Friedrich Wilhelm von Preußen

Kein Volk versinkt, das an sich selber glaubt; auch ich sah Sterne hell aus Nächten steigen. Einst kommt der Tag, da steht der Baum belaubt, und ein freies Volk wohnt unter seinen Zweigen.
friedrich_der_grosse Friedrich II., auch Friedrich der Große oder der Alte Fritz genannt,  24. Januar 1712 in Berlin – 17. August 1786 in Potsdam) war seit 1740 König in Preußen und ab 1772 „König von Preußen“. Als Kurfürst und Markgraf von Brandenburg wird er als Friedrich IV. gezählt.

Durch die Schlesischen Kriege zwischen 1740 und 1763 erlangte er für Preußen die Eroberung Schlesiens gegen Österreich und mit dem für Preußen glücklichen Ausgang des Siebenjährigen Krieges die europaweite Anerkennung als Großmacht.

Friedrich gilt als Repräsentant des aufgeklärten Absolutismus. So bezeichnete er sich selbst als „ersten Diener des Staates“.

Titel Friedrichs des Großen

König von Preußen, Markgraf zu Brandenburg, souveräner und oberster Herzog von Schlesien, souveräner Prinz von Oranien, Neuschatel und Valengin, wie auch der Grafschaft Glatz, in Geldern, zu Magdeburg, Cleve, Jülich, Berg, Stettin, Pommern, der Kaschuben und Wenden, zu Mecklenburg und Crossen, Herzog, Burggraf zu Nürnberg, Fürst zu Halberstadt, Minden, Kammin, Wenden, Schwerin, Ratzeburg, Ostfriesland und Mörs, Graf von Hohenzollern, Ruppin, der Mark, Ravensburg, Hohenstein, Tecklenburg, Schwerin, Lingen, Büren und Leerdam, Herr von Ravenstein, der Lande Rostock, Stargard, Lauenburg, Bütow, Arlay und Breda etc.

Leben

Einführung

Friedrich der Zweite, den sein Volk nach unglaublichen Siegen ehrfurchtsvoll „den Großen“ nannte, war einer der größten Könige der deutschen Geschichte. Seinen Beinamen „der Große“ erhielt er nach dem Zweiten Schlesischen Krieg im Jahre 1745. Nach dem Siebenjährigen Krieg, dem dritten, den er zum Anschluß Schlesiens an Preußen führte, nannte man ihn liebevoll den „Alten Fritz“, obwohl er erst 51 Jahre alt war.

Kindheit und Jugend

Friedrich II. wurde am 24. Januar 1712 in Berlin geboren, als Sohn Friedrich Wilhelms I., des sogenannten „Soldatenkönigs“. Seine Mutter, Sophie Dorothea von Hannover, die einzige Tochter des späteren Königs Georg I. von England (auch des Kurfürsten von Braunschweig-Lüneburg) und dessen Frau Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg-Celle, war der musische Gegensatz zu dem äußerst strengen Vater. Zu ihr fühlte sich das empfindsame Kind und später der junge Friedrich hingezogen. Von ihr fühlte er sich in seiner Liebe zur Musik und Dichtkunst ebenso verstanden wie von seiner älteren Schwester Wilhelmine. Obwohl in die Rolle des Kronprinzen hineingeboren, stieß ihn alles Soldatische aufgrund der oft überharten Erziehungsmaßnahmen seines Vaters zunächst ab.

Für den Gang der Erziehung des jungen Friedrichs entwarf Friedrich Wilhelm I. einen genauen Plan. Liebe zu Soldatenstand, Frömmigkeit des Herzens, Liebe und Furcht zu Gott waren die Hauptgrundzüge; danach kam das wissenschaftliche Gebiet. Als dann aber gewisse Neigungen des jungen Friedrichs gar zu sehr von den Grundsätzen des Vaters abwichen, kam es zu einem Zerwürfnis zwischen Vater und Sohn. Der Prinz zeigte lebhafte Hinneigung zu französischen Büchern. Er liebte es, sein Haar nach der Mode der Franzosen zu frisieren, trug, wenn der Waffendienst ihm Muße ließ, französische Kleider und liebte das Flötenspiel, da ihm eine große musikalische Begabung angeboren war. Sein Vater Friedrich Wilhelm fühlte sich durch und durch als deutscher Fürst und haßte alle französischen Sitten, denn es ging an den Höfen Deutschlands, wo man dem französischen Wesen Tür und Tor geöffnet hatte, schlimm genug zu. Als der Kronprinz Friedrich älter wurde, kam es zu immer stürmischeren Szenen zwischen Vater und Sohn. Der Jähzorn König Friedrich Wilhelms stieg oft so hoch, daß er seinen Prinzen körperlich mißhandelte.

Der aufgebrachte König, der die Folgen seiner Worte niemals erwog, fügte der Mißhandlung noch den Schimpf hinzu, indem er sagte:

Wäre er selbst von seinem Vater so behandelt worden, so hätte er sich totgeschossen, aber Friedrich habe keine Ehre, er lasse sich alles gefallen.

Von jenem Augenblicke an trug sich der Kronprinz ernstlich mit Fluchtgedanken, die er allerdings schon früher gehegt hatte. Der Kronprinz verabredete sich mit einigen seiner Freunde, dem Leutnant von Katte von den königlichen Gendarmen und den Brüdern Keith – der eine war Page, der andere Leutnant in Wesel – zur Flucht.

Auf einer Reise nach Süddeutschland, die der König am 5. August 1730 antrat, und auf welcher der Kronprinz ihn begleiten sollte, wollten die jungen Leute die Flucht durchführen. Im Dorf Steinsfurth, nahe Mannheim, übernachtete die Reisegesellschaft in zwei Scheunen, da Friedrich Wilhelm gerade solche einfachen soldatischen Reisequartiere liebte. Der Prinz gedachte über den Rhein nach Frankreich zu fliehen und dort Zuflucht zu suchen. Indessen hatte der Oberstleutnant von Rochow, des Prinzen militärischer Begleiter, dem Kammerdiener Gummersbach dringend empfohlen, auf seine Königliche Hoheit zu achten. Alsdann erwischte der Kammerdiener den jungen Prinzen bei seinem Fluchtversuch und fragte diesen daraufhin, was er vorhabe. „Ich will aufstehen“, antwortete Friedrich, „was geht es Dich an.“ Durch die Wachsamkeit des Kammerdieners konnte die Flucht des Prinzen vereitelt werden.

Leutnant von Katte wurde daraufhin in Berlin verhaftet, und der König litt unendlich, da er sich von aller Welt verraten sowie von Ränken und Komplotten umsponnen glaubte. Er nahm an, daß England und Frankreich mit dem Prinzen gegen ihn im Bunde seien, und doch war das Ganze schließlich nichts weiter als ein unüberlegter Jugendstreich eines schwer gekränkten jungen Prinzen, der die väterliche Behandlung nicht mehr ertragen zu können glaubte. Bei der Untersuchung gegen den Kronprinzen und seine Helfer kamen die dort gestellten Fragen von König Friedrich Wilhelm höchstpersönlich.

Den Leutnant von Katte verurteilte die Hälfte der Richter zum Tode durch das Schwert, die andere Hälfte zu lebenslänglichem Gefängnis. Das mildere Urteil galt. Es wurde dem König eingereicht. Aber Friedrich Wilhelm sandte zornig die Akten zurück und befahl das andere Urteil über Katte. Er hielt das Verbrechen von Kattes für ein Majestätsverbrechen und verurteilte ihn aus königlichem Recht zum Tode durch das Schwert. „Wenn das Kriegsgericht“, so schrieb der König, „dem Katte das Urteil mitteilt, so soll ihm gesagt werden, daß es Seiner Königlichen Majestät leid um ihn täte, aber es wäre besser, daß er stürbe, als daß die Gerechtigkeit aus der Welt käme.“

In der Frühe des 6. November erst erhielt Kronprinz Friedrich in seinem Gefängnis von zwei Offizieren die Nachricht, daß die Hinrichtung Kattes beschlossen sei und daß sie auf Befehl des Königs vor den Fenstern des Kronprinzen stattfinden sollte. „Was bringen Sie mir für eine böse Zeitung“, schrie Friedrich in tiefster Seele getroffen auf, „Herr Jesus, bringen Sie mich doch lieber ums Leben!“ Als der dumpfe Trommelklang anzeigte, daß von Katte zum Tode schritt, trat Friedrich ans Fenster. Schon stand der geliebte Freund im Kreis der Soldaten. Bis zur letzten Minute hoffte man auf einen königlichen Gnadenerlaß. Er traf nicht ein. Das Haupt von Kattes fiel.

Nach diesem Ereignis mußte der Kronprinz Fritz einige Monate in Küstrin bleiben und dort arbeiten. Hier war es, wo Kronprinz Friedrich zum ersten Mal den warmen Schlag des Vaterherzens empfand, wo er spürte, daß neben harter Strenge doch auch Sorge und Liebe für ihn in diesem Herzen wohne. „Ich hatte bisher wahrlich nie geglaubt“, sagte Friedrich, „daß mein Vater die geringste Regung von Liebe für mich hätte.“ Diese Wandlung in ihrem Verhältnis zueinander lag daran, daß der Vater nun regelmäßig kam und sich nach Fritz und dessen Tun erkundigte.

Diese Küstriner Zeit war für den weiteren Lebensweg König Friedrichs von großer Bedeutung. Sein heller Geist gewann tiefe Einblicke in die Verwaltung des Staates, und er lernte in Küstrin zum ersten Mal die Tüchtigkeit und den Erfolg der unermüdlichen Arbeit seines Vaters zu erkennen. Endlich, Ende November, führte der König der Mutter und der Schwester den Sohn wieder zu.

Regierungsantritt

Jetzt begriff Friedrich den eisernen Willen seines Vaters und beugte sich ihm, auch als ihm Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern zur Frau verordnet wurde. Auch wenn ihm die Frau aufgezwungen wurde, begannen mit dieser Ehe die vier glücklichsten Jahre in Friedrichs Leben. Sie zogen 1736 auf das Schloß Rheinsberg in der Mark Brandenburg, wo er auch begann, dem französischen Philosophen Voltaire zu schreiben, den er dann später auch an seinen Hof einlud. Der König schenkte dem Kronprinzen den Hof im Schloß zu Rheinsberg, einen stattlichen Besitz. Hier durfte sich Friedrich das Leben so einrichten, wie es ihm gefiel. Er sammelte eine Anzahl geistreicher, gelehrter, philosophisch veranlagter Freunde um sich.

Hier verlebte er, umgeben vom Freundeskreis um Charles Jordan (französischer Sekretär) und Dietrich von Keyserlingk (Stallmeister, kulturelles Universaltalent), zu dem weiterhin De la Motte Fouqué und Suhm zählten, seine glücklichen Jahre bis zu seinem Regierungsantritt. Friedrich sprach fließend Französisch, sein Deutsch dagegen war mangelhaft und eher mit dem eines Kutschers vergleichbar. 1739 erschien seine Schrift „Antimachiavell“.

Im Frühjahr des Jahres 1740 verschlimmerte sich die Krankheit des Königs und man konnte ständig seinen Tod erwarten. Der König hatte sich, um doch mehr Natur um sich zu haben, in das Stadtschloß von Potsdam begeben, wo er den letzten Mai seines Lebens verbrachte. Am 30. Mai wurde Kronprinz Friedrich zu seinem sterbenden Vater gerufen. Er fand den König in einem Rollstuhl im Sonnenschein auf dem Schloßhof sitzend und die Bauarbeiten an seinem Potsdamer Marstall beobachtend. Als der Prinz kam, schloß ihn der König in die Arme, während ringsum eine große Menge von Zuschauern tief erschüttert teilnahm. Stundenlang sprach Friedrich Wilhelm mit seinem Sohn und seinem ersten Minister von Podewils über die Lage der Politik und im Staat. Innerlich tief beruhigt, legte der Scheidende das Regiment in die Hände seines Sohnes.

Was er im Jahre 1740 vorfand, als er nach dem Tod seines Vaters König von Preußen wurde, waren zusammenhanglose Länder: Ostpreußen, Brandenburg und Besitzungen am Rhein. Der junge Mann hatte längst begriffen, daß mit diesem Preußen kein Staat zu machen war. Das wollte er ändern. Die Gelegenheit dazu fand sich, als in Wien plötzlich der deutsche Kaiser starb und dessen junge Tochter Maria Theresia Regentin der habsburgischen Erblande wurde. Friedrich nutzte diese Gelegenheit aus und eroberte im Dezember des Jahres 1740 zum ersten mal mit seinem Heer Schlesien, das bis dahin deutsch-österreichisch war, und besetzte Breslau. Dies war kein ruhmreicher Feldzug. Ein zweiter und dritter folgten. Erst danach konnte sich Friedrich vollauf seinem ausgebluteten Land widmen. „Ich bin“, wie er sich ausdrückte, „der erste Diener meines Staates.“ So hat er sein königliches Amt aufgefaßt und danach gehandelt.

Schon im ersten Monat der Regierung zeigte der König, wie hoch sein freier Geist über den Dingen stand. Mit einem Federstrich schaffte er die bis dahin im Gerichtswesen noch gebräuchliche Folter ab. Und dann kamen jene Verfügungen in Sachen der Religionen, welche noch heute über die Jahrhunderte hinwegleuchten: „Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, welche sie ausüben, ehrliche Leute sind.“ – Und das andere Wort, welches dieses erste gleichsam ergänzt: „Die Religionen müssen alle toleriert (geduldet) werden, und es muß der Staat ein Auge darauf haben, daß keine der anderen Abbruch tue, denn hier muß jeder nach seiner Fasson selig werden können.“ Ihm waren alle religiösen Bekenntnisse gleich geachtet, nur verlangte er von den Bekennern jeder Religion, daß diese ihre Pflichten als Staatsbürger gewissenhaft erfüllten.

König von Preußen

Friedrich begann im Sommer um 4 Uhr, im Winter um 5 Uhr zu arbeiten, und dies wurde durch die 46 Jahre seiner Regierung andauernd auch so beibehalten.

Wohl förderte Friedrich während seiner gesamten Regierungszeit Wissenschaft und Kunst, wohnte doch in ihm ein künstlerischer Geist ersten Ranges; aber die Staatsgeschäfte gingen unter allen Umständen vor.

Im Jahre 1740 wurde Maria Theresia nach dem Tod ihres Vaters Kaiser Karl VI. Erzherzogin von Österreich. Friedrich forderte von Österreich sogleich unter Hinweis auf bestehende preußische Teilansprüche die Abtretung Schlesiens an Preußen. Als Gegenleistung war er bereit, die Pragmatische Sanktion anzuerkennen, auf deren Grundlage Maria Theresia die österreichischen Lande geerbt hatte. Nachdem Österreich abgelehnt hatte, marschierte Friedrich in Schlesien ein und löste damit den Österreichischen Erbfolgekrieg aus. Nach den preußischen Siegen 1741 bei Mollwitz und 1742 bei Chotusitz mußte Maria Theresia im Frieden von Breslau Schlesien an Preußen abtreten. 1744 erwarb Friedrich Ostfriesland, nachdem dessen Herrscher ohne Erben verstorben war. 1744 löste Friedrich den Zweiten Schlesischen Krieg aus, den er ebenfalls für sich entscheiden konnte und mit dem er Schlesien für Preußen sicherte.

Mit diesen beiden Kriegen hatte sich Friedrich als fähiger Feldherr erwiesen, dem es gelungen war, die Macht Preußens im Reich, insbesondere gegenüber Österreich, auszubauen. Da er überzeugt war, daß der österreichisch-preußische Dualismus in einem Krieg eskalieren würde, verfolgte er argwöhnisch die österreichische Aufrüstung und Bündnispolitik und löste als Präventivschlag gegen Österreich mit seinem Einmarsch in Kursachsen den Siebenjährigen Krieg (1756–1763) aus. Friedrich und seinem Heer standen die Armeen der Verbündeten Österreich, Rußland, Schweden, Sachsen und Frankreich gegenüber. Unterstützung erhielt er lediglich in Form von Subsidien durch Großbritannien, das selbst mit Frankreich im Krieg lag. Nach wechselvollem Kriegsverlauf, in dem Friedrich aufs neue seine Fähigkeiten als Feldherr unter Beweis stellte, der ihn jedoch auch an den Rand der Kapitulation brachte, konnte sich Preußen schließlich gegen die Übermacht behaupten.

Der Tag von Kunersdorf (2. August 1759) brachte die schwerste Niederlage des Königs im siebenjährigen Krieg. Friedrich griff die durch ein österreichisches Heer von 20.000 Mann unter dem tüchtigen General Laudon verstärkten Russen an. Der Anfang der Schlacht war glänzend. Schon sandte der König Kuriere mit der Siegesnachricht nach Berlin, aber das Ende des Tages war fürchterlich. Als man den König beschwor, sich nicht so sehr den Kugeln auszusetzen, sagte er kurz: „Wir müssen hier alles versuchen, um die Bataille zu gewinnen, und ich muß hier wie jeder Andere meine Schuldigkeit tun.“ Man sah Friedrich in der Nacht in einer Bauernhütte auf einem Bund Stroh tief schlafend, vor der Tür eine Schildwache. Als Wunder erschien es ihm, daß die Russen trotz ihres Sieges nichts unternahmen; aber deren Feldherr, der Fürst Ssaltykow, tat einen merkwürdigen Ausspruch. „Noch eine solche Schlacht“, klagte er, „und ich könnte mit einem Stocke in der Hand nach St. Petersburg wandern“.

Der Friede von Hubertusburg von 1763 sicherte Preußen den territorialen Status quo der Vorkriegszeit, ohne daß eine Entscheidung hinsichtlich der Rivalität zwischen Preußen und Österreich um die Vorherrschaft im Reich getroffen wurde; doch Preußen war nach diesem Krieg endgültig nicht mehr aus dem Konzert der Großmächte in Europa wegzudenken. 1764 verbündete sich Friedrich mit Katharina II. von Rußland. Bei der ersten polnischen Teilung 1772 erhielt Friedrich das Ermland und Westpreußen ohne Danzig und Thorn, womit endlich wieder eine Landverbindung zwischen der Mark Brandenburg und Ostpreußen geschaffen war. Im Frieden von Teschen (1779) am Ende des Bayerischen Erbfolgekrieges – einer kurzen Auseinandersetzung mit Österreich gegen die Wittelsbacher Expansionspläne in Süddeutschland – wurden Preußen die Gebiete Ansbach und Bayreuth zugesprochen, Österreich behielt einen Teil des Innviertels. 1785 rief Friedrich gegen die österreichische Vorherrschaft im Reich den Deutschen Fürstenbund ins Leben.

Seine letzten Jahre

In seiner Außenpolitik verlor er niemals die Großmacht Preußen aus den Augen. Im Dienst des Staates holte sich König Friedrich Gicht. Aber der Schwäche nicht achtend, reiste der König im August 1785 zu den Truppenübungen nach Schlesien und saß während des Haupttages der Revue (24. August) sechs Stunden lang, nur bekleidet mit dem schlichten blauen Uniformrock, zu Pferde, während es wie aus Eimern goß. Bis auf die Haut durchnäßt, kehrte er in das Quartier zurück. Wenige Wochen später erlitt er in Potsdam einen „Stickfluß“, einen Schlaganfall, der sich nur langsam besserte. Und immer mehr traten die Erscheinungen der Wassersucht während des Winters zutage. Sobald der Frühling nahte, hielt Friedrich es im Potsdamer Stadtschloß nicht mehr aus. Er ließ sich am 17. April nach einer langen Spazierfahrt durch die Dörfer nach seinem Schloß Sanssouci fahren. Er durchwachte die Nächte in seinem Lehnstuhl, weil die Luft nicht durchwollte, und dann, um 4 Uhr früh, empfing er seine Sekretäre. „Meine Herren, mein Zustand zwingt mich, Ihnen diese Mühe zu machen, die für Sie nicht lange dauern wird. Mein Leben ist auf der Neige, die Zeit, die ich noch habe, muß ich benutzen, sie gehört nicht mir, sondern dem Staat.“ Noch einmal mochte der König zu Pferde steigen. Am 4. Juli ließ er den Schimmel Condé vor sich bringen, sein altes, liebes Tier, und saß im Sattel und ritt dreiviertel Stunden durch den Garten von Schloß Sanssouci.

In der Nacht zum 17. August 1786 hörte der König die Glocke elf schlagen: „Was ist die Glocke? Um vier Uhr will ich aufstehen.“ Sein Auge fiel auf ein fröstelndes Windspiel, und er befahl, man möge das Tier mit einem Kissen zudecken. Von seinem Kammerhusaren Strützky gestützt atmete Friedrich unablässig schwer und schwerer und sein Leben keuchte dem Tode entgegen. Nach einem heftigen Hustenanfall, der etwas Schleim lösen konnte, meinte er „Wir sind über den Berg, jetzt wird’s besser gehen!“ Der Zeiger der Uhr zeigte zwanzig Minuten nach zwei in der Frühe des 17. August, als er den letzten Atemzug tat.

„In der Nacht vom 4. zum 5. November des Jahres 1805, um 1 Uhr, betraten der Kaiser Alexander I. von Rußland, Friedrich Wilhelm III. und die Königin Louise die mit Wachskerzen erleuchtete Kirche. Am Grabe Friedrichs II. küßte Alexander, von seinen Empfindungen überwältigt, den Sarg des ruhmreichen Toten, und der Königin die Hand zum Unterpfand unverbrüchlicher Freundschaft, während er die rechte Hand des Königs zum Zeichen unwandelbarer Treue ergriff.“

Die Gruft Friedrichs des Großen aus „Die Gartenlaube“ 1863:

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Gedanken und Bemerkungen

  • Dr. Karlheinz Weißmann zeigte in einem grandiosen Beitrag auf dem 20. Berliner Kolleg des Instituts für Staatspolitik die geniale Größe und historische Bedeutung Friedrichs des Großen in seinem Beitrag „Größe ist, was wir nicht sind – Friedrich als großes Individuum“. Ausgehend von Thomas Manns Friedrich-Essay „Friedrich und die große Koalition“, in der Größe und Genialität so treffend charakterisiert werden, zeigte Weißmann mit den Worten von Thomas Carlyle: „Da ist ein Zug, […], nämlich, daß er (Friedrich Anm. d. Verf.) er in seiner Art eine Tatsache ist, daß er stets meint, was er spricht; auch seine Handlungen auf das, was er als die Wahrheit erkennt, begründet und mit einem Wort gar nichts vom Lügner, oder Scheinmenschen an sich hat.“ Diese innere Wahrhaftigkeit, die „Ehrlichkeit den Tatsachen gegenüber“ sind es, die Friedrichs Größe begründet.
  • Der wichtigste politische Grundsatz, den uns Friedrich der Große hinterläßt, stellt sich im Wesen des Verhältnisses von Macht und Recht dar. Nicht, wie liberale und linke Geschichtsfälscher behaupten, daß Friedrich dem Recht das Primat gibt, ist der Fall, sondern das Gegenteil. Von Anfang an ist die Grundmaxime politischen Handelns, daß einzig und allein aus Macht das Recht erwächst. Macht schafft Recht. In dem Willen zur Macht liegt die gewaltige Kraft zur Schaffung neuer gegebener Tatsachen. Die Bedeutung der Machtfrage demonstrierte uns Friedrich durch eigene Taten, schuf Tatsachen, und das ist gerade in den heutigen Tagen, der bestehenden Dekadenz und parlamentarischen Schand-Demokratie, ein beispielgebendes Muster politischen Handelns: die rücksichtslose und fanatische Entschlossenheit zur Schaffung von Tatsachen und das bis zu den absoluten Grenzen des Möglichen zu gehen. Friedrich hat nicht nur philosophiert, sondern gehandelt durch politische und kriegerische Gewalt und somit ein neues Machtgleichgewicht in Europa geschaffen.
  • Hegel bezeichnete Friedrich den Großen als einen König, „… der nicht nur Preußen unter die großen Staatsmächte Europas als protestantische Macht“ eingeführt habe, sondern er sei auch ein philosophischer König gewesen. Hegel schrieb in seiner Vorlesung über die Philosophie der Geschichte: „Friedrich II. kann als der Regent genannt werden, mit welchem die neue Epoche in die Wirklichkeit tritt, worin das wirkliche Staatsinteresse seine Allgemeinheit und seine höchste Berechtigung erhält. Friedrich II. muß besonders deshalb hervorgehoben werden, daß er den allgemeinen Zweck des Staates denkend gefaßt hat, der das Allgemeine im Staate festhielt und das Besondere, wenn die Staatszwecke entgegen war, nicht weiter gelten ließ. Sein unsterbliches Werk […], das Allgemeine preußische Landrecht. Wie ein Hausvater für das Wohl seines Haushalts und der ihm Untergebenen mit Energie sorgt und regiert, davon hat er ein einziges Beispiel aufgestellt.“
  • Norbert Leitholds wichtiges Friedrich-Buch bringt neue Aspekte ans Licht. Besonders interessant ist die Bezugnahme Leitholds zum Kriegsbeginn 1740. Zu diesem Zeitpunkt hatten auch andere europäische Staaten das Ziel, nach Kaiser Karls Tod die Gunst der Stunde zu nutzen und Österreich den Krieg zu erklären. Friedrich wußte das und kam den anderen klug zuvor: „Friedrich handelte nicht moralisch, sondern nach dem Kalkül des Machterhalts und der Machterweiterung.“ Er handelte also wie jeder andere Fürst auch. Ebenso stellt Leithold deutlich klar und weist quellensicher nach, „… daß man bis heute der habsburgischen Propaganda aufsäße, wenn man Friedrich für die polnische Teilung verantwortlich mache.“ Es handle sich um eine rein ideologische Wertung, die den Alliierten in Jalta sehr gelegen gekommen sei und bis heute aus geschichtspolitischen Gründen aufrechterhalten werde.
  • Theodor Schieder zeigte, daß bei Friedrich an die Stelle des Ruhmes Begriffe wie Pflicht, Ehre und Wohl des Staates und des Volkes traten. Der Standesethos verschmolz mit dem Staatswohl und „tat damit einen für die Geschichte des politischen Denkens wichtigen Schritt.“

    Zitate

    • „Wenige Menschen denken, und doch wollen alle entscheiden.“
    • „Eine Regierung muß sparsam sein, weil das Geld, das sie erhält, aus dem Blut und Schweiß ihres Volkes stammt. Es ist gerecht, daß jeder einzelne dazu beiträgt, die Ausgaben des Staates tragen zu helfen. Aber es ist nicht gerecht, daß er die Hälfte seines jährlichen Einkommens mit dem Staate teilen muß.“
    • „Ich habe den Rubikon überschritten mit fliegenden Fahnen und Trommelschlag. Meine Truppen sind vom besten Willen beseelt, die Offiziere voller Ehrgeiz, und unsere Generale hungern nach Ruhm; alles wird nach Wunsch gehen, und ich habe Anlaß, mir alles erdenkliche Gute von diesem Unternehmen zu versprechen.“ (1740)
    • „In der Trübsal bewährt sich die Treue, und die Treue ist das Mark der Ehre.“

    Werke (Auswahl)

    • Anti Machiavell, Frankfurt 1745
    • De la littérature, Frankfurt 1746
    • Mein lieber Marquis — Briefwechsel, Zürich 1985
    • Politische Correspondenz, 46 Bände, Frankfurt 1879-1939 / Bd. 47 in 2003
    • Versuch über Regierungsformen und Herrscherpflichten, Werke: Bd. 7, Frankfurt 1905
    • Die Kunst des Krieges: Gedicht in 6 Gesängen, 1851

Verweise

König Friedrich der Große

leuthen5 Am 5. Dezember 1757 schlug der preußische König Friedrich der Große bei Leuthen in Schlesien die wohl berühmteste Schlacht des Siebenjährigen Krieges ( 1756 – 1763 ). Nach der schweren Niederlage der „Schlesischen unter Friedrichs Schwager dem Herzog von Braunschweig-Bevern bei Breslau am 22.November sah sich der König nur wenige Wochen nach der Vertreibung der französischen und Reichsarmee aus Thüringen ( Schlacht von Roßbach am 5. November 1757) gezwungen sich durch einen gezielten Vorstoß den Besitz der Provinz insbesondere der Hauptstadt Breslau zu verschaffen für die er diesen Krieg führte und die unter allen preußischen Regionen strategisch wie wirtschaftlich die wertvollste war. Von der überragenden Bedeutung dieses Rückeroberungsinteresses legt nicht zuletzt die bekannte Ansprache des Königs an seine Generäle kurz vor der Schlacht im Feldlager zu Parchwitz beredtes Zeugnis ab.

 

leuthen Zur taktischen Durchführung der Schlacht bediente sich der König dessen 25 000 Mann einer beinahe dreimal stärkeren Übermacht unter Prinz Karl von Lothringen einem Schwager Maria Theresias und Bruder des damaligen Römischen Kaisers Franz I. Stephan und Feldmarschall Leopold Graf von Daun gegenüberstanden der sog. „schiefen Schlachtordnung“ wie sie bereits 371 v. Chr. Epaminondas von Theben im Kampf gegen Sparta bei Leuktra angewendet hatte: Während der linke Flügel des preußischen Heeres nach zaghaften Vorstößen zurückzuweichen schien hielt sich der rechte Flügel zu Anfang völlig aus dem Kampfgeschehen heraus und wurde von der österreichischen Aufklärung überhaupt nicht wahrgenommen. Gegen Mittag schließlich erteilte der König den Angriffsbefehl gegen den bei dem Ort Sagschütz versammelten linken österreichischen Heeresflügel nachdem er bereits in den Morgenstunden dem Fahnenträger des Avantgarderegiments Nr. 26 von Meyerinck Fahnenjunker von Barsewisch in einer verbürgten und berühmt gewordenen Szene mit den Worten: „Junker von der Leibkompanie siehet Er wohl auf dem Verhack soll Er zumarschieren Er muss aber nicht zu starck avancieren damit die Armee Ihm folgen kann!“ die Anweisung zum Losmarschieren gegen die ungesicherte linke Flanke der auf ihrem rechten Flügel abgelenkten Österreicher gegeben hatte. Die österreichische Front war durch die Verzettelung im Norden dergestalt auseinandergerissen dass auch die Gegenwehr einiger Kavallerieeinheiten unter General Nadasdy dem überraschenden und massierten Vordringen des rechten preußischen Flügels keinen Einhalt gebieten konnte.

ziethen Eine tollkühne Kavallerieattacke unter General von Ziethen und Generalleutnant von Driesen gegen 17.00 sowie der Durchbruch des 3. Bataillons Garde gegen das sich verzweifelt wehrende bayrische Regiment Roth-Würzburg im Kirchhof von Leuthen (dabei tat sich der spätere Generalfeldmarschall und damalige Kompaniechef Hauptmann Wichard von Moellendorf durch beherztes Eingreifen besonders hervor) brachten schließlich die Entscheidung. Fürst Moritz von Anhalt-Dessau der gemeinsam mit Friedrich die Armee an diesem Tage geführt hatte wurde am selben Abend zum Generalfeldmarschall ernannt.

Berühmt geworden sind zahlreiche Anekdoten um das ebenso ruhmvolle wie blutige Geschehen bei Leuthen. Erwähnung verdient vor allem die Szene gegen Abend des 5. Dezember als der stets spöttische religionskritische Friedrich der Große wie zufällig und ohne ausreichende Bedeckung in das mit österreichischen Offizieren überfüllte Schloss Lissa geraten die ihm anstatt ihn als Feind zu betrachten und gefangen zu nehmen ehrfürchtig ihre Reverenz erwiesen Zeuge der folgenden Begebenheit wurde: Unter sternenklarem Nachthimmel lagerten sich die 25 000 erschöpften Kämpfer der siegreichen preußischen Armee und sangen in frommer Einmütigkeit den protestantischen Choral: Nun danket alle Gott! (Als „Choral von Leuthen“ in die Geschichte eingegangen).

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Zensur oder Pressefreiheit – Fried­rich der Große

Friedrich der Große war der erste absolute Monarch Europas, der die Zensur weitgehend zähmte

friedrich_ii Friedrich der Große am Schreibtisch: Holzstich von Theodor Knesing. Bild: pa
Zensur oder Pressefreiheit – Fried­rich der Große, dessen 300. Geburtstag wir in wenigen Wochen feiern, beantwortete die Frage auf seine Weise: Er gestaltete die damals übliche Zensur so, dass sie ein für seine Zeit höchst unübliches Maß an Pressefreiheit ermöglichte.

„Dem hiesigen Berlinischen Zeitungsschreiber (soll) eine unbeschränkte Freiheit gelassen werden zu schreiben, was er will, ohne dass solches zensiert werden soll.“ Mit dieser knappen Dienstanweisung überraschte der junge Preußenkönig am sechsten Tag seiner Regentschaft, also am 5. Juni 1740, seinen „Wirklichen Geheimen Staatsminister“ Heinrich von Podewils. Damit war die Zensur in Preußen zwar nicht gänzlich abgeschafft, der königliche Befehl bezog sich auf den nichtpolitischen Teil der Zeitungen. Aber es war ein erster wichtiger Schritt in Richtung Presse- und Meinungsfreiheit, ganz im Geiste der Aufklärung, die Friedrichs Denken und Handeln bestimmte.
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“, postulierte der große Königsberger Philosoph Immanuel Kant und forderte, der Mensch solle „sich unabhängig von Vorurteil, Tradition und Offenbarung seines eigenen natürlichen Verstandes bedienen“. Dass der Mensch dies nur kann, wenn er freien Zugang zu Wissen und Informationen hat und sich frei von staatlichem oder sonstigem institutionellen Zwang seine Meinung bilden kann, ergibt sich geradezu zwangsläufig aus diesem Kantschen Postulat.
Preußen hatte in jener Zeit doppeltes Glück: In Kant hatte es einen Denker, der fähig war, eine den strengen Gesetzen der reinen Vernunft genügende Sittenlehre allgemeinverständlich zu formulieren. Und in Friedrich II. hatte es eine wahrhaft große Herrscherpersönlichkeit, unter der sich der Geist der Aufklärung relativ ungehindert entfalten konnte.
Geradezu verblüffend ist die Tatsache, dass dies möglich war, obwohl es eine gut organisierte staatliche Zensur gab. Unter Fried­rich dem Großen wurde sie zwar betont milde gehandhabt, was sich schon aus den hinlänglich bekannten Toleranzvorstellungen des Königs in Religionsfragen ergab. Aber es gab sie, diese Zensur! Wer etwas Gedrucktes publizieren wollte, wusste genau, welchen Kontrollen seine Texte unterlagen, wo Grenzen gezogen waren und mit welchen Konsequenzen er zu rechnen hatte, wenn er diese Grenzen überschritt.
Aus heutiger Sicht ist man geneigt, diesen Zustand als unvereinbar mit Meinungs- und Pressefreiheit zu bewerten. Offenbar ist man heute allzu sehr darauf fixiert, solche Freiheiten überhaupt nur da für möglich zu halten, wo Zensur „nicht stattfindet“ – oder zumindest laut Grundgesetz nicht stattfinden sollte.
Über lange Phasen der Geschichte Preußens diente die Zensur aber nicht der Verhinderung oder Einschränkung von Meinungs- und Pressefreiheit, sondern der Kanalisierung. Sie schuf einen klar definierten und unmissverständlich formulierten Rechtsrahmen, schuf also Rechtssicherheit und muss unter diesem Aspekt als Instrument der Rechtsstaatlichkeit bezeichnet werden.
Deren Basis war das typisch preußische Freiheitsverständnis: Freiheit nicht als absoluter, von allem anderen isolierter Selbstzweck, sondern als eine Größe, die sich nur dann für das Gemeinwohl segensreich entfalten kann, wenn sie an Verantwortung gebunden ist. Freiheit musste stets ein Ziel haben, und das Ziel galt nur als akzeptabel, wenn es auf das Gemeinwohl ebenso
Rück­sicht nahm wie auf die Freiheit und Menschenwürde anderer.
Dieser Freiheitsbegriff prägte auch den Umgang Friedrichs mit den Medien. Exzessive öffentliche Ehrverletzungen gab es unter seiner Regentschaft nicht.
Heute sehen die Medien sich gern als selbsternannte „Vierte Gewalt“. Sie begnügen sich nicht damit, über Politik zu informieren – sie maßen sich an, selber Politik zu machen. Vor allem die mit Kamera und Mikrophon „bewaffneten“ Vertreter dieser „Vierten Gewalt“ sehen sich letzten Endes als „Erste Gewalt“, die über allen anderen steht; sie gerieren sich als Ermittler, Ankläger, Richter und Henker in einer Person.
Im Preußen Friedrichs des Großen hingegen waren die Medien ein wichtiges Instrument des politischen Meinungsstreits und der öffentlichen Willensbildung. Gesetze und Verordnungen sowie die auf ihrer Basis tätigen Zensurbehörden setzten den rechtsstaatlichen Rahmen, innerhalb dessen sich Meinungs- und Pressefreiheit entfalten konnte. Diese wohl ausgewogene Rechtssicherheit ist vor allem Friedrich II. zu verdanken.
So mündet der Vergleich zwischen dem damaligen Preußen und dem heutigen Deutschland in die Feststellung: Damals gab es eine Zensur, die aber die Entfaltung von Meinungs- und Pressefreiheit nicht nachhaltig verhindern konnte (und meist auch gar nicht sollte). Heute hingegen findet laut Grundgesetz keine Zensur statt; in Wirklichkeit aber wurde sie nicht abgeschafft, sondern umbenannt – sie heißt nun „political correctness“. Hans-Jürgen Mahlitz

Eine Regierung muss sparsam sein, weil das Geld, das sie erhält, aus dem Blut und Schweiß ihres Volkes stammt. Es ist gerecht, dass jeder einzelne dazu beiträgt, die Ausgaben des Staates tragen zu helfen. Aber es ist nicht gerecht, dass er die Hälfte seines jährlichen Einkommens mit dem Staate teilen muss.
friedrich_der_grosse „Die Juden sind von allen Sekten die gefährlichste und man muss verhindern, dass ihre Zahl wächst.“
(Friedrich II, nach Spiegel, 45/2011, S. 83)

Zitate: Friedrich II von Preußen

Friedrich_Zweite_Alt
Friedrich der Große / der Alte Fritz

Das Zeugnis, einige Wahrheiten entdeckt und einige Irrtümer zerstört zu haben, ist nach meiner Meinung die schönste Trophäe, welche die Nachwelt zum Ruhme eines großen Mannes errichten kann. Wenige Menschen denken, und doch wollen alle entscheiden. Ich will der erste Diener meines Staates sein. Dasjenige, wodurch die Menschen am meisten zu Fehlern veranlaßt werden, ist, daß sie sich meistens mit vagen Vorstellungen begnügen und sich nicht die Mühe geben, sich klare Ideen über die Dinge zu machen. Die Klugheit ist sehr geeignet zu bewahren, was man besitzt, doch allein die Kühnheit versteht zu erwerben. Es heißt, dass wir Könige auf Erden die Ebenbilder Gottes seien. Ich habe mich daraufhin im Spiegel betrachtet. Sehr schmeichelhaft für den lieben Gott ist das nicht. Seine Pflicht erkennen und tun, das ist die Hauptsache. Eine Regierung muss sparsam sein, weil das Geld, das sie erhält, aus dem Blut und Schweiß ihres Volkes stammt.

Es ist gerecht, dass jeder einzelne dazu beiträgt, die Ausgaben des Staates tragen zu helfen. Aber es ist nicht gerecht, dass er die Hälfte seines jährlichen Einkommens mit dem Staate teilen muss. Ohne Nachschub ist keine Armee tapfer. Kenntnisse kann jedermann haben, aber die Kunst zu denken ist das seltenste Geschenk der Natur. In meinem Staate kann jeder nach seiner Fasson selig werden. Ein Augenblick des Glücks wiegt Jahrtausende des Nachruhms auf. Je mehr man altert, desto mehr überzeugt man sich, dass seine heilige Majestät der Zufall gut drei Viertel der Geschäftedieses miserablen Universums besorgt. Der Charakter der Wahrheit bedarf keiner Waffen, um sich zu verteidigen. Sie braucht sich nur zu zeigen, und sobald ihr lebhaftes Licht die Wolken zerstreut hat, worin sie verhüllt war, so ist sie ihres Triumphes sicher. Der Beamte und der Philosoph beziehen ihre Stärke aus der Sachfremdheit. Bosheit ist eine Art Delirium und verwirrt den Verstand. Die Juden sind von allen Sekten die gefährlichste und man muss verhindern, dass ihre Zahl wächst. (Der Spiegel, 45/2011, S. 83) Man muß verzeihen können. Das Leben des Menschen ist zu kurz, als daß er es mit Nachtragen und Rachsucht hinbringen dürfte. Mir geht es auch nicht immer, wie ich es haben möchte. Trotzdem muß ich immer König bleiben. Rhabarber und Geduld wirken vortrefflich. Jedem das seine. (Suum cuique.) Man muß seine Feinde kennen. Ihre Verbündeten und die Natur ihres Landes, um einen Feldzug planen zu können. Die große Kunst besteht nur darin, die Summen zu erheben, ohne die Staatsbürger zu bedrücken. Nicht aus Schwachheit endigt man ein unglückliches Leben, sondern aus überdachter Klugheit, die uns überzeugt, daß der Zustand, in dem uns niemand schaden und nichts unsere Ruhe stören kann, unser größtes Glück ist. Nichts hat mehr Ähnlichkeit mit dem Tode als Müßiggang. Nichts versüßt unser Dasein mehr, als eine gewisse Seelenruhe, welche die Sorgen und trüben Vorstellungen, die den Geist beunruhigen, verscheucht.

Nichtstun ist halber Tod; das Leben äußert sich nur in der Tätigkeit. Seien Sie fest in Ihren Entschlüssen. Wägen Sie das Für und Wider vorher ab; aber wenn Ihr Wille einmal erklärt ist, so gehen Sie um alles in der Welt nicht davon ab. Wer seine Absichten zu früh enthüllt, bringt sie zum Scheitern. Denn er gibt seinen Feinden und Neidern zu Gegenmaßnahmen Zeit. Wer Schweigen kann, der kann zu schönen Eroberungen gelangen. Kein Mensch taugt ohne Freude. Liebe und Haß lassen sich nicht befehlen, und jeder ist in diesem Stück zu den Empfindungen berechtigt, die er nun einmal hat. Luxus treibt den Menschen zu keiner einzigen Tugend an, sondern erstickt meist alle besseren Gefühle in ihm. Lange genug war ich Amboß, jetzt will ich Hammer sein. Soll das Land glücklich sein, will der Fürst geachtet werden, so muß er unbedingt Ordnung in seinen Finanzen halten. Erfahrungen nützen gar nichts, wenn man keine Lehren daraus zieht. Tu den Menschen Gutes, und sie werden dich segnen: Das ist wahrer Ruhm. Es ist besser, daß ich meine Pflicht tue, als daß ich mir eine Predigt anhöre, meine Pflicht zu tun. Tu keinem etwas an, wovon du nicht willst, daß es dir geschehe – in diesem Grundsatz liegt alle Tugend, liegen alle Pflichten des Menschen gegen die Gesellschaft. Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, so sie professieren, ehrliche Leute sind. Alles in der Welt ist Torheit, nur nicht die Heiterkeit. Tyrannen zählen ein Menschenleben nicht. Alles, was man aus dem Soldaten machen kann, ist, ihm Korpsgeist zu geben, das heißt eine höhere Meinung von seinem Regiment, als von allen anderen Truppen des Erdreichs. Als Grundgesetz der Regierung des kleinsten wie des größten Staates kann man den Drang zur Vergrößerung betrachten. Um die Irrtümer der Welt auszurotten, müßte man das ganze Menschengeschlecht vertilgen.

Der Mensch wird zum Tier, wenn er nie einen Sonntagsrock anhat. Aus der Erfahrung weiß man, daß die Güte der Truppen einzig und allein in dem Werte ihrer Offiziere besteht. Beleidigung mit Beleidigung zu vergelten ist die Art des Pöbels. Bosheit ist eine Art Delirium und verwirrt den Verstand. Von allen Gefühlen, welche unsere Seele tyrannisieren, gibt es kein verderblicheres . . . als eine ungezügelte Ehrsucht, ein übertriebenes Verlangen nach falschem Ruhm. Bücher sind kein geringer Teil des Glücks. Die Literatur wird meine letzte Leidenschaft sein. Das Übel erreicht seinen Gipfel, wenn es verkehrten Gemütern gelingt, den Regenten zu bereden, daß sein Interesse von dem Interesse seiner Untertanen verschieden sei. Denn alles, was aus Furcht oder Angst geschieht, trägt auch das Gepräge davon. Der Aberglaube ist ein Kind der Furcht, der Schwachheit und der Unwissenheit.

Der Adel ist nichts anderes als der höhere Grad von Bildung, Ehre und Vaterlandsliebe, den man billig bei Personen aus guter Familie, die eine sorgsamere Erziehung als andere genießen können, voraussetzen darf. Vorurteile nach Frauenweise, Zank und Händel der einzelnen, kleinliche Sonderzwecke und Belanglosigkeiten dürfen niemals den Blick eines Mannes trüben, der ganzen Völkern ein Führer ist. Wahre Ruhmbegierde ist die Quelle aller großen Taten und alles Nützlichen, was auf der Welt geschieht. Der große Haufen kriecht immer in dem Schlamme der Vorurteile. Der Irrtum ist sein Erbteil. Der Herrscher soll das Gleichgewicht zwischen Bauern und Adligem erhalten, sodaß sie einander nicht zugrunde richten. Der Krieg ist ein solcher Abgrund des Jammers, sein Ausgang so wenig sicher und seine Folgen für ein Land so verheerend, daß es sich die Landesherren gar nicht genug überlegen können, ehe sie ihn auf sich nehmen. Der Mensch lebt eine so kurze Zeit, sein Gedächtnis ist so schwindend, des Wissenswerten ist so viel, daß er von früh an nur durch das Ausgesuchteste unterrichtet werden sollte.

Der Regent hat kein Recht über die Meinungen der Bürger. Der Regent muß sich in die Lage eines Landmanns oder eines Handwerkers versetzen und sich dann fragen: “Wenn du in dieser Klasse von Menschen geboren wärst, was würdest du von dem Regenten verlangen?” Der Ruhm, der uns nicht glücklich macht, ist nichts als ein Wort, und der Ruhm, der unsere Untertanen nicht glücklich macht, ist eine Schmach. Wäre nur eine Religion in der Welt, so würde sie stolz und zügellos despotisch sein. Der schlimmste Weg, den man wählen kann, ist der, keinen zu wählen. Die erste Pflicht eines Bürgers ist, seinem Vaterlande zu dienen. Die Finanzen sind der Nerv des Landes. Wenn Sie diese recht verstehen, wird das übrige ganz in Ihrer Gewalt sein. Die größte Freude, die ein Mensch in der Welt haben kann, besteht in der Entdeckung neuer Wahrheiten. Die Jesuiten, die gefährlichste Gattung unter allen Mönchen.

Die Klugheit ist sehr geeignet, zu bewahren, was man besitzt, doch allein die Kühnheit versteht zu erwerben. Was ist schöner als Vergnügungen des Geistes? Die Regierung beruht auf vier Hauptpfeilern: auf der Rechtspflege, weiser Finanzwirtschaft, straffer Einhaltung der militärischen Disziplin und endlich auf der Kunst, die richtigen Maßnahmen zur Wahrung der Staatsinteressen zu ergreifen, was man Politik nennt. Die Toleranz in jeder Gesellschaft muß jedem Bürger die Freiheit sichern, zu glauben, was er will. Aber sie darf nicht so weit gehen, daß sie die Frechheit und Zügellosigkeit junger Hitzköpfe gutheißt, die etwas vom Volke Verehrtes dreist beschimpfen. Wenn die Fürsten um Provinzen spielen, bilden die Untertanen den Einsatz. Die Toleranz muß in einem Staate jedem Freiheit geben, alles zu glauben, was er will, aber sich nicht so weit erstrecken, daß sie die Frechheit und Ausgelassenheit junger unbesonnener Leute autorisiert, die dem kühn Hohn sprechen, was das Volk verehrt. Die wahre Philosophie besteht darin, den Mißbrauch zu verdammen, ohne den Gebrauch zu untersagen. Man muß alles entbehren können, aber auf nichts prinzipiell verzichten.

Durch jeden Schlag nach einem schwächeren Feind entehrt man sich Ein Beispiel von wirklichem Edelmut wirkt mehr als die schönen Lehren, mit denen die Tragödie prunkt. Ein unterrichtetes Volk läßt sich leicht regieren. Es gibt eine Art Zwitterwesen, die weder Herrscher noch Privatleute sind und die sich bisweilen sehr schwer regieren lassen: Die Prinzen von Geblüt. Ihre hohe Abstammung flößt ihnen einen gewissen Hochmut ein, den sie Adel nennen. Es gibt nur ein sicheres und unfehlbares Mittel, sich einen guten Ruf in der Welt zu erhalten: nämlich das wirklich zu sein, was man vor der Welt scheinen möchte. Keine Rücksicht kann mächtig genug sein, einen ehrlichen Mann zu veranlassen, sich von seiner Pflicht zu entfernen. Fleiß ist aller Tugenden Anfang. Frechheit empört, Schwäche rührt; nur feige Seelen rächen sich an überwundenen Feinden, und ich gehöre nicht dazu. Wenn du Vorurteile zur Tür hinausjagst, kehren sie durchs Fenster zurück. Für die Politik ist es völlig belanglos, ob ein Herrscher religiös ist oder nicht. Gazetten müssen, wenn sie interessant sein sollen, nicht geniert werden. Gute Sitten haben für die Gesellschaft mehr Wert als alle Berechnungen Newtons. Wenn es auf die Erfahrung ankäme, dann wären die Maulesel des Prinzen Eugen die besten Feldherren. Ich bin gewissermaßen der Papst der Lutheraner und das kirchliche Haupt der Reformierten. Wer sich an die Phantasie der Menschen wendet, wird immer den besiegen, der auf ihren Verstand einwirken will. Wir sehen, daß bei der Unvollkommenheit aller menschlichen Dinge die besten Einrichtungen entarten. Deher muß von Zeit zu Zeit, wo es nötig ist, reformiert werden und die Einrichtungen ihrem ursprünglichen Zweck wieder zugeführt werden.

Ich bin in keinem Stück groß; nur meinem Fleiß kann mich vielleicht eines Tages meinem Vaterlande nützlich machen, und das ist der ganze Ruhm, nachdem ich strebe. Ich bin mit der Zeit ein gutes Postpferd geworden, lege meine Station zurück und bekümmere mich nicht um die Kläffer, die auf der Landstraße bellen. Wer nur etwas Ehrgefühl besitzt, erhebt den Anspruch auf Achtung seiner Mitbürger. Man will sich irgendwie hervortun und nicht in der dumpfen Masse untergehen. Ich brauche Generäle, die nicht nur tüchtig sind, sondern auch Fortune haben. Ich habe Sie zum Stabsoffizier gemacht, damit Sie wissen, wann Sie nicht gehorchen sollen. Zwei Hauptmotive leiten die Menschen: Furcht vor Strafe und Hoffnung auf Belohnung. Ich kenne den Wert der Freiheit zu gut, als daß ich willens wäre, sie denen, dich ich liebe, zu entreißen.

Wer mit Affen spielt, wird gelgentlich gebissen. In den Gerichtshöfen sollen die Gesetze sprechen und der Herrscher schweigen. In der Demokratie ist die Entscheidung stets bei der Mehrheit, das heißt beim Unsinn. In der Monarchie kann die Entscheidung wenigstens zuweilen an einen Vernünftigen gelangen. Wenn Sie mich sähen . . . so sähen Sie einen alt und grau gewordenen Mann, der die Hälfte seiner Zähne verloren hat, einen Mann ohne Frohsinn, ohne Feuer, ohne Einbildungskraft. Jeder soll seine eigene Meinung behalten und die der anderen respektieren. Das ist das einzige Mittel, in Frieden zu leben. Jeder Staat, in dem die Tugend überwiegt, ist den anderen auf die Dauer überlegen. Wer Großes schaffen will, muß darauf verzichten, es selbst noch genießen zu können.