Alles Gute zum Geburtstag eure Majestät!

Heute vor 307 Jahren erblickte unser großer König von Preußen das Licht der Welt.

Der große König in der Schlacht von Zorndorf   Bibliotheken sind gefüllt worden mit dem Leben und Wirken dieses hervorragenden Menschen. Über den Verlauf seines Lebens mag man daher umfangreichere oder übersichtlichere Quellen zu Rate ziehen. Es ist keine Not, daß an dieser Stelle die allgemein bekannten Tatsachen zum x-ten Mal beleuchtet oder widersprochen werden. Was ich zu ihm zu sagen habe? ER ist meine bindende Autorität schlechthin. Ein widersprüchliches Leben, unmenschlich harten Prüfungen ausgesetzt, formte ihn zum Standard-Format des preußischen Charakters.

An diesem „Urmeter“ preußischen Denkens und Handelns lassen sich noch heute für einen Preußen invariable Verhaltensnormen ablesen. Die berühmten preußischen Tugenden wurden maßgeblich von seinem Vater und ihm geformt. Und das entscheidende ist, beide haben die eigenen Vorgaben auch gelebt! Sie waren von eiserner Disziplin und Härte gegen sich selbst, ehe sie dies von ihren Untertanen einforderten. Sie bemühten sich, nicht im Übermaß auf Kosten anderer zu leben – nur so weit dies unumgänglich war. Sie waren beide Spartaner – der Alte sogar Oberspartaner. Als der Große Friedrich noch der jugenddumme Fritz war, der dem Ruf des Ruhmes folgend einen sicherlich juristisch gesehen nicht unberechtigten Krieg vom Zaune brach, trug er von Anfang an die Konsequenz und blieb bei seinen Soldaten im Felde, während die anderen Kriegsherren und -damen (Zarin, Kaiserin, Pompadour) sich in ihren Salons vergnügten, Parks verlustierten, Betten suhlten.

Der König von Preußen schlief auf eisigem Boden, in ärmlichen Bauernkaten und am Feuer seiner Soldaten. Den Pulverdampf der ersten Linien hatte er oft genug in der Nase, denn mehr als einmal avancierte er an der Spitze seiner Armee. Das unsagbare Leid um ihn herum, für das er sich durchaus verantwortlich fühlte, lies ihn keineswegs unberührt, auch wenn zynisch anmutende Zitate wie: „Kerls, wollt ihr denn ewig leben!?“ und „Junker stirb Er anständig!“ (zu einem blutjungen Fähnrich mit einer schweren Bauchverletzung, der jammernd in Todesqualen vor ihm lag.) eine andere Sprache zu sprechen scheinen.

So wie der Alte fühlte er sich verantwortlich für jeden Untertanen, als deren erste Diener im Staate sie sich begriffen. Die ekelhafte Arroganz der sie umgebenden Fürsten den sie ernährenden Schichten gegenüber war ihnen beiden fremd. Wenn der König denn doch sehr abfällig über die Canaille sprach, so ärgerte ihn vor allem deren Umgang mit dem gottgegebenen Verstand, dessen Ressourcen ja nach wie vor in sinnlosem Treiben verspielt wird. Keinesfalls jedoch teilte er die verbreitete Meinung der aristokratischen Oberschicht, die Canaille wäre nur Sklavenpack, dessen einziger Lebenszweck darin bestünde, den adligen Parasiten ein ausschweifendes Leben zu erwirtschaften. Natürlich hat er unermeßliche und furchtbare Fehler auf seiner Sollseite. Wer nie im Leben töricht war, ein Weiser ward er nimmer… Aber er hat sich zeitlebens gemüht, aus seinen Fehlern mit großer Fähigkeit zur Selbstkritik zu lernen und  sie irgendwie wieder gutzumachen.

Und er hat redlich auf Heller und Pfennig bezahlt. Mit seinem Herzblut, mit seiner Lebensfreude, mit seiner Lebenszeit, die er – genau wie sein oben erwähnter Urgroßvater – als Potentat auch durchaus anders hätte verbringen können. Er hat geblutet. Er hat gelitten. Er hat geschuftet wie ein Ackergaul – unermüdlich. Wer über ihn zu urteilen sich erkühnt, der leiste erst einmal annähernd das selbe – dann soll er das Maul aufmachen.  Über seine sonstigen Schwächen werde ich nicht reden, denn sie erscheinen läßlich gegen seine Verdienste.

Am 16. August 1786, am späten Nachmittag stellte er unter großen körperlichen Qualen die Arbeit als Erster Diener des Staates ein – keine zehn Stunden später, am 17. August, kurz nach Mitternacht, starb er, erstickte er in seinem Sessel oben in Sans.Souci, in den Armen eines Dieners. Er ist in seinem Leben zweimal desertiert – einmal lief er vor seinem brutalen Alten davon, das andere Mal türmte er aus seiner ersten Schlacht, während seine Soldaten das Ruder herum warfen und die Schlacht für ihn retteten.

Ein drittes Mal gab es nicht. Er stand wie ein Fels in der Brandung – es mochte kommen, was da wollte. Der Alte und ER predigten nicht öffentlich Wein und soffen heimlich Wasser. Sie waren keine verlogenen Popanzen, wie man sie heutigen Tages so häufig  unter den Politikern und Machthabern findet. Sie waren beide ECHT! Deswegen und aus diesem Grunde sind sie die für mich maßgeblichen Autoritäten. Auch noch nach einem Vierteljahrtausend.  Sie mögen nun einwenden: “ Ja, aber wie verträgt sich das alles nun mit dem Umstand, daß der Landbote Herrn Dr. Kurt Tucholsky zu seinem Schutzheiligen erkor? War der Mann nicht der erklärte Feind des Preußentums?“ War er. Natürlich! Das „Preußentum“, dem er mit so großem Haß begegnete, war aber bereits das verbogene, das verfälschte, das unwahre Preußen. Er sah bereits das von herumtönenden Hohlköpfen vergewaltigte Preußen.

Es war das „Preußen“ dem die Alliierten in ihrer Dummheit und Verblendung 1947 den Garaus zu machen trachteten, als sie es per Kontrollratsbeschluß auflösten. Sie konnten unser Preußen nicht erreichen. Denn dessen Idee war bereits verschüttet und begraben unter gewaltigen Schichten von perversem Schwachsinn und Großmannssucht, wie sie denn im „Untertan“ Manns so trefflich beschrieben wurde. Weder war der Letzte Imperatoren-Willi, dieser fahnenflüchtige und ehrlose Deserteur aus dem Hause Hohenzollern ein Preuße, noch waren es die, die ihm halfen, das Land in die Nemesis zu stürzen. Unser Ziel ist es, unsere Idee Preußen wieder auszugraben unter dem Trümmerhügel, der es jahrzehntelang verschüttete und den sich eine stumpfsinnige Canaille zur Logis erkoren hatte. Unser Ziel ist es, mit dem Finger auf die Strolche zu zeigen und sie zu Paaren zu treiben für das Verbrechen, das sie Preußen antaten, indem sie es mit ihrer niedrigen Gesinnung und ihren Schandtaten befleckten und seinen Ruf in der Welt ruinierten.

Der Staat Preußen wird nicht wieder auferstehen. Aber besehen Sie sich das Ischtartor auf der Berliner Museumsinsel. So wie dessen Lasurziegel nach Jahrtausenden wieder in ihrem legendären Blau aufleuchten, so wird Preußens Glanz wird wieder erstrahlen, wenn sich ehrliche und aufrichtige Preußen darum bemühen und den Dreck der Vergangenheit von seinen Monumenten abklopfen. Dafür zu kämpfen ist der Preußische Landbote angetreten. Unter dem tun wir’s nicht – mit weniger geben wir uns nicht zufrieden. Denn es ist zuallererst Verpflichtung ein Preuße zu sein, dann, irgendwann vielleicht, eine Ehre. Letztere muß man erwerben. Sie wird nicht verliehen. Nicht in Preußen. Nicht bei uns!

Wir wollen keine Großschnauzen, wir wollen keine Abgrenzung. Wir halten es mit unserem Großen König und heißen Neger, Eskimo, Muselmann und Juden und alle Welt willkommen und wollen ihnen „Mosqueen (Moscheen), Synagogen und Tempel bauen“ und sie als unsere Nachbarn ehren und achten, „so sie denn honette und industrieuse Menschen seyndt!“ Hören Sie? Der das sagte – der war ein Preuße! Wir, Seine Töchter und Söhne, werden diese Seine Fahne hochhalten – in einem Land, das kein Dummkopf je wird zertreten und kein Alliierter je wird auflösen können – in PREUßEN!

In Berlin unter den Linden, da steht ein Monument,
Von unserm großen König Friedrich, den jeder gute Deutsche kennt.
Wie oft bin ich dort gewesen, bei Regen und Sonnenschein.
Und da fiel’n mir immer wieder, die schönen Worte ein:

Kehrreim: Großer Friedrich, steig hernieder, und regiere Preußen wieder.
Hilf‘ mit deiner starken Hand, unserm armen Vaterland.
Großer Friedrich, steig hernieder, und regiere Preußen wieder.
Lass‘ in diesen miesen Zeiten, den Bundeskanzler weiterreiten.

Friedrichs‘ alten Generäle, ach wie brauchten wir sie jetzt.
Wo man unser Volk verleumdet, gegen uns’re Wehrmacht hetzt.
Gemein Seintlitz hoch zu Pferde, die ganze Bande machte kusch.
Und dann rauf auf das Gesindel, ja wir die einst siegten aus dem Busch.

Kehrreim:
Großer Friedrich, steig hernieder, und regiere Preußen wieder.
Hilf‘ mit deiner starken Hand, unserm armen Vaterland.
Großer Friedrich, steig hernieder, und regiere Preußen wieder.
Lass‘ in diesen miesen Zeiten, den Scharping auf den Balkan reiten.

Dann gibt’s Heulen und Zähne klammern, für das ganze Lumpenpack.
Dann ist Schluss mit „Tischlein deck‘ dich“, da gibt’s „Knüppel aus dem Sack“!
Das sind die Haderlumpen, die das Vaterland verkaufen.
Fredericus gib‘ die Order, die Kerle soll’n Spießrutenlaufen!

Kehrreim: Großer Friedrich, steig hernieder, und regiere Preußen wieder.
Hilf‘ mit deiner starken Hand, unserm armen Vaterland.
Großer Friedrich, steig hernieder, und regiere Preußen wieder.
Alle deutschen steh’n bereit, für Preußens alte Herrlichkeit.

Kehrreim: Großer Friedrich, steig hernieder, und regiere Preußen wieder.
Hilf‘ mit deiner starken Hand, unserm armen Vaterland.
Großer Friedrich, steig hernieder, und regier Preußen wieder.
Lass‘ in diesen miesen Zeiten, das ganze Pack zum Teufel reiten.

Rede :
Deutschland ist in einer furchtbaren Krisis.
Wir leben in einer Epoche, die alles entscheiden, und das Gesicht von Europa verändern wird.
Vor ihrer Entscheidung, muss man furchtbare Zufälle bestehen.
Aber nach ihrer Entwicklung klärt sich der Himmel auf, und wird heiter!
Und wie groß auch die Zahl meiner Feinde ist, ich vertraue auf meine gut Sache,
Und die bewundernswerte Tapferkeit der Truppen;
Vom Marschall bis zum jüngsten Soldaten.

Friedrich II von Preußen

Fridericus Rex Grenadiermarsch

Fridericus Rex, unser König und Herr,
der rief seine Soldaten allesamt ins Gewehr,
zweihundert Bataillone und an die tausend Schwadronen,
und jeder Grenadier kriegt sechzig Patronen.

»Ihr verfluchten Kerls«, sprach Seine Majestät,
»daß jeder in der Bataille seinen Mann mir steht,
sie gönnen mir nicht Schlesien und die Grafschaft Glatz
und die hundert Millionen in meinem Schatz.

Die Kais’rin hat sich mit dem Franzosen alliert,
und das Römische Reich gegen mich revoltiert,
die Russen sind gefallen in Preußen ein,
auf, laßt uns zeigen, daß wir brave Landeskinder sein.

Meine Generale Schwerin und Feldmarschall von Keith
und der Generalmajor von Ziethen sind allemal bereit.
Kotz Mohren, Blitz und Kreuzelement,
wer den Fritz und seine Soldaten noch nicht kennt.«

»Nun adje Luise, wisch ab das Gesicht,
eine jede Kugel, die trifft ja nicht,
denn träf‘ jede Kugel apart ihren Mann,
wo kriegten die Könige ihre Soldaten dann!

Die Musketenkugel macht ein kleines Loch,
die Kanonenkugel ein weit größ’res noch;
die Kugeln sind alle von Eisen und Blei,
und manche Kugel geht manchem vorbei.

Unsre Artillerie hat ein vortrefflich Kaliber,
und von den Preußen geht keiner zum Feinde über,
die Schweden, die haben verflucht schlechtes Geld,
wer weiß, ob der Östreicher besseres hält.

Mit Pomade bezahlt den Franzosen sein König,
wir kriegen’s alle Woche bei Heller und Pfennig.
Kotz Mohren, Blitz und Kreuzsackerment,
wer kriegt so prompt wie der Preuße sein Traktament.

Fridericus, mein König, den der Lorbeerkranz ziert,
ach, hätt’st du nur öfters zu plündern permittiert,
Fridericus Rex, mein König und Held,
wir schlügen den Teufel für dich aus der Welt.«

Preußen

Preußen (lat. Borussia, Prussia oder Prutenia) war ein von 1525 bis 1945/47 bestehender deutscher Staat bzw. Freistaat Preußen im nördlichen Mitteleuropa.
Das Herzogtum Preußen, das aus dem Gebiet der Pruzzen und dem Land des Deutschritterordens hervorgegangen war, wurde 1618 mit dem Kurfürstentum Brandenburg zu Brandenburg-Preußen vereint. Im Wehlauer Vertrag von 1657 erkannte Polen die Souveränität des Kurfürsten Friedrich Wilhelm in Preußen an, was im Frieden von Oliva von 1660 von den europäischen Mächten garantiert wurde. Am 18. Oktober 1663 huldigten die preußischen Stände dem Souverän auf dem Schloßhof zu Königsberg. Infolge der Krönung des Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg am 18. Januar 1701 im Audienzsaal des Königsberger Schlosses wurde dieser zu Friedrich Wilhelm I., König in Preußen, wodurch Brandenburg-Preußen zum Königreich Preußen erhoben wurde. Das preußische Königreich stieg im 18. Jahrhundert zur Europäischen Großmacht auf und vereinigte unter seiner Führung die meisten deutschen Länder – mit Ausnahme Österreichs, Liechtensteins, der Niederlande, Luxemburgs und der Schweiz – zum Deutschen Kaiserreich.

Von den Anfängen bis zum Ende des Dreißigährigen Krieges

Ausdehnung Preußens (hellblau) im Kaiserreich

Die Wurzel des späteren Königreiches Preußen liegen in der Kaiserlichen Mark Brandenburg am östlichen Rand des Heiligen Römischen Reiches zwischen Oder und Elbe. 1134 erhielt Albrecht der Bär (aus dem Haus der Askanier) von Kaiser Lothar II., der sich dann ab 1157 „Markgraf von Brandenburg“ nannte, dieses Gebiet als Lehen. Die Askanier dehnten dieses Gebiet kontinuierlich aus (z. B. Uckermark im Norden oder die Niederlausitz im Süden).

Nachdem mit dem Tod von Woldemar dem Großen und seinem Vetter Heinrich das Haus der Askanier erlosch, ging das Gebiet zurück an das Reich. Der Wittelsbacher Kaiser Ludwig der Bayer gab die Mark seinem Sohn als Lehen. 1348 kam es nach dem Tod des Kaisers zu kriegerischen Konflikten um die Mark, als ein falscher Woldemar sich als der verstorbene Markgraf ausgab.

Der falsche Woldemar hatte den neuen Luxemburger Kaiser Karl IV., der ein erklärter Feind der Wittelsbacher war, an seiner Seite. Er scheiterte jedoch am Widerstand des Adels. Ein paar Jahre später regelte Kaiser Karl IV. die Wahl des Deutschen Königs neu. Zu den sieben wahlberechtigten Kurfürstentümern, die in der Goldenen Bulle festgelegt wurden, zählte nun auch Brandenburg. 1373 kam die Mark dann doch noch zu den Luxemburgern, die schon im benachbarten Böhmen herrschten. Die geplante Vereinigung der beiden Territorien gelang nicht, und so verloren die Luxemburger schnell wieder das Interesse.

Das dabei enstehende Machtvakuum wurde durch das Machtstreben des lokalen Adels gefüllt, dessen Auseinandersetzungen das Land am Anfang des 15. Jahrhunderts an den Rand des Ruins brachten. Mit den inneren Krisen kam auch der äußere Verfall des Landes: Pommern, die Nieder- und Oberlausitz gingen verloren, die Neumark wurde 1402 an den Deutschen Orden verkauft.

Nach dem Tod des Luxemburger Markgrafen Jobst von Mähren 1411 ernannte der deutsche König und baldige Kaiser Sigismund Friedrich I. von Hohenzollern (den Burggrafen von Nürnberg) zum Verwalter der Mark.

Schon im darauffolgenden Jahr ging dieser entschlossen gegen den lokalen Adel vor und unterwarf ihn in den folgenden zwei Jahren.

Außenpolitisch hatte er jedoch kein Glück. Friedrich I. verließ das Land enttäuscht im Jahre 1426 und ließ seinen Bruder bis 1437 regieren. Dann übernahm sein Sohn Friedrich II. „Der Eiserne“ das Land.

Dieser hatte mehr Glück: Er gliederte die märkischen Städte in sein Territorium ein und erlangte die Neumark und Teile der Lausitz zurück. Ein Konkordat mit dem Papst verschaffte ihm das Recht, seine Bischöfe selbst zu nominieren.

Friedrichs Bruder Albrecht Achilles (1470–1486) setzte diese Politik erfolgreich fort: Um nach seinen Tod die Teilung der Mark zu verhindern, verfügte er, daß sein ältester Sohn die Mark ungeteilt erben sollte. Die beiden jüngeren Söhne bekamen dafür die fränkischen Fürstentümer.

Im 16. Jahrhundert gelang es den Hohenzollern, ihre Macht weiter zu festigen, was auch eine kurze Zeit der Teilung (1535–1571) nicht verhindern konnte. Einzige Gegenspieler der Fürsten waren die Landesstände, in denen Adel, Geistlichkeit und die Städte ihre Interessen vertraten. Im Laufe des Jahrhunderts zerbrach jedoch diese Koalition wieder: Während der Adel durch die Agrarkonjunktur und die Steuerpolitik der Hohenzollern gefördert wurde, erlebten die Städte einen wirtschaftlichen Niedergang. Eine Entmachtung der Geistlichkeit erfolgte 1539 mit großer Unterstützung der Reformation. Der Kurfürst Joachim II. Hektor (1535–1571) wurde zum Oberhaupt der Landeskirche.

Am Beginn des 17. Jahrhunderts kamen eine Reihe von Gebietserweiterungen: Nach dem Tod des letzten Herzogs von Jülich erbte der Kurfürst Johann Sigismund (1608–1619) das Herzogtum Kleve sowie die Grafschaften Mark, Ravenstein und Ravensberg. Damit kam Brandenburg zum ersten Male in den Besitz von Gebieten im Westen des Reiches.

Der Konflikt um dieses Erbe war für Johann Sigismund einer der Gründe, zum Calvinismus zu konvertieren. Johann Sigismund wußte, daß er sich damit im Widerspruch zu der in Brandenburg lebenden lutherischen Bevölkerung befand, deshalb verzichtete er auf den im Augsburger Religionsfrieden festgelegten Grundsatz, daß jeder Untertan den Glauben seines Landesherren annehmen mußte.

Von viel größerer Bedeutung als die neuen Gebiete im Westen war die Einsetzung von Johann Sigismund als Herzog von Preußen im Jahre 1618. Im selben Jahr brach der Dreißigjährige Krieg aus. Der neue Kurfürst Georg Wilhelm blieb jedoch jahrelang der Politik fern und hielt sich auf der Burg Königsberg auf. Brandenburg, das sich betont neutral verhalten wollte, wurde zum Spielball der großen Mächte.

Widerwillig schloß sich Georg Wilhelm 1631 dem Schwedenkönig Gustav II. Adolf an, um zwei Jahre später zum Kaiser zu wechseln. Brandenburg wurde von Schweden besetzt, und am Ende des Krieges zählte Brandenburg einen Bevölkerungsverlust von mehr als 50 Prozent. 1640 trat Friedrich Wilhelm (der Große Kurfürst) die Nachfolge Georg Wilhelms an und zog Lehren aus den vergangenen Jahren.

Preußen unter dem Großen Kurfürsten

Krönung Friedrich I. in der Schloßkirche zu Königsberg. Blick Süden, unterm Baldachin Königin Charlotte

Während der Regierungszeit Friedrich Wilhelms kamen die ersten eigenständigen Erfolge der brandenburgischen Außenpolitik, die als Basis für den Aufstieg Preußens gilt.

Als Friedrich Wilhelm die Regierung übernahm, fand er ein Land vor, das arm an Bevölkerung und an Ressourcen war und gerade 20 Jahre Krieg hinter sich hatte. Zudem war während des Krieges ein großer Teil des Landes von Schweden besetzt (unter anderem der Paß von Fehrbellin sowie fast die gesamte Oderlinie inklusive Frankfurt [Oder]). Friedrich konnte einen Frieden mit Schweden erreichen, jedoch nicht den Abzug der schwedischen Truppen. Erst lange Verhandlungen in Münster und Osnabrück, die zum Westfälischen Frieden führten, brachten spürbare Erleichterungen. Die schwedischen Truppen zogen ab, der Kurfürst bekam Hinterpommern, Minden, Halberstadt und Magdeburg zurück.

Nach dem Friedensschluß widmete sich Friedrich Wilhelm nun dem Aufbau seines zerstörten Landes. Er schaffte es, das Steuerbewilligungsgesetz der Stände abzuschaffen und schuf das Berufsbeamtentum. 1667 wurde in Brandenburg die Verbrauchsteuer eingeführt, die alle Bürger gleich belastete. Sie galt zwar zunächst nur für Städte und nur auf Probezeit, aber sie bewährte sich so gut, daß sie schließlich eine Dauereinrichtung wurde.

Auch begann der Große Kurfürst mit dem Aufbau eines Stehenden Heeres, das zwar anfangs recht bescheiden war, aber trotzdem eine Basis für die weitere Entwicklung in Preußen darstellte.

Auch außenpolitisch verbuchte Friedrich Wilhelm einige Erfolge. Während des Krieges zwischen Schweden und Polen konnte Preußen die volle Souveränität von Polens Krone erreichen. Der Höhepunkt war jedoch der Sieg der Schlacht bei Fehrbellin. Gleichzeitig war der Verlust von Pommern, welches Preußen wiedererobert hatte, aber im Frieden von St. Germain 1679 an Schweden abgetreten werden mußte, die größte Niederlage des Großen Kurfürsten. 1685 nahm der Große Kurfürst die in Frankreich verfolgten Hugenotten in Preußen auf, die viele Kenntnisse in verschiedenen Gewerben und vor allem Arbeitskraft mitbrachten.

Im Jahre 1682 wurde die erste preußische Kolonie in Afrika, Groß-Friedrichsburg, gegründet.

Der Große Kurfürst verstarb am 9. Mai 1688 in Potsdam, er hinterließ ein nunmehr geordnetes Land für seinen Nachfolger Friedrich III.

Preußen unter König Friedrich I.

Kurfürst und Markgraf Friedrich III. erhielt 1701 die Königskrone Preußens als Dank für die Unterstützung Habsburgs im Spanischen Erbfolgekrieg.

Während des Großen Nordischen Krieges zeigte sich, daß Preußen noch nicht mit den großen Mächten mithalten konnte: Preußen konnte nicht eingreifen, weil die Truppen im Westen gegen Frankreich standen. Also erklärte Preußen sich für neutral, was die beiden kämpfenden Mächte auch zur Kenntnis nahmen. Nach der Niederlage Schwedens in der Schlacht bei Poltawa zogen schwedische Truppen ohne Rücksicht durch das preußische Staatsterritorium. Dadurch wurden Seuchen eingeschleppt, Dörfer geplündert, und als die Russen nachrückten, kam es sogar zu Kampfhandlungen. Gerade die Provinz Ostpreußen wurde ruiniert.

Anfang 1713 kam ein neuer preußischer König: Friedrich Wilhelm I., der „Soldatenkönig“.

Preußen unter dem „Soldatenkönig“

Die Eidesleistung von Wilhelm I. bei der Krönung in der Schloßkirche zu Königsberg. Blick Nord, unterm Baldachin Königin Augusta; gemalt von Adolf von Menzel

Direkt nach seinem Regierungsantritt begannen radikale Reformen und Neuorientierungen in Preußen:

  • Die luxuriöse Hofhaltung wurde abgeschafft, korrupte Beamte entlassen und die Verwaltung neu organisiert.
  • Das „Ewige Plus machen“, das die Ausgaben an den Steuereinkünften orientierte, war eine völlige Neuheit für die Fürstenhöfe in Europa.
  • Wissenschaften wurden auf rein praktisch umsetzbare Erkenntnisse beschränkt, und das Heer wurde stark ausgebaut (waren es 1713 noch 47.000 Soldaten, so 1740 bereits 83.000 Soldaten).

Die Tatsache, daß das neue Heer ausschließlich von preußischen Geldern finanziert wurde, zeigt den enormen Erfolg der Sparsamkeitspolitik des Soldatenkönigs. 1740 starb der Soldatenkönig und hinterließ seinem Sohn Friedrich II. eine starke Armee und einen reichen Staatsschatz.

Preußen unter Friedrich dem Großen

Kurz nach der Krönung von Friedrich dem Großen am 31. Mai 1740 fiel er am 16. Dezember 1740 in das deutsch-österreichische Schlesien ein und eröffnete so den Ersten Schlesischen Krieg. Dieser Tag wurde der alles entscheidende Einschnitt im Leben Friedrichs und von Preußen.

1742 fiel Schlesien an Preußen. In den Jahren 1742/43 wurde Österreich wieder stärker, und Friedrich fürchtete, daß Maria Theresia Schlesien zurückfordern würde. Also verbündete er sich mit Bayern, Frankreich und Spanien, denen sich in der Zwischenzeit auch Sachsen, Schweden, das Königreich Neapel, die Kurpfalz und Köln angeschlossen hatten. Rußland konnte er jedoch nicht für seine Ziele gewinnen, was sich später als beinahe verhängnisvoll herausstellen sollte.

Nachdem er sich derart abgesichert hatte, kam es im deutsch-österreichischen Böhmen zum neuerlichen Krieg, der 1744 den Zweiten Schlesischen Krieg eröffnete. Auch diesen Krieg konnte Friedrich für sich entscheiden, und beim Friedensschluß von Dresden 1745 verblieb Schlesien weiter bei Preußen.

Doch Maria Theresia wollte das nicht hinnehmen, und ihr Kanzler Kaunitz schaffte es, für Österreich eine Allianz mit Frankreich und Rußland zu schließen. Dadurch hatte Preußen nun die drei stärksten Landmächte der Welt gegen sich. Daraufhin verbündete sich Preußen mit Großbritannien.

Am 29. August 1756 begann dann der Siebenjährige Krieg mit dem Präventivschlag Friedrichs gegen Sachsen. Der Krieg lief anfangs gut für Preußen, doch schon bald zeigte sich, daß Preußen viel weniger Soldaten als die Gegner mobilisieren konnte. 1759 war Preußen schließlich zu keiner offensiven Tat mehr in der Lage (England schickte keine Truppen) und mußte zudem immer wieder Angriffe der Russen auf preußisches Kernland abwehren. Entgegen allen Erwartungen konnten sich die Preußen halten und ihr Land erfolgreich verteidigen.

1761 starb die russische Kaiserin Elisabeth, und ihr Neffe Peer III., ein Bewunderer Friedrichs, kam an die Macht. Am 5. Mai schloß Peter III. in St. Petersburg einen Friedens- und Bündnisvertrag mit Preußen (Frieden von St. Petersburg), dem sich auch Schweden anschloß. Nach der Ermordung Peters III. löste Katharina die Große das Bündnis auf, blieb aber beim Frieden. Am 15. Februar 1763 wurde im „Frieden von Hubertusburg“ zwischen Preußen und seinen Gegnern Frieden geschlossen. Der Status quo ante wurde wiederhergestellt. Preußen war nun endgültig zur europäischen Großmacht aufgestiegen, und Friedrich bekam den Beinamen „Der Große“.

Joch – Befreiung – Blüte

Mit der Französischen Revolution begann ein neues Zeitalter, die alte Ordnung war zerstört, und die Kräfte der Gegenrevolution beschleunigten die Revolution weit über Frankreichs Grenzen hinaus. Die Mobilisierung der Bevölkerung für den Krieg störte das alte System: Aus Kabinettskriegen wurden Volkskriege. Napoleon schaffte es in mehreren Kriegen, den größten Teil Europas zu unterwerfen.

Die bittere Niederlage Preußens bei der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt führte zur Besetzung Preußens und zum Verlust vieler Gebiete. 1810 war Napoleon auf dem Gipfel der Macht, doch die Arroganz seiner Statthalter zerstörte bald alle Sympathien für die oberflächlichen Ideale der Französischen Revolution. 1812 schließlich kam mit Napoleons Niederlage in Rußland das Signal zum offenen Kampf. Und während der preußische König Friedrich Wilhelm III. noch zögerte, wurden alle Vorbereitungen für den bevorstehenden Kampf getroffen.

Im März 1813 erklärte Preußen Frankreich den Krieg. Mit dem Sieg in der Völkerschlacht bei Leipzig vom Oktober 1813 wurde Napoleons Herrschaft in Deutschland gebrochen. Im März 1815 schließlich wurde Paris von den Verbündeten erstmalig besetzt. Auf dem Wiener Kongreß wurde Europa neu aufgeteilt. Nur Napoleons 100 Tage dauernde Wiederkehr unterbrach die Verhandlungen für kurze Zeit, die mit dem Zweiten Frieden von Paris endeten. Preußen erhielt zum Ausgleich für seine verlorenen Ostprovinzen die Rheinprovinzen, Westfalen und Pommern.

1823 kamen zum ersten Mal die Provinziallandtage zusammen. Die Befreiungskriege hatten durch die Rückbesinnung auf nationale Werte die Deutsche Nationalstaatsbewegung gefördert. Viele träumten nun von einem Deutschen Reich. 1819 wurde durch die Ermordung des Dichters August von Kotzebue in Preußen die Presse- und die Meinungsfreiheit aufgehoben. Es kam zur sogenannten Demagogenverfolgung.

1832 wurden auf dem Hambacher Fest Forderungen nach einem gesamtdeutschen Staat und nach Volkssouveränität laut. 1828 wurden auch andere deutsche Staaten in den Preußischen Zollverein aufgenommen, dadurch sicherte sich Preußen die Vorherrschaft in Deutschland und erschloß seiner aufstrebenden Industrie neue Absatzmärkte. 1838 wurde in Preußen die erste Eisenbahnstrecke von Berlin nach Potsdam eröffnet, zwölf Jahre später waren im Land 3.500 km Schienen verlegt.

1839 wurde Kinderarbeit verboten und die tägliche Arbeitszeit für Jugendliche auf 10 Stunden begrenzt.

1844 kam es zum Aufstand der Schlesischen Weber. 1847 tagte zum ersten Mal der Vereinigte Landtag, doch bereits im Herbst kam es zu vielen Protestbewegungen. Schließlich wurde Deutschland von einer Revolution erfaßt, die am 18. März 1848 Berlin erreichte. Anfang Mai wich der Landtag der Nationalversammlung, doch es gelang keine Einigung über eine neue Preußische Verfassung. Im Dezember wurde die Nationalversammlung aufgelöst, und König Friedrich Wilhelm IV. schuf eine Verfassung, in der die wesentlichen Grundrechte festgeschrieben wurden. Am 28. März 1849 wählte die Nationalversammlung den Preußischen König zum Deutschen Kaiser, dieser lehnte jedoch ab und verwarf die Reichsverfassung. Damit war die Nationalversammlung gescheitert.

Die preußische Verfassung des Jahres 1850

Preußen, das bis dahin ein absolutes Königtum war, wurde durch die Verfassung des Jahres 1850 in eine kostitutionelle (verfassungsmäßig beschränkte) Monarchie umgewandelt. Diese moderne Verfassung verbürgte den Untertanen in ihrem ersten Teil Gleichheit aller vor dem Gesetz, Freiheit der Person, der Religion, der Wissenschaft und der Meinungsäußerung. Diese „Rechte der Preußen“ entsprachen den „allgemeinen Menschenrechten“, welche auch in der amerikanischen und französischen Verfassung festgelegt waren. Die Gesetzgebung wurde durch den König und den Landtag gemeinsam ausgeübt. Die richterliche Gewalt wurde zwar im Namen des Königs ausgeübt, jedoch waren die Richter unabhängig und die Rechtsprechung dem Einfluß des Königs oder einer anderen Staatsgewalt entzogen. Durch die neue Verfassung erhielt die Bevölkerung ein Mitbestimmungsrecht auf dem Gebiete der Gesetzgebung. Jede Stimme mußte öffentlich und mündlich abgegeben werden.

Am 8. Oktober 1862 wurde dann Otto von Bismarck Preußischer Ministerpräsident.

Ostgrenze Preußens (Galerie)

Die Ostgrenze Preußens:

Der Staat Preußen im Jahre 1866

Bismarck führte die Landesgeschäfte im Sinne der Krone und brach damit den Einfluß des Parlaments. Nachdem er die innenpolitische Situation bereinigt hatte, baute er die Stellung Preußens in Deutschland aus: 1864 wurde durch den Deutsch-Dänischen Krieg Dänemark endgültig als Faktor aus der deutschen Politik ausgeschaltet. Preußen und Österreich erhielten Schleswig und Holstein zur Verwaltung. Zwei Jahre später bildeten unterschiedliche Auffassungen über die beiden Gebiete den Vorwand zum Deutschen Krieg, in dem sich Preußen mit Italien gegen Österreich und die meisten anderen deutschen Staaten verbündete. Im Norden fiel die Entscheidung in der Schlacht von Königgrätz.

Interessant ist, daß während des Deutschen Krieges keine Orden gestiftet wurden, da es sich um einen Bruderkrieg handelte. Österreich wurde im Frieden von Prag geschont, dafür gelang es Preußen durch Annexionen in Norddeutschland, seine beiden getrennten Gebiete zu vereinen. Außerdem wurde der Deutsche Bund aufgelöst und der Norddeutsche Bund gegründet, in dem fast alle Länder nördlich des Mains vereint waren. Mit der Ausdehnung des Preußischen Einflusses auf die Gebiete südlich des Mains kam es zu wachsenden Spannungen mit Frankreich.

Italien konnte sich trotz verlorener Schlachten über Gebietsgewinne auf Kosten Österreichs freuen.

1870 diente die Auseinandersetzung um den spanischen Thron durch einen Hohenzollern als Anlaß für den Deutsch-Französischen Krieg, der am 19. Juli 1870 mit einer französischen Kriegserklärung begann. Nach der Sedanschlacht kapitulierte Napoleon III., und Bismarck nutzte die Gunst der Stunde, um die deutschen Fürsten für seinen Plan eines Deutschen Reiches zu gewinnen.

Nach einem harten Winterfeldzug war auch die neue Französische Republik geschlagen, und am 18. Januar 1871 wurde in Versailles Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Dies war die Geburt des Deutschen Reiches.

Der Erste Weltkrieg

Trotz seiner Vermittlungsversuche im Juli 1914 konnte Wilhelm II. nicht verhindern, daß sich aus der Balkankrise nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajewo der Erste Weltkrieg entwickelte. Alle Versuche, einen Krieg in Europa nach diesem Ereignis noch zu verhindern blieben erfolglos. Der Erste Weltkrieg war kein preußischer Krieg. Österreich, Rußland, Deutschland, Frankreich und Amerika, welche in dieser Reihenfolge in das Gemetzel eintraten, hatten ihre Kriegsgründe und -ziele. Preußen hatte keine – mußte jedoch zweifach die Zeche der deutschen Niederlage zahlen. Außer Elsaß-Lothringen gingen sämtliche folgenden deutschen Gebietsabtretungen auf Kosten Preußens: Posen und Oberschlesien, Danzig, der sogenannte polnische Korridor und auch Nordschleswig. Die deutsche Revolution, die der Niederlage folgte, stellte Preußen vor die Existenzfrage.

„Der letzte König von Preußen“

Die verfassungsgebende preußische Landesversammlung, die zugleich mit der Weimarer Nationalversammlung im Januar 1919 gewählt worden war, zögerte lange, an die Arbeit zu gehen. Wozu noch eine preußische Verfassung aktualiseren, wo es doch nun schon ein Jahr lang eine deutsche gab? Im Dezember 1919 faßte sie mit 210 gegen 32 Stimmen einen Beschluß:

„Als das größte der deutschen Länder erblickt Preußen seine Pflicht darin, zunächst den Versuch zu machen, ob sich nicht bereits jetzt die Schaffung eines deutschen Einheitsstaats erreichen läßt …“

Der Ostpreuße Otto Braun – er gewann alle seiner Wahlkämpfe – erwirkte in einer Koalition epochemachende Reformen, wie die preußische Schulreform von 1921 und einige Jahre später eine liberale Reform des preußischen Strafvollzugs. Weit eher als die Weimarer Republik wirkte das republikanische Preußen der zwanziger Jahre wie ein Vorklang auf moderne Zeiten. Ein bemerkenswertes Kuriosum ist, daß das Preußen Otto Brauns noch eine völlig originelle politische Erfindung machte, die heute noch einen Pfeiler in der BRD-Politik darstellt: das Konstruktive Mißtrauensvotum. Dieses besagt, daß ein Parlament nur dann einen Regierungschef stürzen kann, wenn es sich auf einen neuen einigt.

Preußenschlag

Mit dem Preußenschlag vom 20. Juli 1932 setzte Reichskanzler Franz von Papen die geschäftsführende preußische Regierung unter dem sozialdemokratischen preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun ab. Umgehend wurden die preußischen Ministerien durch die Reichswehr besetzt und die Minister unter Gewaltandrohung zum Verlassen ihrer Amtsräume aufgefordert. Sodann wurde Von Papen von Reichspräsident Paul von Hindenburg zum Reichskommissar für Preußen ernannt. Als seinen Stellvertreter und preußischen Innenminister berief von Papen Franz Bracht, Mitglied der Deutschen Zentrumspartei und Oberbürgermeister von Essen.

Nationalsozialismus

Mit der nationalsozialistischen Revolution wurde der preußische Staat aufgelöst und sein Gebiet in verschiedene Reichsgaue aufgeteilt. Diese, wie etwa Pommern, Ober- und Niederschlesien usw., orientierten sich dabei an den preußischen Provinzen. Der Namen Preußen blieb lediglich im Namen der Gebiete Ostpreußen und Westpreußen – letzteres zum Großteil von Polen besetzt – erhalten. Adolf Hitler selbst bezeichnete sich auch als Vollender des preußischen Gedankens und ließ Preußen somit in Deutschland, das von diesem entscheidend geprägt war, aufgehen.

Die umstrittene Auflösung und Eingliederung des Staates Preußen hätte auch die Opposition gegen den Nationalsozialismus um Stauffenberg nach einem Waffenstillstand und anschließendem Friedensschluß beibehalten wollen, die Bezeichnung selbst wäre nach deren sog. Reichsreformplänen auf die zu einem „Reichsland Preußen“ zusammengelegten Provinzen West- und Ostpreußen übergegangen – d. h. auf die Gebiete, in denen das Volk der Pruzzen seinen Ursprung hatte.

Preußens vorläufiges Ende

Im Februar 1947 lösten die alliierten Siegermächte den Staat Preußen erneut – unter Mißachtung völkerrechtlicher Bestimmungen – als angeblichen „Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland“ auf. Dies wurde durch das Kontrollratsgesetz Nr. 46 am 25. Februar 1947 verkündet. Dieser „Fußtritt, den siegreiche Esel einem längst toten Löwen gaben“ (Golo Mann) war absolut überflüssig, da es seit der Gleichschaltung der Länder 1934 keinen „Staat“ Preußen mehr gab, und hatte mehr symbolischen Charakter. Damit konnte Preußen für alle angeblichen „Fehlentwicklungen“ Deutschlands die Verantwortung gegeben werden.

Auf dieser Grundlage entwickelte sich die inzwischen widerlegte Theorie eines sogenannten Deutschen Sonderweges, die inzwischen aber aus der Sicht von – meist ausländischen – Historikern (wie etwa Christopher Clark) als überholt gilt.

Nach der Teilvereinigung 1990 kam es zeitweise zu Überlegungen, das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland neu zu gliedern und auch zu dem Vorschlag, Berlin und Brandenburg zusammenzulegen und dem neuen Bundesland wieder den Namen Preußen zu geben. Dieser Vorschlag wurde, auch aus bürokratischen Erwägungen, wieder verworfen.

Ein solches neues Bundesland Preußen hätte nur einen fahlen Abglanz des einstigen Preußens dargestellt, denn immerhin liegen die historischen Wurzeln Preußens im nach wie vor besetzten Ostdeutschland.

Heraldik des Königreiches Preußen (nach 1871)

Das große königlich preußische Wappen führt einen fünfmal gespaltenen und siebenmal geteilten Hauptschild mit Schildfuß; die Herz-, Ehren- und Nabelstelle sind mit gekrönten Schildchen belegt. Auf der Herzstelle liegt der königlich gekrönte Schild des Königreiches Preußen. Auf der Ehrenstelle ruht der mit dem Kurhut bedeckte Schild des Markgraftums Brandenburg. Und auf der Nabelstelle erscheint ein mit einem Fürstenhut bedeckter, quergeteilter Schild mit dem Wappen des Burggraftums Nürnberg oben und dem Wappen der Grafschaft Hohenzollern unten. Die 48 Hauptfelder des Hauptschildes enthalten folgende Wappenbilder (von links (=heraldisch rechts) oben):

Großes Wappen Preußens um 1873; Der Wappenschild besteht aus 52 Feldern, wovon drei Wappen aufgelegt sind. Zentral liegt als Herzschild das Wappen des Königreichs Preußen (zugleich Ostpreußen), darüber als Ehrenschild Brandenburg, unten als Nabelschild das Wappen der Burggrafschaft Nürnberg in der oberen Hälfte und darunter das Wappen der Hohenzollern’schen Lande. Am unteren Rand des Wappenschilds befindet sich das Regalienfeld.

  1. Herzogtum Westfalen
  2. Großherzogtum Posen
  3. Herzogtum Schlesien
  4. Großherzogtum Niederrhein (war auch Wappen der Rheinprovinz)
  5. Herzogtum Sachsen
  6. Herzogtum Engern
  7. Herzogtum Magdeburg
  8. Herzogtum Holstein
  9. Herzogtum Pommern
  10. Herzogtum Lüneburg
  11. Herzogtum Schleswig
  12. Erzbistum Bremen
  13. Herzogtum Wenden
  14. Herzogtum Jülich
  15. Herzogtum Geldern
  16. Herzogtum Kleve
  17. Herzogtum Berg
  18. Herzogtum Pommern-Wolgast (Kassuben)
  19. Landgrafschaft Thüringen
  20. Herzogtum Mecklenburg
  21. Herzogtum Krossen
  22. Herzogtum Lauenburg
  23. Landgrafschaft Hessen
  24. Markgrafschaft Oberlausitz
  25. geteilt: Fürstbistum Paderborn und Grafschaft Pyrmont
  26. Fürstentum Rügen
  27. Markgrafschaft Nieder-Lausitz
  28. Fürstentum Oranien
  29. Fürstentum Ostfriesland
  30. Fürstbistum Halberstadt
  31. Fürstbistum Verden
  32. Fürstbistum Osnabrück
  33. Fürstbistum Münster
  34. Fürstbistum Minden
  35. Fürstbistum Hildesheim
  36. Fürstentum (Fürstbistum) Kammin
  37. Grafschaft Glatz
  38. Grafschaft Moers
  39. Fürstbistum Fulda
  40. Herzogtum Nassau
  41. Gefürsteter Graf zu Henneberg
  42. geteilt: Grafschaft Mark und Grafschaft Ravensberg
  43. Grafschaft Veringen
  44. Grafschaft Mansfeld
  45. Grafschaft Hohnstein
  46. geteilt: Grafschaft Tecklenburg und Grafschaft Lingen
  47. Grafschaft Sigmaringen
  48. Frankfurt am Main

Auf dem Schild steht ein offener, goldener, sogenannter königlicher Helm mit schwarz-silberner Decke, der mit der preußischen Königskrone geschmückt ist. Um den Schild hängen die Ketten verschiedener Orden. Außen ist die des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler zu sehen, der vom Kurfürsten Friedrich III. am 17. Januar 1701, dem Tag vor seiner Krönung zum König in Preußen, gestiftet wurde und bis 1918 höchster Orden von Preußen blieb. Daneben hängt die Kollane des Roten Adler Ordens. Dieser wurde am 17. November 1705 durch Erbprinz Georg Wilhelm von Brandenburg-Bayreuth gestiftet und 1792 vom Königreich Preußen übernommen.

Der seinerzeit unter dem Namen „de la Sincérité“ gestiftete Orden war fürstlichen Personen sowie „hohen Herren von gutem Lebenswandel und Aufrichtigkeit“ vorbehalten, die mindestens 25 Jahre alt waren. Es folgt die Kette des Königlichen Hausordens von Hohenzollern. Innen prangt die des Königlichen Kronenordens. Dieser Verdienstorden wurde am 18. Oktober 1861 von König Wilhelm I. bei seiner Krönung in Königsberg gestiftet und dem Roten Adler Orden gleichgesetzt.

Die Schildhalter sind zwei graubärtige, mit Eichenlaub umgürtete und bekränzte wilde Männer, die dem mittelalterlichen Volksglauben entnommen sind und rechts die preußische, links die brandenburgische Standarte halten. Das Ganze wird überragt von einem purpurfarbenen Zelt, das von einem blauen Reif umschlossen ist, der den Wahlspruch König Friedrichs I. „Gott mit uns“ in Goldschrift trägt und gekrönt wird von der preußischen Königskrone. Darüber weht das preußische Reichsbanner.

Im großen Wappen vertretene Orden

Unterhalb des Wappenschilds befinden sich die vier Orden (von oben nach unten, heraldisch von innen nach außen):

  • Kronenorden (Halsdekoration)
  • Königlicher Hausorden von Hohenzollern (Kollane)
  • Roter Adlerorden (Kollane)
  • Schwarzer Adlerorden (Kollane)

Zitate

  • Der Grad von freier Bewegung, welcher zulässig ist, ohne die Autorität der Regierung zu beeinträchtigen, ist in Preußen ein viel höherer als im übrigen Deutschland“. — Otto von Bismarck
  • „Alles, was am Genie Fleiß ist, also vier Bestandteile von fünf, mögen ‚preußisch‘ genannt werden. Preußen, wenn irgend ein Land, hat noch den Gedanken der Zucht. Hier ist sein Weg zu seiner Höhe, wie er es immer gewesen.“ — Christian Morgenstern
  • „Preußentum ist etwas sehr Vornehmes und gegen jede Art von Mehrheit und Pöbelherrschaft gerichtet, vor allem auch gegen die Masseeigenschaften. Moltke, der große Erzieher des deutschen Offiziers, das größte Beispiel für echtes Preußentum im 19. Jahrhundert, war so. Graf Schlieffen hat seine Persönlichkeit in dem Wahlspruch zusammengefaßt: Wenig reden, viel leisten, mehr sein als scheinen.“ — Oswald Spengler
  • „Dem 19. Jahrhundert gelang nur eine ethische Konstruktion großen Stils: das preußische Offizierskorps.“ — Nicolás Gómez Dávila
  • „Das Talent zur Disziplin ist die Wurzel von Preußens Größe.“ — Christian Morgenstern

Filmbeiträge

Königreich Preußen in der Bundesrepublik Deutschland

Literatur

  • Hans-Dietrich Sander: Politik und Polis, hrsg. von Heiko Luge, Arnshaugk, 2016, ISBN 978-3944064352 [271 S.]
  • Jan von Flocken: Die Siegesallee. Kai Homilius Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-89706-899-0
  • Rolf Kosiek:
    • Preußisch-deutscher Militarismus, in: Rolf Kosiek / Olaf Rose (Hgg.): Der Große Wendig – Richtigstellungen zur Zeitgeschichte, Band 5, Edition Grabert im Hohenrain-Verlag, 2. Aufl., Tübingen 2017, S. 23–33
    • Alle Großmächte führten mehr Kriege als Preußen-Deutschland, in: Rolf Kosiek / Olaf Rose (Hgg.): Der Große Wendig – Richtigstellungen zur Zeitgeschichte, Band 5, Edition Grabert im Hohenrain-Verlag, 2. Aufl., Tübingen 2017, S. 34–36 – historische Übersicht und Statistik
  • Ehrhardt Bödecker:
    • Preußen – eine humane Bilanz. Olzog-Verlag, 2010, ISBN 978-3789282775
    • Preußen und die Wurzeln des Erfolgs. Olzog-Verlag, 4., durchgesehene Aufl., 2008, ISBN 978-3789282768
    • Preußen und die Marktwirtschaft. Olzog-Verlag, 2. Aufl., 2007, ISBN 978-3789281877
  • Joachim Fernau: Sprechen wir über Preußen – Die Geschichte der armen Leute, Verlag Herbig, München, 1981, ISBN 3-7766-1146-4
  • S. Fischer-Fabian:
    • Preußens Gloria Der Aufstieg eines Staates, Verlagsgruppe Lübbe, Bergisch Gladbach 2007, ISBN 978-3-404-64227-4
    • Preußens Krieg und Frieden Der Weg ins Deutsche Reich, Verlagsgruppe Lübbe, Bergisch-Gladbach 2008, ISBN 978-3-404-64229-8
  • Hans Prutz: Preußische Geschichte:
  • Ferdinand Schmidt / Franz Otto: Preußens Geschichte in Wort und Bild (3 Bände):
  • Robert Achill Friedrich Hermann Hue de Grais: Der preußische Staat (PDF-Datei 24 MB)
  • Heinrich von Treitschke: Preußische Jahrbücher (In Auswahl auf archive.org)
  • Bernhard Lindenblatt:
    • Alt-Preußenland: Geschichte Ost- und Westpreußens von der Urzeit bis 1701, Arndt-Verlag, ISBN 978-3887410360
    • Preußenland: Geschichte Ost- und Westpreußens 1701–1945, Arndt-Verlag, ISBN 978-3887410377
  • Widar Ziehnert: Preussens Volkssagen, Märchen und Legenden, Leipzig 1839 (PDF-Dateien: Bände 1–2Band 3)
  • Ludwig Hahn: Geschichte des Preussischen Vaterlandes: Fortgeführt bis zur Gegenwart (1895) (PDF-DateiFür Nicht-USA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Johann Friedrich Meuß: Die preußische Königsflagge, in: Hohenzollern-Jahrbuch. Forschungen und Abbildungen zur Geschichte der Hohenzollern in Brandenburg-Preussen, 1913 (PDF-Datei)
  • Reinhold Koser / Paul Seidel: Die Insignien und Juwelen der preußischen Krone, in: Hohenzollern-Jahrbuch. Forschungen und Abbildungen zur Geschichte der Hohenzollern in Brandenburg-Preussen, 1913 (PDF-Datei)

Verweise

Zitate: Friedrich II von Preußen

Friedrich_Zweite_Alt

Friedrich der Große / der Alte Fritz

Das Zeugnis, einige Wahrheiten entdeckt und einige Irrtümer zerstört zu haben, ist nach meiner Meinung die schönste Trophäe, welche die Nachwelt zum Ruhme eines großen Mannes errichten kann. Wenige Menschen denken, und doch wollen alle entscheiden. Ich will der erste Diener meines Staates sein. Dasjenige, wodurch die Menschen am meisten zu Fehlern veranlaßt werden, ist, daß sie sich meistens mit vagen Vorstellungen begnügen und sich nicht die Mühe geben, sich klare Ideen über die Dinge zu machen. Die Klugheit ist sehr geeignet zu bewahren, was man besitzt, doch allein die Kühnheit versteht zu erwerben. Es heißt, dass wir Könige auf Erden die Ebenbilder Gottes seien. Ich habe mich daraufhin im Spiegel betrachtet. Sehr schmeichelhaft für den lieben Gott ist das nicht. Seine Pflicht erkennen und tun, das ist die Hauptsache. Eine Regierung muss sparsam sein, weil das Geld, das sie erhält, aus dem Blut und Schweiß ihres Volkes stammt.

Es ist gerecht, dass jeder einzelne dazu beiträgt, die Ausgaben des Staates tragen zu helfen. Aber es ist nicht gerecht, dass er die Hälfte seines jährlichen Einkommens mit dem Staate teilen muss. Ohne Nachschub ist keine Armee tapfer. Kenntnisse kann jedermann haben, aber die Kunst zu denken ist das seltenste Geschenk der Natur. In meinem Staate kann jeder nach seiner Fasson selig werden. Ein Augenblick des Glücks wiegt Jahrtausende des Nachruhms auf. Je mehr man altert, desto mehr überzeugt man sich, dass seine heilige Majestät der Zufall gut drei Viertel der Geschäftedieses miserablen Universums besorgt. Der Charakter der Wahrheit bedarf keiner Waffen, um sich zu verteidigen. Sie braucht sich nur zu zeigen, und sobald ihr lebhaftes Licht die Wolken zerstreut hat, worin sie verhüllt war, so ist sie ihres Triumphes sicher. Der Beamte und der Philosoph beziehen ihre Stärke aus der Sachfremdheit. Bosheit ist eine Art Delirium und verwirrt den Verstand. Die Juden sind von allen Sekten die gefährlichste und man muss verhindern, dass ihre Zahl wächst. (Der Spiegel, 45/2011, S. 83) Man muß verzeihen können. Das Leben des Menschen ist zu kurz, als daß er es mit Nachtragen und Rachsucht hinbringen dürfte. Mir geht es auch nicht immer, wie ich es haben möchte. Trotzdem muß ich immer König bleiben. Rhabarber und Geduld wirken vortrefflich. Jedem das seine. (Suum cuique.) Man muß seine Feinde kennen. Ihre Verbündeten und die Natur ihres Landes, um einen Feldzug planen zu können. Die große Kunst besteht nur darin, die Summen zu erheben, ohne die Staatsbürger zu bedrücken. Nicht aus Schwachheit endigt man ein unglückliches Leben, sondern aus überdachter Klugheit, die uns überzeugt, daß der Zustand, in dem uns niemand schaden und nichts unsere Ruhe stören kann, unser größtes Glück ist. Nichts hat mehr Ähnlichkeit mit dem Tode als Müßiggang. Nichts versüßt unser Dasein mehr, als eine gewisse Seelenruhe, welche die Sorgen und trüben Vorstellungen, die den Geist beunruhigen, verscheucht.

Nichtstun ist halber Tod; das Leben äußert sich nur in der Tätigkeit. Seien Sie fest in Ihren Entschlüssen. Wägen Sie das Für und Wider vorher ab; aber wenn Ihr Wille einmal erklärt ist, so gehen Sie um alles in der Welt nicht davon ab. Wer seine Absichten zu früh enthüllt, bringt sie zum Scheitern. Denn er gibt seinen Feinden und Neidern zu Gegenmaßnahmen Zeit. Wer Schweigen kann, der kann zu schönen Eroberungen gelangen. Kein Mensch taugt ohne Freude. Liebe und Haß lassen sich nicht befehlen, und jeder ist in diesem Stück zu den Empfindungen berechtigt, die er nun einmal hat. Luxus treibt den Menschen zu keiner einzigen Tugend an, sondern erstickt meist alle besseren Gefühle in ihm. Lange genug war ich Amboß, jetzt will ich Hammer sein. Soll das Land glücklich sein, will der Fürst geachtet werden, so muß er unbedingt Ordnung in seinen Finanzen halten. Erfahrungen nützen gar nichts, wenn man keine Lehren daraus zieht. Tu den Menschen Gutes, und sie werden dich segnen: Das ist wahrer Ruhm. Es ist besser, daß ich meine Pflicht tue, als daß ich mir eine Predigt anhöre, meine Pflicht zu tun. Tu keinem etwas an, wovon du nicht willst, daß es dir geschehe – in diesem Grundsatz liegt alle Tugend, liegen alle Pflichten des Menschen gegen die Gesellschaft. Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, so sie professieren, ehrliche Leute sind. Alles in der Welt ist Torheit, nur nicht die Heiterkeit. Tyrannen zählen ein Menschenleben nicht. Alles, was man aus dem Soldaten machen kann, ist, ihm Korpsgeist zu geben, das heißt eine höhere Meinung von seinem Regiment, als von allen anderen Truppen des Erdreichs. Als Grundgesetz der Regierung des kleinsten wie des größten Staates kann man den Drang zur Vergrößerung betrachten. Um die Irrtümer der Welt auszurotten, müßte man das ganze Menschengeschlecht vertilgen.

Der Mensch wird zum Tier, wenn er nie einen Sonntagsrock anhat. Aus der Erfahrung weiß man, daß die Güte der Truppen einzig und allein in dem Werte ihrer Offiziere besteht. Beleidigung mit Beleidigung zu vergelten ist die Art des Pöbels. Bosheit ist eine Art Delirium und verwirrt den Verstand. Von allen Gefühlen, welche unsere Seele tyrannisieren, gibt es kein verderblicheres . . . als eine ungezügelte Ehrsucht, ein übertriebenes Verlangen nach falschem Ruhm. Bücher sind kein geringer Teil des Glücks. Die Literatur wird meine letzte Leidenschaft sein. Das Übel erreicht seinen Gipfel, wenn es verkehrten Gemütern gelingt, den Regenten zu bereden, daß sein Interesse von dem Interesse seiner Untertanen verschieden sei. Denn alles, was aus Furcht oder Angst geschieht, trägt auch das Gepräge davon. Der Aberglaube ist ein Kind der Furcht, der Schwachheit und der Unwissenheit.

Der Adel ist nichts anderes als der höhere Grad von Bildung, Ehre und Vaterlandsliebe, den man billig bei Personen aus guter Familie, die eine sorgsamere Erziehung als andere genießen können, voraussetzen darf. Vorurteile nach Frauenweise, Zank und Händel der einzelnen, kleinliche Sonderzwecke und Belanglosigkeiten dürfen niemals den Blick eines Mannes trüben, der ganzen Völkern ein Führer ist. Wahre Ruhmbegierde ist die Quelle aller großen Taten und alles Nützlichen, was auf der Welt geschieht. Der große Haufen kriecht immer in dem Schlamme der Vorurteile. Der Irrtum ist sein Erbteil. Der Herrscher soll das Gleichgewicht zwischen Bauern und Adligem erhalten, sodaß sie einander nicht zugrunde richten. Der Krieg ist ein solcher Abgrund des Jammers, sein Ausgang so wenig sicher und seine Folgen für ein Land so verheerend, daß es sich die Landesherren gar nicht genug überlegen können, ehe sie ihn auf sich nehmen. Der Mensch lebt eine so kurze Zeit, sein Gedächtnis ist so schwindend, des Wissenswerten ist so viel, daß er von früh an nur durch das Ausgesuchteste unterrichtet werden sollte.

Der Regent hat kein Recht über die Meinungen der Bürger. Der Regent muß sich in die Lage eines Landmanns oder eines Handwerkers versetzen und sich dann fragen: “Wenn du in dieser Klasse von Menschen geboren wärst, was würdest du von dem Regenten verlangen?” Der Ruhm, der uns nicht glücklich macht, ist nichts als ein Wort, und der Ruhm, der unsere Untertanen nicht glücklich macht, ist eine Schmach. Wäre nur eine Religion in der Welt, so würde sie stolz und zügellos despotisch sein. Der schlimmste Weg, den man wählen kann, ist der, keinen zu wählen. Die erste Pflicht eines Bürgers ist, seinem Vaterlande zu dienen. Die Finanzen sind der Nerv des Landes. Wenn Sie diese recht verstehen, wird das übrige ganz in Ihrer Gewalt sein. Die größte Freude, die ein Mensch in der Welt haben kann, besteht in der Entdeckung neuer Wahrheiten. Die Jesuiten, die gefährlichste Gattung unter allen Mönchen.

Die Klugheit ist sehr geeignet, zu bewahren, was man besitzt, doch allein die Kühnheit versteht zu erwerben. Was ist schöner als Vergnügungen des Geistes? Die Regierung beruht auf vier Hauptpfeilern: auf der Rechtspflege, weiser Finanzwirtschaft, straffer Einhaltung der militärischen Disziplin und endlich auf der Kunst, die richtigen Maßnahmen zur Wahrung der Staatsinteressen zu ergreifen, was man Politik nennt. Die Toleranz in jeder Gesellschaft muß jedem Bürger die Freiheit sichern, zu glauben, was er will. Aber sie darf nicht so weit gehen, daß sie die Frechheit und Zügellosigkeit junger Hitzköpfe gutheißt, die etwas vom Volke Verehrtes dreist beschimpfen. Wenn die Fürsten um Provinzen spielen, bilden die Untertanen den Einsatz. Die Toleranz muß in einem Staate jedem Freiheit geben, alles zu glauben, was er will, aber sich nicht so weit erstrecken, daß sie die Frechheit und Ausgelassenheit junger unbesonnener Leute autorisiert, die dem kühn Hohn sprechen, was das Volk verehrt. Die wahre Philosophie besteht darin, den Mißbrauch zu verdammen, ohne den Gebrauch zu untersagen. Man muß alles entbehren können, aber auf nichts prinzipiell verzichten.

Durch jeden Schlag nach einem schwächeren Feind entehrt man sich Ein Beispiel von wirklichem Edelmut wirkt mehr als die schönen Lehren, mit denen die Tragödie prunkt. Ein unterrichtetes Volk läßt sich leicht regieren. Es gibt eine Art Zwitterwesen, die weder Herrscher noch Privatleute sind und die sich bisweilen sehr schwer regieren lassen: Die Prinzen von Geblüt. Ihre hohe Abstammung flößt ihnen einen gewissen Hochmut ein, den sie Adel nennen. Es gibt nur ein sicheres und unfehlbares Mittel, sich einen guten Ruf in der Welt zu erhalten: nämlich das wirklich zu sein, was man vor der Welt scheinen möchte. Keine Rücksicht kann mächtig genug sein, einen ehrlichen Mann zu veranlassen, sich von seiner Pflicht zu entfernen. Fleiß ist aller Tugenden Anfang. Frechheit empört, Schwäche rührt; nur feige Seelen rächen sich an überwundenen Feinden, und ich gehöre nicht dazu. Wenn du Vorurteile zur Tür hinausjagst, kehren sie durchs Fenster zurück. Für die Politik ist es völlig belanglos, ob ein Herrscher religiös ist oder nicht. Gazetten müssen, wenn sie interessant sein sollen, nicht geniert werden. Gute Sitten haben für die Gesellschaft mehr Wert als alle Berechnungen Newtons. Wenn es auf die Erfahrung ankäme, dann wären die Maulesel des Prinzen Eugen die besten Feldherren. Ich bin gewissermaßen der Papst der Lutheraner und das kirchliche Haupt der Reformierten. Wer sich an die Phantasie der Menschen wendet, wird immer den besiegen, der auf ihren Verstand einwirken will. Wir sehen, daß bei der Unvollkommenheit aller menschlichen Dinge die besten Einrichtungen entarten. Deher muß von Zeit zu Zeit, wo es nötig ist, reformiert werden und die Einrichtungen ihrem ursprünglichen Zweck wieder zugeführt werden.

Ich bin in keinem Stück groß; nur meinem Fleiß kann mich vielleicht eines Tages meinem Vaterlande nützlich machen, und das ist der ganze Ruhm, nachdem ich strebe. Ich bin mit der Zeit ein gutes Postpferd geworden, lege meine Station zurück und bekümmere mich nicht um die Kläffer, die auf der Landstraße bellen. Wer nur etwas Ehrgefühl besitzt, erhebt den Anspruch auf Achtung seiner Mitbürger. Man will sich irgendwie hervortun und nicht in der dumpfen Masse untergehen. Ich brauche Generäle, die nicht nur tüchtig sind, sondern auch Fortune haben. Ich habe Sie zum Stabsoffizier gemacht, damit Sie wissen, wann Sie nicht gehorchen sollen. Zwei Hauptmotive leiten die Menschen: Furcht vor Strafe und Hoffnung auf Belohnung. Ich kenne den Wert der Freiheit zu gut, als daß ich willens wäre, sie denen, dich ich liebe, zu entreißen.

Wer mit Affen spielt, wird gelgentlich gebissen. In den Gerichtshöfen sollen die Gesetze sprechen und der Herrscher schweigen. In der Demokratie ist die Entscheidung stets bei der Mehrheit, das heißt beim Unsinn. In der Monarchie kann die Entscheidung wenigstens zuweilen an einen Vernünftigen gelangen. Wenn Sie mich sähen . . . so sähen Sie einen alt und grau gewordenen Mann, der die Hälfte seiner Zähne verloren hat, einen Mann ohne Frohsinn, ohne Feuer, ohne Einbildungskraft. Jeder soll seine eigene Meinung behalten und die der anderen respektieren. Das ist das einzige Mittel, in Frieden zu leben. Jeder Staat, in dem die Tugend überwiegt, ist den anderen auf die Dauer überlegen. Wer Großes schaffen will, muß darauf verzichten, es selbst noch genießen zu können.