Germanenherz

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Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt, verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit, seine Kultur und sich selbst. Wir sind und werden gezwungen, unseren eigenen speziellen Charakter und unseren Lebensstil zu verbergen und zu Verachten, um nicht als Nazi oder Antisemit verspottet und ausgegrenzt zu werden. Kein größerer Schaden kann einer Nation zugefügt werden, als wenn man ihr den Nationalcharakter, die Eigenheiten ihres Geistes und ihre Sprache nimmt. Wenn eine fremde Macht ein Volk ermahnt, die eigene Nationalität zu vergessen, so ist das kein Ausfluss von Internationalismus, sondern dient nur dem Zweck, die jüdische Fremdherrschaft zu verewigen.

Wir Deutschen haben uns für unsere Vergangenheit und unsere Ahnen nicht zu schämen, ganz im Gegenteil, wir müssen sie unbedingt neu entdecken. Es ist unsere Pflicht uns mit der Germanistik auseinanderzusetzen. Wir Deutschen haben eine wahre Kultur. Wir Deutschen gehören zu dem Ursprung einer westlich zivilisierten und autarken Welt ohne das wir eine kulturelle Identität künstlich erzeugen müssen indem wir andere Kulturen vernichten! Wir sind mehr als das was uns seit Dekaden eingeredet wird, wir haben eine Geschichte die es wert ist sich zu entwickeln, denn unsere Vorfahren haben ihr Leben gegeben damit wir heute in Freiheit leben sollten.

In  Wahrheit baute  die germanische Weltanschauung auf die Gleichstellung von Menschen und dem Respekt gegenüber der Natur.  Gewalt, Naturzerstörung, egoistischer Intellekt waren verpönt, der Sinn für das Gemeinwohl (Natur inkl. Mensch) war vordergründig. Nichts wurde getan, ohne die Ahnen und die beseelte Natur zu fragen. Das alte Wissen war allen zugänglich und wurde nicht von elitären Herrenmenschen für ihre eigenen Zwecke missbraucht und der Masse vorenthalten worden!

Das alles ist ein wesentlicher Teil der deutschen Historie, welche jedoch immer mehr in das Vergessen gedrängt wird. Wir sind inmitten eines kulturellen Bewusstseins der Selbstaufgabe und des ewigen Schuldkult, ohne sich auf das zu besinnen was wir sind und andere Völker als selbstverständlich erachten. Den Deutschen hat man die Geschichte abtrainiert. Bei den einen reicht das Gedächtnis nur bis zur letzten Fußball-WM, bei den anderen nur auf 1933.1945. Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern will, wird dazu genötigt, sie im weniger Positiven bzw. die negativen Eigenschaften zu wiederholen.

Wer sich aber mit den alten germanischen Mythen auseinandersetzt, wird schnell merken, dass uns die Judeachristen unsere fundamentalen Lebensgrundlagen und Lebensweisheiten gestohlen haben!. Die drei großen patriarchalen Religionen (Christentum, Islam, Judaismus) sind für rasendes Massenmorden, rücksichtslose Industrialisierung, Sklavenarbeit, Ungerechtigkeit, Plünderung der natürlichen Ressourcen verantwortlich! Sie haben uns den Zugang zu unseren Seelen geklaut, uns von ihren (Schulen, Banken, Medien) abhängig gemacht!
***Es ist an der Zeit, dass Odin zurückkommt***
.odin geist
Allvaters Anrufung
Der Du einst im Waldesrauschen
Deinem Volke Dich genaht,
Dass sein Herz in brunst’gem Lauschen
Sich entzündete zur Tat,

Der Du standest an Deutschlands Seite
Immerdar und allerorts,
Kraftverleiher warst im Streite,
Spender tiefen Weisheitsworts,

Wir, von Deinem Blut geboren,
Gott der Deutschen, nahen Dir,
Wir, in fremdem Volk verloren,
Dich, Allvater, rufen wir.

Hast es manches Mal gesehen,
Jenes Schauspiel voller Gram:
Sahst aus Deutschland Deutsche gehen,
Deren keiner wiederkam,

Die in Angst vor fremden Spöttern
Sich des Vaterlands geschämt,
Opfer brachten fremden Göttern,
Sich mit fremdem Putz verbrämt;

Hör’ uns rufen, hör’ uns schwören:
Wir sind treu, und wir sind Dein,
Unser Land soll uns gehören,
Uns’res Landes woll’n wir sein!

Sieh’, der Fremdling will’s verhindern,
Altes Recht, er schreibt es neu —
Vater, bleibe Deinen Kindern,
Gott der Deutschen, bleib’ uns treu!

Schüttle Deine heil’gen Locken,
Necke die allmächt’ge Hand,
Dass der Eindringling erschrocken
Weiche aus dem deutschen Land;

Dass er zagen lerne, zittern
Vor urew’ger Majestät,
Wenn in heil’gen Ungewittern
Deutsche Gottheit aufersteht;

Dass das Herz uns mutig werde,
Stark in neuer Zuversicht:
Vatergott und Vatererde
Raubt uns Macht der Menschen nicht!


Viking_Toto_Germanenherz
Vom Hohen Norden wird er kommen mit seinen Streitwagen, und seine Macht wird unbezwingbar sein. Eine Schar Aufrechter wird um Ihn sein, ihnen wird er das Licht geben, und sie werden der Welt leuchten, Und die Stunde des Lichtes wird heimkehren über die Erdenwelt.
Geduld ist das Vertrauen, dass alles kommt, wenn die Zeit dafür reif ist. Man sei sich der Gegenkräfte gewahr und schließe nicht die Augen vor ihnen. Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen. Zum Leben gehört auch der Mut zum Konflikt. Hindernisse sind dazu da, furchtlos, aber umsichtig überwunden zu werden. Man vertraue seinem Willen und seinem innerem Impuls. Man diene mit diesen Kräften der Schöpfung. Man tue, was zu tun ist. WENN DIE ZEIT REIF IST
toto_haas_lichtbringer*** Die Zeit ist nun reif ***
*** Mein Volk Erwache ***
Nur der Wache (Sehende) erkennt schnell die Lüge! Was keiner wagt, das sollt ihr wagen. Was keiner sagt, das sagt heraus. Was keiner denkt, das wagt zu denken. Was keiner anfängt, das führt aus. Wenn keiner ja sagt, sollt ihr’s sagen, wenn keiner nein sagt, sagt doch nein. Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben. Wenn alle mittun, steht allein. Wo alle loben, habt Bedenken, Wo alle spotten, spottet nicht. Wo alle geizen, wagt zu schenken. Wo alles dunkel ist, macht Licht. 

Die Indogermanen

Germanenherz aus dem Buch: Die Indogermanen – Ihre Verbreitung, ihre Urheimat und ihre Kultur (1905)

Die Indogermanen – Ihre Verbreitung, ihre Urheimat und ihre Kultur (1905)
(PDF-Dateien: Band 1, Band 2)

Vorwort

In diesem Buche habe ich beabsichtigt, eine knappe Übersicht über die Urheimat und Kultur der Indogermanen zu geben. Um die Urheimat zu bestimmen, mussten die Sprachen Europas betrachtet und die Wanderungen der einzelnen Stämme kurz dargestellt werden. Die Kultur der Indogermanen aber ist die des prähistorischen Europas überhaupt, da sich auf diesem Gebiet Grenzen zwischen ihnen und den übrigen Völkern nicht ziehen lassen. Mein Plan war von allem Anfang an darauf gerichtet, ein allgemein verständliches Buch zu schreiben. Ich habe daher in der Darstellung alle Anmerkungen vermieden und diese an den Schluss des Werkes in einen dritten Teil verwiesen. In diesem wird der Leser die Literatur, die ihn weiter führen kann, das sprachliche Material, soweit es wirklich beweiskräftig ist, und zahlreiche Zeugnisse angeführt finden. Auch einige ausführliche Erörterungen sollen dort ihren Platz erhalten. Da die Fülle des Stoffes schliesslich nicht in einem Band vereinigt werden konnte, so ist eine voraussichtlich gleichmässige Teilung vorgenommen. Doch wird der zweite Band so eingerichtet werden, dass man die Anmerkungen besonders binden lassen und dann bequem neben dem Texte benutzen kann.

Den Plan zu diesem Buche habe ich im Jahre 1891 gefasst und seitdem nie aus dem Auge verloren. Eine ganze Reihe kleinerer Aufsätze, die ich seit dieser Zeit veröffentlicht habe, waren die Frucht der dauernden Beschäftigung mit den behandelten Problemen. Die erste, nicht vollendete Ausarbeitung stammt aus dem Jahre 1897. Ich musste diese aus äussern Gründen abbrechen und bin erst vor zwei Jahren wieder dazu gekommen, die endgültige Fassung zu beginnen. Die Grundgedanken, von denen dieses Buch beherrscht ist, dass die Heimat der Indogermanen in der grossen nord-ostdeutschen Tiefebene zu suchen ist, und dass ihre Kultur bei weitem höher war, als man jetzt anzunehmen pflegt, stehen mir seit langem lest, und icli habe sie schon wiederholt ausgesprochen. Kbenso habe ich betont, dass sich mit Hilfe der Sprachwissen-schalt allein über die Kultur wenig ermitteln lassen wird. Die Sprache stellt daher nur im ersten Teil im Vordergrund, bür die Bestimmung der Wanderungen und der Verteilung der Völker ist sie unsere beste Führerin, für die Krschliessung der Kultur kann sie nur als Hilfswissenschaft in Betracht kommen.

lös ist selten zum Vorteil einer Wissenschaft, wenn sich nur wenige Forscher mit ihr beschäftigen. Die sog. indogermanische Altertumskunde wurde seit Jahren fast allein von O. Schräder betrieben, und es ist daher die Gefahr vorhanden, dass dessen Ansichten von Fern erstehen den für die von der Sprachwissenschaft allgemein anerkannten angesehen werden. Da ich die Richtigkeit gerade der wichtigsten Aufstellungen Schräders bezweifeln musste, so war es schon deshalb angebracht, in einer Gesamtdarstellung eine andere Auffassung zur Geltung zu bringen. Im übrigen wird man sehen, dass mein Buch ganz andere Wege einschlägt und andere Ziele verfolgt als die Schräders.

Am Schluss einer langem Arbeit ziemt es sich für mich, dankbar auf die mannigfache Förderung zurückzublicken, die ich erfahren habe. Vor vielen Jahren hat es mir die Albrcchtstiftung unserer Universität ermöglicht, Bosnien und die Herzegowina in längerm Aufenthalt kennen zu lernen. Wenn ich auch auszog, um serbische Dialekte zu studieren, so ergab sich doch als wesentlichstes Ergebnis der Einblick in die höchst altertümlichen wirtschaftlichen Verhältnisse dieser Länder. Und dieser Einblick ist, glaube ich, diesem Buche ausserordentlich zugute gekommen. Die lebendige Anschauung ist eben durch keine Bücher zu ersetzen.

Auch jetzt wieder hat mir die Albrcchtstiftung die Fertigstellung dieses Buches ermöglicht. Die bedeutendste Förderung auf ethnologischem Gebiete habe ich durch E. Grosses Bücher . Die Anfänge der Kunst«, und Die Formen der Familie und die Formen der Wirtschaft« erfahren. Mannigfache Anregungen im persönlichen Verkehr kamen hinzu. Büchers Schriften haben mich in die volkswirtschaftlichen Fragen eingeführt, und ebenso habe ich aus dem Umgang mit ihm manchen wertvollen Fingerzeig erhalten. Der Frage nach der Urheimat der Indogermanen brachte Fr. Ratzel stets das grösste Interesse entgegen und im Hin und Wider der lebendigen Unterhaltung mit ihm hat sich manche Ansicht bei mir geklärt.

Prof. Hoops in Heidelberg und Prof. S. Müller in Kopenhagen haben mich durch die Überlassung der Aushängebogen ihrer Werke zu grossem Danke verpflichtet. Ich habe mich gefreut, ihren bedeutenden Ergebnissen meist rückhaltlos zustimmen zu können. W. Streitberg hat mir in mehr als einer Beziehung bei diesem Buche beigestanden. Bei der Korrektur hat er mir grosse Dienste geleistet. Ich kann ihm meinen Dank nicht besser abstatten, als dass ich ihm dieses Buch widme.

Dass eine Arbeit, die ein so weites Gebiet zusammenfasst, nicht ohne Mängel sein kann, dessen bin ich mir wohl bewusst. Ich glaube aber dafür gesorgt zu haben, dass der Leser das sichere vom unsichern unterscheiden kann, und dass er, wenn er will, zu den Problemen hinabsteigen kann.
Die Indogermanen – Die Nachbarn der Indogermanen: Iberer, Urbewohner der britischen Inseln, Ligurer, Etrusker, die Prähellenen, Kleinasiaten und Finnen

I. TEIL.

Einleitung. — Die Nachbarn der Indogermanen: Iberer, Urbewohner der britischen Inseln, Ligurer, Etrusker, die Prähellenen, Kleinasiaten und Finnen.

l. Einleitung und Vorbemerkungen.

Die Geschichte in dem Sinne, wie sie gewöhnlich verstanden wird, beginnt in Europa aussergewöhnlich spät. Wenn es neuerdings gelungen ist, tiefer in das Dunkel des griechischen Altertums einzudringen, so führt uns auch das kaum viel über das erste vorchristliche Jahrtausend zurück, und die Geschichte der nordeuropäischen Völker in der Zeit vor der christlichen Zeitrechnung ist ausserordendlich dürftig. Ein berechtigtes Streben treibt dazu, tiefer in die Schicksale der Völker einzudringen, die nunmehr fast seit drei Jahrtausenden die Weltgeschichte beherrschen und das höchste für die menschliche Kultur geleistet haben. Wir wollen wissen, woher sie stammen und wie sie gelebt haben, bevor sie vor unsern Augen schaffend und handelnd auftreten. Einiges davon lässt sich in der Tat erkennen und dies darzustellen ist die Aufgabe dieses Buches, das daher in zwei Teile zerfällt. Der erste behandelt die Herkunft und die Wanderungen der europäischen Völker, insbesondere derer, die wir indogermanische nennen, und der zweite will ein Bild ihrer vorgeschichtlichen Kultur geben, soweit wir dies mit den Mitteln, die uns zu Gebote stehen, zeichnen können.

Seit dem Ende der Eiszeit, das wir zeitlich nicht festsetzen, kaum schätzungsweise bestimmen können, ist Europa zweifellos besiedelt gewesen. Geschichtliche Nachrichten führen uns schwer-lieh über das erste Jahrtausend vor Christus zurück, und so sind wir, uni die 1 lerkunft der Hewohner unseres Erdteils zu ermitteln, auf andere Hilfsmittel angewiesen, als sie die eigentliche Geschichte bietet. Die Funde, die in immer steigender Menge aus dem Schoss der Hrde ans Licht gefördert werden, künden uns wohl, dass Menschen gelebt haben, aber woher sie stammen, welche Sprache sic gesprochen, lehren sie uns nicht. Die Überreste menschlicher Körper, die uns die Gräber bewahrt haben, stimmen zwar vielfach mit den heute noch in Kuropa vorhandenen Menschentypen überein, aber auch sie vermitteln keine sichere historische Erkenntnis, da die Gelehrten oft genug noch nicht einig sind, was sic aus den menschlichen Überresten folgern dürfen. So bleibt uns denn nur eine Wissenschaft, die sich erst im 19. Jahrhundert entwickelt hat, als Führerin übrig, die uns zwar nicht in allzuweite Fernen, aber doch sicher in Zeiten zurückführt, von denen keine geschichtliche Kunde auf uns gekommen ist, das ist die vergleichende Sprachwissenschaft. Sie hat uns in Europa eine Reihe grösserer Sprachstämme kennen gelehrt, von denen der wichtigste durch das Alter seiner Denkmäler und durch die Bedeutung der Völker, welche ihm ange hören, der indogermanische genannt wird.

Während man noch im 18. Jahrh. mehr oder minder unsichere Vermutungen über den Zusammenhang der europäischen Sprachen hegte, wurde auf einmal der Nebel unsicherer Spekulationen zerstreut und die Vergangenheit der europäischen Völker mit einem Schlage bis zu einem gewissen Grade erhellt, als Franz Bo pp nachwies, dass eine Reihe von Sprachen unseres Erdteils, wie Griechisch, Lateinisch, Germanisch, Litauisch und Slavisch mit denen Indiens und Irans, dem Sanskrit und dem Avestischen, auf das engste zusammenhingen. Diese Verwandtschaft Hess sich, wie die weitere Forschung lehrte, nur so denken, dass alle diese Sprachen aus einer nicht mehr erhaltenen Ursprache geflossen, also Töchter einer ausgestorbenen und untergegangenen Muttersprache seien. Da sie sich nach der damaligen Erkenntnis vom Indischen im fernen Osten bis zum Germanischen im Westen erstreckten, so nannte man den Sprachstamm, dem sie angehörten, den Indogermanischen. Als man erkannte, dass er sich noch weiter nach Westen ausgedehnt habe, dass ihm auch das Keltische zuzurechnen sei, hat man den Namen indokeltisch als zutreffender vorgeschlagen, ohne dass dieser dem eingebürgerten gegenüber hätte Anerkennung gewinnen können. Während wir Deutsche bei der älteren Bezeichnung beharren, hat sich sonst der Name indoeuropäisch Geltung verschafft, der insofern nicht berechtigt ist, als die europäischen Sprachen nicht durchweg unserm Sprachstamm angehören. Und schliesslich finden wir nicht selten auch den Ausdrucke arisch gebraucht, den zweifellos die Inder und Iranier als Bezeichnung für sich selbst angewendet haben, und von dem man vermutet hat, dass er auch im Westen, in Irland, vorhanden war. Aber diese Annahme ist nichts weniger als sicher, wenngleich sich nicht verkennen lässt, dass der Name Arjo-in der Namengebung sehr beliebt war. Die Indogermanen haben aber wahrscheinlich kein einheitliches Volk mit dem Bewusstsein der Zusammengehörigkeit gebildet, sondern sie sind wie noch in spätem Zeiten die geschichtlichen Völker in zahlreiche Einzelstämme zerfallen, so dass sie sich schwerlich mit einem Gesamtnamen bezeichnet haben.

Andere Bezeichnungen wie japhetitisch, teutarisch haben sich niemals einer weitern Verbreitung zu erfreuen gehabt. So wird man am besten bei dem in Deutschland eingebürgerten Ausdruck Indogermanen bleiben, wenngleich der Name „Arier“ durch seine Kürze manche Vorzüge für den Gebrauch aufwiese. Die Zahl der Sprachen, die wir zu diesem Stamme rechnen, hat sich mit der Zeit und unserer wachsenden Kenntnis immer noch vermehrt und wird sich vielleicht in kommenden Jahren noch vergrössern, wenn uns günstige Funde mit neuen Sprach-quellen bekannt machen. Sind auch viele Gruppen der indogermanischen Sprachfamilie im Laufe der Zeiten ausgestorben, so leben doch heute noch acht Abkömmlinge des alten Sprach-zweiges fort, nämlich Griechisch, die romanischen Sprachen, die vom alten Latein stammen, die keltischen und germanischen Dialekte, das Litauische, das Slavische, das Albanesische, das Armenische und die arischen Sprachen in Asien. Ihr Schicksal hat sich sehr verschieden gestaltet. Denn während heute die romanischen, germanischen, slavischen und arischen Dialekte weite Länder auch ausserhalb Europas beherrschen, ist das Griechische auf einen verhältnismässig kleinen Kreis der Mittelmeerküste beschränkt. Keltisch, Litauisch, Albanesisch und Armenisch aber breiten sich kaum noch aus, sondern sie werden von den übermächtigen Nachbarsprachen mehr und mehr zurückgedrängt.

Die Geschichte aller dieser Sprachstämmc ist sehr merkwürdig und wird später kurz vorgeführt werden, dem ausserdem eine Betrachtung der ausgestorbenen Idiome anzureihen ist. Wir sehen, wie sich diese Sprachen im Laufe der Geschichte über ein ungeheures Gebiet ausgedehnt haben, und da wir eine derartige Ausdehnung auch für die vorgeschichtlichen Zeiten voraussetzen dürfen, so müssen wir annehmen, dass das Land, in dem die Ursprache gesprochen wurde, viel beschränkter gewesen ist als es zu der Zeit war, in der die Geschichte ein erstes Licht auf diese Stämme verbreitet. Diese grosse Ausbreitung, die sich naturgemäss durch Wanderungen vollzogen hat, zu verfolgen, wird eine der Aufgaben dieses Buches sein. Ehe wir aber an sie herantreten, ist es nötig einige allgemeine Begriffe festzustellen, die, wenn sie nicht genügend scharf gefasst werden, leicht zu Verwirrung Anlass geben,

Rasse, Volk und Sprache.

Auf Grund der Ergebnisse der Sprachwissenschaft vermuten wir, dass einst eine Sprache bestanden hat, aus der alle die genannten Sprachen geflossen sind. Diese Annahme ist so sicher, wie nur etwas sein kann, denn das Fortleben einer Sprache ist in der schriftlosen Zeit nur so denkbar, dass sie von Mensch zu Mensch, vom Mund des einen zum Ohr eines andern übertragen wird. Erschliessen wir aber eine indogermanische Sprache, so setzt das auch notwendig Menschen voraus, die sie gesprochen haben. Man nennt sie Indogermanen. Mit einer leicht erklärlichen Übertragung spricht man aber auch von einem indogermanischen Volke, ja man redet sogar von einer indogermanischen Rasse, ohne sich klar zu machen, dass wir mit diesen Ausdrücken schon über das Erkennbare hinausgehen. Jedenfalls darf man diese Worte nicht ohne weiteres eines für das andere gebrauchen, denn Rasse, Volk und Sprache sind drei Begriffe, die wir auf das schärfste auseinanderhalten müssen.

Der Begriff „Rasse“ bezieht sich auf die körperlichen Eigenschaften des Menschen, die Eigenschaften, mit denen er geboren wird, und denen er nicht entfliehen kann. Die Menschen zeigen in grossen geographischen Provinzen bei aller Verschiedenheit im einzelnen gewisse Ähnlichkeiten im allgemeinen, die sie von Bewohnern anderer Länder unterscheiden. Das augenfälligste Merkmal ist die Hautfarbe, von der denn auch eine der wichtigsten Einteilungen der Rassen stammt, da wir die weisse, die gelbe, die rote und die schwarze Rasse unterscheiden. Zur weitern Einteilung dienen andere Merkmale, die es uns ermöglichen, auch innerhalb der weissen Rasse noch Unterabteilungen anzunehmen. Welche das sind, wird weiterhin erörtert werden, jedenfalls aber darf man nicht glauben, dass die Sprache ein Kennzeichen der Rasse ist, denn die Sprache eignet man sich erst nach der Geburt an, und es ist unzweifelhaft, dass jedes Kind die Sprache der Menschen lernt, unter denen es aufwächst. Ein Kind deutscher Eltern wird in England, wenn es nur englisch hört, so gut die Landessprache lernen, wie nur ein Brite. Die Vermutung, dass in den Sprachorganen verschiedener Menschenrassen oder Völker Unterschiede bestehen, die notwendig zu verschiedener Aussprache führen müssten, hat sich noch nicht bewahrheitet und wird sich wahrscheinlich auch nie als richtig erweisen lassen. Was dem einzelnen Menschen geschehen kann, dass er im fremden Lande eine andere Sprache lernt, darf auch für ganze Volksstämme vorausgesetzt werden. Dafür kennen wir Beispiele genug. Das klassische ist das der romanischen Sprachen. Gewiss sind römische Beamte und römische Kolonisten nach Spanien und Gallien gekommen, aber sie waren sicher so gering an Zahl, dass die eingeborene Bevölkerung anthropologisch nicht wesentlich verändert wurde. Die Masse der Gallier blieb genau dieselbe, mochte sie nun keltisch oder romanisch sprechen. Und so sind die heutigen Franzosen im wesentlichen die Nachkommen der alten Kelten oder einer noch altern Bevölkerung, die auch die eingewanderten Kelten zu verdrängen nicht vermocht hatten. Die neue Sprache ist eingeführt durch die römische Verwaltung. An gewissen hervorragenden Punkten hatte sich das römische Element stärker als anderswo festgesetzt, und von hier aus erfolgte die Romanisierung des Landes. In entlegenen Gegenden hat die keltische Volkssprache noch Jahrhunderte lang bestanden, ist aber dann völlig ausgestorben. Das heutige Keltisch in der Bretagne wird von Menschen gesprochen, die erst im 5. — 7. Jahrh. nach Chr. aus Cornwales eingewandert sind. Nur wenig anders wie in Frankreich steht es in Spanien. Hier hat sich wenigstens im Baski-schen ein Dialekt der alten Landessprache der Pyrenäenhalbinsel bis zum heutigen Tage erhalten. Auf der Balkanhalbinsel haben ebenfalls zahlreiche Sprachübertragungen .stattgefunden, und nur ein indogermanischer Dialekt hat sich im Albanesischen, wenn auch in stark veränderter Gestalt, gerettet. W ie die Ausdehnung der neuen Sprache vor sich geht, das lehren uns moderne Verhältnisse mit hinreichender Deutlichkeit. Seit der Besetzung Bosniens und der Herzegowina durch die Österreicher gewinnt das Deutsche in diesen Ländern an Verbreitung. In der Hauptstadt Serajevo wird sehr viel deutsch gesprochen. In den kleinern Städten lernen es wenigstens die angesehenem Einwohner, und von ihnen nehmen es allmählich auch andere an. Nach ioo Jahren würde vielleicht fast das ganze Land deutsch sprechen, wenn die Österreicher so vorgehen könnten, wie die Römer es getan haben. Die römische Sprache ist zweifellos in allen romanischen Ländern zur herrschenden geworden, ohne dass eine nennenswerte Blutmischung stattgefunden hätte. Aber auch in Italien hat die Sprache der Stadt Rom erst zahlreiche Dialekte verdrängen müssen, ehe sie zur Alleinherrschaft gelangte. Zum Teil hat hier wirkliche Kolonisation stattgefunden, aber in der Hauptsache ist das eingeborene Element nicht durch die Römer ersetzt, nur ihre Sprache ist aufgegeben.

Ein anderer klassischer Ort für die Übertragung von Sprachen ist England. Hier haben zuerst nicht indogermanische Stämme gelebt. Nach dem Eindringen der Kelten aus Gallien wurde das Keltische zur herrschenden Sprache, neben der aber die einheimischen Dialekte gewiss noch lange Zeit bestanden haben. Den Römern scheint es nicht gelungen zu sein, das Land in weiterm Umfang zu romanisieren. Im 5. Jahrhundert eroberten die Angelsachsen England. Ihre Sprache verbreitete sich, und viele Kelten haben sie zweifellos gelernt, aber bis zum heutigen Tage sind die keltischen Dialekte noch nicht vernichtet. Noch einmal stand für England eine Sprachvcränderung bevor. Nach dem Eindringen der Normannen, selbst eines ursprünglich germanischen Volkes, wurde das Französische, das diese in der Normandie angenommen hatten, die Sprache des Hofes und der herrschenden Klasse. Erst nach mehreren Jahrhunderten hat das angelsächsische Element wieder soviel Kraft gewonnen, um mit seiner Sprache zu siegen, die allerdings vieles aus dem französischen Wortschatz aufnehmen musste. Wie steht es nun mit den Bevölkerungsverhältnissen? Unzweifelhaft hat England durch die Einwanderungen auch neues Blut erhalten, aber es ist doch nicht soviel gewesen, dass nicht der ältere Typus gegenüber dem eingewanderten seine Geltung hätte bewahren können.

Die Sprache ist also, das brauchen wir kaum noch weiter auszuführen, wir stehen damit aber im striktesten Gegensatz zu den Anschauungen vor dreissig, vierzig Jahren, nicht für eine Rasse charakteristisch und ebensowenig für ein Volk. Dass ein Volk nicht aus Blutsverwandten, ja nicht einmal aus Angehörigen derselben Rasse zu bestehen braucht, das lehren zahlreiche Beispiele. In der Gefolgschaft des hunnischen Königs Attila befanden sich auch germanische Stämme. Im Deutschen Reich treffen wir deutsche, dänische, französische, litauische und sla-vische Sprache, sicher auch anthropologisch verschiedene Menschen, und auch für die ältere Zeit dürfen wir annehmen, dass verschiedene Sprachen auf einem geographisch abgegrenzten Gebiete, innerhalb einer politischen Einheit bestanden haben können.

Wir würden auf diese Punkte nicht so energisch hinweisen, wenn sie nicht oft genug vernachlässigt würden, und wenn wir uns nicht vor Missverständnissen schützen müssten. Da es aber in unserer Darstellung nicht immer angeht, von iberischer, keltischer, germanischer Sprache zu reden, so betonen wir ausdrücklich, dass wir die Ausdrücke Iberer, Kelten, Germanen usw. nur im Sinne der Sprache verwenden. Tatsächlich ist ja nun auch die Sprache das Element, das dem Menschen das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit am ehesten nahelegt. Als Deutsche gelten uns die Menschen, die deutsch sprechen, mögen sie in Deutschland, Österreich, Russland oder Amerika wohnen, und ebenso nennen wir Slaven die slavisch sprechenden, auch wenn sie deutsche Staatsangehörige sind. Nur wenn starke anthropologische oder religiöse Verschiedenheiten innerhalb einer Sprachgemeinschaft hinzukommen, wie bei den Juden, genügt die Sprache nicht zur Charakteristik. Für die ältern Zeiten aber ist und bleibt die Sprache überhaupt das einzige Mittel, nach dem wir die Völker einteilen können. Auch da, wo nur eine Sprachübertragung, keine Völkerverschiebung stattgefunden hat, setzt diese Tatsache einen geschichtlichen Vorgang voraus, der für uns von der höchsten Bedeutung ist. Treffen wir die indogermanischen Sprachen in entfernten Ländern, so folgern wir daraus mit Notwendigkeit eine Wanderung indogermanischer Stämme in diese Gegenden. Mögen diese auch nicht sehr stark an Zahl gewesen sein, mag das einheimische Element anthropo-loL,i“ch wenig oder gar nicht verändert sein, die politische Herrschaft und Gewalt müssen die Einwanderer doch so lange besessen haben, bis die einheimische Bevölkerung die fremde Sprache gelernt hatte. Das ist, wie schon die Ausbreitung der indogermanischen Sprachen lehrt, oft genug geschehen, aber vielleicht noch öfter haben die Eroberer ihre Sprache zu gunsten der einheimischen aufgegeben. Den germanischen Stämmen, wie den Goten, den Vandalen, den Franken ist es zwar zeitweilig gelungen, mächtige Reiche im Süden zu gründen, aber ihre Sprache konnten sie nicht bewahren. Die Kelten haben ebenfalls ein gewaltiges Gebiet politisch beherrscht, aber ihre Sprache konnte sich noch weniger als die germanische durchsetzen. Es müssen also besondere Bedingungen sein, die einer Sprache zum Siege verhelfen, Bedingungen, die sich wohl noch erkennen lassen, und von denen vornehmlich die eine zu beachten ist, dass das eroberte Gebiet in einem gewissen Verhältnis zur Zahl der Eroberer stehen muss. Hat sich erst mal ein zusammenhängendes neues Sprachgebiet gebildet, so kann von hier aus allmählich eine weitere Ausdehnung eintreten. Die Geschichte lehrt uns, dass alle Sprachübertragungen schrittweise vor sich gegangen sind. Am deutlichsten ist auch hier wieder die Ausbreitung der römischen Sprache, die sich von Rom über Eatium, dann über Samnium, Etrurien, schliesslich über Italien und von da aus Schritt für Schritt weiter im Laufe vieler Jahrhunderte ausgedehnt hat. Ähnlich wird sich die Entwicklung an anderen Orten vollzogen haben. Auch Indien, Iran, Griechenland und andere Ränder sind erst allmählich indogermanisch geworden, und erst im Raufe von Jahrhunderten haben die Sprachen die Verbreitung erlangt, in der wir sie finden.

Wir dürfen uns deshalb die Wanderung der indogermanischen Stämme nicht, wie man das wohl früher getan hat, so-denken, dass sie mit einem Male infolge eines übermächtigen Wandertriebes, der sie ergriffen, samt und sonders aus der Urheimat aufgebrochen wären und nun auf den verschiedensten Wegen ihre spätem Wohnsitze erreicht hätten. Eine solche Auffassung ist so unhistorisch wie nur möglich, sie ist, das kann man mit Sicherheit sagen, ganz undenkbar. Wir werden sehen, dass die Indogermanen schon einen ziemlichen Grad der Sesshaftigkeit erreicht hatten, und unter solchen Verhältnissen machen sich Völker nicht ohne weiteres auf, um in ferne Länder zu ziehen. Ein rascher Zug durch weite Länderstrecken kann zwar zu zeitweiliger Eroberung führen und manche Verhältnisse umgestalten, aber zu nachhaltiger Umwandlung der Sprache führt er nicht. Weder die Kimmerier, die Kleinasien überschwemmten, noch die Skythen, die ihnen folgten, noch auch die spätem asiatischen Völker wie die Hunnen, Bulgaren, Mongolen haben ihre Sprache den Besiegten aufzwingen können. Nur eine allmähliche Ausbreitung mit immer erneuten Nachschüben kann zu dauernder Sprachübertragung führen.

Auch der Begriff des Volkes muss noch durch einige Bemerkungen näher bestimmt werden. Er ist heute im wesentlichen staatsrechtlicher Bedeutung, und in der Tat verbinden wir mit diesem Wort die Anschauung einer festen Vereinigung unter einer einheitlichen Leitung. An der Hand der Geschichte erkennen wir, dass sich diese Vereinigung erst allmählich vollzogen hat, ja dass auch das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit gleich sprechender Menschen erst allmählich entstanden ist. Je weiter wir zurückkommen, um so seltener finden wir eigentliche Völker, vielmehr zerfallen die Angehörigen eines Spracli-stammes zunächst in kleine Gruppen, die sich oft genug feindlich gegenüberstehen.

Fast überall, wenn auch nicht immer, ist die Einigung ein später Vorgang, der gewöhnlich dadurch hervorgerufen wird, dass ein Stamm mit der Zeit andere unterwirft und sich dadurch vergrössert. So ist denn auch dieser Begriff mit Sicherheit für die Urzeit kaum anwendbar, er entwickelt sich vielmehr im Laufe der Geschichte. Es ist aber wohl zu beachten, dass schon in früher Zeit zuweilen auch grössere Reiche und Volksverbände unter einheitlicher Leitung entstanden sein können, ja entstanden sein müssen. Während die Ausdehnung an den Grenzen vielfach in Form der Kolonisation vor sich gehen kann, setzt die Tatsache, dass Indogermanen in sehr ferne Gebiete gelangt sind, mit Notwendigkeit grössere Geschlossenheit und kriegerische Organisation voraus. Es müssen Stämme unter einem Häuptling ausgezogen und sich im fremden Lande behauptet haben.

Die Lage Europas und seine verschiedenen Völker.

Die Geographen wollen unser altes Europa nicht als vollgültigen Krdteil anerkennen und das mit vollem Recht. Ks verdankt ja diese seine Würde nicht wissenschaftlicher Überlegung, sondern dem zufälligen Umstand, dass die Geographie ihren Ausgangspunkt im Mittelmeerbecken genommen hat. Hin Blick auf die Karte lehrt uns in Kuropa eine Halbinsel Asiens erkennen, die auch mit Afrika eng verbunden ist. Denn das Mittelmeer bildet keine Trennungslinie, sondern verbindet die anliegenden Küsten. Aber doch ist hier wenigstens in dem Meer eine Grenze gegeben, während nach Osten hin zum Teil jede natürliche Scheidewand fehlt. Zwar trennt die Gebirgskette des Ural für eine grosse Strecke die Völker, aber südlich davon ist das nicht mehr der Fall, und erst in neuerer Zeit ist die Grenze hier dauernd festgelegt. Mit dem Begriff Erdteil können wir aber kulturhistorisch überhaupt nicht viel anfangen, für uns ist es vielmehr geboten, wirtschaftsgeographische Provinzen anzunehmen. Und da vermögen wir im Osten allerdings eine Grenze zu ziehen, wenngleich sie nicht scharf bestimmt werden kann. Denn hier geht das Waldland Europas mehr und mehr in eine Steppe über, nicht durch Zufall, sondern bedingt durch klimatische Verhältnisse, besonders durch den immer geringer werdenden Einfluss des Golfstromes. Im südöstlichen Russland, im Gebiete der Steppe hört der Ackerbau allmählich auf, und seit ältester Zeit fast bis auf die Gegenwart weiden dort wenig sesshafte Hirtenvölker ihre Herden. Diese Gegenden hängen in ihrer Natur und der Wirtschaftsform, die sie immer nur ermöglicht haben, eng mit den angrenzenden Teilen Asiens zusammen, und und hier haben wir also die Grenze unseres Kulturgebietes zu ziehen. Im Süden sind Nord- und Südküste des Mittelmeers einander ähnlich. Das Meer trennt hier die Völker nicht, es verbindet sie nur. A.ber die mächtigen Gebirge Kleinasiens bilden wiederum einen Grenzwall, der ein Naturgebiet von dem anderen scheidet, und über den im allgemeinen die Indogermanen nicht hinausgelangt sind. Ganz im Norden treffen wir in Osteuropa die Tundren, die sich gleichfalls deutlich von dem Waldgebiet abheben.

Innerhalb dieser Grenzen liegt nun ein Gebiet, das von der Natur ausserordentlich günstig ausgestattet ist. In Breiten, in denen anderswo fast dauernder Winter herrscht, in Ländern, die sonst unter Eis und Schnee begraben sind, ist der Mensch hier noch gut zu leben befähigt, dank den milden Lüften, die der Golfstrom von dem Wendekreise herbeiführt. Das Meer schneidet überall tief in den Erdteil ein, macht seine ausgleichende Wirkung geltend und gliedert ihn in so mannigfaltiger Weise, dass die Europäer die kühnsten Seefahrer der Welt geworden sind. Durchweg liegt er in der gemässigten Zone, und in den südlicheren Teilen unseres Gebietes sorgen mächtige Erhebungen für einen Ausgleich im Klima und für reichliche Bewässerung. Europa ist ganz einzig gestellt. Immerhin sind die Winter in den nördlichen Teilen und in den Gebirgen des Südens doch so hart, dass der Mensch von Anfang an zu einer Fürsorge für die unwirtliche Zeit gezwungen gewesen ist, und es haben sich daher beim europäischen Menschen Eigenschaften entwickeln müssen, die ihn weit über andere Menschen erheben. Vieles gewährt die Natur in unsern Landen, aber nichts ohne andauernde und angestrengte Arbeit, und so ist die Kraft und die Arbeitsfreudigkeit des Nordeuropäers zweifellos eine Eigenschaft, die ihm in Jahrtausenden anerzogen zur zweiten Natur geworden ist.

Bei dem kleinen Gebiet, das Europa verhältnismässig umfasst, muss die Fülle seiner verschiedenen Völker berechtigtes Erstaunen hervorrufen. Nirgends auf der Welt finden sich auf so engem Raume so viel Völkerindividualitäten, wie man wohl cum grano salis sagen kann. R. von Jhering hat in seinem geistreichen Buche »Vorgeschichte der Indoeuropäer« den leider nicht ausgeführten letzten Teil überschrieben »Die Verschiedenheit der Europäischen Völker«, und es ist bedauerlich, dass wir* seine Antwort auf diese Frage nicht erhalten haben. Aber schon dass er sie aufgeworfen hat, zeugt von einem tiefen Eindringen. Tatsächlich sind ja Griechen und Römer, Germanen und Slaven, Spanier und Franzosen stark von einander verschieden. Sie lassen sich an gewissen Eigenarten ihres Charakters erkennen und durch die Erzeugnisse ihres geistigen Lebens bestimmen. Diese Verschiedenheit weist darauf hin, dass sich in Europa Ströme verschiedenster Völker aus ganz entgegengesetzten Richtungen gekreuzt haben. Und in der Tat steht ja Europa für Asien wie für Afrika in gleicher Weise offen. Die Landbrücke, die unsern Erdteil im Osten mit Asien verbindet, ist zweifellos auch schon in vorhistorischen Zeiten der Weg mancher Völker gewesen, wie sie ihn in historischen Zeiten noch oft genug gewandelt sind. Aber auch das Mittelmcer hat dem Vordringen südlicherer Stamme nie einen Riegel vorgeschoben. Wie die Araber nach Spanien, die Türken nach der Balkanhalbinsel im Lichte der Geschichte vorgedrungen sind, so kann es auch in vorhistorischen Zeiten öfter, als wir ahnen können, der Fall gewesen sein.

Wir haben dabei nur ein Europa im Sinne, wie es geographisch heute noch vorliegt. Gehen wir in Zeiten zurück, von denen uns nur die Geologie und Geographie Kunde gibt, so wird das Bild ein ganz anderes. Die zwei grössten Tatsachen«, sagt Ratzel, Her. d. kgl. sächs. Ges. der Wiss. zu Leipzig 1900 S. 32, die wir nachweisen können, wenn wir von der Gegenwart aus zurückgehen, sind die Trennung Europas von Asien durch Eis, Meer und Seen, wodurch Europa Insel wurde, und der Zusammenhang Asiens mit Amerika über das heutige Beringsmeer weg. Beide sind von unberechenbarem Einfluss auf die Geschichte der Menschheit geworden, denn nichts geringeres als die heutige Rassensonderung und Rassenverteilung führt auf sie zurück. Wenn wir die Rassengemeinschaft zwischen Xordasiaten und Nordamerikanern, die durch den stillen Ozean getrennt sind, vergleichen mit der Rassensonderung zwischen Europäern und Asiaten, deren Wohnsitze ein Ganzes bilden, so glauben wir vor einem Rätsel zu stehen. Sehen wir aber, dass in der Diluvialzeit Asien und Amerika zusammenhingen, während Asien und Europa getrennt waren, so verbreitet sich Licht: die Mongoloiden von Asien und Amerika sind die Vertreter des zusammenhängenden Asien-Amerika, die weisse Rasse ist die Vertreterin des losgelösten Europa, eines Inselerdteils.« So verstehen wir das Dasein der besonderen weissen Rasse, aber die Fülle ihrer verschiedenen Unterformen und die Menge der verschiedenen Sprachen erhärten nur das, was jede Karte lehrt, mannigfache Wanderungen nach Europa.

Denn seiner natürlichen Lage entsprechend finden wir in Europa noch beim Beginn der Geschichte sechs verschiedene, mehr oder minder umfangreiche Sprachzweige, nämlich den iberischen in Spanien, den ligurischen in Südfrankreich und Italien, den rhäto-etruskischen in Italien und den finnischen im Norden unseres Erdteils. Dazu kommt die Sprache der Ureinwohner Griechenlands und Kleinasiens, die wir die pra-hellenische nennen wollen, und alle andern an Bedeutung und schliesslicher Ausdehnuug überragend, das Indogermanische. Von diesen leben nur drei heute noch fort, das Iberische im Baskischen, das Finnische und das Indogermanische, und es mag daher einst noch mehr Sprachzweige in unserm Erdteil gegeben haben. Im Laufe der Geschichte hat sich eine Sprache auf Kosten aller andern ausgedehnt, und heute beherrscht das Indogermanische fast ganz Europa, ist aber seinerseits wieder in zahlreiche Dialekte gespalten, die zu vollständig selbständigen Sprachen geworden sind, und sich aus ihrer heutigen Gestalt kaum noch als urverwandt würden erkennen lassen.

Hilfsmittel für die Kenntnis der Sprachen.

Wenn wir uns auch in diesem Buche hauptsächlich mit den indogermanischen Sprachen ihrer Bedeutung entsprechend beschäftigen wollen, so dürfen wir die übrigen Sprachzweige nicht ganz übergehen, denn aus ihrer Verbreitung und ihrem Untergang wird sich manches für die Geschichte und die Urheimat des Indogermanischen gewinnen lassen. Ausserdem sind schon alle diese Gruppen von einzelnen Forschern als indogermanisch angesehen worden, so dass wir auch aus diesem Grunde, wollen wir festen Boden unter den Füssen gewinnen, auf sie eingehen müssen. Freilich sind unsere Hilfsmittel für ihre Erforschung nichts weniger als glänzend. Von manchem Sprachzweige, wie dem Ligurischen, besitzen wir keine zusammenhängende Urkunde, und wir sind daher darauf angewiesen, andere Sprachüberlieferungen heranzuziehen. Das sind vor allem die Namen, die uns teilweise verhältnismässig reichlich bekannt sind; Namen von Personen und Völkern, Benennungen von Orten, Flüssen und Gebirgen sind uns nicht wenige überliefert, und es ist eine Eigentümlichkeit dieses Materials, dass es auch dann noch bestehen bleibt, wenn die Sprache selbst, der sie ursprünglich angehörten, zugrunde gegangen ist. Noch heute zeugen zahlreiche Ortsnamen im östlichen und mittlern Deutschland mit einem Klange, der auch dem Laien auffällt, von der einstigen Besiedelung der deutschen Lande durch die Slaven. ? Aber während die Ortsnamen in gewissen Gegenden fast durchweg aus dem Slavischen stammen, haben die grossen Flüsse wie Elbe, Oder, Havel, Saale, Spree den Namen bewahrt, den ihnen vor dieser Zeit die Germanen gegeben haben. Anderseits übernahmen die Germanen, als sie nach dem Süden und Westen vorrückten, die keltischen Benennungen der grossen h’liisse Rhein, Main, Neckar u. s. w. sowie andrer Orte, und es lasst sich daher mit Hilfe der Flussnamen das Gebiet abgrenzen, das einst in Deutschland keltisch gewesen ist. Wenn wir auch meist die Bedeutung dieser Namen nicht verstehen, so weist doch die Wiederkehr der gleichen Benennungen an den verschiedensten Orten auf das gleiche Volk als Namenquelle hin. Den I’lussnamen Iser treffen wir an verschiedenen Stellen Europas. Wir kennen die Iser als Nebenfluss der Elbe, die Isar als Nebenfluss der Donau, die Isere in Frankreich, und wahrscheinlich wird auch die alte Bezeichnung der Donau damit Zusammenhängen. Durch die Vergleichung derartiger Namen lässt sich einerseits der Umfang eines alten Sprachgebietes feststellen, und anderseits haben diese Benennungen ihren Wert für die Erkenntnis der Sprache selbst. Es liegen auf diesem Gebiet schon manche wertvolle Untersuchungen vor, wenngleich es bei weitem noch nicht erschöpft ist. Es fehlen uns vor allem auf den verschiedensten Gebieten systematische Sammlungen des Namenmaterials. Erst wenn wir diese besitzen, werden wir hier weiter Vordringen können als bisher.

Von besondrer Wichtigkeit sind ferner die Personennamen. Denn wenn wir auch sonst keine Sprachquellen haben, so sind diese doch oft reichlich bei den antiken Schriftstellern oder auf Grabsteinen überliefert. Zum besondern Glück sind die indogermanischen Personennamen auf ganz eigentümliche Weise gebildet, so dass wir sie deutlich erkennen und bestimmen können,, ob eine Sprache indogermanisch ist oder nicht. In Kleinasien hat Kretschmer ein anderes System der Benennung entdeckt, so dass wir auch hier den Umfang eines Sprachgebietes annähernd abzugrenzen imstande sind, und bei den Semiten herrscht wieder eine andere Art der Namengebung. Die Mittel, um die alten Sitze der einzelnen Völker zu erkennen, sind nicht so reichhaltig, dass wir es nicht mit Freuden begrüssen sollten, wenn wir vielleicht noch auf andern Wegen als den bisher bekannten unserm Ziele näher kommen könnten. Das ist in der Tat möglich, denn die altern Bewohner eines Landes haben vielleicht eine Spur ihrer Anwesenheit nicht nur in den Ortsnamen, sondern auch in den heute noch vorhandenen Mundarten hinterlassen. Tatsächlich gibt es ja innerhalb der heutigen grossen Sprachgebiete noch stark abweichende Dialekte, und es ist ganz zweifellos, dass zwischen solchen Dialekten des öftern eine scharfe Grenze besteht. Allerdings will die Forschung diese nicht immer anerkennen, weil man nicht darüber einig ist, was man als Kennzeichen des Dialektes ansehen soll. Man legt da, da wir ja meist von der geschriebenen Sprache ausgehen, einzelne Lautübergänge oder andere Eigentümlichkeiten zugrunde. So scheidet man das Hochdeutsche vom Niederdeutschen auf grund der hochdeutschen Lautverschiebung und innerhalb der hochdeutschen Dialekte werden ähnliche Kennzeichen benutzt. Aber derartige Züge bilden zweifellos nur in den wenigsten Fällen die Grundeigenheit einer Sprache. Wenn man mit dem Ohr Dialekte beobachtet, so fällt einem etwas ganz anderes auf, und das ist der Akzent im weitesten Sinne genommen. Das weiss schon das Volk, das den Sprechern andrer Mundarten vorwirft, dass sie anders sängen, d. h. einen andern musikalischen Akzent hätten. Wo ein derartiger neuer Akzent einsetzt, da haben wir zweifellos eine scharf ausgeprägte Dialektgrenze vor uns. Man muss nun die Frage aufwerfen, wie denn die Dialekte überhaupt entstehen. Es ist auch hier klar, dass wir es nicht mit einem so einfachen Vorgang zu tun haben, wie man gewöhnlich annimmt, dass nämlich bei einem einzelnen Menschen eine gewisse Veränderung eintritt, die sich dann allmählich ausbreitet. Das klingt in der Theorie ganz schön, in der Praxis aber kommen wir damit nicht aus. Das wird uns sofort klar, sobald wir nur die tatsächlichen Vorgänge etwas genauer betrachten.

Man sagt z. B. die heutigen romanischen Sprachen sind aus dem lateinischen entstanden. Aber wie haben wir uns das zu denken? Zweifellos haben die Gallier, die Iberer, die Vorfahren der Rumänen von den römischen Soldaten, Kaufleuten, Kolonisten u. s. w. lateinisch gelernt, und diese neue Sprache hat sich von gewissen Mittelpunkten des Handels oder der Verwaltung allmählich ausgedehnt. Von Anfang an aber werden die Eingeborenen die fremde Sprache etwas anders wiedergegeben haben, als sie im Munde der Römer klang. Wenn man sich auch bemühte, ganz genau so zu sprechen, wie man hörte, und wenn man dies auch nahezu erreichte, so gewann man dieses Ergebnis doch vielleicht auf einer ganz andern Grundlage der Aussprache. Vor allem aber wird man wohl stets einen andern Akzent gehabt haben, und wenn dadurch die Sprache zunächst nicht allzusehr bceinllusst wurde, allmählich musste die ganze Sprachentwicklung doch eine andere Richtung annehmen, gerade wie eine Billardkugel, die von einer andern einen kleinen Seitenstoss erhält, zuerst vielleicht nur unmerklich abweicht, bis dann bei wachsender Länge der Bahn die Abweichung immer merkbarer wird. Wie stark der Kinfluss der Muttersprache bei der Aussprache der fremden ist, kann man in grober Form beobachten, wenn Engländer oder Franzosen deutsch sprechen. Jedem fällt das Fremdartige dieses Deutsch auf, und der geschulte Forscher merkt sehr bald, dass dies auf der Beibehaltung einer Reihe von Eigentümlichkeiten der Muttersprache beruht. W enn also eine Sprach-übertragung stattgefunden hat, so müssen sich fast mit Notwendigkeit soviel neue Dialekte entwickeln, als alte vorhanden waren. Man kann sich das an den verschiedensten Fällen klar machen. Ganz deutlich wird es an dem Beispiel der neuhochdeutschen Schriftsprache. Zweifellos ist diese für die grosse Masse der Deutschen eine fremde Sprache, die sie erlernen müssen. In der Schrift scheint sie im grossen und ganzen einheitlich zu sein, wenn auch einige Abweichungen Vorkommen. Sobald sie aber ausgesprochen wird, erkennen wir, woher der Sprecher stammt. Der Schwabe, der Baier, der Sachse, der Ostpreusse, sie alle sprechen die Schriftsprache etwas verschieden aus, weil sie die Artikulationsbasis und den Akzent des heimischen Dialektes bei-behaltcn. Mit absoluter Notwendigkeit würden diese Unterschiede in späterer Zeit immer grösser werden, wenn nicht die Schule für eine Einheit sorgte. Wären nun einmal die eigentlichen Dialekte ganz in Deutschland verschwunden, wäre überall die Schriftsprache dafür eingetreten und hätte diese sich selbständig entwickeln können, so würden wir nach hunderten von Jahren wieder grosse, stark abweichende Dialekte finden, die aber im wesentlichen dieselben Grenzen und denselben Umfang haben würden wie die alten, obgleich sie mit diesen unmittelbar gar nicht zusammenhingen.

Das ist nun vorläufig zwar eine reine Konstruktion. Wir können aber ein Beispiel anführen, das dieser Annahme völlig entspricht. Die alte griechische Sprache zerfiel in zahlreiche Dialekte, die allmählich zu gunsten der Gemeinsprache gewichen sind. Auch das Neugriechische zerfällt wieder in zahlreiche Mundarten, die mit einer einzigen Ausnahme nicht auf die altgriechischen Dialekte zurückgehen, sondern eben auf der Koine, der Gemeinsprache beruhen. Wenn trotzdem die heutigen Dialekte ihrem Umfange nach zum guten Teil mit den alten übereinstimmen, so ist das nach dem oben gesagten nur natürlich, es kann eigentlich gar nicht anders sein. Denn die Gemeinsprache musste eben in jedem Dialektgebiet eine besondere Färbung annehmen, die sich ursprünglich wohl wenig auffällig mit der Zeit zu grösserer Entschiedenheit entwickelt hat.

Nach all diesem müssen wir jedenfalls den Versuch machen, ob wir nicht mit Hilfe heute bestehender Dialektgrenzen die Grenzen der alten Sprachen ermitteln können. Tatsächlich ist dieser Grundsatz von den Romanisten auch völlig anerkannt, und es steht fest, dass die grossen Verschiedenheiten der romanischen Dialekte, durch die sie eigentlich als besondere Sprachen erscheinen, auf der Verschiedenheit der Volkssprachen beruhen, auf denen sie erwachsen sind. Es ist mit der Annahme von dem Fortbestehen der Dialektgrenzen nicht gesagt, dass dieser Fall immer eintreten muss. Wenn eine starke Einwanderung, eine bewusste Kolonisierung stattgefunden hat, so kann allmählich auch die Sprache der Eroberer siegen, namentlich wenn das neue Gebiet nicht allzu weit von dem alten entfernt ist. So ist es z. B. nicht auffällig, dass sich zwar in den Alpen ein besonderer romanischer Dialekt, das Rhätoromanische, entwickelt hat, während von den Eigentümlichkeiten dieses Dialektes in Etrurien, wo doch auch Etrusker sassen, nichts zu spüren ist. Entweder sind hier die Etrusker selbst nur Einwanderer gewesen, die die einheimische Sprache nicht so wesentlich verändern konnten, oder Rhätisch und Etruskisch sind überhaupt verschiedene Sprachen gewesen. Und es gibt noch andere Möglichkeiten, dies zu erklären.

Nach Oberitalien sind ferner Kelten eingewandert. Wenn die oberitalienischen Dialekte in manchen Punkten dem französischen näher verwandt sind als dem eigentlichen italienischen, so weist das darauf hin, dass hier eben eine starke Einwanderung keltischen Blutes stattgefunden hat, und dass die keltische Sprache hier mit allen ihren Eigentümlichkeiten gesiegt hatte, ehe das Römische eindrang. Freilich könnte die Übereinstimmung zwischen Oberitalien und Frankreich auch auf das ältere in beiden Ländern heimische Volkselement der Ligurer zurückgehen. Und noch eins muss man betonen. Bei dem Kindringen eines neuen Volkes und der Sprachübertragung entwickeln sich immer zwei Sprachen, die der Sieger und die der Besiegten, Bei jener braucht keine Veränderung einzutreten, und es ist daher nicht wunderbar, wenn uns das Altgallische in einer so altertümlichen Gestalt entgegentritt. Die Sprache der besiegten Urbevölkerung kann schon zu Casars Zeiten wesentlich von jener verschieden gewesen sein, und es kann uns nicht in Erstaunen netzen, wenn das spätere Keltische solch starke Veränderungen zeigt. Neuerdings hat R. Meister i Dorer und Achaeer, Abhandl. d. phil.-hist. Klasse der k. sächs. Ges. der Wiss. 24, 3) gezeigt, wie in Lakedaimon und den übrigen Gegenden mit dorischer Herrscher- und achäischer unterworfener Bevölkerung tatsächlich zwei Sprachen nebeneinander standen. Infolge der spätem geschichtlichen Entwicklung wird die eine oder die andere gesiegt haben.

Es braucht sich natürlich nicht mit Notwendigkeit in der neuen Sprache irgend eine besondere Eigentümlichkeit der alten zu zeigen, da ja auch aus der Verbindung zweier Stoffe ein neuer entstehen kann, der von den beiden alten vollständig verschieden ist, wie sich denn aus Chlor und Natrium Salz bildet, das weder die Eigenschaften des Chlores noch des Natriums zeigt. Es wird sich nur fragen, ob nicht die Veränderungen, denen die neue Sprache im Laufe der Zeiten notwendig unterliegen muss, aus denselben Ursachen hervorgehen wie die der alten, ob also nicht das merkwürdige Zusammenschrumpfen der französischen Sprache auf denselben Gründen beruht wie der gleiche Vorgang im Keltischen. Oft werden wir nicht einmal das feststellen können, und wir werden uns damit begnügen müssen, das Zusammenfallen der alten Volksgrenze mit der Grenze des neuen Dialektes festzustellen. Auf der Karte 1 sind die heutigen romanischen Sprachgrenzen eingetragen, und daneben durch Schraffierung die alten Volkselemente angedeutet. Gewiss decken sich die beiden nicht vollständig, aber eine gewisse Übereinstimmung lässt sich nicht leugnen.

In der Balkanhalbinsel finden wir heute zwei slavische Sprachen, das Serbische und das Bulgarische, die sich sehr abweichend entwickelt haben, obgleich sie demselben Teil der grossen slavischen Sprachfamilie, dem Südslavischen angehören. Da wir hier auch im Altertum zwei verschiedene Völker, die Illyrier und die Thraker finden, so hat schon Miklosisch daran gedacht, dass die Verschiedenheit der beiden slavischen Sprachen durch die Verschiedenheit der zugrunde liegenden Sprache bedingt sei, und man wird vermutlich die Grenze zwischen Illyrisch und Thrakisch dahin verlegen können, wo heute die Grenze zwischen Serbisch und Bulgarisch ist. Wenn wir nun ausserdem sehen, dass das Albanesische, die so stark veränderte indogermanische Sprache, zwar eine ganze Reihe Entwicklungseigentümlichkeiten mit dem Bulgarischen, noch mehr aber mit dem Rumänischen teilt, während es mit dem Serbischen gar keine Ähnlichkeit zeigt, so wird man kaum daran zweifeln dürfen, dass es auf derselben Grundlage wie Bulgarisch und Rumänisch, d. h. auf Grundlage des alten Thrakischen erwachsen ist.

Die neuhochdeutsche Schriftsprache zeigt in der Aussprache eine merkwürdige Eigentümlichkeit. Obgleich sie ihrem ganzen Baue und ihrem Lautstande nach hochdeutsch ist, so wird sie doch richtig, d. h. bühnengemäss ausgesprochen mit den niederdeutschen Lautwerten. Als sich also die Niederdeutschen diese Sprache, die von ihrer eigenen stark abwich, aneigneten, haben sie sie einfach mit denselben Lauten wiedergegeben, die sie bisher gebrauchten. Ähnlich hat der armenische Lautstand eine grosse Ähnlichkeit mit dem der kaukasischen Sprachen, woraus wir mit Sicherheit schliessen können, dass in Armenien einst Menschen indogermanisch gelernt haben, deren Sprache dieselben Laute hatte wie die kaukasischen Sprachen. Denselben Lautstand wie das Armenische hat ferner das Ossetische im Kaukasus, das man mit Sicherheit für eine iranische Sprache ansieht. Auch hier weist diese Gleichheit darauf hin, dass beide Sprachen aus demselben Volkselement erwachsen sind.

Es ist ganz zweifellos, dass uns diese Eigentümlichkeit in der Sprachentwicklung manches lehren kann, und dass es uns auf manches hinweist, was wir sonst nicht wissen können. Zu bedauern bleibt nur, dass wir dieses Argument mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, aber doch nicht mit völliger Sicherheit verwenden können. So ist es z. B. auffallend und für die künftige Erkenntnis vielleicht von Bedeutung, dass das Etruskische, wie wir sehen werden, eine Reihe von Eigentümlichkeiten mit dem Süddeutschen teilt. Wie weit dies auf einem historischen Zusammenhang beruht, lässt sich, da uns andere Momente vorläufig noch ganz fehlen, nicht bestimmen.

Am Schluss dieser einleitenden Bemerkungen möchten wir noch auf eine Frage die Aufmerksamkeit lenken, um auch in dieser Beziehung keine Missverständnisse zu veranlassen. Sie betrifft das Alter der Bevölkerungsschichten, mit denen wir uns zu beschäftigen haben. Auch hier begegnen wir grossen Verwirrungen, indem man die Frage nach der Herkunft der Indogermanen mit der Frage nach der Besiedelung Kuropas überhaupt verbindet. Letztere lässt sich, wie wir sehen werden, überhaupt nicht annähernd bestimmen, jedenfalls treffen wir den Menschen in unserm Lrdteil schon, als die Fauna und Flora sowie das Klima ganz andere waren. Bei den Indogermanen kann uns nur die Sprache leiten, und diese fuhrt uns nicht in allzuweite Fernen zurück. Kein Literaturdenkmal geht viel über das erste vorchristliche Jahrtausend hinaus. Sollten die Anschauungen richtig sein, die man über Vorkommen indogermanischer Namen in Vorderasien geäussert hat, und auf welche wir unten Kapitel 12 zu sprechen kommen, so stammt das erste geschichtliche Zeugnis für unsern Sprachstamm aus dem 15. vorchristlichen Jahrhundert. Sehr viel weiter zurück, wird uns auch die Sprachwissenschaft nicht führen. Ich habe früher in runder Zahl etwa das Jahr 20C0 v. Chr. als die Zeit bezeichnet, in der die Ausbreitung der Indogermanen begonnen hätte, glaube aber jetzt, dass auch dieser Ansatz noch zu hoch ist, und würde jetzt lieber auf 1600—1800 v. Chr. heruntergehen. Aber wenn wir die Anfänge ihrer Wanderungen noch um ein Jahrtausend zurückschieben wollten, so würde das doch wenig bedeuten im Vergleich mit den Zeiten, die seit der ersten Besiedlung Europas vergangen sind. In diese Fernen führt uns die Sprachwissenschaft nicht zurück.

Alles das, was wir ermitteln können, bewegt sich in Zeiträumen, die in Vorderasien schon im Lichte der Geschichte liegen, und die daher verhältnismässig jung sind. Aber auch diese etwas erhellt zu haben, ist ein unvergleichliches Verdienst der Sprachwissenschaft.

2. Die Rassenfrage.

Gedeihen der Menschen an einem fremden Ort.

Rasse und Klima.

Es gibt fast keinen Teil Europas, den die Indogermanen auf ihren Wanderungen nicht erreicht hätten, und selbst die Grenzen unseres Erdteils haben dem Vordringen der Völker kein Ziel gesetzt. Indien, Iran und Armenien haben sie dauernd ihrem Sprachgebiet einverleibt, und Kleinasien hat wenigstens teilweise eine Zeit lang indogermanisch gesprochen. Bei dieser Ausdehnung unsres Sprachgebietes, müssen wir die Frage aufwerfen, ob und wie der Mensch in einem andern Klima, als seine Heimat bietet, fortbestehen kann. Europa liegt fast ganz in der gemässigten Zone, aber doch sind die Unterschiede im Klima zwischen den südlichen Halbinseln Spanien, Griechenland und Italien auf der einen und Deutschland, England und Skandinavien auf der andern Seite gross genug, um auf die Menschen einen Einfluss ausüben zu können. Mag man auch, wie wir es tun, einen einheitlichen Ursprung des Menschengeschlechtes annehmen, wobei man voraussetzen muss, dass die Menschen die verschiedenen Teile der Erde nach einander besiedelt und sich ganz allmählich eingewöhnt haben, so steht es doch zweifellos fest, dass heute die Menschen in der Hauptsache an die Scholle gebunden sind. Sie können klimatische Verschiedenheiten nur bis zu einem gewissen Grade ertragen. Aber welcher Grad das ist, bleibt eben die Frage. Wir stehen noch durchaus im Anfänge der Forschung, und es ist selbstverständlich, dass ältere Nachrichten und Untersuchungen ganz fehlen.

Um den einzelnen Menschen handelt es sich hierbei nicht, — der kann auch grössere klimatische Unterschiede lange Zeit, vielleicht ein ganzes Leben hindurch ertragen —, sondern das ist die Frage, wie weit eine gesunde, kräftige, sich vermehrende Nachkommenschaft den in ein anderes Klima Versetzten be-schieden sein mag. Und selbst, wenn diese vorhanden ist, so bleibt immer noch zu erwägen, ob sich nicht die einheimische Bevölkerung rascher vermehrt als die eingewanderte.

Es darf als feststehend gelten, dass die Bevölkerung Europas im allgemeinen in der heissen Zone nicht zu leben vermag. Immerhin ist es für die Menschen Südeuropas eher möglich gegen

den Äquator vorzudringen als für die Nordeuropas. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika dominiert das germanische Element entschieden im Norden, während in den Südstaaten Italiener, Franzosen und Spanier ihre Rechnung finden. Der Neger kommt seinerseits nicht im Norden fort. Die Schwindsucht setzt hier seinem Vordringen entschieden ein Ziel. Bei der Kolonisation der nordafrikanischen Küste sollen die Südfranzosen bessere Fortschritte aufweisen als die Nordfranzosen, die sehr bald zugrunde gehen. Aus der Geschichte weiss man, wie rasch die deutschen Heere in Italien vernichtet wurden, wie schnell die Reiche der germanischen Heerkönige und ihre Mannen im Süden dahinschwanden. Im allgemeinen scheint schon Südeuropa für die Nordeuropäer nicht mehr den rechten Boden zu bieten. Da nun die ursprüngliche Heimat der Indogermanen sicher nicht in den südlichen Halbinseln Europas gelegen hat, so kann man vermuten, dass die nach Süden vordringenden Indogermanen sehr bald vernichtet wurden, falls sie nicht Gebiete fanden, in denen die Bodenerhebung die Einflüsse der südlichen Breiten mehr oder minder ausglich. Tatsächlich haben sich denn auch nur solche indogermanischen Sprachen im Süden erhalten, die wenigstens geraume Zeit in Gebirgsgegenden gesprochen wurden. Die Griechen sitzen zunächst in den rauhen Bergen Nordgriechenlands, die Italiker im Apennin, der rauhe Charakter des armenischen Hochlands ist durch Xenophons Schilderung zur Genüge bekannt, und auch die Inder haben wahrscheinlich erst in den Himalayatälern die Kraft gewonnen nach dem Süden vorzustossen, wo sie aber ihrem Volkscharakter nach z. T. bald zugrunde gingen, während die Hauptstämme der Iranier, die Perser und Meder, ebenfalls längere Zeit in Gebirgsgegenden gewohnt haben.
Zu der Akklimatisationsfrage kommt noch ein zweiter Punkt hinzu, die Rassenmischung. Waren Nordeuropäer nach dem Süden vorgedrungen, so blieb in den meisten Fällen eine Verbindung der eingewanderten Sieger mit den Eingeborenen nicht aus. Was wird aus diesen Mischlingen? Es kann sein, dass sich ein Mischtypus bildet, aber im allgemeinen zeigt sich in der Natur das Bestreben, das südliche Blut durchschlagen zu lassen, und nach einigen Generationen ist von dem nördlichen Einfluss nichts mehr zu spüren, falls nicht unaufhörlich Blutauffrischung erfolgt.

Sind nun die Einwandrer durch die Natur des Landes so gestellt, dass sie sich nicht so stark wie die einheimischen vermehren, so wird der Typus zur Norm zurückkehren, und nach einer Reihe von Jahrzehnten oder Jahrhunderten ist nichts mehr von dem Blute der Eingewanderten zu spüren. Schliessen sich aber die Sieger, wie dies auch möglich ist, kastenartig ab, so kann sich ihr Typus allerdings Länger erhalten. Naturgemäss bleiben die Sieger auch weiterhin die Herrscher, sie bilden den Adel, der im Altertum unter mannigfach verschiedenem Namen auftritt. So in Sparta als Spartiaten gegenüber den Heloten, in Rom vielleicht als Patrizier den Plebejern gegenüber, in Indien in den beiden obersten Klassen der Brahmanen und Krieger. Wollen wir also erkennen, welchen Typus die eingewanderten Indogermanen gehabt haben, so wird man untersuchen müssen, ob sich nicht unter dem Adel der südlichen Länder körperliche Eigenschaften finden, die in andern Gegenden bei weitern Volkskreisen vorhanden sind. Jedenfalls aber wird das eigentlich indogermanische Blut unter den Menschen unsres Sprachstammes nicht immer zu finden sein.

Im allgemeinen wird man sich auf Grund derartiger Erwägungen sagen müssen, dass durch die Wanderungen der Indogermanen bei weitem keine so grosse Verschiebung des Blutes stattgefunden haben wird, wie die Ausdehnung der Sprachen erwarten lässt. Die Veränderungen, die sich in dieser Beziehung in Europa vollzogen haben, sind vielleicht geringer als man auf den ersten Blick anzunehmen geneigt ist. P’iir diesen Punkt beweist gerade das Beispiel, das uns, wie oben bemerkt, Nordamerika mit seiner Besiedelung bietet, ausserordentlich viel. Seit uralter Zeit finden wir in Europa im Norden einen blonden Typus, der je mehr wir uns dem Süden nähern, brünetter und dunkler wird. Und wie dies vor Jahrtausenden der Fall gewesen zu sein scheint, so ist das auch heute noch zu finden, im Norden die Blonden, im Süden die Brünetten, natürlich mit Ausnahmen. Und dieselben Verhältnisse entwickeln sich nun anscheinend auch in Nordamerika. Auch hier herrscht im Norden der blonde Typus im Süden der brünette, was teils aus der Herkunft der Bevölkerung zu erklären ist, teils aber auch darauf zurückzuführen sein dürfte, dass im Norden wie im Süden das entsprechende Pilement bessere Lebensbedingungen fand und sich dementsprechend besser erhielt und vermehrte.

Trotz aller Wanderungen, trotz aller Verschiebung der Sprachen können sich also die einzelnen Menschentypen an ihrem Orte erhalten, und das berechtigt zu der Hoffnung, die Anthropologie werde einst, wenn sie sichere Mittel gefunden hat, die Rassen einzuteilen, manche Auskunft über die europäischen Yolkerverhältnisse geben. Die Verhältnisse in altern Zeiten können ganz einfach, sie können aber auch recht verwickelt gewesen sein, und die Tatsachen der Geschichte lehren uns, welche Möglichkeiten wir voraussetzen dürfen.

Die eigentliche Rassenfrage.

Als die anthropologischen Studien aufblühten, da hat sich auch die Anthropologie mit der Frage nach der Herkunft der europäischen Völker beschäftigt, und sie hat im ersten Eifer gehofft, dieses Problem besser als die andern Wissenschaften lösen zu können. Freilich vermochte sie diese Erwartungen nicht zu erfüllen, und sie muss sich heute, so lange ihre Ergebnisse nicht besser gesichert sind, mit einer bescheidenen Stellung begnügen. Ein grosser Zwiespalt der Meinungen besteht darüber, welche Eigenschaft des menschlichen Körperbaues man der Einteilung in Rassen zugrunde legen solle. Nachdem man ursprünglich im wesentlichen die Haut-, Augen- und Haarfarbe beachtet hatte, glaubt man später in den Verhältnismassen des Schädels ein untrügliches Kennzeichen der Rasse gefunden zu haben. Das Verhältnis von Breite und Höhe des Schädels ist sehr verschieden. Schon eine unbefangene Beobachtung unterscheidet längliche und breite Gesichter oder Lang- und Breitschädel, und in der Tat erweist sich diese auch für die Wissenschaft als brauchbar. Man hat begonnen, genaue Messungen vorzunehmen, und zuerst hat A. Retzius das Verhältnis der Länge zur Breite des Hirnschädels in einen zahlenmässigen Ausdruck gebracht. Man nimmt jetzt allgemein die Länge als ioo an und berechnet danach die Breite in Prozenten. Die relativ schmalen Schädel nennt man Langschädel, Dolichokephalen, die relativ breiten Schädel Kurzköpfe, Brachokephalen, denen sich dann naturgemäss die mittleren Köpfe anreihen. Bei der Unterscheidung der Rassen der gesamten Erde kommt dann noch das Verhalten des Kiefers in Betracht, doch spielt dieses in Europa keine Rolle, und wir können es daher übergehen. Es hat sich aber herausgestellt, dass mit der Schädelmessung allein keine einwandfreie Klassifizierung des Menschen zu erreichen ist. Zwar herrscht auf gewissen Gebieten wie z. B. in Skandinavien der Langschädel vor, aber wir finden diesen auch in Süditalien, und keiner wird zweifeln, dass wir dort ganz andere Menschen vor uns haben als im Norden. Man muss unbedingt noch andere Merkmale hinzuziehen, und da kommt in erster Linie die Hautfarbe in betracht. Europa scheidet sich in dieser Beziehung in mehrere Zonen. Im Norden herrscht der blonde, blauäugige Typus mit heller Hautfarbe. Je mehr wir uns dem Süden nähern, treten dafür braunes oder schwarzes Haar, dunkle Augen und eine stärker pigmentierte Hautfarbe ein. Aber das ist noch nicht genug. Auch die Körpergrösse ist ein beachtenswertes Merkmal. Den grossen Skandinaviern stehen im übrigen Europa sehr viel kleinere Menschen gegenüber. Aber die grossen Menschen leben nicht nur in Skandinavien, sondern auch in Schottland, in Bosnien und der Herzogovina und anderswo.

Die Anthropologie, das braucht man nicht zu bezweifeln, wird einst ebenfalls zur Förderung der Frage von der Herkunft der europäischen Menschheit beitragen. Auch bei dieser Wissenschaft darf man eins nicht vergessen. Schärfer als alle Messungen und physikalischen Versuche ist das menschliche Auge, und wer »vieler Menschen Städte gesehen hat«, der wird nicht verkennen, dass es Rassentypen gibt, genau wie uns das Ohr das Bestehen von dialektischen Eigentümlichkeiten lehrt, die aufzunehmen noch keinem Instrument gelungen ist. Zu diesen Rassentypen gehört die germanische Rasse, deren reinste Vertreter in einem Moltke und andern Angehörigen des hohen Adels deutlich vorliegen, wie dies Chamberlain in seinen Grundlagen des 19. Jahrhunderts mit Recht scharf betont hat. Die Eigentümlichkeiten jüdischen Blutes treten jedem klar vor Augen, obgleich man sie nicht messen und beschreiben kann, und selbst wenn nur einmal eine Kreuzung stattgefunden hat, lässt sich das semitische Blut auch in spätem Generationen noch oft genug erkennen, wenn man nur gelernt hat, aufmerksam zu beobachten. Die Rassenfrage ist in der Tat kein leerer Wahn, und für die, die ihre Bedeutung leugnen, gilt das Wort;
Daran erkenn ich den gelehrten Herrn!
Was ihr nicht tastet steht euch meilenfern,
Was ihr nicht fasst das fehlt euch ganz und gar,
Was ihr nicht rechnet glaubt ihr sei nicht wahr,
Was ihr nicht wägt hat für euch kein Gewicht,
Was ihr nicht münzt das meint ihr gelte nicht.

Die Rassenfrage ist nicht dadurch erledigt, dass bis jetzt noch keine einwandfreie Unterscheidungsmerkmale gefunden sind, und wenn sie nicht gefunden werden sollten, so bleibt sie doch bestehen. Kine kritische Darstellung der Ergebnisse der Anthropologie hat vor einer Reihe von Jahren Kretschmer in seiner Umleitung in die Geschichte der griechischen Sprache S. 29 ff. gegeben, und es war ihm sehr leicht, die Widersprüche der einzelnen anthropologischen Systeme untereinander und ihre Mängel herauszufinden; schwieriger ist es aus dem Wirrwarr der Meinungen den gesunden Kern herauszuschälen. Auch ich möchte mich nur mit grossem Vorbehalt äussern, glaube aber doch, dass Schädelform, Haar- und Hautfarbe sowie Grösse drei Merkmale sind, mit denen man wohl die Unterschiede der europäischen Menschheit festlegen kann. Das Hauptmerkmal wird zwar der ganze Typus des Gesichts bleiben, aber hier lässt sich mit Messungen wenig erreichen. Den ersten Versuch auf Grund dieser drei Merkmale eine Rasseneinteilung für unsern Erdteil vorzunehmen, hat Deniker in seinen Aufsätzen Bulletins de la societe d’anthropologie de Paris 8 Bd. IV Serie) S. 189 ff. 291 ff. unternommen. In einem ausführlichen Referat in dem Archiv für Anthropologie Bd. 25, S. 321 hat IT Schmidt die wesentlichen Grundzüge der Aufstellungen Denikers gegeben. Wenn wir uns auch nicht verhehlen können, dass auch dieses System, schon weil streckenweise das Material recht dürftig ist, nicht vollkommen sein kann, so bietet es doch manche Vorzüge und vor allem den Vorteil, dass wir auch die Nachrichten der Alten mit ihm vergleichen können. Denn sie haben uns mannigfache Angaben über die Körpergrösse und die Haarfarbe der Völker hinterlassen, womit wir also zwei Einteilungsprinzipien Denikers auch aus dem Altertum nach weisen können. Schädel haben die Alten zwar nicht gemessen, aber für diesen Punkt treten die Grabfunde in reichem Masse ein, und wenn auch die Verbindung der gefundenen Schädel mit den Nachrichten der Alten nicht immer sicher ist, so wird sie doch innerhalb einer gewissen Fehlergrenze einige Wahrscheinlichkeit beanspruchen dürfen. Wer nur einige der anthropologischen Nachrichten aus dem Altertum kennt und sie mit den heutigen Zuständen vergleicht, wird sich sagen müssen, dass diese beiden Dinge oft genug nicht zu sammenfallen. Die Alten beschreiben die Gallier als grossgewachsen, blond und blauäugig, von den Germanen wenig zu unterscheiden. Aber dieser Typus ist im heutigen Frankreich kaum noch zu treffen. Sollen wir annehmen, dass sich die Menschen seit Cäsars Zeit derartig verändert haben? Wir kommen damit auf das schwierige Problem der Veränderlichkeit der Rassen. Zunächst ist das eine sicher, dass die Rassen keine feststehenden Typen sind. Die verschiedenen Menschenrassen müssen sich doch einmal auseinander entwickelt haben, und was früher geschehen ist, kann auch heute noch eintreten. Freilich besitzen wir wrenig einwandfreies Material.

Aber in Amerika, Australien und Südafrika leben doch Nordeuropäer unter neuen veränderten Bedingungen, und hier hat sich in verhältnismässig kurzer Zeit in der Tat eine Veränderung des Rassentypus vollzogen. Der Typus der Nordamerikaner scheint sich der hageren Schlankheit der Ureinwohner zu nähern und beginnt sich selbst in Haarfarbe und Haarwuchs von den europäischen Verwandten zu unterscheiden. »Die Engländer«, sagt Schurtz Urgeschichte der Kultur S. 31, »denen diese merkwürdige Veränderung ihrer Stammesgenossen nicht entgangen ist, haben auch in anderen Teilen der Erde Gelegenheit zu ähnlichen Beobachtungen gehabt; überall, wo sich die angelsächsische Rasse kolonisierend niedergelassen hat, unterliegt sie Wandlungen, die nicht immer einfach zu deuten sind, mag man auch im allgemeinen dem Einfluss des Klimas die Hauptursache zuschreiben. Mit besonderer Schärfe hat schon im Jahre 1876 A. K. New man auf die Entstehung eines neuseeländischen Typus hingewiesen, der namentlich (wie ebenfalls in Nordamerika) in einem Schmälerwerden des Unterkiefers hervortritt, was wieder, da die Zähne nun zu wenig Raum haben, zu Unregelmässigkeiten des Gebisses führt. An sonstigen Umbildungen fehlt es nicht. Die hellen Farben der Engländer machen bei Jung-Neuseeland welkeren und stumpferen Farbentönen Platz. Es ist eine merkwürdige Tatsache, dass sehr wenige Kinder mit dunkeln Augen und Haaren in Neuseeland geboren werden: die Eltern mögen so dunkel sein wie sie wollen, mit rabenschwarzen Locken und schwarzen Augen, ihre Nachkommenschaft wird immer blässere Farben zeigen. Auf dem austialischen Festlande .scheinen dagegen die Blonden immer mein* gegen die Brünetten zuriiek-zutreten. Auch die Wirkungen eines heisseren Klimas auf die Menschen sind in Neuseeland, besonders aber auf dem Festland Australiens, merklich. ln Australien , sagt Newman, unter dem Kintluss einer grimmigen Sonnenglut wachsen die Kinder schnell heran, aber sie welken auch schnell wie Treibhausblumen, und ihre geistigen und physischen Kräfte sind in einem Alter nahezu erschöpft, wo der Engländer noch in seiner Jugendkraft steht. . . . Die Jugend Neuseelands und der (australischen Kolonien ist körperlich und geistig schwacher als gleichaltrige Bewohner der ursprünglichen Heimat. Sie ist weniger leistungsfähig, harte Arbeit und Entbehrungen greifen sie rasch an. Der koloniale Nachwuchs ist aber auch von geringerer körperlicher Widerstandskraft; die Leute sind oft, wie sie sagen, abgenutzt (seedy), jeder Krankheitsanfall wirft sie rasch nieder und sie erholen sich langsam. Auch die Frauen verblühen rasch.«
»Wie die Yankees neigen auch die Australier zu hohem, schlottrigem Wuchs und magerer Muskulatur, was ihnen den Spottnamen »Getreidehalm« (cornstalks) eingetragen hat. Man darf wohl diese Eigentümlichkeit, die sie mit den Wüsten Völkern teilen, auf die Trockenheit des australischen Klimas zurückführen; seltsamerweise bietet dagegen das ebenso trockene Südafrika das Schauspiel, dass hier die eingewanderten Europäer zur Fettleibigkeit neigen, ähnlich wie sich schon bei den älteren Bewohnern des Gebietes, den Hottentotten, neben sonst grosser Magerkeit des Körpers die Steatopygie (Fett-steissbildung) allgemein verbreitet findet.«

Diese Beobachtungen lassen es unbedingt als möglich erscheinen, dass sich auch die europäische Bevölkerung allmählich verändert hat. Aber immerhin liegen hier die Verhältnisse doch anders. Denn erstens kamen die einwandernden Indogermanen nicht in völliges Neuland, sondern sie fanden eine Urbevölkerung vor, und zweitens sind die klimatischen Unterschiede innerhalb Europas nicht derartig wie zwischen den verschiedenen Kontinenten. Schliesslich aber sind die Unterschiede zwischen dem älteren und jüngeren Typus zu gross, als dass sie aus Anpassung erklärt werden können. Wir müssen auch bedenken, dass in Europa die Blutmischung eine ganz andere Rolle spielt als in Amerika und Australien. Ich glaube also kaum, dass man die Veränderung der Rasse in Anspruch zu nehmen braucht. Was uns die Römer von den besondern Eigenschaften der Kelten berichten, das gilt von der eingewanderten, herrschenden Klasse der Indogermanen. Wie das eigentliche Volk, das nach Cäsar in einer Art von Hörigkeit lebte, ausgesehen hat, das wissen wir nicht; wir dürfen aber wohl vermuten, dass es dem heutigen französischen Typus in stärkerem Masse glich als der eigentliche keltische.

Alles in allem können wir mit der Rassenveränderung noch nicht viel anfangen. Aber wir dürfen nicht ausser acht lassen, dass Veränderungen möglich sind. Die Arier in Indien unterscheiden sich anthropologisch von den Eingeborenen durch die hellere Hautfarbe, aber sie sind doch nicht blauäugig und blondhaarig, man kann sie nur mit den Südeuropäern vergleichen, und man darf wohl fragen, ob sich die dunkeln Farben des Auges und des Haares nicht erst entwickelt haben.

Denn die Inder sind in ein Gebiet eingerückt, das klimatisch von dem ihrer ursprünglichen Heimat stark abwich. Die europäischen Indogermanen aber sind zum Teil in ihren alten Sitzen geblieben. Und wenn man für gewisse Teile eine Veränderung des Typus annehmen wollte, so bleibt die Frage ungelöst, weshalb sich der Typus an andern Stellen nicht verändert hat. Es kann kaum einem Zweifel unterliegen, dass die körperlichen Eigenschaften, die heute Teile der Germanen auszeichnen, Körpergrösse, Blondheit, Blauäugigkeit und schmaler Schädel schon vor 2000 Jahren und vielleicht noch länger vorhanden waren. Hier haben wir also eine Andauer der Rasse, wie wir sie deutlicher nicht wünschen können. Am Schlusse dieses Kapitels dürfte es angebracht sein, ein Bild der heutigen Verteilung der europäischen Menschheit auf grund von Denikers Anschauungen zu geben. Man wird dann leichter in den Stand gesetzt sein, Vergleiche mit den früheren Zeiten zu ziehen, und wir können die Frage aufwerfen, inwieweit sich die Rassen mit den Sprachen in Verbindung bringen lassen. Wir finden

1. einen blonden, dolichokephalen, sehr hochgewachsenen Typus im Norden Europas, den man daher als nördlichen Typus bezeichnen kann. Seine Merkmale sind: Körpergrösse beträchtlich, im Durchschnitt 172 cm; Haar aschblond, gelblich oder rötlichblond, leicht wellig; Augen hellgefärbt, meist blau; Kopf lang, dolichokephal (Index am Lebenden zwischen 72 und 78. Haut rosig weiss, Gesicht ländlich, Nase schmal, kräftig hervortretend, gerade. Er ist verbreitet in Skandinavien mit Ausnahme der Westküste Norwegens , im nördlichen Schottland, Westengland, Irland (mit Ausnahme des westlichen Teiles., auf den Far-Ör-Inseln, in Friesland, Oldenburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg, in den Ostseeprovinzen und Teilen Finnlands. Dieser Typus wurde bisher kvmrische, germanische Rasse, Reihengräbertypus genannt.

2. Blonder, subbrachykephaler, kleingewachsener Typus, besonders im östlichen Kuropa (Russland) vorkommend,, daher auch östlicher Typus zu nennen. Seine Merkmale sind: Wuchs untermittelgross (163 bis 164 cm), Kopf massig kurz und breit (Index am Lebenden 82 —83), Haar aschfarbig oder flachsblond, gerade; Gesicht breit, viereckig, Nasenrücken gerade oder konkav, Augen hell, meist grau. Die Träger dieses Typus sind die Weissrussen, die Polieschtschuken der Sümpfe von Pinsk und manche Litauer. Durch Mischung abgeschwächt ist dieser Typus häufig bei den Grossrussen im nördlichen und mittlern Russland und in Finnland.

3. Sehr dunkler, sehr dolichokephaler und sehr kleiner Typus, auch iberisch-insulaner Typus, oder mittelländischer Typus mancher Autoren. Merkmale: Wuchs 161 — 162 cm, Kopf lang (Index am Lebenden 74—75), Haar schwarz, lockig oder kraus, Augen sehr dunkel, Haut gebräunt, Nase gerade oder aquilin, Gesicht länglich. Verbreitung: Iberische Halbinsel und die westlichen Inseln des Mittelmeers, Korsika, Sardinien, Sizilien (die Balearen gehören nicht dazu). Durch Mischung abgeschwächt, erscheint dieser Typus in Frankreich (Angoumois, Limousin, Perigord) und Italien (südlich von der Linie Rom-Ascoli).

4. Dunkler, sehr brachykephaler, kleingewachsener Typus, auch westlicher oder cevennischer Typus, oder keltische, keltisch-ligurische, keltoslavische oder alpine Rasse verschiedener Autoren. Merkmale: Sehr breiter Kopf (Index am Lebenden 85—87),. massig kleiner Wuchs (163—164 cm), braunes Haar, hellbraune oder dunkelbraune Augen; Gesicht breit, Nase ziemlich gross,. Körper breit. Verbreitung: In seiner reinsten Form in den Cevennen, im französischen Hochplateau und in den Westalpen; durch Mischung modifiziert an vielen Stellen zwischen mittlerer Loire und Dniepr, in Piemont, der Mittel- und Ostschweiz, Süddeutschland, Kärnthen, Mähren, Galizien und Wolhynien.

5. Brauner, subdolichokephaler, grossgewachsener Typus. Litoral er oder atlantisch-mediterraner Typus. Merkmale: Neigung zur Mesokephalie (Index am Lebenden 79—80), übermittelgrosser Wuchs (im Mittel 166 cm) und sehr tiefe Haar- und Augenpigmentierung. Verbreitung: Im Tiefland (nicht über 200 m) der untern Loire, in der Gascogne, zwischen Gibraltar und der Mündung des Guadalquivir und an der Mittelmeerküste bis zur Tibermündung.

6. Brauner, brachykephaler, hochgewachsener Typus, auch adriatischer oder dinarischer Typus. Merkmale: Körperhöhe 169—171 cm, starke Brachykephalie (Index am Lebenden 85—86 cm), Haar braun, wellig, Augen dunkel, Augenbrauen gerade, Gesicht länglich oval, Nase schmal, Nasenrücken gerade oder gebogen, Haut leicht gebräunt. Verbreitung: Bosnien, Dalmatien, Kroatien, dann in der Romagna, Venetien, bei den Slovenen, Ladinern, Romanen, zwischen Lyon und Lüttich auf dem Plateau von Langres, im Ursprungsgebiet der Saöne und Mosel, in den Ardennen. Modifiziert findet sich dieser Typus auch im untern Tal des Po, im nordwestlichen Böhmen, Graubünden, Eisass, im mittleren Gebiet der Loire, in den Karpathen (Polen und Ruthenen des Gebirges), bei den Kleinrussen und wahrscheinlich auch bei den Albanesen, Serben und Griechen und manchen kaukasischen Stämmen. Die Basken bilden eine Abart dieses Typus.

Als Untertypen stellt Deniker folgende vier auf:

a) Blonder, mesokephaler, grossgewachsener Untertypus (wahrscheinlich nur eine Varietät des nordischen Haupttypus). Gesicht eckig, Nase gerade oder konvex, Augen grau oder blau. Verbreitung: Land der Letto-Litauer, Ostpreussen, Hannover, Westküste von Norwegen, Westrussland.

b) Blonder, mesokephaler, sehr kleingewachsener Untertypus (wahrscheinlich eine Varietät des östlichen Haupttypus). Gesicht rund, Nase häufig aufgestülpt, Haar gerade oder wellig, Augen grau. Verbreitung: Unter den Polen und Ka-schuben, in Scliweclcn, vielleicht auch in Schlesien.

c) Subdolichokephaler, grosser Untertypus mit hellbraunem oder braunem Haar (hat eine mittlere Stellung zwischen nordischem und westlichem Typus«. Verbreitung: Im westlichen Irland, Wales, Westbelgien, Normandie, Picardie u. s. w.

d) Subbrachykephaler, mittelbrauner Untertypus mit hellbraunem Haar (wahrscheinlich aus Mischung zwischen adriatischem Typus und Untertypus a) hervorgegangen). Verbreitung: In Perche, Champagne, Lothringen, Franche-Comte, Luxemburg, Seeland (in Holland), Rheinprovinz, Bayern, Südböhmen, Deutsch-Österreich, Mitteltirol, einem Teil der Lombardei und Venetiens u. s. w.

Wir sehen also hier eine Fülle verschiedener Unterabteilungen, was uns nicht in Erstaunen setzen kann, wenn wir die Fülle der verschiedenen Sprachen in Betracht ziehen. Sicher hat es in dem vorgeschichtlichen Europa auch Menschentypen gegeben, die ganz zugrunde gegangen sind. Der sogenannte Neandertal-schädel zeigt uns Menschen, die heute nicht mehr zu finden sind, und seit in neuester Zeit selbst Zwergrassen in unserm Erdteil nachgewiesen sind, ist das Bild noch mannigfaltiger geworden.

3. Der iberische Sprachzweig.

Wenn wir nach diesen allgemeinen Bemerkungen zu der Betrachtung der europäischen Sprachen übergehen, so beginnen wir am besten mit dem äussersten Westen, weil hier eine natürliche Grenze gegeben ist. Das unwegsame Gebirge der Pyrenäen, das Spanien gegen Frankreich abschliesst, hat sich auf die Dauer ebensowenig wie die Alpen als eine vollständige Völkerscheide erwiesen. Auf dem Wege, den die Franken einschlugen, um die Ungläubigen zu vernichten, sind Goten und Vandalen Jahrhunderte früher gezogen. Hannibal überschritt mit seinem Heere die Pyrenäen leichter als die Alpen. Von den beiden Pässen, die über das Gebirge führen, hat er den südlichen gewählt. Im ersten Dämmer der Geschichte erfahren wir von keltischen Eroberungszügen, die freilich auch auf dem Seewege vor sich gegangen sein können, wie später die Normannen gekommen sind. Jedenfalls kann und wird, wie alles dies beweist, Spanien einen Teil seiner Bevölkerung von Frankreich erhalten haben. Ebensogut aber vermochten auch afrikanische Stämme über die Meerenge von Gibraltar nach Spanien überzusetzen und das Land zu besiedeln. Diese Meerenge hat die Vandalen und die Araber nicht aufgehalten und wird auch frühere Völker nicht in ihren Eroberungszügen gehemmt haben. Schliesslich sind die Karthager auch zur See nach Spanien gelangt, was ebenfalls schon für frühere Zeiten möglich war.

Die Alten nennen die Bewohner Spaniens Iberer. Was sie über die Herkunft dieses Volkes, namentlich über die sagenhafte Insel Atlantis berichten, hat D’Arbois de Jubainville Les Premiers habitants de l’Europe I S. 16 ff. zusammengestellt. Da auch im Kaukasus Iberer wohnten, so haben die Alten schon auf einen uralten Zusammenhang geschlossen, den auch moderne Gelehrte so kühn waren zu behaupten. An und für sich liegt dies nicht ausser dem Bereich der Möglichkeit. Denn wenn die Kelten in Spanien und die Inder im Osten einem und demselben Sprachzwreige angehören, weshalb sollten sich nicht im Kaukasus Verwandte der spanischen Bevölkerung gehalten haben? Aber ausser dieser Namengleichheit haben wir vorläufig nicht den geringsten Anhalt für einen Zusammenhang, und dass wir auf sie nichts bauen können, wird jeder einsehen.

Die Sprache der alten Iberer kennen wir durch zahlreiche, aber dürftige Inschriften, die meistens nur Namen enthalten und fast völlig ungedeutet sind. Ausserdem überliefern uns die antiken Schriftsteller einige iberische Worte, aus denen wir auch nicht viel lernen können. Ob man in ganz Spanien iberisch gesprochen hat, oder ob noch • andre Sprachen vorhanden waren, lässt sich aus Mangel an Zeugnissen nicht feststellen. Zwar sagt Strabo ausdrücklich, dass die Sprache nicht ein und dieselbe gewesen sei, doch kann er verschiedene Dialekte gemeint haben, wie sich in Gallien Gallisch und Belgisch unterschieden, und er spricht auch von einer Zeit, in der schon längst die Kelten eingewandert waren. Er kann also sehr wohl kelto-iberische Sprachen bei seiner Bemerkung im Auge gehabt haben. Frühzeitig, wahrscheinlich im 6. Jahrh. oder früher, sind keltische Heeresschwärme in Spanien eingedrungen, haben sich an verschiedenen Stellen niedergelassen und mit den Iberern das Mischvolk der Keltiberer gebildet. Wie lange sich ihre Sprache erhalten hat, können wir mangels jeglicher Zeugnisse nicht wissen. Getrennt von dem Stanimlande hat sie wohl unterteilen müssen. Mit der römischen Eroberung ist dann das Land allmählich romanisiert, ohne dass eine starke Blutmischung stattgefunden hatte. Die romanischen Sprachen in Spanien sind natürlich das Ergebnis der römischen Sprache in spanischem Munde, und es ist sehr wohl möglich, dass sich alte Dialektunterschiede bis heute erhalten haben, das heisst, dass die grossen Dialekte der Neuzeit auf iberische Dialekte zurückgehen. Nach Steinthal (vgl. dazu Karte 1 ist das Portugiesische ein keltisch romanischer, das Spanische ein keltiberisch-romanischer und das Provcnzalische ein iberisch-romanischer Dialekt.

Anderer Meinung ist Wechssler. Auch er erkennt an, dass wir drei Sprachgemeinschaften auf der Pyrenäenhalbinsel finden: die portugiesisch-galizische, die spanische kastilianische) und die katalanische. Für die beiden ersten Sprachgemeinschaften ist ein iberisches Substrat vorauszusetzen, das in Portugal weniger stark war als in Spanien, d. h , wir haben es in Portugal mit der keltiberischen Sprache zu tun.
»Nach Strabo und Avien«, sagt Wechssler weiter, haben die Kelten Portugal und Galizien dichter bevölkert, sie sind dahin auch zu Schiff gekommen. Galizien trägt einen keltischen Namen. In Portugal haben die kriegerischen Bewohner den Römern besonders lange Widerstand geleistet. Ks wäre vielleicht nicht unmöglich, die grosse phonetische Verschiedenheit des Portugiesischen vom Spanischen einer starken keltischen Besiedelung zuzuschreiben, und man könnte dabei an manche phonetische Parallelen mit dem Galloromanischen erinnern.«

Merkwürdig ist nun, dass die katalanische Sprachgemeinschaft der provenzalischen so nahe verwandt ist, dass man sie als eine blosse Spielart von ihr bezeichnet hat. Die bisherigen Erklärungsversuche dieser Tatsache weist Wechssler ab, und er meint, die Analogie der andern romanischen Sprachgemeinschaften zwinge uns, auch hier eine vorrömische, der provenzalischen nahverwandte Sprachgemeinschaft anzunehmen. Diese aber sei wahrscheinlich eine ligurische. Diese Annahme ist freilich sehr unsicher. Denn wir können bisher keine Ligurer in Spanien, wohl aber Iberer in Südfrankreich nachweisen. Aber in deren Gebiet haben, wie Sieglin meint, zunächst Ligurer gesessen, und undenkbar wäre die lvroberung eines Teiles von Spanien durch dieses Volk nicht. Jedenfalls sehen wir hier noch nicht klar, aber man wird diese Tatsachen immerhin im Auge behalten müssen.

Sicher gibt es im heutigen Spanischen eine Anzahl von Worten, die man, da sie den übrigen romanischen Sprachen fehlen, aus der Sprache der Eingeborenen ableitet. Die bisher angeführten erschöpfen vielleicht die Sache noch nicht, doch sind sie, wie dies nach den Ausführungen Windischs Her. d. ph. hist. Kl. d. kgl. sächs. Ges. d. Wiss. 1897, 101 ff. nicht anders zu erwarten ist, ziemlich gering an Zahl, so dass wir sie als Quelle der alten iberischen Sprache nicht mit besonderm Nutzen verwerten können. Gesammelt sind sie von Hübner in seinen Monumenta linguae Ibericae S. LXXYIII.

Noch heute findet sich ausser dem Romanischen in Spanien eine Sprache, die man seit langem als die Fortsetzung des alten Iberischen angesehen hat, das Baskische. Sein Verbreitungsgebiet ist aus Karte I zu erkennen. Vorsichtiger hat man darin einen alten iberischen Dialekt zu sehen, der in Nordspanien gesprochen wurde. Die Zahl der Basken, die heute in den spanischen und französischen Pyrenäentälern wohnen, beläuft sich auf etwa 556000. Sie nennen sich selbst Eskalditnac, Euskal-dunac, d. h. angeblich Menschen, die das Euskara sprechen. Den Stamm dieses Wortes hat schon Humboldt mit dem Namen der alten Ausci oder Auscii in Aquitanien in Zusammenhang gebracht. Die Sprache der Basken ist höchst eigentümlich, und alle Versuche, sie mit einer andern Sprachgruppe in Zusammenhang zu bringen, sind gescheitert. Uhlenbeck hat sie ohne Ergebnisse mit dem Indogermanischen verglichen. Andere Forscher denken an Verwandtschaft mit afrikanischen Sprachen. Doch ist der Versuch, den G. von der Gabelentz gemacht hat, das Baskische mit dem Berberischen in Nordafrika zu verbinden, gescheitert. Damit ist aber nicht gesagt, dass diese Hypothese an und für sich unhaltbar wäre, möglicherweise erhärtet ein guter Kenner der afrikanischen Sprachen einmal die Verwandtschaft mit einem Idiom des dunkeln Erdteils. Vorläufig müssen wir uns in Geduld fassen.

Was den allgemeinen Bau des Baskischen betrifft, so sagt Whitney, Leben und Wachstum der Sprache S. 275, er sei ausgezeichnet durch eine, man möchte sagen, übertriebene Agglutination, da es in das Verbum eine Fülle von Beziehungen hinein nimmt, die fast überall sonst durch selbständige Worte ausgedrückt werden, und dass es in dieser Beziehung am meisten den Indianersprachen Amerikas gleiche. Aber wenn wir auch die Sage von der Insel Atlantis haben, so wird man doch darum keine Brücke zwischen den beiden Erdteilen schlagen können. Ob die Worte Whitneys ganz zutreffend sind, weiss ich nicht zu sagen, doch bestätigte mir Uhlenbeck die mannigfachen Ähnlichkeiten mit den amerikanischen Sprachen. Im übrigen verweise ich den Leser auf die Darstellung des Baskischen in Friedrich Müllers Grundriss der Sprachwissenschaft 3. Band 2. Abteilung, 1. Hälfte S. 1 ff. und auf die in der Anmerkung angeführte Literatur.

Da uns die Sprache zu keinem Ergebnis geführt hat, so dürfen wir vielleicht hoffen, von der Anthropologie Auskunft zu erhalten. Aber leider sind wir über die Körperbeschaffenheit der Iberer nur durch dürftige Notizen unterrichtet. Tacitus hielt die Siluren in Britannien für verwandt mit den Iberern auf Grund der äussern Erscheinung. Bei Silius Italicus wird ein iberischer Jüngling geschildert als rothaarig und von weisser Hautfarbe und Calpurnius Flaccus spricht von der blonden Schlankheit Spaniens. Strabo aber unterscheidet die Iberer von den Galliern auch in der Körperbeschaffenheit. Diese dürftigen Nachrichten, die auch sonst nicht den Eindruck grosser Zuverlässigkeit machen, stammen ausserdem erst aus der Römerzeit, wo ja längst eine Mischung mit keltischem Blute stattgefunden hatte. Ziehen wir die heutigen Verhältnisse zu Rate, so zeigt sich allerdings in der iberischen Halbinsel ein besonderer Menschenschlag. Als dritte Rasse Europas unterscheidet Deniker (s. oben S. 32) einen sehr dunklen, sehr dolichokephalen und sehr kleinen Typus, den manche Autoren den iberisch-insulanen oder mittelländischen nennen. Er findet sich auf der iberischen Halbinsel, in Korsika, Sardinien, Sizilien, aber die Balearen gehören nicht dazu, während er durch Mischung abgeschwächt erscheint in Frankreich (Angoumois, Limousin, Perigord) und in Italien südlich von der Linie Rom-Ascoli. Wir werden im folgenden sehen, dass wir auf Grund historischer Nachrichten den grössten Teil dieses Gebietes für Iberer in Anspruch nehmen dürfen, so dass man zu der anthropologischen Aufstellung einiges Vertrauen haben darf.

Allerdings steht daneben auch der fünfte Typus Denikers, ein brauner, subdolichokephaler, grossgewachsener Menschenschlag, der sich im Tiefland der untern Loire, in der Gascogne, zwischen Gibraltar und der Mündung des Guadalquivir und an der Mittelmeerküste zwischen Gibraltar bis zur Tibermündung findet. Und die Basken rechnet Deniker schliesslich zu einem sechsten Typus, dem dinarischen, der vornehmlich auf der Balkanhalbinsel verbreitet ist. Dies zeigt uns, dass auch die anthropologischen Verhältnisse auf der Pyrenäenhalbinsel keineswegs einfach sind, wie bei dem reichen Zuströmen von Völkern nicht anders zu erwarten ist.

Verbreitung der Iberer.

Wenn auch zweifellos Spanien der Hauptsitz der alten Iberer war, so sind sie doch nicht nur auf dieses Gebiet beschränkt geblieben. Zunächst sitzen sie auch in Gallien im Gebiete des alten Aquitaniens. Was Cäsar nur kurz andeutet, bestätigt Strabo ausdrücklich, und die alten Fluss- und Ortsnamen lassen keinen Zweifel darüber, dass die Sprache der Aquitaner der iberischen verwandt war. Wenn wir Sieglin folgen dürfen, so bildeten aber die Ligurer hier das ältere Element. Weiter finden wir Iberer auf den Inseln zwischen Spanien und Italien. Dass die Balearen und Pithyusen von ihnen besetzt waren, unterliegt keinem Zweifel, aber sie sind auch auf die übrigen Inseln gelangt. Schon Humboldt hat erkannt, dass zahlreiche alte Ortsnamen in Sizilien, Sardinien und Korsika denen Iberiens ähnlich seien, und Thukydides berichtet ausdrücklich, dass in Sizilien Iberer sässen. Obwohl seine Nachricht, die auf Philistos zurückgeht, manches unklare bietet, so haben wir doch keinen Grund, ihren wesentlichen Inhalt, der durch die Anthropologie bestätigt wird, zu bezweifeln.

Auf Sardinien finden wir den Volksstamm der Balaroi, dessen Name mit dem Inselnamen der Balearen übereinstimmt, und Celsitani nennt Ptolemaeos auf dieser Insel. Für Korsika besitzen wir das wertvolle Zeugnis des Spaniers Seneca, der acht Jahre als Verbannter auf dieser Insel zubrachte. Er schliesst aus der Übereinstimmung der Tracht und einzelner Worte, dass sich hier Iberer niedergelassen hätten. Anklänge an iberische Ortsnamenn sind vorhanden, aber nicht entscheidend. Sehr schwer fallt die Sitte der Kuvade ins (Jewicht, von der uns Diodor berichtet. Sie wird aus der Zeit des Altertums für das westliche Europa allein von Korsen und Iberern überliefert, und das ist beachtenswert, da wir es zweifellos mit einer uralten Gewohnheit zu tun haben.

Ob und wie weit die Iberer auch in Afrika gesessen haben, lasst sich schwer entscheiden. Immerhin kehren eine Reihe spanischer Ortsnamen in Afrika wieder, wie man aus der Liste ersehen kann, die Hübner zusammengestellt hat, und aus der in der Anmerkung eine Auswahl gegeben ist. So haben sich also die Iberer, wie fast alle Völker, einmal weit verbreitet, und vielleicht sind sic noch über das umgrenzte Gebiet hinausgekommen. Nur lasst sich mangels jeglicher Nachricht nichts darüber sagen.

Auch in kulturgeschichtlicher Beziehung bietet die Urbevölkerung Spaniens manche Züge, die sonst kaum in Luropa wiederkehren und höchst altertümlich zu sein scheinen. Die Sitte des männlichen Kindbetts ist schon erwähnt. K. v. d. Steinen Unter den Naturvölkern Centralbrasiliens 335 hat sie einleuchtend als Gewohnheit eines Jägervolkes erklärt, und wir würden es demnach, wenn seine Auffassung richtig ist, bei den Iberern mit alten Jägervölkern zu tun haben, die mit den Jägern der altem Steinzeit (s. II. Buch Kap 2) Zusammenhängen könnten. Die Iberer verwenden ferner hölzerne Kochgeschirre und dementsprechend wird das Steinkochen noch in der Neuzeit von den Basken geübt. Ebenso sind die Schwitzbäder mittels erhitzter Steine üblich und Strabo berichtet: Bei den Kantabrern geben die Männer den Frauen einen Brautschatz, und die Töchter werden zu Erbinnen eingesetzt, die Brüder aber werden von diesen ausgestattet. Wie Gcrland, Grundriss der rom. Phil. 1,315 ausführt, hat bei den Basken das Weib dieselben Rechte wie der Mann, auch im Mandel und Verkehr, in einigen Gegenden herrschte nach Cordier sogar die Sitte der Vererbung durch die älteste Tochter, die ihren Geschwistern Unterhaltsgelder geben musste. Dabei ist es sehr merkwürdig, dass Männer und Weiber trotz dieser Gleichstellung noch heute ein ziemlich gesondertes Leben führen, jedes Geschlecht hat seine Tänze, seine Spiele für sich.

Aus dem Altertum besitzen wir zwei ziemlich ausführliche Schilderungen der iberischen Lebensweise. Die eine steht bei Diodor 5, 33 und die andere bei Strabo p. 154 ft, wozu dann noch eine Reihe einzelner Notizen kommen. Wie weit der heutige spanische Nationalcharakter auf iberischen Eigenschaften beruht, lässt sich natürlich nicht feststellen. Aber wenn wir finden, dass eine von den Alten beschriebene Kopftracht der Frauen noch heute getragen wird, so werden wir auch an der Dauer geistiger Eigenschaften keinen allzugrossen Zweifel hegen dürfen. Aus dem allen ergibt sich also, dass wir über die Herkunft der Iberer keine sichere Auskunft gewinnen können. Immerhin weist die dunkle Hautfarbe eher nach Afrika als nach Mittelund Nordeuropa, und da wir es mit einem verhältnismässig kleinen Menschenschlag zu tun haben, der am äussersten Ende Europas sitzt, so haben wir es aller Wahrscheinlichkeit mit einer uralten, zurückgedrängten Bevölkerung zu tun, während die Verschiedenheit der anthropologischen Typen auf mannigfache Einwanderung hindeutet.

4. Die Urbevölkerung Britanniens.

Die älteste Besiedelung Britanniens geht zweifellos in eine weit entlegene Zeit zurück, in der von Indogermanen jedenfalls noch keine Rede war. In vorhistorischer Zeit haben dann die Kelten von dieser Insel Besitz genommen, und die Urbevölkerung ist in ihrer Sprache fast ganz vernichtet worden, und nur die Körper haben sich dauerhafter erwiesen als diese. Dass aber die Kelten in Britannien eine Urbevölkerung vorgefunden haben, das geht aus deii starken Veränderungen, die die keltische Sprache erfahren hat, mit Sicherheit hervor. Vielleicht gelingt es noch einmal, aus der Vergleichung der Entwicklung der keltischen mit der einer romanischen Sprache wenigstens mit Wahrscheinlichkeit das in England einheimische Volkselement nachzuweisen. Die Nachrichten der Alten über die Urbevölkerung Britanniens sind unbedeutend und wenig ergiebig. Cäsar sagt ausdrücklich, dass es unbekannt sei, woher die Bewohner des Innern stammten, sie hielten sich für Eingeborene, während die Küstenvölker aus Belgien übergesetzt seien. Bestimmter drückt sich Tacitus aus, der in Kaledonien, also in Schottland, germanische, im Westen iberische und in der Nachbarschaft Galliens gallische Ulemente unterscheidet. Kr tut dies auf Grund anthropologischer Momente, und da bei der Feststellung der Körperbeschaffenheit das Auge mehr leistet, als alle Messinstrumente, so sollte man seine Angaben nicht so leicht in Zweifel ziehen. Natürlich können wir nicht wissen, ob die Kaledonier germanisch gesprochen haben, aber dass hier schon zu Tacitus Zeiten eine blonde, hochgewachsene Rasse wohnte, die der germanischen sehr stark glich, lässt sich billigerweise nicht bezweifeln. Dieses Volkselement hat in diesen Gebieten vielleicht schon Jahrhunderte früher gewohnt. Denn die Lästrygonen, zu denen Odysseus verschlagen wird, sind von gewaltiger Körpergrösse, und ihre Wohnsitze müssen wir im hohen Norden suchen, da bei ihnen die Triften der Nacht und des Tages nicht weit von einander entfernt sind.

Noch heute sind die anthropologischen Verhältnisse wenig verändert. Im nördlichen Schottland, in Westengland, Irland (mit Ausnahme des westlichen Teiles) herrscht der nördliche, d. h. der blonde, dolichokephale, sehr hochgewachsene Typus Denikers. Daneben besteht in Wales und im westlichen Irland ein subdolichokephaler grosser Typus mit hellbraunem oder braunem Haar, der eine mittlere Stellung zwischen dem nordischen und westlichen Typus einzunehmen scheint. Dieser Typus kommt noch in Westbelgien, in der Normandie, Picardie u. s. w. vor, und es weist dies darauf hin, dass die Bevölkerung Englands mit der Frankreichs zusammenhängt. Eine genauere graphische Darstellung der anthropologischen Verhältnisse der britischen Inseln findet man bei Schurtz Urgeschichte der Kultur S. 90. Sie zeigt uns, dass sie das dunkle Element hauptsächlich im Westen und in den Gebirgen findet, was immerhin auf ein Zurückweichen schließen lässt.

Die Kelten haben England frühzeitig erobert, und ihre Sprache ist bis in die äussersten Winkel vorgedrungen. Heute spricht im allgemeinen nur noch die brünette Bevölkerung keltisch. Für die Reste der einst in Britannien heimischen Sprache hat man einige Inschriften in Anspruch genommen, die den alten Pikten zugeschrieben werden. Prof. Rhys suchte nachzuweisen, dass das Piktische weder keltisch noch indogermanisch war, sondern die Sprache der Urbewohner Britanniens vor Ankunft der Kelten darstelle und mit dem Baskischen verwandt sei. Dass wir soweit nicht in unsrer Erkenntnis kommen können, ist wohl klar, aber die Ansicht von dem nicht indogermanischen Ursprung des Piktischen steht oder fällt nicht mit der baskischen Hypothese.

Es sprechen dafür die starken Veränderungen, die die keltische Sprache in England und Irland erfahren hat, es lassen sich für ein präindogermanisches Element die mannigfach abweichenden Sitten anführen, die wir in älterer Zeit auf diesem Gebiete finden, und weiter die eigentümliche Form der Namengebung, auf die die Forscher die Aufmerksamkeit gelenkt haben. Weitere Auskunft dürfen wir vielleicht von den geographischen Namen erwarten. Vorläufig sind sie noch nicht genügend untersucht. Bei den Bewohnern der britischen Inseln haben sich eine Reihe sonderbarer Züge erhalten. Cäsars Nachricht von der Frauengemeinschaft innerhalb einer Familie könnte freilich auf einem Missverständnis eigentümlicher Bräuche beruhen. Doch zeigen auch spätere Nachrichten, dass sich hier zügellose Sitten entwickelt hatten. Wichtiger ist die mehrfach für Pmgland und Irland bezeugte Sitte des Menschenfressens, die zwar auch dem Kontinent nicht ganz fremd ist, die sich aber in Irland besonders lange erhalten hat. Am wichtigsten aber ist die Mutterfolge, die wir bei den Iberern angetrofifen haben. Zimmer hat sie Zeitschrift für Rechtsgeschichte 15, S. 209 ff. für die Pikten nachgewiesen: »Auf einen Piktenherrscher und seine Brüder folgt nicht etwa der Sohn des ältesten, sondern der Sohn der Schwester.« Es lassen sich ja aus der Übereinstimmung in Sitten keine ganz sichern Schlüsse ziehen, immerhin ist die Mutterfolge insofern Avichtig, als wir sie bei keinem einzigen indogermanischen Volke sicher antrefifen. Spätere Forschung wird zeigen, ob wir auf Grund dieser Übereinstimmungen eine Brücke von England über Spanien nach Nordafrika schlagen können.

5. Die Ligurer.

Ein weiterer Sprachstamm, der in den vorhistorischen Zeiten jedenfalls eine grössere Rolle gespielt hat, als in den historischen, ist das Ligurische. Auch hier sind wir mangels ausreichender Quellen in einer schlechten Lage, und wir können die alten Grenzen und die ehemalige Ausbreitung dieses Volkes nur unsicher bestimmen.

Die Ligurer treten uns in den historischen Zeiten in Norditalien und Sudfrankreich entgegen, ihre hauptsächlichen Wohnsitze aller bilden die Seealpen, und infolge der Ungunst der natürlichen Lage sind sie auch in der Kultur sehr weit zurückgeblieben. Ls ist eine oft wiederkehrende Erscheinung, dass wir die Reste eines einst weiter verbreiteten Stammes in den unwegsamen Gebirgsgegenden antreffen. So finden wir die Basken in Nordspanien und den Pyrenäen, die Bretonen in der Bretagne, sowie die Kelten in Irland und Wales. Auch die Albanesen haben es wohl nur ihren unwirtlichen Wohnsitzen zu verdanken, dass sie der Ro-manisierung wie der Slavisierung in gleicher Weise entgangen sind. Wie sich die Iberer einst in Spanien und in Frankreich niedergelassen hatten, und der letzte Rest ihrer Sprache sich in einem mittleren Gebiete erhalten hat, so können wir auch von vornherein annehmen, das die Ligurer grössere Gebiete in Frankreich wie in Italien inne gehabt haben. In Frankreich bildet in historischer Zeit die Rhone die Grenze der Ligurer, aber nach den Untersuchungen Sieglins haben sie einst auch in Aquitanien und, wie es scheint, vor den Iberern gesessen. Ob sie auch Teile Spaniens besiedelt haben, lässt sich zur Zeit nicht ermitteln.

Schwierig ist die Frage, wie weit sie einst im mittleren und nördlichen Frankreich gewohnt haben. Dort finden wir in historischer Zeit Kelten, die aber höchst wahrscheinlich erst später erobernd vorgedrungen sind. W ir kennen kein anderes Volk als die Ligurer, das wir für die ursprünglichen Bewohner Galliens ansehen könnten. Jedenfalls tragen die Cevennen, die Rhone, Genua ligurische Namen, und es hindert nichts, lässt sich aber freilich auch nicht beweisen, sie noch weiter in den Norden zu schieben. Das Vordringen der Kelten hat hier die alten Grenzen vollständig verwischt. Selbst in das später noch ligurische Gebiet dringen sie ein, und es entstanden Mischvölker, die die Alten Keltoligyes nennen. In andern Fällen können wir auf eine Mischung schliessen, wenn die Alten nicht wissen, ob sie ein Volk den Figuren oder den Kelten zurechnen sollen. Im Gebiet der alten Ligurer wird nun heute noch ein besonderer romanischer Dialekt gesprochen, das Provenzalische. »Wir erhalten«, sagt Windisch Gröbers Grundriss d. rom. Phil. I* 379 »für die Herrschaft des Provenzalischen lauter Gebiet, in welchem ursprünglich nicht keltische Stämme vorherrschten oder wenigstens einen erheblichen Teil der Bevölkerung ausmachten, nämlich die Ligurer und Aquitaner.« So liegt denn die Vermutung sehr nahe, dass die Grenze des Provenzalischen ungefähr der Verbreitung des Ligurischen entspricht. Diese Grenze bildet eine Linie, die sich durch Dauphine, Lyonnais, Limousin, Perigord und Saintonge zieht (siehe Karte 1). Mit dem Provenzalischen verwandt, aber doch von ihm zu scheiden, ist das Gascognische im Westen, das mehr auf dem iberischen Substrat des alten Aquitaniens beruht. Wahrscheinlich sind die Ligurer auch noch über diese Grenzen hinausgegangen, dort aber ist die keltische Bevölkerung so stark gewesen, dass hier ein besondrer Dialekt, das eigentliche französische entstehen musste.

Auch in Italien finden wir die Ligurer auf weiten Gebieten, wie bereits W. Helbig, Die Italiker in der Poebene S. 30 dargelegt hat. »Nach Verrius Flaccus sassen dereinst Ligurer und Sikuler auf dem Boden, auf dem nachmals die Stadt Rom entstand. Niederlassungen des ersteren Volkes werden von Dionys von Halikarnass, vermutlich nach Angaben des Varro, in derselben Gegend angenommen. Zwar ist die bereits von dem Syrakusaner Philistos vertretene Ansicht, dass die Sikuler ein li-gurischer Stamm gewesen seien, entschieden falsch und bleibt es zweifelhaft, ob der flimmernde Volksbegrifif der Aborigines, wie von einigen römischen Gelehrten versucht wurde, mit den Ligurer in Beziehung gebracht werden darf. Immerhin aber lassen diese Auffassungen darauf schliessen, dass sich das Andenken an die dereinstige weite Verbreitung jenes Volkes bei der Nachwelt erhalten hatte. Überdies wird die Überlieferung durch sprachliche Erscheinungen bestätigt. Der Name der Insel Ilva (Elba) entspricht dem des ligurischen Gaues der Ilvates. Ligurisch scheint auch der Name des Mons Ciminus oder Ciminius in dem südlichen Etrurien, da er in auffälliger Weise an den der Ortschaft Cemenelum, jetzt Cimella oder Cimiez (bei Nizza) und an das Kemmenon oros, die Cevennen, in dem ursprünglich von Ligurern bewohnten südlichen Gallien anklingt. Eine ähnliche Erscheinung ist es, wenn eine Lagune, die sich an der ligurischen Küste unweit der südlichen Ausläufer der Seealpen hinzieht, Sabata und ein in dem südlichen Ktrurien gelegener See, der heutige Lago di Bracciano, Lacus Sabatinus hiess. Auch der Name Alba kommt häutig in ligurischer Gegend vor. Eine Ortschaft dieses Namens lag auf der W estseite des Rhodanus in dem Gebiete der Helvier. Nördlich von Massalia kennen wir das ligurische Gebirgsvolk der Albieis, Albienses oder Albici und in seinem Gebiete Alba Augusta. Hierauf folgen in östlicher Richtung an der italischen Küste Albium Intermelium, Albium Ingaunum, Alba Docilia. Unweit des nördlichen Abhanges des Appenin lag am Tanarus Alba Pompeia;. Wahrscheinlich mit Recht bringt Helbig mit diesem Alba auch den Namen Alba longa in Verbindung, und man wird weiter den Namen der Alpen und der rauhen Alb in Deutschland hinzufügen dürfen.

Weiter wohnten die Ligurer auch in Korsika. Die gleichen Namen des Flusses Rhotanus auf dieser Insel und des Rhodanus im Ligurergebiet weisen mit Notwendigkeit auf dasselbe Volkselement, genau wie Genua und Genf (alt Genava) zwei ligurische Ansiedelungen sind. Der französische Forscher D’Arbois de Jubainville hat, wenn man auch seine sonstigen Ausführungen ablehnt, das grosse Verdienst, die Ausbreitung der Ligurer auf Grund gewisser Ortsnamen genauer bestimmt zu haben. Es handelt sich dabei namentlich um Orts- und Flussnamen mit den Suffixen -asco, -osco, -iisco, von denen man wohl nicht zweifeln kann, dass sie ligurisch waren, denn in der Inschrift vom Jahre 117 v. Chr. lernen wir die ligurischen Namen Xcviasca, Tnlclasca, Vcraglasca, Vine-lasca kennen und aus späterer Zeit kommen noch einige andere hinzu, so dass dieses Suffix als ligurisch mit Sicherheit angesehen werden kann. Heute sind diese Namen auf -asco, -asca vornehmlich in dem heutigen Ligurien verbreitet. Es finden sich da 33. Dieses Suffix nebst den verwandten -osco, -usco treffen wir ausserdem noch in Oberitalien, der Schweiz, in Elsass-Lothringen, in Oberbayern, Tirol, Korsika und auch in Spanien, was demnach auf eine beträchtliche Ausdehnung des Sprachstammes schliessen Hesse.

Wenn wir sehen, in welch grossem Umfang die Ligurer verbreitet waren, so wird die Frage nach der Herkunft dieses Volkes um so dringender. Wir werden auch für dieses Problem zunächst die Sprache heranziehen wollen. Leider fehlen uns aber die nötigen Sprachdenkmäler. Wir kennen das Ligurische eigentlich nur aus den geographischen Namen und einigen Glossen, worauf sich ein sicheres Urteil nicht gründen lässt. Müllenhoff, der diese Reste in seiner Altertumskunde untersucht hat, stellte alles zusammen, was sich für den indogermanischen Ursprung der Ligurer anführen Hess. Man darf sich aber durch diese seine Ausführungen nicht beirren lassen. Er war zu der Überzeugung gekommen, dass wir es in den Ligurern mit einem Sprachstamm zu tun hätten, der nicht zu dem indogermanischen gehörte. Dagegen verficht D’Arbois de Jubainville mit grosser Ent-schiedenheit den entgegengesetzten Standpunkt, und er hat verschiedene Forscher zu überzeugen gewusst. Aber das meiste, was er mit vielem Geschick für seine Hypothese zu verwerten gesucht hat, ist doch nicht beweiskräftig und gerade die Suffixe -asco, -nsco sehen mir nicht indogermanisch aus.

Auf einen neuen Boden ist die Frage gestellt, seitdem, wie man glaubt, zusammenhängende ligurische Sprachdenkmäler aufgefunden sind. In dem Gebiete von Lugano und an andern Orten *) sind Inschriften in einem besondern Alphabet gefunden, das Pauli das Alphabet von Lugano nennt, und das er ausführlich behandelt hat. Diese Funde sind durch neue Inschriften erweitert, die in der Nähe von Ornavasso, am Südende der Valle d’Ossola und westlich vom Lago Maggiore im Jahre 1890 aufgedeckt sind. Da die Inschriften nicht ganz kurz sind, so ist es natürlich von höchster Bedeutung zu untersuchen, welcher Sprache wir sie zuzuschreiben haben. Im allgemeinen liegen die Fundorte, nördlich und südlich von Lugano, südlich vom Comersee und östlich von Como, nach Kretschmer in einem Gebiete, das die Alten den Lepontiern zuweisen, und so haben denn auch Pauli und Bran-chetti die Inschriften den Lepontiern zugeschrieben. Leider wissen wir aber über die Nationalität dieses Volksstammes nichts sicheres. Kretschmer möchte sie zu den Ligurern rechnen. Nissen aber sagt: »Die Salassi im Tal der Dora Baltea heissen den Alten Gallier: die Angabe wird durch die Aufschrift von Goldmünzen, die an der Rhone vor deren Mündung in den Leman gefunden sind, bestätigt; noch jetzt herrscht hier trotz der uralten Verbindung mit Italien tlie französische Sprache . . . An die Sa-lasser grenzen östlich die Lepontii ungefähr bis zum St. Gotthard, das ganze Vorland bis zum Corner-See bewohnend: die Yalle Leventina, das Tal des Tessin hat ihren Namen bis auf die Gegenwart fortgepflanzt. Strabo weist sie ausdrücklich dem raetischen Stamme zu: aber seine Beschreibung der Alpen steckt voller Fehlet*, und ihm widerspricht Cato, der sie den Salassern gleich stellt, also für Kelten erklärt, sowie Plinius, der in diesen Gegend zu Hause war < *\ So sind also die Ansichten über die Lepontier geteilt. Ausserdem ist es aber noch nicht einmal sicher, dass sie auch bei Lugano sassen. Hier sind vielmehr eigentlich Gallier zu Hause, und wir haben auch gar keinen Grund die Sprache dieser Inschriften den Galliern abzusprechen, da sie, wie in der Anmerkung gezeigt werden wird, deutlich keltisches Gepräge tragen.

Neben der Sprache können wir noch die Körperbesch affer.-heit heranziehen. Aus dem Altertum haben wir freilich nicht viel Nachrichten, doch werden die Ligurer gerade den hochgewachsenen Galliern gegenüber als klein und zäh geschildert. Heute aber finden wir auf einem weiten Gebiete, das gerade das ligurische Gebiet mit umfasst, einen besondern Menschentypus, der dunkel, sehr brachykephal und klein ist. Dieser Typus, der der westliche, cevennische, keltische, keltisch-ligurische oder keltisch-sla-vische genannt wird, hat sich in seiner reinsten Form in den Cevennen, im französischen Hochplateau und in den Westalpen erhalten, und kommt durch Mischung modifiziert vor an vielen Stellen zwischen mittlerer Loire und Dnjeper, in Piemont, der Mittel- und Ostschweiz, Süddeutschland, Kärnthen, Mähren, Galizien und Wolhynien.

Ist diese Annahme Denikers richtig, so würden wir eine Rasse vor uns haben, die sich einst weit durch Mitteleuropa verbreitet hätte, deren älteste und Hauptsitze aber im Gebiete der Ligurer zu suchen wären. Dass dieser Typus aber nichts mit dem indogermanischen zu tun hat, kann man wohl als sicher bezeichnen, wenngleich damit eine frühzeitige Indogermanisierung dieser Stämme nicht ausgeschlossen ist.

Aller Wahrscheinlichkeit nach sind die Ligurer weit verbreitet gewesen, und wenn dies der Fall war, so hätten wir in der Körperbeschaffenheit einen Hinweis darauf. Nach den Angaben der Alten waren die keltischen Gallier hochgewachsen, blond und blauäugig, von den Germanen wenig verschieden. Wenn wir diesen Typus heute in Frankreich nicht mehr treffen, so darf man schwerlich, wie wir oben gezeigt haben, mit einer Umwandlung der Rasse rechnen, man wird die Tatsachen viel leichter erklären, wenn man annimmt, dass die heutigen Franzosen die Nachkommen jenes Volkstypus sind, den uns die Alten in den Ligurern schildern. Die Kelten sind als Eroberer die herrschende Klasse gewesen, und es ist nicht wunderbar, wenn uns die Römer die Eigentümlichkeiten der Herrscher geben, mit denen sie in der Hauptsache zu tun hatten.

Auf ein ganz anderes Gebiet, um die Herkunft der Ligurer zu erforschen, hat uns Mehlis geführt. Zwischen Rhone- und Rheingebiet scheinen die archäologischen Funde eine frühzeitige Verbindung zu erweisen, und darauf, sowie auf andere bereits gewürdigte Punkte gründet der Verfasser die Annahme von der Ausbreitung der Ligurer bis an den Mittelrhein. Ich kann diese Ausführungen nicht nachprüfen, halte sie aber nach dem angeführten nicht für unmöglich. Es kann sich sehr wohl ein anthropologisch verhältnismässig gleiches Volkselement weit über Westeuropa ausgedehnt haben, wenn wir auch natürlich nicht nachweisen können, dass sie ligurisch gesprochen haben.

Das Ligurerproblem kann also in gewissem Grade als ge* löst betrachtet werden, während es in andrer Hinsicht vorläufig unlösbar ist. Gelöst ist es insofern, als im Süden Europas ein Menschenschlag vorhanden gewesen sein dürfte, in dem wir einen alten Volkstypus Europas zu sehen haben; ungelöst aber bleibt es nach der Richtung, dass wir die Herkunft und genaue Verbreitung dieses Elementes nicht feststellen können. Als die Kelten sie nachhaltig bedrängten, trafen sie mit Indogermanen zusammen, aber es können auch schon vorkeltische Indogermanen die Ligurer beeinflusst haben. Darüber fehlt uns vorläufig jegliche Kunde.

6. Die Etrusker.

Schreiten wir auf dem Roden des völkerreichen Italiens, auf dem wir soeben die Ligurer verlassen haben, weiter, so stossen wir auf die Etrusker, nach denen die Landschaft Toskana noch heute ihren Xanten trügt. Die Frage nach der Herkunft der Etrusker hat schon das Altertum viel beschäftigt, und auch heute ist das Rätsel, das sich an dieses Volk knüpft, nicht gelost, wenn auch die neuere Zeit einige glückliche Funde zu verzeichnen hat und eine eindringende Forschung mit der Zeit manches klarer stellen wird.

Die Etrusker erschienen den Römern ganz fremdartig, und Dionys von Halikarnass (I, 30) sagt, sie seien ein sehr alter Stamm und keinem andern weder in Sprache noch in Sitte gleich. Im grossen und ganzen stimmen die antiken Nachrichten darin überein, dass wir es mit einem Volk zu tun haben, das in Italien eingewandert ist. Nach Hellanikos ( Dion. Hai. 1,28, Diodor XIV 1,13) landen sie am Po bei Spina und gründen von hier aus ihr Reich, und Herodot erzählt (1,94j, dass das halbe lydische Volk unter dem Königssohn Tyrscnos aus Mangel an Unterhalt im Westen eine neue Heimat suchen musste.

Es hat in der Geschichtsforschung eine Zeit gegeben und gibt sie auch wohl noch, in der man die antiken Traditionen ohne grosses Federlesen verwarf. Mit der Zeit hat sich aber die Richtigkeit vieler Nachrichten der Alten bestätigt, und wir haben auch hier keinen Grund, die bestimmte Kunde von einer Einwanderung der Etrusker abzulehnen. Immerhin war es wohl angebracht, sich nach einer anderen, lautrern Quelle umzusehen, aus der man bessere Wahrheit zu schöpfen hoffen konnte, und die musste natürlich die Sprache sein. Aber es scheint, dass wir hier vom Regen in die Traufe gekommen sind.

Die etruskischen Sprachreste bestehen aus einigen Glossen und mehreren tausend Inschriften, von denen die meisten allerdings nur Namen und wenige Worte enthalten, während in der Agramer Mumienbinde ein umfangreiches Denkmal vorliegt. In der Hauptsache haben wir es mit Grabinschriften zu tun, wras deshalb nicht ganz unvorteilhaft ist, wreil der gleichartige Bau derartiger Funde die Deutung etw^as erleichtert. Denn wir müssen die Inschriften ganz aus sich selbst erklären, da bis jetzt eine umfangreichere Bilingue fehlt. Leichter als auf dem äusserst mühsamen Weg der philologischen Kombination würde man zum Ziele kommen, wenn wir eine dem Etruskischen verw andte Sprache ausfindig machen und vergleichen könnten. Da hat man denn sehr bald an indogermanische Herkunft gedacht. Die Etrusker sitzen doch inmitten indogermanischer Stämme und haben w7ohl auch manche Einflüsse von ihnen erfahren. Im Jahre 1874 veröffentlichte W. Corssen sein grosses Werk über die Sprache der Etrusker, in dem er mit Feuereifer die Verwandtschaft des Etruskischen mit dem Lateinischen nachzuweisen suchte. Aber er fand gar bald an Deecke und Pauli •energische Widersacher. Als aber später Deecke auf den ursprünglich so scharf bekämpften Standpunkt Corssens übertrat, da schien sich die allgemeine Lage sehr zu seinen Gunsten verschoben zu haben und Pauli musste nunmehr allein weiter kämpfen.

Nur im Scherz stimmte er seinen Gegnern zu, indem er, um sie ad absurdum zu führen, das Litauische als die nächste Verwandte des Etruskischen erklärte. Ohne weitere einschneidende Untersuchungen hat sich allmählich wieder das Blatt gewendet, und heute verficht kaum noch ein Forscher den indogermanischen Ursprung dieser Sprache. Aber eine andere Verwandte hat sich auch nicht entdecken lassen. V. Thomsen hat in äusserst vorsichtiger Form Anklänge an kaukasische Sprachen hervorgehoben, aber es scheint, als ob auch diese trügerisch sind, und als ob der alte Dionys recht behalten sollte. Auch wer den etruskischen Forschungen ferner steht, wird den Wunsch haben, sich ein Urteil über die Frage zu bilden. Nun besitzen wir etw^as, was einer Bilingue annähernd gleichkommt, wir kennen die etruskischen Zahlwörter von I—6. Im Jahre 1848 entdeckten die Brüder Campanari ein Paar etruskische Würfel, die an Stelle der gewöhnlichen Punkte auf jeder Seite ein unbekanntes Wort aufwiesen. Diese Worte sind: mayy ftu, zalhuft, ci, sa. So ordnete Campanari die Zahlen an, offenbar der Etymologie zu Liebe, indem er so Anklänge an gr. ffa, lat. duo, quattuor, quinque, sex hersteilen zu können glaubte. Doch ist diese Anordnung keineswegs sicher, und andere Forscher sind zu einer ganz andern Folge gekommen. Mit ziemlicher Sicherheit glaubte Skutsch die Reihenfolge may, ci, ftu, hilft; 4a, zal annehmen zu dürfen, musste sie aber sehr bald selbst wieder verwerfen. Mag man die Zahlen aber ordnen, wie man will, mag man Campanaris Vorschlag oder den eines andern Forschers für richtig halten, so wird man doch erkennen, dass von Verwandtschaft mit dem Indogermanischen keine Rede sein kann, und ebensowenig hat eine Vergleichung mit andern Sprachen nennenswerte Anklänge ergeben. Zahlwerte sind aber eines der besten Mittel, um Sprachverwandtschaft zu erweisen. Vergleicht man die französischen ini. dcux. irois. quatre, cinq, six. sept, Jiuit. neu/, di.r mit den deutschen, so wird die Ähnlichkeit trotz mannigfacher Veränderung im Laufe von 4000 Jahren nicht verborgen bleiben.

Dasselbe ergibt sich, wenn wir eine deutbare Inschrift heranziehen. Während bei indogermanischen Sprachen wie dem Phrygischen oder Venetischen das Verständnis durch die Sprachvergleichung sehr bald erschlossen wurde, versagt diese hier völlig. Auch die etruskische Namengebung weicht deutlich von der indogermanischen ab, wie ein Blick in jede Sammlung belehrt. So sind wir also auf diesem Wege nicht weiter gekommen, und wir müssen unsere Zuflucht wieder zu den Nachrichten der Alten nehmen. Wir haben jetzt schon des öftern erlebt, dass sich diese, obgleich sie ursprünglich verworfen wurden, bewahrheitet haben. Auch in diesem Fall haben sie eine überraschende Bestätigung erfahren durch zwei Inschriften, die im Jahre 1886 auf der Insel Lemnos gefunden sind. Obgleich wir auch die Sprache dieser Monumente nicht verstehen, so sind doch alle Forscher darin einig, dass sie bemerkenswerte Anklänge an das Etruskische zeigt. Und da nun die antiken Schriftsteller übereinstimmend berichten, dass auf Lemnos bis zur Eroberung durch die Athener im Jahre 510 v. Chr. Tyrrhener gelebt hätten, und Strabo hinzufügt, dass diese unter Führung des Tyrrhenos nach Italien gekommen seien, so stimmen die geschichtlichen Nachrichten sehr wohl zu dem, was wir sonst zu erkennen vermögen.

Zur geschichtlichen Erklärung dieser Tatsachen liegen mehrere Möglichkeiten vor. Es könnten die Tyrrhener entweder von einem nördlich gelegenen Zentrum nach Etrurien und nach der thrakischen Küste gelangt und von dort nach Lemnos übergesetzt sein, oder wir können es mit einem Volke zu tun haben, das sich zur See im Mittelmeerbecken verbreitet und in Lemnos wie in Italien Kolonien gegründet hat. Es bietet das ebensowenig auffallendes wie die Ausbreitung der Griechen. Und schliesslich könnten wir es mit einer von Etrurien ausgesandten Kolonie zu tun haben. Eine sichere Entscheidung zwischen diesen Möglichkeiten ist nicht zu treffen. Doch ist die letzte Annahme am unwahrscheinlichsten. Sie kann durch die Untersuchung entschieden werden, ob das Lemnische dieselbe Sprache ist, wie das Etruskische oder nur ein verwandter Dialekt. Der neueste Bearbeiter der lemnischen Inschrift A. Torp betont wohl mit Recht die Verschiedenheiten, die zwischen Lemnisch und Etruskisch bestehen, und meint, dass aus diesen Gründen nur die zweite Alternative in betracht kommen könne. Lemnisch und Etruskisch sind verwandte Dialekte einer Grundsprache, das Lemnische ist aber keine Mundart des Etruskischen. Auch die erste oben angeführte Möglichkeit einer von Norden kommenden Einwanderung ist nicht gerade verlockend, und man wird jedenfalls die zweite für die wahrscheinlichste erklären müssen. Dann aber gewinnen die Nachrichten der Alten an Glaubwürdigkeit, dass wir es in den Etruskern mit Seefahrern zu tun haben, die im Mittelmeer weit verbreitet waren und auch an Italiens Küste ein Reich gegründet haben. Dieser Vorgang wäre nicht auffallender als so viele andere Staatengründungen, die zur See erfolgt sind. Dann ist freilich das Rätsel der ertruskischen Sprache unlösbar, da wir von den kleinasiatischen Sprachen nur das Ly-kische einigermassen kennen. Soviel ich sehe, zeigt es keine bemerkenswerte Verwandtschaft mit dem Etruskischen. Denkbar ist es auch, dass wir einen unserm Sprachstamm verwandten Dialekt einmal im Innern Kleinasiens entdecken. Vor einer Reihe von Jahren hat Bugge die Verwandtschaft des Etruskischen mit dem Armenischen behauptet, freilich, ohne dass seine Ansicht -sonderlichen Beifall gefunden hätte. Aber vielleicht könnte seine Annahme doch ein Körnchen Wahrheit enthalten. Denn im Armenischen scheinen eine Reihe nicht indogermanischer Elemente vorhanden zu sein, die natürlich auf die ursprüngliche kleinasiatische Sprache zurückzuführen sein dürften.

Man kann ferner, wie wir dies noch öfter tun werden, die Sitten und Gebräuche untersuchen, um die Herkunft der Etrusker zu enthüllen. Würden wir bei den Etruskern dieselbe Lebensweise wie bei den Indogermanen finden, so würde das zwar keine Verwandtschaft erweisen, aber es würde doch darauf hindeuten, dass die beiden Stämme auf benachbartem Boden erwachsen wären, wie z.B. nach den Nachrichtcn der Alten die Sitten der Ligurer und der Kelten sehr übereinstimmten. Nun sind aber die ISin-richtungen und Zustände bei den beiden Sprachgemeinschaften so verschieden wie möglich.

Zunächst tritt uns Lei den Etruskern die grosse Bedeutung der Zwölfzahl entgegen in den 12 Städten, den 12 Liktoren, während bei den Indogermanen die 9 herrscht. Der Anfang des Tages wurde bei den Etruskern durch den höchsten Stand der Sonne bedingt. Bei den Indogermanen beginnt er mit ihrem Untergang. Den Römern fiel cs auf, dass die etruskischen Frauen am Mahle der Männer tcilnahmen, eine Sitte, die wir sonst in unserm Kulturkreis nicht kennen, und auf den Grabinschriften wird neben dem Namen des Vaters auch sehr häufig der der Mutter genannt, was man längst als einen Rest der Mutterfolge gedeutet hat, wie sie uns besonders deutlich in Lykien, Spanien und Britannien entgegentritt. Auch für die Toten sorgte man in ganz andrer Weise als die Römer taten, man erbaute ihnen prächtige Grabkammern.

Das Auguren und Vorzeichen wesen war bei den Etruskern besonders ausgebildet, und wenn man die Darstellung dieser Dinge bei 0. Müller liest, so wird man ausserordentlich stark an babylonische Vorstellungen erinnert, die man jetzt bequem in Jastrows Religion Babyloniens und Assyriens übersehen kann. Zimmern macht mich darauf aufmerksam, dass in Etrurien bronzene Lebern gefunden sind, die auch in Babylon ihre Rolle spielen. Ebenso auffällig aber, ein Hinweis auf Sternbeobachtung, ist die Orientierung des Templum und der Gräber nach Norden (Müller-Deecke II S. 131, 183). So könnte man noch mancherlei anführen, was alles so weit als möglich von dem entfernt ist, was wir bei indogermanischen Stämmen antreffen, wohl aber Analogien im Orient haben dürfte.

Auch die körperliche Beschaffenheit der Etrusker weicht von dem europäischen Typus ab. Die Figuren auf den Deckeln der Aschenkästen zeigen Menschen von kleiner Statur mit grossen Köpfen, kurzen, dicken Armen und von ungeschickter unbehülf-licher Leibesgestalt. Wir wissen freilich nicht, wie viel davon einer mangelhaften Technik zuzuschreiben ist, aber auch die Römer nannten die Etrusker pingues et obesos. Heute freilich ist von einer besondern Rasse in Etrurien nichts zu spüren, was man aber kaum gegen die Einwanderungstheorie wird verwenden können.

Demgegenüber betont allerdings Wilser, Die Germanen 136, dass das Volk zu einer langköpfigen Rasse (durchschnittlicher Schädelindex 76) mit nur geringer (kaum ein Drittel betragender) Beimengung von Rundköpfen gehört hat, und die bemalten Bildnisse Verstorbener auf zahlreichen Aschenkisten, die oft deutlich helles Haar, blaue Augen und rosige Hautfarbe erkennen Hessen, zeigten, dass diese Rasse die nordeuropäische sei. Sollten diese Angaben richtig sein, so wurde damit doch nichts über die Herkunft und den Ursprung der etruskischen Sprache entschieden, da zweifellos in den gesegneten Fluren Etruriens starke Völkermischungen stattgefunden, und wir auch wissen, dass Umbrer in grossen Teilen Etruriens gewohnt haben.

Auf noch einen Punkt mag in diesem Zusammenhang hingewiesen werden. Wir finden bei den Römern eine Reihe von Entlehnungen aus semitischen oder kleinasiatischen Sprachen, Entlehnungen, die wir auch bei den Griechen antreffen, die aber nicht von den Hellenen zu den Römern gekommen sein können, da ihre Form den Lautgesetzen widerstreitet. Man hat, um dies doch annehmen zu dürfen, von einer thrako-illyrischen Vermittlung über den Norden der Balkanhalbinsel hin gesprochen, aber hier ist kaum ein Kulturweg vorhanden, der von Osten nach Westen geführt hätte. Sollten die Etrusker wirklich aus Kleinasien eingewandert sein, so würde sich diese Erscheinung der Lehnwörter auf das beste bei der Annahme erklären, dass die Einwanderer diese Worte aus ihrer Heimat mitgebracht und den Römern überliefert hätten.

Wir können ferner mit völliger Sicherheit annehmen, dass in Etrurien einmal eine Eroberung stattgefunden hat. Darauf weist der starke Unterschied zwischen Herrschern und Beherrschten, den wir in Etrurien antrefifen. Darauf weist die gewaltige Ausdehnung, die das Reich in kurzer Zeit gewonnen hat, die aber bald wieder verloren ging.
»In den Bundesversammlungen«, heisst es bei Müller-Deecke 1, 337, »berieten und beschlossen bloss die Principes, dieselben herrschten in den Gemeindeversammlungen der einzelnen Staaten . . . Den Geist etruskischer Adelsherrschaft bezeichnet am besten der äussere Pomp der Erscheinung in Kleidung und Insignien, besonders wenn man damit das einfache und schlichte Äussere griechischer Obrigkeiten, auch spartanischer Könige, vergleicht.«

So spricht denn sehr viel dafür, dass die antike Überlieferungen, die von einer Einwanderung der Etrusker zur See weiss, durchaus richtig ist. Woher sie gekommen, lasst sich bei dem Schwanken und der Unklarheit der Überlieferung nicht sagen. Jedenfalls kann sie sehr wohl von Kleinasien ausgegangen sein, da sich hier die Seeschiffahrt frühzeitig entwickelt hatte. Und in der Tat finden wir einige sprachliche Anklange, die diese Vermutung bestätigen. Man weiss, welche Rolle der Name Tarku hat. Tarquinius im Etruskischen spielte. Der gleiche Name kehrt als Torkun, Trokun häufig im Lykischen und in ganz Vorderasien wieder, und man wird diesen Anklang nunmehr nicht so leicht bei Seite schieben können. Der Heroenname Nanos findet seine beste Vergleichung in kleinasiatischen Sprachen.

Diese Anklange können die Frage natürlich noch nicht entscheiden; weiteres hat Pauli (Altitalische Forschungen II, 2, S. 126 ff.) beizubringen versucht, ohne den hypothetischen Charakter seiner Aufstellungen zu verkennen und es lässt sich wohl aus dem lateinischen Namenmaterial, das, wie W. Schulze Zur Geschichte lat. Eigennamen 1904 gezeigt hat, viel Etruskisches enthält, noch manches anfiihren. doch ist auch das unsicher und so müssen wir gestehen, beweisen lässt sich der kleinasiatische Charakter des Etruskischen nicht. Das kann und darf uns nicht wundernehmen, denn tatsächlich ist unsere Kenntnis der klcinasiatischen Sprachen noch sehr gering. Und wenn wir auch vom Lykischen etwas mehr wissen, so sind doch die Lykier aller Wahrscheinlichkeit nach von der See eingewandert, also vielleicht nicht in Kleinasien einheimisch. Auch das, was Torp als Ähnlichkeiten zwischen Karisch und Etruskisch anführt, ist zu vag, als dass es zum Beweise dienen könnte.

An geschichtlichen Parallelen zu der vermuteten Wanderung der Etrusker fehlt es nicht. Wir können mit grosser Sicherheit annehmen, dass im Mittelmeerbeckcn sehr frühzeitig eine ausgedehnte Seeschiffahrt bestanden hat. Die Natur musste hier von selbst auf das Meer hinauslocken. Und namentlich die kleinasiatische Küste war ja vor allem begünstigt. Wie die nordischen Wikinger auf ihren kleinen Schiffen überall hingekommen sind, so werden auch von Kleinasien aus Unternehmungen zur See stattgefunden haben, die nach Lemnos und nach Italien gelangt sein können. Man darf nur nicht an einfache Verhältnisse denken, es war hochentwickelte Kultur.

Wenn die Etrusker nach Italien gelangt sind und in schrittweisem Vorgehen Norditalien erobert haben, so haben sie dort natürlich auch eine einheimische Bevölkerung angetroffen und unterworfen, und es ist für die Sprachenfrage zu erwägen, ob wir nicht gerade den Dialekt dieser Unterworfenen in den etruskischen Inschriften zu suchen haben. Man kann dafür einen wichtigen Punkt anführen. Aus der Behandlung der griechischen Lehnwörter im Etruskischen müssen wir schliessen, dass die Etrusker die erste Silbe der Wörter betonten, und aus dem häufigen Ausfall von Vokalen in unbetonten Silben müssen wir folgern, dass die Sprache einen stark exspiratorischen Akzent hatte. Ausserdem fehlen dem Etruskischen die Medien, während zweifellos stark gehauchte Tenues vorhanden waren. Alle diese Eigentümlichkeiten kehren in dem, dem Etruskischen benachbarten Süddeutschen wieder, so dass man wohl annehmen darf, dass die Eigentümlichkeiten der Sprache durch das gleiche zu Grunde liegende Volkselement bedingt sind.

Nach den Nachrichten der Alten sind die Etrusker bei dem Einbrüche der Kelten unter ihrem Anführer Rätus in die Alpen geflüchtet, wo sie als Rätier fortlebten, und wo noch heute das räto-romanische insofern Kunde von ihnen gibt, als man die eigentümliche Gestaltung dieser romanischen Sprache auf das zu Grunde liegende Volkselement zurückführen darf. Diese Nachricht hat zwar, wie Ratzel Ber. d. k. sächs. Ges. d. Wiss. 1898, 31 ausführt, manche Analogien für sich, aber sie unterliegt doch schweren Bedenken. Man ersieht die Verteilung des Rätoromanischen aus der Nebenkarte von Karte 1, und man erkennt, wie das Rätoromanische im Herz der Ostalpen gesprochen wird. Das deutet nicht auf ein versprengtes Volkselement hin, sondern auf ein uraltes auf weiteren Gebieten sesshaftes, das hierher zurückgedrängt ist, und es spricht für die Vermutung, dass wir im Rätischen ein vom Etruskischen verschiedenes alteinheimisches Element vor uns haben.

Die Etruskerfrage bildet zweifellos noch heute das schwierigste Rätsel der antiken Ethnographie. Aber wir brauchen nicht daran zu zweifeln, dass es eines Tages gelöst werden wird. Nur darf man bei den Erklärungsversuchen nicht vergessen, dass die Wanderungen der Völker mannigfaltiger sind, als man gewöhnlich annimmt.

7. Die Urbevölkerung Griechenlands und Kleinasiens.

Wir verlassen nunmehr vorläufig den Boden Italiens, da man für die übrigen Teile der Bevölkerung dieses Landes mit grösster Sicherheit indogermanische I lerkunft annehmen darf. Diese werden uns daher erst später beschäftigen. Wir werden sehen, dass wir auch unter den Indogermanen Italiens mindestens zwei besondere Spnichstämme vor uns haben, die zu verschiedenen Zeiten eingewandert sind. Wir finden demnach eine Mannigfaltigkeit der Völkerschichtung, die uns daran erinnert, auch auf anderen Gebieten nicht mit ganz einfachen Annahmen vorzugehen. Was für Italien gilt, dürfte auch für die Balkanhalbinsel zutreffen, wenngleich hier die Tatsachen bei weitem nicht so klar liegen.

A. Der vorhellenische Sprachstamm.

Sobald man die indogermanische Herkunft der griechischen Sprache erkannt hatte, zweifelte man nicht daran, dass die Hellenen die ersten Besiedler Griechenlands gewesen seien, oder dass eine Urbevölkerung, wenn sie vorhanden war, vollständig vernichtet wurde. Das widerspricht aber allen geschichtlichen Analogien. Auch im Mittelmeerbecken haben unendliche Zeiten vor dem Eindringen der Indogermanen Völker gelebt, die sich sicher unter diesen günstigen geographischen Verhältnissen eine bedeutende Kultur erworben haben. Wie schon die Ausgrabungen in Troja, Mykene und Tiryns unsere historische Erkenntnis auf das glänzendste erweitert haben, so zeigen nun auch die neuen kretischen Funde, dass die Nachrichten der Alten von einem alten, mächtigen Reich auf Kreta eine wirkliche Grundlage haben. Inschriften in einer besonderen Schrift (Fig. i), die mit den antiken Alphabeten nicht zusammenhängt, sondern ganz selbständig dasteht, zeigen, welchen Grad der Kultur man hier schon erreicht hatte. Sind auch die Inschriften bisher nicht lesbar, so beseitigen sie doch jetzt schon eine Anzahl älterer Annahmen und geben Raum für neue Forschung. Sie lehren, dass die vordringenden Indogermanen wohl kaum als Kulturträger, sondern zunächst als Zerstörer gekommen sind, bis die angeborene Anlage der Einwanderer in Verbindung mit den Fähigkeiten der eingesessenen Bevölkerung zu jenen weltgeschichtlichen Taten und zu jener Höhe der geistigen Entwicklung führte, die noch heute unsere Bewunderung erregen.

Vergleicht man die geistigen Anlagen und die geistige Regsamkeit der Athener mit dem Charakter der Römer, so muss man auf den Gedanken kommen, dass uns hier grundverschiedene Völker entgegentreten, während doch die Sprachwissenschaft lehrt, dass Griechisch und Lateinisch eng verwandte Sprachen sind. Das lässt sich kaum anders erklären als dadurch, dass an der Bildung des attischen Volkes neben dem indogermanischen auch andere, d. h. einheimische Elemente beteiligt sind. Dagegen zeigen die Dorer in Sparta, die sich zweifellos stets abgesondert erhalten haben, in ihrer Nüchternheit und Konsequenz entschiedene Verwandtschaft mit dem Volkscharakter der Römer.

Alles dies weist darauf hin, dass wir in Griechenland neben den eingewanderten Indogermanen auch eine einheimische Bevölkerung anzuerkennen haben, die ja ihrerseits schon wieder mannigfach gemischt gewesen sein kann. Das einzige Mittel, von der Herkunft dieses Volkes etwas zu erfahren, muss doch wieder die Sprache bilden. Die in einer Art Bilderschrift geschriebenen kretischen Inschriften, die jetzt auch im eigentlichen Griechenland ans Tageslicht getreten sind, haben bis jetzt noch dem Versuch der Lesung getrotzt. Aber schon vor einer Reihe von Jahren ist in Praisos auf Kreta im Gebiet der Plteokreter eine nicht griechische Inschrift in griechischen Buchstaben entdeckt, zu der 1901 eine zweite umfangreichere gekommen ist. Mit grossem Scharfsinn und genügender Vorsicht hat R. S. Conway diese Inschriften untersucht und sich für indogermanischen Ursprung ausgesprochen. Mir scheint dies Ergebnis freilich keineswegs sicher zu sein, vor allem da wir den Inschriften noch keinen Sinn abgewinnen können. Aber das eine lehren uns die Inschriften, dass auf Kreta einst eine Bevölkerung gesessen, die eine nicht griechische Sprache gesprochen hat. Jeder Tag kann uns neue Funde bringen, und diese werden hoffentlich über den Charakter der Sprache Auskunft geben.

Vorläufig müssen wir uns aber ohne dieses Hilfsmittel behelfen. Wenn auch ein eroberndes Volk nicht allzuviel Fremdwörter aus der Sprache der Unterworfenen aufnimmt, so wird es doch nicht ganz ohne diese bleiben, und so hat man die Aufmerksamkeit auf eine Reihe griechischer Wörter mit dem Suffix -nthos gelenkt, mit einem Suffix, das wir nur schwer aus dem Indogermanischen erklären können. Ausserdem sind es, wie Conway Iiervorgehoben hat, meist Ausdrücke, die aus der Sprache der Hauern stammen durften, da sie Gegenstände des Landlebens bezeichnen, und bei ihnen liegt allerdings der Verdacht der Entlehnung nahe.

Aber auch dieser Punkt kann uns wenig nutzen. Wohl aber bieten die Orts-, Fluss- und Bergnamen Griechenlands ein wichtiges Hilfsmittel, die Verbreitung der alteinheimischen Sprache festzustellen. Während auf keltischem, germanischem und sla-vischem Gebiet die Deutung der topographischen Namen aus dem Indogermanischen in vielen Fällen gar keine Schwierigkeiten bereitet, ist ein grosser Teil des griechischen Namenmaterials so gut wie undeutbar. Gewiss sind auch hier Versuche gemacht, alles aus dem Hellenischen oder Indogermanischen selbst herzuleiten, aber überzeugend sind diese Ausführungen nicht gewesen, und auch spätere Arbeiten dürften wenig besseren Erfolg haben. Gerade gegenüber den bedeutendsten Namen, wie Athen, Sparta, Theben versagt jeder Deutungsversuch.

Zum Teil kehren auch die gleichen Ortsnamen in Europa und Kleinasien wieder, so z. B. Larisa in Thessalien, in Lydien, und Mysien; einen Parnassos gibt es in Phokis, zwei andere in Kappadokien und Karien; Mykalessos erscheint in Böotien und Karien, Kephisos in Attika und Böotien, Kabcssos in Lykien Kabassos in Kappodokien. Neben dem Erymanthos in Elis steht ein 0romandos in Kappadokien.

Anderseits finden wir auch dieselben Stämme, und nur die Suffixe wechseln. Neben Larisa steht Laranda in Kappadokien und Lykaonien, neben Pyrasos in Thessalien Py rindos in Karien, neben Kot risset, in Galatien Kor int kos und Kerinthos in Griechenland. Man kann nicht daran zweifeln, dass wir es in allen diesen Fällen mit Namen zu tun haben, die ein und derselbe Sprachstamm geprägt hat. Da nun diese Namen in Griechenland und Kleinasien Vorkommen, so zog ihr erster Bearbeiter, Georg Meyer, den Schluss, wir hätten es, da ja die Griechen sicher Indogermanen waren, auch in Kleinasien mit indogermanischen Sprachen zu tun. Aber es sind weder die Wortstämme noch die Endungen mit einiger Wahrscheinlichkeit aus dem Indogermanischen herzuleiten, und da wir weiter gelernt haben, wie oft ein Volk die Spuren seiner Anwesenheit in Ortsnamen hinterlässt, so schliessen wir jetzt gerade umgekehrt: weil diese namentlich in Karien und dem übrigen Kleinasien verbreiteten Namen sicher nicht indogermanisch sind, so hat auch in Griechenland einmal eine nicht indogermanische Bevölkerung gesessen. Diese Folgerung haben schon Pauli und nach ihm Kretschmer gezogen, und nur einige skandinavische Gelehrte haben den indogermanischen Charakter jener Worte und Bildungen verteidigt. Meines Erachtens kann man an dem nicht indogermanischen Charakter dieser Sprache nicht zweifeln, und so hätten wir hier also eine neue Sprachgruppe nicht indogermanischer Herkunft vor uns, die in Griechenland und Kleinasien einst weit verbreitet war.

Wenn nun auch die topographischen Namen genügen, um dieses Ergebnis festzustellen, so wissen wir doch über diese Sprache zunächst nichts, und wir können also ihre weitern Wege und ihre Herkunft nicht ermitteln. Wir wissen auch nicht einmal sicher, ob die Namen auf -00- und auf -vK (~vö~) derselben Sprachgruppe angehören, wenngleich dies, da dieselben Stämme mit beiden Suffixen versehen werden, einigermassen wahrscheinlich ist. Nun sind aber allmählich auf kleinasiatischem Boden in Inschriften Reste verschiedener Sprachen ans Tageslicht gekommen, die möglicherweise eine Förderung unserer Frage bieten können. Natürlich ist es von vornherein durchaus nicht sicher, dass diese Sprachreste demselben Volk angehören, von dem die Ortsnamen stammen. Ms können auch liier Indogermanisierungen stattgefunden haben, oder es können andere Sprachstämme eingewandert sein. Immerhin sind aber diese Sprachen auch an sicli wertvoll genug, um mancherlei geschichtliche Aufklärung bieten. Weiterhin ist es ja auch nicht sicher, dass die Menschen, die diese Ortsnamen geprägt haben, die ersten Be-siedler dieser Gegenden waren. Zeigt doch das Land zwischen höbe und Weichsel fast durchgehend eine slavische Namengebung, obgleich hier sicher vor ihnen Germanen gewohnt haben. Wenn sich Städtenamen erhalten sollen, so müssen erst einmal Städte vorhanden sein. Wohnte die älteste Bevölkerung Griechenlands in Dörfern, so können die Namen dieser Ansiedelungen völlig verloren gegangen sein, sobald eine neue Art der Siedelung aufkam.

Über die Verbreitung der auf diese Weise gebildeten Ortsnamen würde am besten eine Karte Auskunft geben, doch würde eine in dem kleinen iMassstab, wie sie diesem Buche hätte beigegeben werden können, keine genügende Übersicht gewährt haben. Ich führe daher nur Paulis Ergebnis an (Altitalische Forschungen : Die Namen auf -d- sind im ganzen seltener als die auf -v-, sie verhalten sich zu einander wie 64 zu 120, innerhalb der einzelnen Provinzen aber ist das Verhältnis beider so, dass im Süden die Formen mit -d- verhältnismässig stärker vertreten sind, als die mit -v , so in Karien, Lykien, Pisidien, Pamphylien, Kilikien und Lykaonien, während sie nach Norden stark zurücktreten, so in Pontus, Galatien, Kappadokien, Phrygien und Mysien. Als den Hauptsitz dieser beiden Formationen überhaupt ergeben sich Kappadokien, Karien, Lykien und Pisidien, in zweiter Reihe Lykaonien, Phrygien, Lydien und Mysien, nur dünn gesät sind sie im Norden.« Wir finden sie ferner jenseits der Propontis in Thrakien, in Makedonien, Thessalien, Böotien, Attika und vereinzelt in Mittelgriechenland und dem Peloponnes. Nach der Verbreitung zu schliessen, war der Ursitz dieser Sprache Südkleinasien, namentlich Karien, von wo sie sich in den Küstenländern des ägäischen Meeres ausgedehnt hat. Wir wenden uns nunmehr zu den Sprachen Kleinasiens. Freilich die Hoffnung, hier jene Sprache, die auch in Griechenland geherrscht hat, noch in Inschriften anzutreffen, müssen wir aufgeben. Wir finden auch hier Rätsel über Rätsel und nur selten sichere Lösungen.

Es ist das Verdienst von Kretschmer, uns ein weiteres Hilfsmittel, den kleinasiatischen Sprachstamm zu bestimmen, er schlossen zu haben. In Kleinasien ist das Prinzip sehr verbreitet, die Personennamen aus den Bestandteilen der Sprache zu bilden, die besonders als Lallwörter verwendet werden.

Wir finden da beinahe alle Möglichkeiten erschöpft, nämlich Ba, Baba, Aba, Da, Dada, Duda, Ada, Ma, Mama, Ama, Na, Nana, N011710s, Ninnis, Nenis, Anna, Papa, Appa, Ta, Tata, Tatta, Ata, Atta, Kaka, Akka, La, Lala, Sa, Sassa, Sustt. Vava. Es ist ganz richtig, dass derartige Wörter auch in andern Sprachen Vorkommen, aber in solcher Menge und als namenbildendes Prinzip treten sie eben nur in Kleinasien auf. Kommt hinzu, dass auch sonst die gleichen Namen über einen Teil Kleinasiens verbreitet sind, so wird man den Schluss auf einen besonderen Sprachstamm, den schon Kiepert gezogen hat, anerkennen müssen. Das schliesst aber nicht aus. dass auch in Kleinasien noch andere Volks- und Sprachelemente vorhanden gewesen sind. Wenn die babylonische und ägyptische Kultur schon im vierten Jahrtausend hoch entwickelt waren, wenn wir in beiden Ländern die mannigfachsten Eroberungen und Völkerverschiebungen finden, so wird man ähnliches auch für Kleinasien voraussetzen dürfen.

B. Das Lykische.

Von allen kleinasiatischen Sprachen kennen wir das Lykische am besten, da uns eine beträchtliche Anzahl von Inschriften, darunter auch einige Bilinguen, von dieser Sprache überliefert sind. Das lang erwartete Werk, das die Inschriften vollständig bietet, ist jetzt erschienen, und es wird die Forschung entschieden neu anregen. Es lässt sich nicht leugnen, dass wir die kleinern Grabinschriften mit ihrem typischen Inhalt ganz oder nahezu ganz verstehen, dass wir aber der grössten Inschrift, der Xanthosstele, noch keinen Sinn haben abgewinnen können. Immerhin genügt das bisher erkannte, um uns einen Einblick in den Bau der Sprache zu gewähren, die sich danach als eine flektierende enthüllt.

Das Alphabet, in dem die Inschriften geschrieben sind, ist aus dem Griechischen abgeleitet, zeigt aber eine Reihe neuer Zeichen, und andere in eigentümlicher Verwendung, und daraus geht schon deutlich hervor, dass das lykische Lautsystem ein anderes war als das griechische. Das kann natürlich vorläufig fiir die 1 Icrkimft der Sprache nichts beweisen, wenngleich es einmal von Bedeutung werden kann. Wichtiger ist schon, dass, wie Deecke 1887 zuerst erkannte und Arkwright 1891 genauer begründete, im Lykischen eine Art Vokalharmonie bestand. Eine derartige Eigentümlichkeit kennen wir bisher nur aus dem alten Sumerischen und den uralaltaischen Sprachen, aber darauf Lässt sich nicht die Annahme von Verwandtschaft gründen, da eine solche Erscheinung, die nur phonetischer Natur ist, auch selbständig auftreten kann. Andrer Art ist die Verdoppelung der Konsonanten nach Konsonanten, die H. Pedersen zuerst beobachtet hat. Zugleich zeigt die Sprache eine grosse Häufung von Konsonanten, was auf Vokalausfall und starken exspiratorischen Akzent schliessen lässt.

Sehr bald nach einer genaueren Bekanntschaft mit dem Lykischen hat man die Ansicht aufgestellt, wir hätten es mit einer indogermanischen Sprache zu tun, und unter dieser Voraussetzung hat die Erforschung des Lykischen Jahre lang gestanden. Dann aber vertreten andere Forscher wie Taylor, Pauli, Ark-wright, Kretschmer die gegenteilige Auffassung, während Bugge und ihm folgend Pedersen mit grossem Eifer die Anklänge an das Indogermanische hervorgehoben haben und den indogermanischen Charakter des Lykischen verteidigen. Bugges und Pedersens Argumente scheinen, wenn man sie im Zusammenhänge liest, in der Tat einiges Gewicht zu haben, versucht man aber die Inschriften selbst mit Hilfe des Indogermanischen zu deuten, so wird der Glaube wieder wankend. Ich habe mich früher für Kretschmer ausgesprochen, halte es aber heute für möglich, wenn auch nicht für erwiesen, dass im Lykischen, das jedenfalls eine Mischsprache ist, ein indogermanischer Einschlag vorhanden war.

Eine Einwanderung fremder Volkselemente folgert Kalinka mit Recht aus verschiedenen Gründen. Wenn man die dem Inschriftenwerke beigegebene Karte überblickt, in der die Orte, wo Inschriften gefunden wurden, eingetragen sind, so sieht man sofort, wie dicht die Lykier am Meere sassen, während die Inschriftenfunde in den von der See entfernteren Gegenden immer seltener werden und im Mittellande ganz fehlen. Ausserdem zerfällt dieses Siedelungsgebiet an der Küste in zwei getrennte Teile, einen westlichen und einen östlichen.

Ferner weichen die lykischen Personennamen durchaus von dem von Kretschmer aufgedeckten kleinasiatischen Namensystem ab und drittens findet man die eigentümlichen lykischen Grabdenkmäler sonst in Kleinasien nicht. Von dieser Einwanderung zur See berichtet ja auch Herodot, aber wir wissen freilich nicht, woher die Lykier gekommen sein mögen. Verwandtschaftliche Züge mit dem Etruskischen oder Lemnischen haben sich im Lykischen, wie wir oben gesehen haben, bisher noch nicht nachweisen lassen, und da wir von dem Sprachengemisch, das offenbar im Mittelmeerbecken herrschte, nur sehr unvollkommene Kenntnis haben, so müssen wir die Lösung des lykischen Rätsels auf Zeiten vertagen, da einst neue sprachliche Urkunden ans Tageslicht gekommen oder die alten noch sichrer gedeutet sein werden. Proben der lykischen Sprache und Erörterungen über ihren Bau bietet die Anmerkung.

Bemerkenswert ist ferner, dass den Alten an den Lykiern die Sitte der Mutterfolge auffiel. Sonderbarerweise wird sie durch die Inschriften nicht bestätigt, da der Sohn hier regelmässig als Sohn seines Vaters eingeführt wird. Wohl aber finden wir in Kos und anderswo Reste dieser Sitte, so dass wir auch durch diese Tatsachen auf den Gegensatz zweier Bevölkerungsschichten geführt werden. Auf der Xanthosstele tritt uns neben dem eigentlichen Lykischen noch eine etwas abweichende Sprache entgegen, die man pseudolykisch oder milyisch genannt hat. Wenn sie nun auch ein wirkliches Lykisch ist, so weist doch ihr Dasein wohl ebenfalls auf Mischungsverhältnisse hin.

Das System der Namengebung ist, wie wir schon öfter gesehen haben, manchmal ein wichtiges Hilfsmittel und unser letzter Rettungsanker. Die lykischen Namen zeigen nun durchaus nicht jene Lallnamen, die Kretschmer als den kleinasiatischen Sprachen eigentümlich erkannt hat, vielmehr haben sie des öfteren deutlich eine zweistämmige Form wie z. B. in Purihi-mete (25) und Purihi-mrbbese (62), Asa-wazala (3) und Wazala (16) Pddje/-kfita (13) und Knte-nube (39), Ddawa-parta (101) und Ddawa-hama (113), Pertina-muwa (66). Diese Art der Namenbildung würde für das Indogermanentum stark in die Wagschale fallen, wenn man die Wortstämme wiederfände. Wer nach Indogermanismen sucht, wird leicht Anklänge finden, die ich auch in den Bemerkungen zu diesem Kapitel andeuten werde.

Alles in allem ist das Problem des Lykischen noch nicht gelöst , aber es ist zu hoffen, dass weitere eindringende Forschung uns einst sichere Ergebnisse geben werde. Wenn sich die indogermanische Herkunft bestätigen sollte, so würden wir allerdings immer noch nicht wissen, woher denn die Lvkier eigent-lieh kommen. Zur See müssten sie eingewandert sein. Das nächstliegende wäre, Herkunft aus Griechenland anzunehmen, aber Italien, die chalkidische Halbinsel oder selbst Xordklein-asien wären ebenso als Ausgangspunkte denkbar. Selbst wenn ich den indogermanischen Charakter des Lykischen anerkennen wollte, vermöchte ich nicht zu entscheiden, ob wir es mit einer westlichen oder östlichen Sprache zu tun haben.

C. Die übrigen Stämme Kleinasiens.

I. Die Karer.

Sollte sich wirklich das Lykische als eine indogermanische Sprache erweisen lassen, so würde dadurch das Ergebnis früherer Forschung, dass in Kleinasien ein besonderer Sprachstamm vorhanden gewesen ist, nicht beeinträchtigt werden. Denn darauf weisen die Orts- und Personennamen mit hinreichender Deutlichkeit hin. An und für sich ist es nicht einmal wahrscheinlich, dass sich c i n einziger Sprachstamm über ganz Kleinasien erstreckt hat. Das Land dürfte ebenso wie andere Gebiete verschiedene Völkerstürme über sich haben ergehen lassen. Aber die Xachrichten, die uns zu Gebote stehen, sind zu dürftig, um etwas sicheres erkennen zu lassen.

Im Altertum treten uns drei verschiedene Stämme hier entgegen, die Karer, die Lyder und die Myser. Über die Herkunft der Karer besitzen wir bei Herodot 1,71 eine antike Überlieferung, nach der sie auf das Festland von den Inseln gekommen sein sollen; die Karer selbst dagegen hielten sich für Autochthonen, d. h. wussten nichts über ihre Herkunft. Die Xachricht Herodots wird insoweit zu Recht bestehen, als auch auf den Inseln, namentlich in Kreta einst eine karische Bevölkerung vorhanden war. Auf enge Beziehungen weist das Vorkommen der Doppelaxt, deren Name in labiys vorliegt und auch in dem kretischen Labyrinthos steckt.

Von der karischen Sprache sind uns aus dem Altertum eine Reihe von Glossen überliefert, die am vollständigsten von Sayce zusammengestellt sind. Ausserdem ist eine Anzahl von Inschriften auf uns gekommen. Leider sind sie, obgleich wir einige Bilinguen besitzen, die sich aber nicht genau entsprechen, noch nicht gedeutet, ja, obgleich die Schrift auf einem griechischen Alphabet beruht, enthält sie doch so viele neue Zeichen, dass wir sie nicht einmal sicher lesen können. Kretschmer glaubt ein Genetivsuffix nachgewiesen zu haben, das das Karische mit dem Lykischen teile, während Torp Die Inschrift von Lemnos S. 49 Anklänge an das Etruskische findet, die aber doch auch nur sehr dürftig sind. Jedenfalls wird man schwerlich daran denken können, dass wir es im Karischen mit einer indogermanischen Sprache zu tun haben.

Anderseits finden wir in Mylassa ein altes Heiligtum des karischen Zeus, in dem die Karer gemeinsam mit den Lydern und Mysern als ihren Brüdern opferten. Wir erfahren also hier von einer alten Kultgemeinschaft, und das weist darauf hin, dass eine Sprachverwandtschaft zwischen diesen Völkern bestand, denn ohne gleiche Sprache ist die gemeinsame Verehrung eines Heiligtums im Altertum kaum denkbar.

2. Die Lyder und Myser.

Während uns die karischen Inschriften wenigstens darüber Auskunft geben, dass wir es mit keinem indogermanischen Volk zu tun haben, versagen bei den Lydern auch die Inschriften. Bis jetzt ist nur eine Inschrift gefunden, die Sayce für lydisch hält. Seine Annahme ist jedoch sehr unsicher. Glossen sind nur wenige vorhanden, darunter jedoch einige, die in der Tat indogermanisch zu sein scheinen. Die ausführlichen Erörterungen, die das Lydische bei Kretschmer Einleitung 384 ff. gefunden hat, haben das eine klar gestellt, dass wir es bei diesem Volke wohl mit einem indogermanischen Einschlag zu tun haben, das heisst, indogermanische Stämme, die zweifellos in den Norden der kleinasiatischen Halbinsel gelangt sind, scheinen auch diese Teile des Landes erreicht und hier ein Reich von kurzer Dauer gegründet zu haben. Das homerische Epos kennt die Lyder noch nicht, sondern dafür die Mai071er, ein Volksname, der sehr wohl indogermanisch sein kann. Später wird der König Kandaules durch Gyges gestürzt, und es hat schon Kiepert (Lehrb. d. alt. Geogr. S. 112) vermutet, dass mit Gyges ein einheimisches Element wieder zur Herrschaft gekommen sei. Das ist insofern beachtenswert, als Kandaules in der Tat einen indogermanischen Namen zu tragen scheint, wie weiter unten zu besprechen sein wird.

Noch deutlicher tritt diese Mischung in der Landschaft Mysien auf. Xanthos (bei Strab. 12, 572) sagt ausdrücklich, der mysische Dialekt sei aus lydisch und phrygisch gemischt gewesen. Wir haben keinen Grund, diese Angabe zu bezweifeln. Sonst wissen wir über die Sprache wenig, da nur drei Glossen überliefert sind. Da die Myser am Kult von Mylassa teilnehmen, müssen wir sie als Verwandte der Lyder und Karer betrachten, während anderseits die Anwesenheit indogermanischer Stämme in Mysien sicher steht.

3. Die übrigen kleinasiatischen Stämme.

Von den Völkerverhältnissen des übrigen Kleinasiens wissen wir verhältnismässig wenig. Wie weit indogermanische Einwanderungen stattgefunden haben, werden wir im zweiten Teil sehen. Das Vorhandensein einer vorindog. Bevölkerung folgt aus den Personen- und Ortsnamen. Karolidis hat, wie Kretschmer S. 399 ausführt, in dem heute nördlich des Tauros gesprochenen griechischen Dialekt eine Reihe von Pdementen entdeckt, die sich aus dem Griechischen nicht deuten lassen, und die er deshalb auf die alte kappadokische Landessprache zurückführt. Wir finden in diesem Dialekt vor allem Zahlwörter wie lingiv 6, tatli oder tutli 7, matli oder mutli 8, danjar oder tsankar 9, die sicher nichts mit dem Indogermanischen zu tun haben.

Die Mittel, die ursprünglichen Völkerverhältnisse Kleinasiens zu entwirren, sind vorläufig noch zu gering, als dass wir sichere Ergebnisse erwarten dürften. Vor allem fehlen uns ausgiebige Sprachdenkmäler. Aber vielleicht treten solche mit der Zeit ans Tageslicht. Zu hoffen ist, dass die Erforschung des Lykischen zu voller Klarheit führen werde. Die Zukunft wird hier gewiss manches Rätsel lösen, aber auch neue knüpfen. Jedenfalls steht fest, Kleinasien ist einst von Nichtindogermanen bewohnt gewesen. Dass hier ein einziger einheitlicher Sprachstamm gesessen habe, widerspricht eigentlich aller Wahrscheinlichkeit, genaueres aber können wir nicht darüber wissen. Wie die Indogermanen in dieses Land eingedrungen sind, werden wir im zweiten Teile sehen.

8. Die Finnen.

Glücklicher als bei den bisherigen Sprachstämmen sind wir bei der Sprache daran, die im Norden und Osten seit mehreren tausend Jahren den germanischen benachbart ist, der finnischen. Diese Sprache lebt noch heute und gibt, da sie sich verhältnismässig wenig verändert hat, über vieles Auskunft. Lehnwörter, die in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt von den Germanen zu den Finnen gekommen sind, zeigen noch heute die Gestalt, die die Sprachforschung für das Urgermanische erschlossen hat, ja es gibt Wörter, die völlig den vorausgesetzten indogermanischen gleichen.

Mit dem Namen »finnischer oder finnisch-ugrischer Sprachstamm« bezeichnet man die Sprachen der Völker, die heute auf einem Gebiet wohnen, das sich vom Ob und Ural im Osten bis zur Ostsee dem Ozean und der Donau im Westen und Süden erstreckt. Ein Blick auf eine ethnographische Karte (s. Karte 2) lehrt uns ihr Gebiet kennen, das in zwei grosse getrennte Teile zerfällt, zwischen die sich jetzt die Russen geschoben haben. Aber innerhalb des russischen Gebietes treffen wir noch immer vereinzelte Reste, was auf eine einstige grössere Ausdehnung schliessen lässt. Getrennt von dem grossen Stamm finden wir die Magyaren in Ungarn, in ihrem Verhältnis zu den übrigen Finnen ursprünglich ein kleiner versprengter Rest.

Das Finnisch-Ugrische teilt man in folgende Sprachzweige:

1. Die baltischen Finnen im eigentlichen Finnland, im Petersburger Gouvernement, im nördlichen Schweden und Werm-land und im nördlichen Norwegen; sie zählen jetzt etwa 2600000 Angehörige.

Zu ihnen im weiteren Sinne gehören:

a) Die Karelier in Russland im westlichen Teil des Gouvernements Archangelsk und Olonez (etwa 90000) und in dem Gouvernement Twer und Nowgorod, wo sie aber erst nach dem Stolbower Frieden eingewandert sind (etwa 150000);

b) Die Wepsen in den Gouvernements Olonez und Nowgorod (etwa 20000),

c) Die Woten im Petersburger Gouvernement (etwa 2000),

d) Die Esthen im Esthland und Livland (etwa 870000),

e) Die Liven (kaum noch 3000) auf der nördlichsten Landspitze von Kurland.

2. Den zweiten Zweig bildet das Lappische im nördlichen Schweden und Norwegen. Die Zahl der Lappen beträgt gegen 250CO. Anthropologisch sind die Lappen von den Ugrofinnen deutlich zu scheiden. Es sind kleine Leute (1,3—-1,6 m) von schmutziggelber Hautfarbe, mit straffem schwarzem Haar, rundem Schädel, ein wenig schiefstehenden Augen, kleiner platter Nase und kleinem spitzen Kinn.

3. Die Mordwinensitzen hauptsächlich in den russischen Gouvernements Simbirsk, Pensa, Saratow, Samara, Nischnij Nowgorod und Tambow, an Zahl etwa 800000.

4. Die Tscheremissen betragen etwa 360000, und sie wohnen besonders im Gouvernement Wjatka.

5. Die Syrjanen, mit den engverwandten Wotjaken zusammen auch Permi er genannt, findet man besonders in den Gouvernements Wologoda und Archangelsk, an der Petschora, dem Meilen und den östlichen Zuflüssen der Dwina, etwa 112000 an Zahl. Die W otjaken wohnen im Gouvernement Wjatka und am Oberlauf der Kama, sowie in den Gouvernements Kasan und Ufa. Sie umfassen noch 300000—350000 Menschen.

6. Die Wogulen, meistenteils an der östlichen Seite des. nördlichen Urals sesshaft, bilden mit den ihnen benachbarten Ostjaken den ugrischen Zweig der finnischen Sprachfamilie, von dem wahrscheinlich

7. Die Magyaren, die herrschende Klasse in Ungarn, abstammen. Ihre Zahl betrug 1890 7426730, übertrifft also die aller übrigen finnischen Sprachen zusammengenommen. Sie erscheinen um 836 n. Chr. an der untern Donau und lassen sich am Ende des neunten Jahrhunderts in Ungarn nieder. Ihre Heimat sucht man auf Grund der Sprachverwandtschaft am Ural,, wo sie am südlichsten sassen, wahrscheinlich in der Nachbarschaft türkischer Stämme, wie die Lehnworte wahrscheinlich machen, die sie von diesen erhalten haben.

Die finnisch-ugrische Sprache ist weiter mit dem Samoje-dischen in Nordsibirien und Nordosteuropa und dem türkisch-tatarischen verwandt, und man vereinigt alle diese Idiome unter dem Namen uralaltaischer Sprachzweig, der seit alter Zeit das östliche Europa und Nordasien einnimmt, und den man zu den agglutierenden Sprachen rechnet. Doch ist das eigentliche Finnisch heute durchaus flektierend.

Wo die Urheimat der Finnen zu suchen sei, dürfte ebenso umstritten sein wie die Frage nach der Herkunft der Indogermanen. Während man ihnen früher wie diesen Sitze in Asien anwies, sprechen sich heute auch Stimmen dafür aus, dass sie schon seit Alters in Nordeuropa gewohnt haben. Und in der Tat lässt sich dagegen kaum ein stichhaltiger Grund geltend machen. Man wird in ihnen die uralten Bewohner der Tundren Nordeuropas zu sehen haben, eines Gebietes, das nur eine spärliche Bevölkerung ernähren konnte und fremde Eroberer auch nicht anlockte. Jedenfalls sitzen finnische Stämme seit Alters in Osteuropa und längs der Wolga ziemlich tief bis in den Süden herab. Nachbarn der Indogermanen, die ihnen in der Kultur überlegen waren, sind sie schon mindestens im ersten Jahrtausend vor Christus gewesen. Das zeigen die zahlreichen Lehnwörter, die sie aus dieser Sprache aufgenommen haben. Nach Setälä sind die Indo-Iranier die ersten Indogermanen gewesen, mit denen die finnisch-ugrischen Stämme in Berührung gekommen sind. Der Anfang dieser Berührungen ist auf die Zeit zurückzu führen, wo die finnisch-ugrischen Sprachen noch eine Einheit bildeten oder sich wenigstens in geographischer Hinsicht recht nahe standen. Und es haben nicht nur die iranischen Sprachen auf das Finnisch-ugrische gewirkt, sondern es muss auch der Einfluss einer Sprache vorausgesetzt werden, die dem Indischen näher stand als dem Iranischen. Nach dieser Zeit hat das Litauische eingewirkt. »Es unterliegt keinem Zweifel«, sagt Setälä S. 34, »dass die baltischen Entlehnungen in der mordwinischen Sprache der Zeit nach den iranischen am nächsten stehen. Das geht daraus hervor, dass die meisten baltischen Wörter der mordwinischen Sprache (wie Thomsen gezeigt hat) in den westfinnischen Sprachen nicht selten genau in übereinstimmender Form angetroflen werden, was beweist, dass der Verkehr zwischen den Finnen und ihren nächsten Stammgenossen in der Epoche, wo diese Entlehnungen stattgefunden, noch nicht ganz abgebrochen war.« Wiederum später sind die germanischen Lehnwörter.

Aus alle dem geht also hervor, dass die Finnen seit Jahrtausenden Nachbarn der Indogermanen gewesen sind, und man kommt daher naturgemäss auf den Gedanken, ob nicht die beiden Sprachstämme überhaupt verwandt seien. Und das hat man wirklich behauptet. Obwohl schon im Jahre 1879 N. Anderson diese Hypothese ausführlich zu begründen versucht hat, hat die Ansicht doch wenig Beifall gefunden, bis sich ihrer H. Sweet mit grosser Wärme angenommen hat. Und in der Tat werden keinem, der sich vorurteilsfrei mit dem Finnischen beschäftigt, die auffallenden Ähnlichkeiten entgehen können, die sich zwischen diesem Idiom und unsrer Sprache zeigen. Ich stehe nicht an zu behaupten: Wenn man bei einer neu entdeckten Sprache solche Übereinstimmungen mit dem Indogermanischen fände, wie beim Finnischen, so würde jeder Sprachforscher sie für indogermanisch erklären. Trotzdem kann man sich täuschen und einigen äussern, direkt in die Augen springenden Ähnlichkeiten zu grossen Wert beimessen. Erst wenn wir eine urfinnische Grammatik besitzen, wie wir eine indogermanische haben, und wenn wir weiter in der Analyse der indogermanischen Flexion gekommen sein werden, dann wird es möglich sein, sicher über die Verwandtschaft zu urteilen.

Freilich gehören die finnischen Völker der Rasse nach teilweise sicher nach Asien. Aber doch nur teilweise. Denn sie bestehen auch nicht aus einer einzigen Rasse, und die Bewohner des eigentlichen Finnlands zeigen auch Typen, die mit denen Europas durchaus verwandt sind. Wie das zu erklären sein mag, steht noch dahin. Jedenfalls kann indogermanisches Blut in ihnen stecken. Denn die Nordeuropäer werden sich ebenso nach Osten ausgedehnt haben, wie sie nach Süden und Westen gewandert sind, und wenn so die Asiaten und Europäer zu-sammenstiessen, so musste eine Sprachübertragung und Rassenmischung stattfinden. Dass bei dieser Gelegenheit Europäer finnisiert seien, ist ebensogut möglich, wie in Russland zahlreiche finnische Stämme russifiziert worden sind. Andere Forscher freilich, wie z. B. Ripley, halten die Finnen für ursprünglich blond und sehen in der blonden Bevölkerung Europas indoger-manisierte Finnen. Durch eine Vergleichung des allen finnischen Sprachen gemeinsamen Wortschatzes hat man die älteste Kultur der Finnen ebenso zu erschliessen versucht wie die der Indogermanen. Doch stellen sich hier der Erkenntnis dieselben Schwierigkeiten, ja vielleicht noch grössere entgegen, wie auf indogermanischem Gebiete. Das bedeutendste Werk, das diesen Gegenstand behandelt, ist 1874/75 erschienen, und seitdem hat die Erforschung der finnischen Sprachen natürlich ebensolche Fortschritte wie die der indogermanischen gemacht, so dass man das Buch nicht mehr als eine sichere Grundlage ansehen kann. Ähnliche Wege und Ziele verfolgen J. N. Smirnows Untersuchungen über die Ostfinnen. Doch sind die Ergebnisse dieser Arbeit, wie E. N. Setälä gezeigt hat, zum Teil verfehlt. Das Gutachten dieses Eorschers über die Arbeiten Smirnows ist wohl das bedeutendste, was wir über diesen Gegenstand augenblicklich besitzen. Die wirtschaftliche Entwicklung der Finnen war jedenfalls höher als man gemeinhin annimmt, und es stimmt das zu dem, was wir jetzt von der höheren Kultur der Indogermanen zu wissen glauben. »Es scheint mir«, sagt Setälä S. 15, »aus dem oben genannten klar hervorzugehen, dass in der Zeit des Zusammenlebens der finnisch-mordwinischen Gruppe irgend eine Art primitiven, halb nomadenhaften Ackerbaus, aller Wahrscheinlichkeit nach das »Schwenden« betrieben wurde. Wenn die letztgenannten finnisch-permischen Zusammenstellungen richtig sind, müssen wir daraus schliessen, dass die Anfänge des Ackerbaus den finnisch-ugrischen Stämmen viel früher bekannt waren, als man bisher angenommen hat.« Wenn ich auch mangels eigener Kenntnisse nicht näher auf diese Fragen eingehen kann, so muss ich doch betonen, dass das Dasein von Lehnwörtern, die im Finnischen sehr zahlreich sind, noch nicht den ursprünglichen Mangel des damit bezeichneten Begriffes bedingt. Fremdwörter verdrängen sehr leicht auch alteinheimische Wörter, wofür Onkel, Tante, Cousin, Cousine, Pferd usw. nur ein paar Beispiele aus dem Deutschen sind.

Germanenherz aus dem Buch: Die Indogermanen : ihre Verbreitung, ihre Urheimat und ihre Kultur (1905), Author: Hirt, Herman.  (PDF-Dateien: Band 1, Band 2)

ergänzend

Germanische Mythologie

  EINLEITUNG Es läßt sich mit großer Wahrscheinlichkeit voraussetzen, daß die Stammväter der Germanen, nachdem sie sich von den anderen Ariern getrennt hatten und in zwei Strömen die Ebenen Mitteleuropas und den hohen Norden unseres Kontinents überfluteten, die alten religiösen … Weiterlesen

Deutsche Mythologie – Der Götterglaube und Ort der Götterverehrung

Der Götterglaube Wie bei den Dämonen ist bei den Naturgöttern der Zusammenhang mit den zugrunde liegenden Naturerscheinungen gelockert, ja oft aufgelöst; der Glaube, daß es die großen Naturmächte sind, von denen Wohl und Wehe des menschlichen Daseins abhängt, ist mehr … Weiterlesen

Deutsche Mythologie – Seelenglaube und Naturverehrung

Während man früher einseitig glaubte, daß alle heidnische Religion sich aus der Naturbetrachtung entwickelt habe, nimmt man heute oft ebenso einseitig an, daß alles religiöse Denken aus dem Seelenglauben abzuleiten sei. Die Religion hat viele Quellen, und jeder Versuch, alle … Weiterlesen

Deutsche Mythologie – Der Kultus und Götterdienst

Das Christentum schlug den heidnischen Germanen gegenüber ein doppeltes Verfahren ein. Das unduldsame Wort des Bischofs Remigius von Rheims bei der Taufe des Frankenkönigs Chlodoveeh (496): „Beuge dein Haupt in Demut, stolzer Sigamber, und verehre von nun an, was du … Weiterlesen

Deutsche Mythologie – Das Priesterwesen

Keine der deutschen oder nordischen Benennungen für Priester ist mit einem gleichbedeutenden Worte der anderen idg. Sprachen verwandt, jede ist etymologisch leicht zu erkennen, mithin kann der gesonderte Begriff für Priester, für ein deutlich von anderen Ständen geschiedenes Priestertum nicht … Weiterlesen

Der himmlische Lichtbaum der Indogermanen in Sage und Kultus.

Wenn die prähistorische Archäologie allmählich immer mehr einen gewissen homogenen Zustand der in Europa sich ausbreitenden und dasselbe eigentümlich kolonisierenden indogermanischen oder arischen Stämme in Bezug auf das häusliche Leben und die Anfänge gewerblicher Thätigkeit aufdeckt, so entsprechen dem auch … Weiterlesen

Die Religion der Germanen

Statt von germanischer Religion sprach man früher von germanischer oder “deutscher” Mythologie. Wir kennen nämlich von den vorchristlichen Religionen Europas die Mythologie, d. h. die Göttersagen, am besten, weil diese den Glaubenswechsel überlebt haben, was die alte Frömmigkeit auf die … Weiterlesen

Tacitus üder die Germanen

 Publius Cornelius Tacitus (* um 58 n. Chr.; † um 120) war ein bedeutender römischer Historiker und Senator. De origine et situ Germanorum Die Germania Allgemeiner Teil 1-46 Lage des Landes, Herkunft der Bewohner, Religion, Sitten und Bräuche, die allen … Weiterlesen

Die Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt. (Die Schöpfungsgeschichte)

Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt Die mythenbildende Kraft der Völker umspannt die ganze Welt, von ihrer nächsten Umgebung an bis hinauf zum Sternenzelte. Besonders zwei Gruppen dieser mythologischen Naturauffassung lassen sich unterscheiden, kosmo-gonische Sagen, die … Weiterlesen

Atlantis, Edda und Bibel – 200 000 Jahre Germanischer Weltkultur

Hörbuch .Hier als pdf >   < Die Edda als pdf Wenn die “Edda” nicht in Ihrem Bücherschrank steht, dann können Sie sie hier herunterladen: “Edda” (PDF, 691 kB) Die Edda, das Buch der Götter und Heldensagen! Das Buch der … Weiterlesen

Zauberei und Hexerei

Germanenherz-Toto-Haas-Banner-kleinDie alten Deutschen kannten Zauber mit Tat und Wort; den ersteren verbietet Nr. 10 des Indiculus (de phy-lacteriis et Ugaturis), den zweiten Nr. 12 (de incantationibus). Das Wort Zauber (ahd. zoubar) selbst bedeutet eigentlich „Mennig“, die rote Farbe, mit der die Runen in die Lostäfelchen eingetragen wurden. Das Zauberlied ist die älteste nachweisbare Dichtungsart der Germanen wie der Indogermanen überhaupt, und die Sprache lehrt, daß Zauberei mit dem Wort und der Dichtkunst eng zusammengehört. „Lied“ ist ursprünglich das Zauberlied, ebenso hat ahd., as. galdar oder galstar von Hause aus die Bedeutung „Zaubergesang“, „Zauberlied“: es wurde in halbsingendem Tone langsam und feierlich gesprochen; auch „schwören“ bedeutet ursprünglich „mit lauter, halbsingender Stimme etwas äußern“. Neben dem Liede geht das Wort her, neben der gesungenen Zauber weise die gesprochene Segensformel. Dahin gehört engl, spell „Zauberspruch, Zauber“, verglichen mit ags. spell „Erzählung, Geschichte“ von einer Wurzel „sprechen, singen“. Als die Langobarden viele ihrer Sklaven zu Freien machten, um die Zahl ihrer Streiter zu vergrössern, bekräftigten sie ihnen vermittelst eines Pfeiles die Weihe und murmelten dabei noch einige Worte in ihrer Sprache, um der Sache Festigkeit zu verleihen (Pis. Diac. 1, 3); gemeint ist ein Zauberspruch, der die ungewöhnliche Handlung zum Heile wenden sollte.

Das deutsche Heidentum kannte eine erlaubte und eine verbotene Zauberei, eine weiße und eine schwarze Magie, nach mittelalterlichem Ausdrucke Gotteswerk und Teufelskunst.

Da der Tod das Werk schadenfroher, feindlicher Geister ist, muß der Priester zugleich Arzt, Medizinmann sein und einmal den Verkehr mit diesen Mächten vermitteln, dann auch eben dadurch über Leben und Gesundheit der Stammesgenossen wachen. Wenn eine Seuche das Land verheert, der gewohnte Regen oder Sonnenschein ausbleibt, ein Verwandter oder ein Tier plötzlich krank wird, ist der böse Geist die Veranlassung, und nur der Zauberer vermag den Schaden abzuwehren. Er kann umgekehrt die bösen Geister beschwören und bannen, die Zukunft Voraussagen und Verstorbene heraufrufen, kurz das Leben und den Besitz durch Wundertaten schützen und sichern. Seine Tätigkeit besteht also in dem Abwehren des Schädlichen und in dem Zuwenden des Heilsamen, für sich wie für seine Umgebung. Männer und Frauen können den Zauber ausführen, doch überwiegen die männlichen Priester.

Die Seele ist nicht unabänderlich an den Körper gebunden; in dem Augenblicke, wo sie den Leib verlassen hat, kann ein feindseliger Geist in den Körper einfahren und den betreffenden Menschen zum Werkzeuge seiner Bosheit machen. Er ist dann mit übernatürlichen Kräften ausgestattet und imstande, Besitz, Gesundheit und Leben anderer Menschen zu schädigen, Enthüllungen über die Zukunft zu geben und staunen-erregende Taten auszuführen, aber gewissermaßen auf unrechtmäßige Weise. Der Zauberer sieht in ihm natürlich einen Nebenbuhler, und seine Bekämpfung wird ihm um so leichter, als die Tätigkeit des Gegners vorwiegend vernichtend, schädigend ist. So entbrennt der Kampf zwischen weißer und schwarzer Kunst. Besonders das weibliche Geschlecht mit seiner zarteren, nervöseren Veranlagung und seinem Hange zum Übersinnlichen, Mystischen ist solchen Einflüssen und Verzückungen ausgesetzt. Derartige Zustände bezeich-nete das deutsche Heidentum als „Ausfahren mit der Nachtfrau“. Darum heißt im Münchener Nachtsegen „du sollst mich nicht entführen“, soviel wie du sollst meinen Geist nicht hinwegführen“. Bedenkt man, daß die Wesen, die Feld und Flur, Menschen und Vieh schädigen, überwiegend Weiber sind, und daß sie ihre Gestalt tauschen und besonders zur Nachtzeit ausfahren können, so hat man die Grundlage des deutschen Hexenglaubens. Der Hexenglaube zeigt deutlich noch die ganze ungebrochene Kraft des Seelenglaubens und darf als ein allgemein menschlicher Wahn angesehen werden.

In heidnischer Zeit bestand also bereits ein scharfer Unterschied zwischen Zauberei und Hexerei, der sich noch bis in die Anfänge des Christentums verfolgen läßt. Aber die einzelnen Merkmale sind auch schon zuweilen ineinander übergegangen. Seitdem Könige und Häuptlinge selbst den Kult der allmächtigen Götter versehen, dauert die Macht der alten Zauberpriester nur im Geheimen fort. Niemals wird ihre Tätigkeit vom Staate beansprucht. Nur der Einzelne, der sich nicht über den engen Kreis des Gespensterglaubens zu erheben vermag, wendet sich an sie und hofft von ihnen Rat und Hilfe in Fällen, die das helle Sonnenlicht scheuen. So wird die Zauberei bereits im Heidentume zur Hexerei.

Zauber und Götterkultus verhalten sich zueinander etwa wie Aberglaube und Glaube. Denn Aberglaube ist nicht nur nach einem bekannten Worte Friedrichs des Großen „ein Kind der Furcht, der Schwachheit und der Unwissenheit“, sondern etymologisch „nachgebliebener Glaube“ und dann eine verächtliche Bezeichnung für Reste einer überwundenen Weltanschauung, die aber noch weiter auf das Handeln und Denken der Menschen ein wirkt und dementsprechend Gebräuche Jiervorruft. Aus der Beseelung der Natur folgt, daß das höhere Wissen des Zauberers die schädliche Einwirkung der Seelen verhindern, ihren freundlichen Einfluß zu sich oder andern hinleiten kann. Wie noch heute die Naturvölker, glaubten auch die alten Deutschen, ein Seelenwesen an einen bestimmten Platz oder Gegenstand bannen zu können, von dem dann die heilsame Wirkung ausging. Großer Segen war dem beschieden, der einen solchen zauberkräftigen Schatz immer bei sich trug. Schmuck, Steine, Kräuter und Knochen gelten noch heute als Amulett, als der Sitz eines schützenden Geistes- oder Seelenwesens.

„Das Beschwören der Kräuter zu schändlichen Taten und das Anrufen der Dämonen beim Beschwören, was ist es anders wie Teufelsdienst ?“ (Mart. v. Brac.; de corr. rust. 16). Prim in, der Stifter des Klosters Reichenau, Zeitgenosse des Bonifatius, der schon bei seiner Ankunft durch die Kraft des hl. Kreuzes alle Schlangen und sonstiges schädliches Gewürm vertilgt hatte, verbietet in seiner alemannischen Musterpredigt, an Spruch-und Loszauberer, Wahrsager, Wettermacherinnen und Vorzeichen zu glauben, Zauberzettel, Zauberkräuter und Bernstein anzuhängen (Dicta abbatis Pri-minii K. 22). Regino von Prüm eifert gegen Hirtensegen über Brot und Kräuter und Binden, die, in den Bäumen verborgen oder auf Kreuzwege gelegt, die eigenen Tiere von Krankheit befreien und diese anderen zuführen sollen.

Der Indiculus (Nr. 10) verbietet solche Schutz- und Hilfsmittel vor und in allerhand Not (phylacteria), aus den verschiedensten Stoffen hergestellt, und solche, die angehängt oder angebunden werden (ligaturae). Solche Amulette waren, wie die Erlasse der Kirche zeigen, aus Knochen oder Bernstein hergestellt, aus Pflanzen, Schriftzeichen usw. Um die zauberhafte Wirkung zu erhöhen, wurden Zauberlieder gemurmelt. Bei Burchard von Worms lautet eine Beichtfrage: .Hast du dich befaßt mit Angebinden (ligaturae) und Zauberliedern und den mannigfachen Hexereien, wie sie nichtswürdige Leute, Sau- und Kuhhirten und bisweilen Jäger treiben, indem sie Teufelslieder sagen auf Brot oder auf Kräuter und auf gewisse nichtsnutzige Binden und diese dann in einem Baume verbergen oder an einem Kreuzwege hinwerfen, um von Krankheit und Verlust ihre Herden und Hunde zu befreien und diejenigen anderer zu schädigen?“ Noch heute sind geschriebene Amulette Zauberschutzmittel gegen Krankheiten, Gefahren, Verwundung, Behexung usw.; meist werden sie auf bloßem Leibe getragen, bisweilen muß man sie auch verschlucken.

Der Zauberer vermag auch auf die Seelen einzuwirken, indem er ihnen symbolisch an einer bildlichen Handlung zeigt, was er von ihnen begehrt. Wenn man des Morgens das heilige Feuer entflammte, so förderte dieser Zauber den Aufgang der Sonne. In dieser ovi-ind&eia, dem Parallelismus zweier Ereignisse, haben noch heute viele Gebräuche ihren Ursprung. Die Sympathie lehrt solchen Zauber vermittelst des Abbildes: man kann eine Wirkung durch eine Handlung erzielen, die dem Vorgänge selbst ähnlich ist. Man legt einen Teil eines Tieres oder ein Kraut auf die kranke Stelle und hängt es dann in den Herdrauch oder vergräbt es; wie es verdorrt, so nimmt auch die Krankheit ab. Was in der Landwirtschaft wachsen und gedeihen soll, muß bei zunehmendem Monde, was schwinden und vergehen soll, bei abnehmendem Monde vorgenommen werden. Alte Weiber im Saalfeldischen schneiden den Rasen aus, den ihr Feind betreten hat, und hängen ihn in den Schornstein oder legen ihn hinter den Herd, damit auch der Mensch sich abzehrt; schon Bur-chard von Worms kennt diesen Wahn.

Der höhere Kultus ist reich an solchen Gebräuchen, die ursprünglich zauberhafte Bedeutung haben und das gewünschte Ereignis herbeiführen, indem dabei ein Bild dieses Ereignisses dargestellt wird. Der Regen- und Sonnenzauber ist erst später zu den heiligen Riten bei der Verehrung der mächtigen Götter hinzugetreten. Burchard von Worms meldet, daß die Mädchen in Hessen und am Rheine die kleinste aus ihrer Mitte entkleideten, mit Laub umhüllten und an die Stelle führten, wo Binsen wuchsen, ihr diese an die rechte Fußzehe banden und sie mit Laubzweigen in den Händen an den nächsten Bach geleiteten, mit ihren Büscheln Wasser über sie sprengten und schließlich im Krebsgänge heimzogen: alsbald ergoß sich Regen. Indische, griechische, römische, sla-vische und deutsche Bräuche stimmen darin überein, daß man bei Dürre Wasser ausgoß, um für das nächste Jahr hinreichenden Regen herabzulocken. Gleichfalls uralt ist die Sitte, einen in Laub gekleideten Mann oder eine nackte Jungfrau mit Wasser zu begießen, um durch das Begießen das himmlische Naß herabzuzaubern. Wie man sich die Wolken als Tiere vorstellte, so faßte man auch das ganze Himmelsgewölbe als ein Fell auf. Im Indischen schoß man bei der Sonnwendfeier Pfeile auf ein Kuhfell: die Schüsse sollten den Verschluß des Himmels öffnen und dem ersehnten Regen durch die entstandenen Öffnungen Durchgang verschaffen. Im Hochsommer bei anhaltender Dürre zogen die magnesi-schen Jünglinge, in Schafsfelle gekleidet, auf den Pelion zu Zeus; in Athen diente das Fell eines bei den Diasien geopferten Widders zu Sühnezeremonien. Die Langobarden verehrten einen Baum, der nicht weit von den Mauern von Benevent stand, als heilig; sie hängten ein Fell daran auf, ritten dann alle zusammen um die Wette, so daß die Pferde von den Sporen bluteten, hinweg, warfen mitten im Laufe mit Wurfspießen rückwärts nach dem Fell und erhielten dann jeder einen kleinen Teil davon zum Verzehren. Dieser Ort hieß noch im 9. Jhd. Votum (V. Barbati). — Die wichtigsten Formen des Sonnenzaubers sind das Scheibenschlagen oder Radwälzen, der Fackellauf zur Befruchtung der Felder und Obstgärten, und das Hindurchspringen und Hindurchtreiben von Menschen und Tieren durch das Feuer, um Gesundheit zu erlangen. Das Feuer wurde durch Drehung eines die Sonne darstellenden Rades oder einer Scheibe erzeugt: der Sonnenzauber soll der Vegetation Licht und Wärme sichern.

Eine besondere magische Kraft wohnt dem Wort inne; Gebet und Zauber gehören naturgemäß zusammen. Manche Zauberformeln reichen in ihrer Anlage in die indogermanische Urzeit zurück; der Merseburger Spruch gegen Verrenkung findet sich z. T. wörtlich im Indischen wieder. Der höhere Kultus hat sich ihrer bemächtigt, sie auf die grossen Götter übertragen, vertieft und dichterisch ausgestattet. Die Kraft des Zaubers wird erhöht, wenn die zu erreichende Wirkung mit Vorgängen aus der Götterwelt verglichen wird: die zauberische Macht, die den Göttern den erwünschten Erfolg brachte, wird in jedem ähnlichen Falle von neuem sich betätigen. Zaubersprüche gegen Krankheiten sind in England um 670 bezeugt; sie sind gewiß vom Festlande mit hinüber genommen. Im 7. oder 8. Jhd. werden in den nördlichen Teilen des fränkischen Reiches Zauberlieder erwähnt gegen Schlangenbiß, Krampf, allerlei Geschwüre, Durchfall, Bienenstich, Bandwurm und andere Eingeweidewürmer, Kopfweh, Hühneraugen, Rose, Stich des Skorpions, Nasenbluten, gegen Räude des Viehes, gegen Ungeziefer im Garten und Feld und gegen Behexung. Ein altsächsischer Spruch gegen Lähme des Pferdes lautet: „Ein Fisch schwamm das Wasser entlang, da wurden seine Federn (Flossen) verletzt, da heilte ihn unser Herr. Derselbe Herr, der den Fisch heilte, heile das Boß von dem Hinken Sächsisch und hochdeutsch ist ein Zauberspruch „gegen die Wurmsucht“; stechende Schmerzen schrieb man bohrenden Würmern zu. Die Krankheit soll in einen Pfeil gebannt werden, und wrenn der Wurm in ihn hineingekrochen ist, wird der Pfeil in den Wald geschossen:

„Geh aus, Wurm, mit neun Würmlein;

Heraus von dem Mark in die Adern,

Von den Adern in das Fleisch,

Von dem Fleische in die Haut,

Von der Haut in diesen Pfeil.“

Den altertümlichen epischen Eingang hat der Spruch gegen Pferdekrankheit aus dem 9. Jhd. bewahrt:

Ein Mann ging seinem Wege nach, zog sein lloß hinter sich drein;

Da begegnete ihm mein Herr mit seinem himmlischen Gefolge.

„Warum, Mann, gehst duf warum reitest du nicht?“

„Wie kann ich reiten! Mein Roß ist steif geworden.“

Dann zieh es hier bei Seite und raune ihm in das Ohr,

Tritt es an den rechten Fuß, so wird es von der Steifheit geheilt.“

In dem Münchener Nachtsegen zitiert der von den Geistern des wilden Heeres und des Alptraumes heimgesuchte Schläfer verschiedene Bibelstellen, die ihn vor den „klingenden Zaubergesängen“ der Unholde schützen sollen (vor den klingenden golden). Also auch feindlichen, Unheil bringenden Zauber kannten unsere Vorfahren und schrieben ihn tückischen Menschen und Mächten zu. Hier ist, wie schon bemerkt (S. 46), die Wurzel des heidnischen Hexenwahns zu suchen. Mit der Auffassung der Hexe als eines Geistes oder einer Mare sind Vorstellungen von irdischen, feindlichen Zauber treibenden Frauen vermischt.

Schon bei Bischof Burchard von Worms heißt es:

»Wer wird nicht in Träumen und nächtlichen Gesichten aus sich selbst herausgeführt, und wer sieht nicht vieles im Schlafe? Wer wäre aber so töricht und stumpfsinnig zu glauben, daß das alles, was bloß im Geiste geschieht, auch mit dem Leibe vorgehe?“ »Hast du getan, was gewisse Weiber zu tun pflegen und fest glauben, ich meine, daß, wenn ein Nachbar an Milch und Bienen Überfluß hat, sie den ganzen Überfluß an Milch und Honig sich und ihren Tieren oder wem sie wollen, mit Hilfe des Teufels, durch ihre Blendwerke und Zaubereien zuzuwenden glauben?“

Die Kirche hat keineswegs von Anfang an den Hexenwahn genährt, sondern den ganzen Glauben an Unholden, Hexen auf die Dummheit des Volkes zurückgeführt. »Hast du geglaubt“, heißt es weiter bei Burchard, »daß es ein Weib gebe, das zu tun vermag, was einige, vom Teufel getäuscht, tun zu müssen versichern: nämlich, daß sie mit einer Schar Teufel, die in die Gestalt von Weibern verwandelt sind, die die Dummheit des Volkes Unholden nennt, in gewissen Nächten auf Tieren reiten müssen und zu deren Gesellschaft gezählt werden?“ Burchard bedroht geradezu den Glauben an die Wirklichkeit der Hexerei mit Kirchenstrafen: »Hast du je geglaubt oder Teil gehabt an jenen, die sagen, sie könnten durch Verzauberung Wetter machen oder die Gesinnung derMenschen bewegen (ebenso Pr im in). Hast du geglaubt oder teilgehabt an jenem Wahn, daß ein Weib sei, das vermittelst gewisser Zaubereien und Beschwörungen die Gesinnungen der Menschen, so Haß in Liebe oder Liebe in Haß zu verwandeln oder die Güter derMenschen durch ihre Blendwerke zu rauben vermöge? Wenn du dies geglaubt oder daran teil genommen hast, hast du ein Jahr Buße zu tun.“

In diesen Zeugnissen des ll.Jhd. sind die drei charakteristischen Hexenmerkmale enthalten: sie fahren zur Nachtzeit aus und reiten durch die Lüfte, in verwandelter Gestalt, sie schädigen den Menschen und seine Habe, Feld und Flur, sie machen das Wetter. Der Hexenausritt, die Nachtfahrt der Unholden, verrät deutlich Ursprung aus dem Seelenglauben. Schon die Kirchenversammlung von Ancyra (um 900) erwähnt den Glauben an Hexenritte: „Verbrecherische Weiber glauben durch Verblendung des Teufels, daß sie nächtlicher Weile mit Diana oder Herodias und vielen Frauen auf Tieren reitend über weite Länder flögen und in gewissen Nächten zum Dienste jener heidnischen Dämonen berufen würden.“ Im Münchener Nachtsegen heißen die Hexen darum „die nahtvarn“, „die zünriten“ d. i. die auf dem Zaune Reitenden, und „die wege-schriten“, d. i. die einen Weg Schreitenden, die Umherschweifenden, oder die plötzlich auf den Wegsschreitenden, oder schrittlings auf dem Wege stehenden Gespenster. Die beiden ersten Namen müssen sehr alt sein, da sie auch im Nordischen begegnen (kveldridur, tünridur). Sie heißen auch Taustreicherinnen, weil sie in der Johannisnacht den Tau von den Wiesen sammeln. Die Hexe weicht vor dem Besen — denn vor dem fegenden Besen verläßt die Seele das Haus; aber die Hexe reitet auch auf dem Besen, denn die Seele hat hinter dem Herde ihren Wohnsitz, wo der Besen aufbewahrt wird. Als Seelen fahren die Hexen mit dem wilden Heere; ihre Schar, wie schwarze Wolken erscheinend, verdunkelt die Luft. Ein Jäger schoß hinein, und sogleich stürzte ein nacktes Weib tot herunter: das war die Hexe, die immer im Wetter ist. Nach Hexeuakten des 16. und 17. Jhds. versammeln sich die Hexen an Wasserbächen und Seen und schlagen solange hinein, bis Nebel aufsteigen, die sich allmählich in finstere Wolken verdichten: auf diesen Wolken fahren sie dann in die Höhe. Als seelisches Wesen verwandelt sich die Hexe in allerlei Tiere, die oft als dreibeinig bezeichnet werden. Unsichtbar schleicht sie als Alp durch ein Astloch aus und ein, drückt und quält den Schläfer, d. h. sie reitet auf ihm oder saugt ihm das Blut aus. Eine Bürgermeisterin zu Magdeburg litt 1592 an dem Alpdrücken: die Zauberin, die ihr den Alp angehext, wurde entdeckt und verbrannt.

Zu einem Knechte kam die Hausfrau in die Kammer, einen Zaum und eine Peitsche in der Hand, und warf ihm diesen über die Ohren. Da ward er plötzlich in einen schwarzen Hengst verwandelt, auf dem sie nach dem Blocksberge ritt. Schlag Zwölf kamen von allen Seiten die Hexen, auf Besenstielen, Ofengabeln, Feuerzangen, Dreschflegeln, Ziegen und Böcken reitend. Sie aßen und tranken und sangen. Beim ersten Hahnenschrei brach alles auf, die Hausfrau des Knechtes bestieg wieder ihr Pferd. An einem Wasser unterwegs hielten die Hexen an, um ihr Vieh zu tränken. Da warf der Hengst seine Reiterin in das Wasser, stand wieder als Mensch vor ihr, warf nun selbst den Zaum über den Kopf der Hexe, wodurch sie in eine schwarze Stute verwandelt wurde, und ritt weiter. Dabei kam ihm der Gedanke, sein Pferd beschlagen zu lassen; vier tüchtige Eisen wurden auf ihre Hufe genagelt, wobei sie sich gar jämmerlich anstellte. Am andern Morgen lag die Hausfrau krank zu Bette, und man fand an ihren Händen und Füßen vier blanke Hufeisen.

Lähmung und Geschwulst bei Mensch und Tier, Gelenkrheumatismus und Tobsucht schrieb man der Tätigkeit der Hexen zu. Das älteste Beispiel für den letzten Fall steht schon bei Dio Cassius (1715): Alemannen erzählten, Zauber-mittel angewendet zu haben, um den Kaiser Caracalla wahnsinnig zu machen. Hexenschuß, Alpschuß oder rnarg-schoß (Mahrschuß) heißen noch heute solche rheumatische Schmerzen, die man sich durch -eine Erkältung während des Schlafes zuzieht; der Name zeigt, daß sie der Volksglaube demselben Wesen zuschreibt, das im Alptraum erscheint.

Aus dem Alptraume stammt auch der Glaube, daß die Hexen Menschen aufzehren. Nach der lex Salica (etwa 500) steht Geldstrafe darauf, wenn eine Hexe einen Menschen aufgegessen hat: „Wenn eine Hexe einen Menschen aufißt, und es ihr bewiesen wird, so ist sie für schuldig zu erkennen, 8000 Pfennige oder 200 Schillinge zu zahlen“. Die Hexen bei den Franken im 6. Jhd. hantierten schon mit Hexenküche und Hexenkessel und kochten Menschenfleisch. Bei den heidnischen Sachsen war die übliche Strafe der Hexen der Feuertod. „Wenn jemand“, heißt es in einem Kapitulare Karls d. Gr., „vom Teufel verblendet, nach Art der Heiden glaubt, daß ein Mann oder eine Frau eine Hexe sei und Menschen verzehre, und wenn er deshalb sie verbrennt oder ihr Fleisch zum Aufessen hingibt oder es aufißt, so soll er mit dem Tode bestraft werden.“ Zauberer und Wahrsager aber sollen nur an die Kirchen und Priester ausgeliefert werden. Der Indi-culus verbietet, nach Heidenart zu glauben, daß Frauen, weil sie dem Monde befehlen, die Herzen der Menschen aus deren Körper herausnehmen könnten, um sie zu essen (Nr. 30: de eo, qttod credunt, qiiia feminae lunam comendent, quod possint corda hominum tollere iuxta paganos). Burchard von Worms eifert gegen den Glauben, daß man bei verschlossenen Türen auszugehen vermöge, die Menschen töten, ihre ge* kochten Herzen verzehren, an Stelle des Herzens einen Strohwisch oder ein Stück Holz einsetzen und sie wieder lebendig machen könne. Mit ihm fast gleichzeitig weiß auch Notker Teutonicus, daß hier zu Lande die Hexen wie die Menschenfresser tun sollen, und der Münchener Nachtsegen nennt neben den auf dem Zaune reitenden Hexen (zünrite) die manezzen, die Menschenfresser. „Pfi, ruft Bert hold von Regensburg, geloubestü, daz dü einem man sin herze üz sinem libe nemest und im ein strö hin wider stözest?“ Deutlich erhellt aus alle dem der altgermanische Hexenwahn, seine Bekämpfung durch das Christentum und die Unterscheidung zwischen Zauberern und Hexen. Der Bozener Dichter Hans Vintler sagt in seiner „Blume der Tugend“ zu Anfang des 15. Jhds.:

Mancher Dumme spricht,

Die Trude sei ein altes Weib

Und könne die Leute saugen.

Nach allgemeinem Volksglauben kann den Hexen nichts Entsetzlicheres nachgesagt werden, als daß sie auf Bergeshöhen in der Frühlingsnacht Menschen schlachten und ihr Fleisch, namentlich die Herzen, verzehren. Den Hexenwahn auf dem Standpunkte, wo man annimmt, daß die Seele eines Menschen aus dem Leibe wandern und andere Seelen aus gesunden Körpern in ihrem Blute verzehren könne (Vampyrismus), erwähnt noch Luther in den Tischreden: „Es schrieb ein Pfarrherr Georg Röser zu Wittenberg, wie ein Weib auf einem Dorfe gestorben wäre und nun, wie sie begraben wäre, fresse sie sich selbst im Grabe; darum wären schier alle Menschen im selben Dorfe gestorben“. Denn der erste, der an einer herrschenden Seuche stirbt, ist ein Nachzehrer; er sitzt im Grabe aufrecht und zehrt an seinem Laken, und das Sterben dauert so lange, bis er damit fertig ist, wenu mau ihn nicht vorher ausgräbt und ihm mit dem Spaten den Hals absticht. Schon im 11. Jhd. erwähnt Burchard von Worms, daß man die Leiche einer Frau im Grabe mit einem Pfahle durchstach, ohne Zweifel, weil man sie für eine Nach-zehrerin hielt (vgl. S. 38).

Etliche Hexen, heißt es weiter bei Vintler, fahren „mit der Var“ auf Kälbern und auf Böcken durch Stein und durch Stöcken:

Etliche bind so behend,

Daß sie fahren hundert Meilen,

In einer kleinen Weilen;

Sie brechen den Leuten ab Die Beine, wie ich gehöret hab’.

Auch der Münchener Nachtsegen erwähnt, daß die Hexen den Fuß abschneiden, die Sinne rauben, Fieber bringen und durch ihren unsichtbaren Tritt schmerzenden Krampf verursachen, wie der Hexenschuß die Wirkung eines unsichtbaren Geschosses ist. Ob der Glaube an die Buhlschaft der Hexe mit dem Teufel im deutschen Heidenturae wurzelt, ist noch nicht entschieden. Dafür spricht, daß auch der Alp sich mit Menschen verbindet. Die gotische Sage vom Ursprünge der Hunnen schreibt den Zauberweibern oder Hexen Verkehr mit Geistern zu (Jord. 121; D. S. Nr. 377): Filimer, der König der Goten, erfuhr von dem Aufenthalte gewisser Zauberweiber in seinem Volke, die er selbst in seiner Muttersprache Haliurunnen nannte. Da er sie für verdächtig hielt, vertrieb er sie und nötigte sie, fern von seinem Heere in Einöden umherzuirren. Dort wurden sie von unreinen Geistern, den Waldleuten, als sie in der Wüste umherschweifteu, erblickt; diese begatteten sich mit ihnen, und so entstand das wilde Volk der Hunnen. [Got. haljarüna = ags. helrün ist die mit höllischer Kunst begabte Zauberin, eigentlich die Totenbeschwörerin (S. 28)]. So sagt auch Vintler in seiner Aufzählung der Bestandteile des Hexenwahns: „Etliche glauben, der Alp minne die Leute“. — Die Hexen wechseln des Nachts die Kinder aus, sehen sie mit ihrem bösen Blick an, bewirken Verkrüppelungen und Verstümmelungen und schaden auch den Tieren. Sie stehleu der Kuh die Milch aus der Wammen oder das Schmalz aus dem Kübel, derweil man es rührt.

Sie trinken den Wein aus den Kellern verstohlen,

Dieselben heißet man Unhollen.

Wie Menschen und Tiere vom Alpdrücke gequält werden, so verfilzt die Hexe dem Pferde die Mähne, flicht unentwirrbare Zöpfe daraus und treibt es in Schweiß, so daß es morgens matt und abgeschlagen dasteht, wie wenn es die ganze Nacht abgehetzt wäre. Weil die Hexen den kalbenden und milchenden Kühen nachstellen, heißen sie auch Molkentöwersche, Molkenzauberinnen, die untreuen Molken Stehlerinnen: sie färben die Milch rot oder vertreiben sie völlig. Als Taustreicherin streift die Hexe in der Mainacht den Tau von der Wiese, um der Herde den ersten Weidegang zu verderben. Sie bringt Scharen von Ungeziefer über ein Gehöft oder über eine ganze Gegend, verbreitet Seuchen unter Menschen und Vieh, und schädigt die Ernte. Wenn nächtlicher Frost die Blüten des Weines und des Obstes versengt, ein Hagelwetter die Ernte niederwirft, so hat die Hexe das Unheil angerichtet. Nach bayerischem Volksrechte wird die aranscarti, Erntescharte, d. i. niedergelegte Streifen im Getreidefeld, durch Hexerei verursacht und mit 12 Solidi bestraft. Außerdem hat der Urheber für jeden Schaden zu haften, der Haus, Gut oder Vieh des Eigentümers binnen Jahresfrist trifft. Eine Buße von 40 Schillingen wird dem angedroht, der gestohlenes Gut, besonders Pferde und Vieh, durch Zauberkünste außer Landes entführt oder verbirgt. Die Hexen kochen Hagel, sagt man noch heute in der Schweiz. Zauberer, Wettermacher und Feldbehexer stehen in den Verordnungen der Kirche neben einander. Nach westgotischem Rechte werden Wettermacher zu Haut und Haar bestraft und entweder vom Richter durch Einkerkerung oder nach dem Ermessen des Königs unschädlich gemacht. Die bayerische Synode von Reisbach (799) bestimmt: Der Presbyter hat gegen solche, die wahrsagen, zaubern und Wetter machen, vorzugehen und soll sehen, sie durch sorgfältigste Untersuchung zu einem Bekenntnis zu zwingen. Bei Vintler heißt es: „Viele sagen, die Hexen können Ungewitter machen, auch wohl Regen hin und her wenden“. Um Regen hervorzurufen, bedient sich die Hexe eines Zweiges oder Stabes.

Daß man sich die Hexen in der Urzeit nackt vorstellte, und daß die Nacktheit bei dem Wetterzauber erforderlich war, geht daraus hervor, daß die Hexen splitternackt aus den Wolken herunterstürzen, wenn der von ihnen erregte Zauber zerstört wird. Wiederholt begegnet die Neunzahl bei der Ausübung der Hexerei. Die Hexen brauchen neun Kräuter zu ihren Zaubermitteln, neun Steine zur Beschwörung des Unwetters. Wenn man in der Christnacht auf einem Schemel von neunerlei Holze knieet, kann man die Weiber erkennen, die Truden oder Hexen sind. Die Katzen verwandeln sich in Hexen, wenn sie neun Jahre alt sind. Ein altes Weib, das ein junges Mädchen zur Hexerei verführen wollte, bestellte dieses in die neuute Nacht.

Wie die Seelen und Maren erkennt man die Hexen an zusammengewachsenen Augenbrauen, roten, triefenden Augen, dem watschelndem Gange, denn sie haben Plattfüße, Drudenfüße, und daran, daß sie einem nicht ins Gesicht sehen und über keinen Besen hinwegschreiten können. Sie können nicht weinen, ihre Gesichtsfarbe ist fahl, ihr Haar verwirrt und struppig, ihr ganzer Leib mager, doch gibt es auch junge und schöne Hexen. Die Hexe im Märchen von Schneewittchen (K. H. M. Nr. 53) nimmt die Gestalt eines alten Weibes an und bereitet den Giftkamm.

Auf abgebrochenen, starr emporragenden Felsen halten die Hexen ihre Zusammenkunft mit Tanz und Schmaus. Ein solches abgebrochenes Felsstück hieß urgerm. *bruklaz, daher sind die Brockelsberge = Blocksberge die Versammlungsorte der Hexen. Der Brocken im Harz ist schon 1438 Hexentanzplatz. Andere Blocksberge sind in Mecklenburg, Preußen und Holstein. In Thüringen versammeln sich die Hexen auf dem Hörselberg und auf dem Inselsberg, in Hessen auf dem Bechelberg, in Franken auf dem Staffelstein; an den Jaberg und den Fuchsberg bei Hilden am Rhein heftet sich noch jetzt der Hexenglaube. Sicher waren die alten Blocksberge auch ehemalige Kultstätten, wo den seelischen Geistern geopfert wurde. Schon die Hauptzeiten der Hexenversammlungen: die Nacht vom letzten April zum 1. Mai, die Walpurgisnacht, die zwölf Nächte und die Johannisnacht zeigen, daß wir es mit alten Opferfesten zu tun haben. Überhaupt bewahrt die Beschreibung des Hexensabbats deutlich die Erinnerung an heidnische Opferfeiern, die auf Bergeshöhen gehalten werden, besonders an die Opferfeste der Weiber. Wenn die Hexen den nackten Körper gesalbt haben, fahren sie in Weibsgestalt oder in Tiere verwandelt durch die Luft nach dein bestimmten Festplatze, einem Berge oder auch einer Wiese. Dort schlingen sie den Reigen, den Hexentanz, und führen wilde Tänze auf, schlachten das Opfer und schmausen in toller Gier; namentlich ist es ein Pferde- und ein Menschenopfer, und die Herzen gelten als besonderer Leckerbissen. Schon die Lex Salica deutet auf ein gemeinsames Kochen der Hexen. Strafen werden über den verhängt, der einen Mann Hexenkesselträger, einen, der sich dazu hergibt, den Hexen ihr Gerät zu tragen, schimpft (hereburgius hoc est strioporcio). Die volkstümlichen Schilderungen haben den zum Opferfest gehörenden Reigen und die Opfermahlzeit bis heute festgehalten.

Die Germanen kannten männliche und weibliche unheimliche Geister. Der Münchener Nachtsegen begreift unter den nahtvarn auch die um Wütan und den Alp gescharten Gespenster, kennt also wohl auch das Masculinum „der naht-vare“ neben dem Femininum „diu nahtvare“. Die Gesamtheit der das Gebild von Menschenhand hassenden Wesen nannte man „Unhold“, das Bösgesinnte, Feindliche. Aber schon bei den Goten muß der Glaube an weibliche Wesen überwogen haben; denn Wulff  übersetzt das griechische daipiov, daipoviov mit dem fern, unhol^ö, seltener gebraucht er das Masc. unhul£>a. Ein anderes Collectivum zur Bezeichnung der unheimlichen Mächte scheint mhd.: „daz getwas“ gewesen zu sein (Betörung, das Betörung wirkende): der Zustand ist in ein mythologisches Wesen verwandelt, das diesen Zustand herbeiführt. Der München er Segen bezeichnet das gesamte Hexengesindel als „unreiniz getw&z“. Aus einem Gedichte des 14. Jhds. „Irregang und Girregar“ geht der Zusammenhang des Hexenwahnes mit dem Alptraume hervor. Als ein Vater tobt, daß ein Fremder bei seiner Tochter gewesen sei, beruhigt ihn seine Frau damit, daß ein böser Traum ihn gequält habe:

Dich hät geriten der mar,

Kin elbischez äs.

Du solt daz ttbele getwäs Mit dem kriuze vertriben.

Der Mann meint freilich: die Weiber sagten immer, wenn den Männern etwas begegne, ein Alp betrüge sie, aber endlich glaubt er doch, daß er von Übeln Ungeheuern genarrt sei. Der heute fast ausschließlich noch bekannte Name Hexe heißt ahd. hagzissa, hagazussa, hagzus, ags. haegtesse, mndl. haghetisse, mhd. hecse oder ahd. häzus, häzissa. Das Wort wird meist als ein Compositum aufgefaßt, aber seine Bedeutung ist noch nicht völlig aufgeklärt. Man hat an das Ad-ject. haga* gedacht: das kluge, verschmitzte Weib, oder an hac Wald, Hain: Hage Dise= Waldweib, oder bei dem zweiten Teile an altengl. tesu, Schade, Frevel, tesvian verderben = Waldfrevlerin, Feldschade. Neuerdings geht man umgekehrt von der kürzeren Form aus: hazusa ist eine alle Partizipialbildung zu ahd. hazzen, got. hatan, d. i. hassen; *haga—hazusa ist also die Hassende im Hag, im Walde = die hassende, feindselige Waldfrau. Aber ein Zusammenhang der Hexen mit dem Walde ist nur schwach bezeugt. In der Kaiserchronik (12. Jhd.) wird eine Frau Hexe gescholten und ihr zugerufen: Dü soltest pilltcher dä ze holze varn,

Danne di mägede hie bewarn;

Dü bist ain unholde, —

und im Märchen von Hansel und Gretel (K. H. M. Nr. 15) haust die böse Hexe im wilden Walde und lauert den Kindern auf, tötet sie, kocht sie und ißt sie auf. Selbst wenn man für Hag die ursprüngliche Bedeutung annimmt, „umhegte Flur“, die Hexe also als die Feld und Flur Anfeindende,
Schädigende erklärt, bleibt immer ein grammatisches Bedenken: der Stammvokal von häzus ist lang, wie sich schon aus dem Fehlen des Umlautes ergibt. Daran scheitert auch die Deutung: hagazessa = Schlagwetter, Unwetter, die Personifikation des aufziehenden Sturmes und Wetters (hag gehört zu einem verschollenen Verbum = schlagen; ahd. zessa, mhd. zcsse = Sturm). Geiler von Kaisersberg nennt die Hexe eine „Zessenmacherin“ == Sturmerregerin; aber dies Wort hat mit der ahd. Form nichts zu tun. Somit bleibt für den ersten Teil des Compositums nur das Adjectivum haga übrig = schattenhaft, gespeusterhaft und für den zweiten Teil die idg. Wurzel „des“ anfeinden (skr. däsyus, ags. tesu Schaden), die Hexe ist also die gespenstische Schädigerin. Diese Erklärung ist außerordentlich ansprechend, aber leider ist diese Bedeutuug nur erschlossen, nicht tatsächlich bewiesen. Neuerdings unterscheidet man zwischen der Hexe der heidnischen Zeit, die wirklich ein dämonisches Wesen war, ein „spottendes, höhnendes“ Gespenst, die „Gauklerin“, (*hagat zu xjjpafo) „schmähe“, skr. käkkati „lacht“) und zwischen der Hexe der jüngeren Zeit, die ein Zauberei treibender Mensch war: die meisten Bestandteile von dem, was wir volkstümlichen Hexenglauben nennen, scheinen romanischen oder durch die romanische Welt vermittelten orientalischen Ursprunges zu sein.

Die Bezeichnung Truden für Hexen ist bis heute in Oberdeutschland üblich. In Österreich sagt man: „Es hat mi die Trud druckt“. Sie kann ungeheure Größe annehmen, aber sich auch ganz klein machen, kommt des Nachts in die Häuser und drückt die Leute oder quält das Vieh im Stalle. In Tirol, an einem Bergabhange des Matscher Tales, am „Trudenfuß“, ist die Stapfe eines rechten Fußes einer Steinplatte eingedrückt, und an der jenseitigen Talwand befindet sich ein linker Fußtritt. Diese Spuren rühren von der „großen Trude“ her, die hier saß, aufstand und übers Tal wegschritt. Der Drudenfuß, d. h. der Abdruck der ineinander geschränkten Füße einer Drude, gilt noch heute als Abwehrmittel gegen böse Geister, besonders gegen den Alp. Er wird an der Wiege und an der Tischplatte angebracht, auch an der Schwelle, und hat die Gestalt des sogenannten Pentagramma.

Der Drudenfuß auf Faustens Schwelle verwehrt Mephistopheles das Entweichen. Die „große Trude“ kennt vielleicht auch der Münchener Nachtsegen, wo sie als Trutan (trut-an Stammmutter der Truden) neben Wütan erscheint, wenn der Name nicht slavisch ist. Truden sind also Hexen, bei denen die Tätigkeit des Alps besonders hervortritt. In Oberdeutschland ist dann der Name auf den Alp übergegangen.

Neben der Hexe erscheint in Beichtbüchern des 14. und 15. Jhds. der Bilwis; der, wie es scheint, slavische Name ist auf ein deutsches männliches Seelen wesen übertragen. In ganz Süddeutschland gilt der Bilwisschneider noch heute für einen Hexenmann. Unter denen, die keinen Zutritt zum Abendmahl haben, werden auch die genannt, „die da sagen, daß sie mit der Perchta, den Bilbissen oder Truden auf den Blocksberg fahren“; der Bilwis befindet sich also in der Gesellschaft nächtlich ausfahrender Hexen. Wie man die langen Streifen, die sich der Hase im hohen Getreide durchbeißt, noch heutzutage für Hexenwerk ansieht und mit dem Namen Hexenstiege belegt, so holt sich der Bilwis seinen Zehnten von Korn und Roggen und schneidet lange Streifen durchs Getreide, den sogen. Bilmesschnitt. Wie von der Hexe, so weiß man in Thüringen von dem tödlichen Blicke des Bilmesschnitters: will ihm einer aufpassen, so muß ersterben, wenn der Schnitter ihn früher, als er jenen, erblickt; so mörderisch ist sein Blick, daß man ihn selbst damit töten kann, indem man einen Spiegel vor die Brust nimmt: erblickt sich der andere darin, so verliert er sein Leben; bei Wolfram von Eschenbach schießt er wie ein elfischer Geist, wie eine Hexe durch die Kniee und lähmt Fliehende (Willehalm 324, 6). Er entzieht gleichfalls den Kühen die Milch, hat seinen Sitz im Baume, besorgt im Stalle die Pferde und flicht ihnen die Mähnen, verfilzt sie aber auch. Wo der gespenstische Schnitter durch die Felder geht, werden die Halme braun und die Ähren ohne Körner. Wenn er mit ausgebreiteten Armen durch die Äcker wandert, steigt Rauch hinter ihm auf, und
alle Ähren, die er berührt, tragen statt Mehl Asche. Er reitet wie die Hexe auf einem Geisbocke mit drei Füßen und legt breite verwüstete Streifen durch das Getreide, oder er schwebt über den Äckern, die Schnittsichel am Geißfüße, und wo der Fuß das Korn berührt, verschwindeu die Ähren und der gestutzte Halm wird schwarz; von einem solchen Felde sagt man, es sei verhext. Alle Körner fliegen beim Dreschen durch die Luft in die Scheuer des Zauberers, oder in die des Bauern, dem er als Hausgeist dient. „Für dy Pilbis“ soll man den Kindern Zettel um den Hals binden mit der Aufschrift: „von dannen weicht, ihr Träume, ihr schädlichen Gespenster“. Der Zusammenhang mit dem Seelen- und Alpglauben ist offenbar. Darum kann man auch Menschen erkennen, die diesen unheilvollen Zauber treiben: sie haben vorne auf dem Kopfe keine Haare und eine hohe, spitze Stirn. Wenn man einen Keil von geweihtem Wacholderholz in die Tenne einschlägt, so muß der Bilwisschnitter kommen: es ist gewöhnlich ein Nachbar. Ruft man ihn beim Erkennen mit Namen an, so muß er wie alle Nachtgeister sterben. Aber durch Opfer kann man ihn günstig stimmen. Man wirft beim Dreschen Wacholder nach links und ruft: „nimm, was dein ist“, sonst laufen die Körner dem Bilwis zu. Wenn man in der Christnacht das Getreide drischt, so trifft jeder Schlag des Flegels den Bilwisschnitter auf den Kopf.

Deutsche-Mythologie-BuchdeckelAuch hier ist der Glaube an die zauberische Kraft mancher Menschen und an ihre Fähigkeit, die Gestalt zu tauschen, sowie die Überzeugung vom Fortwirken der Seele wie beim Hexenwahne die Grundlage. Der Bilwis ist, wenn man den Namen aus dem Deutschen herleiten darf, der, „der das Wissen liebt, der dem Wissen holde“ (ahd. bili = gp/Aos lieb), eine passende Bezeichnung eines mit bevorzugten Geisteskräften Ausgestatteten, eines Zauberers; bei einseitiger Hervorhebung des zum Schaden der Menschen angewandten Wissens ergab sich die Bedeutung eines feindlichen Wesens von selbst. Noch im Mittelalter wird der Bilwis den Zauberern und Schwarzkünstlern gleichgestellt.

Germanenherz aus dem Buch: Deutsche mythologie in gemeinverständlicher darstellung (Paul Herrmann 1906)

ergänzend

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Die Schwarze Sonne von Tashi Lhunpo

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Kulturbringer Odin, Allvater, Wotan

Einsam sind die tapferen und die Gerechten. Doch mit ihnen ist die Gottheit. Odin, Allvater, Wotan. Gar viele Namen hat Allvater, stetig wacht der Vater aller Götter. Sei Dir bewusst, dass der absolut unkriegerische, große Fragende und Reisende Gott der … Weiterlesen

Die weisen Frauen Hagedisen – Hexen

 Die erfolgreiche Vorgehensweise und die überzeugenden Ergebnisse der heilkundigen Frauen stellten eine große Bedrohung für das aufkommende Christentum, sprich die Kirche dar. Denn diese Frauen verließen sich mit ihren außergewöhnlichen Begabungen eher auf ihre Sinne und Erfahrungen als auf die … Weiterlesen

Die Entdeckung Amerikas durch die Nordgermanen

Germanenherz-Viking-kort Der 400jährige Gedenktag der Entdeckung Amerikas hat allerorten diesseits und jenseits des Oceans Schriften hervorgerufen, in denen die Heldentat des Kolumbus und die Bedeutung der neuen Welt für die Kulturentwicklung der alten gefeiert wird. Bei solcher Gelegenheit wird auch zugleich mit ein Blick auf die vorkolumbische Entdeckung Amerikas geworfen, denn dass die Nordgermanen schon Jahrhunderte vor den Spaniern ihre Schiffe an Amerikas Küste getummelt haben, ist anerkannte Thatsache, an der heute kein Verständiger mehr zweifelt. Ja, es sind Schriften entstanden, es sind Reden gehalten worden, die ausschliesslich diesem Thema galten. Noch jüngst veröffentlichte eine solche Monographie E. Gelcich in der Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, in der der Verfasser wohl berechtigte Zweifel an die Berichte der alten Nordländer knüpft, da eine unbefangene Beurteilung der Quellen auf zu grosse nautische Unwahrscheinlichkeiten stosse. Und doch haben diese nur ihren Grund in einer falschen Auffassung der Quellen; man fusst immer noch auf dem ungesichteten Material, wie es in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts Rafn, Finnur Magnüsson und andere zusammen getragen haben,3) ohne die neueren Forschungen von G. Storni zu berücksichtigen, die allein einen Lichtstrahl in das Dunkel verwirrender Berichte werfen.

In Boston wurde am 29. Oktober 1887 ein Denkmal enthüllt, an dessen Sockel sich ein Drachenhaupt erhebt, die Stevenzierde der alten Wikingerschiffe, und auf dessen Postament die starkgliedrige Gestalt eines Normannen steht, angethan mit enganliegendem Panzerhemde, die linke Hand vor die Stirn haltend, als spähe er forschend in die Ferne, und in der rechten das Trinkhorn, für den Amerikaner das symbolische Zeichen altgermanischer Abstammung. Auf des Würfels vorderer Seite steht in Runen eingegraben:

Leifr hinn heppni

Eiriks sunr

das ist ..Leifr der Glückliche, der Sohn Eiriks“. Dieser Leifr ist es gewesen, an dessen Namen sich die erste germanische Entdeckung des nordamerikanischen Festlandes knüpft. Leifr war ein nordischer Wikinger vom Fuss bis zum Scheitel. Auf Island geboren, in Grönland aufgewachsen, unternahm er von dort aus seine Handelsfahrten nach Norwegen. Hier wurde er wegen seines entschlossenen Charakters und seiner Intelligenz Gefolgschaftsmann des Königs Olaf Tryggvason, des eifrigsten Verteidigers der christlichen Religion, und kehrte als solcher in seine grönländische Heimat zurück, mit dem Aufträge seines Königs, hier unter dem Beistände eines christlichen Priesters den neuen Glauben vom menschgewordenenGottessohne zu verkünden und einzuführen. Seine Zeitgenossen nannten ihn den Glücklichen, denn er hatte nicht nur die Einführung des Christentumes trotz dem Widerspruche seines Vaters auf Grönland durchgesetzt, sondern er hatte auch Vinland hin göda, das ist das treffliche Weinland, auf jener Rückkehr von Norwegen gefunden und auf der Heimkehr von hier schiffbrüchige Isländer, denen er das Leben gerettet hat. Seine Erzählungen von dem herrlichen Lande, in dem das Getreide ungesät und der Weinstock wild wachse, lockten bald andere und veranlassten jene grosse Entdeckungsreise, aus deren Bericht wir ein klares Bild über die neugefundenen Länder erhalten. Von Grönland ging diese Expedition aus, nach Grönland kehrte sie zurück. Die Entdeckung und Besiedlung-Grönlands ist daher die notwendige Vorstufe, die uns das Verständnis der Fahrt nach den südlicheren Ländern Nordamerikas erst eröffnet. Bevor ich auf beides eingehe, muss kurz der Quellen gedacht werden, aus denen wir die isländisch-norwegischen Westfahrten schöpfen, denn von ihrem Werte allein hängt die Glaubwürdigkeit des Berichtes ab.

Wie in Deutschland die Helden der Völkerwanderung und ihre Thaten im Volks- und Sängermunde fortlebten und sich von Geschlecht zu Geschlecht vererbten, so liess auch der Nordgermane, namentlich der Isländer, seine Heldenzeit, die Zeit der Wikingerzüge, nicht in Vergessenheit versinken. An den langen Winterabenden erzählten es die Alten den Jungen, oder der Sagamann stand im Kreise fröhlicher Genossen auf und berichtete in gewandter Form, was er über vergangene Geschlechter erfahren hatte. Allerdings geschah es nicht wie in Deutschland in Reimen und künstlich gebauten Strophen, sondern in schlichter Prosa, aber meist wahrheitsgetreu, wie man es selbst von Augenzeugen direkt oder indirekt vernommen hatte. Im nordwestlichen Europa war einer der wichtigsten Schauplätze dieser Ereignisse, und Island war die Zufluchtsstätte manches Wikingerhelden. Der rege Verkehr der Isländer mit dem Osten, namentlich mit Norwegen und Dänemark, und das ihnen angeborene Talent zum Erzählen brachten die Kunde auch in diese Länder. So enstand und lebte die isländische Saga, das heisst die Erzählung mit historischer Grundlage, bis im Beginn des 12. Jahrhunderts Ari der Vielkundige in seiner islendingabök zum ersten Male die Geschichte seiner Insel zu Pergament brachte. Diesem Ari verdanken wir die älteste isländische Aufzeichnung über die Entdeckung Amerikas. In jener Islendingabök, das heisst dem Buche über die Isländer, erzählt er uns, wie im Jahre 985 n. Chr. —- 15 Jahre vor Einführung des Christentums auf Island — Eirikr der Rote von Island aus westlich gefahren sei und Grönland, das ist Grünes Land, gefunden habe. Das neuentdeckte Gebiet sei deshalb von Eirik so genannt worden, weil er gehofft habe, durch den schönen Namen Landsleute dahin zu locken. Dort habe man auch menschliche Wohnstätten — aber keine Menschen! — an-getroffen und ebenso Überreste von Lederkähnen und Werkzeuge aus Stein. Aus letzteren habe man geschlossen, dass einst hier dasselbe Volk gewohnt haben müsse, dessen Bekanntschaft man in Vinland gemacht und die man hier Skrtxlingxir genannt habe.*) Über Vinland steht in der uns erhaltenen Islendingabók weiter nichts, allein schon die Erwähnung des Namen setzt voraus, dass auch Ari über die Fahrten dahin Kunde gehabt haben muss. Für uns ist bei diesem Berichte von besonderer Bedeutung, dass Ari hinzufügt, er verdanke diese Nachricht seinem Oheim Thorkel, der sie von einem Manne erfahren habe, welcher selbst Eirik dem Roten nach Grönland gefolgt sei. Wir haben demnach in Aris Worten den indirekten Bericht eines Grönländers aus der Zeit Eiriks und Leifs, und Aris Gewissenhaftigkeit lässt uns an der Glaubwürdigkeit desselben um so weniger zweifeln, als chronologische Unmöglichkeiten nicht im Wege stehen und Thorkels Berichte sich auch sonst durchaus glaublich erweisen. Wir können demnach diesen Bericht mit gutem Rechte der ersten Hälfte des n. Jahrhunderts zuweisen.

Neben diesen klaren Worten Aris gehören noch demselben Jahrhunderte an die ziemlich wirren Nachrichten Adams von Bremen, der um 1070 am Hofe des dänischen Königs Svend Estridsen, des vielkundigen Mannes, in dessen Gefolge sich auch isländische Skalden befanden, den Stoff zu seiner Hamburger Kirchengeschichte sammelte. Im 4. Buche derselben, in der Descriptio insularum aquilonis, erzählt er von Grönlands ungastlicher Küste, wo Seeraub an der Tagesordnung und wohin vor kurzem das Christentum gekommen sei. Er berichtet dann weiter von dem schönen Winland, wo der Weinstock wild und das Getreide ungesät wachse.

Germanenherz-Toto-Haas-Banner-kleinVon Grönland wird dann in den folgenden Jahrhunderten häufig in den Sagas berichtet, namentlich in den Islendingasogur, wo von Isländern die Rede ist, die sich hier längere oder kürzere Zeit aufgehalten haben. Besonders in Betracht kommen die Eyrbyggjasaga, die Flöamanna-, Fostbrcedra-, Gi’sla Sürssonarsaga und mehrere Sagas norwegischer Könige. Dazu kommen bis ins 15. Jahrhundert hinab die Verordnungen der norwegischen Regenten in Bezug auf Grönland, die der Päpste, der Erzbischöfe von Hamburg, Lund und Throndheim. Ebenso erwähnen die isländischen Annalen Grönland sehr oft, und der norwegische Königsspiegel, den König Sverrir um 1200 verfasst hat, sowie geographische Werke des 13. und 14. Jahrhunderts geben uns über dies Land eingehende Beschreibungen, an deren Zuverlässigkeit schon ein Vergleich mit der heutigen Beschaffenheit und Natur des Landes nicht zweifeln lässt. Hierzu treten endlich noch Steine mit Runeninschriften und Überreste altisländischer Bauwerke, die man namentlich an der Westküste jener grossen Insel gefunden hat und die höchstwahrscheinlich nur der Wikingerzeit angehören können. Somit geben uns die Quellen über Grönland ein vielseitiges und genaues Bild.

Anders steht es bei Vinland. Dies Land ist nie wie Grönland kolonisiert worden. Man hat es wohl wiederholt aufgesucht oder aufsuchen wollen, doch hat man sich niemals dort niedergelassen, weil sich die Isländer den Skraelingern gegenüber nicht gewachsen fühlten. Vom Versuche der Besiedlung dieses Landes besitzen wir nun. — abgesehen von gelegentlichen Bemerkungen, aus denen sich nichts gewinnen lässt — zwei Darstellungen, die eine aus dem Ausgange des 13., die andere aus dem Ende des 14. Jahrhunderts. In ihren Grundzügen stimmen wohl beide überein und decken sich mit den kurzen Bemerkungen Aris und Adams von Bremen, im einzelnen aber weichen sie fast ganz voneinander ab. Der ältere Bericht liegt vor in der Saga von Eirik dem Roten, er ist klar und geographisch wie ethnographisch durchaus einleuchtend, der jüngere dagegen, die Erzählung von den Grönländern, ist verwirrend, eine kompila-torische Arbeit aus der Zeit, da man auf Island schon besondere Freude an allen möglichen fabelhaften Geschichtchen fand, meist ganz unwahrscheinlich, ja unmöglich. Gleichwohl hat man bisher nach Rafns Vorgänge gerade den letzten Bericht für die vorkolumbische Entdeckung des nordamerikanischen Festlandes zu Grunde gelegt. Hieraus erklärt es sich, dass der Zweifler an der Echtheit der nordischen Quellen nicht weniger geworden sind; der Skepticismus vieler bei der Errichtung jenes Denkmals in Boston findet seine Entschuldigung, denn das Gebiet von Boston oder überhaupt einen Strich der Vereinigten Staaten hat kein Normanne betreten. Es ist G. Storms unbestrittenes Verdienst, jenes Phantasiegebilde einer unkritischen Zeit vernichtet und an seine Stelle zu einem naturgetreuen, wahren Bilde den Weg gewiesen zu haben.

Südlich vom heutigen Stavanger in Norwegen, auf dem Küstenstriche, der sich nach Ekersund hinzieht und der noch heute ob seinem von Steinwällen durchzogenen Moorboden den Eingebornen zwingt, mit der Rauheit der norwegischen Natur zu kämpfen, ist die Heimat Eiriks des Roten und seiner Familie. Er selbst ist ein echtes Kind dieser Heimat und seines Geschlechts. Sein Vater war wegen Totschlags des Landes verwiesen, mit dem kaum erwachsenen Eirik geht er nach Island und lässt sich hier am Ostgestade der nordwestlichen Halbinsel nieder. Nach seines Vaters Tode siedelt sich Eirikr weiter im Süden, nicht weit vom Hvammsfjord an, wo schon andere angesehene Bonden Norwegens eine neue Heimstätte gefunden hatten. Bald muss er aber selbst wegen Totschlags diese Gegend, den Haukadal, verlassen und auch auf den kleinen Inseln, die südlich am Eingänge der Hvammsljord liegen und auf die er geflüchtet war, ist seines Aufenthalts nicht länger, nachdem er hier ebenfalls Händel gesucht und gefunden hat: er wird trotz dem Rechtsbeistande verschiedener angesehenen Männer jener Gegend auf dem Thomesthinge flir friedlos erklärt. In seiner Ratiosigkeit gedenkt er einer Kunde, die er vernommen hat: westwärts von Island war einst ein Isländer, Gunnbjörn, auf entfernt gelegene Inseln verschlagen worden, von denen aus er weite Strecken Landes und mächtige Gletscher gesehen habe. Als Gunnbjarnar skirr, „Scheeren des Gunnbjörn“, lebten die Inseln im Volksmunde fort und mit ihnen zugleich die Sage von einem grossen Lande im Westen. Dorthin beschliesst Eirikr mit seinen Genossen zu fahren. Vom äussersten Südwestvorsprunge am Breidiijord segelt man hinaus in das Meer nach Westen und gelangt auch glücklich nach der Ostküste von Grönland an den mächtigen Eisberg, dem Eirikr den Namen Midjokul, das heisst „mittlerer Gletscher“, gegeben haben soll, der aber später wegen seiner schmutzigen Farbe den Namen Bläserk, das ist Schwarzmantel, erhalten habe. Wir merken, dass schon hier der Bericht etwas unsicher wird; noch weiter getrübt und infolgedessen unklar erscheint er aber im folgenden. Jedenfalls ist es durchaus unwahrscheinlich, dass Eirikr schon dem Gletscher den einen oder den andern Namen gegeben habe, denn Bläserk kann man ihn doch erst genannt haben, als man weiter im Süden den blendend weissen Hvitserk (Weissmantel) gefunden hatte, und Midjokul. als man in Erfahrung gebracht hatte, dass  noch weiter im Norden sich ein mächtiger, schier unpassierbarer Eisberg erhebe. Dies Bild von Grönlands Ostküste kennen erst spätere Quellen. So erfahren wir z. B. aus der Gripla, einem verloren gegangenen Werke geographischen Inhalts, das wir noch in Auszügen besitzen,1) dass sich an Grönlands Ostküste drei grosse Eisberge erhoben hätten, von denen der nördliche ganz unpassierbar wäre, der mittlere könnte in einem halben Monate, der südlichste, der Hvitserkr, dagegen in einer Woche umfahren werden. An letzterem wende sich überhaupt die Küste, die bis dahin südwestlich gelaufen, nach Norden; zugleich befinde sich der Hvitserkr von all diesen Gletschern dem bewohnbaren Lande am nächsten. Es unterliegt demnach keinem Zweifel, dass wir den Hvitserk in unmittelbarer Nähe des heutigen Kap Farvel zu suchen haben, der Bläserkr aber ist aller Wahrscheinlichkeit nach jener schneelose Eisberg, der sich an Grönlands Ostküste 64° 18′ nördlicher Breite erhebt und der fast rein westlich vom Snaefellsjokul auf Island gelegen ist. Ob nun Eirikr so weit nördlich an der Ostküste Grönlands gelandet ist, ist zum mindesten fraglich. Auf alle Fälle hätte er ein Glück ohnegleichen gehabt, wenn er sich mit seinem Wikingerschiffe so schnell nach Süden durchgearbeitet hätte, wie aus der Saga zu entnehmen ist Auch steht im schroffen Widerspruche dazu der Bericht von der Expedition Thorgils, der aul Eiriks Veranlassung nach Grönland kam, aber den richtigen Kurs jedenfalls nicht traf und infolge der Eisberge an der Ostküste seine Schiffe und fast alle seine Leute verlor. Durch diese Fahrt ist höchstwahrscheinlich erst der nördlichere Teil von Grönlands Ostküste bekannt geworden, da ja Thorgils seine alten Tage auf Island verlebte und hier sicher viel von seinen Irrfahrten und von der ungastlichen Gegend erzählt hat .

Es lässt sich, glaube ich, nicht mit Bestimmtheit sagen, wo Eirikr zunächst gelandet ist. Jedenfalls hat ihn die Ungastlichkeit des Bodens gezwungen, die Fahrt weiter nach Süden zu wenden. Die folgenden Sommer scheint ein unstetes Hin-und Herfahren Eiriks an Grönlands Westküste ausgeflillt zu haben, bevor er endlich bewohnbares Land fand, wo er sich mit den Seinen niederliess. Auf der Eiriksey, für deren Lage wir gar keinen festen Anhaltspunkt haben, verbringt er den ersten Sommer. Sie soll in der Mitte der westlichen Ansiedlung (bygd) liegen, was aber unter dieser westlichen Ansiedlung selbst zu verstehen ist, hat man noch nicht genügend zu erklären vermocht. Von hier aus dringt er in den Fjord vor, der der Insel vorlagert und schlägt dort vorübergehend seine Wohnstätte auf. Dann segelt er weiter nordwärts in unbewohnbare Gefilde und giebt einzelnen Stätten Namen. Der Herbst treibt ihn wieder südwärts; in der Nähe der Südspitze Grönlands auf einer Insel, die er Eiriksholm nennt, verlebt er den Winter. Das neue Jahr lässt ihn wieder nach Norden fahren; er kommt an den Rabenfjord, den mächtige Schneeberge umrahmen. Bald sieht man ein, dass hier keine Wohnstätte zu finden ist, und so fährt denn Eirikr wieder nach Süden, um auf der Eiriksinsel, die sich vor dem kleinen Eirikstjord befindet, zu überwintern.

Eirikr der Rote ist einer der kühnsten Seefahrer gewesen. Aber er hat mit seinem Suchen an Grönlands Westküste mehr bezweckt als blosses Auskundschaften der Gegend, er hat Land aufsuchen wollen, das auch anderen seiner Landsleute Unterkommen gewähre, unter denen er dann, ein Kleinkönig in der neuen Kolonie, die Oberhand habe. Deshalb macht er sich jetzt auf nach der Heimat, nach Island, um hier die Kunde von dem neuentdeckten Lande zu verbreiten, das noch Raum für viele habe. Er rühmt das Land, das er ob seinen grünen Fluren Grönland, das heisst grünes Land, nennt Und in der That hatte er grossen Erfolg: Nicht weniger als 25 Schiffe, beladen mit Weib und Kind und Vieh, gehen bald darauf unter Eiriks Führung vom Breidi- und Borgarfjord nach dem Westen ab, aber nur 14 kommen nach Grönland, während die andern teils scheitern, teils nach Island zurückkehren. Mit diesem Menschenzuzug, der um 990 stattfand, beginnt die planmässige Besiedlung Grönlands. Eirikr ist jetzt in jeder Beziehung seinen Landsleuten behilflich. Er selbst lässt sich in Brattahlid am Eiriksfjord nieder, das an dem nordöstlichen Gestade des Tunnugliarfik gelegen haben muss, landeinwärts, dort, wo der Eiriks-und Einarsfjord einander ziemlich nahe kommen.

Hier ist thatsächlich grünes Land, und noch heute weiden an dieser Stätte grönländische Rinder.

Hier ist nicht mehr, wie bisher am rechten Ufer des Fjords, jenes sammetartige Grün der Moosmatten zu sehen, sondern das saftige Kolorit unserer einheimischen (das heisst der deutschen) Wiesenso schildert Professor Laube im Berichte der zweiten Nordpolar fahrt diese Stätte. Versuchte man doch zunächst die isländische Viehzucht auch auf Grönland zu pflegen; wie weit dies freilich geglückt ist, geht aus den Quellen nicht sicher hervor, wenn auch in einer der wichtigsten die Güte des Bodens besonders gerühmt wird. Daher finden wir normannische Ruinen — Kablunak, wie sie der Eskimo nennt — auch besonders da, wo noch heuteder Boden dem Vieh Weide und Nahrung giebt, das heisst mehr im Innern der Fjorde auf Grönlands Südwestküste. Dies ist ein treues Zeugnis dafür, dass sich Grönlands Natur innerhalb der letzten 900 Jahre nur wenig verändert haben kann. Und dies bestärkt eine eingehende Beschreibung des Landes, die wir aus dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts besitzen. Zu dieser Zeit verfasste aller Wahrscheinlichkeit nach der norwegische König Sverrir ein Lehr- und Unterweisungsbuch für seine Hofleute, jenen schon erwähnten Königsspiegel (Speculunt regale). Hierin unterrichtet der Vater seinen Sohn über die Kenntnisse, die jeder Beruf fordert. Bei Besprechung des kaufmännischen Standes kommt er auch auf die Länder zu reden, die der norwegische Kaufmann mit seinem Fahrzeuge besuchen und mit denen er Handelsverbindung anknüpfen kann. Hierzu gehört auch Grönland, und so entwirft der Verfasser von diesem fernen Eiland ein ebenso klares, wie ziemlich eingehendes Bild. Wohl ist der Verfasser der Schrift nicht selbst auf Grönland gewesen, aber er berichtet uns, dass seine Quellen zuverlässig seien und dass er nur auf Berichten von Leuten fusse, die längere oder kürzere Zeit in Grönland gelebt hätten.

Das Licht aus dem Norden
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Der Eingang freilich ist ausgeschmückt mit den Phantasiegebilden von jenen Meerungeheuern, die noch heute in der immer wieder auftauchenden Meerschlange fortleben und die im Mittel-alter in zahlreichen Gestalten die Phantasie beschäftigten. Ein mächtiges Meer, heisst es dort, das Gnrnalandshaf umgiebt das abgelegene Gestade, angefüllt mit Seeungeheuern von übernatürlicher Grösse, die, halb Mensch, halb Tier dem Schiffer Sturm und Unglück ankünden. Unter diesen Erscheinungen hebt der Verfasser besonders die Meerrevolutionen (hafgerdingar) hervor, von denen, wie er sagt, er sich selbst keine rechte Vorstellung machen könne. Das Meer sammelt sich, so werden sie beschrieben, in drei mächtigen Wellen, staut hier berghoch und stürzt sich dann in jähem Falle in die Tiefe. Fast kein Schiff entgeht dem Verderben, das sich bei solchen Ereignissen auf der See befindet. Diese Meerrevolutionen, die die alten Quellen häufig erwähnen und die sogar einem Südländer Veranlassung gaben, in der Hafgerdingadräpa Gott um Errettung aus der Not anzurufen, hat man lange nicht richtig zu erklären vermocht, bis vor ungefähr zwanzig Jahren Steenstrup in ihnen vulkanische Äusserungen des Erdinnern nachwies, die namentlich um Grönland sehr häufig gewesen sind und sich noch jetzt in der Nordsee und dem Ocean zeigen. Ausser diesen Seeungeheuern und Meererscheinungen ist vor allem der Eisreichtum für das Grtenalandshaf charakteristisch; nirgends werden solche Massen Eis gesehen als hier. Die Eisschollen sind bald wie die gefrorene Fläche eines Binnensees, bald bilden sie aber mächtige Körper mit einer Dicke von vier bis fünf Ellen und sind vier und noch mehr Tagereisen vom Lande entfernt. Besonders ist das Eis angehäuft in Nordosten und Norden, weniger in Süden, Südwesten und Westen. Darum muss man (wohl von Island aus) südwestlich segeln oder höchstens westlich und dann, wenn das Eis in Sicht kommt, südlich, wenn man nach dem Lande kommen will. Schon mancher, der zu weit nordöstlich dem Lande zugesteuert, ist hier vom Eise eingeschlossen worden und entweder umgekommen oder hat erst nach mancherlei Mühsalen das Land gewinnen können. Aber alle, die in dies Eis geraten sind, haben die grossen Schiffe preisgegeben, die kleinen Boote auf die Schollen gezogen und auf diese Weise das Land zu erreichen versucht, was in der Regel 4 bis 5 Tage Zeit beansprucht hat, wenn es überhaupt geglückt ist. Sonderbar steht es mit diesem Eise; zuweilen liegt es ganz still, und mächtige Wasserarme ziehen sich zwischen den einzelnen Teilen hin, zuweilen aber ist es in so schnellem Gange als wie ein Schiff hei günstigem Fahrwinde. Und in diesem Falle gehen die Eisschollen ebensoschnell mit wie gegen den Wind. Eine besondere Art dieses Eises sind die von den Grönländern genannten Fallgletscher (falljoklar), das sind die eigentlichen Eisberge. Wie mächtige Felsen ragen sie aus dem Meere hervor und mischen sich nie mit dem anderen Eise, sondern behalten immer ihre isolierte Stellung. — In diesem Eismeere tummeln sich alle Arten Wale und Seehunde. Und wie das Meer, so ist auch das Land durch und durch vereist. Daher kann man nicht tiefer ins Land Vordringen. Nur zwischen einzelnen Bergen und längs dem Strand einiger Fjorde findet sich eisfreies Land, das bewohnbar ist. Hier taut auch im Sommer, wo fast ununterbrochen Tag ist. der Boden auf und giebt den Bewohnern Gras und duftende Kräuter. Die Sonne, meint der Verfasser, hat wohl genügende Kraft zum Leuchten, aber nicht zum Erwärmen, denn das Land sei das kälteste aller Länder. Besonders eingehend wird dann das Nordlicht geschildert, das in dunkler Nacht und in der Regel bei Neumond den Himmel erleuchte. Es sieht aus wie ein mächtiges Feuermeer, das seine Strahlen am Himmel emporwirft und dem Menschen gestattet, seinen Beschäftigungen nachzugehen.

Nicht minder klar wie die Beschreibung des Landes ist die Aufzählung der Erzeugnisse, in denen der Reichtum Grönlands und des angrenzenden Meeres besteht Das Meer ist ausser an Walen und Seehunden reich an Fischen. Auf dem Lande geben Polarhasen, Polarfüchse und Renntiere, die aus anderen Gegenden hierher eingewandert sein sollen, reiche Jagdbeute. Als einheimisch betrachtet man allein den Eisbär, zumal er nur von Seehunden und Walen lebt. Unter den zahlreichen Vogelarten wird der weisse Falke hervorgehoben, der andern Orts sehr geschätzt würde, den aber hier die Bewohner nicht abzurichten verständen. Von den Gesteinen wird einer erwähnt als Marmor, der sich in roter, blauer und grüner Farbe in den bewohnten Gegenden finde.

Wo das Land bewohnbar ist, wachsen Gräser und duftende Kräuter, die die Viehzucht gedeihen lassen. Für Getreide dagegen reicht die Wärme des Sommers nicht aus. Wohl hat man hier und da versucht, solches anzupflanzen, aber es hat die Mühe nicht gelohnt; die meisten Grönländer haben kein Getreide und kein Brot zu sehen bekommen. So ist die eigentliche Nahrungsquelle der Grönländer Viehzucht, Jagd und Handel. Eine Menge Hornvieh und Schafe weidet auf den grünen Fluren, die sich zur Sommerszeit wie noch heute auch während der Nacht im Freien aufhalten. Butter und Käse geben Nahrung; dazu geniesst man das Fleisch der erlegten Bären, Renntiere, Wale und Seehunde bald frisch, bald getrocknet Was der Grönländer von seinen Herden und von der Jagdbeute gewinnt, das sind für ihn zugleich Ausfuhrsprodukte, die reger Handelsverkehr namentlich mit Norwegen der alten Welt zuführt In die Heimat zurück bringt er besonders Bauholz, Teer für die Schiffe, Eisen. Alles das berichtet uns der Königsspiegel, und spätere isländische Quellen bestärken die Wahrheit dieser Aussagen. Dürfen wir dem Berichte der Flateyjarbök Glauben schenken, so scheint der Wohlstand auf Grönland zur Zeit der republikanischen Selbstverwaltung dem auf Island fast gleich gestanden zu haben. Dort kommen nämlich einst Kaufleute, von einem Grönländer geführt, zu dem Erdhause eines grönländischen Bauern, in dem sie 60 Stück geschlachtete Tiere, 12 Kleincentner3) Butter und eine grosse Menge getrockneten Fisch finden.3) Solcher Wohlstand war auch die Ursache, dass Grönland im Vergleich zu den nicht umfangreichen Strecken bewohnbaren Landes doch ziemlich dicht bevölkert war; man rechnet die Einwohnerzahl zur Zeit der grössten Dichtigkeit auf rund 10,000. Und zwar war nach dem Ausspruche der mittelalterlichen Geographen, die alle freilich auf gemeinsame Quelle zurückgehen, die Ost-ansiedlung bevölkerter als die Westansiedlung: jene hatte 190 Gehöfte, diese nur 90, dort befanden sich 12 Kirchen, darunter die Domkirche von Gardar, hier nur drei.

Die Verfassung der grönländischen Kolonie war von Haus aus die des Mutterlandes, die republikanische Islands. Dort, wo sich ziemlich tief landeinwärts der Einars- und Eirikstjord, der heutige Igalikko- und Tunnugliarfikfjord, nahe kommen, entstand der Thingplatz der neuen Kolonie Gardar, und Eirikr der Rote, dessen Sitz Brattahlid nicht weit davon entfernt lag, mag der erste Gode, der Lenker und Leiter des neuen Staates, gewesen sein. Noch heute sind Ruinen von diesem alten Gardar erhalten, und die grönländischen Gebäude von Igalikko, das an Stelle des normannischen Gardar entstanden ist, haben ihr Gestein zum grossen Teil aus den cyklopischen Mauern der isländischen Kolonisten. Ungefähr 250 Jahre bestand dieser Freistaat, der sein Gebiet immer weiter nach Nordwesten ausdehnte und dessen Bewohner in der nördlichen Nordrseta, dem Nordsitze, nicht selten unter allerlei Gefahren der Jagd nachgingen, bis auch er um die Mitte der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts geradeso wie Island der Politik der norwegischen Könige zum Opfer fiel. Und dieser Freistaat war fast von Anfang an ein christlicher Staat Christen waren bereits mit Eirik dem Roten herübergekommen von Island, und dieser liess ihnen ihren Glauben, wie er fest an seinem alten hielt Sein Sohn Leifr erhob dann kurz nach 1000 das Christentum zur Staatsreligion, nachdem er selbst auf Veranlassung des Königs Olaf Tryggvason den alten Glauben abgelegt hatte. Seitdem sah man eigentlich als Mutterland mehr Norwegen als Island an, wie überhaupt der Handelsverkehr zwischen Norwegen und Grönland viel reger gewesen zu sein scheint als der zwischen Grönland und Island. Bei dem norwegischen Könige beantragte man daher auch kurz nach 1100 ein selbständiges Bistum auf Grönland, und bald zieht, von König Sigurd Jörsalafari gesandt, der erste Bischof auf dem fernen Eiland ein und schlägt seinen Sitz in dem alten Gardar auf. Vor dem hatte die grönländische Gemeinde unter dem bremisch-hamburgischen Erzbischöfe gestanden, jetzt wird sie wie die norwegisch-isländische Kirche dem Erzbistum Lund zugezählt, aber noch in demselben Jahrhunderte steht der Erzbischof von Nidaros oder Throndheim an ihrer Spitze, nachdem sein Erzbistum sich von dem Lunds abgezweigt hat. Nun finden wir ununterbrochen Bischöfe von Grönland hinab bis zur Reformation; aber als um 1400 die Zeiten auf Grönland immer unerquicklicher wurden, zogen es die Kirchenfürsten vor, sich mit dem blossen Titel zu begnügen, ohne ihre Diöcese gesehen zu haben. Diese Bischöfe haben eine grosse Zahl Kirchen und zwei Klöster, ein Mönchkloster der Augustiner nnd ein Nonnenkloster der Benediktiner, unter sich. Sie sorgten wohl zugleich auch dafür, dass der Papst seine Annaten und Zehnten erhielt, die in Naturalien, in Tierhäuten, Walrosszähnen u. drgl., bestanden.

So standen die Grönländer in jeder Beziehung den Isländern jener Zeit ebenbürtig zur Seite. Auch in geistiger Entwicklung standen sie ihren Stammesgenossen nicht nach. Wir wissen, dass sie die Thaten ihrer Seefahrer auf gleiche Weise wie die Isländer erzählten: die Saga blühte auf Grönland ebenso wie auf Island. Von dem Skald Helgi mag hier die Saga entstanden sein, die in den Skäldhelgarimur uns erhalten ist. Verschiedene Gedichte, wie die Hafgerdingadrdpa, die Nordrsetudrdpa sind hier gedichtet, vor allem die Atlilieder, die uns die Edda erhalten hat, die nordischen Lieder vom Untergange der Bur-gundenkönige Günther und Hagen und vom Tode Attilas.

Und wie in seiner Entwicklung Grönland Hand in Hand mit dem Mutterlande Island ging, so auch in seinem Rückgänge. (Grönlands Blüte war vorüber, als das Land um 1260 unter norwegische Herrschaft kam. Durch die verkehrte Handelspolitik der norwegischen Könige, die den Handel in ihren Gebieten nur durch hohe Abgaben gestatteten, wurde den Grönländern ihre eigentliche Lebensader unterbunden, und ihr Wohlstand hörte auf. Die Folge davon war, dass die Bischöfe, die meist rechtschaffen für das Wohl ihrer Gemeindeglieder gesorgt hatten, seit dem Ausgange des 14. Jahrhunderts überhaupt nicht mehr nach Grönland kamen, sondern in Norwegen nur noch als Scheinbischöfe fortbestanden. Die Reisen nach Nonvegen und von hier nach Grönland werden zur Seltenheit, und da auch die norwegischen Könige vom Handel an Grönlands Küste das Monopol haben, so hört auch der Handelsverkehr mit Island auf. Hierzu kam noch, dass fast um dieselbe Zeit auch äussere Feinde die grönländische Kolonie beunruhigten. Ich hob bereits hervor, dass die einwandernden Isländer zwrar Spuren menschlicher Ansiedlung auf Grönland fanden, dass sie aber Menschen selbst nicht trafen. Mit der Zeit hatten sie ihre Besitzungen weit nach Norden hin bis zum 720 nördlicher Breite ausgedehnt. Hier lag die ungastliche Nordrseta, der Nordsitz, die namentlich von den Seehundjägern häufig aufgesucht wurde. Auch bei dem Vordringen in diese Gegend erwähnen die älteren Quellen keine Menschen; zum ersten Male worden dieser in der Historia Norweghe, die um 1200 entstanden ist, gedacht, wo es heisst, dass jenseits des bewohnbaren Landes, im Norden Grönlands, Jäger auf Sknelinger gestossen, die klein von Gestalt gewesen wären und Waffen aus Stein und Pfeile aus Knochen gehabt hätten. Im Laufe des 13. Jahrhunderts erwähnen die Grönländer in der Nordrseta noch ganz selten Menschen und menschliche Wohnstätten. Ja in dem Berichte über die Nordfahrt aus dem Jahre 1266 wird ausdrücklich hervorgehoben, dass man erst auf der Kroksfjardarheide Skrmlinger angetroflfen habe; diese Heide aber liegt aller Wahrscheinlichkeit 750 nördlicher Breite und nicht an Grönlands Küste, sondern jenseits der Baffmsbai.3) Demnach scheinen die Eingebornen, mit denen später die Grönländer zusammenstiessen, im 13. Jahrhunderte nur vereinzelt an Grönlands Nordwestküste gesessen zu haben. Erst seit der Mitte des 14. Jahrhunderts finden wir sie hier in grossen Scharen, und nun erfolgt von hier aus ein Stoss nach dem andern auf die grönländische Kolonie: die ganze westliche Ansiedlung wird verwüstet, die östliche folgt ihr. Niemand erbarmt sich der armen Grönländer, da wenden sie sich direkt an den Papst. Die Aufforderung zur Hilfe, die Nicclaus V. infolgedessen am 20. September 1448 an die Bischöfe von Skälholt und Holar auf Island richtet, ist das letzte Dokument über die grönländische Kolonie.Sie blieb unberücksichtigt, das mittelalterliche Grönland aber schwindet aus der Reihe der germanischen Kolonisationen. —

Während über Grönlands Entdeckung und Besiedlung die Quellen ziemlich zahlreich fliessen, so dass wir uns wenigstens ein leidliches Bild von dem Lande und seiner Geschichte machen können, sind die Nachrichten über Vinland ungleich dürftiger. Und weil die echten Nachrichten nur vereinzelt sind, so gilt auch hier das alte Wort: fama fama crescitur. Denn das Unglaublichste ist über dies Land in alter und neuer Zeit erzählt und geschrieben und geglaubt worden. Zu der einzigen historischen Fahrt, die wir verfolgen können, sind andere erfunden worden; Personen, die längst tot sind, treten wieder auf und werden Führer neuer Expeditionen; man trägt europäische Fabelgestalten des Mittelalters nach Vinland hinüber, man bevölkert das Land mit einbeinigen Menschen, lässt Deutsche auf Grönland Pädagogendienste verrichten, an den Fahrten nach dem Süden teilnehmen und sich durch den Genuss der Weintrauben berauschen; man lässt die Weintrauben auf hohen, starkstämmigen Bäumen wachsen, im Winter reifen u. drgl. mehr. Solchen Fabeleien gegenüber steht der ältere und bisher fast ganz vernachlässigte Bericht der Eiriksaga.

Am Hofe seines Vaters Eirik zu Brattahlid war Leifr mit seinen Brüdern Thorstein und Thorvald herangewachsen. Im Jahre 999 geht er von hier aus das erste Mal auf das offene Meer, um eine Handelsreise nach Norwegen zu unternehmen, wie es die Gewohnheit jener Zeit erheischte. Das Unwetter verschlägt ihn von der richtigen Kurslinie, die südlich von Island läuft, und treibt sein Schiff auf die Hebriden, von wo aus er nach Norwegen gelangt. Hier wird er, wie schon erwähnt, der Gefolgschaftsmann des Königs Olaf, der ihn im folgenden Jahre mit christlichen Priestern in die Heimat zurücksendet, damit er in Grönland das Christentum einflihre. Auch jetzt schlägt er den geraden Weg ein: er fährt zwischen den Faeröern und Shetlandsinseln durch, ungefähr längs dem 61. Parallelkreis, und hat so die Richtung nach der Südspitze von Grönland. Allein auch diesmal treibt ihn das Wetter zu weit südlich: er kommt an ein Gestade, das ihm und den Seinen vollständig unbekannt ist. Hier wuchsen das Getreide ungesät und der Weinstock wild und knorrige Bäume, die so gross waren, dass man sie gut zum Häuserbau verwenden konnte. Obgleich das Land zur Ansiedlung lockt, bleibt man doch nicht hier, sondern segelt nordwärts der Heimat zu, um noch vor Beginn der kalten Jahreszeit Grönland zu erreichen. Auf dieser Küstenfahrt stösst Leifr auf Schiffbrüchige, die er aufnimmt und während des Winters auf seines Vaters Gehöft unterbringt Jetzt wird auf Grönland das Christentum verkündet Eirikr will nichts davon wissen, aber seine Gemahlin Thjodhild nimmt den neuen Glauben freudig an und lässt in der Nähe von Brattahlid die erste christliche Kirche, die Thjodhildarkirche, errichten. Während des Winters gaben Leifr und seine Reisegefährten ihre Erlebnisse zum besten und erzählen unter anderm auch von dem weinreichen Lande, das man auf der Fahrt gefunden habe. Diese Erzählungen rufen die Sehnsucht der Grönländer nach dem schöneren Süden wach.

Die erste Fahrt nach Vinland leitet Leifs Bruder Thorstein. An ihr nimmt auch der alte Eirikr teil und mit ihm 20 Mann. Hab und Gut lässt man zu Brattahlid, nur mit Waffen und Lebensunterhalt versieht man sich. Dass Leifr sich an dieser Fahrt beteiligt habe, ist wenig wahrscheinlich, da er nicht erwähnt wird und er zunächst hier auf Grönland den Befehl des Königs Olaf auszuftihren hatte. Allein diese Fahrt missglückt; der Wind treibt das Schiff nach Osten, mit vieler Not und Mühe kommt man nach dem Eiriksfjord zurück, nachdem man schon in der Ferne die Berge von Island gesehen hat

Nach einem harten Winter, in dem eine pestartige Seuche viele Grönländer, darunter auch Thorstein Eiriksson, dahingerafft hatte, kamen 1002 neue Schiffe von Island nach Grönland, das eine geführt von Thorfinn Karlsefni und Snorri Thorbrandsson, das andere von Bjarni Grimolfsson und Thorhall Gamlason, beide mit je 40 Mann Besatzung. Von diesen Isländern nun sollten die ersten beiden die Leiter der Hauptexpedition nach dem Süden werden. Den langen Winter verbringen die Fremden bei Eirik in Brattahlid; ein Julfest wird gefeiert, wie es auf Grönland selten erlebt worden ist, dann heiratet Thorfinnr die Gudrid, Thorsteins Witwe, sonst verstreicht die Zeit bei Brettspiel und Abenteuererzählung, wobei nicht selten auch die Rede auf das schöne Vinland in Süden gekommen sein mag. Die Isländer lockt die Schilderung, und es wird beschlossen, im folgenden Frühjahre dorthin aufzubrechen. So verlassen denn im Frühling 1003 drei Schiffe, jene zwei isländischen und ein grönländisches, mit 160 Mann an Bord den Eiriksfjord. Mehrere der Teilnehmer nehmen ihre Frauen mit; auch Vieh wird in die Schiffe eingeladen, ein sicherer Beweis dafür, dass man die Absicht hatte, sich in Vinland neu anzusiedeln. Von Eiriks Kindern nahmen sein jüngster Sohn Thorvald, dem der Vater den trefflichsten Jäger Thorhall mitgiebt, und seine Tochter Freydis, Thorvards Gattin, teil. Vor der Ausfahrt werden eingehende Beratungen über die Kurslinie und den Ausgangspunkt der Fahrt gepflogen, woran Leifr, der sich selbst nicht mit an dem Unternehmen beteiligte, mit Rat und That teilgenommen zu haben scheint. Nach seinen Erfahrungen liegt das Land weiter westlich als der Eiriksfjord, es galt daher einen Ausgangspunkt auf Grönland zu suchen, der westlicher lag und von dem aus das neue Land direkt südlich liege. So fährt man zunächst nach der westlichen Ansiedlung und von hier aus nach der Bäreninsel, die von der Vestribygd aus nordwestlich gelegen haben muss. Von hier wird dann der Lauf nach Süden gerichtet Da erblickt man nach einer Fahrt von zwei Halbtagen ein Land mit grossen Steinblöcken, nach denen man es Helluland nannte. In Boten fährt man an den Strand und untersucht das Land, man findet es unbewohnt und unbewohnbar; nur zahlreiche Polarfüchse zeigten sich dort. Die kurzen Bemerkungen passen ganz auf Labrador, denn dieses liegt fast südlich von dem damals bewohnten nordwestlichen Teile Grönlands, ist das in dieser Richtung Grönland am nächsten liegende Land und ist allein von hier aus in einer so kurzen Spanne Zeit zu erreichen. Dazu zeichnet sich noch heute Labrador durch die grosse Menge erratischer Blöcke aus und ist die Heimat der Polarfüchse.

Man beschliesst weiter zu fahren und wendet jetzt den Lauf der Schiffe nach Südosten. Nach einer Fahrt von abermals 24 Stunden gelangt man nach einem zweiten Lande, das man Markland, das ist Waldland, nennt. Hier zeichnet sich die Gegend durch ihren Wald- und Tierreichtum aus. Auf einer kleinen in Südosten vorlagernden Insel fängt man einen grossen Eisbären, nach dem man die Insel Bäreninsel nennt. Aber auch hier ist das Gestade noch ungastlich; es ist nicht das erhoffte Weinland, und deshalb beschliesst man weiter zu segeln.

Unter diesem Lande kann kein anderes als Neufundland zu verstehen sein. Zunächst führt eine südöstliche Fahrt von Labrador nur nach Neufundland. Verstände man aber unter Helluland, wie es Rafn und andere gethan haben, Neufundland, so wüsste man nicht, welches das von hier aus südöstlichgelegene Land, das doch einen anderen Charakter als Helluland trägt, sein sollte, da kein Land südöstlich von Neufundland liegt Ferner stimmt dazu die Erwähnung des Wald- und Tierreichtums. Heute sind freilich verschiedene Striche der Insel nicht mehr dicht bewaldet, aber im Innern herrscht noch der alte Reichtum an Föhren und Birken, den Gaspar Cortereal, Stephan Parmenius und andere Reisende des 16. und 17. Jahrhunderts von der ganzen Insel rühmen. Und auch der Tierreichtum ist noch heute bedeutend: ausser Füchsen und Wölfen leben hier Biber, amerikanische Renntiere in ganzen Herden, und den weissen Bären“ erwähnen wiederholt die Reisenden vergangener Jahrhunderte. Dazu ist die Küste steil und wenig zugänglich, im Norden aber, wo doch die Grönländer zunächst hingekommen sind, unwirtbar und noch heute fast ganz unbewohnt. Hieraus erklärt sich, dass man dem Lande so schnell den Rücken wendet. In Markland schon Neuschottland zu finden, wie Rafn und andere gethan haben, um in Vinland bis hinab zu dem 420 nördlicher Breite zu gelangen, setzt uns in schroffen Widerspruch zu den Quellen.

Eingehender wird die Beschreibung des dritten Landes, des Landstriches, wo man die Absicht hat, sich niederzulassen, nämlich VInlands. Es hat bisher die Ansicht geherrscht, dass unter diesem Lande die Nordostküste der Vereinigten Staaten ungefähr unter dem 420 nördlicher Breite, also die Küste von Massachussets und Rhode Island zu verstehen sei, und Horsford hat noch jüngst sich undenkliche Mühe gegeben, am Charles River und in der Nahe von Boston Überreste von Leifs Wohnung und Häusern anderen Kolonisten aus Grönland nachzuweisen. Allein wie wenig überzeugend diese Nachweise sind, hat Gelcich zur Genüge gezeigt. Auch die astronomischen Gründe, die man früher für die südliche Lage Vinlands ins Feld führte, haben sich infolge falscher Deutung des ausschlaggebenden Wortes als trügerisch ergeben. Der runde Turm von Newport ferner, den man den grönländischen Kolonisten zugeschrieben hat, ist längst als Bauwerk des 17. Jahrhunderts nachgewiesen. Die Indianerfiguren auf den Felsen von Massachussets Küste hätte man aber schon deshalb nicht als Beweismaterial bringen sollen, weil bei den Nordländern im 10. Jahrhunderte die sogenannten Felsenzeichnungen (helle-ristninger), die man hier hat wiederfinden wollen, ein längst überwundener Standpunkt waren, diese sind ungefähr 1000 Jahre früher in Skandinavien geübt worden. Wir haben uns demnach ausschliesslich an die schriftliche Überlieferung zu halten, alles andere führt uns auf unsicheren Boden.

Nachdem man das waldreiche Markland als ungeeignet zur Ansiedlung erkannt, fährt man wieder fort und zwar südlich, indem man die Küste immer steuerbord hat. Man muss demnach an der Ostküste von Neufundland hingesegelt sein. Bei Nordostwind geht darauf die Fahrt weiter, bis man an einen Landvorsprung kommt, an dem man einen Schiffskiel findet, woher jener Vorsprung den Namen Kjalarnes, das ist Kielnase, erhält. Jetzt wird die Küste lockender: Buchten schneiden hier und da in das Land und gewähren den Schiffen einen Platz zum Ausruhen. Lang zieht sich die Küste in gleicher Richtung hin, wonach man sie Furdustrandir, das ist den langen Strand, die lange Linie, nennt Von hier werden zwei schottische Schnellläufer, die seiner Zeit Leifr aus Norwegen mitgebracht und dann dem Führer der Expedition, dem Thorfinn Karlsefni auf sein Schiff gegeben hat, in die Lande geschickt, um diese auszukundschaften. Nachdem sie mit Weinbeeren und Getreide wieder zu den Schiffen zurückgekehrt sind, fährt man weiter südwärts, denn das Kundschafterpaar scheint die Nachricht gebracht zu haben, dass man die mitgebrachten Früchte erst weiter landeinwärts gefunden habe. In einem Fjord wirft man endlich die Anker. Eine Insel lagert diesem vor, die man ob den Strömungen, die sich in ihrer Nähe zeigen, Straumsey (Strominsel) nennt. Eidergänse leben hier in Scharen, und kaum wagt man seine Füsse auf den Boden zu setzen, dass man befürchten muss, jeden Augenblick ihre Eier zu zertreten. Den Fjord, dem die Insel vorlagert, bezeichnet man als den Straumsfjord. In ihn segelt man hinein, wobei Ebbe und Flut benutzt werden, zieht dann die Schiffe ans Land und ladet die Schiffsladung und das Vieh, das man mitgebracht hatte, aus. Letzteres weidet auf dem schönen Boden und hat hier Nahrung zur Genüge. Unterdessen durchstreifen die Gefährten nach allen Richtungen hin das Land: dies kennen zu lernen ist ihre einzige Beschäftigung. So versäumt man für den Winter, der bald hereinbricht, Vorräte zu sammeln. Mit ihm stellt sich infolgedessen Nahrungsmangel ein. Ein Wal, den man fängt und der allen unbekannt ist, wird geschlachtet und gekocht, aber weggeworfen, da man merkt, dass das Fleisch allen schlecht bekommt. So überlässt man sich wieder Gottes Führung, und bald ändert sich auch die Witterung; nun kann man dem Fischfänge und der Jagd obliegen oder hinaus auf die Insel fahren und Vogeleier sammeln: dies wie jenes giebt Nahrung zur Genüge.

Nach dem Eintreten der besseren Jahreszeit wird eine gemeinsame Beratung gehalten, wie man wohl am besten nach Vinland gelangen könne. Bei dieser Beratung bricht unter den Teilnehmern der Expedition Zwietracht aus. Der Heide Thorhallr, der schon längst des christlichen Gebetes und Kultes überdrüssig ist, will sich der Leitung Thorfinns entschlagen und wieder heimwärts fahren, da er es für hoffnungslos hält, Vinland zu finden.Mit neun Mann fahrt er von der Straumsey ab, nachdem er noch über den Wein gespottet hat, den er nicht getrunken. Allein er hat mit seinen Gefährten Unglück. In der Nähe von Kjalarnes erfasst eine heftige Brise von Westen das Schiff und treibt es ostwärts nach Island, wo Thorhallr, wie Kaufleute erzählen, seinen Tod findet, während seine Genossen gefangen genommen und zu Sklaven gemacht werden.

Besser ergeht es Thorfinn, der mit Bjarni und Snorri die Expedition fortsetzt. Diese fahren nach Süden und gelangen nach ziemlich langer Fahrt an eine Flussmündung, zu deren beiden Seiten sich Flachküste hinzieht, so dass man nur bei Hochflut in den Fluss hineingelangen kann. Der Fluss selbst bildet kurz vor seiner Mündung ein Haff, das in schmalem Arme sein Wasser ins Meer ergiesst. An diesem Haff lässt man sich nieder und nennt die Stätte t Höpi, das heisst am Haff. Hier findet man endlich, was man längst gesucht: wildwachsenden Weizen und auf hügligem Boden den Weinstock. Die Gewässer sind hier voller Fische. Auch das Meer fuhrt diese in grosser Menge zu: man gräbt Gruben in der Nähe des Ufers, kommt die Flut, so speist sie diese mit Wasser und Fischen, die nach dem Eintritt der Ebbe zurück bleiben und treffliche Nahrung gewähren. Der Wald, der das Land bedeckt, ist reich an Tieren aller Art. Hier blieb man einen halben Monat und verkürzte sich die Zeit aufs angenehmste, niemand störte unsere Grönländer in ihrem behaglichen Leben. In der Nähe ihrer Niederlassung weidet das mitgebrachte Vieh. Da trifft man zum ersten Male mit Eingeborenen zusammen, es ist das erste Mal, wo überhaupt Isländer mit Eingebornen in Amerika zusammen kommen. Bevor ich mich zu diesen Amerikanern wende, ist festzustellen, welches Land wir unter Vinland zu verstehen haben.

Hat Thorfinnr die Küste von Neufundland, wie ausdrücklich erwähnt wird, steuerbord gehabt und ist er dann südwestlich gefahren, so kann er auf kein anderes Land gestossen sein als auf Neuschottland, und zwar muss er an der Nordostküste angelangt sein: das erwähnte Kjarlarnes ist daher aller Wahrscheinlichkeit nach das Kap Breton. Von hier aus ist man die Ostküste entlang gefahren. Hier ist in der That das Gestade buchtenreich. An dieser buchtenreichen Küste sind alsdann die Nordländer hinab gefahren bis zum Gut of Canso, der ob seiner Strömung mit gutem Rechte den Namen Straumsfjord verdient. Denn dass man in früheren Jahrhunderten den Gut of Canso nicht als einen Kanal, der die Kap Bretoninseln vom Festlande trennt, sondern als einen tief ins Land einschneidenden Fjord aufifasste, lehren alle älteren Karten von Neuschottland. Um ihn herum ist dann auch das Land von Fjorden zerschnitten. Von hier aus wandte man sich dann an der Ostküste weiter südlich, bis man endlich auf Weingegend stiess. Auch sonst passt die Schilderung ganz auf Neuschottland. Der Wald- und Tierreichtum, die sandigen Küsten, das ansteigende Terrain, der Fischreichtum, besonders die Ebbe und Flut an Neuschottlands Küste sind bekannt. Ausschlaggebend aber ist erst die Erwähnung des wilden Getreides und des Weines.

Aus unserem Berichte geht klar hervor, dass das neuentdeckte Land in zwei Teile zerfällt, in einen nördlichen, wo noch kein Wein wächst, und einen südlichen, der dem von Leif gefundenen Lande entspricht. Aus der Saga geht weiter hervor, dass die Niederlassung  Hopi sich an der nördlichen Grenze der Weinregion befunden haben muss, denn man hat längs der Küste nach Wein gesucht, aber bisher vergeblich. Es ist demnach die Weingrenze in Nordamerika festzustellen. Heutzutage freilich geht diese an der Ostküste Nordamerikas nicht über North Karolina hinaus, und vereinzelt nur wird der Weinstock auch weiter nördlich gepflegt. Und auch dort, wo er wächst, kann von einer eigentlichen Weinkultur nicht die Rede sein. Allein früher war das anders. Fast alle Reisenden des 16. und 17. Jahrhunderts rühmen Amerika als ein Weinland, das sich den besten Kulturen Europas zur Seite stellen lasse. Dazu ging früher die Weingrenze viel weiter nördlich als heute. Für uns vor allem fällt in die Wagschale, dass der südliche Teil von Neuschottland thatsächlich wilden Wein hervorgebracht hat.

Der Franzose Nicolas Denys, der um die Mitte des 17. Jahrhunderts Statthalter von Neuschottland war, erwähnt den Waldreichtum der Halbinsel, die Nussbäume und den wilden Wein. Von letzterem sagt er, dass die Beeren wie Muskatennüsse gross seien, dass sie zwar etwas herb schmecken, da sie wild wachsen, dass sie aber bei einiger Pflege sicher den besten Wein geben würden. Und was vom Wein gilt, das gilt auch von dem „selbstwachsenen“ Weizen. Man hat unter diesem Getreide auf Rafns Behauptung hin Mais verstanden, Mais wuchs aber schon im 17. Jahrhunderte nicht über den 440 nördlicher Breite. Allein der Mais wächst überhaupt nicht wild. Ferner würde diese Getreideart, die doch ganz von den gewöhnlichen Getreidearten abweicht, sicher dem Sagaschreiber Veranlassung gegeben haben, die Pflanze näher zu beschreiben, wenn sie so grundverschieden von dem auf Island bekannten Getreide gewesen wäre. Wir müssen demnach unter dem selbstwachsenen Weizen eine unserem Getreide ähnliche Pflanze zu suchen haben, und eine solche wächst wild noch heute an der Ostküste Nordamerikas bis zum 50° nördlicher Breite, es ist dies der indianische oder Wasserreis, die Zizania aquatica,3) die fast alle Reisenden, die Neuschottlands Bodenerzeugnisse berühren, erwähnen und von der unter anderem Jean Cartier (1534) sagt, dass sie in den Ländern um den Lorenzgolf weite Plächen Landes bedeckt, wo nicht Wald gestanden oder Sandboden das Gedeihen verhindert habe; zugleich bemerkt er treffend, das Getreide habe die Ähre wie der Roggen, aber das Korn wie der Hafer.

Nach alledem spricht alles dafür, nichts dagegen, dass Thorfinnr mit seinen Genossen nach Neuschottland gekommen und dass es hier gewesen ist, wo man in Vinland zu sein glaubte. Ob auch Leifr hier gelandet oder ob ihn das Unwetter noch weiter südlich verschlagen hatte, das lässt sich durch nichts beweisen. Seine Fahrt fällt überhaupt im Vergleich mit der Thor-ftnns nicht in die Wagschale. Weiter südlich aber als nach Neuschottland sind die Isländer in Amerika überhaupt nicht gekommen, wenigstens so weit wir von ihren Fahrten Kunde haben. Dass sie aber nicht südlicher vordrangen, ja sich nicht einmal in Neuschottland dauernd niederliessen, daran waren die Eingebornen jener Gegend schuld.

In Grönland fanden, wie wir sahen, die Nordländer wohl Gegenstände, die darauf schliessen Hessen, dass einst hier Menschen gelebt haben müssten, Menschen selbst aber trafen sie nicht. In Helluland zeigten sich ebenfalls keine Eingeborenen. An der Küste von Markland trat man erst einzelne auf der Rückfahrt nach Grönland, in Südneuschottland traf man die ersten.

Nachdem Thorfinnr mit seinen Gefährten ungefähr einen halben Monat am Gestade dieser Halbinsel verbracht hatte, sah man eines Tages eine grosse Menge mit Leder überzogene Kähne daher gefahren kommen. Die Insassen schwangen mit grossen Stangen sonnenwärts, das heisst von Osten nach Westen, und es sah aus, als ob sich Dreschflegel bewegten. Thorfinnr weiss nicht, was das bedeuten soll. Da sagt Snorri: „Vielleicht ist das ein Friedenszeichen; lasst uns den weissen Schild nehmen und ihn ihnen entgegenhalten!“ Dies geschieht, und nun kommen die Fremden ans Land. Voll Verwunderung staunen sie die Leute an, die sie hier treffen. Jene selbst waren schwarzfarbige Männer, von grimmigem Aussehen, sie hatten strähniges Haar auf dem Haupte, grosse Augen, breite Backenknochen. Infolge dieses Aussehens nannte man sie Skradinger. Eine Zeitlang bleiben diese Eingebornen am Ufer stehen, dann wenden sie sich wieder zu ihren Kähnen und fahren um den Landvorsprung herum wieder südwärts. Unterdessen bricht der Winter herein, der aber hier so mild ist, dass kein Schnee fallt und das Vieh noch im Freien weiden kann. Teils am Haff, teils weiter landeinwärts haben Thorfinnr und seine Leute sich Wohnungen gebaut. Aber kaum ist das Frühjahr gekommen, so erscheinen die Skraelinger wieder und diesmal ungleich zahlreicher als das erste Mal. Sie wiederholen das alte Zeichen mit den Stangen, die Nordländer antworten wie früher und heben den weissen Schild in die Höhe. Und nun beginnt zwischen diesen und den Eingeborenen ein lebhafter Tauschhandel. Thorfinnr als Führer der Expedition leitet ihn. Mit besonderer Vorliebe nehmen die Skraelinger rotes Tuch, sie geben dafür Felle und Pelzwaren, und zwar zahlen sie ein ganzes Fell für je eine Armspanne Zeug. Dies banden sie sich ums Haupt und schmückten sich damit. Doch der rote Stoff wurde allmählich alle; da schnitten ihn die Isländer auseinander, so dass er nun nur noch eine Fingerspanne breit war. Aber auch jetzt noch zahlten die Skraelinger denselben Preis, ja noch höheren. Auch Waffen wollten die Eingebornen kaufen, doch das gab Thorfinnr selbstverständlich nicht zu. Während man so noch miteinander handelt, kommt plötzlich ein Stier von der Herde der Isländer aus dem Walde und brüllt laut: das verscheucht die Skrxlinger; schleunigst flüchten sie auf ihre Kähne und fahren südwärts heim. Aber nach drei Wochen sind sie schon wieder da und diesmal noch viel zahlreicher als das zweite Mal. Einem sich heranwälzenden Strome glich die Menge ihrer Nachen. Diesmal werden die Stangen der Sonne entgegen geschwungen und lautes Geheul ertönt von den Kähnen. Sofort deuten die Isländer das als Kriegserklärung und heben den roten Schild in die Höhe. Alsbald sind die Skraelinger am Ufer, und nun beginnt hier der Kampf. Er wird von den Eingebornen mit der Schleuder eröffnet. Da sehen Thorfinns Leute, wie die Feinde einen grossen schwarzen Ball, der die Gestalt eines Schafleibes hatte, auf eine Stange legten und ihn über Thorfinns Schar schleuderten. Wie er niederfällt, wird es allen Isländern unheimlich zu Mute. Es erfasst sie ein solcher Schrecken, dass sie den Fluss aufwärts in höher gelegenes Terrain fliehen und erst hinter einigen Felswänden Halt machen, wo sie hartnäckigen Widerstand leisten. Während dieser Flucht der Isländer spielt eine echt germanische Scene, die uns in die Zeit der Cimbern und Teutonen versetzt. Freydis, Eiriks Tochter, die mit ihrem Gatten an der Expedition teil genommen hat, scheint etwas weiter landeinwärts gewohnt zu haben; als sie die Fliehenden sieht, wirft sie sich ihnen entgegen und ruft:

„Was reisst ihr vor so elenden Wichten aus, die ihr so treffliche Männer seid? vor Leuten, die ihr doch wie das Vieh totschlagen könntet? Hätte ich nur Waffen, ich würde ganz anders kämpfen, als jeder von euch.“

Allein man achtet nicht auf ihre Worte. Da sieht sie sich gezwungen mitzufliehen, doch ihr Zustand lässt es nicht zu, da sie ihrer Niederkunft entgegen sah. Der nahe Wald soll sie bergen. Jedoch die Skraelinger setzen ihr nach. Sie sieht den Thorbrand Snorrason liegen, den ein Schleuderstein getötet hat, neben ihm liegt sein Schwert Sofort ergreift sie dies und will sich zur Wehr setzen. Aber bald sieht sie ein, dass sie gegen die grosse Zahl der Feinde nichts thun kann, eine entschlossene That nur kann sie ihren Händen entreissen: angesichts der grinsenden Wilden zieht sie ihre Brüste aus dem Kleide und schlägt sich diese mit dem Schwerte ab. Die That macht auf die Skradinger einen solchen Eindruck, dass sie sich zurückziehen und auf ihren Schiffen wieder südwärts fahren. Am Strande lernen sie noch ein europäisches Werkzeug kennen, eine Axt, die neben einem  Toten liegt. Man versucht sie am Holze, das sie spaltet, und freut sich der neuen Errungenschaft, als man aber auf einen Stein damit schlägt, zerspringt sie, und nun wirft man das unnütze Ding beiseite.

Unterdessen hat Thorfinnr seine Leute wieder gesammelt und man geht zu den Wohnstätten zurück. Unterwegs findet man die sterbende Freydis und rühmt ihre That. Dann sucht man die Wohnungen auf und verbindet sich gegenseitig die Wunden. Nur zwei Mann wollen die Isländer verloren haben. Im Geplauder sucht man hier die Flucht zu entschuldigen, indem man von der zahlreichen Menge der Feinde schwatzt und von Zauberei, die diesen den Sieg verholfen haben soll.

Die Ereignisse haben gelehrt, dass man sich auf die Dauer den zahlreichen F’einden gegenüber nicht halten könne und dass man sich deshalb, so schön und ertragreich auch die Gegend sei, nach dem Norden zurückziehen müsse. Die Rückfahrt wird beschleunigt, damit nicht ein neuer Angriff erfolge. Wieder segelt man die Küste entlang, nun aber nordwärts. Noch am Oststrande von Süd-Neuschottland treffen die Isländer 5 Skraelinger, die in Felljoppen unweit dem Meere schlafen. Neben ihnen stehen Holzgefässe und darin befindet sich Tiermark mit Blut gemischt. Man hält sie für Verbannte und tötet sie. Alsdann gelangt man zu einer Landzunge, die sich durch ihren Tierreichtum auszeichnet (Kap Canso?), und bald wieder zu dem Straumsfjord. Wohl hatte man hier keinen Wein, aber sonst alles im Überfluss, was man zum Leben bedurfte. Gleichwohl will man von hier aus noch einen Ansiedlungsversuch machen und zwar diesmal auf der Westseite der Halbinsel. Die Expedition teilt sich infolgedessen: der grössere Teil, 100 Mann stark, bleibt am Straumsfjord zurück, der kleinere Teil, 40 Mann, unter Führung Thorfinns und Snorris dagegen nimmt den Plan Thorhalls auf und will diesen am Westgestade der Insel aufsuchen.1) So segelt denn der letztere nordwärts, an Kjalarnes vorüber nach Westen, immer das Land zur Linken. Man muss dann um die Nordspitze der Cap Bretoninseln herumgefahren sein, denn man kommt an einen Fluss, dessen Lauf von Osten nach Westen geht; an seinem südlichen Ufer lässt man sich nieder. Diese Küste ist durchweg mit fast undurchdringlichem Urwald bewachsen. Hier zeigte sich abermals ein Eingeborener, der als Einfüssler bezeichnet wird; als er der Fremden gewahr wird, schiesst er von dem höher gelegenen Lande einen Pfeil unter diese und verwundet Eiriks Sohn Thorvald, der am Steuer eines Nachens sass. Den Fliehenden einzuholen gelingt nicht, und daher beschliesst man auch an dieser Stelle nicht länger zu bleiben, da man sich nicht länger den Angriffen der Eingeborenen aussetzen wolle. Überhaupt glaubt man hier unter gleicher Breite wie zu i Höpi zu sein, da man die Höhenzüge für dieselben hält, die man dort auf der Ostküste kennen gelernt hat.

So segelt denn Thorfinnr mit seinen Gefährten wieder nach dem Straumsfjord zurück, und hier verbringt man gemeinsam den nächsten Winter. Dann aber, nach Beginn des Frühlings, geht es der Heimat zu, sobald Südwind die Fahrzeuge nordwärts treibt. Der Weg führt zunächst wieder nach Markland. Jetzt trifft man auch hier Skraelinger, einen Mann, zwei Frauen und zwei Kinder. Die Erwachsenen flohen, die Kinder aber nahmen die Nordländer mit sich, unterrichteten sie in ihrer Sprache und liessen sie taufen. Von ihnen erfahren wir auch einige Worte ihrer Muttersprache: den Vater nennen sie Viegi, die Mutter Vivtilldi, ferner erzählen sie, dass Häuptlinge [konungar, das ist Könige) über die Skradinger gesetzt wären, einer hiesse Avalldamon, ein anderer Avalldidida. Auch gäbe es bei ihnen keine Häuser, sondern sie wohnten in Höhlen.— Mit diesen Kindern kommen die Isländer nach Grönland zurück; sie fahren in den Eiriksfjord ein und verleben den Winter zu Brattahlid, bis die bessere Jahreszeit die einen in ihre Besitzungen auf Grönland zurückfuhrt, während die andern, darunter auch der Führer der Expedition Thorfinnr, nach Island zurücksegeln. In dem Gefolge der letzteren mögen sich auch die Sknelingerkinder befunden haben, denn den Bericht über ihre Heimat werden sie sicher erst später gegeben haben, wo sie der isländischen Sprache mächtig waren. Hier auf Island wird Thorfinnr oder einer seiner Genossen von der Reise erzählt, hier mag dann der Bericht fortgelebt haben, bis er mehrere Menschenalter später aufgezeichnet wurde. —

Dies ist der älteste, und einzig zuverlässige Bericht über die Expedition nach Vinland. Nur von dieser Fahrt haben wir Kunde, über eine andere Fahrt wissen wir nichts Näheres, wenn auch noch zwei- oder dreimal erwähnt ist, dass dieser oder jener nach Vinland gekommen sei. Das Land ist bei solch kurzer Erwähnung vollständig farblos. Andere Vinlandsfahrten sind aber Sagengebilde ohne allen historischen Wert. Bevor ich auf diese noch kurz zu sprechen komme, müssen wir einen Augenblick bei den Sknelingern verweilen, um die Frage zu beantworten, welchem Volke diese angehört haben.

Es ist ja allgemein die Ansicht verbreitet, dass unter den Sknelingern die Eskimos zu verstehen seien. Allein dieser Auffassung stehen wohlbegründete Bedenken entgegen. Zunächst ist es Thatsache, dass der Name skrwlingar für die Eingeborenen Amerikas nicht in Grönland, sondern in Vinland entstanden ist. Hier finden wir ihn bereits um 1000, dort erst im 12. resp 13. Jahrhunderte. Das Wort sknvling ist noch heute in Norwegen bekannt und bedeutet einen schwachen, kraftlosen Menschen, es gehört zum Adjektivum skräl, das sich auch im Holländischen und Friesischen als sehr aal „gering, schwach“ findet. Gewiss passte diese Bezeichnung vortrefflich auf die kleinen Gestalten der Eskimos, allein sie passt vom Standpunkte des Wikingers auch sicher auf die nördlichen Indianerstämme Nordamerikas, deren Körpergrösse nur mittelgross ist und die besonders schwächliche Hände und Füsse haben, die vom germanischen Körperbau auffallend abstechen. Ist aber die Bezeichnung Skrae-lingar in Neuschottland aufgekommen, so müssten, wenn wir unter diesen Eskimos verstehen wollen, diese einst viel weiter südlich gesessen haben als heutzutage. Das ist aber durch nichts zu beweisen und durchaus unwahrscheinlich. Vielmehr spricht alles dafür, dass wir es bei den Ureinwohnern von Neuschottland mit Indianern zu thun haben.

Es sind schwarze, das heisst dunkel-, schmutzigfarbige Männer, mit schreckenerregendem Äusseren, strähnigem Haar, grossen Augen, breiten Backenknochen. Das schmutzige Aussehen der Indianerstämme Nordostamerikas, die ihren an und für sich schon dunkelfarbigen Körper noch mit roter Farbe aus Ocker und Öl beschmieren,4) ist allen Reisenden aufgefallen.

Und als dann im 13. Jahrhunderte die germanischen Grönländer mit den Eskimos in Nordwestgrönland zusammenstiessen, da war der alte Inhalt des Wortes vergessen und auch die Eskimos wurden Sknelinger genannt.–

Das ist es ungefähr, was wir aus zuverlässigen Quellen über die älteste Entdeckung und Besiedlung Amerikas einschliesslich Grönlands, über Land und Leute wissen. Eine wirkliche Expedition nach dem Süden ist seit Thorfinn nicht wieder von Grönland aus unternommen worden. Von einem steten Verkehr mit Vinland kann natürlich ebensowenig die Rede sein wie von einer wirklichen Ansiedlung in diesen Gegenden. Wohl berichten uns die isländischen Annalen aus dem Jahre 1121, dass Bischof Eirikr, ein Zeitgenosse Aris, Vinland habe aufsuchen wollen, aber sonst sagen sie kein Wort über seine Fahrt: er scheint bald eingesehen zu haben, dass eine Seereise so weit nach Südwesten doch ihre Gefahren hat. Und was uns auch sonst die Annalen von Fahrten nach Markland berichten enthält nichts Verwertbares. — Aber auch die Ausbreitung der Isländer auf Grönland nach Norden hin ist in Dunkel gehüllt, doch scheinen sie bei ihren Jagdunternehmen bis über die Grenze des heutigen dänischen Grönlands gekommen zu sein: ein Runenstein aus dem Jahre 1135, der 1824 auf der Insel Kingiktörsoak 720 55′ nördlicher Breite gefunden worden ist, kündet die kühne Nordfahrt dreier Grönländer hierher.

An den historischen Bericht von der Entdeckung Vinlands hat sich später vielfach die Sage gerankt. Das schöne Land im fernen Südwest lebte im Munde der Leute von Geschlecht zu Geschlecht fort und gab Stoff zum Fabeln und Dichten. Teilnehmer an der Fahrt Thorfinns, die auf dieser ums Leben kamen, wie die Eirikskinder Thorvaldr und Freydis, sind herausgegriffen und zu Führern neuer Unternehmungen nach Vinland gemacht worden. Und in den Wellen dieses Sagenstromes mag auch die Sage von Hvitramannaland, das heisst dem Lande der weissen Männer, oder Grossirland entstanden und gewachsen sein. Jene Skraelingerkinder sollen zuerst davon erzählt haben: Östlich von Markland, so heisst es, also im Atlantischen Ocean, liegt ein Land, nach dem sich Irländer einst zurückgezogen haben, wonach man es Grossirland nannte. Hier sprach man irisch; ihren Prozessionen nachzugehen, war die Hauptbeschäftigung dieser Verschlagenen. In weissen Kleidern (daher der Name Hvitramannaland‘), mit wehenden Fahnen, geführt von einem Priester durchziehen die Leute die fruchtbaren Gefilde. In sechs Tagereisen gelangt man von Irland aus hierher, und auch verschiedene Isländer sind dorthin gekommen, ja einer ist sogar Häuptling  der irischen Kolonie geworden und reitet auf stolzem Rosse (!) der Prozession voran. Dieser ganze Bericht ist Sage, so sehr man sich auch bemüht hat, Grossirland auf der Karte auffindig zu machen. Schon im 9. Jahrhunderte erzählt der irische Geograph Dicuil von Prozessionen seiner Landsleute auf dem fernen Thule, das ist wohl Island. Diese geschichtliche Thatsache lebte unter den Iren fort, und als dann Island von Norwegern kolonisiert war, da wurde aus Thule ein fabelhaftes Land im fernen Westen. Von den Iren vernahmen die Isländer die Kunde und erzählten auch sich von dem westlichen Eiland, das sie aber nach ihren eignen Berichten nur aus dem Munde der Iren kannten; — historischen Wert hat die Erzählung nicht.

Germanenherz aus dem Buch: Die Entdeckung Amerikas durch die Nordgermanen (von Eugen Mogk 1893).

ergänzend

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Die Stimme der Ahnen

 Lass´ niemals los, das Ahnenband

flaggge_deutsches reich Lass niemals los, das Ahnenband, gedenke deiner Väter Land!

Gedenke stets der Traditionen und halte hoch die deutschen Werte, die einst dein Volk hat groß gemacht, und die ihm brachten bald die Ehre, für die wir Deutschen sind bekannt und die ein Mensch assoziiert, wenn er mal hört vom deutschen Land und was er meint, was sich geziemt, wenn man als Mensch, ein Deutscher ist!

Sieh´ stets dich an der Spitze steh´n, der Ahnenreihe deines Volkes, und als der Nachfahr´ , all der Deutschen, die früher lebten in dem Land, das dir bekannt ist als die Heimat, das ewig bleibt, dein Vaterland!

Gedenk´ mit Stolz und auch mit Anmut, all der Krieger, die gefallen, für das Land in dem du lebst, damit auch du hast d´ran gefallen, selbst wenn sie auch nicht siegreich waren,
neig´ trotzdem dann dein Haupt in Ehren, denn schließlich taten sie´s aus Pflicht, zu kämpfen, sich zu wehren, das kampflos nicht verloren geht, was heilig war und immer ist, und was auch du die Heimat nennst, was stets dir doch das Liebste ist.

Denn Sieger ehren, daß kann jeder! Darin war noch nie die Kunst !

Doch edel ist ein Volk auf Erden, das unterlag und doch nicht bricht, die Treue zu den Männern dann, die kehrten nicht als Sieger heim, doch taten bis zum Schluss die Pflicht, auf daß das Land nicht niederbricht und nicht verlieret seine Ehre, zum Schutz sich setzten stets zur Wehre und auch in Not zerzagten nicht, so stritten sie ganz unverzagt, bis das am Ende war nur Leere und Sieger blieb der Bösewicht.

Wer also kämpte, so beherzt, ganz gleich wie´s ausging, schließlich dann, der hat verdient sich auch die Ehre, auf die du heute schauen kannst, mit Demut und mit großem Stolz, denn sei bewusst dir alle Zeit, solch Männer war´n aus and´rem Holz, als das was ´rumläuft, weit und breit, in unsrer düst´ren Gegenwart, in der uns fast nichts bleibt erspart, an Schande und an Kriechertum, ganz anders, war das Kriegertum!

Sie fichten brav, wie´s ward befohlen, und gaben nicht das Ringen auf, bis alles war fast aufgerieben und übrig blieb das blanke Grau´n.

So neige stets dein Haupt mit Dank , wenn du mal ziehst, ganz still vorbei, an einem Denkmal für die Helden, damit niemals verloren sei, das Angedenken an die Männer, die einst da stritten und die fielen, für Freiheit, Volk und Vaterland, auch wenn am Schluss sie auch nicht siegten:

Der Wille ist es, der da zählt, und das man tut stets seine Pflicht, ganz ohne dabei zu beachten, wie groß die Chance zum Siege ist !

Steh´ stolz, erhaben über dem, was Lumpen dir da sagen mögen und höre nicht, auf all die Lügen, wie ach so schlimm die Vorfahr´n waren, denn diese Hunde sind Verräter, die uns´re Ahnen da verachten und die da emsig sind bestrebt , das Andenken zunicht´ zu machen!

Doch gleichgültig, was sie auch mögen tun, für ewig lebt, der Toten Tatenuhm!

Hinfort mit solch Verräterbrut die spukt auf Deutschland und die Ahnen , solch Nestbeschmutzer, braucht kein Mensch, schon gar nicht in den finst´ren Tagen, die uns heut leider sind beschieden, drum halt stets hoch die Fahn´im Herzen, mit denen uns´re Männer siegten, mit der sie stritten und auch fielen, die ihnen war die teuerste, und liebste Fahne auf der Welt, das Hochgefühl, wenn man sie hisst, kann niemals kaufen man mit Geld!

Halt´ hoch die Farben: Schwarz, weiß, rot, und sei, wie die, die vor die waren, bewusst dir, daß du Deutscher bist und achte stets auf dein Betragen, mach´ deinem Volke, keine Schande, sei treu dem Reiche, bis zum Tod, ganz gleich, was dir da and´re sagen!

D´rum halte fest, das Ahnenband und spüre dann die große Kraft, die strömet durch das geistig´ Band, daß dich mit Volk und Land verband, seit dem Momet, da du gezeugt, und bleib getreu dem Vaterland und gib´s nie kampflos aus der Hand ,ich hoff´du hast den Ernst erkannt!

Deutsch denken, sprechen, fühlen, handeln, dies vorzuleben, so zu wandeln, den Anderen ein Vorbild geben, soll dann gereichen zu dem Segen, der dann bewirkt die neue Kraft
die unser ganzes Volk erfasst, und die das Rückrad werden lässt gerade, um wieder aufrecht dann zu schreiten, erhaben, stolz mit uns´rer Fahne, zu kämpfen dann für unser Recht !

Auf das, das Reich erstehet neu und schön und frei sich´s leben lässt!

Dies wünschen sicher auch die Ahnen!

Auch wenn sie tot sind,und nichts wissen, wer Ehre hat und Treu´ im Herzen, wird allezeit sie stets vermissen.
So schaut herab auf uns nicht nur,der Herr der gebe uns die Kraft, zu bleiben immer deutsch und treu, ganz völlig Wurscht, ob Tag, ob Nacht!

So rät dir, die Westaflenlinde, die lang´ schon steht in deutschem Land, sei deutsch und treu und nie vergiss:
Halt immer fest, das Ahnenband !
ahnenDIE STIMME
DER AHNEN
Eine Dichtung von Wulf Sörensen
Der Deutschen Erhebung gewidmet
Deutschland erwache !
_______________________________
NORDLAND-VERLAG G.m.b.H
BERLIN
1943

» Ungekürzte Ausgabe «
1986 wurde dieses Buch neu verlegt, aus dem Seite 33 entfernt wurde.
ISBN 3-926179-01-5

Da hängen sie nun an der Wand: einhundertundsechsundneunzig kleine Tafeln in eirunden Rahmen matten Goldes sind es geworden. Und es sind noch lange, lange nicht so viele, wie es hätten sein müssen. All die oberen Reihen zeigen nur ein weißes Blatt mit einem Namen und ein paar Zeilen darauf.

Aber in den unteren Reihen da wird es lebendiger. Um die Zeit herum, da der Dreißigjährige Krieg begann, hebt es an: feine Kleinmalereien, mit spitzem vorsichtigen Pinsel auf gelb gewordenes Elfenbein gemalt. Aber man merkt es: der zarte Marderpinsel wollte nur widerwillig den harten und eigenwilligen Zügen folgen, die zu malen ihm aufgetragen war Die weißen Halskrausen und die Rüschen, die Spitzen, die Puffärmel, und bei den „Herren“ die blütenzarten „Jabots“ in den Bildern um das beginnende achtzehnte Jahrhundert herum, das alles wirkt bei denen da wie eitler Narrenplunder.

„Herren?“

Nein, O nein, nicht eine „Dame“ und nicht ein „Herr“ sind unter ihnen zu finden, trotz Samt und Seide nicht. Frauen und Männer sind sie alle, und das ist weit, weit mehr, als heute „Herr“.

Denn die da an der Wand im Bilde weiterleben, waren Fr e i e !

So weit ist’s mit uns gekommen, daß wir die Ahnen im Zeichen oder im Abbild an die Wand bannen müssen, um ihnen m unserem träg gewordenen Andenken ein blasses Leben zu geben.

Ahnen?

Nicht einmal den Tag der Geburt und den Totentag ihrer Eltern wissen alle mehr; sie haben ihn ja aufgeschrieben. Es ist schon ein Wunder, wenn einer ein wenig vom Ahn weiß, oder gar vom Großahn.

Und an den Urgroßahn denken sie schon gar nicht mehr, als sei er nie gewesen.

Früher, ganz früher war das anders. Damals als das Wort noch nicht zur feilen Ware geworden war, als man mit dem Worte noch nicht lügen konnte, als das Wort noch lebendig war, damals brauchte es des Schreibens und Aufschreibens nicht;

Zu jener Zeit war der lebendige Blutstrom vom Sohn zum Vater, vom Vater zum Ahn und zum Großahn und Urgroßahn noch nicht verschüttet. Noch rauschte er nicht, wie heute, tief tief unter allem Fremdgut des Geistes und der Seele, daß ihm die meisten nicht einmal mehr in der stillsten Stunde zu lauschen vermögen. Einst war alle Vergangenheit im Herzen eines jeden einzelnen lebendig. Und aus dieser Vergangenheit wuchsen Gegenwart und Zukunft empor wie die starken Äste eines gesunden Baumes.

Aber als diese herrliche Gotteswelt verteufelt wurde, als man sie eitel und verächtlich machte, wurde die lebendige Vergangenheit zur Sage, und die Sage wurde zum Kindermärchen.

Und heute?

Heute lachen sie sogar über die Märchen unseres Volkes und kennen sie nicht einmal. Und doch sind die Märchen das einzige, was uns von dem „Es war einmal“ geblieben ist, das wie ein still mahnender Finger in die Jahrtausende der Vergangenheit unseres großen Volkes zurückweist.

Wir brauchen nicht, was einst gewesen, meint ihr?

Eitles Geschwätz!

In wessen Brust das „Es war einmal“ seines Geschlechtes nicht wach ist, der hat auch keine Zukunft, die ihm gehört.

Es müßte bald einmal einer kommen, der uns unsere Märchen wieder verstehen lehrt und der uns so zeigt, daß unser Kampf um die Freiheit der Erde, die uns geboren hat, auch schon der Kampf unserer Ahnen vor hundert und tausend Jahren gewesen ist.

Wißt ihr, wenn ihr von Schneewittchen lest und von der bösen eitlen Königin, die über die Berge kam, daß diese Berge jenes „ultra montes“, jenes „Jenseits der Berge“, der Alpen, jenes Rom bedeuten, das allem Nordischen Todfeind ist? Und denkt ihr nun an den Spruch dieser Königin:
„Spieglein, Spieglein an der Wand, sag‘ an:
wer ist die Schönste im ganzen Land?“

Und denkt ihr bei diesem Spruch zugleich an jenes Rom, das nicht rastet und ruht, bis alles Nordische, Helle und Frohe ausgerottet ist und nur Dunkles bleibt, dunkel wie jene Königin im Märchen, so daß sie die Erste im Lande ist, — weil alles Weiße tot ist?

Dieses von „ultra montes“ Kommende duldet nichts neben sich. Es kann nur sehen, was vor ihm in die Knie gebrochen ist und ihm die Füße küßt.

Als die Königin, als fahrende Krämerin aus fernem Lande verkleidet, zum ersten Male über die Alpen kam, bot sie ihm das verlockende Mieder — verlockend, weil es fremdartig war — und zog seine Nesteln so eng, daß Schneewittchen ohnmächtig niedersank: die Sendboten Roms schnürten den nordischen Geist in die alles Leben erstickenden Bande fremder Begriffe und Trugworte.

Aber der verderbliche Plan gelang nicht. Die Zwerge — des Volkes gute Geister — kamen und befreiten Schneewittchen: die Friesen zerschmetterten die römischen Sendlinge, die mit ihrer Elends- und Knechtslehre die Kraft des Volkes zu brechen trachteten. Bald tausend Jahre rangen die Deutschen Stämme gegen das Gift vom Sinai, das ihnen das saubere Blut verdarb.

Und als die eitle Königin nun wieder den Spiegel fragte, ward ihr dennoch die Antwort: aber Schneewittchen, über den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen, ist noch viel tausendmal schöner als ihr!“

Und wieder kam die Königin, von ruhelosem Neid getrieben, über der Alpen schneeige Wand mit neuem Trug. Sie bot Schneewittchen einen herrlich glänzenden Kamm, — ein Ding so fremdartig, wie es nie zuvor ein anderes gesehen: der römische Kaisergedanke lockte den Deutschen Tatwillen von seinem eigentlichen Ziele ab. Und nun kamen mit den romfahrenden Deutschen Kaisern schwere Not und das römische Recht in das Land, das den nordischen Stolz in Ketten legte.

Doch immer noch war der Deutsche Geist nicht gebrochen, immer noch war die böse Königin nicht die Schönste In allen Landen. Und so kam sie zum dritten Male und reichte Schneewittchen den giftigen rotwangigen Apfel, von dem ihm ein Bissen im Halse stecken blieb, daß es wie tot niedersank.

Dieser Apfel, dieser völlige Ab-Fall von der eigenen Art war. es, der des Deutschen Wesens Verderben war.

„Wie tot“ sagt das Märchen, denn es weiß recht wohl um die ungeheure Kraft, die im Volke nur schlummert, und weiß: einst kommt die große Stunde, da sie mit riesenhafter Gewalt die Fesseln vom Sinai sprengt.

Ob sie jetzt kommt, diese langersehnte Stunde? —

Nicht nur Schneewittchen, nein, hundert und aber hundert uralte Deutsche Märchen erzählen mahnend in immer anderen Bildern von der Not, den Bedrängnissen und der tiefen Weisheit unserer Ahnen.

Und da Roms Geißel über das Land zuckte, alles wahrhaftig aus der eigenen Art Emporsprießende erbarmungslos vernichtend, flochten die weisen Ahnen in bunte Bilder, in geheimnisvolle Worte, was sie den Nachfahren zu sagen hatten.

Aber auch dieser Sagen, dieser Märchen und Bilder hat sich Rom bemächtigt, hat sie verfälscht und in einen ihm selber nützlichen Sinn umgedeutet.

So kam es, daß unser großes Volk die Stimme der Ahnen nicht mehr verstehen konnte, daß es all die vielen Jahrhunderte in der Irre ging, sich seinem eigenen Wesen mehr und immer mehr entfremdete und Roms und damit Judas Knecht wurde.

Nur wer lebendig flammend die eigene Seele in der breiten Brust trägt, ist ein Einziger, ist ein Herr.

Wer aber von seiner Art läßt, der ist Knecht.

Der Schlüssel zur Freiheit liegt in uns! Lauschen wir wieder auf der Ahnen Stimme und hüten wir vor fremder Hand, was aus der eigenen Seele wachsen will. Stärker als Heere ist der Mensch, der den Gewalten sein heiles Ich entgegenzustellen vermag.

Ich sehe nachdenklich auf die lange Reihe der Ahnen, deren letzte Glieder soweit zurückreichen, daß kaum mehr ein Name und eine Zahl auf einem weißen Blatt Papier zurückgeblieben sind. Und ihre Stimmen werden im Blute lebendig, denn mein Blut ist das ihre. Ich denke daran, wie die welschen Mönche zu den Ahnvätern unseres Volkes kamen, von denen selbst ihre Todfeinde, die Römer sagten: „Wo die Goten hinkamen, da herrschte Keuschheit, wo aber die Vandalen hinkamen, wurden selbst die verderbten Römer keusch! Und diesen Menschen wurden diese Gebote vom Sinai als Leitstern des Lebens angeboten!

Kann man verstehen, daß diese Menschen gelacht haben, als sie diese Gebote hörten, weil ihnen unbekannt war oder unfaßlich, was man von ihnen forderte nicht zu tun?

Kann man verstehen, daß sie in rasendem Zorn das Schwert erhoben, als man ihnen sagte, der Mensch sei böse von Jugend auf, — ihnen, deren Beste die Goten: die Guten waren?

Kann man verstehen, daß unsägliche Verachtung diese herrlichen Menschen bitter machte, als man ihnen reichen himmlischen Lohn verhieß, wenn sie Dinge nicht tun würden, die sie nach ihren heimatlichen Begriffen unter das Tier hinabgewürdigt hätten?

Ihnen brachte man diese Gebote, die jenen, die sie darboten, an Menschenwürde und Sitte unendlich überlegen waren. Die seit unzählbaren Geschlechterfolgen bereits sternenhoch hinausgewachsen waren über die sittliche Ebene, auf der sich die Gebote von Sinai bewegen, und die schon seit vielen Tausenden von Jahren vor der bei uns üblichen Zeitrechnung, Gesittung und Kunst auf langen Wanderfahrten befruchtend in die Welt trugen.

Wenn ich die kleinen Bilder betrachte und durch ihre festgefügten Gesichter hindurch die Züge der Ahnen sehe, von denen keine Kunde mehr in diese Zeit dringt, dann ist mir, als sei ich von einer hohen, hohen Leiter hinabgestiegen, — wo ich doch hätte hinaufsteigen müssen!

Was jene waren, gelingt uns Heutigen nur manchmal zu scheinen, wenn das Wünschen übergroß wird: zu sein, wie jene gewesen sind.

Diese Kerle standen mit Allvater auf dem Duzfuß und brauchten noch keinen Advokaten mit dünnem Heiligenschein, wenn sie mit ihm zu reden hatten. Und auch das Bitten kannten sie nicht, dazu waren sie zu stark und zu stolz, — und zu gesund.

Erbeten Gut ist Fremdgut!

Sie wollten nichts Geschenktes, weil sie selber genug hatten, und wo was fehlte, da holten sie sich’s.

Ihr Glaube war ein Satz so kurz wie ein Augenzwinkern und so klar und tief wie ein Forellenwasser:

„Tue Recht und scheue niemand!“

Das andere, was noch dazu gehört, taugte ihnen nicht einmal für die Zunge, und die war doch karg genug dazumal.

Dieses andere trugen sie in der Brust und es war wie eine weisende Kompaßnadel, die das Boot stets in die rechte Bahn zieht.

War das wohl ein besserer Glaube als jener, der in einem dicken Buch aufgeschrieben steht, damit man nicht vergesse, — und den man nicht einmal richtig verstehen kann, es sei denn, der Priester komme und lege aus, was da geschrieben steht? Und dann muß man noch glauben, daß diese krause Auslegung recht ist.

Damals wuchs der Glaube aus dem Blut und er war ein Wissen, — heute aber muß er gelehrt werden, denn er ist ein Fremdglaube, der in unserem Blute nicht Wurzeln schlagen kann. Er ist ein Für-wahr-halten, was keiner wissen kann und das die meisten still abtun, weil es wider die Natur und die Vernunft ist.

Sind wir besser geworden, seitdem? Sagt es selbst.

Ein groß wortlos Trauern ist in der meisten Brust, eine grenzenlose Heimatlosigkeit, denn der Ahnen Sitte wird als Traum ewig in unserem nordischen Blute leben.

Wir wollen wieder gut sein, gut von Jugend auf, wie die Ahnen waren.

Wir wollen nicht mehr demütig sein und klein und schwach und alles jenem überlassen, von dem gesagt wird, er habe die eigene Schöpfung zu einem Sündenpfuhl gemacht, — der das eigene Werk verachtet. Stolz wollen wir wieder werden und groß und stark, und alles selber tun!

Wie anders jene Gesichter an der Wand dort sind, als die Gesichter der Heutigen. Nur wenn man ganz genau zusieht, findet sich noch ein Schimmer jener Klarheit von einst in den Zügen der letzten Geschlechterfolgen.

Was in den Ahnen so lebendig war, daß es das Gesicht eigenwillig formte, hat sich uns in das Blut verkrochen und träumt.

Darum täuschen die Gesichter heute so oft.

Manch einer, dessen Haare und Augen in der Farbe nach dem Süden zeigen, hat den Großteil des Blutes von den nordischen Vätern.

Und manch einer, der aussieht, als hätten ihn zwei Jahrtausende vergessen, trägt seine hellen Haare und seine grauen oder blauen Augen als trügende Maske, und sein Blut hat nicht einmal mehr die Erinnerung an die Väter im Nordland. Der eine hat nur den Schein des Fremden angenommen und behielt sein nordisches Blut.

Der andere nahm das Blut des Fremden und behielt Bein nordisches Gesicht als Trugmaske.

Was ist besser?

Heute muß man in die Augen schauen, ob sie noch fest sind und leuchtend und kühn. Die Seele blickt durch die Augen, und die trügt nicht.

War manch ein Rebell und Ausreißer unter denen da. Manch einer, der denen den Bettel vor die Füße schmiß, die an ihm herumbiegen wollten. Konnten nicht krumm sein, diese Kerle, wollten lieber in der Fremde vor die Hunde gehen, als verbogen werden.

Ging aber keiner vor die Hunde.

Wer in die Fremde ging, folgte dem rastlosen Strom seines Blutes, das nicht Ruhe gab, bis es sich selbst gefunden: das Fremde ausgeschieden und in den Blutstrom der Väter eingeflossen war und so bewußter Teil der Ahnenreihe wurde, die den großen Kreis der Sippe schließt.

Aber wenn dann wieder einer heimkam — alle kamen sie wieder — dann war aus ihm ein Stiller und Fertiger geworden.

Man kann nicht sagen, was es ist, dieses Fertigsein.

Aber wenn die anderen durcheinander schwatzen und dieser eine sagt leise nur ein paar Worte, dann haben alle anderen diese Worte verstanden und werden still und lauschend.

Und dieser eine fragt nicht; er wird gefragt.

Das ist es.

Man sieht’s ihren Augen an: wie sie das Leben meisterten, so standen sie auch mit dem Tode auf dem Duzfuß

Er war ihnen vertrauter Weggenoß.

Bis herauf in unsere Tage haben sie diese Augen.

Da war einer, Ekke hieß er und fiel am Kemmel.

Der Stahlhelm auf seinem Kopf sieht aus, als gehöre er zu ihm, als sei er ein Stück seiner selbst.

Sein Mund ist wie ein Strich.

Aber in seinen zwanzigjährigen Augen blinkt ein leises Lachen.

Und mit diesem Lachen, das dem Munde fremd ist, und mit zwei Fingern an der Kante des Stahlhelms hat dieser Ekke den Tod gegrüßt, als er winkend vorüberschritt.

Ich kann mir diesen Ekke nicht vorstellen, wie er betend und flehend, in die Knie gebrochen vor Jammer, einen Gott über den Wolken um Gnade und Hilfe anfleht.

Aber so kann ich mir ihn vorstellen:

halbaufrecht emporgeworfen die Handgranate mit einem Jauchzen in das Maschinengewehrnest schleudernd. Und im Schwung noch von der Kugel getroffen und niedersinken mit dem letzten Gedanken:

… das Beste für Deutschland …!

Dieser Ekke nahm den bitteren Kelch mit stolzem Heldenlachen und trank ihn aus, in einem Zug, bis auf den Grund Und hat womöglich noch die Nagelprobe gemacht ohne eine Miene zu verziehen.

Er hat nicht gefleht, der Kelch möchte an ihm vorübergehen. Er griff von selbst nach ihm, denn er weiß:

Alles Notwendige ist gut!

Seite 33 (BRD zensiert)

Unter dem Bilde Ekkes steht sein Lebensspruch. Er hat ihn mit seiner festen klaren Hand selbst geschrieben: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!“

Ist das nicht weit, weit mehr, als jene zehn Gebote, die der Jude Moses dem verkommenen farbigen Hebräergesindel in der Wüste geben mußte, um dieser Horde die Anfangsgründe des Menschseins verständlich zu machen?

Für dieses Hebräergeschmeiß waren diese Gebote recht, hatten es doch sogar die Ägypter zum Lande hinausgejagt; sogar als Sklaven waren die Hebräer, die das ganze Volk verpesteten, zu schlecht.

Die Hebräer — das auserwählte Volk unter den Völkern! So groß ist der Hohn dieses Wortes, daß man ihn für ernst nahm.

Gebote setzen ihre Übertretung voraus.

Schon an der Notwendigkeit dieser Gebote, die nichts fordern als das Allermindeste, um auf die Bezeichnung „Mensch“ Anspruch erheben zu können, erkennt man, welchem Auswurf mit menschenähnlichen Gesichtern sie gegeben wurden.

Eine Schmähung, unsühnbarer Schimpf des Hehrsten im Blute waren diese Gebote für den Menschen im Norden.

So wuchs aus der flammenden Empörung des nordischen Blutes ein Wittekind, der immer und immer wiederkehrte und die Seinen zum Kampf gegen die Lehren vom Sinai und von Nazareth führte. Denn tödliches Gift sind diese Lehren für unser Blut.

Wann er nicht mehr wiederkommt, dieser Wittekind, fragt ihr? Hört: im letzten Deutschen stirbt Wittekind! Solange noch ein einziger Deutscher lebt, ist Wittekind lebendig und ihr seid nicht sicher vor ihm!

Nicht zwanzig Millionen, nein, O nein! Siebenzig Millionen Deutscher sind zuviel auf dieser leuchtenden Erde für alles, was vom Sinai kommt. —

Auch die Letzten, die echt sind, werden noch wach werden, wenn die Schwerter an die Schilde dröhnen und die Heerhörner zum letzten großen Thing dieses unseligen Jahrtausends rufen. Und wer dann noch schläft, dessen Blut ist dumpf geworden und sauer.

Kein Schwerthieb für ihn!

Er werde achtlos zertreten von den Füßen der Heerhaufen, die auf allen Straßen dieser Deutschen Erde zum Thing eilen!

Eine uralte Sitte ist in diesem Geschlechte lebendig geblieben bis auf den heutigen Tag. Einmal schien diese weise, von den Urvätern überkommene Sitte zu verlöschen. Aber sie lebte wieder auf und die Stunde ist nicht mehr fern, in der ein ganzes Volk, mein großes schönes Volk, den Sinn dieser Sitte wieder erkennen und durch sie gesunden wird.

Die Ahnen dieses großen Geschlechtes gaben dem Kinde einen kraftvollen Namen, voller Frohsinn und Lebensmut.

Sie liehen ihm diesen Namen.

Und dieser Name war dem Kinde wie ein leuchtendes Ziel, weit vorausgeworfen seiner Lebensbahn.

Als der kostbarsten Güter eines trug das Kind diesen Namen in seiner Seele, denn er war Hoffnung und heilige Verpflichtung.

An diesem Namen erstarkte des Kindes Seele und wurde ein ganzes, leuchtendes ich.

Wenn aus dem Kinde ein Jüngling geworden war, traten die Ältesten der Sippe beim Fest der Namengebung zusammen und prüften, ob die nun entfaltete Wesenheit des jungen Menschen dem ihm einst gegebenen Namen noch entsprach.

Wurden Mensch und Name als ein Klang befunden, dann wurde dieser Name dem Jüngling für die Zeit seines Lebens gegeben. Sonst aber wählte sich der junge Mensch seinen eigentlichen Namen, Sinnbild seines Wesens, selbst.

So kam es, daß die Ahnen waren, was ihre Namen sagten. Und darum wog ihr Name so schwer, wie das runengemarkte Schwert, wie Wort und Handschlag, wie Nein und Ja

In der Zeit des Christentums hatten die Ahnen noch einen anderen Namen, wie es das neue landfremde Gesetz erzwang. Aber diesen Namen kannte keiner; er stand im Kirchenbuche geschrieben und war nur eine Bezeichnung, war eine Stückzahl. Die Obrigkeit mußte den lebendigen, den heidnischen Namen des Mannes neben den wesenlosen christlichen schreiben, um nicht Schemen in den Büchern aufzuzählen.

In diesen Zeiten aber entsprossen dem Geschlechte die aufrechtesten Männer und die stolzesten Frauen.

Ich trete näher an die Bilderreihen hin und lese die Namen. Die Ältesten sind:

Helge, Fromund, Meinrad, Markward, Ran, Waltan, Eigel, Asmus, Björn. Seltsame Namen sind dies, nicht? Es sind Namen, aus der großen Sprache unseres Volkes selbst geboren. Nichts Fremdes ist in ihnen, kein falscher Klang. Echt klingen sie im Mund wie gediegenes edles Metall. Nach salziger See schmecken diese Namen, nach schwerer fruchtbarer Erde, nach Luft und Sonne — und nach Heimat. Merkt ihr’s?

Wenige werden es merken, allzu wenige. Die eigene Sprache ist ihnen fremd geworden und hat ihnen nichts mehr zu sagen….

Und die letzten dieser Reihe begannen ihre Söhne so zu nennen:

Gottlieb, Christian, Fürchtegott, Leberecht, Christoph… und noch später:

Paulus, Johannes, Petrus, Christophorus, Korbinianus, Stephanus, Karolus….

Um diese Zeiten hatten die Ahnen keine anderen Namen mehr als diese.

Fühlt ihr, wie es in diesen Menschen zusammenbricht, wie sie heimatlos werden in der eigenen Haut, — wie steil es die Leiter abwärts geht?

Ein ganzes Schicksal liegt in der Wandlung dieser Namen beschlossen.

Nicht das Schicksal eines einzelnen, oder das einer Sippe.

Das Schicksal eines ganzen Volkes verkündet diese Wandlung.

Das Schicksal unseres Volkes! Aber wie seltsam:

Jenen, die von ihren Vätern Karolus genannt wurden und Paulus, schienen diese Namen auf einmal lästig geworden zu sein, fremd, unbequem, Hohn und Spott.

Und nun kommt das Geschlecht, das in den großen Krieg zog, und die Namen mit den kleinen eisernen Kreuzen hinter einer Jahreszahl, die bloß zwanzig oder noch weniger Jahre von dem Jahr der Geburt entfernt ist, lauten:

Jochen, Dieter, Asmus, Erwin, Walter, Roland, Georg….

So heißen wir.

Und wie heißen die Allerjüngsten, die ihre Namen noch in das dritte Jahrtausend nach der Zeit nordischen Selbstvergessens hineintragen können?

Gerhardt, Hartmut, Dietrich, Ingo, Dagwin, Günther, Hellmut, Gernot… Dagmar, Ingeborg, Helga….

Ob das der Große Krieg gemacht hat?

Es geht bergauf!

Die Namen sagen es.

Einige der Männer tragen geistlich Gewand.

Aber der Maler hat ihnen ein Zeichen mitgegeben. Und wer dies Zeichen zu lesen vermag, der weiß, wie viel oder wie wenig sich das starke Herz von dem Schatten des schwarzen Gewandes verdunkeln ließ.

Es sind alles nur Kopfbilder, doch bei dem einen zeigt der Maler auch die Hand. Eine starke, sehnige Hand, die ein Steuer im Sturme bändigt.

Das schwarze Buch in dieser Hand sieht wie eitel Spielwerk aus.

Eine solche Hand vermag den Feind nicht zu segnen, — sie zerschmettert ihn. Dem Frithjof Sören hat der Maler den Namen beigegeben.

Seltsamer Name für einen Priester. Frithjof ist der Friede-Raubende.

Sollte der Priester Sören jenen den Frieden des Lammes geraubt haben, denen er das gesunde Mark zerfraß?

Einen anderen zeigt der Maler mit windzerzaustem Grauhaar. Seine Nase ist gebogen, wie der Schnabel des Seeadlers. Der Blick seines Auges ist ohne Grenzen. Und Ran Sören soll diesen seinen Nacken in Reue und Buße und Demut gebeugt, soll die Welt verachtet und eines anderen Kraft mehr vertraut haben, als der eigenen….?

Ich weiß, warum es das Schicksal fügte, daß diese da den schwarzen Rock tragen mußten: —ohne sie wäre manch ein Heide weniger im Norden, ohne sie hätte manch einer mehr das eigene Gottesbild mit dem fremden vertauscht und wäre müde geworden an der eigenen Kraft und an der Welt, und manch einer mehr hätte sein Blut vergessen, wie es diese Lehre will und wäre zum Knecht geworden.

Das sind wahre Heilige, denn sie haben ihr heil-Ich bewahrt, trotz der Soutane.

Sie schlugen den Feind mit der eigenen Waffe.

Die Heiden nannte das Volk dies Geschlecht. Und einige waren so stolz auf dies Wort, daß sie es ihrem Namen beifügten, wie man ein Seltenes und Besonderes nimmt, sich damit zu schmücken.

Denn der Heide ist einer, der sich und seiner Art treu blieb, dessen Blut rein in den Adern fließt. Und dies reine Blut vermag die Welt nicht mit den Haßaugen von Sinai und nicht mit den weichen Knien von Nazareth zu erleben. Es trägt das Göttliche rein und klar und schön in seinem roten Strome durch die Erdenewigkeit des Geschlechtes.

Nie hat einer dieser Menschen Gott gesucht. Man sucht nicht, was lebendig in der Seele wohnt.

Nie hat einen dieser Menschen Zweifel um das Göttliche angefressen. Nur wer den Gott in sich verraten und einem fremden Gottesbild die Seele geopfert, kennt diesen Zweifel. Ewig ist der Zweifel, wo das ewig Fremde und darum ewig Unbekannte ist.

Ein ewiger Zweifler ist der Christ.

Kann der treu sein, der sich selbst untreu wurde?

Kann der groß sein, der sich in Sehnsucht nach dem Staube verzehrt?

Kann der stark sein, der die Schwachheit liebt?

Kann der stolz sein, der in Demut einherwandelt?

Kann der rein sein, der sich in Sünden geboren sieht?

Kann der glücklich sein in dieser Welt, der die Welt verachtet?

Und kann der Gott in der Seele tragen, der die göttliche Schöpfung verachten muß?

Welch seltsamer Gott ist dies, ihr Christen, der euch aufrecht erschaffen und der euch in die Knie brechen heißt, will eure Seele sich ihm nahen.

Wir kommen nicht zu unserem Gott, zu bitten, wir Heiden.

Gott ist zu groß — und wir sind zu stolz, zu bitten. Wir würden den Gott in unserer Seele schmähen.

Wir kommen nicht zu Gott, zu klagen, wir Heiden, — weil wir unsere Fehler nicht den Leuten zeigen — am wenigsten aber Gott.

Wir suchen unsere Fehler abzulegen und zu wachsen

Nicht die Klage ist unser Teil, sondern der Zorn, — am ersten aber der Zorn gegen uns selbst.

Und wir bereuen nicht, wir Heiden, weil wir nicht feig sein können. Der Mann steht zu seiner Tat.

Warum habt ihr ein Schimpfliches aus den „Heiden“ gemacht?

Ihr solltet eure Kleinheit nicht auf den Gassen feilhalten und eure befohlene Liebe nicht mit eurem Haß bedrängen und euer Verzeihenmüssen nicht mit eurer Rache!

Nur der Neid schimpft!

Wir schämen uns für euch, weil wir euren Neid sehen, — sind manche von euch doch Brüder unseres Blutes.

Einst war es Schimpf, ein Christ zu sein. Aber als ihr Masse wurdet, ihr Christen, machtet ihr die Tugend zum Schimpf — und ihr nanntet uns „Besondere“, nanntet uns „Heiden“.

Wir sind „Besondere“ geblieben, obgleich ihr schimpftet!

Nie werden wir Masse sein und nie Herde.

Wißt ihr, daß viele unter euch heute noch „Besondere“ sind?

Warum werft ihr die Bettlerlumpen nicht ab, die ihr euch über den Königsmantel des Menschen gezogen habt?

Schämt ihr euch, „Besondere“ zu sein? Fürchtet ihr „Heiden“ genannt zu werden?

Wenn die Christen Gott in den Wolken ganz vergraben haben werden, mögen sie zu uns kommen, — wir werden ihnen Gott wieder zeigen, — wir Heiden. — Denkt nicht, wir rechneten ab, ihr Christen! Wir wägen still — aber wir wägen nicht mit falschen Gewichten. Wir betrügen den Gott in uns nicht, weil wir uns nicht selbst betrügen. Wie wir richtig gewogen haben, so hätten wir auch richtig gerechnet, vermöchten wir mit Gott um die Seele zu markten: seht, wir bereuen nicht, weil wir nichts zu bereuen haben, — nichts fehlt an unserer Mark Wert.

Eine ganze Mark haben wir erhalten. Eine ganze Mark behielten wir.

Und nun wäget ihr?

Und wenn ihr gewogen habt, geschätzt und gerechnet, dann fragt euren Neid, wieviel ihr verlort.

Wer nichts verloren hat von seinem Wert, der ist ohne Neid und ohne Haß für uns Heiden.

Der kleine Mensch haßt, was über ihm ist, der große bewundert es, der kleine Mensch bemitleidet, was unter ihm ist, der große verachtet es, — wenn es seiner Verachtung wert ist, — oder hilft.

Dort in der Wiege liegt mein kleiner Sohn und greift jauchzend nach den Bildern der Ahnen an der Wand.

Diese kleine lachende Lebendigkeit ist der nächste Schritt meines Geschlechtes in die Zukunft.

Ich war der letzte Schritt.

Und hinter mir sehe ich den Weg meines Geschlechtes in fernen Jahrtausenden verdämmern, — denn auch was ich nicht weiß, ist Wirklichkeit. Meines Geschlechtes Weg durch die Zeiten kenne ich nicht, aber ich weiß, daß ich lebe, und weiß, daß ich nur Glied einer Kette bin, die ohne Fehl sein muß, so lange mein Volk lebt, — sonst wäre ich nicht.

In Pergament gebunden wandert seit langem ein Buch durch das Geschlecht. Ich schlage es auf und schreibe eine vergilbte Seite für meinen Jungen:

„Du bist nicht heute und bist nicht morgen. Du bist tausend Jahre vor Dir und bist tausend Jahre nach Dir.

Tausend Jahre vor Dir haben ihr Blut gehütet, daß Du so wurdest, wie Du bist.

Hüte Du Dein Blut, daß die Geschlechterfolgen der tausend Jahre nach Dir, Dir Dank wissen.“

Das ist der Sinn des Lebens, daß Gott wach wird im Blute.

Aber nur im reinen Blute ist Gott.

Von wem habe ich gesprochen?

Von meinen Ahnen?

Sinnbild ist nur das Eigene für das Volk, in dem ich lebendig bin.

Zu wem habe ich gesprochen?

Zu meinem Sohn?

Mein Sohn ist nur Teil meines Volkes.

Weisheit aus tausend Geschlechtern schlummert in dir.

Wecke sie und du hast den Schlüssel gefunden, der dir das Tor deiner tiefsten Sehnsucht öffnet.

Nur wer sich selbst achtet, ist wert. Mensch zu sein

Mensch ist nur, wer Vergangenheit und Zukunft lebendig in sich selbst trägt, — denn nur der steht über der Stunde Gegenwart.

Wer Herr des Gegenwärtigen ist, der allein ist glücklich.

Nur im Glücklichen ist Gott Das sagt die Stimme der Ahnen

Tacitus’ „Germania“

tacitus-agricola-germania Von Andrew Hamilton,  Das Original Tacitus’ Germania erschien am 30. September 2011 bei Counter-Currents Publishing/North American New Right.

Tacitus’ Germania, eine kurze Monographie über die germanische Ethnographie, die ca. 98 n. Chr. geschrieben wurde, ist von großer historischer Bedeutung. Die Überlieferung des Textes bis zum heutigen Tag und gewisse Abenteuer und Spannungen, die sie umgeben, ergeben eine interessante Geschichte.

Der römische Historiker und Aristokrat Cornelius Tacitus (ca. 55 – ca. 117 n. Chr.) war der Autor mehrerer Werke, von denen mehr als die Hälfte verlorengingen. Was von seinen Schriften bleibt, wird in die sogenannten „großen [langen] Werke“, die Historien und die Annalen, die zusammen den Zeitraum von 14 – 96 n. Chr. behandeln, und die „kleineren [kurzen] Werke“ unterteilt: den Dialogus de oratoribus, Agricola und Germania. Man glaubt, daß Tacitus, ein Senator, im Jahr 79 das Amt des Quästors innehatte, 88 das des Prätors, 97 das des Konsuls und von 112 – 113 Prokonsul oder Gouverneur der römischen Provinz „Asia“ (der [heutigen] westlichen Türkei) war.

„Germania“ ist ein kurzes Werk, nicht wirklich ein „Buch“. Meine Ausgabe, Germany and Its Tribes“, ist bloße 23 Seiten lang – wenngleich in mäßig kleinem Druck der Kriegszeit auf dünnem Papier, ohne Anmerkungen, Karten, Illustrationen oder anderen redaktionellen Hilfen. Sie wurde von Alfred Church und William Brodrib 1876 aus dem Lateinischen übersetzt und von Random House’s Modern Library 1942 veröffentlicht.

„Agricola“, das vom römischen Britannien handelt, ist ungefähr von gleicher Länge. Agricola, der General, der hauptsächlich für die römische Eroberung Britanniens verantwortlich und von 77 – 85 n. Chr. Gouverneur Britanniens war, war Tacitus’ Schwiegervater.

Die „Germania“ ist seit der Renaissance die einflußreichste Quelle über die frühen germanischen Völker gewesen. Ihre verläßliche Darstellung ihrer Ethnographie, Kultur, Institutionen und Geographie ist die gründlichste, die aus der Antike überlebt hat, und bleibt bis zum heutigen Tag der herausragende klassische Text zu diesem Thema. Das Buch bezeichnet das Hervortreten der Nordeuropäer aus dem Dunkel der Archäologie, Philologie und Prähistorie ins Licht der Geschichte, ein halbes Jahrtausend nach dem Hervortreten der Südeuropäer bei Homer und Herodot.

Obwohl Tacitus zeitweise kritisch über die Germanen schreibt, betont er auch deren Einfachheit, Tapferkeit, Ehrenhaftigkeit, Treue und andere Tugenden im Kontrast zur korrupten römischen Gesellschaft der Kaiserzeit, die gegenüber der Vitalität der Republik abgefallen war. (Es ist gesagt worden, daß bei Tacitus niemand gut ist außer Agricola und den Germanen.)

Tacitus’ Buch beruht auf zeitgenössischen mündlichen und schriftlichen Berichten. Während dieses Zeitraums nahm das Wissen über Nordeuropa schnell zu. Römische Befehlshaber verfaßten unveröffentlichte Memoiren ihrer Feldzüge in der Art von Cäsars „Kommentaren“, die in römischen literarischen Kreisen zirkulierten. Diplomatischer Austausch zwischen Rom und germanischen Stämmen brachte germanische Führer nach Rom und römische Gesandte an barbarische Höfe. Und römische Händler erweiterten den Verkehr mit den Barbaren und schufen womöglich mehr Wissen als die Männer des Militärs.

Laut dem jüdischen Altphilologen Moses Hadas „opferte Tacitus niemals bewußt die historische Wahrheit. Er zog gute Quellen zu Rate, Memoiren, Biographien und offizielle Aufzeichnungen, und er deutet häufig an, daß er mehr als eine Quelle vorliegen hatte. Er holte Informationen von jenen ein, die in der Position waren, etwas zu wissen“, und „übt kritische Urteilsfähigkeit aus.“

Andere antike Darstellungen der Germanen

Vor Tacitus’ Bericht könnte Poseidonius, ein in Syrien geborener hellenistischer Universalgelehrter des ersten vorchristlichen Jahrhunderts, der erste gewesen sein, der klar zwischen den Germanen und den Kelten unterschied, aber nur Bruchstücke seiner Schriften haben überlebt.

Julius Cäsar drang nicht sehr weit östlich des Rheins vor, daher war sein Wissen über die Germanen, das er in „De Bello Gallico“ („Über den gallischen Krieg“, ca. 50 v. Chr.) äußert, begrenzt.

Die „Bella Germaniae“ („Germanische Kriege“, ca. 60er – 70er v. Chr.) des Römers Plinius des Älteren enthielten bis zu Tacitus’ Zeit wahrscheinlich die vollständigste Darstellung des Volkes, aber sie sind verloren gegangen.

Plinius, die herausragendste Autorität der Wissenschaft im antiken Europa, hatte in Germanien in der Armee gedient. Als der Vesuv Herculaneum und Pompeii zerstörte, war er nahe dem heutigen Neapel als Befehlshaber der westlichen römischen Flotte stationiert. Begierig, die zerstörerischen Auswirkungen des Vulkans aus erster Hand zu studieren, fuhr er über die Bucht, wo er von den Dämpfen erstickt wurde, die durch den Ausbruch verursacht wurden.

Nach „Germania“ war das wichtigste antike Werk über Nordeuropa Ptolemäus’ „Geographie“, die im 2. nachchristlichen Jahrhundert geschrieben wurde. Ptolemäus ist der alexandrinische Astronom, der am besten für die Postulierung des ptolemäischen Systems bekannt ist. Die „Geographie“ nannte 69 Stämme und 95 Orte, von denen viele von keiner anderen Quelle erwähnt werden, wie auch große Flüsse und andere Naturmerkmale.

Aus der Spätantike hat keine ausführliche Studie der germanischen Völker überlebt, falls jemals eine geschrieben wurde, und kein einziger Autor behandelte die Völkerwanderungen in zusammenhängender Weise.

Verlust und Wiederentdeckung

Irgendwann während des Zusammenbruchs der klassischen Zivilisation und der Völkerwanderungen der Spätantike ging der Text der „Germania“ für mehr als tausend Jahre verloren. Er tauchte nur kurz in den 860ern in Fulda, Deutschland, auf, wo er und andere kurze Werke wahrscheinlich kopiert wurden. Ein Mönch in Fulda zitierte zu der Zeit wörtlich daraus. Anschließend ging er wieder verloren.

1425 erreichten Gerüchte Italien, daß Manuskripte von Tacitus in der Bibliothek der Abtei Hersfeld nahe Fulda überlebten. Eines davon enthielt die kurzen Werke. 1451 oder 1455 (die Quellen weichen voneinander ab) erwarb ein Gesandter von Papst Nikolaus V. das Manuskript, das die kleineren Werke enthielt, und brachte es nach Rom. Es ist als Codex Hersfeldensis bekannt.

In Rom untersuchte und analysierte Enea Silvio Piccolomini, der spätere Papst Pius II., die „Germania“, was unter deutschen Humanisten einschließlich Conrad Celtes, Johannes Aventinus und Ulrich von Hutten das Interesse an dem Werk entfachte.

Seine erste Veröffentlichung in Mitteleuropa erfolgte 1473 – 1474 in Nürnberg; der erste Kommentar zu dem Text wurde 1519 vom Renaissance-Humanisten Beatus Rhenanus geschrieben.

Die erste Seite der „Germania“, der Codex Aesinas
Die erste Seite der „Germania“, der Codex Aesinas

Der Codex Hersfeldensis ging dann wiederum ein halbes Jahrtausend lang verloren. (Diesmal überlebte dessen Inhalt natürlich in veröffentlichter Form.) Dann wurde 1902 ein Teil des Codex Hersfeldensis vom Priester und Philologen Cesare Annibaldi im Besitz des italienischen Grafen Aurelio Balleani aus Iesi (italienisch: Jesi) entdeckt, einer Stadt, die in den Marken in Mittelitalien liegt. Das Manuskript war seit 1457 im Familienbesitz gewesen. Dieser einzelne Text, die älteste existierende Version, wurde Codex Aesinas genannt. (D. h. man glaubt, daß der Aesinas aus Teilen des verlorenen Manuskripts aus Hersfeld besteht.)

Ein Gelehrter hat die enorme Wirkung zusammengefaßt, die die Wiederentdeckung des Textes 1455 auf die europäische Geschichte gehabt hat:

Die Wiederentdeckung der „Germania“ im späten fünfzehnten Jahrhundert war ein entscheidendes Ereignis im Studium der alten germanischen Völker. Die Gelehrtenschaft der Renaissance maß römischen literarischen Texten herausragende Autorität bei und sorgte auch für deren weitere Verbreitung. Zur selben Zeit führte ein Anstieg des deutschen Nationalgefühls zu einem erhöhten Interesse an antiken Texten, die die germanische Vergangenheit beleuchteten… Die „Germania“ … wurde verwendet, um eine Verbindung zwischen den Germanen des Tacitus und den Deutschen der frühen Neuzeit zu schaffen. Ab etwa 1500 war die „Germania“ selten weit von ernsthafter Diskussion der deutschen Nationalidentität, deutscher Geschichte und sogar deutscher Religion entfernt. Frischen Schwung erhielt sie im neunzehnten Jahrhundert, und natürlich hatten die rassische Reinheit, Tapferkeit und Integrität der Germanen, wie sie von Tacitus dargestellt wurden, immensen Reiz für die nationalsozialistische Hierarchie in den 1920ern. (Malcolm Todd, The Early Germans, 2. Auflage, Oxford: Blackwell 2004, S. 7)

Unter anderen beeinflußte die „Germania“ Friedrich den Großen, Johann Fichte, Johann Gottfried von Herder und Jakob Grimm.

Entscheidend für die Wiederentdeckung, Bewahrung, Überlieferung und sozialen und rassischen Einfluß der “Germania” während der letzten 500 Jahre ist der Humanismus der Renaissance gewesen, die moderne Wissenschaft (vor dem 21. Jahrhundert), die Erfindung des Buchdrucks, Liberalismus, Nationalismus und Rassenlehre.

Ein gefährliches Buch

Seit der Renaissance ist die „Germania“ der bedeutendste historische Beleg über die frühen germanischen Völker gewesen.

Die unvermeidliche Identifizierung der antiken Germanen mit ihren Nachkommen begann bald nach der Entdeckung des Buches. Historiker, Philologen und Archäologen trugen alle zu dem Mosaik bei, sodaß bis zur Vereinigung von 1871 die Frühgeschichte der Deutschen fest begründet war.

Die „Germania“ beeinflußte zumindest einen Führer des 20. Jahrhunderts entscheidend. Der junge Heinrich Himmler las Tacitus im September 1924 während einer Zugfahrt und war davon gefesselt. Zu der Zeit war er der persönliche Assistent von Gregor Strasser, dem Führer der Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung.

In zeitgenössischen Anmerkungen schrieb Himmler, daß Tacitus „das glorreiche Bild der Erhabenheit, Reinheit und des Edelmutes unserer Vorfahren“ einfing und fügte hinzu: „So werden wir wieder sein, oder zumindest einige von uns.“

1936, im Jahr der Berliner Olympiade, ersuchte Hitler Mussolini persönlich, daß der Besitz des Codex Aesinas an Deutschland übertragen werde. Mussolini stimmte zu, änderte aber seine Meinung, als sich der Vorschlag bei seinem Volk als unpopulär herausstellte.

Eine Faksimile-Kopie wurde für die Deutschen angefertigt, und Rudolph Till, der Vorsitzende der Abteilung für klassische Philologie und historische Studien an der Universität München und Mitglied von Ahnenerbe (einer rassischen Denkfabrik, die 1935 von Himmler mitbegründet wurde), studierte das Manuskript in Rom in den Monaten vor dem Krieg. Das Ahnenerbe veröffentlichte Tills Resultate 1943 als „Paläogeographische Studien von Tacitus’ Agricola und Germania mit einer Photokopie des Codex Aesinas“.

Der deutsche Ideologe Alfred Rosenberg und der SS-Chef Heinrich Himmler hielten beide ein intensives Interesse an dem Codex aufrecht. Mussolinis Regierung fiel 1943. Im Juli 1944 entsandte Himmler eine SS-Kommandoeinheit, um das Manuskript zu retten. Die Einheit durchsuchte erfolglos drei Familiensitze der Balleani in Italien.

Der Codex war in Wirklichkeit in einer hölzernen, blechbeschlagenen Truhe im Küchenkeller einer der Residenzen gelagert, im Palazzo an der Piazza in Jesi. (Es gibt über diese Affäre einen Online-Zeitungsbericht auf Deutsch von 1988, der sich auf „Landscape and Memory“ des jüdischen Autors Simon Schama von 1996 stützt.)

Der Palazzo Balleani in Jesi
Der Palazzo Balleani in Jesi

Das Ende vom Lied war, daß der Besitz des Manuskripts in den Händen der Familie Baldeschi-Balleani verblieb. Nach dem Krieg lagerte die Familie den Codex Aesinas in einem Bankschließfach im Keller der Banco di Sicilia in Florenz. Im November 1966 führte der Arno sein schlimmstes Hochwasser seit den 1550ern, was einen Schaden am Codex verursachte. Mönche eines Klosters nahe Rom, die geschickt in der Bewahrung von Manuskripten sind, gelang es, ihn zu retten, obwohl ein dauerhafter Wasserschaden nicht eliminiert werden konnte.

Der Codex wurde von der Familie 1994 an die Biblioteca Nazionale in Rom verkauft, wo er gegenwärtig als Codex Vittorio Emanuele 1631 katalogisiert ist.

Unterdrückt diesen Klassiker!

Seit dem Zweiten Weltkrieg, als ideologische Notwendigkeiten Vorrang gegenüber leidenschaftsloser Forschung gewannen, hat die Fähigkeit der „Germania“, Selbstbewußtsein und kollektive Identität einzuflößen, die Proponenten anti-weißer Politik und Ideologien zutiefst beunruhigt. Der historische Bericht ist auch problematisch, weil er die Germanen nicht als hoffnungslos Böse darstellt, die möglicherweise planen, die ausgedehnten jüdischen Populationen Roms und Persiens in Tonbrennöfen zu verdampfen.

Ein Täuschungsmanöver, das solche Ideologen anwenden, besteht in der Unterstellung, daß die antiken Germanen und neuzeitliche Nordeuropäer keine biologische oder historische Verwandtschaft besitzen. Obwohl unsinnig, ist sie genauso leicht vorzubringen wie die Behauptung, daß es keine biologischen Rassen gibt, oder Dutzende anderer kontrafaktische Dogmen.

Aber viele würden es zweifellos vorziehen, das Buch nach Art der Kommunisten zu verbieten, alle Exemplare aus dem Verkehr zu ziehen und den Zugang zu nicht eingestampften Exemplaren auf eine Handvoll zugelassener „Gelehrter“ unter sorgfältiger Überwachung zu beschränken.

Schon 1954 erklärte der jüdische Historiker Arnaldo Momigliano vor „einer wichtigen internationalen Konferenz über die Klassik“, daß die „Germania“ eines der gefährlichsten Bücher sei, die je geschrieben wurden. (1938 verlor Momigliano nach Erlaß der faschistischen Rassengesetze seinen Job als Professor der römischen Geschichte an der Universität von Turin. Er zog nach England, wo er für den Rest seines Lebens unterrichtete.)

Heute trompetet Christopher Krebs von der Harvard University, Autor von „A Most Dangerous Book: Tacitus’ Germania From the Roman Empire to the Third Reich“ (2011) Momiglianos Ansicht von der „heimtückischen“ Natur des antiken Textes vor sich her, unter dem Applaus von akademischen Fachkollegen, Literaturkritikern und Journalisten.

Krebs’ unaufrichtige Erklärung – Schachzug, eigentlich – daß „Tacitus kein höchst gefährliches Buch schrieb, sondern seine Leser es dazu machten“ täuscht niemanden. In Gesellschaften, die dem Konzept verpflichtet sind, daß Äußerungen und Ideen „Hass“ darstellen, gibt es ein einstimmiges oder zumindest unwidersprochenes Einvernehmen darüber, wie „gefährliche“ Bücher und Ideen zu behandeln sind.

In einem Interview sagt Krebs, daß er halb Deutscher und halb Schwede ist. Aber „Krebs“ kann ein jüdischer Name sein – z. B. der Biochemiker Hans Krebs, der den Krebs-Zyklus formulierte. Beim Durchlesen beliebiger Passagen aus dem Buch fällt es einem schwer zu glauben, daß der Autor kein Jude oder teilweiser Jude ist. Falls er weiß ist, dann hat er ihre Psychologie zu seinem großen Profit gemeistert.

Adam Kirsch, ein jüdischer Buchrezensent für Slate, das im Besitz der Washington Post befindliche Online-Magazin , zitiert Krebs zustimmend: „Ideen sind Viren. Sie sind von Gehirnen als Wirten abhängig… Das „Germania“-Virus … entwickelte sich nach 350 Jahren Inkubationszeit zu einer systemischen Infektion, die in der größten Krise des zwanzigsten Jahrhunderts kulminierte.“ (Ja, er meint den „Holocaust“.) Der Titel von Kirschs Artikel lautet: „Ideas Are Viruses“.

Dies ist eine charakteristisch jüdische und totalitäre Denkweise.

Adam Kirsch
Adam Kirsch

Kirsch, ein privilegiertes Kind, ist der Sohn des Autors, Anwalts und Zeitungskolumnisten Jonathan Kirsch. Adam Kirsch, der 1997 seinen Abschluß in Harvard machte, schreibt regelmäßig für Slate, The New Yorker, The Times Literary Supplement und andere Magazine.

Im Wunsch, daß die „Germania“ während des Mittelalters verloren gegangen wäre, schließt Kirsch: „Wenn das letzte überlebende Manuskript vor tausend Jahren in der Bibliothek eines Mönchs von Ratten gefressen worden wäre, dann wäre die Welt besser dran gewesen.“

Ah, liberale Aufklärung! Die Welt kann nie genug davon bekommen.

Kommentare aus dem Originalstrang von „Counter-Currents“:

Petronius:

Ich bin wieder und wieder verblüfft von dem nie ermüdenden Hass, zu dem manche Juden fähig sind. Es scheint wirklich, als würden sie nicht genug haben, bis wir von deutscher Abstammung von diesem Planeten getilgt und all unsere historischen Aufzeichnungen ausradiert worden sind.

bitterly bitter:

Es wird nie „genug“ sein. Die Deutschen werden immer „noch mehr Arbeit zu leisten haben“.

http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/shows/germans/memorial/cron.html

White Republican:

Parasiten glauben, daß ihre Wirte nie genug für sie tun können. Der Versuch, Juden zu gefallen, ist, um eine von Revilo Pendleton Oliver verwendete Metapher zu verwenden, wie der Versuch, ein Feuer zu löschen, indem man es mit genug Holz füttert, um seinen Appetit zu übersättigen.

Revilo P. Oliver machte in seiner Rezension von Nicholas Carters „The Late, Great Book“ (Liberty Bell, April 1986) ein paar interessante Kommentare über jüdische Böswilligkeit und Verlogenheit. In einer Fußnote schrieb Oliver:

„Daß die Wikinger Nordamerika erreichten, kann nicht länger bestritten werden, aber ob sie Minnesota erreichten, wird immer noch heiß debattiert, und frühere Besuche weißer Männer sind noch zweifelhafter. Richard Deacons Madoc and the Discovery of America (New York, Braziller, 1966) präsentiert eine plausible Hypothese, aber eine, die nicht bestätigt worden ist und nicht bestätigt werden kann. Was ‚Experten’meinungen angeht, so müssen wir daran denken, daß die Fragen, um die es hier geht, sehr starke Emotionen erregen und daß vorsichtige Fachleute es in akademischen Kreisen heute nicht wagen, Meinungen zu billigen, die den verdammenden Verdacht erwecken könnten, sie seien so niederträchtig, einen Unterschied zwischen einem Nigger und einem Weißen wahrzunehmen. Rasse hat sich von einer biologischen Tatsache zu einem Test der religiösen Orthodoxie gewandelt.“

Ich denke an diese Zeile – „Rasse hat sich von einer biologischen Tatsache zu einem Test der religiösen Orthodoxie gewandelt“ – wenn ich Buchtitel sehe, die das Wort Rasse in Anführungszeichen setzen. Akademische Bibliotheken scheinen Regale voll solchen Müll zu haben.

Oliver fuhr fort:

„Es ist erwähnenswert, daß, während Arier natürlich Beweise für die Leistungen ihrer Rasse begrüßen und aufgrund mehrdeutiger Daten oft zu weit gehen oder unechte Beweise akzeptieren, die heftigen Emotionen gänzlich auf der anderen Seite stattfinden. Ich weiß nicht, ob der berühmte Kensington Stone echt ist, aber die Frage seiner Authentizität sollte, wie mir scheint, leidenschaftslos erwogen werden. Wie ich mich erinnere, war es in den 1940ern, als ein distinguierter jüdischer Gelehrter, eine Autorität über mozarabische Literatur und Kultur, anscheinend zufällig auf ein Exemplar von Hjalmar Holands „Norse Discoveries“ (1940) stieß und vor Zorn aufschrie. Er schrieb eine leidenschaftliche Tirade, um zu beweisen, daß der Kensington Stone eine von niederträchtigen Nordischen gemachte Fälschung ist; er druckte sie auf eigene Kosten als Bändchen und schickte Exemplare an Mitglieder mehrerer gelehrter Gesellschaften. Ich war erschrocken über die Intensität des Rassenhasses, den zu verbergen er indiskreterweise verabsäumte.“

Oliver schloß:

„Solange die akademische Welt vor dem Selbsterwählten Volk und dessen ‚liberalen’ Handlangern kauert, müssen wir alle Verkündigungen von ‚Experten’ die gegenüber unserer gefährdeten Rasse abwertend sind, mit großer Vorsicht und sogar Argwohn betrachten, aber wir sollten auch darauf verzichten, leichtgläubig unfundierte Theorien zu akzeptieren, die uns schmeicheln.“

In der Tat, wir sollten niemals die Böswilligkeit und Verlogenheit der Juden unterschätzen, genausowenig den Karrierismus und die Feigheit vieler nominell Weißer im Universitätswesen. Das Ausmaß, in dem das Universitätswesen politisiert worden ist, ist erschreckend. Es scheint, daß nichts als neutral betrachtet wird und nichts als zu gering. Es erinnert an Václav Havels Bemerkung, daß das kommunistische System sein Zeichen auf allem hinterließ.

Vielleicht sollte Counter-Currents sich mit der Kontroverse bezüglich indoeuropäischer Studien und George Dumézils Theorien betreffend Dreiteilung befassen.

Lew:

Jedesmal, wenn ich denke, daß ich die jüdische Schamlosigkeit so weit im Griff habe, daß ich zu glauben anfange, daß mich nichts überraschen könnte, was Juden tun, werde ich überrascht. Es erzürnt die Juden zweifellos, daß sie die Klassiker nicht zensieren können, während die ganze Welt zusieht.

James O’Meara:

Interessante Rezension, wie sich an der Anzahl und am Spektrum der Kommentare zeigt!

Ich sah letztes Jahr einen Probedruck dieses Buches, entschied mich aber dafür, es nicht zu nehmen, da es mir bloß als Vorwand für weitere antideutsche Propaganda erschien. Vor kürzerem fand ich eine Anzahl weggeworfener Fotokopien von NYT-Artikeln [warum wurden sie zusammengestellt?], zu denen auch eine Rezension von Kirsch gehörte, die meine Meinung bestätigte: „Oy! Those crazy Germans!“

Es interessierte mich zu erfahren, daß sein Vater Jonathan Kirsch ist, da ich tatsächlich eines seiner Bücher habe, „God Against the Gods“ aber ich gebe zu, daß ich es nicht gelesen habe. Es ist eine ziemlich langweilige Darstellung des „Kriegs zwischen Monotheismus und Polytheismus“, wie der Untertitel lautet, dachte ich, aber inspiriert von dieser Rezension sah ich es durch, und ich muß sagen, daß es kein Anzeichen irgendwelcher jüdischer Tendenz gibt; YHVH-1 ist definitiv der Böse, die Heiden sind weise und tolerant. Natürlich behaupten eine Menge Juden, „säkular“ zu sein (als ich aufwuchs, dachte ich, „Jude“ sei ein Euphemismus für „Atheist“) aber gewöhnlich gibt es immer noch die Feindseligkeit gegen die Goyim [„Sicher, wir erfanden Gott, aber nur eine Idiotin wie Palin würde an ihn glauben“], die ich hier nicht sehe. Daher erklären die Familienbande in diesem Fall nicht die Dinge; vielleicht eines dieser „rebellischen Kinder“?

Ich veröffentlichte kürzlich ein paar Rezensionen auf meinem Blog, die die jüdische Voreingenommenheit selbst der „objektivsten“ Autoren über Geschichte oder sogar Technologie hervorheben:

Magida on “Hitler’s Jewish Clairvoyant:
http://jamesjomeara.blogspot.com/2011/10/welcome-to-club-nazi-little-artie.html

Douglas Rushkoff’s Program or Be Programed: Ten Commands for a Digital Age
http://jamesjomeara.blogspot.com/2011/09/day-without-judaism-its-easy-if-you-try.html

Franklin Ryckaert:

Ich habe Tacitus’ „Germania“ in der ausgezeichneten Ausgabe von Loeb Classical Library (lateinischer Text und englische Übersetzung). Ich sehe nicht, was an diesem kleinen Buch so „gefährlich“ ist, außer daß es etwas Interesse an der Vergangenheit erweckt und vielleicht etwas ethnischen Stolz, wozu immerhin alle Völker der Welt ermutigt werden, warum also nicht die Deutschen? Jüdische Hyper-Paranoia und pathologische Rachsucht müssen die Quelle von so viel Hass auf dieses kleine Buch sein. Wenn es jedoch irgendein Buch gibt, das wirklich gefährlich ist, indem es den FALSCHEN ethnischen Stolz erregt, dann ist es das Alte Testament. Ich persönlich bin dafür, diese monströse Schrift total vom Angesicht der Erde zu tilgen. Sein destruktiver Einfluß ist bis zum heutigen Tag greifbar (fragt die Palästinenser!). Seine unmoralischen genozidalen Lehren sind eine Beleidigung für alle moralischen Empfindungen. Alle germanischen Völker sind seit langem völlig zivilisiert worden, aber Jahwes Auserwählte Banditen sind so barbarisch, wie sie auf jeder Seite des Alten Testaments beschrieben werden.

Herman:

Die Juden haben guten Grund, Tacitus zu hassen, nicht allein wegen der „Germania“. In Tacitus’ „Historia“, V, S. 3-5 gibt es eine Beschreibung des jüdischen Volkes, die einfach vernichtend ist. Die Juden wurden aus Ägypten vertrieben, weil man glaubte, daß sie für eine abscheuliche Seuche verantwortlich seien; Moses gründete dann eine Religion, in der all die Werte anderer Religionen in ihr Gegenteil verkehrt wurden, etc. Tacitus erwähnt auch die Tendenz der Juden, einander unter Verachtung der Gesetze ihres Wirtsvolkes zu helfen. Der Text hätte von einem modernen Antisemiten geschrieben sein können.

ergänzend Tacitus üder die Germanen

Das Heil

Heil – dieses germanische Wort hat schon den Römern in den Ohren geklungen es hat bis heute seine außerordentliche Bedeutung nicht eingebüßt. Wir kennen und verwenden es hauptsächlich in seinen Abwandlungen und Verbindungen zu anderen Begriffen, wie Heiligtum, Heilige, Heiler, Heilkunde, Heilbehandlung und Heilbotschaft.

Bezeichnenderweise wurde das Gegenteil in unserem allgemein Sprachgebrauch weitaus stärker beibehalten als das eigentliche Hauptwort. Während von einem Heil als solches nur sehr selten die Rede ist, hören und lesen wir des Öfteren von Un-Heil (welches z.B. geschehen ist oder sich verbreitet). Dies mag auf eine gewisse Haltung aber auch auf wirkliche Zustände schließen lassen, es wird ja auch mehr über Krankheiten als über die Gesundheit gesprochen.

Erst der kranke spürt seine Glieder und also die Abwesenheit von Gesundheit. Ähnlich verhält es sich bei der Beziehung zwischen Unheil und Heil.

Fraglos ist das Heil gemeinsam mit seinem doch wiederum recht üblichen Tätigkeitswort heilen im Sinn der Menschen immer als etwas Gutes angesiedelt.

Der Vorgang der Heilung bedeutet Erstarkung der Lebensaufbauenden Geister, bedeutet Umwandlung von Schaden in frische Kräfte.

Heilkraft als Fähigkeit zum Wiederaufbau ist eine wundersame Naturgesetzlichkeit, die uns mit Zuversicht erfüllt.

Wenn etwas heil ist, so ist es ganz, sprich vollständig, in Ordnung und damit auch eins mit sich selbst.

Es lässt sich als Gedankengang fortführen; ein heiles ich, heil ich, heilig. Dieses gilt für alle, die von Krankheit und Entartung verschont sind, oder diese zu überwinden vermögen.

Eins hatte der Heilsbegriff allerdings noch eine weitere, umfangreichere Gewichtung.

Diese nehmen wir heute bestenfalls noch im engeren Bereich des Heilens war, etwa in dem ein Heiler bestimmte Kräfte einsetzt, andere zu helfen.

Echte Heiler, keine Scharlatane und Pfuscher wohlgemerkt, verfügen über die Gabe etwas heilsam zu beeinflussen.

In früherer Zeit wurden darüber hinaus aber auch andere Begabung samt ihrem möglichen Wirkungsgrad als Heil aufgefasst nämlich als Heil des einzelnen Menschen.

Heute würden wir vielleicht vom Glück des Tüchtigen sprechen, doch das enthält nicht den letzten Kern.

In jedem Fall in das Heil nach germanischer Auffassung, in seinen Folgen zwar dem zufälligen Glück verwandt, aber nicht von außen kommend, sondern einem Menschen Schicksalhaft mit in die Wiege gelegt.

Sehr trefflich beschrieb dies der dänische Forscher und Volkskundler Vilhlem Grönbech in seinem berühmten und grundlegenden Werk Kultur und Religion der Germanen, auch in der zusammenfassenden Schrift von germanischer Volksart- und Religion wiedergegeben:

Eines Mannes Ernteheil ist die Kraft, die ihn zu Wachsamkeit, zu rastlosem Wirken antreibt, die seine Arme die Hacke schwingen lässt, dass es eine Art hat, und Schick und Schneid in seine Arbeit legt; es leitet die Hacke, so dass er sie nicht vergebens in einen kargen, unnachgiebigen Boden einhaut, sondern gerade die Poren der Fruchtbarkeit sich öffnen lässt; es schickt das Korn aus der Erde empor, es begleitet die Ernte ins Haus, bleibt bei ihr beim Dreschen und Zermahlen und gibt dem Brot oder dem Brei die Kraft des Nährens, wenn das Essen aufgetragen wird.

So ist es mit dem Ernteheil, dem Jahrheil und so auch mit jedem anderen Heil.

Was hierbei zum Ausdruck kommt , ist die tiefe ungebrochene Überzeugung altgermanischer Wesensart, das das Gelingen einer Unternehmung vor allem vom (Heil des) Menschen selbst und nicht von äußerer Bestimmung abhängt. Hier herrscht ein Urvertrauen, welches nicht dem Schicksal einfach seinen Lauf lässt, sondern es zupackend in die Hand nimmt, um es zu gestalten.

Es ist nicht der Seufzer so Gott will, sondern das tätige Bekenntnis seines Glückes Schmied zu sein.

In dem gleichen Zuge waren auch die germanischen Edlen freilich nicht wie der spätere Adel von Gottes Gnaden eingesetzt, sondern schöpften ihre Stellung aus dem Heil, das sie kraft ihrer besonderen Befähigung hervorbrachten.

Das alte Heil erweißt sich, wie gesagt, recht umfangreich; mit Selbstgewissheit in Verhalten, Auftreten und Handeln, mit der gleichen Sicherheit andere beurteilen zu können, den rechten Entschluss zu fassen, die richtige Entscheidung zu fällen.

So wie es bedeuten konnte, auch einmal abzuwarten und nichts zu tun, so war die rasche Tat der Schlag im rechten Augenblick genauso des Heils wie die Einschätzung und der rechte Rat für das, was in die Zukunft ragt.

Folgerichtig erlangt das Heil im Königsheil seine größte Ausdehnung und zugleich schärfste Spannkraft.

Die Erwartung an einen Volksführer waren hoch gesteckt.

Es bedurfte mehr als ein sieghafter Recke zu sein, also Siegesheil zu besitzen; ein wahrlich auserkorener König musste geradezu als Heilsbringer überzeugen.

Daraus erklärt sich, das eine Missernte dem versagenden Heil des Königs zugeschrieben werden konnte, was dann mitunter nur durch die Opferung seines Lebens zu tilgen war.

Umgekehrt werden in den nordischen und deutschen Sagen Helden und Könige besungen, deren Heil sogar an Unverwundbarkeit heranreichte.

Ihre Widerstandskraft und Wesensmacht überragte selbst die der Ebenbürtigen, und tatsächlich ihr Nachruhm überlebte bis auf den heutigen Tag, denn sonst würden sie ja jetzt keine Erwährung mehr finden.

Wie heißt es bei Vilhelm Grönbech doch:

Heil ist der letzte und tiefste Ausdruck für das Wesen des Menschen und zugleich der umfassendste.

Mann kann nicht weiter gelangen; wie tief man auch in die Menschenseele eindringt, nie wird man hinter das Heil blicken.

Sommersonnenwende

Ewig dreht das Rad des Lebens
Ewig kreisen Zeit und Erde
Ewig neut sich so des Jahres
und des Menschen „Stirb und Werde“.
Ursprung und Bedeutung
sommersonnenwende

Zu Zeiten der Sommersonnenwende am 21.Tage des Brachmondes hat die Sonne den Höhepunkt ihrer Kraft und Einwirkung auf die Natur und damit auch den Menschen erreicht. Während dieser Zeit ruht die Arbeit auf den Feldern und die Frucht reift still vor sich hin. Eine Gelegenheit für die ländliche Bevölkerung ein ausgelassenes Fest zu feiern und sich von den Mühen der vergangenen Monate zu erholen, um frisch gestärkt der Ernte entgegenzusehen.

Wie allen indogermanischen Völkern war auch den Germanen der Lauf des Jahres bestimmend für Arbeit und Feier. Während die keltischen Völker nach der Zweiteilung ihres Jahreslaufes nur Feiern zur Maien- und Herbstzeit kannten, lagen bei den Germanen, die drei Jahreszeiten unterschieden, die bedeutendsten Festzeiten in unmittelbarer Nähe der Tag- und Nachtgleichen, bzw. der beiden Sonnenwenden. Galt die Mittwinterzeit, die Wiederkehr des lebenspendenden Lichtes, als höchste Festzeit, an der überall Julfrieden herrschte, so waren das Frühlings- oder Osterfest, die Sommersonnenwende und die Totengedenktage die festliegenden Tage des ungebotenen Things, der grossen Rats- und Gerichtsversammlungen aller freien 20 Männer eines Volksstammes.
Alle Jahreslauffeste sind von den gleichen Sinnbildern begleitet: Feuer, Lebensbaum und Lebenswasser, obwohl doch die Natur zu den verschiedenen Jahreszeiten ein ganz unterschiedliches Bild bietet.
Jahrhundertelang hat der eindringende Christianismus versucht, diese alten Volksbräuche auszurotten, und erst, als dies trotz strenger Strafen gegen Zuwiderhandelnde nicht gelang, begann man die Bräuche zu verfälschen und ihnen einen christlichen „Sinngehalt“ unterzuschieben. So wurde das höchste Fest unserer nordischen Ahnen, die Feier der Wiederkehr des Lichtes, zum Geburtstag des Jesus von Nazareth erklärt, das kräfteweckende, lebenspendende Maiengrün der Weidenzweige fand als „Palmbuschen“ Eingang in das kirchliche Osterbrauchtum und die Dank- und Freudenfeuer der Mittsommerzeit wurden Johannes dem Täufer geweiht. Kranz und Rad, seit Urzeiten im Norden Sinnbild der Unendlichkeit des Lebens in seiner ewigen Wiederkehr, lebten weiter in den „Osterrädern“, dem „Kirmesbaum“ und dem „Adventkranz“.

Im heutigen Brauchtum der Julzeit tritt das im Freien abgebrannte Feuer gegenüber dem ewig grünenden Lebensbaum zurück und findet nun seine Darstellung im Licht der Kerzen und dem noch in einzelnen Landschaften gebräuchlichen kultischen Neuentfachen des Herdfeuers. Herd und Altar waren bei den indogermanischen Völkern ein- und dasselbe und galten als heilig. Demgegenüber haben sich zur Mittsommerzeit vor allem die Feuerbräuche erhalten, während das Lebensbaum-Brauchtum dieser Zeit oft mit den Frühlingsbräuchen verschmilzt oder sich nach „Hohe Maien“, der christlichen „Pfingstzeit“, verlagert. In vielen deutschen Gauen setzt man auch heute noch feierlich den „Maibaum“, einen mit bunten Bändern und meist 3 Kränzen geschmückten hohen Baum, oder man steckt Sträusse, die oft aus siebenerlei Kräutern gebunden sind, an die Ecken der Felder. In manchen Gegenden Thüringens gibt es buntgeschmückte „Eierbäume“, sowohl zu Ostern und Hohe Maien als auch zur Sommersonnenwende und sie werden genau so im Reigen umtanzt, wie es bei den eiergeschmückten Bäumen in den Vogesen zur Neujahrsnacht Brauch ist.
Hängt beim Maibaum der grüne Kranz immer waagerecht, so finden wir ihn zur Sonnwendzeit oft senkrecht auf hohen Stangen befestigt, sei es bei den schwedischen Mittsommerstangen, dem Mimosquost in Nordschleswig oder der Queste und dem Ouestenbaum im Harz und in Thüringen. Im Salzburgischen trägt man Prangstangen über die Felder, während in der Heidelberger Gegend und im Odenwald beim „Sommertagumzug“ Haselgerten mitgetragen werden, die mit immergrünen Pflanzen, Äpfeln und Brezeln geschmückt sind. Eier und Äpfel zählen seit altersher zu den Sinnbildern der Fruchtbarkeit und Brezel und Kranz verkörpern die Unendlichkeit.
Es gibt aber auch Umzüge, bei denen Gestalten mitgeführt werden, die in grünes Laub – seltener in Stroh – gewickelt sind. Die Gestalt trägt verschiedene Namen: in den Alpenländern nennt man sie meist „Pfingstlümmel“, in der Saarpfalz „Pfingstquak“ und vom Augsburger Umland bis tief hinein ins Schwäbische „Wasservogel“. Der letztgenannte Brauch stellt schon die Verbindung zu den verschiedenen Wasserbräuchen her, die vielfach zu Ostern, zu Pfingsten oder zur Sonnwendzeit überliefert sind. Quellen und Brunnen waren für unsere Vorfahren verehrungswürdige Stellen, wohl in Erinnerung an den Urdbrunnen, aus dem alles Leben stammte. Auch heute noch ist es in verschiedenen deutschen Landschaften üblich, Brunnen und Quellen zur Festzeit mit Blumen zu umkränzen oder in ernstem Schweigen ihr segenbringendes Wasser nach Hause zu tragen. In vielen süddeutschen Orten, von den Ardennen bis nach Oberkrain, lässt man zur Mittsommerzeit bei einbrechender Nacht brennende Lichter die Bäche und Flüsse hinabschwimmen, während man am Kurischen Haff brennende Teertonnen ins Meer treiben lässt.

So, wie beim Tode berühmter germanischer Helden ihre Grabhügel umritten wurden, fanden auch in den Nächten der grossen Stammesfeier Ritte um Hügel und Brunnen statt. Aus der Freude aller indogermanischer Völker am Wettkampf entwickelten sich hieraus später Kampf- und Reiterspiele. Die Rennbahnen in der Nähe der berühmten Sonnenheiligtümer von Stonehenge und den Externsteinen geben hiervon noch genau so Zeugnis wie jene über Jahrhunderte überlieferten Reiterspiele wie das Ringelstechen oder das Vogelschiessen, die heute noch mancherorts am Nachmittag des Sonnwendtages gebräuchlich sind.

Die eigentlichen Feuerbräuche sind aber am weitesten verbreitet und gleichen sich in ihrem Ablauf von Lichtmess, Fasnacht, Ostern und Walpurgisnacht bis zur Sommersonnenwende. Die Biikenfeuer in Nordfriesland werden am 22. Hornungs in der Nähe alter Grabhügel abgebrannt und zeigen damit noch sehr gut die altnordische Sitte, die verstorbenen Vorfahren am Leben und Feiern der Sippengefährten teilnehmen zu lassen. Im schwäbisch-alemannischen Siedlungsraum sind die Höhenfeuer vor allem zur Fasnachtszeit gebräuchlich, was in den Ausdrücken Fasnetfunken und Funkensonntag seinen Niederschlag findet. Sie gehen vielleicht ebenso wie die irischen Feuer am Fasnachtsdienstag auf die alte keltische Jahresteilung zurück. Jakob Grimm ist in seiner „Deutschen Mythologie“ noch der Ansicht, die Osterfeuer wären mehr im Norden, die „Johannisfeuer“ mehr im Süden Deutschlands gebräuchlich, doch hat die neuere Volkskundeforschung diese Annahme nicht bestätigen können.

Osterfeuer sind auch im Sauerland, im Harz und in Tirol nachgewiesen. Im Klagenfurter Becken ist zu Ostern ein Fackeltanz üblich und des Osteräderrollen in Lügde in Westfalen gleicht genau jenem, das schon 1576 von dem Donauwörther Humanisten Sebastian Frank erwähnt wird. Diese Feuerräder kennt man aber auch zur Sonnwendzeit in vielen Orten in Luxemburg, im Moselland und in der Eifel, im Elsass und in der Rhön, im Odenwald, in Nassau, in Bayern und Schwaben, in der Schweiz und in Schlesien. Es sind grosse, hölzerne Räder, die mit viel Stroh oder Werg umwickelt sind und brennend von den Höhen ins Tal gerollt werden. In anderen Gegenden werden kleinere hölzerne Scheiben auf eine Stange gesteckt und brennend ins Tal geschleudert. Von den Burschen werden dazu gereimte Liebeswünsche gerufen oder altüberlieferte Sprüche für Flursegen und Erntedank.

Die Feuerstösse selbst sind meist kunstvoll aufgebaut, oft ragt in ihrer Mitte ein hoher, mit Blumen oder Kränzen geschmückter Stamm empor. In manchen Gegenden ist es der Maibaum, der vorher wochenlang mitten im Dorf stand. Aus Frankreich ist der Brauch bekannt, am 1. Mai einen Baum zu fällen und so kunstvoll zu keilen, dass er rautenförmig auftreibt. Er wird dann zur Sonnenwende auf einem Hügel abgebrannt. So, wie oft der Maibaum im Reigen umtanzt wird, geschieht es auch mit dem Feuer, nicht nur bei uns, sondern auch in England, Dänemark und Norwegen.

Überall ist der Glaube verbreitet, dass das heilige Sonnwendfeuer Segen bringe, sei es für die Fluren, über die die Räder rollen oder die Scheiben fliegen, sei es für das Vieh, das durch das fast herabgebrannte Feuer getrieben wird, wie vor Jahrhunderten bei Seuchengefahr durch das kultisch entfachte „Notfyr“. Auch die Menschen sollen dieser läuternden Kraft der Flammen teilhaftig werden. Deshalb springen sie übers Feuer, Bursch und Mädel gemeinsam, wenn sie in Zukunft auch gemeinsam den Lebensweg mit einer Fackel oder einem Span heimgetragen, um das vorher sorgfältig gelöschte Feuer neu zu entfachen und bis zum nächsten Sonnwendfeuer zu bewahren.

Vielfach gerieten jedoch die alten Bräuche gegen Ende des vorigen Jahrhunderts in Vergessenheit als Industrialisierung und Verstädterung die alten bäuerlichen Lebensformen zu verflachen begannen. Im Brennpunkt des Volkstumskampfes jedoch, im Grenzgebiet z.B. Deutsch-Österreichs, lebten die alten Formen weiter und in den Jahren der deutschen Not wurden die ursprünglichen Freudenfeuer mehr und mehr zu vaterIändischen Mahnfeuern. Vom Wandervogel und der Bündischen Jugend wurde diese Form aufgegriffen und in ganz Deutschland verbreitet, sodass für uns heute die Feier der Sonnenwende auch das Bekenntnis zu Volk und Vaterland einschliesst, auch wenn wir uns in den Formen möglichst an altüberliefertes Brauchtum halten wollen.

Mythologie

Das Fest der Sommersonnenwende ist mir dem Tode Baldurs durch die Hand seines Bruders Hödur verknüpft. Es steht im Jahreslauf gegenüber der Wintersonnenwende. So wie wir zur Wintersonnenwende uns mit Baldur und seinem Vater Odin verbinden, sind wir nun eins mit ihm und seiner Mutter Frigga. Dieses Fest soll uns an den ewigen Kreislauf von Entstehen und Vergehen erinnern. Ähnlich wie die Sonne ab diesem Tage langsam stirbt, verkörpert diese Zeit unser Leben im Übergang zwischen Jugend und Erwachsensein. Ein Zeitpunkt an dem auch unser eigener Körper die höchste Kraft erreicht hat und von nun an langsam durch das Alter geschwächt wird.

Nun die Sonne soll vollenden
Ihre längste, schönste Bahn,
Wie sie zögert, sich zu wenden
Nach dem stillen Ozean!
Ihrer Göttin Jugendneige
Fühlt die ahnende Natur,
Und mir dünkt, bedeutsam schweige
Rings die abendliche Flur.

Nur die Wachtel, die sonst immer
Frühe schmälend weckt den Tag,
Schlägt dem überwachten Schimmer
Jetzt noch einen Weckeschlag;
Und die Lerche steigt im Singen
Hochauf aus dem duft´gen Tal,
Einen Blick noch zu erschwingen
In den schon versunknen Strahl.”
Ludwig Uhland (1787-1862), „Sonnenwende”

Die Nacht zum 21. Juni ist die kürzeste Nacht des Jahres und markiert den Beginn des Sommers, vielerorts finden Feiern statt, die den Sommer und die Sonne, die nun ihren höchsten Stand erreicht hat, mit Feuern begrüßen. Solche Feste waren in Europa bei Kelten, Germanen und Slawen bekannt.

Die Sonnenwendfeiern finden nicht unbedingt zum astronomischen Zeitpunkt statt, vielfach sind sie mit den Feierlichkeiten der Johannisnacht zum 24. Juni, dem Festtag Johannes des Täufers, verbunden. Symbol des Johannistages ist eine teilweise geschälte, mit Blumen bekränzte Fichte. Um diesen Johannisbaum werden Reigen getanzt, immer linksherum, dem Lauf der Sonne entsprechend.
Andere Bräuche sind aus Eichenlaub geflochtene Johanniskronen an Türen und Dächer gebunden, ein Anklang an den Gott Donar (Thor), dem die Eiche heilig ist und der als Gewittergott das so geschmückte Bauwerk verschonen sollte. Weiteres Brauchtum siehe weiter unten und unter Johannes.

Die Sonnenwende markiert im Mythos einen Höhe- und Wendepunkt. Die germanische Sage weiß von Siegfried zu berichten, der von Hagen zur Sonnenwende getötet wird. Siegfried ist der strahlende Sonnenheld, der tagsüber unüberwindlich ist. Mit der Sonnenwende verliert er Macht und Leben.

Damit ist aber kein Tod im eigentlichen Sinne gemeint, vielmehr darf auf eine Wiederkehr gehofft werden und tatsächlich zeigt der Jahreslauf, daß dem Absterben im Herbst und der toten Zeit des Winters im Frühjahr neue Fruchtbarkeit folgt, die sich im Sommer zur ganzen Pracht entfaltet und der Zyklus weitergeht.

Es ist dies die Vermählung der Erdgöttin in Heiliger Hochzeit mit dem Sonnenheros, wie es in Mythen vielfach überliefert ist, z. B. die Isis und der sterbende Osiris.

GRIMM führt die Mutmaßung an, an Stelle des nordischen Gottes Baldur, dem die Mittsommerzeit heilig war, könne in christlicher Zeit der Johannes getreten sein, die Johannesfeuer könnten an Baldurs Leichenbrand erinnern (Deut. Myth., III, S. 78).
Brauchtum und Aberglaube zur Sommernachtgleiche

„wer eines montags drei stunden nach sonnenaufgang zur zeit der sommernachtgleiche geboren ist, kann mit geistern umgehen.” (GRIMM, Dt. Myth., III., A. 810, S. 463)

Brauchtum und Aberglaube zur Johannisnacht

Am Johannistag pflücken Jungfern stillschweigend in der Stunde nach Mittag neunerlei Blumen, darunter Storchschnabel, Weide und Feldraute. Mit einem zu gleicher Stunde gesponnenen Faden wird daraus ein Kranz gebunden und rückwärts in einen Baum geworfen. Soviele Würfe es bedarf, ehe der Kranz im Baum hängenbleibt, soviele Jahre wird es dauern, bis die Jungfer heiraten wird.

Mancherorts werden in der Johannisnacht brennende Räder einen Hang herabgerollt, verbreitet sind auch Fackelumzüge und der Tanz um das Johannisfeuer.

Ein Sprung über das Johannisfeuer soll das Jahr über vor Fieber bewahren (GRIMM, 1992, Bd. III, S. 468, Nr. 918), von Sünden reinigen und Schwangeren die Niederkunft erleichtern (WEHR, 1991, 135).

Die Asche des Johannisfeuers wird aufgehoben und unter der Türschwelle vergraben, da ihr noch lange Zeit magische Kraft innewohne (WEHR, 1991, 135).

Aus Eiern sollen Hexen in der Johannisnacht die Zukunft vorausgesagt haben. Der Zeitpunkt wird auch gern für einen Hexensabbat genutzt.

Wird beim Kräutersammeln in der Johannisnacht versehentlich ein Johanniskraut zertreten, so ist zu befürchten, daß plötzlich ein Pferd aus dem Boden steigt und den Unachtsamen in rasendem Ritt davonträgt.

Allgemein soll dieser Zeitpunkt für das Sammeln von Kräutern besonders günstig sein (Holunder, Johanniskraut).

Mädchen sollen in der Johannisnacht ihren Zukünftigen sehen, wenn sie zwischen 11 und 12 Uhr einen Kranz aus neunerlei Blumen winden — so jedenfalls der im „Sechsten und siebenten Buch Mosis” enthaltene „Magisch-sympathetische Hausschatz” (n. BAUER, 1996, S. 135). An gleicher Stelle heißt es, wenn das Mädchen einen Kranz aus Klebkraut windet und dabei dreimal ums Haus geht, wobei es spricht: „Klebekranz ich winde dich, Schätzchen, empfinde mich”, dann erscheine ihr der Zukünftige im Traum. Wird der Kranz während der Umgänge allerdings nicht fertig, so droht dem Mädchen Krankheit.

Wird eine Frau in der Johannisnacht schwanger, so soll das Kind später die Gabe des Bösen Blicks haben — vielleicht kirchliche Propaganda gegen allzu ausgelassene heidnische Festgebräuche.

Menhir – Sonnenwende

Israel – Die Hebräer haben diesen Namen sich angeeignet

Der Name Israel ist ein urgermanischer Name für germanische Stämme und findet sich schon lange vor den Juden in Palästina (Gebirge Palästina), von ausgewanderten Germanenstämmen dorthin gebracht. Die Hebräer haben diesen Namen sich angeeignet, um als Höherrassige, als Heilige Gottes und Träger der Verheißung zu gelten. Die zwölf Geschlechter Israels waren zwölf Germanenstämme, keine Hebräer.
Nicht nur im Totem (Malzeichen) unterschieden sich die Völker voneinander, sondern auch durch die Kleidung. Die Heiligen Gottes (Germanen) trugen zur Unterscheidung von den Anhängern des großen Tieres des Niederrassentums weiße Kleider (Off. Joh. 7 u. 19). Weiß ist die Farbe der Unschuld, der Gerechtigkeit, der Reinheit, rot die Farbe des Niederrassentums. Heute noch bevorzugt der Germane die lichten Farben des Himmels: weiß, blau, gold; der Niederrassige die dunklen Farben, insbesondere rot (s. hierüber die vorzüglichen Untersuchungen von A. Harpf: Natur- und Kunstschaffen. Jena 1910, bei Tostenoble). Weiß, schwarz und rot sind heute noch politische Farben, Kreuz und Hakenkreuz (Sonnenrad) das Zeichen der “Lämmer” (Germanen), der hebräische Sowjetstern das des Niederrassentums. 1914 wurde die “Schlange” (Satan) los, verführte die Heiden (Untiere, Niederrassigen) an allen Enden der Erde und führte sie zum Vernichtungskampf gegen “Kreuz” und “Lamm”, d. i. gegen das Germanentum, bzw. dessen Hauptvertreter, das Deutschtum – und nicht zum erstenmal in der Weltgeschichte. Wer gegen das Hakenkreuz kämpft, streitet somit für das Niederrassentum und gegen das Deutschtum und dessen Zeichen.

– 39 –
Jerusalem
Der nordische Name Jerusalem, mit dem fälschlicherweise jenes Babylon auf Atlantis benannt wurde, scheint überhaupt neueren Ursprungs zu sein. Jerusalem = das Glücksheim des Baldur, von Jeru = Baldur, sal = Glück und em (hem) = heim. Bis zur Eroberung der Hauptstadt der germanischen Jebusiter hieß diese Zion = Burg des Zius
1 Nach Kiefer: Der Bericht Platos über Atlantis. Jena, 1909.

– 40 –
(Tius). Bei Melchisedek und Abraham wird auch ein Salem = Heim des Glückes erwähnt. Auch das ist eine neue Wortbildung aus dem Nordgermanischen. (Vgl. Upsala = das hohe Heim des Glückes von up = auf, hoch; sälde = Glück und a = heim.) Jedenfalls kommt der Ausdruck Jerusalem erst nach David auf und ist eine fälschliche Bezeichnung für die Stadt auf Atlantis. Der Name Babylon dagegen ist ein uralter arischer Ausdruck. Er findet sich in folgenden deutschen Ortsnamen: Bamburg, Bamberg, Babenhausen, Babelsberg, Popenhaufen, Popenlauer, Pappenheim. lon (abgekürzt – on) trifft man in Zusammensetzungen von Ortsnamen: Arlon = Burg der Arier, Ajalon = Burg der Aias, Ailun = Burg der Aias usw.

– 53 –
Nach Off. Joh. 5 brannten vor dem Stuhle Gottes “sieben Fackeln mit Feuer”; nach Hesekiel war dort ein siebenarmiger Leuchter (siehe den Tempel in Jerusalem). Die sieben Lichter sind wohl als eine Erinnerung an das Siebengestirn, d. i. an die Kinder des ersten Menschenpaares aufzufassen. Die atlantische Sitte des siebenarmigen Leuchters wurde von der jüdischen Priesterhierarchie in Jerusalem wie manches andere übernommen, nachdem sie in Babel die uralten Berichte über den prachtvollen Tempel auf Atlantis gelesen hatte.

– 62 –
Wie wir die Toten im Friedhof besuchen, so besuchten die Aias ihre unverweslich gemachten Toten in den Grabgewölben des Himmelsberges. Homer erwähnt diese Sitte des Totenbesuches in der Unterwelt im Hades. Wie die deutsche Sage bedeutende Fürsten in Bergen weiterleben läßt, z. B. den Asen Wodan im Watzmann, Barbarossa im Kyffhäuser, so glaubte auch das Volk auf Atlantis, die Asen im Himmel lebten dort weiter und würden einst auferstehen und wiederkommen. So entstand mit der Zeit die Lehre von der “Auferstehung des Lebens” in den Mythologien der alten Kulturvölker. Diese fand auch Aufnahme im Christentum. Die Sitte der Totenbestattung in Tempeln und heiligen Bergen zog sich bei allen arischen Völkern durch lange Jahrtausende hindurch. Die älteste bei den Ägyptern gefundene Mumie hatte rotblonde Haare und ist über 8000 Jahre alt. Der Tempel in Jerusalem war nach den Berichten der Bibel von Totenkammern, und die heiligen Berge in Palästina bargen Leichen von germanischen Königen und Propheten 2). Auch die heiligen Berge in Deutschland wurden zum Begraben und Einäschern von Toten benützt, was durch Ausgrabungen festgestellt wurde, so auf dem Stufenberg in Thalmässing (Abb. 27).

– 138 –
Nebukadnezar läßt 588 das ihm unbequem gewordene Judenreich erobern, schleppt die Vornehmsten des Landes, darunter Schriftgelehrte und Priester, in Gefangenschaft. Den letzteren gelingt es, in einflußreiche Stellungen zu gelangen, chaldäische Sprache und Schrift zu erlernen und Zutritt zu den Bibliotheken zu bekommen. Hier finden sie die merkwürdigen Schriften über Atlantis. Da kommt einem unter ihnen, dem Esra, ein genialer Plan, der von ihm und Schriftgelehrten späterer Generationen in bekannter jüdischer Unverfrorenheit durchgeführt wird: Es soll von den Rabbinern ein jüdischer Priesterstaat nach – 139 – dem Muster des atlantischen Priesterstaates aufgerichtet und die Hauptstadt desselben Jerusalem werden, dem man den Namen der heiligen Stadt Gottes auf Atlantis beilegt, während man die Asenburg Asgard auf Atlantis Burg “Zion” nennt. In Jerusalem wird ein Tempel errichtet nach dem Muster des auf alten Tontafeln aufgezeichneten Tempels Allvaters auf dem Himmelsberg in Atlantis. Das Volk der Juden soll anstelle des ausgetilgten Aias das “Volk Gottes” genannt, deren berühmter Ase Baldur zu einem angeblich den Juden verheißenen Messias gestempelt werden.

– 210 –
Um die Idee der Weltherrschaft des atlantischen “Gottesstaates auf Erden” durchzuführen, mußten Loki und die übrigen Vertreter des Papismus den Massen schmeicheln, mußte die demokratische Idee von der “Gleichheit” aller Menschen und von der “Freiheit” derselben verkünden. Um die niederen Massen zur Revolution gegen die Arierherrschaft und zur Ausrottung der Aias aufzupeitschen, streuten der atlantische Papismus und seine zwei Hauptvertreter in der Gegenwart (Rom und Jerusalem) die Idee des Kommunismus unter das Volk. Besondere Vertreter des Kommunismus sind die Jesuiten, die damit die große Masse für die Idee des päpstlichen Weltreiches gewinnen wollen. Ihr grauenhaftes Programm wurde durch den italienischen Minister Gioberti, einem ehemaligen Jesuiten, enthüllt 9). In dem bayerischen Kommunistenaufstand 1918/19 war mehr als ein Jesuitengeist neben Toller und Landauer tätig, und die bayerische Regierung weiß, daß nicht nur jüdische, sondern auch klerikal-ultramontane Geldgeber dahintersteckten. Die atlantische Idee

211 –
des Priesterstaates ist international, führt notwendigerweise zum Internationalismus und ist vollständig unvereinbar mit nationalen und rassischen Belangen. Noch immer war daher der atlantische Papismus der Todfeind der nationalen Staaten, insonderheit der arischen.
Da er als Parasit nur im Rassenchaos leben kann, so muß er naturgemäß bestrebt sein, die ihm gefährliche, geistig hochstehende arische Rasse um jeden Preis zu vernichten, arische Reinzucht zu verhindern und die Rassenmischung zu fördern. Er predigt daher die wissenschaftlich unhaltbare Lehre “von der Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz” trägt, fördert die Verheiratung der Germanen mit Negern und niederrassigem Gesindel, bevorzugt überall in Europa gegenüber den Ariern die niederen Rassen, und nimmt den Deutschen in niederrassiger Umgebung die Sprache weg, um sie in jener untergehen zu lassen.

Hebräer
– 126 –
Nach den Berichten der Bohusläner Bilderschriften müssen die atlantischen Eindringlinge Scheusale gewesen sein. Sie mischten sich geschlechtlich sogar mit Tieren, so mit Hunden, Schafen und Schweinen, weshalb sie den Namen Schweine = Eberer = Ebräer = Hebräer erhielten. (Abb. 50 und 51.)
Den Namen Juden (kommt vom “Guten,” “Goten,”

– 127 –
da das G im Nordischen auch wie J gesprochen wurde; vgl. Jütland = Gutland = Gotenland) und den Namen Israeliten, der ein Sammelnamen für germanische Stämme war, haben sich die schlauen betrügerischen Ebräer = Schweine gestohlen, um nicht erkannt zu werden. Bei den Hebräern sind diese Tatsachen alle sehr lebendig erhalten und in ihren Schriften aufbewahrt. Sie wissen gar wohl, daß sie Tiere und Schweine genannt wurden, bezeichnen aber in ihren heiligen Schriften nicht sich, sondern uns Deutsche damit und sorgten im Weltkrieg dafür, daß ihr eigentlicher Name in der ganzen Welt uns Deutschen beigelegt wurde, da sie kein Volk der ganzen Welt mehr hassen und fürchten als das große Volk der Germanen (die Söhne der Götter = Asen), das in allem und jedem, in Körperbau und Gestalt, in Sitte, Gesittung und Religion, Lebensauffassung und Weltanschauung ihr Gegenpol ist, denn sie sind nach der Bibel die Kinder der Finsternis und des Teufels, die Germanen aber die des Lichtes und des gütigen Allvaters Christi. Die Niederrassigen verkörpern den Tiermenschen, die Germanen dagegen den Gottmenschen, dem das Erdreich bestimmt ist, während Christus die Ausrottung der Kinder der Finsternis befiehlt.

– 139 –
Da die aus Ägypten hinausgeworfenen roten Hyksos (Hebräer) nur eine Geschichte voll Schmutz hinter sich haben, soll die Geschichte der Aias und ihrer zwölf Asengeschlechter zu einer Geschichte des Judenvolkes umgefälscht werden, damit dieses den anderen Völkern als ein Volk mit einer achtunggebietenden, gewaltigen, geschichtlichen und gottbegnadeten Vergangenheit erscheine und ihm selbst der nötige Nationalstolz erwachse, der es zwingend antreiben könne, die Weltherrschaft zu erringen. Die Geschichte von den 12 Asen wird zu einer Geschichte von zwölf angeblichen Hebräerstämmen; aus 12 Asenstühlen werden die Stühle der 12 Geschlechter Israels; aus dem “Pöbel- und Zigeunervolk” der Juden wird das Volk “Israel”; das “Heilige” “Volk Gottes”.
Das aus Ägypten hinausgeworfene räuberische Judenvolk läßt man aus angeblich in Ägypten eingewanderten zwölf Söhnen eines Mannes Jakob aus Kanaan erwachsen, obwohl man doch aus der Geschichte weiß, daß die Juden als ein räuberisches Volk in Ägypten einbrachen und sich dort festsetzten. Um die angeblich arische Abstammung des Pöbelvolkes zu erweisen, wird der Stammbaum seiner angeblichen Erzväter Jakob, Isaak, Abraham auf Adam und Eva im Garten Eden auf Atlantis zurückgeführt, und werden auf sie die alten arischen Überlieferungen und Weissagungen bezogen.

– 222 –
Bezüglich des Judentums können wir uns den Nachweis ersparen. Es genügt, hier auf die bereits erschienene, sehr umfangreiche, beweiskräftige, wissenschaftliche Literatur zu verweisen 4) und auf das öffentliche Bekenntnis des französischen Oberrabbiners in der Pariser Hauptsynagoge 1919: Überall in der Propaganda gegen Deutschland hat der jüdische Patriotismus die Palme davongetragen. Was allein der weltumspannende Judenverein geleistet habe, könne er nur andeuten. “Bis zu einem gewissen Punkte ist der Weltkrieg ein jüdischer Sieg gegen den modernen Nebukadnezar (Deutschland). Mit Deutschland ist Israels erbarmungsloser Todfeind ans Kreuz geschlagen.” Also: “Ans Kreuz will uns das Judentum schlage!” Merken wir uns diese Worte dieses Vertreters des arierfeindlichen atlantisch-jüdischen Priesterstaates bis zum Tage der Abrechnung.

– 246 –
Die jüdischen Führer sind sich der ungeheueren Tragweite der Rassenpolitik gar wohl bewußt. Einem ihrer bedeutendsten Männer, dem englischen Ministerpräsidenten D’Israeli, entschlüpfte das wichtige, wissenschaftlich einwandfreie Geständnis: “Die Rasse ist der Schlüssel zur Weltgeschichte!”

– 15 –
“Wir müssen,” sagt E. Beta (Die Erde und unsere Ahnen, Verlag Bermühler, Berlin), “mit Recht auf dem Gebiete der Geschichte völlig umlernen.” Die Vorgeschichte unserer Ahnen und der Erde und ihrer Bewohner ist anders, als sie uns bisher dargestellt wurde 1).

– 16 –
Das bestätigen uns die ältesten Urkunden des Menschengeschlechtes, die schwedischen Felsbilderschriften, die sich auf 500 Kilometer Länge erstrecken und auf 800.000 Jahre zurückgehen. Da findet man in den seltsamen Schriften (ein Teil veröffentlicht vom Folkwangverlag in Darmstadt unter dem Titel: Schwedische Felsbilder 1. Werke der Urgermanen) Sternbilder, wie sie vor Jahrzehn- und vor Jahrhunderttausenden gestaltet waren. Aus ihrer Lage und aus der Stellung der einzelnen Sterne zu einander konnten kluge Astronomen Schlüsse auf das Alter der Bilderschriften ziehen. Auf den Bildern sieht man verschiedene Menschenrassen, Haustiere, Schlitten, Ruderschiffe, Tiere und Bäume aus den Tropen, Zeichnungen der Nilmündung, des Oderflusses, des Rheins usw. Endlich ist es einem genialen Forscher (Franz v. Wendrin) gelungen, die rätselhaften Bilderschriften zum Teil zu entziffern. Er stellt fest, daß die Germanen die oben erwähnten Erfindungen machten und schon vor Jahrhunderttausenden in kühnen Fahrten mit großen Ruderschiffen Entdeckungsfahrten in alle Meere machten, damals schon eine gegründete Anschauung von der Kugelgestalt der Erde gewannen und nach Ägypten, Afrika, Polynesien, Lemurien und Amerika- Atlantis kamen (Abb. 7).

– 66 –
Es ist klar, daß zu dem schmutzigen Beruf, Tote oder Verurteilte in den feurigen Schlund zu stecken, arische Personen sich nicht hergeben mochten. Man gewann hiezu Niederrassige, vermutlich Neger, deren rohe Gefühlslosigkeit an dem schauerlichen Handwerk nicht Anstoß nahm. Deswegen wird auch in allen Überlieferungen der Teufel und seine Gehilfen mit allen Merkmalen des dunklen Niederrassentums bezeichnet und auch in der Kunst so dargestellt: schwarz, kleinstirnig, tierisch-roher Gesichtsausdruck, Tierfüße und geschwänzt wie die Affen, also körperlich wie geistig eine Mischung von Mensch und Tier. Das Wort Teufel, mundartlich “Tuifel”, dürfte den in der Tuife = Tiefe des Kraters Schaffenden bezeichnen. Teufel ist der bildliche Ausdruck in der Bibel für Mischlings- und Niederrassentum, d. i. dem polaren Gegensatz zum arischen Gottmenschen.

– 109 –
“Gott gleich” waren nur die weißen, glänzenden Arier. Sie waren die “Kinder Gottes” (der Goten) der Bibel (I. Mos. 6, 1-2), also Wesen höherer Art. Die “Kinder der Menschen” lebten wie Tiere ohne jegliche Kultur und ohne Kenntnis derselben, beherrscht

– 110 –
von tierischen Trieben und tierisch im Gebaren, Aussehen und Wesen. Die am tiefsten stehenden Völker, die afrikanischen und Australneger, die Zwergvölker in Afrika und manche mongolische Völkerschaften erinnern noch an diese affenartigen Menschentiere. Statt der hohen asischen Stirne war ihnen eine niedrige Stirn mit hereingewachsenen Haaren eigen. Dunkle runde Augen erinnerten an die Tieraugen, ihre Menschenfresserei an das Leben der Raubtiere. Dazu zeigte sich bei ihnen keine Spur von Religion und Kultur. Ihr ganzes geistiges Leben war in schwarze Finsternis getaucht. Den Aias mußten sie naturgemäß als “Tiere” erscheinen. Die indischen Arier nannten die Eingeborenen kurzweg Affen. Die Niederrassigen werden daher im Gegensatz zu den arischen Kindern Gottes in der Bibel kurzweg als “Menschen” (I. Mos. 6) oder in der Off. Joh. als “Untiere”, “Tiere” und “Heiden” bezeichnet.

– 113 –
Die Niederrassigen sollten “im Schweiße ihres Angesichts ihr Brot essen”, d. h. sie wurden stärker unterjocht, mußten wieder Sklavendienste tun und für die Arier im Schweiße ihres Angesichts den Acker bauen. Die Tiermenschen aber sollten, nachdem man erkannt hatte, wie gefährlich ihre Aufkreuzung für die Arier geworden war, in ihrem tierischen Zustand belassen werden, d. h. sie sollten wieder Erde essen wie zuvor (das Erdeessen ist Sitte bei manchen Indianern- und Negerstämmen); sie sollten fernerhin aus dem Bauche kriechen, d. h. wieder in der Stellung des affenartigen Menschentieres, das nicht den schönen aufrechten Gang der Arier besitzt, verbleiben. Gott, d. h. der oberste Ase, setzte Feindschaft zwischen ihnen und den Ariern, da deren Liebe zu den Tieren und zu den Menschentieren schlecht gelohnt wurde. Ein Arier (Baldur) wird der Schlange den Kopf zertreten, d. h. das Niederrassentum ausrotten, sie aber wird ihn in die Ferse stechen, d. h. tierisches Blut wird in das Asengeschlecht eindringen und dieses verwunden. Nach den Felsenbildern von Bohuslän handelte es sich bei der Austreibung aus dem Paradiese um die Austreibung der Hebräer, eines Mischvolkes aus Atlantis. Das stimmt mit den Forschungen des gelehrten Nürnberger Stadtbibliothekars Ghillany überein (Ghillany: Die Menschenopfer bei den Hebräern. Nürnberg 1842). Dadurch erklärt es sich auch, wie diese zu den uralten Berichten aus Atlantis in der Bibel und zu den Bibelfälschungen kamen.

– 33 – Das Hakenkreuz
Das Zeichen Gottes, des “Herrn aller Herren” (des atlantischen Oberkönigs) war das uralte germanische Hakenkreuz. Man findet es daher auf den Statuen des ägyptischen Gottes Osiris, auf den uralten Königsstatuen der Osterinsel, auf der Buddhastatue usw. und wurde von den Germanen an die Stirne geschrieben (tätowiert) oder an einem Stirnband getragen, um sich damit vom Niederrassentum, dem “großen Tier” und “Untier” der Bibel (s. Off. Joh.), zu unterscheiden. Vgl. auch Hes. 9, 4 u. 6. Das arische Hakenkreuz ist nach R. Ph. Oreg: On the Meaning and Origin of the Fylfot an Swastika (Westminster 1884) das Zeichen des höchsten arischen Gottes und wurde auch auf die Stirn geschrieben. Die Sitte des Bekreuzigens erinnert noch daran. Über das arische “Zeichen Gottes” siehe Dr. Schliemann: Troja, S. 133-137, Ilios, S. 389-397, Tiryns, S. 110-112; sämtlich verlegt bei Brockhaus in Leipzig. Die Zeichen (Wappen) des großen Untieres waren nach der Bibel und nach den alten Sternkarten (s. auch Beka, S. 258 ff.) Schlange, Drache, Wolf. Diese Zeichen wurden von den Anhängern des Tieres auf die Hand tätowiert.
Ein Wappenzeichen der Germanen war auch das Lamm, das Sinnbild der Gutmütigkeit und Unschuld (“geduldig wie ein Schaf, das zur Schlachtbank geführt wird, und still wie ein Lamm vor seinem Scherer”). Das Sinnbild Lamm paßt heute noch ausgezeichnet auf die Deutschen.

– 34 –
1914 wurde die “Schlange” (Satan) los, verführte die Heiden (Untiere, Niederrassigen) an allen Enden der Erde und führte sie zum Vernichtungskampf gegen “Kreuz” und “Lamm”, d. i. gegen das Germanentum, bzw. dessen Hauptvertreter, das Deutschtum – und nicht zum erstenmal in der Weltgeschichte. Wer gegen das Hakenkreuz kämpft, streitet somit für das Niederrassentum und gegen das Deutschtum und dessen Zeichen.

– 46 –
Auf einem uralten Tempel in Tibet ist ein Hakenkreuz eingemeißelt. Schliemann fand in der ältesten (atlantischen) Kulturschichte von Mykenä Kreuze in Terrakotta 6). Vgl. hiezu Abschnitt 34 und Wilser: Das Hakenkreuz.

– 111 –
Da dachte Gott, der höchste Ase, daran, Adam und Eva, d. h. einen Mischling namens Adam und die der “ärgeren Hand” folgende Asentochter Eva, aus dem Paradies auszutreiben. Das heißt: Es wurde ein Gesetz erlassen, das allen Niederrassigen und Mischlingen den Zugang zu Eden und Asgard verbot, sogar die “zur ärgeren Hand” gefallenen Frauen und Kinder austrieb. In Zukunft sollten nur solche, die “Das Zeichen Gottes” und der arischen Abkunft “an der Stirne” tragen durften, d. i. das arische Hakenkreuz (Off. Joh. 7, 2-3), auf Eden und Asgard wohnen. Zuwiderhandelnde sollten nach Off. Joh. 14, 9-11 in den Krater geworfen werden. Auch in Deutschland war den Fremdrassigen das Betreten der heiligen Berge bei Todesstrafe verboten 1).

– 179 –
In den mit Jesus identischen Personen Baldur (der Weise, Glänzende, von bal = bel = weiß, glänzend, schimmernd) Osiris, Adonis, Attis, Marduk, Krishna, Buddha usw. ist also, da Sagen getreuliche Überlieferungen alter Geschichte sind, eine hohe urgermanische Persönlichkeit zu erblicken, die in Lehre und Leben von größtem Einfluß auf die Gestaltung der Schicksale der germanischen Völker gewesen sein muß. Kehren wir in unserer Betrachtung wieder zur Wiege der “christlichen” Kirche, nach Kleinasien-Palästina zurück. Dort waren seit 1000 vor Christi in ununterbrochenen Zügen

– 180 –
auf dem Landwege Germanenscharen eingewandert und hatten dort Siedlungen gegründet. Darum ist Kleinasien mit ein Hauptfundort des germanischen Hakenkreuzes 3). Zu ihrer größten Überraschung fanden die Kreuzfahrer im Gebirge Libanon noch blonde, blauäugige Einwohner mit deutschklingender Sprache. Das ganze Vorderasien und der nördliche fruchtbare Teil von Palästina (Galiläa und Samaria) waren mit Kelten (Chelden, Helden = Hellen, Blonden) überschwemmt, die dorthin nach Völlinger (Baldur und Bibel) ihre heimische Kultur, ihre religiösen Sitten, ihre Sagen und Geschichte mitbrachten. Diese Kelten hieß man auch Chatti, Cheti, Gedi (Goten), Chaldäer.

– 182 –
Wenn man auf Buddhastatuen das Totem (Wappen-Zeichen) Jesu: das Hakenkreuz, findet, braucht man sich also nicht zu wundern: Buddha ist die sagenhafte Persönlichkeit für den mit dem Totem versehenem Cheldenkönig Esus (Jesus). Die Totems werden uns am ersten auf die richtige Spur bringen.

– 196 –
Es ist tiefbedauerlich, daß die Kirche jene jüdische Geschichtsfälschung als geschichtliche und göttliche Wahrheit verkündet und Jesus entgegen den historischen und rassenbiologischen Tatsachen zu einem Angehörigen des Volkes der “alten Schlange”, also zu einem niederrassigen Hebräer stempelt und daß sie auf der Seite der Hebräer

– 197 –
gegen das uralte Stammeszeichen Jesu, gegen das altgermanische Hakenkreuz kämpft und damit gegen die Lehre Jesu selbst.

– 220 –
Wie auf Atlantis, so verlästerte man auch hier die arischen Führer: Die jüdische und römisch-klerikale Presse konnte sich in der Verunglimpfung und Schlechtmachung deutscher Fürsten, vorab der Hohenzollern, des deutschen Volkes, seines Heeres und seiner prächtigen Soldaten und Feldherrn nicht genug tun. Wer das Zeichen der Aias, das arische Hakenkreuz, trug, wurde beschimpft und mißhandelt.
(Anm.d.Red. Die Verwendung des Swastika in alter Zeit)

– 171 – 199 (Die Abbildungen finden Sie in der PDF)
Der geschichtliche Jesus.
Nach den vorhergehenden Tatsachen ist es zweifellos, daß die Sagen der Edda über Baldur und die sogenannten messianischen Weissagungen der Bibel auf den Sohn eines germanischen Asen denselben geschichtlichen Hintergrund haben und auf dieselbe Person, offenbar eine geschichtlich höchst bedeutungsvolle Persönlichkeit, auf einen germanischen König, oder Königssohn, sich beziehen, nicht nur des übereinstimmenden Inhaltes halber, sondern – auch wegen des Umstandes, daß die sogenannten prophetischen Bücher von den jüdischen Bibel- und Geschichtsfälschern in der Hauptsache uralten atlantisch-germanischen heiligen Büchern und Urkunden entnommen und für ihre Zwecke umgearbeitet wurden. Einwandfreie geschichtliche Belege für das Leben eines Jesus in Palästina vor 1900 Jahren lassen sich überhaupt nicht erbringen. Eine Anzahl wohlunterrichteter Theologen und Historiker verneinen überhaupt sein Dasein und verweisen die ganze Jesusgeschichte in das Gebiet der Sage und Fabel. Prof. Drews (die Christusmythe) bezeichnet die ganze Geschichte Jesu auf Grund eingehender Untersuchungen als einen Mythus (Sage), Andrzei Niemojewsky nach gründlichen Darlegungen in einem 2 bändigen gelehrten Werke (Gott Jesus, München 1910, bei Huber) als einen Astralmythus (Sternensage).

Bei all den gelehrten Untersuchungen scheinen etliche Punkte vielleicht noch nicht oder nicht genügend gewürdigt zu sein. Wie in den vorhergehenden Abschnitten dargelegt wurde, finden sich die wichtigsten Teile des katholischen Ritus und ein grundlegender Teil ihrer Lehren bereits Jahrtausende vor Christus in der atlantischen Weltreligion und vor unserer Zeitrechnung bei mittelamerikanischen Indianern und in verschiedenen vorderasiatischen Kulten. Die ersten Sendboten der christlichen Kirche in Tibet erkannten in dem tibetanischen Heidentum zu ihrem größten Erstaunen Zug um Zug ihren eigenen römischen Kultus wieder. Der Großlama (d. i. der tibetanische Papst), opfert Brot und Wein in kleinen Mengen, ißt und trinkt und verteilt. (Abendmahl). Er trägt die Tiara (die 3stufige Papstkrone) wie der Papst in Rom. Selbst Krummstab, Glocke und Schlüssel fehlen nicht (Sven Hedin, Tr. III. 281 ff). Hiezu kommen Klöster und Altäre, Mönche und Nonnen, Zölibat, Weihrauch und Weihwasser, Reliquien aller Art, Beichte, Sündenvergebung, Rosenkranz, wie im katholischen Kultus. Sven Hedin, der Tibet selbst besuchte, sieht aus diesen Tatsachen eine Katastrophe für die Kirche kommen.

Die Taufe, und zwar die Wasser- und Feuertaufe war schon lange vor Christus im ägyptischen Kultus üblich, wie uns altägyptische Abbildungen zur Genüge beweisen. (Abb. 53, 54.) Bei der Aufnahme in die Mithrasgemeinden mußte sich der Eintretende gewissen Zeremonien unterziehen, welche man Sakramente nannte. Zunächst wurde er unter Anzündung von Lichtern getauft, d. h. ins Wasser getaucht und bekam auf die Stirn ein heiliges Zeichen (nach den zuverlässigen Berichten des Kirchenvaters Tertullian Bildnissen der ersten Jahrhunderte und auf einer Bischofsmütze des 8. Jahrhunderts gezeichnet findet. Das Sich-Bekreuzigen ist eine uralte arisch-germanische Sitte. Paulus selbst trug an seinem Leibe ein Kreuz und rühmte sich dessen. (Gal. VI, 17). Abb. 54. Das Kreuz als goldenes, silbernes oder beinernes Amulett am Halse getragen oder auf Stirne, Hals oder Brust tätowiert, oder in die Kleider eingewebt, galt bei den Mithras-Attis- und Adonisgemeinden als Erkennungs- und Bundeszeichen einen ähnlichen Brauch finden wir in der Gegenwart. Daß Paulus das Kreuz am Leibe trug, darf nicht auffallen, da gerade seine Geburtsstadt Tarsus in Kleinasien ein Hauptsitz des Adonis-Attis- und Mithraskultus war.

Nach der Taufe fand ein sakramentales Mahl statt, wobei der Priester das ungesäuerte (!), mit dem Kreuzzeichen versehene Brot und den Kelch durch heilige Formeln segnete. Man feierte diese Kommunion zum Andenken an des Sonnengottes letztes Abendmahl vor seiner Himmelfahrt. (Nach Andr. Niemojewsky: Gott Jesus I 39. 169 ff).
Wie kann da ein Jesus in Palästina vor etwa 1900 Jahren die Sakramente Taufe und Abendmahl eingesetzt haben, wenn sie schon längst vor ihm Sitte waren? Wie kann er Stifter der christlichen Kirche sein, wenn diese in der Hauptsache schon vor ihm da war?

Da erscheint doch die christliche Kirche als nichts anderes als eine Fortsetzung der vorderasiatischen Kulte des Attis, Adonis, Mithras und des Osiris. “Die Lehre Jesus ist dabei nichts anderes, als leuchtende, einheimische schöne Stickerei aus fremdem Rätselstoffe” (Beta: Die Erde und unsere Ahnen. S. 188).
Dies bestätigt kein Geringerer, als der heilige Augustinus mit den Worten: “Das, was jetzt die christliche Religion genannt wird, bestand schon bei den Alten und fehlte nie von Anfang des menschlichen Geschlechts, bis daß Christus ins Fleisch kam (gemeint ist wohl eine Inkarnation eines Menschen, der schon früher gelebt hat). Seitdem fing man an, die wahre Religion, welche schon existierte, die christliche zu nennen.” (Bei A. Niemojewsky I. 170.) Nach dem klaren Zeugnis des hl. Augustin war also die christliche Kirche schon vor dem biblischen Jesus da, nur der Name war anders geworden.
Dafür, daß Lebensgeschichte und die Lehre Jesu sich schon lange vor 1900 Jahren vorfinden, seien noch etliche Belege angeführt:

Die Muttergottesgeschichten (Abb. 56 ff.): Verkündigung der Geburt ihres Sohnes, ihre Empfängnis, Geburt ihres Kindes und Huldigung desselben, Flucht der Muttergottes auf einer Eselin findet sich nach A. Niemojewsky schon längst vorher in ägyptischen, indischen und vorderasiatischen Religionssagen. Ein guter Kenner der indogermanischen Mythologie, Paul Koch (Die arischen Grundlagen der Bibel. Berlin 1914, bei Johnke), kommt nach eingehenden Untersuchungen zu dem Ergebnis (S. 158): “Der Lebenslauf Jesu stimmt mit dem aller übrigen Sonnengötter auffallend überein, nur mit dem Unterschied, daß er jüdische Einschläge aufweist und dann noch mit den mythischen Erzählungen des Alten Testamentes und seiner Prophetie (also durch jüdische Fälschungen. D. V.) in Einklang gebracht worden ist.” – “Die Wunder Jesu unterscheiden sich in nichts von den Taten der anderen Sonnen ausführlichen Beweise wolle man bei Koch, S. 158 ff., selbst nachlesen.

Gemeinsam ist auch den vorchristlichen Kulten die Verehrung einer Himmelskönigin und Gottesmutter, die ähnlich abgebildet wird, wie die Gottesmutter Maria.
Die Göttin Diana der Epheser ist nur schwer zu unterscheiden von dem Bilde der Muttergottes auf einem Kirchensiegel in Salisburg. Beide tragen auf dem Haupte ein Kreuz, und links und rechts von ihnen befinden sich Sonne, Mond und Sterne.

Meist wird die Himmelskönigin so dargestellt, daß sie den Mond zu ihren Füßen hat (Off. Joh. 12, 1). (Abb. 67.) Es ist nun recht bezeichnend, daß auch von den vorchristlichen Germanen Freia so abgebildet wurde. Die deutsche Geschichte erzählt, daß Karl der Große in Freiaburg (Magdeburg) einen Heidentempel zerstört hat, in dem sich ein wunderschönes Bildnis der Göttin Freia befand, das genau so aussah, wie das der Muttergottes Maria: Den Mond und die Schlange zu Füßen, die Sternenkrone auf dem Haupte und den Apfel in der Hand.

Recht merkwürdig ist der Umstand, daß bei den Griechen die Gottesmutter und Himmelskönigin Maja hieß und die Mutter Buddhas denselben Namen trug. Maja ist aber unser deutsches Maria (Maja).
Noch merkwürdiger ist, daß heute noch mancherorts (so in Annaberg in Oberschlesien) eine Madonna mit 2 Kindern angebetet wird. Es ist die heidnische Königin Latona, die sich vor einer “Schlange” flüchtet. Auf manchen christlichen Madonnenbildern ist das zweite Kind versteckt. (Abb. 68.)
Man sieht hier wiederum, wie der christliche Marienkult nur die Fortsetzung von uraltem heidnischen Kult ist und daß auch er auf Geschehnisse in altersgrauer Vorzeit hinweist. Der Kult der Himmelskönigin und Gottesmutter Maja = Mylitta = Isis war innig verknüpft mit dem ihres Sohnes Buddha-Adonis- Attis-Osiris. Dessen Tod (Abb. 82) und Auferstehung wurde schon längst vor Christus am Osterfest in Antiochien in Syrien, also wo die erste “Christen“gemeinde entstanden ist, dramatisch dargestellt und eine Höllenfahrt ist in einem der schönsten Gräber zu Biban-el-Muluk in Oberägypten abgebildet.

Dazu weisen die Forscher Rudolf Seydel (Das Evangelium Jesu an seinem Verhältnis zur Buddhasage und Buddhalehre, Leipzig 1882, und “Die Buddha-Legende und das Leben Jesu nach den Evangelien”, Weimar 1897) und G. A. v. den Bergh van Eysinga (Indische Einflüsse auf evangelische Erzählungen) nach, daß die Lebensgeschichte und Lehre Jesu mit der Buddhas, der doch 500 Jahre vor ihm lebte, fast völlig übereinstimmen. Sogar Bergpredigt und Seligpreisungen hat Buddha und zwar von letzteren 7 statt 9 bei Jesus 1). In der Geschichte Buddhas und Krishnas haben wir das Leben Jesu.

Dabei ist der Königssohn Buddha selbst erst wieder eine durchaus sagenhafte Person, die in altersgraue Zeiten zurückweist. Beta bringt Belege dafür, daß er vor der letzten Flut gelebt hat. Nach den bisher mitgeteilten Tatsachen läßt sich also die Lehre der christlichen Kirche, Jesus habe vor 1900 Jahren gelebt, nicht aufrecht erhalten. Angebliche geschichtliche Beweise hierfür haben sich als gefälscht erwiesen. Hat aber nun Jesus, dessen Lehre vor Beginn unserer Zeitrechnung so großen Einfluß auf die Kulturwelt auszuüben vermochte, überhaupt nie gelebt? Glaubt man denn, die Hebräer jagen einem Phantom nach, wenn sie Jesus in ihren heiligen Büchern verwünschen und beschimpfen? Sie wissen ganz genau, daß es sich um eine geschichtliche Persönlichkeit handelt. Sollten die Evangelien, die, richtig verstanden, von ungeheurer Tragweite und hoher sittlicher Bedeutung sind, Dichtungen irgendwelcher Menschen sein? Dichtungen von Juden? Ausgeschlossen! Der aus den Evangelien leuchtende sittliche hohe Geist, den schon Goethe nicht genug rühmen konnte, kann nicht aus einem Ebräergehirn entsprungen sein, das bezeugt jeder Rassenforscher. Die Ebräer würden sich übrigens gar wohl gehütet haben, solche Lehren, wie die des Jesus, die ihrer Weltanschauung entgegengesetzt sind und ihnen den Untergang drohen, in die ihnen verhaßte Germanenwelt zu schleudern.

Nein! Jesus war keiner der Ihrigen, seine weltumstürzende, aus tiefer Naturerkenntnis beruhende Lehre von der Ausrottung des Menschenunkrautes (s. Abschnitt 37) konnte keinem Juden-, sondern nur einem Germanengeiste entsprossen sein, dem Geiste eines Götter-(Goten-)sohnes. Der abgrundtiefe Haß der Juden gegen ihn und seine Lehre und gegen das Kreuz, der sich in ihren “heiligen” Schriften in gotteslästerlicher Weise kundgibt 2), hat zweifellos einen geschichtlichen Hintergrund. Dieser Jesus muß eine germanische Persönlichkeit von überragender Bedeutung und Jahrzehntausende hindurch für die Germanenwelt richtunggebend gewesen sein.

Zweifellos war er einer derjenigen, die in einer Zeit der Bedrängnis des Ariertums auf die furchtbare Gefahr der Vermischung mit den Kindern des Teufels hinwies und deren Ausrottung verlangte, auch gegen ihre blutigen Opfergesetze und Sitten zu Felde zog. Naheliegend ist auch, daß er deshalb vom gesamten Ebräertum mit Wut und Haß verfolgt wurde.

Jesus und seine Lehre sind also nicht dem Judentum entsprungen. Wer das bestreitet, leugnet alle politischen, rassekundlichen und naturgesetzlichen Tatsachen. Wer war nun Jesus? Fassen wir zur Beantwortung der Frage folgende Tatsachen ins Auge:

Die Germanen übten den Brauch, berühmte Ahnen, Helden, Asen, Könige pietätvoll zu verehren und Sternbilder nach ihnen zu benennen (sie in und an den Sternhimmel zu versetzen), woraus allmählich die Götterverehrung des Niederrassentums entstand. Wenn A. Niemojewsky die ganze Geschichte Jesu als einen Astralmythus erklärt, hat er nicht unrecht, nur hat er übersehen, daß demselben geschichtliche Personen und Tatsachen zugrunde liegen.

Nun brachten die Germanen auf ihren Kolonisationszügen ihre Geschichte und Sage und die Kunde von den Taten ihrer hohen Ahnen in alle Welt, auch nach Indien und Atlantis-Amerika. In den mit Jesus identischen Personen Baldur (der Weise, Glänzende, von bal = bel = weiß, glänzend, schimmernd) Osiris, Adonis, Attis, Marduk, Krishna, Buddha usw. ist also, da Sagen getreuliche Überlieferungen alter Geschichte sind, eine hohe urgermanische Persönlichkeit zu erblicken, die in Lehre und Leben von größtem Einfluß auf die Gestaltung der Schicksale der germanischen Völker gewesen sein muß.

Kehren wir in unserer Betrachtung wieder zur Wiege der “christlichen” Kirche, nach Kleinasien-Palästina zurück. Dort waren seit 1000 vor Christi in ununterbrochenen Zügen auf dem Landwege Germanenscharen eingewandert und hatten dort Siedlungen gegründet. Darum ist Kleinasien mit ein Hauptfundort des germanischen Hakenkreuzes 3).

Zu ihrer größten Überraschung fanden die Kreuzfahrer im Gebirge Libanon noch blonde, blauäugige Einwohner mit deutschklingender Sprache. Das ganze Vorderasien und der nördliche fruchtbare Teil von Palästina (Galiläa und Samaria) waren mit Kelten (Chelden, Helden = Hellen, Blonden) überschwemmt, die dorthin nach Völlinger (Baldur und Bibel) ihre heimische Kultur, ihre religiösen Sitten, ihre Sagen und Geschichte mitbrachten. Diese Kelten hieß man auch Chatti, Cheti, Gedi (Goten), Chaldäer.
Unter ihren Ahnen verehrten sie besonders den König (Gott) Esus in religiösen Feiern, die mit dem Mithras- und Adoniskult zusammenschmolzen. “Der gesegnete Kelch,” “die Gemeinschaft des Brotes” (d. i. das altgermanische Liebesmahl) war ihnen keine Neuigkeit.

Was ist natürlicher, als daß der Name ihres Königs (Gottes) Esus-Jesus anstelle des Adonis trat! Der alte Kultus blieb, nur der Name änderte sich!
Der Name Jesus ist dem Bibelkenner nicht fremd. Er findet sich in Jesus Sirach (49, 14) einem von den Hebräern ebenfalls umgefälschten, urgermanischen Schriftstück, vermutlich einer altgermanischen Spruchsammlung. Der Name Jesus war im ganzen Altertum bekannt als der eines Heilbringers und Patronus der Ärzte und weist als solcher überall eine merkwürdige Ähnlichkeit mit dem christlichen Jesus auf.
Nicht nur der Name Jesus wurde von der christlichen Kirche aufgenommen, sondern auch sein Stammeszeichen: Das Lamm in Verbindung mit dem urgermanischen Kreuz in seinen verschiedenen Formen.
Das urgermanische Stammes- und Rassezeichen findet sich nicht nur auf der eingangs erwähnten Bischofsmütze, sondern auch in älteren christlichen Kirchen, so in Lellenfeld-Bayern und am Viberger Dom und inmitten im sogenannten christlichen Kreuze in der Vandrupkirche bei Golding.

Dies wurde schon Jahrtausende v. Chr. mit dem Gottessohn verbunden. (Abb. 72.) Auch das Stammeszeichen der Theos- Zius, seines Vaters – , die Sonne, wird mit den anderen Zeichen in Verbindung gebracht und so finden wir in der christlichen Kirche Jesus Christus verbunden mit seinen urgermanischen Wappenzeichen Kreuz und Sonne und mit dem Zeichen der Germanen = Lamm. Er ist also nach der Deutung der alten Sippen-, Stammes- und Völkerzeichen als ein deutscher König anzusehen. Daran ist nicht zu zweifeln. (Abb. 70- 73.) Der Name des keltisch-germanischen Königs (Gottes) Esus- Jesus und sein Zeichen und Lamm weisen uns also bestimmt auf die germanische Abstammung Jesu hin, auch die Geschichte Buddhas. Buddha stammte aus dem Geschlechte der Caken oder Cakja (Saken). Er wird in indischen Hymnen als Sakhymuni, d. i. als Mann der Saken bezeichnet. Nun wissen wir aber, daß die herrschende Kaste der Inder eingewanderte Germanen waren (s. Dr. Biedenkamp: Der Nordpol als Völkerheimat). Das vornehme Geschlecht, aus dem Buddha-Jesus entsproß, waren also germanische Saken, deren ursprüngliche Heimat Norddeutschland war. Ähnliches besagt der Beiname Buddhas: Gotama (got hama), was bedeuten dürfte: Der aus der Gotenheimat und aus dem Gotengeschlechte Stammende. Seine Mutter trägt den altgermanischen Namen Maja. In der gr. Mythologie wird die Muttergottes Maja, als Tochter des Atlas, also als die eines germanisch-atlantischen Asen bezeichnet. Wenn man auf Buddhastatuen das Totem (Wappen-Zeichen) Jesu: das Hakenkreuz, findet, braucht man sich also nicht zu wundern: Buddha ist die sagenhafte Persönlichkeit für den mit dem Totem versehenem Cheldenkönig Esus (Jesus). Die Totems werden uns am ersten auf die richtige Spur bringen.

Es ist auch ganz erklärlich, daß die in Galiläa (das Land der Galater-Kelten) eingewanderten Kelten und Sueven dort in ihren vielen Gemeinden die Verehrung ihres großen Ahnen trieben und dessen Geschichte sich allmählig an die von ihnen besetzten Orte knüpften, welche sie vielfach mit heimatlichen Namen benannten, z. B. Tabor, Jerusalem, Jerichow, Kapernaum, Nazaret nach Nasserreit in Tirol (s. Dr. Stuhl: Nordlands Untergang. Ubodung-Verlag, Perleberg).

In Bethlehem befand sich, wie Hieronymus mitteilt, ein alter Hain und ein Heiligtum des Gottes Attis = (Vater) = Adonis = (Vater der Dans-Dänen) = Esus. Und es ist recht merkwürdig, daß die christliche Kirche gerade dort Jesus geboren werden läßt. Der Berg Golgatha war ebenfalls eine uralte Kultstätte der von den Hebräern unterjochten kananitischen Germanen, so daß die Verbindung des evangelischen Jesu mit der Schädelstätte Golgatha nicht Wunder zu nehmen braucht.

Bei den Germanen Palästinas führte Jesus verschiedene Namen. Man nannte ihn den “göttlichen Sohn”, den Messias oder Christus (= der Gesalbte), was aus königliche Abkunft deutet, Erzengel Michael oder auch Josua, d. h. Gotthilf, Heiland und Erlöser (Drews, Die Christusmythe 21l). Nach Jesus oder nach “dem Zweig aus der Wurzel Jesse”, d. i. nach dem König aus dem Geschlechte Esus nannten sich in Kanaan Essener und die Jesäer, die mit den Essäern oder Nazaräern (Nazarenern) verwandt, wenn nicht gleich waren. Wie Epiphanias bezeugt, waren diese schon lange vor Christus da. Nazarener hießen sie, weil sie den göttlichen Sohn als Hüter und Wächter (syrisch nas arpa = Ase der Arier) verehrten. Jesus aber war einer der vornehmsten der Sekte der Nazarener und diese werden als seine ersten Anhänger bezeichnet. Die Nazarener trugen wie Essäer und germanische Freie, langherabhängende Haare, das Zeichen der Freien und Edlen. Auch Jesus wird so abgebildet.

Die Offenbarung Johannis kann uns ebenfalls mancherlei Aufschluß über die uralten geschichtlichen Vorgänge geben. Sie ist ein Stück Astronomie, Erd- und Rassengeschichte. Ihre Darstellungen fußen völlig auf den alten Sternzeichen und Sternkarten und diese wieder auf den alten Völker- und Stammeszeichen und auf uralter Rassen- und Völkergeschichte. Wer die eigenartige Darstellungsweise der Off. Joh. nicht versteht, sieht diese uralten Geschichts- und Sagenbücher für tolles, ungereimtes Zeug an. So sind die 7 Posaunen und die rätselhaften Fackeltiere Wappenzeichen der atlantisch-amerikanischen Räuberstämme, welche das Lamm (die Arier, Elohims = Hellen) überfielen (Beta 322). Die “Siegel” der Offenbarung sind ebenfalls Stammeswappen, so das 1. und 6. Siegel (Off. Joh. 6, 2 ff.), das des Orion-Arion-Jesus (Israel). (Beta 321).

Das weiße Pferd versinnbildlicht die weiße Rasse, das rote die rote Rasse, das schwarze die Negerrasse, und das fahle die mongolische Rasse. Alle fielen über die Arier (5. Siegel) d. i. die Heiligen Gottes, die Kinder Israel her und mordeten sie. Der Name Israel ist ein Sammelname für germanische Stämme und wurde von den hebräischen Bibelfälschern gestohlen, um die Hebräer als Herrenvolk erscheinen zu lassen.
Zur Zeit Jesu (Buddha-Krishna) lebte der Antichrist, d. i. die alte Schlange, der Satan. Das waren die über Europa in verheerenden Raubzügen hereinbrechenden, farbigen Teufelsvölker (Taifalen) von Atlantis-Amerika-Asien. Die Offb. Joh. preist des Menschen Sohn (Esus) als Retter der Lämmer (Germanen). – – – Bei der fortschreitenden Vermischung der galiläischen und samarischen Germanen mit den Juden im Süden kamen ihre Geschichts- und Sagenbücher in die Hände der letzteren. Um nun bei den ihnen feindlichen Germanen Vorderasiens herrschenden Einfluß zu erlangen, ließen sich Juden durch die Taufe in die Gemeinschaft der germanischen Verehrer ihres Ahnen Jesus aufnehmen und fälschten die Geschichte und Sage von Esus und die Geschlechtsregister von Jesus so um, daß derselbe als Judensprößling und das Schlangen- und Drachen-Volk als das “Auserwählte Heilige Volk Gottes” erschien, ein politischer Schachzug erster Güte, der in der Folge für das Germanentum in jeder Hinsicht verhängnisvoll geworden ist. Wenn diese Darstellung richtig ist, dann müßte sich die Jesussage auch in Deutschland finden. Gewiß! Die uralten, als Geheimnis gehüteten Traditionen eines alten Irmingeschlechtes, die ich jetzt mitteilen darf, besagen, daß vor der großen Flut in Goslar (Idarvalla – Jöruvalla)ein deutscher Königssohn Esus-Jesus an einen Baum gebunden und gemartert wurde. Ähnliches berichten Thüringer Sagen (mitgeteilt bei E. Beta: Die Erde und unsere Ahnen, S. 97). Bei dem reingermanischen, aus dem hohen Norden kommenden Urvolk der “Kimerier” (vgl. Kimbern, Kimmgau – Chiemgau) das nach Homer im Norden wohnte, wurde schon längst in der vorchristlichen Zeit eine gekreuzigte Urgottheit (königlicher Urahne?) verehrt (s. Dr. Sepp: Religion der alten Deutschen (München) und Erich Jung: Germanische Götter und Helden (München).

Die Bilder der gekreuzigten “heiligen Kümmernis” erinnern noch daran. Bezeichnend ist, daß die Gestalt des Gemarterten eine Königskrone und ein Kreuz (Wappenzeichen Jesu) auf der Brust trägt und daß die Lilie am Kreuz ebenfalls noch ein germanisches (fränkisches) Stammeszeichen ist, das sich heute noch in Frankreich findet. Was das Bild bedeuten soll, besagt uns der Name des Angebundenen, er heißt Kymini, was bedeuten soll, der Kimmini = der König der Kimmerer oder Kimbern. Die mittelalterliche Legende hat daraus in Unkenntnis über die geschichtliche Bedeutung “St. Kümmernis” gemacht, oder war es absichtliche Fälschung, um die wahre Geschichte zu verdecken? Man ist geneigt, das Letztere anzunehmen, wenn man hört, daß man in den letzten Jahrhunderten die vielen urgermanischen Kymini-Bilder unauffällig verschwinden ließ. Die Folgen der Entdeckung der geschichtlichen Wahrheit wären doch zu fürchterlich gewesen. Im Vatikan, in dessen Bibliothek gar viele der bei der Christianisierung Deutschlands beschlagnahmten deutschen Geschichtsurkunden verschwanden, kennt man gar wohl die geschichtliche Wahrheit, so gut als die Tatsache der Entstehung der Romkirche aus dem heidnischen Mithraskultus.

Zu Dantes Zeiten hörte man noch in Italien den Notschrei: “Der hl. Volto helfe mir!” In Aosta in Italien trägt ein Triumphbogen dessen Namen (St. Voult – Vul – Volto). Dieser aber war ein König und der Gekreuzigte, den Sage und Bild uns aus fernster Zeit erhalten haben. Er ist der von der Offenbarung St. Johannis genannte gekreuzigte Herr, der vor der Flut (wahrscheinlich vor der letzten Flut, der durch Einfang der Luna entstehenden Flut) lebte und die nach ihm Flut des Vul genannt wird.

Auch die Odinsage gehört hierher. Und die Baldursage bringt nach Bugge (nordische Studien) manchen Hinweis auf Christus. Osiris wurde durch Set-Typhon (= Satan) (also durch Satanen- Hebräer) verwundet und hat dadurch wie Jesus ein Malzeichen an seinem Leibe erhalten.
Reste der Lebensgeschichte Esu finden sich in gotischen Evangelien-Handschriften. Heiland, Adamhandschrift und sächsische Genesis sind nach Beta keine Evangeliennachdichtung, sondern germanische Dichtung älterer germanischer Sagen.

Es sagt für die Entstehung der christlichen Kirche alles, daß die ersten christlichen Gemeinden sich gerade dort bildeten, wo germanische Einwanderer (Kelten, Trierer, Galater, Galiläer) am dichtesten saßen und der Attis-Adonis-Mithraskult am eifrigsten gepflegt wurde. Die Christologie war fertig, ehe Christus vor 1900 Jahren angeblich geboren wurde.
Baldur- und Adonissage sind völlig verwandt. Baldur und Adonis sind der Königssohn, der durch einen Eber verwundet und an einem Pfahl (später ersetzt durch sein Stammeszeichen †) gemartert wurde.
Ein uraltes Bild in Goslar zeigt eine hohe Persönlichkeit, mit Stricken an einen Baum gefesselt, mit Pfeilschüssen gemartert (Beta S. 141). Nach alter Lesart war das Kreuz Jesu ein Baum, ein grünes Holz (Bugge: Über Balders Tod I 46- 51).

Uralte, vorchristliche Zeichnungen in einer mexikanischen Handschrift stellen ähnliches dar.
Auf vorchristlichen, mexikanischen Abbildungen wird der Gekreuzigte von indianisch-ägyptischen Geiern angefallen, dahinter stehen Wolf und fliegende Schlange, d. s. Totems von indianischen Stämmen.
Im Majakodex (Tro. II., 10a) findet man die Abbildung eines an einen Baum gespießten Hirschen. Der Hirsch war aber neben dem Lamm das Zeichen der Hellen (Blonden) und von Esus und Orion. Es handelt sich also um einen von Indianern mit einer Lanze an einen Baum gehefteten und gemarterten König der Weißen. Off. Joh. 5, 6 ff spricht vom siebenhörnigen Lamm, d. i. das Totem Hirsch der Germanen.
Ein Bronzeamulett im Vatikanischen Museum zeigt Jesu Geburt, die hlg. 3 Könige und Hirsche als Jesu Stammeszeichen darunter.

Eine germanische Asengottheit (König) mit Hirschzeichen auf dem Haupte findet sich auf dem Silberkessel von Gundestrup. Der König (Esus?) erwürgt die alte Schlange (Hebräer).
Steine mit uralten germanischen Runen und Hirschzeichen wurden in Dolmen von Alvao in Portugal gefunden, ein Beweis, wie weit das Stammeszeichen Hirsch und seine Geschichte schon zurückreichen. Der Hirsch tritt auf die Schlange. Das bedeutet, daß der gekreuzigte Germanenkönig die Schlange (das Volk der Hebräer) zertritt. Diese bildlichen oder vielleicht richtiger gesagt, bilderschriftlichen Darstellungen sind unwiderlegliche urkundliche Beweise aus alter Zeit für die Tatsache, daß der Gekreuzigte ein Germanenkönig war.
Auf dem uralten Gosforth-Kreuze in Cumberland sieht man als Gekreuzigten einen Mann mit Gürtel und Horn, das ist, nach der Sternbildersprache Orion (Arion), der König der Arier, bedrängt von 2 Fischen, dem Heereszeichen eines atlantischen Bastardvolkes. Mit Gürtel und Horn schildert aber auch die Offenbarung Johannes “des Menschen Sohn”, d. i. Esus-Jesus, und so wird Orion-Arion auch auf alten Sternkarten dargestellt.

In Schweizer Gräberfeldern wurden Bronzeschnallen mit Bildern gefunden: Wölfe (Totem germanenfeindlicher Stämme) beißen einen Mann, der die Stellung eines Angebundenen oder Gekreuzigten hat, in die Füße. Andere uralte bildliche Darstellungen aus der Madeleine-Zeit zeigen einen Reiter (vermutlich Esus), den eine Schlange (Totem roter Stämme, die alte Schlange der Offenbarung Johannis) in die Ferse beißt. Der indische Gott Krishna, der mit Baldur-Esus gleich ist, wird von einem Pfeilschuß in die Ferse getroffen. Alles Erinnerungen an die germanische Vorgeschichte. (Vergl. l. Mos. 3, 15.)
In jüdischen Freimaurerlogen in Amerika und Frankreich wird ein Bild des Gekreuzigten an der Seite (Milz) mit einer Lanze durchbohrt, und höhere Grade tragen auf der Fußsohle ein Kreuz eingebrannt, damit sie auf das Stammeszeichen Jesu treten müssen. Die Juden kennen den geschichtlichen Hintergrund ihres Hasses gegen den “Zimmermannssohn”.

Das angelsächsische Gedicht “Satan” läßt Jesus von Pfeilen verwunden. Dies erinnert an den Marterpfahl der Indianer und an ein uraltes Jesusbild im Rathaus in Goslar, auf welchem der Gemarterte von oben bis unten mit Pfeilwunden bedeckt ist. Übereinstimmend berichtet die Attis- und Adonissage, daß der Königssohn Attis durch Pfeile und eine Lanze getroffen wurde.

Auf einem uralten Relief sieht man fremde Zeichen (rote Stämme) gegen das Zeichen Auge kämpfen, d. i. gegen das Germanentum; denn das Zeichen des germanischen Ahnenkönigs Theos-Tius ist ein von einem Dreieck und von Sonnenstrahlen und Wolken umgebenes Auge, wie man es auf christlichen Altären und Grabsteinen heute noch sieht. (Abb. 48).

Man wird auch an das Bild vom gefesselten Prometheus erinnert, der durch einen Geier an der Seite verwundet wurde. Worfae (Nord. Abb. I) bringt eine Abbildung des Gekreuzigten, über dem sich das Zeichen “Hand” der indianisch-mexikanischen Feinde der Weißen befindet, das andeutet, daß er in deren Gewalt fiel.

Jesus wurde auch genannt: Besieger der Bergriesen am Urdabrunnen (“setbergi banda rammo”, Beta 217).
Die hl. Geschichte ist uralt. Uralte Münzen haben in uralter Schrift das Wort d’Esu und auf der Rückseite eine knieende Frau. Der Gott und König der Kelten aber ist Jesus. Sein Name Esus findet sich auf einem uralten Stein in der Notre – Dame – Kirche in Paris, wo er als Ahnengottheit dargestellt ist und heißt keltisch: Der Tapfere.

Er und seine Jünger haben galiläisch gesprochen, d. i. eine keltische Mundart und seine Geschichte wurde ursprünglich in keltisch-germanischer Sprache ausgezeichnet. (Nach Beta.) Daß die Evangelienhandschriften meist in griechischer Sprache aufgezeichnet: wurden, erklärt sich daraus, daß Griechisch zu Beginn unserer Zeitrechnung die Hauptverkehrssprache Kleinasiens war.
Jesus kam nach der Bibel aus dem germanischen Stamme Jesse-Esus = der Asen.
Die Sigurdsage enthält ebenfalls uralte heilige Geschichten 4), auch die Siegfriedsage. Es ist bezeichnend, daß sie den Sonnensohn Siegfried durch den Lanzenwurf eines Bastardes (Hagen) zu Tode treffen läßt.
Die Mythologie kann uns über die Geschichte unseres Heilandes Jesus noch mehr sagen:
Baldur und Siegfried kämpften mit dem Drachen,
Marduk desgleichen (und mit Schlange),
Jason desgleichen,
Adonis (Esus) mit dem Eber,
Osiris mit Seth (Satan),
der Erzengel Michael mit dem Satan (Drachen),
Christus mit dem Satan und als Ritter Georg mit dem Drachen.
(Jes. 51, 9; Jes. 27, 1; Off. Joh. 12, 7-9; Evang. Matth. 4, 11; Mark. 1, 12-13; Luk. 4, 1-13.)
Maria = Maja, die Himmelskönigin, tritt nach christlichen und vorchristlichen Darstellungen siegreich auf eine Schlange (Wurm). Hand, Drache, Schlange, Wurm, Stern, Mond und Eber aber waren nach den einwandfreien Untersuchungen E. Betas die Heeresund Stammeszeichen asiatisch-amerikanisch-atlantischer Räubervölker, die, alles verheerend, in dem ehedem germanischen Europa einbrachen (s. Abschnitt 28). Wer denkt da nicht an den chinesischen Drachen, der Deutschland in Gestalt von Hunnen- und Mongolenheeren schon öfter in grauenhafter Weise verwüstete, und an den Sowjetstern, das Zeichen der Ebräer, das deren Anhänger und Kampftruppen zur Schau tragen, wie vor 2000 und 60.000 Jahren. Das Wappen der Ebräer = Hebräer ist auch die Schlange, welche Moses in der Wüste aufrichten und sogar anbeten ließ. Auf den Extersteinen sind unter dem Kreuze Jesu als die Schuldigen ein fliegender Drache und eine Schlange. Hebräer und Mongolen sind seine Mörder. Die Königin Latona, seine Mutter (Abb. 68), flieht vor der “Schlange”, d. i. vor Hebräern.

Jesus hat demnach in altersgrauer Vorzeit mit den Juden und ihren Verbündeten (Taisalen und Satanen) zu kämpfen und von ihnen zu leiden gehabt und nicht in Palästina, sondern entweder auf Atlantis selbst oder in Deutschland. Paulus, der das Zeichen Jesu am Leibe eintätowiert trug, sagt ja selbst zu den Galatern, daß Jesus “unter ihnen”, d. h. im Keltenland, gekreuzigt worden wäre (Gal. 6, 17).
1916 erschien in Berlin (bei Bartels) eine merkwürdige Schrift: “Eine 200jährige Prophezeiung über den Weltkrieg. Aus der 1717 gefertigten Handschrift eines Tiroler Mönches aus dem Kloster Waldrast 1821. Gefunden bei dem Bauern Purtscheller im Stubaitale.”
Der Inhalt der angeblichen Prophezeiung ist wie die Lehninsche, nichts als die Schilderung jener im Abschnitt 28 erwähnten jahrelangen Kämpfe des Lammes und Kreuzes mit Drachen, Schlange, Stern, Mond, Dreizack und Hand.

Der geschichtliche Inhalt der Handschrift ist unter möglichster Benützung des Textes kurz folgender (die Beifügungen in Klammer sind vom Verfasser): Vom Morgen- und vom Abendland und vom Süden standen die Völker auf wider die Völker, so in der Mitte (von Europa Deutschland) und gegen Mitternacht (Norden) wohnten. Das Unheil tobte wider sie an allen Enden und Ecken. Sie wurden von fürchterlichen Züchtigungen heimgesucht und Jammer und Wehklagen waren an allen Enden. Neun Reiche vom Morgen- und Abendlande waren gegen die “Länder der bärtigen Völker (Germanen) ausgezogen”.
“Der Krieg wurde entfacht durch die Bosheit, Niedertracht und Verleumdung eines kleinen Volkes (vermutlich des Volkes der Schlange), das einen edlen Fürsten und sein Ehegemahl ermordete (s. Latona) und ihn und sein Volk verleumdete. Seine eigenen Freunde, gegen die er großmütig war, waren gegen ihn und haben ihn verleumdet und verraten, wohl an jenes kleine Volk und aufgehetzt durch dieses. Der Fürst wurde mit seinem Ehegemahl grausam gemordet, scheint aber nur scheintot gewesen und wieder gesund geworden zu sein, weil er als Sieger in den kommenden Kämpfen bezeichnet wird. Unter dem Feldgeschrei: Mit Gott voran! und mit dem Kreuz (Wappenzeichen) auf der Brust nahm er an der Spitze seines weißgekleideten Heeres (s. auch Off. Joh. 19, 11-20) den Entscheidungskampf gegen die Völker der ganzen Welt (Satan und all seine Heere) auf.”

“Ein schrecklicher Kampf entbrannte von einem Meere zum andern, desgleichen die Welt noch nicht gesehen hat und nie wieder sehen wird.”
“Die Meere färbten sich mit Blut (also auch Seeschlachten) und es entbrannte ein Kampf von den höchsten Bergen bis auf den Grund des Meeres.”

“Der Fürst des Meeres wurde mit seinen Heiden und Mohren geschlagen und sein Land (Atlantis) kam in tiefes Elend. Seine eigenen Völker standen gegen ihn auf und die Fürsten der Wüste (Afrika) wandten die Schärfe des Schwertes gegen ihn.” (Vermutlich benützten die von Atlantis unterworfenen Völker die Niederlage des Meerkönigs zu einem Aufstand gegen ihn: vgl. Abschnitt 27.) “Seine Schiffe (die gefürchtete atlantische Kriegsflotte) wurde mit Feuer verbrannt und seine Freunde verließen ihn. Die Ungeheuer der Tiefe stiegen auf und fraßen sein Korn, und feurige Drachen verbrannten seine Schätze. Das Land im Westen (Atlantis?) wurde verwüstet und die Kinder des Ostens (Mongolen – der Drache) mußten ins Elend ziehen und viele starben Hungers am Wege (auf der Flucht) und wurden ein Fraß der Wölfe und des Feuers.”
“Die letzte grausame Schlacht wurde zwischen vier Städten mit vier gleichen Türmen geschlagen, dort, wo ein Kreuz zwischen zwei Lindenbäumen stand (vgl. die Lehninsche Weissagung). Der Sieger trug ein Kreuz auf der Brust (Zeichen Jesu) und dankte Gott mit ausgebreiteten Armen für den Sieg.”

“Der Krieg begann im Herbst und endete im Frühjahr. Die Fürsten (der Germanen) schlossen einen Bund zum Schutze des folgenden 100jährigen Friedens und wurden Herrscher über Länder und Meere. Das Reich Gottes (= das Reich der Goten, des Lammes) erwuchs zu neuer Macht und Herrlichkeit!”
– – – So hatte das Kreuz über Drachen, Wölfe und Dreizack gesiegt. Das ist eine wundervolle Schilderung der großen Zeit Jesu und paßt ausgezeichnet zu den vorigen Darstellungen und zu Abschnitt 28.

Diese sogenannten Weissagungen 5) sind fraglos Umarbeitungen uralter, den Mönchen unverständlich gewesener Handschriften, die zur Zeit der Christianisierung Deutschlands durch Enteignung der Deutschen in den Besitz der Klöster kamen. Man übertrug sie einfach wie die Off. Joh. in die Zukunft und die Weissagung war fertig. Vielleicht führt der Zufall zu weiteren literarischen Entdeckungen und die uns seit 1200 Jahren sorgfältig verhüllte geschichtliche Wahrheit kommt strahlend ans Tageslicht! Ob auf Atlantis ein Baldur und in Deutschland ein Jesus von den Azteken-Hebräern gemartert wurde oder ob es sich um die gleiche Persönlichkeit handelt, wird Gegenstand genauer Forschung sein müssen. Jedenfalls wurden von den Hebräern und den mit ihnen verbündeten Taifalen (Teufeln) und Satanen zahllose Opfer in gleicher Weise gemartert. Erhalten hat sich aber nur die Kunde von der Tötung des gewaltigen Mannes Baldur – Jesus.
Nach den bisherigen Unterlagen läßt sich folgendes ins Licht historischer Tatsachen rücken und behaupten: Ein hochgesinnter Germane Esus – Jesus (vermutlich Baldur und der Messias der Bibel) hat gelebt und zwar vor der letzten Flut, also vor dem Untergang von Atlantis. Seine Person hat im Andenken germanischer Stämme fortgelebt. Seine Lehren wurden von hochgesinnten Germanen aufgezeichnet und erhielten sich in verschiedenen Stämmen. Die von großer Weisheit zeugenden indischen Rassengesetze des Manu – des Mannes (Jesus – der Mann von Gott), die von den Germanen aus ihrer nordischen Urheimat nach Indien gebracht wurden, und die Evangelien des Buddha dürften Lehren des Manu-Meni-Esus-Jesus enthalten. Ein Gott (Ahne) Hesus-Esus-Jesus wurde noch in historischer Zeit im westlichen Mittelfranken von angeblich heidnischen Germanen verehrt 6).

Mit dem königlichen Helden und Heiland Jesus und seinem Zeichen ( ) gegen die dunkle Welt des Niederrassentums und ihre Zeichen: Drache, Schlange und Sowjetstern! Das muß der Kampfruf der christlichen Germanen werden – und der der künftigen deutschchristlichen Kirche!

Nach Palästina und Vorderasien eingewanderte Germanen brachten die Erinnerung an seine Person und seine Lehren dorthin: Sie breitete sich in Kleinasien aus. Zahlreiche Germanengemeinden entstanden und wurden wie die Lehre Jesu eine Gefahr für das Judentum. Die durch Juden ins Werk gesetzte Verfolgung der Jesusanhänger (Christen) vermochte nicht, diese auszurotten. Da griff das Judentum zu einem alten Mittel: Es schlüpfte durch die Taufe zum Schein in das Christentum ein, erlangte durch seine Anmaßung die Führerschaft und fälschte die Jesusgeschichte und die Evangelien für seine Zwecke um. Nicht ohne Widerspruch nahmen die Germanen diese Fälschungen hin. Schon Bischof Marcion kämpfte um 150 gegen die jüdischen Bibelverfälscher. (S. Dr. Falb: Luther und Marcion gegen das Alte Testament.) Aber das in der christlichen Kirche übermächtig gewordene Judentum verstand es, die Wahrheitssucher und Wahrheitskünder mit Feuer und Schwert auszurotten und sein Lug- und Truggewebe in der Germanenwelt mit Gewalt auszubreiten, um im Gefolge und Schutz der mehr und mehr verjudenden Kirche in die Germanenvölker eindringen und diese als angeblich Heiliges Volk Gottes nach alter atlantisch-ebräischer Sitte ausbeuten und versklaven zu können. Nebenbei verstand es das Judentum, einen guten Teil seines aztekisch-ebräischen Kultus und seine grobsinnlichen, heidnischen Lehren über Sühneopfer in das Christentum einzuschmuggeln, und die Kirche zu einem Instrument zur Erreichung seiner Weltversklavungspläne zu machen, was K. v. Widdumhoff nachweist (die entdeckten schwarzen Henker Deutschlands, Großdeutscher Verlag, Weißenburg i. Bay.). “Als die Belange der jüdischen Rasse in der christlichen Gedankenwelt genügend gesichert waren, da zwang das jüdische Bankkapital den römischen Kaiser Konstantin, die jüdischchristlich- abergläubische Mischweltanschauung zur christlichen Staatsreligion zu erheben. Diese Mischreligion wurde dann mit Feuer und Schwert als christliche Kirche ausgebreitet und den Völkern des Nordens mit allen Segnungen der Rassenzersetzung, der Zinsknechtschaft, der Bodenenteignung, Spekulation und der Verwirrung der Rechtsbegriffe aufgezwungen.” Ein gewaltiger König oder Königssohn der Germanen (der Kelten-Helden = die Hellen, Blonden) hat nach dem Dargelegten vor langen Zeiträumen in der Weltgeschichte eine große Rolle gespielt und zwar zu der Zeit ihrer größten Bedrängnis durch die Atlanter- Ebräer, welche in verheerenden Kriegszügen nach Deutschland gekommen waren und dort ein schauerliches Regiment führten, verbunden mit Frauenschändung (so wie die Franzosen am Rhein) und Menschenfresserei, was wir aus den Bohusläner Bilderschriften erkennen. Wie heute das deutsche Volk auf die ihm durch das Niederrassentum drohende entsetzliche Gefahr aufmerksam gemacht werden muß, so mag es dieser Esus-Jesus getan haben; er forderte, wie in Abschnitt 37 noch dargetan wird, zur Vernichtung der ebräischen “Kinder der Finsternis” auf, zu einer reinlichen Rassenscheidung und notwendigen Rassenzucht und stellte Richtlinien für seine Volksgenossen (Evangelien) auf, deren Befolgung vor dem Versinken in die Flut des Niederrassentums bewahren sollten. Zweifellos ist der indische Gott Manu, der die strengen Rassengesetze verfaßte, gleich zusetzen mit dem Mannus der Deutschen und dem Gott Meni (= Führer) in Vorderasien und damit mit dem gewaltigen Germanensohn Jesus. Es ist klar, daß die Tätigkeit und die Lehren dieses wahren Heilandes seines Volkes dem Ebräertum Tod und Vernichtung bedeuteten. Es wurde sein Tod beschlossen. Ein Hebräer fand sich, wie immer als Verräter des vertrauensseligen Germanen. Jesus wird von der herrschenden jüdischen Schichte ergriffen und als Aufrührer und als Empörer gegen den jüdischen Priesterstaat gefangen, nach alter indianisch-ebräischer Opfersitte an das Holz geheftet, d. h. an einem Baum mit ausgebreiteten Armen ausgespannt und gemartert und zwar durch Pfeilschüsse und Lanzenstiche, vermutlich im Frühjahr. Er sollte nach aztekischhebräischem Ritus und Aberglauben als Sühneopfer für die atlantisch-hebräischen Unterdrücker sterben, sein Blut ihnen die Herrschaft verbürgen. Der alte Opferritus gebot, ihm kein Bein zu brechen, sondern ihn in Martern sterben zu lassen. Die Hand über Jesu Kopf ist das Stammeszeichen indianischebräischer Stämme, die ihn marterten.
Jesus wird scheintot. Zwei tapfere Frauen (die beiden Marien?) scheinen bei seiner Abnahme und Wegnahme eine große Rolle gespielt zu haben.

Er soll wieder erwacht und gesund geworden sein und an der Befreiung seines Volkes, von Schlange, Drache mit Stern, mitgewirkt haben. (Nach E. Beta.) Es ist seltsam, daß die Sagen der vorchristlichen Kelten in Kleinasien von Adonis und Esus erzählen, daß er im Frühjahr von einem wütenden Eber (Stammeszeichen der Ebräer) zerfleischt wurde. Dies und die Osiris-Isissage, Baldur-Indra und Buddha-Tamutz-Bechusage sind ein Stück seiner Lebensgeschichte, die mit den Germanen unter alle Völker wanderte. Nach den erwähnten Irminen-Überlieferungen soll sich das vor Jahrtausenden vor der Flut, also vor dem Untergang von Atlantis in Goslar abgespielt haben, was mit den Ausführungen E. Betas und Fr. v. Wendrins übereinstimmen würde.

Von dem Kampf der Deutschen mit den Ebräern berichten die Bohusläner Bilderschriften. Nach astronomischen Berechnungen der mit dem Text verbundenen Sternbilder wäre diese entscheidende Befreiung vor 60.000 Jahren geschehen. Zu diesem Ergebnis kommt auch E. Beta (die Erde und unsere Ahnen.) Die Zeit Jesu oder Baldurs wäre also auf 60.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung anzusetzen. Nach den Berechnungen der ägyptischen Priester über den Untergang von Atlantis auf 11.500 Jahre. “Tausend Jahre sind vor ihm wie ein Tag.”

So weit das, was sich bis jetzt aus der Vorgeschichte herausschälen läßt. Genauere Forschungen werden Näheres ergeben. Zu der Geschichte von Lug und Trug, in die wir Germanen seit 2000 Jahren eingesponnen wurden, läßt sich also mit Bestimmtheit sagen:

Jesus war kein Jude, sondern ein hochgemuter Germane mit dem Stammeszeichen Kreuz und Sonne, der König des Volkes der Lämmer (Germanen)! Seine erhabenen, vielfach gefälschten Lehren sind nicht dem aztekisch ebräischen armseligen Geistesleben, sondern der hochentwickelten Kultur der germanischen Gotteskinder entsprungen. Das wahre Christentum ist daher ein Wesensbestandteil des Germanentums, nicht des Judentums und steht in schroffstem Gegensatz zu diesem. Jesum, dem Heiland des Germanentums, nachfolgen, heißt: treu an seiner germanischen Rasse, an seinem deutschen Volkstum hängen, heißt sich scharf vom Niederrassentum und von jeder Vermischung mit demselben dem Willen des Schöpfers und den Naturgesetzen gemäß absondern und dieses, insbesondere das Niederrassentum bekämpfen bis zur Austreibung und Vernichtung. Antisemitismus ist also christliche, sittliche und vaterländische Pflicht.
Es ist tiefbedauerlich, daß die Kirche jene jüdische Geschichtsfälschung als geschichtliche und göttliche Wahrheit verkündet und Jesus entgegen den historischen und rassenbiologischen Tatsachen zu einem Angehörigen des Volkes der “alten Schlange”, also zu einem niederrassigen Hebräer stempelt und daß sie auf der Seite der Hebräer gegen das uralte Stammeszeichen Jesu, gegen das altgermanische Hakenkreuz kämpft und damit gegen die Lehre Jesu selbst. Würde sie in dem weltgeschichtlichen Riesenkampfe zwischen Sowjetstern, Drache und Schlange einerseits und Lamm, Sonne und Hakenkreuz andererseits mit ihren gewaltigen Kräften auf der Seite des Germanentums und seiner Zeichen stehen, so würde der Kampf des deutschen Volkes um seine Freiheit bald zu dessen Gunsten entschieden sein, dann würde aber auch die Kirche die geachtete Stelle in der deutschen Kultur einnehmen können, die ihr gebührt.
Jesus wird nach einer alten Weissagung die von den Hebräern und ihren Verbündeten (Taifalen und Satanen) gegründeten Satansreiche zerstören. Will sich die Kirche als Retterin derselben erweisen und gegen Jesus und sein Reich kämpfen statt mit ihm? Wird sie einen nun 2000jährigen Weltbetrug trotz dieser Entdeckungen aufrechterhalten und sich zum Mitschuldigen des Judentums machen?

Ich weiß, daß der Leser die Frage stellen wird, warum so wenig altes deutsches Schrifttum über die Wahrheit bezüglich Jesus-Esus berichtet. Gewiß! Hier die Erklärung. Als die katholische Kirche in Deutschland eindrang und mit Feuer und Schwert “christianisierte”, da hat sie die altgermanische Runenschrift als eine sündhafte, heidnische Schrift verboten und alle alten Schriften, die nach den Kapitularien von Paderborn bei Todesstrafe abgeliefert werden mußten, verbrannt oder in die Klöster gebracht und alles vertilgt, was an die glanzvolle Kultur der germanischen Vergangenheit erinnern konnte. 7) Lateinische Sprache und Schrift traten an die Stelle der Deutschen, römisch-jüdische Priester wurden Geschichtsschreiber. Sie hatten dafür zu sorgen, daß das deutsche Volk die Fälschung von den angeblichen aus Asien eingewanderten deutschen “Barbaren” glaubte, dem die Missionare erst Kultur gebracht hätten. Ein Heer von Priestern aber sorgte dafür, daß dem unglücklichen, in langen Kämpfen mit dem Schergen Juda-Roms (Karl d. Gr.) niedergeworfenen deutschen Volk die wohlberechneten jüdischen Fälschungen als “Wort Gottes” durch Generationen hindurch bis auf den heutigen Tag eingetrichtert und jeder Zweifel daran mit Blut und Feuer erstickt wurde, damit das Judentum im Kleide der Religion ungestört seinen Räubereien nachgehen konnte. Mit der Einführung des gefälschten Judenchristentums wurde das deutsche Volk wirtschaftlich und geistig geknechtet. Die Erkennung der Fälschungen und die Befolgung der wahren Lehren Jesu – die Wahrheit – werden uns frei machen! Die Erkenntnis der geschichtlichen Wahrheit über die Person Jesu im deutschen Volke würde für dieses von den weittragendsten Folgen sein:
Das ganze unhaltbare Dogmengebäude der Kirche müßte zusammenbrechen und diese sich auf die hohe dogmenlose Lehre des Germanenfürsten Jesus stellen.

Die Folge wäre das Verschwinden der Konfessionen und Sekten, das Aufhören des Konfessionshaders und das Entstehen einer arisch-christlichen, alle germanischen Volksgenossen umfassenden Nationalkirche. Religiöse Einheit würde anstelle der konfessionellen Zerrissenheit treten, die Konfessionsschule würde bald verschwinden und der alle deutsch-blütigen Kinder aufnehmenden Staatsschule Platz machen.
Rom-Juda und ihre politischen Parteien hätten im Reiche für immer ausgespielt, die öden Parteikämpfe verschwänden. Judas und Roms Macht wäre für ewig gebrochen.

An die Stelle des uns von den Juden suggerierten staatszerstörenden Internationalismus würde der Nationalismus treten, die Uneinigkeit der Volksmassen durch ihre Einigkeit ersetzt werden.
Die durch das Judentum eingeschmuggelte materialistische Denkweise würde durch die idealistische und christliche ersetzt werden, der öde Marxismus verschwände und an seine Stelle würde der deutsche Sozialismus auf christlicher Grundlage treten. Unsere ganze Denkweise würde sich von Grund aus umgestalten und aus der jüdisch-römischen Geistesnacht in das strahlende Licht des hohen Germanen Esus treten.

Es bestünde hinfort kein Gegensatz mehr zwischen Glauben und Kirche einerseits und Wissenschaft und Schule andererseits. Ihre Bestrebungen würden vielmehr in einer Linie zusammenlaufen zum Heile der Germanenvölker, und nach 2000jähriger Winternacht erwüchse eine germanische Kulturblüte von nie gesehener Schönheit und Reinheit.
Aus dem von Juda-Rom berechnend um uns gewobenen 2000jährigen Nebel taucht verheißungsvoll für die Zukunft eine goldschimmernde Schrift auf:
“Ein freies Volk auf freiem Grunde!
“Ein” Volk, “Ein” Gott, “Ein” Vaterland!”

BarBar
– 160 –
Wie die Deutschen an Barbarossas Tod nicht glauben konnten, sondern ihn im Kyffhäuser weiter leben ließen, um auferstehend ein neues deutsches Reich zu gründen, so läßt auch die Sage Baldur nicht ewig tot sein. Er wird aus Hels Reich zurückgeholt, d. h. er ersteht vom Tode wieder (Off. Joh. 1, 7; 19; 22, 2; Jesaia 32; 35; 42, 7; Hes. 11, 15; 25), nimmt den Stuhl Gottes (Odins) ein und regiert wieder voll Macht, Kraft und Herrlichkeit (Jes. 51, 9; Jes. 11). Natürlich ist Baldur aus dem Geschlechte der Asen. Jesaia bezeichnet ihn als einen Sohn Isais (der Izeds), d. i. eines Asen. – 197 – Ich weiß, daß der Leser die Frage stellen wird, warum so wenig altes deutsches Schrifttum über die Wahrheit bezüglich Jesus-Esus berichtet. Gewiß! Hier die Erklärung. Als die katholische Kirche in Deutschland eindrang und mit Feuer und Schwert “christianisierte”, da hat sie die altgermanische Runenschrift als eine sündhafte, heidnische Schrift verboten und alle alten Schriften, die nach den Kapitularien von Paderborn bei Todesstrafe abgeliefert werden mußten, verbrannt oder in die Klöster gebracht und alles vertilgt, was an die glanzvolle Kultur der germanischen Vergangenheit erinnern konnte. 7) Lateinische Sprache und Schrift traten an die Stelle

– 198 –
der Deutschen, römisch-jüdische Priester wurden Geschichtsschreiber. Sie hatten dafür zu sorgen, daß das deutsche Volk die Fälschung von den angeblichen aus Asien eingewanderten deutschen “Barbaren” glaubte, dem die Missionare erst Kultur gebracht hätten. Ein Heer von Priestern aber sorgte dafür, daß dem unglücklichen, in langen Kämpfen mit dem Schergen Juda-Roms (Karl d. Gr.) niedergeworfenen deutschen Volk die wohlberechneten jüdischen Fälschungen als “Wort Gottes” durch Generationen hindurch bis auf den heutigen Tag eingetrichtert und jeder Zweifel daran mit Blut und Feuer erstickt wurde, damit das Judentum im Kleide der Religion ungestört seinen Räubereien nachgehen konnte.

– 199 –
Aus der Menge der geschichtlichen Beweise seien einige angeführt. Der katholische Bischof Salvianus von Marsilia schreibt etwa

– 299 –
um 430 über die heidnischen Vandalen und Goten (De guvernatione Dei, Lib. VII): “Es gibt keine Tugend, in welcher wir Römer die Vandalen übertreffen. Wir verachten sie als Ketzer und doch übertreffen sie uns an Gottesfurcht. Gott führte die Vandalen über uns, um die Unzüchtigsten durch die Sittenreinsten zu züchtigen. Wo Goten herrschen, ist niemand unzüchtig außer den Römern; wo aber Vandalen herrschen, sind selbst Römer keusch geworden.” Über die “heidnischen” Pommern schreibt der Priester Herborth, der den Bischof Otto von Bamberg auf seiner Missionsreise begleitete, um 1100 in seinem Werke “Leben des Bischofs Otto von Bamberg”: “So groß aber ist die Treue und Gemeinschaft unter ihnen, daß sie Diebstahl und Betrug gar nicht kennen und Behälter gar nicht verschlossen haben.” Von den Bewohnern der Stadt Vineta auf Usedom sagt er (2. Buch Kap. 19): “Übrigens wird, was Sitte und Gastlichkeit anlangt, kein ehrenwerteres und gutherzigeres Volk zu finden sein.”

– 203 –
Und in der Tat ist die ganze griechische Mythologie nichts anderes als die ungereimte Erinnerung eines noch barbarischen Volkes an die weltberühmten Könige und Fürsten des hochkultivierten arisch-atlantischen Volkes, das in altersgrauer Zeit mit dem noch unkultivierten Griechenland in Handelsbeziehungen trat. Die atlantische Staats- und Fürstengeschichte läßt sich tatsächlich einigermaßen aus der griechischen Götterlehre und Heldensage, aus Homer, Ilias und Odyssee in großen Zügen darstellen 1). Man wird auch finden, daß der Olymp der griechischen Götter nichts anderes ist als die Asenburg auf der “Insel der Seligen”. – 214 –
Dem leichtgläubigen, seiner geistigen Führer beraubten deutschen Kindervolke aber wurde seine glanzvolle Vergangenheit verschwiegen und ihm Rom als Schöpfer der deutschen Kultur und als Erzieher des angeblich wüsten Barbarenvolkes, das bluttriefende indianische Volk der Hebräer als das auserwählte Volk Gottes und als Volk des Heiles gepriesen. Die Kreuzzüge sollten dazu dienen, die besten und idealkräftigsten Männer der deutschen Nation im Sande der kleinasiatischen Wüste verdorren und unter dem Schwert der Türken verbluten zu lassen. Gleichzeitig sollte das aufstrebende Deutschland wirtschaftlich geschädigt werden, damit der jüdischkirchliche Kapitalismus dadurch die Herrschaft erlange.
Nicht weniger Verlust fügte das Papsttum dem Deutschen Volke durch die widernatürliche Möncherei und den Zölibat zu. Millionen der besten Volkskräfte sollten dadurch aus dem Vermehrungsprozeß ausgeschaltet und die Züchtigung des Pöbels begünstigt werden.
Der 30jährige Krieg, der ganz Deutschland in einen Brandherd verwandelte, war für Rom ein 30jähriges Freudenfeuer. Als 1648 dem unglücklichen, gequälten, auf 4 Millionen gesunkenen deutschen Volke der langersehnte Friede verkündigt wurde, da protestierte das “christliche” Rom gegen denselben.

– 232 –
Als deutsche Schrappnells die von französischen und englischen Granaten weit mehr als von deutschen beschädigte Kirche von Reims trafen, da schrie der atlantische Papismus laut auf über die angebliche

– 233 –
Barbarei der Deutschen gegenüber diesem Heiligtum. Sein Geschrei fand ein Echo in der ganzen Welt und brachte diese gegen die “Hunnen und Barbaren” auf. Als aber durch die Hungerblockade der Entente Millionen von deutschen Kindern dem Siechtum überantwortet wurden und die im besetzten Gebiete absichtlich verwendeten Negerbestien Hunderttausende von deutschen Kindern, Mädchen und Frauen um Ehre, Gesundheit und Leben brachten, da hörte man in Rom keine Stimme der Mißbilligung. Man freute sich im Gegenteil über den gelungenen Plan, durch die mit der Entente im Geheimen vereinbarte Besetzung Westdeutschlands mit schwarzen und gelben Tiermenschen das deutsche Volk planmäßig vertieren und damit allmählich aus einen Zustand verbringen zu können, in welchem es die Herrschaft Juda-Roms und sein Heidentum und seine Zwingherrschaft williger ertrüge.

Menschenopfer
– 207 –
Auch in Kanaan haben die Hebräer für ihre Zwecke Menschen geopfert und zwar im Tempel, weshalb Jesus denselben eine “Mördergrube” nannte. Mit Vorliebe opferten sie arische Kinder, Kinder von Griechen, Goten und Angelsachsen, oft unter tagelangen Martern, weil nur das Blut der gemarterten Menschen nach hebräischer Auffassung Wert besitzt.
Zahlreiche Gerichtsurteile 1) beweisen auch, daß die fürchterlichen Menschenmorde des Judentums bis in die Gegenwart hereindauern. Das alljährliche Verschwinden zahlreicher deutscher blonder blau-äugiger Kinder, Jungfrauen und Jünglinge, also des besten arischen Nachwuchses, ist zweifellos auf jenen grausigen jüdisch-atlantischen Brauch des Menschenopfers zurückzuführen. 1921 sind allein durch die Presse 250 echt deutsche Kinder als “vermißt” gemeldet worden. Die wirkliche Zahl dürfte gut das 3 und 4fache betragen.
Man sollte behördlich die Schieber- und Schächterkreise, welche unschuldige deutsche Mädchen in Bordelle bringen und alljährlich hunderte von deutschblütigen Kindern unter grauenvollen Martern kalten Herzens abschlachten, kennen! Oder sind jene Verbrecher in ihrer großen materiellen und suggestiven Macht unangreifbar? In Wongrowitz-Posen hat jüngst (s. Leuchtturm 1922, Nr. 12) der Jude Josef Engel an seinem 21 jährigen Dienstmädchen Kath. Wenzel nach vorheriger Betäubung derselben einen Blutmord versucht und dem Mädchen Blut abgezapft. Die arme Jungfrau starb, der Verbrecher aber wurde gegen Erlag von 1 Million Mark Sicherheit frei gelassen!!

ERBSÜNDE
– 237 –
„Und das Wort ward Fleisch und wohnete unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit” (Evang. Joh. 1), d. i. aus den tierischen Wesen entwickelte sich allmählich der Vormensch, das höchste Wesen der Erde, der Gottmensch, ausgestattet mit elektro-magnetischen Kräften, die wir nicht mehr besitzen. Dank seiner Ausstattung erhielt der Ahne der Menschen als der beste Teil der Schöpfung im Sekundär und Tertiär die Vorherrschaft. Die Vormenschen wurden in der ganzen urchristlichen und alten Literatur “Götter”, Erstlinge, Erstgeborene, „Protoplasten“, Sterne, Himmel und zuletzt und am häufigsten „Engel“ (= Angelois = Angeln = Weiße) genannt. Diese Engel, erinnernd an die mit Händen ausgestatteten fliegenden Saurier der Tertiärzeit, waren den Menschen nahestehende Wesen. Ihre Nachkommen, in Mos. 1, 6 Göttersöhne genannt (Kinder Gottes), vermischten sich geschlechtlich mit menschenähnlichen Tieren (Mos. 6, 1-5) und erzeugten mit ihnen halbmenschliche, halbtierische Ungeheuer, Giganten und Riesen. Dadurch wurde die Tiermenschenrasse hinaufgezüchtet und ein gefährlicher Feind der weißen arischen Gottmenschenrasse, da ihr das zugeflossene arische Blut wertvolle

– 238 –
Waffen gegen die auf den Tod verhaßten Gottmenschenrasse bot, die sich umgekehrt durch den Zufluß des Tierblutes körperlich und geistig verschlechterte.
Das war der Sündenfall der Bibel, der dem Gottmenschen die Erbsünde brachte, d. i. Vererbungsübel und den Fluch der Rassenmischung 6) (I. Mos. 3). Die Menschentiere (Abb. 86) sind die Ahnen der schwarzen, braunen, roten und gelben Menschenrasse; die Germanen 7) die Nachkommen der Gottmenschen (Off. Joh.); die Mischlingsrassen (Slaven, Mittelländer, Juden) sind ein Mittelding zwischen Gott- und Tiermenschen.
Gott setzte nach I. Mos. 3 ewige Feindschaft zwischen der arischen Gottmenschenrasse einerseits und den Mischlingen und Niederrassigen andererseits. Wie letztere im Weltkrieg den Rest der kulturschöpferischen arisch-germanischen Gottmenschenrasse unter Führung Alljudas in grausam tierischer Weise schändeten und auszurotten versuchten, haben wir in erschreckendem Ausmaße erfahren müssen.
Das größte Verbrechen begehen die Arier (Germanen) nach der Bibel dadurch, daß sie sich mit den Niederrassigen geschlechtlich vermischen, diese dadurch in ihrem Kampf mit der arischen Rasse stärken und umgekehrt durch Aufnahme minderwertigen Blutes ihre Art vertieren und schwächen. Das ist die Sünde wider Gott und den heiligen Geist Gottes, der die Krone seiner Schöpfung nicht in dem tierischen Schmutz versinken lassen will.

Atlantis, Edda und Bibel
200.000 Jahre Germanischer Weltkultur
und das Geheimnis der Heiligen Schrift.
Mit 86 Abbildungen.
Von
Hermann Wieland.
Dritte, gänzlich umgearbeitete Auflage
1 9 2 5
Großdeutscher Verlag, Weißenburg in Bayern.

Bild Klick gibt es hier als pdf

und hier im Ordner als Hörbuch  https://germanenherz.wordpress.com/2006/04/18/atlantis-edda-und-bibel-200-000-jahre-germanischer-weltkultur/

Johann Gottlieb Fichtes 250. Geburtstag

Johann Gottlieb Fichte
Johann Gottlieb Fichte

Fichte – einer unsrer größten Philosophen – wurde am 19. Mai 1762 in Rammenau in der Oberlausitz als Sohn eines Bandwirkers geboren. Durch die Förderung des Gutsbesitzers Haubold von Miltitz konnte er das Elitegymnasium Schulpforta besuchen und in Jena und Leipzig Theologie studieren.  Nach langen Jahren als Hauslehrer lernte er Kant und dessen Philosophie in Königsberg kennen, worauf er den “Versuch einer Kritik aller Offenbarung” schrieb. Dies brachte ihm 1794 die erste Berufung als Professor nach Jena ein. Durch sein freies Nachwort zu einer Veröffentlichung Frobergs und des sich daraus ergebenden ‘Atheismusstreits’ wurde er 1799 wieder abgesetzt. Fichte schuf die grundlegende Dialektik des “Ich” und “Nicht-Ichs”, worauf später Hegel mit “Negation der Negation” und Marx aufbauten. Er folgerte dann aus dem freien Willen (als ‘Fünklein’ des Willen Gottes) des “Ichs” den Denker als Täter, der die Welt nach seinem Willen formt.
Sein Werk “Der geschlossene Handelsstaat” ist ein Gesellschaftsentwurf
auf nationalstaatlicher Grundlage und erschien als Buch 1801. Er wurde zum Propheten der Tat und zwar als reichsweit berühmter Publizist von Berlin aus, wohin er nach seinem Rauswurf aus Jena gegangen war. Als einstiger Anhänger der französischen Revolution und bürgerlichen Befreiung wurde er nunmehr ein erbitterter Widerständler gegen die napoleonische Großmacht und dessen eurpaweite kriegerische Verwüstung. Fichte trug mit seinen
“Reden an die deutsche Nation”
entscheidend dazu bei, in den deutschen Landen den Prozeß der Befreiung und Nationwerdung zu initiieren und ins öffentliche Beußtsein zu bringen. Parallel dazu entwickelte er auch seine “Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters” und trug sie vor akademischem Publikum vor. Diese seine Geschichtsphilosophie unterschied drei gesellschaftliche Phasen: Das “arkadische Zeitalter” der primitiven Zustände eines herrschenden Vernunftinstinkts; Das Zeitalter der “vollendeten Sündhaftigkeit”, in welchem sich das Gemeinwesen von sich selbst entfremdet hat und in viele divergierende Individuen zerfallen ist; Das dritte Zeitalter wird das “elysische” sein, in welchem die Individuen nur noch konturlos wie Atome durcheinander schweben.Wie trifft doch die Beschreibung seiner zweiten Phase wieder auf das Deutschland von heute zu.
Auf die Juden war er nicht gut zu sprechen:
‘Das Judentum als Staat im Staate würde sich absondern. Sie würden die übrigen Bürger übervorteilen, seien nur auf sich und ihre Sippe bedacht.’
1810 wurde er der erste Rektor der neugegründeten Berliner Universität. Während der Befreiungskriege erkrankte seine Frau Johanna, eine Nichte Klopstocks, bei der Pflege von Verwundeten am Lazarettfieber und überlebte es. Allerdings steckte Fichte sich an und starb am 29. Januar 1814 in Berlin und wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof beigesetzt. Ihr Sohn Immanuel wurde ebenfalls Philosophieprofessor (in Bonn) und erster Herausgeber der Werke seines Vaters.
Johann Gotlieb Fichte – ein aufrechter Kämpfer für das freie Wort und das freie und geeinte Deutschland, gegen beifallheischende Schreiberlinge und “Literatengeschmeiß”, gegen Untertanen- und Karrierebuckelei. Als einer der bebedeutendsten Vertreter des deutschen Idealismus, neben dem nur noch der griechische der Antike genannt wird, beweist uns Fichte, daß die menschliche Geistes- und Kulturgeschichte ohne Deutschland nicht denkbar ist!
“Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben,
an deines Volkes Aufersteh’n;
Laß diesen Glauben dir nicht rauben,
trotz allem, was gescheh’n.
Und handeln sollst du so als hinge
von dir und deinem Tun allein
das Schicksal ab der deutschen Dinge
und die Verantwortung wär dein.”

Haithabu

Kurs_HaithabuHaithabu olLage von Haithabu/Hedeby an der Südgrenze des wikingerzeitlichen Nordgermanenlandes.

Haithabu  (altnordisch Heiðabýr, aus heiðr = Heide, und býr = Hof; dänisch Hedeby, lateinisch Heidiba) war eine bedeutende Siedlung dänischer Wikinger. Der Ort gilt als erste mittelalterliche Stadt in Nordeuropa und war ein wichtiger Handelsort und Hauptumschlagsplatz für den Handel zwischen Skandinavien, Westeuropa, dem Nordseeraum und dem Baltikum.

Haithabu lag auf der Kimbrischen Halbinsel am Ende der Schlei in der Schleswigschen Enge (Isthmus) zwischen Nordsee und Ostsee in der Nähe des historischen Ochsenwegs (oder Heerweg). Der Ort gehörte wohl zur damaligen Verwaltungseinheit Arensharde. Heute gehört das Gebiet zu Deutschland, und das Gelände ist ein Teil der Gemeinde Busdorf bei Schleswig im Kreis Schleswig-Flensburg.

Der seit über neun Jahrhunderten verlassene Ort Haithabu ist gemeinsam mit dem Danewerk das bedeutendste archäologische Bodendenkmal in Schleswig-Holstein.

Haithabu2
Lageplan

 Geschichte:  Nach der Völkerwanderung, in deren Verlauf die Angeln und viele Sachsen vermutlich nach England auswanderten, drangen Dänen und Jüten in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts von Norden bis zur Schlei und zur Eckernförder Bucht vor. Das Gebiet scheint zu diesem Zeitpunkt nur dünn besiedelt gewesen zu sein. Spätestens um 770 wurde Haithabu gegründet und sehr bald der bedeutendste Handelsplatz der Dänen. Im 9. Jahrhundert entstand eine zweite Siedlung weiter nördlich und eine weitere Siedlung am Haithabu-Bach dazwischen. Ende des 9. Jahrhunderts wurden der nördliche und südliche Teil der Siedlung aufgegeben. Der mittlere Teil am Haithabu-Bach wurde weiter benutzt und durch Wälle in die dänischen Grenzanlagen des Danewerks eingebunden.

Haithabu3
Gedenkstein an die Erstnennung von Sliesthorp (= Haithabu) im Jahre 804

 Durch die Zerstörung des konkurrierenden slawischen Handelsortes Reric in der Nähe von Wismar durch den dänischen König Gudfred im Jahr 808 und die anschließende Zwangsumsiedlung der Kaufleute nach Haithabu entwickelte sich die Stadt rasch zur Handelsstadt, noch bevor Dänemark Einheit erlangte. Seit 811 markierte die einige Kilometer südlich fließende Eider die Grenze zum Frankenreich, was die Bedeutung Haithabus noch vergrößerte. Die Lage des Ortes war sehr günstig, denn die Schlei, ein langer Arm der Ostsee, war schiffbar, und zugleich verlief hier die uralte Nord-Süd-Route, der Ochsenweg. Wahrscheinlich wurden hier zudem Handelsgüter verladen, die über Land nur wenige Kilometer weit bis zur Eider gebracht und von dort weiter zur Nordsee verschifft wurden – und umgekehrt.

Vom 9. bis ins 10. Jahrhundert war Haithabu mit seinen mindestens 1000 ständigen Einwohnern ein wichtiger, überregional bekannter Handelsplatz. Hier wurden auch eigene Münzen geprägt. Andere Handelszentren in Nord- und Westeuropa, ohne die Haithabu keine solche Bedeutung hätte erlangen können, waren zu dieser Zeit u. a. Västergarn (zuvor Paviken) und Vallhagar auf Gotland, Avaldsnes, Kaupang, Skiringssal und Spangereid (Norwegen), Birka, Löddeköpinge und Sigtuna (Schweden), Domburg, Dorestad und Witla (Niederlande), Quentovic (Frankreich), Nowgorod (Russland), Ribe und Tissø (Dänemark) und an der südlichen Ostseeküste Jomsburg (Vineta), Menzlin, Ralswiek, Truso (bei Danzig) und Wiskiauten (bei Cranz), sowie Seeburg im Baltikum. Um 890 unternahm Wulfstan von Haithabu im Auftrag Alfred des Großen eine Reise nach Truso.

Im Jahr 934 besiegte der ostfränkisch-sächsische König Heinrich I. die Dänen unter König Knut I. in der „Schlacht von Haithabu“ und eroberte die Stadt anschließend. Damit fiel das Gebiet zwischen der Eider und der Schlei für etwa ein Jahrhundert an das Ostfränkische bzw. Römisch-Deutsche Reich. Das lokale skandinavische Herrschergeschlecht blieb aber noch eine Generation im Amt.

Haithabu war jetzt wegen seiner Lage an den Handelswegen zwischen dem Fränkischen Reich und Skandinavien sowie zwischen Ostsee und Nordsee endgültig ein Haupthandelsplatz. Adam von Bremen bezeichnet „Heidiba“ als portus maritimus, von dem aus Schiffe bis nach Schweden und in das Byzantinische Reich geschickt wurden. Besonders die Herstellung und Bearbeitung von Tonwaren (Geschirr), Glas und Werkzeug wurde wichtig für die Bedeutung Haithabus, das auch von arabischen Händlern und Reisenden (so 965 von Ibrahim ibn Jaqub) besucht und beschrieben wurde.

948 wurde Haithabu Bischofssitz, nachdem Kaiser Otto Haithabu besucht hatte. Schon um 850, wahrscheinlich durch Erzbischof Ansgar von Hamburg, war die erste christliche Kirche errichtet worden. Die Existenz dieses Baus ist zwar in den Schriftquellen sicher belegt, konnte aber noch nicht archäologisch nachgewiesen werden. Allerdings wurde eine aus dem frühen 10. Jahrhundert stammende Kirchenglocke geborgen.

Im 10. Jahrhundert erreichte Haithabu seine Blütezeit und war mit mindestens 1500 Einwohnern der bedeutendste Handelsplatz für den westlichen Ostseeraum. Im Jahre 983 eroberte der dänische König Harald Blauzahn (auch: Harald I. Gormson; dänisch Harald Blåtand), der seit 948 die Hoheit des Kaiserreiches anerkannte, Haithabu und in den Jahrzehnten um das Jahr 1000 gehörte die Siedlung zum Machtbereich des deutschen Kaisers. Unter Kaiser Konrad II. wurde die Grenze dann vermutlich durch eine von Sven Gabelbart unternommene Kriegshandlung von der Schlei wieder an die Eider zurückverlegt (→ Mark Schleswig).

Obwohl ein neun Meter hoher Wall mit Palisade die Handelsstadt umgab, wurde sie im Jahr 1050 in einer Schlacht zwischen Harald Hardrada von Norwegen und Sweyn II. zerstört; sie wurde danach nur teilweise wiederaufgebaut und dann 1066 von den Westslawen geplündert und gebrandschatzt, die damals in den Gebieten östlich der Kieler Förde lebten. Die Einwohner verlegten die Siedlung daraufhin nach Schleswig – auf das andere Ufer der Schlei – und bauten Haithabu nicht wieder auf. Gemeinsam mit der Schlacht von Hastings im selben Jahr markiert die Zerstörung und Aufgabe von Haithabu das Ende der Wikingerzeit.

Ausführliche Erwähnung findet Haithabu (Heidiba) in der Chronik des Erzbistums Hamburg, die Adam von Bremen im Jahr 1076 fertigstellte. Die Sachsen und Franken nannten eine neuere Siedlung nahe Haithabu Sliaswig und Sliaswich (Siedlung oder Bucht an der Schlei), wovon der Name der Stadt Schleswig und des Herzogtums Schleswig abgeleitet ist.

Heute befindet sich in der Nähe des Halbkreiswalles das Wikinger-Museum Haithabu. Auf dem Gelände Haithabus wurden von 2005 bis 2008 sieben aus Befunden rekonstruierte Wikingerhäuser errichtet. Am 7. Juni 2008 wurden alle sieben Häuser in einem Festakt der Öffentlichkeit präsentiert. Im gleichen Jahr wurde auf der Museumswerft in Flensburg ein rund 6,50 Meter langes Wikinger-Boot gebaut. Seit Mitte Mai 2009 liegt es in Haithabu an der Landebrücke. 2008 wurde die Absicht bekannt gegeben, Haithabu zusammen mit dem Danewerk und anderen Wikinger-Stätten zu einem kulturellen UNESCO-Welterbe zu nominieren.

Haithabu7
Rekonstruierte Häuser im Bereich der alten Siedlung

 Siedlung: Die Hallenhäuser aus Holz- und / oder Flechtwerkwänden waren wahrscheinlich mit Reet oder Stroh gedeckt. Die überbauten Grundflächen variierten zwischen 3,5 × 17 Meter und 7 × 17,5 Meter.

In der Siedlung wurden unterschiedliche Gräbertypen analysiert: dänische Brandgruben, schwedische Kammergräber, sächsische Urnengräber, christliche Erdgräber und slawische Urnengräber. Daraus lässt sich das Völkergemisch Haithabus erkennen, aber auch der Einfluss der Christianisierung (ab 826). Außerdem wurden unterschiedliche Werkstätten, Befestigungsanlagen, Landestege, Schiffbrücken und Speichergebäude gefunden.

Handel:  Haithabu lag bei der Kreuzung zweier wichtiger Handelsrouten: Wenige Kilometer westlich führte der Ochsenweg (dänisch Hærvejen, dt. Heerweg) vorbei, jahrhundertelang die entscheidende Süd-Nord-Verbindung von Hamburg bis Viborg in Jütland. In West-Ost-Richtung gab es eine Seehandelsroute zwischen Nord- und Ostsee: Über die Eider und Treene konnten Schiffe bis nach Hollingstedt kommen. Eine Nutzung der Rheider Au mit kleineren Schiffen war danach möglich. Dann mussten die Schiffe von der Rheider Au zum Selker Noor (südliche Fortsetzung des Haddebyer Noors) über Land gezogen werden, um in die Schlei zu gelangen. Nach anderen Theorien kann der Kograben knapp südlich des Danewerks als Schifffahrtskanal gedient haben.

Waren aus der gesamten damals bekannten Welt wurden in Haithabu gehandelt: aus Norwegen, Schweden, Irland, Baltikum, Konstantinopel, Bagdad. Dabei kamen aus Skandinavien vorwiegend Rohstoffe, aus den entfernteren Gebieten eher Luxusgüter. Durch archäologische Funde von eisernen Fuß- und Handfesseln ist ein Handel mit Sklaven belegt.

Für das Entstehen einer gewachsenen Stadt ist das Beispiel Haithabu, das ein Warenumschlagsplatz auf grüner Wiese ohne städtische Infrastruktur war, untypisch. Durch die erzwungene Ansiedlung der Kaufleute von Rerik und den Zustrom von Handwerkern kam es zu einer Siedlungsverdichtung. Weil die Landbevölkerung ihre Getreideüberschüsse in die Stadt verkaufte und die Stadtbewohner deshalb nicht auf Selbstversorgung angewiesen waren, konnten sich dort differenzierte Tätigkeiten entwickeln.

Untergang:  Die größte Wikingerstadt des Nordens fand mit dem Ausgang der Wikingerzeit (1050 n. Chr.) ihr Ende im Feuer. Während der dänische König Sven Estridsson (König von 1047 bis 1074) an anderer Stelle gebunden war, unternahm König Harald der Harte von Norwegen (König von 1047 bis 1066) den Angriff auf Haithabu. Darüber verfasste ein norwegischer Skalde König Haralds den folgenden Gesang:

Verbrannt wurde von einem Ende zum anderen ganz Haithabu im Zorn,
eine vortreffliche Tat, meine ich, die Svend schmerzen wird.
Hoch schlug die Lohe aus den Häusern,
als ich in der Nacht vor Tagesgrauen auf dem Arm der Burg stand.
Haithabu8
Blick vom begehbaren Wall aufs Haddebyer Noor

 Ausgrabungen:  Die aufgegebene Siedlung Haithabu verfiel am Ende des 11. Jahrhunderts auf Grund des Wasseranstiegs von Ostsee und Schlei. Die Anlagen und Bauten im Siedlungs- und Hafengelände, mit Ausnahme des Walls, vergingen oberirdisch vollständig. Schließlich geriet sogar in Vergessenheit, wo sich der Ort am Haddebyer Noor befunden hatte.

1897 gelangte der dänische Archäologe Sophus Müller zu der Annahme, das Gelände innerhalb des Halbkreiswalles sei der Siedlungsplatz des alten Haithabus gewesen. 1900 wurde dies von Johanna Mestorf bestätigt. Sie ließ erste Ausgrabungen innerhalb des Walles durchführen, und Funde bestätigten die Annahme. Von 1900 bis 1915 fanden alljährlich Ausgrabungen mit dem Ziel statt, die Bedeutung Haithabus für die dänische Geschichte und seine Rolle in der Welt der Wikingerzüge zu klären. In den Jahren von 1930 bis 1939 wurde unter der Leitung von Herbert Jankuhn intensiv gegraben. In der Zeit des Nationalsozialismus standen die Grabungen seit 1934 unter Schirmherrschaft von Heinrich Himmler und wurden anfangs finanziert durch die Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe. 1938 übernahm die Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe Haithabu. Für die Nationalsozialisten hatten die Grabungen eine hohe ideologische Bedeutung bei ihrer Suche nach einer vermeintlich „germanischen“ Identität.In Haithabu investierte das SS-Ahnenerbe über die Hälfte seines Ausgrabungsetats. Nach dem Krieg wurden die Arbeiten unter Kurt Schietzel fortgesetzt.

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Das Langschiff im Museum

Für die Arbeit der Archäologen gab es in Haithabu günstige Voraussetzungen: Der Platz war nie überbaut worden, und infolge der Nässe waren die ufernahen Partien noch sehr gut erhalten, sodass das Grabungsfeld noch viele Details erkennen ließ. Seit 1959 hat man die gesamte Südsiedlung vor dem Halbkreiswall sowie einen großen Teil des alten Siedlungskerns im Halbkreiswall ausgegraben. Auch die Untersuchung des 11 ha großen Hafenbeckens wurde vorangetrieben. Erfolgreiche Tauchfahrten fanden 1953 statt. Dabei wurden Reste der Hafenpalisade und das Wrack eines Wikingerschiffes entdeckt. 1979 konnte dieses nach der Errichtung eines Bergebauwerkes (Spundkasten) geborgen werden.

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Das Wikinger-Museum Haithabu 2010

Die Bergung des Wracks, seine Konservierung und die danach erfolgte Rekonstruierung des Wikingerschiffes wurden von der Film-AG im Studentenwerk Schleswig-Holstein unter Leitung von Kurt Denzer mit 16-mm-Film festgehalten. Als Ergebnis dieser filmischen Dokumentation erschien 1985 der 30-minütige Dokumentarfilm Das Haithabu-Schiff.

Haithabu ist der besterforschte frühmittelalterliche Hafen in Deutschland. Mit Schiffsbergungen und Hafenuntersuchungen bis 1980 fanden die Ausgrabungen ein vorläufiges Ende. Bislang sind fünf Prozent des Siedlungsareals und ein Prozent des Hafens intensiv untersucht worden. Mit Hilfe der Dendrochronologie hat man festgestellt, dass die einzelnen Gebäude auf dem feuchten Boden nur eine kurze Lebenszeit hatten und mehrmals überbaut wurden.

Seit 2002 wurde mit Hilfe magnetischer, geophysikalischer Prospektion eine Art Stadtplan von Haithabu erstellt. Dabei macht man sich zunutze, dass die Überreste menschlichen Tuns andere magnetische Strukturen aufweisen als das umgebende Erdreich. Zur Überprüfung und Bestätigung der Ergebnisse wurde ab 2005 bis 2010 erneut in Haithabu gegraben. Dabei wurde u. a. ein auf den Überresten eines abgebrannten Grubenhauses errichteter Kuppelofen gefunden, der zur Herstellung von Glasperlen gedient haben könnte. Im Rahmen einer dreijährigen Förderung durch die Volkswagenstiftung werden die Funde und Befunde aus der Grabung ausgewertet.

Die wichtigsten Funde sind seit 1985 im Wikinger-Museum Haithabu ausgestellt. Direkt am Danewerk liegt das Danewerkmuseum. Ein Wikingerhaus von Haithabu ist im Museum von Moesgård in Dänemark rekonstruiert worden.

Literatur

  • Archäologisches Landesmuseum der Christian-Albrechts-Universität Schleswig (Hrsg.): Berichte über die Ausgrabungen in Haithabu. 34 Bde. Wachholtz, Neumünster 1963ff. ISSN 0525-5791
  • Robert Bohn: Geschichte Schleswig-Holsteins.. Verlag C.H. Beck, München 2006, ISBN 3-406-50891-X.
  • Klaus Brandt, Michael Müller-Wille, Christian Radke (Hrsg.): Haithabu und die frühe Stadtentwicklung im nördlichen Europa. Wachholtz, Neumünster 2002, ISBN 3-529-01812-0, (Schriften des Archäologischen Landesmuseums 8).
  • Ute Drews, Joachim Schultze, Bernd Zich: Schaufenster einer frühen Stadt. Museum Haithabu. In: Archäologie in Deutschland (AiD) 2005, 6, ISSN 0176-8522, 72ff.
  • Hildegard Elsner: Wikinger Museum Haithabu. Schaufenster einer frühen Stadt. Wachholtz, Neumünster 1989, ISBN 3-529-01836-8.
  • Herbert Jankuhn: Haithabu. Ein Handelsplatz der Wikingerzeit. 8. neubearbeitete und stark erweiterte Auflage. Wachholtz, Neumünster 1986, ISBN 3-529-01813-9.
  • Herbert Jankuhn: Haithabu und Danewerk. 56. – 65. Tsd. Wachholtz, Neumünster 1988, ISBN 3-529-01602-0, (Wegweiser durch die Sammlung – Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte in Schleswig 2).
  • Wolfgang Laur, Christian Radtke, Marie Stoklund, Ralf Wiechmann: Haiðaby. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde Band 13. de Gruyter, Berlin u. a. 1999, ISBN 3-11-016315-2.
  • Wolfgang Laur: Sprachen, Schriften, ‚Nationalitäten‘ in Haithabu und Schleswig. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde Band 25. de Gruyter, Berlin u. a. 2001, ISBN 3-11-016978-9.
  • Marlies Leier, Katja Leier: Es war einmal ein Mensch wie DU vor 1000 Jahren in HAITHABU. agimos verlag, Kiel 2000, ISBN 3-931903-24-9.
  • Jan Richter: Haithabu. Eine Drehscheibe des frühmittelalterlichen Welthandels. In: Stephan Conermann, Jan Kusber (Hrsg.): Studia Eurasiatica. EB-Verlag, Schenefeld/Hamburg 2003, ISBN 3-930826-99-2, S. 383–391.

Weblinks

 Commons: Haithabu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Adam von Bremen, Buch III, Kapitel 13
  2. Bericht Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag vom 9. Dezember 2008
  3. Bericht Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag vom 28. Mai 2009
  4. Henning Bleyl: Streit um Archäologie im Dritten Reich. Wikinger jetzt nazifrei, taz.de vom 1. März 2013, abgerufen am 2. März 2013.
  5. Michael H. Kater, 2006: Das ‚ Ahnenerbe‘ der SS 1935 – 1945: Ein Beitrag zur Kulturpolitik des Dritten Reiches. Band 6 von Studien zur Zeitgeschichte. Oldenbourg Verlag. ISBN 3486579509, ISBN 9783486579505. S. 90
  6. Hartmut Lehmann, Otto Gerhard Oexle, 2004: Nationalsozialismus in den Kulturwissenschaften: Fächer, Milieus, Karrieren. Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte. Band 1 von Nationalsozialismus in den Kulturwissenschaften, Nationalsozialismus in den Kulturwissenschaften. Vandenhoeck & Ruprecht. ISBN 3525351984, ISBN 9783525351987. S. 474
  7. Henning Bleyl: Streit um NS-Archäologie. Die Wikinger schlagen zurück. taz.de vom 8. März 2013, abgerufen am 24. März 2013.
  8. „Zwei Schleswiger Grabungen im Fokus“ Internetseite von Schloss Gottorf. Abgerufen am 11. März 2012.

Die Großsteingräber von Schleswig-Holstein

  Langbett Karlsminde / Waabs

 Das Langbett von Karlsminde ist eines der bedeutendsten Zeugnisse der jungsteinzeitlichen Megalithkultur im Ostseeraum. Zu dem um 3500 v.Zw. errichteten Megalithbau/Hünengrab zählen 108 Findlinge und insgesamt drei Grabkammern, die unter einem gewaltigern Erdhügel verborgen lagen. In den Grabkammern wurden zahlreiche Artefakte der Trichterbecherkultur gefunden: Werkzeug, Schmuck und Keramik.  Zwischen 1976 und 1978 wurde das Langbett von Waabs/Karlsminde durch eine ehrenamtliche Arbeitsgruppe restauriert und fachmännisch teilrekonstruiert.

 Nach wie vor rätseln    jedoch Wissenschaftler und Laien gleichermaßen, was     genau das 56 m lange Langbett wohl den Menschen bedeutet haben mag, die in vorgeschichtlicher Zeit an der Ostseeküste lebten. Das Megalithgrab war jedoch unbestritten ein Symbol für die Welt der Toten, bestimmte religiöse Überzeugungen oder auch für soziales Prestige, sei es das der bestatteten Toten oder sei es das der bestattenden Lebenden. Genauere Aussagen über seine prähistorische Bedeutung läßt das Langbett aufgrund fehlender Schriftquellen kaum zu, allerdings gibt uns allein seine imposante Größe Aufschluß über die kulturelle Höhe unserer Vorfahren.

 Langbetten Ruserberg

Das Langbett Ruserberg gehört zu einer Ansammlung von neun gleichartigen Grabanlagen in der Nähe der Hohwachter Bucht, von denen heute noch drei Langbetten von bis zu 50 m Länge erhalten sind – zwei befinden sich direkt hintereinander, eines liegt parallel dazu. alle drei weisen teilweise verschobene

Begrenzugssteine und ein bis zwei Grabkammern innerhalb der Betten auf, bei denen die Decksteine fehlen. Wie bei Langbetten üblich, geht man auch hier von einstigen Erdbedeckungen aus. Zum Fundgut innerhalb der Anlagen zählten Keramikgefäße, Bernsteinperlen und Steingeräte wodurch die auf der Informationstafel als Erbauungszeit angegebenen 2700 – 2500 v.Zw.  einige hundert Jahre zu spät angesetzt sein dürften.

Steinkistengrab Grammdorf

Ein für diese Gegend eher ungewöhnliches Steingrab findet man bei Grammdorf. Es handelt sich trotz seiner Asuweisung als Grosteingrab eher um ein typisches Steinkistengrab, das wesentlich kleiner ist und dessen sechs seitlichen Tragsteine abgeflacht sind. Diese Form tritt in größerer Anzahl weiter südlich, u.a. im Hannoverschen Raum auf und könnte dem späteren Mangel an größeren Findlingen geschuldet sein. Seine Entstehungszeit dürfte um 2500 v.Zw. anzusetzen sein

 Thingplatz bei Gulde

Ein sehr lobenswertes Projekt läuft seit 2003 in Gülde / Stoltebüll, wo auf dem Arltberg (Adlerberg) die steinzeitliche Heimatgeschichte nachgebaut wird. So wurden hier bereits 1980bei Drainagearbeiten ein bronzezeitlicher Urnenfriedhof und Findlinge entdeckt, die zu einem Dolmen gehört haben könnten. 2005 wurde dann daraus ein Dolmen rekonstruiert und in das Geländes des bereits 2003 rekonstruierten Thingsteinkreises eingefügt. Daneben finden sich steinkreisförmige Fundamente sogenannter Jütenzelte sowie ein Runenstein (Bild oben) der zusammen mit einem kleineren Steinkreis dem ursprünglichen Fund eines solchen in 600 m Entfernung von diesem Platz entspricht. Vorbildlich sind vor allem die Informationstafeln die ausführlich über die hier gezeigten Kulturdenkmäler informieren. Am Eingang des ?Heiligen Haines?, der auch Rastmöglichkeiten bietet, steht ein Wächterstein, der nachträglich betonte Züge eines Adlers trägt.

Bevor die Friesen Christen wurden

Wer denkt schon bei Sylt an eine „Insel der Toten“, wer bei Helgoland an einen Göttersitz oder beim Anblick nordfriesischer Inselkirchen an „Heilige Linien“ Michael Engler spürt die oft rätselhaften Kulte vorchristlicher Zeit auf und lädt zu einer Entdeckungsreise durch die Inselwelt zwischen Helgoland und Sylt ein von den steinzeitlichen Monumenten eines längst verschollenen Glaubens bis zu mittelalterlichen Sakralbauten über uralten Tempelorten. Da wird von großräumig in Landschaften angelegten Kalendarien berichtet, von geheimnisvollen Ringwällen und von jahrtausendealten exakten Berechnungen für astronomische Beobachtungen oder von ganzen Dörfern für die Götter. Das heute noch praktizierte — und als touristische Attraktion genutzte — Biekebrennen macht deutlich, dass manch ein „heidnischer“ Brauch die Jahrhunderte überlebt hat, auch wenn der ursprüngliche Sinn längst verloren ging. Ein spezielles Licht- und Aufnahmeverfahren hebt die Kultstätten aus ihrem natürlichen Umfeld hervor und verwandelt auf den ersten Blick kaum wahrnehmbare Spuren in wieder vorstellbare Räume. Legenden und Chroniken — mit nordfriesischen Landschaftsbildern in Szenen gesetzt — versetzen den Zuschauer in jene Zeit, bevor die Friesen Christen wurden.


Das Lied der freien Friesen

Wy eddlen fryen  Fresen
wy syndt nhu also freigh,
denn unser Blut und Wesen
haßt jede Tyrannei.
Tributh woll’n wy nich geven,
ein freigh volck woll’n wy syn.
Wy laten unser leven
für Worstenlandts Gedeihn!
Wir edlen freien Friesen
wir sind nun also frei,
denn unser Blut und Wesen
hasst jede Tyrannei.
Tribut wollen wir nicht geben
ein freies Volk wollen wir sein.
Wir lassen unser Leben
für Wurstenlands Gedeihn!
Aus:  Kurt Heimart-Holscher – Feinde des  Volkes
Die Geschichte der  Wurstfriesen (Westfriesland), die von Römlingen 1557 ihrer Freiheit beraubt  wurden. Der Fremdglaube und der Verrat der Eignen hatte sie besiegt. ergänzend:

Der Friesenaufstand im Jahr 28

Der germanische Stamm der Friesen war von Drusus während seiner Germanienzüge unterworfen worden und mußten wegen ihrer Armut aber nur niedrigen Tribut in Form von Rinderfellen zahlen. Im Jahre 28 nach Christus erschien der römische Tribun Olennius im Gebiet der an der Nordseeküste zwischen Zuidersee und Weser siedelnden Friesen, um mit den Stammesfürsten zu verhandeln. Friesland stand zum römischen Impe­rium in einem beiderseitigen Vertragsverhältnis. Für militärischen Schutz römischer Legionen zahlten die Friesen mit Kriegsdiensten und einem jährlichen Tribut. Der Tribut bestand aus einer bestimmten Menge Ochsenhäuten. Olennius, ein alter Soldat, aber kein Verwaltungsfachmann, befahl, daß die zu liefernden Häute in Zukunft der Größe von Auerochsen entsprechen müßten. Das war eine mehr als harte Forderung. Die wilden Auerochsen waren wesentlich größer als die auf den Weiden gra­senden Ochsen, die einem kleinen, ziemlich unansehnlichen Schlag entstammten. Nach und nach mußten die Friesen ihren gesamten Viehbestand opfern, denn es war unmöglich, so viele Auerochsen zu erlegen.
Das Kastell Flevum lag an der Nordsee, dem damaligen Germanischen Meer ,weit jenseits der offiziellen römischen Reichsgrenze am Rhein. Es zeigt aber auch auf, wie groß der römische Machtbereich in das rechtsrheinische Germanien war

Da die Forderung auch damit nicht erfüllt war, gaben sie ihre Äcker und Wiesen in Zah­lung. Olennius aber sprach immer noch sein erbarmungsloses «Es genügt nicht!«.
Eine Delegation, die ihm vorhielt, daß die Friesen einmal die römische Flotte vor dem Untergang gerettet, sich auch nicht am Aufstand unter Arminius beteiligt und überhaupt ihre Freundschaft zu Rom oft bewiesen hätten, entließ er mit barschen Worten und Drohungen.
Seine Soldaten wies er an, den Zins unter Anwendung brutalster Mittel einzutreiben. Was die Friesen nun tun, scheint unfaßbar: Sie empören sich nicht, stehen nicht auf wie ein Mann, um die Römer zu ver­treiben – sie ziehen mit ihren Frauen und Kindern zur näch­sten Handelsniederlassung und verkaufen sie in die Sklave­rei. Der Erlös soll endlich die Norm erfüllen, die man ihnen gesetzt hat. Und erst jetzt, nachdem die Römer sich noch im­mer nicht zufrieden zeigen, kommt es zum Aufstand. Die Friesen ließen alle tributeintreibenden Soldaten aufhängten und ans Kreuz nageln. Tribun Olennius floh in das Kastell Flevum an der Nordseeküste.
Daraufhin zogen niedergermanische Legionen unter Legat Apronius mit obergermanischer Verstärkung gegen die Friesen, erlitt aber aufgrund schlechter Angriffstaktik große Verluste. Die südlich siedelnden unter römischer Oberheit stehenden Bataver beteiligten sich dabei nicht an dem Feldzug.
„clarum inde inter Germanos Frisium nomen, dissimulante Tiberio damna, ne cui bellum permitteret“ (Tacticus ann. 4,74,1). Als Tiberius von diesem schlecht verlaufenden Feldzug hörte ,verzichtete er auf einen weiteren Vergeltungsfeldzug, wodurch die Friesen für fast 20 Jahre von der römischen Besatzung befreit waren. Das Römische Reich gab dazu noch das rechtsrheinische Friesengebiet auf.
Ein Grund für die ungewöhnliche Nachsicht der Römer waren die in diesen Jahren weit stärkeren inneren Probleme des Reiches, auch weil Tiberius sich aus der Regierung fast völlig zurückgezogen hatte und der eigentliche Machthaber in Rom der Prätorianerpräfekt Seianus war.

Die Christianisierung

Germanenherz Die Christianisierung

Die Einführung des Christentums bei den Germanen gewinnt in der Erörterung der Gegenwart eine immer noch steigende Bedeutung. Eine Zeit, deren Lebensgefühl weitgehend durch die Übernahme fremden Zivilisationsgutes bestimmt wird, muß sich notgedrungen mit einer Erscheinung auseinandersetzen, die, aus der Fremde kommend, eine starke Umwälzung auf wichtigen Lebensgebieten hervorgerufen und den Willen zur Erhaltung der Eigenart geschwächt hat. Ursachen, Verlauf und Wirkung der Christianisierung werden denn auch von sehr verschiedenen Standpunkten aus beurteilt und sehr verschieden dargestellt, wobei sich in manchen Fällen eine gewisse Schematisierung, in anderen Fällen wieder Verallgemeinerungen feststellen lassen, die von wirklichen oder vermeintlichen Einzelerscheinungen bei verschiedenen germanischen Völkern Schlüsse auf den gesamten Vorgang der Christianisierung zu ziehen trachten1 .

 

Ein solches Verfahren ist um so bedenklicher, als wir es nicht nur mit einem räumlich sehr weit ausgedehnten Geschehen zu tun haben, sondern auch mit einer viele Jahrhunderte währenden Dauer und darüber hinaus mit sehr verschiedenen inneren Voraussetzungen. Zur Zeit der Annahme des Christentums leben manche germanische Völkerstämme wie die Sachsen und Friesen, die Dänen, Norweger und Schweden in seit langer Zeit von ihnen besiedelten Wohnsitzen und haben ihre angestammten Lebensformen in mehr oder minder hohem Maße beibehalten, während andere, wie vor allem die Ostgermanen, aber auch die Franken, in immer erneuten Wanderungen ihre alte Heimat weit hinter sich gelassen haben, und viele von ihnen haben den ursprünglich strenge eingehaltenen Grundsatz der volksmäßigen Geschlossenheit und der damit verbundenen Abwehr fremder Mischungen aufgegeben oder waren doch im Begriffe, das zu tun.

Die Einführung des Christentums beginnt im 3. und 4. Jahrhundert bei den gotischen Stämmen an der Donau und auf der Krim, ohne daß wir in der Lage wären, diese Vorgänge von ihrer ersten Wurzel an genau zu verfolgen. Das ist um so bedauerlicher, als nach unverdächtigen Zeugnissen die ersten Träger der Mission zum Teil Kleriker waren, die aus Kleinasien stammten und als Kriegsgefangene ihre Heimat hatten verlassen müssen. Eine solche Wirkungsmöglichkeit fremdstämmiger Unfreier ist mit den Grundsätzen des germanischen Staats- und Gesellschaftslebens unvereinbar. Eine schwere Erschütterung dieser Grundsätze ist auch daraus zu erschließen, daß Wulfila, der als geistiger Führer die Hinwendung zum Arianismus bewirkte und als Bibelübersetzer hervorragende Bedeutung hatte, mindestens von einem Elternteile her, wenn nicht überhaupt, ebenfalls kleinasiatischer Herkunft war; die Abstammung seiner Vorfahren aus Sadagolthina bei Parnassos zeigt auf jeden Fall, daß der Aufstieg eines Mannes von zum mindesten nicht rein gotischer, vielleicht aber überhaupt fremder Herkunft zu hoher Bedeutung durchaus möglich war2.

Abgesehen von den aus diesen Verhältnissen zu erschließenden Erschütterungen der angestammten Lebensordnung, die nicht ohne Wirkung auf die weltanschauliche Haltung geblieben sein können, sehen wir überdies, daß die Bekehrung auch ihre politische Seite hatte. In die Streitigkeiten zwischen Athanarich und Fritigern mischte sich der Arianer Valens, und seine Hilfe führte zum Siege des Fritigern. „Dieses Ereignis ward der Anlaß, daß viele von den Barbaren Christen wurden, denn Fritigern nahm zum Dank für die ihm gewährte Hilfe den Glauben des Kaisers an und veranlaßte seine Leute dasselbe zu tun“, sagt Sokrates 3, und fügt hinzu, daß Athanarich sich scharf gegen die auch auf seinen Bereich ausgedehnte Mission wendete, deren politische Hintergründe unverkennbar sind: auf der einen Seite die Anlehnung an Ostrom, verbunden mit der Annahme des Christentums, die von der Führung, nicht vom Volke ausging, auf der anderen Seite die Ablehnung dieser Politik, die sich folgerecht auch gegen die Einführung des Christentums wendete „in der Überzeugung, daß der Glaube der Väter verfälscht würde“, wie Sokrates ausdrücklich bekundet.

Athanarichs Kampf gegen das Christentum hatte keinen dauernden Erfolg, und nicht nur die Westgoten nahmen das Christentum an, sondern von ihnen ging auch der Anstoß zum Glaubenswechsel vieler anderer Völker aus, die alle, ihrem Beispiele folgend, das Christentum nicht in der orthodoxen, sondern in der arianischen Form annahmen. Ostgoten, Wandalen, Gepiden, Rugier und Heruler wurden Arianer, und bald wurde der Kreis der ostgermanischen Völker überschritten. Während die Übernahme des Arianismus durch die Langobarden vielleicht durch die Rugier vermittelt wurde und auf jeden Fall im Einvernehmen mit dem Königsgeschlechte vor sich ging, das mit christlichen Herrschern verschwägert war 4, ging die Bekehrung der spanischen Sueven von den Westgoten aus und begann auch hier mit dem Übertritte des Herrscherhauses. Im Jahre 465 tritt das mit dem westgotischen arianischen Königshause verschwägerte suevische Fürstenhaus, das vorher orthodox gewesen war, zum Arianismus über, und diesem Übertritte folgt der des Volkes, wobei der Galater Ajax, der vorher bei den Westgoten Galliens tätig gewesen war, unter tatkräftiger Unterstützung durch den König die Bekehrung durchführte 5.

Die Übernahme des arianischen Christentums beginnt also, soweit wir sie verfolgen können, bei den Fürstenhäusern, nicht aber bei den breiten Schichten des Volkes. Die politische Bedeutung dieser Tatsache wird noch durch den religiösen Gegensatz erhöht, der sich dadurch zur unterworfenen römischen Bevölkerung ergab und die bestehenden Gegensätze wesentlich erhöhte, bekämpften doch die beiden Formen des Christentums einander auf das schärfste. Die Regierung des großen Theoderich in Italien wird durch diesen Kampf ganz wesentlich beeinflußt, und so ist es verständlich, daß Theoderich sich bemühte, den Frankenkönig Chlodwig ebenfalls zur Annahme des Arianismus zu bewegen. Chlodwig aber hatte andere Pläne, und sein Entschluß zur Annahme des orthodoxen Christentums stand aus mehreren Gründen fest. Seine Politik diente nicht der Aufrechterhaltung der Schranken zwischen Germanen und Romanen, sondern deren Beseitigung, und überdies hatte er entscheidende Auseinandersetzungen mit seinen Nachbarn, vor allem mit den arianischen Westgoten vor, bei denen ihm der Gegensatz zwischen Katholiken und Arianern wichtige Hilfe leisten konnte. Er hatte die Katholikin Chrodechild, eine Nichte des Burgunderkönigs Gundobad, geheiratet, ließ zu, daß seine Söhne getauft wurden, und bemühte sich um die Gunst des Klerus. Der siegreiche Ausgang des Kampfes gegen die Alemannen gab den Anlaß, auch persönlich das katholische Christentum anzunehmen 6, und darin folgten ihm zahlreiche Franken aus edlem Geschlechte.

chlodwig Chlodwigs Haltung läßt deutlich erkennen, daß er sich ausschließlich von politischen Rücksichten leiten ließ, wenngleich die geistliche Geschichtschreibung sich bemüht, Beweggründe und Tatsachen im Sinne der kirchlichen Auffassung zu verschieben, und besonders in der Alemannenschlacht ein Wunder geschehen läßt, das den bis dahin das Christentum angeblich scharf ablehnenden Chlodwig plötzlich diesem geneigt gemacht habe. Die Folgen des Übertrittes bestehen darin, daß die für die zukünftige politische Entwicklung entscheidende Macht nicht arianisch, sondern katholisch wird, denn wenn auch Chlodwig, soweit wir darüber unterrichtet sind, keine Gewaltmaßnahmell zur Annahme des Christentums durchführte, so war nun doch ein wertvoller Stützpunkt für die Ausbreitung des katholischen Christentums gewonnen. Eine wesentliche Voraussetzung hierfür war die schon berührte Ausgleichspolitik zwischen Germanen und Romanen, durch die die Schranken zwischen den beiden Völkern immer mehr beseitigt wurden, was schließlich zur Romanisierung des Westfrankentums führte.

Auch bei den Baiern und Alemannen, in Thüringen und im Elsaß kommt es zur Annahme des katholischen Christentums, wobei die Herrschergeschlechter den Anfang machen. Der Vorgang der Christianisierung wurde zum Teil dadurch gefördert, daß er sich auf ehemaligem römischem Reichsboden abspielte und durch alte Organisationsreste aus früherer Zeit unterstützt wurde. Der eigentlichen Bekehrungstätigkeit durch die Mission, die bezeichnender Weise gar nicht von Rom ausgeht, sondern ohne Zusammenhang mit dem Papste von Iren betrieben wird, kommt zunächst nur eine ganz untergeordnete Bedeutung zu. Daß auch sie mit Widerständen zu kämpfen hat, zeigt die Hinrichtung Kilians bei Würzburg im 8.Jahrhundert; im übrigen konnte die irische Mission nicht verhindern, daß der katholische Glaube dem Verfalle preisgegeben war und durch Aufnahme verschiedener Elemente zu einer Mischreligion wurde.

In dieser Lage setzte eine neue Bewegung ein, die für die zukünftige Entwicklung höchste Bedeutung hatte und weder aus dem Lande selbst noch unmittelbar aus Rom kam, sondern ihren Ausgang von England nahm.

Auch in England hatte das bei der vorgermanischen Bevölkerung aus der Zeit der römischen Herrschaft noch andauernde Christentum seine ersten Stützpunkte am Königshofe gefunden. Wie bei den Sueven und bei den Franken beginnt die Christianisierung damit, daß der König eine Katholikin zur Gattin nimmt. Ethelbrecht von Kent heiratete Bertha, die Tochter des Königs Charibert von Paris, die einen Priester in ihre neue Heimat mitbrachte und dort einen katholischen Gottesdienst einrichtete. So wurde Kent der erste Stützpunkt für die von Gregor ausgehende und durch Augustin betriebene Mission, die 596 einsetzte. Die Entwicklung ging verhältnismäßig schnell vonstatten, 601 wird Ethelbrecht katholisch, und wenn es auch nach seinem Tode zu schweren Rückschlägen kam, so gingen die so geschaffenen Ansatzpunkte dennoch niemals mehr verloren. Zunächst griff das Christentum nach Northumbrien über. Wieder steht am Beginne eine Heirat. König Edwin heiratete 625 Ethelbrechts Tochter Ethelberga, und schon 627 trat er zum Christentum über. Dieser Vorgang und seine Darstellung durch die Geschichtsschreibung sind aus verschiedenen Gründen lehrreich. Ähnlich wie Konstantin angeblich durch den siegreichen Ausgang einer Schlacht zum Christentum geführt worden war und Chlodwig infolge eines in der Alemannenschlacht abgelegten Gelübtes die Taufe genommen haben soll, soll auch Edwin seinen Übertritt vom Ausgange des Kampfes gegen die Westsachsen abhängig gemacht haben. Da auch sonst der Sieg des christlichen Heeres über seine nichtchristlichen Feinde als göttliche Fügung hingestellt wird 7, liegt hier offenkundig eine feste Tradition der legendären Geschichtsschreibung vor, deren Wurzeln ebenso außerhalb der Wirklichkeit wie des germanischen Bereiches liegen. Im übrigen soll der Beschluß zur Annahme des Christentums in einer Versammlung gefaßt worden sein, von der Beda berichtet, daß ihr außer dem Missionar Augustinus auch ein Oberpriester namens Coifi beigewohnt habe, der gegen das für den Priester geltende Roß- und Waffenverbot hoch zu Roß auf das bisher von ihm verwaltete Heiligtum einen Speer abgeschleudert habe als Zeichen seiner freudig bekundeten Bereitwilligkeit, Tempel und Altäre zu zerstören 8. Nun ist weder eine hierarchisch gegliederte Priesterschaft noch ein Roß- und Waffenverbot germanisch, der Name Coifi ebenfalls nicht, und am wenigsten die Gesinnung, die aus der gesamten Schilderung des Geschehens spricht; in Bedas Bericht hat also eine ganze Reihe von nichtgermanischen Zügen Aufnahme gefunden, und entspricht er wenigstens in seinen Grundzügen den Tatsachen, dann ist er ein Beleg dafür, daß die Kultur bereits stark von nichtgermanischen Zügen durchsetzt war, was sich vor allem in der Gesamthaltung des Königs und seiner Umgebung ausdrückte.

Freilich ist auch mit Edwins Übertritt die Sache des Christentums nicht gewonnen, Keadwalla von Wales und besonders Penda von Mercien erwiesen sich als gefährliche Feinde, und auch nach dem Siege Oswalds über Keadwalla – Oswald soll übrigens vor der Schlacht gegen diesen ein hölzernes Kreuz aufgerichtet haben, auch sein Sieg über seinen nichtchristlichen Feind wird demnach als im Zeichen des Kreuzes errungen hingestellt – bedrohen schwere Kämpfe die Vertreter des Christentums und damit dieses selbst mit dem Untergange: 642 bedeutet Pendas Sieg über Oswald den Zusammenbruch der Kirche im Norden. Als endlich diese Gefahr nach schweren Wechselfällen gebannt ist, muß noch der Anspruch Roms gegen das schottisch-irische Christentum durchgesetzt werden. 673 ist dieser Kampf zugunsten Roms entschieden, was für den weiteren Verlauf der Bekehrung von entscheidender Bedeutung war.

Vom Ausgange des 7. Jahrhunderts an sind nämlich Angelsachsen Träger einer auf dem Festlande entfalteten Missionstätigkeit, die zum Unterschiede von den früheren Versuchen im Einvernehmen mit dem Frankenherrscher Pippin und mit dem Papste arbeitet. Als Wilibrord von 690 an unter fränkischem Schutze versuchte, die Friesen zu bekehren, zeigte sich allerdings, daß seine Erfolge nicht weiter reichten als die fränkische Macht; der Friesenkönig Redbad lehnte das Christentum scharf ab, und die im Sinne der allgemeinen christlichen Übung durchgeführte Schändung des Heiligtums auf Fositesland kostete Wilibrord fast das Leben 9.

Als Gehilfe Wilibrords hatte Wynfrith seineTätigkeit begonnen. 719 holte er Weisungen aus Rom ein, und 722 begann er, zum Bischofe geweiht und mit dem Namen Bonifaz begabt, selbständig zu missionieren. Er suchte zunächst Gebiete auf, wo ihm zum Unterschiede von Friesland staatlicher Schutz sicher war. Er begann in Hessen und Thüringen und richtete 738 in Bayern die kirchliche Organisation auf, und zwar auf Einladung des Herzogs Odilo, so daß also auch über dieser Tätigkeit der staatliche Schutz waltete. Die römische Kirche hat ihm vor allem die mit zäher Folgerichtigkeit erreichte Durchführung ihrer Grundsätze zu danken, die dem Christentum in Deutschland neue Grundlagen gab. Als er sich jedoch wieder nach Friesland wagte, wo er nach den Worten seines Biographen fanatisch den heimischen Glauben bekämpfte und „die Götzenbilder zerschmetterte“ – eine Übung, von der uns die Erzählung von der Fällung der Eiche zu Geismar einen gewissen Begriff vermittelt – wurde er 754 erschlagen10. Die Friesen setzten auch den erneuten Missionsbestrebungen Willehads und Liudgers entschiedenen Widerstand entgegen, und beide mußten fliehen. Erst nach der Einverleibung Frieslands in das Frankenreich konnte Liudger 786 zurückkehren und infolge der nunmehr grundsätzlich geänderten Voraussetzungen die Annahme des Christentums erreichen.

Bekannt ist der harte Kampf, in dem sich die Sachsen sowohl der politischen Unterwerfung als auch der Einführung des Christentums widersetzten. Karls durch zweiundreißig Jahre, von 772 bis 804, andauernder Krieg, der durch den stets erneuten Widerstand der Sachsen immer wieder aufflammte, endete schließlich mit der Durchsetzung seiner Ziele, wobei die Annahme des Christentums durchaus äußerlich blieb. Die scharfen Bestimmungen des Sachsengesetzes zeigen ebenso wie die kirchlichen Verbote, daß nur äußerer Druck, nicht aber innere Überzeugung zu Annahme und Beibehaltung des Christentums geführt hatte.

So wenig wie Friesen und Sachsen waren die skandinavischen Völker dem Christentum zugänglich. Die ersten, von Deutschland ausgehenden Missionsversuche blieben ergebnislos, und Wilibrord, der um 700 nach Dänemark reiste, blieb der Erfolg ebenso versagt wie den späteren, von Ludwig dem Frommen unterstützten Missionsversuchen, die 831 endeten. An dieser grundsätzlichen Lage änderten auch spätere, bald wieder verloren gegangene kleine Erfolge nichts, bis endlich der Sieg Heinrichs I. über Gnupa von Schleswig von 934 einen völligen Umschwung herheiführte. Gunpa mußte sich taufen lassen, überdies aber dulden, daß zwei Jahre später der Hamburg-Bremer Erzbischof Unni seine Missionstätigkeit begann. Unni beschränkte seine Tätigkeit nicht auf Schleswig, sondern begab sich auch nach Jütland, wo er Harald Blauzahn, der damals noch nicht König war, innerlich für das Christentum gewonnen haben soll. Als Harald später zur Herrschaft kam, setzte er sich für den neuen Glauben ein, so daß der Stein von Jaellinge verkündet, er habe die Dänen zu Christen gemacht. Aber auch hier zeigte sich bald, daß der neue Glaube nicht im Herzen des Volkes lebte, sondern als politische Angelegenheit den Schwankungen der Politik unterlag. Als sich Svend Gabelbart gegen seinen Vater Harald wendete, geriet das Christentum in große Schwierigkeiten, weil Svend sich dieser Religion nicht angeschlossen hatte. Adam von Bremen spricht von „Störungen“ des Christentums und sagt ausdrücklich: „Plötzlich also machten die Dänen eine Verschwörung, sagten dem Christentum ab, setzten Svend zum König ein und sagten Harald Krieg an“ (II, 27). So kamen für das Christentum von 986 an schwere Zeiten, und wenn sich auch Svend Gabelbart in seinen letzten Jahren selbst dem Christentum zuwendete, so traten grundlegende Änderungen doch erst unter seinem Sohne Knud ein, der England erobert batte und an der Spitze der englischen Kirche stand. Nach englischem Vorbilde reformierte er auch die dänische Kirche und setzte in Dänemark zum begreiflichen Mißfallen des Hamburger Erzbischofes Unwan aus England stammende Bischöfe ein. Hamburg errang dann später doch noch das Übergewicht, bis zu Beginn des 12. Jahrhunderts in Lund ein Erzbistum für den gesamten Norden begründet wurde und die kirchliche Organisation beendet werden konnte.

Stand die Christianisierung Dänemarks von ihren Anfängen an in engem Zusammenhange mit der Reichspolitik und dem Hamburg-Bremer Missionszentrum, so trat bei der Bekehrung Norwegens die Bedeutung Englands in den Vordergrund. Im Laufe der Wikingerzüge war es zu zahlreichen Berührungen der Norweger mit diesem Lande gekommen, die nach England, Schottland, Irland und den Inselgruppen führenden Wikingerzüge hatten besonders im 10. Jahrhundert zahlreiche Mischheiraten zwischen norwegischen und irischen Geschlechtern zur Folge, und der in England am Hofe Aethelstans erzogene Hakon, Harald Haarschöns Sohn, der dort als Kind die Taufe empfangen hatte und 933 die Herrschaft in Norwegen übernahm, versuchte nach einer Reihe von Jahren, in denen er sich im Lande den nötigen Anhang gesichert hatte, dem Christentum zum Sieg zu verhelfen. Dieses Unternehmen scheiterte am entschlossenen Widerstande der Bauern, die ihm mit Absetzung drohten, und das einmal gescheiterte Unternehmen wurde nie mehr wiederholt, ja es scheint, daß die Haltung des Volkes ihren Eindruck auf Hakon nicht verfehlt hat. Er hatte in seinem Gefolge Anhänger der heimischen Weltanschauung wie den Skalden Eyvind, und als er nach der siegreichen Schlacht von Fitje seinen Wunden erlag, gestattete er ausdrücklich, man möge ihn nach der althergebrachten Sitte beerdigen, wie er sich überhaupt seinen letzten Worten nach der Tatsache bewußt war, daß er kein christliches Leben im Sinne der Kirche geführt hatte. Diese Haltung ist die Grundlage für Eyvinds vielbesprochenes Preislied auf den toten König, nach dem dieser als siegreicher Held zu Odin nach Walhall eingeht.

Hakons Nachfolger, die Söhne Erichs und der Gunnhild, waren schon früh in England getauft worden. Als ihr Vater Erich Norwegen hatte verlassen müssen, bot ihm Aethelstan die Herrschaft über Northumberland an unter der Bedingung, daß er sich mit Weib und Kind, aber auch mit dem gesamten Heere, das ihm aus der Heimat gefolgt war, taufen lasse, und diese Bedingung nahm Erich an – auch das ein Beispiel für die ausschließlich politischen Beweggründe des Glaubenswechsels. Als die Gunnhildsöhne die Herrschaft in Norwegen antraten, vermochten sie nicht, das Christentum auszubreiten und mußten sich damit begnügen, Heiligtümer zu vernichten und Festesfeiern des Volkes zu stören; der einzige Erfolg dieser Handlungsweise war, daß sie sich große Feindschaft zuzogen.

Die Lage änderte sich erst, als Olaf Tryggvason 995 König in Norwegen wurde. Er selbst war auf den Scillyinseln Christ geworden, und Snorri erzählt, deutlich legendäre Züge einfügend, ein Wahrsager habe Olaf seine künftige Rolle als Bekehrer vorausgesagt. Wie ernst es Olaf damit war, zeigt sein seinen engsten Vertrauten kundgetaner Entschluß, das Christentum überall in Norwegen durchzusetzen oder zu sterben. Wirklich beginnt er unverzüglich sein Werk. Mit großem Machtaufgebot zieht er von Landschaft zu Landschaft und zwingt die Bauern, die ihm infolge dieses Vorgehens im entscheidenden Augenblick stets weit unterlegen sind, durch scharfe Drohungen zur Annahme des Christentums. Diese Vorgänge sind ein deutliches Beispiel dafür, daß die Taufe ausschließlich durch die rücksichtslos eingesetzte staatliche Macht erzwungen wird.

So wie in Norwegen wurde das Christentum auch auf den Faröern und den Orkaden, auf den Shetlandinseln und auf den Hebriden durchgesetzt, und auch die Annahme des Christentums auf Island durch den Alldingsbeschluß des Jahres 1000 ist das Werk Olaf Tryggvasons.

Auf Island bestand von vornherein eine andere Lage als im Mutterlande. Als die Landnahme von Norwegen her begann, ausgelöst durch das Vorgehen Harald Haarschöns, verscheuchte der nunmehr einsetzende Zustrom von Menschen die bisherigen Bewohner, die dort vor allem die Einsamkeit gesucht hatten, nämlich irische Anachoreten. Immerhin scheint ein gewisses irisches Element auf Island zurückgeblieben zu sein, wenngleich sich nicht mit Sicherheit feststellen läßt, woher die irischen Einsprenglinge in Menschentum und Kultur des Landes stammen. Die Landnahmemänner kamen überdies nicht nur aus Norwegen, sondern zum Teile auch aus England, und zwar als Christen, wie die berühmte Unn, die sich besondere Achtung erworben hat. Dieses völlig auf sich gestellte Christentum starb nach und nach nahezu aus, auch die Nachkommen der Unn gaben es auf, und so blieb wenig mehr als die Erinnerung daran übrig. Diese an sich bedeutungslosen Reste gewannen an Gewicht, als die Mission nach Island gebracht wurde. Hinter diesen Bekehrungsversuchen stand Olaf Tryggvason, der das ganze Gewicht seiner Persönlichkeit dafür einsetzte, junge Isländer von guter Herkunft, die im Sinne der ständig gepflegten Sitte Norwegen besuchten, für die neue Religion zu gewinnen 11, aber auch Missionare auf die Insel sandte, wo sie zwar Erfolge erzielen konnten, aber keine Änderung der Gesamthaltung zu bewirken vermochten, so daß sie ihr eigentliches Ziel, die Verchristlichung des Staates, nicht erreichten. Ihr Verhalten erregte argen Anstoß, und ein Priester namens Dankbrand mußte wegen Totschlägen sogar geächtet werden. Als Olaf Tryggvason die Fruchtlosigkeit seiner Bemühungen erkannte, ließ er die jungen Isländer, deren er in Norwegen habhaft werden konnte, festnehmen und drohte, sie töten zu lassen. Da legten sich zwei christliche Isländer ins Mittel: sie versprachen, eine Änderung im Verhalten der Isländer herbeizuführen, und als sie auf Island angekommen waren und die gesamte Frage auf dem Allding zur Sprache brachten, erkannte man die Unhaltbarkeit der eigenen Lage. Der Gesetzessprecher, dem man die Entscheidung überlassen hatte und dessen Überlegungen durch Bestechung im christlichen Sinne beeinflußt worden waren, entschied für die Annahme des Christentums.

Innere, weltanschauliche Gründe lagen demnach der Annahme des Christentums weder in Island noch im Mutterlande zugrunde, und gerade das Beispiel der Insel zeigt, daß das Christentum einzelner für die Haltung der Gesamtheit belanglos blieb. Daß Norwegen nur äußerlich christlich war – so mancher Norweger hatte das Christentum auch weiterhin abgelehnt, und selbst grausamste Folterung, die wiederholt berichtet wird, vermochte den Übertritt nicht herbeizuführen – , zeigt sich auch daran, daß nach Olaf Tryggvasons Tode Olaf der Heilige wieder mit den schärfsten Mitteln vorgehen mußte, um das Christentum in seinem Lande zu sichern.

Bekehrungsversuche in Schweden, die in der ersten Hälfte des neunten Jahrhunderts einsetzten und teils von Deutschland, teils von Dänemark aus gemacht wurden, versagten zunächst. Olaf Trvggvason veranlaßte, daß sich Rögnvald von Gautland taufen ließ, und auch Olaf Schoßkönig trat zum Christentum über. Vom Missionszentrum in Hamburg aus wurde in den Jahren 1043 – 1071 die Bekehrung Gautlands betrieben, aber die schwedischen Kernlande blieben vom Christentum frei, selbst in Gautland gerät der neue Glaube ins Wanken, wenn einmal der christliche König an Macht einbüßt, und noch im 12. Jahrhundert unternimmt Sigurd Jorsalafar einen Kriegszug nach Schweden mit der Begründung, das Volk dort müsse christlich gemacht werden, weil es samt seinen Königen, von denen ausdrücklich Blot-Sveinn und Eirikr in arsaeli genannt werden, vom Christentum nichts wissen wolle.

Dieser gedrängte Überblick läßt zunächst mit Sicherheit erkennen, daß an keiner Stelle und zu keiner Zeit das Christentum als Volksbewegung den Staat erobert hat, sondern daß es überall im Einvernehmen mit der staatlichen Macht zur Herrschaft kam, wofern es nicht dem gesamten Staate von außen her aufgezwungen wurde. Die Schwierigkeiten für die Durchsetzung des Christentums waren allerdings sehr verschieden. Es haben sich Fälle gezeigt, in denen der Taufe des Königs und seiner Familie die einer großen Zahl von Volksangehörigen folgte. Darunter gibt es allerdings Erscheinungen besonderer Art, wie etwa die Taufe des Erich Blutaxt und seines Heeres, dessen wurzellos gewordene Angehörige weltanschaulich ziemlien gleichgültig gewesen sein mögen, so daß es ihnen nur darum ging, Nutznießer der durch die Taufe zu gewinnenden Machtstellung des Königs zu werden.

Sehen wir von solchen durch besondere Umstände gekennzeichneten Sondererscheinungen ab, so läßt sich schon aus der Beobachtung der äußeren Vorgänge bei der Bekehrung ein Urteil über die für sie gewöhnlich angeführten Gründe gewinnen. Man hat als solche – und das ist die folgenschwerste Behauptung, weil sie die Annahme des Christentums als eine innere Notwendigkeit hinstellt – inneren Verfall der germanischen Weltanschauung als tiefsten Grund angegeben. An Bedeutung kommt dieser Begründung die Erklärung nahe, das Christentum habe infolge seiner höheren Art seine Überlegenheit bewährt und den Sieg errungen. Man hat auch behauptet, es wäre den Germanen nicht so sehr darauf angekommen, Christen zu werden, denn es wäre nur darum gegangen, ob man den einheimischen „Göttern“ oder Christus sein Vertrauen schenken solle; und da nun bei verschiedenen Gelegenheiten Christus seine höhere Kraft bewährt, die „Heidengötter“ aber sich ohnmächtig gezeigt hätten, so sei man von selbst zum Glauben an Christus gekommen. Daneben wird auch auf die Rolle und Bedeutung des Königtums verwiesen. Den Königen sei das Volk selbstverständlich beim Glaubenswechsel nachgefolgt, und die Bedeutung der Gewaltanwendung wird dabei gewöhnlich sehr gering angeschlagen.

Mit den tatsächlichen Vorgängen sind allerdings alle diese Erklärungen und Begründungen unvereinbar. Träfe die Behauptung vom inneren Verfall der germanischen Weltanschauung im Sinne eines eigengesetzlichen Vorganges zu, dann müßte diese Erscheinung überall in der germanischen Welt sichtbar geworden sein. Davon ist aber keine Rede. Die Tatsachen sagen im Gegensatze zu derartigen Behauptungen vielmehr aus, daß überall dort, wo ein Volk in seinen alten Lebensordnungen verharrt, das Christentum freiwillig nicht angenommen wird, daß es dort lange und erbittert um die Herrschaft ringen muß, und daß gerade das die Fälle der Gewaltanwendung sind. Es ist ein völlig schiefes Verfahren, ohne Rücksicht auf Voraussetzungen solcher Art einfach abzuzählen, in wievielen Fällen Gewalt angewendet werden mußte, und wo eine solche Gewaltanwendung nicht überliefert ist, um dann aus dem Verhältnisse der Zahlen seine Schlüsse über die Bereitwilligkeit des Gesamtgermanentums zur Annahme des Christentums zu ziehen. Wäre der Verfall der germanischen Weltanschauung in ihr selbst begründet gewesen, hätte sie den Keim des Unterganges in sich selbst getragen, so hätte das unterschiedslos überall geschehen müssen. Das ist aber, wie die geschichtlichen Abläufe unwiderlegbar zeigen, keineswegs der Fall gewesen.

Dasselbe gilt für die Behauptung von der aus höherer Artung sich ergebenden inneren Überlegenheit des Christentums. Sie würde eine gesonderte Untersuchung erfordern, die in diesem Rahmen nicht möglich ist. Auch eine solche Überlegenheit hätte sich aber überall in der germanischen Welt durchsetzen müssen. Die der beweiskräftigen Begründung ohnedies entbehrende Behauptung, die überdies mit den volkhaften Bindungen der Weltanschauung nicht rechnet und die einzelnen Religionen losgelöst von ihren Beziehungen zum Volkstum, aus dem sie erwachsen sind, absolut setzt, wird also durch die fast durchwegs feststellbare Tatsache widerlegt, daß das Christentum nicht aus inneren, sondern aus äußeren Gründen der verschiedensten Art angenommen wurde.

Die Behauptung schließlich, man habe sich Christus zugewendet, weil er seine höhere Kraft bewiesen habe, und man habe sich nun in Verfolgung einer alten germanischen Auffassung zu ihm bekannt, weil es bei den Germanen ohnehin üblich gewesen sei, sich dem Gotte anzuvertrauen, der die größere Macht gezeigt habe, ist ebenso schief. Auch ihr steht schon entgegen, daß eine solche gemeingermanische Auffassung allgemeine Wirkung gehabt haben müßte, was nicht der Fall ist. Wenn unsere Quellen wiederholt davon berichten, der Sieg in der Schlacht sei als Machtbeweis Christi und als Ohnmachtszeichen der alten Götter aufgefaßt worden, so steht der Glaubwürdigkeit dieser Angaben entgegen, daß sie ausschließlich von christlicher Seite und ausschließlich in solchen Fällen gemacht werden, wenn auf der einen Seite Christen – oder ein Heerführer, der Christi Hilfe angerufen hat – auf der anderen Nichtchristen stehen, während innergermanische Zeugnisse über solche Machtproben völlig fehlen. Wir haben es hier mit zwei Gruppen von Berichten zu tun. In der einen gilt der christliche Heerführer als der Streiter Gottes – eine Auffassung, die im Ludwigsliede voll zur Geltung kommt. Auf der einen Seite steht der von Jugend auf unter Gottes besonderem Schutze stehende König, den dieser selbst dadurch auf seine Fähigkeiten prüft, daß er „heidine man/ober sêo lîdan“ läßt, und den er dann auffordert: „Hilph mînan liutin!“ Der christliche König ist hier ganz der Gottesstreiter gegen die Ungläubigen im Sinne des Alten Testaments, und die völlig ungermanischen Hintergründe solcher Auffassungen liegen klar zutage. Nach der anderen Gruppe von Berichten siegt der Nichtchrist darum über den ebenfalls nichtchristlichen Gegner, weil er in höchster Not die Hilfe des Christengottes angerufen hat, der nun der schon zugunsten des Gegners entschiedenen Schlacht plötzlich eine andere Wendung gibt, seine Macht also durch ein Wunder bewährt.

olaf_tryggvason Das Schulbeispiel für diese Art von „historischer“ Berichterstattung ist Gregors Erzählung von der Alemannenschlacht Chlodwigs, der ebenso wie Edwin den Sieg über seine Feinde als Voraussetzung für die Annahme des Christentums erklärt hat. Auch Oswald, selbst schon Christ, siegt über seine nichtchristlichen Feinde im Zeichen des Kreuzes, und wenn Gregor Chlodwig einen „neuen Konstantin“ nennt, womit er auf Konstantins Sieg unter dem Kreuze anspielt – auch in diesem Falle standen Nichtchristen gegen Nichtchristen – , so liegt die Vermutung nahe, daß hier ein bestimmtes Schema immer wieder angewendet wurde. Daß im übrigen keine Rede davon sein kann, daß die Germanen den Sieg der Christen als Zeichen der höherer Macht des Christengottes aufgefaßt und darum in der Überzeugung, ihre eigenen Götter seien machtlos, sich diesem zugewendet hätten, ist aus dem Beispiele der Sachsenbekehrung ohne weiteres herauszulesen. Wiederholte Siege der christlichen Franken über die Sachsen von größter Bedeutung haben nicht vermocht, daß diese freiwillig das Christentum anzunehmen bereit waren; erst die durch den Sieg errungene Macht gibt die Möglichkeit, die Bekehrung mit Gewalt durchzuführen, deren es wahrhaftig nicht bedurft hätte, wenn den Germanen wirklich der Glaube an einen Machtkampf der Götter eigen gewesen wäre.

Die christliche Berichterstattung über die plötzliche Wendung des Schlachtenglückes nach Anrufung des Christengottes steht indes deutlich im Zeichen des Wunderglaubens, und sie ist damit nur ein Sonderfall in dem größeren Rahmen des Strebens, den Übergang zum Christentum als die Folge eines göttlichen Wunders darzustellen. Auch hier liegt ein an den vierschiedensten Punkten verwendetes, mit verschiedenen Inhalten gefülltes Schema vor. Die Eiche zu Geismar fällt, offenbar durch göttliches Wunder, nach wenigen Streichen und zerfällt in vier gleiche Teile; aus dem von Kolbein im Auftrage König Olafs des Heiligen zerschlagenen Thorsbilde kommt, der teuflischen Herkunft des Bildes gemäß, das aus Mäusen und Schlangen bestehende Getier des Teufels hervor 12; beim Kampfe gegen das vom Teufel besessene Freybild verhilft die Anrufung Gottes und das Gelöbnis, sich taufen zu lassen, Gunnar Helming zum Siege, und Bischof Poppo trägt mit dem Erfolge das glühende Eisen, daß diesem Machtbeweise des Christengottes die Bekehrung des Dänenkönigs Harald folgt (Adam v. Bremen, Scol. 20). Ein Wunder ist es offensichtlich auch, daß in der Schlacht bei Löwen 100000 Heiden fallen, während die Christen kaum Verluste haben (Adam v. Bremen I, 47, siehe Fußnote 7 ), und wie im Kampfe der Heere hilft das Gelöbnis, Christ zu werden, auch beim Einzelkampfe. Havard und Thorbjörn kämpfen auf Leben und Tod miteinander auf einer Schäre draußen im Meere. Thorbjörn hat einen mächtigen Felsblock emporgerissen und will damit den Kopf seines Feindes zerschmettern. Da tut Havard das Gelübde, wenn er jetzt über Thorbjörn siege, so wolle er das Christentum annehmen. Er dringt gegen seinen Gegner vor, und als dieser ihn mit dem Steine treffen will, rutscht er auf dem glatten Felsen aus, fällt hintenüber, und der eigene Stein trifft ihn so, daß er bewußtlos wird (Thule VIII, 163 f.). Ein Wunder ist es offensichtlich auch, daß der erste der Bauern, der beim Ding zu Stavanger Olaf Tryggvason widersprechen will, von Husten und Atemnot befallen wird, der zweite unverständlich zu stottern beginnt, und der dritte so heiser und rauh spricht, daß man nicht weiß, was er sagt (Olafs Saga Tryggv. c. 55).

Diese Beispiele sind verschiedenen Quellen entnommen und zeigen, daß es allgemeine Übung der christlichen Geschichtsschreibung und Literatur ist, die Bekehrung zum Christentum als Ausfluß eines göttlichen Wunders hinzustellen. Diese Tendenz verdient bei der Beurteilung der Glaubwürdigkeit unserer Quellen eine weit größere als die ihr gemeinhin geschenkte Beachtung. Denn in Wahrheit geht alles das, was man als Ausfluß eines angeblichen Glaubens an die höhere Macht des Christengottes und an die Ohnmacht der Heidengötter anführt, nicht auf germanische Haltung, sondern auf tendenziöse christliche Berichterstattung zurück.

Die Rolle des Königtums bei der Bekehrung ist nicht mit wenigen Worten darzustellen. Gewiß kann nicht davon gesprochen werden, dem Könige sei sein Volk beim Übertritte einfach nachgefolgt. Die oben gegebene Darstellung des Verlaufes der Bekehrung zeigt zur Genüge, welchen Wahrheitskern derartige allgemeine Behauptungen haben. Auch hier gilt der schon oben ausgesprochene Satz, daß die Bekehrung dort nicht ohne Gewalt durchgesetzt werden kann, wo noch die alte Lebensordnung aufrecht ist. Dort nützt die Bekehrung des Königshauses gar nichts, wie das Beispiel Hakons des Guten, der Gunnhildsöhne, Olaf Tryggvasons und Olafs des Heiligen ebenso wie das der Schwedenkönige zeigt. Auch dort, wo es einem christlichen Könige gelungen ist, dem Christentum eine gewisse Geltung zu verschaffen, steht und fällt dieses mit der Person des Königs. Auch dafür wurden oben, besonders aus der Bekehrungsgeschichte Englands und Schwedens, eine ganze Reihe von Beispielen beigebracht, und für Dänemark und seinen Herrschaftsbereich gilt dasselbe. Deutsche und nordische Quellen berichten das übereinstimmend über das Schicksal des Christentums im Zuge der Auseinandersetzung Harald Blauzahns mit Svend Gabelbart, und dem oben schon ausgehobenen Zeugnisse Adams sei hier auch Snorris Bericht über diese Vorgänge zur Seite gestellt. Snorri sagt wahrheitsgemäß, daß Harald die Annahme des Christentums nur durch Gewaltanwendung und harte Strafen erreicht hatte, und das war ihm auch in seinem norwegischen Herrschaftsbereiche gelungen. In Vik hatten seine Bekehrungsversuche genau so lange Erfolg, als seine Herrschaft währte. Nach seinem Tode aber war es mit dem Christentum in Vik sofort zu Ende (Olafs Saga Tryggvasonar c. 53). Auch nach dem Tode Olaf Tryggvasons erleidet das Christentum arge Rückschläge, so daß Olaf der Heilige schwere Mühe hat, dessen ins Wanken geratene Herrschaft wieder aufzurichten. In England, Norwegen und Schweden ergibt sich so das gleiche Bild der unmittelbaren Bindung des Christentums an das Königtum. Daß es sich dabei aber um keine freiwillige Nachfolge, sondern um das Ergebnis eines wohl mit verschiedenen Mitteln ausgeübten Druckes, und auf gar keinen Fall um eine Bekehrung aus innerer Überzeugung handelte, folgt ohne weiteres daraus, daß offenbar nur die für das Christentum eingesetzte Königsmacht es aufrechterhalten kann, und daß es zusammenbricht, sobald dieser Einsatz sein Ende findet.

Es kann also auch nicht davon gesproden werden, daß das Beispiel des Königtums den Übertritt zum Christentum ganz allgemein herbeigeführt habe.

Der Tatsache, daß überall dort dem Christentum entschiedener Widerstand geleistet wird, wo die alte germanische Lebensordnung aufrecht besteht, steht die zweite gegenüber, daß das überall dort nicht im selben Maße geschieht, wo eine mehr oder minder starke Erschütterung und Änderung dieser Grundlagen erkennbar ist. Das Schulbeispiel für derartigeVerhältnisse sind die Franken, aber es wurde schon darauf verwiesen, daß auch für die Goten mit einer weitgehenden Umgestaltung wichtiger Grundsätze und Lebensgrundlagen zu rechnen ist. In diesen Fällen ging zwar die Bekehrung ebenfalls nicht vom Volke, sondern wie auch sonst überall von der staatlichen Führung aus, aber nun ist im Gegensatze zu sonstigen Verhältnissen von einem Widerstande des Volkes nichts zu spüren. Das sind Tatsachen, die uns auf die wahren Gründe für Annahme und Beibehaltung des Christentums führen. Allerdings sind gerade die Völker, die solcherart ihre angeborene Wesensgrundlage verlassen hatten, früher oder später der Vernichtung anheim gefallen, zum mindesten aber, wie die Westfranken, dem Verluste des eigenen und dem Übergange in ein anders bestimmtes Volkstum.

Aus diesen Tatsachen ergibt sich, daß es sich beim Glaubenswechsel um ganz wesentlich mehr als nur darum gehandelt hat, ob man diesem oder jenem Gotte sein Vertrauen schenken wolle, eine ebenfalls im Zusammenlange mit der Bekehrung aufgestellte Behauptung, die einer Überprufung nicht standhält. Nicht umsonst wird das Christentum als „neue Sitte“ bezeichnet, und wir werden in der Tat der gesamten Erscheinung in ihrer Bedeutung nur dann gerecht, wenn wir das Gebiet der Religion zusammen mit Rechts- und Gesellschaftsordnung und der gesamten Ethik als Ausfluß einer einheitlichen weltanschaulichen Haltung erkennen. Dasselbe gilt aber für das Christentum, das sich keineswegs damit begnügt, nur einen einzigen Bezirk des menschlichen Lebens zu beanspruchen, sondern die unumschränkte Herrschaft über alle Bereiche fordert. So stehen nicht zwei Einzelerscheinungen einander gegenüber, sondern zwei Lebensordnungen auf weltanschaulicher Grundlage. Es ist aber bezeichnend, daß überall dort, wo eine Erschütterung der germanischen Haltung erkennbar ist, der Beginn niemals auf religiösem oder ethischem, sondern stets auf rechtlichem und gesellschaftlichem Gebiet liegt, wo vor allem die auf fremde Vorbilder zurückgehende Änderung in Wesen und Stellung des Königtums und dessen damit zusammenhängender Machthunger von größter Tragweite sind.

Die auf diese Weise begonnene Auflockerung wurde durch das Christentum entscheidend dadurch gefördert, daß es, einmal angenommen, in der Lage war, seine Auffassung auch auf bisher unberührten Gebieten an der Stelle der althergebrachten durchzusetzen. Diese Vorgänge beschränkten sich aber nicht auf die germanischen Völker, die dem neuen Glauben mehr oder minder freiwillig bei sich Eingang gewährt hatten. Sie setzten vielmehr auch dort ein, wo das Christentum nur mit Gewalt oder doch wenigstens durch den ständigen Druck der in ihrer Bedeutung stark gestiegenen königlichen Macht sich hatte durchsetzen können. Zum Unterschiede von jenen Fällen der bereits vorchristlichen Auflockerung des germanischen Lebensgefühles geht hier diese Auflockerung vom Christentum selbst aus, und das ist zu beachten, wenn man von der Wirkung, von den Folgen der Bekehrung spricht. Denn die Vertreter der Kirche beschränken sich keineswegs auf die „Dämonisierung“ der einheimischen Gestalten, wie sie aus der amtlichen kirchlichen Stellungnahme ebenso wie aus dem gesamten kirchlich beeinflußten Schrifttum spricht. Der germanistischen Auffassung von Sippe und Gefolgschaft und von den daraus sich ergebenden Bindungen, vom Verhältnisse des Einzelnen zur Gemeinschaft von Stamm und Volk setzt das Christentum eine völlig andere Wertung, eine von Grund auf andere Rangordnung entgegen durch die dem Germanentum durchaus fremde Hinordnung des gesamten Lebens auf eine göttliche Spitze und deren irdische Vertretung, die nun an die einst von der Gemeinschaft des Volkes innegehabte Stelle tritt, und durch eine anders geartete Ethik, was alles in den orientalischen Wurzeln des neuen Glaubens begründet ist. Überall werden die an erster Stelle stehenden Beziehungen zum mindesten zweitrangig, ob nun zwischen den Gefolgen und seinem Führer die vom Papste beanspruchte Binde- und Lösegewalt tritt, durch die nun von dritter Seite her das bisher unmittelbare Treueverhältnis begründet oder aufgelöst wird, oder ob vor die sippenmäßigen Bindungen das Wort tritt „Du sollst Vater und Mutter verlassen und mir nachfolgen“. Das germanische Erbrecht, auf das engste verbunden mit der Stellung der Sippe und ihrer Wertung, verfällt unter kirchlichem Einflusse der Auflösung, und der germanischen Auffassung vom Zwecke der Ehe zur Zeugung des „echten Erben“ tritt der kirchliche Anspruch auf Askese unter allen Umständen, selbst in der Ehe, entgegen; Gregor von Tours preist es als Zeugnis höchster sittlicher Vollkommenheit, daß zwei Eheleute ein langes Leben miteinander verbringen, ohne die eheliche Gemeinschaft einzugehen, und er läßt den Ehemann sich rühmen, daß er die Gattin Gott, von dem er sie empfangen, bei ihrem Tode als Jungfrau zurückgebe.

Fügen wir diesen wenigen Andeutungen noch hinzu, daß auch die gesamte Geisteskultur durch die anders geartete weltanschauliche Grundlage des Christentums entscheidend beeinflußt worden ist, daß nunmehr der Tote zum armen Sünder wird, daß die Geburt unter das Zeichen der Erbsünde gestellt wird, und daß das alles nun auch die volkstümliche Überlieferung, vor allem die Volkssage, aber selbst die späteren Gestaltungen der Heldensage weitgehend beeinflußt 13, so ist damit noch auf eine weitere Wirkung der Annahme des Christentums wenigstens verwiesen.

Nur wer sich klarmacht, welchen Verlauf die Annahme des Christentums bei den germanischen Völkern genommen hat, welche Ursachen sich für sie erkennen lassen, und welche Wirkungen von ihr ausgehen, ist im Besitze wichtigster Grudlagen, die zwar noch nicht für sich allein ausreichen, eine Entscheidung über die heute auf dem religiösen Gebiete uns gestellten Fragen zu ermöglichen, ohne die aber ganz gewiß eine solche Entscheidung nicht gefällt werden kann. Das müßte ein Ansporn dazu sein, die Bekehrungsgeschichte der Germanen auf neue Grundlagen zu stellen, für die eine neue Wertung der Quellen, die sich aus der Eigenart und aus den geistig-seelischen Voraussetzungen ihrer Urheber ergibt, und ebenso eine neue Wertung der so festgestellten Tatsachen unumgängliche Voraussetzungen sind. Schon jetzt aber steht fest, daß an keiner Stelle eine Volksbewegung ohne Hilfe der staatlichen Macht oder gar gegen sie das Christentum zum Siege geführt hat, und daß an keiner Stelle eine innere Notwendigkeit den Glaubenswechsel hervorgerufen hat. Es ist weiter wesentlich auch für unsere eigene Entscheidung, daß die vorchristliche, aus den Kräften des eigenen Blutes stammende Weltanschauung an keiner Stelle an sich selbst zugrunde gegangen ist, weil sie aus sich heraus nicht mehr lebensfähig gewesen wäre. Auch darüber müssen wir uns klar sein, wenn wir entscheiden wollen, ob und in welchem Maße eine Anknüpfung an die eigene Überlieferung möglich und wünschenswert ist.

 Anmerkungen:

   1. Hierzu sei auf meine Aufsätze „Die Einführung des Christentums bei den Germanen und das germanische Königtum“, Sigrune/Nordische Stimmen, Jg. 10/12, März 1943, S. 2 ff. und „Waren die Germanen christianisierungsreif?“, Zs. „Deutsche Volkskunde“, 1943, 4. Vierteljahrsheft, verwiesen.
   2. Die Quellenstelle bei Philostorgios, die hier in Übersetzung (nach R. Plate, Geschichte der gotischen Literatur S. 36) mitgeteilt sei, lautet: „Unter der Herrschaft des Valerian und Gallien fiel eine große Schar der jenseits des Ister wohnenden Skythen in das Gebiet der Römer ein, durchzog einen großen Teil Europas, kam übersetzend selbst nach Asien, Galatien und Kappadokien, machte viele Gefangene, worunter sich auch einige Kleriker befanden, und kehrte mit großer Beute heim. Das gefangene gläubige Volk bekehrte nicht wenige aus dem Heidentum durch ihren Umgang mit den Barbaren. Zu dieser Gefangenschaft gehörten auch die Vorfahren des Urphiras, Kappadokier von Geschlecht, aus der Nähe der Stadt Parnassos, aus einer Ortschaft genannt Sadagolthina.“ Diese Stelle spricht ganz allgemein von den Vorfahren des Wulfila, ohne Beschränkung auf die Abstammung von Vater- und Mutterseite.
   3. Kirchengeschichte IV, 33. Übersetzung nach Capelle, Das alte Germanien, S. 351.
   4. L. Schmidt, Geschichte der deutschen Stämme bis zum Ausgang der Völkerwanderung, Die Ostgermanen, S. 621
   5. L. Schmidt, ebenda, Die Westgermanen I, S. 217 f.
   6. Zur Kritik der Darstellung des Vorganges durch Gregor v. Tours siehe meinen unter I angeführten Aufsatz über die Christianisierungsreife der Germanen
   7. Adam v Bremen I, 47: „Der Krieg wurde durch himmlische Fügung entschieden. Denn während 100000 Heiden erschlagen wurden, ergab sich, daß kaum einer von den Christen gefallen war.“ Geschichtsschr. d. deutschen Vorzeit, Bd. 44, S. 46.
   8. Beda II, 13. Ausgeboben bei Clemen, Fontes religionis historiae Germanicae, S. 41.
   9. Der Bericht darüber in Alcvins vita Wilibrordi ist abgedruckt bei Clemen, Fontes historiae religionis Germanicae, S. 47. Übersetzung: Geschichtschreiber der deutschen Vorzeit. Bd. 14, S. 149 (c. 10-21)
  10. Der Bericht über das Vorgehen in Friesland sei in der Übersetzung von Bühler, Das Frankenreich, S. 422, hier wiedergegeben: „Er (Bonifaz) zog also durch ganz Friesland, verdrängte den heidnischen Kult, schafte die irrtumsvollen heidnischen Gebräuche ab, predigte eindringlich und erbaute nach Zerschmetterung der Götzenbilder mit großem Eifer Kirchen.“
  11. Ein Schulbeispiel für diese Methoden ist die Bekehrungsgeschichte Kjartans nach der Laxdaelasaga. Die Saga stellt den Vorgang so dar, daß Kjartan lediglich aus ideellen Beweggründen, vor allem unter dem Eindrucke von Olafs Persönlichkeit, das Christentum angenommen habe und aus denselben Gründen ein treuer Gefolgsmann König Olafs geworden sei, den er früher bis zum Tode gehaßt hätte. Aber gelegentlich wird deutlich, daß es auch sehr reale Gründe für die Annahme des Christentums gegehen hat, die dem Helden durchaus bewußt waren. Im Kap. 41 der Laxdaela schmiedet Kjartan nach seiner Taufe Sommerpläne und erwägt eine Fahrt nach England. Er begründet das damit, daß für christliche Handelsleute dort vorzügliche Geschäftsmöglichkeiten bestünden. Auf jeden Fall ist Kjartan bereit, sich die Vorteile seines Übertrittes zunutze zu machen.
  12. Olafs saga helga c. 113.
  13. Auf die Bekehrungsfolgen verweist Bernhard Kummer in seinem Buche „Midgards Untergang“. Die Wirkungen auf die Volksüberlieferung sind für bestimmte Einzelgebiete besprochen in meinen ,.Grundlagen des Hexenwahnes“ (Leipzig 1936) und in meinen Aufsätzen „Das wütende Heer und der wilde Jäger“ (Bausteine zur Geschichte, Völkerkunde und Mythenkunde, Bd. VII, 1937) und „Wandlungen der Heldensage; Dietrich von Bern in der Hölle“ (1942, S. 9 ff.).

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ergänzend: DER JESUS VON NAZARETH  und hier Die christliche Lehre kam aus dem Norden. und hier VON BÜCHERN, DIE DEN GEIST UND DEN LEIB TÖTEN .und hier Die vorchristlichen Ursprünge des Christentums .und hier Der Reichtum der Kirche ist Blutgeld und hier Die Christianisierung und hier Zur Unglaubwürdigkeit des Judäo-Christentums und hier Die Christianisierung Nordgermaniens und hier Die Deutschen – ein auserwähltes Volk  und hier  Die Religion der Germanen

Zeitgenössisches Heidentum – Tradition, Kontinuität und Rekonstruktion

wilnort-heidentumZu Beginn des 21. Jahrhunderts stehen irgendwo in Deutschlands geographischem Herzen etwa 30 junge Menschen beisammen und schweigen. Hier auf einer Waldlichtung sind der Schein der Fackeln und das prasselnde Feuer in der Mitte des Gemeinschaftskreises das einzige Licht, das die ernsten Gesichter der Anwesenden zaghaft erhellt. Zum Fest der Tagundnachtgleiche im Frühling haben sie sich zusammengefunden und begehen es, wie schon die Jahre davor. Der Kultleiter führt die Versammelten durch diese Feier, Sinnsprüche ertönen, Gaben werden als Opfer an die Göttern dem Feuer übergeben, Gedichte werden vorgetragen und ein gemeinschaftliches Mahl abgehalten. Man könnte meinen, daß unsere Altvorderen ihre kultischen Feste in etwa genauso begingen. Schließlich werden dieselben Götter angerufen, dieselben Runen beschwört und selbst der vergossene Met ist augenscheinlich „nach alter germanischer Rezeptur“ hergestellt. Traditionspflege ist angesagt.

Tradition. Welch hehrer Begriff! Welch mißverstandener Begriff! Wie viele Menschen, die sich in irgendeiner Form mit dem mythologischen und realhistorischen Wert des Germanentums auseinandersetzen, haben den Begriff der Tradition in bezug auf das germanische Heidentum wirklich verstanden? Gibt es eine Tradition des germanischen Heidentums bis in die heutige Zeit? Gibt es die Tradition? Kann man diesen Begriff wissenschaftlich absichern und mit ihm sowohl für als aber auch gegen das „Neuheidentum“ Position beziehen? Im folgenden soll die Problematik, welche die Erklärungsgrundlagen des „Neuheidentums“ betrifft, aus undogmatischer, nicht-streng-wissenschaftlicher, aber keinesfalls allzu verklärender Sicht heraus umrissen werden.

Oben beschriebenes Szenario ist zeitgenössische Realität. Dutzende mehr oder weniger klar organisierter Gruppen, die sich der Wiederbelebung des germanischen Heidentums verschrieben haben, finden sich mehrmals im Jahr zusammen, um die Feste der Sonne und des Mondes zu feiern. Wodurch ist nun der Drang zu erklären, sich von der Institution der Kirche und ihrem dogmatischen Glauben zu lösen und sich einer „Glaubensrichtung“ zuzuwenden, die als vermeintlich „überwunden“ galt?

 

olshansky-night-of-a-warrior Die Antwort gibt uns im Prinzip die Jetztzeit. Diese zeichnet sich aus durch eine fortschreitende Auflösung und Nicht-Beachtung gemeinschaftlicher Werte und Institutionen im Kleinen, wie auch im Großen, was vorwiegend negativ zu bewerten ist. Grober Materialismus, Konsumgeilheit, Vortäuschung vermeintlicher Freiheit, die letztlich nur das totale Ausleben triebhafter Ich-Bezogenheit mit sich bringt, Auflösung der Familien- und Gemeinschaftsstruktur zugunsten des Single-Daseins, Abkapselung vom Gedanken an die Heiligkeit der Natur und so vieles mehr sind die Symptome einer Atomisierung der Gesellschaft. Der identitätslose Großstadtbürger in seinem grenzenlosen Fortschrittswahn, kosmopolitisch erzogen und ohne Bindung zu spirituellen Werten ist nicht etwa nur ein polemisches Postulat rechtsradikaler Vergangenheitsverklärer. Er ist soziale Realität.

Daß dieser Menschentypus in zunehmendem Maße abstoßend wirken kann, beweist die Suche vieler Menschen nach einem spirituellen Ersatz, nach einem Gegenpol zum Materialismus, nach religiöser Bindung. Diese Zeit erlebt sowohl den Niedergang der Kirchen als gemeinschaftsförderndes Element als auch das Emporsteigen vermeintlich spiritualitätsspendender Weltanschauungen und Gruppierungen. Nur allzu typisch für diese Zeit der Entwurzelung ist allerdings das Wesen dieser mehr oder weniger neuen Heilslehren: New-Age-Esoterik, fernöstliche Weisheiten und judäo-christliche Erlösungsgedanken bieten – oft genug in den verworrensten Verquickungen – dem sinnentleerten Mensch der Großstadt eine Möglichkeit, seine Sehnsucht nach Spiritualität zu stillen, obwohl sie nüchtern betrachtet kaum etwas mit dem Menschen des Abendlandes zu tun haben. Was verstehen gestreßte deutsche Manager aus Frankfurt a. M. von Jahrtausende alter japanischer Shinto-Tradition? Was haben fehlgeleitete britische Bürokauffrauen aus London mit indischen Yoga-Praktiken zu tun? Was finden verzogene Wohlstandsjugendliche in der oberflächlichen Beschäftigung mit einer Kombination aus den spirituellen Werten der Hopi-Indianer und der Kultur der australischen Aborigines? Vielleicht haben diese Menschen schon den ersten Schritt in die richtige Richtung getan, vielleicht haben sie ansatzweise erkannt, daß das Anbeten des Götzen Mammon nicht das einzige sein kann, das dem Dasein seinen Inhalt zu geben vermag. Doch wohin schweifen diese Geister? Der – meist kommerziell orientierte – Markt der Esoterik bietet alles an, was exotisch und geheimnisvoll klingt und befriedigt damit das beim modernen Menschen latent vorhandene, durch eine möglichst kosmopolitische Erziehung geförderte Verlangen nach fremden Geistes-, ja Kulturwerten. Wir sehen: auch in den Bereich des Glaubens hielten Stofflichkeit (Konsumorientierung) und der den Menschen in seiner völkisch-artgemäßen Persönlichkeitsentfaltung gefährdende Geistes-Internationalismus Einzug. Der Mensch scheint den Kräften der Jetztzeit, des dunklen zersetzenden Zeitalters in allen Belangen ausgeliefert zu sein.

Was bleibt an Alternativen? Der christliche Glaube – oberflächlich betrachtet traditionell abendländisch – verliert in Mitteleuropa an Strahlungskraft, Frische und Anziehungsvermögen. Für die meisten Menschen ist er zu einem bloßen Relikt in Form der verstaubten, dogmenbeladenen Amtskirche verkommen und allenfalls ein politisch instrumentalisierter Werteträger, weil er „ja eigentlich schon immer da war“. Wirklich tief empfundene Religiosität und Gottschau läßt sich in Hinsicht auf die Masse mit dem Begriff des Christentums heutzutage, zumindest in Deutschland, kaum noch verbinden. Jenseits des Atlantiks findet sich ein alttestamentarischer Auserwähltheitswahn in Kombination mit puritanischer Diesseitsverachtung und panzerkapitalistischer bzw. –imperialistischer Weltverbesserungsethik in einer unsäglichen und gefährlichen Weltsicht wieder. Der Rest der christlichen Herde, vornehmlich in Süd- und Osteuropa, mag an dieser Stelle nicht von Belang für das vorliegende Thema sein und kann getrost mit einem Begriff charakterisiert werden: Sklavenmoral. Neben dem etablierten Christentum buhlen noch zahlreiche Freikirchen und christliche Sekten, sowie der nicht minder universalistische, d.h. kosmopolitische Islam um die nach Transzendenz bettelnden Seelen der weißen Menschen.[Christentum und Islam speisen sich aus ein und derselben vorderasiatischen Quelle. Das sollte klar sein. Doch ist es erstaunlich, wie viele religiöse Motive sich diese beiden Weltreligionen vom Beginn ihrer Entstehung an und im Laufe ihrer Genese von uralten indogermanischen Glaubensmodellen entliehen haben. Überall, wo besonders das Christentum auf ein Volk (einen Stamm etc.) stieß, formte die völkisch-gebundene „Volksseele“ sich den neuen Glauben, in diesem Fall das Christentum, zu einem arteigenen Religionsempfinden um, und zwangsläufig verbanden sich vorchristliche heidnische Einflüsse mit den neuen Ansätzen zu einer stets von Volk zu Volk unterschiedlichen Volksreligion und Volksfrömmigkeit. Das stil- und charakterprägende völkische Prinzip ist also selbst im Christentum von höchster, ja absoluter Wichtigkeit. Diese kurze Erörterung ist für den weiteren Verlauf nicht unwichtig.] Ob für diese Menschen jedoch die in ihrer Konsequenz aggressiven, ihre absolute Alleingültigkeit verteidigenden Fremdlehren vom Sinai der richtige, besser: vernünftige Weg sind, um ihrem Dasein religiöse Ordnung zu verleihen, soll hier nur als rhetorische Frage im Raum stehen bleiben. Die Antwort ist für den freiheitsliebenden, undogmatischen Menschen klar…

Wir haben bisher versucht aufzuzeigen, daß innerhalb des Spektrums der verschiedenen, von der heutigen Gesellschaft akzeptierten Religionen oder „spirituellen“ Lehren keine einzige religiöse Weltsicht vorhanden ist, die den Kern eines deutschen Menschen, sein Wesen und seine Art wirklich anspricht. Keine der genannten Religionsformen ist blutgebunden, keine ist auf den germanischen Menschen zugeschnitten. [Der Artikel bezieht sich auf die Situation in vorwiegend germanisch bestimmten Ländern. „Germanisch“ soll in diesem Zusammenhang in erster Linie als sprachwissenschaftlicher und religionsgeschichtlicher Begriff verstanden werden. Um dem Begriff „germanisch“ eine biologische Bedeutung zu verleihen – was an dieser Stelle bewußt der Fall sein soll-, muß man zuerst verstehen, daß es keine „germanische Rasse“ gibt. Jedoch gibt es den „Nordischen Rassetypus“, der als Träger germanischer Kulturwerte (im sprach- und religionsgeschichtlichen Sinne) gilt und durch sein wanderungsbedingtes Auftreten im Blut der europäischen Menschen (natürlich stärker ausgeprägt in Nord- und Mitteleuropas) diesen Kontinent unvergleichlich stark prägt. So ist der Anteil „nordischen Blutes“ in Ländern wie Deutschland, Holland, Dänemark oder Schweden besonders hoch und erklärt somit das Vorherrschen germanischer Kultur in diesen Ländern, im Gegensatz zu „romanisch“ bestimmten Ländern oder Völkern im Süden bzw. Osten Europas. Vgl. hierzu Hans F.K. Günther: Der nordische Gedanke unter den Deutschen, München 1927.] Warum sollten da junge Menschen, die sich den Auswüchsen dieser Verfallszeit nicht beugen wollen, nicht den direkten, ehrlichen Weg wählen und sich mit den eigenen Wurzeln auseinandersetzen?

Die Auseinandersetzung mit den schriftlichen Überlieferungen germanischen Heiden- und Heldentums, wie sie beispielsweise in den eddischen Schriften, in den nordskandinavischen Sagas oder im Nibelungenlied [Das in mittelalterlicher, christlicher Zeit niedergeschriebene Nibelungenlied weist natürlich etliche christliche Motive auf, zeugt jedoch – wie auch das Hildebrandslied – über  weite Strecken von germanischer Geisteshaltung. Einwände, die den christlichen Charakter solcher Schriften (dazu zählt auch die jüngere und ältere Edda) wegen ihrer mittelalterlichen Aufzeichnungszeit überbetonen, zählen wenig. Der Kern dieser Werke bleibt ethisch und philosophisch betrachtet stets germanisch. Von vorderasiatisch judäo-christlichem Ethos ist in ihnen nichts zu spüren.] zu finden sind, führen den Suchenden erst einmal heran an den Kosmos germanischer Ethik. Ein Siegfried von Xanten und ein Hagen von Tronje vermögen junge Menschen doch wohl eher zu einer wertvollen Charakterbildung hin zu inspirieren als ein Jesus von Nazareth. Der Mut Siegfrieds und die Treue Hagens wirken positiver auf gedeihende junge Seelen ein als das Bild eines am Kreuze leidenden, uns in seiner Stammeszugehörigkeit fremden und in seiner widernatürlichen Passivität feindlichen Vorderasiaten. Ist dann die Grundlage geschaffen, die man braucht, um germanisches Wesen in früherer Zeit zu begreifen, steht einer Vertiefung in den mythologischen Stoff der germanischen Religion nichts mehr im Wege. In dieser Mythologie, die schließlich von Menschen unserer Wesensart geschaffen wurde, spiegelt sich das Jahrtausende alte Wissen um die Geheimnisse des Lebens, ja der kosmischen Ordnung – in die herrlichsten Sinnbilder und Geschichten verpackt – wieder. So wie die charakterlichen Eigenschaften unserer Ahnen beschaffen waren, so wurden auch die Götter von denen, die sie verehrten, mit Eigenschaften bedacht, ohne daß die Archetypen, die von den Götter repräsentiert wurden, verfälscht wurden. Die Beziehung zwischen Menschen und Göttern war lebendig. Die Beziehung zwischen den Menschen und der Natur (deren Kräfte die Götter ebenfalls symbolisieren) war lebendig. Die Weltsicht des germanischen Menschen war – auf den Punkt gebracht – lebendig! Was aber Jahrtausende gewachsen ist, kann nicht mit einem Male verschwinden. Das Christentum lagerte sich nur oberflächlich auf den Geist des germanischen Menschen. In ihm schlummerte, was früher lebendig war und was nie gänzlich verleugnet werden konnte. Und so verwundert es niemanden, daß in den letzten 250 Jahren das Bewußtsein um das Versagen des unmenschlichen, weil lebensverneinenden Christentums zunahm und freie, große Geister wie Goethe, Nietzsche oder Hegel eben diesem Christentum – jenseitsverliebt, rechthaberisch und mit dem Makel der Inquisition und anderer Verbrechen versehen – im innersten abschworen.

Wenden wir uns dem Vorwurf der blutarmen und verwerflichen Rekonstruktion germanischen Heidentums zu, der vor allem von den Vertretern der Amtskirche, von Geisteswissenschaftlern und Medienleuten oft genug ins Feld geführt wird. Ihre Argumentation stützt sich auf der Annahme, daß ein vermeintlich „überwundenes, totes Heidentum ohne Kontinuität“ nicht wiederbelebt werden dürfe, da sich ja das Christentum als die stärkere Religionsform erwies und erst die kulturelle Entwicklung des Abendlandes, ja gar der ganzen Welt vorantrieb, so daß der christliche Glaube nun für immer als der einzige in (zumindest) Europa zu gelten hat. Ferner ließen sich urgermanische Rituale nicht rekonstruieren und damals benutzte Symbole nicht mehr mit Sinn füllen, da die entsprechenden schriftlichen Quellen aus damaliger Zeit fehlen. Des weiteren wird die Hinwendung eines jungen Menschen zum germanisch-heidnischen Glauben schon deshalb lächerlich gemacht, argwöhnisch beäugt und somit in Frage gestellt, weil diese Hinwendung, oder besser: dieses Wiedererkennen ja nur aus einer wie auch immer gearteten „Verirrung“ heraus geschieht, aus „jugendlicher Ziellosigkeit“ und aus Gründen „subkulturellen Modeerscheinungen“. Letzten Endes sind es eine Vielzahl von Argumenten, denen sich die (vor allem jungen) Menschen heidnischer Lebenssicht ausgesetzt sehen müssen. Sicherlich ist eine gewisse „Verirrung“ der Grund für das Wiederaufkeimen heidnisch-germanischer Weltanschauung. Doch diese Verirrung ist ganz allein das Resultat einer krassen Fehlentwicklung Europas, die in Form geistiger Versklavung und Verdörrung der Völker erst durch das Christentum, dann durch diverse politische und wirtschaftliche Philosophien wie den Liberalismus, den Kapitalismus, den Kommunismus, kurz: den groben Materialismus des Geistes eintrat. Ja, der heutige Mensch ist „verirrt“. Er ist entwurzelt, zerrissen und abgenabelt…von seinem Ich, von der Natur! Analog dazu sind die Kerneinheiten Familie und Volk innerlich im Begriff, sich aufzulösen. Und da wundern sich die Autoritäten, wenn der germanisch-heidnische Glaube eine Renaissance erlebt? Und diese Renaissance ist nicht blutarm! Sie wird gespeist durch die Zuversicht und die Energie junger Menschen. Wir Heiden von heute haben das Recht und die Pflicht etwas weiterzuführen, was einmal blutvoll glühte! Der germanische Glaube lebt mit den Menschen, die ihn in sich tragen und bei aller Zustimmung zum Postulat des „ständigen Wandels aller Dinge“ behaupten wir, daß eine religiöse Tradition niemals tot, sondern nur verdrängt sein kann, weswegen wir ja nichts anderes tun, als ein religiöses System in ein neues Jahrhundert zu führen und mit Leben zu füllen. Das bedeutet aber auch, daß wir als Menschen des 21. Jahrhunderts natürlich andere Vorraussetzungen und Möglichkeiten haben, unser Heidentum zu leben. Wir leben in einer technisch hoch stehenden Zivilisation und warum sollten wir uns nicht die technischen Errungenschaften zu nutze machen? Wir benutzen Autos, das Weltnetz und Mobiltelefone, doch haben diese Dinge nichts mit einer gewissen heidnischen Grundeinstellung zu tun, solange alles in Maßen benutzt wird und sowohl die Natur als auch unser Körper und Geist nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Achtung und Wahrung der zuletzt genannten wesentlichen Elemente unseres Lebens ist echtes Heidentum! Ihre Nicht-Achtung und Nicht-Wahrung ist Verfall, ist lebensfeindlich! Wir jedenfalls haben unser Heidentum in unseren Alltag integriert, so wie dieses religiöse Empfinden auch sozialer Alltag unser Ahnen war. Die verschiedensten Aspekte der religiösen Weltsicht unserer Altvorderen wurden von diesen auf ihre Art interpretiert, und so interpretieren wir dieselben Aspekte auf unsere Art und Weise, ohne daß beide Möglichkeiten der Interpretation zu stark voneinander abweichen. Was im Blut, im Wesen unserer Ahnen schon diese spezielle, nordische, germanische Art und Weise der Reflektion aller Dinge, ja des Lebens an sich bedingte, kann in unserem Blut und unserem Wesen nicht völlig erloschen sein!

 

yavolod-reichsburg-trifels Ein Beispiel: Für die vorchristlichen germanischen Stämme mit ihrer agrarisch bestimmten Lebensrealität war die Sonne von immenser Bedeutung für ihr Überleben, weil sie als Licht- und Wärmespenderin das Wachsen der Vegetation und somit die Sicherung der Nahrungsgrundlagen der Menschen garantierte. So genoß das höchste Gestirn eine entsprechende kultische Verehrung und verschiedene, auf die Sonne bezogene Symbole wurden ersonnen. Wir in der heutigen Zeit sind zwar auch noch von der Kraft der Sonne abhängig, doch ist die direkte Verbindung Sonne – Acker – Nahrung für die meisten von uns nicht mehr bestimmend. Jedoch erschließen sich uns in Hinsicht auf die Sonne durch die Beschäftigung mit der Weltsicht der (indo-)germanischen Tradition [Wir merken hier explizit an, daß das germanische Heidentum ein wesentlicher Bestandteil der indo-germanischen Tradition ist, um dem unbedarften zu verdeutlichen, daß es ein gewisses weltanschauliches Band gibt, das unsere germanische Weltsicht mit beispielsweise der alten hellenischen, persischen oder keltischen verbindet, was uns wiederum neue (eigentlich ja alte), wertvolle, religiös-philosophische Erkenntnisse für die Gegenwart und Zukunft verschafft.], also mit unserer traditionalen Geistesgeschichte, neue philosophische und esoterische  Bedeutungshorizonte. Das Symbol der Sonne und somit auch die Sonne an sich bedeuten uns „Dynamik“, „Leben“, „Männlichkeit“, „Zentrum“ etc. und stehen den alten, vermeintlich primitiveren Vorstellungen von der Sonne definitiv nicht konträr gegenüber. Weil wir uns weiterentwickeln, wird sich auch der heidnisch-germanische Glaube weiterentwickeln ohne den Grundton zu verlieren, der unsere Seelen erklingen läßt, denn unser Götterglaube ist ein lebendiger Glaube, ein lebendiges Wissen um das Leben an sich! Wir tragen das Erbe der Vorväter einer Fackel gleich und führen es weiter und weiter, weil wir begriffen haben, daß wir ein Glied in einer (biologischen) Kette sind und Vergangenheit und Zukunft miteinander verbinden. Das ist unsere Pflicht! Wir „Neu-Heiden“ rekonstruieren das germanische Heidentum nicht, wir konstruieren es nach unserer Art, nach unserem Wesen. Das ist unsere Antwort auf den Vorwurf der bloßen Rekonstruktion. Dieses Konstruieren oder Neu-Erkennen umschließt natürlich ebenso die Art und Weise, wie wir unsere Kultfeiern gestalten oder wie wir die Gestalten unserer Götter begreifen: Das rituelle Feuer und das Miteinbeziehen höherer Kräfte waren beispielsweise Elemente, die den Sonnenfesten der Altvorderen zu eigen waren, und auch wir beziehen sie mit in unsere frei gestalteten Feiern ein, doch wollen wir keine „Germanenfeierei“ „nachäffen“, sondern nehmen uns das Recht heraus, unsere in uns ruhende germanische Schöpferkraft zu verwenden und aus dieser heraus eigene Feierabläufe zu kreieren. Was die Betrachtung unserer Götter betrifft, so sind wir sicherlich den Schilderungen der Eigenschaften dieser Götter in den eddischen Schriften hauptsächlich unterworfen, weil sie unser Bild von Wotan, Donar, Frigga oder Loki stark prägen. Nichtsdestotrotz erhalten wir durch die Beschäftigung mit unserer (indo-)germanischen Tradition, mit der Lektüre religionsgeschichtlicher Fachliteratur und psychologischen Werken verschiedenste Anregungen, um die Göttergestalten mit unserem erworbenen, „modernen“ Wissen zu interpretieren. [Beispielsweise wird uns der Wandel der Gestalt Odin-Wotans vom Toten- und Sturmgott hin zum Wanderer und Dichtergott erst durch wichtigen Religionswissenschaftler und Germanisten wie De Vries, Golther, Dumeziel oder Neckel vor Augen geführt, was unsere Sicht auf die Götter genauso beeinflußt wie die Archetypenlehre von C.G. Jung.] Dabei ist es von absoluter Bedeutung, daß wir uns bei allen Betrachtungen und bei allen Versuchen der Weiterbildung (die ja nur das Fundament unserer Weltsicht sein kann) hinsichtlich der Geschichte unserer (indo-)germanischen Tradition auf verläßliche Quellen berufen können. Das soll heißen, daß eine archäologisch oder philologisch abgesicherte Quelle uns das nötige Wissen um unsere Vorzeit liefert, während eine eher spekulative Schrift uns nur zu inspirieren vermag. [Ohne die Leistung hinsichtlich der Verbreitung germanischer Ethik schmälern zu wollen, seien diesbezüglich vor allem jene Werke genannt, die den Bereich der reinen Esoterik und/oder persönlichen Deutung – mit dem Anspruch nach Unfehlbarkeit versehen – oftmals nicht verlassen. Beispiele sind zahlreiche Schriften von Marby, v. List, Tiede, Lanz v. Liebenfels, Aswynn oder Gorsleben.] Um etwaigen Mißverständnissen vorzubeugen: Diejenigen Geisteswissenschaftler, die durchaus bemüht sind, die Quellen des vorchristlichen Germanentums freizulegen und uns damit, wie gesagt, helfen, sind zumeist auch die, – das erwähnte ich  ebenfalls – deren Anliegen es ist, uns den Rekonstruktions-Vorwurf entgegenzuhalten. Zumindest die Geisteswissenschaftler moderner Prägung (die 68er-Generation läßt grüßen) sind alles andere als germanophil wenn es darum geht, den Wert des vorchristlich-germanischen Kulturschaffens und dessen Quellen für unser heutiges Volkstum zu erkennen. [Doch sollte dies allerdings nicht die tatsächliche wissenschaftliche Leistung dieser Leute, von der wir profitieren, in Frage stellen.] Erkannt haben dies die längst verstorbenen Forscher der älteren Generation, und damit sind wir an einem Aspekt angelangt, der uns hinsichtlich germanischer Kulturwerte immer wieder abgesprochen wird: der Kontinuität. Grob gesprochen ist die moderne Auffassung von Kontinuität innerhalb der zeitgenössischen Geisteswissenschaft folgende: Liegen zeitlich zwischen dem quellenmäßig abgesicherten Erscheinen eines Kulturmusters (in heidnischer Zeit beispielsweise) und dem selben, durch den Wandel der Zeit nur gering veränderten Muster nicht mindestens ein Dutzend schriftlich fixierte Aufzeichnungen über dieses Muster vor, so kann unmöglich von einer Kontinuität gesprochen werden. Das ist eine moderne Kontinuitätsauffassung. Das ist eine Zeitgeist-unterworfene, also ideologische Auffassung und somit eine Anschauung, die darauf zielt – der Zeitgeist will es so – uns von unseren Wurzeln komplett zu scheiden! Natürlich verändern alle Kulturwerte und –muster ihre Gestalt, doch lassen sich in beinahe jedem Fest, in jedem Sinnzeichen, in jedem Brauch und jeder volksreligiösen Handlung noch Reste germanischer Frömmigkeit erblicken, auch wenn sich die christliche Ascheschicht und die Kraft der Zeit über diese Muster gelegt und dieses modifiziert haben. [Ein Paradebeispiel ist das Osterfest. Die christliche Liturgie sieht allein die vermeintliche Auferstehung Christi und das jüdische Passah-Fest als die Grundlagen dieses Festes an, ohne zuzugeben, daß vorchristliche Fruchtbarkeits- und Frühjahrskulte den Ursprung für das hiesige feiern von Ostern bieten. Sicherlich sind an schriftlichen Aussagen über Fruchtbarkeitsgöttinnen nur die von Tacitus und Beda Venerabilis überliefert. Dennoch verweist allein schon die Etymologie (Wortherkunft) der von Beda für den angelsächsischen Raum erwähnten Ostara/Eostre auf ein Fest zu Ehren einer Fruchtbarkeitsgöttin hin, da die indogermanische Tradition verschiedene, etymologisch mit Ostara/Eostre verwandte Frühjahrs- und Fruchtbarkeitsgöttinnen kennt, wie z.B. Eos oder Astarte.] Wir sagen: Wie ein roter Faden ist germanisch-deutsches Wesen in das Groß unsere Feste, Sitten, Sagen und Bräuche eingewoben. Es gibt eine Kontinuität, auch wenn diese sich nicht an zig verschiedenen Schriftquellen festmacht, sondern sie sich erahnen, erfühlen, erschließen läßt. Diese Auffassung steht im übrigen nicht widersprüchlich zu der oben getroffenen Feststellung, daß wir auf wissenschaftlich fundierte Quellen zur Altgermanischen Religionsgeschichte zurückgreifen sollten, um selbige besser verstehen zu können und daß wir nicht allzu leichtgläubig irgendwelche Deutungen oder Vermutungen in uns aufnehmen sollten. Im Gegenteil: Je mehr Quellen zu unserer Kulturgeschichte, um so besser! Doch lassen wir uns nicht einreden, daß es keine Reste germanischer Kultur mehr gibt und jegliche Kultur sowieso aus dem mediterranen Raum oder dem Morgenland kommt. Wir sind nicht blind und erkennen den germanischen Fruchtbarkeitsbrauch im heutigen Questenfest, die Göttin Holda im Märchen von Frau Holle, die germanische, zur Wintersonnenwende gelebte Sonnenverehrung im sog. „Johannisfeuer“ oder die Gebo-Rune in der Sitte, das Besteck gekreuzt auf den Teller zu legen, wenn man Nachschlag erwartet. Wo germanisches Wesen in Kulturmustern vorhanden ist, erkennen wir es auch und verteidigen es gegen die Widrigkeiten dieser zersetzenden, weil „kosmopolitischen“, Zeit. Das ist unsere Kontinuität, das ist unser Traditionsbewußtsein!

Heide zu sein, bedeutet, Altes zu wahren und Neues zu schaffen; sein Wesen und seine Wurzeln zu (er)kennen und getreu diesen Grundlagen zu denken, fühlen und handeln. Es bedeutet, dem Geist dieser Zeit abzuschwören und die technischen Errungenschaften der Moderne kritisch zu prüfen, ohne jedoch diesen von vornherein abzusagen. Wir sind keine „Neuheiden“, weil wir als Menschen nie „Christen“ waren und darum nicht „neu“ vom Christen zum Heiden mutierten. Der germanische Mensch ist von Natur aus ein Heide, ein freier Mensch. Er wird erst durch fremde Lehren zum „Christen“ umfunktioniert. Wir sind auch deshalb schon keine „Neuheiden“ im historischen Sinne, weil es immer Heiden gegeben hat! Wo immer germanische Menschen sich ihre Frömmigkeit dem heiligen, dem Leben gegenüber bewahrt haben, wo immer germanische Menschen die Erde und den Kosmos erforschen wollten, wo immer germanische Menschen sich’s trauten, die tiefsten Geheimnissen des Lebens auf den Grund zu gehen, wo immer germanische Menschen für die Freiheit ihrer Sippe, ihres Volkes kämpften und starben, wo immer germanische Menschen hart arbeiteten und das Diesseits bejahten… überall da waren Heiden zu finden. Sie waren Ketzer gegenüber der christlichen, todesverehrenden Lehre vom „irdischen Jammertal“, von dem es nur Erlösung für den Schwachen und Sündigen durch den am Kreuze verendeten Vorderasiaten Jesus von Nazareth gibt. Wir können uns nur selbst erlösen und das durch den Beweis unserer Tat- und Schöpferkraft in diesem Leben unter Wahrung der heiligen Natur. Vom kleinsten Bauern bis zum größten Geiste haben das die meisten germanisch bestimmten Menschen Europas erkannt oder erfühlt und somit – ob bewußt oder unbewußt – das christliche Büßergewand abgeworfen und sich als das herausgestellt, was sie von Geburt an eigentlich waren: Heiden im besten Sinne! An uns liegt es nun, mit dem klaren Bewußtsein, ein von indogermanischer Tradition geprägter freier Mensch zu sein, dies auch in die Welt zu tragen und eine Festung germanischer Ethik darzustellen, die dem Ungeist der jetzigen Zeit trotzt und Inspiration für die uns umgebenden Menschen spendet.

Yggdrasil


veder_yggdrasil Der Weltenbaum der germanischen Mythologie ist eine der schönsten Schilderungen der verschiedenen Sphären der Existenz.Die Zweige der Esche breiten sich über die ganze Welt und reichen hinauf bis über den Himmel. Drei Wurzeln halten ihn aufrecht, eine reicht zu der Unterwelt der Asen an den Fluss Äsir, die andere zu den Hrimthursen, wo einstmals Ginnungagap war; die dritte steht über Niflheim. Unter dieser Wurzel ist Hwergelmir und Nidhögg nagt von unten an ihr.

Bei der anderen Wurzel, die sich zu den Hrimthursen erstreckt, ist Mimirs Brunnen, worin Weisheit und Verstand verborgen sind. Der Eigner des Brunnens heißt Mimir, und ist voller Weisheit, weil er jedem Tag aus dem Giallarhorn trinkt. Unter der dritten Wurzel der Esche, die zum unteren Himmel der Asen geht, ist ein Brunnen, der sehr heilig ist, Urds Brunnen genannt: der Götter Gerichtsstätte, wohin täglich die Asen über Bifröst reiten.

Es steht ein schönes Gebäude unter der Esche bei dem Brunnen: aus dem kommen die drei Mädchen, die Urd, Skuld und Werdani, Bestimmerinnen aller Menschen Lebenszeit, die Nornen. Täglich begießen sie mit dem Wasser aus dem Brunnen und es zugleich mit Dünger, der um den Brunnen liegt, die Zweige, damit sie nicht dörren oder faulen. Dieses Wasser ist so heilig, dass alles, was mit ihm in Berührung kommt, so weiß wird wie die Haut, die inwendig in der Eierschale liegt.

“Ein Adler sitzt in den Zweigen der Esche, der viele Dinge weiß, und zwischen seinen Augen sitzt ein Habicht, Wedfölnir genannt. Ein Eichhörnchen, das Ratarösk heißt, springt auf und nieder an der Esche und trägt Zankworte hin und her zwischen dem Adler und Nidhögg.

Eine Ziege, Heidrun, lebt im Geäst der Esche, ihre Milch ernährt Odins Krieger. Vier Hirsche laufen umher an den Zweigen der Esche, und beißen die Knospen ab. Sie heißen Dwain, Dwalin, Dunneir, Durathror. Und so viele Schlangen sind in Hwergelmir bei Nidhögg, dass es keine Zunge zählen mag.” (Edda, Gylfaginning)

Tau, der von Yggdrasil kommt, nennt man Honigtau: davon ernähren sich die Bienen.

Auch zwei Schwäne nähren sich von dem Urdbrunnen und von ihnen kommt das Vogelgeschlecht. Diese Schwäne als Symbol der Unschuld, werden oft mit der psychologischen Entsprechung des innersten menschlichen Selbst in Zusammenhang gebracht.

Neben all dem befinden sich auch viele Wohnungen und Hallen der Götter und Alfen im Himmel von Yggdrasil.

Doch nun zu den einzelnen Sphären und deren Deutung.

weltenbaum Asgardhr

Edred Thorsson beschreibt dies als Reich des Bewusstseins, welches selbst und aus sich selbst heraus komplex ist. Es ist die oberste Welt, hier wohnen die Asengötter, welche von den kurganischen Eroberer mitgebracht wurden, und aufgrund ihrer eigenen Überlegenheit an die Spitze der Hierarchie.
In Asgardh gibt es etliche Hallen in denen die verschiedenen Götter wohnen, auch die in der Schlacht gefallenen Helden reisen nach ihrem Tod hierher.
Der oberste Punkt nennt sich Hlidskjalf , dies ist der Thron Odins, von wo aus er die gesamten Welten zu überblicken vermag.
Asgardh ist der Wohnort des Fetsch/Fylgia (persönliche Schutzgottheit) und das Haus des Önd (-Lebensatem).

Ljossalfheimr

dies ist die Heimat der Lichtelfen, eine lichtdurchflutete Region und weil das Licht zur Erkenntnis führt, wird dieser Welt der nach Verständnis und Harmonie strebende Geist zugeordnet.
Elfen sind leuchtende Wesen, die sich gerne in lichten Hainen, an Quellen, in der Nähe von Blumen und Bäumen, auf Hügeln, Felsen und an Wasserfällen aufhalten. Ihr entsprechendes Pendant findet sich in fast jeder Religion, wie es zum Beispiel die indischen Devas sind, die griechischen Musen oder die christlichen Engel.
Im allgemeinen geht man davon aus, dass sie eine wohltuende Energie verbreiten, inspirieren und heilen mit einer herrlichen Musik und wunderschönen zarten Farben. Sie kümmern sich zwar wenig um die Angelegenheiten der Menschen, dennoch kann man davon ausgehen, dass ein Kontakt mit ihnen möglich ist.
Sie können dem nach höheren Ebenen Strebenden helfen und begleiten, doch wird auch davon berichtet, dass sie Kinder stehlen, und Menschen in ihr Reich locken, aus dem sie nicht mehr zurück finden können, ein Zustand, der sich im Diesseits als Wahnsinn äußert.

Midhgard

ist die eigentliche Heimat der Menschen. Es ist die Ebene der materiell manifestierten Dinge und Ereignisse. Im Menschen selbst ist es der Körper, aber auch das Allpotential des Selbst. Von hier aus beginnt der Suchende seine Reise in die Anderswelt, hier treffen alle Welten aufeinander. Umschlungen wird Midhgard von der Weltenschlange, die den Zyklus des Leben darstellt, welches sich regeneriert, in dem sich selbst verschlingt.
Um eine Reise in die anderen Welten zu unternehmen, muß man die Vorstellung aufgeben, dies sei die einzig erfahrbare Wirklichkeit. Da sich unsere Aufmerksamkeit naturgegebener maßen jedoch auf diese Realität bezieht, bedarf es der Fähigkeit, Kraft und Motivation, um hiervon loszulassen. Schmerzliche Erfahrungen verhelfen dazu, dass man “das Bewusstsein verliert”, psychedelische Drogen, diverse Ekstase – bzw. Trancetechniken, Rituale, Meditationen aber auch künstlerische oder wissenschaftliche Tätigkeiten.

Muspelsheim

das Reich des reinen Feuers, der Funken, der Elektrizität. Hier finden wir die Expansion, die Kraft reiner Energie, die sich ständig ausdehnt.
In der altnordischen Kosmologie entstand die Welt aus der dynamischen Wechselwirkung zwischen Feuer und Eis über und innerhalb eines leeren Abgrundes, des magischen geladenen Nichts, Ginnungagap. Hitze und Feuerfunken schmelzen die tödlichen Eisströme und der Urriese Ymir entsteht, aus dem Odin und seine beiden Brüder die Welt erschaffen.
Sowohl Muspelsheim als auch Niflheim sind keine Orte, die man auf schamanischen Reisen besuchen würde, es sind Reiche polarer Extreme, die Urquellen der Energie, die Grenzen der Struktur.
Muspelsheim liegt in südlicher Richtung, hier liegt auch auf dem Rad der westlichen Astrologie das Element Feuer.
Der Vergleich mit dem Medizinrad offenbart zwar wieder die Verschiebung der Elemente, was bedeutet das an dieser Stelle Wasser statt Feuer erscheint, dennoch kommt es wieder zur Übereinstimmung in der Richtungsmacht des Südens, dem die Hauptfunktion “Geben” zugeteilt wird.

Jötunheimr/ Totunheimr

Das Reich in dem die Riesen heimisch sind, von denen man annimmt, dass sie Personifizierungen mächtiger Naturgewalten sind. Diese sind für den Menschen so manches mal bedrohlich und gefährlich, aber generell ein Bestandteil des natürlichen Zyklus und damit lebenswichtig. Nur das sich eben diese gewaltigen Kräfte außerhalb der menschlichen Moral bewegen, sondern einfach ihren eigene Regeln und Gesetzen folgen. Mitunter liegt der Vergleich mit den griechischen Titanen nahe, die man zu den archaischen evolutionären Urkräften und Ereignissen zählt.
Es ist ein Ort der ständigen Bewegung, der elementaren Kräfte und Energien des Universums, das Reich, das allem, was ihm begegnet Opposition und Widerstand entgegensetzen will, die Kraft der Auflösung und Täuschung, reaktive Kraft der Zerstörung, die für die Evolution erforderlich ist. So beschreibt es Edred Thorsson.
Die Edda berichtet über keine Verbindungen zwischen Menschen und Riesen, wohingegen die Asengötter reichlich mit ihnen zu tun haben. Nicht nur das Thor ständig in den Kampf gegen sie zieht, Odin von einer Riesin den heiligen Met stiehlt und Freyr sich eine Riesentochter als Frau auserwählt, auch die Götterburg wurde von den Riesen errichtet, was den Schluss nahe legt, dass das Verhältnis zwischen Göttern und Riesen recht vielschichtig ist. Auch werden hier ( in der Edda) die Riesen keineswegs als unbewusste Kräfte dargestellt, immerhin ist es ein Riese der den Brunnen an den Wurzeln des Weltenbaumes bewacht, dessen Name , Mimir, “Erinnerung” bedeutet, und dem das Wissen über den Ursprung der Dinge zugeschrieben wird. Er wird zu einem der wichtigsten Lehrer und Führer Odins. Das Vafthrudnismal besteht aus einem Dialog zwischen Odin und dem Riesen Vafthrudnir in dem sie den Ursprung der Welt und ihre Zerstörung , sowie die Geschicke von Riesen und Göttern erörtern.
Aus Jötunheimr stammen auch die drei mächtigen Riesinnen, die bei den Asen auftauchen, und ihren heiteren Spiel, ihrer Sorglosigkeit ein Ende zu setzen und ihnen Schwierigkeiten machen, was bedeutet, dass sie die Macht und Möglichkeit besitzen, sich den hohen Göttern entgegenzustellen.
Aus einem Riesen erschufen die Asen einst die Welt und in den späteren Geschichten der Edda wird davon gesprochen, wie sich Riesen und Asen aussöhnen.
Dennoch werden sie einen entscheidenden Anteil an der Vernichtung der Welt und am Untergang der Götter haben.
Im Medizinrad ist die Hauptfunktion des Ostens die Macht der Bestimmung, aus der östlichen Richtung kommt die Lebenskraft/ Lebensgeist, die uns befähigt Entscheidungen zu treffen, Absichten zu verfolgen; die Kraft, die der Energie in eine bestimmte Richtung drängt.
Die Lebenskraft ist die Kundalinienergie des tantrischen Buddhismus.
Sie durchströmt die Nadis, die auch als Kanäle der inneren Winde bezeichnet werden und zirkuliert in den Chakras , die quasi Zentren dieser Energie sind. Diese Lebenskraft wird mit dem Element Luft in Verbindung gebracht. Luft wird als Vermittler und nach Ausgleich strebende Element zwischen oben und unten, Yin und Yang betrachtet.
Gleichermaßen gilt der Osten auch als Ort der Spiritualität, der Reinheit und des Neuanfangs.
Der wiedererwachte zurückkehrende Lebensgeist der Natur drückt sich auch in den drei Tierkreiszeichen und ihren beherrschenden Planeten aus. Die Energie wird im Widder zur Kraft des Körpers (Vitalität) gedrängt, im Stier zur Zeugungsfähigkeit und im Zwilling zum intellektuellen Vermögen. In gleicher Weise könnte man die Einflüsse der Planeten Mars, Erde und Merkur beschreiben.
Es sind zunächst einmal ziemlich ungezähmte, ursprüngliche und ungeformte Kräfte, die beim Aufeinandertreffen mit den ihnen gegenüberliegenden Zeichen gewissermaßen ihre Struktur und ihren Sinn erhalten.

Vanaheimr

Hier im westlichen Teil der horizontalen Ebene liegt die Welt der Wanen. Es ist das Reich der Grundmuster des Organischen und der Verschmelzung, ein Ort der in fruchtbarer und statischer Balance befindlichen Kräfte. Wasser ist das Element dieser Welt.

Die Wanen werden als die alten Erdgottheiten, des Friedens, der Harmonie und Reichtums betrachtet. Anthropologische Deutungen lassen die Schlussfolgerung zu, dass damit die Göttinnen und Götter der bereits in Alteuropa lebenden Völker gemeint sind.
In der Edda wird davon berichtet, wie die Asen auf die Wanen stoßen, aber nicht in ihr Reich vordringen können, weil sie ihnen Widerstand entgegensetzen. Nach längeren Auseinandersetzungen kommt es zu einem Friedensabkommen, für das beide Seiten mit Geiseln bürgen. Durch den Geiselaustausch, gelangten einzelne Wanengötter nach Asgardh, zum Beispiel Freya, ihr Bruder und Njördr.

Die Wanen sind wie die Asen für die Menschen zu wichtigen Göttern und Göttinnen geworden, sie galten als Bringer von Reichtum, Fruchtbarkeit, Frieden Harmonie und Freude. Vor allem die Bauern brachten den Wetter- und Naturgottheiten ihre Opfer, um reiche Ernten, Sonne und Regen zu erhalten. Von den Wanen besteht aber eine enge Verbindung zu den Landgeistern, Elfen und manchmal wurden sie auch mit diesen gleichgestellt.
Ebenso sind ihre Geschicke mit den Riesen verknüpft; Freyr herrscht über Alfheim, die Frau, die er heiratete, war die Riesentochter Gerdr, die auch “Erdgöttin” oder “Beschützerin des kultivierten Landes” genannt wurde.

Niflheimr

In Urzeiten das Reich des reinen Eises, des Nebels und der tiefsten Finsternis. Seine vorherrschenden Bedingungen erinnern an die saturnalen Kräfte aus der Astrologie: starke Konzentration, Begrenzung, Kontraktion, Magnetismus und dadurch Strukturgebung. Aus Niflheimr fließt Isa das Welteneis, welches sich mit den Funken aus Muspelsheim, in der Entstehung von Ymir und Audumla vereint.

Später wurde Niflheimr in das Totenreich von Hel verlegt.

yggdrasil Svartalfheimr

sozusagen der dunkle Gegenpart zum Lichtelfenheim. Hier leben die Schwarzelfen, die Zwerge. Der deutsche und englische Name Zwerg/dwarf ist in seinem Ursprung noch ungeklärt, es besteht die Möglichkeit es mit dem Sanskritwort dhvaras in Verbindung zu bringen. Dies würde diese Welt zum Reich der Dämonen machen, was aber nur zum Teil zur Beschreibung der hier lebenden Wesen passt, die auch hamr genannt werden, und eine plastische formverleihende Substanz bezeichnet, die jedes Individuum umgibt und physische Macht aufbaut. Es ist im Weltenbaum gesehen eine unterirdische dunkle Welt., in der die Gestalt geformt, “geschmiedet” wird.

Die Märchen und Sagen von Zwergen stellen diese durchweg als geschickte Handwerker dar, viele von ihnen betreiben vor allem Bergbau, Schmiedekunst und Glasbläserei, zahlreiche magische Gegenstände stammen von hier, wie z. Bsp. Thors Hammer. Sie mischen sich selten in das Leben der Menschen ein, da es dennoch eine Vielzahl von Berichten gibt, die von den Begegnungen erzählen, ist der Kontakt zu ihnen möglich, soweit wir uns von unseren Vorurteilen lösen können, und imstande sind, die Bedingungen der dortigen Welt zu ertragen.

Es gibt sehr viel ungewöhnliches Wissen und Weisheit, selbst die Zwerge in den Märchen stellen zwar bodenständige, aber keineswegs dumme Wesen dar. Sie verfügen über Scharfsicht und Schläue, in der älteren Edda gibt es einen Abschnitt, indem sich Thor mit dem Zwerg Alviss im Frage und Antwort-Wettstreit misst. Er verliert diesen Wettstreit zwar, aber nicht weil er aus Unwissenheit passen muß, sondern vom Licht der aufgehenden Sonne berührt wird und daraufhin zu Stein erstarrt. (Was für ein herrliches Bild!)

Hel

In den tiefsten Regionen des Weltenbaums ist das Totenreich von Hel angesiedelt. Einst war dies einfach der Ort, wo alle, die nicht im Kampf gestorben sind, nach ihrem Tod hinkommen..

In der späteren Prosa Edda schildert Snorri das Gehege der Hel als riesengroß, außerordentlich hoch und von Gittern umgeben. Ihr Saal heißt Elend, Hunger ihre Schüssel, Gier ihr Messer, Träg ihr Knecht, Langsam ihre Magd, Einsturz ihre Schwelle, ihr Bett Kümmernis und ihr Vorhang dräuendes Unheil. Hel selbst ist halb schwarz und halb menschenfarbig, grimmig und furchtbar vom Aussehen.

Hier finden sich nicht nur die Einflüsse des christlichen Glaubens an die Hölle wieder, deutlich ist in Hel jene dunkle Seite der dreifachen großen Göttin wiederzuerkennen, die als Herrscherin über das Leben eben auch dessen Ende bestimmt. (siehe Kali…) So fließt aus eben jenen dunklen Gefilden, genauer aus dem Brunnen Hwergelmir (da Niflheimr nach Hel verlagert wurde) auch der Strom allen Lebens

Gesetz zur Reinheit des Blutes

Gib es so weiter wie Du es erhalten hast – rot und rein.

deutsches blut Bereits unter dem Westgotenkönig Sisebut versuchten die Spanier, sich vor jüdischen Wucherern zu schützen. Sie waren der Annahme, wenn die Juden zum christlichen Glauben überträten, würden sie auch ihre Wucher-Leidenschaft ablegen. So erzwang König Sisebut nach dem 3. Konzil von Toledo 613 zum ersten Mal die Zwangstaufe von Juden. Unter seinen Nachfolgern wurden die Übertritte der Juden zum katholischen Glauben noch forciert. Diese Juden nannte man damals „Neu-Christen“, (Cristianos nuevos) oder „Übergetretene“ (Conversos) oder auch „Marranos“. Das Gleiche spielte sich in Portugal ab.

Die naive Annahme, dass mit dem Übertritt der Juden zum katholischen Glauben sich auch deren Wertvorstellungen, vor allem ihre Sichtweisen gegenüber den Nichtjuden, ändern würden, fiel rasch ernüchternder Enttäuschung anheim. Mit der Landnahme der Araber auf der iberischen Halbinsel verbündeten sich die Juden sofort mit den Eindringlingen gegen ihre alten „Nachbarn“. Selbst die jüdische Netzpublikation kehillatisrael.net räumt in ihrer Darstellung über die Geschichte der spanischen Juden ein, dass „die Juden die moslemische Invasion begrüßten“. Mehr noch, diese jüdische Netz-Publikation bezieht sich auf dokumentarische Überlieferungen, insbesondere auf die „Aufzeichnungen des Lucas von Tuy“ [1], wonach die Juden die Städte ihres spanischen Wirtsvolkes an die Moslems verrieten und auslieferten.

So staute sich immer mehr Hass unter den Spaniern gegen die Conversos (Neuchristen) auf. Man nannte sie Kryptojuden und warf ihnen vor, weiterhin jüdische Riten zu praktizieren. Marrano in der Bedeutung von Schwein wurde als Schimpfwort zunehmend verwendet. Ein anderes Schimpfwort war tornadizos (Wendehälse), das die Bevölkerung gegenüber den Juden benutzte. Carl Gebhardt definierte 1922 den damals von den Spaniern im Zusammenhang mit Juden gebrauchten Begriff „Marrane“ als „ein Katholik ohne Glauben und ein Jude ohne Wissen, doch Jude im Willen“. [2] Einige Forscher beschränken den Begriff Marrane auf Conversos, die im Geheimen judaizierten und die Absicht hegten, zum Judentum zurückzukehren. „Die Spanier vertrauten den Juden in Geschäftsdingen nicht mehr, seit sie in Erfahrung brachten, dass die Juden gemäß dem Kol-Nidre-Gebet schon im voraus von ihren Rabbinern Absolution erhalten für alle beabsichtigten Sünden gegenüber Nichtjuden,“ bestätigt sogar die jüdische Netzpublikation kehillatisrael.net.

Dass es sich bei den Juden um einen Blutsbund handelt, der ein eigenes Weltprogramm nach dem Jüdischen Gesetz betreibt, verneinten noch nicht einmal die höchsten jüdischen Rabbiner aus jener Zeit. Im 14. und 15. Jahrhundert verwendeten die Rabbiner für die zum Katholizismus übergetretenen Juden das hebräische Wort Anusim, also unfreiwillig Konvertierte, aber dem jüdischen Blutsbund ewig zugehörig. Hierzu folgendes Beispiel: „Hinsichtlich der Abstammung sind alle Israeliten Brüder. Wir sind alle Söhne eines Vaters, der Rebellen (reshaim) und Verbrecher und von Häretikern (meshumadim) von Gezwungenen (anusim) und von Proselyten (gerim) die zum Haus Jakob gebracht werden. All diese sind Israeliten. Selbst wenn sie Gott verließen oder ihn verleugneten oder sein Gebot verletzten, liegt das Joch des Gesetzes noch auf ihren Schultern und wird nie von ihnen entfernt werden.“ [3] Das Jüdische Gesetz, das zionistische Weltprogramm, genießt weltweit Schutz durch den Religionsstatus.

Es war gerade das jüdische Gesetz des „reinen Blutes“, das übrigens noch heute unverändert Gültigkeit besitzt [4], das die nichtjüdischen Völker zum Aufwachen im Zusammenhang mit dem Begriff Rasse brachte. Die Nichtjuden erkannten am Beispiel des jüdischen Rassegesetzes, das eine Blutsvermischung mit Nichtjuden untersagt, dass die Rasse für die Eigenschaften und das Denken eines Volkes verantwortlich sei. Diese Erkenntnis führte bei den Nichtjuden in Spanien zu dem Schluss, dass ein Volk von seiner Abstammung geprägt würde und nicht von einer Ideologie (Religion). Die früheste bislang bekannte Feststellung des natürlichen Unterschieds der Rassen in der spanischen Literatur erfolgte 1438 durch den Priester Alfonso Martínez de Toledo: „Dies beabsichtigt die Natur, so wirst Du dieses in jenen Orten, in denen Du leben wirst, Tag für Tag beobachten können, so dass der Gute einer guten Rasse [rraça] von seiner Herkunft angezogen wird und der Benachteiligte, einer gemeinen Rasse [rraça] und Herkunft angehörig, unabhängig wer er ist und wie reich er sein mag, sich niemals von einer anderen Herkunft angezogen fühlen wird, als woher er ursprünglich stammt.“ [5]

Aus der Erkenntnis heraus, dass das förmliche Bekenntnis der Juden, Christen zu sein und deshalb ihren blutsgebundenen Charakter nicht ändern würde, erließ bereits 1256 Alfons X., genannt der Weise (El Sabio), König von Kastilien und León, die „Siete Partidas“, eine unter wahrscheinlich zwischen 1256 und 1265 begonnene Rechtssammlung. Sie erfuhren noch während Alfons‘ Regierungszeit und unter seinen Nachfolgern mehrere Überarbeitungen. Alfons XI. erkannte sie 1348 in einer modifizierten Form im „Libro del fuero de las leyes“ als subsidiäres Recht an. Das letzte Kapitel der Rechtssammlung befasst sich mit Rechtsbestimmungen in Bezug auf die Juden und die Muslime im Reich. Der folgende Rechtstext verbietet den Geschlechtsverkehr zwischen Christen und Juden. Der Gesetzestext im Umgang mit Moslems unterscheidet sich leicht vom Judentext. Das Gesetz setzte das jeweilige Strafmaß bei Zuwiderhandlungen fest. Der folgende Gesetzestext regelte die Strafe im Umgang mit Juden: „Welche Strafe ein Jude verdient, der bei einer Christin liegt. Juden, die bei Christinnen liegen, machen sich der größten Frechheit und Anmaßung schuldig. Daher befehlen wir, dass von nun an alle Juden, von denen bewiesen ist, dass sie dieses Vergehen begangen haben, deswegen sterben sollen. Da Christen, die mit verheirateten Frauen Ehebruch begehen, die Todesstrafe verdienen, um wieviel mehr verdienen es die Juden, die bei Christinnen liegen, die spirituell – aufgrund des Glaubens und der in seinem Namen empfangenen Taufe – die Ehefrauen unseres Herrn Jesu Christi sind.“

Die „Siete Partidas“ zeigten jedoch wenig Wirkung in den Augen der nichtjüdischen Bevölkerung Spaniens. Weiterhin fungierten Juden als Steuereintreiber der schlimmsten Art. Die Könige traten den Juden die erwarteten Steuereinnahmen gegen eine Vorauszahlung in Höhe von etwa 20 bis 30 Prozent der Steuersummen ab. Den jüdischen Steuereintreibern wurde im Gegenzug das Recht übertragen, die Steuern von den Bauern und Handwerkern zu 100 Prozent eintreiben zu dürfen. Es wurde ihnen auch gestattet, unglaublich hohe Wucherzinsen zu verlangen, sofern ein Steuerschuldner auch nur einen Tag später bezahlte. Bei Verspätung der Steuerzahlung waren die jüdischen Steuereintreiber zudem berechtigt, das gesamte Vermögen zu beschlagnahmen, fortan als eigenen Besitz zu deklarieren und die Eigentümer von Haus und Hof zu vertreiben bzw. sie als Sklaven zu verkaufen.

Selbst die jüdische Netzpublikation kehillatisrael.net räumt ein, dass die Spanier den formalen Übertritt der Juden zum Christentum nur als List ansahen, um die Nichtjuden weiterhin als Steuereintreiber ausrauben zu können. Auf kehillatisrael.net heißt es dazu: „Die meisten Spanier glaubten, dass die Übertritte zum katholischen Glauben nur eine List der Juden war, ihre einflussreichen Stellungen wie die Steuereintreibung zu sichern, aber kaum etwas mit wirklichem Christentum zu tun hatten.“

Als die Wucherer immer dreister als Steuereintreiber vorgingen und die spanische Bevölkerung dadurch immer mehr verarmte, kam es 1449 in Toledo zur Rebellion gegen König Johann II. von Kastilien (Juan II de Castile) wegen dessen offen zur Schau gestellten Einsetzung der Conversos als Steuereintreiber. Am 5. Juni 1449 proklamierte deshalb der Statthalter Pedro Sarmiento von Toledo im Rathaus ein neues Gesetz, das „Gesetz zur Reinheit des Blutes“, (estatutos de limpieza de sangre), das konvertierten Juden und Juden sowie Moslems untersagte, Beschäftigungen in öffentlichen Einrichtungen nachzugehen. Im Gesetz hieß es: „Deshalb sahen wir uns gezwungen, gesetzlich festzulegen, dass alle Konvertiten aus perverser jüdischer Abkunft, was immer sie derzeit auch tun, in welcher Situation sie sich auch befinden, nicht die wertigen Voraussetzungen erfüllen, öffentliche Ämter in der Stadt Toledo und im Herrschaftsgebiet zu bekleiden. Es kann nicht angehen, dass diese Leute über Christen bestimmen und somit Schaden und Schmerz anrichten. Diese Personen sind auch nicht geeignet, als Notare zu arbeiten und vor Gericht Zeugnis abzulegen. …“

„Es wurde im Zuge der Rebellion Korrespondenz zwischen dem Führer der Juden in Toledo (Chamorro) und Yusuf, dem Führer der Juden in Konstantinopel, gefunden, aus der hervorgeht, dass sich beide zum dem Projekt zur Zerstörung des Christentums verabreden,“ berichtet die Jewishvirtiallibrary.org und fügt an, dass diese Briefe Fälschungen gewesen seien. Die Behauptung, diese Briefe seien gefälscht worden, wurde von Historikern jedoch nicht bestätigt.

Entscheidend für den Erlass des Gesetzes von Toledo war der so empfundene, genetisch geprägte, vom Blut bestimmte Charakter der Juden. Die „Estatutos de limpieza de sangre“ (Statuten von der «Reinheit des Blutes») von 1449 gelten auch als Vorläufer der Nürnberger Rassengesetze. Sie existierten an verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Versionen bis ins 19. Jahrhundert. In Israel finden die Nürnberger Rassengesetze noch heute als Teil des Grundgesetzes Anwendung („Das israelische ‚Gesetz zur Rückkehr nach Israel‘ basiert tatsächlich auf den Nürnberger Rassegesetzen Adolf Hitlers, die klar darlegten, wer Jude ist.“ (haaretz.com, Israel, 24.05.2003).

Dass die Eigenart eines Volkes und der Charakter eines Menschen maßgeblich vom Blut (DNA) bestimmt ist, wird gerade vom Judentum immer wieder betont und sogar mit wissenschaftlichen Methoden nachgewiesen: „Das jüdische Volk hat als einziges in der Menschheitsgeschichte seine genetische Identität über 100 Generationen hinweg bewahrt. Und das, obwohl die Juden über alle Welt verstreut waren. Das ist einzigartig und genial“ [6] Die jüdische Genforschung hat somit den ehemaligen Reichskanzler der Deutschen und seine Rassengesetze erneut und vollinhaltlich bestätigt: „Die Genanalyse ergab, dass Aschkenasen, Sepharden und Mizrachim tatsächlich so viele gemeinsame genetische Merkmale aufweisen, dass man sie als eigenständige Gruppe von der übrigen Weltbevölkerung unterscheiden kann.“ [7] Und die internationalen Meldungen dazu lauteten: „Juden weltweit haben ein gemeinsames Abstammungs-Gen. Juden sind wirklich ein Stamm. Das auserwählte Volk hat mehr als 5000 Jahre Geschichte und Kultur gemeinsam. Die Juden unterscheiden sich von anderen Völkern durch ihre genetische Struktur. Seit Jahrtausenden werden sie durch ihr Blut zusammengehalten. Das bestätigt eine neue Studie.“ [8] Demnach unterscheiden sich die Juden von den Nichtjuden genetisch fundamental, wie auch die jüdischen Rassenforscher E. Kobyliansky und G. A. Livshits bestätigen und offiziell lehren (z.B. im Cambridge). Die Wissenschaftler kommen unter anderem zu dem Ergebnis, „dass sich russische Juden von Russen sechs Mal mehr unterscheiden als sich zum Beispiel Russen von Deutschen unterscheiden.“ Sie fanden auch heraus, dass sich „die Juden in Russland ganz und gar von 24 anderen Volksgruppen in Russland unterscheiden.“ [9]

Das 1449 in Toledo erlassene Gesetz von der „Reinheit des Blutes“ war also inhaltlich auf der Höhe des heutigen Wissenschaftsstandes, vergleicht man es mit der modernen jüdischen Genforschung.

Auch die Kirche in Spanien erkannte den genetischen Anteil im Verhalten der Völker und setzte sich gegen den Vatikan zur Wehr, der die Juden als „Neuchristen“ anerkannte. Die spanische Kirche vermeldete damals, dass „… ein Kirchenstatut von unserem Erzbischof von Toledo vorgeschlagen wurde, welches forderte, dass seit jenem Tage alle Kirchenpfründe jener Heiligen Kirche sowie Würdenträger wie etwa Domherren, Kostverteiler, Kapläne und Kleriker Altchristen sein müssen, also ohne Rasse eines Juden, Mauren oder Häretikers …“ [10]

Als es Isabella II. (Königin von Kastilien und Leon) mit ihrem Ehemann Ferdinand II. von Aragon 1492 endgültig gelang, unter der Militärführung der Edelleute Rodrigo Ponce de Leon und Diego e Merlo, Spanien von den Mauren zurückzuerobern, musste der Emir von Granada die Schlüssel des symbolträchtigen Alhambra Palastes als letzte aufgegebene maurische Bastion den spanischen Rückeroberern übergeben.

1492 ging die Vertreibung der Araber aus Andalusien aber auch einher mit der Vertreibung der Juden aus Spanien. Grundlage zur Vertreibung der Juden war wiederum das „Gesetz zur Reinheit des Blutes“, denn die spanische Führung glaubte nicht daran, dass sich die genetisch geprägte Abstammung durch ein förmliches Religionsbekenntnis ändern lassen würde. Diese Sicht der spanischen Führung wurde noch genährt durch Meldungen von Ritualmorden. Über die Grenzen Spaniens hinaus wurde der Fall „des heiligen Kindes von La Guardia“ bekannt. Sechs Neuchristen und zwei Juden aus La Guardia, Tembleque und Zamora wurden am 17. Dezember 1490 vor Gericht gestellt. Ihnen wurde vorgeworfen, ein fünfjähriges spanisches Bübchen nach dem Blut-Ritus geopfert zu haben. Die Anklage attestierte, die Täter hätten das Herz des Jungen an einem Karfreitag herausgeschnitten. Die Angeklagten wurden in diesem Zusammenhang auch beschuldigt, das Gastprivileg entweiht zu haben. Das verstümmelte Kind wurde in einem Sack bei dem Angeklagten Benito García gefunden. Der Prozess endete am 14. November 1491. Die Verurteilten wurden am selben Tag in der Stadt Ávila auf dem Scheiterhaufen hingerichtet.

Noch heute gedenkt die Bevölkerung und die Kirche der Stadt La Guardia jedes Jahr diesem „Ritualmord“. Milagros Redajo, eine Teilnehmerin am Gedenkgottesdienst 2006 sagte Reportern gegenüber: „Es waren die Juden. Sie haben das Kind entführt und hier nach La Guardia gebracht. Sie haben das Kind geopfert. … Sie schnitten dem Jungen das Herz aus der Brust. Sie führten das Ritual unter einer gestohlenen Hostie aus.“ [11]

Heute gelten diese Beschuldigungen als Aberglaube und als Beweis einer unbegründeten Abneigung gegenüber Juden. Doch der jüdische Historiker Ariel Toaff, Lehrstuhlinhaber an der Bar-Ilan-Universität in Ramat Gan (Tel Aviv), Israel, veröffentlichte 2007 sein berühmt gewordenes Buch „Pasque di Sangue“ („Pessachfest des Blutes“) in dem er die Ritualmorde historisch belegt. Sein Fachgebiet ist die Geschichte der orientalischen Juden. Toaff ist der Sohn des emeritierten Oberrabbiners von Rom, Elio Toaff. im Verlag Il Mulino kam „Pessachfest des Blutes“ heraus, in dem der Historiker mit knallharten Beweisen Ritualmorde, insbesondere den Ritualmord an Simon von Trient im 15. Jahrhundert nachweist.

Vor diesem Hintergrund wurde in Spanien das „Gesetz zur Reinheit des Blutes“ geschaffen, weil ein Religionsbekenntnis allein Menschen und Völkergruppen in ihrer Art und in ihrem Verhalten nicht ändern würde. „Die Statuten dieses Gesetzes wurden geschaffen, um eine Voraussetzung zu definieren, dass Staatsdienste und hohe Ämter nur von Altchristen, also von Menschen nichtjüdischen Blutes, bekleidet werden durften. Neuchristen (Juden) wurden somit aus der christlichen Gesellschaft ausgeschlossen. Nicht der Glaube entschied, sondern die Blutsabstammung.“ [12] Conversos galten nicht als wahre Christen, „weil sie weiterhin ihre jüdischen Rituale im Geheimen praktizierten. Die Neuchristen hätten die Altchristen ausgenutzt. Die Conversos galten als perfides Volk, weil ihre Vorfahren schon perfide Juden gewesen seien.“ [13]

Quellen:
1) Lucas de Tuy (or el Tudense) war Priester, Intellektueller und anerkannter Historiker. Er war von 1239 bis zu seinem Tod 1249 Bischof von Tuy. 1236 begann er auf Wunsch von Königin Berenguela historische Aufzeichnungen (Chronicon mundi, eine vierteilige Chronik der Weltgeschichte) zu verfassen.
2) Carl Gebhardt: Die Schriften des Uriel da Costa, (Bibliotheca Spinozana, 1, Band II), Amsterdam 1922, S. xix
3) R. Saadia ibn Danan, Rabbiner und Talmudist aus Granada, gest. 1493 in Oran, Response in Khemdah Genuzah, 15b
4) „Das israelische Parlament entschied, dass Ehen zwischen Juden und Nichtjuden nicht erlaubt sind. … Kinder aus einer Mischehe werden als Bastarde bezeichnet.“ (JPost.com, 27.07.2011)
5) Zitiert nach Hering Torres, Max Sebastián: Rassismus in der Vormoderne. Die „Reinheit des Blutes“ im Spanien der Frühen Neuzeit. Campus Verlag, Frankfurt/Main 2006, S. 219.
6) Rabbi Yaakov Kleiman, aish.com, 01.07.2000
7) Süddeutsche Zeitung, 04.06.2010, S. 16
8) New York Post, 04.06.2010)
9) Kobyliansky, E. & Livshits, G. A. (1985). Morphological Approach To The Problem Of The Biological Similarity Of Jewish And Non-Jewish Populations. Annals Of Human Biology. 12:203-212.
10) Zitiert nach Hering Torres, Max Sebastián: Rassismus in der Vormoderne. Die „Reinheit des Blutes“ im Spanien der Frühen Neuzeit. Campus Verlag, Frankfurt/Main 2006, S. 221.
11) Jewish Telegraph Agency, 10.10.2006
12) Albert A. Sicroff, Los estatutos de limpieza de sangre: Controversias entre los siglos XV y XVII, Madrid, 1985.
13) Eloy Benito Ruano, Los orígenes del problema converso: Edición revisada y anunciada, Madrid, 2001, pp. 83-92.

Ostern, das germanische Frühlingsfest

Noch sind unsere alten Sitten nicht ganz vergessen. Wir wollen mit diesem Beitrag daran erinnern und auch daran, daß man vieles wieder beleben kann.
Ein Jahr – Schnee und Kindstaufe, Nanentage und Ostereier, Laternenfest und Kräuterzauber, längst Vergessenes und immer Gefeiertes, und wenn man in alten Büchem und Kalendarien zu kramen und zu lesen beginnt, zeigen sich die zwölf Monate so bunt und vielgestaltig, so schön geordnet in ,,saure Wochenfrohe Feste”, so gerecht in der Achtung der Frauenarbeit, in den speziell den Kindem gewidmeten Festen, in der selbstverständlichen Einbeziehung der Alten, daß es sofort zum Nachahmen, zum Wiederentdecken verlockt. Gewiß, das Getreide wird nicht mehr von vielen Händen geschnitten, gebunden und gedroschen. Wer bricht noch Flachs, spinnt, spleißt und webt? Doch gerade der Mensch, der in den Städten und Stadtlandschaften die direkte Beziehung zur Natur und zum Jahreskreis verloren hat, braucht die Freude und die Selbstbestätigung, die in der alten Ordnung verborgen sind. Ob wir unser Brot selber backen oder verpackt und geschnitten kaufen: Nichts nimmt uns das Bedürfnis, des Tages Einerlei und Leere zu unterbrechen, Pausen und Höhepunkte zu markieren, mit Freunden und der Familie feierliche Anlässe festlich zu begehen. Geblieben ist die kreatürliche Wonne am Frühling, am steigenden Licht, an der ersten Schwalbe, am Selbstgeernteten, und sei es die Petersilie auf dem Ballcon. Geblieben ist der Wunsch, die eigene Entwicklung sinnlich zu erfahren, die Sehnsucht nach Bildern, an denen unsere Erinnerung haften bleibt. Die Sitten wandeln sich mit uns: Wo es gestern noch das Backen von Gebildbroten zur Osterzeit gab, ist es heute verschwunden, und morgen haben vielleicht unsere Kinder entdeckt, wie schön es ist, mit den eigenen Kindem zusammen diese (alten) Formen aus Brotteig zu legen. Noch sind unsere alten Sitten nicht ganz vergessen. Wir wollen mit diesem Beitrag daran erinnern und auch daran, daß man vieles wieder beleben kann.
So begehen wir in diesen Tagen wieder das Osterfest. Mit Weihnachten zusammen ist dieses Fest das älteste in Namen und Brauchtum, was wir heute noch feiern. Es stammt noch aus vorgeschichtlicher Zeit, wurde aber vom Christentum übernommen und umgedeutet, obgleich die alten Symbole und Vorstellungen von dem allmählichen Erwachen des Frühlings immer noch durchschimmern, ja den eigentlichen Bestbrauch bestimmen.

Der Name Ostern deutet an, daß zu dieser Festzeit die Sonne genau im Osten aufgeht (im Winter ja im Süd- osten, im Sommer im Nordosten) und stammt wohl nicht unmittelbar von einer etwaigen germanischen Frühlingsgöttin Ostara her. Das Alter dieses Festes ist auch erkennbar an seiner Beweglichkeit. Der heidnische Mensch orientierte sich hauptsächlich nach dem viel leichter zu beobachtenden Mond. So ist auch der Ostersonntag der erste Sonntag nach dem Vollmond, der der Frühlings-Tagundnachtgleiche am 21. März folgt.
Ostern ist eine Festzeit, die viele Tage währt. Wir rechnen sie heute gewöhnlich vom Grünen Donnerstag bis zum Ostermontag, wo das Fest den Höhepunkt erreicht. Wenn uns die Zeit wirklich etwas bedeuten soll, müssen wir uns ihrer im Kreise der Familie eifrig widmen. Es gibt viele Vorbereitungen für dieses große Frühlingsfest. Sie sollen die ganze Osterwoche ausfüllen.

FrühlingsanfangAm 20. und 21. März ist Frühlings- Tagundnachtgleiche, die Sonne tritt in das Sternbild des Widders, mit dem der Frühling beginnt. Die ersten Frühlingsblumen an diesem Tage zu pflücken, galt im Rahmen der Frühlingsfeiern als besonders glück- und segenbringend. So ist es eine Sitte aus dem alten Westfalen, wo die Mädchen hinausziehen, Kränze aus weißen und roten Blumen winden, die. ineinander hängend – das Ewigkeitszeichen bildend – in der Stube oder im Stall an einem besonderen Ehrenplatz angebracht werden, bis man sie im kommenden Jahr durch einen frischen Kranz ersetzt.

Auch werden an diesem Tag die Zweige für den Osterstrauß geschnitten, an die am Gründonnerstag die ausgepusteten, bunt bemalten und reich verzierten Eier gehängt werden.

Grüner Sonntag – auch Palmsonntag genannt

Die Bräuche des heutigen Tages spiegeln noch sehr eindeutig die alten Symbole wider, die von der Kirche übernommen und verändert wurden, weil sie den alten Glauben nicht auszurotten vermochte. Wer einmal in Süddeutsch- land die Jungen mit ihren bis zu 10 Meter hohen ,,Palmbuschen” aus Weidenkätzchen, Buchsbaum, Haselnuß, Wacholder, Seidelbast, Efeu u.a. mit Bändern, roten Äpfeln, Brezeln und manchmal auch bunten Eiern geschmückt, gesehen hat, ist sich klar, daß diese ,,Buschen” eine Art Lebensbaum darstellen sollen. Ein weiteres Anzeichen für einen alten Brauch ist es auch, daß diese Sinnbilder des Lebensbaumes, der ja als G1ück- und Kraftspender galt, auch heute noch vorm Haus oder im Garten aufgestellt werden, da sie vor Feuer und Blitz, auch vor Krankheiten schützen sollen. Oft werden sie zum Friedhof gebracht und auf die Gräber gesteckt, andererorts trägt man sie feierlich zum Acker und bohrt sie als Segenssymbol in die Erde.

Gründonnerstag

An diesem Tage enthält der Speisezettel viel Grünes. Das geht vermutlich auf den heidnischen Brauch zurück. zu Ehren von Thor, dem Donnergott, Nesseln mit grünem Kohl zu essen. Am häufigsten ist heute der Spinat mit Spiegelei anzutreffen, aber auch die Kräutersuppe aus sieben-, neun- oder zwölferlei Frühlingskräutern ist alte Tradition. Dabei verwendet man Lauch, Salat, Spinat, Petersilie, Schnittlauch, Sauerampfer und Löwenzahn, aber auch Brennessel, Brun- nenkresse und Sauerklee.

Aber nicht nur auf dem Herd mühte man sich um das Grün. In besonders unwirtlichen, kälteren Gegenden ist es Brauch, daß Kresse oder junges Getreide in der Stube gezogen wird, damit Ostern immer etwas Grünes da ist. Besonders hübsch ist es dann, wenn am Ostersonntag die bunten Eier in diese Nester gelegt werden. Am Gründonnerstag werden auch erst die ausgebla- senen, bunten und reich verzierten Eier in die am Frühlingsanfang geschnittenen Zweige gehängt. Auch kann man kleine Holzhäschen und -küken mit hineinhängen. Wie das Ei, so verkörpert auch der Hase das Symbol des Lebens und der Fruchtbarkeit. So sagt man ja auch ,,…die vermehren sich wie die Kar-nickell” Wer einen Garten hat, schmückt auch einen Strauch vor dem Haus oder neben dem Gartentor.

Ein sehr schöner Brauch ist heute noch in den Alpen lebendig. Ein junger Mann ,,bestellt” sich an diesem Tag sein Ostergeschenk (Ei), das er am Ostermontag von seinem Mädchen abholt. Wenn das Mädchen ihn liebt und erhören will, so bereitet es drei Eier vor, färbt sie rot und beschreibt sie mit Liebesversen: ,,Das Ei ist rot, ich liebe dich bis in den Tod” oder ,,Wenn auch das Ei zerbricht, doch unsere Liebe nicht”.

Osterfreitag

Für diesen Tag sind uns wenig heidnische Bräuche bekannt. Ausgefüllt ist der Abend allerdings mit dem Backen von Ostergebäck, den sogenannten Gebildbroten. Wie zu Weihnachten steht auch beim österli- chen Festgebäck das Sinnbild der Sonne im Mittelpunkt. Das älteste bekannte Gebildbrot zur Osterzeit ist der Osterfladen. Die große safrangelbe Scheibe, die mit feingestichelten, meist strahlenähnlichen Mustem verziert wird, soll das Abbild der frühlingshaft erstarkten Sonne sein. Dazu gibt es vierlorts die hufeisenförmigen Kipfel, die im Zusammenhang mit den Fladen eine Verbindung zu Sonne und Mond nahelegen. Dazu die umgekehrte Brezel und Teigbau- gen als österliches Gebildbrot sollen die Wiederkehr des Frühlings ankünden.
Nicht vergessen werden darf als Festgebäck die Henne mit den Küchlein, das in Südtirol als österliches Patengeschenk für das Mädchen genommen wird und Gliick und Segen bringen soll.

Ostersonnabend

Als weiterer Schmuck der Wohnung und altes Sinnbild wird an diesem ersten der drei Osterfeiertage der dreispeichige Leiterbaum gefertigt. Er gilt heute als Sinnbild für die wachsende Familie – Vater, Mutter und Kipd – und wird zu Ostern als Osterbaum mit Buchsbaumzweigen umwunden und mit 12 bunten Eiem – jedes Ei steht für einen Monat -, der Hagal- rune und dem Sonnenrad geschmückt. Die Hagalrune, auch sechsspeichiges Sonnenrad genannt, soll für das Erwachen des Frühlings stehen. Das Sonnenrad, Zei- chen der wiederkehrenden Sonne, gibt Mensch und Tier neue Kraft und verleiht der Erde Fruchtbarkeit.
Im Laufe des Tages werden die gekochten Eier für das Ostersonntagsfrühstück gefärbt. Zwiebelschalen, in Wasser aufgekocht, und Tee machen Eier braun, Efeu- und Brennesselblätter grün, Safran und Kümmel gelb, Roterübensaft ergibt rote Eier. Alle Eier glänzen, wenn man sie mit Speckschwarten abreibt. Gekochte Eier also einfach in den warmen Sud geben, bis die Farbe stark genug ist, wobei Essig im Wasser eine leuchtendere Farbe ergibt.

Daß auch das Feuer bei diesem Fest eine große Rolle spielt, deutet wieder einmal auf die indogermanische Herkunft des Festes hin. An vielen Orten war es bis vor kurzem noch üblich, alle Feuer im Herd und im Kamin am Nachmittag zu löschen, um am Abend des Tages die Osterfeuer neu zu entfachen. Das Abbrennen dieser österlichen Scheiterhaufen wird als ein Brauch geschildert, an dem sich das ganze Dorf beteiligt, und es somit zu einer Gemeinschaftsfeier wird, wie es eben das germanische Frühlingsfest ist.

Üblich ist dabei auch der Sprung der jungen Männer über das Feuer. Gerne wurden auch Verlobungen durch den Sprung des Paares besiegelt. Eine besondere Form des Osterfeuers stellen die Ostenäder dar, die vor allem aus Lüdge (Westfalen) bekannt sind. Man pflegte hier etwa 2 m hohe, vier- speichige, verzierte Holzräder. die mit Stroh umwik- kelt waren, anzuzünden und ins Tal hinunterrollen zu lassen, was die wiederkehrende Sonne symbolisierte, allerdings auch die Fruchtbarkeit der Felder, über die sie rollten, zu mehren. Üblich war es nun. daß man aus diesem Stoß eine brennende Fackel oder einen Scheit mit nach Hause nahm, um das eigene (Herd-)Feuer neu zu entfachen.

Ostersonntag .

Das Lebensinnbild des Wassers spielt als “Osterwasser” eine beachtliche Rolle. Die jungen Mädchen holen es vor Sonnenaufgang am Ostermorgen aus einer Ouelle oder aus einem sonstigen fließenden Gewasser. Wesentlich ist, daß die Handlung des Ostennrasserholens, ähnlich wie die des Badens am Ostermorgen, des Waschens mit dem heiligen Ostennrasser oder auch des Barfußgehens im österlichen Morgentau stumm und in feierlicher Stille vor sich gehen muß. Im Schlesi- schen versuchten die Burschen die Mädchen beim Holen des Osterwassers zu stören, was zum gegenseitigen Begießen mit Wasser Anlaß gab. Das Ostennrasser gilt nicht nur als Mittel zur Erhaltung der Schönheit, sondern auch als heilkräftig gegen Augenleiden und Viehkrankheiten, und für Wachstum und Gedeihen.

Das für alle Familienmitglieder gemeinsame Osterfrühstück ist allgemein verbreitet. Meist besteht es aus Osterschinken, gefärbten und ungefärbten Eiern, jungem Grün (z.B. Kresse) und den am Osterfreitag vorbereiteten Gebildbroten. An dieses gemeinsame Mahl schließt sich der zur guten Sitte gewordene Osterspaziergang. Der Vater sollte dabei nicht vergessen, daß er die Stelle des Osterhasen versehen muß, so daß die Kinder jauch- zend den ganzen Wald voller Ostereier und -hasen zu finden glauben. So erobern sich die Kleinen zu Ostern in jedem Jahr aufs neue den vom Winterschlafe erwachenden Wald durch ein ganz besonders freudiges Erlebnis. Auch hieraus spricht altes Brauchtum. Zu Zeiten, wo es noch (lebendige) Dorfgemeinschaften gab, hatten die österlichen Begehungen ein festes Ziel. Meist zog man zu alten Bäumen – der Dorflinde oder einer alten Eiche – um dort zu tanzen, ähnlich dem heutigen Maibaum-Tanz am 1. Mai.
Auch sind uns Flurbegehungen bekannt, wo der Bauer feierlich um seinen Acker schreitet. Wir dürfen nicht übersehen, daß die Zeit um Ostern nicht nur der Freude über das Ende des Winters gewidmet ist, sondern auch dem feierlichen Beginn der Arbeitszeit für die wetterabhängigen Berufe, vor allem der Bauern.

Ostermontag

Ein in vielen Gegenden an diesem Tage stattfindender Brauch ist das ,, Schmakostern”. Hierfür wurden kleine Peitschen aus Weidenruten erstellt, die am Gründonnerstag bereits geschnitten und in warmem Wasser zum Grünen gebracht worden sind, neun mal mit bunten Bändern durchflochten und umwunden. Mit diesen weckten die Kinder die Eltern mit einem leichten Schlag, oder ,,schlugen” die Jungen die Mädchen. Dieser glück- und segenbringende Brauch hat seinen Ursprung wieder in dem Sinnbild des Lebensbaumes, wie er uns bei diesem Frühlingsfest schon häufiger begegnet ist. Ansonsten war dieser Tag ausgefüllt mit lustigen, wetteifernden Spielen der (Dorf-)Gemeinschaft. Viele Spiele sind uns noch heute bekannt, nur fehlt uns der Bezug zum Osterfest. So z.B. das ,,Eierpecken”, wo ein Ei gegen das andere geschlagen wird. Der Sieger, dessen Ei ganz blieb, bekommt auch das angeschlagene. Ein spannender Wettkampf liegt im Eierlesen: Im Abstand von einem Meter werden etwa 100 Eier auf einer Längsstrecke oder auch in Spiralform gelegt, die ein Junge einzeln auflesen und einzeln in einen bereitgestellten Korb tragen muß. Währenddessen hat sein Gegenspieler eine vorher festgelegte Wegstrecke zu durchlaufen und vom Ziel irgendein Pfand mitzubringen. Sieger ist, wer seine Aufgabe zuerst gelöst hat. Die Eier wurden dann von der ganzen Dorfgemeinschaft gemeinsam verspeist. Der Eierlauf ist ein Spiel, das in verschiedenen Schwierigkeitsgraden gespielt werden kann. Für Kinder gibt es Suppenlöffel, für die Ennrachsenen – meist ein Spiel der Frauen – flache Holzlöffel, auf denen das Ei – auch über Hindernisse – zum Ziel getragen werden muß.

Hier lassen sich jetzt noch viele Spiele aufzählen, wie auch die vielen Variationen des Ballspielens, wobei der Ball das Symbol für die Sonne darstellt, der hohe Wurf das Hoffnungszeichen für ihren wieder Iänger und höher werdenden Lauf. Mit diesen ausführlichen Schilderungen möchte ich Ihnen, liebe Leserinnen und liebe Leser, unser altes Brauchtum aufieigen, Brauchtum, das unsere Urgroßeltern noch gepflegt haben und uns Heutigen nur noch verschleiert bekannt ist. Vielleicht hat auch Ihnen – wie mir, als ich mich mit diesem Thema zu beschäftigen begann – der eine oder andere Brauch gefallen, und sie bauen ihn künftig in Ihren Festablauf mit ein. Oder aber Ihnen ist durch meine Ausführungen der tiefe Sinn so manch eines Festaktes bewußt geworden und Sie setzen künftig Schwerpunkte bzw. feiern manches bewußter – intensiver.

Ich hoffe, daß ich Ihnen kleine Anregungen gegeben habe, dieses alte Brauchtum für Sie selbst. Ihre Familie und Ihren Freundeskreis neu zu beleben. Sicher – nichts ist falscher; als krampfhaft etwas wiederbeleben zu wollen, was aus alten Vorstellungen entspringt, denen wir geistig entwachsen sind. Doch: Wir glauben zwar an keinen Sonnengott, wissen aber, daß ohne die Sonne auf die Dauer ein Leben auf dieser Erde unmöglich wäre – trotz aller Fortschritte der Technik. Das Ei und alles Treibende, Junge – ob Tier oder Pflanze – ist uns ein Symbol für das neue Leben in der Natur und zugleich Anlaß zur Freude. Das Osterfest ist das Fest einer Gemeinschaft Ünd kann nur als solches begangen werden. Es soll auch das Bewußtsein des Zusammenstehens und Zusammengehörens bestärken. In der Zeit der Klein- und Kleinstfamilien und der meist strengen Trennung von Arbeitsplatz und Privatleben hat sich der natürliche Rahmen der Festteilnehmer verschoben. Selten noch ist Ostern ein Familienfest, besonders, wenn die Kin- der weggezogen sind. Es müssen aber nicht immer nur Sippengenossen miteinander feiern, es ist genauso im Freundeskreis möglich. Gerade der verspielte Oster- montag bietet sich hierfür besonders an. Es fördert auch die Harmonie der Hausgemeinschaft, wenn man dem Nachbarn ein Osterei vor die Haustür legt. Feste sind vor allem dazu da, der Vereinzelung der Men- schen entgegenzuwirken. Darüber hinaus können wir den Sinn des Osterfestes nicht besser erleben als durch ein ,,Hinaus” aus den einengenden ,,Vier Wänden” und den Straßenschluchten der Städte. Darin zeigt sich die Sehnsucht auch des modernen Menschen nach einem Kraftschöpfen aus dem Erwachen der Natur, und es schließt sich der Kreis, dessen erste uns bekannte Fixpunkte in den Frühlingsmarken der europäischen Megalithkulturen vor über 4.000 Jahren liegen.

https://germanenherz.wordpress.com/2010/03/20/ostern-das-germanische-fruhlingsfest/

Die Legende vom christlichen Abendland

hexenhammer_wasserprobe Mit nur wenigen anderen Begriffen ist seit Jahrhunderten so oft und so gern Politik gemacht worden, wie mit dem des „christlichen Abendlandes“. Dabei gab (und gibt es noch) vielfältige Variationen des Themas: Da ist die Rede von der „christlich-abendländischen Kultur“, die es zu verteidigen gelte, vom „christlichen Erbe unseres Kontinents“ und schliesslich von der „christlichen Zivilisation“, deren weltweite Ausbreitung auch Indern, Indianern, Papuas und Buschmännern, Chinesen und Eskimos Glück und Segen bringen solle. Die Folgen dieser christlich-abendländischen Propaganda sind allgemein bekannt: Blutige Kriege wurden von ihr angeheizt, in denen christliche Priester beider Konfessionen die Waffen für den Kampf gegen sogenannte „Ungläubige“ segneten.

Ganze Völker überall in der Welt wurden unterworfen und zwangsweise zum Kreuz bekehrt, ihre jahrtausendealten eigenen Kulturen und Religionen brutal unterdrückt. Und in Europa selbst loderten jahrhundertelang die Scheiterhaufen der Hexen-, Ketzer- und Bücherverbrennungen, und wurden zahllose Menschen um Haus, Hof und Heimat gebracht, um der seltsamen Konstruktion einer christlich-abendländischen Kultur zur Durchsetzung zu verhelfen.

Europa, das „Abendland“, wurde als „christlich“ definiert und getreu dem Satz, das nicht sein kann, was nicht sein darf, musste alles beseitigt werden, was der Gleichsetzung von Abendland und Christentum widersprach.

Und es widersprach so vieles!

Heute, in einer Zeit, in der die Macht der Institution Kirche angeschlagen, und unser Wissen um die geschichtliche Wirklichkeit gewachsen ist, stellt sich das „christliche Abendland“ zunehmend mehr als eine Fiktion, ein propagandistisches Konstrukt, eine Legende mit schlimmen Folgen dar, nach deren Entstehung und Konsequenzen wir uns zu fragen haben. Die Wurzeln der christlichen Religion liegen in Vorderasien, die Bibel, als zentrale Quelle der christlichen Lehre, ist in weiten Teilen die Überlieferungssammlung einer alten vorderasiatischen Volksreligion, des Judentums. Entstanden als jüdische Sekte unter den besonderen Bedingungen der römischen Herrschaft in Palästina, ist das Christentum in seinem Kern und in seiner ursprünglichen Form durch diese ethnischen, räumlichen und zeitlichen Entstehungsbedingungen geprägt. Religion und Kultur sind stets abhängig von den spezifischen Denkstrukturen und Mentalitäten des Volkes, dem sie entspringen, wobei diese wiederum von Vererbung, Überlieferung, konkreter geschichtlicher Erfahrung und geographisch-klimatischen Bedingungen geprägt werden. Mit der Geringschätzung der Natur, der Abwertung der Frau und dem Glauben an jenseitige Erlösung entsprach die christliche Lehre in wesentlichen Punkten den traditionellen Volksreligionen des vorderasiatischen Raumes und der dort bis heute vorherrschenden Mentalität. Ihre im Gegensatz zu anderen Glaubensrichtungen innerhalb des Judentums betont sozialutopische und egalitäre Tendenz, die in der Lehre von der völligen Gleichheit aller Menschen vor dem Richterstuhl des über und jenseits der Welt stehenden Gottes gipfelte, liess die christliche Religion vor allem bei den Unterschichten des römischen Imperiums, bei den auf Erlösung harrenden Sklaven, neue Anhänger gewinnen.

Selbstverständlich stand das Christentum mit seiner von den vorderasiatischen Ursprüngen geprägten Lehre im scharfen Widerspruch zu den Volks- und Stammesreligionen der Römer, Griechen, Kelten, Slaven, Balten und Germanen, d.h. der Völker indoeuropäischer Wurzel, die sich – bei aller Unterschiedlichkeit im einzelnen – gerade durch ein tiefes Gefühl der Eingebundenheit in die Natur, die hohe Achtung der Frau in ihrer natürlichen Rolle, den Gedanken der Selbsterlösung durch die Tat und den Glauben an eine der Natur und der Welt innewohnende, also nicht ausserhalb von ihr stehende, Göttlichkeit auszeichnete. Von diesen Ausgangsbedingungen waren die christliche Religion und die europäischen Volksreligionen von Anfang an einander diametral entgegengesetzt, und das Denken der europäischen Menschen war dem Christentum völlig fern. [newpage] Erst im vierten Jahrhundert, unter dem römischen Kaiser Konstantin dem „Grossen“, gelang es der christlichen Lehre, zur beherrschenden Religion im Imperium Romanum zu werden. Mit ausschlaggebend hierfür war die Tatsache, dass die alte römische Volksreligion in dem hunderte von Völkern und Stämmen umfassenden Reich, keine Integrationskraft mehr besass, und ihre Träger, die eigentlichen Römer, selbst unter führenden Schichten des Reiches nur noch eine Minderheit darstellten. Mit seinem universalen, ethnische Besonderheiten nicht nur ignorierenden, sondern bewusst nivellierenden Anspruch, bot sich das Christentum als neue, integrationsfähige Staatsreligion an. In der Folgezeit begann dann die Missionierung Mittel-, Nord- und Osteuropas, die eine genauere Betrachtung verdient. Die Christianisierung lief fast überall nach gleichem Schema ab: Ein Fürst oder König trat zum christlichen Glauben über, wobei in zahlreichen Fällen hierfür politische und machtstrategische Überlegungen und keinesfalls eine „innere Bekehrung“ ausschlaggebend waren. Vor allem bei den Germanen war es dann das alte Prinzip der „Gefolgschaftstreue“, durch das auch seine Männer und ihre Familien in den Schoss der Kirche geführt wurden.

Als erster germanischer Stamm nahmen 416 n.Ztw. die linksrheinischen Burgunder das Christentum an, 430 folgten die rechtsrheinischen Burgunder, 488 die Sweben und 498 die Franken unter König Chlodwig I. Im 6. Jahrhundert wurden dann die Goten christlich. Die formale Taufe bedeutete dabei zunächst noch wenig, und viele der alten heidnischen Sitten und Bräuche lebten fast unverändert weiter fort. Als Bonifatius 723 die Donareiche fällte, geschah das in Hessen, einem Land, das bereits vorher formal dem Christentum zugefallen war, ohne dass dies an der Lebensweise seiner germanischen Bewohner zunächst viel geändert hätte – Kreuz und Irminsul standen eine ganze Zeitlang nebeneinander. Am Ende des 8./Anfang des 9. Jahrhunderts erfolgte die Christianisierung der Sachsen zwischen Ems und Elbe, Eider und Harz, wobei die Hinrichtung von über 4000 sächsischen Kriegern und Edlen in Verden an der Aller im Jahre 782 ein deutlicher Hinweis darauf ist, mit welcher Härte die Widerstände dieses germanischen Stammes gegen seine Unterwerfung und Bekehrung gebrochen werden mussten. Erst im 11. Jahrhundert setzte dann die Christianisierung der Nordgermanen und der britannischen Angelsachsen ein. In Norwegen war es Olaf der Heilige, der von 1016 bis 1028 regierte, der den neuen Glauben mit Gewalt und gegen scharfe Widerstände einführte. In Schweden zogen sich die Kämpfe zwischen den christlichen Gauten und den weiterhin heidnischen Svear Uplands sogar noch bis 1125, also bis ins 12. Jahrhundert, hin. Spät erfolgte auch die Christianisierung Osteuropas.

hexe_flugblatt Erst 966 trat der polnische Herrscher Mieszko I. zum Christentum über, wofür auch nicht die innere Überzeugung, sondern die machtpolitisch motivierte Heirat mit der böhmischen Prinzessin Dubrawka ausschlaggebend war. Aus dem 11. Jahrhundert wird aus Schlesien und Böhmen selbst von heidnischen Aufständen berichtet – wohlgemerkt: in einem Kernland Europas und mitten im vielzitierten „christlichen Mittelalter“. Ungarn wurde erst Anfang des 11. Jahrhunderts christlich, und im russischen Grossfürstentum Kiew entschloss man sich zwar 987 zur Annahme der christlichen Religion durch das Herrscherhaus, doch mussten die Untertanen noch massenhaft und recht unsanft zur Zwangstaufe in den Don getrieben werden. Auch hier waren wieder machtpolitische Gegebenheiten bestimmend gewesen, die sich die Kirche geschickt zunutze gemacht hatte: Die Heirat des Kiewer Grossfürsten WIadimir I. mit der byzantinischen Prinzessin Anna. Nach wie vor dem Christentum verschlossen blieb dagegen Litauen, und noch bis ins 15. Jahrhundert hinein zog sich der Abwehrkampf der Litauer zur Verteidigung ihrer Volksreligion hin – d.h., bis in die Zeit kurz vor Kolumbus‘ Amerikafahrt hielt ein ganzes europäisches Volk am heidnischen Glauben fest und wurde von der Christianisierung noch nicht erfasst. Aus dieser kurzen historischen Übersicht wird bereits deutlich: Die Christianisierung Nord-, Mittel- und Osteuropas war ein Prozess, der rund 1000 Jahre in Anspruch nahm, ehe alle Gebiete des Kontinents auch nur formal, d.h. durch Übertritt des jeweiligen Herrschers zur Kirche und die Proklamation des Christentums als Staatsreligion, für den neuen, fremden Glauben gewonnen war. Bis ins späte Mittelalter und bis ca. 80 Jahre vor der Reformation hielten sich in Europa Territorien mit heidnischer Bevölkerung, Territorien, in denen das Christentum nur gegen starke Widerstände Fuss fassen konnte. Der Abschluss der ersten, formalen Christianisierung liegt also noch keine 600 Jahre zurück, davor aber liegt eine vieltausendjährige Epoche europäischer Kultur, die von allem anderen als der christlichen Lehre bestimmt war. Allein von dieser zeitlichen Dimension her ist die Gleichsetzung von europäischer Kultur und Christentum ein Unfug, der sich sehr schnell als reine Zweckpropaganda entlarvt.

Die formale Christianisierung eines Gebietes war überdies noch keinesfalls gleichbedeutend mit der tatsächlichen Annahme des christlichen Glaubens durch die jeweiligen Bewohner. Gerade über dieses Missverhältnis zwischen „offizieller“ Annahme des Christentums und tatsächlichem, kulturellem und religiösem Verhalten liefert eine neue Unterdisziplin der Geschichtswissenschaft, die historische Volkskulturforschung, in den letzten Jahren eine Fülle hochinteressanter Details, die das Gespinst des „Christlichen Abendlandes“ mehr und mehr als Legende erscheinen lassen. Bemerkenswert ist, dass diese neue Fachrichtung, die auch volkskundliche, religionswissenschaftliche und soziologische Aspekte in ihre Untersuchungen mit einbezieht, vor allem in England und Frankreich einen starken Aufschwung hat, in Deutschland aber teilweise noch starken Widerständen ausgesetzt ist. Hierzulande scheint es auch mehr als 40 Jahre nach Kriegsende nur unter Schwierigkeiten möglich zu sein, in historischen und volkskundlichen Fachkreisen auf heidnisch-naturreligiöse Kontinuitäten in der Volkskultur hinzuweisen. Allzu schnell kommt dann der Verweis auf ähnliche Bemühungen in der Zeit vor 1945, was einem wissenschaftlichen Verdammungsurteil gleicht. So lässt sich nach wie vor mit dem schlichten Satz „das haben die Nazis auch gemacht“ jeder ernsthaften wissenschaftlichen Diskussion aus dem Wege gehen.

Der britische Wissenschaftler Peter Burke gibt in seinem Buch „Helden, Schurken, Narren, europäische Volkskultur der frühen Neuzeit“ eine gute Übersicht darüber, wie wenig bzw. wie oberflächlich die Christianisierung auch noch nach dem Ende des Mittelalters in Europa Fuss gefasst hatte. So schreibt er: „Weder in Irland noch in Wales, Schottland oder der Bretagne war zu jener Zeit die keltische Mythologie oder der keltische Baumkult ausgestorben. In Teilen Skandinaviens war die nordische Mythologie erhalten geblieben. In den skandinavischen Alpen und in Lappland wurde noch im achtzehnten Jahrhundert der nordische Gott Thor verehrt, und der Donnerstag als Feiertag betrachtet. Nordische Mythen blieben in Skandinavien als Volksballaden erhalten. Am lebendigsten erhielten sich vorchristliche Kultformen in Litauen und in Russland. 1547 sollen die Litauer immer noch ihre alten Götter Perkuna, Laukosargas und Zemepatis verehrt haben. 1549 berichtete der kaiserliche Gesandte Herberstein, dass in der Gegend von Perm in Russland in den Wäldern immer noch Götzendiener zu finden seien, und dass der alte Donnergott Perun noch angebetet werde“. (S. 63 f.) Und noch zu der Zeit, als christliche Missionare bereits Mittel- und Südamerika, Indien und die afrikanische Westküste überfluteten, sahen sie sich in ihrem europäischen Hinterland mit Problemen konfrontiert, die denen in den neuen Kolonien durchaus entsprachen.

hexenverfolgung1 Burke schreibt dazu: „So predigten Jesuiten am Ende des 16. Jahrhunderts in Huelva, westlich von Sevilla und stellten fest, dass die Einwohner eher Indianern glichen, als Spaniern“. 1628 erklärte Sir Benjamin Rudyard im Unterhaus, es gebe Teile von Nordengland und Wales, „die schwach im Christentum seien, wo Gott kaum mehr bekannt sei, als unter den Indianern“. (S. 222) Ein französischer Kollege Burkes, Robert Muchembled, kommt zu ähnlichen Ergebnissen. In einer grossangelegten Studie, die 1982 auch auf Deutsch unter dem Titel „Kultur des Volks – Kultur der Eliten“ erschien, befasste er sich mit der Volkskultur Nordfrankreichs zwischen dem 5. und dem 18. Jahrhundert und ihren Veränderungen. Er konstatierte dabei vor allem bei der Landbevölkerung eine Weltsicht, die sich wesentlich von der heutigen, aber auch von der damaligen kirchlichen, unterschied. So wurde die Zeit nicht als linear, sondern als zyklisch, geprägt vom Rhythmus der natürlichen Abläufe, empfunden, ein Zeitbegriff, der im krassen Widerspruch zum linearen, eschatologischen Denken des Christentums stand.

Dem zyklischen Zeitempfinden entsprachen bestimmte Festzyklen, die sich zwar oberflächlich am Kirchenkalender orientierten, von denen Muchembled aber sagt, dass sie „nicht oder nicht rein christlichen Ursprungs“ gewesen seien (S. 53). Sie hätten vielmehr „noch deutlich ambivalenten, dass heisst sowohl christlichen als auch heidnischen Charakter“ gehabt (S. 53). Mit dieser Tatsache verweist Muchembled auf die ja auch in Deutschland ersichtliche Tatsache, dass die Kirche nicht umhin konnte, die Feste der alten Volksreligion, etwa die Wintersonnenwende, aufzugreifen und allmählich in ihrem Sinne umzudeuten, um überhaupt einen Zugang zu der christlichem Denken fremd gegenüberstehenden Bevölkerung zu finden. Weiterhin verweist Muchembled auf die am Ende des Mittelalters noch völlig andere Stellung der Frauen: Sie waren es, „die einen zählebigen heidnischen Glauben von Generation zu Generation weitergaben“ (S. 63) und als Hüterinnen religiösen und volksmedizinischen Wissens grösste Achtung im Volk genossen. Erst im 16. und 17. Jahrhundert kam es dann zu einer Art zweiten oder „inneren Christianisierung, zur Ausmerzung der noch stark vorhandenen heidnischen Glaubenselemente und zur radikalen Durchsetzung der kirchlichen Normen. Ketzerprozesse, Hexenverfolgungen und eine strenge Reglementierung des Alltagslebens wie auch der Festkultur sind kennzeichnend für diese zweite Christianisierungsphase. Aus all dem wird ersichtlich, dass auch nach der, sowieso erst recht spät vollständig erfolgten, formalen Christianisierung Europas weite Teile der Bevölkerung in den einzelnen Ländern der christlichen Lehre gleichgültig bis schroff ablehnend gegenüber standen, und vor allem die Kultur der Landbewohner – und dies war die Masse der Bevölkerung – noch überwiegend von älteren, heidnischen bzw. volksreligiösen Traditionen und Denkvorstellungen geprägt war. Auch in dieser Hinsicht greift also das Schema vom „christlichen Abendland“ nicht.

Eine genaue wissenschaftliche Betrachtung der kulturellen Erscheinungsformen offenbart bis ins 17. und 18. Jahrhundert hinein in weiten Teilen Europas die Existenz und meist gar die Dominanz eines nichtchristlichen Glaubens, der sich auf die Gedankenwelt der vorchristlichen Volksreligionen gründete, wenngleich diese auch in ihrer ursprünglichen Form zerbrochen waren.

Wie aber sah es mit den Gebildeten in den Städten, mit Gelehrten, Schriftstellern, Künstlern und Forschern aus, mit den Personen also, an die man oft denkt, wenn von „abendländischer Kultur“ gesprochen wird? Gewiss sind uns aus dem frühen Mittelalter im wesentlichen Zeugnisse christlicher, ja, klösterlicher Kultur überliefert, so dass der Eindruck entstehen könnte, es seien Priester und Mönche gewesen, die den heidnischen „Barbaren“ überhaupt erst die Kultur brachten. Doch dieses, von der Kirche und der etablierten Geschichtsforschung gezeichnete Bild ist trügerisch: Auch die heidnischen Völker Alteuropas hatten eine Kultur auf hoher Stufe entwickelt, was z.B. jedem deutlich wird, der einmal die Erzeugnisse keltischer Goldschmiedekunst aus der mehr als zwei Jahrtausende zurückliegenden La-Tene- Zeit oder Produkte nordeuropäischer Metall-Kunsthandwerker aus dem ersten nachchristlichen Jahrtausend gesehen hat. Auch war die vorchristliche Kultur Europas durchaus nicht schriftlos und nur durch die systematische Zerstörung der heidnischen Schriftdenkmäler im Zuge der Christianisierung wurde dieser Überlieferungsstrang abgeschnitten. Verwiesen sei schliesslich auch auf die hochstehenden Kulturen der heidnischen Antike im Mittelmeerraum, die nach der Einführung des Christentums im römischen Reich keinesfalls eine neue Blüte erlebten, sondern vielmehr untergingen.

Seit dem Mittelalter zieht sich dann von Meister Eckehart über Kopernikus, Galilei und Giordano Bruno bis hin zu Goethe eine lange Reihe von Denkern durch die europäische Geistesgeschichte, die teils als offene Ketzer gegen die Lehren der Kirche wirkten und damit die Unabhängigkeit des Denkens gegen die klerikalen Fesseln verteidigten. Somit kann gerade die europäische Geistesgeschichte keinesfalls als Beweis für die Gleichsetzung des Abendlandes mit dem Christentum herhalten. Sie war, trotz aller unbestreitbaren und keinesfalls immer glücklichen christlichen Einflüsse vielmehr seit dem Mittelalter ein Schauplatz des Kampfes um geistige Freiheit gegen kirchliche Bevormundung. [newpage] Fassen wir das Gesagte zusammen, so ergibt sich: Die christliche Lehre fasste in Europa nur ganz allmählich, gegen heftige Widerstände und über einen Zeitraum von mehr als tausend Jahren hinweg, Fuss. Weite Teile Europas blieben bis ins Mittelalter, bestimmte Länder sogar noch Iänger, den alten Volksreligionen treu. In den formal christianisierten Ländern hielt sich noch bis weit in die Neuzeit bei weiten Teilen der jeweiligen Bevölkerung nichtchristliches Denken mit entsprechenden Konsequenzen für Glauben, Alltag und Festkultur. Und bereits seit dem Mittelalter begann sich unter den Gebildeten Widerstand gegen die Doktrinen der Kirche zu regen. Die Suche nach einer neuen, freien Religiosität begann. Über Europa hatte sich zwar nach und nach eine Schicht christlichen Denkens gelegt, doch unter der Oberfläche und vor allem in seinem Kern war dieser Kontinent stets anderen Traditionen verpflichtet. Das „christliche Abendland“ erweist sich somit als Legende, die zeitweilig für Propagandazwecke taugte, dabei nicht die wirkliche Geistigkeit der europäischen Völker beschreiben kann.

kopernikus Abschliessend stellt sich die Frage nach dem Heute und nach den Aufgaben, die Freireligiöse, Freigläubige, Unitarier und verwandte Gruppen haben. Die Macht der Kirchen ist heute in Deutschland nicht mehr die, die noch vor nicht ganz 100 Jahren bestand, sie ist sogar weit geringer, als das noch vor 20 Jahren der Fall war. Insbesondere seit 1967/68 hat ein tiefgreifender Verhaltenswandel in der Bundesrepublik eingesetzt, zu dem eine starke Abwendung weiter Teile der Bevölkerung vom Christentum gehörte. Die statistisch anhand von Massenaustritten aus den Kirchen feststellbare Abwendung wird dabei noch übertroffen durch die innere Abwendung vom Christentum auch bei denjenigen, die aus Bequemlichkeit oder aus familiären bzw. beruflichen Rücksichten noch in den Kirchen verbleiben. Zustände wie noch vor wenigen Jahrzehnten, als die Bevölkerung vieler Dörfer und Städte noch zu fast 100 Prozent der gleichen Konfession angehörte und die Macht der Kirchengemeinde in der politischen Gemeinde entsprechend gross war, finden sich heute nur noch vereinzelt. Konfessionelle Durchmischung und Kirchenaustritte haben die Dominanz einer jeweils einzelnen Kirche fast überall gebrochen.

Hinzu kommt, dass die Kirchen, dabei insbesondere die evangelische, sich mehr und mehr säkularisieren und weltlichen Fragen, vor allem auf politischem und sozialem Gebiet, zuwenden. Dies geht mit einem rapiden Verfall der inneren, geistigen Substanz einher. Angesichts dieser Tendenzen könnte man bereits von einer „Entchristlichung“ der westdeutschen Gesellschaft sprechen, so dass das Christentum im Nachhinein als Episode in der Geschichte der Deutschen erscheint. Eine solche Betrachtung wäre jedoch zu optimistisch und zu voreilig. Mittlerweile nämlich ist das Christentum, ist christliches Denken, in der Form säkularer Heilsideologien wieder in die Köpfe zurückgekehrt. Beispiele dafür gibt es vor allem im politischen Leben genug. Der Wahn absoluter Wehrlosigkeit in weiten Teilen der Friedensbewegung, die heute überall anzutreffende Gleichheits- und Gleichmacherei- Ideologie, die moralisierende statt realistische Betrachtung zahlreicher politischen Fragen, die von überzogener Bussfertigkeit geprägte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, eine universalistische Weltsicht, die die Unterschiede der Völker und Kulturen leugnet – all dies sind Haltungen, die im Kern auf die Buss-, Demuts-, Schuld- und Erlösungsideologie des Christentums zurückgehen und von ihr weiterhin inspiriert werden. So sehr auch die formale Macht der Kirchen schwindet, so sehr ist ein Denken aus christlichen Ursprüngen – und damit letztlich ein natur- und realitätsfernes Denken – in weiten Kreisen von Politik und Gesellschaft verbreitet. Genau hier hat meines Erachtens eine zeitgemässe Arbeit freier Glaubensgemeinschaften anzusetzen. Die Zielvorgaben von einst, wie der Kampf um Geistesfreiheit gegen klerikale Bevormundung, die Freiheit der religiösen Sitten, Bräuche und Handlungen, der Kampf um freien Religionsunterricht, um das Recht auf Feuerbestattung – all dies tritt heute in seiner Bedeutung zurück, da es in mehr als hundertjährigem Ringen bereits weitgehend erreicht werden konnte.

Die neue Aufgabe, die sich allen freien Glaubensgemeinschaften stellt, ist die inhaltliche Gestaltung der erkämpften Freiräume und die Sinngebung für all diejenigen, die zwar die Kirchen verlassen, aber ihr religiöses Bedürfnis deshalb nicht verloren haben. Diese Aufgabe lässt sich nur in der Auseinandersetzung mit den christlichen Inhalten, dem christlichen Denken, bewältigen, ganz gleich, ob es in seiner traditionellen oder in seiner neuen, säkularisierten Form einherkommt. Nicht mehr die äussere, kirchliche Form des Christentums hat also im Vordergrund unserer Kritik zu stehen, sondern das, was an christlichem Denken auch die Köpfe zahlreicher Menschen beherrscht, die sich subjektiv durchaus als Nichtchristen verstehen. Voraussetzung hierzu aber ist, dass wir uns selbst über unser Welt- und Menschenbild und über unser Religionsverständnis klar werden und Suchenden klare Antworten auf brennende Fragen geben können. Das Bild der freien Religion muss wieder schärfer konturiert und für Aussenstehende eindeutiger fassbar werden. Es darf sich nicht in der Unverbindlichkeit eines verschwommenen Allerwelthumanismus verlieren. Schaffen die freien Glaubensgemeinschaften diese Umorientierung und neue Aufgabenbestimmung nicht, dann werden sie bald schon ihre Existenzberechtigung verloren haben. Dem gilt es entgegenzuwirken.

Kampf um Europas religiöse Identität

krebs-identitaet-coverMut zur Identität Alternativen zum Prinzip des Gleichheit / hrsg. Von Pierre Krebs.ISBN 3-922314-79-1© Pierre Krebs, 1988

Wir leben einen politischen Bruch: der alte Streit zwischen ,rechts’ und ,links’, die soziale Frage betreffend, verliert an Kraft. Die offiziellen Rechten und Linken begeben sich zunehmend in eine ideologische Umarmung, der die politische auf dem Fuß folgt: sie haben Gemeinsamkeiten entdeckt, was den Fortbestand der sogenannten westlichen Zivilisation betrifft, und zwar vor allem in den negativ zu bewertenden Bereichen dieser Zivilisation, in den Bereichen ihrer machtstrukturellen, besonders ihrer egalitären, ökonomistischen und universalistischen ,Werte’.

Dieses Buch will etwas dagegen tun. Die einzelnen Abhandlungen zeigen auf, daß sich eine neue Trennungslinie entwickelt, zwischen den Anhängern des Kosmopolitismus und den Verfechtern der ethnokulturellen Identität. In unserer Zeit der Entfremdung von kultureller Schöpferkraft und Tradition eines Volkes ist es unerläßlich geworden, die Wurzeln der Identität, der geistigen Selbsterhaltung und Selbstentfaltung des Einzelnen sowie der verschiedenen Lebens- und Kulturgemeinschaften zu beschreiben, ferner eine Argumentationsbasis für eine fundierte Auseinandersetzung mit dem Geist der Entmündigung, Auflösung und Zerstörung herzustellen.

Die neuen Streitgespräche über die Problematik der Einwanderung und der mehrrassischen, mehr- und mischkulturellen Gesellschaft, über den Verlust von kulturellem Erbe und der Tradition eines Volkes sowie über die technische Entwicklung werfen bezeichnenderweise stets als eine entscheidende Frage die nach der Identität auf. Auch die Bedrohungen auf militärischem und wirtschaftlichem Gebiet stehen im Mittelpunkt der Identitätsdiskussion. Im Kampf gegen die universale Mischkultur muß man die nationalen europäischen Identitäten vereinigen, sie als einander ergänzend betrachten und sie nicht gegenüberstellen. Es gilt, die nationale Identität von oben (Europa) zu ergänzen und von unten (die Region) zu verankern. Mut zur Identität verficht das Modell einer heterogenen Welt homogener Völker, und nicht umgekehrt!

Zerstörung und Erneuerung

„Jedes Seiende ist nicht nur in seinem eigenen Sein ganz es selbst —
Es begehrt nichts anderes zu sein, als was es ist,
und will kein anderes sein —
In jedem anderen aber kann es sich nur eigentlich repräsentieren.“1

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Es ist der deutsche Philosoph Nikolaus Cusanus, 1401 in dem Weinort Kues an der Mosel geboren und 1464 als Kardinal und Generalvikar von Rom und also als zweiter Mann nach dem Papst Pius II. einen Tag vor diesem seinem Freund in Rom gestorben, der seine tief religiös begründete Erkenntnis von der unendlichen Ungleichheit alles Seienden mit seiner Überzeugung vom Willen und Anspruch eines jeden auf Selbstsein und Selbstidentität verbindet. Ohne dieses Selbstsein kann der Mensch nicht im eigentlichen Sinne existieren. Denn als Folge ihrer Verschiedenheit gelangen die Menschen „nur durch unterschiedlichen Zugang“ zur göttlichen Wahrheit.

Dies war ein massiver Schlag gegen den mächtigen Bau der „allumfassenden“ katholischen Kirche, der auf den Auftrag zur Universalität und auf der allgemeinen und absoluten Geltung ihrer für alle verbindlichen Dogmen gegründet war. Skandalöser freilich war, daß der Schlag geführt wurde von einem der Ihren aus dem Kreis des Heiligen Kollegiums selbst in einer dem Kardinal Cesarini vom derzeit päpstlichen Legaten, seinem Studienfreund Nikolaus Cusanus, gewidmeten Schrift. Daß sie ohne Wirkung, aber auch ohne die üblichen Folgen an Leib und Leben für ihren ketzerischen Autor blieb, lag an dem humanistischen Luftzug, der den Vatikan durchwehte und derzeit theologische Besorgnisse durch das Schwelgen in einem hohen Ästhetizismus und in der Lektüre Vergils und Homers gründlich vertrieben hatte. Daß die häretische Abweichung sogar innerhalb der Hierarchie sich zu Wort wagte, war zwar neu, aber unter Gesinnungsfreunden ohne Belang.

I   Zerstörung der religiösen Identität

Bekehren heißt „Unmögliches fordern“

Und Proteste erhoben sich, seit die Kirche den Fuß über den Limes gesetzt hatte. Dabei war es um jenes heiligen Zieles willen, alle Menschen dem Heil zuzuführen, nicht zu umgehen gewesen, daß sie, um der harten Widerstände Herr zu werden, mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln Identität zertreten hatte. Widerspruch, Weigerung sprechen unüberhörbar aus den jammervollen Briefen des Bonifatius2 an den Papst, in denen er seinem Ärger in erschütternden Klagen über die „halsstarrige“ Ablehnung freien Lauf läßt, mit der die „ungeschlachten Barbaren“ sich gegen seine „Bekehrung“ zur Wehr setzen: „Überall Mühe und Kummer! Außen Kämpfe, innen Furcht!“ klagt er und bekennt in der „Beklemmung seines Herzens“ dem Bischof von Winchester: „Für uns gibt es nicht nur nach dem Ausspruch des Apostels ,außen Kampf und innen Furcht’, sondern auch innen Kampf und Furcht!“ und empfängt von ihm aus England, wo man ähnlich herbe Erfahrungen mit dem „unbändigen barbarischen Sinn der Angeln“ gemacht hat, in seiner Verzweiflung Ratschläge, „wie es dir nach meinem Dafürhalten am besten und raschesten gelingen könnte, die Halsstarrigkeit des unbelehrten Volkes zu brechen, indem du ihnen den eigenen Glauben als ,Schmutz und Sünde’ vorhältst, gegen die allein die Taufe helfen kann“.

Als der norwegische König Hakon der Gute, der als Ziehsohn des englischen Königs „gechristet“ ist, auf dem Thing in Drontheim gebietet, das Christentum anzunehmen, erheben die Norweger erregten Widerspruch gegen das Ansinnen, „daß wir unseren Glauben ablegen sollen, den unsere Väter vor uns gehabt haben und alle Voreltern, zuerst im Bronzezeitalter und dann jetzt in der Zeit der Hügelgräber, und sie sind um vieles vornehmer gewesen als wir — und dieser Glaube hat uns doch getaugt!“ Sie schwören, dem König ihr Leben lang zu folgen und ihn in Ehren zu halten, wenn er nicht Unmögliches von ihnen fordere. „Wenn Ihr aber diese Sache mit so großer Strenge aufnehmen wollt, dann haben wir Bauern den Entschluß gefaßt, uns von dir zu trennen und einen anderen Führer zu wählen, der uns derart führt, daß wir in Freiheit unseren Glauben zu behalten vermögen, den wir wollen.“3

Europa empört sich gegen die „Beschmutzung“ der Seele

Aber schon im 4. Jahrhundert züngeln die ersten Flammen der Auflehnung in Trier empor und breiten sich in Windeseile über ganz Gallien aus, Flammen der Empörung über die Verachtung und „schmutzige Verdunkelung“ der Sippe und Ehre und der eigenen, plötzlich für sündig erklärten Seele. Dazu greift die Abneigung gegen die „lichtscheuen Männer“ um sich, die um der Sündigkeit der Welt willen freiwillig elend seien und „die Gottheit sich am Schmutz weiden lassen“, und macht sich in offener Feindschaft und Gewalt Luft. Währenddessen reckt sich in Rom der erste gewaltige, die Kirche erschütternde Protest eines Mannes aus dem hohen britischen Norden empor, der mächtige Widerspruch des germanischen Denkers Pelagius, der es wagt, den großen Augustin herauszufordern, sich dem geistigen Rom entgegenzusetzen, ja dem Apostel Paulus und seiner Lehre von der sündig geborenen Seele zu widersprechen. Und obwohl in dem gigantischen Kampf dieses einen gegen eine etablierte Weltmacht, in dem die Waage sich schon auf seine Seite zu neigen beginnt und nur reine Macht entscheidet, Pelagius unterliegt, breitet sein Protest sich aus, innerhalb der Kirche selbst, in Italien zunächst, steckt Gallien an, Irland, England, ganz Westeuropa und ging niemals ganz unter. Pelagius aber war nur der erste eines durch alle Jahrhunderte bis in die Gegenwart und durch alle Völker Europas gehenden, hier und da aufstehenden, nie verstummenden Widerspruchs gegen die Lehren der Kirche4.

Eine psychische Vergewaltigung größten Ausmaßes

Warum wehren sich Menschen gegen die Zumutungen einer Glaubenslehre, die nicht ihrer Welt entstammt? Warum nehmen sie Nachteile, Strafen, Verfolgung, sogar den Tod auf sich, um einer Glaubensthese zu widersprechen und aus innerster Überzeugung ihren eigenen Glauben zu leben? Und warum verlassen heute so viele Menschen die Kirchen, sofern sie religiöse Gründe geltend machen? Religion ist ein Wesenszug jedes Menschen. Doch alle Menschen erblicken das Göttliche von ihrem Standort aus auf je verschiedene Weise5. Gleichsam wie eine Stadt oder ein Berg jedem der sie umstehenden Beschauer aus seiner Perspektive einen anderen, nur ihm eigenen Anblick darbieten. Wenn auch jeder einzelne desselben Volkes, derselben Kulturgemeinschaft nie ganz dasselbe schaut wie der „Nebenstehende“, so verbindet sie doch die gleiche Weise des Schauens, des Erlebens, des Denkens, dieselbe Weise des Seins-und-Selbstverständnisses wie der religiösen Sinngebung, in der sie gründen, in der sie sich selbst wiederfinden und daraus sie ihre Kräfte und ihr Leben nähren. Und „unser Glaube, den unsere Väter vor uns gehabt haben und alle Voreltern in der Bronzezeit und jetzt in der Hügelgräberzeit — und dieser Glaube hat uns doch getaugt!“ ruft auf dem Thing in Drontheim der Bauer verzweifelt seinem König zu, der ein so schlimmes Ansinnen an sie stellt und „Unmögliches“ fordert.

Die Missionierung des germanischen Europa setzte dies „Unmögliche“ zielbewußt mit aller Härte und Schonungslosigkeit und mit wohlberechnetem psychologischem Gespür durch, einen geistig-seelischen Umsturz größten Ausmaßes, die psychische Vergewaltigung der Völker und jedes einzelnen, die tief in die menschliche Substanz eingriff, ihn seinem Urgrund entwurzelte, sein Wesen zerstörte und ihm den totalen Ausstieg aus sich selbst aufzwang. In dieser Missionierung — wie in jeder anderen — ging es ja nicht um einen bloßen Austausch von „Göttern“, bzw. was die Missionare sich unter germanischen „Göttern“ vorstellten, die sie kurzerhand, wie die vorgesprochene Taufformel besagt, zu Teufeln erklärten und an deren Stelle sie ihnen den dreieinigen Gott bringen wollten:

„Sagst du dem Teufel ab?
— Ich sage dem Teufel ab.
Sagst du allen Werken und Worten des Teufels ab,
dem Donar und dem Wodan und dem Saxnot
und allen Unholden, die ihre Genossen sind?“6

Wir sind es gewohnt, die „Bekehrung“ oder Christianisierung mit den Augen des Licht- und Heilsbringers zu sehen gegenüber Verlorenen, des Heils Bedürftigen, im Lichte des Erretters aus einer vom Bösen gestifteten Unsittlichkeit und Sittenlosigkeit durch Aufrichtung von Gesetz und Moral, eines Lichts, das die Finsternis der Irrenden erhellt und von der Knechtschaft der Triebe und Dämonen befreit. Allein, was die Kirche Verkündigung Gottes und der Frohen Botschaft nannte und was wir mit den Augen der Missionare zu sehen pflegen, war für die Betroffenen „Zerstörung“ — Zerstörung des ihnen Heiligsten, Zerstörung der Wurzeln, aus denen sie lebten und wurden, die sie sein konnten, und damit ihrer Kraftquellen, um ihr Schicksal zu bestehen und sich zu bewähren, die Zerstörung ihres innersten Kompasses, der ihnen Orientierung und Halt gebenden Sippen- und Ehebindungen, Zerstörung endlich ihrer religiösen, transzendenten Identität, ihres „Heils“7 und des sie tragenden Seinsgrundes. Es war der Totalverlust ihrer Identität.

Damit wurde, in Jahrhunderte währender Erziehung8 der ehrbewußten, im göttlichen Heil gründenden Männer und Frauen durch Brechung des Willens zu gehorsamer Unterordnung sowie in einem schmerzhaften Prozeß mühsamen Umdenkens und seelischer Umformung zu Sündigkeitsbewußtsein und Höllenangst, mit dem Selbstverständnis das Wertbewußtsein gänzlich aus den Angeln gehoben und ins krasse Gegenteil verkehrt und das Selbstwertgefühl von Männern und Frauen tödlich getroffen. Der Verlust jeder Orientierung kennzeichnet die auf die missionarische Umpolung der Maßstäbe folgenden Jahrhunderte durch den chaotischen Zerfall aller Sitten und aller Sittlichkeit, durch Unzucht und Frauenmißbrauch, Gewalttat, Grausamkeit, Mord. So daß sich der Bischof von Marsilia, Salvian, im 5. Jahrhundert zu dem für die Kirche beschämenden Fazit genötigt sieht: „Schlechter sind die Menschen geworden, als sie vorher waren!“9 Selbst Bonifatius kann nicht umhin, dem verkommenen Lüstling und Nonnenschänder, dem christlich getauften englischen König Ethilbald von Mercia, die Sittlichkeit der Ungetauften, der heidnischen Altsachsen, als Vorbild hinzustellen, „die — obwohl sie Gott nicht kennen und dessen Gesetze nicht haben — von Natur tun des Gesetzes Werk und damit sagen, es sei beschlossen in ihren Herzen“.

Vom freien Sachsen zum „weinenden Knecht“

Von welchen Widersprüchlichkeiten der so gegensätzlichen Wesensgesetze der Einzelne zerrissen und in ihnen zerrieben wurde, welche seelischen Qualen, welche Verwirrungen und Verirrungen der Verlust des ureigenen Selbst, die systematische Zerstörung der religiösen Identität durch christliche Entwurzelung, Fremdbestimmung und Fremderziehung diesen Menschen zugefügt wurden, zeigt wie in einem Brennglas das Schicksal eines Sohnes des eben gewaltsam getauften Sachsenvolkes, der in der leidvollen Zerreißprobe zwischen seinem Sachsentum und Christentum einer der reifsten, seiner Zeit vorauseilenden Dichter und nach dem Schotten Eriugena selbständigster Kopf seiner Zeit wurde — und zum Rebell10.

Im Jahre 804 wird der Sohn des sächsischen Grafen Bern geboren und zur Erziehung dem Kloster Fulda übergeben, wo er nach dem frühen Tod des Vaters, der ihn zum Erben beträchtlichen Landbesitzes und zur verlockenden Einnahmequelle gemacht hat, als noch Unmündiger vom Abt gezwungen wird, Mönch zu werden. Als er dreiundzwanzigjährig von weiterer Ausbildung aus dem Kloster Reichenau nach Fulda zurückkehrt, bricht der Konflikt offen aus. Gottschalk, der keine Berufung zum Mönch in sich spürt, fordert, vom unbändigen Freiheitsdrang der Sachsen erfüllt, seine Freilassung und die Herausgabe seines ererbten Besitzes. Doch der Abt — Hrabanus Maurus — hält den Widerstrebenden im Kloster fest. Der wagt für das „Gesetz der Freiheit“ das Unerhörte. Er klagt beim Erzbischof von Mainz Hrabanus Maurus der Freiheits- und Vermögensberaubung an. Auf Befehl Kaiser Ludwigs des Frommen treten fünf Erzbischöfe, vierundzwanzig Bischöfe, vier Chorbischöfe und sechs Äbte in Mainz zur Synode zusammen. Hier erhebt die ungeheuerliche Anklage gegen seinen Abt „Gottschalk des sächsischen Grafen Bern Sohn, behauptend, er habe ihm gegen seinen Willen die Tonsur geschnitten, habe ihn mit Gewalt ergreifen lassen und an das Kloster gefesselt“. „Der Sohn eines Freien“, erklärt der Jüngling unbeirrt der hohen Versammlung, „darf nicht zum Sklaven gemacht werden und nicht zum servitium Dei des Mönchslebens gezwungen werden. Wohl schuldet die ganze Menschheit Gott ihren Dienst, aber nicht nach Mönchsregel und Klosterdisziplin. Der Mensch kann auch ohne Mönchsgelübde sein Heil finden. Mönch werden, heißt, Sklave werden.“ Er kämpft mit aller Leidenschaft, und tatsächlich erkennt die Synode auf Freilassung, aber Einbehaltung des Besitzes. Doch Gotschalk erhebt furchtlos Einspruch gegen das ihm geschehene Unrecht, und da auch Hrabanus Maurus „wegen des geflohenen sächsischen Mönches“ das gesamte Mönchswesen „wanken“ sieht, kommt die Sache vor den Kaiser selbst.

Über den Ausgang jedoch schweigen die Quellen und gleichfalls über den offenbar „in die väterliche Freiheit“ Entlassenen. Bis zu dem Tag, an dem wir ihn — Jahre später — wieder in einer Klosterzelle, wieder als Mönch, diesmal im Kloster Hautvilliers bei Reims sehen: einen gänzlich Verwandelten, der nichts mehr von seiner Auflehnung, nichts mehr von unerträglicher Versklavung des servitium Dei weiß, nichts mehr von der stolzen Überzeugung, auch ohne Klostergelübde könne der Mensch sein Heil finden, — er, der freiwillig die Freiheit, um die er so erbittert gekämpft, allein vor Kirche und Reich, und die er so schwer errungen hat, wieder von sich geworfen hat.

Warum, wissen wir bis heute nicht. Dieser Sinneswandel ist unerklärlich — und er ist total. Aus seinen großen Hymnen an die Gottheit — schon als Knabe hat er zarte, innige Lieder gedichtet — blickt uns ein vollständig veränderter, von „Tränen und Furcht“ gezeichnetes Gesicht an; ein Mensch, „gebrochen von der Last unendlicher Sünden“, ein „weinender Knecht“, „der aus der tiefen Finsternis des höllischen Abgrunds“ um Erbarmen schreit:

„Umwunden mit der Fessel der Sünde
habe ich durch Sünde Deinen Zorn geweckt
Weh, was wird aus mir Elendem!“

In dieser innerlich zerbrochenen Persönlichkeit aber steckt noch immer die Unbeugsamkeit des Sachsen, eine mächtige Willenskraft, eine trotzige Unbedingtheit, die ihn jetzt erneut mit seinen Oberen und der Kirche in Konflikt geraten, ja — diesmal durch ein Übermaß des Sünder- und Sklaveseins zum Ketzer werden lassen. An diesem unglückseligen Sachsen in der Mönchskutte offenbart sich die furchtbare Tragik, die aus der Verquickung zweier grundverschiedener geistiger und seelischer Stile, aus der Mesalliance zweier unvereinbarer, feindlich einander widersprechender religiöser Denk- und Erlebensweisen gezeugt wird11. Hier treten die aus dem ursprungshaften Einssein stammende germanische Unmittelbarkeit zum Göttlichen — die das Mittlertum der Kirche ketzerisch ausschaltet — und die germanische Unbedingtheit der Bejahung jeglichen Schicksals, wie es auch sei, in den Dienst der augustinischen Lehre von der Verfallenheit eines jeden Menschen mit seiner Geburt an die Erbsünde und seiner vorgeburtlichen Prädestination zu Seligkeit und Verdammnis. Ja, sie übersteigern die christliche Auffassung zur Vorherbestimmung des gänzlich unfreien Menschen zu Erlösung oder Höllenstrafe durch einen ebenso unbeugsamen, unwandelbaren, zornigen Gott, dessen harten Willen Gottschalk vorbehaltlos bejaht und tapfer besteht, so wie seine Väter sich fraglos und furchtlos ihrem Schicksal gestellt hatten. Und genau diesen Glauben bewahrt Gottschalk bis zu seinem Lebensende. Denn, von seinem alten Gegner, Hrabanus Maurus, den man mit dem Ehrennamen des „Praeceptor Germaniae“ ausgezeichnet hat, als Ketzer angeklagt, wird Gottschalk auf dem einberufenen Konzil in Quiercy zu Geißelung, zu ewigem Schweigen und zu ewiger Kerkerhaft verurteilt. Das Urteil wird sofort minutiös vollstreckt. Alle anwesenden Bischöfe und Äbte nehmen eigenhändig die Geißelung in einer bis dahin beispiellosen Form vor, von der der Erzbischof Remigius von Lyon in heller Empörung berichtet: „Denn in einem so unerhörten Beispiel von Gottlosigkeit und Grausamkeit wurde jener Unglückliche mit Geißeln und Faustschlägen zu Boden gehauen, bis er, halb tot, gezwungen wurde, in ein von ihm entfachtes Feuer eigenhändig ein Buch zu werfen, in dem er Sätze aus der Hl. Schrift zusammengestellt hatte, die er auf dem Konzil vortragen wollte.“

Zwanzig Jahre schmachtete der Verurteilte in völligem Schweigen und Einsamkeit in seinem feuchten Verließ, wo er am 30. Oktober 869 starb, ohne den Angeboten der Hafterleichterung durch Widerruf seiner Glaubensüberzeugung jemals nachgegeben zu haben.

Wie lernt ein Volk sich selbst verachten?

Sünde — das Wort, das in die Herzen aller Getauften gesät wird — das ist nicht die Lüge, der Diebstahl, der Meineid, — nein das ist die Sündigkeit von Mutterleib an, durch Evas Ungehorsam in die Welt gebracht und allen Menschen ohne Unterschied vererbt, durch nichts, auch nicht durch den besten Willen, auch nicht durch die beste Tat zu tilgen. Sünde, deretwegen sie zeitlichen und ewigen Strafen verfallen sind, wenn nicht Gottes Gnade hilft. Sünde! Wie lernt ein Volk dies, was seinem innersten Wesen tief widerstreitet und dem, wie es seit Menschengedenken sich selbst verstand?

Sünde — das ist jetzt alles, was ehedem hier den Menschen zum Menschen machte und was ihm heilig war. Doch um sich nicht mehr im göttlichen Heil geborgen12, von ihm durchstrahlt und getragen zu empfinden, um sich nicht mehr selbst das Maß zu geben, an dem man sich selbst mißt13: an seiner Ehre, um vor dem eigenen Urteil, um vor sich selbst zu bestehen, um sich selbst achten zu können — um sich im Gegenteil als Sünder zu verstehen, der sich des Heils seiner Seele aus eigenem Verdienst unwürdig fühlt, dazu bedurfte es eines totalen Bewußtseinswandels, der „Verbrennung“ alles dessen, was ihm heilig gewesen war, einer Ausreißung aller Wurzeln, mit denen er im Sein verankert war, einer Umwertung aller Werte ins absolute Gegenteil — und nicht nur der religiösen. Denn wenn Religion ein ganzheitlicher Bezug des Menschen ist, bedeutet ihre Umfunktionierung hier in Europa Umwertung nahezu aller ethischen, sozialen und sonstigen menschlichen Grundwerte, die sein Menschentum und seine Menschlichkeit bestimmt haben. Es gab kein Feld, auf dem nicht das Ureigene aus dem Boden gerissen und fremder Samen angesät wurde.

Verteufelung alles ehedem „Heil“ tragenden

Die tiefstgreifende Selbstentfremdung, die bis heute ihre tief eingegrabenen Spuren hinterlassen hat, traf die Frauen. Die germanischen Frauen14, die als selbständige Persönlichkeiten neben dem Mann standen mit eigener Ehre und gleicher Entscheidungsfreiheit und gleichen Zielen lebten, werden durch das neue Vorbild, das die Kirche ihnen aufzwingt, bis ins Mark getroffen15. Sie werden zu Evastöchtern, die den eben bekehrten Sachsen in der „Altsächsischen Genesis“ durch den Geistlichen Caedmon als „Frau von schimpflicher Gesinnung“ nahegebracht wird, die von ihrem Adam verflucht wird:

„Fürwahr! Du Eva, hast unseren Weg mit Unglück bezeichnet!
Nun magst du die schwarze Hölle gähnen sehen,
Die gierige, gellen magst du sie von hinnen hören …
Jetzt mag es mich gereuen, daß ich den Gott des Himmels bat,
Daß er dich hier formte für mich aus meinen Gliedern.
Jetzt hast du mich verführt zu meines Herrn Hasse,
So daß es jetzt und immerdar mich reuen mag,
Daß ich dich mit meinen Augen sah!“

Gott aber spricht zornig zu Eva und zu den sächsischen Männern und Frauen seinen furchtbaren Fluch: ein Programm, das in Zukunft nicht nur die Frauen, das auch die Männer in Pflicht nimmt:

„Gehe fort von der Freude!
Du sollst in deines Ehemannes Gewalt sein!
Von der Furcht vor deinem Gatten hart geängstigt,
Sollst du in Niedrigkeit deiner Taten Verirrung büßen …“16

Die Brutalität, die, fortan in Predigt und Lehre, Erziehung und Spruchdichtung17 hochgetragen, sich in Worten und Taten, an Strafen und Prügeln, an Frauenschändung und -beschimpfung, Frauenverachtung und Frauenhaß austobte und sich in Hexenverleumdungen und massenhaften Hexenverbrennungen dem Wahnsinn verbündete, ist so unvorstellbar wie die Tränen, die durch ein Jahrtausend geweint, und das Leid, das diesen Stolzen, vor dem freien und ganzen Menschen in der neuen Erniedrigung zu Krüppeln ihres Menschentums und zu schwachen, unmündigen, zum Gehorsam verpflichteten, weil triebhaftlüsternen Sünderinnen, die den Mann „von Gott abziehen“, zugefügt worden ist: Frauen, denen nach den Worten des Tacitus bei den Germanen „etwas Heiliges innewohne“18, die dem Göttlichen besonders innig verbunden seien und größeres Heil in sich tragen. An Tausenden von ihnen wird jetzt der Taufbefehl des Bischofs Remigius von Reims wortwörtlich vollzogen: „Verbrenne, was du angebetet hast!“ Wie ein allesumpflügender Tornado schlug sich die ungebetene und unwillkommene ultramontane Invasion ihre zerstörerische Bahn, brach in die intimsten Bereiche der Liebe, der Ehe und aller natürlichen Bindungen der Familie, der Sippe, des Volkes ein, verfremdete und verkehrte den Sinn von Arbeit, von Kampf und Frieden, ja von Leben und von Tod bis in den Grund. Sie „wandelte“ — laut Anordnung Gregors III.19 — die ererbten religiösen Bräuche, die Verehrung der Toten der Sippe und die Gedächtnisfeier der Ahnen um „in das Gedächtnis der Heiligen und heiligen Märtyrer“, erhob Eva, die Mutter der Sünde, zur Mutter aller Menschen und gab den Völkern Noah zum Stammvater. Hatten die Könige der Goten und Langobarden ihre Herkunft von Odin abgeleitet, die norwegischen und schwedischen Könige sich auf Gott zurückgeführt, wie das Volk selbst sich hier als von göttlicher Abkunft verstand20, so werden jetzt König David und Melchisedek, Priesterkönig von Jerusalem zur Zeit Abrahams, zu den Häuptern germanisch-europäischer Königshäuser. Ein Wechsel, der nicht nur ein Wechsel der Namen ist, sondern tief in das Geschichtsbewußtsein und in den Gang der Geschichte eingegriffen hat. Denn der König21, wie die Frau in besonderer Weise von „Heil“ erfüllt, und das politische Gemeinwesen, der Staat, das Reich22, heilig auf Grund der göttlichen Abkunft des Volkes, büßen in der Rollenbesetzung, die der Afrikaner Augustin23 der Römischen Papstkirche zugedacht hat (als „civitas dei“, als Gottes-Reich, über die „civitas terrena“ oder „diaboli“, das Erden- oder Teufelsreich, die Gesamtheit der weltlichen Staaten der vom Teufel geleiteten Irdischgesinnten und Gottesfeinde, die von Gott verworfen und zum Untergang bestimmt sind, zu herrschen) ihren Heiligkeitscharakter, ihre Würde, ihre Unabhängigkeit, ihre Identität ein.

„Die Sonne hat den Schein verkehrt“

Vollends seit der Geist der Clunyazenser Kirchenreform in den Vatikan einzieht und mit ihm der feindliche Gegensatz zwischen römischem und germanischem Heiligkeitsanspruch24 als der zwischen Hierarchie und Reich, zwischen Papst und Kaiser entbrennt, der jetzt als „tempelschändender Händler“ vom Papst aus dem Tempel getrieben werden könne und jedem geringsten Geistlichen Untertan sei, wird der Abgrund aufgerissen, die uralte göttlich-weltliche Einheit durch den orientalischen Dualismus kontradiktorischer, unvereinbarer, rangverschiedener Gegensätze feindlich zerschlagen. Der Zwiespalt zerbricht alle Ordnung des Reichs, weitet sich als Unheil durch die ganze sittliche und kosmische Ordnungswelt aus, so daß — wie Walter von der Vogelweide klagt — „die Sonne den Schein verkehrt“, selbst „die Vöglein in den Lüften dauert unsre Not“. „Sieh, wie der römische Erdkreis in Düsternis gehüllt, der Treue bar, zu frevelhaftem Beginnen und ruchlosesten Taten sich antreiben läßt!“ ruft erschüttert der aus königlichem Geschlecht geborene Otto von Freising: Die Zerstörung der religiösen Grundfesten, die Entheiligung alles Irdischen und Menschlichen, auf denen die Heiligkeit des Reiches geruht hatte, „führte so viel Unglück, so viele Gefahren für Leib und Leben herbei, daß er allein genügte, um das unselige menschliche Elend zu erklären.“25

„O weh, ich bin wie ein fauler Fisch und ein stinkendes Aas“

Wahrhaft vernichtend griff die religiöse Umpolung und Entheiligung in das Bewußtsein der Menschen und in ihr sie formendes Selbstverständnis ein. Die Erziehung durch Drohungen mit dem Jüngsten Gericht und den Strafen der Hölle, durch Schüren von Angst und durch Versprechungen, „daß ihr euch in Ewigkeit dort freuen möget, wo kein Ende, keine Qual, keine Trübsal ist, sondern ewiger Ruhm“ durch die Verheißung, „den Söhnen der Auserwählten zuzugehören“, vorausgesetzt, daß sie sich solcher Gnade für würdig erweisen, indem sie sich vor Gott als Elende und Sünder bekennen, die sich des Heils aus eigenem Verdienst unfähig fühlen — verlangt Zerstörung der Selbstachtung und des Selbstwertgefühls, bedeutet Selbstverachtung und Zertreten des eigenen Selbst.

Bis zu welcher Selbsterniedrigung und um welchen Preis dies geschehen konnte, zeigen die wilden Selbstanklagen eines zu Gott und zum Gottes-Täufer Johannes schreienden Mannes Heinrich, der um 1150 in den österreichischen Alpen lebte und dem „in seiner zu großen Schwachheit“ und „Haltlosigkeit“ „der Sünden bleiernes Gewicht“ zu schwer geworden war:

„O weh, ich staubige Asche, ich flüchtige Spreu,
ich bin ein fauler Fisch von den Sünden bis auf die Gräten…
Ich brüchige Ofenscherbe — was, wenn ich morgen sterbe?
Wem ich heute genehm, dem ich morgen widerwärtig,
ich stinkendes Aas —
o weh, wie oft ich lüge, in dem, was ich Gott gelobe.
Der Sünden madige Geschwüre,
die haben meine Seele verdorben und mich wie Lazarus getötet;
mein Gewissen verfault mir,
wenn mich nicht aufrichtet der Gottestäufer,
dein wunderbares Erbarmen ohn all mein Streben…
Dann habe ich Unreiner, ich Gehässiger, ich Neidvoller,
ich Zorniger, ich Habgieriger, ich Anreizer zum Bösen,
ich des Teufels Wucherer, ich aller Laster Heerhorn,
dann habe ich dich, Gottes Fahnenträger, erkorn.“26

Vierhundert Jahre sind seit Bonifatius vergangen: Aus Germanen sind Christen geworden.

II   Erneuerung der religiösen Identität

Dennoch ist die totale Identifikation mit der Sünderreligion — auch wenn man sich daran gewöhnt hatte, Urkunden mit dem Namen und dem flotten Zusatz „peccator“, „Sünder“, zu zeichnen — niemals die Regel. Zumal nicht bei den aktiveren, selbständigeren Geistern. Aller seelsorgerischen Anstrengungen zur Umorientierung des Bewußtseins durch das „Aufpäppeln mit der Milch der christlichen Lehre“ zum Trotz erhält sich die Art und Weise des ureigenen Denkens. Ja, es formt seinerseits die fremden Denkinhalte durch die eigene Art des Ergreifens unwillkürlich um, so daß man von einer unbewußten Germanisierung des Christentums gesprochen hat. Daraus erklären sich wesentliche Unterschiede unter seinen nationalen Ausprägungen, wie die des koptischen Christentums, das unverwechselbar ägyptische Züge trägt, des syrischen, griechisch-orthodoxen, des afrikanischen, lateinamerikanischen, des italienischen, des französischen, des deutschen, niederländischen, englischen und so fort. Nie aber hat unter der sich langsam glättenden Oberfläche das vulkanische Gestein des inneren Widerstandes sich ganz beruhigt. Immer wieder schießen während anderthalb Jahrtausenden eruptiv durch die Decke der abendländischen Christenheit Auflehnung, Aufstand, Protest empor gegen den diktierten Glauben, der sich mit den eigenen Überzeugungen nicht vereinbaren will.

Der europäische Gegenwurf zum biblischen Sündenfallmythos

„Es stimmt nicht, daß die beklagenswerte Situation, die Adam
hervorgerufen hat, verhängnisvolle Folgen gehabt und sich auf alle
Menschen vererbt hat! Die Sünde ist eine Wahlmöglichkeit, vor
die der Mensch gestellt ist!“1

empört sich der aus dem Norden der britischen Inseln nach Rom gekommene Pelagius über die augustinische Erbsündenlehre. „Wir widersprechen Gott, er sei der Urheber menschlicher Schwäche von elenden Sündern — o blinder Unsinn!“ Wie soll eine Sünde eine unausweichliche Verderbnis von universaler Ausbreitung nach sich ziehen? Eine Verderbnis schon der Allerkleinsten, der eben Geborenen? Nein, sündlos wird der Mensch geboren, und Gottes Gnade offenbart sich in dem freien Willen, den er ihm gab, zu sündigen oder sich von einer Sünde abzuwenden, in der Freiheit, sich für das Gute oder für das Böse zu entscheiden, und in der Kraft, das Gute auch zu vollbringen. Denn Gottes Kraft ist es, die in uns handelt, ebenso wie es Gottes Wille selbst ist, der als Freiheit in und durch uns wirkt.

„Es gibt nämlich in unserer Seele eine Art natürliche — wenn ich
so sagen darf  Heiligkeit“2.

In jedem Menschen liegen die Kräfte, sich über die Gebundenheit der Instinkte und über die Zwänge der Natur zu erheben und der freiwillige Vollstrecker des göttlichen Willens zu sein. Dieses Vorrecht ist unsere göttlichste Mitgift: den eigenen Willen frei dem seinen zu verbinden.

„Ich gehorche nicht, sondern ich stimme ihm zu. Ich folge ihm aus
eigener Überzeugung, nicht weil ich muß.“

Das ist nicht die Stimme eines Sündenbewußten, sich nach Erlösung Sehnenden. Das ist die selbstbewußte Sprache eines Menschen, der aus freier Entscheidung Gefolgschaft leistet oder versagt, gegenüber dessen freier Hingabe erzwungener Gehorsam ein Nichts ist. Zwang vernichtet. Zwang zerstört die gott-menschliche Beziehung. Nur die Freiheit des autonomen Menschen verwirklicht sie, der sich selbst das Gesetz gibt und sich selbst verantwortlich ist. Und der allein sittlich handelt. Aber nicht ein Mensch, der an die eigene Ohnmacht glaubt- und an sein Erlöstsein durch Christus.

Pelagius hatte in den christlichen Kreisen Roms eine Sittenverwilderung und Lasterhaftigkeit angetroffen, für die er die Schuld nicht einer angeborenen Sündigkeit und menschlichen Schwachheit gab, sondern dem Glauben, schon für immer errettet zu sein. Für diesen tieferschreckenden Vorgang des allgemeinen Sittenverfalls und religiösen Glaubensverfalls klagte er die christliche Lehre von der sündigen Natur des Menschen an und den Glauben an die durch Christi Kreuzestod bereits geschehene Erlösung aller Getauften: Sie hätten die fehlende sittliche Verantwortung des einzelnen verschuldet. Die christliche Predigt der menschlichen Schwachheit sei für den Verlust der Sittlichkeit verantwortlich. Dagegen lehrt er die menschliche Stärke:

„Wir müssen an unsere Stärke glauben, sie zu erkennen lernen und unsere Kräfte benutzen, die gewaltig sind! Aus uns selbst und in uns besitzen wir alles, was notwendig ist, um das göttliche Gesetz zu erfüllen.“3

„Dein Adel, deine hohe Stellung, deine Reichtümer“, schreibt Pelagius in einem Brief an ein sechzehnjähriges junges Mädchen aus reicher römischer Adelsfamilie, „hängen nicht von dir ab. Doch niemand wird dir deine geistigen Reichtümer übertragen können außer du selbst!“ Wie gesagt: Augustinus wurde der Sieg zugeschanzt, Pelagius verurteilt, seine Lehre von Konzil zu Konzil verdammt, seine Schriften verboten und mit Silentium bedeckt, sie blieben verschollen, bis Anfang des 20. Jahrhunderts eine Abschrift wieder aufgefunden wurde. Und doch erhebt sich hier eine Stimme und dort, die die Sprache des längst Vergessenen spricht. Ist es Zufall, wenn im 13. Jahrhundert ein deutscher Ritter in Wien den Verlaß auf Jesu Erlösertod als Ursache der Unsittlichkeit, Gottes Vorherbestimmung als Verführung zu Gewissenlosigkeit brandmarkt?4 Ist es blinde Duplizität der Gedanken, wenn während der Herrschaft der Scholastik der deutsche Dominikaner und Provinzialprior der Provinz Teutonia, Professor an der Pariser Sorbonne und Leiter des Studium generale in Köln Meister Eckhart die Einheit des menschlichen Willens mit dem Göttlichen als Akt freier Zustimmung verkündet?

„Gott zwingt den Willen nicht, er setzt ihn in Freiheit: so daß er nichts will, als was Gott und die Freiheit selber ist. Da vermag nun der Geist nichts anderes zu wollen, als was Gott will. Das ist keine Unfreiheit an ihm, das ist seine eigenste Freiheit.“5

Ist es nur reiner Zufall, daß im England des 18. Jahrhunderts der Earl of Shaftesbury6 den als Sünder verleumdeten Menschen rehabilitiert als den Selbstgesetzgeber, der als Bekundung des göttlichen Urgrunds in sich selbst den Quellgrund des Sittlichen besitzt? Ist es mehr als ein willkürliches Zusammentreffen, daß im gleichen Jahrhundert — 1400 Jahre nach Pelagius — an drei verschiedenen Stellen Europas gleichzeitig pelagianische Motive spontan und sinngetreu erneut angeschlagen und zur weithin tönenden Melodie aufgenommen werden? Wenn in der Schweiz Heinrich Pestalozzi7, in Königsberg Immanuel Kant, in Jena Friedrich Schiller, „den Abgrund füllen“ zwischen der „Furchterscheinung“ des außerweltlichen Gottes und „fremden Diktators“ und der sündigen Menschheit in „ihrer traurigen Blöße“ durch die Einheit des dem „Innersten unserer Natur“ innewohnenden „heiligen, göttlichen Wesens“, „des Göttlichen in der eigenen Brust“ und im eigenen Willen, eines „Unbedingten, das im Selbst als moralisches Gesetz spricht“?8 Wenn Schiller die Christenheit aufruft:

„Nehmt die Gottheit auf in euren Willen,
Und sie steigt von ihrem Weltenthron“?9

Und wenn Kant den Menschen aus seiner „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ zu einem eigenständigen, autonomen Selbst und aus dem so verschuldeten „Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen“ herausführt, indem er ihm die Würde zuerkennt, frei und fähig zu sein, sich selbst das Gesetz seines Erkennens und seines Handelns zu geben und sich ihm freiwillig unterzuordnen aus keinem anderen Beweggrund als aus Achtung für das Gesetz und seinen göttlichen Grund10? Beweisen nicht diese und Hunderte von Stimmen, daß ein und derselbe verborgene religiöse Strom, ein- und dieselbe Denkungsart unterhalb einer mehr oder weniger gelungenen Christianisierung der europäischen Völker durch die Jahrtausende strömt, in spontanen ketzerischen Widersprüchen sich bekundet, die ohne Vorbild, ohne Berührung untereinander sowohl in den Ecken, an« denen der Anstoß sich ereignet, als in den Entgegnungen übereinstimmen? Eine berühmte Lebensgeschichte hat uns eine Begebenheit aufbewahrt, die solchen Übereinstimmungen den Zufallscharakter nimmt und mit unüberbietbarer Überzeugungskraft die religiöse Identität innerhalb gewaltiger Zeiträume beweist.

Auf einer Synode der „Brüdergemeinde“, einer pietistischen Erweckungsbewegung, deren Lehre der Versöhnung der tiefsündigen Menschheit mit Gott durch Christi Tod galt, unterhält sich Ende des 18. Jahrhunderts arglos ein junger, aufgeschlossener Teilnehmer, der äußerst erstaunt ist, daß man ihn nicht als einen Christen gelten lassen will, ja — höchst erschrocken, als er „eine große Strafpredigt erdulden muß“ und einer der Synodalen ihn beschimpft, „ein wahrer Pelagianer zu sein“. Der Bescholtene forscht daraufhin nach allem, was er über diesen ihm gänzlich unbekannten Pelagius erfahren kann — und eine Welt geht ihm auf, die der seinen tief verwandt ist. Von seinen Überzeugungen „war ich aufs innigste durchdrungen, ohne es selbst zu wissen“11.

Es ist der fünfundzwanzigjährige Goethe, der nach diesem ihn aufrüttelnden Erlebnis ein Prometheus-Drama12 beginnt, den ungeheuersten Protest gegen „die Götter droben“. Denn während dort Prometheus die als seine Feinde hohnlachend abweist, erkennt er staunend in sich, in seiner schöpferischen Kraft das Göttliche selber. Was er für sein Eigenes gehalten hatte, das ist das Göttliche in ihm und mit ihm ununterscheidbar eines:

„So war ich selber nicht selbst,
Und eine Gottheit sprach,
Wenn ich zu reden wähnte
Und wähnt‘ ich, eine Gottheit spreche,
Sprach ich selbst.“

So stark lebt Goethe aus diesem Urerlebnis der Einheit des Menschen mit dem Göttlichen, kraft der er die Freiheit besitzt, sich zu entscheiden, sich strebend zu bemühen, aber auch zu irren; und den inneren Kompaß, der ihn auf seinem langen Lebensweg begleitete, zeichnete er in der Gestalt Faust. Hier ist alles ein einziger Gegenbeweis gegen jene in Marienborn schon bekämpfte Lehre von der „Verdorbenheit der menschlichen Natur durch den Sündenfall“ — hier erfolgt derselbe Einspruch dagegen, „daß auch bis in ihren innersten Kern nicht das mindeste Gute an ihr zu finden“ — hier meldet sich sein scharfer Widerspruch gegen die Rede, der Mensch müsse „auf seine eigenen Kräfte durchaus Verzicht tun“ — derselbe Protest, „er habe alles von der Gnade zu erwarten“, wie Goethe in Dichtung und Wahrheit seine Auseinandersetzung mit den Pietisten festgehalten hat. Um den Menschen geht es: hier Mephisto, der das unbegreiflich hohe Gotteswerk Mensch in Zweifel setzt und seinen Triumph schon vorausschmeckt, wenn er es herabgezogen haben wird in die Verderbtheit der staubfressenden „berühmten Schlange“ — dort der Herr, der Faust dem Teufel übergibt, übergeben kann, weil der göttliche Quell in ihm springt:

„Nun gut, es sei dir überlassen!
Zieh diesen Geist von seinem Urquell ab
Und führ ihn, kannst du ihn erfassen,
Auf deinem Weg mit herab —
Und steh beschämt, wenn du bekennen mußt:
Ein guter Mensch, in seinem dunklen Drange,
Ist sich des rechten Weges wohl bewußt.“13

Gott kann — das ist der klare Gegenwurf des europäischen Menschen gegen den orientalischen Sündenfallmythos — bedenkenlos Faust dem Verführer ausliefern und ihn, ohne einzugreifen, sich selbst überlassen, weil der Mensch nie seinen „Urquell“, seinen göttlichen Urgrund, die innere Magnetnadel verlieren kann, die ihm trotz allen Irrens den rechten Weg weist.

Europa behauptet das „Heil“ gegen den orientalischen Dualismus

In der Reibung an der christlichen, dualistischen Spaltung des Seins in ein außerweltliches Jenseits, aus dem ein persönlicher Gott in das von allem Göttlichen entleerte, des Heils verlustig gegangene Diesseits durch Zorn und Gnade, als liebender Vater und strenger Richter lohnen und strafend eingreift, ist die uralte, spezifisch europäische Urerfahrung des Einen Seins und gottweltlichen Einsseins in immer neuen Aspekten wiedererweckt und bewußt geworden, durchdacht und vertieft in einer europäischen Religion entfaltet14. Männer und Frauen aus allen europäischen Nationen, aus allen Ständen und Berufen, die italienische Gräfin wie die niederländische Bäuerin und die französische Herzogin, der englische Bischof, der deutsche Schuster, der Schweizer Arzt und der französische Goldschmied, viele englische Physiker, deutsche Philosophen und Dichter, wie auch Jesuiten, Dominikaner, Franziskaner, Beginen, Brüder des freien Geistes, Priester, Mönche und verfolgte Gemeinschaften, die nach Amerika auswanderten und drei der großen Präsidenten der USA15 stellten, Menschen der unterschiedlichsten Charaktere und Temperamente — sie alle, die sich mit den fremden Glaubensvorstellungen nicht abfinden konnten und in ihrer Auseinandersetzung mit ihnen jeweils zu ihrer eigenen religiösen Identität fanden, sie alle auf oft einsamen Posten, von der Kirche bedroht, verfolgt, verbrannt, stimmen, meist ohne voneinander zu wissen, wie in geheimer Verständigung dieselben Themen, dieselben Klänge an und in demselben mächtigen Chor zusammen.

Ob Meister Eckhart den schon allenthalben keimenden Gedanken des dem menschlichen Seelengrund innewohnenden Göttlichen — in dem das germanische „Heil“ als Grund der Existenz nachschwingt — in tief hinableuchtender, schöpferischer Intuition von der ,Geburt Gottes in der Seele’ groß entfaltet zur Wiederheiligung des erniedrigten Menschen und zur Heilung der Gott-Mensch-Einheit von ihrer Zerreißung, von ihrem Herr-Knechtsverhältnis und dem ewige-Ruhe-Suchen in Gott dem Herrn zu einem krafterfüllten, „von Heil“ erfüllten Leben der Tat und des ewigen Werdens, das durch keine Furcht und Sorge, Schwachheit und Angst zerfressen wird16,— er erhält Nachfolge in Flandern und den Niederlanden, in Süddeutschland und der Schweiz, durch Seuse und Tauler, den Frankfurter Deutschherrn und viele andere, die, wenngleich sie dem Maß dieses außerordentlichen Mannes nicht entfernt nahekommen, in seine Fußspur treten. Und nicht diese einzelnen allein. Die Ergriffenheit durch die — gegenüber der christlichen grundverschiedenen, sogenannten „deutschen“ — Mystik weitete sich aus zu einer Volksbewegung von europäischem Ausmaß.

Wie genau und wie tief Eckhart das Empfinden und die Sehnsucht des von der endzeit- und jenseitsgestimmten Kirchenpredigt erschreckten Volkes getroffen hatte, bewies die Liebe und Zuneigung, die ihm von seinen Hörern entgegenschlug. Darin erkannte er sehr genau, wie er seinem Inquisitor ins Gesicht sagte, den Hauptanlaß für seine Beseitigung: ohne seine Beliebtheit beim Volke „wäre derartiges von meinen Neidern nicht gegen mich versucht worden“17.

In einer Predigt hatte er einmal, mitgerissen vom Höhenflug seiner Gedanken, plötzlich innegehalten und seinen Hörerinnen tröstend versichert: „Wer diese Rede nicht versteht, der bekümmere sein Herz nicht damit. Denn sofern der Mensch dieser Wahrheit nicht gleicht, wird er diese Rede nicht verstehen. Denn es ist eine unverhüllte Wahrheit, die da gekommen ist aus dem Herzen Gottes unmittelbar.“18 Gerade die vertrauende Anhänglichkeit des Volkes und seine Aufgeschlossenheit aber bewiesen ihm, daß seine Worte vom Einssein des Wesenskerns der menschlichen Seele mit dem Göttlichen unmittelbaren Widerhall in ihren Herzen hatten. Weshalb? Weil eben diese Menschen „dieser Wahrheit gleichen“, so daß sie unvermittelt zu ihnen spricht, weil sie ihrem eigenen Wesen entspricht und sie darin übereinstimmen. Religiöse Identität!

Und obwohl diese Volksbewegung, wo immer sie sich rührte, in Arras, in Orleans, in Turin und Paris, in Nördlingen, Goslar und Köln erstickt oder blutig ausgemerzt und noch durch lutherische Intoleranz erbarmungslos verfolgt, gehetzt und gejagt wird, strömt sie unausrottbar durch die Jahrhunderte. Und es wiederholt sich, was schon dem pelagianischen Geist widerfuhr: obwohl das Werk Meister Eckharts, vor allem seine deutschsprachigen Predigten und Traktate, jahrhundertelang vergessen, in wenigen Blättern anderen Verfassern untergeschoben, ja selbst der Name dieses größten religiösen Genius des Mittelalters ausgelöscht und erst durch Franz von Baader 1816 der Nachwelt wiedergegeben wird. Da, zu ihrer aller Erstaunen entdecken die führenden Geister in Deutschland fast ohne Ausnahme schier ungläubig und in hellem Enthusiasmus unmittelbare Übereinstimmungen mit Gedanken, Elementen und Teilen ihrer eigenen Werke, eine ursprüngliche Geistesverwandtschaft des Denkens, eine beglückende Gleichgesinntheit. „Hegel“, berichtet von Baader, „war so begeistert“ durch den inneren Einklang und schloß seinen Ausbruch: „Da haben wir es ja, was wir wollen!“ Der erbittertste Hegelgegner Arthur Schopenhauer konnte sein Lob über die „wundervollen Schriften des Meisters der Meister“, den „Gipfelpunkt der deutschen Mystik“, nicht hoch genug ansetzen.

Ganz ohne Kenntnis der Eckhartschen Schriften durchweht Eckhartscher Geist bereits die Werke des Dresdeners Valentin Weigel, Pfarrers in Zschopau, und des Görlitzer Schuhmachers Jakob Böhme, die Bewegung des schlesischen Adligen Caspar von Schwenckfeld, die heute in den USA fortbesteht, und die zu Edelsteinen geschliffenenen Zweizeiler des Arztes Johann Scheffler, der sich Angelus Silesius nannte, auf das erstaunlichste jedoch die tiefreligiös erfüllte Gedankenwelt Fichtes. Auslöser sind wie überall der Aufstand gegen die dualistischen Zerspaltungen des Seins von antiker und christlicher Herkunft, der entschiedene Protest gegen den Glauben an einen jenseitigen, persönlichen Schöpfergott und gegen seine Offenbarungen durch ein heiliges Buch und durch einen Gottessohn, dessen Tod der durch den Sündenfall verderbten Menschheit Erlösung bringen soll, unter der alleinigen Bedingung des Glaubens an ihn, wozu allerdings die Gnade Gottes erforderlich sei. Solches trug dem Professor der Philosophie in Jena die „Anklage des Atheismus“ und „Feindes aller Religionen“ durch den Kursächsischen Kirchenrat ein. Die Anklage beantwortet Fichte mit seiner Appellation an das Publikum gegen die Anklage des Atheismus von 1799 und seinen Anweisungen zum seligen Leben nach Vorlesungen von 1806 in Berlin, die zu den „reifsten und tiefsten Werken der gesamten Literatur der Menschheit“ gezählt worden sind.

Dem „heillosen Götzen“, den die Menschen sich zur alleinigen Austeilung von Glückseligkeit und Genuß geschaffen haben, steht hier gegenüber — wie für Eckhart — ein Göttliches, das in seiner Unbegreiflichkeit durch keinen Begriff erfaßt werden und nur durch Negationen — wie Eckharts „Nichtperson“, „Nichtgeist“, „Nichtgott“ — oder nur im Schweigen berührt werden kann. Wiedergekehrt ist das Gott-Mensch-Verhältnis des Einsseins im Wesen, im Wollen, im Leben und Wirken, wiedergekehrt der von Eckhart gewiesene Weg vom Gott-Haben zum Gott-Sein, das heißt zu einem „wahrhaften Leben“ durch Entäußerung von allem egoistischen Begehren und vom Haften an den Dingen, an Erfolg, an Genuß, selbst von allem egoistischen Heilsstreben, bis „überhaupt gar nicht mehr Zweie, sondern nur Eins, und nicht mehr zwei Willen, sondern überhaupt nur noch Einer und derselbe Wille alles in allem ist“. Wiedergekehrt ist die ebenfalls von Eckhart gewiesene Wendung des gotterfüllten Menschen aus der Tiefe seiner Seele in die Welt der Tat und, wie für Eckhart, eines selbstlosen und zweckfreien Wirkens „sunder warumbe“, indem der Mensch mit Gott wirkt „alliu siniu werc“ als „ein mitwürker“ Gottes. Auch für Fichte ist Gott Willens- und Pflichtgrund eines Handelns, das nicht auf Erfolg ausgeht, wo der Mensch nur im Tun, rein als Tun, lebt; denn „er will es darum, weil es der Wille Gottes in ihm und sein eigener, eigentlicher Anteil am Sein ist“.

„In diesem Handeln handelt nicht der Mensch; sondern Gott
selbst in seinem ursprünglichen inneren Sein und Wesen ist es, der
in ihm handelt und durch den der Mensch sein Werk wirket.“19

Die Übereinstimmung im Denken Eckharts und Fichtes ist so groß, daß sie über das Inhaltliche hinaus gelegentlich bis in die Sprache geht. Wenn Eckhart Anfang des 14. Jahrhunderts lehrte: „Gott und das Sein ist dasselbe“, und was außerhalb seiner ist, ist nichts — so spricht Fichte nahezu fünf Jahrhunderte später: „Gott allein ist, und außer ihm nichts.“

Und Duplizität der Fälle — im selben Jahr mit Fichtes Appellation erschien in Paris eine anonyme Schrift Über die Religion, die sich „An die Gebildeten unter ihren Verächtern“ wendet. Auch hier ein Protest gegen die Beklemmnis und Düsternis der als sündig verdammten Welt! Der Autor, der dreißigjährige Schleiermacher, Prediger an der Berliner Charite, ist von einem unerhörten Freiheits- und Glücksrausch erfaßt, als er „die große Tat vollbracht, hinzuwerfen die falsche Maske, das lange mühsame Werk der frevelnden Erziehung“ in einem krankhaften und krankmachenden christlich-pietistischen Glauben. Auch ihn plagt der armselige „Sklaven- und Götzendienst“ jeder Mittler- und Buchreligion, auch ihm, nachdem er „die ängstliche Scheidewand“ des Dualismus abgerissen hat, begegnet der „Widerschein“ des Göttlichen in allem, am reinsten aber „im innersten Selbst“:

„So oft ich ins innere Selbst den Blick zurückwende, bin ich zugleich im Reich der Ewigkeit.“20

Und gleich Meister Eckhart, doch ohne ihn zu kennen, fordert er die „Gebildeten unter den Verächtern der — christlichen — Religion“ auf, sich von allem freizumachen, „und so mehr Ihr euch selbst verschwindet, desto klarer wird das Universum vor Euch dastehn, desto herrlicher werdet Ihr belohnt werden für den Schreck der Selbstvernichtung durch das Gefühl des Unendlichen in Euch“. In der „Selbstvernichtung“ öffnet sich die Seele für die Einwirkung des Göttlichen, so daß sie zum Leben erweckt wird und ein „neuer Mensch“ geboren wird, dessen ganzes Leben fortan „aus seiner eigenen Quelle hervorgehen muß“; im Bewußtsein, daß in allem jederzeit das Göttliche durch ihn spricht, wirkt und handelt. Indem Schleiermacher den Menschen den Imperativ setzt:

„Strebt danach, mehr zu sein als ihr selbst! — Strebt danach, mitten in der Unendlichkeit eins (zu) werden mit dem Unendlichen und ewig (zu) sein in jedem Augenblick!“

widerspricht er bewußt dem auf „Irreligiosität“ und „Selbsttäuschung“ beruhenden Glauben an zwei Welten, der „das Unendliche außerhalb des Endlichen“ sucht und „einen Unterschied macht zwischen dieser und jener Welt“, deren Glanz, wie er klar erkennt, „seine hohe und ausländische Farbe niemals verleugnen kann“21. Damit tritt er, ohne es zu ahnen, in die endlose Reihe aller großen Geister Europas, die einstimmig und aus innerer Wesensnotwendigkeit die „ausländische“ Zumutung, das Unendliche, Ewige, Heilige, Göttliche aus der Welt hinauszuverlagern und in einer zweiten, abgelegenen Welt unterzubringen, von sich gewiesen und es der Wirklichkeit zurückerstattet haben.

Europa wahrt die Einheit des Seins vor ihrer dualistischen Zerreißung

„Alle wenigstens, welche Religion haben“, rechtfertigt Schleiermacher die scharfe Ablehnung des allgemein als fremd empfundenen Dualismus, der das gesamte Sein zerreißt, „glauben nur an eine“. Diese Kette nämlich, beginnend mit Anaximander und Heraklit, den ionischen Denkern des vorsokratischen, vorplatonischen, vordualistischen Hellenentums, reicht bis in die Gegenwart über Eriugena und Eckhart, Nikolaus Cusanus und Giordano Bruno, Kant und Fichte, Schelling und Hegel, Goethe und Hölderlin, Teilhard de Chardin und Jaspers und unzählige andere, bei vollständiger Einhelligkeit ihres Glaubens. Für sie alle bilden das Unendliche und das Endliche eine unlösliche Einheit dergestalt, daß das Göttliche eine andere, tiefere Dimension bildet als das grenzenlose Universum und die Unermeßlichkeit der sinnlich-konkreten Natur, eine der sinnlichen Wahrnehmung nicht zugängliche, gleichwohl die gesamte Wahrnehmungswelt umfassende und durchdringende Wirklichkeit, das zugleich unendlich über sie Hinausliegende und dennoch in allem Wesende, der ewige und doch in allem gegenwärtige Tiefen- und Seinsgrund, der alles Seiende sein macht, in allem lebt und wirkt.

Ein neuplatonisches Werk, das der Enkel Karls des Großen, Kaiser Karl der Kahle, brennend zu lesen wünschte, löste einen weiteren spezifisch europäischen Protest aus, der seit Mitte des 9. Jahrhunderts bis in die Gegenwart immer stärker und vielstimmiger werden sollte. Erhob der erste Protest sich gegen die Sündigkeitserklärung des Menschen entsprechend dem biblischen Sündenfallmythos und der Erbsündenlehre des Afrikaners Augustinus, so entzündete sich dieser Protest an der Sündigkeitserklärung der Welt durch den aus der Verfallszeit der Mittelmeerkultur stammenden, christlichen Neuplatonismus22 und seine Lehre vom stufenweisen Abfall vom weltenfern ruhenden Ureinen bis zur gottfernen, finsteren, bösen Materienwelt. Es war der ebenfalls von den Britischen Inseln gekommene, als Vertrauter des Kaisers, Leiter der Hofschule und Übersetzer jenes Buches am Kaiserhof bei Paris lebende Scotus Eriugena, der — wie Pelagius weder Mönch noch Priester — aufgrund seiner eigenen Schrift Über die Entstehung der Natur als die Nr. 1 auf den Index der von der Kirche verurteilten und verbotenen Bücher gesetzt wurde. Dieser genialste Denker seiner Zeit machte gleich zu Beginn seines Werkes unmißverständlich klar, daß er sich seine eigene Meinung unabhängig von jeder Autorität vorbehält, „die nicht von der wahren Vernunft gebilligt wird“, die ihrerseits, „weil sie sicher und wandellos sich auf ihre eigenen Kräfte stützt, keine Bekräftigung durch Zustimmung irgendeiner Autorität nötig hat“.

In ihm sträubte sich alles gegen die bewegungslos, in völliger Passivität ruhende ureine Gottheit und ihr willenloses Überquellen in eine stufenweise abgeschwächte Wirklichkeit, das in einer durch platonische und christliche Verdächtigung mit allen negativen Attributen diffamierten „Natur“ endete. Diesem extremen Dualismus widersprach er leidenschaftlich:

„Wir dürfen Gott und Kreatur nicht als zwei voneinander Getrennte betrachten, sondern als eines und dasselbe; die Kreatur gründet in Gott und Gott schafft sich in ihr auf wunderbare und unaussagbare Weise, indem er sich selbst in ihr offenbart, als der Unsichtbare sich sichtbar macht und als der Unbegreifliche begreiflich und als der Eine zu einem Vielfältigen … indem er als Unendlicher zum Endlichen wird … Macher von allem, in allem geworden, der ewig anfängt zu sein und als Unbeweglicher sich ins All bewegt und verkörpert, der alles in allem wird.“23

Indem Gott sich in unaufhörlicher Schöpfung in alles entfaltet, schafft er sich selbst in allem. So sind Gott und Welt zwar in ihrer Seinsweise verschieden, aber eins und identisch in ihrem Wesen.

„Es ist alles aus Gott und Gott in allem und alles nirgendanderswo her als aus ihm selbstgeworden, weil alles aus ihm selber und durch ihn selber und in ihm geworden ist.“24

Die Materie, für den orientalischen Dualismus jeder Prägung äußerster finsterer Gegensatz des allein lichten Geistes und Keim alles Bösen — für Eriugena ist sie Teil des Göttlichen selbst und von göttlicher Art:

„Von sich selbst nimmt Gott die Gelegenheiten zu seinen Theophanien und Erscheinungen, da von ihm, durch ihn, in ihm, zu ihm alle Dinge sind. Und so ist auch die Materie selbst, aus der die Welt gemacht ist, von ihm und in ihm und er selbst ist in ihr, soweit überhaupt ihr Sein erkennbar ist.“25

Im Menschen erst kommt Gott zum Bewußtsein seiner selbst. In des Menschen geistigen, schöpferischen Kräften wirkt er und erzeugt er sich in immer neuen Wirklichkeiten, so daß der mit göttlichen Kräften schaffende Mensch zum Mitschöpfer Gottes wird.

Die Gottdurchdrungenheit der Natur im Werden und Vergehen und aller ihrer Wesen von den kleinsten bis zu den Gestirnen, der blühenden Pflanzen, der Vögel und allen Getiers, ihrer lebenfördernden und zerstörenden Elemente — sie alle sind Selbstoffenbarungen Gottes, nicht ein täuschender, fahler Schein. Indem Gott sich in allem schafft, vermindert sich nicht — wie bei Platon — seine Realität, noch schwindet: — wie auch für den Neuplatonismus — ins Nichtseiende, im Gegenteil! Gott bringt sich in der Natur zu reicher, gesteigerter Wirklichkeit.

Diese dem europäischen Menschen so innig vertraute Naturheiligung und Naturfrömmigkeit, von Ketzergerichten und hohen Konzilien verdämmt und verboten, verfolgt, wo sie sich hervorwagte wie 1215 in zwei Magistern an der Sorbonne, Almarich von Bene und David von Dinant, in den Amalrikanern, von denen 1210 vierzehn an lebendigem Leib in Paris verbrannt wurden wie noch unzählige nach ihnen, — sie ergriffen dennoch das Volk, wenn auch nur für eine kurze Spanne, wie ein Rausch der Freude zugleich mit dem Erblühen des vom arabischen Spanien überkommenen Minnesangs. So wenn ein ritterlicher Sänger aus Tirol, Friedrich von Sonnenburg, in seinen Liedern von der Gottartigkeit der Welt die Natur vom Makel des Widergöttlichen und von ihrer Erniedrigung zum Jammertal befreite:

„O wohl dir, Gottes Wundertal! …
Du zarter Gottesgarten,
in der Gott wunderbar viel Wunder gewundert hat!
Schälte ich Gottes hohes Wunderwerk,
So schälte ich Gott an seiner Schöpfung!
Wer dich schilt, Welt, der schilt Gott!“26

Auch Eriugenas Name und Werk wurden nach seiner Verurteilung und der Vernichtung seiner Schriften vergessen. Und trotzdem erbt sich sein Geist der Heiligung der Natur in unendlichen Verzweigungen durch die gesamte europäische Geisteswelt, aus der kein Land zwischen Sizilien und Bergen in Skandinavien sich ausschließt. Namen drängen sich auf wie Walther von der Vogelweide und Francesco von Assisi, Giordano Bruno, der am 17. Februar 1600 in Rom lebendig verbrannt und Lucilio Vanini, der am 16. Februar 1619 in Toulouse auf dem Scheiterhaufen getötet wird, Namen wie Goethe und Hölderlin, Geibel und Rückert, Rilke und Teilhard de Chardin, um nur einige zu nennen.

An einer Gabelung dieser sich über ganz Europa weithin verzweigenden Religiosität der Gott-Natur steht Mitte des 15. Jahrhunderts einer der bedeutendsten und — ohne daß die von ihm ausgehenden Geistesströme bisher genügend aufgedeckt sind — die Zukunft wesentlich mitbestimmenden deutschen Denker. Obwohl er die höchsten Würden innerhalb der kirchlichen Hierarchie erklomm, ist er mit allem Fühlen und Denken in dem ureigenen religiösen Erbe Europas verwurzelt. Es ist der Moselländer Nikolaus von Kues (1401-1464), von seinem einstigen Schulfreund, der als Pius II. die Tiara trägt, „Cusanus“ genannt, der es als Doktor der Rechte bis zum Reformlegaten für Deutschland, zum Kurienkardinal, zum Generalvikar in Rom und Ratgeber des Papstes bringt…

In der Gottesschau dieses umfassenden Geistes treffen gleichsam drei Blickwinkel ureuropäischer Sichtweisen in einem zusammen: die Einheitsmetaphysik eines Eriugena von Gott und Welt und Gottes Werden in ihr, das Einssein von Gott und Mensch und das Werden Gottes in der Seele in der Mystik Eckharts und des Pelagius Lehre von der Freiheit des Menschen dank des Einsseins des göttlichen und des menschlichen Willens. Explicatio, Entfaltung alles Seienden aus dem Sein, aller Wesen und Dinge des gesamten Universums aus Gott — das ist Ursprung und Grund aller „Ungenauigkeit“ des konkret Wirklichen, aller unendlichen Ungleichkeit, Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit innerhalb der Schöpfung, die keine Wiederholungen, weder in Raum noch Zeit, kennt, Ursprung und Grund alles Lebens, Werdens, Bewegens aller Evolution. Alles ist Gottesentfaltung und gottentstammt, Entstehen und Vergehen, Zeugung und Zerstörung, keines kann ohne das andere sein, und auch das Negative empfängt seinen göttlichen Sinn aus dem Ganzen.

Damit heiligt der Cusaner die Welt so tief, daß sie keiner Heiligung durch Sakramente oder ein Opfer Christi bedarf. Hand in Hand mit der Wiederherstellung des uralten, im „Heil“ anwesenden göttlichweltlichen Zusammenhangs stellt der Cusaner die niedergetretene Würde und das Eigenrecht alles Irdischen, auch des Menschen wieder her, der selber explicatio Dei, Entfaltung Gottes und unmittelbar zu Gott ist — nicht nur der Papst, nicht nur der Geistliche! Auch der Laie, der einfache Mensch, ist selber Heilsträger, wie schon Eckhart wußte. Damit gibt der Deutsche jedem Laien eine Würde zurück, wie sie ihm seit Jahrhunderten von der Kirche nie zuteil geworden, die vor der Bekehrung jedem Menschen eigen gewesen war.

Es war dasselbe Prinzip, als der Cusaner — hundert Jahre vor dem bloßen Mittelpunktstausch des Kopernikus von Erde und Sonne unter Beibehaltung des festbegrenzten, starren antiken Kosmos — die orientalische, „hierarchische“ Struktur des von hoch oben die Welt regierenden Gottes über einem ummauernden Fixsternhimmel, oberhalb des tief unten ruhenden Mittelpunkts Erde, unter der die Hölle gähnte, preisgab zugunsten eines unendlichen, grenzenlosen Alls mit unendlich vielen Mittelpunkten, da ja alles Entfaltung und Enthalt Gottes ist27. So hebt er die dualistischen Wertgegensätze von Himmlisch und Irdisch, von Heilig und Profan, von Geistlichem und vom Laien auf und wandelt sie in die Gleichwertung der unendlich ungleichen, individuellen Menschen, deren ein jeder auf seine Weise das Unendliche, Ewige, Göttliche repräsentiert. Bei aller Verschiedenheit der je einzigartigen Individualitäten ist ein jeder dennoch sinnvoll auf jeden anderen und das Ganze gestimmt und strebt kraft seiner inneren Unendlichkeit, zu wachsen und sich zu vervollkommnen, um in freier Entfaltung der in ihm angelegten schöpferischen Fähigkeiten und göttlichen Seinsfülle /u einem Selbst und zum Mitschöpfer und Partner Gottes zu werden. Denn jeder kann nur wahrhaft „sein“, sofern Gott in ihm gegenwärtig ist, der sein Sein ausmacht. Darum kann nur er selbst sein in der Wechselseitigkeit der freien gott-menschlichen Zuwendung. Ein Selbst zu werden, hängt von ihm selber ab. In seiner schönsten und tiefgründigsten Schrift Von Gottes Sehen führt der Cusaner den Leser auf einen „Gleichnisweg“, auf dem er Gott so anredet:

„Du sprichst in der Tiefe meines Herzens:
,Sei du dein eigen, und ich werde dein eigen sein!’
Du hast es ganz zur Sache meiner Freiheit gemacht,
daß ich, wenn ich will, ich selber sein werde.
Bin ich nicht ich selbst, so bist Du auch nicht mein. —
Es hängt also von mir ab, nicht von Dir.“28

Indem der Mensch sich dem Göttlichen in der eigenen Tiefe öffnet, es in sich zuläßt, gibt das Göttliche ihm sich selbst:

„Wenn ich Dein Wort höre, das in mir unaufhörlich redet
und beständig in meiner Vernunft leuchtet,
so bin ich mein eigen und frei
— nicht ein Sklave der Sünde.“29

Das Selbstwerden durch Einswerdung mit Gott begründet des Menschen Freiheit. Seine Selbstentfaltung bedeutet die freie Verwirklichung des göttlichen Geistes, der durch ihn spricht, der göttlichen Schöpferkraft, durch die er, mit der Philosophie, mit der Kunst, mit der Technik Neues erschafft, was die Schöpfung noch nicht hervorgebracht hatte, sie bedeutet schließlich sein Selbstdenken, das sich nicht von Büchern und Autoritäten nährt, sondern durch Erfahrung aus den Büchern der Natur, die Gott geschrieben hat. Das Einssein von Gott und Mensch wird in der menschlichen Selbstentfaltung zur schöpferischen Partnerschaft.

In seinen Ketzern errang Europa seine zerstörte Identität zurück

„Jedes Seiende“ — so hatte Nikolaus Cusanus, wie wir eingangs hörten, das Wesen der Selbstidentität bezeichnet, „ist nur in seinem eigenen Sein ganz selbst.“ Als Folge von Zerstörung und Verlust der Selbstidentität hatte er klar die „Uneigentlichkeit“ der Existenz erkannt: „In jedem anderen kann es sich nur uneigentlich repräsentieren.“ Denn, so fügt er hinzu, „die nichtübertragbare Identität“ auf jemand anders übertragen, geschieht unweigerlich „um den Preis des Andersseins“. Damit ist das Los des europäischen Menschen während mehr als einem Jahrtausend in wenigen Worten umrissen.

Europa hatte das Schicksal, in einem Glauben leben zu müssen, der nicht der seine war und seinem Wesen, Erleben, Fühlen, Denken nicht entsprach, der „sein eigenes Sein“ vergewaltigte, sein Bewußtsein durch dualistische Zerreißung alles dessen, was hier und für viele blieb, umformte und durch Setzung fremder ihm widerstreitender Wertakzente umpolte und damit den inneren Kompaß, die nachtwandlerische Sicherheit im Beschreiten des „rechten Weges“ zerstörte. Denn Verlust der eigenen Religion als eines ganzheitlichen Seinsbezuges bedeutet Gesamtverlust der eigenen Identität.

Indem das Volk in einem schmerzhaften Umerziehungsprozeß, der Jahrhunderte in Anspruch nahm, unter den Opfern seiner Eigentlichkeit mehr oder weniger zu Christen gemäß dem ihm gepredigten Selbstverständnis des schwachen, der Gnade Gottes und der Erlösung durch den Tod seines Sohnes bedürftigen Sünders wurde, wehrten sich die mutigsten, eigenständigen und schöpferischen Geister gegen die Zumutungen des fremden Glaubens und entzündeten in der Reibung durch Widerspruch die Flamme ihrer eigenen, aus innerster Wesensnotwendigkeit aufsteigenden religiösen Überzeugung. Ungezählte Tausende nahmen ohne Rücksicht auf sich selbst die gigantische Herausforderung auf, welche die Entwürdigung und Verkrüppelung ihres Menschseins und des ihnen Heiligsten an ihren Mut und ihr schöpferisches Denken stellte. Waren es anfangs nur einzelne Große, von deren Geist sich eine nicht abreißende Spur bis in die Gegenwart zieht — von Pelagius bis Storm, Hebbel, Rilke und weiter, von Eriugena und Giordano Bruno über Goethe bis Teilhard de Chardin und Saint-Exupery, von Meister Eckhart und Nikolaus Cusanus über Jakob Böhme bis Heidegger und Jaspers —, so wächst ihre Zahl beständig und ist in der Gegenwart in ungebrochener Kontinuität zu einer sich weit ausbreitenden, alle europäischen Nationen, alle gesellschaftlichen Schichten und alle Generationen übergreifenden religiösen Gemeinsamkeit erstarkt. Was konnte schlagender die religiöse Identität Europas ausweisen als die spontanen Proteste und selbständigen Entgegensetzungen seiner Ketzer als Urheber eigener religiöser Schöpfungen mit eigener Perspektive und ihre immer wieder staunenerregenden Übereinstimmungen untereinander über Jahrhunderte und über alle nationalen Grenzen hinweg — Übereinstimmungen, die oft unabhängig voneinander und ohne voneinander zu wissen, allein der ihnen gemeinsamen, ureigenen Erlebensweise, der immer gleichen Gotteserfahrung, demselben Wesensgesetz in der eigenen Brust entstammten? In seinen Tausenden von Ketzern kam Europa immer erneut und aus seinem Urgrund erneut zu sich selbst, wurde es sich in seinen größten Geistern seiner selbst, seines Wesens und seiner eigenen göttlichen Tiefe bewußt in einer eigenen europäischen Religion, die über das sich seinem Untergang zuneigende Zeitalter der Selbstentfremdung hinweg tragende Kräfte entfalten wird.

„Jedes kann nur wahrhaft ‚sein’, sofern Gott in ihm sein Sein ausmacht“

Die Nur-Protestierenden freilich, die den Mut zum eigenen Selbst und die Kraft zum eigenständigen Weg abseits der ausgetretenen ideologischen Straßen nicht aufbrachten, sie warfen mit dem von Nietzsche diagnostizierten „unglaubwürdig gewordenen Glauben an den christlichen Gott“ jeden Glauben über Bord, fegten mit dem christlichen „Jenseits“ jegliche „Transzendenz“, das heißt jedes „Überschreiten“ der vordergründigen Dingwelt des den Sinnen und dem Verstand Gegebenen davon. Indem sie jede Bindung zerrissen, ihre eigenen Wurzeln abschnitten und sich somit aller Quellen ihrer Kraft begaben, haben sie sich als Entwurzelte, Unbehauste selbst den von Nietzsche vorhergesagten Schrecken des totalen Nihilismus ausgeliefert mit allen Ängsten und Verzweiflungen in letzter Sinnleere und Verlorenheit ihres verödeten Daseins, das nach Untergang, Ende, Totsein süchtig ist. Die christliche Entwürdigung und Entheiligung des Menschen, der Welt, der Natur hat in diesen Protestierern gegen den christlichen Gott, in diesen Aussteigern aus dem Sinn, in diesen Emigranten aus der Heillosigkeit des Diesseits — das nach dem Kappen des „Jenseits“ ein „Diesseits“ des Nicht-Seienden ist und „vom Nichts umdroht“ — ihre letzten Opfer zugerichtet. Ihre Preisgabe aller Transzendenz rächt sich an ihnen mit dem Verlust des Seins.

Denn sie haben in ihrer Radikalität das Wesentliche für eine heile Identität selbst zerstört, das ihnen Antoine de Saint-Exupery mit dem Gebet des Großen Kaid in der Stadt der Wüste in Erinnerung ruft, das hier aber auch für jene stehen mag, die auf dem Weg zu ihrer wahren religiösen Identität sind:

„Verbinde mich wieder dem Baum, von dem ich stamme!
Ich bin ohne Sinn, wenn ich allein bleibe …
Hier bin ich aufgelöst und vorläufig.
Ich trage Verlangen, zu sein.“30

Anmerkungen

I Zerstörung der religiösen Identität

1 Nikolas von Cues, Die Kunst der Vermutung, Auswahl aus seinen Schriften, Bremen 1957, Über die Vermutungen, 1,13.
2 Michael Rangl, Briefe des hl. Bonifatius, Leipzig 1912.
3 Snorri Sturlusson, Sage von Hakon dem Guten, 14, in: S. Hunke, Europas andere Religion, Düsseldorf 1969, S. 97.
4 Hierzu Kap. ,Gott liebt den freien Menschen’, in S. Hunke: Europas andere Religion, aaO., S. 57-93.
5 Sigrid Hunke, Europas andere Religion, aaO., S. 15f, Einleitung: ,Gott hat viele Gesichter’.
6 Ebd., S. 93.
7 Sigrid Hunke, Tod, was ist dein Sinn, Pfullingen 1986, Kapitel ,Weiterleben aus dem Heil’.
8 Sigrid Hunke, Europas andere Religion, aaO., S. 102ff.
9 Salvian, De gubernatione Dei, X, VI.
10 Die Hymnen des Mönches Gottschalk, hrsg. von Walter Kagerah, Berlin 1936.
11 Sigrid Hunke, Europas andere Religion, aaO., S. 111.
12 Wilhelm Grönbech, Religion und Kultur der Germanen, Hamburg 1935, S. 127ff.
13 Sigrid Hunke, Am Anfang waren Mann und Frau, Vorbilder und Wandlungen der Geschlechterbeziehungen, Hildesheim 1986, S. 86ff.
14 Ebd., S. 80ff.
15 Ebd., S. 174ff.                                                                                 :
16 Heiland und Genesis, hrsg. von Otto Behaghel, Halle 1922.
17 Franz Brietzmann, Die böse Frau in der deutschen Literatur des Mittelalters, Berlin 1912.
18 Tacitus, Germania, c. 8.
19 Michael Rangl, aaO., Brief von Gregor an Bonifatius v. 2.11.726.
20 Sigrid Hunke, Das Reich und das werdende Europa (,Das Reich ist tot — es lebe Europa’), Hannover 1965, S. 29f.
21 Ebd., S. 30ff.
22 Ebd., S. 13-74.
23 Ebd., S. 26f.
24 Ebd., S. 25.
25 Ebd., S. 45ff.
26 Das Buch der deutschen Dichtung, hrsg. von Friedrich von der Leyen, I. Band, ,Frühes und hohes Mittelalter’, Leipzig 1939, S. 113.

II Erneuerung der religiösen Identität

1 Sigrid Hunke, Europas andere Religion, aaO., S. 60.
2 „Est enim, inquam, in animis nostris naturalis quaedam (ut ita dixerim) sanctitas.“ Demetriasbrief, in: Migne, Patrologiae Ser. Latina, Paris 1846, XXX 17, 2.
3 Ebd., XXX 17, 6.
4 Reinmar von Zweter in: Die deutsche Literatur, übs. und hrsg. von Boor, München 1965.
5 Meister Eckart, Deutsche Predigten und Traktate, üb. und hrsg. von Josef Quint, München o. J, Predigt 29, S. 291.
6 Nach Sigrid Hunke, Europas andere Religion, aaO., S. 77.
7 Wolfgang von Wartburg, Geschichte der Schweiz, München 1951, Kap. Pestalozzis. 178ff.
8 Immanuel Kant, Werke, Berlin 1913, Bd. V, Kritik der praktischen Vernunft, 2. Teil.
9 Friedrich von Schiller, Das Ideal und das Leben.
10 Immanuel Kant, Was ist Aufklärung?, Akademieausgabe Band 8, S. 35.; .Metaphysik der Sitten, Einleitung § 4’.
11 Johann Wolfgang von Goethe, Dichtung und Wahrheit. Aus meinem Leben, München o. J., 15. Buch, S. 506ff.
12 Johann Wolfgang von Goethe, Werke, Stuttgart 1950, Abt. 1, Bd. 4 .Frühe Dramen, Bruchstücke’.
13 Johann Wolfgang von Goethe, Faust, ,Prolog im Himmel’.
14 Sigrid Hunke, Europas andere Religion, aaO., III. Teil, ,Die europäische Religion1, S. 421-505.
15 Die ,unitarischen’ Präsidenten der USA: John Adams, Thomas Jefferson und Abraham Lincoln; ferner Benjamin Franklin u. a.
16 Sigrid Hunke, ebd., S. 265.
17 Ebd., S. 262.
18 Meister Eckhart, in Predigten und Traktate, aaO., Predigt 32, S. 309.
19 Johann Gottlieb Fichte, Sämtliche Werke, Leipzig 1924, .Anweisungen zum seligen Leben’, 6. Vorlesung, V, 475.
20 Friedrich Schleiermacher, Werke, Bd. 4, ,Über die Religion, Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern’, Leipzig 1911, S. 132.
21 Ebd., S. 34.
22 Sigrid Hunke, ebd., S. 41.
23 Johannes Scotus Eriugena, Über die Einteilung der Natur, übs. von K. Noack, Leipzig 1870-1874, III, 17.
24 Ebd., III, 22.
25 Ebd., III, 18.
26 Friedrich von Sonnenburg, in Die deutsche Literatur, aaO., I, 491f.
27 Nicolaus von Cues, Die Kunst der Vermutung, aaO., S. 225, ,Der Laie und die Weisheit’; S. 267 ,Der Laie über den Geist’; S. 299 ,Das Experiment mit der Waage’.
28 Nicolaus von Cues, ebd., ,Von der wissenden Unwissenheit’ (,De docta ignorantia’), Zweites Buch.
29 Nicolaus von Cues, ebd., ,Von Gottes Sehen’, S. 316.
30 Antoine de Saint-Exupery, Die Stadt in der Wüste, übs. von O. v. Nostitz, Düsseldorf 1956, c. 173.