Heute vor 133 Jahren verstarb unser Kaiser Wilhelm I.

Wilhelm I., mit vollem Namen Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen (* 22. März 1797 in Berlin; † 9. März 1888 ebenda), aus dem Haus Hohenzollern war von 1861 bis zu seinem Tod König von Preußen und seit der Reichsgründung 1871 erster Deutscher Kaiser.
Durch die Kaiserproklamation, die am 18. Januar 1871, dem 170. Jahrestag der Königskrönung Friedrichs III. von Brandenburg, im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles stattfand, nahm Wilhelm für sich und seine Nachfolger zur Krone Preußens den Titel eines Deutschen Kaisers an und versprach, „allzeit Mehrer des Deutschen Reichs zu sein, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiet nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung“.

Wirken
Zu seinem Wirken heißt es:
„Prinz Wilhelm von Preußen ging schon in eisgrauem Haar, da wies ihm das Schicksal seinen geschichtlichen Auftrag. Er war noch ein Knabe, als er mit seiner Mutter, der Königin Luise, vor Napoleons Heeren ins winterliche Ostpreußen floh. Er war ein reifer Mann, als ihn der lärmende Pöbel der Märzrevolution 1848 erbittert verfolgte, weil er das preußische Heer und die preußische Ehre dem liberalen Geschwätz nicht ausliefern wollte. Er schien als Bruder des Königs für immer dazu bestimmt, neben dem Thron zu stehen und seine Kraft an geringeres Werk zu verschwenden, als es die Führung des Landes war. Doch plötzlich rief ihn das Schicksal zum Amt: der Tod des Königs macht den Prinzen von Preußen zum preußischen Herrscher. Ein märkischer Junker, Otto von Bismarck, bei allen Bedenklern als jäher Waghals verschrien, vom König selber anfänglich nur mit Argwohn betrachtet, ist sein Schicksal geworden. Selten nur hat ein Herrscher von innerem Rang sich so vor seinem treuesten Diener gebeugt wie dieser greise König von Preußen vor Bismarck, der das neue Reich geschaffen hat. Selten ließ, trotz mancher Bedenken, ein Fürst die Getreuen so schrankenlos walten.“

Titel
Der Kaiser des Deutschen Reiches war auch weiterhin König von Preußen und trug zudem noch 51 weitere Titel:
Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit [Majestät] Wilhelm der Erste, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser und König von Preußen, Markgraf von Brandenburg, Burggraf von Nürnberg, Graf von Hohenzollern, Herzog von Schlesien und des Landes Glatz, Großherzog des Niederrheins und Posens, Herzog von Sachsen, von Westfahlen und Engern, Herzog von Pommern und von Lüneburg, Herzog von Hollstein und von Schleswig, Herzog von Magdeburg, von Bremen, Geldern, Jülich und Berg, Herzog der Wenden und Kaschuben, Herzog von Krossen, Launburg und Mecklenburg, Landgraf von Hessen und Thüringen, Markgraf der Ober- und der Niederlausitz, Prinz von Oranien, Prinz von Rügen, von Ostfriesland, von Paderborn und von Pyrmont, Prinz von Halberstadt, von Münster, Minden, Osnabrück, Hildesheim, Verden, Kammin, Fulda, Nassau und Moess, gefürsteter Graf von Henneberg, Graf der Mark Ravensberg, Graf von Hohenstein, Tecklenburg und Lingen, Fürst von Mansfeld, Sigmaringen und Veringen, Gebieter von Frankfurt.

Literatur:
Otto Süß: Wilhelm, Deutscher Kaiser und König von Preussen. Allerhöchster Kriegsherr der Deutschen Armee und Marine, 1877; in: „Geschichte der Königlichen Schloß-Garde-Kompagnie zur Feier ihres 50jährigen Bestehens“, 1879 (Chronologischer Werdegang als PDF ab Seite 15)
Christian Schwochert: Kaiser Wilhelm I, CreateSpace Independent Publishing Platform, 2015, ISBN 978-1511882835
Berthold Volz: Wilhelm der Große – deutscher Kaiser und König von Preußen (PDF-Datei) Für Nicht-USA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
Louis Schneider: Aus dem Leben Kaiser Wilhelms, 1849–1873 (1888) (PDF-Dateien: Band 1, Band 2)
Kaiser Wilhelms des Grossen Briefe, Reden und Schriften; ausgewählt und erläutert von Ernst Berner (1906) (PDF-Dateien Teil 1, Teil 2)
Ottokar Lorenz: Gegen Bismarcks Verkleinerer: ‚Nachträge zu Kaiser Wilhelm und die Begründung des Reichs‘ (1903), (PDF-Datei)
Johannes Penzler: Kaiser- und Kanzlerbriefe: Briefwechsel zwischen Kaiser Wilhelm I. und Fürst Bismarck (1900), (PDF-Datei 15MB)
Hermann Lieb / Emil Dietzsch: Kaiser Wilhelm I., der Schöpfer des neuen Deutschen Reiches (1888) (PDF-Datei) Für Nicht-USA-Bewohner nur mit US-Prxy abrufbar!
Bernhard Rogge: Kaiser Wilhelm der Siegreiche. Sein Leben und seine Thaten für das Volk und die Jugend, 1890 (PDF-Datei) Für Nicht-USA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
Wilhelm Müller: Kaiser Wilhelm. Sein Leben und seine Zeit, 1797–1888, 1888 (PDF-Datei) Für Nicht-USA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
PDF Ludwig Büchner: Zwei gekrönte Freidenker, ein Bild aus der Vergangenheit als Spiegel für die Gegenwart. Dem deutschen Volke gewidmet, 1890
Gustav Schmoller: Der erste Hohenzollern-Kaiser. Eine Gedächtnisrede, in: Hohenzollern-Jahrbuch. Forschungen und Abbildungen zur Geschichte der Hohenzollern in Brandenburg-Preussen, 1897 (PDF-Datei)
Karl Pagel: Kaiser Wilhelm I., in: Willy Andreas / Wilhelm von Scholz (Hgg.): Die Großen Deutschen. Neue Deutsche Biographie. Propyläen Verlag, Berlin, 4 Bde. 1935–1937, 1 Ergänzungsbd. 1943; Dritter Band, S. 370–384
Rolf Kosiek: Die Zerstörung des Kaiser Wilhelm-Denkmals am Deutschen Eck, in: Rolf Kosiek / Olaf Rose (Hgg.): Der Große Wendig, Band 3, Grabert Verlag, Tübingen, 3. Aufl. 2010, S. 633 ff.Weitere Dokumente finden Sie in den Rubriken  19. Jahrhundert  Deutsches Kaiserreich  Weimarer Republik  Bundesrepublik Deutschland

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Links

  • History of Germany: Primary Documents
    sehr empfehlenswerte Linkliste zu Quellen und Dokumenten der deutschen Geschichte vom Mittelalter bis zur Zeitgeschichte (die Sprache variiert entsprechend der gelinkten Webseite)
  • Dokumente des Mercosur
    alle wichtigen Dokumente zu dieser Wirtschaftsintegration + Verfassungen der Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay (deutsch)
  • Mitteleuropa.de – Gesetze
    historische Gesetze, Erlasse und internationale Verträge der mitteleuropäischen Staaten, wie z.B. Tschechoslowakei und Deutschland (deutsch)
  • Feldpost-Archiv.de
    ausgewaehlte Feldpostbriefe des Zweiten Weltkriegs im Original und als Transkript sowie umfangreiche weitere Informationen zu diesem Thema (deutsch)

Das Deutsche Kaiserreich besteht weiter!  Leben wir im Deutschen Reich? Die Regierung sagt ja. Was denkt ihr darüber? Was bedeutet das für das deutsche Grundgesetz und die BRD? Sind wir Doppelbürger, oder staatenlos? Was bedeutet es für Brüssel? Wie kam es wohl dazu und was … Weiterlesen

150 Jahre Kaiserproklamation in Versailles – Zweites Deutsches Kaiserreich Vor 150 Jahren, am 18. Januar 1871, wurde im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles das Deutsche Kaiserreich ausgerufen. Damit fanden die von Bismarck forcierten Einigungskriege ihren symbolischen Höhepunkt und Abschluss. Mit „Eisen und Blut“ war ein deutscher Nationalstaat geformt worden … Weiterlesen

Wer uns gefangen hält – Die Wahrheit über Deutschland
ergänzend Alles was nach dem Putsch vom 27.10.1918 hier in Deutschland gemacht wurde ist illegal und rechtsungültig,  alles nur Lügen, Täuschung und Betrug. Es sind Besatzungen nach dem Kirchlichen Handelsrecht, ein Staatswesen kann nur simuliert werden es sind rein juristische … Weiterlesen

ergänzend: Über Geschitsverdrehung und den Pöbelgeist – Pfarrer Hans Milch
  Dem guten ist viel erspart geblieben, der Verfall hat vom Vatikan vollends Besitz ergriffen. Wir haben einen links-grünen Papst der die Verschmelzung aller Religionen anstrebt und Unzucht nicht nur toleriert, ja unterstützt.  Wer uns gefangen hält – Die Wahrheit über Deutschland  Der Paps ist laut der Bibel der Antichrist. Das Tier aus dem Meer ist die kommende Diktatur von Europa aus dem Auferstandenen römische Reich. Lest das letzte Buch der Bibel….die Offenbarung…die Menschheit folgt Satan und wird belehrt durch Not Hunger Leid und danach durch Tod auf Erden….Reuet euch und die Strafe wird nicht folgen. ergänzend: Da der Friedrich in meinen Adern schlummert, hier mal mein Staufengebölke und Gelalle von T. Haas von Preußen.
Unsere Krone ging verloren.  Aber, ihr werdet sehen, es geht auch ohne Kreuz und Krone. Unser GOTT wohnt im Herzen – nicht im Vatikan! Wahrlich ich sage Euch, der Schöpfer vom Himmel und der Erde kennt keine Kirchen noch irgend welche Sekten mit ihren Lügen-Märchenbüchern. Wendet Euch ab von diesem Unsinn, welches nur Unheil über die Menschen gebracht hat. Großartige Dinge sind niemals, aus der Komfortzonen entstanden. Erst wenn alle Kirchen und Synagogen bis auf die Grundmauern niedergebrannt sind, wird es sich, zum guten wenden. Wir werden „GEMEINSAMals Diener des Staates, etwas ganz Neues aufbauen. Wenn . . . wir ein Volk sind. Wir haben nur die eine Chance „GEMEINSAMErst wenn wir, das Volk, uns „GEMEINSAM“ unsere Macht und Verantwortung zurückholen, kann und wird sich was ändern. Wir müssen unsere Kräfte bündeln. Wir müssen uns schnellstens Vereinigen. Das ist kein Spaß !!!

Stöbert mal durch meine Blogs. Da liegt noch mehr, zum Thema Preußen und dem Reich

Reichsgründungstag

Ich vertraue nur noch ganz wenigen Menschen, das haben mir die Menschen beigebracht, denen ich bisher vertraut habe.

Am 18. Januar ist Reichsgründungstag. Wir möchten an die Gründung des Königreichs Preußen am 18. Januar 1701 – und 170 Jahre später (und wohl nicht zufällig an genau demselben Tag), an die Gründung des Deutschen Kaiserreiches am 18. Januar 1871 erinnern.
Auch wenn die Reiche, um deren Gründungen es hier geht, längst Geschichte sind, so ist es doch mehr: Es ist vor allem unsere Geschichte, – erst Brandenburg-Preußens und dann Deutschlands, die wir hier würdigen und die Geschichte geht so:

  • Der damalige preußische Kurfürst von Brandenburg, Friedrich der III. krönte sich selber am 18. Januar 1701 in Königsberg als Friedrich I. zum ersten König in Preußen.
    Das war die Geburtsstunde des Königreichs Preußen, dass so aus dem Kurfürstentum Brandenburg-Preußen entstand.
    Statuen des Königs und seiner Gattin Sophie Charlotte stehen in Berlin zu beiden Seiten der Straße des 17. Juni (Charlottenburger Tor). Er lebte u.a. in seinen Schlössern Köpenick und Friedrichsfelde (im Lichtenberger Tierpark)
  • Der Sohn von Friedrich I., der sogenannte „Soldatenkönig“, Friedrich Wilhelm I., König in Preußen, festigte dann das preußische Königreich durch den Aufbau von Militär und Verwaltung nach Innen (Stichwort: Lange Kerls).
    Er war mit Sophie Dorothea verheiratet und lebte vorwiegend in seinem Schloss in Königs-Wusterhausen.
  • Sein Sohn, Friedrich II. (der Große), König von Preußen, entwickelte Preußen durch Reformen und Eroberungen (Schlesien) zur europäischen Großmacht. Er war mit Elisabeth Christine verheiratet und lebte vorwiegend (allein) auf seinem Schloss Sanssouci (franz. „ohne Sorgen“) in Potsdam.
  • Der Neffe des kinderlosen Friedrich II., Friedrich Wilhelm II. sicherte als Nachfolger den Erhalt der preußischen Monarchie in den aufgewühlten Zeiten nach der französischen Revolution. Dieser König führte erstmals als Hof-Sprache statt Französisch Deutsch ein.
    Er war mit Friederike Luise verheiratet und lebte vorwiegend in seinem Mamorpalais in Potsdam.
  • Sein Sohn, Friedrich Wilhelm III. war der Gatte von Königin Luise. Er verlor durch Napoleons Eroberungen die Hälfte des preußischen Territoriums (alles Land westlich bis zur Elbe).
    Im Zuge der Befreiungskriege gelang seinen Generälen (York, Blücher, Gneisenau, Lützow u.a.) und ihm dann mit russischer, englischer und österreichischer Unterstützung 1813 die Rück- und Neuerwerbung (Stichwort: Wacht am Rhein) von preußischen Gebieten.
    Danach entstand vor allem aus den Reihen der Burschenschaften eine nationale deutsche Einheitsbewegung, das die Schaffung eines deutschen Nationalstaates als parlamentarische Monarchie anstrebte.
    Die deutschsprachigen Fürstentümer schlossen sich nach dem Wiener Kongress 1815 zwar zu einem Deutschen Bund zusammen, aber der war noch kein Nationalstaat, sondern nur ein Fürsten-Bund. Damals ging das Territorium dieses Deutschen Bundes „Von der Maas bis an die Memel….“ wie Hoffmann von Fallersleben im „Lied der Deutschen“ dichtete.
    Friedrich Wilhelm III. lebte mit Königin Luise, vorwiegend in seinem Schloss in Paretz bei Potsdam.
  • Der Sohn Friedrich Wilhelm IV. verteidigte dann die Monarchie in Preußen gegen die Bestrebungen der Revolutionäre von 1848/49 und aus Angst vor der Auflösung des Königreich Preußens in einem deutschen Reich verhinderte er ein vereinigtes deutsches Kaiserreich unter preußischer Führung in seiner Regierungszeit noch.
    Nach der Revolution 1848 gab es aber für alle Länder des Deutschen Bundes bereits ein Gesamt-Parlament, das in der Frankfurter Paulskirche provisorisch tagte, auch wenn die politischen Hauptentscheidungen noch von den einzelnen Staaten des Deutschen Bundes getroffen wurden.
    Friedrich Wilhelm IV. lebte mit seiner Gattin Königin Elisabeth vorwiegend in seinem Schloss Charlottenhof in Potsdam.
  • Als sein Nachfolger berief dann sein Bruder, Wilhelm I., Bismarck zum Kanzler und stimmte 1866 seinem Vorschlag zu, als preußischer König der erste Präsident des Norddeutschen Bundes zu werden (ab 1867).  Dieser Norddeutsche Bund war ein Zusammenschluss der folgenden Königreiche: Preußen, Sachsen, Hannover, und der Herzogtümer Anhalt, Schleswig, Holstein, Mecklenburg und noch diverser kleinerer Fürstentümer.
    Es war der erste Nationalstaat und die erste konstitutionelle Monarchie auf deutschem Boden, also ein Königreich, in dem der König unter einer parlamentarischen Verfassung steht und ein demokratisches Parlament beim Regieren mitbestimmt.  Die Fahne dieses Staates war schwarz-weiß-rot.
    Nach dem Beitritt der süddeutschen Staaten Bayern, Baden, Württemberg, Hessen und einiger kleinerer Staaten, wurde am Januar 1871 der König zum Kaiser Wilhelm I. des nun als „Deutsches Reich“ bezeichneten Staates gekrönt. Die Verfassung und die Flagge wurden beibehalten.
    Wilhelm der I. lebte mit seiner Gattin, Kaiserin Augusta, vorwiegend in seinem Schloss Babelsberg in Potsdam.
    Im Dreikaiserjahr 1888 starben nacheinander Wilhelm I. und sein Sohn Friedrich der III. Thronfolger wurde als Kaiser Wilhelm II. der Enkel Wilhelm I..
    Er war mit Auguste Victoria verheiratet und lebte lange im Neuen Palais in Potsdam. Das Reich wurde modernisiert und von ihm lang erfolgreich geführt.
    Am 9. November 1918 endete damals das Deutsche Kaiserreich wie viele europäische Großreiche nach dem 1. Weltkrieg, durch den Sturz der parlamentarischen Monarchie und der Errichtung der Weimarer Republik.

Friedrich Wilhelm von Preußen

Kein Volk versinkt, das an sich selber glaubt; auch ich sah Sterne hell aus Nächten steigen. Einst kommt der Tag, da steht der Baum belaubt, und ein freies Volk wohnt unter seinen Zweigen.
friedrich_der_grosse Friedrich II., auch Friedrich der Große oder der Alte Fritz genannt,  24. Januar 1712 in Berlin – 17. August 1786 in Potsdam) war seit 1740 König in Preußen und ab 1772 „König von Preußen“. Als Kurfürst und Markgraf von Brandenburg wird er als Friedrich IV. gezählt.

Durch die Schlesischen Kriege zwischen 1740 und 1763 erlangte er für Preußen die Eroberung Schlesiens gegen Österreich und mit dem für Preußen glücklichen Ausgang des Siebenjährigen Krieges die europaweite Anerkennung als Großmacht.

Friedrich gilt als Repräsentant des aufgeklärten Absolutismus. So bezeichnete er sich selbst als „ersten Diener des Staates“.

Titel Friedrichs des Großen

König von Preußen, Markgraf zu Brandenburg, souveräner und oberster Herzog von Schlesien, souveräner Prinz von Oranien, Neuschatel und Valengin, wie auch der Grafschaft Glatz, in Geldern, zu Magdeburg, Cleve, Jülich, Berg, Stettin, Pommern, der Kaschuben und Wenden, zu Mecklenburg und Crossen, Herzog, Burggraf zu Nürnberg, Fürst zu Halberstadt, Minden, Kammin, Wenden, Schwerin, Ratzeburg, Ostfriesland und Mörs, Graf von Hohenzollern, Ruppin, der Mark, Ravensburg, Hohenstein, Tecklenburg, Schwerin, Lingen, Büren und Leerdam, Herr von Ravenstein, der Lande Rostock, Stargard, Lauenburg, Bütow, Arlay und Breda etc.

Leben

Einführung

Friedrich der Zweite, den sein Volk nach unglaublichen Siegen ehrfurchtsvoll „den Großen“ nannte, war einer der größten Könige der deutschen Geschichte. Seinen Beinamen „der Große“ erhielt er nach dem Zweiten Schlesischen Krieg im Jahre 1745. Nach dem Siebenjährigen Krieg, dem dritten, den er zum Anschluß Schlesiens an Preußen führte, nannte man ihn liebevoll den „Alten Fritz“, obwohl er erst 51 Jahre alt war.

Kindheit und Jugend

Friedrich II. wurde am 24. Januar 1712 in Berlin geboren, als Sohn Friedrich Wilhelms I., des sogenannten „Soldatenkönigs“. Seine Mutter, Sophie Dorothea von Hannover, die einzige Tochter des späteren Königs Georg I. von England (auch des Kurfürsten von Braunschweig-Lüneburg) und dessen Frau Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg-Celle, war der musische Gegensatz zu dem äußerst strengen Vater. Zu ihr fühlte sich das empfindsame Kind und später der junge Friedrich hingezogen. Von ihr fühlte er sich in seiner Liebe zur Musik und Dichtkunst ebenso verstanden wie von seiner älteren Schwester Wilhelmine. Obwohl in die Rolle des Kronprinzen hineingeboren, stieß ihn alles Soldatische aufgrund der oft überharten Erziehungsmaßnahmen seines Vaters zunächst ab.

Für den Gang der Erziehung des jungen Friedrichs entwarf Friedrich Wilhelm I. einen genauen Plan. Liebe zu Soldatenstand, Frömmigkeit des Herzens, Liebe und Furcht zu Gott waren die Hauptgrundzüge; danach kam das wissenschaftliche Gebiet. Als dann aber gewisse Neigungen des jungen Friedrichs gar zu sehr von den Grundsätzen des Vaters abwichen, kam es zu einem Zerwürfnis zwischen Vater und Sohn. Der Prinz zeigte lebhafte Hinneigung zu französischen Büchern. Er liebte es, sein Haar nach der Mode der Franzosen zu frisieren, trug, wenn der Waffendienst ihm Muße ließ, französische Kleider und liebte das Flötenspiel, da ihm eine große musikalische Begabung angeboren war. Sein Vater Friedrich Wilhelm fühlte sich durch und durch als deutscher Fürst und haßte alle französischen Sitten, denn es ging an den Höfen Deutschlands, wo man dem französischen Wesen Tür und Tor geöffnet hatte, schlimm genug zu. Als der Kronprinz Friedrich älter wurde, kam es zu immer stürmischeren Szenen zwischen Vater und Sohn. Der Jähzorn König Friedrich Wilhelms stieg oft so hoch, daß er seinen Prinzen körperlich mißhandelte.

Der aufgebrachte König, der die Folgen seiner Worte niemals erwog, fügte der Mißhandlung noch den Schimpf hinzu, indem er sagte:

Wäre er selbst von seinem Vater so behandelt worden, so hätte er sich totgeschossen, aber Friedrich habe keine Ehre, er lasse sich alles gefallen.

Von jenem Augenblicke an trug sich der Kronprinz ernstlich mit Fluchtgedanken, die er allerdings schon früher gehegt hatte. Der Kronprinz verabredete sich mit einigen seiner Freunde, dem Leutnant von Katte von den königlichen Gendarmen und den Brüdern Keith – der eine war Page, der andere Leutnant in Wesel – zur Flucht.

Auf einer Reise nach Süddeutschland, die der König am 5. August 1730 antrat, und auf welcher der Kronprinz ihn begleiten sollte, wollten die jungen Leute die Flucht durchführen. Im Dorf Steinsfurth, nahe Mannheim, übernachtete die Reisegesellschaft in zwei Scheunen, da Friedrich Wilhelm gerade solche einfachen soldatischen Reisequartiere liebte. Der Prinz gedachte über den Rhein nach Frankreich zu fliehen und dort Zuflucht zu suchen. Indessen hatte der Oberstleutnant von Rochow, des Prinzen militärischer Begleiter, dem Kammerdiener Gummersbach dringend empfohlen, auf seine Königliche Hoheit zu achten. Alsdann erwischte der Kammerdiener den jungen Prinzen bei seinem Fluchtversuch und fragte diesen daraufhin, was er vorhabe. „Ich will aufstehen“, antwortete Friedrich, „was geht es Dich an.“ Durch die Wachsamkeit des Kammerdieners konnte die Flucht des Prinzen vereitelt werden.

Leutnant von Katte wurde daraufhin in Berlin verhaftet, und der König litt unendlich, da er sich von aller Welt verraten sowie von Ränken und Komplotten umsponnen glaubte. Er nahm an, daß England und Frankreich mit dem Prinzen gegen ihn im Bunde seien, und doch war das Ganze schließlich nichts weiter als ein unüberlegter Jugendstreich eines schwer gekränkten jungen Prinzen, der die väterliche Behandlung nicht mehr ertragen zu können glaubte. Bei der Untersuchung gegen den Kronprinzen und seine Helfer kamen die dort gestellten Fragen von König Friedrich Wilhelm höchstpersönlich.

Den Leutnant von Katte verurteilte die Hälfte der Richter zum Tode durch das Schwert, die andere Hälfte zu lebenslänglichem Gefängnis. Das mildere Urteil galt. Es wurde dem König eingereicht. Aber Friedrich Wilhelm sandte zornig die Akten zurück und befahl das andere Urteil über Katte. Er hielt das Verbrechen von Kattes für ein Majestätsverbrechen und verurteilte ihn aus königlichem Recht zum Tode durch das Schwert. „Wenn das Kriegsgericht“, so schrieb der König, „dem Katte das Urteil mitteilt, so soll ihm gesagt werden, daß es Seiner Königlichen Majestät leid um ihn täte, aber es wäre besser, daß er stürbe, als daß die Gerechtigkeit aus der Welt käme.“

In der Frühe des 6. November erst erhielt Kronprinz Friedrich in seinem Gefängnis von zwei Offizieren die Nachricht, daß die Hinrichtung Kattes beschlossen sei und daß sie auf Befehl des Königs vor den Fenstern des Kronprinzen stattfinden sollte. „Was bringen Sie mir für eine böse Zeitung“, schrie Friedrich in tiefster Seele getroffen auf, „Herr Jesus, bringen Sie mich doch lieber ums Leben!“ Als der dumpfe Trommelklang anzeigte, daß von Katte zum Tode schritt, trat Friedrich ans Fenster. Schon stand der geliebte Freund im Kreis der Soldaten. Bis zur letzten Minute hoffte man auf einen königlichen Gnadenerlaß. Er traf nicht ein. Das Haupt von Kattes fiel.

Nach diesem Ereignis mußte der Kronprinz Fritz einige Monate in Küstrin bleiben und dort arbeiten. Hier war es, wo Kronprinz Friedrich zum ersten Mal den warmen Schlag des Vaterherzens empfand, wo er spürte, daß neben harter Strenge doch auch Sorge und Liebe für ihn in diesem Herzen wohne. „Ich hatte bisher wahrlich nie geglaubt“, sagte Friedrich, „daß mein Vater die geringste Regung von Liebe für mich hätte.“ Diese Wandlung in ihrem Verhältnis zueinander lag daran, daß der Vater nun regelmäßig kam und sich nach Fritz und dessen Tun erkundigte.

Diese Küstriner Zeit war für den weiteren Lebensweg König Friedrichs von großer Bedeutung. Sein heller Geist gewann tiefe Einblicke in die Verwaltung des Staates, und er lernte in Küstrin zum ersten Mal die Tüchtigkeit und den Erfolg der unermüdlichen Arbeit seines Vaters zu erkennen. Endlich, Ende November, führte der König der Mutter und der Schwester den Sohn wieder zu.

Regierungsantritt

Jetzt begriff Friedrich den eisernen Willen seines Vaters und beugte sich ihm, auch als ihm Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern zur Frau verordnet wurde. Auch wenn ihm die Frau aufgezwungen wurde, begannen mit dieser Ehe die vier glücklichsten Jahre in Friedrichs Leben. Sie zogen 1736 auf das Schloß Rheinsberg in der Mark Brandenburg, wo er auch begann, dem französischen Philosophen Voltaire zu schreiben, den er dann später auch an seinen Hof einlud. Der König schenkte dem Kronprinzen den Hof im Schloß zu Rheinsberg, einen stattlichen Besitz. Hier durfte sich Friedrich das Leben so einrichten, wie es ihm gefiel. Er sammelte eine Anzahl geistreicher, gelehrter, philosophisch veranlagter Freunde um sich.

Hier verlebte er, umgeben vom Freundeskreis um Charles Jordan (französischer Sekretär) und Dietrich von Keyserlingk (Stallmeister, kulturelles Universaltalent), zu dem weiterhin De la Motte Fouqué und Suhm zählten, seine glücklichen Jahre bis zu seinem Regierungsantritt. Friedrich sprach fließend Französisch, sein Deutsch dagegen war mangelhaft und eher mit dem eines Kutschers vergleichbar. 1739 erschien seine Schrift „Antimachiavell“.

Im Frühjahr des Jahres 1740 verschlimmerte sich die Krankheit des Königs und man konnte ständig seinen Tod erwarten. Der König hatte sich, um doch mehr Natur um sich zu haben, in das Stadtschloß von Potsdam begeben, wo er den letzten Mai seines Lebens verbrachte. Am 30. Mai wurde Kronprinz Friedrich zu seinem sterbenden Vater gerufen. Er fand den König in einem Rollstuhl im Sonnenschein auf dem Schloßhof sitzend und die Bauarbeiten an seinem Potsdamer Marstall beobachtend. Als der Prinz kam, schloß ihn der König in die Arme, während ringsum eine große Menge von Zuschauern tief erschüttert teilnahm. Stundenlang sprach Friedrich Wilhelm mit seinem Sohn und seinem ersten Minister von Podewils über die Lage der Politik und im Staat. Innerlich tief beruhigt, legte der Scheidende das Regiment in die Hände seines Sohnes.

Was er im Jahre 1740 vorfand, als er nach dem Tod seines Vaters König von Preußen wurde, waren zusammenhanglose Länder: Ostpreußen, Brandenburg und Besitzungen am Rhein. Der junge Mann hatte längst begriffen, daß mit diesem Preußen kein Staat zu machen war. Das wollte er ändern. Die Gelegenheit dazu fand sich, als in Wien plötzlich der deutsche Kaiser starb und dessen junge Tochter Maria Theresia Regentin der habsburgischen Erblande wurde. Friedrich nutzte diese Gelegenheit aus und eroberte im Dezember des Jahres 1740 zum ersten mal mit seinem Heer Schlesien, das bis dahin deutsch-österreichisch war, und besetzte Breslau. Dies war kein ruhmreicher Feldzug. Ein zweiter und dritter folgten. Erst danach konnte sich Friedrich vollauf seinem ausgebluteten Land widmen. „Ich bin“, wie er sich ausdrückte, „der erste Diener meines Staates.“ So hat er sein königliches Amt aufgefaßt und danach gehandelt.

Schon im ersten Monat der Regierung zeigte der König, wie hoch sein freier Geist über den Dingen stand. Mit einem Federstrich schaffte er die bis dahin im Gerichtswesen noch gebräuchliche Folter ab. Und dann kamen jene Verfügungen in Sachen der Religionen, welche noch heute über die Jahrhunderte hinwegleuchten: „Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, welche sie ausüben, ehrliche Leute sind.“ – Und das andere Wort, welches dieses erste gleichsam ergänzt: „Die Religionen müssen alle toleriert (geduldet) werden, und es muß der Staat ein Auge darauf haben, daß keine der anderen Abbruch tue, denn hier muß jeder nach seiner Fasson selig werden können.“ Ihm waren alle religiösen Bekenntnisse gleich geachtet, nur verlangte er von den Bekennern jeder Religion, daß diese ihre Pflichten als Staatsbürger gewissenhaft erfüllten.

König von Preußen

Friedrich begann im Sommer um 4 Uhr, im Winter um 5 Uhr zu arbeiten, und dies wurde durch die 46 Jahre seiner Regierung andauernd auch so beibehalten.

Wohl förderte Friedrich während seiner gesamten Regierungszeit Wissenschaft und Kunst, wohnte doch in ihm ein künstlerischer Geist ersten Ranges; aber die Staatsgeschäfte gingen unter allen Umständen vor.

Im Jahre 1740 wurde Maria Theresia nach dem Tod ihres Vaters Kaiser Karl VI. Erzherzogin von Österreich. Friedrich forderte von Österreich sogleich unter Hinweis auf bestehende preußische Teilansprüche die Abtretung Schlesiens an Preußen. Als Gegenleistung war er bereit, die Pragmatische Sanktion anzuerkennen, auf deren Grundlage Maria Theresia die österreichischen Lande geerbt hatte. Nachdem Österreich abgelehnt hatte, marschierte Friedrich in Schlesien ein und löste damit den Österreichischen Erbfolgekrieg aus. Nach den preußischen Siegen 1741 bei Mollwitz und 1742 bei Chotusitz mußte Maria Theresia im Frieden von Breslau Schlesien an Preußen abtreten. 1744 erwarb Friedrich Ostfriesland, nachdem dessen Herrscher ohne Erben verstorben war. 1744 löste Friedrich den Zweiten Schlesischen Krieg aus, den er ebenfalls für sich entscheiden konnte und mit dem er Schlesien für Preußen sicherte.

Mit diesen beiden Kriegen hatte sich Friedrich als fähiger Feldherr erwiesen, dem es gelungen war, die Macht Preußens im Reich, insbesondere gegenüber Österreich, auszubauen. Da er überzeugt war, daß der österreichisch-preußische Dualismus in einem Krieg eskalieren würde, verfolgte er argwöhnisch die österreichische Aufrüstung und Bündnispolitik und löste als Präventivschlag gegen Österreich mit seinem Einmarsch in Kursachsen den Siebenjährigen Krieg (1756–1763) aus. Friedrich und seinem Heer standen die Armeen der Verbündeten Österreich, Rußland, Schweden, Sachsen und Frankreich gegenüber. Unterstützung erhielt er lediglich in Form von Subsidien durch Großbritannien, das selbst mit Frankreich im Krieg lag. Nach wechselvollem Kriegsverlauf, in dem Friedrich aufs neue seine Fähigkeiten als Feldherr unter Beweis stellte, der ihn jedoch auch an den Rand der Kapitulation brachte, konnte sich Preußen schließlich gegen die Übermacht behaupten.

Der Tag von Kunersdorf (2. August 1759) brachte die schwerste Niederlage des Königs im siebenjährigen Krieg. Friedrich griff die durch ein österreichisches Heer von 20.000 Mann unter dem tüchtigen General Laudon verstärkten Russen an. Der Anfang der Schlacht war glänzend. Schon sandte der König Kuriere mit der Siegesnachricht nach Berlin, aber das Ende des Tages war fürchterlich. Als man den König beschwor, sich nicht so sehr den Kugeln auszusetzen, sagte er kurz: „Wir müssen hier alles versuchen, um die Bataille zu gewinnen, und ich muß hier wie jeder Andere meine Schuldigkeit tun.“ Man sah Friedrich in der Nacht in einer Bauernhütte auf einem Bund Stroh tief schlafend, vor der Tür eine Schildwache. Als Wunder erschien es ihm, daß die Russen trotz ihres Sieges nichts unternahmen; aber deren Feldherr, der Fürst Ssaltykow, tat einen merkwürdigen Ausspruch. „Noch eine solche Schlacht“, klagte er, „und ich könnte mit einem Stocke in der Hand nach St. Petersburg wandern“.

Der Friede von Hubertusburg von 1763 sicherte Preußen den territorialen Status quo der Vorkriegszeit, ohne daß eine Entscheidung hinsichtlich der Rivalität zwischen Preußen und Österreich um die Vorherrschaft im Reich getroffen wurde; doch Preußen war nach diesem Krieg endgültig nicht mehr aus dem Konzert der Großmächte in Europa wegzudenken. 1764 verbündete sich Friedrich mit Katharina II. von Rußland. Bei der ersten polnischen Teilung 1772 erhielt Friedrich das Ermland und Westpreußen ohne Danzig und Thorn, womit endlich wieder eine Landverbindung zwischen der Mark Brandenburg und Ostpreußen geschaffen war. Im Frieden von Teschen (1779) am Ende des Bayerischen Erbfolgekrieges – einer kurzen Auseinandersetzung mit Österreich gegen die Wittelsbacher Expansionspläne in Süddeutschland – wurden Preußen die Gebiete Ansbach und Bayreuth zugesprochen, Österreich behielt einen Teil des Innviertels. 1785 rief Friedrich gegen die österreichische Vorherrschaft im Reich den Deutschen Fürstenbund ins Leben.

Seine letzten Jahre

In seiner Außenpolitik verlor er niemals die Großmacht Preußen aus den Augen. Im Dienst des Staates holte sich König Friedrich Gicht. Aber der Schwäche nicht achtend, reiste der König im August 1785 zu den Truppenübungen nach Schlesien und saß während des Haupttages der Revue (24. August) sechs Stunden lang, nur bekleidet mit dem schlichten blauen Uniformrock, zu Pferde, während es wie aus Eimern goß. Bis auf die Haut durchnäßt, kehrte er in das Quartier zurück. Wenige Wochen später erlitt er in Potsdam einen „Stickfluß“, einen Schlaganfall, der sich nur langsam besserte. Und immer mehr traten die Erscheinungen der Wassersucht während des Winters zutage. Sobald der Frühling nahte, hielt Friedrich es im Potsdamer Stadtschloß nicht mehr aus. Er ließ sich am 17. April nach einer langen Spazierfahrt durch die Dörfer nach seinem Schloß Sanssouci fahren. Er durchwachte die Nächte in seinem Lehnstuhl, weil die Luft nicht durchwollte, und dann, um 4 Uhr früh, empfing er seine Sekretäre. „Meine Herren, mein Zustand zwingt mich, Ihnen diese Mühe zu machen, die für Sie nicht lange dauern wird. Mein Leben ist auf der Neige, die Zeit, die ich noch habe, muß ich benutzen, sie gehört nicht mir, sondern dem Staat.“ Noch einmal mochte der König zu Pferde steigen. Am 4. Juli ließ er den Schimmel Condé vor sich bringen, sein altes, liebes Tier, und saß im Sattel und ritt dreiviertel Stunden durch den Garten von Schloß Sanssouci.

In der Nacht zum 17. August 1786 hörte der König die Glocke elf schlagen: „Was ist die Glocke? Um vier Uhr will ich aufstehen.“ Sein Auge fiel auf ein fröstelndes Windspiel, und er befahl, man möge das Tier mit einem Kissen zudecken. Von seinem Kammerhusaren Strützky gestützt atmete Friedrich unablässig schwer und schwerer und sein Leben keuchte dem Tode entgegen. Nach einem heftigen Hustenanfall, der etwas Schleim lösen konnte, meinte er „Wir sind über den Berg, jetzt wird’s besser gehen!“ Der Zeiger der Uhr zeigte zwanzig Minuten nach zwei in der Frühe des 17. August, als er den letzten Atemzug tat.

„In der Nacht vom 4. zum 5. November des Jahres 1805, um 1 Uhr, betraten der Kaiser Alexander I. von Rußland, Friedrich Wilhelm III. und die Königin Louise die mit Wachskerzen erleuchtete Kirche. Am Grabe Friedrichs II. küßte Alexander, von seinen Empfindungen überwältigt, den Sarg des ruhmreichen Toten, und der Königin die Hand zum Unterpfand unverbrüchlicher Freundschaft, während er die rechte Hand des Königs zum Zeichen unwandelbarer Treue ergriff.“

Die Gruft Friedrichs des Großen aus „Die Gartenlaube“ 1863:

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Gedanken und Bemerkungen

  • Dr. Karlheinz Weißmann zeigte in einem grandiosen Beitrag auf dem 20. Berliner Kolleg des Instituts für Staatspolitik die geniale Größe und historische Bedeutung Friedrichs des Großen in seinem Beitrag „Größe ist, was wir nicht sind – Friedrich als großes Individuum“. Ausgehend von Thomas Manns Friedrich-Essay „Friedrich und die große Koalition“, in der Größe und Genialität so treffend charakterisiert werden, zeigte Weißmann mit den Worten von Thomas Carlyle: „Da ist ein Zug, […], nämlich, daß er (Friedrich Anm. d. Verf.) er in seiner Art eine Tatsache ist, daß er stets meint, was er spricht; auch seine Handlungen auf das, was er als die Wahrheit erkennt, begründet und mit einem Wort gar nichts vom Lügner, oder Scheinmenschen an sich hat.“ Diese innere Wahrhaftigkeit, die „Ehrlichkeit den Tatsachen gegenüber“ sind es, die Friedrichs Größe begründet.
  • Der wichtigste politische Grundsatz, den uns Friedrich der Große hinterläßt, stellt sich im Wesen des Verhältnisses von Macht und Recht dar. Nicht, wie liberale und linke Geschichtsfälscher behaupten, daß Friedrich dem Recht das Primat gibt, ist der Fall, sondern das Gegenteil. Von Anfang an ist die Grundmaxime politischen Handelns, daß einzig und allein aus Macht das Recht erwächst. Macht schafft Recht. In dem Willen zur Macht liegt die gewaltige Kraft zur Schaffung neuer gegebener Tatsachen. Die Bedeutung der Machtfrage demonstrierte uns Friedrich durch eigene Taten, schuf Tatsachen, und das ist gerade in den heutigen Tagen, der bestehenden Dekadenz und parlamentarischen Schand-Demokratie, ein beispielgebendes Muster politischen Handelns: die rücksichtslose und fanatische Entschlossenheit zur Schaffung von Tatsachen und das bis zu den absoluten Grenzen des Möglichen zu gehen. Friedrich hat nicht nur philosophiert, sondern gehandelt durch politische und kriegerische Gewalt und somit ein neues Machtgleichgewicht in Europa geschaffen.
  • Hegel bezeichnete Friedrich den Großen als einen König, „… der nicht nur Preußen unter die großen Staatsmächte Europas als protestantische Macht“ eingeführt habe, sondern er sei auch ein philosophischer König gewesen. Hegel schrieb in seiner Vorlesung über die Philosophie der Geschichte: „Friedrich II. kann als der Regent genannt werden, mit welchem die neue Epoche in die Wirklichkeit tritt, worin das wirkliche Staatsinteresse seine Allgemeinheit und seine höchste Berechtigung erhält. Friedrich II. muß besonders deshalb hervorgehoben werden, daß er den allgemeinen Zweck des Staates denkend gefaßt hat, der das Allgemeine im Staate festhielt und das Besondere, wenn die Staatszwecke entgegen war, nicht weiter gelten ließ. Sein unsterbliches Werk […], das Allgemeine preußische Landrecht. Wie ein Hausvater für das Wohl seines Haushalts und der ihm Untergebenen mit Energie sorgt und regiert, davon hat er ein einziges Beispiel aufgestellt.“
  • Norbert Leitholds wichtiges Friedrich-Buch bringt neue Aspekte ans Licht. Besonders interessant ist die Bezugnahme Leitholds zum Kriegsbeginn 1740. Zu diesem Zeitpunkt hatten auch andere europäische Staaten das Ziel, nach Kaiser Karls Tod die Gunst der Stunde zu nutzen und Österreich den Krieg zu erklären. Friedrich wußte das und kam den anderen klug zuvor: „Friedrich handelte nicht moralisch, sondern nach dem Kalkül des Machterhalts und der Machterweiterung.“ Er handelte also wie jeder andere Fürst auch. Ebenso stellt Leithold deutlich klar und weist quellensicher nach, „… daß man bis heute der habsburgischen Propaganda aufsäße, wenn man Friedrich für die polnische Teilung verantwortlich mache.“ Es handle sich um eine rein ideologische Wertung, die den Alliierten in Jalta sehr gelegen gekommen sei und bis heute aus geschichtspolitischen Gründen aufrechterhalten werde.
  • Theodor Schieder zeigte, daß bei Friedrich an die Stelle des Ruhmes Begriffe wie Pflicht, Ehre und Wohl des Staates und des Volkes traten. Der Standesethos verschmolz mit dem Staatswohl und „tat damit einen für die Geschichte des politischen Denkens wichtigen Schritt.“

    Zitate

    • „Wenige Menschen denken, und doch wollen alle entscheiden.“
    • „Eine Regierung muß sparsam sein, weil das Geld, das sie erhält, aus dem Blut und Schweiß ihres Volkes stammt. Es ist gerecht, daß jeder einzelne dazu beiträgt, die Ausgaben des Staates tragen zu helfen. Aber es ist nicht gerecht, daß er die Hälfte seines jährlichen Einkommens mit dem Staate teilen muß.“
    • „Ich habe den Rubikon überschritten mit fliegenden Fahnen und Trommelschlag. Meine Truppen sind vom besten Willen beseelt, die Offiziere voller Ehrgeiz, und unsere Generale hungern nach Ruhm; alles wird nach Wunsch gehen, und ich habe Anlaß, mir alles erdenkliche Gute von diesem Unternehmen zu versprechen.“ (1740)
    • „In der Trübsal bewährt sich die Treue, und die Treue ist das Mark der Ehre.“

    Werke (Auswahl)

    • Anti Machiavell, Frankfurt 1745
    • De la littérature, Frankfurt 1746
    • Mein lieber Marquis — Briefwechsel, Zürich 1985
    • Politische Correspondenz, 46 Bände, Frankfurt 1879-1939 / Bd. 47 in 2003
    • Versuch über Regierungsformen und Herrscherpflichten, Werke: Bd. 7, Frankfurt 1905
    • Die Kunst des Krieges: Gedicht in 6 Gesängen, 1851

Verweise

Preußen

Preußen (lat. Borussia, Prussia oder Prutenia) war ein von 1525 bis 1945/47 bestehender deutscher Staat bzw. Freistaat Preußen im nördlichen Mitteleuropa.
Das Herzogtum Preußen, das aus dem Gebiet der Pruzzen und dem Land des Deutschritterordens hervorgegangen war, wurde 1618 mit dem Kurfürstentum Brandenburg zu Brandenburg-Preußen vereint. Im Wehlauer Vertrag von 1657 erkannte Polen die Souveränität des Kurfürsten Friedrich Wilhelm in Preußen an, was im Frieden von Oliva von 1660 von den europäischen Mächten garantiert wurde. Am 18. Oktober 1663 huldigten die preußischen Stände dem Souverän auf dem Schloßhof zu Königsberg. Infolge der Krönung des Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg am 18. Januar 1701 im Audienzsaal des Königsberger Schlosses wurde dieser zu Friedrich Wilhelm I., König in Preußen, wodurch Brandenburg-Preußen zum Königreich Preußen erhoben wurde. Das preußische Königreich stieg im 18. Jahrhundert zur Europäischen Großmacht auf und vereinigte unter seiner Führung die meisten deutschen Länder – mit Ausnahme Österreichs, Liechtensteins, der Niederlande, Luxemburgs und der Schweiz – zum Deutschen Kaiserreich.

Von den Anfängen bis zum Ende des Dreißigährigen Krieges

Ausdehnung Preußens (hellblau) im Kaiserreich

Die Wurzel des späteren Königreiches Preußen liegen in der Kaiserlichen Mark Brandenburg am östlichen Rand des Heiligen Römischen Reiches zwischen Oder und Elbe. 1134 erhielt Albrecht der Bär (aus dem Haus der Askanier) von Kaiser Lothar II., der sich dann ab 1157 „Markgraf von Brandenburg“ nannte, dieses Gebiet als Lehen. Die Askanier dehnten dieses Gebiet kontinuierlich aus (z. B. Uckermark im Norden oder die Niederlausitz im Süden).

Nachdem mit dem Tod von Woldemar dem Großen und seinem Vetter Heinrich das Haus der Askanier erlosch, ging das Gebiet zurück an das Reich. Der Wittelsbacher Kaiser Ludwig der Bayer gab die Mark seinem Sohn als Lehen. 1348 kam es nach dem Tod des Kaisers zu kriegerischen Konflikten um die Mark, als ein falscher Woldemar sich als der verstorbene Markgraf ausgab.

Der falsche Woldemar hatte den neuen Luxemburger Kaiser Karl IV., der ein erklärter Feind der Wittelsbacher war, an seiner Seite. Er scheiterte jedoch am Widerstand des Adels. Ein paar Jahre später regelte Kaiser Karl IV. die Wahl des Deutschen Königs neu. Zu den sieben wahlberechtigten Kurfürstentümern, die in der Goldenen Bulle festgelegt wurden, zählte nun auch Brandenburg. 1373 kam die Mark dann doch noch zu den Luxemburgern, die schon im benachbarten Böhmen herrschten. Die geplante Vereinigung der beiden Territorien gelang nicht, und so verloren die Luxemburger schnell wieder das Interesse.

Das dabei enstehende Machtvakuum wurde durch das Machtstreben des lokalen Adels gefüllt, dessen Auseinandersetzungen das Land am Anfang des 15. Jahrhunderts an den Rand des Ruins brachten. Mit den inneren Krisen kam auch der äußere Verfall des Landes: Pommern, die Nieder- und Oberlausitz gingen verloren, die Neumark wurde 1402 an den Deutschen Orden verkauft.

Nach dem Tod des Luxemburger Markgrafen Jobst von Mähren 1411 ernannte der deutsche König und baldige Kaiser Sigismund Friedrich I. von Hohenzollern (den Burggrafen von Nürnberg) zum Verwalter der Mark.

Schon im darauffolgenden Jahr ging dieser entschlossen gegen den lokalen Adel vor und unterwarf ihn in den folgenden zwei Jahren.

Außenpolitisch hatte er jedoch kein Glück. Friedrich I. verließ das Land enttäuscht im Jahre 1426 und ließ seinen Bruder bis 1437 regieren. Dann übernahm sein Sohn Friedrich II. „Der Eiserne“ das Land.

Dieser hatte mehr Glück: Er gliederte die märkischen Städte in sein Territorium ein und erlangte die Neumark und Teile der Lausitz zurück. Ein Konkordat mit dem Papst verschaffte ihm das Recht, seine Bischöfe selbst zu nominieren.

Friedrichs Bruder Albrecht Achilles (1470–1486) setzte diese Politik erfolgreich fort: Um nach seinen Tod die Teilung der Mark zu verhindern, verfügte er, daß sein ältester Sohn die Mark ungeteilt erben sollte. Die beiden jüngeren Söhne bekamen dafür die fränkischen Fürstentümer.

Im 16. Jahrhundert gelang es den Hohenzollern, ihre Macht weiter zu festigen, was auch eine kurze Zeit der Teilung (1535–1571) nicht verhindern konnte. Einzige Gegenspieler der Fürsten waren die Landesstände, in denen Adel, Geistlichkeit und die Städte ihre Interessen vertraten. Im Laufe des Jahrhunderts zerbrach jedoch diese Koalition wieder: Während der Adel durch die Agrarkonjunktur und die Steuerpolitik der Hohenzollern gefördert wurde, erlebten die Städte einen wirtschaftlichen Niedergang. Eine Entmachtung der Geistlichkeit erfolgte 1539 mit großer Unterstützung der Reformation. Der Kurfürst Joachim II. Hektor (1535–1571) wurde zum Oberhaupt der Landeskirche.

Am Beginn des 17. Jahrhunderts kamen eine Reihe von Gebietserweiterungen: Nach dem Tod des letzten Herzogs von Jülich erbte der Kurfürst Johann Sigismund (1608–1619) das Herzogtum Kleve sowie die Grafschaften Mark, Ravenstein und Ravensberg. Damit kam Brandenburg zum ersten Male in den Besitz von Gebieten im Westen des Reiches.

Der Konflikt um dieses Erbe war für Johann Sigismund einer der Gründe, zum Calvinismus zu konvertieren. Johann Sigismund wußte, daß er sich damit im Widerspruch zu der in Brandenburg lebenden lutherischen Bevölkerung befand, deshalb verzichtete er auf den im Augsburger Religionsfrieden festgelegten Grundsatz, daß jeder Untertan den Glauben seines Landesherren annehmen mußte.

Von viel größerer Bedeutung als die neuen Gebiete im Westen war die Einsetzung von Johann Sigismund als Herzog von Preußen im Jahre 1618. Im selben Jahr brach der Dreißigjährige Krieg aus. Der neue Kurfürst Georg Wilhelm blieb jedoch jahrelang der Politik fern und hielt sich auf der Burg Königsberg auf. Brandenburg, das sich betont neutral verhalten wollte, wurde zum Spielball der großen Mächte.

Widerwillig schloß sich Georg Wilhelm 1631 dem Schwedenkönig Gustav II. Adolf an, um zwei Jahre später zum Kaiser zu wechseln. Brandenburg wurde von Schweden besetzt, und am Ende des Krieges zählte Brandenburg einen Bevölkerungsverlust von mehr als 50 Prozent. 1640 trat Friedrich Wilhelm (der Große Kurfürst) die Nachfolge Georg Wilhelms an und zog Lehren aus den vergangenen Jahren.

Preußen unter dem Großen Kurfürsten

Krönung Friedrich I. in der Schloßkirche zu Königsberg. Blick Süden, unterm Baldachin Königin Charlotte

Während der Regierungszeit Friedrich Wilhelms kamen die ersten eigenständigen Erfolge der brandenburgischen Außenpolitik, die als Basis für den Aufstieg Preußens gilt.

Als Friedrich Wilhelm die Regierung übernahm, fand er ein Land vor, das arm an Bevölkerung und an Ressourcen war und gerade 20 Jahre Krieg hinter sich hatte. Zudem war während des Krieges ein großer Teil des Landes von Schweden besetzt (unter anderem der Paß von Fehrbellin sowie fast die gesamte Oderlinie inklusive Frankfurt [Oder]). Friedrich konnte einen Frieden mit Schweden erreichen, jedoch nicht den Abzug der schwedischen Truppen. Erst lange Verhandlungen in Münster und Osnabrück, die zum Westfälischen Frieden führten, brachten spürbare Erleichterungen. Die schwedischen Truppen zogen ab, der Kurfürst bekam Hinterpommern, Minden, Halberstadt und Magdeburg zurück.

Nach dem Friedensschluß widmete sich Friedrich Wilhelm nun dem Aufbau seines zerstörten Landes. Er schaffte es, das Steuerbewilligungsgesetz der Stände abzuschaffen und schuf das Berufsbeamtentum. 1667 wurde in Brandenburg die Verbrauchsteuer eingeführt, die alle Bürger gleich belastete. Sie galt zwar zunächst nur für Städte und nur auf Probezeit, aber sie bewährte sich so gut, daß sie schließlich eine Dauereinrichtung wurde.

Auch begann der Große Kurfürst mit dem Aufbau eines Stehenden Heeres, das zwar anfangs recht bescheiden war, aber trotzdem eine Basis für die weitere Entwicklung in Preußen darstellte.

Auch außenpolitisch verbuchte Friedrich Wilhelm einige Erfolge. Während des Krieges zwischen Schweden und Polen konnte Preußen die volle Souveränität von Polens Krone erreichen. Der Höhepunkt war jedoch der Sieg der Schlacht bei Fehrbellin. Gleichzeitig war der Verlust von Pommern, welches Preußen wiedererobert hatte, aber im Frieden von St. Germain 1679 an Schweden abgetreten werden mußte, die größte Niederlage des Großen Kurfürsten. 1685 nahm der Große Kurfürst die in Frankreich verfolgten Hugenotten in Preußen auf, die viele Kenntnisse in verschiedenen Gewerben und vor allem Arbeitskraft mitbrachten.

Im Jahre 1682 wurde die erste preußische Kolonie in Afrika, Groß-Friedrichsburg, gegründet.

Der Große Kurfürst verstarb am 9. Mai 1688 in Potsdam, er hinterließ ein nunmehr geordnetes Land für seinen Nachfolger Friedrich III.

Preußen unter König Friedrich I.

Kurfürst und Markgraf Friedrich III. erhielt 1701 die Königskrone Preußens als Dank für die Unterstützung Habsburgs im Spanischen Erbfolgekrieg.

Während des Großen Nordischen Krieges zeigte sich, daß Preußen noch nicht mit den großen Mächten mithalten konnte: Preußen konnte nicht eingreifen, weil die Truppen im Westen gegen Frankreich standen. Also erklärte Preußen sich für neutral, was die beiden kämpfenden Mächte auch zur Kenntnis nahmen. Nach der Niederlage Schwedens in der Schlacht bei Poltawa zogen schwedische Truppen ohne Rücksicht durch das preußische Staatsterritorium. Dadurch wurden Seuchen eingeschleppt, Dörfer geplündert, und als die Russen nachrückten, kam es sogar zu Kampfhandlungen. Gerade die Provinz Ostpreußen wurde ruiniert.

Anfang 1713 kam ein neuer preußischer König: Friedrich Wilhelm I., der „Soldatenkönig“.

Preußen unter dem „Soldatenkönig“

Die Eidesleistung von Wilhelm I. bei der Krönung in der Schloßkirche zu Königsberg. Blick Nord, unterm Baldachin Königin Augusta; gemalt von Adolf von Menzel

Direkt nach seinem Regierungsantritt begannen radikale Reformen und Neuorientierungen in Preußen:

  • Die luxuriöse Hofhaltung wurde abgeschafft, korrupte Beamte entlassen und die Verwaltung neu organisiert.
  • Das „Ewige Plus machen“, das die Ausgaben an den Steuereinkünften orientierte, war eine völlige Neuheit für die Fürstenhöfe in Europa.
  • Wissenschaften wurden auf rein praktisch umsetzbare Erkenntnisse beschränkt, und das Heer wurde stark ausgebaut (waren es 1713 noch 47.000 Soldaten, so 1740 bereits 83.000 Soldaten).

Die Tatsache, daß das neue Heer ausschließlich von preußischen Geldern finanziert wurde, zeigt den enormen Erfolg der Sparsamkeitspolitik des Soldatenkönigs. 1740 starb der Soldatenkönig und hinterließ seinem Sohn Friedrich II. eine starke Armee und einen reichen Staatsschatz.

Preußen unter Friedrich dem Großen

Kurz nach der Krönung von Friedrich dem Großen am 31. Mai 1740 fiel er am 16. Dezember 1740 in das deutsch-österreichische Schlesien ein und eröffnete so den Ersten Schlesischen Krieg. Dieser Tag wurde der alles entscheidende Einschnitt im Leben Friedrichs und von Preußen.

1742 fiel Schlesien an Preußen. In den Jahren 1742/43 wurde Österreich wieder stärker, und Friedrich fürchtete, daß Maria Theresia Schlesien zurückfordern würde. Also verbündete er sich mit Bayern, Frankreich und Spanien, denen sich in der Zwischenzeit auch Sachsen, Schweden, das Königreich Neapel, die Kurpfalz und Köln angeschlossen hatten. Rußland konnte er jedoch nicht für seine Ziele gewinnen, was sich später als beinahe verhängnisvoll herausstellen sollte.

Nachdem er sich derart abgesichert hatte, kam es im deutsch-österreichischen Böhmen zum neuerlichen Krieg, der 1744 den Zweiten Schlesischen Krieg eröffnete. Auch diesen Krieg konnte Friedrich für sich entscheiden, und beim Friedensschluß von Dresden 1745 verblieb Schlesien weiter bei Preußen.

Doch Maria Theresia wollte das nicht hinnehmen, und ihr Kanzler Kaunitz schaffte es, für Österreich eine Allianz mit Frankreich und Rußland zu schließen. Dadurch hatte Preußen nun die drei stärksten Landmächte der Welt gegen sich. Daraufhin verbündete sich Preußen mit Großbritannien.

Am 29. August 1756 begann dann der Siebenjährige Krieg mit dem Präventivschlag Friedrichs gegen Sachsen. Der Krieg lief anfangs gut für Preußen, doch schon bald zeigte sich, daß Preußen viel weniger Soldaten als die Gegner mobilisieren konnte. 1759 war Preußen schließlich zu keiner offensiven Tat mehr in der Lage (England schickte keine Truppen) und mußte zudem immer wieder Angriffe der Russen auf preußisches Kernland abwehren. Entgegen allen Erwartungen konnten sich die Preußen halten und ihr Land erfolgreich verteidigen.

1761 starb die russische Kaiserin Elisabeth, und ihr Neffe Peer III., ein Bewunderer Friedrichs, kam an die Macht. Am 5. Mai schloß Peter III. in St. Petersburg einen Friedens- und Bündnisvertrag mit Preußen (Frieden von St. Petersburg), dem sich auch Schweden anschloß. Nach der Ermordung Peters III. löste Katharina die Große das Bündnis auf, blieb aber beim Frieden. Am 15. Februar 1763 wurde im „Frieden von Hubertusburg“ zwischen Preußen und seinen Gegnern Frieden geschlossen. Der Status quo ante wurde wiederhergestellt. Preußen war nun endgültig zur europäischen Großmacht aufgestiegen, und Friedrich bekam den Beinamen „Der Große“.

Joch – Befreiung – Blüte

Mit der Französischen Revolution begann ein neues Zeitalter, die alte Ordnung war zerstört, und die Kräfte der Gegenrevolution beschleunigten die Revolution weit über Frankreichs Grenzen hinaus. Die Mobilisierung der Bevölkerung für den Krieg störte das alte System: Aus Kabinettskriegen wurden Volkskriege. Napoleon schaffte es in mehreren Kriegen, den größten Teil Europas zu unterwerfen.

Die bittere Niederlage Preußens bei der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt führte zur Besetzung Preußens und zum Verlust vieler Gebiete. 1810 war Napoleon auf dem Gipfel der Macht, doch die Arroganz seiner Statthalter zerstörte bald alle Sympathien für die oberflächlichen Ideale der Französischen Revolution. 1812 schließlich kam mit Napoleons Niederlage in Rußland das Signal zum offenen Kampf. Und während der preußische König Friedrich Wilhelm III. noch zögerte, wurden alle Vorbereitungen für den bevorstehenden Kampf getroffen.

Im März 1813 erklärte Preußen Frankreich den Krieg. Mit dem Sieg in der Völkerschlacht bei Leipzig vom Oktober 1813 wurde Napoleons Herrschaft in Deutschland gebrochen. Im März 1815 schließlich wurde Paris von den Verbündeten erstmalig besetzt. Auf dem Wiener Kongreß wurde Europa neu aufgeteilt. Nur Napoleons 100 Tage dauernde Wiederkehr unterbrach die Verhandlungen für kurze Zeit, die mit dem Zweiten Frieden von Paris endeten. Preußen erhielt zum Ausgleich für seine verlorenen Ostprovinzen die Rheinprovinzen, Westfalen und Pommern.

1823 kamen zum ersten Mal die Provinziallandtage zusammen. Die Befreiungskriege hatten durch die Rückbesinnung auf nationale Werte die Deutsche Nationalstaatsbewegung gefördert. Viele träumten nun von einem Deutschen Reich. 1819 wurde durch die Ermordung des Dichters August von Kotzebue in Preußen die Presse- und die Meinungsfreiheit aufgehoben. Es kam zur sogenannten Demagogenverfolgung.

1832 wurden auf dem Hambacher Fest Forderungen nach einem gesamtdeutschen Staat und nach Volkssouveränität laut. 1828 wurden auch andere deutsche Staaten in den Preußischen Zollverein aufgenommen, dadurch sicherte sich Preußen die Vorherrschaft in Deutschland und erschloß seiner aufstrebenden Industrie neue Absatzmärkte. 1838 wurde in Preußen die erste Eisenbahnstrecke von Berlin nach Potsdam eröffnet, zwölf Jahre später waren im Land 3.500 km Schienen verlegt.

1839 wurde Kinderarbeit verboten und die tägliche Arbeitszeit für Jugendliche auf 10 Stunden begrenzt.

1844 kam es zum Aufstand der Schlesischen Weber. 1847 tagte zum ersten Mal der Vereinigte Landtag, doch bereits im Herbst kam es zu vielen Protestbewegungen. Schließlich wurde Deutschland von einer Revolution erfaßt, die am 18. März 1848 Berlin erreichte. Anfang Mai wich der Landtag der Nationalversammlung, doch es gelang keine Einigung über eine neue Preußische Verfassung. Im Dezember wurde die Nationalversammlung aufgelöst, und König Friedrich Wilhelm IV. schuf eine Verfassung, in der die wesentlichen Grundrechte festgeschrieben wurden. Am 28. März 1849 wählte die Nationalversammlung den Preußischen König zum Deutschen Kaiser, dieser lehnte jedoch ab und verwarf die Reichsverfassung. Damit war die Nationalversammlung gescheitert.

Die preußische Verfassung des Jahres 1850

Preußen, das bis dahin ein absolutes Königtum war, wurde durch die Verfassung des Jahres 1850 in eine kostitutionelle (verfassungsmäßig beschränkte) Monarchie umgewandelt. Diese moderne Verfassung verbürgte den Untertanen in ihrem ersten Teil Gleichheit aller vor dem Gesetz, Freiheit der Person, der Religion, der Wissenschaft und der Meinungsäußerung. Diese „Rechte der Preußen“ entsprachen den „allgemeinen Menschenrechten“, welche auch in der amerikanischen und französischen Verfassung festgelegt waren. Die Gesetzgebung wurde durch den König und den Landtag gemeinsam ausgeübt. Die richterliche Gewalt wurde zwar im Namen des Königs ausgeübt, jedoch waren die Richter unabhängig und die Rechtsprechung dem Einfluß des Königs oder einer anderen Staatsgewalt entzogen. Durch die neue Verfassung erhielt die Bevölkerung ein Mitbestimmungsrecht auf dem Gebiete der Gesetzgebung. Jede Stimme mußte öffentlich und mündlich abgegeben werden.

Am 8. Oktober 1862 wurde dann Otto von Bismarck Preußischer Ministerpräsident.

Ostgrenze Preußens (Galerie)

Die Ostgrenze Preußens:

Der Staat Preußen im Jahre 1866

Bismarck führte die Landesgeschäfte im Sinne der Krone und brach damit den Einfluß des Parlaments. Nachdem er die innenpolitische Situation bereinigt hatte, baute er die Stellung Preußens in Deutschland aus: 1864 wurde durch den Deutsch-Dänischen Krieg Dänemark endgültig als Faktor aus der deutschen Politik ausgeschaltet. Preußen und Österreich erhielten Schleswig und Holstein zur Verwaltung. Zwei Jahre später bildeten unterschiedliche Auffassungen über die beiden Gebiete den Vorwand zum Deutschen Krieg, in dem sich Preußen mit Italien gegen Österreich und die meisten anderen deutschen Staaten verbündete. Im Norden fiel die Entscheidung in der Schlacht von Königgrätz.

Interessant ist, daß während des Deutschen Krieges keine Orden gestiftet wurden, da es sich um einen Bruderkrieg handelte. Österreich wurde im Frieden von Prag geschont, dafür gelang es Preußen durch Annexionen in Norddeutschland, seine beiden getrennten Gebiete zu vereinen. Außerdem wurde der Deutsche Bund aufgelöst und der Norddeutsche Bund gegründet, in dem fast alle Länder nördlich des Mains vereint waren. Mit der Ausdehnung des Preußischen Einflusses auf die Gebiete südlich des Mains kam es zu wachsenden Spannungen mit Frankreich.

Italien konnte sich trotz verlorener Schlachten über Gebietsgewinne auf Kosten Österreichs freuen.

1870 diente die Auseinandersetzung um den spanischen Thron durch einen Hohenzollern als Anlaß für den Deutsch-Französischen Krieg, der am 19. Juli 1870 mit einer französischen Kriegserklärung begann. Nach der Sedanschlacht kapitulierte Napoleon III., und Bismarck nutzte die Gunst der Stunde, um die deutschen Fürsten für seinen Plan eines Deutschen Reiches zu gewinnen.

Nach einem harten Winterfeldzug war auch die neue Französische Republik geschlagen, und am 18. Januar 1871 wurde in Versailles Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Dies war die Geburt des Deutschen Reiches.

Der Erste Weltkrieg

Trotz seiner Vermittlungsversuche im Juli 1914 konnte Wilhelm II. nicht verhindern, daß sich aus der Balkankrise nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajewo der Erste Weltkrieg entwickelte. Alle Versuche, einen Krieg in Europa nach diesem Ereignis noch zu verhindern blieben erfolglos. Der Erste Weltkrieg war kein preußischer Krieg. Österreich, Rußland, Deutschland, Frankreich und Amerika, welche in dieser Reihenfolge in das Gemetzel eintraten, hatten ihre Kriegsgründe und -ziele. Preußen hatte keine – mußte jedoch zweifach die Zeche der deutschen Niederlage zahlen. Außer Elsaß-Lothringen gingen sämtliche folgenden deutschen Gebietsabtretungen auf Kosten Preußens: Posen und Oberschlesien, Danzig, der sogenannte polnische Korridor und auch Nordschleswig. Die deutsche Revolution, die der Niederlage folgte, stellte Preußen vor die Existenzfrage.

„Der letzte König von Preußen“

Die verfassungsgebende preußische Landesversammlung, die zugleich mit der Weimarer Nationalversammlung im Januar 1919 gewählt worden war, zögerte lange, an die Arbeit zu gehen. Wozu noch eine preußische Verfassung aktualiseren, wo es doch nun schon ein Jahr lang eine deutsche gab? Im Dezember 1919 faßte sie mit 210 gegen 32 Stimmen einen Beschluß:

„Als das größte der deutschen Länder erblickt Preußen seine Pflicht darin, zunächst den Versuch zu machen, ob sich nicht bereits jetzt die Schaffung eines deutschen Einheitsstaats erreichen läßt …“

Der Ostpreuße Otto Braun – er gewann alle seiner Wahlkämpfe – erwirkte in einer Koalition epochemachende Reformen, wie die preußische Schulreform von 1921 und einige Jahre später eine liberale Reform des preußischen Strafvollzugs. Weit eher als die Weimarer Republik wirkte das republikanische Preußen der zwanziger Jahre wie ein Vorklang auf moderne Zeiten. Ein bemerkenswertes Kuriosum ist, daß das Preußen Otto Brauns noch eine völlig originelle politische Erfindung machte, die heute noch einen Pfeiler in der BRD-Politik darstellt: das Konstruktive Mißtrauensvotum. Dieses besagt, daß ein Parlament nur dann einen Regierungschef stürzen kann, wenn es sich auf einen neuen einigt.

Preußenschlag

Mit dem Preußenschlag vom 20. Juli 1932 setzte Reichskanzler Franz von Papen die geschäftsführende preußische Regierung unter dem sozialdemokratischen preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun ab. Umgehend wurden die preußischen Ministerien durch die Reichswehr besetzt und die Minister unter Gewaltandrohung zum Verlassen ihrer Amtsräume aufgefordert. Sodann wurde Von Papen von Reichspräsident Paul von Hindenburg zum Reichskommissar für Preußen ernannt. Als seinen Stellvertreter und preußischen Innenminister berief von Papen Franz Bracht, Mitglied der Deutschen Zentrumspartei und Oberbürgermeister von Essen.

Nationalsozialismus

Mit der nationalsozialistischen Revolution wurde der preußische Staat aufgelöst und sein Gebiet in verschiedene Reichsgaue aufgeteilt. Diese, wie etwa Pommern, Ober- und Niederschlesien usw., orientierten sich dabei an den preußischen Provinzen. Der Namen Preußen blieb lediglich im Namen der Gebiete Ostpreußen und Westpreußen – letzteres zum Großteil von Polen besetzt – erhalten. Adolf Hitler selbst bezeichnete sich auch als Vollender des preußischen Gedankens und ließ Preußen somit in Deutschland, das von diesem entscheidend geprägt war, aufgehen.

Die umstrittene Auflösung und Eingliederung des Staates Preußen hätte auch die Opposition gegen den Nationalsozialismus um Stauffenberg nach einem Waffenstillstand und anschließendem Friedensschluß beibehalten wollen, die Bezeichnung selbst wäre nach deren sog. Reichsreformplänen auf die zu einem „Reichsland Preußen“ zusammengelegten Provinzen West- und Ostpreußen übergegangen – d. h. auf die Gebiete, in denen das Volk der Pruzzen seinen Ursprung hatte.

Preußens vorläufiges Ende

Im Februar 1947 lösten die alliierten Siegermächte den Staat Preußen erneut – unter Mißachtung völkerrechtlicher Bestimmungen – als angeblichen „Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland“ auf. Dies wurde durch das Kontrollratsgesetz Nr. 46 am 25. Februar 1947 verkündet. Dieser „Fußtritt, den siegreiche Esel einem längst toten Löwen gaben“ (Golo Mann) war absolut überflüssig, da es seit der Gleichschaltung der Länder 1934 keinen „Staat“ Preußen mehr gab, und hatte mehr symbolischen Charakter. Damit konnte Preußen für alle angeblichen „Fehlentwicklungen“ Deutschlands die Verantwortung gegeben werden.

Auf dieser Grundlage entwickelte sich die inzwischen widerlegte Theorie eines sogenannten Deutschen Sonderweges, die inzwischen aber aus der Sicht von – meist ausländischen – Historikern (wie etwa Christopher Clark) als überholt gilt.

Nach der Teilvereinigung 1990 kam es zeitweise zu Überlegungen, das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland neu zu gliedern und auch zu dem Vorschlag, Berlin und Brandenburg zusammenzulegen und dem neuen Bundesland wieder den Namen Preußen zu geben. Dieser Vorschlag wurde, auch aus bürokratischen Erwägungen, wieder verworfen.

Ein solches neues Bundesland Preußen hätte nur einen fahlen Abglanz des einstigen Preußens dargestellt, denn immerhin liegen die historischen Wurzeln Preußens im nach wie vor besetzten Ostdeutschland.

Heraldik des Königreiches Preußen (nach 1871)

Das große königlich preußische Wappen führt einen fünfmal gespaltenen und siebenmal geteilten Hauptschild mit Schildfuß; die Herz-, Ehren- und Nabelstelle sind mit gekrönten Schildchen belegt. Auf der Herzstelle liegt der königlich gekrönte Schild des Königreiches Preußen. Auf der Ehrenstelle ruht der mit dem Kurhut bedeckte Schild des Markgraftums Brandenburg. Und auf der Nabelstelle erscheint ein mit einem Fürstenhut bedeckter, quergeteilter Schild mit dem Wappen des Burggraftums Nürnberg oben und dem Wappen der Grafschaft Hohenzollern unten. Die 48 Hauptfelder des Hauptschildes enthalten folgende Wappenbilder (von links (=heraldisch rechts) oben):

Großes Wappen Preußens um 1873; Der Wappenschild besteht aus 52 Feldern, wovon drei Wappen aufgelegt sind. Zentral liegt als Herzschild das Wappen des Königreichs Preußen (zugleich Ostpreußen), darüber als Ehrenschild Brandenburg, unten als Nabelschild das Wappen der Burggrafschaft Nürnberg in der oberen Hälfte und darunter das Wappen der Hohenzollern’schen Lande. Am unteren Rand des Wappenschilds befindet sich das Regalienfeld.

  1. Herzogtum Westfalen
  2. Großherzogtum Posen
  3. Herzogtum Schlesien
  4. Großherzogtum Niederrhein (war auch Wappen der Rheinprovinz)
  5. Herzogtum Sachsen
  6. Herzogtum Engern
  7. Herzogtum Magdeburg
  8. Herzogtum Holstein
  9. Herzogtum Pommern
  10. Herzogtum Lüneburg
  11. Herzogtum Schleswig
  12. Erzbistum Bremen
  13. Herzogtum Wenden
  14. Herzogtum Jülich
  15. Herzogtum Geldern
  16. Herzogtum Kleve
  17. Herzogtum Berg
  18. Herzogtum Pommern-Wolgast (Kassuben)
  19. Landgrafschaft Thüringen
  20. Herzogtum Mecklenburg
  21. Herzogtum Krossen
  22. Herzogtum Lauenburg
  23. Landgrafschaft Hessen
  24. Markgrafschaft Oberlausitz
  25. geteilt: Fürstbistum Paderborn und Grafschaft Pyrmont
  26. Fürstentum Rügen
  27. Markgrafschaft Nieder-Lausitz
  28. Fürstentum Oranien
  29. Fürstentum Ostfriesland
  30. Fürstbistum Halberstadt
  31. Fürstbistum Verden
  32. Fürstbistum Osnabrück
  33. Fürstbistum Münster
  34. Fürstbistum Minden
  35. Fürstbistum Hildesheim
  36. Fürstentum (Fürstbistum) Kammin
  37. Grafschaft Glatz
  38. Grafschaft Moers
  39. Fürstbistum Fulda
  40. Herzogtum Nassau
  41. Gefürsteter Graf zu Henneberg
  42. geteilt: Grafschaft Mark und Grafschaft Ravensberg
  43. Grafschaft Veringen
  44. Grafschaft Mansfeld
  45. Grafschaft Hohnstein
  46. geteilt: Grafschaft Tecklenburg und Grafschaft Lingen
  47. Grafschaft Sigmaringen
  48. Frankfurt am Main

Auf dem Schild steht ein offener, goldener, sogenannter königlicher Helm mit schwarz-silberner Decke, der mit der preußischen Königskrone geschmückt ist. Um den Schild hängen die Ketten verschiedener Orden. Außen ist die des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler zu sehen, der vom Kurfürsten Friedrich III. am 17. Januar 1701, dem Tag vor seiner Krönung zum König in Preußen, gestiftet wurde und bis 1918 höchster Orden von Preußen blieb. Daneben hängt die Kollane des Roten Adler Ordens. Dieser wurde am 17. November 1705 durch Erbprinz Georg Wilhelm von Brandenburg-Bayreuth gestiftet und 1792 vom Königreich Preußen übernommen.

Der seinerzeit unter dem Namen „de la Sincérité“ gestiftete Orden war fürstlichen Personen sowie „hohen Herren von gutem Lebenswandel und Aufrichtigkeit“ vorbehalten, die mindestens 25 Jahre alt waren. Es folgt die Kette des Königlichen Hausordens von Hohenzollern. Innen prangt die des Königlichen Kronenordens. Dieser Verdienstorden wurde am 18. Oktober 1861 von König Wilhelm I. bei seiner Krönung in Königsberg gestiftet und dem Roten Adler Orden gleichgesetzt.

Die Schildhalter sind zwei graubärtige, mit Eichenlaub umgürtete und bekränzte wilde Männer, die dem mittelalterlichen Volksglauben entnommen sind und rechts die preußische, links die brandenburgische Standarte halten. Das Ganze wird überragt von einem purpurfarbenen Zelt, das von einem blauen Reif umschlossen ist, der den Wahlspruch König Friedrichs I. „Gott mit uns“ in Goldschrift trägt und gekrönt wird von der preußischen Königskrone. Darüber weht das preußische Reichsbanner.

Im großen Wappen vertretene Orden

Unterhalb des Wappenschilds befinden sich die vier Orden (von oben nach unten, heraldisch von innen nach außen):

  • Kronenorden (Halsdekoration)
  • Königlicher Hausorden von Hohenzollern (Kollane)
  • Roter Adlerorden (Kollane)
  • Schwarzer Adlerorden (Kollane)

Zitate

  • Der Grad von freier Bewegung, welcher zulässig ist, ohne die Autorität der Regierung zu beeinträchtigen, ist in Preußen ein viel höherer als im übrigen Deutschland“. — Otto von Bismarck
  • „Alles, was am Genie Fleiß ist, also vier Bestandteile von fünf, mögen ‚preußisch‘ genannt werden. Preußen, wenn irgend ein Land, hat noch den Gedanken der Zucht. Hier ist sein Weg zu seiner Höhe, wie er es immer gewesen.“ — Christian Morgenstern
  • „Preußentum ist etwas sehr Vornehmes und gegen jede Art von Mehrheit und Pöbelherrschaft gerichtet, vor allem auch gegen die Masseeigenschaften. Moltke, der große Erzieher des deutschen Offiziers, das größte Beispiel für echtes Preußentum im 19. Jahrhundert, war so. Graf Schlieffen hat seine Persönlichkeit in dem Wahlspruch zusammengefaßt: Wenig reden, viel leisten, mehr sein als scheinen.“ — Oswald Spengler
  • „Dem 19. Jahrhundert gelang nur eine ethische Konstruktion großen Stils: das preußische Offizierskorps.“ — Nicolás Gómez Dávila
  • „Das Talent zur Disziplin ist die Wurzel von Preußens Größe.“ — Christian Morgenstern

Filmbeiträge

Königreich Preußen in der Bundesrepublik Deutschland

Literatur

  • Hans-Dietrich Sander: Politik und Polis, hrsg. von Heiko Luge, Arnshaugk, 2016, ISBN 978-3944064352 [271 S.]
  • Jan von Flocken: Die Siegesallee. Kai Homilius Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-89706-899-0
  • Rolf Kosiek:
    • Preußisch-deutscher Militarismus, in: Rolf Kosiek / Olaf Rose (Hgg.): Der Große Wendig – Richtigstellungen zur Zeitgeschichte, Band 5, Edition Grabert im Hohenrain-Verlag, 2. Aufl., Tübingen 2017, S. 23–33
    • Alle Großmächte führten mehr Kriege als Preußen-Deutschland, in: Rolf Kosiek / Olaf Rose (Hgg.): Der Große Wendig – Richtigstellungen zur Zeitgeschichte, Band 5, Edition Grabert im Hohenrain-Verlag, 2. Aufl., Tübingen 2017, S. 34–36 – historische Übersicht und Statistik
  • Ehrhardt Bödecker:
    • Preußen – eine humane Bilanz. Olzog-Verlag, 2010, ISBN 978-3789282775
    • Preußen und die Wurzeln des Erfolgs. Olzog-Verlag, 4., durchgesehene Aufl., 2008, ISBN 978-3789282768
    • Preußen und die Marktwirtschaft. Olzog-Verlag, 2. Aufl., 2007, ISBN 978-3789281877
  • Joachim Fernau: Sprechen wir über Preußen – Die Geschichte der armen Leute, Verlag Herbig, München, 1981, ISBN 3-7766-1146-4
  • S. Fischer-Fabian:
    • Preußens Gloria Der Aufstieg eines Staates, Verlagsgruppe Lübbe, Bergisch Gladbach 2007, ISBN 978-3-404-64227-4
    • Preußens Krieg und Frieden Der Weg ins Deutsche Reich, Verlagsgruppe Lübbe, Bergisch-Gladbach 2008, ISBN 978-3-404-64229-8
  • Hans Prutz: Preußische Geschichte:
  • Ferdinand Schmidt / Franz Otto: Preußens Geschichte in Wort und Bild (3 Bände):
  • Robert Achill Friedrich Hermann Hue de Grais: Der preußische Staat (PDF-Datei 24 MB)
  • Heinrich von Treitschke: Preußische Jahrbücher (In Auswahl auf archive.org)
  • Bernhard Lindenblatt:
    • Alt-Preußenland: Geschichte Ost- und Westpreußens von der Urzeit bis 1701, Arndt-Verlag, ISBN 978-3887410360
    • Preußenland: Geschichte Ost- und Westpreußens 1701–1945, Arndt-Verlag, ISBN 978-3887410377
  • Widar Ziehnert: Preussens Volkssagen, Märchen und Legenden, Leipzig 1839 (PDF-Dateien: Bände 1–2Band 3)
  • Ludwig Hahn: Geschichte des Preussischen Vaterlandes: Fortgeführt bis zur Gegenwart (1895) (PDF-DateiFür Nicht-USA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Johann Friedrich Meuß: Die preußische Königsflagge, in: Hohenzollern-Jahrbuch. Forschungen und Abbildungen zur Geschichte der Hohenzollern in Brandenburg-Preussen, 1913 (PDF-Datei)
  • Reinhold Koser / Paul Seidel: Die Insignien und Juwelen der preußischen Krone, in: Hohenzollern-Jahrbuch. Forschungen und Abbildungen zur Geschichte der Hohenzollern in Brandenburg-Preussen, 1913 (PDF-Datei)

Verweise