Thema Mythologie und Sagenhaftes aus dem hohen Norden

Die Mythologie (von altgr. μυθολογια mythologia; zusammengesetzt aus μυθοι mythoi „Geschichten“ und λέγειν legein „erzählen“) bezeichnet die Lehre der gesamten Mythen eines Volkes und behandelt als ihren eigentlichen Gegenstand die aus der vorgeschichtlichen, d. h. vorliterarischen Zeit überlieferten Erzählungen, in die sich die Vorstellungen von dem Entstehen, dem Leben und den Handlungen der Götter im Verhältnis zueinander und zu den Menschen eingekleidet haben, sie bildet einen Hauptgrund der Götterlehre und damit der Religionsgeschichte. Im weiteren Sinn umfaßt die Mythologie auch die in vorchristlicher Zeit entsprungenen Sagen von den Helden der Vorzeit, insofern diese teils ursprünglich Göttergestalten sind, teils als über den gewöhnlichen Menschen und den Göttern näherstehende Wesen galten.

Mythologie bedeutet in diesem Zusammenhang nicht zuletzt auch die systematische Beschäftigung mit Mythen und damit verbundenen Sagen oder deren systematische Darlegung in literarischer, wissenschaftlicher oder religiöser Form.

Das Wort „Mythologie“ erscheint erstmals 1712 in dem Buch Die teutsche Mythologie oder Beschreibung heidnischer Götter.

Ein einzelner Strang der europäischen Aufklärung hat die Auffassung vertreten, Mythos und Logos ständen in unauflösbar widersprüchlichem Verhältnis zueinander und der weitere Geschichtsverlauf werde Mythologien zugunsten wissenschaftsorientierter Sichtweisen vollständig verdrängen. Der tatsächliche Geschichtsverlauf – gerade auch der europäischen Geschichte selber – hat diese theoretische Erwartung jedoch nicht bestätigt.

Vielmehr ist im 20. Jahrhundert der mythologische Charakter technologischer Heilsversprechen (die letzte Seuche ausrotten, die Armut abschaffen, die Wirtschaftsentwicklung vernünftig planen und dergleichen Fehlerwartungen mehr) immer deutlicher zutage getreten. Auch die mit jenem Logos-Begriff oftmals verbundene Erwartung, Religion sei ein absterbendes Kulturphänomen (→ Karl Marx, → Bertrand Russell), hat sich keineswegs bestätigt, sondern das glatte Gegenteil – ein epochaler Aufschwung der religiösen Besinnung – bestimmt heute den Geschichtsverlauf erkennbar mit.

Wie es religiöse Dogmen und Mythen gibt, so gibt es eben auch wissenschaftsgläubige Dogmen und Mythen. Die Nützlichkeit oder Schädlichkeit formal festgelegter Anschauungen kann nicht ein für alle Male bestimmt werden. Insbesondere die Vorstellung, eine rasche Beschleunigung technischer Innovationen sei das beste Mittel gegen „rückständige“ und „unaufgeklärte“ Denkweisen, hat statt dessen eine besinnungslose Technisierung (mit schwersten Vergiftungen des Lebensraumes) und pauschale Traditionsvernichtung auf diversen Gebieten begünstigt.

Der Rückgriff auf mythologisches Erbe ist heute vielfach verschüttet. Andererseits ist Modernismus kein lebensfähiges Zivilisationsmodell, sondern ein Zerstörungsmodus, und wird – in dieser oder jener Weise – auch gemäß mythologischem Geist abgelöst werden.

Germanische Mythologie.goell-walkuere

EINLEITUNG
Es läßt sich mit großer Wahrscheinlichkeit voraussetzen, daß die Stammväter der Germanen, nachdem sie sich von den anderen Ariern getrennt hatten und in zwei Strömen die Ebenen Mitteleuropas und den hohen Norden unseres Kontinents überfluteten, die alten religiösen Anschauungen der Urheimat noch treu bewahrten und vorzugsweise die lichten Mächte des Himmels verehrten. Darauf deuten schon die bei den alten Skandinaviern erhaltenen Namen der Götter TIWAS, d. h. die Himmlischen, und WANEIS, WANEN, d. h. die Strahlenden, hin. Demgemäß werden TYR oder ZlO, der Himmelsvater. und THUNAR, der Blitzgott, den Vorrang behauptet haben.

So sagt denn auch Caesar über die religiösen Vorstellungen der Krieger Ariovists aus eigener Erfahrung: „Die Germanen rechnen zur Zahl der Götter nur die, welche sie sehen und durch deren Segnungen sie offenbar gefördert werden, die SONNE, den MOND) und den FEUERGOTT. Von den übrigen haben sie nicht einmal durch Hörensagen vernommen.“ Der Lichtkultus schloß also noch die Vermenschlichung der Götter aus. Und so war es noch 150 Jahre später. Daß man sich auch da noch nicht die Götter plastisch gestaltete und verbildlichte, bezeugt Tacitus, wenn er schreibt:..weiterlesen

Nordische Mythologie und Sagenhaftes aus dem hohen Norden
Vorab des ArtikelsDie Wilden Götter – Sagenhaftes aus dem hohen Norden“ Fragen und Antworten von Tor Åge Bringsværd
Am Anfang waren Kälte und Hitze
Der Weg nach Norden ­ Norway, Norwegen, Norge ­ wurde immer als schwer zu finden betrachtet, beschwerlich zu gehen und gepflastert mit unsäglichen Gefahren. Für die Schriftsteller der Antike war Norwegen ein Märchenland ­ Ultima Thule, bevölkert von wilden Barbaren und voll von merkwürdigen und phantastischen Wesen.

Der Grieche Pytheas erzählt (im 4. Jahrhundert v.Chr.) von einem Ort, an dem die Naturgesetze nicht zu gelten scheinen, wo Erde und Wasser sich vermischen, und wo alles frei herumzuschweben scheint. Und der berühmte Historiker Herodot klagt, es sei eigentlich gänzlich unmöglich, irgendetwas von diesen nördlichen Gegenden zu beschreiben, weil man ganz einfach seine Hand nicht vor Augen sehe. Das liege an all den weißen Federn, die einem ununterbrochen ins Gesicht flögen, sagt er; die Luft sei voll von solchen weißen Federn, und sie lägen wie ein dichter Teppich auf dem Erdboden. Vermutlich müssen wir diese Aussage als den ein wenig mißglückten Versuch eines Südländers deuten, einen Schneesturm zu schildern… Es stimmt jedoch: Norwegen hat immer schon mehr als genug Eis und Schnee gehabt. Ein großer Teil des Landes liegt nördlich des Polarkreises. Und obwohl sich das Eis schon vor langer Zeit aus unseren Gegenden zurückgezogen hat, dauerte die Eiszeit in Norwegen länger als an den meisten anderen Orten der Welt.

Auch das sogenannte „Heidentum“ hielt sich hier im Norden länger als andernorts. Während das übrige Europa bereits seit tausend Jahren christianisiert war, beteten wir hier oben weiterhin unsere alten „heidnischen“ Götter an.

Wikinger wurden sie genannt, die alten Norweger, die um das Jahr 1000 Europas Küsten unsicher machten und Schrecken und Grauen bis nach London und Paris und weit ins Mittelmeergebiet verbreiteten, die wilden und gnadenlosen „Barbaren“, die nicht gerade einen großen Bogen machten, um Kirchen und Klöster zu plündern… War ihnen denn nichts heilig? Was glaubten sie selbst, diese blonden Seeräuber?

In diesem kurzen Artikel wird versucht, einen Umriß von der alten nordischen Mythologie zu zeichnen ­ so wie wir sie aus der Lieder-Edda kennen ­ der mächtigen Götterdichtung, die vor tausend Jahren entstand (niemand weiß, von wem), und die in isländischen Pergamenthandschriften aus dem 13. Jahrhundert erhalten ist...weiterlesen

Mythologie der Germanen – Der Seelenglaube
mythologie-der-germanen-elard-hugo-1837-1908Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen von Meyer Elard Hugo.
Mythologie ist uralte religiöse Naturpoesie, die die Menschheit mit einer zaubervollen Märchenwelt umgab. Die Mythen wurden nicht wie unsre Kinder- und Hausmärchen nur von den Kindern geglaubt oder daheim zur Unterhaltung erzählt, sondern vom ganzen Volke wie etwas Wirkliches geschaut und empfunden und in Furcht und Hoffnung heilig gehalten. Denn sie waren aus seinem innersten Eigen geboren, geistige Spiegelbilder gewisser Naturvorgänge, sei es des engeren Menschenlebens, sei es der weiten Welt ringsum, in denen ein geheimnisvolles übermenschliches Wesen zu leben und zu weben schien.

So verflochten sich bereits mit diesen ältesten traumhaften Vorstellungen jene ältesten religiösen Gefühle der Furcht und der Hoffnung und somit der Abhängigkeit von etwas Übermenschlichem. Sie trieben den Menschen dazu, diesen Phantasiegebilden Ehren zu erweisen, ihnen zu opfern, auch ihr Tun und Treiben im Kultus dramatisch darzustellen. Die daraus entsprungenen Riten wurden dann zum Teil wieder in die Erzählung des Mythus aufgenommen und gestalteten sie oft eigenartig um. Doch finden wir im germanischen Mythus kaum sichere Spuren davon. Dagegen mit der Hebung der Kultur, dem wachsenden Schwung der Phantasie, der Verfeinerung des Gemütes und der Schärfung des Verstandes flössen reichere, freiere, sinnvollere Mythen zu, welche Kulturzustände oder geistige Tätigkeiten personifizierten und eine Erklärung der mancherlei Rätsel des Lebens und der Welt zu geben suchten. Diese schwollen, mit den alten vereint, je nach Schicksal, Begabung und Richtung der Völker zu mehr oder minder breiten, trüberen oder helleren Strömen, zu ganzen Mythologieen an, bis sie teilweise in das umfassendere Gedankenmeer einer monotheistischen Religion mündeten....weiterlesen

Mythologie der Germanen – Der Alpglaube.
mythologie-der-germanen-elard-hugo-1837-1908Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen von Meyer Elard Hugo. Das Sterbelager und das Grab waren die Geburtsstätten des reichen Seelenglaubens, und schon dort war unter andern Erlebnissen und Eindrücken auch der Traum bei der Mythengeburt tätig. Das Traumbild des Toten aber, so wirksam es sich zeigte, war nicht die leitende Macht jenes Glaubensgebietes. Dagegen wenn der Traum sich krankhaft bis zum Alpdruck steigerte, wurde er allerdings die Haupttriebfeder einer anderen Vorstellungsmasse, des Alp- oder Mahrenglaubens. Auch dieser ist uralt.

Das Alpdrücken erklärte schon ein Hofmann Kaiser Ottos IV. für eine aus Verdickung der Säfte entstandene krankhafte Phantasie. Es wird durch eine akute Luftvergiftung oder, laienhafter gesagt, durch schwere Atemnot des Schlafenden hervorgerufen, wie sie etwa nach einer überreichlichen Mahlzeit namentlich in einem dumpfen Schlafraum aus der Verengerung oder dem Verschluß der Luftzugänge der Nase und des Mundes entsteht. Vom Fußende des Bettes fühlt der Schläfer eine unbehagliche Beklemmung allmählich auf den Leib, die Brust, den Hals, ja sogar den Mund vorrücken. Verwandelt sie sich also mehr und mehr in einen Erstickungsvorgang, so befreit sich der Betroffene endlich durch einen raschen Ruck, der auch die geschlossenen Lippen öffnet, oder häufiger noch durch ein Stöhnen oder einen Aufschrei der Angst und des Hilfsbedürfnisses, der ihm die erlösende Luft wieder zuführt. Er erwacht mit Herzklopfen und Schweiß. Nicht nur die Pein des Drucks ist es, die seine Nerven stark erregt, sondern auch die wilden Visionen, die gerade diese Traumart mit den durch betäubende Getränke erzeugten Hallucinationen teilt. Beim höchsten Grade des Alpfiebers reißt ein Taumel den Geplagten über Meere und Länder, von den höchsten Spitzen in die tiefsten Abgründe; feurige Kugeln umschwirren ihn, Flammen umlodern ihn, bis ein furchtbarer Knall die Irrfahrt urplötzlich abbricht….weiterlesen

Mythologie der Germanen – Die Elfen.
mythologie-der-germanen-elard-hugo-1837-1908Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen von Meyer Elard Hugo. Das Seelen– und das Marenreich liegen hinter uns; wir betreten eine neue Welt, das Naturgeisterreich. Nicht nur am Sterbebett und am Grabe des Angehörigen und auf dem Lager des eigenen vom Alp gepeinigten Leibes erfuhr die Phantasie tiefe mythenbildende Eindrücke.

Die freie Natur mit ihren wechselnden Reizen und Schrecken, Segnungen und Gefahren wurde nun die ergiebigste Fundstätte der Einbildungskraft. Den weiten Luftraum gestaltete sie zu einem erdenhaften und doch überirdischen Wunderlande um, aus den Erscheinungen des Wetters, das auch heute noch die stärksten und weisesten Kulturmenschen in seiner Gewalt hat, aus all seinen zahllosen Formen, Tönen, Farben, Lichtem und seinen oft so auffälligen Wirkungen schuf sie zauberische Tiere und Hunderte von menschgestaltigen Geistern und Göttern, die jenes Wunderland bevölkerten. Aber auch die Erde war ihr Tummelplatz, denn die Licht- und Wettergewalten griffen ja fortwährend in die Berge, Gewässer, Wälder und Felder ein, und so entstand, um einen Ausdruck Goethes zu gebrauchen, ein reges…..weiterlesen

Mythologie der Germanen – Die höheren Dämonen.
mythologie-der-germanen-elard-hugo-1837-1908Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen von Meyer Elard Hugo. Die Germanen gehörten zu denjenigen Naturvölkern, die zwar lange Zeiten hindurch nomadenhaft ihre Wohnsitze immer wieder wechselten, aber in der Regel mit diesem Wechsel einen höheren Kulturstand erreichten. Das zeigt auch ihr Übergang von der niederen zu einer höheren Mythologie. Sie gaben zwar keineswegs den Glauben an Gespenster und Maren, Elfen und Riesen auf — er bildete vielmehr den dauernden Untergrund ihrer Religion bis in die neuere Zeit hinein —, aber er allein genügte nicht mehr. Diese Wesen alle waren trotz ihrer mannigfachen Zauberkräfte doch nicht viel mehr als ihresgleichen. Im Umschwung der großen Schicksale, der die germanischen Stämme aus dem Osten zuerst nach Mitteleuropa und dann weiter nach Süd- und Westeuropa warf, bei der wachsenden Erkenntnis ihrer höheren Lebenszwecke bedurfte es für sie anderer stärkerer Mächte, als jene niederen Dämonen waren, um ein festes Vertrauen zu ihnen und das noch fehlende tiefste religiöse Gefühl, die Andacht, zu erwecken. Wie in der Sprache der alte Wortschatz einen allmählichen Bedeutungswandel erfuhr, indem man der Bezeichnung nicht bloß äußerlicher Dinge und Vorgänge, sondern auch innerer Eigenschaften Herr zu werden suchte, so bildete sich im Glauben der alte Mythenschatz um, indem seinem mehr sinnlichen Gehalt mehr und mehr geistige, sittliche und aesthetische Motive eingeflößt wurden. Die alten Figuren wurden umgeformt und vergeistigt, ihr Kultus gereinigt und vertieft. Aus dem sinnlichen Mythenstoff keimten immer kräftiger die Empfindungen des Unterschiedes von Schön und Häßlich, von Gut und Böse, von Vergangenheit und Zukunft empor. Über das Urgestein schob sich eine neue, in vielen Stücken wertvollere Schicht, die aber weder die Mächtigkeit der ältesten, noch die der späteren hatte. Mit andern Worten: der Glaube erstieg eine höhere Stufe, die der höheren Dämonen, die eine Zwischenstufe von der niederen Mythologie zu der Göttermythologie bildet...weiterlesen

Mythologie der Germanen – Die Riesen.
mythologie-der-germanen-elard-hugo-1837-1908Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen von Meyer Elard Hugo. Die niedere Mythologie pflegt sich nicht mit einer einzigen Art der Naturpersonifizierung zu begnügen, sondern sie schafft sich noch eine zweite, davon geschiedene: zu den Elfen die Riesen.

Und nicht so sehr hat ein sittlicher Gesichtspunkt, der auf eine Scheidung von Gut und Böse Bedacht genommen hätte, diese Zweiteilung veranlaßt, sondern der Eindruck der bloß äußerlichen Größen- und Machtunterschiede der Naturgewalten. So erheben sich hinter den Elfen deren kolossale Gegenbilder, die Riesen, die dieselben Naturmächte wie jene verkörpern, aber in ihrem wilden Aufruhr, in ihrem verwüstenden Übermaß und in ihrer alles Andere überragenden Massenhaftigkeit oder gar in ihrer schrankenlosen Ausdehnung. Gewitter-, Sturm und Wolkendämonen sind auch sie wie die Elfen, aber vom allerheftigsten Temperament. Selbst die hohen starren Berge und das unabsehbare Meer werden zu Riesen, der alles hüllende und füllende Nebel, die tiefe undurchdringliche Finsternis und endlich die ewige Nacht der Unterwelt. Doch kommen einzelne Riesen auch in sanfteren Winden herbei, und im schneeweißen Gewölk strecken schöne Riesinnen ihre Glieder…weiterlesen

Mythologie der Germanen – Das Götterleben und der Götterdienst.
mythologie-der-germanen-elard-hugo-1837-1908Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen von Meyer Elard Hugo. Nächst dem Aufkeimen des Glaubens an übermenschliche Wesen überhaupt ist die Wendung eines Volkes vom niederen Seelen– und Geisterglauben zum höheren Götterglauben das denkwürdigste Ereignis seiner Mythengeschichte. Durch hundert Fasern hängt dieser neue Glaube mit dem alten zusammen; am tiefsten wurzelt er im Naturgeisterreich.

Denn die auf einzelne Menschen angewiesenen Seelen und Maren fügten sich ihrer ganzen Art nach schwer zu einer höheren geschlossenen Körperschaft zusammen. Ungezählt und zerstreut lebten sie weiter und gestatteten nur eine schwache Idealisierung über ihr Dämonentum hinaus. Das Reich der Naturgeister aber, unter denen schon Könige erstanden und aus denen schon, gleichsam als Versuche der Vergöttlichung, die meisten höheren Dämonen hervorgegangen waren, wurde bei der wachsenden Naturerkerintnis, beim Bestreben, die zersplitterten Naturkräfte einheitlicher zu fassen und das Naturleben gleich dem Menschenleben besser zu ordnen, und bei dem mit der Kultur steigenden Bewußtsein von dem Dasein auch sittlicher Mächte, äußerlich und innerlich umgeschaffen. Man schritt von Einzelvorstellungen zu höheren und umfassenderen Begriffen fort, und der Name einer bedeutenderen Naturgeistergruppe z. B. der Holden und Berchten wurde zum Eigennamen einer einzelnen Göttin, zu Holda oder Berchta, oder es wurde ein neuer Name dem neuen Vertreter einer hervorragenden Naturgewalt z. B. Donar beigelegt. So finden wir denn all die alten dämonisierten Naturgewalten, außer dem Donner auch den Wind und die Wolke, das Himmelslicht und die sprossende Erde, in den neuen Göttergestalten wieder. Aber alle Eigenschaften, Kräfte und Ehren der Vielen, die bisher Herren dieser oder jener Naturkräfte waren, wurden nun einem Donnergott, einem Windgott u. s. w. zugeschrieben, der wie ein unumschränkter König in seiner Machtsphäre herrschte. Höchstens wurde dieser von den älteren Naturgeistem als Dienerschaft und Troß umgeben oder auch mit Kindern und anderer Verwandtschaft ausgestattet. Während jene älteren Naturgeister nicht nur die Luft, sondern auch die Erde bewohnten, wurden die Götter, abgesehen von der Mutter Erde, als durchweg vornehme Himmelsbewohner gedacht, die nur ausnahmsweise die Erde mit ihrem Besuch beehrten…weiterlesen

Mythologie der Germanen – Das Christentum in der nordischen Mythologie.
mythologie-der-germanen-elard-hugo-1837-1908Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen von Meyer Elard Hugo. Der germanische Mythenbau steht jetzt vor uns, freilich durch weit klaffende Lücken entstellt, aus verschiedenartigem, bald nordischem, bald deutschem Gestein zusammengesetzt und in den Stilen verschiedener Zeiten und Stände aufgeführt.

So lückenhaft ist die heimische heidnische Überlieferung, daß man sagen darf, sie beginne erst in dem Zeitpunkte, wo das germanische Heidentum zu bestehen aufhört. Nur landfremde Römer und glaubensfremde Mönche wissen schon früher davon zu berichten. Die heimische Überlieferung aber zerfällt in zwei große Hauptmassen, eine überwiegend skaldische nordische und eine überwiegend volkstümliche gemeingermanische. Darin spiegelt sich der scharfe Gegensatz der Stände wieder, der die germanische Staatsverfassung und Gesellschaft beherrscht. Es gab eine Bauernmythologie und eine Adelsmythologie…weiterlesen

Deutsche Mythologie – Der Götterglaube und Ort der GötterverehrungDeutsche-Mythologie-Buchdeckel

Der Götterglaube
Wie bei den Dämonen ist bei den Naturgöttern der Zusammenhang mit den zugrunde liegenden Naturerscheinungen gelockert, ja oft aufgelöst; der Glaube, daß es die großen Naturmächte sind, von denen Wohl und Wehe des menschlichen Daseins abhängt, ist mehr und mehr zurückgetreten. Die Götter sind zu wunderbarer Größe und Herrlichkeit gesteigerte Menschen, Idealbilder von Königen und Fürsten, von erstaunlicher Kraft und Weisheit. Wie Zeus, Hera, Apollo idealisierte Hellenen sind, so sind Wodan, Frija, Donar ideale Germanen. Eine bestimmte Rangordnung unter den Göttern gab es ursprünglich nicht; jeder war in gewissen Lebenslagen der Höchste, der Donnerer, wenn das Gewitter tobte, der Windgott, wenn es stürmte. Solch ein „Augenblicksgott“ ist ferner die Gottheit, die eine einzelne bestimmte Ernte schützt oder eine einzelne bestimmte Waffe zum Siege lenkt und eben in der Garbe, in der Lanze selbst wohnt. Sie entwickelt sich zu einer „Sondergottheit“, die nunmehr ein für allemal der Ernte, dem Kriege vorsteht, und wird schliesslich zu einem „persönlichen Gott“, der immer reicher und idealer ausgestattet wird und alle zusammen gehörenden „Sondergötter“ in sich vereinigt, Darum haften auch ethische Elemente den Götter anfangs nur locker und äußerlich an; *der Gewittergott ist wohl ein gewaltiger, kriegerischer Held und nur wenig von dem Gescblochte der Riesen unterschieden, aber leuchtende Reinheit und Erhabenheit einer höchsten sittlichen Kraft hat er ursprünglich nicht…weiterlesen

Deutsche Mythologie – Seelenglaube und Naturverehrung

Deutsche-Mythologie-BuchdeckelWährend man früher einseitig glaubte, daß alle heidnische Religion sich aus der Naturbetrachtung entwickelt habe, nimmt man heute oft ebenso einseitig an, daß alles religiöse Denken aus dem Seelenglauben abzuleiten sei. Die Religion hat viele Quellen, und jeder Versuch, alle Erscheinungen der Religion auf eine Quelle zurückzuführen, muß gezwungen und unnatürlich erscheinen. Man könnte ebensogut den Ozean von einem Flusse, wie die Religion von einer Quelle ableiten. Zwei Schichten von mythischen Vorstellungen lassen sich mit Sicherheit bei den Indogermanen bloßlegen, Seelenverehrung und Naturverehrung; beide berühren sich oft auf das engste und verschmelzen zu einem Gebilde, so daß sie nicht scharf auseinander zu halten sind. Die großen, mächtigen Götter, die Repräsentanten von Naturmächten, sind von einem Gewimmel niedriger, mißgestalteter Wesen umgeben, die an der Schwelle des Hauses nisten und durch die Luft schwirren. Neben den feierlichen Opfern und Gebräuchen des höheren Kultus findet sich, nicht in getrenntem Nebeneinander, sondern unlöslich verwachsen mit ihnen, der niedere Kultus der Beschwörungen und des Zauberns, die abergläubische Beobachtung der kleinlichsten Vorschriften. Die moderne Ethnologie eröffnet einen Blick in die fernste vorgeschichtliche Zeit, wo von einer Ausprägung indogermanischen Wesens noch nicht die Rede sein kann, und zeigt uns, daß auch hier eine fortschreitende Entwickelung vom Rohsten zum Höchsten stattgefunden hat. Seelenverehrung und Naturverehrung mußten in ihrem letzten Ziele zu der Vorstellung führen, daß die ganze Natur belebt sei...weiterlesen

Deutsche Mythologie – Der Kultus und Götterdienst

Deutsche-Mythologie-BuchdeckelDas Christentum schlug den heidnischen Germanen gegenüber ein doppeltes Verfahren ein. Das unduldsame Wort des Bischofs Remigius von Rheims bei der Taufe des Frankenkönigs Chlodoveeh (496): „Beuge dein Haupt in Demut, stolzer Sigamber, und verehre von nun an, was du bisher verbranntest, und verbrenne, was du bisher verehrtest!“, darf als vorbildlich für die spätere Zeit gelten, in der die heidnischen Götter sämtlich für teuflische Mächte erklärt wurden, und die christlichen Missionare sich beeif erteil, die Heiligtümer zu vem ich teil und den heimischen Glauben und Brauch auszurotten. Zwar leugnete die Kirche die persönliche Existenz der für Götter gehaltenen Wesen durchaus nicht, aber auf Grund biblischer Stellen (wie Psalm 965, I. Kor. 102l_g2) wurden sie als Dämonen bezeichnet. Ihre Verehrung wurde Teufelsdienst; die deutschen Götter wurden direkt als böse Geister bezeichnet. „Entsagst du den Unholden?“ fragt das ostfränkische Taufgelöbnis des 7. Jhds., und der Täufling anwortet: „ich entsage“. Die Opfer, die er seinen Göttern gebracht hatte, mußte er aufgeben; aber ihre Namen nennt die Taufformel nicht, sie wären eine Entweihung: sie sind nicht den Menschen hold, sondern unhold. In der sächsischen Taufformel von ca. 790 wird allen Werken und Worten des Teufels entsagt, dem Donar, Wodan und Saxnot und allen den Unholden, die ihre Genossen sind. So ist die Gestalt des Teufels, wie sie im Volksglauben lebt, reich an Zügen enstellten deutschen Heidentums. Namentlich in Xorddeutsehland ist die Kirche mit furchtbarer Rücksichtslosigkeit vorgegangen….weiterlesen

Deutsche Mythologie – Das Priesterwesen

Deutsche-Mythologie-BuchdeckelKeine der deutschen oder nordischen Benennungen für Priester ist mit einem gleichbedeutenden Worte der anderen idg. Sprachen verwandt, jede ist etymologisch leicht zu erkennen, mithin kann der gesonderte Begriff für Priester, für ein deutlich von anderen Ständen geschiedenes Priestertum nicht allzuweit in die Urzeit zurück reichen. Wie der Hausvater für die Sippe das Gebet verrichtete, opferte und weissagte, eo war für die Heiligtümer der Dorfgemeinde, des Gaues, des Stammes, der Angesehenste, der Häuptling, der König, Leiter der gottesdienstlichen Handlungen. Ganz richtig bemerkt Cäsar (b. g. 68l), daß es bei den Deutschen eine Priesterkaste nach Art der gallischen Druiden nicht gebe. Die Deutschen kannten keinen besonderen, erblichen Stand, der allein den Zutritt zu den himmlischen Mächten gewähren konnte. Wenn somit auch niemand, der den Göttern nahen wollte, eines Mittlers bedurfte, so war doch bei größeren Festen ein Priesterstand notwendig, d. h. man bedurfte Mftuner, die mit der Verwaltung der heiligen Bräuche vertraut waren. Der König, der seinen Ursprung von den Göttern ableitete, war der oberste Priester des Landes, er war Hüter und Pfleger des Heiligtums. Auch bei der kleineren Vereinigung der Gemeinde oder des Gaues war der leitende Beamte zugleich der Priester. Das in Thing und Heer versammelte Volk befehligte und weihte im Namen des obersten Befehlshabers, des machtvollen Tius, der König oder Häuptling. Wie eine ahd. Glosse lehrt, war die Bezeichnung cotinc (tribunus), die auf die Stellung des Priesters zu den Göttern geht (gud; minister deornm sagt Tacitus, Germ. 10), ganz zur Bezeichnung einer weltlichen Würde geworden. Während einige von den Häuptlingen den Heerbann in die Schlacht führten, mußten andere den Göttern für den Sieg opfern, die heiligen Feldzeichen hüten, deren Gegenwart das Dasein der Gottheit und damit den heiligen Frieden bezeugte, der über den bewaffneten Scharen ruhte, und jede Verletzung der religiösen Weihe durch Handhabung der Kriegszucht ahnden. Die Behörden, die nach Cäsar (b. g. 623) gewählt werden, mag ein Stamm angreifen oder sich verteidigen, in deren Händen die Leitung des Krieges steht, und die Gewalt über Leben und Tod haben, können nur Priester sein…weiterlesen

Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt (Die Schöpfungsgeschichte)

Deutsche-Mythologie-BuchdeckelDie mythenbildende Kraft der Völker umspannt die ganze Welt, von ihrer nächsten Umgebung an bis hinauf zum Sternenzelte. Besonders zwei Gruppen dieser mythologischen Naturauffassung lassen sich unterscheiden, kosmo-gonische Sagen, die sich mit dem Entstehen der Welt, des Himmels und der Erde beschäftigen, und theogonische, die den Ursprung und die Entwickelung der Götter behandeln. Auf diesem volkstümlichen Grunde kann die Naturphilosophie der Denker und Weisen auf bauen; die Antwort aber, die das Volk suchte, konnte es nur auf religiöspoetischem Wege durch Mythen geben. Die Fragen über die in der Natur wirkenden Kräfte, nach dem Grunde der Bewegung der Himmelskörper, des Wechsels von Licht und Finsternis, Tag und Nacht, Sommer und Winter, über die Entstehung der Welt, der Götter und Menschen kehren bei allen Völkern wieder. Auch die Deustchen haben eine Kosmogonie gehabt oder wenigstens einzelne kosmogonische Gedanken entwickelt; aber ein kunstvoll zusammengesetztes System läßt sich bei ihnen nicht nach weisen…weiterlesen

Das Erforschen der Zukunft

Deutsche-Mythologie-BuchdeckelAls Mittel zur Erforschung des göttlichen Willens bei den Deutschen nennt Cäsar „Losorakel und Prophezeiungen (sortes et vaticinationes; b. g. 150), Tacitus „Götterzeichen und LosorakeV1 (auspicia et sortes, Germ. 10). Beim Los wurde die Gottheit nach ihrem Willen gefragt, im anderen Falle erfuhr man ihn aus gewissen Vorzeichen. Die Wahrsagekunst scheint mehr Aufgabe der Frauen gewesen zu sein, Los und Weissagung stand jedem freien Manne zu; nur bei Angelegenheiten, die den Staat betrafen, lagen sie in der Hand des Priesters. Im häuslichen wie im öffentlichen Leben aber waren sie mit Gebet und Opfer verbunden. Los (ahd. kluz, got. hlauts) ist das, mit dessen Hilfe geweissagt wird, -das Opferblut; Losen (ahd. hliozan) bedeutet aus Zeichen oder durch Werfen bezeichneter Gegenstände und deren Fallen weissagen oder bestimmen, und dann überhaupt das Schicksal befragen.

Tacitus beschreibt das Verfahren beim Losen folgendermaßen (Germ. 10): „ Man zerlegt die Zweige eines -fruchttragenden Baumes (Erle und Buche mit ihren Eckern, Hasel, Hollunder und Wachholder) in kleine Stäbchen, die durch getvisse Zeichen unterschieden sind und streut sie aufs Geratewohl und wie es der Zufall fügt, über ein weißes Laken. Alsdann nimmt, wenn in öffentlicher Angelegenheit das Los beß’agt wei’dcn soll, der Ewart der Gemeinde, wenn in häuslicher, bloß das Haupt der Familie nach einem Gebet an die Götter*, den Blick gegen Himmel gelichtet, dreimal je ein Stäbchen auf und deutet aus den vorher eingeschnittenen Zeichen nach den Hegeln der Weissagekunst und infolge übernatürlicher Eingebung den durch die Lose ausgespi’ochenen göttlichen Willen. Wenn die Zeichen dawider sind, so findet über dieselbe Sache ßir denselben Tag keine Befragung mehr statt: gestatten sie es aber, so ist noch die Bestätigung durch Götterzeichen erforderlich“…weiterlesen

Die Indogermanen Germanenherz aus dem Buch: Die Indogermanen – Ihre Verbreitung, ihre Urheimat und ihre Kultur (1905)

Die Indogermanen – Ihre Verbreitung, ihre Urheimat und ihre Kultur (1905)

.(PDF-Dateien: Band 1, Band 2)

Vorwort

In diesem Buche habe ich beabsichtigt, eine knappe Übersicht über die Urheimat und Kultur der Indogermanen zu geben. Um die Urheimat zu bestimmen, mussten die Sprachen Europas betrachtet und die Wanderungen der einzelnen Stämme kurz dargestellt werden. Die Kultur der Indogermanen aber ist die des prähistorischen Europas überhaupt, da sich auf diesem Gebiet Grenzen zwischen ihnen und den übrigen Völkern nicht ziehen lassen. Mein Plan war von allem Anfang an darauf gerichtet, ein allgemein verständliches Buch zu schreiben. Ich habe daher in der Darstellung alle Anmerkungen vermieden und diese an den Schluss des Werkes in einen dritten Teil verwiesen. In diesem wird der Leser die Literatur, die ihn weiter führen kann, das sprachliche Material, soweit es wirklich beweiskräftig ist, und zahlreiche Zeugnisse angeführt finden. Auch einige ausführliche Erörterungen sollen dort ihren Platz erhalten. Da die Fülle des Stoffes schliesslich nicht in einem Band vereinigt werden konnte, so ist eine voraussichtlich gleichmässige Teilung vorgenommen. Doch wird der zweite Band so eingerichtet werden, dass man die Anmerkungen besonders binden lassen und dann bequem neben dem Texte benutzen kann.

Den Plan zu diesem Buche habe ich im Jahre 1891 gefasst und seitdem nie aus dem Auge verloren. Eine ganze Reihe kleinerer Aufsätze, die ich seit dieser Zeit veröffentlicht habe, waren die Frucht der dauernden Beschäftigung mit den behandelten Problemen. Die erste, nicht vollendete Ausarbeitung stammt aus dem Jahre 1897. Ich musste diese aus äussern Gründen abbrechen und bin erst vor zwei Jahren wieder dazu gekommen, die endgültige Fassung zu beginnen. Die Grundgedanken, von denen dieses Buch beherrscht ist, dass die Heimat der Indogermanen in der grossen nord-ostdeutschen Tiefebene zu suchen ist, und dass ihre Kultur bei weitem höher war, als man jetzt anzunehmen pflegt, stehen mir seit langem lest, und icli habe sie schon wiederholt ausgesprochen. Kbenso habe ich betont, dass sich mit Hilfe der Sprachwissen-schalt allein über die Kultur wenig ermitteln lassen wird. Die Sprache stellt daher nur im ersten Teil im Vordergrund, bür die Bestimmung der Wanderungen und der Verteilung der Völker ist sie unsere beste Führerin, für die Krschliessung der Kultur kann sie nur als Hilfswissenschaft in Betracht kommen….weiterlesen

Der Jahreskreis und Jahreskreisfeste Entstehung und Hintergrund des Jahreskreis und Jahreskreisfeste Das imponierende Schauspiel der Natur, das sich im Muster der Jahreszeiten wiederholt, hat immer eine große Auswirkung auf das Leben. In der Antike und im frühen Mittelalter, als die Menschen in Mittel- und … Weiterlesen

Der himmlische Lichtbaum der Indogermanen in Sage und Kultus. IrminsulWenn die prähistorische Archäologie allmählich immer mehr einen gewissen homogenen Zustand der in Europa sich ausbreitenden und dasselbe eigentümlich kolonisierenden indogermanischen oder arischen Stämme in Bezug auf das häusliche Leben und die Anfänge gewerblicher Thätigkeit aufdeckt, so entsprechen dem auch die Besultate der Untersuchungen über den mythologisch-religiösen Entwickelungsstandpunkt derselben. Neben den überall bei den betreffenden Völkern auftauchenden analogen Naturanschauungen, als Grundlage ihrer Mythologie, erscheint aber schon eine gemeinsame Phase in der Entwickelung der auf jenen hin sich entfaltenden religiösen Vorstellungen und Gebräuche. Die gleichsam noch flüssigen Elemente fangen schon an eine gewisse Consolidierung zu zeigen. Unter anderem tritt uns eine solche höchst bezeichnend in dem sogenannten Baumkultus und den sich daran schließenden mythisch-religiösen Vorstellungen entgegen, welche nicht, wie man bisher gemeint und namentlich Boetticher und Mannhardt in neuerer Zeit mit großer Gelehrsamkeit auszu-fiihren sich bemüht, aus dem Waldleben der Urzeit unmittelbar hervorgegangen, sondern ursprünglich auf Vorstellungen von einem wunderbaren Welt- oder Himmelsbaum zurückzuführen sind, als dessen Abbilder nur gleichsam gewisse irdische Bäume dann eingetreten. Mit diesem Himmelsbaum stehen wir aber im Mittelpunkt einer eigentümlichen, höchst primitiven Welt- resp. Himmelsanschauung überhaupt, welche zu ihrer Zeit die betreffenden Kreise ebenso beherrschte und für andere Vorstellungen als Anlehnung diente, wie später in den historischen Zeiten innerhalb der klassischen und christlichen Welt selbst noch auf dem Gebiete wissenschaftlicher Forschung der Glaube an die angeblich um die Erde als ihren Mittelpunkt sich drehenden Himmelskörper maßgebend war, bis auch diese Vorstellung wieder einem neuen, nämlich dem kopernikanischen Systeme weichen mußte…weiterlesen

Wald- und Feldkulte: Der Baumkultus der Germanen und Ihrer Nachbarstämme
Mythologische Untersuchungen
Vorwort. 
Wald- und FeldkulteDas vorliegende Buch, welchem demnächst ein zweiter Band „griechische und römische Agrarkulte aus nordeuropäischen Ueberlieferungen erläutert“ folgen wird, beginnt die Veröffentlichung einer Reihe von Vorarbeiten, die sieh dem Verfasser als erforderlich ergeben hatten, um zur Klarheit und Sicherheit über das Fachwerk zu gelangen, in welches die einzelnen Stücke der von ihm unternommenen „ Sammlung der Ackergebräuche“ einzuordnen seien. Es ist hier der Versuch gemacht worden, die wichtigsten Sagen, Frühlings- und Sommergebräuche, welche zu den Erntegebräuchen in unverkennbarer Analogie stehen, einzig und allein aus sich selbst heraus einer methodischen Untersuchung auf ihren Inhalt und dessen Bedeutung zu unterwerfen, soweit es der Hauptsache nach auf Grund des in der Literatur vorhandenen Materiales schon jetzt geschehen konnte. Doch sind an vielen Orten bisher ungedruckte Ueberlieferungen eingestreut. In größerem Umfange ist dies bei Gelegenheit des Erntemai geschehen; die rheinländischen Sitten und die zu Kuhns Aufzeichnungen hinzugekommenen westfälischen verdanke ich schriftlichen Mittheilungen, so auch alle übrigen, dagegen sind die S. 203 ff. verzeichneten französischen einer größeren Sammlung entnommen, welche mir im Jahre 1870 persönlich aus der Unterhaltung mit Kriegsgefangenen zu schöpfen vergönnnt war.

Den mannigfachen neuen Stoff, welchen ich in dem Abschnitte über die schwedischen Waldgeister verwenden konnte, schulde ich dem gütigen und liebreichen Entgegenkommen der Herren D. D. Hildebrand (Vater und Sohn) in Stockholm, Propst E. Rietz in Tygelsjö bei Malmö (inzwischen verstorben), und Baron Djurklou auf Sörby bei Örebro, welche bei meinem ersten Aufenthalt in Schweden im Herbste 1867 mir die im Besitze des Reichsanti-quaritims, des Schonischen Altertnmsvereins und ihrer selbst befindlichen handschriftlichen Aufzeichnungen von Volksüberlieferungen mit außerordentlicher Liberalität zugänglich machten und deren Benutzung erleichterten. Meinem verehrten Freunde Professor H. Weiß, Custos des Kupferstichkabinets in Berlin, bin ich für den Nachweis mehrerer der auf S. 339—340 erwähnten Kunstwerke, den Vorständen und Beamten der königlichen und Universitätsbibliothek zu Berlin für freundlichen, unermüdlichen Beistand verpflichtet. Vor allem aber fühle ich mich gedrungen, dem hohen Unterrichtsministerium meinen ehrerbietigsten Dank für die fortgesetzte hochgeneigte Förderung und Unterstützung meiner Bestrebungen auszusprechen. Eine eingehendere Erörterung über die Grundsätze, das Rüstzeug und die Methode, sowie über die allgemeinen Ergebnisse meiner Arbeit wird den zweiten Band einleiten, der durch treffende Belege die Wahrheit der aufgestellten Sätze zu bestärken Gelegenheit giebt. Im übrigen bilden die in diesem Bande vereinigten Untersuchungen ein abgeschlossenes Ganzes für sich. Mögen sie sich Freunde erwerben und als ein nicht unbrauchbarer Beitrag zur Lösung der großen Aufgaben erfunden -werden, welche der Kulturgeschichte heutzutage im Zusammenwirken der Wissenschaften zugefallen sind….weiterlesen

Nordische Vorfahren ist ein inspirierendes oder motivierendes Video. Es besteht aus Zitaten aus der Wikingerzeit (Hávamál) und Wölfen, die eine starke Verbindung zu unseren nordischen Vorfahren darstellten. „Wir haben jetzt Wolfszeit.
Wir stehen mitten in einem gigantischen Ringen zwischen den sterbenden Fischen und dem kommenden Wassermann, dem Ende einer alten und dem Beginn einer neuen Ära.
Der irdische Kreislauf in dem kosmischen Gesetz ist stärker als die Pläne der Schwarzmagier. Das Klammern an eine vergehende Macht allen kosmischen Gesetzen zum Trotz und der Kampf um die Formen einer neuen sind ungeachtet einer mittlerweile eingetretenen Waffenruhe noch voll im Gange, sie geht sogar noch einem Höhepunkt zu. Eine von Menschen getragene Macht unterliegt keinesfalls den Launen der Geschichte, sondern sie ist stets das Ergebnis eines ständigen Widerstreites zwischen Gut und Böse durch einen gezielt angesetzten Geist und seine Ideenkraft. Und hier begegnen sich der manipulierte Geist mit dem höheren des Guten. Die Macht der Schwarzmagier ist unrein, sie will die Natur betrügen und überlisten, ihr Ziel ist Selbstzweck.
Sie kann daher nur befristet über dem Guten und Höheren stehen.“
Wolfszeit um Thule

Viking inspirierte Motivations- / Inspirationsrede für alle Menschen in Midgard.
Erhebe dich jetzt, Leute von Midgard, mit trostlosen Augen werdet wach.
Erhebe dich zum Horn von Heimdal, jetzt ist es an der Zeit, aufrecht zu stehen.
Fürchte dich nicht vor dem Tod für die Stunde deines Untergangs und niemand kann ihm entkommen. In der Stunde der Dunkelheit
Wo sind die alten Götter? Lass mich sie klar fühlen und sehen!
– Sie sind wie die Sonne hinter den Bergen in die Schatten gegangen. Aber sie sind hier, überall um uns herum. Ich bitte dich aufzustehen! – und folge dem Weg der alten Zeit! Alte Geschichten, an die ich mich vor langer Zeit von Männern erinnere.
Ohne Angst befleckten unsere Vorfahren ihre Speere mit blutigen Schilden. Das Zeitalter des Nordens ist da, jetzt hör dem mächtigen Aesir zu. Es ist Zeit für den Sieg, es ist Zeit, Ihre Sehnsucht und Ihren Durst zu beanspruchen.
Setze dein Herz in Flammen, mit dem unaufhaltsamen Feuer in deinen Adern. Lass die Erde zittern, lass die Götter es mit Mut wissen,

An diesem Tag kämpfe ich !!

odin geistergänzend

Walhall, Ragnarök: Ende und Neubeginn Walhalla – das Ziel aller tapferen Krieger Walhall (oder Valhall, im Volksmund oftmals auch Walhalla genannt) bezeichnet in der nordischen Mythologie das Ziel aller gefallenen Krieger, die sich als tapfer erwiesen hatten und in der Schlacht ihr Leben gelassen hatten. … Weiterlesen

Wir werden wohl durch den Tod gehen müßen, um richtig Leben zu können Welcome to Hell Ein Schriftsatz in meinem Impressum deutet auf. Ich wurde von Gott aus Liebe erschaffen. Aber vom Teufel erzogen.!!! Als meine Flügel abfielen, wuchsen mir Hörner . Mit mir spielt man nicht ungestraft. Denn wer den Teufel in … Weiterlesen

Mein Freund, der Wolf Am Donnerstag, 22. November, legte das Bundesamt für Naturschutz (BfN) das „Wolfsmonitoring 11/2018“ vor. Und dieses zeigt, die Zahl der Wolfsterritorien in Deutschland. 73 Rudel, 30 Paare und drei territoriale Einzeltiere – das sind die vom BfN offiziell vorgestellten Bestandszahlen … Weiterlesen

Der frühe Norden Mit dem Einsetzen der geschichtlichen Nachrichten erscheint Skandinavien als die vagina gentium: ein Volk nach dem anderen drängt über die Ostsee oder aus Jütland südwärts, zuerst die Kimbern und Teutonen (aus Himmerland und Ty), dann Ariovists Sueben und Haruden (Schwabstedt … Weiterlesen

Haithabu Lage von Haithabu/Hedeby an der Südgrenze des wikingerzeitlichen Nordgermanenlandes. Haithabu (altnordisch Heiðabýr, aus heiðr = Heide, und býr = Hof; dänisch Hedeby, lateinisch Heidiba) war eine bedeutende Siedlung dänischer Wikinger. Der Ort gilt als erste mittelalterliche Stadt in Nordeuropa und … Weiterlesen

Dannevirke – Die Wikingermauer in DänemarkIn der Norddeutschen und dänischen Kultur gibt es einen Mythos darüber, warum und wie Dannevirke gebaut wurde. Irgendwann Mitte des 9. Jahrhunderts wollte Otto der Große, der König von Ostfranken, die Dänen unter seinen Daumen bekommen, damit er Steuern von … Weiterlesen

Germanische Mythologie EINLEITUNG Es läßt sich mit großer Wahrscheinlichkeit voraussetzen, daß die Stammväter der Germanen, nachdem sie sich von den anderen Ariern getrennt hatten und in zwei Strömen die Ebenen Mitteleuropas und den hohen Norden unseres Kontinents überfluteten, die alten religiösen Anschauungen der Urheimat noch treu bewahrten und vorzugsweise die lichten Mächte des Himmels verehrten. Darauf … Weiterlesen

Yggdrasil Der Weltenbaum der germanischen Mythologie ist eine der schönsten Schilderungen der verschiedenen Sphären der Existenz.Die Zweige der Esche breiten sich über die ganze Welt und reichen hinauf bis über den Himmel. Drei Wurzeln halten ihn aufrecht, eine reicht zu der … Weiterlesen

Kulturbringer Odin, Allvater, Wotan Einsam sind die tapferen und die Gerechten. Doch mit ihnen ist die Gottheit. Odin, Allvater, Wotan. Gar viele Namen hat Allvater, stetig wacht der Vater aller Götter. Sei Dir bewusst, dass der absolut unkriegerische, große Fragende und Reisende Gott der Germanen absolut friedlich war. Er war kein Missionar, kein Besetzer, kein Besserwisser! Er war bescheidener Suchender … Weiterlesen

Huginn und Muninn und Odins Rabenzauber (Hrafnagaldr Odins) Huginn und Muninn In der nordischen Mythologie sind Huginn und Muninn Odins zwei Raben . Huginn ist das altnordische Wort für „Denken“ und Muninn ist das altnordische Wort für „Erinnerung“. Jeden Morgen bei Sonnenaufgang schickt er sie los, um durch … Weiterlesen

Snorri Sturluson Erzähler der Götter- und Heldensagen Snorri Sturluson wurde im Jahre 1179 in Hvammur geboren. Seine Eltern Sturla Thórdarson, ein westisländischer Gutsherr, und Gudny Bödvarsdóttir gelten als Gründer des Geschlechtes der Sturlungar. In jungen Jahren wurde Snorri zu dem Goden Jón Loptsson nach Oddi geschickt, einem Bildungszentrum in Südisland und Sitz der Familiensippe der Oddverjar. Dort … Weiterlesen

Skaldendichtung Im wikingerzeitlichen Norden stand die Dichtkunst in hohem Ansehen. Die Bezeichnung für Dichter war “Skalde” (altnordisch singular skáld). Der früheste bekannte Skalde war Bragi Boddason der Alte, von dem die sogenannte Ragnarsdrápa überliefert ist, ein Gedicht, in dem er mythologische, auf einem Schild dargestellte Szenen schildert. Wahrscheinlich ist er mit dem Bragi, der später als … Weiterlesen

Der himmlische Lichtbaum der Indogermanen in Sage und Kultus. Wenn die prähistorische Archäologie allmählich immer mehr einen gewissen homogenen Zustand der in Europa sich ausbreitenden und dasselbe eigentümlich kolonisierenden indogermanischen oder arischen Stämme in Bezug auf das häusliche Leben und die Anfänge gewerblicher Thätigkeit aufdeckt, so entsprechen dem auch die Besultate der Untersuchungen über den mythologisch-religiösen Entwickelungsstandpunkt derselben. Neben den überall bei den betreffenden … Weiterlesen

Frömmigkeit nordischer Artung Ein Querschnitt durch das Indogermanentum von Benares bis Reykjavik7. Auflage, 1989, Verlag Hohe Warte • Franz von Bebenburg • KG Hans F.K. Günther zeigt zunächst einmal, was nordische Frömmigkeit nicht ist, beispielsweise die Herabwürdigung des Leibes, die Abhängigkeit der Frömmigkeit von dem Tode, die Wertung des diesseitigen Lebens als Jammertal. Er zeigt darüber hinaus die … Weiterlesen

Metherstellung Was ist Met? Die Geschichte des Mets Warum Alkohol? An Getränken gehörten Fruchtgetränke und Milch immer zur Ernährung des Mittelalters dazu. Aber bereits die Völker der Antike begannen Alkohol herzustellen. Der Hauptgrund dafür war jedoch weniger der, sich zu berauschen, … Weiterlesen

Magic Runes by Germanenherz
Den Einstig und Beginn zum Thema Runen, findest du auf meinen Germanenherz Blog´s. Doch die Bedeutung für dich, die findest du nur in dir selbst. Mache dich auf und folge dem Ruf der Runen, sie werden dich zu neuen Erkenntnissen über dich selbst und deine Umwelt bringen. Vielleicht begreifst du erst dann, was dein Weg durch die Zeit ist und wie du ihn gehen sollst.
Runen Rad Runen Rat
Ich weiß, dass ich hing am windigen Baum neun lange Nächte, vom Speer verwundet, dem Odin geweiht, ich selber mir selbst, am Ast des Baumes, von dem niemand weiß, aus welcher Wurzel er wuchs.Sie boten mir nicht Brot noch Met … Weiterlesen

Runen 24er futhark Fehu Uruz Thurisaz Ansuz Raidho Kenaz   F U TH A R K Das Wort Rune hat unterschiedliche Herkünfte: * gothischer Wortstamm “runa” = Geheimnis * * altnordisches “runar” = Mysterien * * walisisches “rhin” = magischer Zauber. Die Kraft der Runen wuchs mit der Erfahrung des … Weiterlesen

Thema Runen: Mittelalterliche Geheimrunen und ein paar Ergänzungen Vorab: Ich habe ein großes Problem damit, wenn weisungsgebundene Juristen historische Fragen zum Thema Runen, mit Nationalsozialistische Ideologien vergleichen und mit ihren rechtsbeugenden Verurteilungen gegen meiner Person, mir mein restliches Leben versaut haben. Und im gleichen Moment, mit samt der … Weiterlesen

Thema Runen und die wissenschaftliche Evolutionsforschung Eine wissenschaftliche Betrachtung über die Kraft von Mythen, Riten und Runen Vorab: Ich habe ein großes Problem damit, wenn weisungsgebundene Juristen historische Fragen zum Thema Runen, mit Nationalsozialistische Ideologien vergleichen und mit ihren rechtsbeugenden Verurteilungen gegen meiner Person, mir mein … Weiterlesen

Odins Runen – unsere Schrift Was irgendwie ist, was irgendwie ein „Sein“ hat, das hat auch ein bestimmtes Gerüst. Ein Gerüst besteht aus BALKEN. Wie ein jedes Haus in seinen Balken und Trägern ein Gerüst hat, wie der Bau des menschlichen Körpers ein Gerüst in … Weiterlesen

Odins Runenlied In der Edda ist der Verlauf der höchsten Einweihung im Hávamál zu finden.  Demzufolge hing Odin, vom Speer verwundet, neun Tage und Nächte am Weltenbaum  und erlitt die schlimmsten Qualen. Nach dieser Zeit des Leidens erhielt er  als Belohnung die … Weiterlesen

Deutung der Namensrunen Deine persönliche Namensrune Keiner weiß, ob die Bestimmung der Namensrune schon damals gebräuchlich war, oder ob dies aufgrund der Esoterikwelle entstanden ist. Auf jeden Fall gibt es aber hier die Möglichkeit seine persönliche Namensrune zu bestimmen und deren Bedeutung zu … Weiterlesen

Der kosmische Ursprung der Runen Das dem Hag-All verwandte, ja ihm durchaus entsprechende Sinnmal ist der Sechsstern, der eigentlich und ursprünglich zwei mit den Spitzen ineinandergeschobene Pyramiden darstellt. Und zwar muß die Verschränkung der Körper, wenn das Sinnmal vollkommen sein soll, im Verhältnis des goldenen … Weiterlesen

Kleine Runenkunde Runen sind die ältesten Schriftzeichen der Germanen. Sie waren vor allem zwischen dem 2. und dem 12. Jahrhundert für geritzte und gravierte Inschriften auf Gegenständen und Steindenkmälern in Gebrauch. Ihre Verbreitung zeigt von Anfang an einen deutlichen Schwerpunkt in Südskandinavien. … Weiterlesen

Wielandsage im Runenkästchen von Auzon Das Runenkästchen von Auzon, wie es nach seinem Fundort in Frankreich heißt, stammt aus dem späten 7. oder frühen 8. Jahrhundert. Es besteht aus geschnitzten Walfischknochenplatten, in die bildliche Darstellungen und Runen gefügt sind. Einen Ausschnitt davon soll hier näher … Weiterlesen

Runen Talismane und Amulette Das dritte Gebiet der Runenmagie ist die Talismantik. Talismane und Amulette sind Gegenstände, die zur Erlangung bestimmter Ziele magisch aufgeladen werden. Es wird sozusagen ein aktiver „Zauber“ darin gespeichert. Ein Großteil der erhaltenen Runendokumente früherer Zeiten sind ebendiese Talismane und … Weiterlesen

Der Runenkalender Heute ist Montag, der 31.12.2012. Zur Zeit herrscht der Einfluß der Dämmerungs-Rune Dagaz  vom28.12.12 bis zum 10.01.13. Die Dämmerungsrune begleitet im Idealfall das Perchtentreiben, das Vertreiben der Winter- und Dunkelheitsdämonen, aus dem auch der spätere Karneval entstand. Dagaz symbolisiert als Dämmerung … Weiterlesen

Die Runenlehren Was Du aufdeckst, offenbart sich . „Runen wollen gelebt werden, belebt sind sie schon“. „Die Erlösung kann nicht verdient, nur empfangen werden, darum ist sie die Erlösung“. „Es ist alles Illusion, was nicht aus mir selber spricht, denn es ist ein Zusatz, … Weiterlesen

Runen selbst herstellen Kaufen oder Selbermachen Wenn sie die Runen kennenlernen wollen, sollten sie unbedingt selbst einen Satz Runen anfertigen, anstatt fertige Runen zu kaufen. Das kostet zwar einige Mühe und Zeit, aber es vertieft ihre Beziehung zu den Runen Runensteine gibt es … Weiterlesen

Die theoretische Magie als Grundlage der Runenmagie
Die Runenmagie wird wohl am ehesten von den verschiedenen magischen Richtungen mit der Alten Sitte in Verbindung gebracht und wohl auch von nicht wenigen Menschen betrieben. Runenmagie kann verschiedene Formen haben. Grundsätzlich soll sie so funktionieren, daß die Kraft der Rune (also das Energieprinzip, das die Rune verkörpert) angewandt wird. Runische Magie ist Zeichenmagie, das Zeichen, die Rune, wird ihrem Sinngehalt und ihrem magischen Potential entsprechend verwendet. Man kann sich das vielleicht so vorstellen, daß die Menschen früher die Energien, die sie wahrnahmen, mit Symbolen bezeichnet haben. In diesem Sinne stehen die Runen für bestimmte Energien, zu denen man einen Kanal öffnen und mit denen man arbeiten kann.
Fliegenpilze
Als einfachste Form magischer Runenanwendung ist wohl die Visualisierung zu nennen. Dabei wird die Rune mit ihren Kräften vor dem inneren Auge vorgestellt und sie kann dann auch projiziert werden, was bedeutet, daß man die visualisierte Kräfte auf ein Ziel hin aussendet. Wirksam ist hierbei die Form der Rune, wie sie als Bild erscheint, und gerade in bezug auf die Aussendung in Verbindung mit der gewünschten Wirkung der Rune, die man ebenfalls visualisieren kann. Man kann dies auch sehr gut dadurch unterstützen, daß man die Stellung (Stadha) der Rune einnimmt oder die Rune mit den Händen bildet. Als Beispiel für diese Anwendung könnte man die Heilung nennen.

Runen können aber auch gesprochen oder gesungen werden. Wirksam ist hier der Laut der Rune (was durch Stöður und Visualisierung unterstützt werden kann). Zaubergesänge allgemein werden als seið-læti bezeichnet, die Wortmagie in einem zeremoniellen, runischen Sinn als galdr; es existiert sogar ein eigenes Versmaß dafür, das galdralag. Durch Wiederholung der Worte / Strophen kann eine Verstärkung erreicht werden. Man verwendet hier entweder nur den Runennamen, den man intoniert, bzw. die Runenreihe, die man komplett singt, oder aber richtige Verse, in denen die Wirksamkeit der Runen sich manifestieren soll. Eine Galdr-Verfluchung wird als alög bezeichnet. Golther glaubt, daß „runo“ das Raunen oder Murmeln eines Zauberspruches bezeichnet, wohingegen galdr der eigentliche „Zaubergesang“ sei (also eine Form von Seiðr).

Die skeptische Frage, ob es Magie überhaupt gibt, ist äußerst unpräzise, so wie auch Glaube oder Nichtglaube an Magie weder richtig noch falsch sind. Es kommt dabei darauf an, was man eigentlich unter Magie versteht, und schon hier laufen die … Weiterlesen   https://germanenherz.files.wordpress.com/2019/09/germanenherz-runablack.jpg
Magie der Runen
Ein wenig Magie in dieser vernünftigen rationalen Zeit schadet nicht, wenn sie mit guten Vorsätzen und Wünschen ausgeführt wird. Sie ist kein Allheilmittel, kann aber den Alltag bereichern und uns durch Konzentration auf unsere Probleme dazu verhelfen, klarer zu sehen. … Weiterlesen

Runenorakel Grundsätzliches zur Runendivination Von Wahrsagerei und simplen Zukunftsvorhersagen halte ich gar nichts, zumal die Zeit sich jeglicher Magie entzieht. Eine Divination ist daher auch eher eine Wiederspiegelung der Gegenwart, welche dem Suchenden aus einer anderen Perspektive gezeigt wird, damit er … Weiterlesen

Runische Heilungsmagie
Ein weiteres großes Kapitel der Runenmagie ist die Heilungsmagie. Abgesehen vom Gebrauch von Runentalismanen und -amuletten zur Heilung und Abwehr von Krankheiten kann man mit den Runen auch unmittelbar therapeutisch arbeiten. Dies ist sowohl allein als auch mit einem Patienten … Weiterlesen

Runische Schutzmagie
Ein wichtiger Teil der Runenmagie ist Schutzmagie. Magischer Schutz bedeutet, einer magischen Einflußnahme von außen widerstehen zu können und nicht zum Spielball der Kräfte anderer zu werden. Doch nicht nur Personen, auch Gegenstände und Vorhaben können magisch vor widrigen Einflüssen … Weiterlesen

Germanenherz Runenkreis Um einen Runenkreis zu beschwören solltest Du vorher kurz überlegen, auf welche Weise dies geschenen soll. Zunächst einmal gibt es die Möglichkeit, den Kreis tatsächlich abzuschreiten oder ihn zu Visualisieren. Ich bevorzuge ein tatsächliches Abschreiten, da Du dann einfach direkter … Weiterlesen

Zauberei und Hexerei
In meinem neuen Titelbild könnt ihr es sehen. Meine Othala Rune symbolisiert, den Sündenbock des heiligen Bartholomäus (Astaroth) in seiner Niederlage, fixiert in meinem Runenkreis
 Die alten Deutschen kannten Zauber mit Tat und Wort; den ersteren verbietet Nr. 10 des Indiculus (de phy-lacteriis et Ugaturis), den zweiten Nr. 12 (de incantationibus). Das Wort Zauber (ahd. zoubar) selbst bedeutet eigentlich „Mennig“, die rote Farbe, mit der … Weiterlesen

Die Geschichte der Magie Ursprung und Antike „Magier“ ist ursprünglich der Name eines Stammes der Meder, dem die Ausübung der heiligen Gebräuche und die Erhaltung der gelehrten Kenntnisse anvertraut war (ähnlich wie der Stamm Levi bei den Israeliten). Herodot beschrieb sie im 5. Jahrhundert … Weiterlesen

Magische Nächte. Die 12 Rauhnächte
Die 12 Rauhnächte Die zwölf Nächte am Ende des Jahres und die mit ihnen verknüpften Mysterien gehen bis in die Antike zurück. Sie haben sowohl römische als auch germanische und sogar indische, japanische und chinesische Wurzeln, und auch heute noch finden sie vielerorts im Brauchtum Beachtung. Nach uralten Überlieferungen suchen zu dieser Zeit die Seelen … Weiterlesen

Die weisen Frauen Hagedisen – Hexen
Die erfolgreiche Vorgehensweise und die überzeugenden Ergebnisse der heilkundigen Frauen stellten eine große Bedrohung für das aufkommende Christentum, sprich die Kirche dar. Denn diese Frauen verließen sich mit ihren außergewöhnlichen Begabungen eher auf ihre Sinne und Erfahrungen als auf die Gebote des Glaubens. Versuch und Jrrtum lehrte sie Ursache und Wirkung zu erkennen. Sie Forschten … Weiterlesen

Das Erforschen der Zukunft
Als Mittel zur Erforschung des göttlichen Willens bei den Deutschen nennt Cäsar „Losorakel und Prophezeiungen (sortes et vaticinationes; b. g. 150), Tacitus „Götterzeichen und LosorakeV1 (auspicia et sortes, Germ. 10). Beim Los wurde die Gottheit nach ihrem Willen gefragt, im anderen Falle erfuhr man ihn aus gewissen Vorzeichen. Die Wahrsagekunst scheint mehr Aufgabe der Frauen … Weiterlesen

Die Entdeckung Amerikas durch die Nordgermanen Der 400jährige Gedenktag der Entdeckung Amerikas hat allerorten diesseits und jenseits des Oceans Schriften hervorgerufen, in denen die Heldentat des Kolumbus und die Bedeutung der neuen Welt für die Kulturentwicklung der alten gefeiert wird. Bei solcher Gelegenheit wird auch zugleich … Weiterlesen

Wikinger Die Volkskraft des Nordens Die Geschichte der Wikingerzeit Das 7. und 8. Jh. bedeutet eine Festigung der germanischen Macht in den Teilen Europas, in denen die Oberschicht stark genug war. Alle die Gebiete, in denen wir nur eine dünne germanische Herrenschicht kennen, gehen damals … Weiterlesen

Atlantis, Edda und Bibel – 200 000 Jahre Germanischer Weltkultur
Die Edda, das Buch der Götter und Heldensagen!
edda-bannerDas Buch der Götter und Heldensagen, die Edda wird als Überlieferung des alten Nordischen Heidnischen Glaubens gehandelt. Sollte man sich für dieses Thema interessieren ist es unumgänglich die Edda wenigstens einmal gelesen zu haben. Wobei man jetzt schon aus persönlicher Sicht schreiben kann, das einmal lesen nicht ausreichen wird. Die Edda kann man als ein Buch bezeichnen was in Reimen geschrieben ist zumindestens im ersten Teil als „Die Göttersagen“. Im zweiten Teil geht es um „Die Heldensagen“. Für den ein oder anderen wird es nicht im Ansatz zu verstehen sein oder gar einen Sinn ergeben, oder er sieht schlicht und einfach eine Kopie der Christlichen Bibel stellenweise vor sich. Oder andere machen sich wahrlich Gedanken über das was dort überliefert worden ist. Man sollte seinen Instinkten dort vielleicht ein wenig folgen und sich eine Anzahl an Lesestoff zu Gemüte führen was viele vor einem darüber geschrieben haben. Denn man sollte auch wissen das aus den verschiedenen Verlagen die, die Edda herausgebracht haben auch im Vorwort eine eigene Interpretation der Edda zu lesen ist.

Daher dürfte eine Edda nicht ausreichen um sich dort ein weitreichendes Bild zu machen. Ich persönlich werde hier keine Edda jemanden empfehlen, ( außer die Edda die ich hier angebe als PDF Datei zum reinschauen ) da dieses Buch auch nach gut über 800 Jahren nach seiner ersten Abschrift um ca 1200  unserer Zeitrechnung von Snorri Sturluson immer wieder Unklarheiten aufzeigt wie man was sehen könnte. Da jeder Suchender im Leben ist und seine persönlichen Wahrheiten für sich vertritt wäre es auch eine Diskussion, die zu weit führen würde. Da die Edda in der Vergangenheit sowie Zukunft zu deuten sein könnte. Mit Sicherheit ist in den Worten und Reimen der Edda mehr zu erkennen. Wem die Edda seine Aufmerksamkeit erweckt hat wird da auch weiter in die Thematik vordringen und vielleicht auch mehr das nordische Heidentum von einer Seite sehen die bis dato vielleicht noch unbekannt war.

Es wäre vielleicht noch darauf zu achten ob es die Erst Übersetzung in die deutsche Sprache von Karl Simrock ist und diese bis heute in den Nachdrucken von Karl Simrock erhalten ist. Zum anderen gibt es noch die Übersetzung von  Felix Genzmer die sich darin unterscheiden soll das Karl Simrock versucht hat vom Skandinavischen ins Deutsche sich an den genauen Wortlaut zu halten. In der Übersetzung von Felix Genzmer soll die Edda in einem Wortlaut zu lesen sein den man heute mehr verstehen würde. Was aber nicht heißt das, das so richtig sein muss und ist. Man sollte auch dazu schreiben, das man vor über 1000 Jahren eine völlig andere Sprache hatte sowie eine völlig andere Ausdrucksweise und Bedeutung, daher dürfte das dem ein oder anderen schwer fallen das gleich sofort alles richtige zu deuten und zu verstehen.

Wie schon vorher angedeutet, darauf achten aus welchem Verlag die Edda ist, da auch dort im Vorwort der Eddas eine eigene Darstellung der Gesichtspunkte steht wie man dort dem Leser vermittelt wie die Edda zu sehen ist oder zu sehen sein könnte. Will man sich unabhängig davon machen sollte man erst die Edda lesen danach das Vorwort so kann man seine eigenen Gedanken darüber ordnen und sich Anregung darüber hinaus holen. Das als kleiner Tipp von mir dazu…Weiterlesen

Thema Spiritualität, Esoterik und Magie und pdf Bücher zum Thema Magic Runes by Germanenherz Den Einstig und Beginn zum Thema Runen, findest du auf meinen Germanenherz Blog´s. Doch die Bedeutung für dich, die findest du nur in dir selbst. Mache dich auf und folge dem Ruf der Runen, sie werden dich … Weiterlesen
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Mythologie der Germanen – Die Riesen

mythologie-der-germanen-elard-hugo-1837-1908Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen von Meyer Elard Hugo. Die niedere Mythologie pflegt sich nicht mit einer einzigen Art der Naturpersonifizierung zu begnügen, sondern sie schafft sich noch eine zweite, davon geschiedene: zu den Elfen die Riesen.

Und nicht so sehr hat ein sittlicher Gesichtspunkt, der auf eine Scheidung von Gut und Böse Bedacht genommen hätte, diese Zweiteilung veranlaßt, sondern der Eindruck der bloß äußerlichen Größen- und Machtunterschiede der Naturgewalten. So erheben sich hinter den Elfen deren kolossale Gegenbilder, die Riesen, die dieselben Naturmächte wie jene verkörpern, aber in ihrem wilden Aufruhr, in ihrem verwüstenden Übermaß und in ihrer alles Andere überragenden Massenhaftigkeit oder gar in ihrer schrankenlosen Ausdehnung. Gewitter-, Sturm und Wolkendämonen sind auch sie wie die Elfen, aber vom allerheftigsten Temperament. Selbst die hohen starren Berge und das unabsehbare Meer werden zu Riesen, der alles hüllende und füllende Nebel, die tiefe undurchdringliche Finsternis und endlich die ewige Nacht der Unterwelt. Doch kommen einzelne Riesen auch in sanfteren Winden herbei, und im schneeweißen Gewölk strecken schöne Riesinnen ihre Glieder.

Im Norden, wo die Mythologie schon eine mittelalterliche Wissenschaft ist, wurde früh ein übrigens nur halb gelungener Versuch gemacht, das Riesengeschlecht als eine wohlgegliederte Einheit zu umspannen. Man richtete verschiedene Riesenstammbäume auf, die aber alle unvollständig und einseitig sind. In einer solchen besonders nordisch gearteten Genealogie heißt der Ahnherr einfach Fornjótr der alte Jüte, der die drei Söhne Hlér, und Kári hat Hlér Brauser, Brander oder Aegir, bei Saxo Ler oder Eyr, d. i. das Meer, haust auf der nach ihm benannten Insel Hlésey oder Lessö mitten im verrufenen Kattegat, dessen jütischer Küste große Sandbänke und dessen schwedischer viele offene, sowie tückischere verborgene Klippen vorlagern. Ihm gebar seine Gattin die Räuberin, neun Töchter, die Wellenmädchen Udr, Hrönn, Bylgja, Bára, ferner die Taucherin Dúfa, die Branderin K´ölga, die Stürmerin Hefring, die Blutlockige Blódughadda, die vom Blut der an den Klippen Zerschmetterten bespritzt ist, und die Himmelshelmige, d. h. wohl die bis zum Himmel gischende Himinglaefa. Auf Hlésey hausen nach dem Harbardslied Berserkerweiber und Wölfinnen, die Thor schlägt, weil sie alle Leute betrügen und sein Schiff schütteln. Das werden jene Wellenmädchen sein. Aegir ist sonst den Göttern ein guter Wirt; zu ihrem Festmahl bei ihm trägt das Bier sich selber auf. Fomjots zweiter Sohn Logt die Lohe hat ein unbestimmteres Gepräge als seine Gattin Glöd, die Heitere, Glänzende. Soll er nur das irdische Feuer, nicht auch die Himmelslohe, das drohende Wetterleuchten, bedeuten, wonach er auch Hálogi die Hochlohe heißt? Der dritte Sohn Kári der Rauscher, d. i. der Wind, tost hoch über dem Meer in der Schnee- und Eiswüste des norwegischen Dovrefjelds um den Sneehätta. Sein Sohn ist Jökull der Eisberg oder Frosti der Frost, dessen Sohn Snaer der Schnee, und dessen Kinder wieder Thorri, die Dürre, dann die Schneehäuferin, die Schneewirblerin und die Schneestäuberin sind. Die großartigen Züge der norwegischen Natur, das rauhe Meer und das stürmische Schneegebirge, sind hier deutlich verkörpert, vielleicht auch die an diesen Küsten so häufig bis in den Winter hineinleuchtende Gewitterscenerie. Aber die Wolkenriesinnen und die Waldriesen fehlen und manche andere.

Freilich darf man unter diesen gewaltigen und gewaltsamen Naturdämonen nicht, wie unter den Elfen, hilfreiche Feld- und Hausgeister suchen, überhaupt knüpfen sie mit den Menschen viel seltener Verhältnisse an, zu denen die Elfen fast leidenschaftlich hinneigen. Ein Verhältnis eines Helden zu einer Riesin gilt für verächtlich (Helg. Hund, 1,43). Doch viele norwegisch-isländische Heldensagen denken darüber anders. Harald Schönhaar befreite den Riesen Dovre aus seinen Banden und wurde seitdem in Dovrefjeld aufgezogen, bis er das Reich erbte; beim Abschied gelobte ihm Dovre, ihm stets im Kampfe helfen zu wollen. So kämpfte der Riese Vagnhoved mit im Heer seines Pflegesohnes Hadding, als dieser ihn zu Hilfe rief, und des Riesen Tochter Hardgrep war Haddings Geliebte, die sich von den Riesen losriß und ihm im Kampfe gegen Trolle half. Vollends die jüngeren Sagas, namentlich die sogenannten Lügensagen, dichteten den Riesen gern Liebschaften mit Menschen an. Sie gehen auch, wie in der neueren Tiroler Sage, zu Bauern in Dienst, um dankbar in den Alpen den Hof vor Wildwassern und Bergstürzen zu schützen. Aber meistens sind die Menschen zurückhaltend gegen sie und richten ihre Opfer und Gebete nicht an sie, sondern an deren Todfeinde, die Götter, um Schutz vor diesen Unholden zu haben. Darum kommen auch eigentliche Riesennamen bei Menschen kaum vor, doch sind Menschennamen bei nordischen wie deutschen Riesen häufiger. Meistens leben diese mit den Menschen wie mit den Göttern und Heroen auf Kriegsfuß. Erst eine ganz moderne Gestaltung des Mythus verflicht sie in fremdartige Schöpfungs- und Weltuntergangsgeschichten.

Während der altnordische Mythus eine lange Gallerie verschiedenartiger Riesenbildnisse aufstellt, erscheint der deutsche arm und fristet häufig sein Dasein in ziemlich eintönigen Teufelssagen. Schon in einem althochdeutschen Heilsspruch gegen die fallende Krankheit wird der sehr mächtige Riese Doner als des Teufels Sohn bezeichnet, der den Stein in Stücke schlägt, aber von Adams Sohn (Christus) auf der Adamsbrücke in den Wald vertrieben wird.

Die Hauptnamen der Riesen gehen von ihrer Stärke aus. So scheint der bei allen Germanen bekannte ahd. duris, mhd. Hirse, ndrd. dros, ags. dyrs, altn. purs, mit dem altindischen turas stark, wie der deutsche Riese, altsächs. wriso mit dem sanskrit. vrsan stark, verwandt zu sein. Der altnordische Ausdruck jötun, schwed. jätte, ags. eoton und altsächs. etan kennzeichnet ihn als Esser oder Fresser. Der in der Bedeutung „Riese“ nicht vor dem 13. Jahrhundert belegbare Ausdruck „Hüne“ scheint aus dem Namen der wilden Hunnen hergenommen zu sein. Der germanische Troll bedeutet meistens den riesischen, doch auch den elfischen Dämon. Die Riesin heißt im Norden Gygr die Schreckerin.

Die Riesen zeigen sich öfter als die Elfen in Tiergestalt. Riesinnen heißen Hyndla und Kött. Von den Flügeln des im Norden sitzenden Riesenadlers Hrcksvelgr Leichen-schwelg kommt der Wind über alle Menschen; der Riese Pjási sitzt als Adler im Baume über dem Feuer, an dem die Götter einen Ochsen braten; der Riese Suttúngr fliegt als Adler hinter dem Adler Odin her, um ihm seinen Methraub abzujagen. Der Drache Fáfnir ist ein Bruder des Riesen Regin, und die Schlange Midgardsormr umschlingt die Erde. Riesenhafte Wölfe, die heulenden Winde, sind Mánagarmr, Hati und Sköll, die im Wettergewölk aufsteigen und den Mond und die Sonne verfolgen, der furchtbarste aber Fenrir oder Fenriswolf dessen aufgesperrter Rachen mit seinem Oberkiefer den Himmel, mit seinem Unterkiefer die Unterwelt berührt. Wie er von den Göttern gefesselt wird, erfahren wir später. Aber auch ihre Menschengestalt trägt noch oft die schreckhaften Abzeichen der Naturerscheinung. Schwarzhaupt und Eisenschädel heißen ein paar nordische Riesen nach der unheimlichen Eisenfarbe der Wolke, die tief herabhängend auch der Riesin Hengjankjapta, der Kieferhängerin, den Namen gegeben haben mag. Der Mecklenburger sagt noch heute bei schwerem Gewölke:

„Mudder N. makt all wedder (schon wieder) ne dick Unnerlipp“.

Die Gewitterwolke, deren „Grummelköppe“ uns noch heute bedrohlich erscheinen, scheint die Drei- oder Sechs- oder Neunhäuptigkeit meh-rerer Riesen im Norden, wie in Deutschland veranlaßt zu haben. In des Riesen Hymir Halle an des Himmels Ende sitzt die grimmige Rießengroßmutter mit 900 Köpfen. Hymirs Blick bricht einen Pfeiler entzwei. Dem Riesen Fasolt als echtem Windgeist flattert vom Haupte langes Frauenhaar. Ist es die alte Greiflust der Winde, die sich, wie in den griechischen Hekatoncheiren oder Hunderthändern, in den vier Ellenbogen Heime’s und den vier Händen Asprians äußert? Man denke auch an die Achtbeinigkeit des Pferdes des Windgotts Odin, die offenbar die Windesschnelle ausdrücken soll. Die Riesen stellen sogar dem Menschenfleisch nach, daher heißen sie öfter Menschenfresser und Leichenschwelg. Diese Gier weist auch auf die Winde zurück. Erregt doch gerade Leichenschwelgs Flügelschlag alle Winde, und kommt doch im deutschen Märchen der Sturm ins Haus herein, wo seine Frau ein Mädchen versteckt hat, und wittert darin Menschenfleisch, das er auffressen will. Wenn der Riese Pjdsi der Fresser als hungriger Adler einen halben Stier verschlingt, so war der thrakische Boreas ein Rinderschinder und der deutsche Nordwind ein Roß- oder Geißentöter. Man streut dem Winde Mehl hinaus, damit er „was zu fressen habe“. Die Riesen gelten für tölpisch und dumm — einer heißt sogar Dumbr —, aber auch für gutmütig, fröhlich wie Kinder und treu wie Gold. Sie haben auch Wetterverstand, doch nur einige besitzen, weil sie viel älter als die Götter sind, Urweisheit, so in der Liederedda Vafprudnir , den Odin in einem Wettstreit über die mythischen Dinge befragt. Im Hyndlulied erhält Freyja Auskunft von der Riesin Hyndla über alte Königsgeschlechter. Vom Riesen Svarthöfdi stammen sogar alle Zauberer. Der Ackerbau ist ihnen unbekannt und unheimlich, wie den Elfen das Glockengeläut. Aber sie haben in der schwedischen Sage schwarzes fettes Vieh, und der Herr der Riesen, Prymr, strählt, wenn er auf dem Hügel sitzt, seinen Rossen die Mähne und hat seine Freude an seinen heimkehrenden goldgehömten Kühen und allschwarzen Ochsen. So sind manche Riesen große Herren, reich, freigebig, prachtliebend, geschmückt und einige Riesinnen wie Skadi und Gerár von strahlender Schönheit. Ihre Lebensart und Wirksamkeit stellt sich aber je nach der Naturkraft, die sie vertreten, je nachdem sie Gewitter-, Sturm-, Wolken-, Berg-, Wald- und Wasserdämonen sind, sehr verschieden dar. Nacht- und Unterweltsriesen fanden sich später ein.

Unter den Gewitterriesen ragt Hrungnir der Lärmer hervor, der von Odin zum Wettritt herausgefordert wird. Zornig sprengt er auf seinem Gullfaxi oder Goldmähne hinter Odin auf seinem Sleipnir her, vom Riesenheim im Osten über Luft und Meer bis in die Asenburg hinein. Hier prahlt er, vom guten Göttermet berauscht, Walhall nach Riesenheim überführen zu wollen, und fordert den von den erschreckten Göttern herbeigerufenen Thor zum Zweikampf auf der Grenze der beiden Reiche, den Felssteinhöfen, heraus. Hier wird er samt seinem Gefährten, dem Lehmriesen Möckrkalfi, trotz seines Steinschilds, Steinhaupts und Steinherzens von Thor und dessen Genossen Thjalfi besiegt. Denn sein Wetzstein zerschellt in der Luft an Thors entgegenfliegendem Hammer, nur ein Stückchen dringt in Thors Kopf, während des Riesen Schädel ganz zersplittert wird. Thors Heimkehr bildet einen dritten Teil dieses ausgebildeten Mythus, der trotz aller skaldischen Künstelei die ursprüngliche Naturbedeutung nicht ganz verdeckt. Der Sieg des donnernden Hrungnir über den Windgott Odin stellt die dem Wind überlegene Schnelligkeit des goldmähnigen Blitzes dar. So heißen auch in der spanischen Poesie und im rumänischen Märchen das schnelle Pferd Wind, das schnellere Blitz und das schnellste Gedanke und im Russischen die schnellsten Pferde Wind, Donner und Blitz. Der Sieg Thors über Hrungnir stellt den Kampf zweier Gewitter dar, wie sie an der norwegischen Küste öfter bei plötzlichem Ostwind heftig aufeinander stoßen, wobei die Schlammlawinen herabrutschen. Jeremias Gotthelf schildert die Gewitter ähnlich als zwei Ringer, die sich auf dem Platze ringsum drängen, bis sie sich höher und höher am Horizonte hinaufringen. — Noch mit einem zweiten Gewitterriesen, Geirrödr dem Speerröter, hat Thor einen Kampf zu bestehen. Der ließ den als Vogel in seinen Hof geflogenen Loki nur unter der Bedingung frei, daß er Thor überrede, unbewaffnet nach Riesenheim zu kommen. Loki gelingt das, und Thor fährt mit ihm ohne jede Rüstung aus. Aber unterwegs versieht ihn die mitleidige Riesin Gridr mit ihrem Kraftgürtel, Eisenhandschuhpaar und Zauberstab. Thor durchwatet nun den Fluß Vimur, den aber Gjalp Geirröds Tochter so anschwellt, daß Thor, dem Ertrinken nahe, nach einer Eberesche greift, um sich daran herauszuziehen. Im Hause Geirröds setzt er sich auf einen Stuhl, den die Riesentöchter Gjalp und Greip samt ihm emporheben und gegen das Dach drücken. Da brach er ihnen das Genick und zerschmetterte ihres Vaters düsteres Haus, das einem dampfenden Gewölk glich. Geirröds glühenden Eisenkeil fing Thor auf und durchbohrte nicht nur ihn damit, sondern auch eine dahinter liegende Bergwand. Wer wollte da alle Einzelheiten deuten? Aber der Hauptakt ist klar, und die Namen Gridr Ungestüm, Gjalp Lärm, Greip Griff und Vimur Wildläufer lassen keinen Zweifel über den meteorischen Sinn der Nebenakte. Die verwandte, aber schon stark allegorisierte Fahrt des Gottes zu Utgardaloki sei im Göttermythus besprochen.

Deutschland hat nur ganz verchristlichte Sagen von dergleichen Gewitterkämpfen: Petrus, der Wetterherr, begegnete einst dem Teufel mit einer Glocke (Wetterwolke) in der Luft, entriß ihm dieselbe und warf ihn in die See, und die Riesen werfen gern Steine nach Peterskirchen.

Ähnlich ausgebildete Sagen wie von den Gewitterriesen erzählten die Nordleute auch von den Sturmriesen, den schönsten Frühlingsmythus vom Riesen Thrymr. Thor erwacht aus tiefem Schlaf und vermißt seinen Hammer. Den hat Thrymr acht Rasten tief in die Erde versenkt und will ihn nur gegen die schöne Göttin Freyja ausliefern, wie er Thors Boten Loki mitteilt. Da Freyja sich weigert, rät Heindall in der Götterversammlung, daß Thor als Braut verkleidet nach Riesenheim ziehen möge. Obgleich sich dieser anfangs sträubt, entschließt er sich doch, im Brautstaat hinüberzufahren mit Loki als seiner Magd. Schon freut sich Thrymr des schönen Weibes, wie seiner Kühe und Ochsen. Sein Schrecken über ihre übermäßige Eß- und Trinklust und ihre brennenden Augen wird durch Loki’s Hinweis auf ihre achttägige Sehnsucht nach Riesenheim beschwichtigt. Da wird der Mjöllnir, der Hammer, hereingetragen ; Thor faßt ihn und erschlägt Thrymr samt seinem Geschlecht. So erzählt das Eddalied, das noch lange im dänischen und norwegischen Volksliede fortlebte, humorvoll die Heimholung des acht Monate lang (acht Rasten tief) von dem Sturmriesen verborgenen Donnerkeils durch den Donnergott, dem er während seines Winterschlafs gestohlen ist, aber im Sommer wieder zukommt.

Ein anderer Sturmriese ist der Fresser, der als hungriger Adler auf einem Baum saß, unter dem drei Götter: Odin, Loki und Hoenir einen Ochsen sotten. Er hinderte das Garwerden, versprach jedoch gegen die besten Fleischstücke Abhilfe. Nim verschlang er aber die Hälfte des Ochsen, weshalb Loki nach ihm schlug. Da riß er diesen mit sich fort und ließ ihn nur gegen die Bierspenderin Idun frei, die er nach Thrymheim entführte. Ohne Iduns Unsterblichkeitstrank alterten nun die Götter dahin und zwangen Loki, Idun wiederzuschaffen. Während Thjäzi auf der See tobte, raubte Loki in Freyja’s Falkenhaut die in eine Nuß verwandelte Idun. Thjázi flog aber in Adlershaut dem Räuber nach, verbrannte sein Gefieder an einem von den Göttern angezündeten Feuer und wurde herabgestürzt von den Göttern oder auch von Thor allein getötet. Odin oder Thor warf Thjázi’s Augen an den Himmel. Unverkennbar ist im gefräßigen Adlerdämon der Sturm, und Idun mag die Regenwolke im Frühling sein, die neue Jugend bringt.

Thors Kampf mit Kári, den wir schon als Sturmriesen kennen, bietet das herbstliche Gegenstück. Nach jüngerer nordischer Überlieferung ängstigt Kári durch Klappern an den Fenstern die Mädchen in der Julnacht und entzweit sich mit Thor auf der Hochzeit ihrer Kinder so, daß sie sich gegenseitig erschlagen. Ihre Gräber liegen bei einem jütischen Bauernhof, dessen Tür in einer bestimmten Augustnacht offen stehen muß, weil der Brautzug jener Hochzeit hindurchzuziehen pflegt. So nehmen auch die riesenhaften „Westfriesen“, wie die Föhnwinde heißen, ihre Weidbahn durch die Melkhäuser auf der Scheidegg, und saust die wilde Jagd durch bestimmte deutsche Bauernhäuser und Türen. Im letzten stürmischen Herbstgewitter erliegt selbst der Donner.

Im deutschen Walde tobte der Windriese , möglicherweise der „Schrecker“. Im Eckenlied des 13. Jahrhunderts stößt er ins Horn wie ein Jäger und verfolgt mit langem flatternden Weiberhaar nach lüsterner Winddämonenart das wilde Fräulein durch den Wald, wobei man eine halbe Meile weit die Äste krachen hört. Dann erliegt er dem Heldenkönig Dietrich von Berne. In einem Münchner Wettersegen des Mittelalters wird Fasolt beschworen, das Wetter wegzuführen. Eine durch ihren Nordostwind berüchtigte Schlucht im Siebengebirge heißt noch heute die Faseltskaule. Zu Fasolts Sippe gehörten in Tirol Helle der Schallende, Zerre der Zerreißer, Weiderich der Waldmann und die Riesin Runse, mit welchem Namen die Tiroler noch heute die Schlammlawine bezeichnen.

Der riesige Smidr d. h. Baumeister, will den Göttern in einem Winter oder in anderthalb Jahren bis zum ersten Sommertag eine Burg zum Schutz gegen die Riesen bauen, wofür ihm Freyja und Sonne und Mond verheißen werden. Es ist der wolkentürmende Wind. Doch lenkt Loki das mitarbeitende Riesenroß Svadilfari, d. i. der weiter fährt, daß es raucht, ein Staub aufwirbelndes Sturmroß, von dieser Arbeit ab, so daß das Werk stockt, und am ersten Sommertag erschlägt Thor den Baumeister. Wie so oft, hat auch hier die jüngere norwegische Volkssage den ursprünglichen Natursinn viel treuer bewahrt als die altnordische stilisierte Darstellung; sie läßt den Baumeister mit Sturm aufsteigen und nennt ihn ganz offen „ Vind och Veder“ oder auch „Bläster“ den Blaser oder auch wieder moderner den Teufel, der beim Rufen seines Namens oder beim Hahnkrat vom Verderben ereilt wird. Eine elsässische Sage dreht sich auch um ein mächtiges Bauwerk, aber die Bauarbeit tritt zurück, dafür kommt des Riesen Pferd wieder zum Vorschein. Der Teufel fuhr einmal auf einem Winde wie auf einem „Pferde“ zum Straßburger Münster, stieg ab und besah sich das Innere; der Wind mußte draußen warten. Als er wieder hinaus wollte, konnte er nicht, er war gebannt. Dem Winde aber wurde die Weile lang, heulend fuhr er um das Münster und wartet noch heute auf seinen Meister.

Ein verwickelter und von den Skalden sehr verkünstelter Mythus geht von dem Riesen Suttungr, der als Rauscher oder vom Rausch Bezwungener gedeutet wird. Nach der von Zusätzen befreiten Fassung hat er in seinen Hnitbjörg, den zusammenstoßenden Bergen, einen kostbaren Metkessel Odroerir, d. h. den zur Dichtkunst Begeisternden. In Schlangenform kriecht Odin durch ein Bohrloch in den Felsen, wo ihm Suttungs Tochter Gunnlöd, die zum Kampf Ladende, in jeder der drei Nächte, die er bei ihr schläft, einen Trunk von ihres Vaters Met reicht. Das lohnt er ihr übel. Er leert den ganzen Metkessel samt zwei Metgefäßen, fliegt mit seiner Beute als Adler davon, speit, von Suttung in Adlersgestalt verfolgt, in seiner Bedrängnis in die in Asgard bereit gehaltenen Gefäße den geraubten Met aus und entläßt nur einen Teil seinem Verfolger von hinten, nämlich für die schlechten Poeten. Der volkstümliche Kern dieser tendenziös zugestutzten Skaldenanekdote war wohl etwa folgender: Der Sturmriese hält in den zusammenstoßenden Gewitterwolkenbergen den Regen im Wolkenkessel für seinen eigenen Genuß zurück, denn „de Wind hahlt Regen tohop (zusammen)“ sagt man noch heute in Mecklenburg. Seine Tochter scheint eine Wolkenriesin zu sein, die dem buhlerischen Windgott Odin davon spendet. Verfolgt vom Sturmriesen muß dieser aber einen Teil in Regenschauern wieder hergeben. — Nach jüngerer Dichtung spuckten Äsen und Wanen bei ihrem Friedensschlüsse in ein Gefäß und schufen aus dem Speichel das weiseste Geschöpf, den Kväsir, den die Äsen von den Wanen als Geisel erhielten. Aber die Zwerge Fjalar und Galar erschlugen ihn und mischten sein Blut mit Honig und füllten mit diesem Met den Kessel Odroerir und die Krüge Són und Bodn.

Auch Sturmriesinnen gibt es, die sich einem verzweigten Riesengeschlecht einreihen. Der uns schon bekannte Thjazi nämlich ist der Sohn Öl-, Aud- oder Allvaldis des Reichtums-, Bier- oder Allwalters und Bruder des Gang und des Idi. Der reiche Vater vererbt seinen drei Söhnen gleich viele Mundvoll Gold. Aus dem einen, Suttungr ähnlichen Trankbesitzer ist ein goldreicher und schließlich allmächtiger Herr geworden. Thjazi’s Tochter aber ist Skadi und seine Verwandten Fenja und Menja. Der Wind wurde von den Skalden bereits Skadi Schade genannt, und noch heute heißt im Norden der Nordwind Skadi, und mutmaßlich bedeutet Skandinavien, in älterer Form Skadinavia, die Insel des Nordwinds. Skadi heißt öndergud oder -dis die Schneeschuhläuferin und Jamvidja die Eisenwälderin, die Urwaldsfrau. Sie haßt das mildere Meergestade und jagt mit dem Bogen im Hochgebirge, in Thrymheim, dem Sturmheim. Als ihr Vater Thjazi von den Göttern getötet war, fuhr sie in voller Rüstung rachedurstig nach Asgard und erhielt als Buße den Gott Njördr, in dem wir den besänftigenden Frühlingswind erkennen werden, zum Gemahl. Ihre Trauer verwandelten die possenhaften Sprünge Loki’s und einer mit ihm zusammengebundenen Geiß in Lachen. Aber weil Loki ihres Vaters Tod herbeigeführt hatte, ließ sie das Gift einer über ihm in der Unterwelt aufgehängten Schlange auf sein Antlitz herabträufeln, bis zum Weltuntergang. Wenn er nun vor Schmerz zuckt, bebt die Erde; doch sucht seine Frau Sigyn das Gift aufzufangen. Die letzte Unterweltsscene ist fremden Ursprungs verdächtig.

Thjazi’s Verwandte sind Fenja und Menja , Mägde König Frodi’s, die in seiner Mühle Grotti Gold, Reichtum, Frieden und Glück mahlen. Aber als ihr Herr sie übermäßig zur Arbeit antreibt, mahlen sie Krieg, bis die Mühle zerbricht. Nach einer andern eddischen Stelle zerbricht sie nicht, sondern der Seekönig Mysingr kommt darüber, tötet Frodi und nimmt die Mühle auf sein Schiff und läßt hier die Riesinnen so viel Salz mahlen, bis es samt der Mühle versinkt und die ganze See salzt. Das geschah an der schottischen Küste. Zahlreich sind die nordischen, deutschen, aber auch finnischen und irischen Wundermühlen, die Gold und Silber, Graupeln und Salz und auch Streit oder streiterregende Dinge mahlen. Fenja und Menja mögen ursprünglich stürmische Wettermüllerinnen gewesen sein, die aus der wirbelnden Wolke bald Regen, bald Sonnenschein, Graupeln und Gold und Reichtum, aber auch Krieg und Frodi’s sommerlichen Frieden mahlten. In den Meeresstrudeln, wie der Mahlström einer ist, mahlen sie Salz, sowie die vom Wind bewegten Wogen, jene neun Töchter Aegirs, nach einem Skalden am äußersten Rande der Erde rasch die den Menschen so feindselige Klippenmühle bewegen. Unwetter heißt dänisch noch heute das Mahlen des Meers. Nicht nur zur Meer-, sondern auch zur Bergriesin wird die Sturmriesin: Im Givrinarhol, einem tiefen Erdloch auf den Färöern, hört man noch, wie darunter eine blinde, alte Riesin Gold mahlt, und sie hat eine Nachbarin, die einen Reiter, der vom Golde gestohlen hat, verfolgt und seinem Pferde den Schwanz ausreißt.

Zu den Windriesinnen wird auch das fahrende Weib, die Gefjon, gehören, die mit einem Riesen vier Ochsen zeugt, mit denen sie das ihr vom König Gylfi geschenkte Pflugland, nämlich Seeland, aus dem Mälarsee lospflügt. Hyrrokkitty die Feuergekräuselte, reitet auf einem Wolf, den sie mit Nattern zügelt, auf Göttergebot herbei, um das Schiff, das Balders Leiche trägt, so stark in die See zu stoßen, daß Feuer aus den Walzen bricht und alle Lande beben. Thor, der ihr den Kopf zerschmettern will, wird von den Göttern zurückgehalten. Diese Riesin ist eine durch und durch skaldische Erfindung.

Da erzählt die neuere Volkssage von viel natürlicheren Wetterriesinnen, die oft für sich, oft mit den Elfen vereint, insbesondere in der Julzeit oder in den Zwölfnächten ihren wilden Umzug halten, ln Norwegen ist es namentlich die Gurorysse Guroschwanz oder die Aaskereida der Blitzritt, entstellt zu Aasgardsreid. Unter Donner und Blitz — Wintergewitter sind im südlichen Norwegen nicht unhäufig — über Wasser und Land reitet ein Dämonenheer, das dann wohl bei den Julgelagehäusem absattelt, Vieh und Menschen mit sich nimmt, sie ermattet oder verwirrt, aber durch Stahl- oder Kreuzwürfe unschädlich gemacht wird. An der Spitze reitet die langschwänzige Riesin Guro, ein Kinderschreck. Nicht ganz so toll treibt es z. B. im oberdeutschen Westen die Posterlijagd, die namentlich aus wilden Weibern oder Sträggelen besteht.

Der Wolkenriesen gewaltigster ist Hýmir , der in einem Eddaliede als Wasserriese geschildert wird. Aber húm bedeutet die dunkle Dämonenluft, die von der Bewölkung, namentlich der winterlichen, verursacht wird, und der Kampf mit Riesen und einer Schlange um einen Kessel, wie ihn Hymir besitzt, ist ein uraltes Doppelmotiv des indogermanischen Mythus vom Kampf des Gewittergottes mit den Wolkenriesen und Ungeheuern, denen der fruchtbare Gewitterregen im Sommer abgerungen werden muß. Die Götter vermissen bei einem Gelage bei Aegir diesen Trank, und Thor entschließt sich, mit Tyr den Kessel, in dem er gebraut wird, von dem urweisen Hymir zu holen. Sie finden ihn im Osten an des Himmels Ende mit seiner leidigen neunhunderthäuptigen Mutter und seiner allgoldnen weißbrauigen Geliebten. Diese versteckt die beiden Gäste unter die Kessel. Da kommt der Riese von der Jagd mit gefrornem Kinnbart heim unter dem Krachen der Eisschollen. Vor seinem Blick zerspringen Pfeiler, Balken und acht Kessel, nur einer bleibt heil. Da kommen die Versteckten zum Vorschein, und sie verzehren mit ihrem Wirte drei Stiere, davon Thor zwei. Um für ein neues Mahl Fische fangen zu können, enthauptet Thor einen Ochsen, dessen Kopf als Köder dienen soll, und nun rudern sie weit ins Meer hinaus. Hymir zog an der Angel einen Walfisch, aber Thor den großen Midgardswurm bis zum Bord des Kahnes empor und schlug mit seinem Hammer dessen Haupt, daß die Ungeheuer lärmten und die Felsen widerhallten und die ganze alte Erde bebte. Der Wurm sank ins Meer zurück. Dann fuhren die Beiden heim, Hymir verdrossen und schweigsam, bis er den Gott zu einer neuen Stärkeprobe reizte. So hob denn Thor das Schiff samt seinem Schöpfwasser und Gerät am Steven zum Hause des Riesen in den Kessel der Waldhalden. (?) Und wiederum gereizt, zerschmetterte er einen Kelch an Hymirs Haupt, das heil blieb. Nim aber gab Hymir seinen Kessel preis, und Thor stülpte diesen sich aufs Haupt, daß die Griffringe an seinen Fersen klangen. Wie er jedoch auf der Heimfahrt merkte, daß Hymir mit seinem vielhäuptigen Volk hinter ihm her kam, da hob er sich den Kessel von den Schultern und zermalmte mit seinem Hammer sie alle, und kraftstrotzend brachte er den Kessel in die Götterversammlung. So erzählt das eddische Hymislied. — Nach der Prosaedda, die sich auf den Fang des Midgardswurms mit dem Ochsenkopfköder beschränkt, war die furchtbarste Scene, wie Thor und die an Bord gehobene Schlange sich gegenseitig mit wilden Blicken anschauten, sie ihm Gift entgegenfauchte und der Riese vor Angst die Farbe wechselte. Da aber zerschnitt Ymir, wie er hier statt Hymir heißt, die Angelschnur, sodaß das Ungeheuer ins Meer zurücksank. Thor schleuderte ihm seinen Hammer nach, sodaß man nun nicht weiß, ob es zu Tode getroffen wurde oder noch lebt. Dann versetzte er dem Riesen einen Schlag, und dieser flog aus dem Kahn, die Sohlen nach oben gekehrt. Da das Schiff zerstoßen war, watete Thor zum Lande zurück. Dieser Mythus, der wie einige andere Thorsmythen: seine Fahrt zu Geirröd und Utgardaloki mit manchen Märchenzügen ausgeschmückt ist, kann in seiner vollen zentralen Bedeutung erst gewürdigt werden, wenn wir die germanischen Götter genauer kennen gelernt haben.

Von den Wolkenriesinnen, die vielfach von den Sturmriesinnen nicht zu unterscheiden sind, sind uns schon Fenja und Menja, Gjalp und Greip und Gridr begegnet. Die letzte rüstet Thor für seine Geirrödsfahrt mit einem Wolkengürtel und schwarzen Wolkenhandschuhen und dem Blitzstab aus und sie bläst Platzregen, Sturm und Hagel aus der Nase. Graue Wölfe werden als ihr Gestüt bezeichnet. Die Wolkenriesinnen sind oft wie die Wolkenelfinnen geschwänzt, so die kinderschreckende Gryla auf Island.

Die Bergriesen bergrisar, fjallgautar, schwedisch bergafolk sind meistens ursprünglich Sturmriesen, die in Wolkenbergen oder auf wirklichen Bergen hausen, wie Suttungr, Thjazi und Skadi, und Steine schleudern und brechen, wie Hrungnir, Fenja und Menja. Die Tiroler wilden Jäger Watzmann und Serles und Frau Hütt versteinern gleich einer nordischen Wetterriesin Hrimgerdr zu Felsbergen. Das norwegische Hochgebirge Dovrefjeld wird in Dovri, dem König über Riesenheim, personifiziert. Wenn deutsche Riesen auf zwei neben einander liegenden Bergen wohnen, so werfen sie sich mit Steinen oder Äxten, und Feldsteine schütteln sie aus ihrem Schuh. Die Riesentochter hüpft von ihrem Berge herab, hebt auf dem Acker den Bauer samt Pflug und Ochsen wie ein Spielzeug in ihre Schürze, muß ihn aber zurücktragen, weil der Vater daran erinnert, daß sie ohne den Ackerbau der Menschen nicht bestehen können. Bei Schleswig trifft ein Riesenmädchen eine Bäuerin beim Flachssäen und bittet sie um ein Hemd. Die Bäuerin verspricht ihr’s. Sie freut sich, als der Flachs keimt, blüht und endlich aufgezogen wird. Da meint sie, das Hemd sei nun fertig. Als ihr aber die Bereitung zu langweilig scheint, wirft sie ihre langen Brüste über die Schultern, springt in einem Satz über den nächsten Berg und verschwindet. Steigt mächtiger Nebel aus den Bergen, so brauen die Riesen oder rauchen, nach neuerer Vorstellung, ihre Pfeifen, ln Höhlen wohnt die zukunftskundige Hyndla und das Dutzend Riesen, das Schilbung und Nibelung dienstbar ist. Darin hüten sie einen köstlichen Met, wie Suttungr, oder den Nibelungenschatz und schöne Jungfrauen dazu, wie Gunnlöd und Kriemhild.

Als Waldriese ist uns schon der Windriese Fasolt bekannt geworden, zu seinem Geschlecht kommen im Gedicht von Dietrich und seinen Gesellen hinzu Fellen-, Rumen- und Schellenwalt, die den Wald fällen, zerstören und schallen machen. Der bayrische Riese Widolt, der Holzherr im König Rother, rauscht, daß die Erde bebt, und springt mit klingendem Panzer über die Sträuchen Der Riese im Gedicht von Sigenot rauft Bäume aus, und vor seinem Atem biegen sich die Äste, aber er verbindet auch Wunden nach sanfterer Winddämonenart. Der fast gleichnamige altdänische Riese Witolf ist ein durch Nebel täuschender Waldeinsiedler, der, wenn er bedroht wird, wie jener wilde Mann Heilmittel angibt. Von seinem altnordischen Namensgenossen Vidolfr stammen alle Völur Wahrsagerinnen. Auf der Fahrt nach Utgard, das über das Ende der Welt hinausliegt, gesellt sich zu Thor in einem dichten Walde der Riese , der während der Nachtruhe schnarcht, daß die Erde bebt, und Thor wohnt im Däumling seines Handschuhs wie in einer Stube. So fährt ein Tiroler Bauer mit seinem Gespann in einen bewachsenen Hohlweg, das Nasenloch des Walderriesen, der ihn samt Ochsen und Wagen weit in die Luft hinausniest.

Der Wasser- und Meerriesen Haupt ist Aegir der Wassermann, auch Hléer und Gymir genannt, er hat wie Ymir und Hymir (S. 238) einen großen Braukessel und gibt Göttergelage, bei welchem Eldr Feuer und Funafeng Funkenfang, die wohl das Meerleuchten bedeuten, aufwarten. Sein Weib ist Rdn, die bei Sturm den Schiffern die Arme öffnet. Mit einem Netz, dessen Maschen niemand entschlüpft, zieht sie die Ertrunkenen hinab in ihren Saal. Da werden sie mit Hummer und Dorsch bewirtet. Ihre neun Töchter wogen und branden und tauchen und spritzen hoch gegen den Himmel und röten ihre Locken mit dem Blut der Zerschellten. Wie Aegir wohnt auch Grendel der Toser (?) in einem von bleichem Feuer erleuchteten Wasserhaus. Es steht im Grunde eines verborgenen Sumpfes, in den das Meer unter windigen Felsen einfließt. Darüber hängt verdorrter Wald. Mit Grendel leben dort seine furchtbare Mutter und viele Niceras Nixe, die die Segelfahrt sorgenvoll machen mit ihren Stahlkrallen und Hauzähnen. Die Flut steigt dunkel bis zu den Wolken, wenn der Wind die Gewitter sendet, bis die Luft dröhnt und die Himmel weinen, ln Nebel und Gewölk geht Grendel allnächtlich aus seinem Moor nach der Königshalle Heorot und schleppt in seinen Stahlkrallen einen schlafenden Krieger davon. Aber in einer Nacht reißt ihm Beowulf einen Arm bis zur Achsel aus, so daß er totwund in sein Sumpfbett flieht. Nun macht sich die fürchterlichere Mutter auf, packt einen Krieger und eilt davon; aber Beowulf taucht ihr nach und erschlägt sie nach schwerem Kampf auf dem Meeresgründe. So erwehrt sich der Mensch der Hochfluten des Meeres, die versumpfende Buchten in die Küsten reißen und selbst die Siedlungen der Menschen überfallen. — Auch der sturzreiche Wasserfall scheint in Norwegen als Riese auf gef aßt zu sein. Der achthändige Starkad wohnte an den Alufällen. Er raubte aus Alfheim die leuchtende Alfhild, deren Vater, König Alf, den Thor gegen ihn zu Hilfe rief.

„Thor schleudert ihn vom schroffen Fels herab; rücklings, mit gespreizten acht Händen, stürzte der brüllende Wasserriese nieder, und noch jeden Augenblick sieht man ihn im grauenvollen Sturze begriffen.“

Im deutschen Hochgebirge sind solche Wasserstürze tosende Drachen, die Dietrich von Bern erschlägt. Die nordischen Nacht- und Tag-, Mond- und Sonnenriesen sind jüngere poetische Gebilde ohne eigentlich mythisches Leben, weshalb auch in der Volksüberlieferung kaum Spuren davon zu finden sind. Die Skalden aber erfanden wieder einen ganzen Stammbaum, an dessen Spitze der Urriese Narfi oder Narvi stand. Seine Tochter Nött, die Nacht, zeugte mit drei Männern den Audr oder Unnr, die Jörd Erde und den Dagr Tag. Die Skalden erfanden außerdem die Rosse Hrimfaxi Reifmähne oder Fjörsvatnir oder -svartnir, die die Nacht, Skinfaxi Glanzmähne oder Gladr, die den Tag, sowie Arvakr Frühauf und Allsvidr Allschnell oder Allbrenner, die die Sonne ziehen. Söl fern, die Sonne und Mäni m. der Mond sind Kinder des Mundilferi, – farides Achsenträgers, der an den antiken riesigen Träger der Achse der Himmelskugel, Atlas, erinnert, den Vater der Plejaden und Hyaden.

Die nordischen Riesen haben ein Reich, wie die Elfen, im Jötunheimr. Es liegt im Osten oder Norden, wo die rauhen norwegischen Gebirge ragen, hinter Grönland oder Bjarmeland am weißen Meer. So das Reich des Riesen Utgardaloki’s, der außerhalb Midgards, der bewohnten Erde, wohnt. Von dem wird folgender mit Märchenzügen und sogar mit Allegorien aufgeputzter Mythus erzählt: Thor und Loki herbergten einmal bei einem Bauer zu Nacht. Thor schlachtete seine Böcke und ließ sie in einem Kessel kochen, lud den Bauer samt Weib und Kindern zum Nachtmahl ein und befahl, daß sie die Knochen auf die Bocksfelle würfen. Vor Tagesanbruch weihte er mit seinem Hammer die Felle, so daß die Tiere sich zu neuem Leben erhoben, doch hinkte das eine, weil Thjalfi, der Sohn des Bauers, ihm das eine Hinterbein durchbohrt hatte, um das Mark herauszusaugen. Schon schärfte Thor zornig seine Augen, schon packte er seinen Hammer so heftig, daß seine Fingerknöchel weiß wurden, da ließ er sich durch das Angstgeschrei der Leute erweichen und begnügte sich damit, ihre beiden Kinder mitzunehmen, Thjalfi und Röskwa. Die Böcke zurücklassend, wanderte er ostwärts gegen Jötunheim und bis zum tiefen Meer und schwamm hinüber. Mit ihm Loki, Thjalfi und Röskwa. Nun gingen sie durch einen großen Wald, Thialfi, der schnellste aller Männer, trug Thors Rucksack. Abends legten sie sich in einem großen Hause mit weiter Türe zur Ruhe, bis sie um Mitternacht, durch ein Erdbeben erweckt, in ein kleineres Nebenhaus flüchteten. Am Morgen bemerkte Thor einen schlafenden Riesen, der mächtig schnarchte. Als der erwachte und sich erhob, soll Thor zum ersten Mal bestürzt gewesen sein. Er nannte sich Skrymir und hob seinen Handschuh auf, in dessen Däumling Thor mit den Seinen gekrochen war. Dann ging der Riese mit großen Schritten durch den Wald voran, und in der zweiten Nacht tat Thor drei vergebliche Hammerschläge auf des schlafenden Riesen Haupt, der glaubte, ein Blatt, eine Eichel, etwas Vögelkot sei auf ihn herabgefallen. Da sie nahe bei der Burg Utgard waren, verließ der riesige Wegweiser die Kleinen mit dem guten Rat, dort nicht zu sehr zu prahlen. Um Mittag lag, von Feldern umgeben, die Burg Utgard vor ihnen, die so hoch war, daß sie mit zurückgebogenem Kopf kaum ihre Spitze erblicken konnten. Durch das hohe Gitter des Thors zwängten sie sich mühsam hindurch und traten in eine weite Halle, deren Bänke von vielen Riesen besetzt waren. Der König Utgardaloki würdigte sie kaum eines Blickes und fragte mit bleckenden Zähnen die Kleinen nach ihren Künsten. Loki aß mit dem Riesen Logi Fleisch aus einem Troge, und Thjalfi lief mit dem Riesen Hugi um die Wette, aber beide wurden besiegt. Auch konnte Thor ein Strafhorn nicht leeren, eine graue Katze auch nur mit einem Fuß nicht vom Boden heben und eine alte Riesin im Ringkampf nicht bezwingen. Aber nach einer gastlichen Nachtherberge, als der Wirt seine scheidenden Gäste vor die Burg begleitete, klärte er sie auf: er selber war Skrymir, der sich durch Zauberkünste vor Thors Hammerschlägen geschützt hatte, Logi war das Wildfeuer, Hugi der Gedanke, die Spitze des Trinkhoms reichte ins Meer, die Katze war der erdumschlingende Midgardswurm und die Ringerin das Alter. Als Thor diese Worte vernommen, schwang er seinen Hammer, und plötzlich war alles verschwunden; nur liebliche Gefilde breiteten sich vor ihm aus. Da kehrte er nach seiner Heimat Thrüdwang zurück. — Alte Riesenkämpfe Thors sind in dieser Utgardaloki-, wie in jener Geirrödssage mit Märchenzügen und allegorischen Motiven reich durchflochten. Beiden eddischen Berichten gibt aber Saxo ein noch moderneres Gepräge. Bei ihm ist Thors Nachfolger der kühne Thorkill, der auf seiner Fahrt den, wie er wohl weiß, vom Thor durchbohrten Geruthus (Geirröd) auf einen Hochsitz an eine Klippe festgenagelt und dessen Töchter mit gleichfalls von Thor zerschmettertem Rücken antrifft. Beider Riesen Reich trägt aber bereits einen völlig unterweltlichen Charakter. Isländer haben dem Dänenkönig Gorm von Geruths schätzereichem Lande erzählt, das, durch den Ozean von der Erde geschieden, in der Unterwelt sonnen-und sternlos dahege. Unter Thorkills Leitung schiffte Gorm mit 300 Gefährten nach dem ewig kalten Bjarmeland hoch im Norden, wo sie nach ihrer Landung der Riese Guthmund, Geruths Bruder, zum Genuß von Zauberspeisen und schönen Weibern einlud. Aber von Thorkill gewarnt, wurden nur vier Dänen verführt und verloren ihr Gedächtnis. Darauf setzte Guthmund die Übrigen über einen furchtbar kalten Fluß, der, von einer goldenen Brücke überspannt, die Menschen von den Bewohnern der Unterwelt trennte. Eine schwarze Stadt, einer dampfenden Wolke ähnlich, lag vor ihnen, ihre Zinnen mit Menschenhäuptem besteckt, von wilden Hunden bewacht. Auf einer Treppe drang man ein; alles voll von heulenden Gespenstern und unerträglichem Gestank. Am gräulichsten war ein Felsengemach, voll Ruß und Kot, das Dach mit Spießen gedeckt, der Boden von Nattern wimmelnd. Hier fand Thorkill Geruth und seine Töchter in der jammervollen Lage, in die sie Thor gebracht hatte. In einem Kampf mit den Gespenstern kamen die meisten Dänen um, nur wenige, wie Gorm und Thorkill, kehrten heim.

Doch abermals muß Thorkill sich aufmachen, um Ugarthilocus zu befragen um den Verbleib der Seelen nach dem Tode. Nachdem er viele Gefahren im hohen Norden bestanden, trifft er den Riesen in einer schmutzstarrenden, von Schlangen wimmelnden Höhle, an Händen und Füßen mit ungeheuren Ketten belastet; seine stinkenden Haare ragen wie hornfeste Lanzen. Als Thorkill ihm eines mit Unterstützung seiner Genossen aus dem Kinn reißt, bricht ein erstickender Qualm hervor, uiid von allen Seiten fliegen Schlangen auf sie los und bespeien sie. Alle kommen um, vergebens ihre Götter anflehend, nur Thorkill, der zum Gott des Weltalls betet, wird gerettet.

Wie aus dem Morgen- oder Abendrot ein heiteres Land des Jenseits, wurde aus dem drohenden, dampfenden, düsteren Gewittergewölke am Horizont ein finsteres Gegenstück geschaffen, die Hölle. Jenes gehört den Elfen, dieses den Riesen. Ein Mischgebilde sind die Glaesisvellir Glanzgefilde, die von jenem Riesenkönig Gudmund (S. 245) beherrscht werden, aber einen elfischen Lustgarten mit Blumen, allerlei zauberischen Dingen und verführerischen Weibern in sich schließen. Der heißt Udainsakr das Feld der Unsterblichen. Doch die Unsterblichkeit bedeutet nur ein übermenschliches Lebensmaß, stirbt doch der König selber nach einem halben Jahrtausend, um darnach wie ein Gott mit Opfern geehrt zu werden.

Faßt man diese Vorstellungen eines jenseitigen Riesenreichs mit jenen eines jenseitigen Elfenreichs zusammen, so gewahrt man ein starkes Schwanken zwischen dunklen und lichten Jenseitsbildern. Man will den Verstorbenen losreißen aus seinen engen Grabesbanden, man versetzt ihn weit über die Erdengrenzen hinaus zu unsterblichen oder vielmehr länger lebensfähigen Wesen, den freundlichen Elfen oder den finstern Riesen. Denn man weiß nicht sicher, was drüben zu erwarten steht. Nur mühsam, unvollkommen ringt sich der Unsterblichkeitsgedanke durch. Nur ausnahmsweise denkt man daran, außer der Örtlichkeit und ihrem Herrscher die Untertanen desselben, die Verstorbenen, und ihr Treiben zu schildern. Und sogar Sterbliche dringen in die andere Welt ein. Am schärfsten umrissen tritt aus dieser unterweltlichen Riesengruppe ein Weib, die Hel, heraus. Sie greift tiefer als die Riesenmänner ins Menschenschicksal ein, in das diesseitige und das jenseitige. Sie stellt sich darnach zu den höheren Dämonen.

So machtvoll die Riesen sind, so sehr manche wie ältere, nur rohere Götter ausschauen, so dürftig sind die Spuren eines wirklichen Riesenkultus. Zwar wurde der deutsche Riese Fasolt beschworen, Unwetter abzuwenden; dem nordischen Riesen Gudmund, der ein Alter von 500 Jahren erreicht hatte, brachte man Opfer. Der Unterweltsfahrer Thorkill geht bei Saxo den Riesen Utgarthiloki mit Gelübden und Besänftigungsmitteln an, daß er ihm freundliches Reisewetter schaffe, und in Norwegen opferte man den Riesen auch noch in neuerer Zeit am Julfest. Aber diese Nachrichten bedeuten nichts gegenüber den tausenden von Zeugnissen für den Elfenkultus. Entweder war also immer der geistige Verkehr der Germanen mit den Riesen ein seltener, wie sich leicht aus deren maßlosen Formen erklärt, oder sie wurden daraus später durch die edleren Götter verdrängt. Bei Saxo ist Hadding erst ein Schützling der Riesen und sogar der Geliebte einer Riesin, aber später tiberläßt er sich dem Beistand der Götter, Odins und Frey’s, und eine Frau mit Blumen im Schoße, vielleicht Freyja, führt ihn in ein unterirdisches Paradies. Zu Saxo’s und Snorre’s Zeit glaubte man, daß die aus dem fernen Süden oder Osten eingewanderten Äsen die Riesen ausgerottet und nach der Olaf Tryggvasons-sage insbesondere Thor die beiden letzten Riesenweiber mit seinem Hammer erschlagen habe. Noch in der neueren Überlieferung ahnen die Riesen, daß ihre Zeit bald vorüber ist. Nach der von Jütland bis ins Elsaß verbreiteten Sage trägt eine Riesin einen Bauer samt seinem Pfluge in ihrer Schürze als Spielzeug heim. Ihr Vater oder Mann aber sagte zu ihr:

„Schnell trage es wieder auf den Acker, denn ohne die Menschen wären wir übel dran und hätten kein Brot“

oder nach andrer Wendung:

„Sie werden uns sonst bald vertreiben“.

Die niedere Mythologie hat mit dem Riesenmythus ihren Abschluß gefunden. Sie hat den religiösen Sinn der Germanen Jahrhunderte, Jahrtausende beherrscht und zwar in vier Hauptformen. Die Vorstellungen vom Sterben führten zum Seelenglauben, die vom Alpdruck zum Marenglauben, die von den Naturmächten einerseits zum Elfen-, andrerseits zum Riesenglauben. Aus tiefen Quellen geboren, haben sich diese vier Strömungen bis in unsere Zeit ergossen, und oft mußte, wenn ihr reinerer Oberlauf verdeckt war, aus dem freilich oft getrübten, aber zugänglichen Unterlauf die Erkenntnis des alten Gehaltes geschöpft werden. Mit ungleicher Kraft aber tränken sie noch heute den Untergrund unserer Volksreligion. Der Gespensterglaube ist noch stark, wie der Marenglaube; schon geringer, aber doch noch vielfach lebendig, ist der Elfenglaube; der an die Riesen äußert sich wohl nur noch in einigen Teufelssagen. Überhaupt ist unsere Riesenkunde um so unsicherer, als ihre meisten Mythen aus einer Zeit stammen, in der sie schon mit den späteren Göttermythen verknüpft waren, während die Mythen der Seelen, Maren und Elfen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, sich davon frei halten. Im ganzen aber ist das Gebäude der ältesten germanischen Religion, wie es auf jenen vier Hauptpfeilern ruhte, mit einiger Sicherheit aus den alten Zeugnissen, wie aus den noch heute bestehenden Resten zu erkennen. Lange Zeiten hindurch der einzige Schutz und Hort des religiösen Bedürfnisses, wurde es später mit einem Oberbau versehen, der viel weitere Ausblicke gewährte.

Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen, Meyer, Elard Hugo.