Skaldendichtung

Skaldendichtung 01Im wikingerzeitlichen Norden stand die Dichtkunst in hohem Ansehen. Die Bezeichnung für Dichter war “Skalde” (altnordisch singular skáld). Der früheste bekannte Skalde war Bragi Boddason der Alte, von dem die sogenannte Ragnarsdrápa überliefert ist, ein Gedicht, in dem er mythologische, auf einem Schild dargestellte Szenen schildert. Wahrscheinlich ist er mit dem Bragi, der später als einer der Götter, der Asen, gezählt wurde, identisch. Dieser Bragi wird in der Snorra-Edda und in dem Eddalied Lokasenna als Gott der Dichtkunst dargestellt. Ab wann aber der historische Bragi als ein Ase aufgefaßt wurde, ist nicht zu sagen.

Daß die Skalden in der heidnischen Zeit ihre Kunst als Geschenk der Götter, vor allem Odins, auffaßten, ist jedenfalls gut belegt. Hierbei spielt der Mythos vom Dichtermet eine besondere Rolle. Er ist u.a. im Eddalied Hávamál und in der Snorra-Edda in leicht unterschiedlichen Versionen überliefert. Snorris Fassung wird am Ende dieses Artikels vollständig wiedergegeben.

Skalden hielten sich oft an Fürstenhöfen auf. Insbesondere die norwegischen Könige waren dafür bekannt, daß sie zahlreiche Skalden bei sich hatten, aber auch schwedische, dänische und englische Könige sowie die Jarle der Orkneys und die norwegischen Ladejarle, zogen diese Dichter an. Einige Herrscher, wie etwa der Orkneyjarl Rögnvaldr, galten selbst als herausragende Skalden.

Gedichte wurden wie ein kostbares, handwerkliches Produkt betrachtet: Sie konnten einem Herrscher gewidmet und somit geschenkt werden und erforderten dann eine Gegengabe. Ein besonderer Fall ist hierbei die “Haupteslösung”: Egil Skallagrímsson, Hauptperson der Egils saga, muß dem mit ihm verfeindeten Herrscher von York, Erik Blutaxt, ein Gedicht widmen, um sich vor der drohenden Hinrichtung zu retten. Hierbei handelt es sich also um Preislieder, die den Angesprochenen für seinen Charakter oder seine Taten loben. Es sind aber auch Gedichte über tote Herrscher bekannt und genealogische Gedichte, z.B. Ynglingatal, die den Ursprung eines Geschlechtes bis auf die Götter zurückführen und es dadurch im Rang erhöhen.

Längere, aus mehreren Strophen bestehende Gedichte, die außerdem eine Art Refrain, den stef, hatten, wurden als drápa bezeichnet. Sie wurden als am ehrenvollsten betrachtet, noch vor dem steflosen und wohl meist kürzeren flokkr. Neben solchen umfangreicheren Werken gibt es aber eine ganze Reihe einzelner Strophen, die nicht zu einem größeren Verband gehören. Diese werden lausavísur (“lose Strophen”) genannt. Sie sind meist eine Art Kommentar des Dichters zu einer bestimmten Situation oder einem Ereignis, aber auch Spottdichtung gehört dazu. Es war nämlich möglich, die Ehre eines anderen durch Schmähdichtung erheblich zu verletzen und dies konnte zu tödlichen Racheakten führen. Dasselbe gilt für Liebesdichtung, durch die die Ehre der Familie der betroffenen Frau (und damit der “Marktwert” als mögliche Ehefrau) als gekränkt betrachtet wurde. In den frühen isländischen Gesetzessammlungen sind sowohl Liebes- als auch Spottdichtung daher verboten.

In der Kristni saga heißt es, jemand habe auf den Missionsbischof Friedrich, der zusammen mit dem Isländer Thorvald auf Island herumreiste und das Christentum predigte, diese Strophe gedichtet:

Es hat Kinder geboren
der Bischof, neun Stück;
von denen allen
ist Thorvald der Vater.

Laut der Saga erschlug Thorvald als Rache dafür zwei Männer.

Übrigens waren zwar die meisten Skalden, deren Werke überliefert sind, Männer, aber es gab durchaus auch Frauen, die sich erfolgreich als Dichterinnen betätigten und einige davon sind namentlich bekannt, wie etwa Jórunn skáldmær und Steinunn Refsdóttir.

Die in der Skaldik verwendete Sprache unterscheidet sich deutlich von der normalen Prosasprache. Poetische Ausdrücke, die ein alltägliches Wort ersetzen, werden als heiti bezeichnet. Hierzu zählen mythische Eigennamen. Beispielsweise ist Hangatyr (“Tyr der Gehängten”) ein anderer Name Odins. Es ist auch möglich, nur einen Teil statt des Ganzen zu nennen, etwa “Kiel” anstatt “Schiff”. Manche heiti können nur in ihrem Kontext verstanden werden, z.B. “Lärmmacher” für “Feuer”.

Bekannt ist die Skaldendichtung aber für die in ihr oft verwendeten mehrgliedrigen Umschreibungen, die kenningar (singular kenning). Sie sind mindestens zweigliedrig, können aber deutlich länger sein und mehrere Kenningar in sich selbst enthalten. Z.B. ist “der Gürtel des Weges des Schiffes” eine Kenning für die Midgardschlange: der “Weg des Schiffes” ist das Meer, der das Meer umspannende Gürtel die Schlange. Insgesamt wurden ca. 100 Begriffe durch Kenningar umschrieben, aber der Großteil der Kenningar bezieht sich auf die 10 bis 15 in der Dichtung häufigsten Worte. Meistens sind das Bezeichnungen für Waffen, Schiffe, Mann, Frau, Körperteile und dergleichen. Kenningar haben oft einen mythologischen Bezug.

Drei Reimarten konnten in der skaldischen Dichtung verwendet werden:

Beim Stabreim (Alliteration) ist der Anlaut der Reimwörter gleich. Grundsätzlich stabt jeder Konsonant mit sich selbst, aber die Konsonantengruppen sk, sp und st reimen nicht untereinander und nicht mit s, sondern nur mit sich selbst, also sk mit sk, sp mit sp und st mit st. J wird meistens wie ein Vokal behandelt. Alle Vokale und Diphthonge staben untereinander, meistens wird es sogar als hochwertiger betrachtet, wenn die stabenden Vokale unterschiedlich sind. Stabreim kommt in der gesamten germanischen Dichtung zum Einsatz, ist also nicht speziell nordisch. Seine Funktion ist es, die Reimwörter, die zugleich meistens die bedeutungsschwersten Worte eines Verses sind, hervorzuheben.

Binnenreim (altnordisch hending) ist der Gleichklang von Lauten im Inneren von Reimwörtern. Bei Vollreim (aðalhending) reimen Vokal und ein oder mehrere darauf folgende Konsonanten; bei Halbreim (skothending) lediglich die Konsonanten. Der Binnenreim wird nur in der Skaldik verwendet.

Endreim kommt im Norden erstmals in Egils oben erwähnter “Haupteslösung” zum Einsatz. Er markiert das Versende und verbindet zwei oder mehr Verse miteinander. Es wird vermutet, daß die Verwendung des Endreims über England in den Norden gelangte.

Das in der Skaldik meistverwendete und gleichzeitig komplizierteste Versmaß ist das Dróttkvætt. Es hat 8 Kurzverse, und je zwei Verspaare bilden zusammen eine Halbstrophe (helming). Im Normalfall hat jeder Vers 6 Silben und dabei drei Hebungen. Die Verspaare sind durch Stab- und Binnenreim zusammengebunden. Im Anvers liegen zwei Stäbe auf Hebungen (stuðlar “Stützen”), im Abvers ein Stab auf der ersten Silbe (höfuðstaðr “Hauptstab”).

Die Wortstellung im Satz kann dabei völlig anders sein als in der normalen Sprache; selbst die einzelnen Glieder der Kenningar können an unterschiedlichen Stellen in der Strophe stehen.

Hier ein recht einfaches Beispiel mit normaler Wortfolge und ohne Kenningar, in dem der Orkneyjarl Rögnvald seine Fähigkeiten beschreibt (Stabreim rot markiert, Binnenreim grün):

Tafl emk örr at efla,
íþróttir kank níu,
týnik trauðla rúnum,
tíð er bók ok smíðir,
skríða kank á skíðum,
skýtk ok rœk, svát nýtir ;
hvártveggja kank hyggja :
harpslött ok bragþöttu.

(“Ich bin gut im Brettspiel,
beherrsche neun Fähigkeiten,
ich verderbe selten Runen,
kenne mich mit Büchern und Handwerk aus,
kann mit Skiern laufen,
schieße und rudere mit Erfolg;
beides beherrsche ich:
Harfenspiel und Dichtkunst.”)
Skaldendichtung 1Skaldengedichte wurden bereits im Mittelalter und werden meist auch heute noch als relativ zuverlässige historische Quellen betrachtet. Man ging bzw. geht davon aus, daß sie wegen ihrer komplizierten, an genau festgelegte Regeln gebundenen Form auch durch die manchmal jahrhundertelange mündliche Überlieferung nicht wesentlich verändert werden konnten. Dennoch sollte man hier vorsichtig sein. Von ca. 250 namentlich bekannten und einigen anonymen Skalden aus der Zeit vor 1300 sind Werke oder Teile von Werken schriftlich überliefert. In den meisten Fällen sind ihre Gedichte in Sagas in den Prosatext eingeschoben. Im Fall der eher historiographischen Literatur, wie etwa den Königssagas, geschah dies, um das zuvor Erzählte zusätzlich zu belegen – eine Art Quellenverweis. In den Isländer- und Vorzeitsagas dienen Skaldenstrophen oft aber dazu, um eine bestimmte Stelle durch eine Figur quasi in direkter Rede kommentieren zu lassen: “Da sprach XY die Strophe: …”. In vielen Fällen scheint es unmöglich zu sein, daß die Strophe wirklich zu dem geschilderten Zeitpunkt entstanden ist, beispielsweise während eines Kampfes oder in einem Sturm auf hoher See. Etliche solche Strophen werden als Fälschungen betrachtet, die erst später, in vielen Fällen wohl vom Sagaverfasser selbst, produziert wurden. Man muß dabei auch bedenken, daß das mittelalterliche Publikum, für das die Sagas bestimmt waren, wohl wenig oder nichts gegen ein solches Vorgehen einzuwenden hatte, vor allem, wenn die Strophe gut war. Es kam aber auch vor, daß derjenige, der ein tatsächlich altes, mündlich tradiertes Gedicht niederschrieb, dieses nicht mehr vollständig verstand und es daher veränderte. Wenn dasselbe Gedicht in mehreren Handschriften überliefert ist, weichen diese oft erheblich voneinander ab – was zeigt, daß auch bei der Skaldik nicht grundsätzlich von einer unverfälschten Überlieferung ausgegangen werden kann. Wenig Dichtung ist in Runen überliefert, eine Ausnahme ist der Karlevistein auf der schwedischen Insel Öland, der eine ganze Strophe im Dróttkvætt enthält.

Übrigens haben einige Sagas Dichter als Hauptpersonen und werden daher manchmal in einer Gruppe unter dem Titel “Skaldensagas” zusammengefaßt. Hierzu gehören vor allem Gunnlaugs saga ormstunga, Bjarnar saga Hitdælakappa, Kormáks saga und Hallfreðar saga vandræðaskálds. Meist wird in ihnen u.a. eine (tragische) Liebesgeschichte thematisiert.
Aus der Snorra-Edda (Skáldskaparmál 5 und 6)

In der Rahmenhandlung des Folgenden kommt Ägir als Gast zu den Asen und stellt dem in der Halle neben ihm sitzenden Bragi Fragen.

Und wiederum sprach Ägir: “Woher habt ihr die Fähigkeit, die ihr Skaldenkunst nennt?”

Bragi antwortet: “Das begann damit, daß die Götter mit dem Volk, das Wanen heißt, verfeindet waren. Aber sie hielten ein Friedenstreffen ab und schufen Frieden, indem beide Seiten zu einem Gefäß gingen und ihren Speichel hineinspuckten. Aber am Schluß nahmen die Götter ihn und wollten dieses Friedenszeichen nicht verlorengehen lassen und schufen einen Menschen daraus. Der heißt Kvasir. Er ist so weise, daß keiner ihn etwas fragen kann, worauf er nicht die Antwort weiß. Er zog weit in der Welt herum, um den Menschen Wissen beizubringen. Als er auf deren Einladung hin zu den Zwergen Fjalarr und Galarr kam, da riefen sie ihn zu einem geheimen Gespräch und erschlugen ihn. Sein Blut ließen sie in zwei Gefäße und einen Kessel rinnen, und der heißt Odrörir, aber die Gefäße heißen Son und Bodn. Sie mischten Honig zu dem Blut und daraus wurde der Met, von dem jeder, der davon trinkt, ein Skalde oder gelehrter Mann wird. Die Zwerge sagten den Asen, Kvasir sei an seinem Verstand erstickt, weil kein anderer so gelehrt war, daß er ihn nach Wissen hätte fragen können.

Dann luden diese Zwerge den Riesen zu sich ein, der Gilling heißt, und seine Frau. Die Zwerge luden Gilling ein, mit ihnen aufs Meer hinauszurudern. Aber als sie am Land entlang fuhren, ruderten die Zwerge auf eine Klippe und das Schiff kenterte. Gilling konnte nicht schwimmen und ertrank, aber die Zwerge drehten das Schiff wieder um und ruderten an Land. Sie erzählten seiner Frau, was passiert war. Sie ertrug dies schlecht und weinte laut. Da fragte Fjalarr, ob es leichter für sie würde, wenn sie nach draußen aufs Meer blicke, wo er ertrunken sei. Und das wollte sie. Da besprach er mit Galarr, seinem Bruder, daß er sich über die Tür stellen solle wenn sie hinausgehe und ihr einen Mühlstein auf den Kopf fallen lassen, denn er meinte, ihm sei ihr Gejammer zuwider. Und das tat er.

Als das der Riese Suttung, Gillings Sohn erfuhr, begab er sich zu den Zwergen und brachte sie aufs Meer und setzte sie auf eine Flutschäre. Sie bitten Suttung um Gnade für ihr Leben und bieten ihm als Ausgleich für seinen Vater den wertvollen Met, und diese Abmachung kommt zustande. Suttung bringt den Met heim und bewahrt ihn da auf, wo es Hnitbjörg heißt. Er beauftragt seine Tochter damit, darüber zu wachen.

Deshalb nennen wir die Skaldenkunst “Kvasirs Blut” oder “Getränk der Zwerge” oder “irgendeine Flüssigkeit Odrörirs oder Bods oder Sons”, oder “Fahrzeug der Zwerge”, weil ihnen der Met als Lebensrettung von der Flutschäre diente, oder “Suttungsmet” oder “Hnitbjörgflüssigkeit”.

Da sagte Ägir: “Das kommt mir schwer verständlich vor, die Skaldenkunst mit diesen Ausdrücken zu bezeichnen. Aber wie kamt ihr Asen an den Suttungsmet?”

Bragi antwortet: “Dazu gibt es diese Geschichte, daß Odin von daheim loszog und an eine Stelle kam, wo neuen Knechte Gras mähten. Er fragt, ob sie wollten, daß er ihre Sicheln wetze. Sie stimmten zu. Da nimmt er einen Wetzstein von seinem Gürtel und wetzt sie, und ihnen kam es vor, als schnitten die Sicheln viel besser. Sie wollten den Wetzstein kaufen. Aber er äußerte sich so, daß der, der ihn kaufen wolle, etwas Angemessenes dafür geben müsse. Aber alle sagten, das wollten sie und baten, ihn ihnen zu verkaufen, aber er warf ihn in hinauf in die Luft. Alle wollten danach greifen und dabei kam es so, daß jeder mit der Sichel den Hals des anderen durchschnitt.

Odin übernachtete bei dem Riesen der Baugi hieß, dem Bruder Suttungs. Baugi sagte, seine Vermögensverhältnisse seien schlecht und seine neun Knechte hätten sich erschlagen. Er sagte, er habe keine Aussichten, Arbeiter zu bekommen. Odin nannte sich bei ihm Bölverk. Er bot an, für Baugi die Arbeit von neun Männern zu verrichten, aber wollte als Lohn einen Schluck vom Suttungmet haben. Baugi sagte, daß er in keiner Weise über den Met bestimme, denn Suttung wolle ihn für sich allein haben. Aber er versprach, mit Bölverk dorthin zu gehen und zu versuchen, ob sie den Met erlangen könnten.

Bölverk verrichtet im Sommer die Arbeit von neun Männern, aber im Winter verlangte er von Baugi seinen Arbeitslohn. Da gehen sie beide zu Suttung. Baugi erzählt seinem Bruder Suttung von seiner Vereinbarung mit Bölverk, aber Suttung will keinen Tropfen des Mets herausrücken. Da sagte Bölverk zu Baugi, daß sie mit irgendeiner List versuchen sollten, ob sie den Met bekommen könnten, und Baugi hatte nichts dagegen einzuwenden. Da zieht Bölverk den Bohrer, der Rati heißt, hervor und sagt, daß Baugi den Felsen anbohren solle, wenn der Bohrer dazu tauge. Das macht er. Dann sagt Baugi, er habe jetzt den Felsen durchbohrt. Aber Bölverk bläst in das Bohrloch und es fliegen ihm die Späne entgegen. Da merkte er, daß Baugi ihn betrügen wollte und forderte ihn auf, durch den Fels hindurchzubohren. Baugi bohrte erneut und als Bölverk zum zweiten Mal hineinblies, da wehte es die Späne nach innen. Da nahm Bölverk die Gestalt einer Schlange an und kroch in die Bohröffnung. Baugi stieß mit dem Bohrer hinter ihm her, aber verfehlte ihn.

Bölverk ging dann dorthin, wo Gunnlöd war und lag drei Nächte bei ihr. Dann versprach sie ihm, daß er drei Schlücke von dem Met trinken dürfe. Mit dem ersten Schluck trank er alles aus Odrörir, mit dem zweiten aus Bodn und mit dem dritten aus Son. Damit hatte er den gesamten Met.

Daraufin nahm er Adlergestalt an und flog so schnell wie möglich davon. Aber als Suttung den Adler fliegen sah, nahm er Adlergestalt an und flog hinter ihm her. Aber als die Asen Odin fliegen sahen, da stellten sie draußen auf den Hof ihre Gefäße, und als Odin Asgard erreichte, spie er den Met in die Gefäße. Aber weil Suttung ihn fast erreichte, ließ er ein wenig von dem Met fallen, und das wurde nicht verwahrt. Das kann jeder haben, der will und wir nennen es den Tölpelskaldenanteil. Aber den Suttungmet gab Odin den Asen und den Menschen, die dichten können. Deswegen nennen wir die Skaldenkunst “Beute Odins” und seinen “Fund” und seinen “Trunk” und sein “Geschenk” und “Trunk der Asen”.

Die Snorra-Edda ist ein Lehrbuch der Skaldendichtung.

ergänzend:  Snorri Sturluson  Erzähler der Götter- und Heldensagen

Snorri Sturluson

Erzähler der Götter- und Heldensagen

Snorri Sturluson Skalde (Dichter), Historiker und Autor der Snorra-Edda

Snorri Sturluson
Skalde (Dichter), Historiker und Autor der Snorra-Edda

 Snorri Sturluson wurde im Jahre 1179 in Hvammur geboren. Seine Eltern Sturla Thórdarson, ein westisländischer Gutsherr, und Gudny Bödvarsdóttir gelten als Gründer des Geschlechtes der Sturlungar.

In jungen Jahren wurde Snorri zu dem Goden Jón Loptsson nach Oddi geschickt, einem Bildungszentrum in Südisland und Sitz der Familiensippe der Oddverjar. Dort lernte er nicht nur das Lesen und Schreiben, sondern wurde auch in Latein, Theologie, Geografie und isländischem Recht unterrichtet. Die weltoffene Atmosphäre dieses nationalen Bildungszentrums sowie die für damalige Verhältnisse umfassende Ausbildung haben ohne Zweifel großen Einfluss auf den jungen Snorri gehabt und sein weiteres Leben maßgeblich bstimmt.

In Snorri vereinigten sich zwei deutlich ausgeprägte Charakterzüge. Zum einen gierte er nach Macht und Reichtum, zum andern prägte sein Wissensdurst und sein engagiertes Interesse für die Dichtkunst sein Leben nachhaltig.

Nach seiner Rückkehr heiratete er 1199 Herdis, die Tochter des wohlhabenden Goden Bersi, kam damit zu großem Besitz und Reichtum und erbte nach dem Tod seines Schwiegervaters dessen Godentitel. Bereits 1206 trennte Snorri sich von seiner Ehefrau und zog nach Reykholt, wo er 1224 seine zweite Frau Hallveig Ormsdatterden heiratete und für den Rest seines Lebens seinen Wohnsitz hatte. Überreste seines Hofes und vor allem das von einer heißen Quelle gespeiste Bad mit seinem unterirdischem Gang sind dort heute noch zu besichtigen. Snorri soll dem weiblichen Geschlecht sehr zugetan gewesen sein und eine große Zahl Kinder gehabt haben.

Sein ganzes Leben war durch das Bestreben gekennzeichnet, seine Macht und seinen Einfluss zu steigern. Dieser Ehrgeiz, geschickt ausgehandelte Verträge und die beiden gezielten, politisch motivierten Ehen machten ihn zu einem sehr einflussreichen Mann mit großen Besitztümern. Bereits 1215 wurde ihm das einflussreiche Amt als Gesetzessprecher des isländischen Althing übertragen und er genoss hohes Ansehen beim norwegischen Königshof. Doch dieser politische Ehrgeiz und sein Machtstreben führten schließlich zu Snorris Sturz, der sich schon früh abzeichnete.
Im Sommer 1218 reiste er nach Norwegen, um den Jarl Skùli Bàrdarson, der stellvertretend für König Håkon Håkonarson das Land regierte, zu besuchen. Snorri versprach dem Jarl für den Schutz der norwegischen Händler in Island zu sorgen, wurde königlicher Gefolgsmann und blieb zwei Jahre in Norwegen. Nach seiner Rückkehr übernahm er erneut das Amt des Gesetzessprechers.
Von 1237 bis 1239 hielt Snorri sich erneut in Norwegen auf. In dieser Zeit jedoch verwickelte Jarl Skùli sich in einen fatalen Machtkampf gegen seinen Schwiegervater König Håkon. Der König schlug diesen Aufstand nieder und ließ den Jarl 1240 in Bjørgvin (dem heutigen Bergen) töten.

Während Snorris Abwesenheit verschärften sich die kriegerischen Auseinandersetzungen im fragilen Machtgefüge der isländischen Clans und seiner Familie. Sein Neffe Sturla Thordarson unterlag 1238 in der entscheidenden Schlacht von Örlygsstaðir dem Goden und König Håkons Vertrauten Gissurr Thorvaldsson, der – obwohl einer Tochter Snorris verheiratet – ein erbitterter Gegner der Familie war.
Snorri, der von dem Niedergang der Sturlungar in jener Schlacht erfahren hatte und um seine Macht fürchtete, verließ trotz eines königlichen Ausreiseverbotes im Frühjahr 1239 Norwegen und kehrte nach Island zurück. König Håkon ging jedoch wegen dieser verbotenen Abreise davon aus, dass Snorri in dem Aufstand verwickelt gewesen sei und befahl Gissurr Thorvaldsson, Snorri entweder zur Rückkehr nach Norwegen zu bewegen oder ihn zu töten. Gissur sah mit diesem Befehl die Gelegenheit gekommen, das letzte Mitglied der einst so mächtigen Sturlungar aus dem Weg zu räumen, sammelte einige Männer um sich und tötete Snorri und einige seiner Söhne am 23. September 1241 daheim in Reykholt. Direkt nach der Tat übernahm der königstreue Thorgils Skardi die Position des mächtigsten Mannes Islands. Später ernannte König Håkon den gedungenen Mörder Gissurr zum neuen Jarl auf Island.
Eine Ironie der Geschichte – ausgerechnet ein norwegischer König war für den Tod des Mannes verantwortlich, der mit der Heimskringla die Geschichte der norwegischen Monarchie für die Nachwelt erhielt.

Weitaus bekannter ist das Vermächtnis des Skalden und Historikers Snorri Sturluson.
Zu seinen Werken gehören die Heimskringla, die Geschichte der norwegischen Könige, und die Snorra-Edda (auch Prosa-Edda genannt). Ebenfalls wird ihm die Egilssaga, eine der bekanntesten isländischen Sagas, zugeschrieben, was aber umstritten ist. Innerhalb der Geschichte des norwegischen Königshofes ist insbesondere die Geschichte von König Olaf dem Heiligen (Óláfs saga helga) hervorzuheben, die wie keine andere Snorris brillante Erzählkunst bezeugt. Snorri Sturluson unterscheidet sich in seiner realistischen und objektiven Behandlung des Quellenmaterials von anderen zeitgenössischen Historikern. Bewusst vermeidet er jegliche Übertreibung und Interpretation.

Das bekannteste Werk von Snorri Sturluson ist die Edda, die bedeutendste Quelle der nordischen Mythologie und heidnischer Bräuche. Sein Name wird schon in der ältesten Edda-Handschrift, dem Codex Upsaliensis, erwähnt, die kurz nach 1300, nur gut 50 Jahre nach seinem Tod, niedergeschrieben worden war. Das Werk ist in vier Kapitel unterteilt:

  • Prologus, Snorris Vorwort,
  • Gylfaginning, Gylfis Verblendung,
  • Skáldskaparmál, die Sprache der Dichtkunst,
  • und Háttatal, eine Sammlung altnordischer Versformen, die Snorri für den norwegischen König Hakon dichtete.

Aufbau und Stil entsprechen dem Zeitgeist jener Epoche. Getreu der zeitgenössischen Vorstellung von der göttlichen Abstammung der Könige entwirft er einen Stammbaum des Königshauses, der seinen Ursprung bei den Asen hat. Deutlicher als jeder andere Zeitgenosse zeichnet er ein Weltbild der heidnischen Ahnen. Snorris Begabung, lebendig zu erzählen, wissenschaftlich zu informieren und gleichzeitig unterhaltsam zu schreiben, kommt in der oft heiteren Beschreibung der nordischen Götterwelt besonders zur Geltung. Die Götter sind menschlich und nicht frei von Fehlern; trotzdem verlieren sie in Snorris Beschreibung niemals ihre Würde. Snorri schrieb seine Edda als ein Handbuch für angehende Skalden.

In Skáldskaparmál erläutert er die Skaldenkunst, die Verwendung mythischer Umschreibungen (kenningar) sowie Metaphorik.
Das Háttatal ist eine Sammlung von 102 skaldischen Preisliedern, die Snorri für den norwegischen König Hakon gedichtet und kommentiert hat.
Im Dichter Snorri Sturluson vereinigen sich der Gelehrte, der in der europäischen Bildung und den Traditionen seiner Zeit bewandert ist, und der Volksdichter, der ein Gespür dafür hat, wie man unterhaltsame Geschichten schreibt. Seine Beschreibung der Götter ist für den Leser ein reines Vergnügen. Seine Werke basieren auf altnordischen Literaturtraditionen und stellen eine einzigartige Mischung aus Historie und Fiktion dar. Auch wenn Snorri seine Werke in Island verfasst hat, ist sein Blickwinkel immer international. Das Thema seiner Werke ist die gemeinsame geistige und kulturelle Tradition Skandinaviens und damit ein wichtiger Beitrag zum europäischen Kulturerbe. Die Snorra-Edda erschließt uns in einzigartiger Weise Weltbild und Leben der Wikinger.

Karl Joseph Simrock

220px-Karl_Joseph_SimrockKarl Joseph Simrock (geb. 28. August 1802 in Bonn; gest. 18. Juli 1876 ebenda) war ein deutscher Dichter, Philologe und Übersetzer.

Er wurde in Bonn als 11. und letztes Kind des Musikers und Musikverlegers Nikolaus Simrock geboren, besuchte in Bonn das französischsprachige Lycée, begeisterte sich wie Viele an der damals wieder belebten mittelhochdeutschen Epen- und an der Märchenliteratur und immatrikulierte sich 1818 für ein Jurastudium an der neu gegründeten Preußisch-Rheinischen Universität in Bonn. Dort hörte er auch Geschichte bei Ernst Moritz Arndt und deutsche Sprache und Literatur bei Schlegel. 1822 setzte er sein Studium der Rechte in Berlin fort, schloss es 1826 erfolgreich ab, wählte die Richterlaufbahn in Berlin und arbeitete (seit 1824) am Königlichen Kammergericht.

Schon 1823 war er Mitglied der Berliner Mittwochsgesellschaft geworden und schloss unter anderem auch Freundschaft mit Adalbert von Chamisso. 1827 brachte er die erfolgreichste neuhochdeutsche Übersetzung des Nibelungenliedes heraus und begann, als Lyriker und Balladendichter zu publizieren. 1830 wurde er wegen eines Gedichtes zum Lobe der französischen Julirevolution aus dem Staatsdienst entlassen. 1834 wurde er zum Doktor der Philosophie promoviert. Er wirkte fleißig und gediegen als Übersetzer (so von Hartmann von Aue, Kudrun und Shakespeare), Herausgeber und als erfolgreicher, auch patriotischer Schriftsteller, ab 1832 wieder in Bonn. Dort heiratete er 1834 Gertrude Ostler; der Ehe entstammten vier Kinder.

In dieser Zeit begann er sein großes, Jahrzehnte dauerndes Vorhaben, ein die deutsche Sagenwelt um Dietrich von Bern, Wieland den Schmied und weitere, umgreifendes Werk zu schaffen. Das „Amelungenlied“, machte ihn dann zu einem der meistgelesenen Autoren des 19. Jahrhunderts. Er bearbeitete die altdeutschen Volksbücher, Märchen- und Sprichwörtersammlungen und weiteres. Trotz seiner Freundschaft mit Ferdinand Freiligrath nahm er an der sogenannten 1848er Revolution keinen tätigen Anteil. Er wurde 1850 a.o. und 1853 ordentlicher und in seinem Felde berühmter Professor für die Geschichte der deutschen Sprache und Literatur der Bonner Universität. 1853-55 erschien sein maßgebliches „Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluss der nordischen“.

Karl Simrock begründete seinen Ruf mit der Übersetzung des Nibelungenliedes und der Herausgabe und Übertragung der Gedichte von Walther von der Vogelweide. Das populärste Werk Simrocks waren die Deutschen Volksbücher, die zwischen 1839 und 1867 insgesamt 55 Auflagen erreichten. Neben der deutschen und altnordischen Literatur wandte er sich auch Shakespeare zu, dessen Quellen er erforschte. Auch übersetzte er einige seiner Gedichte und Bühnenstücke ins Deutsche.

Eine 12-bändige Edition seiner Ausgewählten Werke erschien ab 1907 in Leipzig, herausgegeben von Gotthold Klee. Seine Sagenbücher wurden bis in die 1940er Jahre zur – bei diesen Jahrgängen des Bildungsbürgertums immer voraussetzbaren – Jugendlektüre; nach 1945 ohne Wiederbelebung.

350px-Bonn,_am_SimrockdenkmalEinflussreiche Bürger der Stadt Bonn riefen 20 Jahre nach dem Tod Simrocks zu Spenden für ein Simrock-Denkmal auf. Bereits ein Jahr später stellt der Bonner Bildhauer Albert Küppers erste Modellskizzen zu einem Denkmal für den bekannten Dichter vor. Im Frühjahr 1900 wurde das Sammlungsergebnis veröffentlicht. Durch die große Spendenbereitschaft waren etwa 23.000 Mark zusammen gekommen, so daß Küppers mit der Ausführung des Denkmals beauftragt werden konnte. Der Vertrag sah vor, daß das Denkmal bis zu Simrocks 100. Geburtstag fertiggestellt sein müsse. Bei der feierlichen Enthüllung des Denkmals am 15. Juli 1903 wurde Karl Simrock vor allem als der Übersetzer des Nibelungenliedes, aber auch als Patriot gepriesen. Das Denkmal wurde später in der BRD abgeräumt. Seitdem liegt es auf dem Bauhof der Stadt Bonn.

Werke (Auswahl)

  • 1827 Das Nibelungenlied (Übersetzung); (PDF-Datei, HTML-Version)
  • 1830 Der arme Heinrich von Hartmann von Aue (Übersetzung)
  • 1833 Gedichte von Walter von der Vogelweide (Übersetzung)
  • 1835 Wieland der Schmied (Versepos) (PDF-Datei)
  • 1836 Rheinsagen (PDF-Datei)
  • 1839-43 Die deutschen Volksbücher
  • 1842 Parzival und Titurel von Wolfram von Eschenbach (Übersetzung)
  • 1843-49 Das Heldenbuch (Übersetzung)
  • 1844 Gedichte (PDF-Datei)
  • 1845 Reineke Fuchs (PDF-Datei)
  • 1846 Die deutschen Sprichwörter (als Reclam-Band im Nachdruck, ISBN 978-3-15-008453-3 Bestellmöglichkeit)
  • 1848 Kerlingisches Heldenbuch (PDF-Datei)
  • 1851 Die deutschen Volkslieder (PDF-Datei)
  • 1851 Die Edda (Übersetzung) (PDF-Datei Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!, (als E-Buch), Netzbuch und PDF-Datei zum herunterladen)
  • 1851 Gudrun, deutsches Heldenlied (PDF-Datei)
  • 1853 Bertha die Spinnerin (PDF-Datei)
  • 1855 Die Edda, die ältere und jüngere nebst den mythischen Erzählungen der Skalda, (PDF-Datei)
  • 1855 Handbuch der deutschen Mythologie mit Einschluß der nordischen (PDF-Datei)
  • 1855 Tristan und Isolde von Gottfried von Straßburg (Übersetzung) (PDF-Datei)
  • 1855 Legenden (PDF-Datei)
  • 1856 Heliand (altsächsische Evangelienharmonie) (Übersetzung) (PDF-Datei)
  • 1857 Lieder der Minnesinger (Übersetzung) (PDF-Datei)
  • 1858 Der Wartburgkrieg (PDF-Datei)
  • 1859 Beowulf (Übersetzung) (PDF-Datei)
  • 1859 Deutsche Weihnachtslieder, eine Festausgabe (PDF-Datei)
  • 1863 Gedichte
  • 1869 Bäckerjungensage
  • 1870 Deutsche Kriegslieder (PDF-Datei)
  • 1872 Dichtungen (PDF-Datei)
  • 1900 Faust: Das Volksbuch und das Puppenspiel (PDF-Datei)
  • Folgende Geschichten wurden von Simrock behutsam nachbearbeitet und im Jahre 1845 erstmals aufgelegt:
    1. Heinrich der Löwe; Die Schöne Magelone; Reineke Fuchs; Genovefa (PDF-Datei)
    2. Die Heimonskinder; Friedrich Barbarossa; Kaiser Octavianus (PDF-Datei)
    3. Peter Dimringer v.Staufenberg; Fortunatus; König Appllonius v.Tyrus; Herzog Ernst; Der gehörnte Siegfried; Wigoleis vom Rado (PDF-Datei, PDF-Datei auch zusammen mit Band 4 nur schwarz/weiß)
    4. Dr. Johannes Faust; Doctor Johannes Faust. Puppenspiel; Tristan und Isalde; Die heiligen drei Könige (PDF-Datei nur zusammen mit Band 3 nur schwarz/weiß)
    5. Die deutschen Sprichwörter (PDF-Datei)
    6. Melusina; Margraf Walther; Sismunda; Der arme Heinrich; Der Schwanenritter; Flos und Blankflos; Zauberer Virgilius; Bruder Rausch; Ahasverus (PDF-Datei)
    7. Fierabras; König Eginhard; Das deutsche Räthselbuch; Büttner Handwerksgewohnheiten; Der Huff- und Waffenschmiede- Gesellen Handwerksgewohnheit; Der Finkenritter (PDF-Datei)
    8. Die deutschen Volkslieder (PDF-Datei)
    9. Der märkische Eulenspiegel; Das deutsche Kinderbuch; Das deutsche Räthselbuch II; Thedel Unversährt von Walmoden; Hugschapler (PDF-Datei)
    10. Die sieben Schwaben; Das deutsche Räthselbuch 3. Sammlung; Oberon oder Hug v.Bordeaux; Till Eulenspiegel; Historie von der geduldigen Helena (PDF-Datei)
    11. Pontus und Sidonia; Herzog Herpin; Ritter Galmy (PDF-Datei)
    12. Thal Josophat; Hirlanda; Gregorius auf dem Stein; Die sieben weisen Meister; Ritter Malegis (PDF-Datei)
    13. Hans von Montevilla; Aesops Leben und Fabeln; Meister Lucidarius; Zwölf Sibyllen Weiszagungen; Lebensbeschreibung des Grafen von Schafgotsch (PDF-Datei)

Atlantis, Edda und Bibel – 200 000 Jahre Germanischer Weltkultur

Hörbuch

.Hier als pdf >  Atlantis, Edda und Bibel

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Die Edda, das Buch der Götter und Heldensagen!

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Das Buch der Götter und Heldensagen, die Edda wird als Überlieferung des alten Nordischen Heidnischen Glaubens gehandelt. Sollte man sich für dieses Thema interessieren ist es unumgänglich die Edda wenigstens einmal gelesen zu haben. Wobei man jetzt schon aus persönlicher Sicht schreiben kann, das einmal lesen nicht ausreichen wird. Die Edda kann man als ein Buch bezeichnen was in Reimen geschrieben ist zumindestens im ersten Teil als „Die Göttersagen“. Im zweiten Teil geht es um „Die Heldensagen“. Für den ein oder anderen wird es nicht im Ansatz zu verstehen sein oder gar einen Sinn ergeben, oder er sieht schlicht und einfach eine Kopie der Christlichen Bibel stellenweise vor sich. Oder andere machen sich wahrlich Gedanken über das was dort überliefert worden ist. Man sollte seinen Instinkten dort vielleicht ein wenig folgen und sich eine Anzahl an Lesestoff zu Gemüte führen was viele vor einem darüber geschrieben haben. Denn man sollte auch wissen das aus den verschiedenen Verlagen die, die Edda herausgebracht haben auch im Vorwort eine eigene Interpretation der Edda zu lesen ist.

Daher dürfte eine Edda nicht ausreichen um sich dort ein weitreichendes Bild zu machen. Ich persönlich werde hier keine Edda jemanden empfehlen, ( außer die Edda die ich hier angebe als PDF Datei zum reinschauen ) da dieses Buch auch nach gut über 800 Jahren nach seiner ersten Abschrift um ca 1200  unserer Zeitrechnung von Snorri Sturluson immer wieder Unklarheiten aufzeigt wie man was sehen könnte. Da jeder Suchender im Leben ist und seine persönlichen Wahrheiten für sich vertritt wäre es auch eine Diskussion, die zu weit führen würde. Da die Edda in der Vergangenheit sowie Zukunft zu deuten sein könnte. Mit Sicherheit ist in den Worten und Reimen der Edda mehr zu erkennen. Wem die Edda seine Aufmerksamkeit erweckt hat wird da auch weiter in die Thematik vordringen und vielleicht auch mehr das nordische Heidentum von einer Seite sehen die bis dato vielleicht noch unbekannt war.

Es wäre vielleicht noch darauf zu achten ob es die Erst Übersetzung in die deutsche Sprache von Karl Simrock ist und diese bis heute in den Nachdrucken von Karl Simrock erhalten ist. Zum anderen gibt es noch die Übersetzung von  Felix Genzmer die sich darin unterscheiden soll das Karl Simrock versucht hat vom Skandinavischen ins Deutsche sich an den genauen Wortlaut zu halten. In der Übersetzung von Felix Genzmer soll die Edda in einem Wortlaut zu lesen sein den man heute mehr verstehen würde. Was aber nicht heißt das, das so richtig sein muss und ist. Man sollte auch dazu schreiben, das man vor über 1000 Jahren eine völlig andere Sprache hatte sowie eine völlig andere Ausdrucksweise und Bedeutung, daher dürfte das dem ein oder anderen schwer fallen das gleich sofort alles richtige zu deuten und zu verstehen.
Wie schon vorher angedeutet, darauf achten aus welchem Verlag die Edda ist, da auch dort im Vorwort der Eddas eine eigene Darstellung der Gesichtspunkte steht wie man dort dem Leser vermittelt wie die Edda zu sehen ist oder zu sehen sein könnte. Will man sich unabhängig davon machen sollte man erst die Edda lesen danach das Vorwort so kann man seine eigenen Gedanken darüber ordnen und sich Anregung darüber hinaus holen. Das als kleiner Tipp von mir dazu.

      

Die Snorra Edda von Ólafur Brynjulfsson (1760). Aus der Dänisch Königlichen Bibliothek in Kopenhagen.

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Vertonte Produkte der Edda

Poeta Magica Edda Vol.1

  1. Edda theme 2. Runes 3. Polska av gustafson 4. Råmund den unge 5. Oravais 6. Darradsljod 7. Polska efter j.a. andersson 8. Kempene på dovrefjell 9. Øgirs visedans 10. Katso katso 11. Asgards golden hall 12. Tuliloitsu 13. Fyr thióòa roc

Poeta Magica Edda Vol.2

Sequentia Edda (Myths From Medieval Iceland)

  1. Leikr elds og isa 2. Veit ek at ek hekk 3. Hliods bid ek allar 4. Vreidr var pa Ving-porr 5. Nu erum komnar 6. Baldurs minni 7. Senn voru aesir allir a pingi 8. Pat man hon folkvig 9. Ragnarok 10. A fellr austan um eitrdala
Sveinbjorn Beinteinsson – EDDA
1. The Prophecy of Seeress (Völuspá) 2. The Sayings of Hár (Hávamál) 3. The Lay Of Sigrdrifa (Sigurdríf) 4. Poems By Sveinbjorn Beinteinsson (Bragaþing)

Freya Aswynn – Fruits Of Yggdrasil

 1. Havamal 2. Voluspa     3. Wotan    4. Invokation Of The Gods 5. Nithing 6. Sigdrifumal 7. Northstar 8. Ragnarok    9. Panzer Rune 10. North 11. Futhark 12. Nietzsche 13. Seeker
Freya Aswynn – Shades Of Yggdrasil
 1. Håvamål        2. Nietzche        3. Ragnarok        4. Futhark        5. Volupsà        6. Wotan        7. Invocation        8. Seeker        9. Explanation        10. Leah Sublime

Odroerir – Götterlieder I

 1. Ginungagap (Intro) 2. Weltenanfang 3. Wanenkrieg 4. Odroerir 5. Ask und Embla 6. Zwergenschmiede 7. Skirnirs Fahrt

Odroerir – Götterlieder II

 1. Heimdall 2. Bifröst 3. Des Thors Hammer Heimholung 4. Idunas Äpfel 5. Skadis Rache 6. Der Riesenbaumeister 7. Allvater

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Die Edda – ihre Bedeutung für uns

Am 21. April 1971 lief ein dänisches Kriegsschiff mit einer Abordnung dänischer Regierungsmitglieder im Hafen von Reykjavik, Island, ein, wo es von einer vieltausendköpfigen Menschenmenge und fast der ganzen isländischen Regierung erwartet wurde. Der Empfang galt aber nicht so sehr der dänischen Abordnung selbst, sondern zwei Pergamenthandschriften, die mit diesem Kriegsschiff unter besonderen Sicherheitsmassnahmen von Kopenhagen unter offiziellem Geleit dänischer Vertreter nach Island gebracht worden waren. Eine der beiden Handschriften war ein grosser, mit prachtvollen Bildern verzierter Codex mit Sagas aus dem Ende des 14. Jahrhunderts, die andere aber war ein kleines, unscheinbares und fast schmuckloses Manuskript: Die Haupthandschrift der Lieder-Edda. Für ganz Island, keineswegs nur wissenschaftliche, literarische oder heidnische Kreise, war dieser Tag ein besonderer Festtag, und der Zug, der sich mit den beiden Handschriften vom Hafen zur Universität bewegte, wurde in den Strassen überall bejubelt. Jahrzehnte hindurch hatte sich Island bemüht, die frühen isländischen Handschriften, die zumeist seit dem 17. oder 18. Jahrhundert in Kopenhagener Bibliotheken lagen, als kostbarsten kulturellen Besitz zurück zu erhalten. Mit diesen beiden Handschriften war der Anfang gemacht, und in den Jahren danach kamen noch hunderte weiterer isländischer Manuskripte aus Dänemark in das vor allem der Forschung gewidmete isländische Handschrifteninstitut.
Es ist schwer vorstellbar, dass in einem anderen Land der Welt die Rückkehr von zwei alten Handschriften den Anlass zu einem nationalen Freudentag geben könnte. Die Isländer hatten aber immer eine besondere Beziehung zu Büchern, und dies gilt in besonderem Masse für die mittelalterlichen Schriften. Eine der bedeutendsten ist die soeben erwähnte Lieder-Edda, der Codex Regius. Diese Handschrift bezeichnet sich selbst nicht als Edda. Auf sie wurde der Name Edda übertragen, der sich in der von Snorri Sturluson zusammengestellten Handschriftensammlung findet, wo es in der Einleitung heisst: „Dieses Buch heisst Edda“. Letztere Sammlung wird gewöhnlich als Prosa-Edda bezeichnet. Zum Wort gibt es verschiedene Deutungen: Isländische Gelehrte des 16. und 17. Jahrhunderts – und so noch Ranisch heute – übersetzen das Wort mit „Poetik“. Aber das ist einfach eine Ableitung, weil die Prosa-Edda ein Skaldenlehrbuch ist. Andere – so Maurer – deuten „Edda“ als „Ahne“ – das sei die nämlich, die die Geschichten erzählt hat. Aber das Geschichtenerzählen war im alten Island nicht Privileg der Grossmütter, sondern der Männer. Die wahrscheinlichste Deutung, die heute überwiegend vertreten wird, übersetzt den Einleitungssatz mit: „Das Buch von Oddi“
Oddi war ein Hof auf Island. Saemund „der Gelehrte“ lebte 1056 bis 1133 als Herr dieses Hofes im südwestlichen Island. Snorri verbrachte auf diesem Hof als Pflegesohn von Saemunds Enkel Jon Loptsson den grössten Teil seiner Jugend bis zu seinem 19. Lebensjahr. Snorri baute in seinem späteren Königsbuch auf den von Saemund und Ari (1067 – 1148) entworfenen Skeletten der norwegischen Königsgeschichte seit Halfdan dem Schwarzen auf. Während Ari in der Landessprache schrieb, verfasste Saemund seine Arbeiten wahrscheinlich auf Lateinisch, da er in Paris studiert hatte – deswegen der Beiname „der Gelehrte“. Dort muss er auch mit der antiken Grammatik, Rhetorik und Poetik Bekanntschaft geschlossen haben, und diese philologischen Studien müssen diesen wissbegierigen Isländer mindestens ebenso stark angezogen haben wie die lateinische Geschichtsschreibung, weil Poesie und Skaldenunterweisung der bevorzugte Bestandteil der Überlieferungen seiner Heimat waren. Saemund hat so nicht nur nordische Geschichte geschrieben, sondern er war der erste Nordmann, der Sammlungen anlegte über germanische Poetik und Stilistik. Wie weit diese Sammlungen reichten, und was sie enthielten, wissen wir nicht; ihr Schatz ist aufgegangen in dem Lebenswerk des berühmten Snorri.
Wer war dieser Snorri Sturluson? Er wurde im Jahre 1178 zu Hjardaholt auf West-Island geboren und stammte väterlicherseits von dem durch eine eigene Saga bekannten Goden Snorri (gestorben 1031), mütterlicherseits durch Gudny, der „gepriesenen Sturlungenmutter“, von dem gleichfalls durch eine eigene Saga verherrlichten grössten Skalden Islands, Egil Skallagrimsson, ab. Erzogen wurde er von 1181 bis 1197 auf dem Hof Oddi, der als „Schule“ bezeichnet werden kann. Mit 23 Jahren heiratete er die wohlhabende Priesterstochter Herdis und übernahm deren Gut Borg am Borgfjord in West-lsland, den ehemaligen Skaldensitz seines Ahnen Egil Skallagrimsson, wodurch er zu einem der reichsten Männer Islands wurde. Er übersiedelte jedoch bald auf das neuerworbene Gut Reykjaholt am selben Fjord, das er stark befestigte, mit Bädern versah und in herrschaftlicher Pracht ausstattete. Er galt als kenntnisreicher Mann und guter Skalde. Nachdem er infolge seines Ansehens, das er durch erfolgreiche Fehden gemehrt hatte vier Jahre lang oberster Gesetzessprecher der Insel gewesen war, zog er mit dreissig Jahren an die Höfe König Hakons und Jarls Skule nach Norwegen, wo er sich zehn Jahre lang als deren Gefolgsmann aufhielt. Bei beiden Herren stand er in grösster Gunst, die sich durch reiche Geschenke und allerlei Ehrenzeichen äusserte. Das Preislied, welches er auf beide dichtete, zählt über hundert Weisen und ist ein Musterbeispiel der verschiedenen Formen der Skaldendichtung und als solches der Edda angehängt. Heimgekehrt, wurde Snorri abermals als Gesetzessprecher zehn Jahre lang der einflussreichste Mann Islands. Nun entstanden ausser der Egilssaga die beiden Hauptwerke Snorris, die Heimskringla und die Edda, die er seinen Schreibern in die Feder sagte.
Ersteres (nach seinem Anfangsworte, das „Erdkreis“ bedeutet, so benannt) behandelt in drei starken Bänden die gesamte norwegische Königsgeschichte, angefangen von den Ynglingen der Urzeit bis auf Magnus Erlingson im Jahre 1177; von der letzteren hören wir hier noch weiter. Beide Werke fanden ihre letzte Ausgestaltung durch die beiden Neffen Snorris, Olaf und Sturla, von denen der ältere Olaf die Edda überarbeitet, der jüngere Sturla die Königsbücher weiterführte. Die letzten Lebensjahre Snorris waren erfüllt von zahlreichen Fehden und Zerwürfnissen, teilweise mit politischem Hintergrund, da König Hakon von Norwegen nunmehr die Unabhängigkeit des isländischen Freistaates antastete. Ein letzter kurzer Besuch, der Snorri nach Norwegen führte, galt nur noch dem Jarl Skurle. Bald nach seiner Heimkehr überfiel auf Befehl König Hakons dessen isländischer Parteigänger Gissur Snorri in Reykjaholt und tötete ihn (1241). Snorri starb – wie sich das für einen Menschen des Sagazeitalters gehörte – also keinen Strohtod. Was Iässt sich nun über seine Edda sagen? Wissenschaftler bezeichnen sie als „Jüngere Edda“, weil in ihr Strophen enthalten sind, und man deshalb mutmasste, dass sie auf reine gestabte Lieder zurückgehe. Als der Codex Regius aufgefunden wurde, der nur aus Götter- und Heldenliedern (z.B. über die Nibelungen) besteht, meinte man, hier die Vorlage für Snorris Edda gefunden zu haben, und benannte den Codex Regius als „Saemunds Edda“ oder „Ältere Edda“. Aber der Codex Regius stammt von 1270 und geht auf eine verlorene Handschrift von 1240 zurück, ist also mit Sicherheit jünger als Snorris Edda. Heute nimmt man an, dass er das, was er sich selbst hatte erzählen lassen, und über Götter und Helden zu erzählen wusste, seinen Schreibern in die Feder diktiert hat. Snorri hatte wohl keine geschriebene Vorlage, schöpfte aber noch aus dem vollen Erzählschatz der heidnischen Zeit.
Aber wie schöpfte er? Hier setzten die Auseinandersetzungen unter den Wissenschaftlern ein. Island war im Jahr 1000 christlich geworden; was können uns da Jahrhunderte später aufgeschriebene Lieder und Erzählungen über das Heidentum berichten, wenden die Kritiker ein. Und ist nicht auch Skepsis angebracht, wenn wir hören, dass schon Saemunds Vater Sigfus, der verheiratet war mit einer Enkelin des Sidu-Heil, eines der ersten isländischen Grossen, die sich taufen liessen, die Priesterweihe empfangen hatte, und auch Saemund selbst Priester war, ebenso wie Ari ? Nun – zur Priestereigenschaft sagt Gustav Neckel zurecht, dass dies damals auf Island nicht viel mehr als eine Art Gelehrtengrad bedeutete, und wirkliche Priestertätigkeit des entsprechenden Hofbesitzers kaum im nennenswerten Grade damit verbunden war: „Wenn Sämund in dem von ihm vergrösserten und energisch bewirtschafteten Oddi als Krönung des Ganzen eine Kirche baut und damit Tempelherr wird, so erscheint er uns nicht viel anders als ein Gode der heidnischen Zeit, der ebenfalls in erster Linie wirtschaftliche und herrschaftliche Interessen verfolgte.“ Ebenso wie manche Goden, ähnlich wie die Fürsten auf dem germanischen Festlande, Förderer der Dichtkunst und Heger der alten Überlieferungen waren, zeigten einige der getauften Nachfolger der Goden diese Neigungen. Und ich habe deshalb so ausführlich Snorris Leben dargestellt, um zu zeigen, dass sein Leben wesentlich dem eines Goden des Heidentums entsprach. Er dichtete ein Preislied auf Jarl und König – wie die heidnischen Skalden vor ihm – nicht auf Christus, obwohl ein Preislied auf Christus schon Jahrhunderte vor ihm auf Island gemacht worden war. An vielen Stellen begegnet Snorri den Göttern mit Achtung. Hans Kuhn – und ihm nachfolgend Siegfried Gutenbrunner – glauben aus einem Satz Snorris herauszuhören, dass dieser zu Odin noch in einem Verhältnis religiöser Überzeugung stand. Der Satz steht in Kapitel 6 von „Gylfis Betörung“ und ist dem Hoch in den Mund gelegt:
„Borr ……… nahm Bestla ……… zur Frau und diese bekamen drei Söhne: Odin, Wili und We. Und das ist mein Glaube, dass dieser Odin und seine Brüder die Regierer von Himmel und Erde sind. Wir glauben, dass dies sein Name ist. Es ist der Name des Grössten und Vornehmsten, den wir kennen, und ihr könnt ihm wohl diesen Namen geben.“ Diese Worte klingen wie ein Glaubensbekenntnis. Zwar werden die Worte dem Hoch in den Mund gelegt, der auf diese Weise dem Gylfi-Gangleri die Auskunft gab. Aber der Klang der Stelle ist der eines Bekenntnisses, und im christlichen Zeitalter wäre es kaum möglich gewesen, als eigene Überzeugung dieses darzulegen. Snorri war seiner Anlage nach kein Dramatiker, so dass er hier eigene Überzeugungen hat einfliessen lassen. Hinzu kommt, dass der „Hoch“ gewöhnlich als Odin gedeutet wird, und anders als der Gott der Bibel pflegen germanische Götter sich nicht selbst zu preisen.
Als weitere Ergänzung möchte ich hinzufügen, dass mein persönlicher Eindruck ist, dass Snorri unter dem Vorwand, eine Skaldenlehre zu geben, das alte Heidentum lebendig erhalten wollte. Wenn er die germanische Religion als solche hätte darstellen wollen, wäre sein Buch genauso auf den Scheiterhaufen gewandert, wie dies Ludwig der Fromme sogar mit den germanischen Heldenliedern, die ihm sicherlich zu viel Heidnisches enthielten, getan hat. Die Sprache der Skalden = Sänger besteht fast ganz aus gekünstelten Umschreibungen, die der Isländer „Kenningar“ nennt. Neben weltlichen Umschreibungen (das Schwert wird z.B. „eines Mannes Messer“ genannt) und Umschreibungen aus der Heldendichtung (Gold wurde das „Lager Fafnirs“ genannt, weil das Gold das Sigurd dem Drachen nahm, in dessen Lager lag) finden sich auch Umschreibungen aus der Götterwelt: Statt Gold heisst es in manchen Strophen „Sifs Haar“, weil Loki der Göttin Sif einmal alle Haare abgeschnitten hatte, und Thor ihn zwang, durch Zwerge Haare aus Gold für Sif zu schalten. Zum Verständnis dieser Umschreibungen erzählte Snorri die Göttergeschichten.
Aus den Personen, die uns die Edda überliefert haben, lassen sich also keine Einwände gegen den heidnischen Charakter der in der Edda befindlichen Götterlieder finden. Und wie steht es mit einer Analyse des Inhaltes? Ende des 19. Jahrhunderts nahm man an, dass in den Liedern und Erzählungen reines Heidentum überliefert sei, und wollte mit der Nähe mancher Stelle zum Christentum das Heidentum „aufwerten“, so im Balder-Mythos den Auferstehungsgedanken nach dem Kreuzestod, oder das Selbstopfer Odins am Baum, um Weisheit zu erlangen. In den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts schlug das Pendel zur anderen Seite aus: Fast alles in der Edda wurde als christlich beeinflusst gesehen. Heute sehen die Forscher es differenzierter, wobei überwiegend der Grossteil des Inhalts als heidnisch angesehen wird. Schärfster Kritiker der Edda ist Bernhard Kummer , der sie als „Danaer-Geschenk“, das der Norden der Religionswissenschaft gemacht habe, bezeichnet hat. Er nennt den Edda-Glauben eine „Erfindung von Vorzeitschwärmern, Dichtern und Mythologen“ und meint, die Edda sei „in erster Linie und oft ausschliesslich literarisch“ zu deuten, zitiert ferner Olrik, der gesagt habe, den Glaubensinhalt der Völuspa habe vielleicht nur der Dichter selbst geglaubt, und Heusler, der die Edda „eher zu den Märchenbüchern“ rechnete und behauptete, „dass ein einzelner vedischer Hymnus, ein jüdischer Psalm, ein attisches Chorlied mehr Religion enthalten als die gesamten altnordischen Pergamente“. Nach Kummer habe kein Mensch an die Edda geglaubt, kein Priester sie gelehrt. Nur die Saga-Literatur vermittele den wahren Heiden-Glauben, und da spiele Thor eine grosse, Odin keine Rolle.
Kummer hat das Verdienst, das Verhängnis des Glaubensumbruchs für unser Wesen und unsere Weltanschauung überzeugend dargestellt zu haben. Aber bei ihm und bei manchen anderen ist der Wunsch Vater des Gedankens. Der beissende Kritiker des Christentums Kummer steht nämlich in Fragen der Moral noch oftmals fest in der christlichen Tradition. Ihn schmerzt es, wenn Hans von Schubert die Sprüche Hars-Odin mit den Worten Jesu aus der Bergpredigt vergleicht, Odins Selbstopfer für eigene Weisheit mit dem „Opfer Christi am Stamm des Kreuzes zum Besten der Brüder“, so dass er zustimmend v. Schubert zitiert, dass „tiefere Geister sich nicht der Erkenntnis hätten entziehen können, wo der höhere religiöse Gehalt, wo die sittliche Überlegenheit lag“. Dementsprechend bezeichnet Kummer Odin wie folgt: „treulos-verschlagen, greisenhaft-lüstern, blindwaltender Gott“.
Nun – vom Standpunkt der christlichen Moral lag die sittliche Überlegenheit natürlich in der Bibel. Es gibt aber keine allgemein-menschliche Moral. Eine geistesgeschichtliche Konsequenz des biblischen Gottesbegriffes hat Kummer nämlich verkannt. Mit einem allmächtigen, allgütigen und allwissenden Gott, den die Christenheit uns beschert hat, sind die Verbrechen in der Welt nicht zu vereinbaren. Wenn Gott allwissend und allmächtig wäre, könnte er die Verbrechen unterbinden; wenn er es nicht tut, obwohl er es könnte, ist er nicht allgütig, sondern sadistisch. Mein Sohn Harald sagte von sich heraus im Alter von 4 Jahren, nachdem er von meiner Schwiegermutter etwas von einem lieben Gott gehört hatte, und ich ihn vorsichtig über Mitschnacker und böse Menschen aufgeklärt hatte: „Warum hat der liebe Gott böse Menschen gemacht ? Das ist doch nicht lieb!“ Wo ist die Überlegenheit der biblischen Überlieferung, wenn ihre Widersprüche bereits einem knapp Vierjährigen auffallen?
Gustav Neckel nimmt beispielhaft die Geschichte von der Erlistung des Suttungen-Metes, wo Odin durch Verwandlungskünste und sogar einen Meineid zum Ziele kommt, und sagt dazu: „Diese Geschichte von der Erlistung des Suttungen-Metes ist die klassiche Stelle für Odins Erhabenheit über Gut und Böse, welche die Grundeigenschaft seines Charakters ausmacht und zusammen mit seinem unvergleichlichen Können ihn zum höchsten Wesen stempelt, zum absoluten Souverän – was nicht Allmacht bedeutet, denn die feindlichen Mächte, die die Welt bedrohen, bestehen weiter bis zum Ragnarök, wo auch die Götter fallen, trotz aller Erfolge, die Odin, Thor und Frey über sie davontragen, und nicht etwa Dank der Duldung des höchsten Herrschers (so wie Gott den Teufel duldet), sondern weil sie unüberwindlich sind, mit der Welt gegeben so gut wie die Asen. Dieser Dualismus der germanischen Religion ist es, der den Macchiavellismus ihres höchsten Gottes bedingt. Auch Macciavellis moralfreier Fürst ist moralfrei, weil er Nebenbuhler und Gegner hat und daher auf andere Weise seinen Staat nicht am Leben halten kann. Der Staat, den Odin am Leben zu erhalten hat, ist Midgard, das Reich der Götter und Menschen. Die Wesen, die er als Bollwerk überlistet, sind Riesen, die unversöhnbaren Feinde dieses Reiches. Zu allen Zeiten haben die wirklich Aufgeklärten – nicht bloss Fichte – Macchiavelli ernst genommen. So will auch der Odinsglaube ernst genommen sein. Er rührt an die tiefste Problematik.
Die so anspruchslos vorgetragene Geschichte von Odin und Suttung, die der Philister abgeschmackt findet, ist eins der wichtigsten Stücke der Edda und verdient auch aus diesem Grunde ihren Platz im Eingang der Skalda, wo sie das in „Gylfis Betörung“ über Odin Gelehrte wesentlich ergänzt. Während Odin auch für viele Germanen unbegreiflich war, und sie ihm scheu entgegenstanden, hatten sie – und das hat wiederum Kummer richtig erkannt – in Thor einen „fulltrui“, also einen fast väterlichen Freund, wobei Thor ganz bewusst (mit nur wenigen Ausnahmen) als ehrlich im Kampf und fair selbst gegenüber den Riesen, seinen Todfeinden. gezeigt wird.
Durch einen Verweis auf die Moral in der Edda kann also die Frage der Herkunft nicht geklärt werden. Dass die Gestalt von Odin-Wotan nicht in der christlichen Umbruchszeit des Wikingerzeitalters entstanden ist, ist schon daraus ersichtlich, dass er schon bei Tacitus erwähnt wird, und er im Stammbaum der englischen und norwegischen Königsgeschlechter erscheint; bei den Karolingern selbstverständlich nicht, weil sie nicht königlicher Abstammung sind, sondern als Hausmeier nicht die ursprünglich bei allen Germanen verbreitete Überlieferung der göttlichen Abstammung des Königshauses auf sich ziehen konnten.
Sicherlich ist nicht jede der Götterfabeln alt. Überwiegend nimmt die Forschung an (wobei allerdings auch auf Burlesken des Aristophanes zum Gegenbeweis verwiesen wird), dass das Scheltgedicht von Loki, wo er die Götter herunterputzt, von Christen erfunden wurde, da Heiden sich nicht so abfällig über ihre Götter äussern würden. Es würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, im einzelnen darzulegen, welche Herkunft (ob aus Schweden, Dänemark bzw. Norwegen oder Deutschland, teils auch Entstehung in Island selbst) die Forschung annimmt. Einiges nur zum Alter, wobei natürlich mit Rücksicht auf den Gegenstand keine 100 %ige Sicherheit erwartet werden kann. Eine Möglichkeit bietet die Sprache. Besonders archaische oder offensichtlich junge Wörter geben Anhaltspunkte für die Datierung; manchmal ist der Stabreim gestört, würde aber den Reimgesetzen entsprechen, wenn man eine ältere Sprachform einsetzt, und dann ist es wahrscheinlich, dass diese Strophen oder der entsprechende Strophenteil in eine Zeit zurückreichen, in der die älteren Sprachformen noch gültig waren. Aber ganz sicher ist auch das nicht: gerade in Texten religiösen Inhalts oder in formelhaften Wendungen können altertümliche Ausdrücke bewahrt bleiben, auch wenn sie in der Alltagssprache längst geschwunden sind, und andererseits können in einer mündlich überlieferten Dichtung nicht mehr gebräuchliche oder unverständliche Wörter durch neuere ersetzt werden.
Zuweilen haben Eddalieder Wendungen oder Strophen aus anderen übernommen; so findet man den Anfang von „Balders Träume“: „Die Asen eilten alle zum Thing / und die Asinnen alle zum Rat: und das berieten die reichen Götter …“ wörtlich wieder im Thrymlied, Str. 14, und gerade in diesem Lied gibt es noch weitere Beispiele solcher Art. Allerdings lässt sich nicht immer sicher feststellen, in welcher Richtung die Entlehnung gegangen ist. Besser steht es, wenn sich sprachliche Zusammenhänge mit datierbaren Skaldendichtungen nachweisen lassen, oder wenn Eddalieder eine nur in einem begrenzten Zeitraum verwendete Sprachform widerspiegeln. So hat etwa Helmut de Boor gezeigt, dass die verschiedenen, in der Übersetzung nicht in allen Abstufungen genau wiederzugebenden Ausdrücke für „Gott“ oder „Götter“, die in den Liedern „Der Seherin Gesicht“, „Grimnirlied“ und „Wafthrudnirlied“ verwendet werden, auch in Skaldendichtungen des späten 10. Jahrhundert auftauchen. Dort zeigen sie an, dass im Umkreis der norwegischen Jarle von Lade (bei Trondheim) eine Wiederbelebung heidnischer Vorstellungen einsetzte; in diesen zeitlichen und geistigen Umkreis können wohl auch diese drei Eddalieder eingeordnet werden. Dabei ist sehr streitig, welche Einzelheiten etwa bei der Schilderung des Weltendes in der „Seherin Gesicht“ auf christliche Vorstellungen zurückzuführen sein könnten. Manche haben gemeint, das Blasen des Horns von Heimdall beim Ansturm der Riesen sei den Posaunen des Jüngsten Gerichts entlehnt, und das Bild des goldgedeckten Saales Gimle, in dem in einer neuen Welt Freuden herrschen, erinnere an das Neue Jerusalem des Neuen Testaments. Solche Ähnlichkeiten müssen aber nicht Übernahme christlichen Gedankengutes sein, sondern es ist durchaus denkbar, dass manche im Heidentum bereits vorhandene Ideen – wie diejenige vom Untergang der Welt – in der Übergangszeit durch Berührung mit dem Christentum etwas andere Züge angenommen haben. Älter als die Götterlieder sind die Heldenlieder , die die Forschung teilweise bis ins 1. vorchristliche Jahrhundert, überwiegend in die Völkerwanderungszeit legt. Hier finden wir in beiden Eddas manches wertvolle, angefangen von der Urform der Nibelungensage bis hin zu dem bei uns verlorenen Schluss des Hildebrandliedes.
Da es bei den Heldenliedern diese Entsprechungen gibt, sind sie auch bei den Götterliedern anzunehmen, nur hier kaum mehr nachzuweisen, da sie bei der Christianisierung hier restlos vernichtet wurden. Die uns vorliegende sprachliche Form der Götterlieder kann nicht vor 800 n.Zw.. geschaffen sein. Sie wurden mündlich weitergegeben und machten deshalb den Sprachwandel mit. Dass sie in vielem auf frühere gemeingermanische Vorstellungen zurückgehen, und nicht etwa nordische Erfindung des ausgehenden Wikingerzeitalters sind, ist aber aus vielen Punkten ersichtlich. Bis auf die für den Inhalt der Sagen belanglose landschaftliche Färbung, die im übrigen auch nicht allzu unterschiedlich ist, stimmen die Vorstellungen zunächst in den Hauptpunkten überein. Wir können Odin mit Wotan, Thor mit Donar, Baldur mit Balder, Tyr mit Ziu, Freya mit Frea, Freyr mit Fro gleichstellen. Aber auch in so unwesentlichen Punkten wie beispielsweise Ymir und Twisto, die doppelgeschlechtigen Weralti, Hlodyn und Hludana, Urd und Wurt, Nornen und Schephen, Mimir und Mime, Fulla und Volla, Syn und Sunna, Njord und Nerthus, Oerwandil und Orendel, Forseti und Fosittes, Hel und Hölle (got. halia, ahd. hella), Midgard und Mittgart (got. midjungards, ahd. mittilgart), Walküren und Idisen (ahd. valagirida), altn. fiadhrhamr und ahd. fedharhama, Thurs und ahd. durisi zeigt uns die Übereinstimmung des oft Nebensächlichen, dass diese in der Hauptsache gegeben sein muss. Mit beinahe völlig gleichen Worten schildern Völuspa und das bayerische Wessobrunner Gebet den Urzustand, mit beinahe gleichen Worten Völuspa und das bayerische „Muspilli“ den Weltuntergang. Das nordische „Muspel“ scheint sich ebenso von ahd. muspilli abzuleiten, wie die ganze Baldersage von Deutschland, was schon der Name mistiltein beweist, da der Norden dessen Bestimmungswort nur in der Bedeutung „Wolke“ und ähnlich kannte. So erscheint in vielen Fällen auch hier der Ausspruch Jakob Grimms, des Altmeisters der germanischen Mythologie, berechtigt, dass der Norden von uns empfing, was er uns rettete. Die 29 Lieder des Codex Regius (bei dessen Manuskript leider 8 Seiten verloren sind) enthalten neben Götter- und Heldengeschichten auch sittliche Regeln (Havamal) und die Völuspa (Der Seherin Gesicht), eine eindrucksvolle Schau auf Welt und Weltende. Snorris Prosa-Edda enthält nach dem ersten Teil, der Gylfaginning, wo ein mythischer König Gylfi zu den Göttern kommt, und ihm Geschichten erzählt werden, als zweiten Teil „Bragis Gespräche“, als dritten Teil die „Skalda“, wo wir Umschreibungen, Beinamen, Dichtungsarten, Redewendungen und Sprachlehren finden.
Das muss zur Inhaltsangabe genügen; einiges will ich aber noch über die Form sagen. Gedichtet sind die Lieder im Stabreim. Die älteste Form sind Gedichte, die in 4 Langzeilen, die aus je 2 Halbzeilen bestehen, abgefasst sind. Sie werden fornyrthislag oder auch „Altmärenton“ genannt. Jede dieser Halbzeilen hat zwei Takte, wobei die Takte meist zwei- oder mehrsilbig sind. Von mehreren Silben eines Taktes trägt stets die erste den Hauptton, die zweite oder eine spätere oft einen Nebenton, der Auftakt ist frei. Daneben finden wir die Ljothahattr oder auch Spruchweise. Hier folgt auf eine Langzeile stets eine „Vollzeile“, die als Zweitakter aufzufassen ist. Die Taktfüllung ist hier noch freier als im Altmärenton. Die Strophe setzt die Folge Langzeile – und Vollzeile zweimal. Die Spruchweise ist eine nordische Neuschöpfung, bei der die altertümliche Freiheit gemeingermanischer Merkdichtung in regelmässigere Ordnung gebracht erscheint. Als Beispiel für die Spruchweise bringe ich Strophe 77 des Havamal, an dieser Strophe will ich auch beispielhaft die Schwierigkeiten der Übersetzung des altnordischen Textes darstellen. Wohl allen von uns ist die Übersetzung von Genzmer geläufig:

Besitz stirbt, Sippen sterben,   du selbst stirbst wie sie;   eins weiss ich, das ewig lebt:   des Toten Tatenruhm.

Diese Strophe ist vom Dichterischen her dem ursprünglichen Versmass und seinem Stabreim hervorragend nachempfunden. Der Sinn allerdings ist nicht richtig getroffen. Als Sinn dieser Übersetzung erscheint, dass Geschlechter vergehen, einzig der Ruhm bleibt. Die letzte Zeile hat aber nichts mit Ruhm zu tun, der in der davorstehenden Strophe 76 besungen wird, und in der ersten Zeile ist dem Stabreim zuliebe (Besitz-Sippen) ein falsches Wort eingesetzt worden; im Urtext heisst es Fraendr, was wörtlich übersetzt „Freunde“ heisst, wobei man wissen muss, dass damals „Freund“ gleichbedeutend mit „Verwandter“ war. Unglücklich erscheint auch das Sterben des „Besitzes“, der ja nicht im eigentlichen Sinn sterben kann. Näher am Urtext ist die Übersetzung von Hans Naumann:

Es stirbt das Vieh, es stirbt die Freundschaft,   man selbst stirbt ebenso;   eins weiss ich, das ewig lebt,   der Ruhm, den der Tote errang.

Auch hier findet sich noch der „Ruhm“, und der Begriff „Freundschaft“ ist lediglich noch älteren Menschen als „Verwandtschaft“ geläufig; er bedeutet im heutigen Sprachgebrauch etwas anderes. Simrock hat zwei Übersetzungen vorgelegt. Zunächst übersetzte er mit:

Vieh stirbt, Freunde sterben,   ebenso stirbt man selbst;   doch eins weiss ich, das immer bleibt,   das Urteil über jeden Toten.

Seine dann vorgelegte zweite Übersetzung erscheint gegenüber der ersten schlechter:

Das Vieh stirbt, die Freunde sterben,   endlich stirbt man selbst;   doch eins weiss ich, das immer bleibt,   das Urteil über jeden Toten.

Aus Gründen des Stabreims hat er wohl „das Vieh“ und „die Freunde“ gesetzt, wohingegen der Urtext dies nicht nahelegt. Auch das „endlich“ findet im Urtext keine Entsprechung. Demgegenüber übersetzt Ranke wie folgt:

Besitz stirbt, Verwandte sterben,   man selbst stirbt ebenso;   ich weiss etwas, das niemals stirbt,   das Urteil über jeden Toten.

Hier ist wieder der „Besitz“, der stört, ferner das Wort „man“, das es in dieser Form im alten Norden nicht gab. Eine weitere noch lieferbare Übersetzung ist diejenige von Arthur Häny: „Die Edda“, (Manesse-Verlag, Zürich 1987), wobei er ebenfalls die Lieder-Edda als Vorlage hat. Als Beispiel für seine Bearbeitung die Übersetzung der eben erwähnten Strophe:

„Es stirbt Besitz. Verwandte sterben.   Du selbst stirbst einst ebenso:   jedoch ich weiss, was niemals stirbt:   das Urteil über die Toten.

Dem Urtext am nächsten kommt nach meiner Meinung folgende Kombination, die ich aus den verschiedenen Übersetzungen gebildet habe:

Vieh stirbt, es sterben Verwandte,   du selbst stirbst wie sie;   eins weiss ich, das niemals stirbt,   das Urteil über jeden Toten.

Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, mehrere Übersetzungen heranzuziehen, wobei die sprachlich schönste sicherlich die von Genzmer ist, die im Diederichs-Verlag immer wieder neu aufgelegt ist, diejenige, die dem Urtext stärker verpflichtet ist, die Übersetzung von Simrock, von der ein Nachdruck in der VMA -Vertriebsgesellschaft, Wiesbaden, erschienen ist. Bei Reklam sind Auszüge der Simrock-Übersetzung („Die Götterlieder der älteren Edda-Auswahl“) und der Übersetzung von Genzmer („Heldenlieder der Edda- Auswahl“) erschienen und ebenfalls noch greifbar. Wenn wir bedenken, dass der Stabreim bei uns nur bruchstückhaft erhalten ist, kann die Bedeutung der Helden- und Götterlieder des Codex Regius ebenso wie der Snorri-Edda für die Erkenntnis des Heidentums kaum überschätzt werden. Zur Erhellung unseres Wesens – da gebe ich Kummer recht – ist eine Beschäftigung mit den isländischen Sagas erforderlich, die einmal vollständig in 24 Bänden im Diederichs- Verlag vorgelegt worden sind, wobei die 2. Auflage noch in den 60iger Jahren erschien, von denen heute allerdings nur noch einige besonders kennzeichnende Sagas in Auswahlbänden vom Verlag ausgeliefert werden. Daneben aber bewahren beide Eddas einen Schatz heidnischer Überlieferungen, so dass die Beschäftigung mit ihr für jeden germanischen Heiden unumgänglich ist. Dass diese Beschäftigung nicht unkritisch sein kann, wenn wir das Wesen des germanischen Heidentums wahrhaft erschliessen wollen, habe ich dargelegt. Bei aller Vorsicht bleibt aber genug, was uns heidnisches Denken unverfälscht vermittelt. Kritiklose „Offenbarung“ einerseits, Abwertung als „Skaldenerfindungen“ andererseits werden den Götterliedern wie den anderen heidnischen Bestandteilen beider Eddas also gleichermassen nicht gerecht. Zur vertieften Beschäftigung mit dem Stoff verweise ich zunächst einmal auf die in der wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt erschienen Bände von Georges Dumezil: „Loki“ (1959), Sigurdur Nordal: „Voeluspa“ (1980) und Gottfried Lorenz: „Snorri Sturluson: Gylfaginning“ (1984), ferner auf Kummers „Midgards Untergang“ und bei den gegenwärtig nicht lieferbaren Büchern auf Otto Siegfried Reuter: „Das Rätsel der Edda“ 1. und 2. Band 1922 und 1923 (Nachdruck Soyka – Bremen 1987) sowie auf Bernhard Kummers: „Die Lieder des Codex Regius“ Band 1 erster Teil: „Die Schau der Seherin“ (1961) und Band 2: „Heldendichtung erster Teil: Die Dichtung von Helgi und der Walküre“ (1959). Glücklich können wir uns schätzen, dass uns Island diesen Schatz gerettet hat !


Schrifttumsverzeichnis: Neben den Edda-Bänden der Sammlung „Thule“ bei Diederichs wurden verwandt. Felix Nieder: „Islands Kultur zur Wikingerzeit“, Diederichs-Verlag, Jena 1913. F. Ranke: ,.Altnordisches Elementarbuch“, Sammlung Göschen, Band 1115, Berlin 1949. Wilhelm Ranisch: „Edda-Lieder“. Sammlung Göschen, Leipzig 1903 Karl Conrad: „Die Edda des Snorri Sturluson“, Mühlhausen 1926 Hugo Gering: „Edda: Götterlieder/Heldenlieder“. Askadischer Verlag Berlin 1943 Karl Simrock: „Die Edda“, VMA-Wiesbaden 1987 Bernhard Kummer: „Midgards Untergang“, 5. Auflage Zeven 1972