Leonardo da Vinci

Leonardo da Vinci, Lionardo di ser Piero da Vinci, (* 15. April 1452 in Anchiano bei Vinci; † 2. Mai 1519 auf der Burg von Cloux in der Nähe von Amboise in Frankreich) war ein italienischer Universalgelehrter.
Als uneheliches Kind besuchte er die Grundschule und begann mit ersten Zeichnungen. Nach dem Umzug nach Florenz 1469 besuchte er die Schule des Bildhauers und Malers Andrea del Verrocchio und beschäftigte sich mit Architektur, Technik und anatomischen Studien. Von 1483 bis 1499 stand er im Dienst des Herzogs von Mailand. Als die Stadt von Frankreich erobert wurde, kehrte er nach Florenz zurück, wo er als Militäringenieur für Cesare Borgia arbeitete. 1507 nahm er ein Angebot des französischen Königs Franz I. an und verlegte seinen Wohnsitz in die Burg von Cloux in der Nähe von Amboise, wo er auch starb.

Der Maler, Forscher und Erfinder Leonardo da Vinci war einer der bekanntesten Künstler der Geschichte. Er liebte die Selbstdarstellung und inszenierte sich gerne als Exzentriker. Leonardo war ein Exzentriker, der das Außenstehen zum Prinzip machte. Er hinterfragte alles, vom Lauf des Wassers über die Funktionsweise des menschlichen Körpers bis zum kanonisierten Regelwerk der Malerei. Malerei war für ihn mehr als Dekorationsübung im Auftrag und Interesse der Mächtigen. Malerei war für ihn praktische Philosophie. Er musste malen um zu erkennen. Während es kaum mehr als ein Dutzend Gemälde von ihm gibt, kann man bis heute über 6.000 Zeichnungen aus seiner Hand bestaunen. Darüber, über die Beobachtung, erschließt er sich die Welt.

Als die Renaissance in Italien das Mittelalter ablöste, lösten sich mit ihr die bis dahin gültigen Weltanschauungen. Der Mensch begann intensiv über sich selber nachzudenken und stellte sich in eine zentrale Position. Erscheint das Denken heute selbstverständlich, so war es im 15. Jahrhundert nur wenigen vorbehalten. Da Vinci schöpfte die neue Anschauungsweise auf die Welt auf eine einzigartige Weise aus und entwickelte sich zu einem Universalgenie. Er entwickelte sich zu dem Menschen, der alles das zusammenführte, was die Renaissance forderte. Kühn behauptete Leonardo, die Erde sei älter als die Kirche. Er träumte vom Fliegen und verfolgte den Flug der Vögel. Schließlich verband Leonardo seine Beobachtungsgabe mit seinem Wissen und einem außergewöhnlichen Denkvermögen.

Leonardo da Vinci war ein Künstler, der den Renaissancegeist wie kein anderer vertreten hat. Als Maler überzeugt da Vinci durch seine plastischen Herausarbeitungen des menschlichen Körpers und der Nutzung einer Leinwand als Raum. In die Malerei Leonardos gingen Denken, Sehen und Fühlen ein, Fähigkeiten, über die Maler seiner Zeit nicht in diesem Umfang verfügten. Zarte Übergänge von Licht und Schatten schaffen den Blick in die Tiefe und führen den Betrachter durch Landschaften. Gekonnt spielt der Künstler mit warmen und kalten Farben. Das Wissen über Farbwirkung und der Erzeugung von Perspektive zeugt von großem naturwissenschaftlichen Verständnis und dem Talent, diese bildlich umzusetzen.

Der Name da Vinci ist neben den Skizzen zur Anatomie eng mit dem Bildnis der Mona Lisa verknüpft. Besonders das Lächeln der Frau bleibt dem Betrachter im Gedächtnis. Die Künstler der Renaissance hatten sich ein hohes Ziel gesetzt. Das Malen des beseelten Porträts. Es sollte gelingen, einen Menschen zu malen, der Leben ausstrahlt. Da Vinci ist es mit seiner Lisa gelungen. Noch immer rätseln Wissenschaftler darüber, wer Lisa war. Es ist nicht sicher, wie lange Leonardo an dem Werk gearbeitet hat. Einige sagen, er sei mit dem Gemälde gereist und habe die Frau nach seinem persönlichen Idealbild von Schönheit gemalt. Vielleicht wirkt sie für heutige Begriffe zu maskulin. Doch verzaubert das Gemälde den Betrachter mit den lächelnden Lippen und den ausdrucksstarken Augen.

Die „Mona Lisa“ ist eines der berühmtesten Gemälde der Welt

(Jesus Christus) als Salvator Mundi das teuerste Bild. Seit der Versteigerung für 450 Millionen Euro ist es aus der Öffentlichkeit verschwunden. Kürzlich soll es auf einer Jacht des saudischen Kronprinzen gesichtet worden sein. Um das Gemälde wie um das Lächeln der „Mona Lisa“ ranken sich inzwischen viele Mythen. So auch um den Schöpfer der Bilder, Leonardo da Vinci, der gemalt hat und gezeichnet, die Natur und den menschlichen Körper studiert und sich Flug- und Kriegsmaschinen ausgedacht hat.

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Akelei
(Columbine )

Portrait einer jungen Frau,
(Portrait of a young woman)

Tobias und der Engel
(Tobias and the Angel)

Leda und der Schwan
(Leda and the Swan)

Madonna der Felsen
(Madonna of the Rocks )

Johannes der Täufer mit den Attributen des Bacchus, 1513-1516.
(John the Baptist, with the attributes of Bacchus, 1513-1516. )

Johannes der Täufer
(Saint John the Baptist)

Die Dame mit dem Hermelin
(The Lady with an Ermine)

Ginevra de‘ Benci

Detail des Kopfes der Jungfrau, von der Jungfrau der Felsen (Die Jungfrau mit dem Säugling Johannes, der den Kleinkind Christus begleitet von einem Engel begleitet) Detail, c.1508
(Detail of the Head of the Virgin, from The Virgin of the Rocks (The Virgin with the Infant Saint John adoring the Infant Christ accompanied by an Angel) detail, c.1508 )

Kopf des Erlösers
(Head of the Saviour )

Porträt einer Dame aus dem Gericht von Mailand, c.1490-95
(Portrait of a Lady from the Court of Milan, c.1490-95 )

Die Jungfrau und das Kind mit der Heiligen Anne
(The Virgin and Child with Saint Anne )

Madonna mit der Spindel
(Madonna of the Yarnwinder)

Leonardo Da Vincis früheste Arbeit war ein Beitrag zu Verrocchios “Taufe Christi”, Leonardo hat Berichten zufolge die Arbeit an einem der beiden Winkel des Porträts und der entfernten Landschaft und einigen Elementen von Christus abgeschlossen.

Mit dem „Letzten Abendmahl“ in der Mailänder Kirche Santa Maria delle Grazie begründet Leonardo da Vinci seinen Ruhm. Der christlichen Überlieferung zufolge haben er und seine Jünger soeben das traditionelle jüdische Pessachmahl zu sich genommen. Wie alle Juden. Für Jesus aber ist es das letzte gemeinsame Mahl vor seinem Tod. Nun ist der entscheidende Augenblick gekommen. In seinem Evangelium berichtet Lukas:
„Jesus nahm Brot, sagte Dank und gab es den Jüngern mit den Worten: ‚Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird; tut dies zu meinem Gedächtnis.‘ Und ebenso nahm er nach dem Mahle auch den Kelch mit den Worten: ‚Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blute, das für euch vergossen wird.‘“„Einer ist unter euch, der mich verrät“

Montorfano: Kreuzigung Christi mit Stiftern, 1495 – Das Fresko befindet sich gegenüber Leonardos Abendmahl an der Südwand des Refektoriums. Santa Maria delle Grazie (Mailand)

Ein „Uomo universale“ wollte er sein, die Malerei galt ihm zwar als die höchste aller Künste, was ihn aber nicht abhielt, mit fantastischen Erfindungen weit in die Zukunft zu greifen. U-Boote, Flugzeuge, Druckerpressen, visionäre Stadtentwürfe – Leonardos Erfindergeist war grenzenlos, aber nichts davon wurde zu seinen Lebzeiten gebaut.

Eines der teuersten Bücher der Welt ist der Codex Leicester von Leonardo da Vinci. Diese wissenschaftliche Abhandlung über „Wasser, Erde und Himmelskörper“ ist in Spiegelschrift gedruckt. Um es zu lesen, braucht man einen Spiegel. Der „Codex Leicester“ hat seinen Namen nach Thomas Coke, dem ersten Earl of Leicester, der das Manuskript 1717 für seine Bibliothek im Holkham Castle erworben hatte. Mit 18 zweifach gefalteten Blättern, also 72 Seiten, gehört dieser Codex zu den kleineren Manuskriptsammlungen Leonardos. Er ist aber etwas Besonderes, weil hier ein Thema wie die Natur des Wassers über mehrere Seiten hinweg gleichsam in einem „Buch des Wassers“ behandelt wird.
„Skizzen ordnen sich eindeutig dem Hauptthema zu, was Wasser überhaupt ist, welche Funktion es im Meer, im See, im Fluss hat. Leonardo versucht, seinen wissenschaftlichen Interessen eine literarische Form zu geben.“
Er beschäftigte sich mit Maschinen, die durch Wasserkraft betrieben wurden oder dachte darüber nach, warum Fossilien von Meerestieren auch im Gebirge zu finden sind. Daneben geht es in den Notizen auch um astronomische Probleme, etwa um den Erdschein des Mondes.

Zwei Seiten aus der Notizsammlung „Codex Leicester“ von Leonardo da Vinci: Darauf beschäftigte sich das Universalgenie mit dem Verhältnis von Erde und Mond zur Sonne. In den 90er-Jahren des 15. Jahrhunderts erkundete Leonardo da Vinci die Umgebung der Stadt Mailand, wo er in Diensten des Herzogs Ludovico Sforza stand. Touren führten ihn auch zum 4000 Meter hohen Monte Rosa. Hier wollte er dem blauen Himmel so nahe wie möglich kommen. Denn, so fragte er sich, warum ist der Himmel eigentlich hellblau?
„Ich sage, das Blau, in dem sich die Luft zeigt, ist nicht ihre eigene Farbe, sondern es kommt von der warmen Feuchtigkeit, die in winzigen, nicht wahrnehmbaren Teilchen verdampft; diese werden von Sonnenstrahlen getroffen und werden dann hell. Und das kann jeder sehen, der wie ich auf den Monte Rosa steigt.“

Über 250 Jahre lang blieben die Blätter im Besitz der Grafen Leicester. Der amerikanische Ölmagnat Armand Hammer konnte sie dann 1980 bei einer Versteigerung erwerben und ließ sie in Codex Hammer umbenennen. Nach Hammers Tod gaben seine Erben das Manuskript erneut zur Versteigerung frei. Verhandelt wurde bei Christie`s in London am 11. November 1994.
Ausgangspunkt ist ein Mindestgebot von 5,5 Millionen US-Dollar, das aber schnell übertroffen wird. sechs Millionen, sieben Millionen, plötzlich ein Sprung auf 18 Millionen. Bieter im Saal und am Telefon treiben den Preis weiter hoch. Dann kommt das Angebot per Telefon: 28 Millionen.
Der Käufer: Bill Gates. 28 Millionen plus Aufgeld und Gebühren – mit einer Gesamtsumme von fast 31 Millionen US-Dollar wurden die 18 beidseitig in Spiegelschrift beschriebenen und mit Skizzen versehenen Blätter Leonardo da Vincis zur teuersten Handschrift aller Zeiten. Nach dem Willen seines neuen Besitzers erhielt das Manuskript seinen alten Namen Codex Leicester zurück und wird nun in der „Bill and Melinda Gates Foundation“ in Seattle im US-Bundesstaat Washington aufbewahrt.

Ergänzend
Literatur zum Thema Leonardo da Vinci
Johann Georg Böhm:
Des vortrefflichen Florentinischen Mahlers Lionardo da Vinci höchst-nützlicher Tractat von der Mahlerey aus dem Italiänischen und Frantzöischen in das Teutsche übersetzet auch nach dem Original mit vielen Kupfern und saubern Holtzschnitten versehen und mit beygefügten Leben des Auctoris zum Druck befördert (1747) (PDF-Datei)
Des Herrn Leonhard von Vinci, ersten Mahlers in Florenz, Praktisches Werk von der Mahlerey worinnen diese vortrefliche Kunst hauptsächlich nach geometrisch- optisch- und mechanischen Gründen gelehret wie auch nach anatomischen Regeln die verschiedenen Stellungen, Bewegungen und Berrichtungen der Glieder des menschlichen Körpers, deutlich vorgestellet wird (1786) (PDF-Datei)
Hermann Grothe: Leonardo da Vinci als Ingenieur und Philosoph, ein Beitrag zur Geschichte der Technik und der induktiven Wissenschaften (1874) (PDF-Datei)
Das Buch von der Malerei. Nach dem Codex vaticanus (Urbinas) 1270, herausgegeben, übersetzt und erläutert von Heinrich Ludwig 1882 (PDF-Dateien: Band 1, Band 2, Band 3)
Fritz Raab: Leonardo da Vinci als Naturforscher (1880) (PDF-Datei)
Adolf Rosenberg: Leonardo da Vinci (1898) (PDF-Datei)
Marie Herzfeld: Leonardo da Vinci, der Denker, Forscher und Poet, nach den veröffentlichten Handschriften (1906) (PDF-Datei)
Otto Hoerth: Das Abendmahl des Leonardo da Vinci (1907) (PDF-Datei)
Kurt Zoege von Manteuffel: Leonardo da Vinci, eine Auswahl aus seinen Gemälden, Handzeichnungen und Schriften (1920) (PDF-Datei)
Wilhelm von Bode: Studien über Leonardo da Vinci (1921) (PDF-Datei)

ergänzend

Michelangelo Michelangelo di Lodovico Buonarroti Simoni, bekannt als kurz Michelangelo 6. März 1475 in Caprese, im Casentino – oberes Arnotal nördlich von Arezzo, Toskana bis 18. Februar 1564 in Rom), war ein italienischer Maler, Bildhauer, Architekt und Dichter. Michelangelo war der … Weiterlesen

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Heidnische Symbolik im Grals

der heilige gralMythos und die historische Rolle Jesu – eine aktuelle Betrachtung der Hintergründe des Da – Vinci – Codes Der Mythos des Grals zieht die Menschheit nicht erst seit Erscheinen des Dan Brown Romans Sacrileg in ihren Bann. Chretien de Troyes verarbeitete Ende des 12. Jahrhunderts heidnische und christliche Elemente sowie die Artussage im Gralszyklus, in dem eine kostbare Schale durch ihren Inhalt zum geheiligten Gefäß wird, wenig später schuf Wolfram von Eschenbach mit seinem Parzifal – Epos die erste deutsch – sprachige Gralsdichtung.
In neuerer Zeit prägte Richard Wagner mit seiner Oper Lohengrin die Gralsthematik und stellte die Überlieferung in Dienst des Kampfes Gut gegen Böse – Lohengrin als lichter Ritter der gegen den abtrünnigen Klingsor antritt und siegt.
Für gewöhnlich verbindet man dabei die Grals – Symbolik in erster Linie mit dem Gefäß, in welchem das Blut Jesu während des Abendmahls aufgefangen wurde (nach anderer Überlieferung das Blut durch den Speer – Stich des Legionärs Longinus bei Jesu Kreuzigung, woraus die eigenständige Legende des Speers des Longinus entstand) – diese vom Nikodemus – Evangelium der Spätantike gestiftete Deutung verbindet damit erstmals den Gral mit dem Begriff des heiligen Blutes. Nach Robert de Borons Gralsgeschichte gelangt der Gral mit Joseph von Arimathea, den der Gral während seiner Gefangenschaft sättigt, nach Jesu Tod nach Glastonbury in Britannien – und damit zum Ausgangspunkt seiner symbolischen Herkunft: Hier, in der alten Welt der Kelten, stellt der Kessel seit alters her das heilige, rituelle Gefäß schlechthin dar, in ihm wurden nicht nur Fleisch gekocht und Bier gebraut, sondern er erwuchs zum ewig sättigendem Kultgefäß, welches fester Bestandteil der Grabausstattung keltischer Fürsten wurde. Der Kessel als Lebensspender ist dabei ein altes Erbe der atlantisch – nordischen Kultsymbolik.(Wirth: Aufgang der Menschheit) Von besonderer mythologischer Bedeutung war der Kessel des Dagda, der mit den Tuatha de Dana, den frühen Einwanderern, die eng verbunden mit der Megalithkultur sind, nach Britannien gelangte. Auch die große Muttergöttin Ceridwen braut in einem solchen Kessel den Trunk der Weisheit. Zu den bekanntesten zählt der Kessel von Gundestrup, der neben dem Hörner Gott Cernunnos auch weitere keltische Kultdarstellungen trägt . Mit der Reise Joseph von Arimatheas nach Glastonbury wird gewissermaßen eine Verschmelzung christlicher mit heidnischer –Symbolik vollzogen; denn hier am „Glasturm“ (Glastonbury), dem Standort einer alten Trojaburg, die als Avalon zugleich mythische Heimat des toten König Artus ist (als Toteninsel – im Sinne des megalithischen Wiedererstehungsglaubens zugleich Land der Ahnen – auch als das verlorene Paradies Atlantis zu deuten), ist ein elementarer Ort der Verehrung der alten Urmutter zu erblicken, aus deren Schoß, dem heiligen Gral, das Leben erwacht. Dan Brown gelang es nun bei aller vereinfachenden – weil lediglich auf zwei Widersacher im Gut – Böse Schema – Kirche / Opus Dei gegen Prieure de Sion / Freimaurerei beschränkenden – Verklärung der Rolle der Freimaurerei die heidnische Symbolik einem größeren Leserkreis näher zu bringen. Auch seine Darstellung der Umwandlung heidnischer Symbole in Teufelswerk durch die christliche Kirche ist eine Tatsache, deren Erwähnung nicht oft genug erfolgen kann: „Im Zuge der Bemühungen, die heidnischen Religionen auszurotten und die Massen zum Christentum zu bekehren, hat die Kirche in einer Verleumdungskampagne den Symbolgehalt der heidnischen Gottheiten ins Negative gewendet“ (Robert Langdon in Sacrileg). (Allerdings vereinfacht Brown die Sache über gebühr, wenn er die verwendung von Pentagrammen und äh nlcuihen heidnischen symbolen durch satanische Sekten allein der arbeit Hollywoods unterstellt, ohne auf die entfremdende Verwendung jener symbole durch gewisse freimaurereische Kreise einzugehen.)
Indes führt er dem Leser die doppelte Bedeutung des heiligen Grals in späterer Zeit vor Augen – danach ist die Legende vom heiligen Gefäß lediglich eine Allegorie auf den wahren Gralsgehalt, der ebenfalls mit heiligem Blut – sang real = Königsblut – in Verbindung steht: So wie die Schale der Legende nach das Blut Jesu aufgefangen habe, habe Maria (= der Gral) das Blut Jesu in sich in Form der Leibesfrucht beider Vereinigung aufgenommen. Dokumente, die den Beweis hierfür und damit gleichzeitig der Übergabe der Königswürde auf Maria, die Ehefrau Jesu enthalten, sollen von den Tempelrittern unter den Ruinen des Tempels Salomons in Jerusalem geborgen worden sein. Jesus sei demnach direkter Nachfahre der jüdischen Könige David und Salomon gewesen. (vgl. hierzu Baigent / Lincoln / Leigh: Der heilige Gral und seine Erben / Der Gral) Im Symbol des Grals verbirgt sich das göttlich weibliche, die Heiligkeit der göttlichen Urmutter (dargestellt unter anderem im Bild des letzten Abendmahls Leonardo da Vincis, des vermeintlichen Mitgliedes der Prieure de Sion), gleichsam ein Symbol für die Übergabe der Königswürde und damit des christlichen Pontifikats auf eine Frau bzw deren Sohn, wodurch es eine offizielle Erblinie für die Leitung der christlichen Kirche gegeben hätte – dies würde natürlich dem heutigen, patriarchal geprägten Papsttum jeglichen Boden und die ganze Legitimation entziehen.

Die von den mittelalterlichen Autoren beschriebne Suche nach dem Gral sei demzufolge die Suche nach der göttlichen Urmutter. In der tat spielte die göttliche Urmutter in allen europäischen Ur – Kulten eine große Rolle. Der Sage nach war Kleito die Urmutter von Atlantis ebenso wie von Troja und Athen, und die Frau spielte in den megalithzeitlichen Kulten eine große Rolle – auch bei den Indogermanen stand die Frau in gleichberechtigter Stellung zum Mann, obgleich sie im Verlauf der indogermanischen Wanderungen – vielleicht auch verstärkt durch die Dankbarkeit für die mythologisch dem Lichtbringer – Gott geschuldete Klimaerwärmung innerhalb der Nordheimat – in den Hintergrund gedrängt wurde. Herman Wirth verdanken wir die Herausarbeitung der weiblichen Rolle im frühen Europa und den Beweis megalithzeitlicher matriarchaler Kultzentren (wobei hier nicht von einer Frauenherrschaft an sich, sondern von einer göttlich matriarchal geprägten Gesellschaft, die in vielen Bereichen durch Männer geleitet wurde –Militär u.ä.) durch seine symbolkundlichen Forschungen. Auch die Frauendarstellungen aus dem Jungpaläolithikum – Venus von Villingen und andere – beweisen eine hohe Verehrung der Frau, die sich bis in die Zeit der Bandkeramiker mit ähnlichen Darstellungen nachweisen läßt – allerdings scheint hier der Aspekt auf das Wunder der Geburt eingeschränkt gewesen zu sein. Wenn nun jedoch im Sacrileg einerseits die Erblinie Jesu als von David und Salomon herrührend, also eine reinblütig jüdische Erblinie dargestellt wird, gleichzeitig aber die Übertragung der jüdischen Königsdynastie auf eine Frau (des Stammes Benjamin ?) angenommen wird, dann begibt sich Dan Brown damit auf dünnes Eis: Nicht nur im Islam sondern auch bei anderen orientalischen Religionen hatte die Frau stets eine untergeordnete Rolle – daher auch die angesprochene Empörung der Jünger Jesu über die Gleichberechtigung – die vermeintliche Bevorzugung – Maria Magdalenas. Nicht folgten hier die Menschen der Religion –wie oft angenommen -, die eine solche Rolle gebot, sondern die Religion folgte – wie so oft – bestehenden Traditionen. Sowohl Islam als auch Judentum sehen in der Frau eine Gehilfin des Mannes – so wie es auch die christliche Kirche des Petrus übernahm. Wenn nun Jesus diese Tradition verändern wollte, dann spricht dieses dafür, in Jesus dem Galiläer eben nicht einen reinblütigen Judäer zu sehen, sondern einen Abkömmling eines Heidenstammes aus Galiläa, der auch als Heidengau galt. Hier lagen die Siedlungsorte der Nachfahren der Philister, die als Seevölker nach Palästina gelangten (nach anderer Überlieferung wurden hier auch gefangene Gallier durch die Römer angesiedelt, Ritzer a.a.O.) –mit im Gepäck die imposanten Kessel (Symbol der Weiblichkeit ?), die auch in der Bibel beschrieben werden . Diese Philister waren als Teil der Seevölker europäische Einwanderer, deren Verständnis der Frau eine traditionell hochstehende Rolle einräumte –hierin liegt der Schlüssel zum Verständnis der Handlungen des Königs Herodes, der in Jesus angesichts dessen kontinuierlicher Angriffe auf die herrschende Form des Judentums – insbesondere dessen Kritik an den jüdischen Händlern sowie den jüdischen Pharisäern und Schriftgelehrten – einen Gefahrenherd für seine Stellung sah, während der römische Statthalter Pontius Pilatus, die Verurteilung Jesu lediglich absegnete. Wenn es sich bei Jesus jedoch um einen Judäer gehandelt hätte, so wäre er niemals gekreuzigt worden –was die römische Art der Vollstreckung des Todesurteils darstellte-, denn die Verurteilung von Juden bzw. die Vollstreckung der Strafe oblag trotz römischer Besatzung weiterhin Herodes.Bestärkt wird diese Annahme durch die einzig mögliche Herleitung der Erblinie über Maria, die Mutter Jesu, da Josef offensichtlich nicht der leibliche Vater war. Hier wies jüngst Michael Ritzer auf das für eine gläubige Jüdin unvorstellbare Verhalten gegenüber den drei Weisen aus dem Morgenland hin (Alte Kulturen Spezial 23/210):

Diese waren der Überlieferung zufolge kundige Magier, bzw. Sterndeuter vermutlich aus Babylon, somit Heiden und dennoch ließ Maria sie am Geburtsbett Jesu ihre Verheißungen verkünden.Nichtsdestotrotz bietet der Roman eine Fülle von Belegen und Hinweisen auf die heidnischen Traditionen innerhalb des Christentums und die tatsächliche, der christlichen Kirche allzu menschliche Rolle Jesu als Dynastiegründer, jedoch nicht einer jüdischen die sich etwa in den Merowingern enthalten habe (Baigent/ Leigh: Der heilige Gral und seine Erben), sondern einer europäischen deren Traditionen in den megalithischen (und den sich aus gleicher Quelle speisenden ägyptischen Kulten des Horus und der Isis – siehe hierzu Ritzer) Kulten zu suchen sind – ohne hier mythologischen Spekulationen vorbehaltlos zu folgen, sei hier auch ein Verweis auf eine Bibelstelle erlaubt, die in neueren Ausgaben der entstellt wiedergegeben wird: „Das Reich Gottes wird von Euch weggenommen und einer Nation gegeben werden, das seine Frucht bringen wird“ (Math. 21,43)
Dieses Gespräch Jesu mit jüdischen Schriftgelehrten, in welchem Jesu die Übertragung der Königswürde auf ein anderes Volk prophezeite, wird in anderer Überlieferung gegenüber einem römischen Legionär germanischer Herkunft geführt. Durch diese Prophezeiung wäre ein für die christliche Kirche noch verheerenderer Umstand eingetreten, den man kirchlicherseits eher fürchten zu hatte, als die Vorstellung einer legitimierten jüdischen Erblinie des Christentums: nämlich eine (Rück -) Übertragung des christlichen Erbes – symbolisiert im heiligen Gral als dem Schoß der Urmutter – in europäisch – germanische Hände.