aufsteigende Christentum, es schied die Fylgjen eines und desselben Mannes in zwei Parteien, die sich ihren Schützling streitig machten, wie sich um die Christenseele böse und gute Geister streiten. Der Isländer Thidrandi sah in einer mondhellen Nacht vor der Türe seines väterlichen Hauses neun schwarz gekleidete Disir mit gezogenen Schwertern von Norden heranreiten, neun lichte von Süden her. Von jenen wurde er auf den Tod verwundet. Es waren die heidnischen Fylgjen des Geschlechts, die vor der Bekehrung desselben ein Opfer, ihr Disablot (S. 270), verlangten. Die weißen waren die christlichen Schutzengel. Bald darauf landete der erste Missionar, Thangbrand, auf der Insel, und Thidrandis Vater ließ sich mit seinem „Heimvolk“ taufen und zwar gegen das Versprechen, daß der Erzengel Michael sein Fylgjuengil würde. So mündete der alte Glaube friedlich in den neuen.

Es gibt nur schwache Spuren eines ähnlichen Glaubens in Deutschland; denn eine unsichere ist doch die Bezeichnung des Todestags als „Folgedach“ bei den Wurster Friesen. Dagegen entwickelte sich aus einer anderen Seelenvorstellung, dem Schatten, bei den Südgermanen wie bei den Neugriechen etwas Vergleichbares. Die letzteren nennen sogar den persönlichen Schutzgeist Iskios d. h. Schatten, und vielleicht denkt der Norweger, wenn er hinter dem scheidenden Gaste nochmals die Türe öffnet, damit dessen Folgte nachkommen könne, an den Schatten, der durch das Schließen der Türe einen Augenblick abgeklemmt erscheint. Der Schatten folgt dem Menschen wie ein anderes Ich überall hin, wo Sonne und Mond auf seinen Weg scheinen und ein Feuer oder Licht ihn beleuchtet. Er gleicht somit der Seele, die sich vor oder bei dem Tode als Schatten vom Menschen löst oder als schattenhaftes Tierlein davonhuscht Daher knüpfen sich noch heute an die Erscheinungen des Schattens Todesgedanken, wie im Altertum an die Erscheinungen der Seele und des Schutzgeistes. In Bayern muß sterben, wer am Weihnachtsabend seinen Schatten doppelt d. h. zu seinem natürlichen Schatten noch seinen schattenförmigen Schutzgeist sieht. Anderswo in Deutschland und in der Schweiz ist dem der Tod nahe, der in dieser entscheidenden Zeit, in der auch Helgi von seinem Schutzgeist verlassen wird, einen kopflosen oder gar keinen Schatten hat. Da schwindet der Schutzgeist allmählich hin oder ist schon auf und davon. Wer binnen Jahresfrist sterben soll, sitzt auch in Schweden zur Julzeit am Jultisch mit einem doppelten oder einem kopflosen Schatten. Dieser Erscheinung des Schattens ist nahe verwandt die in Deutschland geglaubte, gleichfalls todan-ktindende Erscheinung des D die auch in andern germanischen Ländern, auf den Färöern unter den Namen Hamferd d. h. Fahrt in eine andere Gestalt, bekannt ist und dieselbe Wirkung wie jene hat.

Die oft kriegerischen Schutzgeister nähern sich bereits einer neuen Gruppe von Halbgöttinnen, den altdeutschen Idisi und nordischen Valkyrjur, die auch Disir hießen. Die Valkyrjur, angelsächs. Välcyrigen sind Kürerinnen der in der Schlacht gefallenen Krieger, des sogen. Wals; in ihnen atmet die eigentümlich wilde Kampflust der Germanen, die während ihres tausendjährigen Eroberungszuges nicht nur die Männer, sondern auch manche Weiber ergriff. Schon aus jener Frühzeit, in der unsre Vorfahren in die nordostdeutsche Tiefebene einbrachen, mag die nach einem römischen Inschriftstein in Tongern verehrte Vihansa d. i. Schlachtgöttin stammen, der Schild und Speer geweiht werden, sowie die kölnische Hariasa und die von Germanen am Hadrianswall verehrte , offenbare

Göttinnen des Heers. Tacitus weiß von dem Hain einer friesischen Göttin Baduhenna, in dem die aufständischen Friesen im Jahre 28 n. Chr. 900 Römer erschlugen. Badu aber ist Schlacht. Auch die alten kriegerischen Frauennamen, wie z. B. Brunhild und Helmgund die Panzer- und die Helmstreiterin, waren nicht eitle Phantasienamen, sondern Bezeichnungen überirdischer Frauenideale, denen die damit geschmückten irdischen Weiber im wilden Männerkampf nachstrebten. Tacitus schildert die deutsche Frau als Genossin der Arbeiten und Gefahren des Mannes, bereit, im Frieden wie im Kriege dasselbe wie er zu ertragen und zu wagen. Es kam vor, daß Frauen die Schlachtreihe ihrer wankenden oder fliehenden Männer wiederherstellten. Die Römer der späteren Kaiserzeit erstaunten über die wie Männer gerüsteten Weiber, die unter den gefangenen Goten einherschritten, oder unter den gefallenen Markomannen und Quaden auf der Walstatt lagen. Noch über die Völkerwanderung hinaus dauerte im Norden diese Kampffreudigkeit der Frauen fort. Im 8. und 9. Jahrhundert zogen norwegische und dänische Jungfrauen als Schildmädchen mit den Wikingern über See, um Sachsen und Iren zu schlagen. Kriegsschiffe hießen nach ihnen, und noch kürzlich hat man Grabhügel der jüngeren Eisenzeit bei Aasnes und am Nordfjord geöffnet, in denen eine vollbewaffnete Frau ruhte, auch zusamt einem Pferde, inmitten eines verbrannten Schiffes. In der berühmten Bravallaschlacht kämpften drei fremde Scharen, geführt von drei Schildmädchen, und Lathgertha stritt mit lang herabwallendem Haar unter den vordersten Kriegern. Oft werden sie in den altnordischen Sagen als übermütig und herrschsüchtig geschildert, und sie streben sogar nach Thronen. In den dänischen Volksliedern befreit das Weib mit der Waffe Bruder oder Bräutigam, verteidigt mit ihr seine eigene Ehre, kämpft statt des alten Vaters oder zieht gepanzert aus, um seinen Tod zu rächen. Noch 1500 scharten sich die Ditmarschen in der Schlacht von Hemmingsted, noch 1516 die Wursterfriesen um ein Schildmädchen.

Solche Heldinnen sah man nun auch in den stürmischen, düsteren und wieder leuchtenden Wettererscheinungen ; wie ja auch die Sturmriesin Skadi im Zorn in voller Rüstung gedacht wurde (S. 236). Die nordischen Dichter wurden nicht müde, die Schlacht als Wetter der Waffen, Lanzen, Schilde oder noch zutreffender als Rauschen, Schauer, Sturm und Wind der Walküren zu umschreiben. Vielleicht bedeuten schon ihre Namen Skögul und Göndul nichts anderes als Wolkenstreifen und Wolkenballen, jedenfalls die Namen Hrist und Mist Sturm und Nebelwolke. Die Walküre Sigrdrifa, der sieghafte Schneesturm, schläft in einer Brünne, von wetterleuchtender Waberlohe umgeben. Andre Walküren reiten unter Blitzen über Land und Meer auf Rossen, die befruchtenden Tau oder auch Hagel von den Mähnen schütteln. Gunnr und Göndul „rudern“ gleich den oldenburgischen Walridersken (S. 167), aber so, daß es Blut regnet. Dann freuten sich die Krieger, denn ein Blutregen galt ihnen wie den Griechen vor Troja als ein Vorzeichen mörderischen Kampfes. So werden die Wetterfrauen immer mehr zu Schlachtweibern und heißen darum auch Gunnr und Hildr die Kämpferin und ähnlich. Sie gehen auch hier, wie auf dem elfischen Gebiete, in Waldfrauen über, die die Schlachten lenken, unsichtbar mitten im Getümmel sind und ihren Freunden heimlich helfen und so auch dem dänischen Hother, dem Feinde Balders, eine feste Brünne und einen Siegesgürtel schenken. Saxo Grammaticus wundert sich wiederholt über die Dreistigkeit dieser Mädchen, nachts auszureiten, um einen Helden aufzusuchen und zu Taten zu reizen.

Wenn nun der Kampf losbricht, reiten die Walküren oder auch Disir, von Adlern und Raben, den gierigen Aasvögeln, umflattert, zu Neunen oder Dreimalneunen oder auch zu Sechsen und Sechsen, bewaffnet herab. Altnordische Sigrmeyjar Siegmädchen oder angelsächsische Sigevif Siegweiber walten des Kampfs und des Sieges, treiben Kriegshandwerk, indem sie mitten unter die Krieger sprengen, die Gegner durch „Herfjötr“ Heerfessel lähmen und töten, ihren Schützlingen aber helfen und sie lebend oder tot küssen und umarmen. Ein wildes Schlachtschauspiel unter dem wolkenüberflogenen Himmel des Nordens! Ein ähnliches deutsches Bild deutet der mehr als tausendjährige Merseburger Zauberspruch an, den Einer zu sprechen hat, um aus der Gefangenschaft befreit zu werden:

„Einst saßen Idisi, saßen hier- und dorthin,
Einige hefteten Hafte, einige hielten das Heer auf,
Einige klaubten rings alle Fesseln los:
„Entspring den Haftbanden, entlaufe den Feinden!“

Die Schlachtweiber also lassen sich an drei Stellen in drei Haufen nieder; der eine fesselt die gefangenen Feinde hinter dem Heere der Landsleute, der andere wirft sich den Feinden entgegen, und der dritte löst hinter ihrer Reihe die Fesseln eines Gefangenen mit einer Zauberformel, die ihm Freiheit gibt. In dieser Weise waren auch die nordischen Walküren tätig, denn eine heißt Hlöck die Kette und eine andere Herfjötr die Heerfessel. Einen umfassenderen Sinn hat ein angelsächsisches Schlachtgebet zu den Siegweibern, das merkwürdigerweise später auf die schwärmenden Bienen übertragen wurde:

„Sitzt, ihr Siegeweiber, kommt zur Erde herab.
Wollet ja nicht fort in den Wald fliegen!
O seid eingedenk meines Heiles,
Wie ein jeder Mensch seiner Speise und Heimat!“

Den nordischen Disir brachte man auch Opfer dar und zwar in einer Disarhalle oder einem Disarsaal z. B. im Tempelhofe zu Uppsala. Das Verhältnis der Krieger zu ihren Schlachtgenien gestaltete sich im Norden, wie es scheint, inniger, ja leidenschaftlicher als im Süden. Zumal in der Wikingerzeit. Einige Walküren umschweben schützend ihre tapferen Krieger in der Schlacht, wie liebende Wesen die Geliebten. Freilich reicht ihre Sorge nicht immer aus, und trotz der Hilfe seiner Walküre Kara wird Helgi im Kampfe erschlagen. Wenn die Helden nun als „Valr“ dalagen, dann hoben sie dieselben von der Walstatt auf und führten sie in das himmlische Kriegerheim, die Walhalla, ein. So wurden sie nun auch die Dienerinnen des Schlachtenlenkers und Walhallkönigs Odin, Odins , Herjans des Heergottes Disir. Der Gott sandte sie zu jedem Kampf hinab, den Wal zu küren, die Gefallenen auszulesen und zu ihm zu bringen mit dem Jubelruf: „Nun mehrt sich die Gefolgschaft.“ Andre Walküren empfingen die neuen Ankömmlinge in der Halle und schenkten ihnen Met oder Wein ein. Wie lieblich mögen diese Oskmeyar oder Wunschmädchen manchen sterbenden Wikinger umrauscht haben! Ungehorsame Walküren wurden von Odin ausgestoßen, und z. B. Sigrdrifa von ihm durch einen Domstich in Schlaf versenkt, weil sie wider Odins Willen ihrem Liebling Agnar den Sieg verliehen hatte. Von Sigurd auf erweckt, weiß sie ihn vielnütze Runen zu lehren. In der neuen Halle des reichen Isländers Olaf Pfau sah man Odin abgebildet, wie er seinen schwersten Ritt ritt, zum Leichenbrande Balders; da wurde er begleitet von seinen Raben und seinen Walküren.

Ist es ein schwacher, verchristlichter Nachklang, wenn nach der Legende die heilige , die Speerfreundin, die einen ganz walkürenhaften Namen hat, dem ihr ergebenen Ritter mit ihrem Hirtenstab erscheint und einen Becher Weins reicht oder hinter ihm aufs Roß sitzt, um ihn für das Himmelreich zu retten? Sie beherbergt in der ersten Nacht nach dem Tode die Verstorbenen, die in der zweiten zu den Erzengeln und dann erst zum Heere Gottes kommen. Sie wird als Spinnerin dargestellt, an deren Rocken, Kleid und Kopf Mäuse oder Ratten, die uns bekannten Seelentiere, hinauflaufen. Spann sie etwa den Schicksalsfaden? Denn auch die altnordischen Walküren erscheinen einmal zwar nicht als Spinnerinnen, so doch als Weberinnen, die vor der von Iren und Nordleuten geschlagenen Schlacht bei Clontarf 1014 an einem furchtbaren Gewebe arbeiteten. Daran hingen Menschenhäupter als Gewichte, Menschendärme waren Zettel und Einschlag, Schwerter die Spulen und Pfeile der Kamm. Und immer wieder klang durch ihr Lied der Kehrreim:

„Winden wir, winden wir das Speergewebe!“

Endlich zerrissen sie ihr blutiges Gewebe, von dem jede ein Stück festhielt, und schwangen sich auf ihre Rosse; sechs ritten gen Süden, sechs gen Norden. Ihre Schützlinge, die Nordleute, siegten. Noch der christliche König von Norwegen, Harald Hardrade der Strenge, singt dicht vor der Schlacht von Stamford im Jahre 1066, die ihm das Leben kostete, von den Walküren, die ihm, über dem Walplatz schwebend, den Kampf lehren.

Ein liebliches Gegenbild, ein Stillleben der Walküren, entwirft der Dichter des schönen eddischen Wielandsliedes (S. 161). Drei Walküren, Alvitr, Svanhvit und Ölrun, flogen aus dem Süden vom Schwarzwald, einem mächtigen Waldgebirge, an den Meeresstrand, um sich vom Kriegshandwerk auszuruhen, und spannen kostbaren Flachs, und Schwankleider lagen neben ihnen. Da wurden sie von Wieland und seinen beiden Brüdern gefangen, und sie lebten sieben Winter (Jahre) mit ihnen, aber den ganzen achten sehnten sie sich fort, und im neunten flogen sie davon zum Schwarzwald, um wieder Kampf zu suchen. Wielands Brüder wandelten, um sie zu finden, der eine nach Osten, der andere nach Süden; Wieland selber aber blieb einsam zurück und schlug rotes Gold und Edelgestein zu kostbarem Geschmeide zusammen, tief im Wolfstal, auf sein lichtes Weib wartend.

Echte Walkürennamen tragen auch noch andere Schwanfrauen, die „weisen Meerweiber“ Hadburg und Siglint im Nibelungenlied. Als sie in einem schönen Brunnen ihren Leib kühlten, nahm ihnen der grimme Hagen ihr Vogelgewand, und die erste weissagte den Burgundern große Ehren in Etzels Land, um ihre Kleider wieder zu bekommen. Als aber Hagen diese zurückgegeben hatte, warnte die andere:

„Meine Muhme hat dir gelogen; ihr habt alle den Tod an der Hand!“

In eine Heroine verwandelt ist in der Nibelungensage die Walküre Brünhild, die nicht mehr in Luft und Himmel, sondern auf Erden ihr herrlich schweres Schicksal lebt. Im Speer- und Steinwurf, im Sprung und dann weiter im Ringkampf ist sie imbesiegbar, außer für Siegfried. Doch im nordischen Bericht umlodert sie noch, ein Zeichen ihrer höheren Abkunft, die Waberlohe, die auch nur Siegfried durchreitet. Die nordischen Walküren berühren sich vielfach mit den Schicksalsfrauen, denn auch sie tun entscheidende Sprüche und spinnen und weben, sowie mit den Folgefrauen, denn auch sie schweben schützend über ihrem Helden. Ihrer neun reiten nach der Geburt Helgis heran, von denen die stattlichste, Svava, ihm den Namen des Heiligen d. h. des durch Götterschutz Unverletzlichen gibt. Diese drei Gruppen höherer weiblicher Mächte lassen sich nicht mehr allein aus Naturerscheinungen erklären, sondern sie schöpfen ihr Herzblut aus dem ahnungsvollen, mitfühlenden und mittätigen und kampffreudigen Wesen altgermanischer Weiblichkeit.

Walkürenhaft sind die Riesinnen Thórgerár Hölgabrúdr d. h. Háleygis oder Hölgis Braut, und Irpa. Jene war der Schutzgeist des Iarl Hakon vom norwegischen Haloga-land. Später wurde ihr ein Tempel in Island geweiht, den Grimkell im Zorne darüber, daß sie ihm nichts Gutes prophezeit hatte, samt allen Götterbildern verbrannte. Am Abend war er tot. Die Bildsäule der Thorgerd hatte einen Goldring um den Arm und krümmte die Hand, als ihn Einer greifen wollte, dem sie ihn nicht gönnte. Da kniete der Mann nieder und legte ihr unter Tränen viel Geld zu Füßen, und als er nun nochmals den Ring faßte, ließ sie ihn los. In einem norwegischen Tempel standen drei Bilder, Thors und der mit Armspangen geschmückten Thörgerdr und Irpa. In der Schlacht schleuderten sie aus jedem Finger Hagel, Sturm und Pfeile den Feinden ihrer Schützlinge entgegen, gleich Walküren der grimmigsten Art. In der Not opferte ihnen Hakon sogar seinen Sohn.

Zwei andere halbgöttliche Riesinnen sind Menglöd die Halsbandfrohe und Gerdr die Eingesperrte. Sie sind beide schöne Sommerwolkenfrauen, die aus düsterer Wolkenhaft im Lenzgewitter befreit werden. Die Befreiung der Menglöd, die wie die indische Wolke am Regenbogenhalsband ihre Freude hat und acht Winter(monde) eingesperrt war, vollzog Svipdagr, der sie wie ein svip, ein plötzlicher Blick, ein taghell aufleuchtender Blitz, mit dem Laevateinn, der Verderbensrute erlöst. Der Held lebt im skandinavischen Volkslied als Jung Sveidal fort. Die Erlösung der von den Hrimpursar, den Reifriesen, mit ewiger Haft bedrohten lichtarmigen Gerdr vollzog Freyr oder an seiner Statt sein Diener Skirnir der Aufheiterer, Wetterklärer mit seinem sich selber bewegenden Schwert, das Gambanteinn Zauberrute heißt und, wie der Laevateinn, den Blitz bedeutet. Beider Riesinnen Saal ist von Waberlohe, Wetterleuchten, umgeben, wie Brünhilds Lager, und bewacht von Hunden, und einem Wächter. Diese nordischen Mythen sind nah verwandt mit den deutschen Sagen von der Erlösung der weißen Schloß- oder Burgfrau.

Endlich sind die beiden Alaesiagen Beda und Fimmilena zu erwähnen. Diesen beiden und dem Mars Thingsus weihten römische Soldaten des 3. Jahrhunderts n. Chr., Friesen aus Twenthe, am Hadrianswall zwei Altäre. Der eine stellt nur Opfergeräte, der andere nur eine weibliche Figur mit Kranz und Palmzweig in den Händen dar. Die weibliche Gegenfigur, die zweite Alaesiaga, fehlt. Wie sich im Mars Thingsus römische Form und germanischer Inhalt vereinigen (s. u.), so sind auch vielleicht die Alaesiagen an die Stelle von Victorien getreten. Aber an sich sind sie ihren Widmern und ihren Namen nach offenbar deutsch. Ihr Gesamtname ist freilich unerklärt, auch die beiden Einzelnamen sind nicht sicher zu deuten. Doch scheint Beda vom friesischen Zeitwort beda zu stammen, worin die Bedeutung bitten und gebieten zusammenfallen, woraus auch schon die Namen der deutschen Schicksalsfrauen hergeleitet wurden. Fimmilena wird die Bewegliche bezeichnen. Sie sind, nach dem von ihnen unterstützten Hauptgott zu schließen, Thinggöttinnen d. h. Göttinnen des Gerichts oder des Kampfs.

Die Ausbildung von Naturgewalten zu höheren Dämonen erreicht ihren Gipfel in den Einzelgestalten Loki und Mimir, von denen der erste das bisher kaum beachtete Element des Feuers personifiziert, der andere in geistigerer Weise als die älteren Wasserdämonen das des Wassers. Als das gewaltige Himmelsfeuer, das Wetterleuchten, war Loki doch nur eine Begleiterscheinung anderer Wettermächte und als Herdfeuer in die Enge des Hauses gebannt nach Art untergeordneter Hausgeister. Darum ist er kein Vollgott geworden und hat trotz seiner tiefen Eingriffe in die Götterschicksale neben den Göttern eine oft untertänige Stellung, die auch die anderen indogermanischen, übrigens durch eigene Kulte viel höher geehrten Feuergottheiten einnehmen, der indische Agni, der griechische Hephaistos und der lateinische Vulcanus. Loki teilt mit diesen und nun gar mit den Herdgöttinnen Hestia und Vesta nur wenige Züge und scheint auch nur den Nordgermanen bekannt gewesen zu sein. Auf die Angabe Caesars, daß die Germanen außer Sonne und Mond auch den Vulkan verehrt hätten, ist kein Verlaß (S. 5).

Dieses absonderliche Mittelwesen wird freilich Gott genannt und als solcher in den drei oder vier Götterlisten der Edda mit aufgezählt. Aber Loki hat keine Götterwohnung im Himmel wie die anderen Götter, ja es ist nach der Lokasenna ein Wunder, wenn dieser Vater so ungeheuerlicher Kinder sich unter den Göttern blicken läßt. So heißt er denn auch Riese und Elf oder Zwerg und wird Wicht gescholten. Bald ist er der Götter Freund, bald ihr Feind, ihr Verleumder und Schandfleck. Er entführt z. B. die Jugendgöttin Idun zuerst den Göttern zu den Riesen, dann aber den Riesen zu den Göttern. Er ist schön von Aussehen, aber böse von Sinnesart. Wie ein Alf verzaubert er sich in größere und kleinere Tiere: Pferd, Kuh, Lachs, Fliege und Floh, auch gern in ein Weib und in die Hexe Thökk. Durch Alfen läßt er Göttergeschenke schmieden. Seine Sippe aber ist riesisch. Alle übertrifft er an Lug und Arglist. Er haßt alle lebenden Wesen, auch die Götter.

Der Name Loki ist identisch mit (V)logi Lohe und scheint von derselben Wurzel ausgegangen wie der römische Vulcanus. Auch sein andrer Name Loptr, das dem bayrischen Loftern d. i. Lodern verwandt ist, kennzeichnet ihn als Feuergott. Seine Eltern sind der Riese , der gefährliche Schläger d. i. der Blitz, und Laufey oder Ndl, das dürre Laub- oder Nadelwerk der Bäume, das die Flamme erzeugt oder nährt. Im Namen seines Bruders Byleiptr steckt jedenfalls leiptr der Blitz, und der seines andern Bruders Helblindi bezeichnet wohl das höllenartig finstre Gewitterdunkel. Schwieriger sind seine Gattinnen Sigyn und Angrboda und ihre Söhne zu erklären, sie sind wohl zum Teil fremden Mustern nachgebildet.

Loki ist die Himmelslohe, dann die Sommerschwüle und die in der Hitze zitternde Luft, ferner das Herdfeuer und endlich das vulkanische Erdfeuer; er ist das Feuer in seiner Beweglichkeit und Verderblichkeit. Er hohnlacht, wenn das Wetter imheimlich am Horizont aufleuchtet. Wenn es in Tirol „himmelblitzt“ ohne Regen und Donner, so nennt man das am Brenner „Wetterlachen“, wobei man nicht mehr an das ältere Wetterleichen, das Wetterspielen, denkt. Doch auch einem lächerlichen Spiel gleicht die Posse, die Loki mit einer an ihn gebundenen Geiß aufführt, um die finstre sturmwolkige Skadi zum Lachen zu bringen. Er buhlt mit ihr und mit Thors Gattin Sif, der er das Goldhaar abschert. Auf wunderbaren Fitigelschuhen durchläuft er Luft und Meer. — Bei drückender Schwüle vergiftet Loki die Luft schon nach der Völuspa. Meint man in Mecklenburg: „Nu höddt (hütet) de Düwel sin Schap up Land, wenn dat so flämmert, wenn de Luft so wackelt“, so sagt man in Dänemark altertümlicher: „Lokke driver med sine Geder d. h. Loki treibt seine Geißen aus“ und neuisländisch: „Loki führt über die Äcker“. In Jütland „sät Loki Hafer“ d. h. den Tieren schädliches Unkraut. Knistert das Herdfeuer stark, so prügelt der dänisch-norwegische Lokje seine Kinder; knallendes oder brummendes Herdfeuer kündet in Deutschland Zank an.

In Griechenland galt das Knistern für ein Lachen der Herdgöttin Hestia oder des Feuergottes Hephaestos. Um den zürnenden Lokje zu beschwichtigen, wirft man den „Pelz“, die Haut abgekochter Milch, in die Flamme. — Jung scheint der Mythus vom vulkanischen Loki, der nach der Völuspa „und hvera lundi“ d. h. unter dem Haine der Kessel, der Sprudel, also wahrscheinlich unter dem isländischen Geysir gefesselt liegt, und wenn er an seinen Banden rüttelt, Erdbeben erzeugt. Erst seit der Besiedelung Islands im 9. Jahrhundert lernten die Germanen Erdbeben und Vulkane kennen, also in einer Zeit, in der antike und christliche Vorstellungen von verwandten Wesen, wie Typhon und Luzifer, bereits ihren Einzug in den Norden hielten. Kein andrer war mehr dazu geschaffen, um deren Rolle zu übernehmen, als der tückisch stets auf Zwist und Schande und Unheil sinnende Loki.

Diese Züge seines allgemeinen Charakterbildes kehren in seinen zahlreichen, bald freundlichen, bald feindlichen Beziehungen zu den Dämonen und Göttern wieder. Alt sind seine Fahrten mit Thor zu Thrym, Geirröd und Utgardaloki, denn das Wetterleuchten ist der natürliche Gefährte des Gewitters. Noch ein neuisländisches Sprichwort lautet:

„Lange gehen Loki und Thor, das Unwetter läßt nicht nach“.

Bei Thors Heimkehr von dem furchtbaren Kampf mit dem Midgardsdrachen und mit dem Riesen Hymir verursacht er das Hinken des Bocks vor Thors Wagen. Wie Thors Hammer acht Rasten tief liegt, ist Loki acht Jahre d. h. ebenfalls acht Wintermonate in der Erde verborgen. Auf der Fahrt zu Utgardaloki begleiten den Donnergott Loki und Thjalfi, der Blitz, dieser, um mit dem schnellen Hugi, aber Loki, um mit dem Wildfeuer Logt zu kämpfen. Auf der Geirröds-, wie auf der Thrymsfahrt fliegt Loki als Späher in Freyjas Falkengewand voraus. Auf der ersten begleitet er ihn dann als Diener, der sich beim Durchwaten des Flusses Vimur ängstlich an Thors Kraftgürtel anklammert. Auf der anderen begleitet er ihn als kluge Magd. Als Loki die Idunn entführt, schützt ihn Thor vor dem verfolgenden Sturmriesen Thjazi. Dem riesigen Sturmroß Svadilfari gebiert Loki den Sleipnir, das den Windgott Odin trägt.

Aber Thor und Loki haben auch, ganz den von ihnen vertretenen Naturerscheinungen gemäß, Feindschaft miteinander. Das zeigt vor allem das „ Lokasenna Lokis Lästerung“ betitelte Eddalied. Loki tötet vor Aegirs Halle, in der die Götter zum Gelage versammelt sind, ihren Diener Fima- oder Funafengr, zankt mit Eldir, der ihm den Eintritt wehrt, wird aber nach seiner Berufung auf seine Blutsbrüderschaft mit Odin eingelassen. Nachdem er den Göttermet mit bösem Zusatz versehen, die Götter mit Hohn übergossen und sich seiner Liebschaften mit drei Göttinnen gerühmt hat, bringt ihn Thors Erscheinen endlich zum Schweigen, doch nicht bevor er den Gott mit dem leckenden „logi“, der Lohe, bedroht hat. — Ferner fängt Thor den Loki, als dieser der Sif das Haar abgeschoren, doch Loki löst rieh mit den kostbaren Schmiedearbeiten der Iwaldissöhne. Thor fängt den Loki nochmals, als diese Arbeiten vom Zwerge Brokkr noch tibertroffen werden; Lokis Lippen werden zusammengenäht. Zum drittenmale fängt Thor den Loki, als dieser nach dem von ihm verschuldeten Tode Balders in Lachsgestalt sich in einem Wasserfall verbirgt. — Alle diese letzten Mythen mögen in allerhand Spielen der Einbildungskraft mit den Naturerscheinungen ihre Keime haben, aber sie sind dann zu freieren Darstellungen des Götterlebens ausgestaltet worden. Und Lokis grausamste Bestrafung, seine Fesselung im Kesselhain, ist sogar der christlichen Legende entlehnt.

Während die Reisegenossenschaft Lokis und Thors in echter Naturanschauung wurzelt, scheint die Gesellschaft dreier himmlischer Erdenwanderer, zu denen auch Loki gehört, ein novellistisches, in der griechischen und christlichen Legende beliebtes Motiv zu sein, das auch dem Norden bekannt wurde. Im Thjazimythus sind Odin, Hoenir und Loki Reisegefährten, aber die beiden ersten sind überflüssige Figuren. Dieselbe Dreizahl zieht im Eingang der nordischen Nibelungensage über die Erde, wobei Loki unterwegs den Otr tötet, aber auch vom Zwerge Andvari das nötige Gold herbeischafft, um damit Otrs Vater Hreidmar die Mordbuße zu zahlen. Er erlangte auch den Goldring, der stets neues Gold erzeugte, aber von Andvari verflucht wurde, stets seinem Besitzer Verderben zu bringen. Diese Vorgeschichte des Nibelungenhorts ist wie die ganze Umrahmung der deutschen Siegfriedssage durch den Göttermythus erst später im Norden hinzugefügt worden. Auch die anderen Beziehungen Odins und Lokis, wie ihre Blutsbrüderschaft und der Auftrag Odins an Loki, der Freyja ein Halsband zu stehlen, das sie von den Zwergen gegen Gewährung ihrer Gunst bekommen hatte, mögen freie Erfindungen sein. Vielleicht gehört auch Lokis Kampf mit Heimdall um die schöne Meerniere d. h. den Regenbogen dazu.

Diesem schelmisch-boshaften Abenteurer, der originellsten Figur des germanischen Götterhimmels, war noch eine bedeutendere Rolle aufgespart in den neuen mythologischen Gestaltungen, die das Christentum heraufführte. Er wurde zum Teufel, der den Tod Christi-Balders anstiftete, der ráábani Baldrs, er wurde zum gefesselten Fürsten der Hölle und zu einem Hauptfeind der Gottheit in der großen Entscheidung des Weltuntergangs. Doch davon im Schlußkapitel.

Der nordische Kultus kümmerte sich so wenig um ihn, wie um die Riesen. Man warf, in späterer Zeit, ein Milchhäutchen ins knisternde Feuer, wenn Lokje seine Kinder schlug, oder schwedische Kinder warfen ihren ausgefallenen Zahn ins Feuer, um einen neuen von Loki zu bekommen. Das ist alles!

Aus der Schar der weissagenden Geister des rauschenden Wassers und Waldes erhebt sich ein anderer höherer Dämon, Mimir, den schon sein mit dem lateinischen Worte memor verwandter Name als ein geistigeres Wesen, als den Denker bezeichnet. In Südskandinavien verblieb er noch bis in die neuere Zeit ein gefährlicher Wassergeist, der z. B. in der südländischen Mimest dem Mimesbach haust, und nach dem auch der Mimesjö der Mimesee genannt ist Bei Saxo heißt er Miming, der ursprünglich wahrscheinlich Mime hieß, während sein berühmtes Schwert den bekannten Schwertnamen Miming nach ihm führte. Er war ein Waldsatyr, der eine für Menschen kaum erreichbare, von eisigen Bergen umstarrte Höhle bewohnte und ein Schwert darin barg, mit dem selbst der gegen alles Eisen gefeite Halbgott Balder getötet werden konnte. Außerdem hatte er einen Armring, der den Reichtum des Besitzers stetig vermehrte. In diese wilde Öde eilte Balders Feind Hother und lauerte Miming auf, lange vergebens. Als aber einmal der Waldgeist nachts aus seiner Höhle trat und sein Schatten den Eingang des davor aufgeschlagenen Zeltes Hothers verdunkelte, da stach dieser ihn nieder. Und nun mußte er, gefesselt und mit dem Tode bedroht, Schwert und Ring herausgeben. Das alte Motiv der Fesselung des zum Ratgeben gezwungenen deutschen Waldgeistes und des Witolfs oder Waldmannes kehrt hier wieder. Jenem Schwerte aber wird in der ursprünglichen Sagenfassung Balder erlegen sein.

Der deutsche Mime ist ein weiser Waldschmied, Wielands Lehrmeister, und heißt im Norden gewöhnlich Regin d. i. Berater, wie er denn auch durch kluge Zauberkunde sich auszeichnet. Er wird bald Riese, bald Zwerg, bald sogar Drache genannt, während er doch nur ein Bruder des Drachen Fäfnir ist. Aus seiner dunklen Waldschmiede bricht ein strahlendes Heldenleben hervor. Denn Mime erzieht den jungen Siegfried und stachelt ihn aus Gier nach seines Drachenbruders Golde zu dessen Ermordung an. Er hat für ihn ein Schwert Gram geschmiedet, das so scharf ist, daß es, in den Rhein gehalten, eine entgegentreibende Wollflocke zerschneidet. Er begrüßt den jungen Helden als Sieger, wie dieser mit Gras das Blut des Drachen von seinem Schwerte wischt.

Die isländische Überlieferung hat die alte einfache Wald- und Wassergeistsage von Mimir künstlich gesteigert, man möchte fast sagen, verhimmelt. Sein Brunnen liegt nun wie der Urdarbrunnen am Fuße der Weltesche Yggdrasil, die deswegen auch Mimatneidr Mimisbaum heißt. Der Mimisbnmnen wird auch Odroerir Geisterreger genannt und birgt Weisheit und Verstand. Aus ihm schöpft Odin die hineinverquirlten Runen, die ihm Zauberkräfte verleihen. Und so hoch schätzt dieser Mimirs Geist, daß er sein Auge in dessen Quell als Pfand läßt, um einen Trunk daraus zu erlangen. Oder der Gott raunt mit Mimirs Haupt, das wohl ursprünglich den natürlichen Urquell, das Brunnhaupt, das Bomhövede war und dann durch einen Mythenkünstler zu einem wirklichen, vom Leibe abtrennbaren Haupte gemacht wurde. Denn laut eines Friedensvertrages, den die beiden verfeindeten Göttergeschlechter der Äsen und der Wanen miteinander schlossen, wurden Geiseln ausgetauscht: die Äsen gaben Hoenir her, den Mimir nach Wanaheim begleitete, die Wanen die schöne Freyja. Als die Wanen sich nun mit dem zwar stattlichen, jedoch einfältigen Hoenir betrogen sahen, da schlugen sie zornig dem Mimir das Haupt ab und schickten es den Äsen. Odin aber salbte es unter Beschwörungen ein, damit es nicht verfaule und ihn weiterhin beraten könne. — Nicht die Verpfändung des Gottesauges, noch weniger die Enthauptung Mimirs und vor allem die Einbalsamierung seines Kopfes sind echte Volksmythen. Auch scheint die Annahme zweier Götterfamilien und ihres uralten Krieges durchaus unheidnisch. Überhaupt wurde in diesen an sich schon geheimnisvollen Wald- und Wassergeist durch die christliche Mythologie noch viel mehr hineingeheimnißt.

Wenn wir die römisch-germanischen namenreichen Inschriftsteine mustern, so gewinnen wir den Eindruck, daß die Germanen noch manche höhere Geister verehrt haben. Aber selten gelingt es, auch nur ihren Namen sicher zu deuten, geschweige denn ihr Wesen. Möglich wäre es, daß man mit dem aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. bei Köln bezeugten Requalivahanus d. h. dem im Dunkel Lebenden den geheimnisvoll im Waldesdunkel hausenden Mimer meinte. Spielt doch die mit Mime verknüpfte Siegfriedssage gerade am Niederrhein und scheint doch im anstoßenden Westfalen die Stadt Münster mit ihrem ältesten Namen Mimigardeford nach diesem Waldgeist benannt worden zu sein.

Traumfänger

Traumfänger

Die Traumfänger-Geschichte ist eine der schönsten Geschichten in der Mythologie der Sioux-Indianer. So soll ein kleines Indianermädchen vom Grossen Geist ein kleines Kästchen erhalten haben. Dieses Kästchen würde dem Mädchen Gesundheit, Glück und Ansehen auf seinem Lebensweg bescheren, vorausgesetzt es würde nie geöffnet. Das Mädchen wuchs heran zur Frau und eines Tages überkam es die Neugierde. Das Mädchen öffnete das Kästchen und heraus kam all das Böse, das Unglück und Krankheit dieser Welt und verstreute sich in alle Himmelsrichtungen. Um all das Unheil zu bannen entstand der Traumfänger. Er vereint die Energien aus allen vier Himmelsrichtungen. Das Böse und Schlechte bleibt im Netz des Traumfängers hängen und nur die guten Träume dürfen durch die Kreisöffnung hindurch fliessen. Der Traumfänger wird über dem Wiegenbett des Säuglings, später über der Schlafstelle oder im Wohnraum   aufgehängt. Der Traumfänger wird das ganze Leben behalten und erhält durch Fetische und persönlich Gegenstände zusätzliche Kraft. Der Traumfänger sollte alle vier bis sechs Wochen, draussen an der Sonne aufgehängt werden, um mit neuer Energie und Kraft geladen zu werden.

 

Bauanleitung

Benötigte Materialien für den Dreamcatcher: Weidenruten , Sehne oder stabile Schnur, lange Lederstreifen (ca.2cm breit und 2- 3 Meter lang).  Zusätzliche Materialien für die Verzierung können verwendet werden: Glasperlen, Federn gerne auch Flaumfedern, Röhrenknochen, Lederstreifen, Conchas, Pferdehaar, Muscheln, Filz

 

1. Die Weidenrute wird zu einem Kreis gebogen.
2.Die Rutenenden werden werden am besten um den Kreis gewickelt.
3. kann nun begonnen werden, den Lederriemen gleichmäßig um die gebogene Rute zu umwickeln.(siehe oben).
TIPP! Am Anfang ruhig das Lederende etwas länger lassen. Das Lederband nach Möglichkeit nicht verdrehen.
4.sobald nun alles umwickelt ist wird nun das Ende und der Anfang verknotet. Das ist dann gleichzeitig der Aufhänger.(siehe oben)
5. Nun kommt die Sehne oder die stabile Schur dran! Diese wird wie oben abgebildet in gleichmässigen abständen um den umwickelten Kreis gezogen.Das wird in einer art Schlaufe gemacht, damit es nicht verrutscht.
Tipp: nicht zu fest oder zu locker binden!
6. Mit der Schur oder Sehne immer weiter in gleichmässigen abständen so weiter machen.(siehe Foto) Der Kreis wird nun immer kleiner und kleiner. Es entwickelt sich ein Netz. Am Ende wird das Netz immer strammer.
Tipp:Das Schnurende bitte gut verknoten.Nun kann der Dreamcatcher verziert werden.(siehe Materialien)Im allgemeinen werden Lederbänder unten an den Dreamcatcher gebunden und mit Federn und Perlen verziert. Man kann auch Perlen oder persönliche Gegenstände in das Netz einbinden.

Traumfänger und Runenkreis und Runensack. Es gibt da Gemeinsamkeiten

 

 

Wenn du eines morgens aufwachst
und die Sonne ist nicht mehr da
dann gibt es zwei Möglichkeiten
entweder die Sonne ist tot
oder du bist die Sonne

Germanenherz Runenkreis

 Um einen Runenkreis zu beschwören solltest Du vorher kurz überlegen, auf welche Weise dies geschenen soll. Zunächst einmal gibt es die Möglichkeit, den Kreis tatsächlich abzuschreiten oder ihn zu Visualisieren. Ich bevorzuge ein tatsächliches Abschreiten, da Du dann einfach direkter ‚dran‘ bist. Die schiere Menge an Runen und Ihren Bedeutungen eröffnet Dir hier viel mehr Möglichkeiten als z.B. ein klassicher Schutzkreis.

Wenn es ein einfacher Schutz vor unbekanntem Unbill sein soll, so ist eine Anrufung des gesamten Futhark eine gute Wahl. Damit hast Du alle Zauberzeichen in Deinem Kreis, und diese können sich gegenseitig unterstützen: Du begibst Dich an die östliche Seite des Kreises, dort wo die Sonne aufgeht, und rufst Fehu, die erste Rune des Futhark. Du kannst sie rufen, indem Du den Laut der Rune („F“) oder den Namen ausrufst bzw aussprichst. Nun gehst Du im Lauf der Sonne, im Uhrzeigersinn, um den Ort des Zaubers herum und rufst jede Rune des Futhark in der Reihenfolge. Wenn der Kreis umlaufen ist sollte das Futhark komplett gerufen worden sein. Das heißt: gib Acht, dass Du im Norden Kaun, im Westen Eiwaz und im Süden Ehwaz anrufst, dann passt das schon. Du kannst beim Umlaufen des Kreises auch Deine Runenscheiben / -Stäbe an der jeweiligen Stelle auf den Boden legen oder fallen lassen.

Wenn es Dir um einen spezifischen Schutz oder die Anrufung einer bestimmten Entität geht, dann kann es besser sein, einen Sinnspruch, einen Namen oder einen Wunsch zu formulieren. Überlege Dir, was Du rufen willst, was Dein Wunsch ist oder was Dir sinnvoll erscheint. Das kannst Du in Form einer Sigille ausformen. Diesen Spruch legst Du dann ebenso wie oben das Futhark um den Ort des Geschehens herum. Es ist hilfreich, vor dem Ziehen des Kreises zu planen, welches Zeichen an welcher Stelle des Kreises liegen soll. Übrigens funktioniert dieser Kreis auch mit Lateinischen Buchstaben ganz gut.

Eine dritte Möglichkeit ergibt sich in Anlehnung des klassichen Kreises. Für jedes Element gibt es eine Entsprechung im Futhark.

Luft – Ansuz (Osten)

Feuer – Kaun (Süden)

Wasser – Laguz (Westen)

Erde – Othil (Norden)

Diese Rune legst Du, den Bedeutungen im klassichen Schutzkreis entsprechend, in die vier Himmelsrichtungen. Zusätzlich zu den Runen empfehle ich, ein oder zwei Runen dazu zu legen. Diese wählst Du entsprechend Deinen Wünschen zu dem jeweiligen Element. Wenn Du Luft und damit klare Gedanken und Ideen anziehen willst, so legst Du zum Beispiel zu Ansuz noch die Iss-Rune, um die Gedanken klar und ruhig zu halten. Willst Du Wut und Leidenschaft draußen halten, so legst Du Iss und/oder Thurisaz an die Kaun-Rune. Nach diesem System kannst Du Deinen Runenkreis verfeinern.

Zusätzlich zu allem oben Beschriebenen kannst Du auch den gesamten Raum innerhalb des Kreises unter eine bestimmte Rune stellen. Dies sollte, dem positiven Denken entsprechend, die Rune sein, die das darstellt, was Du bewirken willst. Diese Rune kannst Du über dem gesamten Ritualvorhaben visualisieren. Oder Du zeichnest sie tatsächlich auf den Boden.

Schutzkreis

Um einen „klassischen“ Schutzkreis aufzubauen benötigst Du die Werkzeuge, die den Himmelsrichtungen bzw den Elementen zugehörig sind. das sind:

Osten – Luft – Schwert oder Räucherung

Süden – Feuer – Stab oder Kerze

Westen – Wasser – Kelch

Norden – Erde – Kessel

Um den Schutzkreis zu ziehen betrachtest Du zunächst einmal die Räumlichkeiten, die Dir zur Verfügung stehen und besinnst Dich auf das, was Du vorhast. Achte darauf, dass Du alles, was Du benötigst schon im Kreis hast.

Nun gehst Du an die östliche Seite des Kreises, die Seite des Sonnenaufgangs. Hier rufst Du mit dem Schwert oder der Räucherung in der Hand das Element Luft an. Oder eben das, was Du grad damit in Verbindung bringst. Seien es Götter/Göttinen, Engel, Ahnen, Himmelsrichtungen, etc. Ob Du dabei tatsächlich etwas sagst ist Dir überlassen. Ich halte meine Klappe, weil es mich stört zu reden. Lieber visualisiere ich etwas, das mit der Luft in Verbindung steht. Meistens ist das ein starker Wind direkt vor mir der alles hinwegweht, was mir beikommen könnte. Dann gehst Du mit dem Schwert im Uhrzeigersinn, dem Lauf der Sonne, zu jeder Himmelsrichtung und ruft dort das Element Luft (oder den entsprechenden Gott, Engel, etc) an. Bei jeder Himmelsrichtung visualisiere ich dabei wie sich der Wind um den Schutzkreis herum ausbreitet. Wie Du es machst ist natürlich Deine Sache. Wenn Du wieder im Osten bist und den Kreis geschlossen hast bedankst Du Dich bei den angerufenen Kräften für ihren Schutz, legst das Werkzeug hin und gehst in den Süden.

Hier machst Du sinnvollerweise das gleiche wie im Osten, nur halt mit dem Stab oder einer Kerze. Auch hier rufst Du wieder die Kräfte Deiner Wahl an und schreitest den Kreis ab. Für das Feuer visualisiere ich eine Flammenwand, die mich umschließt.

Im Westen das gleiche Spiel mit dem Kelch und dem Wasser. Hab keine Hemmungen, auch ein wenig Wasser beim Gehen zu verschütten, das kann jeder Teppich ab. Hier visualisiere ich einen starken Regen oder dichten Nebel, der den Kreis umschließt. Keine Angst, das Feuer wird vom Wasser nicht gelöscht.

Und schließlich rufst Du im Norden die Erde mit Hilfe des Kessels. Zum Visualisieren hat mir immer eine dicke Steinmauer, die sich um den Kreis herum aufbaut, gute Dienste geleistet.

Hast Du auf diese Weise den Kreis geschlossen kannst Du frohen Mutes an das gehen, was Du vorhast.

Und wenn Du damit fertig bist baust Du den Kreis selbstverständlich wieder ab. Dazu gehst Du in umgekehrter Reihenfolge – Norden/Kessel, Westen/Kelch, Süden/Stab, Osten/Schwert – mit dem Werkzeug zur jeweiligen Himmelsrichtung und bedankst Dich dort bei dem Element für den Schutz und weist das Element an, sich zurückzuziehen.

Dabei kannst Du auch visualisieren, wie der aufgebaute Schutz schwächer wird. Wenn dann schließlich der Kreis weg ist gehst Du noch dran, die Werkzeuge zu reinigen. Vor allem der Kelch muss ordentlich ausgespült werden. Wenn Du in der Natur bist, am besten in einem fließenden Gewässer. Ansonsten lass großzügig Frischwasser in den Kelch laufen und schütte das Wasser nachher in den Garten / Nachbars Garten.

Da ihr oben vom Großen Geist gelesen habt, hier mal ein Gebet von meinem durch Justizterror, zwangsgelöschten Tatankablog

O, großer Geist, dessen Stimme ich im Wind höre,und dessen Atem der ganzen Welt Leben gibt, höre mich! Klein und schwach bin ich. Deine Kraft und Weisheit brauche ich. Befähige mich, in schöner und heiliger Weise zu leben.Befähige meine Augen, die roten und purpurfarbenen Sonnenuntergänge immer zu sehen. Befähige meine Hände und mein Herz, alles zu respektieren, was Du erschaffen hast. Befähige meine Ohren, Deine Stimme immer zu hören und Deine spirituelle Führung zu empfangen, wenn ich aufrichtig um ein Zeichen, eine Vision, einen Traum oder die Erfüllung eines Gebetes bitte.Mache mich weise, damit ich all das verstehen kann, was Du mein Volk bereits gelehrt hast. Laß mich verstehen lernen, welche Lehre Du in jedem Stein, in jedem Blatt und in jedem Kraut verborgen hast. Ich suche Deine Kraft nicht, um besser zu sein als mein Bruder oder meine Schwester, sondern um meinen größten Feind zu bekämpfen – mich selbst. Mache mich stets bereit, so zu leben, daß Deine Augen lächelnd auf mich schauen werden wenn meine Taten oder Gedanken von mir und Dir geprüft werden. Mache mich stets bereit, meine Brüder und Schwestern< mit Liebe, Gerechtigkeit, Achtung, Würde, Integrität und Respekt. Wenn das Leben verblaßt wie der verblassende Sonnenuntergang mache meine Augen klarsehend und meine Hände und mein Herz frei von Blutvergießen, Zerstörung so daß meine Seele ohne Scham zu Dir kommen kann.

Die theoretische Magie als Grundlage der Runenmagie

Germanenherz Runologe 02Die skeptische Frage, ob es Magie überhaupt gibt, ist äußerst unpräzise, so wie auch Glaube oder Nichtglaube an Magie weder richtig noch falsch sind. Es kommt dabei darauf an, was man eigentlich unter Magie versteht, und schon hier laufen die Ansichten bereits mannigfaltig auseinander.

Sicher gehören Beschreibungen von Magie, wie sie in Filmen, Fantasy-Literatur oder Rollenspiel dargestellt werden, ins Reich der Mythen und Märchen. Ich kann mir kaum vorstellen, daß jemand durch Magie oder reine geistige Willenskraft Feuer erschaffen, Blitze schleudern oder ähnliche Dinge tun kann. Auch übernatürliche Wesen, wie Dämonen, Geister, Engel, Götter etc. gehören für mich ins Reich der Phantasie.

Aber es gibt eine Form der Magie, die real existent ist, die zu fühlen und wirken man lernen kann und die ich inzwischen kenne und nutze.

Das Gebiet der Magie deckt sich im Wesentlichen mit dem der modernen Psychologie, insbesondere der Tiefenpsychologie, wenn auch die Herangehensweise eine andere ist. Die Tiefenpsychologie ist eine psychologische Richtung, die sich hauptsächlich mit den unbewußten Schichten der Psyche und ihrer Bedeutung für ein Verständnis der gesamten seelischen Organisation des Menschen auseinandersetzt. Die Magie beschäftigt sich ebenfalls mit diesem Teil der Psyche, der dem Menschen normalerweise nicht bewußt ist, obwohl er einen ungeheuren Einfluß auf sein Leben hat.

Die Beschäftigung mit echter Magie ist eine Grundlagenforschung zur Erkenntnis von Bewußtsein und Unbewußtem („Unterbewußtsein“), deren Wesen und Wirken im Menschen und in der gesamten Natur. Es geht um das Verstehen und Nutzen der geheimnisvollen, aber doch spürbaren geistigen Kräfte und Energien und um das Aufdecken der darin verborgenen Möglichkeiten.

Die Magie ist ein System tiefenpsychologischer Techniken, die dem Menschen helfen können, sein Innerstes besser zu erforschen. Damit dient sie in erster Linie dazu, sich selbst besser verstehen zu lernen. Über eine solche wünschenswerte Selbsterkenntnis hinaus, befreit ein Verständnis der inneren Natur von unbewußten Zwängen und Blockaden und ermöglicht ein besseres Meistern des eigenen Lebens.

Und ganz nebenbei hat sie bei jenen, die sich auf sie einlassen, den Nebeneffekt, das innere Selbst in den täglichen Aktivitäten zum Ausdruck zu bringen und somit die Realität nach eigenem Willen zu lenken – das, was der Laie gewöhnlich mit Magie verbindet, ganz trivial ausgedrückt: das „Zaubern“.

· 1. Die Magie
· 1.1. Einleitung
· 1.2. Einführende Zusammenfassung
· 1.3. Was ist Magie?
· 1.4. Jede Erklärung ist nur ein Modell
· 1.5. Die magische Energie
· 1.6. Die Funktionsweise der Magie
· 1.7. Die Anwendung von Magie
· 1.8. Die drei Standbeine magischen Wirkens
· 1.9. Die Wahrnehmung magischer Energien
· 1.10. Das Ziel der Beschäftigung mit Magie

· 2. Magie und Ethik
· 2.1. Der Unterschied zwischen Religion und Magie
· 2.2. Magie und Religion nebeneinander
· 2.3. Weiße und schwarze Magie?
· 2.4. Das Magiergesetz
· 2.5. Schadenszauber und Flüche
· 2.6. Liebeszauber
· 2.7. Verantwortung
· 3. Der Magier
· 3.1. Wie sieht ein Magier aus?
· 3.2. Woran erkennt man einen Magier?
· 3.3. Was macht ein Magier?
· 3.4. Kann jeder Magier werden?
· 3.5. Die Voraussetzungen eines Magiers
· 3.6. Wie wird man ein Magier?
· 3.7. Magie ist das Unbewußte
· 3.8. Müssen Magier verschwiegen sein?
· 3.9. Nehmen Magier Drogen?
· 4. Die Grenzen der Magie
1. Die Magie

1.1. Einleitung
Heute ist ganz allgemein das Wissen um die Magie zugänglicher geworden. Zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte konnte man sich derart umfassend durch Bücher, Internet, Seminare usw. darüber informieren wie heute. Zudem haben viele allgemeine Vorurteile der Vergangenheit („alle Magie ist Teufelswerk“) zumindest etwas an Schärfe verloren.

Leider ist aber auch noch nie so viel Halbwissen, irreführender Unsinn und Scharlatanerie im Umlauf gewesen wie heute. Daher gilt es, genau zu prüfen, was man erfährt.

Wenn man vor einem längeren Text über Magie steht, stellt man sich als potentieller Leser sofort die Frage, ob sich die Mühe überhaupt lohnt, ihn zu lesen. Man muß etwas Zeit investieren und die eigenen Gedanken für den Text öffnen, ohne zu wissen, ob man dem Verfasser trauen kann oder ob man bloß einen weiteren der typisch abgedrehten pseudoesoterischen Texte vor sich hat, wie man sie leider nur zu oft findet.

Da hilft es nur, mit dem Lesen zu beginnen und dabei zu prüfen, ob das Gelesene interessant, verständlich und nachvollziehbar ist. Falls es das nicht ist, wendet man sich einem anderen Werk zu.

Um dieses Abwägen zu erleichtern, enthält das nächste Kapitel eine Zusammenfassung der in diesem Text vertretenen Gedanken, die dann in den weiteren Kapiteln ausführlich erläutert werden.

Der Text auf dieser und den folgenden Seiten soll ein Grundverständnis für die Funktionsweise der Kräfte des Unbewußten vermitteln, die man gemeinhin Magie nennt, und demjenigen, der sich damit auch in der Praxis beschäftigen möchte, zu einem Einstieg verhelfen.

Ich habe mich bemüht, den Text leicht verständlich und zugleich interessant zu gestalten und darin den magischen (was geschieht) und den psychologischen (wie es funktioniert) Aspekt gleichermaßen zu beleuchten, ein Grenzgang zwischen Phänomen und wissenschaftlicher Erklärung.

Diese Seiten sind kein detaillierter Lehrgang mit genau ausformulierten Ritualen, und man wird später auch sehen, warum so etwas unsinnig wäre. Vielmehr bilden sie eine Hilfestellung und Methodik für den Interessierten, seinen eigenen Zugang zur Magie und ihren Techniken zu finden und seinen individuellen Weg zu gehen, sofern er den Willen dazu hat und bereit ist, die Zeit und Anstrengung zu investieren.

Diese Abhandlung soll das theoretische Hintergrundwissen liefern, um direkt in die Praxis einsteigen und ihre Wirkung und Phänomene verstehen zu können. Die persönliche Weiterentwicklung und die Verantwortung dafür hat dann aber jeder selbst in der Hand. Es sollen keine Wege vorgeschrieben, sondern gangbare Wege aufgezeigt werden.

Bei keinen zwei Lesern dürften die gleichen Voraussetzungen hinsichtlich theoretischen Wissens und praktischer Erfahrung gegeben sein, daher versuche ich hier einen Kompromiß zu finden, der für den Anfänger ausreichend ausführlich und für den Fortgeschritten nicht trivial langweilig ist.

Wer die Grundstrukturen der Magie allerdings erst einmal verstanden hat, bedarf keines allzugroßen Detailwissens mehr, weil er aus ihnen alles andere mühelos und korrekt ableiten kann. Gerade der Anfänger ist sich dieser Freiheit oft am allerwenigsten bewußt. Anstatt selbständig weiterzudenken, was ihm als Einweihung angeboten wird, sucht er verzweifelt nach weiteren Regeln und vermeintlichen Grenzen, an die er sich klammern kann. Dies sollte nicht auch noch unterstützt werden.

Die Überheblichkeit, mit der vornehmlich frühere Autoren auf den „dummen, unwissenden Nichteingeweihten“ herabschauten, um ihm erst den Mund wässrig zu machen und ihm dann das entscheidende Wissen doch vorzuenthalten, sollte endlich der Vergangenheit angehören.

Eine Anleitung wie diese will nicht dogmatisch sein, denn viele Wege führen zum Ziel, und es sollen lediglich Anregungen gegeben werden. Rituellen Anweisungen und esoterischen Lehren blind zu folgen, ist nicht der Sinn, den diese Seiten vermitteln wollen, sondern Verständnis für die Funktionsweise der Magie und das eigene Arbeiten mit persönlichen, individuellen Inhalten und Methoden, denn nur sie können letztendlich das eigentliche Ziel der Magie erfüllen: die Weiterentwicklung des Selbst.

Auch wer nicht den praktischen Weg beschreiten möchte, kann durch die Magie etwas Wertvolles gewinnen, denn allein schon das Verständnis für die Magie und für das Unbewußte führt oft zu einem bewußteren Leben.

1.2. Einführende Zusammenfassung
Normalerweise gehört eine Zusammenfassung an das Ende eines Textes, hier sei sie jedoch an den Anfang gestellt. Das dient dazu, zunächst die hier vorgestellten Grundgedanken in gestraffter Form wiederzugeben, bevor sie anschließend detailliert erläutert werden. Somit kann der Leser schon an diesem Punkt entscheiden, ob er den Ausführungen weiter folgen mag oder nicht.

o Magie ist ein ganz persönlicher, individueller Erfahrungsraum. Deshalb ist sie schwer zu erklären, nicht allgemeingültig zu definieren und daher ist es schwierig, einen zu einem selbst passenden Lehrer zu finden.

o Magie hat sehr viel mit Psychologie, insbesondere Tiefenpsychologie, zu tun, und die meisten ihrer Funktionen sind psychologisch erklärbar. Ferner ist Magie eine Lehre, die niemals abgeschlossen und ständig im Wandel ist.

o Um die Funktionsweise von Magie zu erklären, wird ein Modell verwendet, das auf der Annahme beruht, daß Magie eine Form von Energie ist.

o Magische Energie wird von allen Lebewesen im Unterbewußtsein erzeugt, ausgestrahlt und ist dadurch in der Welt vorhanden.

o Alles Existierende besteht irgendwie aus Energie in unterschiedlicher Form. Magische Energie kann Energien auf anderer Ebene beeinflussen und verändern (Resonanzprinzip). Dadurch kann magisches Arbeiten tatsächlichen Einfluß auf Wahrscheinlichkeiten von Ereignissen und das (unbewußte) Denken anderer nehmen.

o Magier benutzen Ketten aus einander verändernden, ähnlichen Energieformen, um die gewünschte Veränderung beim Ziel zu erreichen. Das Bewußtsein regt das Unbewußte an, eine bestimmte, zielgerichtete Form magischer Energie zu erzeugen, welche den Willen des Magiers transportiert. Die Energie wird auf die magische Energie des Ziels projiziert und gleicht diese schwingungsmäßig dem Willen des Magiers an (Synchronismus). Die veränderte magische Energie des Ziels bewirkt wiederum Veränderungen über die verschiedenen Energiestufen zurück bis zur beabsichtigten Energieform, zum Beispiel über das Unterbewußtsein des Ziels in dessen Bewußtsein. Dies kann real greifbare Veränderungen beim Ziel bewirken.

o Die drei Standbeine jeden magischen Wirkens sind ein veränderter Bewußtseinszustand (Gnosis), der Wille und die Visualisierung.

o Der veränderte Bewußtseinszustand (gnostische Trance oder kurz Gnosis) dient dazu, das Unbewußte zu erreichen und es zur Erzeugung entsprechender magischer Energien zu veranlassen. Magische Werkzeuge und Rituale sind lediglich Hilfsmittel zur Erreichung dieses Zustands.

o Der Wille oder Willenssatz ist das gewollte Ergebnis und das Maß für die Intensität und Stärke der Wirkung einer Magieanwendung.

o Die Visualisierung ist die Aufnahme eines geistigen Bildes des gewollten Ergebnisses in die innere Realität, um die magische Energie auf dieses Ziel projizieren zu können, es zu „treffen“, also die Genauigkeit der magischen Operation.

o Durch diese drei Techniken wird die fremde Energie der eigenen schwingungsmäßig angeglichen, was zur Angleichung der fremden Realität an den eigenen Willen führt (Synchronismus).

o Magier können mit Hilfe ihres erweiterten Bewußtseinszustandes magische Energien mit dem Unterbewußtsein wahrnehmen, welches sich dabei der Sinnesorgane als Hilfsmittel zur Darstellung für das Bewußtsein bedient.

o Das eigentliche Ziel der Beschäftigung mit Magie ist nicht die Demonstration spektakulärer Effekte, sondern das Verbinden von Bewußtsein und Unterbewußtsein des Magiers, die ausgewogene Entwicklung beider Bereiche, deren Kommunikation miteinander und damit die Weiterentwicklung des Selbst. Natürlich kann man mit Magie auch tatsächlich „Zauber“ wirken, doch dies ist eigentlich nur ein sehr nützlicher Nebeneffekt auf dem magischen Weg, nicht die Hauptsache.

o Der Umgang mit Magie bedingt eine hohe Verantwortlichkeit und einen ethisch gefestigten Charakter.

o Magie ist keine Religion und funktioniert auch anders. Sie ist vielmehr eine Lebensphilosophie. Sie kommt ohne Religion aus, aber es geht auch mit Religion.

o Es gibt keine „schwarze“ oder „weiße“ Magie. Magie ist auch nicht gut oder böse. Sie ist als Energieform und auch als Wissenschaft ebenso neutral wie es elektrischer Strom oder die Physik sind.

o Der Anwender ist für sein Tun verantwortlich. Er wirke Magie nur, wenn er es für richtig hält, wenn er die Konsequenzen seines Vorhabens überdacht hat, die Verantwortung für sein Tun zu tragen bereit ist und dies alles mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Seine Verantwortung hat er auch sich selbst gegenüber.

o Schadenszauber, Flüche und Liebeszauber (gegen den freien Willen) gehören in den Bereich manipulatorischer, aggressiver Magie, sind daher negativ zu betrachten und mit Vorsicht zu handhaben, aber keineswegs irgendwie „verboten“. Man sollte sich nur über die möglichen (auch psychischen) Konsequenzen im Klaren sein.

o „Höhere“ oder „magische“ Wesen wie Götter, Geister oder Dämonen gibt es nicht real. Ihre wahrgenommenen Präsenzen und Manifestationen sind lediglich (oft sehr realistisch erscheinende) Projektionen aus der eigenen Psyche (sogenannte Psychogone). Man erschafft sie als flüchtige Energiegebilde immer selbst.

o Magier sind eigentlich ganz normale Menschen, die sich lediglich ein besonderes Talent erschlossen haben. Sie benutzen es, um ihren Weg zu gehen, positive Dinge anzuziehen und negative Ding fernzuhalten. Magie ist für sie ein spiritueller Weg.

o Wahre Magier donnern sich nicht auf und machen kein großes Aufheben um ihre Kunst. Wer das tut, ist fast immer ein Scharlatan oder steht noch ganz am Anfang seines Weges.

o Prinzipiell kann jeder Magier werden, der bereit ist, an sich selbst zu arbeiten und dafür etliche Anstrengungen in Kauf zu nehmen. Magie kann man nicht konsumieren, man muß sie aktiv erfahren und sich erarbeiten. Wer dazu keine Lust hat oder Magie lediglich „cool“ findet, wird scheitern.

o Die an einen Magier gestellten Voraussetzungen sind Aufgeschlossenheit, Aufmerksamkeit, Gelassenheit, Entspanntheit, Konzentration, Intuition, Ausdauer, Geduld, Glaube an den Erfolg, Selbstkenntnis und Verantwortlichkeit.

o Weil Magie etwas sehr Individuelles ist, muß sie sich jeder selbst erarbeiten. Es ist daher töricht, vorgegebenen Lehren und fremden Ritualen blind zu folgen, denn sie sollten lediglich als Anregung für den eigenen Weg dienen und dürfen auch abgelehnt werden.

Wer bis hierher den meisten dieser Punkte zugestimmt oder dabei wenigstens nicht den Kopf geschüttelt hat, wird wahrscheinlich auch von den nun folgenden, ausführlicheren und weiterführenden Kapiteln nicht enttäuscht werden. Sie stellen, metaphorisch ausgedrückt, keine Rezeptsammlung dar, sondern lehren die Kunst des Kochens an sich, denn ein guter Koch braucht keine Rezepte mehr, er kann mit Wissen, Erfahrung und Gefühl alles selbst entwickeln.

1.3. Was ist Magie?
Die Frage, was Magie eigentlich ist, ist sehr schwer zu beantworten. Es gibt verschiedene mehr oder weniger vermeintlich plausible Erklärungsansätze, aber keiner vermag sie vollständig zu erfassen.

Das liegt unter anderem daran, daß Magie etwas zutiefst Persönliches ist. Jeder erlebt, empfindet und benutzt Magie auf völlig individuelle Weise. Deshalb sind Definitionen und Anleitungen nur sehr grobe Hilfsmittel, weil letztlich jeder seinen eigenen, persönlichen Zugang zur Magie finden muß. Darum ist es auch so schwer, einen passenden Lehrer zu finden, denn der Weg eines Lehrers ist höchstwahrscheinlich nicht der eigene.
Carl Gustav Jung (26.07.1875 bis 06.06.1961), ein schweizer Psychologe, der u.a. an Siegmund Freud anknüpfte und sich darüberhinaus mit Magie, Alchemie und Religion beschäftigte, hat einmal gesagt: „Magisch ist nur ein anderes Wort für psychisch.“

Magie ist also das Wissen um die Kräfte der menschlichen Seele und wie diese bewußt angewandt werden können. Damit wird das Spektrum dessen, das man mit „magisch“ bezeichnen kann, um ein Vielfaches größer und auch natürlicher.

jung

Carl Gustav Jung

Magier und Hexen betrachten daher Magie und damit Verbundenes als absolut natürlich, denn die Magie ist ein Teil der Natur und des Menschen selbst. Magie erhebt sich nicht etwa über die Natur und ist schon gar nicht „widernatürlich“, wie es sehr vielen religiös denkenden Menschen eingetrichtert wurde. Carl Gustav Jung

Der Begriff „übernatürlich“ ist in Bezug auf Magie ebenfalls irreführend, denn Magie ist eine sehr natürliche Fähigkeit, welche der Mensch als Teil seiner eigenen Psyche tief in seinem Inneren trägt und die er von der Natur selbst erhalten hat. Daß sie „übernatürlich“ oder „unnatürlich“ sei, wird den Menschen hauptsächlich von den etablierten Religionen eingeredet, für deren Anhänger eine Beschäftigung mit Magie, kritischem Denken und die damit einhergehende persönliche Weiterentwicklung (und meist auch Fortentwicklung von den religiösen Dogmen) natürlich äußerst unerwünscht ist.

Magie wird oft als „Geheimwissenschaft“ bezeichnet. Für viele bedeutet dies zwar auch die Geheimhaltung des erlangten Wissens aus unterschiedlichen Motiven heraus (eigene Machterhaltung, wohlmeinende Bewahrung „Unkundiger“ vor Mißbrauch und Schaden, Zurückhaltung, weil „die Zeit/Welt/Menschheit noch nicht reif dafür“ sei usw.), aber eigentlich geht es, im Gegensatz zu weltlichem Geheimwissen, dessen Inhalt seinen Trägern bereits bekannt ist, bei der „Geheimwissenschaft“ Magie in erster Linie um die Geheimnisse selbst, mit der sich die Magie umgibt, und um deren Erforschung. Außerdem halten viele Magier vor der Allgemeinheit geheim, daß sie sich überhaupt mit Magie beschäftigen, um sich nicht den so typischen ablehnenden Reaktionen der Unwissenden auszusetzen.

Der unbezähmbare Drang nach Erkenntnis bewegt seit Jahrtausenden immer wieder Menschen dazu, sich den im menschlichen Geist verborgenen Mysterien auf unterschiedlichen Wegen zu nähern. Die Beschäftigung mit Magie ist eine Erforschung des eigenen Inneren, welches sein Wesen oft in seltsamen und zum Teil verwirrenden Erlebnissen und Erfahrungen andeutet – andeutet, aber eben nicht wirklich offenbart.

Die Wissenschaft von der Erforschung des dem Bewußtsein zunächst verschlossenen Teil des menschlichen Geistes, nämlich seinem Unterbewußtseins und – wenn man so will – seiner Seele, ist die Psychologie, genauer die Tiefenpsychologie. Man nimmt sie zu Hilfe, um viele – nicht alle – magischen Wirkmechanismen im menschlichen Geist zu erklären. Wie C. G. Jung schon lehrte, Magie ist immer auch Psychologie, denn es gibt hier keine klare Abgrenzung.

Man könnte sagen, daß die Beschäftigung mit Magie ein Weg ist, über mythische Denkmodelle und Techniken, in denen tiefenpsychologische Funktionsmethoden verschlüsselt sind, die verborgenen Fähigkeiten des Unterbewußtseins dazu anzuregen, tatsächliche Veränderungen der Realität zu bewirken. Die Kunst dabei ist es, dies im Einklang mit dem bewußten Willen zu erreichen, d.h. solche Veränderungen hervorzurufen, die man so auch wirklich haben will.

Die ernsthafte Beschäftigung mit Magie ist daher zwangsläufig immer eine Synthese aus dem Versuch, die mythischen Geheimnisse zu entschlüsseln, und der exakten Wissenschaft der Psychologie, beziehungsweise Tiefenpsychologie. So kann man die bei der praktischen Anwendung von Magie funktionierenden Wirkmechanismen des Geistes besser zu verstehen und auch zu nutzen lernen.

Magie ist, rein wissenschaftlich betrachtet, eigentlich im Grunde nur ein angewandtes System tiefenpsychologischer Techniken. Die meisten von ihnen und die durch sie hervorgerufenen Phänomene sind in ihrer Funktion daher psychologisch erklärbar, und es schadet auch keineswegs, diese Funktionen der Psyche zu kennen und zu verstehen, wenngleich einige von ihnen auch noch weitgehend unerforscht und daher nur rein theoretisch erklärbar sind.

Das Problem ist nur, daß diese wunderbaren psychologischen Techniken paradoxerweise nicht funktionieren, wenn man mit zu nüchterner Betrachtung an sie herangeht und sich ihrer während der Magieausübung zu sehr bewußt ist. Das liegt vor allem daran, daß sie im Unbewußten Gefühle auslösen sollen, welche zur gewünschten Bewußtseinserweiterung führen. Magie ist hauptsächlich eine Sache des Fühlens, weniger die bewußte Anwendung psychologischer Techniken und Formeln. Deshalb funktioniert sie auch nur durch die mythisch gestützte Methodik der praktischen Anwendung optimal, weil nur durch sie im Unbewußten entsprechende Gefühle assoziiert werden, und nicht durch die theoretisierende Bewußtheit über die psychologische Natur dieser Techniken.

Beim Fahrradfahren muß man das Gleichgewicht auch mit einem Gefühl für dieses halten, die bloße Kenntnis der dabei zur Geltung kommenden physikalischen Formeln nutzt dem Anfänger zunächst einmal gar nichts, denn durch sie allein bekommt er kein Gefühl für die Praxis – das kann er nur durch Fühlen und Übung erlangen. Konzentriert man sich stattdessen während des Versuchs mehr auf die Formeln als auf das Gefühl, wird man scheitern. In der Magie ist das ganz ähnlich.

Deshalb bedient sich die Magie der Mystifizierung, denn ein mythisches Denkmodell, in dem man sich im Rahmen der Magieanwendung bewegt, kann Stimmungen und Gefühle viel besser auslösen als ein nüchternes Durchschauen der psychologischen Wirkmechanismen.

Daher ist es wichtig, Letztere im Moment der Anwendung auch zu „vergessen“, damit die Magie funktionieren kann, sonst stört die wissenschaftliche Bewußtheit das mythische Denken, und es können durch dieses keine entsprechenden Gefühle erzeugt werden oder eben nicht mehr in der erforderlichen Intensität. Weil man aber nicht bewußt etwas vergessen kann (man versuche einmal, für ein paar Minuten bewußt nicht an ein Nilpferd zu denken), erreicht man ein temporäres „Vergessen“ eben nur durch Ablenkung, indem man sich sehr stark auf eine andere Sache konzentriert, auf das mythische Denkmodell eben. Mit genügender Intensität der Konzentration wird dieses im Moment des Ausübens für den Magier mythisch „wahr“, erzeugt in ihm so die gewünschten Gefühle, mit denen die Erweiterung seines Bewußtseins einhergeht, welche ihn befähigt, sein Unterbewußtsein zur Freisetzung jener Kräfte anzuregen, die seinen Willen schließlich Realität werden lassen können.

Dies ist auch der Grund dafür, warum vielfach eben nur die Mystik gelehrt wird: damit der Schüler nicht auf „dumme Gedanken“ kommt, die ihn blockieren können (oft leider aber auch deshalb, um als Lehrer das eigentliche Geheimnis allein für sich zu behalten oder schlimmer noch, wenn der Lehrer selbst glaubt, die mythischen Denkmodelle seien Realität). Deswegen funktioniert Magie seit alters her auch dann, wenn ihre Lehre allein auf der Grundlage mythischer Denkmodelle fußt, die dann vom Magier auch für wahr gehalten wurden (und noch immer werden), da es die wissenschaftliche Erklärung schließlich erst seit relativ kurzer Zeit (rund 100 Jahre) gibt.

Mythische Denkmodelle funktionieren magisch um so besser, je umfassender und in sich schlüssiger sie sind. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob sie einfach oder kompliziert gestaltet sind oder ob sie einen starken Bezug zur Realität haben und nur leicht an dieser vorbeigehen oder ob sie (wissenschaftlich objektiv betrachtet) sogar völlig unsinnig sind. Man muß sich nur in sie hineindenken und sie für den Moment der Magieausübung als Realität akzeptieren können. Sehr vorteilhaft und der Erzeugung von Atmosphäre förderlich ist es selbstverständlich auch, sich in ihnen wohlzufühlen.

Doch ist es natürlich besser, auch über die tatsächlichen psychologischen Funktionen der Magie Bescheid zu wissen, denn so hat man bei Problemen den besseren Überblick, kann Zusammenhänge leichter verstehen und natürlich auch sich selbst und seine Fähigkeiten und Techniken gezielter weiterentwickeln. Außerdem hilft es ungemein dabei, realistisch und mit beiden Beinen auf dem Boden und „im Leben“ zu bleiben und nicht „abzuheben“ (den Bezug zur Realität zu verlieren).

Daß es in der Magie und gerade auch in der Esoterik oft sehr seltsame, geradezu schwachsinnig erscheinende Lehren und Weltbilder gibt, kommt also nicht von ungefähr, wobei man gerade in der Esoterik aber fein zwischen tatsächlicher Mystifizierung und absichtlicher Verkomplizierung zur Verschleierung der Zusammenhänge zum Zwecke des Profitmachens und des Erzeugens von Abhängigkeiten unterscheiden muß.

Der so wichtige Unterschied zwischen Realität und mythischem Denkmodell und deren notwendiger Trennung voneinander ist vielen Anhängern dieser Lehren nämlich fatalerweise überhaupt nicht bewußt. Deshalb erachten auch so viele Esoteriker ihre mythischen Weltbilder als real existent und tragen somit zu ihrem Ruf als Spinner selbst bei.

Zudem, so muß man leider sagen, benutzen viele selbsternannte Magier und Esoteriker ihre mythischen Weltbilder auch zur Realitätsflucht, um andere psychische oder weltliche Probleme zu verdrängen, weil sie den Unterschied nicht kennen oder nicht kennen wollen, was natürlich der Sache nicht gerade dienlich ist und eher in eine Sackgasse führt, wobei diese Probleme durch Hinauszögern letztlich nur verschlimmert werden.

So verrennen sich diese Menschen immer tiefer in ihre eigene Mythologie oder in die, der sie blindlings folgen, verlieren immer mehr den Sinn für die Realität und erscheinen anderen Menschen dadurch immer weltfremder und „abgedrehter“. Magie sollte aber doch eigentlich die Arbeit an sich selbst sein und zu einem bewußteren Leben führen, und gerade eben nicht dazu, daß man sich selbst verliert.

Nicht zuletzt deshalb wird immer wieder vor der Beschäftigung mit Magie gewarnt, wenn psychische oder schwerwiegende weltliche Probleme vorhanden sind. Praktische Magie bedeutet, mit der eigenen Psyche zu experimentieren, und das kann beim Vorhandensein psychischer Störungen jeder Art üble Konsequenzen haben und diese Störungen noch verschlimmern. Auch eine gesunde Psyche ist selbstverständlich nicht „sicher“, doch steckt sie ein Herumexperimentieren leichter weg, und negative Auswirkungen sind sehr unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist vielmehr die angestrebte positive Weiterentwicklung.

Insofern dient ein wissenschaftliches, realistisches Bild der Magie, ihrer Funktion und Zusammenhänge auch als „Rettungsanker“ in Form einer Gedächtnisstütze für die Psyche, damit man „auf dem Teppich“ bleibt, beziehungsweise nach einer magischen Tätigkeit wieder leichter in die Realität zurückfinden kann. Witzigerweise mystifiziert man sogar diesen „Rettungsanker“, indem man ihn zum Beispiel in Form von Symbolen oder rituellen Handlungen in seine magischen Rituale mit einbezieht, um sich im Anschluß an die eigentliche Handlung durch ihn an die Realität zu „erinnern“ und leichter zu ihr zurückzufinden, und das funktioniert auch ziemlich gut.

Viele der mythischen Denkmodelle und Methoden, mit der die praktische Anwendung der Magie verkleidet wird, beispielsweise in einem Ritual, mögen zunächst kitschig, abergläubisch, unsinnig oder kindlich naiv wirken, doch vermögen sie als Symbolsprache im Unterbewußtsein Dinge auszulösen, deren Auswirkungen in Form von Erkenntnissen, einem veränderten Bewußtsein und tatsächlichem Einfluß auf die Umwelt spürbar und erlebbar sind, obwohl akademisch vorgebildete Psychologen trotz raffinierter Test-Verfahren und Großversuchsreihen in psychologischen Laboren solche Ergebnisse weder erzielen noch nachweisen können.

Vielleicht läßt sich an dieser Stelle wenigstens halbwegs der äußerst schwammige Grenzverlauf zwischen der „Geheimwissenschaft“ Magie und der anerkannten Wissenschaft der Psychologie festlegen.

Einige Methoden und Techniken der Magie mögen Psychologen bekannt vorkommen, ja sogar verblüffend modern erscheinen (obwohl viele davon bereits sehr, sehr alt sind), denn sie werden heute teilweise in der Psychotherapie und der psychosomatischen Medizin zur Behandlung der sich zunehmend ausbreitenden seelischen Erkrankungen (Neurosen) und seelisch bedingter Organkrankheiten eingesetzt – übrigens ohne daß ihre Wirkungsweise grundlegend erforscht wäre. Man kann die Grenze zwischen Magie und Psychologie also nicht unbedingt an der Erklärbarkeit der Phänomene festmachen.

Zu unterscheiden ist beim Begriff „Magie“ außerdem, ob man die magische Kraft oder Energie selbst meint oder den Umgang mit ihr, denn beides wird zu einem Themenkomplex zusammengefaßt, den man üblicherweise als „Magie“ bezeichnet. So soll zur präziseren Ausdrucksweise zwischen magischer Energie und Magieanwendung unterschieden werden.

Eine grobe Definition der Magieanwendung ist ein System tiefenpsychologischer Methodik, um sich gefühlsmäßig in einen erweiterten Bewußtseinszustand zu versetzen, der es erlaubt, auf geistigem Wege über eine Symbolsprache das Unterbewußtsein anzuregen, Kraft des bewußten Willens die Realität seiner bewußten Vorstellung anzugleichen.

1.4. Jede Erklärung ist nur ein Modell
Magie als Kraft wird auch magische Energie genannt. Daß sie eine Form von Energie ist, ist eine Behauptung, ein Denkmodell für etwas, das noch nicht vollständig erforscht und begriffen werden konnte. Weil sich aber viele Dinge im Zusammenhang mit Magie sehr gut mit einem Energiemodell erklären lassen, soll diese Definition zunächst als gültig betrachtet werden.

Der Begriff „Energie“ ist hierbei natürlich nur eine Metapher, eine Veranschaulichung, also keine physikalische Aussage. Magische Energie ist keine „stoffliche“ Energieform, die einer Überprüfung durch die exakten Wissenschaften standhielte, und sie ist bisher nicht physikalisch meßbar. Der Begriff „Energie“ ist nur ein Behelf, weil die Sprache keinen besseren kennt.

Der Mensch strebt stets danach, seinen Glauben und seine Philosophie in sein zeitgenössisches Weltbild einzubetten, um sich nicht ständig mit Widersprüchen auseinandersetzen zu müssen. Insbesondere betrifft das auch das Themengebiet der Magie, welches ja ebenfalls eine Philosophie ist und den Glauben an Magie voraussetzt. Psychologisch gesehen dienen die Versuche, die Magie mit dem Weltbild zu vereinbaren, vor allem dazu, den Verstand zu beruhigen und das scheinbar Irrationale der Magie begreifbar und vor allem akzeptierbar zu machen.

Das ist auch magisch gesehen durchaus sinnvoll, denn ein zufriedengestellter Verstand läßt dem Unbewußten mehr Freiraum zum Wirken als ein rein rationaler, dauernd skeptischer Verstand, der mit seinen beständigen Zweifeln der Magieanwendung alle möglichen Blockaden und Stolpersteine in den Weg legt.

Es kommt also weniger darauf an, ob die Erklärungsmodelle der Magie naturwissenschaftlich „wahr“ sind oder nicht. Wichtig ist allein, daß sie mythisch wahr sind, daß sie also den Magier selbst überzeugen und ihm als funktionierende Arbeitshypothese (Paradigma) dienen. Es kann nur dann etwas funktionieren, an dessen Funktionieren man auch glaubt. Glaubt man nicht an seine Magie, kann man sie auch nicht erfolgreich anwenden, da man sich durch Zweifel innerlich den Zugriff versperrt.

Ein Magier braucht aber eine gewisse Sicherheit für seinen Verstand, und mythische Modelle liefern die entsprechende Standfestigkeit, um ohne durch Skepsis hervorgerufene Blockaden seinem Unterbewußtsein vertrauen und sich so in einer eigentlich irrational erscheinenden Realität in Ruhe auf sein Vorhaben konzentrieren zu können. Man sollte solche Erklärungsmodelle also unter diesem Vorbehalt betrachten, bevor man sie kritisiert.

1.5. Die magische Energie
Magie als Kraft soll hier, dem Energiemodell folgend, auch als Energie angesehen werden. Diese mythische Energie des Unbewußten wird häufig auch als Magis, Od oder Prana (sanskrit: Atem, Lebenskraft) bezeichnet. Die Frage nach der genauen Natur magischer Energie läßt sich ebensowenig beantworten, wie man mit Sicherheit sagen kann, worin das genaue Wesen der Elektrizität besteht. Wie auch dort ist viel über die Erzeugung, Handhabung und Anwendung der betreffenden Energie bekannt, aber ihre eigentliche Natur bleibt verborgen.

Magische Energie erfüllt jedes Lebewesen (die Lebensenergie, das, was das Leben als solches ausmacht, manche nennen es Seele) von innen heraus und umgibt es in Form einer Aura. Aber auch vielen Gegenständen wohnt diese Energie mehr oder weniger stark inne. Sie kann darin gespeichert und in seltenen Fällen auch darin aus der Umgebung gebündelt erzeugt werden. Magische Energie ist außerdem in der Umwelt vorhanden, denn sie wird beständig von den Lebewesen ausgestrahlt. Magie ist die Energie, die allem im Universum das Leben gibt, aber auch das Leben selbst ist. Man könnte sie sogar als die Summe allen Lebens bezeichnen.

Das klingt nun ein wenig nach der „Macht“ aus „Star Wars“, und so ganz falsch ist dieser Ansatz gar nicht. Magie ist aber nicht eine „kosmische Kraft“, „Naturkraft“ oder „göttliche Kraft“, sondern als Lebenskraft die Kraft und Energie des Unterbewußtseins, welches das Zentrum des Lebens ist.

Die magische Energie hat ihren Sitz und Ursprung im Unbewußten („Unterbewußtsein“). Das Unbewußte kann diese Energie auch aussenden. Dies geschieht manchmal kraftvoll, zum Beispiel bewußt durch den Willen des Magiers oder unbewußt durch bestimmte emotionale Reaktionen des Unbewußten, und in schwächerer Form ohnehin ständig, einfach indem man lebt, ähnlich wie man Körperwärme ausstrahlt. Diese ausgesendete Energie ist dann in der Umwelt vorhanden.

Wenn man aber nun permanent Energie aussendet, so muß diese auch irgendwoher kommen. Außerdem bleibt nach dem Energieerhaltungssatz die Summe der Energie in einem geschlossenen System immer gleich. Woher kommt beispielsweise die Energie, mit welcher das Herz schlägt, mit welcher man sieht, mit welcher man denkt? Sie wird im und durch den Körper gebildet.

Auch das menschliche Gehirn arbeitet mit Energie, elektrischen Impulsen nämlich, die etwa 100 Watt stark sind und gemessen und mittels eines Elektro-Enzephalogramms (EEG) aufgezeichnet werden können. Also erzeugen Gedanken und Emotionen elektrische Energie. Aber sie erzeugen eben auch noch eine zweite Form von Energie, die man magische Energie nennt.

Diese Energie, die man auch den Lebensfunken oder die Lebensenergie nennt, hält die Maschine Körper in Gang, steuert sie. Sie kommt selbstverständlich auch nicht aus dem Nichts, sondern wird durch einen kontrollierten biochemischen Verbrennungsvorgang des Körpers aus Nahrung und Sauerstoff vom Körper selbst erzeugt, ebenso wie die bioelektrische Energie, welche Nerven und Gehirn betreibt. Die Energie, mit der gerade diese Zeilen gelesen werden, stammt aus einer der letzten Mahlzeiten.

Die Substanz aus der Nahrung wird im „Kraftwerk Körper“ in Lebensenergie umgewandelt, die eben nicht nur den Körper, die Muskeln, die Sinne und die Nerven betreibt, sondern eben auch den Geist. Zu Letzterem gehören Bewußtsein und das Unbewußte, und ein Teil dieser Energie wird vom Unbewußten eben auf eine bisher nicht bekannte Weise zu magischer Energie umgewandelt und so verwendet. Sie kommt nicht von außen, sondern wird von jedem selbst erzeugt.

Weil nun alle Lebewesen (und nicht unbedingt nur diese, aber das soll zunächst außen vor bleiben) also beständig magische Energie abstrahlen, ist die Welt davon erfüllt. Analog kann man sich einen Raum mit vielen Personen darin vorstellen, der sich durch die Körperwärme der Anwesenden erwärmt. Diese vielen verschiedenen magischen Energien bilden jedoch kein homogenes, untrennbares Gemisch, sondern sind schon einzeln vorhanden und existieren miteinander und durcheinander, vergleichbar mit den Frequenzen verschiedener Radioprogramme, die sehr wohl einzeln unterscheidbar und dennoch alle gemeinsam im selben elektromagnetischen Gemisch vorhanden sind.
Oft bilden magische Energien regelrechte Ströme durch die Welt. Linien aus magischer Energie, sogenannte Kraft- oder Ley-Linien umspannen ähnlich dem Magnetfeld die Erde wie ein Netz. Wo sich solche Linien kreuzen, gibt es Knoten- oder Kraftorte, an denen die Magie besonders stark und leichter zugänglich ist. Viele Kultstätten sind daher auf solchen Kraftorten errichtet.

watkins Der Erfinder des Begriffs Ley-Linie ist Alfred Watkins (1855 bis 1935) in seinem 1925 erschienenen Buch „The Old Straight Track“ (engl.: Der alte gerade Pfad). Der pensionierte englische Geschäftsmann Watkins war ein Pionier auf dem Gebiet der Geomantie (Weissagung durch Erdenergie). Er prägte den Begriff der Ley-Linie, weil zahlreiche auf diesen Linien liegende Orte auf „ley“, „lay“, „lee“, „lea“ oder „leigh“ enden, eine altdeutsche Bezeichnung für Fels oder Klippe. Nach Watkins verbinden diese virtuellen, geraden Linien bedeutende megalithische Bauwerke und Orte der Kraft miteinander.

1.6. Die Funktionsweise der Magie
Um zu begreifen, auf welche Weise Magie funktionieren kann, muß man sich vergegenwärtigen, daß nicht nur Magie als Kraft, sondern alles Existierende aus Energie besteht. Das gilt für einen Stein (Materie ist ebenfalls eine Form von Energie) genauso wie für Wärme, Licht, Gedanken und das Leben selbst. Alle diese Energieformen besitzen sozusagen eine unterschiedliche Frequenz.

Diese verschiedenen Energieformen existieren nicht getrennt voneinander, denn sonst könnte man gar keinen Kontakt zu ihnen bekommen. Sie existieren vielmehr miteinander und durcheinander. Wenn man beim elektromagnetischen Frequenzmodell bleiben möchte, so könnte man sich die unterschiedlichen Energieformen vielleicht analog zu infrarotem Licht, sichtbarem Licht, ultraviolettem Licht, Radarstrahlen, Röntgenstrahlen, Funk und Rundfunk vorstellen. Alle können gemeinsam im selben Raum existieren und bleiben doch voneinander gut unterscheidbar und haben alle verschiedene Erscheinungsformen.

So könnte man also als einfaches Modell die Energie von toter Materie, die körperliche Lebensenergie, die bewußte Mentalenergie, die unbewußte Mentalenergie und die magische Energie als Energieformen ansehen (natürlich gibt es noch weitere und auch viele Zwischenstufen), die ähnlich miteinander existieren.

Weil diese Energien nicht voneinander getrennt, sondern miteinander existieren und in gegenseitiger Wechselbeziehung zueinander stehen, können sie einander auch beeinflussen, ähnlich wie ein Funksignal ein Radiosignal stören kann. So kann eine Veränderung in der einen Ebene über eine Art Induktion auch eine Veränderung in der anderen Ebene bewirken und umgekehrt. Diese gegenseitige Beeinflussung der verschiedenen Energieformen ist in der Magie ein sehr wichtiger Grundsatz, den man als Resonanzprinzip bezeichnet.

Einander sehr nahe und ähnliche Energien beeinflussen einander natürlich leichter als einander fremde, voneinander entfernte. So können magische Energie und unbewußte Mentalenergie, die einander sehr ähneln, vielleicht mit einem Radiosignal und einem Funksignal verglichen werden und sich so leichter gegenseitig beeinflussen, während ein zum Beispiel mit sichtbarem Licht vergleichbarer Stein sich nur sehr schwer bis gar nicht vom „Radiosignal“ magische Energie verändern läßt.

Weil es sehr schwierig bis unmöglich ist, weit voneinander entfernte Energieformen durch eine Resonanz zu verbinden, weil sie eben völlig verschieden sind, bedient man sich eines Tricks. Einander ähnliche Energien beeinflussen sich wesentlich leichter, und so ist es nicht allzu schwierig, eine benachbarte Energieform zu erreichen. Diese verändert dann ihrerseits ihren nächsten Nachbarn und so weiter, bis eine Resonanzkette geschaffen wurde, die bis zur gewünschten Stufe reicht.

Diese Wirkung macht sich der Magier zunutze. Er setzt seine bewußte Mentalenergie auf eine Weise ein, die geeignet ist, das Unterbewußtsein so zu beeinflussen, daß es wiederum auf die magische Energie einwirkt, die so eine bestimmte Veränderung erfährt. Diese veränderte magische Energie wird ausgestrahlt, wobei die Art der Veränderung geeignet ist, die magische Energie des Zauberziels so zu manipulieren, daß dies wiederum zu einer Veränderung des dortigen Unterbewußtseins oder Bewußtseins, Körper, Materie oder was auch immer führt.

Der Magier erzeugt also eine Art energetischer Kettenreaktion, die seinen Willen transportiert, und die er dort auslöst, wo er es kann, nämlich in seinem Geist, seinem Wachbewußtsein, die dann bei ihm die Stufen unterschiedlicher Energien hinaufläuft, von der eigenen Spitze zur Spitze des Ziels überspringt und dort die Stufen wieder herunterläuft, bis sie (hoffentlich) auf der gewünschten Ebene zum beabsichtigtem Ergebnis führt.

Absichtliche Kettenreaktionen auszulösen, um damit gewünschte Veränderungen zu bewirken, ist das Ziel des Magiers. Durch mangelhafte Umsicht und Übung können aber auch ungewollte Kettenreaktionen ausgelöst werden, die auch zu unschönen Effekten beim Ziel oder bei sich selbst führen können.

Das Prinzip, diese eigenen und fremden subtilen Energien in Übereinstimmung mit dem Willen zu bringen, nennt man auch Synchronismus oder Synchronizität (Carl Gustav Jungs Ausdruck für „bedeutungsvoller Zufall“, den er gemeinsam mit dem Physiker Wolfgang Pauli prägte, um das anscheinend unzusammenhängende, „zufällige“ Zusammentreffen von Ereignissen oder Ereignissen und psychischen Geschehnissen zu beschreiben, die in einem offensichtlichen Sinnzusammenhang stehen). Dadurch können ganz reale Resultate auftreten, die aber bis heute durch die physikalische Wissenschaft noch nicht nachgewiesen sind.

1.7. Die Anwendung von Magie
Die Anwendung von Magie nennt der Volksmund „Zauberei“. Weil dieser Begriff jedoch durch Bühnenillusionskunst und Scharlatanerie einen negativen Beigeschmack bekommen hat, soll er hier nicht verwendet werden. Magier pflegen sie als magische Operation zu bezeichnen.

Nach dem Resonanzprinzip des Energiemodells kann das Unterbewußtsein durch seine magische Energie, die es aussendet (ob unbewußt oder gezielt durch den Willen des Magiers) auch auf andere magische Energien (eigene oder fremde) Einfluß nehmen, sie wahrnehmen und manipulieren, was wiederum zu Veränderungen dieser magischen Energie führt.

Diese Veränderung wirkt damit zurück auf das Unterbewußtsein und kann so letztlich auch zu „materiell greifbaren“ (realen) Veränderungen geistiger, körperlicher oder materieller Natur oder von Geschehnissen führen. Das ist dann im Prinzip das, was man mit Magieanwendung oder eben auch trivial mit „Zauberei“ meint.

Jemanden zu „verzaubern“ heißt also nichts anderes, als geistig über das Medium magische Energie indirekt Verbindung zu dessen Unterbewußtsein aufzunehmen und daraus Erkenntnisse zu ziehen oder dort Veränderungen gleich welcher Art herbeizuführen. Der Magier versucht, gemäß eines Vorhabens des praktischen Verstandes, Energien von einer Existenzebene auf eine andere zu überführen, um somit in Übereinstimmung mit dem Willen auf geistige Weise durch das Unterbewußtsein Veränderungen in der Realität zu bewirken.

Für den Magier ist die Beschäftigung mit Magie ein besonderer Erfahrungsraum, eine besondere Art des Erlebens, der Erkenntnis, des Eingebundenseins in die schöpferischen Kräfte des Universums und der aktiven Befähigung, in diesem wiederum schöpferisch (im Guten wie im Schlechten) aktiv und verantwortlich zu sein.

1.8. Die drei Standbeine magischen Wirkens
Die drei Standbeine jeden magischen Wirkens sind ein veränderter Bewußtseinszustand (Gnosis), der Wille und die Visualisierung.

Den veränderten Bewußtseinszustand, welcher der Schlüssel zu magischen Fähigkeiten ist, nennt man „magische Trance“, „gnostische Trance“ oder kurz „Gnosis“. Gnosis ist ein späthellenischer Begriff, der eigentlich soviel wie „intuitives, offenbartes Wissen“ beziehungsweise „Erkenntnis“ bedeutet und neben dem Zustand der gnostischen Trance auch die in diesem Zustand erlangten Erfahrungen und erworbenes praktisches Wissen, das „Gefühl“ für Magie meint. Damit wird die intuitive und subjektive Seite des magischen Handelns betont. Es handelt sich um eine gesteigerte „Klar“-Sicht, eine eigenartige Mischung aus Wissen und Gefühl, für die es im Deutschen keine richtige Entsprechung gibt. Das Wort Gnosis in seiner Bedeutung als Erkenntnis steckt zum Beispiel auch in Diagnose.

Ein veränderter Bewußtseinszustand bedeutet eine eindeutige qualitative Veränderung im mentalen Funktionsmuster des alltäglichen Wachbewußtseins. Neben der Gnosis gibt es zahlreiche unterschiedliche Spektren der Bewußtseinsveränderung, am bekanntesten sind Schlaf und Traum, aber auch die Effekte diverser Drogen. Der Wunsch, von Zeit zu Zeit sein Bewußtsein zu verändern, scheint zu einem wichtigen Bedürfnis des Menschen zu gehören. Seit der Steinzeit haben Menschen das bewußtseinsverändernde Potential der Pflanzen ihrer Umgebung zu diesem Zweck erprobt.

Die als Gnosis bezeichnete Form der Bewußtseinsveränderung, welche zum Beispiel durch Meditation oder mystische Erfahrung erlangt werden kann, ist von der Gewißheit einer neuartigen und qualitativ höherstehenden Klarheit und Einsicht in die tieferen Sinnzusammenhänge der Existenz gekennzeichnet.

Deshalb ist der Begriff der „gnostischen Trance“ hier nicht mißzuverstehen. Die gnostische Trance meint keineswegs etwa ein „geistiges Weggetretensein“ wie bei der hypnotischen Volltrance, bei welcher der Klient (oder das Opfer) jegliche Kontrolle über sein eigenes Tun verliert und vom Hypnotiseur beliebig zu manipulieren ist, und auch keine seltsamen Zuckungen, das Lallen in fremden Sprachen oder gar einen Drogenrausch.

Die gnostische Trance gleicht der hypnotischen zwar in einigen äußerlichen Merkmalen, doch bleiben Bewußtheit, die Willens- und die Entscheidungsfreiheit des Magiers dabei voll erhalten, auch wenn er sich dabei in einer anderen Realität befinden mag. Im Gegensatz zur einschränkenden Hypnose oder zum dämpfenden Rausch sind das Bewußtsein und die Wahrnehmung im Vergleich zum normalen Wachbewußtsein eher noch erweitert. Am kostbarsten ist dieser Zustand der Gnosis für den Magier gerade dann, wenn er ihn als besondere, klare Wachheit, als eine ganz eigentümliche Intensität aus dem Alltag heraus wahrnehmen kann.

Physiologen sprechen bei der gnostischen Trance von der Wirkung der Endorphine, körpereigene Stoffe mit drogenähnlicher, bewußtseinserweiternder Wirkung, die aufgrund bestimmter äußerer Reize im Gehirn ausgeschüttet werden und zu dem erwähnten veränderten Bewußtseinszustand führen.

Indem sich der Magier in diesen anderen, erweiterten Bewußtseinszustand versetzt und aus diesem heraus seinen bewußten Geist mit den Kräften seines Unterbewußtseins verbindet, ist er in der Lage, magisch zu arbeiten. Nur so ist es überhaupt erst möglich, magische Energien aus dem Unterbewußtsein heraus zu verstärken, zu erfassen und zu benutzen.

Ohne diesen Zustand der Gnosis kommt man an „die Magie“ tief in seinem Inneren gar nicht erst heran, und ohne sie nutzen Wille und Visualisierung so gut wie nichts und sind nicht erfolgreicher als „Positives Denken“ und ähnliche Psychopraktiken. Erst durch die Gnosis und die durch sie freigesetzte magische Energie können Wille und Visualisierung in die Realität umgesetzt werden.

Wie man sich in den Zustand der gnostischen Trance versetzen kann (sie kann beispielsweise im Verlauf eines Rituals durch die richtige Stimmung ganz von selbst erreicht werden), wird später auf der Seite mit den praktischen Übungen erläutert. Hier soll einstweilen die Theorie genügen.

Der Wille (altgriech.: Thelema), auch Willenssatz genannt, ist das Ergebnis, welches man von ganzem Herzen mit dem Zauber zu erreichen wünscht. Ohne einen festen, am besten genau ausformulierten Willenssatz bewirkt die Magie keine Veränderung beim Ziel. Die Intensität des Willens, mit der die Veränderung herbeigeführt werden soll, ist das Maß für die Stärke der Wirkung einer magischen Operation (im Volksmund: eines Zaubers).

Voraussetzung für jede Magie ist, daß man genau weiß, was man wirklich will. Diffuse Wünsche bewirken diffuse Ergebnisse, und die verlieren sich dann oft im allgemeinen Geschehen, so daß sie als Ergebnisse der eigenen Magie gar nicht mehr erkennbar sind.

Die Visualisierung, von „visio“ (lat.: Schau), oder Imagination, von „imago“ (lat.: Abbild), ist das aktive Hervorrufen von inneren Bildern. Es ist hierbei jedoch nicht im landläufigen Sinne von Einbildung gemeint, sondern im Sinne von Vorstellungskraft. Visualisieren ist die Kunst, sich das Zauberziel und den gewollten Zustand umfassend bildlich und real vorzustellen, ihn damit ins eigene Bewußtsein aufzunehmen, um Wille und Energie auf die Energie des Ziels zu projizieren. Ohne Visualisierung gibt es keine Verbindung zum Ziel, und alle durch Willen geformte Energie geht ziellos gestreut und somit schwach und wirkungslos am Ziel vorbei, ohne es zu „treffen“ oder in den gewünschten Zustand zu transformieren.

Die Visualisierung dagegen erzeugt einen gebündelten Strahl magischer Energie, richtet diesen auf das Ziel und überträgt energetisch den gewollten Zustand, sie ist also die Treffsicherheit und Genauigkeit einer magischen Operation. Nach den magischen Analogie-Grundsatz „was gleich aussieht, ist auch gleich“ trifft ein auf die Visualisierung konzentrierter Zauber das beabsichtigte Zielobjekt um so präziser, je genauer das imaginisierte Bild diesem in jeder Hinsicht gleicht. Das hat etwas damit zu tun, daß der Magier sein Zielobjekt in sein persönliches Bezugssystem aufgenommen haben muß, also eine persönliche Beziehung dazu geschaffen haben muß, um es mental-energetisch zu erreichen. Je deutlicher das Bild, desto intensiver ist der Bezug und desto besser ist auch die energetische Verbindung.

Das Ziel aller drei Techniken ist es, durch den Einsatz eigener Energie eine fremde Energie kraft des Willens der eigenen schwingungsmäßig anzugleichen, um somit den gewollten Zustand beim Ziel zur Realität werden zu lassen.

1.9. Die Wahrnehmung magischer Energien
Magier nehmen magische Energien über ihr Unterbewußtsein wahr. Weil es dafür kein sichtbares oder nachweisbares Sinnesorgan gibt, spricht man von erweiterter Wahrnehmung, im Volksmund auch sechster Sinn, drittes Auge oder zweites Gesicht genannt.

Diese erweiterte Wahrnehmung ist im Unterbewußtsein aktiv, aber nicht ständig für das Bewußtsein greifbar. Um magische Energien bewußt wahrnehmen zu können, muß der Magier vor allem seine eigene Wahrnehmung verändern.

Dies geschieht, indem er sich in den Zustand der Gnosis versetzt. Diese Verbindung von Bewußtsein mit dem Unterbewußtsein erlaubt es dem Unterbewußtsein, seine magischen Wahrnehmungen ins Bewußtsein zu projizieren. Mangels anderweitig geeigneter Medien bedient sich das Unterbewußtsein dabei der körperlichen Sinne, beziehungsweise den dafür zuständigen Bereichen des Gehirns, die für das Bewußtsein greifbar sind.

Die Form der Wahrnehmung kann von Magier zu Magier unterschiedlich sein. Bei den meisten ist es eine quasi-optische Wahrnehmung, d.h. der Magier glaubt das, was er spürt, auch zu sehen, meist durchscheinend oder halbdurchscheinend vor seinem inneren Auge, in das sichtbare Bild mit eingebunden. Was man da zu sehen glaubt, kann sehr unterschiedlich sein, meist sind es rauchschwadengleiche Linien und schleierartige Strömungen. Man kann diese Energien aber auch „riechen“, „schmecken“ mit den physischen Händen „fühlen“ usw. Die Form der Wahrnehmung ist dabei unerheblich.

Wenn man vom „Sehen“ oder von ähnlichen Wahrnehmungen magischer Energien spricht, handelt es sich bei diesen Worten nur um Annäherungen an einen Sachverhalt, den es im Sprachschatz nicht gibt, nämlich eine Wahrnehmung mit einem anscheinend nichtstofflichen Sinnesorgan des Unterbewußtseins, das sich der physischen Sinnesorgane lediglich als Zuträger und Visualisierungsinstrument bedient, um das Wahrgenommene dem Bewußtsein begreifbar zu machen, aber ohne diese Sinnesorgane wirklich zu benutzen.

Es ist nicht so, daß diese magischen Energien mal vorhanden wären und mal nicht, vielmehr liegt es am Magier, ob er sie als solche wahrnimmt oder nicht. Wie auch die Gravitation sind sie ständig gegenwärtig, weil alles Leben sie ununterbrochen emittiert.

Natürlich gibt es Phasen, in denen es dem Magier leichter oder schwerer fällt als sonst, den für die erweiterte Wahrnehmung erforderlichen Bewußtseinzustand herzustellen, aber das hat physische oder psychische Ursachen, die im Magier selbst begründet liegen, und sagt nichts über die Qualität der umgebenden magischen Energien aus.

1.10. Das Ziel der Beschäftigung mit Magie
Viel wichtiger als die Frage, was Magie eigentlich genau ist, ist vielmehr die Frage, warum man sich überhaupt mit ihr beschäftigen sollte und welches Ziel diese Beschäftigung verfolgt. Sicher kann man mittels der Magie Veränderungen in seinem Umfeld herbeiführen, doch das ist nur ein Nebeneffekt – die eigentlich wichtigste Veränderung geschieht im Magier selbst.

Die Arbeit mit Magie ist die willentliche Bewußtseinsveränderung mit dem Ziel, ein selbstbewußtes, selbstbestimmtes und kreatives Leben zu führen. Erreicht wird dies durch das verstärkte Verbinden der bewußten und unbewußten Bereiche des Geistes. Der Weg der Magie ist die ausgewogene Entwicklung beider Bereiche.

Magie ist in erster Linie die Arbeit an sich selbst, und deshalb hat sie viel mit Psychologie zu tun (und kann daher unter Umständen auch gefährlich sein). Das Verständnis von Magie fördert die Kommunikation zwischen Bewußtsein und Unterbewußtsein. Das Ziel der Magie ist die transformatorische Weiterentwicklung des Selbst. Für den wahren Magier ist der Weg das Ziel, und dieser Weg kann nie zu Ende gegangen werden.

Der magische Weg ist ein schwieriger Weg, weil man ihn weitgehend allein beschreiten muß. Das liegt zum einen daran, daß Lehrer, wie erwähnt, recht ungeeignet sind, zum anderen daran, daß es viele verschiedene Gebiete der Magie gibt und noch mehr Formen, damit umzugehen, und nicht zuletzt daran, daß jeder mit seiner ganz persönlichen Vorbildung, Neigung, Meinung und Begabung an einem anderen Punkt steht.

Als Wissenschaft und Kunst zugleich ist die Beschäftigung mit Magie aber zu keiner Zeit ein abgeschlossenes, fertiges System, sondern ständigen Wandeln und Lernprozessen unterworfen, so wie die Wissenschaft heute auch. Außerdem ist man gerade in der Magie ständig der Gefahr durch eigene Mißinterpretationen und unsinnige Lehren Dritter ausgesetzt. Hier hilft es nur, ruhig zu bleiben und kritisch (gerade auch selbstkritisch) nachzudenken.

2. Magie und Ethik
Bevor ein näherer Einstieg in die Magie behandelt wird, kommt man nicht umhin, sich mit einigen ethischen Gedanken zu beschäftigen. Tut man dies nicht schon im Vorfeld, so können einen später die Zweifel an sich selbst und die Versuchung von Fehltritten mitsamt ihrer Konsequenzen zu einem ziemlich ungünstigen Zeitpunkt einholen, und, wenn man nicht ethisch gefestigt ist, auch überrollen.

2.1. Der Unterschied zwischen Religion und Magie
Der Glaube, egal ob religiös oder esoterisch, erschafft ein Weltbild aus mystischen Erklärungen für die Fragen des Lebens. Glaube beginnt dort, wo das Wissen endet, denn er beruht nicht auf Fakten, sondern auf Hoffnung, und er ist in Regeln oder Dogmen gepackt, die sich seine Begründer ausgedacht haben.

Magie ist, nüchtern betrachtet, ein in sich logisches System geistiger Techniken, das auf erworbenem und erlebtem Wissen basiert, welches Schlußfolgerungen und damit persönliche Weiterentwicklung zuläßt. Sie liefert einfache, durchaus weltlich beziehungsweise psychologisch erklärbare Antworten auf die Fragen des Lebens.

Im Glauben macht man sich von äußeren Dingen (Kräften, Wesen oder Personen) abhängig und sich selbst klein, indem man sich in ein untergeordnetes Verhältnis zu ihnen setzt. Man ist dann auf die Gnade dieser Mächte angewiesen, um die man bitten muß. Man stützt sich dabei nur auf Hoffnung, denn was man zu erreichen sucht, erbittet man von außen und hofft, daß man es von dort bekommt.

In der Magie ist man frei und unabhängig von solchen Gedanken und Kräften. Magie ist die Kunst des Wissens, Wollens und Wagens, d.h. man nimmt sein Schicksal eigenverantwortlich (und auf eigenes Risiko) selbst in die Hand. Der Magier greift selbst zur Macht und bedient sich ihrer aus seinem eigenen Inneren heraus, um eigenverantwortlich Realität zu schaffen. Man kennt zwar seine Grenzen, kann sie aber auch erweitern (ein ständiger Prozeß) und ist unabhängig von allem anderen (außer von sich selbst) in der Lage, die Realität nach seinem eigenen Willen zu verändern.

Ein Magier bittet nicht, er befiehlt dem „Schicksal“ (durch „bedeutungsvolle Zufälle“ ablaufendes Geschehen), und er ist dabei unabhängig, es kommt nur auf die Stärke seines eigenen Willens an. Er braucht keine höheren Mächte, muß nicht einmal an solche glauben. Die Richtung seiner Entwicklung bestimmt der Magier selbst. Er ist nur seinem Gewissen verantwortlich. Die eigene Kraft wird dazu eingesetzt, die dem Ziel innewohnende Kraft zu manipulieren. Die Magie stützt sich auf den Willen. Der Magier hat somit zwar mehr „Arbeit“ als der religiös Betende, aber auch weitaus mehr Erfolg.

Selbst wenn man die Frage nach der Existenz höherer Wesen außen vor läßt, können Gebete aus rein psychologischer Sicht nur selten funktionieren. Einer der Gründe dafür ist bei vielen Menschen der, daß sie mit einer „Bitte“ zugeben, daß sie etwas nicht haben. Das Unterbewußtsein klammert sich dadurch an den Zustand des Mangels und hält daran fest, wodurch dieser Realität bleibt.

In der Magie wird dagegen der gewollte Zustand gedanklich als real anerkannt (Visualisierung). Der positive Effekt stellt sich durch die schöpferische Kraft der Gedanken und Gefühle (Gnosis) an die neue Realität ein. In dem Maße, wie es aus ganzem Herzen als Wahrheit erachtet wird (Wille), wird es sich auch in der Erfahrungswelt real manifestieren.

Es ist natürlich auch so, daß bei vielen Menschen beim Gebet die Bitte um Veränderung ebenfalls visualisiert wird, ähnlich wie es bei der magischen Technik der Fall ist. Bei manchen Menschen führt das auch zum Erfolg, nämlich dann wenn ihr Glaube und das Vertrauen auf Erfüllung ihrer Bitte so stark ist, daß das gewünschte Ergebnis – ähnlich wie bei einer magischen Operation – bereits als Realität angesehen wird. So können durchaus ähnliche Wirkmechanismen in Gang kommen.

Allerdings bleibt ein Unterschied, der wohl bei den meisten Menschen das „magische“ Funktionieren eines Gebets verhindert, nämlich der, daß das gewünschte Ziel nicht Ergebnis des eigenen festen Willens ist, sondern des guten Willens einer anderen, höheren Entität. Somit bleibt das Gebet eine Bitte, abhängig von fremdem Willen, egal wie groß das Vertrauen auf Erfüllung auch sein mag, denn einer Gottheit befiehlt man nicht.

Magie funktioniert aber nur durch eigenen festen Willen, ein Magier bittet nicht – er will etwas und befiehlt es, wobei er selbst die göttliche, schöpferische Rolle übernimmt und dadurch diese Abhängigkeit umgeht. Es gibt zwar durchaus Berichte, denen zufolge auch durch Gebet in festem Glauben tatsächlich Veränderungen der Realität bewirkt worden sind, doch erfordert dies einen ungeheuer starken Glauben und kommt sehr selten vor.

Da Glaube nicht auf Wissen beruht, ist es schwierig, belegbare Schlüsse zu ziehen und so weiter zu kommen. Hinzu kommt, daß es die ganze Mystifizierung dieser Lehren einem auch nicht gerade einfach macht, das System zu durchschauen. Regeln und Dogmen engen die Gläubigen ein, und hemmen sie mit Angst und Schuldgefühlen in ihrer persönlichen Entwicklung, wobei sie die Individualität unterdrücken. Und viele clevere Leute nutzen die – sagen wir mal – „Gutgläubigkeit“ der Menschen für persönliche Zwecke (Geld, Macht, Geltungssucht) aus (einige davon organisieren sich und nennen sich „Kirchen“, „Orden“, „Gemeinschaften“ usw.).

Das Ziel der Religion und Esoterik ist meist „Erleuchtung“ oder „Erlösung“, etwas, das zwar versprochen, aber selten gehalten wird, denn auch hier erhofft man sie sich von außen kommend, ohne die Möglichkeit, sie sich selbst aus eigener Kraft und aus eigenem Willen zu erarbeiten. Dieser Weg ist zwar leichter, da man weniger Eigenverantwortung übernehmen muß, führt aber selten über gewisse vorbestimmte Grenzen hinaus.

In der Magie erarbeitet man sich seinen Fortschritt (das Sicherschließen der eigenen inneren Kräfte und die eigene geistige Weiterentwicklung) selbst und ist nicht auf äußere Gnade angewiesen. Magie ist eigentlich nicht besonders kompliziert – sie wird nur von vielen furchtbar kompliziert gemacht. Jeder muß sich seine eigenen Regeln bilden, manche kommen mit wenigen aus, manche brauchen offenbar Hunderte. Das Ziel der Magie ist die Weiterentwicklung des Selbst – die Veränderung der Realität (das „Zaubern“) ist nur ein netter, aber sekundärer Nebeneffekt. Dieses Ziel erreicht der Magier durch die Arbeit an sich selbst, ein langer und schwerer Weg, aber auch ein äußerst erfolgreicher.

2.2. Magie und Religion nebeneinander
Um Magie auszuüben, muß man keine bestimmte Religion annehmen. Es ist vollkommen egal, ob man Heide, Asatru, Christ, Moslem, Buddhist, Hindu, Atheist oder sonstwas ist und ob man an keinen, einen oder mehrere Götter glaubt und wie stark gläubig man ist.

Auf die Magie selbst hat das keinen Einfluß – allerdings kann es Einfluß auf den Magier haben. Dieser ist nämlich seinem Gewissen verantwortlich, und wenn sich sein religiöses und sein magisches Gewissen nicht miteinander vertragen, dann hat er ein Problem, das so stark sein kann, daß es ihn nicht nur bei der magischen Arbeit behindert, sondern sogar psychisch schwer schädigen kann.

Streng genommen muß eine Religion eher als schädlich für einen Magier angesehen werden, weil Magie etwas sehr Individuelles ist und religiöse Dogmen gerade dazu dienen sollen, Individualität zu unterdrücken. Das ist besonders bei sehr dominant-dogmatischen Religionen wie dem Christentum und dem Islam so, aber selbst viele heidnische Strömungen, die sich selbst sehr heuchlerisch individualistisch nennen, versuchen viele Dinge durch Regeln und vorgegebene Dinge einzuengen („…bei uns ist alles ganz individuell und frei, aber du mußt es unbedingt so und so machen…“).

Viele Magier kommen dennoch sehr gut mit ihrer Religion klar. Dort, wo Glaube und religiöse Dogmen mit magischer Arbeit im Widerspruch stehen, muß man dann halt einen Kompromiß finden, und wenn das nicht möglich ist, muß man entweder seine Religion oder die Magie zurückfahren oder aufgeben. Wer das nicht kann, hat einen ernsthaften Konflikt, der mit Schuldgefühlen verbunden sein kann, welche der Psyche schwer schaden. Außerdem verankern sich religiöse Dogmen im Unterbewußtsein und behindern auch auf diese Weise durch Blockaden und Hemmungen den freien Zugang zu magischen Energien und das Arbeiten mit ihnen.

Aber auch wenn zum Beispiel das Christentum Magier und Hexen verdammt und als teuflisch ansieht, weil diese, indem sie den Kräften des Universums gebieten, sich auf „Gottes Terrain“ begeben (sich selbst vergöttlichen, beziehungsweise sich innerlich dem Göttlichen annähern), was in kirchlichen Augen Häresie ist, gibt es sehr wohl christliche Magier und Hexen, vor allem in den südlichen Bereichen Europas. Das eine muß das andere nicht ausschließen, denn es kommt noch der Unterschied dazu, ob man einem Gott oder aber bloß einer von Menschen geschaffenen Organisation, wie der Kirche oder einer anderen Sekte, treu sein möchte.

Natürlich ist es für einen Magier oder eine Hexe einfacher, die mit der Magie verbundene individualistische Lebensphilosophie auch mit einer entsprechend eingestellten Religion wie dem Heidentum (beziehungsweise Neuheidentum), dem Asatru oder dem Buddhismus zu verbinden oder als Atheist ganz auf eine Religion zu verzichten.

Ein Magier, der zu seiner persönlichen, inneren Stärke gefunden hat und ein klares Weltbild und eine gesunde Lebenseinstellung besitzt, benötigt eigentlich auch keine Religion mehr, weil er schon längst gefunden hat, was Religionen den Menschen geben sollten (jedoch oft nicht tun). Es geht aber, wie gesagt, auch mit Religion.

Wenn nicht wenige Magier christenfeindlich wirken, so hat das seine guten Gründe. Abgesehen von der vom Christentum gelehrten Feindlichkeit gegenüber Körper und Natur und einem „jenseitigen Gott“, der „nicht von dieser Welt“ (also unnatürlich) ist, und weiteren Dogmen zur Unterdrückung jeglicher Individualität und Natürlichkeit des Menschen, dem Missionierungswahn und der absoluten Intoleranz gegenüber jeder Abweichung, sowie den Greueltaten der Vergangenheit, wo im Namen der Kirche Hunderttausende angeblicher Magier und Hexen und vor allem auch Ketzer (also Kritiker) gefoltert, verstümmelt, verbrannt und gehängt wurden und später ganze Völker, wie zum Beispiel die Ureinwohner Amerikas und Australiens nahezu ausgerottet wurden, schlägt den Magiern auch heute noch Feindschaft entgegen.

Zwar findet keine offene Verfolgung mit Hinrichtung mehr statt, doch sorgen Kirche, sensationsgierige Medien und bigotte Spießbürgerlichkeit dafür, daß man sich nicht offen zu dem bekennen kann, was man wirklich ist, vor allem dann nicht, wenn man eine gewisse Stellung bekleidet oder sonstwie im Licht der Öffentlichkeit steht. Alle Andersdenkenden werden noch immer von der ignoranten und kirchlich beherrschten Mehrheit der „christlichen“ Bevölkerung gemäß den Hetzkampagnen bedenkenlos zusammen mit Satanisten, Sekten und Verrückten in einen Topf geworfen und geächtet.

Diese Hetze bewirkt, daß Magier in Positionen wie öffentlichen Ämtern oder als Geschäftsführer von Firmen, als Ärzte oder sonstige Dienstleister um ihre Existenz fürchten müssen, wenn ihre Lebensanschauung bekannt wird. Aber auch in dörflichen Gemeinschaften halten stockreaktionäre „Sittenwächter“ nach allem Ausschau, was nach „Andersartigkeit“ aussieht. Ist erst einmal ein Opfer gefunden, beginnt die Verfolgung – nicht mehr als bewaffneter Lynchmob, aber Meidung, üble Nachrede und gesellschaftliche Ächtung können einem auch schon schwer zu schaffen machen, und nicht selten eskaliert die Sache zu tatsächlichen Übergriffen, die schließlich als Sachbeschädigung oder gar Körperverletzung vor Gericht landen. Und leider kommt es zuweilen immer noch zu Morden oder Mordversuchen durch wahnhafte Weltverbesserer. Die Wirklichkeit belehrt jeden eines Besseren, der glaubt, auf die angebliche „Toleranz“ der „modernen“ Gesellschaft vertrauen zu können.

Umgekehrt dagegen sind Magier meist recht friedliche Zeitgenossen. Ihre Kirchenfeindlichkeit manifestiert sich gewöhnlich lediglich darin, daß sie Kritik an der Kirche äußern und über Mißstände und Widersprüche kirchlicher Lehren aufklären. Aktive Feindschaft, also Angriffe auf Christen, Priester oder Kirchengebäude, kommen seitens der Magier eigentlich nicht vor. Solche Anschläge sind eher das Werk spirituell Verwirrter oder Möchtegern-Satanisten, nicht von wirklichen Magiern (die im übrigen auch ganz andere Mittel dazu hätten). Außerdem wissen Magier wie auch wahre Christen sehr wohl, daß echtes Christentum und Kirche nicht dasselbe sind.

Natürlich haben auch die Magier die absolute Toleranz nicht für sich gepachtet, und sie setzen sich durchaus auch zur Wehr, wenn sie angegriffen werden, und sie rächen sich auch, wenn man ihnen nur genug Grund dafür gibt, jedoch paßt eine aktive Aggressivität von sich aus eigentlich nicht ins Weltbild eines Magiers. Er hat Besseres zu tun und ist in der Regel froh, wenn man ihn in Ruhe läßt.

2.3. Weiße und schwarze Magie?
Der einzige Unterschied zwischen Magiern, die sich selbst als „weiß“ oder „schwarz“ bezeichnen, besteht darin, daß der „weiße“ Magier sich in der Arroganz sonnt, sich selbst für gut, hilfreich und ehrenwert zu halten, und der „schwarze“ Magier sich in der Arroganz sonnt, sich selbst für böse, geheimnisvoll und mächtig zu halten.

Magie ist eine Form von Energie und als solche weder gut noch böse, weder weiß noch schwarz, sondern einfach neutral, ohne ihr innewohnende moralische Eigenschaften. Elektrischer Strom ist als Energie ja auch nicht gut oder böse, obwohl er nützen und schaden kann. Es kommt eben immer darauf an, was man damit macht und warum.

Begriffe wie schwarze und weiße Magie entstanden aus dem Klischeedenken des christlichen Volksglaubens, und diese Unterscheidung wurde rein zur Legitimation kirchlicher Handlungen benötigt. Schon in der frühen Geschichte des Christentums wurden von den Priestern rituelle und kultische Handlungen vollzogen. Diese wurden bis ins Mittelalter hin gepflegt und in manche Richtungen kontinuierlich ausgebaut.

Es gipfelte im Exorzismus, der immer dann angewandt wurde, wenn es darum ging, Menschen mit Visionen und Weltbildern, die nicht der allgemeinen Auffassung der Kirche entsprachen, so lange zu „behandeln“, bis der angebliche Dämon wieder ausgetrieben war. Alle heidnischen, rituellen oder magischen Handlungen wurden dann als schwarz und vom Teufel kommend abgetan. Was die Kirche dagegen an Handlungen vornahm, wurde dem Volk als weiß verkauft und damit gerechtfertigt, daß es von Gott käme.

Ebenso wurden heilende und helfende Zauber als weiß und böse, schädigende Zauber (meist den Hexen nachgesagt) als schwarz definiert. Aber dieses Schwarz-Weiß-Denken ist ebenso unsinnig wie die Vorstellung, daß ein Mensch nur böse oder nur gut sein könne. Man pendelt immer irgendwo zwischen beiden Extremen, aber ohne jemals eines zu erreichen.

Es käme auf die Absicht des Magiers an, bekommt man oft zu hören. Doch Magie als gut oder böse abhängig vom Magier zu bezeichnen, wäre ebenso, als wenn man ein Messer als gut oder böse bezeichnet, je nachdem, ob jemand damit als Koch in der Küche arbeitet, als Chirurg damit heilt oder als Mörder jemanden damit ersticht. Magie ist, ebenso wie das Messer, lediglich ein Werkzeug in den Händen des Magiers. Egal, was dieser damit tut, sie bleibt auch nur ein Werkzeug und damit neutral. Die Magie selbst wird also nicht gut oder böse, auch dann nicht, wenn mit ihrer Hilfe Gutes oder Böses getan wird.

Auch von weißen oder schwarzen Magiern zu sprechen ist nicht korrekt, weil, wie gesagt, niemand vollständig einer der beiden Ethiken von Gut oder Böse anhängen kann, wie sehr er sich auch darum bemüht. Magier können nicht schwarz oder weiß sein, allenfalls grau – vielleicht in verschiedenen (auch wechselnden) Grautönen, aber eben grau.

Magie danach zu klassifizieren, ob sie hilft oder schadet, sie sozusagen in „konstruktive“ und „destruktive“ Magie einzuteilen, ist ebenfalls ein Terrain mit Glatteis. Wenn ein Magier jemandem schadet, um ihn davon abzuhalten, einem Dritten etwas anzutun – hat er nun destruktive beziehungsweise schwarze Magie auf sein Opfer gewirkt oder konstruktive beziehungsweise weiße Magie, um den Dritten zu retten?

Die Neigung des Menschen, alles in zwei Schubladen einteilen zu wollen, versagt bei der Magie ganz einfach deshalb, weil es eben keine zwei Schubladen gibt. Alles gehört in eine, und die ist neutral. Auch wenn der Magier Gutes oder Böses im Schilde führt, die Magie selbst bleibt immer neutral. Und das Motiv eines Menschen in nur zwei extreme Fächer stecken zu wollen ist mehr als realitätsfremd.

Manche sind der Auffassung, daß „schwarze“ Magie stärker sei als „weiße“, also Schadenszauber stärker seien als helfende. Andere sind wiederum vom Gegenteil überzeugt. Das alles stimmt jedoch so nicht, denn abgesehen davon, daß es „Schwarz“ und „Weiß“, wie festgestellt, nicht gibt, ist Magie grundsätzlich immer nur so stark, wie der Ausübende beziehungsweise dessen Wille, Imagination und die Veränderung seines Bewußtseins. Dabei ist es völlig gleichgültig, zu welchem Zweck er seine Magie wirkt.

Ein wahrer Magier wendet Magie an, um seinen Weg zu gehen und dabei die Dinge heranzuziehen, die er benötigt, und jene Dinge beziehungsweise Kräfte zu entfernen, die ihm im Wege stehen oder schaden. Für ihn gibt es keine Dualität von „schwarz“ und „weiß“ oder „gut“ und „böse“ mehr, nur eigenverantwortliches Tun.

Solche dualistischen Konzepte sind auf Magie nicht anwendbar, nicht einmal im Sinne guten oder bösen Handelns. Die Magie folgt Naturgesetzen, und die Natur in all ihrer Vielfalt kennt gut und böse nicht. Die moralisch neutrale Magie fragt nicht nach gut oder böse, und sie ist wahrscheinlich nicht für jene Menschen geeignet, die sich noch keinen gut entwickelten Kodex persönlicher Ethik geschaffen haben, denn nur dieser schützt den Magier vor Entgleisungen.

Immer wieder bekommt man zu hören oder zu lesen, Magie dürfe nicht für eigennützige Zwecke eingesetzt werden. Das ist völliger Quatsch, der vermutlich von Leuten mit Helfersyndrom oder die zuviel „Charmed“ gesehen haben verbreitet worden ist. Selbstverständlich darf Magie eigennützig sein – ein Großteil dessen, was man im weltlichen Leben tut, ist es doch auch. Warum sollte man auch darauf verzichten, sich magisch selbst Vorteile zu verschaffen oder Nachteile zu beseitigen, wenn man Gleiches rein weltlich auch ohne schlechtes Gewissen tun könnte? Alles, was weltlich mit dem Gewissen vereinbar ist, kann man auch magisch tun, ohne seiner Psyche damit zu schaden. Umgekehrt werden alle magischen Handlungen der eigenen Psyche schaden wenn ihre weltlichen Äquivalente dies ebenfalls täten.

Natürlich kann und darf man auch helfend und uneigennützig (ist Hilfe wirklich uneigennützig oder befriedigt sie nicht vornehmlich das eigene Ego?) tätig sein, aber nur ein ausgeglichener und zufriedener Magier ist auch ein erfolgreicher Magier – und wer kann schon ausgeglichen und zufrieden sein, wenn er sich selbst nichts gönnt? Und letztlich ist das eigentliche Ziel der Magie, die Weiterentwicklung des Selbst, doch wohl das Eigennützigste, was man sich vorstellen kann.

2.4. Das Magiergesetz
„Tu was Du willst soll sein das ganze Gesetz.“ So formulierte es der berühmte Magier Aleister Crowley (1875 bis 1947) in seinem thelemitischen (von griech.: thelema, Wille) Gesetz. Und er hatte recht damit – nur ist es nicht ganz so simpel, wie es auf den ersten Blick scheint, und doch eigentlich ganz einfach.

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Der erste Satz des thelemitischen Gesetzes „Do what thou wilt, shall be the whole of the law.“ in Crowleys Handschrift
Der erste Satz des thelemitischen Gesetzes „Do what thou wilt, shall be the whole of the law.“ in Crowleys Handschrift
Um das anarchistische Magiergesetz wirklich zu verstehen, müßte man es allerdings etwas ausführlicher formulieren: „Tu was Du für richtig hältst, wenn Du die Konsequenzen Deines Vorhabens überdacht hast, die Verantwortung für Dein Tun zu tragen bereit bist und dies alles mit Deinem Gewissen vereinbaren kannst.“

Das klingt schon ganz anders, und im weiteren Verlauf wird noch deutlich werden, warum diese Ausformulierung ihre Gültigkeit hat. Obwohl die ausführliche Fassung eingeschränkter erscheint, sagt sie genau dasselbe aus, und sie bietet dennoch sehr viel Freiheit – mehr als manch einer vertragen kann.

Das Magiergesetz versteht sich aber nicht als eine Art moraljuristisches Gesetz, sondern will vielmehr als ein Naturgesetz begriffen werden. Deshalb bleibt es moralisch neutral, denn Magie ist keine Religion, und ihre Lehre ist daher weder bemüht, ihre Anwender moralisch zu erziehen, noch den Magiern einen guten Ruf in der Gesellschaft zu verschaffen. Somit beschränkt sie sich auch auf das rein Funktionelle und läßt das Ethische aus dem Gesetz heraus.

Dennoch erscheint die ausführliche Interpretation des Gesetzes bei aller Anarchie trotzdem noch ethisch geprägt, doch auch das hat rein logisch-funktionale Gründe, wie im Folgenden deutlich werden wird.

Die Magie folgt ihren Gesetzen, die für den Magier Naturgesetze sind, und funktioniert, soweit man es heute zu erkennen in der Lage ist, rein logisch, auch wenn es oft nicht so scheint, weil man die Gesetze einfach noch nicht verstanden hat und die Denkmodelle deshalb unzureichend sind. Daher macht die Lehre auch keine Vorschriften über die Art der Verwendung, sondern weist lediglich auf Konsequenzen und mögliche Gefahren hin. In einem Physikbuch steht schließlich auch nur, daß elektrischer Strom gefährlich ist, nicht aber, daß man zum Beispiel seine Türklinke nicht unter Strom setzen soll.

Es obliegt daher dem Magier selbst, darauf zu achten, daß er verantwortlich mit seiner Gabe umgeht. Die Magie schreibt ebensowenig moralische Verhaltensweisen vor wie die Physik. Diese muß sich der Anwender eines Naturgesetzes stets selbst definieren.

Es wird oft behauptet, daß wer die Magie negativ ausnutzt, sein Gleichgewicht mit dem Universum durcheinanderbringt und irgendwann die Konsequenzen daraus ziehen muß. Rein wörtlich genommen, ist das „Gleichgewicht mit dem Universum“ natürlich Unsinn, weil es eine Art „göttliche Ordnungsinstanz“ impliziert, die nicht existiert. Der dahinterstehende Gedanke aber ist eine Metapher dafür, daß jede Handlung (auch nichtmagischer Art) den Magier selbst und dessen Umgebung beeinflußt, sowohl durch die Tat als solche, als auch durch die Motive und Gedanken dahinter und durch die Reaktion der Umwelt darauf.

Insofern verändert sich ein „böser“ (oder besser: rücksichtsloser) Magier natürlich schon innerlich, verhält sich deshalb auch anders, und selbstverständlich wird dann auch seine Umgebung, die das mitbekommt, anders auf ihn reagieren. Durch sein rücksichtsloses Auftreten und Handeln bringt er schließlich andere dazu, sich von ihm abzuwenden, möglicherweise begegnen sie ihm sogar aggressiv.

Somit bekommt er schon irgendwann die Konsequenzen seines Tuns zu spüren, aber das ist keine „Rache des Universums“ oder „schlechtes Karma“, sondern schlicht und einfach eine logische Folge der Veränderung der Psyche und des Verhaltens eines Menschen durch das, was er denkt und tut, und die dadurch ausgelösten Reaktionen anderer ihm gegenüber.

Vielgepredigt ist auch die sogenannte „dreifache Wiederkehr“, eine Lehre, nach der alles, was man magisch tut, dreifach auf einen zurückfallen wird. Rein wörtlich betrachtet gaukelt dies eine dreifache Quantität vor, die natürlich absoluter Quatsch ist, dennoch wird es von vielen Verfechtern dieser Lehre genauso dargestellt, weil sie es selbst nicht verstanden haben oder es lediglich als Abschreckung benutzen, um beispielsweise in Hexenkreisen die Moral zu bewahren.

Eigentlich gemeint ist damit aber keine dreifache Quantität, sondern eher, daß das Echo eines Tuns in drei Schritten Spuren hinterläßt, nämlich erstens im eigenen Inneren, zweitens in der Umwelt und drittens bei der Reaktion der Umwelt gegenüber dem Magier.

Das gilt jedoch nicht nur für „negative“ Handlungen, denn ebenso ist es natürlich auch im umgekehrten Fall. Wer positiv auf andere zugeht, bekommt wahrscheinlich auch positive Echos. Das muß nicht immer so sein, denn durch Magie zu helfen kann trotzdem eine sehr einsame und auch undankbare Aufgabe sein, die von den Nichteingeweihten eben nicht honoriert oder sogar belächelt oder falsch verstanden wird.

„Actio gleich reactio“, formulierte es schon Sir Isaac Newton im 17. Jahrhundert richtig als zweites physikalisches Axiom, und das gilt nicht nur für die Physik. Wenn man etwas tut, löst man damit auch etwas aus, auf jede Handlung folgt eine Gegenreaktion. Dann trägt man die Verantwortung für die Resultate und muß mit den daraus resultierenden Konsequenzen leben. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Das Magiergesetz ist, richtig verstanden, insofern nur eine andere Formulierung von Newtons zweitem Axiom – einem anerkannten Naturgesetz.

Jede Anwendung von Magie wird den Ausübenden und dessen Ziel entsprechend seines Bestrebens verändern, daher sollte man sich vorher überlegen, ob man die Verantwortung für sein Tun und die möglichen Konsequenzen zu tragen bereit ist und dies alles mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Das ist der Sinn des Magiergesetzes, das sich ebenso auch auf jeden anderen Lebensbereich ausdehnen läßt.

„Tu was Du willst“ ist eben kein Freibrief für allerlei Untaten, denn das Wollen bezieht sich immer auch auf die Folgen eines Handelns, und welcher vernünftige Mensch will schon negative Konsequenzen bekommen?

Freiheit bedeutet immer auch Verantwortung und Wachsamkeit, auch und gerade sich selbst gegenüber. Das ist der Grund, warum wahre Magier sich die meiste Zeit über ohnehin freiwillig an eine weitere Einschränkung halten, nämlich: „Tu was Du willst, solange es niemandem schadet.“ Dieser Zusatz, den übrigens auch die Hexen fest in ihrem Glaubenssystem verankert haben, schützt den Anwender vor sich selbst, indem es ihn negative Echos eben gar nicht erst auslösen läßt. Er bleibt dem Magier als mahnende Schwelle des Gewissens auch zum Selbstschutz im Gedächtnis haften.

Für einen Magier ist es aber durchaus auch legitim, diesen Zusatz bewußt zu übertreten, das Magiergesetz wörtlich voll auszuschöpfen und absichtlich jemandem zu schaden, vorausgesetzt eben, daß er einen guten Grund dafür hat und aber dann auch in der Lage ist, die Verantwortung und Konsequenzen dafür zu tragen und mit seinem Tun und dem Echo leben zu können. Aber das wird, wie gesagt, bei einem vernünftigen Magier die Ausnahme bleiben, ebenso wie ein sogenannter magischer Krieg, über den später noch zu lesen sein wird, denn normalerweise hat ein Magier Besseres zu tun.

Die Ausübung von Magie ist, wie alle Handlungen mit weitreichenden und nicht immer ungefährlichen Auswirkungen, etwas, mit dem nur ein moralisch und ethisch gefestigter Charakter verantwortlich umgehen kann und sollte. Das ist auch die Kernaussage des Magiergesetzes. Natürlich verbietet dies niemandem, Magie nach Belieben anzuwenden, doch sollte man durchaus nicht darüber erhaben sein, sich durch die moralische Sicherheit des Zusatzes „solange es niemandem schadet“ auch selbst zu schützen – denn „niemandem“ schließt auch den Anwender selbst mit ein.

Natürlich darf man sich durch Magie auch persönliche Vorteile verschaffen. Das kann und darf man ja im weltlichen Leben auch tun. Aber um jemandem absichtlich zu schaden, sollte schon ein triftiger Grund vorliegen, so daß man es auch verantworten kann. Dasselbe gilt schließlich auch, wenn man einem anderen rein weltlich Schaden zufügt.

Verbrechen wie Sachbeschädigung, Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Vergewaltigung und sogar Mord sind Dinge, welche die meisten Menschen im Normalfall entweder deswegen nicht tun, weil es für sie ethisch nicht in Frage kommt oder weil sie die Konsequenzen durch die immer besser werdenden weltlichen Strafverfolger fürchten.

Ein mit böser Absicht gegen einen Menschen gewirkter Zauber ist immer ein Angriff auf dessen Seele. Eine Manipulation soll diese versklaven, und ein Schadenszauber soll das Wohlbefinden beeinträchtigen. Auf magischer Ebene ist beispielsweise ein Liebeszauber nichts anderes als Freiheitsberaubung und Vergewaltigung auf weltlicher Ebene, ein Schadenszauber nichts anderes als Körperverletzung oder Sachbeschädigung und ein Todeszauber nichts anderes als ein heimtückischer Mord.

Nur weil es keine „magische Polizei“ gibt und weil einen Zauber „ja niemand sieht“, fühlen sich etliche Möchtegern-Magier befleißigt und auch sehr sicher dabei, bedenkenlos allerlei Negatives auf ihre Mitmenschen loszulassen. Natürlich wird man auch so gut wie nie dabei „erwischt“, doch daß man „einfach so davonkommt“ ist ein Trugschluß.

Auch ohne „karmisches Gesetz“ oder „göttliche Ordnungsinstanz“ bekommt man mit der Zeit die Quittung für sein Tun. Man muß sich nur einmal vor Augen halten, wie sich jemand nach und nach psychisch negativ verändert, der ständig Verbrechen begeht.

Und auch auf magischer Ebene, bei „Verbrechen, die keiner sieht“, ist das so, denn die Psyche macht keinen Unterschied zwischen Weltlichem und Geistigem – zumal der Magier Gewolltes ja als real ansehen muß, damit sein Wirken funktioniert. Insofern bestraft man sich durch die psychologischen Wirkmechanismen im Grunde selbst, denn entweder verroht die Psyche mit der Zeit, was sich im Eigenempfinden, der Wirkung auf andere und deren Reaktionen niederschlägt, oder es werden Schuldgefühle erzeugt, die ebenfalls die Lebensqualität stark beeinträchtigen und dem Magier zudem Blockaden verschaffen können.

Wer von seiner Ethik her keine weltlichen Verbrechen begehen will, sollte daher auch von magischen Verbrechen Abstand nehmen, denn ethisch wie auch psychisch gibt es hier keinen Unterschied. Ausnahmen sind – je nach persönlicher Ethik – zwar möglich, bedürfen aber einer begründeten Rechtfertigung, damit man sie unbeschadet vor sich selbst verantworten kann. Wer sie verantworten kann, der mag sie auch ausführen. Wer man ist, zeigt sich darin, was man tut.

Wer die Verantwortung für sich selbst und sein Tun nicht wirklich in die eigene Hand nehmen kann oder mag oder seine Aggressionen und dunklen Tendenzen nicht zu zügeln in der Lage ist, der sollte sich überlegen, ob es nicht richtiger wäre, zunächst an sich selbst zu arbeiten, bevor man sich der (magischen) Arbeit an anderen zuwendet, sonst richtet man nur Schaden an – auch und gerade bei sich selbst.

Somit ist das Magiergesetz auch kein Gesetz im engeren Sinne, gegen das man unter keinen Umständen verstoßen dürfte. Es ist lediglich ein Hinweis auf ein Naturgesetz und auf mögliche Konsequenzen, aber kein Verbot. Jeder ist für sich und sein Tun selbst verantwortlich, dies ist die eigentliche Kernaussage.

Es werden oftmals auch noch andere „Gesetze“ der Magie genannt, aber davon sollte man sich nicht beeindrucken lassen. Dabei handelt es sich in der Regel lediglich um Beobachtungen, die in seinem sehr dogmatischen (Glaubens-)Kontext entstanden sind. Sobald man selbst an diese Gesetze glaubt, wirken sie vielleicht auch, weil das Unbewußte diese Überzeugung zu erfüllen versucht. Doch sobald man aufhört, an sie zu glauben, verlieren sie ihre Wirkung, und dies ist ein deutliches Zeichen dafür, daß sie nur selbst verursacht werden.

2.5. Schadenszauber und Flüche
Aggressive Magie ist alles, was anderen schadet oder sie manipuliert und was auf sie gegen ihren Willen und ohne ihr Wissen gewirkt wird. Deshalb lehnen Magier mit nichtaggressiver Ethik solche Dinge ab, gerade auch deshalb, weil diese Form der Magieanwendung auch negative Auswirkungen auf den Magier selbst haben kann.

Diese Art von Magie wird gezielt zum Schaden eines Menschen eingesetzt. Wenn man jemandem ein Unglück, irgendetwas Negatives oder eine Beeinflussung gegen seinen Willen angedeihen läßt so ist das ein Schadenszauber. Wenn plötzlich alles in die Brüche geht, was jemand anfaßt, so kann dies die Auswirkung eines solchen Fluches sein.

Die Kunst der Fluchverhängung spielte früher eine wichtige Rolle bei kriegerischen Auseinandersetzungen mit feindlich gesonnenen Gemeinschaften, führte andererseits aber dazu, daß Magier oder Hexen auch in ihrer eigenen Gemeinschaft immer gefürchtet blieben, was sie stets anfällig für Verfolgung machte.

Ein Schadenszauber muß einem Menschen nicht zwangsläufig direkt körperliche Schmerzen, physische Verletzungen, Krankheiten oder den Tod bereiten, sondern wirkt sich eher auf sein Handeln oder sein „Schicksal“ aus. Aber auch das Erstgenannte ist möglich, jedoch schwierig, und ich werde aus ethischen Gründen hier sicher keinen detaillierten Lehrgang darüber abhalten.

Ganz wichtig dabei ist, daß das Opfer an diesen Fluch glaubt – aber der Vorteil ist, daß es genügt, wenn das Unterbewußtsein des Opfers vom Fluch Kenntnis erlangt und an ihn glaubt, denn das Unterbewußtsein kann man über Magie (Telepathie) erreichen, auch ohne daß das Opfer davon etwas bewußt mitbekommt.

Ganz fiese Naturen setzen das Opfer über ihren Fluch auch noch wirklich in Kenntnis, denn das Bewußtsein kann die Erfüllung eines Fluches noch weiter unterstützen, auch und gerade wenn es sich dagegen wehrt. Doch dann sieht man sich als Magier eventuell auch der Gefahr eines Gegenangriffs oder Rache ausgesetzt.

Diese Zauber eignen sich besonders dazu, einer ungeliebten Person einen Denkzettel zukommen zu lassen, wobei man immer bedenken sollte, daß das, was man tut, irgendwie auch Auswirkungen auf einen selbst haben kann und man dafür verantwortlich ist, was man tut.

Ein Schadenszauber kann aber auch in den meisten Fällen eine persönliche Konfrontation mit den betreffenden Personen beziehungsweise den eigenen Einsatz in einer Sache nicht ersetzen. Magie kann jedoch dazu dienen, sich einen kleinen Vorteil zu verschaffen oder eine ansonsten aussichtslose Sache doch noch zu positivem Ausgang zu bringen.

Falls es doch mal um eine Person geht, so ist es besser, den Zauber entweder allgemein zu formulieren oder ihn so zu formulieren, daß er auf einen selbst wirkt. Bei sich selbst ist die Akzeptanz für die Wirkung größer als beim sich dagegen wehrenden Gegner. So ist es meist erfolgreicher, sich selbst zu stärken, als den Gegner zu schwächen, und dennoch gelangt man in der Konfrontation zum gewünschten Ergebnis.

Die Wirkungsweisen und -techniken von Flüchen sind übrigens dieselben wie die von Segen oder helfenden Zaubern. Der Inhalt mag ein anderer sein, aber ihre Wirkmechanismen im Unterbewußtsein des Betroffenen sind gleich.

2.6. Liebeszauber
Liebeszauber zählen zu den am häufigsten nachgefragten Zaubern bei allen Magiern, Hexen und Wundertätern, und die meisten durchgängig seit dem Mittelalter bis heute in „Zauberbüchern“ wiedergegebenen Rituale drehen sich um dieses Thema. Das ist auch kein Wunder, denn nichts motiviert mehr, als eine unerwiderte Liebe, und kaum jemand, der sich nicht schon einmal die eine oder andere Erfüllung in dieser Richtung gewünscht hätte.

Das liegt daran, daß alle Menschen Liebe brauchen. Ohne sie ist das Leben leer und elend. Nachdem seine grundlegenden Überlebensbedürfnisse erfüllt worden sind, verlangt es den Menschen nach Zuneigung und Freundschaft. Wird diese nicht von selbst erlangt, so versuchen einige sie zu erzwingen. Und nichts kann so schmerzhaft sein, wie jemanden zu lieben, ohne selbst von dieser Person geliebt zu werden. Infolgedessen ist der Liebeszauber auch der wohl am häufigsten verlangte und auch gewirkte Zauber. Scharlatane, von „ciarlatano“ (ital.: Gaukler, Schwindler), machen aus diesem Bedürfnis ein Millionengeschäft.

Ein Liebeszauber soll dergestalt auf einen anderen Menschen einwirken, daß dieser sich zum Urheber des Zaubers (oder zu dessen Klienten) hingezogen fühlt, sich im Idealfall in diesen verliebt, und diesem sexuell gefällig ist. Es handelt sich also um eine Beeinflussung des Geistes (genauer: des freien Willen) eines anderen Menschen. Deshalb gehören Liebeszauber in den Bereich der aggressiven, manipulatorischen, negativ wirkenden (laienhaft ausgedrückt: schwarzen) Magie.

Viele sogenannte Liebeszauber sind in Wirklichkeit eigentlich Zauber für sexuellen Besitz, d.h. das Opfer soll dem Nutznießer des Zaubers gegenüber sexuell willig gemacht werden. Nicht, daß dies überraschend wäre, denn Sex gehört auch zu den grundlegenden Bedürfnissen, und oft verlangt es den Anwendern dieser Zauber eher nach körperlicher als nach seelischer Liebe in Hinblick auf eine bestimmte Person. Aber auch für sexuelle Zauber können dieselben ethischen Standards angewendet werden, wie für die Liebeszauber.

Mal ganz abgesehen von Moral und Ethik, ein Liebeszauber hat nichts mit echter Liebe zu tun. Wahre Liebe entsteht natürlich, und sie erfreut sich selbstlos an der Existenz des Anderen, sie ist frei von Besitzdenken und gegenseitigen Ansprüchen.

Verliebtheit, unerwiderte Liebe und Liebeskummer sind seelisch schmerzhafte und auch meist unerträgliche Zustände starker emotionaler Verwirrung, in denen dem Betroffenen Ethik und Moral meist nicht mehr so viel gelten wie die Wunscherfüllung, die dann häufig recht wenig Rücksicht auf die Belange des Partners nimmt. Häufig wird dann blind nach einem scheinbaren Ausweg gesucht, und der scheint dann für nicht wenige der Liebeszauber zu sein.

Oft werden Liebeszauber damit zu rechtfertigen versucht, daß Liebe doch eine gute Sache sei. Das ist sie ja auch – aber eben die auf natürliche Weise entstandene Liebe. Ein Liebeszauber würde jedoch den freien Willen einer Person beeinflussen und ihr einen fremden Willen aufzwingen. Ein solcher Zauber bringt einen Menschen vielleicht zu Handlungen, die er selbst niemals freiwillig tun würde, und zu Gefühlen, die niemals von allein in ihm entstehen würden.

Auch im Namen einer „guten Sache“ wie der Liebe, ist das eine Manipulation gegen den freien Willen und daher sehr negativ zu betrachten. Deshalb wäre ein Liebeszauber streng genommen nicht nur ein Fluch, sondern sogar ein Verbrechen (auch wenn es gesetzlich nicht strafbar ist, aber eben ein moralisches Vergehen). Und das ist jeder Zauber, der auf eine Person gegen deren Willen oder ohne deren Wissen gewirkt wird. Die langfristigen psychischen Auswirkungen von Liebeszaubern beziehungsweise sexueller Zauber auf den Nutznießer entsprechen im Grunde denen der Verbrechen Freiheitsberaubung und sexueller Nötigung/Vergewaltigung auf weltlicher Ebene.

Ein Liebeszauber mag zwar den Geist des Opfers manipulieren, aber er kann keine echten Gefühle und schon gar keine echte Liebe hervorrufen. Eine aus einem Liebeszauber entstandene Beziehung ist deshalb nur eine Lüge, ein Schauspiel, inszeniert vom Magier, aber niemals entsteht daraus eine echte, innige Beziehung. Eines der wichtigsten Dinge in der Liebe ist schließlich die seelische Übereinstimmung, und sich die Seele des anderen durch Magie „zurechtzubiegen“ ist wahrhaft kein Zeichen aufrichtiger Liebe des Anwenders.

Oftmals ist eine Beziehung auch gar nicht das Ziel eines Liebeszaubers, sondern er wird rein aus dem Motiv des körperlichen Begehrens heraus gewirkt, aus egoistischem Verlangen, bei denen sich der Magier oder Auftraggeber über die Rechte und den freien Willen des Opfers einfach hinwegsetzt.

Ein Liebeszauber nimmt dem Opfer seinen freien Willen und damit seine Freiheit. Sexuelle Zauber sind damit vergleichbar, ein Opfer mit Drogen willenlos zu machen und dann sexuell zu mißbrauchen. Letztlich schaden solche Dinge also der eigenen Psyche, ebenso wie sich die eines weltlichen Verbrechers durch solche Taten negativ verändern würde.

Selbst wenn man den moralisch-ethischen Aspekt beiseite lassen und die psychische Eigenveränderung hinnehmen würde, wozu viele in solchen Ausnahmesituationen ja auch bereit sind, sollte man sich folgende Fragen stellen: Will man wirklich, daß der andere nur deshalb mit einem zusammen ist, weil sein freier Wille einem Zauber unterliegt? Oder möchte man nicht lieber um seiner selbst willen auf ehrliche, freiwillige und natürliche Weise geliebt werden oder, wenn es so nicht sein soll, nicht lieber auf eine Beziehung verzichten, die gar nicht echt ist? Wie wäre es wohl, selbst das Opfer eines Liebeszaubers von jemandem zu sein, den man selbst ablehnt?

Im Grunde ist das Opfer eines solchen Zaubers nur eine willenlose „Hülle“, die sich zwar zu einem hingezogen fühlt, aber nicht einmal weiß warum. Im Unbewußten wird das Opfer daher psychisch unter diesem inneren Widerspruch leiden und niemals wirklich glücklich sein. Und das bekommen beide Partner durch einen Liebeszauber auch immer und immer wieder zu spüren.

Darüberhinaus manipuliert ein Liebeszauber häufig genug auch seinen Nutznießer. Im schlimmsten Fall ist das Opfer durch einen starken Willen oder einen Zauber so gut geschützt, daß der Zauber auf seinen Urheber zurückfällt, der fortan dem Opfer völlig verfallen sein wird. Aber auch wenn das nicht passiert, hat der Liebeszauber dennoch häufig genug Auswirkungen auf den Nutznießer, der ihn schließlich in einem (echten oder sich selbst eingeredeten) Gefühl von Liebe wirkt, welches der Zauber natürlich als Träger dieses Willens ebenfalls aufgreift und auch im Anwender verstärkt.

Das kann zur Folge haben, daß solche künstlichen Beziehungen richtig lange halten, selbst wenn die Partnerschaft schon lange nicht mehr wünschenswert ist, auch seitens des Nutznießers nicht mehr. Daraus resultiert dann eine ziemlich schlimme Beziehung, in der auch der Nutznießer todunglücklich ist, doch – selbst verzaubert – unfähig und nicht willens ist, den Zauber aufzuheben oder einen Gegenzauber zu wirken.

Die Beziehung einfach zu lösen, funktioniert auch nicht, da man meist nicht dazu fähig ist, oder aber der noch immer verzauberte Partner wie wahnsinnig klammert und man ihn nicht mehr los wird. Es kann eine absolute Abhängigkeit voneinander (und von diesem Zauber) entstehen, egal wie schlecht diese Beziehung auch sein mag.

Bemerkt man, daß man die andere Person doch nicht mehr liebt, weil sie nicht das ist, was man sich von ihr erhofft hat, oder man sich anderweitig verlieben sollte, ist das wahrhaftig keine schöne Situation. Es kann auch passieren, daß man sich trennt, mal vom einen, mal vom anderen ausgehend, dann aber durch die Macht des Zaubers immer wieder zusammenkommt, und das Spiel wieder von vorn losgeht.

Ebenfalls häufig passiert es, daß eine durch Magie zustande gekommene Beziehung erst ein paar Monate gutgeht, es dann einen riesigen Knall gibt, dem eine Trennung folgt, und es entwickelt sich Haß. Dennoch kommt man gegenseitig nicht mehr voneinander los, weil kein wirklicher Schlußstrich gezogen werden kann, und ein langer, schmerzvoller Leidensweg beginnt.

Liebeszauber sind eine Selbsttäuschung für Kurzsichtige, denn langfristig schaffen sie nur noch mehr Leid und Schmerz.

Bevor es also Anfragen hagelt: Nein, ich wirke keine Liebeszauber, weder für mich, noch für meine Freunde, noch für sonstwen, und auch nicht für Geld. Es erwächst nämlich nichts Gutes daraus – und ein solcher Zauber muß zudem aufrechterhalten, also permanent mit Energie versorgt werden, was recht anstrengend ist, sonst kommt nämlich eines Tages das böse Erwachen.

Deshalb werde ich an dieser Stelle auch nicht erklären, wie man so etwas durchführt. Und auch jene, die „von selbst darauf kommen“, weil sie als Magier den richtigen Weg spüren, kann ich nur warnen, so etwas nicht zu tun. Jeder ist seinem eigenen Gewissen verantwortlich und wird dadurch beeinflußt, was er tut.

Aber ich empfehle jenen, die auf der Suche nach Liebe sind oder eine bestehende Beziehung retten wollen, etwas viel Besseres und auch Wirksameres: den indirekten Liebeszauber. Dieser wirkt nicht auf eine andere Person, sondern auf den Suchenden selbst. Natürlich ist ein indirekter Liebeszauber auch eine Manipulation, aber auf sich selbst, und daher ist man damit einverstanden. Er verbessert ganz einfach das Selbstbewußtsein, das Auftreten, die Ausstrahlung und damit auch die Attraktivität.

Das eigentliche Ziel des Zaubers ist es aber nicht, dauerhaft „magisch“ attraktiv zu wirken, denn auch das muß man aufrecht erhalten. Nein, Ziel ist es vielmehr, daß man das für kurze Zeit tut, um daraus zu lernen – zu lernen, wie es ist, wie es sich anfühlt, attraktiver zu sein oder sich so zu geben. Wenn man das verstanden und verinnerlicht hat, kann man es ins wahre Leben zumindest ein gutes Stück weit übernehmen und sich selbst auf natürliche Weise ändern und verbessern. So wird man auch in Liebesdingen erfolgreicher sein, mit dem Ergebnis, daß sich vielleicht dadurch ganz von selbst der gewünschte Erfolg einstellt, weil man beim anderen nun in einem neuen Licht erscheint, wenn man es wirklich will. Dieser Erfolg muß sich nicht einmal unbedingt beim angestrebten Partner zeigen, aber die Welt ist ja voller Alternativen.

Der indirekte Liebeszauber funktioniert wie jeder andere Zauber auch durch magische Trance, Willen und Visualisierung. Die praktische Ausgestaltung sollte man – wie bei jedem Zauber – selbst entwickeln, damit er auch auf einen persönlich zugeschnitten ist. Ob er kurzzeitig, länger oder sogar dauerhaft wirkt, liegt dann daran, was man will. Allerdings muß der Zauber aufrecht erhalten, d.h. weiter mit Energie versorgt werden, so lange er wirken soll. Das geschieht zwar mehr oder weniger unbewußt, kostet aber auf Dauer eine Menge Kraft, also nicht übertreiben.

Der wichtige Unterschied zu einem Liebeszauber ist aber, daß es ein positiv wirkender Zauber ist, mit dem das Ziel (man selbst) einverstanden ist, keine Beeinflussung einer dritten Person ohne deren Zustimmung, und das ist für die Psychen des Magiers und auch für die des Ziels (falls nicht identisch) und auch für die des angestrebten Partners ein ganz wichtiger Unterschied – auch für sein Gewissen.

Die Magie dient hier als Lernhilfe, nicht als manipulatorisches Werkzeug. Es ist eine kleine Stütze auf dem Weg eines Magiers, dessen ständiges Ziel die Verbesserung (Transformation) des Selbst ist – zumindest für den, der das Wesen der Magie verstanden hat…

Aber wenn jemand sein Herz nun mal bereits an eine ganz bestimmte Person verloren hat, und diese Liebe nicht erwidert wird, so gibt es auch für diese schmerzhafte Konstellation den richtigen Zauber, nämlich jenen, der nur auf den verzweifelten Liebenden wirkt, ihm hilft, loszulassen, und der bei ihm genau diese Schmerzen unterbindet – zugegeben, keine leicht zu erreichende und vielleicht auch nicht so befriedigende Lösung, aber wenigstens ein ohne Konflikt gangbarer Weg.

2.7. Verantwortung
Mit wachsender Möglichkeit der Beeinflussung wächst natürlich auch die Verantwortung gegenüber Mitmenschen, gegenüber Kultur und Natur. Man kann seinen Weg frei wählen, aber Freiheit wird oft nur mit Verantwortungslosigkeit verwechselt. Freiheit bedeutet immer auch Wachsamkeit, und sie macht eine Menge Arbeit. Bei Mißachtung dieser Verantwortung neigt der Erfolgsmagier dazu, schließlich nur noch Eigentore zu schießen, der Wanderer auf seinem Pfad kann diesen leicht wieder verlieren.

Ein Problem, das oft entsteht, wenn jemand seinen Weg kraftvoll geht, ist, daß er leicht Nachahmer findet, was natürlich Unfug ist, da jeder Mensch einen eigenen charakteristischen Weg hat. Und sicher ist es auch eine der Fallen für Magier, sich von einer wachsenden Anhängerschaft geschmeichelt zu fühlen. Das Gegenteil sollte der Fall sein, und aus der Lehre eines guten Meisters gehen nicht gute Schüler, sondern eigene Meister hervor.

 3. Der Magier

3.1. Wie sieht ein Magier aus?
Viele Menschen haben die Vorstellung, daß ein Magier eine mit magischen Symbolen bestickte Robe und einen spitzen Hut oder einen dunklen Umhang mit riesigem Kragen trägt, einen Zauberstab mit seltsamen Applikationen daran in der Hand hält, hoch droben in einem einsamen Turm wohnt, eine Hakennase und schmale Lippen hat, immer finster dreinschaut, ständig geheimnisvolles Zeug murmelt oder heimtückisch kichert und stets in einer Rauchwolke erscheint oder verschwindet, anstatt Türen zu benutzen, und selbstverständlich einen Pakt mit dem Teufel, Dämonen oder anderen bösen Mächten geschlossen hat.

Das ist natürlich alles Unsinn. Warum sollten Magier anders aussehen als jeder andere Mensch auch? Äußerlich unterscheiden sie sich generell überhaupt nicht vom Rest der Menschheit. Allenfalls durch dezente Zeichen, wie ein getragenes Pentagramm, geben sich manche zu erkennen, doch solche Zeichen werden auch von anderen Leuten getragen, die mit wahrer Magie nichts zu tun haben.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen unter den Magiern, die sich tatsächlich aufdonnern und sich mit allerlei „magischem“ Krimskrams behängen, wie Ringen, Kristallen, Amuletten, besondere Kleidung, etc., um damit ihre „esoterische“ Wichtigkeit meinen unterstreichen zu müssen.

Dadurch sind sie aber noch lange keine Magier oder „Esoteriker“. Esoterik bedeutet „von innen kommend“. Alle äußeren „magischen“ Attribute haben einen exoterischen Charakter, und solange jemand Magie im Äußeren sucht, steht er noch auf der untersten, exoterischen Stufe des Weges. Klischee-Magier
Bei auf solche Weise aufgemachten Magiern scheint entweder der Mangel an Selbstwert größer zu sein als ihr Können oder aber sie tun es aus kommerziellen Werbezwecken oder aus Geltungssucht heraus, und solch ein Verhalten hat nichts mit Spiritualität zu tun.

Wer am meisten wie ein Klischee-Magier aussieht, ist wahrscheinlich auch am weitesten von der Magie entfernt und mit ziemlicher Sicherheit sogar ein Scharlatan. Ein wahrer Magier hat es nämlich nicht nötig, sich so herauszuputzen, da für ihn solche Dinge gar nicht wichtig sind.

3.2. Woran erkennt man einen Magier?
Es ist schwierig, Magier so ohne weiteres zu erkennen, denn gewöhnlich gehen diese nicht mit ihrer Gabe hausieren. Ein Magier unterscheidet sich von einem gewöhnlichen Menschen durch seine „inneren“ Qualitäten, wie Zentriertheit, Gelassenheit, spirituelle Erkenntnis und Bewußtheit seines Weges. Während der Nichtmagier sich gewöhnlich meist mehr oder weniger murrend in sein Schicksal fügt, sucht und findet der Magier Mittel und Wege, sein Schicksal zu lenken, Probleme zu lösen und auch Niederlagen in Siege umzuwandeln.

Manche, nicht alle, entscheiden sich dafür, anderen Menschen mit ihren Fähigkeiten zu helfen und machen entsprechend Werbung. An ihrem Erfolg zeigt sich, wie gut sie sind, und sicherlich gibt es weitaus mehr Scharlatane als echte Magier.

Andere Magier benutzen diese Kraft, um ihren eigenen Weg zu gehen und verhalten sich dabei eher unauffällig.

3.3. Was macht ein Magier?
Auf Dauer ist es wirklich zu anstrengend, ständig finster dreinzuschauen, geheimnisvolles Zeug zu murmeln, heimtückisch zu kichern, täglich Leute zu verfluchen, zu verwandeln oder zu verzaubern, den Teufel zu verehren, in blutigen Ritualen Jungfrauen zu opfern, sich mit soeben beschworenen Dämonen herumzuärgern und gleichzeitig noch daran zu werkeln, die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Deshalb tun Magier auch ganz andere Dinge, als Volksmeinung und Boulevardpresse es ihnen nachsagen. Ein Magier in der heutigen Zeit übt genauso normale Berufe aus wie jeder andere auch. Daher hat er auch einen ganz gewöhnlichen Tagesablauf. Nur hat er einfach eine andere Einstellung zur Natur, zum Universum, zu seinem Unterbewußtsein und dessen Kräften, und er achtet deshalb mehr auf diese. Ab und zu benutzt er seine Kräfte auch, um Erkenntnisse zu erlangen oder etwas zu bewirken. Aber mit den typischen Klischeevorstellungen hat magisches Arbeiten nichts zu tun.

Ganz allgemein ausgedrückt ist ein Magier ein Mensch, der eine entschiedene Anstrengung unternimmt, um aus sich selbst heraus eine tatsächlich funktionierende Beziehung zwischen seinem Inneren und seiner äußeren Realität herzustellen, weil er nicht damit zufrieden ist, nur eine Marionette im großen Spiel zu sein, sondern auf eigenes Risiko mitspielen will.

Magier streben zwar nach Macht, doch dieser Begriff bedarf einer Erklärung, weil er in Bezug auf Magier sehr oft mißverstanden wird (manchmal auch von ihnen selbst). Das Wort „Macht“ stammte schon in altgermanischer Zeit von der persischen Wurzel „magh“ (können, vermögen) ab. Später entwickelten sich daraus über das mittelhochdeutsche „müg(e)lichkeit“ auch die Wörter „Möglichkeit“ und „Vermögen“ im Sinne von „Fähigkeit, Kraft, Zeugungskraft, Mittel, Geld und Besitz“. Magische Macht bedeutet magisches Können, das Vermögen, magisch zu wirken, und natürlich wollen Magier diese Macht erlangen und steigern.

Magische Macht bedeutet für den ernsthaften Magier aber in erster Linie die Macht über das eigene Schicksal zu erlangen. Anstatt ständig fremdbestimmt als Opfer durchs Leben zu wandeln, will er dieses Leben in die eigenen Hände nehmen, eigenverantwortlich und frei, nur den eigenen und bestimmten gesellschaftlichen und staatlichen Gesetzen gehorchend. Außerdem ist der Spruch „Wissen ist Macht“ für den Magier sehr zutreffend, denn ein großer Teil der angestrebten Macht sind Wissen und Erkenntnis.

Die Macht in Form von Herrschaft über andere Menschen, wie der Begriff assoziieren mag, kann zwar damit inbegriffen sein, ist für die meisten Magier allerdings nachrangig und auch negativ belegt. Obwohl es immer wieder Magier gibt, denen es vornehmlich um diese Form der Machtausübung geht, betrachten sie die meisten lediglich als nützliche und ab und zu auch benutzte, zumeist aber nicht notwendige Möglichkeit, sich zu wehren, Hindernisse zu beseitigen oder materielle Ziele zu verwirklichen.

Es gibt unendlich viele Arten, Magier oder etwas ähnliches sein zu können und diesen Weg zu gehen, jeder auf seine Weise, so wie es auch die unterschiedlichsten Arten gibt, Magie zu betrachten und auszuüben. Nur eines haben wohl alle gemeinsam: sie arbeiten mit Magie und haben eine Wahrnehmung, die über die normalen Sinne hinausgeht.

Was sie dann damit anstellen, kann aber wieder vollkommen unterschiedlich sein. Magie ist etwas sehr Individuelles, und so wirkt jeder Magiebegabte auf seine eigene, ganz persönliche Art und Weise. Grobe Richtungen lassen sich in Begriffe gruppieren, so zum Beispiel Magier, Hexen, Druiden, Schamanen, Priester etc., aber auch innerhalb einer solchen Gruppe gibt es zwischen ihren Vertretern große Unterschiede. Und jeder von ihnen ist einzigartig, denn die Begabungen und Interessen sind nun einmal verschieden.

Deshalb macht der eine Magieanwender auch noch lange nicht dasselbe wie ein anderer. Jeder Magier lebt im Grunde seine ureigene individuelle Version dieser Weltanschauung. Für manche ist es eine Zaubertechnik, für andere eine Lebensphilosophie und für wieder andere eine Religion. Manche glauben an Götter, andere nicht. Manche organisieren sich, andere arbeiten allein oder mit Freunden. Magier tragen sehr viel Verantwortung, und etliche mißbrauchen ihre Fähigkeiten auch. Jeder ist ein Individuum, so wie jeder andere Mensch auch. Dennoch sind sie alle Magier, egal ob sie sich nun Magier, Zauberer, Hexe, Schamane, Priester, Psioniker oder wie auch immer nennen.

Unter Magiern gibt es genauso gute und böse Charakterzüge wie unter den anderen Menschen auch – denn sie sind normale Menschen, die sich lediglich ein besonderes Talent erschlossen haben. Deshalb gehören die Magier auch keinem elitären Kreis an (obwohl sie oft der Gefahr unterliegen, dies so zu sehen), sondern unterscheiden sich nicht wirklich von anderen, die ebenfalls ein besonderes Talent haben, wie beispielsweise ein Musiker.

Die einen machen viele Rituale, die anderen wirken Magie aus dem Stegreif, es gibt welche, die sehr festgelegte Glaubensvorstellungen haben, andere sehen es einfach als Lebensphilosophie und arbeiten kaum mit Magie. Nur man selbst kann sagen, was für einen selbst richtig und was falsch ist.

Der wohl überwiegende Teil der Magier arbeitet als Einzelgänger für sich allein, andere schließen sich zu Gruppen zusammen. Solche Gruppen nennt man bei Magiern Zirkel, von „circulum“ (lat.: Kreis), bei rein zeremoniellen Gruppen Orden und bei Hexen Coven, was aus dem Englischen kommt und sich von „conventus“ (lat.: Versammlung) ableitet. Die meisten Traditionen zeremonieller Magie konzentrieren sich auf die Zusammenarbeit mit anderen in einer kleinen Gruppe. Allerdings gehört längst nicht jeder Magier einer Gruppe an. Viele ziehen es vor, ihren eigenen Weg zu gehen und sich ihre Inspiration aus publizierten Quellen und aus sich selbst heraus zu holen.

Meist werden auch Gruppenmitglieder Mischformen praktizieren, bei denen Einzelgänger zuweilen bei Gruppen teilnehmen, und Gruppen, deren Mitglieder mehreren Gruppen angehören. Natürlich gibt es auch absolute Einzelgänger und Gruppen, die sich abkapseln, aber alle sind gleichrangig, und jeder kann frei entscheiden, wo und mit wem er zusammenarbeiten möchte (vorausgesetzt, daß die Gruppe denjenigen aufnehmen möchte, denn auch deren Mitglieder können dies natürlich frei entscheiden). Wer mit der Linie einer Gruppe nicht einverstanden ist, scheidet aus und sucht oder gründet eine Neue.

So werden manche Magier bestimmte Rituale und Feste mit der Gruppe teilen, andere aber lieber allein durchführen. Auch Gruppen gehen nicht immer einen gemeinsamen Weg. Viele entwickeln auch in der Gruppe ihre eigene, persönliche Spiritualität, um dadurch Selbstbewußtsein und Kraft zu gewinnen. Dieses nutzen sie dann sowohl als Individuum als auch in ihrer Rolle des Gruppenmitglieds.

Meistens geht es bei konkretem magischen Tun um konstruktive, hilfreiche Dinge für einen selbst oder einen engen Kreis von Freunden und Familie oder auch Haustieren. Sei es Heilung, Unterstützung, Erfolge in Beruf, Geschäften, privaten Dingen, Liebe, Förderung von Glück und Wohlstand – es geht um eine magische Steigerung dessen, was man gemeinhin „Lebensqualität“ nennt.

Magie dient auch als spiritueller Weg. Einige magische Übungen und Rituale werden durch die Magier auch als tiefgehende spirituelle Disziplin benutzt. Das Ziel dieser Magie ist nicht die Transformation der äußeren Welt, sondern die Veränderung der inneren Welt, dem Geist und der Seele des Magiers.

3.4. Kann jeder Magier werden?
Da bin ich mir nicht sicher. Prinzipiell kann wohl jedes intelligente Wesen (ich sage bewußt nicht „Mensch“, weil nicht auszuschließen ist, daß auch bestimmte Tiere den Zugang finden könnten) diesen Zustand erreichen. Weil der Mensch ein geistiges Wesen ist, kann er daher grundsätzlich auch Magie wirken, wenn auch mit erheblichen Unterschieden in Art (Qualität) und Umfang (Quantität) und damit in der Effizienz.

Ob es da physische Grenzen gibt, d.h. ob jemand diesen Teil des Unterbewußtseins einfach nicht hat, ihm der Zugang aus physischen Gründen verwehrt ist oder er einfach kein Talent dafür hat, soll im Raum stehen bleiben. Die meisten scheitern aber wohl eher aus psychologischen Gründen.

Der Großteil der Menschheit ist zu einer wirksamen magischen Handlung nicht fähig – ausgenommen, er agiert in einer Massenbewegung. Das liegt nicht etwa daran, daß die meisten Menschen nicht genügend magische Kraft besäßen, denn sie haben viel mehr Kraft, als sie jemals vermuten würden.

Die meisten Menschen sind deshalb keine Magier, weil sie ihre Energien nicht durch Wissen und entsprechende Techniken auf die richtigen Stellen konzentrieren können oder dieses durch Zweifel oder Erziehung nicht wollen. Ein richtig angesetzter Hebel kann sehr viel bewegen, doch wenn man nicht weiß, wo er anzusetzen ist, bewegt man gar nichts.

Magie ist anstrengend! Sie ist etwas zum Nachdenken und „Machen“ – vor allem zum Aus-dem-Quark-kommen-müssen, was die Einstellung zu sich selbst, dem eigenen Leben und zur Natur betrifft. Unsere Gesellschaft ist aber zu einer Horde fauler Konsumenten verkommen, die nichts selbst machen und vor allem nicht nachdenken wollen.

Magie kann man aber nicht konsumieren, denn man muß sie aktiv erfahren. Der Umgang mit ihr ist das Arbeiten an sich selbst. Und das wollen leider die Wenigsten – oder sie behaupten es nur. Aber nur auf diese Weise gelangt man zu einer Verbesserung des eigenen Selbst. Wer dazu zu faul ist und erwartet, alles schön fertig aufbereitet serviert zu bekommen, wird die Beschäftigung mit wahrer Magie bald wieder aufgeben und läuft dann Gefahr, irgendeinem „esoterischen“ Schwachsinn aufzusitzen.

3.5. Die Voraussetzungen eines Magiers
Der Arzt und Mystiker Agrippa von Nettesheim (1486 bis 1535) schrieb: „Die magische Gewalt setzt beim Menschen eine große Würdigkeit voraus, denn unsere Gedanken, unsere höchste Geisteskraft ist allein der Wundertäter in uns.“

Gemeint ist mit dieser „Würdigkeit“ eine gewisse geistige Disziplin, die nicht nur Wissen und Konzentrationsfähigkeit beinhaltet, sondern genauso auch geistige und ethisch-moralische Reife und Verantwortung mit einschließt.

Der Weg des Magiers stellt harte Anforderungen, deren Wucht den Anfänger die eigene Winzigkeit erkennen läßt. Und auch ich bin mir bewußt, wie schwierig dieser magische Weg ist und daß dafür mancher Preis zu zahlen ist – und das endet niemals, auch wenn man schon erfahrener geworden ist. Daher bemühe ich mich, dem Leser, auf den all diese Anforderungen einstürmen, deutlich zu machen, daß es mir nicht besser geht als ihm, und daß ich gerade auch die Anfangsschwierigkeiten nicht vergessen habe und auf sie eingehen werde.

Um ein Magier sein zu können, bedarf es eigentlich hauptsächlich folgender geistiger Eigenschaften:

o Aufgeschlossenheit – Ein Magier muß bereit sein, die durch Erziehung oder von Autoritäten übernommenen Dogmen und Konventionen zu überprüfen und gegebenenfalls abzustreifen. Er muß bereit für neue Erfahrungen sein und diese auch akzeptieren können. Wer also Magie praktizieren will, braucht zunächst einmal den Mut, über den eigenen Schatten des Gewohnten zu springen, seinen Ängsten ins Auge zu blicken und sie zu überwinden, ohne sie jedoch zu verdrängen oder kurzerhand auszumerzen. Diese Bereitschaft ist unabdingbar, und sie wird im Laufe der Praxis immer wieder auf die Probe gestellt werden.

o Aufmerksamkeit – Durch die Aufmerksamkeit des Geistes schärft der Magier seine Sinne und lernt sich und seine eigenen Impulse besser kennen.

o Gelassenheit – Durch seelische Gelassenheit lernt er, alle Phänomene, die ihm auf seinem Weg begegnen mögen, ohne emotionalen Zwang einzuschätzen und konstruktiv zu nutzen.

o Entspanntheit – Durch körperliche Entspanntheit lernt er, seinen Körper besser zu beherrschen und Blockaden zu lösen, die ihn sonst behindern würden.

o Konzentration – Alle Magie beginnt bei den Gedanken, und nichts ist so mächtig, wie ein konzentriert formulierter und über längere Zeit visualisierter Gedanke. Aber man muß seine Gedanken auch unter Kontrolle halten können, sonst schweifen sie ab und führen den Magier von seinem Ziel fort.

o Intuition – Dies ist eine wichtige Voraussetzung, denn wer keine „Idee“ hat, wie er vorgehen soll, kommt auch nur schwerlich zum Ziel.

o Ausdauer – Ein Magier muß den festen Willen haben, auch dann durchzuhalten, wenn es ihm schwerfällt und sich scheinbar alles gegen ihn wendet. Das wird oft der Fall sein, denn auch auf einem magischen Weg fallen einem die Dinge nicht in den Schoß. Jemand hat einmal sehr treffend gesagt, daß man nicht leicht und auch nicht billig Magier wird. Die Fähigkeit, Realität zu transformieren, erreicht man nicht, wenn man bei der kleinsten Hürde aufgibt, die sich einem in den Weg stellt.

o Geduld – Weder wirke man Magie in Eile, noch versuche man auf einem holprigen Weg zu rennen, den man besser mit viel Zeit nur gehen sollte. Ergebnisse und Fortschritt lassen sich nicht erzwingen.

o Glaube – Es ist unerläßlich, daß man an seine Fähigkeiten glaubt und auf sie vertraut, sonst funktionieren sie nicht. Ein Magier akzeptiert üblicherweise seinen Glauben an Magie, wobei der Glaube selbst nur ein Werkzeug, eine mythische Arbeitshypothese zum Erreichen von Wirkungen darstellt, denn er ist kein Selbstzweck. Bei diesem Glauben handelt es sich um nicht mehr als einen psychologischen Geisteszustand, der für den Moment alle tiefenpsychologische Theorie vergißt und nur das Funktionieren magischer Techniken als Tatsache annimmt. Das ist gerade anfangs nicht einfach, gibt aber dem Unterbewußtsein die Kraft und die Möglichkeit, tatsächlich die eigene und manchmal auch die Realität anderer Menschen formen zu können. Der feste Glaube an seine eigene Magie ist das Mittel, nicht der Zweck – das Fahrzeug, aber nicht das Ziel.

o Selbstkenntnis – Sehr wichtig ist die Selbstkenntnis. Das bedeutet, sein eigenes Selbst zu kennen, zu erkennen und dabei auch ehrlich zu sich selbst zu sein. Wer sich selbst nicht kennt, hat auch nicht die nötige Grundlage, um Magie zu wirken. Darum gehört zu jeder vernünftige Ausbildung das Nachdenken über sich selbst und die Analyse der eigenen Person.

o Verantwortlichkeit – Als Magier ist es unabdingbar, für das jeweilige Weltbild sowie seine Handlungen jederzeit die volle Verantwortung zu übernehmen.

Alle diese Faktoren stehen in Wechselwirkung zueinander und bedingen sich daher gegenseitig. Sie gehören zu den Grundlagen auf dem magischen Pfad.

Die Realität im Geist zu transformieren kann man lernen, aber es ist ein langer und schwieriger Weg, oftmals unmöglich erscheinend, zuweilen von angeborenen, teils anerzogenen, teils auch unerklärlichen Grenzen und Behinderungen erschwert.

Manche benötigen dazu einen Lehrer, der sie anleitet, andere, meist Fortgeschrittenere, hingegen schaffen diesen Weg auch allein, wenn es nur noch gilt, einst Gekonntes und Gewußtes wieder an die Oberfläche des Bewußtseins zu bringen. Denn Lernen auf dem magischen Weg bedeutet nicht nur Äußeres zu verinnerlichen, sondern auch das Innere hervorzukehren (sich er-innern).

Wer ein erfolgreicher Magier werden möchte, sollte körperlich, geistig und seelisch gesund und ausgeglichen sein. Dazu gehören auch Dinge wie ausreichend Schlaf, gutes und gesundes Essen und ein erfülltes Sexualleben. Personen mit körperlichen oder gerade auch psychischen Krankheiten gehen bei der Beschäftigung mit der Magie ein erhöhtes Risiko ein, dennoch liegt ihr Handeln in ihrer eigenen Verantwortung.

Eine sehr wichtige Voraussetzung, um ein erfolgreicher und vor allem geistig gesunder Magier sein zu können, ist es, sein weltliches Leben leben zu können.

Sein weltliches Leben zu leben – das klingt einfach. Na klar lebt man sein weltliches Leben, also was soll das?

Gemeint ist aber, es wirklich zu „leben“, nicht bloß es „abzusitzen“, es „zu durchlaufen“, es „abzuspulen“, vor sich hin zu vegetieren als bloße Existenz. Nein, hier geht es um ein bewußtes leben und „er-leben“ des weltlichen Lebens, und dies mit Freude und Stolz, denn das Leben, auch das profane, ist heilig und verdient es, auch so gelebt zu werden. Das soll nun keine Mystifizierung werden, sondern hat einen sehr realen Hintergrund, der aber vielleicht gerade durch ein mystisches Bild am ehesten verständlich gemacht werden kann.

Man stelle sich einen Baum vor, der nach oben wächst und bestrebt ist, möglichst hoch und möglichst breit seine Blätter auszustrecken, um das Sonnenlicht einzufangen. Je mehr Licht er bekommt, desto besser kann er in die Höhe wachsen und desto besser kommt er an immer mehr Licht heran. Und so wächst und wächst er, sein ganzes Streben nur auf das Licht gerichtet. Aber in luftiger Höhe ist es auch windig, und würde der Baum nur nach oben wachsen, würde er irgendwann unweigerlich umkippen, sei es, daß ihn ein Sturm entwurzelt, dem er nicht standhalten kann, oder durch sein zunehmendes Ungleichgewicht auch einfach so.

Deshalb ist es wichtig, daß der Baum im gleichen Maße, wie er nach oben strebt, auch seine Wurzeln wachsen läßt, sie weit verzweigt und tief in die Erde senkt, damit sie ihn festhalten und mit dem lebensnotwendigen Wasser versorgen. Ohne genügenden Halt durch die Wurzeln kann der Baum nicht bestehen, ohne genügend Wasser über die Wurzeln aufzunehmen, kann er keine Blätter bilden, die das Licht einfangen. Aber läßt er nur Wurzeln und keine Zweige mit Blättern wachsen, wird er ohne genug Licht nur dahinkümmern und nie blühen. Er muß beides gleichermaßen tun, nach oben wie nach unten wachsen, um ein erfülltes und stabiles Dasein im Gleichgewicht zu haben.

Ein entwurzelter Baum – das wäre ein Mensch, der so blindlings nur nach dem Okkulten strebt, daß er im wahrsten Sinne den Halt, den Boden unter den Füßen verliert. Er erleidet einen Realitätsverlust, und dieser ist eine psychische Störung. Mit einer solchen wird er aber als Magier nicht weit kommen, sondern sich in einem Gewirr esoterischer Irrlehren, Selbsttäuschungen und Sackgassen verlieren, aus dem der Weg zurück sehr schwierig ist. Dies passiert insbesondere jenen Menschen, die sich trotz oder gerade wegen ihrer weltlichen Probleme mit Magie beschäftigen. Sie nutzen diese Beschäftigung dann exzessiv, um ihre weltlichen Probleme zu verdrängen, anstatt sich ihnen zu stellen, eine Flucht vor der Realität.

Umgekehrt wäre das Beispiel vom zu sehr verwurzelten Baum mit unterentwickelter Krone ein Mensch, der sich so sehr ans Weltliche klammert, sich schicksalsergeben allein von Gewohnheiten, Konsum und Medien leiten läßt, ohne je den Blick „nach oben“ zu richten, also dafür offen zu sein, daß es noch mehr Dinge geben kann, die eine Lebensqualität ausmachen. Er wird im wahrsten Sinne des Wortes nicht sehr viel vom „Licht“ abbekommen.

So wie ein gesunder Baum Wurzeln und Krone gleichmäßig entwickelt, sollte auch der Magier danach streben, in Beidem ein Gleichgewicht zu finden – im Weltlichen wie im Spirituellen. Nur wer fest im Leben verwurzelt ist, mit beiden Beinen fest im Leben steht, also ein erfülltes und bewußtes Leben auch „lebt“, besitzt die Standfestigkeit, sich der magischen Arbeit zu öffnen, weiß er doch eine gesunde Grundlage hinter sich, die ihm auch dabei hilft, nicht „den Boden unter den Füßen zu verlieren“, also „auf dem Teppich zu bleiben“, mit anderen Worten: im Leben zu stehen ohne den Sinn für die Realität zu verlieren. Und, was ebenso wichtig ist, aber oft unterschätzt wird, sie hilft dabei, nach einer „magischen“ Reise in andere Bewußtseinsebenen auch wieder sicher und mit vollständigem Bewußtsein („mit beiden Beinen“) in die Realität zurückzukehren.

Der Realitätsverlust ist eine oftmals viel zu sehr unterschätzte Gefahr der Beschäftigung mit dem Okkulten, der nicht wenige auch unterliegen. Deshalb wird auch immer wieder und wieder darauf hingewiesen, daß nur diejenigen sich relativ gefahrlos mit Magie beschäftigen können, die auch ihr Leben fest im Griff haben, d.h. die ein geregeltes und erfülltes Leben haben und ihre Probleme bewältigen können – es wirklich können, und sich nicht bloß dieser Illusion hingeben.

Weltliche und vor allem psychische Probleme sind eine Belastung für die Seele, und wie auch psychische Störungen und Erkrankungen können sie zu verheerenden Entgleisungen führen, wenn man sich mit Magie beschäftigt, denn Magie anzuwenden heißt tiefenpsychologische Experimente mit sich selbst durchzuführen, und das kann nur gutgehen, wenn man diese auch verträgt und nicht schon seelisch angeschlagen ist.

An sich zu arbeiten heißt für den Magier immer sowohl geistig als auch weltlich. Wie auch psychische Probleme behindern Alltagsprobleme und damit einhergehende Sorgen, Unzufriedenheit, Ärger, Streß, Ängste usw. den Geist bei der magischen Arbeit, indem sie ihn ablenken und Blockaden errichten. Dadurch kann die magische Tätigkeit auch in recht unerwünschte Richtungen gelenkt werden, insbesondere durch präsente Probleme, die das bewußte wie unbewußte Denken bestimmen und sich so noch verstärken können.

Also sollte man darauf achten, daß man sein weltliches Leben wirklich „lebt“, es also bewußt wahrnimmt und es auskostet, zu sich und seiner Art zu leben und dem, was man tut, steht, sich aber auch den Anforderungen und Problemen stellt, mit denen einen das Leben konfrontiert und diese meistert. Ein erfülltes weltliches Leben hat seinen Preis, und den muß man zahlen, denn er wird einem nicht abgenommen, auch durch Magie nicht (sie kann die Preisschraube zwar ein wenig lockern, mehr aber auch nicht).

Dazu gehört auch die tägliche Arbeit zum Broterwerb, der Lebensgrundlage, beziehungsweise damit vergleichbare Aufgaben (Haushaltsführung). Es spielt keine Rolle, was man tut oder wie das gesellschaftlich einzuordnen ist. Man sollte es nach besten Kräften tun und stolz darauf sein, denn auch das hat etwas mit Zufriedenheit zu tun – selbst wenn die Leistung von anderen nicht anerkannt wird, man selbst weiß aber, was man geleistet hat (oder auch nicht geleistet hat).

Wenn man sein Leben mit jemandem teilt, sollte man auch die Höhen und Tiefen des Partners verstehen, seine Komplexe und Talente, seine Fehler hinnehmen und die eigenen anerkennen. Man sollte weder zulassen, daß es zum ständigen Streit kommt, falls der Partner das Interesse für Magie nicht teilt oder akzeptiert, noch daß bei gemeinsamem Interesse so viel Zeit in die magische Beschäftigung gesteckt wird, daß für ein weltliches Zusammenleben nicht genug Zeit übrigbleibt.

Hat man Kinder, lehrt man sie die Dinge so zu sehen, wie sie sind, aber man zeigt ihnen auch, daß es noch Dinge jenseits des Weltlichen gibt, und man lehrt sie Verständnis, Respekt und Mitgefühl vor der Natur, ihren Geschöpfen und der Umwelt, denn eines Tages werden sie für dieses Erbe verantwortlich sein.

Diese Aufzählungen ließen sich noch endlos fortsetzen. Sein weltliches Leben wirklich und bewußt zu „leben“ ist eine der wichtigsten Aufgaben – eigentlich eines jeden Menschen, aber insbesondere eines Magiers. Es ist nämlich gleichzeitig der wichtigste magische Weg, den man je beschreiten wird, auch wenn nur wenige Menschen ihn je als solchen sehen werden.

Deshalb ist es auch so wichtig, eine Pause von der Beschäftigung mit Magie zu machen und sich ganz dem Weltlichen zu widmen, wenn dort etwas nicht stimmen sollte. Es gilt, erst einmal das weltliche Leben wieder in Ordnung zu bringen, bevor man sich erneut der Magie zuwendet, und die Magie kann warten – sie ist sehr, sehr geduldig, sie läuft einem nicht weg. Aber sie kann einen überrennen, wenn man nicht fest im Leben steht, und viele ignorieren diese Warnungen bis sie sich eines Tages als entwurzelter, umgestürzter Baum wiederfinden, der nicht oder nur schwerlich wieder aufzurichten ist.

Nur ein gleichmäßig entwickelter Baum kann mit seinen starken Wurzeln sowohl den „weltlichen Erdbeben“ als auch den „magischen Stürmen“ standhalten, die es ab und zu ganz sicher geben wird.

3.6. Wie wird man ein Magier?
Zu einem Magier wird man nicht, ein Magier ist man oder nicht. Das bezieht sich aber nicht nur auf irgendwelche magischen Fähigkeiten, sondern in erster Linie auf die Art zu denken. Letztendlich kann nur jeder selbst entscheiden, ob er ein Magier ist und was das für ihn heißt.

Die erste Frage, die sich jemand stellen sollte, der Magier sein möchte, lautet: „Warum will ich Magier sein?“

Die zweite Frage lautet dagegen: „Und warum will ich wirklich Magier sein?“

Die ehrliche Antwort auf diese zweite Frage ist der erste Schritt auf dem Weg. Ohne Ehrlichkeit sich selbst gegenüber führt der Weg nirgendwohin.

Viele haben angefangen, als Magier zu leben, aber viele haben auch schnell wieder aufgegeben, als sie merkten, daß dieser Weg steinig ist und man an sich selbst arbeiten muß, daß sie nicht perfekt sind und daß sie lernen müssen.

Wer nur deshalb ein Magier sein will, weil er es cool findet oder sich durch Magie schnelle Erfolge bei irgendetwas verschaffen will oder denkt, er gehöre dann zu einer Elite, der wird wahrscheinlich schon bald aufgeben und einen anderen, leichteren Weg gehen müssen.

In den Anzeigen einschlägiger Zeitschriften wimmelt es nur so von selbsternannten Magiern und Schamanen aller nur erdenklicher Ausprägungen. Für viel Geld einen Workshop oder ein Wochenendseminar besucht, schon ist der Magier oder Schamane fertig und bereits am Tag danach wird um Kundschaft geworben, die man selbst ausbilden oder deren Krankheiten man, wieder für viel Geld, heilen kann. Dies hat mit Magie oder Schamanismus nichts, aber auch rein gar nichts zu tun. Im Gegenteil, es werden Hoffnungen geweckt und Ansprüche aufgestellt, die dann nicht erfüllt werden können.

Nun könnte man über soviel Dummheit lachen, wenn diese Dummheit nicht so gefährlich wäre. Natürlich könnte ich zum Beispiel einer Gruppe von Menschen an einem Wochenende ein magisches Ritual in seinen Formen mit allen Einzelheiten erläutern und die notwendigen äußeren Techniken vermitteln, aber die dann materialisierten Kräfte auch zu beherrschen, dazu bedarf es langer kontinuierlicher Übung. Deshalb sei an dieser Stelle vor selbsternannten Magiern und ihren Spielereien ausdrücklich gewarnt. Auch wer gelernt hat, wie man einen Pinsel hält, ist damit noch lange kein begabter Maler.

Zunächst einmal hängt es von einem selbst ab, was man eigentlich erreichen will und wie das geschehen soll. Die Menschen sind sehr verschieden in ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten. Was für den einen richtig ist, muß es für den anderen noch lange nicht sein. So lassen sich pauschal nur ein paar wenige Ratschläge erteilen.

Man kann magisches Wissen nicht so ohne weiteres weitergeben. Tonnen von Theorie sind nicht so wertvoll wie ein Quentchen Praxis, und das praktische Wissen (das gnostische Wissen) ist eher ein tief verwurzeltes Gefühl für Magie und magische Erkenntnis als ein mit Worten beschreibbares Themengebiet.

Auch über das Fahrradfahren kann man einiges erzählen, aber worauf es ankommt, ist letztlich die praktische Übung. Wie will man jemandem rein theoretisch schildern, wie man auf zwei dünnen Reifen, mit denen man eigentlich umkippen müßte, das Gleichgewicht hält? Dafür entwickelt man durch praktische Übung mit der Zeit ein Gefühl, aber beschreiben kann man es nicht wirklich. Mit der Magie verhält es sich ähnlich – nur ist es dort noch weitaus komplizierter.

Magie ist nichts, was man in einem Schnellkurs erlernen kann. In das magische Arbeiten muß man hereinwachsen, ständig an den eigenen Fähigkeiten arbeiten und sich selbst unter Kontrolle haben. Nur wer sich selbst beherrscht, kann auch die Magie beherrschen. Es gehört eine starke und gefestigte Persönlichkeit mit einem starkem Willen zu dem Bild des Magiers oder der Magierin. So sollten labile oder in ihrer Persönlichkeit noch nicht gefestigte Menschen lieber erst einmal damit beginnen, an sich selbst zu arbeiten, um ein sicheres Gefäß zu bilden, in welchem das Wissen und Können bewahrt werden sollen.

Davon ausgehend, daß man sich inzwischen darüber klar geworden ist, was es für einen selbst bedeutet, ein Magier sein zu wollen, muß man sich zunächst einmal nach einer für sich passenden Art, an die Magie heranzugehen, umschauen. Das bedeutet, daß man sich kurz mit den gängigen magischen Gebieten beschäftigen sollte, um dann das für sich selbst Richtige auszuwählen.

Dazu nimmt man sich einige Stunden Zeit und geht in eine gut sortierte esoterische Buchhandlung. In der Abteilung Magie schaut man in jedes Buch hinein. Nur das, bei dem man sofort versteht, worum es geht, das sinnvoll und logisch nachvollziehbar erscheint, sich vielleicht schon mit einigen einem selbst, aber allgemein weniger bekannten und auch verifizierten Fakten deckt, und das vor allem zu Lesen auch Spaß macht, kauft man und arbeitet erst einmal ganz durch.

Ich möchte an dieser Stelle auch keine Empfehlung für ein bestimmtes Werk aussprechen, denn bei jedem Interessierten sind Hintergrund und Vorbildung völlig verschieden, und daher mögen auch vollkommen unterschiedliche Werke als Einstieg für den Einzelnen geeignet oder ungeeignet sein. Man sollte dort beginnen, wo man mit seiner Erfahrung, seinen Gedanken, seiner Literaturkenntnis und seinem sonstigen Wissen auch tatsächlich steht, und nicht dort, wo selbsternannte Lehrer einen gern hätten. Der Ausgangspunkt eines jeden unterscheidet sich von dem jedes anderen Menschen.

Ein guter Lehrer hätte allenfalls die Aufgabe, zu erkennen, wo sein Schützling sich auf dem Pfad befindet und ihm dies zu verdeutlichen. Er kann dem Schüler dann zwar Möglichkeiten aufzeigen, sollte sich aber nie anmaßen, dessen Weg zu bestimmen, denn höchstwahrscheinlich ist dieser nicht der eigene.

Den Zugang zur Magie muß jeder auf ganz individuelle Weise finden. Den Weg der Magie zu betreten ist ein sehr großer Schritt, und die größte Hürde dabei ist der eigene Unglaube, der einem im Weg steht (was nicht sein darf, kann auch nicht sein, also funktioniert es auch nicht). Zweifel an der Existenz der Magie oder der eigenen Fähigkeiten, Erziehung und religiöse Dogmen sind hier wohl die größten Hemmschuhe.

Den Zugang zur Magie kann man nicht erzwingen. Meist kommt „die Magie“ sogar ganz von selbst zu einem, wenn man eigentlich gar nicht daran denkt. Bei dem einen geschieht das schon sehr früh, bei dem anderen erst sehr spät. Es kann aber hilfreich sein, wenn man tiefer in sich selbst hineinlauscht und den Kontakt zu seinem eigenen Unterbewußtsein sucht.

Hat man den Weg zur Magie aber erst einmal beschritten, so kann man in kleinen Schritten langsam weitergehen. Auch hier gilt es, sich Zeit zu lassen. Die Magie kommt zu einem, wenn es an der Zeit ist, man kann ihr ein wenig entgegengehen, aber man kann sie nicht zu sich zwingen. Sich zu verkrampfen blockiert, und nur in der Entspannung kann die Energie fließen.

Die Magie stellt hohe Anforderungen an den Suchenden. Sie zeigt sich nicht gleich auf Anhieb, beziehungsweise auf eine Weise, die nicht immer sofort erkannt wird. Ferner spielt sie einem gerne Streiche, die gewöhnlich mit den eigenen seelischen Unzulänglicheiten zusammenhängen. Schließlich konfrontiert sie den Suchenden mit seinen vergrabenen Konflikten, Komplexen und Charakterschwächen, die erkannt und bewältigt werden müssen, will man weiterkommen. Deshalb ist die Beschäftigung mit Magie völlig ungeeignet für Menschen mit schweren psychischen Problemen, da diese dann eher weiteren Schaden nehmen statt voranzukommen.

Man wird nicht darum herumkommen, sich mit den grundsätzlichen magischen Übungen Konzentration und Visualisierung zu beschäftigen. Ohne diese beiden Fähigkeiten bewirkt man in der Magie nichts. Außerdem sind noch Übungen in Entspannungstechniken sowie „richtiges“ Atmen wichtig. Wer falsch atmet, erzeugt eine Disharmonie in seinem Energiesystem und wird mit magischen Übungen schnell Probleme bekommen, da hier psychische Energie freigesetzt wird, die sich dann in den Blockaden staut.

Es ist wichtig, immer tief in den Bauchraum zu atmen, d.h., das Zwerchfell muß voll miteinbezogen werden. Die meisten Menschen atmen zu flach. Wenn man jetzt plötzlich anfängt, „tief“ zu atmen, besonders, wenn man obendrein noch Raucher ist, treten Schwindelgefühle, Hustenreiz, Lungenstechen und ähnliche Probleme auf. Das ist auch kein Wunder, wenn die Lunge lange Zeit nicht richtig ausgelastet war. Wenn man das aber, ohne zu übertreiben, regelmäßig übt, verschwinden diese Phänomene, und es stellt sich mit der Zeit ein gesteigertes Wohlbefinden ein.

Ferner ist auch auf eine aufrechte Körperhaltung zu achten. Wer längere Zeit in verkrümmter Haltung vor dem Computer oder am Schreibtisch sitzt, blockiert dadurch ebenfalls seine Atmung. Hier ist Ausgleich gefragt.

Es ist für den Anfang eine gute Übung, gesteigerte Bewußtheit in Bezug auf die eigene Körperhaltung zu entwickeln. Wenn man dies nun noch durch entsprechende Entspannungs-, Konzentrations- und Visualisierungsübungen unterstützt, kommt man leichter voran.

Wie in jeder Ausbildung lernt der eine schneller und der andere langsamer. Deswegen ist der einfachste Weg der, seinen Zeitrahmen an seinen individuellen Bedürfnissen anzupassen und sich selbst gegenüber ehrlich genug zu sein, erst bei befriedigenden Ergebnissen mit der nächsten Übung anzufangen. Übungen sollten zwar regelmäßig gemacht werden, aber Übertreibungen sind nicht ratsam. Man sollte außerdem nur dann magisch arbeiten, wenn einem auch stimmungsmäßig danach ist und man sich dabei wohlfühlt.

Der Magier muß sich auf seinem Weg auch mit seinem größten Kritiker auseinandersetzen – mit sich selbst. Er wird viel Kritik aushalten müssen aber auch vieles verstehen, was ihm vorher unbekannt war. Er wird von vielen Menschen, die nicht verstehen, was er tut, angegriffen werden, aber auch selbstsicherer werden. Er wird „Freunde“ verlieren, aber auch neue Freunde gewinnen, auch solche, an die er vorher nie dachte.

Ob diese Lebensänderung und der damit verbundene und nicht zu unterschätzende Aufwand für einen Menschen akzeptabel ist, das kann nur jeder selbst ganz allein für sich entscheiden.

3.7. Magie ist das Unbewußte
Das Unterbewußte oder Unbewußte ist ein ursprünglich von Carl Gustav Carus in seinem Werk „Psyche“ geprägter Begriff. Es meint psychische Inhalte, die dem Bewußtsein nicht oder vorübergehend nicht zugänglich sind, aber dennoch zur Gesamtheit der Psyche gehören und einen nachhaltigen Einfluß auf Bewußtsein, Seelenleben, Persönlichkeit und Verhalten haben. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Hypothesen über die Art und Organisation des Unterbewußtseins.

Die magischen Urkräfte schlummern tief im Unbewußten. Dabei ist dieses „Unbewußte“ nicht bloß als „Hinterstübchen des Gehirns“ zu begreifen, sondern als eine Totalität, die jede Zelle des Körpers durchdringt und erfaßt. Die Instinkte sind derart tief im Körperlichen verankert, daß Wahrnehmung und Körperreaktion praktisch eins sind. Dann spricht man von „Reflexen“, aber auch, vor allem in älteren Texten, von „Fleischeswissen“.

Dieses genetische Urwissen halten die meisten beim modernen Menschen für weitgehend verkümmert. Dem ist jedoch nicht so. Man mißachtet es lediglich. Vielfach wird die Instinktsicherheit des Zivilisationsmenschen beständig unterschätzt, um dagegen den Mythos vom „naturverbundenen“ Wilden zu stellen, der angeblich fehlerlos im Einklang mit seiner Umwelt lebt.

Erstens ist auch auf die Instinkte des Naturmenschen (und auch auf die eines Tieres) nicht immer Verlaß, und zweitens leben gerade Naturvölker in einem Gefängnis von Tabus und Stammesregeln, die den Preis für ihre vermeintliche Instinktüberlegenheit doch reichlich hoch erscheinen läßt. In Wirklichkeit unterscheiden sich beide nicht sonderlich in ihren Instinkt-Reserven, sie gehen nur unterschiedlich damit um.

Der heutige, vielbeklagte „Verlust an Natürlichkeit“ (den übrigens die alten Griechen schon ebenso bejammerten wie die Renaissance, der Barock und die Romantik) ist viel eher eine Art von bewußtem, anerzogenem Ausblenden intuitiver Wahrnehmung. Man befindet sich in einer selektiven Wahrnehmung, die für den Magier kritisch wird, wenn ihm nicht bewußt ist, daß er den eigenen Teilausschnitt der Wirklichkeit mit dem Ganzen verwechselt.

Genauso kann es aber auch umgekehrt fatal sein. Weil der Mensch in der Regel nicht darauf trainiert ist, mit Intuitionen nüchtern umzugehen, reagiert er zwar mit gewaltiger Entzückung, wenn die Intuition zutreffend und einigermaßen positiv ist, aber auch mit ebenso gewaltiger Enttäuschung, wenn ihn die Intuition mal in die Irre führt oder Schlimmes verheißt.

Während man seinem Intellekt immer zubilligt, daß er sich auch mal irren kann, bricht für die meisten angehenden Magier gleich die ganze Welt zusammen, wenn sich irgendeine nette Vorahnung, auf die sie felsenfest vertraut haben, plötzlich als falsch entpuppt. Dahinter steht häufig eine Überschätzung der Magie, die nicht selten mit einer nichteingestandenen Furcht vor ihr einhergeht.

Sich also zu weit in Richtung seines Verstandes zurückzuziehen ist ebenso falsch wie sich völlig in „die Magie“ (das Unbewußte) zu flüchten. Wie so oft, ist auch hier ein gesunder Mittelweg erstrebenswert. Und vor allem: nur, weil jemandem etwas nicht vertraut ist, ist es deshalb noch lange nicht unnatürlich.

Magie ist etwas Natürliches, das wußten schon die alten heidnischen Religionen. Die Magie wurde nur paradoxerweise von einer Gesellschaft, welche durch eine im Widerspruch zur Natur stehende Religion („macht Euch die Erde untertan“) geprägt wurde, als unnatürlich bezeichnet. Diese Kultur verhinderte jedoch lediglich die Wahrnehmung, nicht aber das Vorhandensein der Magie im Menschen.

Menschen mit einem ausgeprägten Unterbewußtsein, vor allem jene, die über eine große Sensibilität, Intuition und Vorstellungskraft verfügen, haben eigentlich die größten Chancen, den Zugang zur Magie zu finden, denn oft sind sie bereits Magier, ohne es zu wissen.

Das Unterbewußtsein wendet seine „magischen“ Kräfte nämlich sehr oft an, aus eigenem Antrieb, ohne den Willen des Menschen, ja meist sogar ohne, daß dieser es großartig bemerkt. Plötzliche Eingebungen, telepathische Erlebnisse oder seltsame „Wendungen des Schicksals“ sind Anzeichen solcher unterbewußten Aktivitäten.

Wer so etwas an sich feststellt, kann versuchen, darauf zu achten und das Gefühl wahrzunehmen, das davon ausgeht. Vielleicht gelingt es ihm eines Tages, diese Dinge auch bewußt herbeizuführen. Dann hat er seinen Weg gefunden.

Es ist nicht falsch, seine gefühlsmäßigen Entscheidungen zu hinterfragen. Wer sich intuitive Entscheidungsgänge bewußt macht, lernt seine Gefühle besser kennen und ihnen auch immer öfter zu vertrauen. Wer anderen zuhört, ihre Bedürfnisse wahrnimmt, schärft sein eigenes Bauchgefühl und Urteilsvermögen. In drei Sekunden bildet sich der Mensch ein erstes Urteil über einen anderen Menschen. Die Trefferquote liegt bei etwa 80 %. Vor allem im Berufsleben raten Psychologen dazu, dieses Gefühl als wichtigen Ratgeber und als Entscheidungshilfe zu benutzen.

Das Gehirn ist mit 130 Milliarden Nervenzellen das komplexeste Organ überhaupt. Man kennt bis heute nur einen Bruchteil seiner Funktionen. Schon wenn wir einen Gegenstand ergreifen, ist das Gehirn zu 100 % aktiv. Zwar ist jeder Bereich des Gehirns für bestimmte Funktionen zuständig (zum Beispiel Sehen, Sprechen, Hören, Denken, Lernen, Bewegen der Gliedmaßen etc.), doch sind stets sämtliche Gehirnzellen aktiv, denn eine Gehirnzelle schläft nie. Ebenso falsch wie das Zitat, der Mensch nutze nur 10 % seines Gehirns, ist auch die Legende, es stamme von Albert Einstein.

Die Zahl der Nervenverbindungen im Gehirn ist unbekannt, dürfte aber etliche Billionen betragen. Sie verändern sich ständig. Intensive Sinneseindrücke, Gedankenspiele oder Erlebnisse lassen im Gehirn neue Synapsen entstehen, um den „Datenaustausch“ zu verbessern und zu beschleunigen. Wenn man beispielsweise ein Musikinstrument erlernt, arbeitet beim Anfänger in den ersten 20 Minuten nur ein kleiner Teil des Gehirns daran. Nach 20 Tagen ist bereits ein Großteil des Gehirns damit beschäftigt. Doch erst nach 20 Jahren Übung ist das Gehirn nahezu perfekt dazu verschaltet.

Gefühle und damit auch die „Intelligenz der Gefühle“, die Intuition, entstehen in einem der entwicklungsgeschichtlich ältesten Teile des Gehirns, der Amygdala (Mandelkern). Die Gefühle, die Intuition erst möglich machen, werden von Hormonen oder Botenstoffen gesteuert. Die wichtigsten sind Arginin-Vagopressin (Negativ-Erlebnisse, Angst und Unangenehmes), Oxytocin (Mutter-Kind-Bindungshormon, Wohlgefühl), Serotonin (zusammen mit Oxytocin bei Verliebtheit), Noradrenalin (Erregtheit), Acetylcholin (gezielte Aufmerksamkeit) und Dopamin (Antrieb und Neugierde).

Die Amygdala reagiert impulsiv, aber sie „weiß“ oft mehr als der Verstand. Intuition ist eine Art emotionaler Urinstinkt, der den Menschen schon in der Urzeit vor Gefahren schützte. Intuition ist nämlich eine atemberaubend schnelle Entscheidung, viel schneller als der Verstand es je sein könnte. Der Mandelkern ist in der Lage, in gerade mal drei Hunderstel Sekunden eine Situation zu erfassen, sie einzuschätzen und darauf zu reagieren. Dies ist der direkte Draht zwischen Gehirn und Körper. Hier laufen Informationen auf, die den Verstand nie erreichen.

Das klingt abenteuerlich, ist aber wissenschaftlich nachweisbar. Verkabelte Testpersonen sahen einen harmlosen Film. In diesem Film waren ein paar einzelne Bilder eingeschnitten worden, die ein Monster zeigten. Sie waren viel zu kurz sichtbar, als daß der Verstand sie hätte erfassen können, aber die Amygdala reagierte nach den Gehirnstrommessungen bei allen Testpersonen sofort mit Furcht und Abwehr. Dort war das Bild also angekommen und erkannt worden.

Die Intuition ist ein Frühwarnsystem, mit dessen Hilfe man schnell reagieren kann, und es arbeitet in allen Bereichen, egal ob Familie, Beruf oder Straßenverkehr. Befragungen von Opfern von Gewalttaten haben ergeben, daß beinahe jedem dieser Fälle fast unmerkliche Warnsignale vorausgehen, zu fein, um sie zu erkennen, aber deutlich genug, daß die Amygdala sie registriert und Alarm auslöst. Immer mehr Wissenschafts-Experten plädieren darauf, auf die Intuition zu vertrauen, um sich gefährliche Situationen zu ersparen.

Jeder hat den berühmten sechsten Sinn, nur traut man seinen Gefühlen oft nicht. Seit der Kindheit wird dem Menschen beigebracht, sie zu verbergen. Psychologen befragten Opfer von Betrügern. 87 % hatten beim Unterschreiben ein komisches Gefühl, unterschrieben aber dennoch, weil der Verstand auf die Scheinargumente hereingefallen war. Wer seine Ängste zuläßt, hat eine wichtige Kontrollinstanz, die vor Naivität und Leichtsinn warnt.

Wenn die eigene Intuition als eher schwach empfunden wird, kann man sie auch trainieren. Man kann zum Beispiel auf die Körpersprache anderer achten. Sie sendet meist sehr deutliche Signale aus und läßt sich nur schwer unterdrücken. Wer immer gleiche Wege geht, wird unaufmerksam, deshalb sollte man ruhig mal Ungewöhnliches tun, abwegige Entscheidungen treffen und auf Fremde zugehen. Das hält die Sinne wach. Außerdem hilft es, Spontaneität zuzulassen und Absprachen zu überdenken und gegebenenfalls auch zu ändern. Je häufiger man direkt aus dem Bauch heraus entscheidet, desto wacher bleibt die Intuition.

Kinder haben oftmals einen besonders leichten Zugang zur Magie, weil sie über eine große Vorstellungskraft verfügen und sie benutzen, ohne groß nachzudenken. Sie sind für alles offen, akzeptieren schnell und stehen sich selbst nicht durch Zweifel und Dogmen im Weg. So sagt man Kindern zum Beispiel eine besondere Wahrnehmungsfähigkeit nach. Ähnlich ist es auch bei vielen Tieren, die gewisse Dinge einfach „spüren“.

Ferner haben Kinder die einmalige Fähigkeit, sich durch ihre Phantasie eigene Realitäten zu schaffen. Nichts anderes tut im Prinzip auch der Magier, der bestimmte Dinge einfach vor seinem geistigen Auge „visualisiert“ und dadurch für ihn real werden läßt.

Im Laufe seines Aufwachsens wird dem Menschen dann seine Kindlichkeit „aberzogen“ und durch Regeln, Dogmen und feste Weltbilder ersetzt. Vielen Menschen geht dadurch ihr Zugang zur Intuition und damit auch zur Magie verloren. Wer ein Magier sein will, muß lernen, sich von den fremden, aufgezwungenen Realitäten zu befreien und zu seiner eigenen Mitte und Zentriertheit (zu seinen Instinkten, seiner Intuition, seiner „Magie“) zu finden.

Wenn man sich seine Kindlichkeit bewahrt oder sich an sie zurückerinnert und sich wieder in dieses Gefühl hineinversetzt, so mag einem dies den Zugang zur Magie erleichtern. Das Zurückfallen in eine kindliche Vorstellungswelt, die den Zugang zum Unterbewußtsein erleichtert, nennt der Magier Atavismus (lat.: Rückfall). Dieser Begriff ist eigentlich eine biologische Bezeichnung des Wiedererscheinens von Merkmalen der Vorfahren, die in der Vorgängergeneration fehlten, beziehungsweise ein Rückfall in eine frühere Entwicklungsstufe.

Magietheoretiker spekulieren, daß die Anwendung von Magie einen Atavismus darstellt, da sie möglicherweise bei frühen Vorfahren allgemeiner verbreitet war. Für diese noch spekulative Hypothese spricht, daß entwicklungsgeschichtlich ältere Teile des Gehirns (Hirnstamm, Formatio reticularis, Limbisches System) mit magischen Phänomenen des Unterbewußtseins in Beziehung stehen. .

3.8. Müssen Magier verschwiegen sein?
Es ist noch eine Bemerkung zur Verschwiegenheit zu machen. Verschwiegenheit bedeutet nicht, daß man sein Wissen als „Geheimlehre“ für sich behalten und niemandem zugänglich machen darf, damit es bloß nicht zu viele „Eingeweihte“ gibt (dann dürfte es diese Seiten hier nicht öffentlich geben). Die Weitergabe magischen Wissens ist sogar gewünscht – aber nur an diejenigen, denen diese Informationen auch willkommen sind.

Es empfiehlt sich, aller scheinbaren Aufklärung moderner Zeiten zum Trotz, nicht allzu offenherzig mit den eigenen magischen Erfahrungen und dem Wissen hausieren zu gehen. Man muß auch nicht gleich jedem erzählen, daß man Magier ist, denn auf diejenigen, die es nicht interessiert oder die nicht an Magie glauben, wirkt ein solches Verhalten aufdringlich und wichtigtuerisch und bringt einem schnell den Ruf eines Spinners ein.

Die Magie war noch nie etwas für die breite Masse und wird es wahrscheinlich auch niemals sein. Die meisten Menschen haben Angst vor der Magie, weil sie nichts oder zu wenig oder das Falsche darüber wissen oder wissen wollen, oder sie leugnen schlichtweg ihre Existenz. Das Thema Magie wird zwar in der Öffentlichkeit weitgehend belächelt, dennoch haben Magier, Hexen und Zauberer Hochkonjunktur – und ebenso die Angst vor ihnen und der Ärger über Scharlatane.

Es kann geschehen, daß Bekannte, Freunde und Eltern dem angehenden Magier plötzlich mit seltsamer Distanz begegnen, wenn er ihnen von seinen magischen Praktiken erzählt. Ebensogut könnte man sich öffentlich zum Sadomasochismus oder Satanismus bekennen.

Man wird den Magier merkwürdig und mit Unverständnis anschauen und nach „Schwarzen Messen“ fragen, und von dort ist es nur noch ein Schritt, sein Name mit der Bezeichnung „Satanist“ oder „Teufelsanbeter“ die Runde macht – von anderen, noch schlimmeren Unterstellungen ganz zu schweigen. Es ist dagegen noch direkt harmlos, wenn man nur für einen verrückten Spinner gehalten wird.

Wer dies nicht glaubt, weil er meint, in einer aufgeklärten Welt zu leben, die doch von großstädtischer Toleranz geprägt sei, der verfolge nur die Berichte der Regenbogenpresse zu diesem Thema oder schlage diesen Rat in den Wind, um sich selbst aus erster Hand von seiner Richtigkeit zu überzeugen.

Nun mag man zu Recht einwenden, daß es dem um persönliche Freiheit bemühten Magier doch gleichgültig sein sollte, was seine Mitmenschen von ihm denken. Doch abgesehen davon, daß er es dann auch nicht nötig haben sollte, sich mit ihnen über seine Kunst auseinanderzusetzen oder diese an die große Glocke zu hängen, benötigt selbst der gewiefteste und erfahrendste Magier gewisse Arbeitsbedingungen, und zu diesen gehören Ruhe und Konzentration.

In mittelalterlichen Zauberbüchern wird oft erwähnt, daß der Magier im Einklang mit seiner Religion leben sollte. Dies heißt aber nichts anderes, als die Entfremdung von der eigenen Umwelt möglichst zu vermeiden. Eine solche Entfremdung kostet viel seelische Kraft und auch magische Energie.

Der Magier springt schließlich von einer Wirklichkeit in die andere, und dazu bedarf er einer gewissen äußeren Ruhe und Stabilität, damit die Realität der anderen, der Umwelt also, nicht ständig gegen die seine Sturm läuft und umständliche, zeitraubende Verteidigungs- und Rechtfertigungsversuche erforderlich macht.

Durch das Schweigen lernt der Magier zudem, seine eigene magische Realität im eigenen Inneren zu festigen und zu leben. Das wiederum wird schließlich zu einer beachtlichen Quelle magischer Kraft und Sicherheit. Wer zu Schweigen gelernt hat, den werden Zweifel und Skepsis der Außenwelt nicht mehr anfechten, selbst wenn sie irgendwann doch einmal zum Thema werden sollten. Selbstverständlich gelten diese Vorbehalte nicht für den Austausch mit Gleichgesinnten.

Oft wollen Außenstehende oder Journalisten gerne einmal bei einem Ritual zuschauen oder mitmachen. Die meisten echten Magier lehnen solche Gesuche grundsätzlich und konsequent ab, und zwar aus mehreren Gründen. Zum einen stören Anwesende allein schon durch ihre Anwesenheit Atmosphäre, Stimmung und Konzentration, und fast immer ist das Ritual nutzlos und vergeudet. Ferner hat man kaum Zeit und Lust, einem Außenstehenden erst alles minuziös erklären zu müssen.

Außerdem macht man zumeist sehr schlechte Erfahrungen mit der Presse. Sieht anfangs alles nach Wohlwollen und Objektivität aus, so staunt man hinterher oft darüber, wie verzerrt und feindselig die tatsächlich abgedruckten Berichte ausfallen.

Zudem gilt das Gebot der Geheimhaltung für die allermeisten seriösen Magier. Diese darf aber nicht mit Geheimniskrämerei verwechselt werden, denn sie bezieht sie sich auch nicht auf angewandte Techniken und Rituale, sondern vielmehr auf die Namen von Teilnehmern und auf offenbarte Zauber, die durch Preisgabe an Dritte evtl. einen Teil ihrer Wirksamkeit einbußen würden.

3.9. Nehmen Magier Drogen?
Diese Frage drängt sich dem Laien natürlich zwangsläufig auf, wenn von einem „veränderten Bewußtseinszustand“ die Rede ist.

Im Allgemeinen nehmen Magier wahrscheinlich sogar weniger Drogen zu sich als der Durchschnittsmensch, weil sie eben einen klaren Geist haben möchten. Die Veränderung des Bewußtseins wird auf spirituell-psychologischem Weg erlangt, nicht durch irgendwelche Chemikalien. Drogen beeinträchtigen auch den Willen, so daß ein vernünftiges, kontrolliertes magisches Arbeiten unter dem Einfluß von Drogen vermutlich gar nicht möglich wäre. Einem durch Drogen oder Alkohol benebelten Geist mangelt es sicherlich an Konzentrationsfähigkeit.

Der Rauch einiger Harze und Pflanzen wirkt psychoaktiv, und bei Ritualen wird auch geräuchert. Diese Wirkungen sind jedoch sehr sanft, unterstützend und mit der von Drogen in keiner Weise zu vergleichen, denn sie regen lediglich die Sinne an, vergleichbar mit einem wohlriechenden, anregenden oder beruhigenden Duftöl. Auch Ritualweine und ähnliches werden in der Regel nur in kleinen Mengen zu sich genommen, so daß man auch hier nicht von rauschähnlicher Beeinflussung sprechen kann.

Im ganz normalen Leben mögen auch Magier die verschiedensten Drogen konsumieren, wie Koffein, Nikotin, Alkohol oder sogar illegale Drogen oder eben auch nicht, so wie jeder andere Mensch auch. Harte Drogen werden es aber normalerweise nicht sein, denn wer seinen Körper und Geist mit so etwas vergiftet, wird kaum eine sinnvolle magische Arbeit zustandebringen, obwohl es auch Ausnahmen gibt, wie beispielsweise der heroinabhängige Aleister Crowley. Außerdem verträgt sich ein solcher Konsum nicht mit dem Selbstwertgefühl eines Magiers. Wer bereit ist, harte Drogen zu nehmen, hat auch sicher nicht die psychischen Voraussetzungen, um Magier sein zu können.

Vor und während magischer Arbeiten läßt der besonnene Magier wohlweislich die Finger auch von „weichen“ Drogen. Kluge Menschen fahren ja auch nicht Auto, wenn sie betrunken sind, beziehungsweise trinken nichts, wenn sie fahren wollen. Das wäre hier durchaus vergleichbar.

Es gibt aber auch Ausnahmen. So verwenden einige Magier, vor allem bei den sogenannten Naturvölkern, durchaus auch Drogen, um mit ihrer Hilfe eine gnostische Trance zu erlangen. Diese Praktiken würde ich für mich jedoch strikt ablehnen.

Vom Gebrauch von Pflanzen mit (auch leichter) halluzinogener Wirkung ist dringend abzuraten, auch zum Räuchern. Abgesehen davon, daß es nach meiner Überzeugung für magisches Arbeiten nicht notwendig ist, mit halluzinogenen Drogen zu arbeiten, und solche Mittel zur Realitätsflucht einer magischen Weiterentwicklung eher hinderlich sind, stellen diese auch eine echte Gefahr dar, denn sie sind immer auch Gifte, die Körper und Geist schädigen.

Gerade bei Pflanzen kann die Konzentration der wirksamen Substanzen teilweise um das Hundertfache schwanken, was von mehreren Umweltfaktoren (Art und Beschaffenheit des Bodens, Witterungseinflüsse, Klima, eventuell spezielle Unterarten etc.) abhängt, und somit sind Dosierung und Wirksamkeit nur sehr schlecht abzuschätzen. Selbst für pharmazeutische Fachleute sind Vorraussagen schwierig, was den Wirkstoffgehalt einer Ernte betrifft.

Schon so mancher hat durch unsachliche Experimente mit hochgiftigen Pflanzen, wie Bilsenkraut, Stechapfel, Engelstrompete und Tollkirsche, sein Leben verloren oder seinen Verstand so aufgeweicht, daß er lebenslang unter den unkontrollierbaren Nachwirkungen leidet, von denen Psychosen und Aussetzer in der Gehirntätigkeit noch die Harmloseren sind. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob gewisse Pflanzen oder Substanzen zugänglich oder legal sind, gefährlich sind sie allemal, und man sollte sich dahingehend nicht beschwatzen lassen. Auch nichthalluzinogene Pflanzengifte, wie Glykoside oder viele Alkaloide, können tödlich sein.

Die Verwender von Drogen argumentieren, daß diese ihnen den Zugang zur Magie erleichtern – das stimmt auch in gewisser Weise, denn sie ersparen dem Faulen ein wenig mentale Arbeit. Allerdings kommt man auf diesem „beschleunigten“ magischen Weg zwar zunächst schneller vorwärts, landet jedoch in einer Sackgasse. Ein benebelter Verstand ist nicht in der Lage, sich frei zu entfalten, und die fortwährende Schädigung des Gehirns setzt der Karriere als Magier (und auch als Lebewesen) schließlich vorzeitige Grenzen.

4. Die Grenzen der Magie
Was man nicht kann (zumindest kann ich es nicht und habe noch keinen Beweis dafür gesehen, daß es funktioniert), ist die Materie selbst zu verändern. Es ist also nicht möglich, Materie zu erschaffen, zu vernichten, zu verwandeln oder zu bewegen.

Man kann lediglich auf die im zu verzaubernden Ziel enthaltenen Energien einwirken, sie verändern und, sofern das Ziel lebt, dadurch dessen Geist beeinflussen und es somit auch zu bestimmten körperlichen Reaktionen oder Handlungen veranlassen.

Man darf nicht vergessen, daß die Magie auch ihre Grenzen hat. Magie kann nicht das Unmögliche vollbringen, wie zum Beispiel etwas ungeschehen zu machen oder fehlende Gliedmaßen zu ersetzten. Sie kann lediglich das Machbare lenken. Die Ziele, die man mittels Magie zu erreichen sucht, sollten erfüllbar sein. Es ist töricht zu versuchen, das Unmögliche herbeizuführen. Die Magie hat ihre Gesetze wie jede anerkannte Wissenschaft, und diese haben ihre Gültigkeit wie alle anderen Naturgesetze – unabhängig von Glauben oder Nicht-Glauben.

Magie sollte außerdem erst dann zuhilfe genommen werden, wenn alle weltlichen Mittel versagt haben. Wer an die Magie Erwartungen stellt, die vom Magier eigentlich mit weltlichen Mitteln selbst erfüllt werden müßten, dem wird sie den Ball unaufgefordert und gnadenlos wieder zurückspielen.

Magie ist kein Allheilmittel für sämtliche Probleme. Magische Arbeit kann nicht alles im Leben lösen, und sie entbindet den Magier sicher nicht davon, selbst den Hintern hochbekommen zu müssen. Aber sie vermag ihm die dafür notwendige Energie und die richtige Einstellung dazu zu vermitteln, und das ist doch auch schon etwas.

Magie sollte auch die Medizin nie ersetzen, obwohl sie diese ergänzen kann. In allen Fällen, in denen man normalerweise einen Arzt zu Rate ziehen würde, sollte dies auch der Magier tun. Ein Zauber verhindert wohl nur selten eine Wundinfektion, vertreibt Erkältungen oder heilt Krankheiten oder Verletzungen. Aber ein Zauber kann die Heilung unterstützen – und vor allem den inneren Willen zur Heilung. Die Selbstheilungskräfte des Körpers sind stark, doch manchmal müssen sie eben erst angeregt werden.

Man löse sich von der Vorstellung, daß allein die Magie der Schlüssel zum Ziel ist. Was mit weltlichen Mitteln lösbar ist, sollte auch der Magier mit weltlichen Methoden lösen. Sämtliche Rituale und magische Praktiken haben nämlich nur ein Ziel: den Willen des Magiers zu bündeln und auf innere Realitäten zu lenken. Das höchste Ziel der Magie ist nicht die Demonstration von spektakulären Effekten, sondern die spirituelle Transformation des Individuums.

Die Elemente
· 1. Die Natur der Elemente
· 2. Die Erde
· 3. Das Wasser
· 4. Die Luft
· 5. Das Feuer
· 6. Der Geist
· 7. Die Elemente im Pentagramm
· 8. Die Himmelsrichtungen der Elemente
· 9. Die Arbeit mit den Elementen

1. Die Natur der Elemente

elements

Die Dreiecke als Symbole der Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer. Chymisches Lustgärtlein, Stoltzius von Stoltzenberg (1624)

„Dies ist die Wurzel und Grundlage aller Körper, Naturen, Kräfte und wunderbaren Werke; wer diese Eigenschaften der Elemente und ihre Mischungen kennt, der wird ohne Schwierigkeit wunderbare und erstaunliche Dinge vollbringen und ein vollendeter Meister der natürlichen Magie sein“, schrieb Agrippa von Nettesheim, Doktor der Rechte und der Medizin, Philosoph und Schriftsteller im Jahre 1510.

Im Okkultismus, der zeremoniellen Magie und der Hexerei arbeitet man viel mit den Kräften und Energien der Elemente. Die Elemente dienen dabei als Analogien und sind somit Hilfsmittel für den Magier, dessen psychische Energien sie durch ihre assoziative Wirkung verstärken können.

In seinem