Germanenherz

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Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt, verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit, seine Kultur und sich selbst. Wir sind und werden gezwungen, unseren eigenen speziellen Charakter und unseren Lebensstil zu verbergen und zu Verachten, um nicht als Nazi oder Antisemit verspottet und ausgegrenzt zu werden. Kein größerer Schaden kann einer Nation zugefügt werden, als wenn man ihr den Nationalcharakter, die Eigenheiten ihres Geistes und ihre Sprache nimmt. Wenn eine fremde Macht ein Volk ermahnt, die eigene Nationalität zu vergessen, so ist das kein Ausfluss von Internationalismus, sondern dient nur dem Zweck, die jüdische Fremdherrschaft zu verewigen.

Wir Deutschen haben uns für unsere Vergangenheit und unsere Ahnen nicht zu schämen, ganz im Gegenteil, wir müssen sie unbedingt neu entdecken. Es ist unsere Pflicht uns mit der Germanistik auseinanderzusetzen. Wir Deutschen haben eine wahre Kultur. Wir Deutschen gehören zu dem Ursprung einer westlich zivilisierten und autarken Welt ohne das wir eine kulturelle Identität künstlich erzeugen müssen indem wir andere Kulturen vernichten! Wir sind mehr als das was uns seit Dekaden eingeredet wird, wir haben eine Geschichte die es wert ist sich zu entwickeln, denn unsere Vorfahren haben ihr Leben gegeben damit wir heute in Freiheit leben sollten.

In  Wahrheit baute  die germanische Weltanschauung auf die Gleichstellung von Menschen und dem Respekt gegenüber der Natur.  Gewalt, Naturzerstörung, egoistischer Intellekt waren verpönt, der Sinn für das Gemeinwohl (Natur inkl. Mensch) war vordergründig. Nichts wurde getan, ohne die Ahnen und die beseelte Natur zu fragen. Das alte Wissen war allen zugänglich und wurde nicht von elitären Herrenmenschen für ihre eigenen Zwecke missbraucht und der Masse vorenthalten worden!

Das alles ist ein wesentlicher Teil der deutschen Historie, welche jedoch immer mehr in das Vergessen gedrängt wird. Wir sind inmitten eines kulturellen Bewusstseins der Selbstaufgabe und des ewigen Schuldkult, ohne sich auf das zu besinnen was wir sind und andere Völker als selbstverständlich erachten. Den Deutschen hat man die Geschichte abtrainiert. Bei den einen reicht das Gedächtnis nur bis zur letzten Fußball-WM, bei den anderen nur auf 1933.1945. Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern will, wird dazu genötigt, sie im weniger Positiven bzw. die negativen Eigenschaften zu wiederholen.

Wer sich aber mit den alten germanischen Mythen auseinandersetzt, wird schnell merken, dass uns die Judeachristen unsere fundamentalen Lebensgrundlagen und Lebensweisheiten gestohlen haben!. Die drei großen patriarchalen Religionen (Christentum, Islam, Judaismus) sind für rasendes Massenmorden, rücksichtslose Industrialisierung, Sklavenarbeit, Ungerechtigkeit, Plünderung der natürlichen Ressourcen verantwortlich! Sie haben uns den Zugang zu unseren Seelen geklaut, uns von ihren (Schulen, Banken, Medien) abhängig gemacht!
***Es ist an der Zeit, dass Odin zurückkommt***
.odin geist
Allvaters Anrufung
Der Du einst im Waldesrauschen
Deinem Volke Dich genaht,
Dass sein Herz in brunst’gem Lauschen
Sich entzündete zur Tat,

Der Du standest an Deutschlands Seite
Immerdar und allerorts,
Kraftverleiher warst im Streite,
Spender tiefen Weisheitsworts,

Wir, von Deinem Blut geboren,
Gott der Deutschen, nahen Dir,
Wir, in fremdem Volk verloren,
Dich, Allvater, rufen wir.

Hast es manches Mal gesehen,
Jenes Schauspiel voller Gram:
Sahst aus Deutschland Deutsche gehen,
Deren keiner wiederkam,

Die in Angst vor fremden Spöttern
Sich des Vaterlands geschämt,
Opfer brachten fremden Göttern,
Sich mit fremdem Putz verbrämt;

Hör’ uns rufen, hör’ uns schwören:
Wir sind treu, und wir sind Dein,
Unser Land soll uns gehören,
Uns’res Landes woll’n wir sein!

Sieh’, der Fremdling will’s verhindern,
Altes Recht, er schreibt es neu —
Vater, bleibe Deinen Kindern,
Gott der Deutschen, bleib’ uns treu!

Schüttle Deine heil’gen Locken,
Necke die allmächt’ge Hand,
Dass der Eindringling erschrocken
Weiche aus dem deutschen Land;

Dass er zagen lerne, zittern
Vor urew’ger Majestät,
Wenn in heil’gen Ungewittern
Deutsche Gottheit aufersteht;

Dass das Herz uns mutig werde,
Stark in neuer Zuversicht:
Vatergott und Vatererde
Raubt uns Macht der Menschen nicht!


Viking_Toto_Germanenherz
Vom Hohen Norden wird er kommen mit seinen Streitwagen, und seine Macht wird unbezwingbar sein. Eine Schar Aufrechter wird um Ihn sein, ihnen wird er das Licht geben, und sie werden der Welt leuchten, Und die Stunde des Lichtes wird heimkehren über die Erdenwelt.
Geduld ist das Vertrauen, dass alles kommt, wenn die Zeit dafür reif ist. Man sei sich der Gegenkräfte gewahr und schließe nicht die Augen vor ihnen. Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen. Zum Leben gehört auch der Mut zum Konflikt. Hindernisse sind dazu da, furchtlos, aber umsichtig überwunden zu werden. Man vertraue seinem Willen und seinem innerem Impuls. Man diene mit diesen Kräften der Schöpfung. Man tue, was zu tun ist. WENN DIE ZEIT REIF IST
toto_haas_lichtbringer*** Die Zeit ist nun reif ***
*** Mein Volk Erwache ***
Nur der Wache (Sehende) erkennt schnell die Lüge! Was keiner wagt, das sollt ihr wagen. Was keiner sagt, das sagt heraus. Was keiner denkt, das wagt zu denken. Was keiner anfängt, das führt aus. Wenn keiner ja sagt, sollt ihr’s sagen, wenn keiner nein sagt, sagt doch nein. Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben. Wenn alle mittun, steht allein. Wo alle loben, habt Bedenken, Wo alle spotten, spottet nicht. Wo alle geizen, wagt zu schenken. Wo alles dunkel ist, macht Licht. 

Nietzsche: Versuch einer Mythologie – DAS DEUTSCHE WERDEN

Friedrich Wilhelm NietzscheALS den ältesten Ahnherrn seiner Philosophie ehrt Nietzsches Dankbedürfnis, durch alle wechselnden Epochen seines Denkens hindurch, den Namen Heraklits. Der große Entdecker und Rechtfertiger des Werdens war für den Dichter des Zarathustra vielleicht das fruchtbarste Ur- und Vorbild seiner selbst; seine dunkle und dunkel überlieferte Weltkonzeption gewährte ihm früh das strenge Rauschglück einer Begegnung mit seinem gesteigerten Selbst, wie es später nur noch die eigene Konzeption des Zarathustra ihm gegeben hat, in dessen Gestalt ja viele Züge des ephesischen Weisen eingegangen sind. Kein Philosoph und keine Philosophie hat dem Denken Nietzsches, das immerfort im Zwischenreiche eines »gefährlichen Vielleicht« sich bewegte, solche Töne beglückter Gewißheit, und zwar zu den verschiedensten Zeiten, abgenötigt; und nicht umsonst gipfelt sein prachtvoller Torso über die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen durchaus in der Darstellung Heraklits.

»Die Welt braucht ewig die Wahrheit, also braucht sie ewig Heraklit«

; »was er schaute, muß von jetzt ab ewig geschaut werden«; »Heraklit kann nie veralten« — Stilisierungen von dieser Unbedingtheit begegnet man bei Nietzsche kaum noch anderswo. »In Heraklits Nähe,« sagt noch das Ecce homo, »wird überhaupt mir wärmer, mir wohler zumute als irgendwo sonst. Die Bejahung des Vergehens und Vernichtens, das Entscheidende in einer dionysischen Philosophie, das Jasagen zu Gegensatz und Krieg, das Werden, mit radikaler Ablehnung auch selbst des Begriffs ´Sein´ — darin muß ich unter allen Umständen das mir Verwandteste anerkennen, was bisher gedacht worden ist.«

Die mächtige Grundkonzeption, das tragisch-dionysische Geheimnis vom Ewigen Werden (das in Nietzsches Denken dann, unter dem Einfluß pythagoräischer und empedokleischer Gedanken zur Konzeption der Ewigen Wiederkunft noch gesteigert werden sollte) war für Nietzsche, neben Schopenhauers Anschauung der Welt als Wille, ohne Zweifel die stärkste Bestätigung seiner eigenen philosophischen Grundrichtung, die entscheidenste Begegnung mit sich selber in einem großen Urbilde. (Um eine wirkliche »Begegnung«, nicht um eine bloße Abhängigkeit und Schülerschaft handelt es sich hier, ganz abgesehen davon, daß ja schon in der Wahl des Lehrers eine ursprüngliche Spontaneität der Seele, eine Willens- und Triebrichtung sich anzeigt; wir besitzen Äußerungen Nietzsches aus seiner Klosterschulzeit, die ihn bereits über dem Problem des ewigen Werdens grübelnd zeigen.) Nietzsche hat seine eigene Philosophie vor allem als eine Philosophie des Werdens selbst empfunden und gekennzeichnet, nicht nur in der Ecce homo Stelle über Heraklit. Und wenn bei solchen Gelegenheiten der Name Heraklit fehlt, so erinnert oft noch irgend eine Wendung, eine Bildlichkeit aus der großartigen Metaphorik des Ephesers an die bewußt oder halbbewußt festgehaltene Ahnenschaft: »Was uns ebenso von Kant wie von Plato und Leibniz trennt,« heißt es im späten Nachlaß: »wir glauben an das Werden allein auch im Geistigen . . dies ist der große Umschwung. Lamarck und Hegel . . die Denkweise Heraklits und Empedokles ist wieder erstanden . . Die Philosophie, so wie ich sie allein noch gelten lasse, als die allgemeinste Form der Historie: als Versuch, das heraklitische Werden irgenwie zu beschreiben und in Zeichen abzukürzen (in eine Art von scheinbarem Sein gleichsam zu übersetzen und zu mumisieren).« In der Zeit der Fröhlichen Wissenschaft heißt es, mit einem vollkommen heraklitischen Bilde: »Sähest du feiner, so würdest du alles bewegt sehen: wie das brennende Papier sich krümmt, so vergeht alles fortwährend und krümmt sich dabei . . wir sind nicht fein genug, um den mutmaßlichen absoluten Fluß des Geschehens zu sehen: das Bleibende ist nur vermöge unserer groben Organe da . . der Baum ist in jedem Augenblick etwas neues: die Form wird von uns behauptet . .« Und in der Schrift vom Werden der Moral, in der »Genealogie« heißt es etwa: »Es gibt kein ,Sein‘ hinter dem Tun, Wirken, Werden; ,der Täter´ ist zum Tun bloß hinzugedichtet — das Tun ist alles.«

Die große Idee der Verwandlung hat Nietzsche in all seine Probleme hineingetragen, mit einer leidenschaftlichen Unbedingtheit, welche die Vorläuferschaft Goethes, der Romantiker, Hegels in der Herausarbeitung dieser Leitidee weit hinter sich läßt. Vor allem hat er sie hineingetragen in das Problem, welches ihn am meisten »anging«, gegen dessen Angriff er sich am bittersten gewehrt hat — gegen sich selbst. Als den ewigen Wanderer, Wandler und Verwandler seiner selbst hat Nietzsche sich immer genommen — dies war seine »Rechtfertigung des Werdens«: wenn er sich irgendwo gleich blieb, treu blieb, so war es einzig darin. »Nur wer sich wandelt, bleibt mit mir verwandt« ist eine seiner tiefsten Selbstdeutungen. Nur als sich verwandelnd, nur als werdend schien Nietzsches Da? sein sich selber gerechtfertigt — so wie das Werden, der »Streit der Dinge«, die Feindschaft bei Heraklit die Rechtfertigung des Seins ist. Und man kann sagen, daß Nietzsche seinen Problemen um so mehr von der »Rechtfertigung durch das Werden« mitgegeben hat, je näher er sie seinem Zentrum fühlte: das Maß ihres Anteils am Begriff der Verwandlung bezeichnet geradezu den Grad des ihn Angehens. So wie auch aus dem nämlichen Grunde die Feindschaft Nietzsches wider eine Sache den hohen Grad innerer Verwandtschaft mit ihr anzeigt.

In seiner Darstellung Heraklits zitiert Nietzsche einen Passus aus dem ersten Buch der Welt als Wille und Vorstellung, um die »heraklitische Konsequenz« zu verdeutlichen, »daß das ganze Wesen der Wirklichkeit eben nur Wirken sei und daß es für sie keine andre Art Sein gibt«. Das Sein der Materie sei ihr Wirken, sage Schopenhauer; und höchst treffend werde daher im Deutschen der Inbegriff alles Materiellen Wirklichkeit genannt, welches Wort viel bezeichn nender sei als »Realität«. Wenn hier der deutschen Sprache ein besonderes Gefühl für das Wirkende und Werdende des Seins zugeschrieben wird, im Gegensatz zu dem lateinischen Seins Realismus, so hat das für Nietzsche ohne Zweifel den Reiz und die Bedeutung eines Symbols für einen tieferen Zusammenhang gehabt. Denn seine Vorstellung des Deutschtums gehört  in allererster Reihe zu den Problemen, welche durch ihren Anteil an Nietzsches leidenschaftlicher Feindseligkeit wie an der Idee des Werdens die »lebensgefährliche« Nähe zur lebendigen Mitte von Nietzsches Wesen unzweideutig offene baren. Das immer wieder hervorbrechende Gefühl für das Werden im deutschen Wesen, ja die Gleichsetzung von »Werden« und »deutsch sein«, die bei Nietzsche in immer neuen Masken begegnet, — es spricht für das Vorhandensein einer tiefen inneren Selbstgleichsetzung mit dem deutschen Wesen, dem doch niemand so vernichtende »Wahrheiten«, so leidenschaftliche Verneinungen entgegengebracht hat wie eben Nietzsche. Jene Betonung, jenes Heraustreiben des deutschen, und gerade des deutschen, Werdens hat die Bedeutung einer Selbstanalyse, einer Selbstkritik: im deutschen »Werden«, »mit radikaler Ablehnung auch selbst des Begriffs ´Sein´«, muß er unter allen Umständen ein ihm Verwandtestes anerkennen, muß er sich selbst wiedererkennen; wie er sich selber am meisten in Heraklit wiederfindet, so das deutsche Wesen im heraklitischen Werden — so sich im deutschen Wesen.

»Wir Deutsche,« sagt die Fröhliche Wissenschaft, »sind Hegelianer, auch wenn es nie einen Hegel gegeben hätte, insofern wir (im Gegensatz zu allen Lateinern) dem Werden, der Entwicklung instinktiv einen tieferen Sinn und reicheren Wert zumessen als dem, was ,ist‘ — wir glauben kaum an die Berechtigung des Begriffs ,Sein4.« Das ist ganz jene heraklitische radikale Ablehnung des Begriffs ,Sein‘. Aber wenn der deutsche Gedanke so dem Werden, der Entwicklung instinktiv einen tieferen Sinn und reicheren Wert zumißt als allem Seienden, so ist das zugleich eine Form der Selbstbejahung, wenn man will, auch der Selbstkritik des deutschen Wesens (Selbstkritik ist immer zuletzt eine Selbstbejahung durch Selbstverdeutlichung: es gibt keine absolute Selbstverneinung). Das deutsche Wesen empfindet sich als werdend; deutsch sein heißt im Werden sein, deutsch ist so viel wie: werdend; deshalb drückt das deutsche Wort für das Seiende: »Wirklichkeit« — nicht ein Sein, sondern ein Wirken, ein Werden aus: Deutschtum empfindet sich, erlebt sich selber als Puppenzustand des Geistes, als Ungegenwart und Wachstum, als widrige Unzulänglichkeit und ungeheure Hoffnung. »Wie jeglich Ding sein Gleichnis liebt,« sagt das Jenseits, »so liebt der Deutsche die Wolken und alles, was unklar, werdend, dämmernd, feucht und verhängt ist: das Ungewisse, Unausgestaltete, Sich Verschiebende, Wachsende jeder Art fühlt er als ,tief. Der Deutsche selbst ist nicht, er wird, er ´entwickelt sich´ »Entwicklung4 ist deshalb der eigentlich deutsche Fund und Wurf im großen Reich philosophischer Formeln.« Immer wieder, man sieht es, mündet Nietzsches Charakteristik des deutschen Wesens in jenes innerste und eingeborene Hegelianertum, das, nach seinem eigenen Wort, allen Deutschen erb- und eigentümlich ist. Das Nämliche meint Fichte, wenn er in dem Glauben an die »unendliche Verbesserlichkeit des deutschen Wesens« eben das Tiefste dieses deutschen Wesens selber erkennt; meint Friedrich Schlegel: »die Deutschheit liegt nicht hinter uns, sondern vor uns«; meint Novalis: »das Volk ist eine Idee: wir sollen ein Volk werden«. Diese ganze Auffassung vom Wesen des Deutschen als eines Postulats, als einer nie erfüllten, nie erfüllbaren Leitidee ist so kantisch, wie sie platonisch, so höchst deutsch, wie sie tief griechisch ist: ganz und gar geboren aus einem deutsch erlebten Platonismus, dem Nietzsche selber so Entscheidendes verdankt, obwohl er auch über ihn das denkbar Härteste gesagt hat (wie über alles, was ein Stück seiner selbst war); einem deutschen Platonismus, der Goethe speiste (»wir müssen nichts sein, sondern alles werden wollen«), wie er Hölderlin erfüllte (»wir sind nichts; was wir suchen, ist alles«). Und deutsch, wie nur irgendein Wort dieses grundlegendsten Deutschen, in dem zum erstenmal das deutsche Volk mühselig und gewissensschwer über sich selbst grübelte und Gericht hielt, deutsch ist Luthers Bekenntnis zum Werden: »Dies Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden, nicht ein Gesundsein, sondern Gesundwerden, überhaupt nicht ein Wesen, sondern ein Werden, nicht eine Ruhe, sondern eine Übung. Wir sind’s noch nicht, wir werden’s aber, es ist noch nicht getan und geschehen, es ist aber im Schwang, es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg . .«

All dies entspricht völlig dem Deutscherlebnis des jungen Nietzsche, wie er es sich, im Nachlaß zur Zweiten Unzeitgemäßen, fragend selber zu vergegenwärtigen sucht: »Ist es wahr, daß es zum Wesen des Deutschen gehört stillos zu sein? Oder ist es ein Zeichen seiner Unfertigkeit? Es ist wohl so: das, was deutsch ist, hat sich noch nicht völlig klar herausgestellt . . Das deutsche Wesen ist noch gar nicht da, es muß erst werden; es muß irgend einmal herausgeboren werden, damit es vor allem sichtbar und ehrlich vor sich selber sei. Aber jede Geburt ist schmerzlich und gewaltsam . .« Sätze, die Nietzsche im Manuskript sich nicht umsonst unterstreicht. Denn daß der Deutsche nicht ist, daß er wird — das bleibt wirklich Nietzsches konzentrierteste Formel für alles Deutschtum. Dies Werden aber ist auch der Grund, warum von Nietzsche die Frage, was zum Wesen des Deutschen gehöre, immer wieder neu gestellt wird, warum unter Deutschen überhaupt die Frage »was ist deutsch?« niemals aussterben will: es kennzeichne die Deutschen, sagt geradezu das Jenseits, daß bei ihnen diese Frage niemals aussterbe. Und sie kann nicht aussterben, weil eben das Werden des Deutschen, als eine Mannigfaltigkeit von möglichen Entwicklungen, ein definierbares Sein logisch und selbst metaphysisch ausschließt. Der Deutsche ist immer nur die Intention zum Deutschen, die bloße Intention dessen, als das wir ihn »eigentlich« zu kennen oder zu deuten glauben. Deutschtum erscheint als eine Anlage, ein Keim, nirgends als eine, auch nur gedanklich realisierbare, Vollendung und Entelechie, wie der Grieche, der Italiener oder Franzose, der Engländer eine solche darstellt. Diese andern Völker finden sich alle irgendwie »verkörpert«, sehen irgendwie ihr »Bild« ausgeprägt; die Deutschen aber finden gerade in dem Fehlen jeder solchen sinnlichen Verleiblichung, jeder Gestalt, finden im Suchen und in der Sehnsucht nach ihr beinah ihr Kennzeichen, ihr »Bild«. »Was der deutsche Geist sein könnte, wer hätte nicht schon darüber seine schwermütigen Gedanken gehabt!« sagt die Götzendämmerung.

Wirklich eignet dem Deutschen, völlig unvergleichlich mit allen andern Völkern, das merkwürdig gespaltene Ich  Bewußtsein eines demütigstolzen »Über sich selbst hinaus« — das »Über« immer zugleich im Sinn eines »Hinüber«, als Steigerung des eigenen Wesens und zugleich als Verwandlung. »Deutscher werden« ist eine ganz nur deutsche Vervollkommnungsidee. (Ein entsprechendes »französischer werden« als Ideal des französischen Geistes, oder »englischer werden« als Forderung des englischen Wesens an sich selber wäre absurd. Der französische Geist ist so französisch wie möglich, mag er historisch immerhin seine Möglichkeiten naturgemäß im Nacheinander ausformen; das englische Wesen kann nie »englischer« sein oder gedacht werden. Der Steigerungsgrad entbehrt hier jeder Möglichkeit, selbst der rein sprachlichen.) Zugleich aber, und dies ist das Seltsame, unerhört Einmalige in der Psychologie aller Völker, heißt deutscher werden auch: sich in einem hohen Sinne entdeutschen, das Deutsche in sich überwinden, um zur deutschen Vollkommenheit, zum deutschen Sein erst recht zu gelangen. Das gerade ist Nietzsches entscheidende Erkenntnis: »Gut deutsch sein heißt sich entdeutschen«, so formuliert bereits das Menschliche eine Einsicht nicht so sehr als ein Erlebnis Nietzsches. Er wirft den Deutschen des neuen Reichs geradezu eine Verleugnung der Deutschheit vor, wenn sie ihm in dieser Erkenntnis nicht Folge zu leisten scheinen. »Es scheint, ich bin etwas von einem Deutschen einer aussterbenden Art«, sagt eine resignierte späte Nachlaßstelle: »,Gut deutsch sein heißt sich entdeutschen1 — habe ich einmal gesagt: aber das will man mir heute nicht zugeben. Goethe hätte mir vielleicht recht gegeben.« Denn »Goethes Stimme und Beispiel,« ergänzt das Menschliche, »weisen darauf hin, daß der Deutsche mehr sein müsse als ein Deutscher, .und in welcher Richtung er bestrebt sein solle, über sich und außer sich hinauszugehen.« Außer und über sich hinausgehen — das ist deutsche Vorherbestimmung; und noch die Konzeption des Übermenschen speist sich aus dieser deutschen Schicksalhaftigkeit, dieser deutschen Metaphysik. »Alles Vollkommene in seiner Art muß über seine Art hinausgehen,« sagt Goethe, »es muß etwas anderes, Unvergleichbares werden. In manchen Tönen ist die Nachtigall noch Vogel; dann steigt sie über ihre Klasse hinüber und scheint jedem Gefiederten andeuten zu wollen, was eigentlich singen heiße . .« Und an anderer Stelle: »Wer weiß, ob nicht der ganze Mensch wieder nur ein Wurf nach einem höheren Ziele ist?« Das ist schon der deutliche Keim von Zarathustras Lehre des Übermenschcn: »Alle Wesen bisher schufen etwas über sich hinaus . . der Mensch ist etwas, das überwunden werden soll. Was habt ihr getan, ihn zu überwinden?« Und wenn Zarathustras Übermensch bei Nietzsche nicht sowohl als eine künftige Realität, eine prophezeite Wirklichkeit erscheint, vielmehr als ein hinaufziehendes, an sich um erreichbares Leitphantom, so ist auch dieser tief platonische, tief deutsche Gedanke des vorwärts geworfenen Ideals, das so wenig zu erreichen ist wie der Fuß des Regenbogens, bei Goethe vorgebildet, der bei aller seiner höchsten »Gegenwärtigkeit« und im männlich sicheren Selbstbesitz der höchsten Vollkommenheit, die je ein Deutscher erreichte, dennoch, in Dichtung und Wahrheit, diesem »Über sich hinaus« die Worte gibt: »Niemand, wenn er auch noch so viel besitzt, kann ohne Sehnsucht bestehen; die wahre Sehnsucht aber muß gegen ein Unerreichbares gerichtet sein.«

So hat denn die Vorstellung eines deutschen Seins immer etwas von einem Jenseitigen, verheißend und hinaufziehend Unerreichbaren; es ist »Wirklichkeit« nur insofern es wirkt; dem Reiche Gottes gleichend, ist es immer »kommend«, höchstens »nahe«, niemals »da«. Allem deutschen Wesen ist dies faustische, dies gotische »Jenseits seiner« eingeboren. Die deutsche Sprache schon ist davon Ausdruck und Sinnbild: keine, die so »unvollkommen« in all ihrer mächtigen und transzendenten Großartigkeit wäre, keine, die so leicht widriger Formlosigkeit erläge oder abstruser Willkür. Keine ist so wehrlos gegen alles auflösend Fremde, keine widerstrebt so sehr wie sie der Meisterschaft, der Vollkommenheit. Aber auch keine im Umkreis des Europäischen birgt in sich solche Möglichkeiten über sich hinaus, keine vermag alles Werdende, Künftige, dämmernd Herannahende, alles echt Sibyllinische so auszusagen wie die unsre. Sie widersteht wie keine dem Nur Logischen, sie ist deraisonable, wie der Franzose mit Recht urteilt; aber seit den Tagen der Sprache Platons gab es keine, fähig wie sie, das Jenseits des Logischen, das Mystische, ewig Kommende so unmittelbar auszuhauchen, zu weissagen. Sie ist nie fertig, nie, in jedem jeweiligen Stadium, vollendet in sich, wie etwa die französische seit Jahrhunderten; sie ist immer, wie das Volk das sie redet, eine Sprache »in der Hoffnung«. Das liegt im Untergrund von Goethes Bemerkung an Schiller, daß in einer so wunderlichen Sprache, wie es die deutsche sei, freilich immer etwas zu wünschen übrig bleibe. Und das nämliche gilt ja von aller deutschen Kunst: »Nordische Schönheit,« präzisiert Wölfflin, »ist nicht eine Schönheit des In sich Geschlossenen und Begrenzten, sondern des Grenzenlosen und Unendlichen .. Die fertige Form bedeutet der germanischen Phantasie zu wenig, sie muß immer überspielt sein von dem Reiz der Bewegung . . In aller deutschen Architektur ist der Bewegungsrhythmus das Entscheidende, nicht die schöne Proportion.«

Im Untergrund solch wunderlich bewegten Werdegefühls ist auch Nietzsches Erlebnis der deutschen Sprache, des deutschen Wesens und Nichtwesens verankert. Hier wurzelt seine leidenschaftlich überdeutsche Kritik, hier alle Härte eines enttäuschten Liebenden seines Volks, hier seine Hyperionstrenge und zuletzt doch auch seine »ungeheure Hoffnung«, die nicht nur aus der »Geburt der Tragödie« redet. Man wird kaum eine Äußerung Nietzsches über das Deutschtum, sei sie nun positiv, zweifelnd oder verneinend gerichtet, finden, die nicht im deutschen immanenten Werden ihre innerste Mitte hätte. Woran alle führenden Geister deutschen Wesens gearbeitet haben, daran arbeitete auch Nietzsche: aus jenem heraklitischen Strom eines ewigen deutschen Werdens, — dessen strömendes Abbild unsere Sprache ist — die Welle zu kristallener Kugel zu ballen, dem Chaotischen das Bild, dem musikalisch und vieldeutig Rauschenden die klare, einmalig umrissene deutsche Gestalt zu entreißen. Denn bis jetzt gab es nur Ansätze, nur Fragmente, nur tragische Torsi solcher Bildwerdungen; nicht umsonst war »Bildung«, Bildschöpfung, Bildwerdung gerade Goethes Lieblingsformel und Aufgabe, ja die eigentliche Goethe Idee. Es gab wirklich, wie eine Nachlaßäußerung Nietzsches lautet, bisher »noch keine deutsche Bildung: es gab Einsiedler, welche >sich mit erstaunlichem Geschick verborgen zu halten wußten, inmitten der gröbsten Barbarei« — denn »Barbarei« ist schon der Ausdruck Goethes für den noch chaotischen Aggregatzustand eines Volkes, Goethes, der zu Eckermann, in jenem berühmten Gespräch vom Jahre 1827 sagte, daß noch ein paar Jahrhunderte hingehen könnten, bis man von den Deutschen würde sagen können, es sei lange her, daß sie Barbaren gewesen — eine Stelle, auf die Nietzsche sich in der Ersten Unzeitgemäßen mit so ganz besonderem Nachdruck beruft. Es gab noch keine deutsche Bildung, sagt Nietzsche mit Goethe; es gab noch kein deutsches Bild, kein Abbild deutschen Wesens, keine Gestalt des deutschen Menschen. Die Deutschen sind das einzige in der Helle des europäischen, hellenisch-christlichen Kulturkreises tausendjährig lebende Volk, das zur tiefen und dauernden Unruhe all seiner Nachbarn, zur ratlosen und schamvollen Verstörung seiner eigenen edelsten Geister, kein irgendwie in sich mögliches und haftendes Wesensbild in der Seele gewährt. Es eignet ihm etwas von jener mystischen »Bildlosigkeit aller Bilder«, welche alle Bilder in sich trägt, aber gleichsam im Zustande einer ewigen Vorgeburt. Sein eigenes mühsames Bewußtwerden seiner selbst (von einem Bewußtsein seiner selbst kann man bei dem deutschen Menschen nicht reden, und vielleicht ist das der tiefste Grund, warum es ihm auch an »Selbstbewußtsein«, im weltlichen Sinne, von jeher so sehr gefehlt hat), dies Bewußtwerden ist immer geheimnisvoll durchklungen von der schmerzlichen Hölderlinfrage: »Wann erscheinest du ganz, Seele des Vaterlands?« Und bisher klingt immer nur eine volle Antwort darauf: in der deutschen Musik. Nietzsches besonderes Verhältnis zur Musik (das alle seine Probleme mit einem gemeinsamen musikalischen Herzstrom durchblutet), es gewinnt auch in diesem Zusammenhang seiner Deutschkritik eine zentrale Bedeutung. Er hat deutsches Wesen und deutsche Möglichkeit am tiefsten, am hoffnungsfreudigsten und am ingrimmig schmerzlichsten als deutsche Musik erlebt — die Geburt der Tragödie ist ja nur das klassische, nicht das einzige Zeugnis; hat der »aus dem Wesen des Romanischen hervorgewachsenen Zivilisation« bewußt den deutschen Geist entgegengehalten, der sich in der deutschen Reformation — dem machtigsten Protest des deutschen Werdens gegen das europäische Sein — und in der deutschen Musik offenbart habe; und hat noch im Jenseits, tief in seiner überdeutsch gegendeutschen Zeit, am Schlüsse jener Meisteranalyse des Meistersingervorspiels, gesagt, diese Musik drücke am besten aus, was er von den Deutschen halte: »Sie sind von vorgestern und von übermorgen — sie haben noch kein Heute.« Nietzsche hat sein eigenes Deutschtum nirgends so tief bekannt als in seinem Verhältnis zur Musik; das »Schicksal der Musik« war das letzte, was ihn, nach seinem eigenen Geständnis aus dem letzten Jahr, noch »anging«; das Leben ohne Musik deuchte dieser Seele ein Exil, ein Irrtum; »nur wer sich wandelt, bleibt mit mir verwandt«, bekannte dieser werdesüchtigste und verwandlungsfroheste Geist: nichts blieb ihm von den frühesten Knabentagen bis in den Wahn hinein (»Singe mir ein neues Lied: die Welt ist verklärt . .«) so innerlich verwandt, so ganz Ausdruck seiner selbst, wie Musik. Darin ist Nietzsche, trotz seines betonten Gegendeutschtums, trotz seiner härtesten und schneidendsten Worte gerade gegen die deutsche Musik, ein lebendiges Gleichnis des deutschen Wesens: denn hier allein, in der fließenden, immerfort werdenden, gestaltlos raunenden »Kunst des Unendlichen« — wie die deutsche Romantik sie faßte — ist bisher jene hölderlinsche Seele des Vaterlandes »ganz erschienen«. Aber ihr Wesen daraus zu deuten, dazu bedarf es eben schon der musikgeborenen deutschen Seele, welche immer, mit Nietzsches spätem Wunsche, singen sollte und nicht reden; in der Sphäre von Wort, Bild und Gestalt verstummt diese einzige Deutung des Deutschen. Nicht, als habe sich die deutsche Seele nicht auch in dieser Sphäre zu formen versucht. Aber dort haftet immer gerade an ihren größten und kühnsten Gebilden das tragische Jenseits, das diese nicht zur Vollkommenheit in sich gelangen, nicht rund, nicht selbstgenugsam werden läßt. Welche Architektur der Welt vergewaltigt und quält in solch inbrünstiger Verachtung das eigene Material, wie die große deutsche Baukunst es tut, auch die Baukunst unserer Philosophie? Wie ringt gerade die bedeutendste deutsche Malerei und Bildnerei immer mit den Problemen eines bildlich nicht Auszudrückenden, wie sehr ist jedes deutschere Bild immer auch ein Jenseits des Bildes (man darf sich nur Dürers erinnern)! Der innere Zwang, immer in dem gerade nicht Gegenwärtigen, dem »Andern«, das Wesentliche, Wesenhaftere, das »Sein« suchen zu müssen, das ist deutsches Schicksal, ist das eigentlich deutsche »Leiden an sich selber«. »Jedes unfertige Wesen leidet«, schreibt Hebbel, ein Jahr vor seinem Tode. »Es blieb den Deutschen Vorbehalten,« sagt Wölfflin in seinem Dürerbuch, »die Apostel nicht als die selbstherrlichen, vollendeten Existenzen darzustellen, sondern als Menschen, die sich verzehren in schmerzlichem Ungenügen.« Die Gestaltlosigkeit in diesem Sinne, die musikalische Unplastik, die wohl unbeschränkte — »unbornierte« — aber auch grenzenlose Zerflossenheit deutscher Geistesart, sie ist es, die das Deutschtum den »gebildeten«, d. i. schon begrenzten, schon formgewordenen Völkern oft so widrig, so tief verdächtig macht.

Zum Anwalt dieses Weltverdachtes gegen alles Deutsche macht sich ja gerade der späteste Nietzsche, der Nietzsche besonders des Ecce homo-Jahres, der in der Reformation nunmehr ein großes Kulturverbrechen sieht, der vor der deutschen Musik jedes »an sich glaubende Dasein« warnt, der bewußt nunmehr der romanischen Zivilisation sich eingeordnet glaubt und mehr französisch, mehr lateinisch als deutsch zu schreiben stolz ist; er, dem die Deutschen die »unverantwortliche Rasse« sind, die »in allen entscheidenden Momenten der Geschichte etwas »Anderes4 im Kopfe hatte«. Nietzsche ist in dieser seiner späten Deutschenfeindschaft zwar vor allem ein Symptom und Phänomen des deutschen »Leidens an sich selber«, des typischen deutschen Selbsthasses; sowie der Deutschenhaß Nietzsches wiederum ein Symptom und Phänomen seines eigenen Selbsthasses ist, jener edlen Sucht, sich selber zu überwinden, in der Nietzsche selbst »im Grunde seine stärkste Kraft« sah (sein Deutschenhaß gehört, psychologisch in dieselbe Ebene mit seinem Haß gegen das Christentum, gegen Wagners Musik, gegen Sokrates und den Platonismus: er ist eine Form seiner »Askese«). Dennoch ist in objektiver Sphäre Nietzsche der legitime Anwalt einer wirklichen geistigen Weltfeindschaft gegen das deutsche Wesen, der Nietzsche nur mehr Waffen geschenkt hat, als er von ihr entlieh (auch darin ist ja Nietzsche, noch einmal, überaus deutsch). Diese Feindschaft der Welt hat mit politischen Dingen nichts zu tun (auch Nietzsches Haß gegen das »Reich« richtet sich unbewußt vor allem gegen die Selbst»EntdeuT schung« eines Volkes, das er aus einem reichen Werden in ein kleine liches, zu frühes Sein, in eine widrige und sehr undeutsche Selbstgenügsamkeit hinabsteigen sah); sie ist uns aus allen Jahrhunderten bezeugt und all unsere Großen haben sie empfunden. »Es ist keine verachtetere Nation denn die Teutschen,« sagt Luther; »Italiäner heißen uns Bestien, Frankreich und Engelland spotten unser, und alle anderen Länder. Wer weiß, was Gott will und wird aus den Teutschen machen? Wiewohl wir eine gute Staupe vor Gott wohl verdienet haben.« Und resignierter ein andermal: »Man weiß von den Teutschen nichts in andern Landen.« Am Ausgang des 18. Jahrhunderts sah Hölderlin Deutschland »allduldend gleich der schweigen den Mutter Erd und all verkannt«; und Hebbel schrieb 1860 in sein Tagebuch: »Alle Nationen hassen den Deutschen . . Wenn es ihnen aber wirklich einmal gelingt, ihn zu verdrängen, wird ein Zustand entstehen, in dem sie ihn wieder mit den Nägeln aus dem Grabe kratzen möchten.« Eine Atmosphäre von unbeschreiblicher Fremdheit scheint das Deutsche, von außen gesehen, zu umwittern — schon Luthers Wort deutet gerade darauf. »Ce peuple est d’un autre äge«, sagte 1871 ein französischer Autor, redlich bemüht um Deutschlands rätselvolle »Wirklichkeit«, mit achselzuckendem Verzicht. Dies Volk gehört einem andern Weltalter an — das besagt zuletzt auch der Namen des »Barbaren«, sei es im Munde Goethes oder in der Vorstellung von Ländern, in denen man »von dem Deutschen nichts weiß«. Und eben das, dies einem andern Alter Angehören, meint auch Nietzsches erbittertes Wort von der Rasse, die in allen entscheidenden Momenten der europäischen Geschichte etwas »Anderes« im Kopfe hatte, voll tiefer Fremdheit und in unerreichbarer innerer Abseitigkeit mit ihrem eigenen »Heil« dunkel und verworren beschäftigt. Immer ist es irgendein »Anderes«, was der Deutsche sucht, ein Jenseitiges, irgend etwas »nicht von dieser Welt«, irgend etwas, was nicht der »Angst des Irdischen« angehört. Gerade durch dies ewige dun autre äge aber ist der Deutsche die fortwährende Unruhe in Europas Zeitgefühl, ein beständiger Zweifel, was er denn »eigentlich« sei, da er nichts »ganz« zu sein scheint. Der Deutsche ist immer noch etwas anderes, und meist sein gerades Widerspiel. Er vereinigt das schlechthin Unvereinbare, das eben ist das Barbarische an ihm (denn im griechischen Sinne gebildet ist nur der, welcher gewissen Möglichkeiten des Chaos entschlossen absagt, um andere desto klarer zu verkörpern); dadurch ist er der Spott und auch die unausrottbare Furcht aller andern: die Furcht vor dem Inkommensurablen, das der auf Maß und Grenze angewiesenen »griechischen« Menschlichkeit und ihren spätlateinischen Erben widrig und feindselig Vorkommen muß. Jenes odium generis humani ist in seinem metaphysischen Grunde der Haß alles Gestalteten gegen das noch nicht Gestaltete, des Gebildeten gegen das Chaotische, des Gewordenen gegen das Werdende, des Eindeutig Klaren gegen das Vielfältig Dunkle.

An diesem Punkte setzt Nietzsche seine »Vivisektion der deutschen Seele« an, aus dieser ungeformten Vielfalt deutet er ihre Undeutlic keit, ihre Fremdheit. »Die deutsche Seele ist vor allem vielfach«, sagt er im »Jenseits«, zugleich mit einem Versuch, diese Erscheinung rassenbiologisch zu erklären, das heißt begrifflich zu vereinfachen; »sie ist verschiedenen Ursprungs, mehr zusammengesetzt als wirklich gebaut: das liegt an ihrer Herkunft«. (Nietzsches Lieblingsbegriff des Atavismus, der Prädestination durch Ahnenmischung, spielt auch hier herein.) »Ein Deutscher, der sich erdreisten wollte, zu behaupten, .zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, würde sich an der Wahrheit arg vergreifen, richtiger, hinter der Wahrheit um viele Seelen Zurückbleiben. Als ein Volk der ungeheuerlichsten Mischung und Zusammenrührung von Rassen, vielleicht sogar mit einem Übergewicht des vorarischen Elementes, als ,Volk der Mitte in jedem Verstände, sind die Deutschen unfaßbarer, umfänglicher, widerspruchsvoller, unbekannter, unberechenbarer, überraschender, selbst erschrecklicher, als es andere Völker sich selber sind: — sie entschlüpfen der Definition und sind damit schon die Verzweiflung der Franzosen.« Nicht zu definieren, nicht zu umgrenzen, innerhalb keiner Grenze endgültig festzulegen und festzuhalten (symbolisch, daß kein anderes Volk der Welt eine so wenig geschlossene Sprachgrenze besitzt): das ist wirklich immer das letzte Urteil der Fremden (der gewissenhaften Fremden), in deren Wortführer sich Nietzsches Überdeutschtum hier wie fast überall in seinen späteren Werken wandelt, über deutsches Wesen; namentlich aber ist es das »verzweifelte« Urteil der lateinischen Völker, deren deutsche Perspektive Nietzsche im engeren Sinne zu der seinen macht. »Si je ne vois pas clair, tout mon monde est aneanti« — dies Wort Stendhals gilt für die ganze französisch-lateinische Sehart, und gerade davor versagt sich das widerspruchsvoll Unberechenbare des deutschen Wesens. »Im Gegensatz zu allen Lateinern,« sagt Nietzsche, »messen wir dem Werden instinktiv einen tieferen Sinn und reicheren Wert zu als dem was ist —« die lateinische Geistigkeit fühlt ihre Welt, eine Welt der Seinsgläubigkeit, verneint und vernichtet durch diesen hegelischen Protestantismus des Werdens, der, mit Nietzsche, kaum an die Berechtigung des Begriffs »Sein« glaubt. (»Sein« ist eine römische Realität, wie »Werden« eine deutsche Wirklichkeit.) Keine »klare«, rationalistische Betrachtungsweise ist zulänglich vor einem Volk, das zur Verstörung der Bildungsvölker und derer, die ihnen nachstreben, nicht die Raison, die zivilisierte und zivilisierende Vernunft als höchsten Kulturmaßstab und Daseinssinn anerkennt. Die Deutschen sind als deraisonnable (Nietzsche selber nimmt diese Bezeichnung aus der französischen Literatur herüber), als tief Närrische, auf keine Verstandesformel zu bringen; ihr ewiger Selbstwiderspruch scheint schlechterdings nicht auflösbar. »Es kennzeichnet die Deutschen,« heißt es an der angeführten Stelle des Jenseits weiterhin, »daß man über sie selten Unrecht hat . . Die deutsche Seele hat Gänge und Zwischengänge in sich, es gibt in ihr Höhlen, Verstecke, Burgverließe; ihre Unordnung hat viel vom Reize des Geheimnisvollen; der Deutsche versteht sich auf die Schleichwege zum Chaos.« (Auch hier gewahrt man Spuren einer versteckten Selbstcharakteristik, wie überall, wo Nietzsche das deutsche Wesen kennzeichnet; man erinnert sich der Stelle des Ecce homo, wo Nietzsche sich die »angenehme Verdorbenheit« zuschreibt, welche die Thüringer auszeichne: »Wir ziehn selbst, um zur Wahrheit zu gelangen, die Schleichwege vor.«) »Die Ausländer stehen erstaunt und angezogen vor den Rätseln, die ihnen die Widerspruchsnatur im Grunde der deutschen Seele aufgibt (welche Hegel in System gebracht, Richard Wagner zuletzt noch in Musik gesetzt hat) . . Wie unordentlich und reich ist dieser ganze Seelenhaushaltl Wie steht da das Edelste und Gemeinste nebeneinander!« Dies »Gemeine«, das heißt Chaotische als Gefahr und selbst Kennzeichen der deutschen Seele hat vor Nietzsche, dem schonungslosesten Richter und Selbstrichter, namentlich Goethe häufiger und streng betont: »Die Deutschen, bei denen überhaupt das Gemeine weit mehr überhand zu nehmen Gelegenheit findet als bei andern Nationen . .« heißt es mit echt deutscher Selbstkritik in Dichtung und Wahrheit. Das Gemeine — das ist der allen gemeinsame ungeformte Urgrund, die gefährliche und fruchtbare Nähe des Chaos, das allzeit rachsüchtig ist gegen den Willen, der es zur Form zwang, aber dennoch unwillig diese Form mit seinen Kräften zur Blüte nährt. Diese innere Nähe des chaotischen Erdgeistes, die sehr stark zu fühlen gerade dem deutschen Geiste verhängt ist (er »ahnt, daß auf dem Gierigen, dem Unersättlichen, dem Mörderischen der Mensch ruht . .«, Nachlaß 1873), diese Nähe »schrecklicher Gesichte«, die Gefahr der Wiederauflösung bestimmt eben die immanente Unzulänglichkeit des einzelnen Deutschen, sein Fragmentarisches, Zerrissenes, bald schwach Anlehnungsbedürftiges, bald herausfordernd Ichsüchtiges, sein »Übertriebenes« in der jeweiligen fruchtbaren Hauptrichtung seiner individuellen Natur — mit einem verdeutlichendem Worte: das ewig Jean Paulische in ihm. Nicht wie das französische, englische, italienische Individuum zum Beispiel scheint selbst das gebildete deutsche ein winziges treues Abbild seiner Volksgesamtheit, eine verkleinerte nationale Harmonie; der Deutsche ist fast immer nur wie die an sich leicht mißtönig klingende, scheinbar unordentliche Einzelstimme aus der großen allzu reich harmonisierten Fuge des deutschen Gesamtwesens, indessen uns in jedem Romanen zum Beispiel ein Hauch der klaren Melodie seines Volkes versöhnend und verdeutlichend mitzuschwingen scheint.

Das Unzulängliche des deutschen Selbstwiderspruchs, das Unfaßbare, Unberechenbare einer inneren deutschen Jenseitigkeit zugleich und Chaosnähe, wie Nietzsche es überall, namentlich eben im Jenseits, herausstellt, dies macht gerade alle »Bildung« zu einem so deutschen Ideal und beinah Idol: Bildung als Bildwerdung, Gebildwerdung des eigenen Materials genommen. Deswegen ist Bildung, Erziehung eine »Idee der Mitte «bei allen deutschen Führern; kaum bei einem so leidenschaftlich wie gerade bei Nietzsche, der auch darin wiederum beinahe deutscher als deutsch sich beweist. Diese pädagogische bildende Leidenschaft deutschen Wesens (die in Luther und Lessing, in Herder und Goethe, in Schiller und Jean Paul, in Novalis, Stifter, Wagner nur deutlichste Typen und Mittler sich schuf), sie ist eines mit dem echt deutschen Heimweh nach allem Sein, nach endlichem, späten und dankbarsten Ausruhen in Sein und Gegenwart, das den deutschen Menschen zu allen geformten Gebilden, Ländern, Völkern in seiner ganzen Geschichte so tragisch hinzieht. Die unauslöschliche, mit dem Bildungstrieb so eng vermählte Sehnsucht nach dem römischen und romanischen Süden, das «o nur dem Deutschen eigene Südweh hat die tiefste Wurzel eben in diesem Zauber des Zuständlichen, des schon Gewordenen, des Seins, den alles dort für den deutschen Wanderer (einen »Wandernden« in jedem Sinne) erhält. Es ist die selige »Gegenwart«, die Goethe in Italien so magisch beglückt in sich trank und immer von neuem pries: »Wie wahr, wie seiendl« erschien ihm dort das Lebendige nach dem nebelnden Immer Werden des traurigen Nordens. Diese überdeutsche Gegenwart von gestalteter bildgewordener Welt gewinnt ihren letzten schmerzlich beglückenden Reiz, den so nur der Deutsche zu kennen scheint, gerade durch die innere Verführung des Chaos, durch den versucherischen Hang zum Abgrund jenes »Gemeinen«, dem er kaum mühevoll entstiegen. Derart weilt der deutsche Geist auf der ewigen Schwelle zwischen dem Zauberreich des Gewordenen, das sich ihm wie eine Erfüllung seiner eigenen, sehr andern, Zukunft vorspiegelt, und der Versuchung des Rücksturzes ins Barbarische, Verworrene, mystisch Vergangene und doch stets Drohende alles Menschlichen. So sieht ihn der beunruhigte, zweiflerische Blick jedes überdeutschen Auges; so sieht er sich selber in den Augenblicken, wo er sich seiner selbst bewußt wird: er ist von vorgestern und von übermorgen — er hat noch kein Heute.

Der Übergang, die Verwandlung vom Vorgestern ins Übermorgen, das macht Zauber und Fluch und edle Bestimmung des deutschen Wesens und Werdens aus.

Aber das ist die geistige Stellung Nietzsches selber, sein eigener bewußter und unbewußter Hinübergang vom Vorgestern zum Übermorgen, sein eigenstes Schicksal, verewigter transitorischer Moment zu sein; es ist sein Südweh, sein Heimweh nach dem Sein, sein erzieherisches Bildungsideal, aus lutherschem Erbe und goetheschem Humanismus genährt, sein liebender Haß auf die süßen Verführungen des musikalischen Chaos, das sich seinem späten Gestaltwillen in Richard Wagners unendlicher Melodie symbolisierte. Nietzsche ist mehr als ein klassisches Sinnbild jenes deutschen Werdens, das er selber deutlich gemacht hat; seine beständigen Auseinandersetzungen mit dem Deutschtum bilden eine großartige, vielleicht die großartigste Auseinandersetzung deutschen Wesens mit sich selber: der deutsche Geist setzt sich in Nietzsche, als Nietzsche mit sich selbst auseinander, sucht sich leidenschaftlich zu verdeutlichen, mit sich »fertig zu werden«; Nietzsche ist eine Form deutschen Werdens, eine einzige unvergeßliche Gebärde des deutschen »Über sich hinaus«, deutscher Selbstüberwindung, von der seine einzelnen persönlichen Überwindungen, seine leidenschaftlichen Askesen doch nur Abglanz und Gleichnis sind. »Ein Volk, das sich seiner Gefahren bewußt wird, erzeugt den Genius« — dieses frühe Nietzschewort, aus dem Nachlaß, gilt für das deutsche Volk in seinem Verhältnis zu Nietzsche selber. »Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch« — der späte Vers seines Lieblings Hölderlin schwang vielleicht unbewußt mit. Nietzsche ist ein solches »Rettendes« nicht bloß im zeitlich bestimmbaren Augenblick einer besonderen Gefahr — jener Gefahr und Krise, in der sich das Deutschtum in dem Augenblick befand, als Nietzsches erstes Buch entstand, 1870 und 71 — er ist nicht bloß das Bewußtwerden solcher zeitlicher Gefahren, sondern darüber hinaus ein geniales Seinerbewußtwerden des deutschen Wesens dort, wo es am gefährlichsten, am verhängnisvollsten zwischen Vorgestern und Übermorgen, zwischen Chaos und Gestalt, in ewigem Werdeaugenblick, hängt und zweifelt: Nietzsche ist die grelle Minute der Selbsterkenntnis eines Volkes im Augenblick (im metaphysischen Augenblick) seiner dringendsten inneren Gefahr — und ist zugleich ein Erwachen und Erwachsen des rettenden Instinkts und des rettenden Willens.

Denn es wäre eine Verkennung und Verfälschung von Nietzsches Haltung zum deutschen Wesen — eine Verkennung, die der vordergründliche Eindruck freilich begünstigt —, wollte man in seiner Charakteristik des deutschen Werdens nur seine Erkenntnis und nicht auch seine Hoffnung, nur das Unzulängliche und nicht auch das Gewaltige, nur die »Gefahr«, nicht auch das »Rettende« sehen. Beides ruht ja gleicherweise im Inbegriff des Werdens: das Vorgestern wie auch das Übermorgen. So trägt jenes ewig »Andre« im deutschen W esen denn auch für Nietzsche nicht bloß die Züge des Chaotischen, sondern auch die eines platonischen »Bildes« — vielleicht selbst einer dionysischen Hoffnung. Man weiß freilich, wie jene »ungeheure Hoffnung«, die nach seinem eigenen Geständnis aus der Geburt der Tragödie redete, eine Hoffnung auf Wiedergeburt aus dem Geist deutscher Musik, — daß sie die Epoche der Unzeitgemäßen Betrachtungen nicht überlebte: im »Menschlichen« bereits beginnen jene skeptischen Bespöttelungen des Deutschen, die sich bis zu den Anklagen und Schmähungen des Fall Wagner, des Antichrist, des Ecce homo steigern. Aber die »deutschen Hoffnungen« Nietzsches haben sich nur verwandelt: sie sind als Masken überall im mittleren und späten Werk Nietzsches sichtbar und verraten ihr Leben dem aufmerksamen Leser auf Schritt und Tritt. Wie Nietzsche selbst noch einmal zum guten Teil der Erbe des Besten an der Wagnerschen Wirkung zu werden hoffte, so hat er wirklich auch jene frühen deutschen Hoffnungen von ihm geerbt, die er an Wagners reformatorisch deutsche Kulturerneuerung mit Jünglingsenthusiasmus geknüpft hatte. Nietzsche beherrscht nun sein eigenes Reich, indem der Name »deutsch« verpönt bleibt; aber dieses Reich selber ist ihm unbewußt ein Reich deutschen Werdens und deutscher Hoffnung geworden, mag die größte dieser Hoffnungen auch den jenseitigen Namen Zarathustra tragen: schon im Worte, das ihn bezeichnet, trägt der Übermensch das Stigma seines tiefdeutschen Wesens, des deutschen Werdens. Und Nietzsche selber ahnt dies hier und da, wenn er etwa sagt, daß heute der deutsche Geist nicht mehr im »Reich« zu finden sei — eher schon in Sils Maria . . Das »Reich« schien ihm nicht mehr deutsch; aber sein eigenes Reich war und wurde nur um so deutscher.

Früh hat Nietzsche aus dem Erlebnis des deutschen Werdens den Willen zur Kritik deutscher Wirklichkeit, aber auch den Mut zur Hoffnung aufs Unwirkliche, unverwirklicht Überdeutsche gesogen. Der Wagnerjünger ist ganz und gar deutscher Kulturenthusiast, ein Hoffender im Sinne Luthers: »Wer weiß, was Gott will und wird aus den Deutschen machen?« oder des Goethe vom November 1813: »Ich halte ihn fest, diesen Glauben: ja, das deutsche Volk verspricht eine Zukunft, hat eine Zukunft. Das Schicksal der Deutschen ist, mit Napoleon zu reden, noch nicht erfüllt . . sie müssen, nach meinem Glauben, noch eine große Bestimmung haben.« »Wir dürfen wieder hoffen!« schreibt er 1871 an den Freund, »unsre deutsche Mission ist noch nicht vorbeil Ich bin mutiger als je: denn noch nicht alles ist unter französisch «»jüdischer Verflachung und »Eleganz und unter dem gierigen Treiben der Jetztzeit zugrunde gegangen. Es gibt doch noch Tapferkeit, und zwar deutsche Tapferkeit, die etwas innerlich anderes ist als der elan unsrer bedauernswerten Nachbarn ..« Tapferkeit — das ist dem frühen Nietzsche nicht anders als dem späten die Probe des inneren Zukunftsgehaltes, ein Erweis der Kraft zu neuen Möglichkeiten künftigen Seins. »Der deutsche Geist ist tapfer« heißt es auch, zur selben Zeit, im Basler Vortrag über die Zukunft unserer Bildungsanstalten; das bedeutet, er ist noch bildbar, ist noch Stoff, er wagt noch zu werden (denn »Sein« ist eine Form des Alterns und der Altersfeigheit). So redet »Schopenhauer als Erzieher« von »jener alten deutschen Art, die zwar hart, herbe und voller Widerstand ist, aber als der köstlichste Stoff, in welchem nur die größten Bildner arbeiten dürfen, ,weil sie allein seiner wert sind.«

Das ist die Wertung, die der frühste Nietzsche dem deutschen Wesen entgegenbringt — durchaus noch eine positiv gläubige, die aber schon jetzt keinen Augenblick lang einer deutschen Gegenwart galt (mochte sie durch äußere Erfolge noch so gleißend vergoldet erscheinen), sondern durchaus einem Hoffnungsphantom. Aber die tiefste Enttäuschung dieses Lebens, die lange vorbereitete Abkehr von Wagner, verwandelt auch den deutschen Traum Nietzsches: seine Deutsch-Gläubigkeit versickert immer rascher ins Unterirdische seiner Natur, um, ihrem Wesen nach unverwandelt, aber zu überdeutschem, selbst gegendeutschem Ausbruch gezwungen, die kühnen Jenseitigkeiten, das ungeheure Werden des Zarathustragedankens zu speisen. Die sichtbaren Hoffnungen Nietzsches auf deutsches Werden welken in den ersten nach wagnerischen Jahren jäh dahin: »Ein Deutscher ist großer Dinge fähig, aber es ist unwahrscheinlich, daß er sie tut«, heißt es bereits in der Morgenröte; »wenn je ein Deutscher etwas Großes tat, so geschah es in der Not, im Zustande der Tapferkeit . .« Noch ist hier die deutsche Kardinaltugend des frühen Nietzsche, die Tapferkeit des deutschen Geistes, unangetastet. Aber auch sie wird charakteristisch genug von dem letzten Nietzsche geradezu ins Gegen« teil getrieben: seine Auffassung von deutscher Ungegenwartlichkeit, früher so ehrend, so voll von Hoffnungen, erhalt nun einen bösen Blick: er nennt sie »Feigheit vor der Realität«. Deshalb werden ihm die Deutschen jetzt »die Verzögerer par excellence«, welche »alle großen Kulturverbrechen auf dem Gewissen haben«. Und der Fall Wagner schließt das Kapitel der deutschen Hoffnungen, welche den Basler Nietzsche »mutiger als je« machten, scheinbar endgültig mit dem brutalen Verdikt: »Die Deutschen selber haben keine Zukunft.« Denn diese Zukunft ist für Nietzsche jetzt in einem einzigen Namen Krystall geworden: in Zarathustra.

Dennoch besitzen wir das psychologische Zeugnis dafür, daß die äußerlich unsichtbar werdende Verbindung zwischen den Hoff« nungen Nietzsches und seinem Bild des deutschen Werdens in der Tiefe niemals abgerissen ist — ebensowenig, wie Nietzsche selbst in seiner überdeutschesten Zeit jemals aufgehört hat, eine überaus deut« sehe, ja eine selten typische deutsche Gestalt zu sein. Dies Zeugnis ist sein unglaublich gereizter, leidenschaftlich genährter Haß gegen das Neudeutschtum des siegreichen jungen »Reichs«, dem gegenüber er sich als Deutschen einer aussterbenden Art, gleichsam als »letzten Deutschen« empfand, als Deutschen von »vorgestern«, aber damit im geheimen auch als eine Art »ersten Deutschen«, als Deutschen von »übermorgen«. Sein Fanatismus, seine passionierte Ungerechtigkeit gegen alles, was den Namen des Deutschen trägt, kann nur mit den Ausbrüchen seines Antichrist und seines Fall Wagner verglichen werden: wie diese, ist es ein Liebeshaß, ein Haß aus tiefstem Ver« wandtschaftsgefühl, aus dem bösen Gewissen einer inneren Identität heraus, der sein Gegendeutschtum speist. Es ist ein Haß auf eigene Gefahren, auf eine Bedrohung des Bessern in ihm selber. Die Ver« kleinerung, die karikaturistische Verzerrung seines eigenen Ideals, die vorzeitige Selbstbescheidung und niedrige Realisierung eines zu höherer Entelechie Vorherbestimmten — das ist es, was Nietzsche dem Deutsch« tum des bismärckischen »Reichs« nicht verzeihen kann (nur hieraus erklärt sich auch seine merkwürdige ,Verzerrung und Verkennung Bismarcks, dessen Gestalt gerade er aus unbeteiligter Ferne ohne Zweifel der Reihe seiner macchiavellistischen Machttypen großen Stils zugesellt haben würde). Er verzieh dem Christentum im Grunde nur die Verkleinerung, Verfälschung und Umdeutung des griechischen Erbes nicht; er verzieh Wagner nicht, daß er, der Schöpfer des Siegfried, des Tristan, der »lutherschen« Meistersinger zu deren Gegenidealen »kondeszendiert« sei, daß er der mächtigen Pyramide seines Daseins die letzte krönende Spitze für immer geraubt habe; daß er um zu raschen Erfolges bei Lebzeiten willen sein revolutionäres Werden vorzeitig in einem pseudolegitimen Sein habe erstarren lassen: daß er, mit einem Wort, Nietzsches eigene Vision seiner selbst (denn eine solche war ja die Geburt der Tragödie, war »Richard Wagner in Bayreuth«) durch fratzenhafte Verwirklichung, wie das reale Bayreuth sie darstellte, geschändet habe (der Traum von Tribschen und der reiche Patronatspöbel von 1876, wie Nietzsche ihn schildert). So verzieh Nietzsche es dem Deutschtum nicht, daß es sich durch die satte Selbstgenügsamkeit an dem allzu rasch, allzu leicht errungenen »Sein« des neuen Reichs jenes edlen Ungenügens an sich selber beraubte, das doch einzig den immer noch werdenden deutschen Geist zu der ihm vorherbestimmten Hohe hinauftreiben konnte. Er vergab ihm die widrige Bescheidenheit nicht, mit der es eine erreichte Stufe der äußerlichen Sicherung und Zivilisation für eine Kultur nahm; die ebenso widrige Überhebung nicht, mit der es sich einem Natio? nalismus zu verschreiben schien, der das deutsche Werden zur Fratze des Seins älterer Völker machen mußte. Das war die Instinktangst des jungen Nietzsche, wie es der Ingrimm des späten Einsiedlers wurde. (Die Eingangsseiten der Ersten Unzeitgemäßen und die Ausfälle des Ecco homo Kapitels »Der Fall Wagner« kommen aus der nämlichen Tiefe und sagen im Grunde dasselbe.) Dieser Nationalismus aber erschien Nietzsches früher Deutschgläubigkeit wie seiner späten Deutschkritik als die eigentliche Urversündigung am deutschen Wesen, als der Frevel, der nicht vergeben wird; deutscher Chauvinist mus (die Sprache selber weigert sich, diesem Widerspruch in sich selber ein deutsches Wort zu leihen) blieb ihm der Tod jeder deutschen Hoffnung. Ihm ist Deutschtum nur als Hoffnung, als ungeheure Möglichkeit, als Forderung (vor allem an sich selber) denkbar, als ein Postulat und als ein Stachel zu Überwindungen. Ein Deutschtum, das sich am Ziele glaubt, das schon seine Verkörperung (seine »Kultur«) erreicht sieht, ist ihm nichts als ein grotesker Greuel. Gibt es im Grunde eine höhere Auffassung deutschen Wesens, eine am spruchsvollere Wertschätzung seiner inneren Möglichkeiten, als etwa eine Äußerung wie die (formal bereits etwas hemmungslose) späte Nachlaßstelle der Umwertungszeit sie bekundet? »Deutschland, Deutschland über alles — ist vielleicht die blödsinnigste Parole, die je gegeben worden ist. Warum überhaupt Deutschland — frage ich: wenn es nicht etwas will, vertritt, darstellt, das mehr Wert hat, als irgendeine andere bisherige Macht vertrittl . . Wo ist der neue Gedanke? Ist es nur eine neue Machtkombination? Um so schlimmer, wenn es nicht weiß, was es will . . Herrschen und dem höchsten Gedanken zum Siege zu verhelfen — das einzige, was mich an Deutschland interessieren könnte. Was geht es mich an, daß Hohenzollern da sind oder nicht da sind? Englands Kleingeisterei ist die große Gefahr jetzt auf der Erde.« Wann hat ein Deutscher je stolzer von deutschem Wesen als deutscher Verantwortung gesprochen? »Deutschland über alles« — das könnte, das dürfte ihm nur heißen: der Deutsche muß innere Weltweite behalten, jenes einzigartige (in der äußerlichsten Sphäre »kosmopolitisch« sich darstellende) Verantwortlichkeitsgefühl: eine Welt zu sein, ein echter Kosmos mit all seinen werdenden Möglichkeiten; die Last einer Welt, die Zukunft einer Welt zu tragen — nicht »dieser« Welt, sondern einer »andern«, einer neuen Welt deutscher Verwirklichung.

Welches ist aber der neue herrschende Gedanke? Welches die goethesche »Richtung, in welcher der Deutsche bestrebt sein soll, über sich und außer sich hinauszugehen«? Welches die ungeheure Traumzukunft des deutschen Werdens, die Nietzsche bedroht empfindet von der neudeutschen Selbstbescheidung mit einer Scheinverwirklichung und trügerischen Gegenwart, von vorzeitigem Selbstgenügen am »Reich«, an nationaler Verengung und ihrer vermeintlich erreichten Kultur? Um welcher Hoffnungen willen diese leidenschaftliche, klagende und anklagende, fast verzweifelte Feindseligkeit gegen die »Reichsdeutschheit«, statt etwa einer kühlen schopenhauerschen Gleichgültigkeit gegenüber politisch-staatlichen Entwicklungen, statt einer ironischen Resignation, die doch einer wirklich echten inneren Hoffnungslosigkeit einzig angemessen wäre? Nietzsche gibt früh die Antwort, welche die Antwort seines Lebens geblieben ist: die höchste Bildung, Bildwerdung erkennt er, gleich nach dem Krieg, »bis jetzt nur als Wiedererweckung des Hellenentums. Kampf gegen die Zivilisation . . Herstellung des wahren deutschen Geistes . .« so heißt es in den Vorarbeiten zum Vortrag über die Zukunft unserer Bildungsanstalten. Eine tiefe Prädestination des deutschen Wesens zu innerer Hellenisierung, eine seltsame, dem gegenwärtigen Augenscheine so ganz widersprechende Verwandtschaft zwischen dem »wahren deutschen Geist« und dem Griechentume besteht für das Erleben des noch von Hölderlins deutscher Griechheit genährten jungen Nietzsche. »Sehr geheimnisvoll und schwer zu erfassen ist das Band, welches wirklich zwischen dem innersten deutschen Wesen und dem griechb sehen Genius sich knüpft«, so heißt es in jenem Vortrag selber. Und keine wirkliche Gestaltung und Bildwerdung des deutschen werdenden Wesens ist möglich und denkbar, »bevor nicht das edelste Bedürfnis des echten deutschen Geistes nach der Hand dieses griechischen Genius, wie nach einer festen Stütze im Strome der Barbarei hascht, bevor aus diesem deutschen Geiste nicht eine verzehrende Sehnsucht nach den Griechen hervorbricht, bevor nicht die mühsam errungene Fernsicht in die griechische Heimat . . zur Wallfahrtsstatte der besten und begabtesten Menschen geworden ist. .« Noch allzulang ist ja für die mühselige Selbstbefreiung des deutschen Geistes, für sein langes und problematisches inneres Selbstwerden, der Weg zu jener griechischen Heimat, zur Hölderlinheimat der deutsvhen Seele. Noch immer ist »dieser deutsche Geist, durch das edelste Bedürfnis an die Griechen gekettet, in schwerer Vergangenheit als ausdauernd und mutig bewährt, rein und erhaben in seinen Zielen, durch seine Kunst zur höchsten Aufgabe befähigt, den modernen Menschen vom Fluche des Modernen zu erlösen« — noch immer ist dieser Geist »verurteilt, abseits, seinem Erbe entfremdet zu leben . .« Aber sein Erbe bleibt dies zeitlose Griechentum: »Es ist etwas in den Deutschen, das hellenisch sein könnte,« sagt eine Stelle im Nachlaß der letzten Jahre, »das erwacht bei der Berührung mit dem Süden — Winckelmann, Goethe, Mozart.« Das griechische Wesen ist zugleich Erbe und hinaufziehendes Vorphantom des deutschen Werdens: Hellas ist die platonische Idee eines »deutscheren« Deutschtums. Das Wort Pindars, das Nietzsche sich zum Lebensvorspruch wählte, das ihn von früh an bis zuletzt leitete und begleitete und das auch in den Zarathustra eingegangen ist: yevoi olog eooit »Werde der du bistl« — dieser pindarische Ruf gilt auch seinem deutschen Menschen. Werde, was du schon bist: werde Ich! — das ist der immer erneute, mystisch zweideutige Ruf des Griechischen Menschen über die Jahrtausende hinweg; und unruhig vernimmt das deutsche Gewissen diese halb mahnende, halb verheißende Stimme, wie eine Überredung zur Liebe, zur verwandelnden Liebe. »Mensch, was du liebst, in das wirst du verwandelt werden« — so mahnt die Stimme, und jene »verzehrende Sehnsucht nach den Griechen«, welche aus dem deutschen Geist immer und immer wieder, wie ein Urfeuer, hervorbricht, ist nur der Ausdruck des Willens, sich zu verwandeln in sein eigentlicheres Selbst, zu werden, was er im Grunde ist. Die übertriebene deutsche Aufnahmesucht, die Überdankbarkeit im Lernen und Assimilieren gerade antiker hellenischer Erbschaft ist schon eine Form dieses Griechenheimwehs: »Ein Werdender wird immer dankbar sein . . man lernt überhaupt nur von dem, den man liebt« erkannte der größte und dankbarste unter den deutschen Schülern der Griechen. Diese edelste und älteste Tradition deutschen Wesens: der Verwandlungswille und die Vollkommenheitssehnsucht zum Griechischen hinauf — gerade sie sah Nietzsche von jener bösen Selbstzufriedenheit bedroht, die nach 1870 das deutsche Werden mit dem giftigen Wahn eines vorzeitigen Seins zu lähmen schien. Er sah den Sinn seiner geistigen Existenz gefährdet, einer typisch werdenden Existenz (»nur wer sich wandelt, bleibt mit mir verwandt«), eines vorbildlich deutsch-hellenischen Suchens und »Wallfahrtens« nach einer griechischen Seelenheimat. Daher sein »Deutschenhaß« eine geistige Notwehr darstellt, gleich seinem Gegensokratismus etwa, einen Kampf gegen eine Tendenz, die ihn selber verneinen müßte in seinem Wesentlichsten.

Wie tief aber die positive Wertung des Deutschtums (eine Selbstwertung, nach allem) in Nietzsche wurzelte, bezeugt zuletzt wohl nichts so unmittelbar, wie seine Stilisierung des griechischen Wesens selber ins werdend Deutsche hinüber, die ganz unverkennbar ist. Nietzsche ist vielleicht der erste, der diese Stilisierung des historischen Hellenentums als des Abschlusses einer Art von »deutschen« Enb wicklung gewagt hat. Seine eigene Vorliebe für die frühe Werdezeit des hellenischen Geistes ist auch in diesem Zusammenhänge nicht ohne Bedeutung — niemand hat so entschieden wie er die sogenannte klassische Epoche des griechischen Wesens, seinen Moment des »Seins« so sehr, so bewußt vernachlässigt, beinah ungerecht verkleinert zugunsten der Epoche des griechischen Werdens, wie sie sich in den Gestalten der vorsokratischen Philosophie versinnbildlicht. Und wie ihm »das ideale Altertum vielleicht nur die schönste Blüte germanischer Liebessehnsucht nach dem Süden ist« (Homer und die klassische Philologie), so läßt er es denn auch ein verwandtes geistiges Schicksal erleiden; die »klassische« Vollkommenheitshöhe der winckelmannschen Antike wird dem deutschen Werden gleichsam tröstend als der letzte Lohn einer parallelen mühsamen Selbstwerdung dargestellt, eine vorbildliche Verheißung. Wenn Nietzsche das Hinaufstreben nach griechischer Höhe aus der inneren Dämmerung eines eingeborenen Chaos als deutsch empfindet, so läßt er die griechische Höhe wiederum aus einer solchen eingeborenen Dämmerung und Chaosnähe hervorwachsen und biegt so die Schicksale dieser beiden Völker und Kulturen aus einer unermeßlichen Spannung einander zu mystischer Identität entgegen. »Die Ahnung davon, auf welcher Höhe erst die Schönheit ihre Zauber selbst über Deutsche ausgießt, treibt die deutschen Künstler in die Höhe und Überhöhe und in die Ausschweifungen der Leidenschaft: ein wirkliches tiefes Verlangen also, über die Häßlichkeit und Ungeschicklichkeit hinauszukommen, mindestens hinauszublicken — hin nach einer besseren leichteren südlieberen sonnenhafteren Welt« — so verdeutlicht die Fröhliche Wissenschaft das‘ hinauftreibende Griechenheimweh des deutschen Wesens an dem innern Schicksal seiner künstlerischen Begabungen. Aber seine Vorlesungen über die Geschichte der griechischen Literatur lassen erkennen, daß eben dies seine Auffassung auch von den psychologischen Bedingungen des griechischen Künstlertums gewesen ist; daß er die allzu erhabene Vorbildlichkeit der hellenischen Kunst durch eine Deutung ins »Deutschere« gewissermaßen ermutigender, möglicher, vorbildlicher zu sehen versucht hat. »Das Hinstreben zum Licht aus einer gleichsam eingeborenen Dämmerung ist griechisch,« heißt es dort; »es ist dies auch noch bei Euripides, bei Plato. An diesem Kampfe hat man ihre Fruchtbarkeit zu messen.« Und wiederum: »Wir lassen uns leicht durch die berühmte griechische Durchsichtigkeit und Leichtigkeit verführen, zu glauben, das sei alles Natur und sei den Hellenen geschenkt: Lichtenberg meinte, die Griechen hätten eben gar nicht anders gekonnt als gut schreiben. Das ist gar nicht wahr. Die Geschichte der Prosa von Gorgias bis Demosthenes zeigt ein heldenhaftes Hindurchringen zur leichten reinen Komposition . . Im allgemeinen habe ich den Eindruck, daß die griechischen Meister sehr schwer und langsam arbeiteten . .« (Ganz ähnlich im zweiten Bande des »Menschlichen«: Vom erworbenen Charakter der Griechen.)

Auch das deutsche Lernen, jene Überdankbarkeit des deutschen Werdens im Aufnehmen fremder Bildungswerte, sein innerer fruchte barer Kosmopolitismus — auch dies sieht Nietzsche als eine typisch hellenische Fähigkeit: er legitimiert die deutsche Durchdringbarkeit mit dem Urbilde griechischer Alloffenheit. Nichts sei törichter, sagt er im Basler »Philosophenbuch«, als den Griechen eine autochthone Bildung nachzusagen; »sie haben vielmehr alle bei andern Völkern lebende Bildung in sich eingesogen, sie kamen gerade deshalb so weit, weil sie es verstanden, den Speer von dort weiter zu schleus dem, wo ihn ein anderes Volk liegen ließ. Sie sind bewunderungswürdig in der Kunst, fruchtbar zu lernen . .« Das ist, offensichtlich, das Idealbild einer deutschen Möglichkeit und Anlage; und der Erzieher der Deutschen fügt den Worten des Historikers der Griechen sogleich hinzu: ». . und so, wie sie, sollen wir von unsern Nachbarn lernen, zum Leben, nicht zum gelehrtenhaften Erkennen, alles Erlernte als Stütze benutzend, auf der man sich hoch und höher als der Nachbar schwingt.«

Die Zweite Unzeitgemäße führt dies Thema einer echt deutschen fruchtbaren Gefahr als eines recht eigentlich hellenischen Schicksals weiter durch: »Es gab Jahrhunderte, in denen die Griechen in einer ähnlichen Gefahr sich befanden, in der wir uns befinden, nämlich in der Überschwemmung durch das Fremde und Vergangene, an der »Historie« zugrunde zu gehen. Niemals haben sie in stolzer Unberührt barkeit gelebt: ihre »Bildung« war vielmehr lange Zeit ein Chaos von ausländischen, semitischen, babylonischen, lydischen, ägyptischen Formen und Begriffen, und ihre Religion ein wahrer Götterkampf des ganzen Orients: ähnlich etwa wie jetzt die »deutsche Bildung« und Religion ein in sich kämpfendes Chaos des gesamten Auslandes, der gesamten Vorzeit ist . . Und trotzdem wurde die hellenische Kultur kein Aggregat . . Die Griechen lernten allmählich das Chaos zu organisieren, dadurch, daß sie sich, nach der delphischen Lehre, auf sich selbst, das heißt auf ihre echten Bedürfnisse zurück besannen und die Scheinbedürfnisse absterben ließen. So ergriffen sie wieder von sich Besitz: sie blieben nicht lange die überhäuften Erben und Epigonen des ganzen Orients; sie wurden selbst, nach beschwerlichem Kampfe mit sich selbst . . die glücklichsten Bereicherer und Mehrer des ererbten Schatzes und die Erstlinge und Vorbilder aller kommenden Kulturvölker. Dies ist ein Gleichnis für jeden einzelnen von uns: er muß das Chaos in sich organisieren, dadurch daß er sich auf seine echten Bedürfnisse zurückbesinnt.« Unverkennbar ist auch hier das Gleichnis, das deutsche Hoffnungen durch griechisches Gewesen ausdrückt.

Ja, selbst die Nähe und Drohung des Chaotischen, das immanent Barbarische und Formhassende, doch allem geformteren Fremden widrig Überoffene der deutschen Besonderheit, selbst dies gegengriechischste aller Merkmale des Deutschtums hat Nietzsche — schon die letzte Stelle zeigt es — noch seinem Bilde des Hellenentums eirizuverleiben gewußt (seine Wertung des dionysischen Prinzips vor dem apollinischen wurzelt vielleicht gerade hier). Die ganze Geburt der Tragödie ist eigentlich schon eine solche geniale Deutschdeutung des Griechentums. Und in dieser kühnen Deutschdeutung begegnet sich merkwürdig genug noch der späteste Nietzsche mit dem Basler Philologen. Wenn es im Willen zur Macht heißt, das Maßlose, Wüste, Asiatische liege auf dem Grund des Griechischen: die Tapferkeit des Griechen bestehe im Kampfe mit seinem Asiatismus; die Schönheit sei ihm nicht geschenkt, so wenig als die Logik, als die Natürlichkeit der Sitte, sie sei erobert, gewollt, erkämpft, sie sei der Sieg des Griechen — so ist das nur eine Verdichtung, fast eine Wiederholung der nämlichen Stilisierung des Hellenischen ins Deutschromantische, der wir schon in den Basler Vorlesungen über die griechische Literatur begegnen. Dort lautet es, mit dem jugendlichen Lyrismus der »Geburt«, aber fast bis in den Wortlaut identisch: »Immer schwebte die Gefahr eines Rückfalls ins Asiatische (das ist: Chaotische) über den Griechen, sie konnten es von Zeit zu Zeit nicht entbehren, von da aus mußte von Zeit zu Zeit ein neuer Strom von dunklen mystischen Regungen über sie kommen, aber nicht ihnen völlig unterliegend, sondern daraus neugestärkt auftauchend zeigt sich der eigentliche hellenische Genius. Deshalb« — fügt Nietzsche mit einem seiner charakteristisch kühnen »Denns« hinzu, »deshalb fällt Dichtkunst unter die ooepia, und der Dichter ist ooepog, d. h. ein scharf Erkennender.«

Was der letzte Satz unverkennbar verrät: eine geheime, kaum ins Bewußtsein hinaufreichende Gleichsetzung des griechischen Dichters, als eines Lyrikers der unerbittlichen Erkenntnis, mit Nietzsches eigenem idealen Selbstbildnis — dieser für Nietzsches Denkmethode so typische Prozeß wiederholt sich in allgemeinerer Sphäre all dieser Stellen als Gleichsetzung des eigentlichen hellenischen Genius mit dem deutschen, wie Nietzsche selber ihn kennzeichnete. Es geschieht mit seinem Bilde des Deutschtums genau das, was mit allen den Bildern geschieht, die Nietzsche als ein erweitertes Ich, als Möglichkeiten seines Kosmos liebt und steigert: sie werden ins Hellenische verwandelt; es gibt gar keinen untrüglicheren Erweis für die positive Wertung des Deutschtums im Grunde von Nietzsches Deutschenhaß, als eben die Tatsache dieser Hellenisierung des deutschen Werdens, die bis zur Interpretierung der griechischen Seele ins nietzschehaft »Deutsche« geht. All sein Geliebtestes läßt er dort einmünden, wohin er selbst seine so ungricchische, so im tiefsten Sinne allzu deutsche Natur einströmen lassen mochte — all sein Unzulänglich Verwandtes verwandelt er immerfort in das hinüber, was er als das Vollkommene liebt: ins Griechische. Er hat die deutsche Musik, hat Wagner mit großartiger Auslegung und stilisierender Willkür ins Griechisch-Tragische umgedeutet; hat seine protestantisch-christlichen Grundantriebe ins Dionysische hinübergezwungen, die ihm eingeborene Lutherspräche, Lutherpathos und Lutherzorn dem »dionysischen Unhold« Zarathustra in den Mund gelegt; hat das Erlebnis Schopenhauers zu seiner dichterischen Verklärung der vorplatomschen Philosophen gestaltet; hat endlich seiner eignen Krankheit, seiner Askese, seiner inneren »Unzulänglichkeit« die Formel einer griechischen Lebensbejahung abgerungen, in welcher er die Griechen (mit seinem eigenen Ausdruck) noch »übergriecht«. Dergestalt gehört auch Nietzsches Philosophie des Deutschtums, als eines leiblichen Schaubilds vom heraklitischen Werden, in die Reihe der Probleme, die er durch ihre Hellenisierung als ein Stück seines innersten Wesens anerkannt hat: in Hingebung oder leidenschaftlicher Scheidung, immer sind die einzelnen Phasen dieser Probleme doch nur Atemzüge seiner griechen süchtigen deutschen Seele.

Germanenherz aus dem Buch: Nietzsche Versuch einer Mythologie (Ernst Bertram 1920)

Friedrich Nietzsche

sämtliche Werke hier im Germanenherz-Blog als pdf .  Nietzsche, Friedrich Wilhelm, geb. 15. Oktober 1844 in Röcken bei Lützen als Sohn eines protestantischen Pfarrers (gest. 1849 an den Folgen einer Gehirnerschütterung durch einen Sturz). 1850 übersiedelte die Familie nach Naumburg … Weiterlesen

Nietzsche: Versuch einer Mythologie – ANEKDOTE

»Geschichte ist eine große Anekdote. Eine Anekdote ist ein historisches Element, ein historisches Molekül . . Ein Anekdotenmeister muß alles in Anekdoten zu verwandeln wissen.« NUR das Persönliche ist das ewig Unwiderlegbare. Aus drei Anekdoten ist es möglich, das Bild … Weiterlesen

Der jüdische Sklavenaufstand der Moral

 Aus Friedrich Nietzsches Essay “Gut und böse”, “gut und schlecht”  (Erste Abhandlung aus Zur Genealogie der Moral, 1886) 7. – Man wird bereits errathen haben, wie leicht sich die priesterliche Werthungs-Weise von der ritterlich-aristokratischen abzweigen und dann zu deren Gegensatze … Weiterlesen

Nietzsche: Versuch einer Mythologie – ANEKDOTE

»Geschichte ist eine große Anekdote. Eine Anekdote ist ein historisches Element, ein historisches Molekül . . Ein Anekdotenmeister muß alles in Anekdoten zu verwandeln wissen.«

Friedrich Wilhelm NietzscheNUR das Persönliche ist das ewig Unwiderlegbare. Aus drei Anekdoten ist es möglich, das Bild eines Menschen zu geben; ich versuche es, aus jedem Systeme drei Anekdoten herauszuheben, und gebe das übrige preis.«

So Nietzsche in einem späteren Vorwort zu seiner Fragment gebliebenen Darstellung der »Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen«. Wie er in den Philosophengestalten dieses Bruchstücks dichterische Überhöhungen seiner eigenen philosophischen Möglichkeiten gibt, so geben jene Sätze des Vorworts den aphoristisch gedrängten Kern seiner Denkmethode. Aus drei Anekdoten das Bild, aus drei Anekdoten das System — und das übrige preisgegeben: das ist wirklich eine gültige Formel für den Prozeß des Bilderdenkens bei Nietzsche, für seinen philosophischen Rhythmus.

Nietzsche war, so ausgesprochen wie wenige große Typen, eine durchaus »anekdotische Natur«. Einer solchen Natur ist es Gabe zugleich und Begrenzung, daß sie das Geschehen, um es zu meistern, nicht langsam ordnend vereinfacht und architektonisch im System vor sich aufbaut, sondern daß sie es von vorneherein im Brennspiegel des Moments am deutlichsten erfährt, in der Form des schlechthin einmaligen Augenblicks am liebsten sich versinnlicht. Es ist die Gabe und Begrenzung des Romantikers, des romantischen extremen Individualismus. Novalis, Friedrich Schlegel und Jean Paul sind, in drei verschiedenen Brechungen, die großen Repräsentanten der romantischen Anekdotenmeisterschaft. Und an der Verwitterungsgrenze der Romantik, dort, wo sie sich mit einem ihr feindlichsten geistigen Prinzip jeweils kämpfend auseinandersetzt, zugleich besiegt und unbesieglich, in Heine, Hebbel, Nietzsche beweist sich noch ein zweites Mal der anekdotische Urcharakter alles Romantizismus. Ja, er wird nur um so deutlicher herausgetrieben gerade da, wo Romantik mit Skepsis, Enthusiasmus mit Zynismus streitet, wo der extreme Individualismus gleichsam in beiderlei Gestalt triumphiert: dort wird die Anekdote (in ihrem intensivsten Sinne) die legitime Form, geradezu der notwendige und unvermeidliche Ausdruck, der einzige, der beide Tendenzen zugleich enthalten kann. Formen wie Atta Troll oder das Wintermärchen Deutschland, wie Flauberts Versuchung des heb ligen Antonius und vor allem Bouvard und Pecuchet bezeichnen die Möglichkeiten dieses anekdotischen Typs. (Ein Beispiel in engerer Sphäre, aber von sehr reinem Typus, bietet Wesen und Kunst Theodor Fontanes, des klassischen Anekdotenmeisters, dessen Skepsis das spätromantische Erdreich seiner Balladen nicht verleugnet.) An dieser Stelle aber, an der äußersten Grenze des alten romantischen Landes» steigt ja die Pyramide von Nietzsches Lebenswerk auf, des Bodens diesseits wie jenseits der Grenze gleichermaßen teilhaftig.

Nietzsches ganze Technik, das liegt zutage, ist Handhabung der romantischen Anekdotenmeisterschaft, die Novalis feiert. Auch ihm ist die Anekdote Element und Molekül, seines Denkens wie seines Stiles. Seinen Aphorismus als Notform und Notbehelf des Kranken und ahasverisch Wandernden auffassen konnte nur völliges Mißkennen seines geistigen Grundrisses. Vielmehr ist er eine seelische Urform, gleich dem sibyllinischen Fragment des Novalis, gleich dem Streckvers Jean Pauls, gleich dem anekdotischen Gleichnis der hebbelschen Tagebücher. Seine sozusagen väterliche Herkunft aus dem Aphorismus der französischen Skepsis ist wesentlich nur formbestimmend; entscheidend wirkt das mütterliche Erbe der Romantik. (Auch hier gilt Nietzsches Mahnung aus dem Nachlaß der Zarathustrazeit: »Das Mütterliche verehrt mir: der Vater ist immer nur ein Zufall.«) Und wenn wirklich, wie die Theoretiker jener Notform wollen, eine Resignation im Typus seines Aphorismus durchschimmert, so ist es eine viel tiefer als in individuellen äußeren Begrenzungen und Hemmungen begründete; sie käme eher aus dem sibyllinisch wissenden Urgefühl, dem ein Fragment aus der Ruinenstätte des Willens zur Macht Worte gibt: man soll nicht bauen, wo es keine Zeit mehr ist — oder, mit den Worten des »Fall Wagner«: »Was heute gut gemacht, meisterhaft gemacht werden kann, ist nur das Kleine. Hier allein ist noch Rechtschaffenheit möglich.« Man wird nicht die frühsten, scheinbar ja architektonischer komponierten Schriften, bis zur letzten Unzeitgemäßen hin, als eine Ausnahme oder gar einen Einwand empfinden. Denn gerade diese Arbeiten, in denen der Ehrgeiz zu bauen, im schopenhauerschen Sinne symphonisch zu komponieren, kühne Gewölbe zu schlagen, freilich ganz unverkennbar ist, gerade sie verraten auffallend, daß sie dennoch zusammengesetzt, aus hundert einzelnen Intuitionen und einander kreuzenden kurzen Ideenkurven, aus lauter kleinen »rechtschaffenen« Vollkommenheiten ehrgeizig aufgetürmt sind. Es sind Mosaiken, kein Zweifel, und daß sie es sind, macht gerade den unsagbaren, flimmernden und beunruhigenden Reiz aus, der namentlich der »Geburt«, der »Schopenhauer als Erzieher« und »Richard Wagner in Bayreuth« so eigentümlich ist. Liest man sie wirklich auf strenge Gedankenarchitektur und logisches Fortschreiten hin, so wirken sie fast peinlich durch das unausgesetzte neue Atemholen; aber man liest sie in Wirklichheit unwillkürlich so, als wären es schon die späteren Bücher, die sich zum Mosaik, zur Technik des Einzelfragments dann offen bekennen. Und nicht anders steht es ja mit den nicht so offensichtlich aphoristischen Büchern der letzten Jahre, dem Jenseits, der Genealogie, dem Antichrist, den Wagnerpolemiken, dem Ecce homo: ihre Technik ist die einer virtuosen Addition, der nur durch geschickte Verwendung der leitmotivischen Wiederaufnahme, durch Spiralrückkehr zu gewissen Mittelgedanken der Charakter des Bauwerks, der Komposition angetäuscht ist. Vor allem aber Zarathustra: kein Bau, sondern gigantisches Agglomerat, keine Architektur, sondern eine Traum- und Rauschfolge, kein aufgipfelndes Gebirgsmassiv, sondern eine Landschaft von Eruptionskratern. Und wie im Ganzen, so wiederum im Einzelnen: man sehe die Zarathustradichtung einmal darauf hin an, wie viele ihrer Kapitel ausschließlich um den anekdotischen Moment herum krystallisiert sind, oder über ihm, wie über einer Krypta, aufgebaut sind. (Schon die Titel zeigen das nicht selten.) Die Vorrede etwa ist ganz und gar um die Seiltänzeranekdote — ein Erlebnis des Knaben Nietzsche auf dem Naumburger Marktplatz — herum gruppiert, bis zur Herübernahme des episodischen Anlasses. Wie viele der einzelnen Kapitel sind Verherrlichungen eines höchsten Augenblicks, Ausdeutungen eines bildhaft übereindringlichen Moments, einer Symbolfähigen Anekdote! Noch die Briefe Nietzsches quellen über von der Lust am Anekdotischen, am raschen und springenden Gleichnis, am Leitmotiv und parodierenden Zitat. Und bis in die philologische Sphäre hinein folgt ihm die Neigung zum gespitzten Moment, zur Häufung winziger Einzelreize: »Ich habe leider Neigung für das Pariser Feuilleton, für Heines Reisebilder usw. und esse ein Ragout lieber als einen Rinderbraten«, lautet der kokette Seufzer des jungen Philologen an die Frau seines Lehrers Ritschl; und dieser selbst urteilt, Nietzsche schreibe sogar seine philologischen Abhandlungen absurd spannend, wie ein Pariser Romancier.

Aber am merkwürdigsten und kennzeichnendsten bleibt wohl, daß selbst seinem Verhältnis zur Musik, dieser strömendsten und unanekdotischsten, weil ungeistigsteft Kunst, die Neigung zum anekdotischen Herausheben einzelner Schönheiten, kleiner Sonderwelten und in sich verschlossener Augenblicke eigen ist. So, wenn er etwa von Wagner (der ihm, wie immer, auch hier unbewußtes Gleichnis seiner selbst ist) aussagt, bewunderungswürdig, liebenswürdig sei Wagner nur in der Erfindung des Kleinsten, in der Ausdichtung des Details; er sei unser größter Miniaturist der Musik, der in den kleinsten Raum eine Unendlichkeit von Sinn und Süße dränge. »Will man mir glauben, so hat man den höchsten Begriff Wagner nicht aus dem zu entnehmen, was heute von ihm gefällt . . es gibt noch einen Wagner, der kleine Kostbarkeiten beiseite legt: unsern größten Melancholiker der Musik, voll von Blicken, Zärtlichkeiten und Trostworten, .die ihm keiner vorweggenommen hat . . Ein Lexikon der intimsten Worte Wagners, lauter kurze Sachen von fünf bis fünfzehn Takten, lauter Musik, die niemand kennt« — oder wenn er empfiehlt, sich Sammlungen von reinen Melodien aus Beethoven oder Chopin anzulegen. Selbst seine Art, Musik gleichnishaft zu erleben, verrät noch den Kultus des erhöhten Augenblicks. So umschreibt »Menschliches« den Eindruck von Chopins Barcarole: »Fast alle Zustände und Lebensweisen haben einen seligen Moment. Den wissen die guten Künstler herauszufischen. So hat einen solchen selbst das Leben am Strande, das so langweilige, schmutzige, ungesunde, in der Nähe des lärmendsten und habgierigsten Gesindels sich abspinnende. Diesen seligen Moment hat Chopin, in der Barcarole, so zum Ertönen gebracht, daß selbst Götter dabei gelüsten könnte, lange Sommerabende in einem Kahne zu liegen.« Und vielleicht gilt seine frühe Liebe zu Schumann am innigsten eben dem Meister der kleinsten musikalischen Form, der musikalischen Novellette, der huschendsten Augenblicke voll geistigen Übermuts, flüchtigen Glückes oder zarten Herzwehs, diesem größten Meister des musikalischen Augenblicks, den wenigstens die deutsche Musik jemals besessen hat. Aber auch seine musikalische Spätliebe, die zu Bizets Carmenmusik, steht ganz im Zeichen der Dankbarkeit für das Kleinste, für den flüchtigsten Moment: die Randbemerkungen Nietzsches in einem Klavierauszug der »Carmen«, den er im Januar 1882 an Gast sandte, sind gerade dafür ungemein bezeichnend (das Exemplar befindet sich heute im Nietzsche-Archiv). Fast alle Anmerkungen und Ankreuzungen beziehen sich auf einzelne harmonische oder melodische Momente. So lautet die Anmerkung zum tragischen D-moll-Motiv der Einleitung charakteristisch genug: »Ein Epigramm auf die Leidenschaft das Beste, was seit Stendhal sur l’amour geschrieben worden ist«; zum »unerbittlich« der Kartenlegszene heißt es: »Dies Dur ist ganz schauerlich«; zum Fortissimo-Dureinsatz des Seitenthemas im Zwischenspiel zum vierten Akt: »Für mich ist dies Dur zu Tränen rührend« — und so fort.

Nietzsche hat im »Fall Wagner« selbst die Verwandlung und Auflösung des Stiles charakterisiert, die den romantischen Anekdotenmeister, den extremen Individualisten erkennen läßt. Womit kennzeichnet sich jede literarische decadence? fragt er. Und seine Antwort (wie man ohne Zweifel beobachtet hat, eine Paraphrase von Sätzen aus Bourgets »Baudelaire«, 1883) lautet: damit, daß das Leben nicht mehr im Ganzen wohnt. »Das Wort wird souverän und springt aus dem Satz hinaus, der Satz greift über und verdunkelt den Sinn der Seite, die Seite gewinnt Leben auf Unkosten des Ganzen, — das Ganze ist kein Ganzes mehr.« (Man vergleiche im Vorbeigehen das französische Urbild dieser Stelle, die bei Bourget lautet: ».. Une meme loi gouverne le developpement et la decadence de cet autre organisme qui est le langage. Un style de decadence est celui oü l’unite du livre se decompose pour laisser la place ä l’independence de la page, oü la page se decompose pour laisser la place ä l’independence de la phrase, et la phrase pour laisser la place ä la l’independence du mot.«) »Aber das ist,« so steigert Nietzsche Bourgets kühle Beobachtung ins leidenschaftlich Klagende und Anklagende, »das ist das Gleichnis für jeden Stil der decadence: jedesmal Anarchie der Atome, Disgregation des Willens, »Freiheit des Individuums-, moralisch geredet, — zu einer politischen Theorie erweitert »gleiche Rechte für alle. Das Leben, die gleiche Lebendigkeit, die Vibration und Exuberanz des Lebens in die kleinsten Gebilde zurückgedrängt, der Rest arm an Leben . . Das Ganze . . zusammengesetzt, gerechnet, künstlich, ein Artefakt.«

Was Nietzsche hier zur Charakteristik Wagners verwertet und ausdeutet, er sagte (und klagte) es in der Tiefe von sich selber. Bei Wagner stehe, meint er, im Anfang die Halluzination: nicht von Tönen, sondern von Gebärden; zu ihnen suche er erst die Tonausdeutung. Gerade das aber gilt für Nietzsches Gedankenmusik: im Anfang steht der Augenblick, der mystische Blitz, der individualisierte und losgelöste Moment, die Eingebung, das Gehorchen bis zum Grotesken — man denke an seine Schilderung der »Inspiration« im Ecce homo, diese prachtvolle Verklärung des prophetischen Moments. Oder es heißt etwa im Willen zur Macht: »Hier ein kleines Ideal, das ich alle fünf Wochen einmal auf einem wilden und einsamen Spaziergange erhasche, im azurnen Augenblick eines frevelhaften Glücks.« Kein Zweifel, dieser azurne Augenblick — »wie ein Blitz leuchtet ein Gedanke auf, mit Notwendigkeit, in der Form ohne Zögern, — ich habe nie eine Wahl gehabt . . man hört, — man sucht nicht; man nimmt, — man fragt nicht, wer da gibt . .« er bezeichnet den klassischen Urbeginn des nietzscheschen »Gedankens«; bei ihm steht »im Anfang die Halluzination«: nicht des Gedankens, sondern des Gleichnisses, des Bildes (»die Unfreiwilligkeit des Bildes, des Gleichnisses ist das Merkwürdigste; man hat keinen Begriff mehr, was Bild, was Gleichnis ist, alles bietet sich als der nächste, der wichtigste, der einfachste Ausdruck an«), als das Chaos einer werdenden Welt im Zustand der fruchtbaren »Anekdote«, des ausdeutbaren Moments. Und wie Wagner, nach Nietzsche, zu der Urhalluzination der Gebärden erst die Tonsemiotik sucht und erfindet, wie er das Motiv zum Leitmotiv herrisch ausdeutet und umschafft, so Nietzsche selber: auch seine Bücher bilden sich wie Wagners und geheure Agglomerate aus einer »Anarchie der Atome, einer Freiheit des Individuums, moralisch geredet«, zu einem Artefakt von Ganzem, künstlich, zusammengesetzt, ja auf Zusammensetzung durch den –wiedererkennenden — idealen Hörer berechnet; einem Ganzen aus souveränen Leitmotiven, von denen jedes einzelne sich suchen läßt und seine tiefere Bedeutung erraten haben will — ja einem solchen Ganzen, in welchem der Autor selber das eigentliche souveränste Leitmotiv schmerzlich zu suchen scheint. (Ist es ein Zufall, daß das einzige Buch Nietzsches, in dem ein einziges gebieterisches Leitmotiv unzweideutig herrschen und ordnen sollte, daß der Wille zur Macht ein ehrfurchtgebietendes Trümmerchaos von Fragmenten geblieben ist?) Die Exuberanz des Lebens in die kleinsten Gebilde zurückgedrängt, der Rest arm an Leben . . das Ganze lebt überhaupt nicht mehr: es ist zusammengesetzt, künstlich, ein Artefakt — ist diese Charakteristik des Dekadenzstils im allgemeinen und des Wagnerstils im besonderen nicht vor allem — eine Kritik Zarathustras, nämlich Zarathustras als Gestalt, als lebendiger Versinnlichung, als der geschauten Einheit seiner Reden und Gleichnisse? Ist nicht gerade Zarathustra im eminenten Sinn ein solches Artefakt großartigsten Maßstabes, mit einer Exuberanz des Lebens und Lebenwollens in seinen kleinsten Teilgebilden, als Ganzes aber eine erhabene Abstrakt tion, ein stummer Umriß statt einer lebendigen, gedichteten und verdichteten Figur, ein flimmerndes Mosaikbild statt eines Prophetenleibes? Zarathustra wurde ein Gefäß für tausend Inspirationsmomente, ein Rahmenumriß für lauter anekdotische Miniaturen, jede für sich einmalig und tief erlebt und erlitten; er wurde ein Musikdrama um einer Fülle philosophischer Einzelmotive willen, lauter kurzer Sachen von fünf bis fünfzehn Takten, lauter Kostbarkeiten, die niemand kennt — aber er wurde kein Mund, kein Mensch, keine Gestalt, die da wäre, nur eine, die da sein soll aus dem gebieterischen Willen dessen heraus, der sie erdachte; genau wie Wagners »Musikdrama«, als Gattung und Typus, seine Existenz nur Wagners gebieterischem Willen, nicht eigner Lebensfülle verdankt. Figaro, Don Juan, Fidelio sind — die Nibelungen aber, aus gewaltigstem Ehrgeiz geboren, sollen da sein: das ist auch das Verhältnis von Lutherbibel und Faust zum Zarathustra. Artefakte sind Nibelungen wie Zarathustra eines ungeheuren zusammenfassenden Willens, nicht Geburten; dämonisch überlebendig im Einzelnen, starr als Ganzes; und wie alles, was künstlich ist, »geschlossnen Raum verlangend« — nämlich die vorausgesetzte und voraussetzende individuelle Welt ihres Ersinners, den gläsernen Himmel dieser und nur dieser Einzelseele. Vielbesagend, wie Nietzsche sich die Geburt der Gesänge Beethovens vorstellt; er will, daß sie entstanden wie seine eignen Schriften: aus dem Geiste der musikalischen Anekdote als ein Mosaik der kleinsten Kostbarkeiten, der fünf bis fünfzehn Takte — so wie die Symphonie Zarathustra später wirklich entstand. Und merkwürdig genug zugleich, wie er hier, in seiner positivistischen Zeit, jene Inspiration abzuleugnen sich müht, die er doch später, im Instinkt, daß sie allein ein Werk vom Range Zarathustras legitimiere, zur Mutter dieses ehrgeizigsten zugleich und selbsthassendsten seiner Werke machte. »Man ersieht jetzt aus den Notizbüchern Beethovens,« heißt es in der ersten nachwagnerschen Periode, »daß er die herrlichsten Melodien allmählich zusammengetragen und aus vielfachen Ansätzen gewissermaßen ausgelesen hat.« Und an andrer Stelle, deutlicher noch und unzweideutiger autobiographisch: »Beethovens Musik erscheint häufig wie eine tiefbewegte Betrachtung beim unerwarteten Wiederhören eines längst verloren geglaubten Stückes .Unschuld in Tönen; es ist Musik über Musik. Im Liede der Bettler und Kinder auf der Gasse, bei den eintönigen Weisen wandernder Italiener, beim Tanze in der Dorfschenke oder in den Nächten des Karnevals — da entdeckt er seine .Melodien: er trägt sie wie eine Biene zusammen, indem er bald hier bald dort einen Laut, eine kurze Folge erhascht. Es sind ihm verklärte Erinnerungen aus der »bessern Welt: ähnlich wie Plato es sich von den Ideen dachte . . Man dürfte Beethoven den idealen Zuhörer eines Spielmanns nennen.« Hört man aus dieser Charakteristik der beethovenschen Musik nicht das Eingeständnis des künftigen Zarathustrakomponisten, dem ja Zarathustra wirklich »unter die Symphonien« zu gehören schien? Nicht nur der »ideale Zuhörer eines Spielmanns«, die betrachtende »Musik über Musik«, die »Zweite Unschuld« sind ja deutliche Nietzschezüge. Vor allem ist geheim nietzschisch das Bild des einsamen Musikanten auf der Suche nach den Fragmenten einer platonischen Urmusik, der seine Melodien, versprengte Fernblitze des tönenden Urfeuers, in winzigen Bruchstücken auf Wandergassen zusammenträgt, verklärte Erinnerungen einer bessern Welt; nietzschisch und Nietzsche deutend die Vorstellung vom Entstehen der großen einsamen Triumphgesänge, die der Beethoven der missa solemnis sich zusang, als seien es Endergebnisse geduldig und asketisch gehäufter Wandervisionen, winziger abgesprengter Urmotive, mystischer Anekdoten der Musik. War die Neunte, war vollends die Messe ein solches platonisches Mosaik für den Dichter Zarathustras, warum durfte nicht auch Zarathustra selber so entstehen — eine aus tausend Einzelflügen und Einzelaufschwüngen bienengeduldig zusammengetragene »Erinnerung an Schöneres als ich«, wie es in Nietzsches »Herbst«gedicht heißt? Es gab für Nietzsche aber ein höheres Künstlertum als das platonisch beethovensche dieser Stelle, als das nordische Betrachten und Musizieren über Musik; und nicht zufällig schließt sich, schon so früh, an diese Beethovenstelle das Gegenbild der unbeethovenschen Musik, der Musik, die Nietzsche gern gewesen wäre: »Mozart steht ganz anders zu seinen Melodien: er findet seine Inspirationen nicht beim Hören von Musik, sondern im Schauen des Lebens, des bewegtesten südländischen Lebens: er träumte immer von Italien, wenn er nicht dort war.«

Nietzsche war sich seiner allzu romantisch-anekdotischen, seiner mosaizierenden Gedankennatur bewußt — das scheint diese Beethovenanalyse zu gestehen. Aber sie weist doch, gerade sie, auch auf die Stelle hin, wo Nietzsche dem Fluch des individualistischen Leitmotivs, der Anarchie der Atome sich entzieht. Er ist, mit Novalis, freilich der rechte Anekdotenmeister, der alles in Anekdoten zu verwandeln weiß; aber er weiß doch auch wieder die Anekdote zur Geschichte hinauf, zur Idee hinüber zu verwandeln. »Aus drei Anekdoten ist es möglich, das Bild eines Menschen zu geben« — freilich ist das eine romantische Technik und eine Dekadenzneigung. Aber »abgerechnet, daß ich ein decadent bin, bin ich auch dessen Gegensatz«, formuliert Nietzsche. Vor allem der Gegensatz. Denn nicht auf den drei Anekdoten, wie bei dem romantischen Skeptiker, dem Fontanetypus, liegt doch zuletzt bei Nietzsche der Ton. Sondern auf dem »Bild«; und zwar auf dem Bild in platonischer Zuschärfung, als eidogy als Idee. Das leuchtet gerade aus jener Beethovenstelle vor. »Erinnerung an Schöneres als ich« — solch platonisches Erglänzen geht auch über seinem anekdotischen Individualismus auf. Sein Aphorismus, seine psychologische Anekdote erweist sich als eine musikalische Urform eben durch das ihr einwohnende platonische Heimweh. Aller Ton ist Heimweh, ist Gleichnis. Und alle psychologische Unerbittlichkeit, aller asketische Zynismus, alles »cave musicaml« in Nietzsches aphoristischer Selbstdarstellung kann nicht darüber hinwegtrügen, daß hier ein Musiker, ein Platoniker sich eine musikalische Form, einen heimlichen Dialog geschaffen hat: über das romantische Fragment Schlegels, die mystisch-realistische Gegensatzvermählung in Novalis’ Hellblicken und Ahnungen hinaus den nüchterneren und zugleich leidenschaftlicheren Typus seines in Zarathustras anekdotischer Bilderrede gipfelnden Aphorismus, lauter in sich abgeschlossene kleine Welten, dennoch voll eines geheimen Zwiespalts, in sich vollkommen, und dennoch, wie alles Vollendete, nicht allein sich, sondern eine ganze mitverwandte Welt ausdrückend. Lauter winzige Kostbarkeiten von fünf bis fünfzehn Takten, aber von symphonischer Gewalt (»mein Ehrgeiz ist, in zehn Sätzen zu sagen, was jeder andre in einem Buche sagt — was jeder andre in einem Buche nicht sagt«). Hier begegnet sich die Anekdote mit dem Gleichnis, der Zynismus mit dem Glaubenssymbol, das historische Molekül mit der historischen Philosophie. Drei Anekdoten geben den Menschen, das Bild, die Musik. In diesem Aphorismus ist sokratische Musik, wie in dem Scheinrationalismus platonischer Dialoge die Musik schläft, der Sokrates erst im Angesichte des Todes opfern wird. Sokrates, der wahre Anekdotenmeister, dessen Erfindung und ironisches Geheimnis die erzieherische Anekdote war, der alles in Anekdoten zu verwandeln wußte, er ist auch hier das geheime Vorbild, wie er es für alle die ist, in denen »Skepsis und Sehnsucht sich begatten«. Das Ecce homo ward vielleicht das Meisterstück dieses Ehrgeizes nach sokratischer Musik, nach der mystischen Anekdote. Aufgelöst in lauter Bruchstücke fast durchweg rein anekdotischen Charakters, ein Musterbeispiel für die Souveränität des Einzelsatzes und Einzelwortes im Stil aller decadence, zeigt dennoch das Ganze dieses einzigartigen Selbstbekenntnisses eine Totalität, eine innere Einheitlichkeit und selbst Strenge, die das vollkommene Gegenteil einer Anarchie der Atome ist. So wird das Ecce homo geradezu ein Abbild der Wirkung Nietzsches selber: ein Leben aus mühsam abgerungenen oder bewußt gesteigerten Einzelmomenten, Einzelaufschwüngen, Einzelinspirationen, ein Werk aus Anläufen, Enttäuschungen, Paradoxen, asketischen Selbstverneinungen — und, dennoch, das Ganze unvergleichlich in majestätischer Einheit ruhend. Ein Gewitter von Blitzen, — und dennoch die Klarheit eines stetigen Tages ausstrahlend. Vom scharfen, individualistischen Reiz der persönlichen Anekdote und des einmaligen geistigen Abenteuers, — und zugleich, auf schwer erklärbare Weise zugleich, voll vom Zauber des entpersönlichten Schicksals, vom Hauch des Gleichnisses und von der Stille eines unvergänglichen Bildes.

Ganz zuletzt ist ja selbst noch Nietzsches Ewigkeitslehre, der Gedanke der Ewigen Wiederkunft, die Ausgeburt und die Verherrlichung eines höchsten Augenblicks: seine »Ewigkeit« ist Kult des mystischen Moments, eines solchen, wie er ihn am Felsblock von Surlei, beim See von Silvaplana, im August des Jahres 1881 erlebte. Wir erleben alle Ewigkeit nur in der Form des dionysischen Augenblicks, wir bejahen alle Ewigkeit nur im Ja zum rechtfertigenden Moment, zum faustisch verhängnisvollen Augenblick des »Verweile doch!« — das ist die äußerste Folgerung, die Nietzsches ewigkeitsüchtiger Wille aus der eigenen anekdotischen Uranlage zieht, die kühnste Steigerung seines sokratischen Individualismus in platonische Metaphysik hinauf: der Platoniker in ihm schmiedet den goldenen Augenblick zu Zarathustras »hochzeitlichem Ring der Ringe, dem Ring der Wiederkunft« — das steht, außer im Zarathustra selber, am schönsten wohl in den Bruchstücken, die das Schlußkapitel »Dionysos« des Willens zur Macht bilden sollten:

»Gesetzt, wir sagen Ja zu einem einzigen Augenblick, so haben wir damit nicht nur zu uns selbst, sondern zu allem Dasein Ja gesagt. Denn es steht nichts für sich, weder in uns selbst, noch in den Dingen: und wenn nur ein einziges Mal unsere Seele wie eine Saite vor Glück gezittert und getönt hat, so waren alle Ewigkeiten nötig, um dies Eine Geschehen zu bedingen und alle Ewigkeit war in diesem einzigen Augenblick unseres Jasagens gutgeheißen, erlöst, gerecht* fertigt und bejaht.«

Germanenherz aus dem Buch: Nietzsche, Versuch einer Mythologie (Ernst Bertram 1920)

Friedrich Nietzsche

sämtliche Werke hier im Germanenherz-Blog als pdf .  Nietzsche, Friedrich Wilhelm, geb. 15. Oktober 1844 in Röcken bei Lützen als Sohn eines protestantischen Pfarrers (gest. 1849 an den Folgen einer Gehirnerschütterung durch einen Sturz). 1850 übersiedelte die Familie nach Naumburg … Weiterlesen

Thema Umerziehung

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Deutschland ist eine USrael-Kolonie – die Deutschen werden von einer Fremdherrschaft regiert
Weltherrschaft durch Umerziehung? aus KULTUR UND ZEITGESCHICHTE – ARCHIV DER ZEIT  ISBN 3-920722-29-9

Umerziehung ist das Werkzeug der Siegermächte, um die besiegten Völker geistig und seelisch umzuformen, ihnen ihre nationale Identität zu nehmen und sie zum formlosen Abklatsch der Sieger zu machen. Siegermächte des Zweiten Weltkrieges waren militärisch und machtpolitisch Amerika und Sowjetrußland, geistig und ideologisch die jüdischen Zionisten und Kommunisten. Frankreich kam als „Trittbrettfahrer“ der Amerikaner in den Siegerrang, ebenso Großbritannien. General de Gaulle bezeichnete Churchill als Roosevelts „Statthalter Europas“. Die Lieblingsidee Roosevelts war eine einheitliche Weltregierung durch die von ihm gegründeten „Vereinten Nationen“, am 1. Januar 1942 als „Pakt der Vereinten Nationen“ (26-Nationen-Erklärung) ins Leben gerufen. Die von Präsident Roosevelt erdachte und verwirklichte zweigeteilte Weltherrschaft der Amerikaner und der Russen beruhte somit auf der UNO, jedenfalls formal. Maßgebend blieben die beiden Supermächte, letzten Endes aufgrund ihrer gewaltigen industriellen und wirtschaftlichen Überlegenheit die Amerikaner, von denen auch Sowjetrußland abhängig war. Der „American Way of Life“ wurde somit für die ganze Welt bestimmend. Die UNO hatte am 15. Juni 1945 ihre Satzung beschlossen, unterzeichnet von 51 Nationen. Die „Vereinten Nationen“ waren, wie nach dem Ersten Weltkrieg der Völkerbund, eine Vereinigung von Siegerstaaten, die besiegten Staaten blieben aufgrund der Feindstaatenklausel ausgeschlossen; sie besteht noch heute. Die beiden Supermächte waren bestrebt, einen einheitlichen Menschentyp zu schaffen: im Osten den kommunistischen, im „freien Westen“ den demokratischen Massenmenschen. Maßgebend war und blieb der von den Amerikanern geschaffene Lebensstil, beruhend auf Massenproduktion und Massenkonsumation in Nahrung, Kleidung, Wohnung, im Geistigen und Kulturellen mit der übermächtigen standardisierten Unterhaltungsindustrie der Massenmedien: Presse, Zeitschriften, Film, Rundfunk, Fernsehen. Die amerikanische Freizeitindustrie und -Gestaltung mit dem Hollywood-Symbol hat die eindeutige Führung. Aber die Einheitswelt mit der amerikanisierten UNO-Regierung hat sich im Laufe eines halben Jahrhunderts als blutige Utopie erwiesen. Allein die ständige Zunahme der Mitglieder der UNO mit neuen Nationen- und Nationalitäten ist das Zeichen wachsenden Willens nach nationaler Selbständigkeit.

Die Handelskonkurrenz des kleindeutschen Kaiserreiches war die Triebfeder für den Entschluß der Regierung des britischen Weltreiches, den in überraschender Schnelligkeit heranwachsenden deutschen Konkurrenten niederzuschlagen und auszuschalten. Symbolisch dafür war das Gespräch des Führers der konservativen Partei, Lord Balfour, mit dem amerikanischen Botschafter in London Henry White um das Jahr 1910: „Wir sind wahrscheinlich töricht, daß wir keinen Grund finden, um Deutschland den Krieg zu erklären, ehe es zuviel Schiffe baut und uns unseren Handel wegnimmt.“ 1) Der amerikanische Botschafter antwortete: „Sie sind im privaten Leben ein hochherziger Mann. Wie ist es möglich, daß Sie politisch etwas so Unmoralisches erwägen können, wie einen Krieg gegen eine harmlose Nation zu provozieren, die ein ebenso gutes Recht auf eine Flotte hat wie Sie? Wenn Sie mit dem deutschen Handel konkurrieren wollen, so arbeiten Sie härter.“ Darauf Lord Balfour: „Das würde bedeuten, daß wir unseren Lebensstandard senken müßten. Vielleicht wäre ein Krieg einfacher für uns.“ Botschafter White erwiderte: „Ich bin erschrocken, daß gerade Sie solche Grundsätze aufstellen können.“ Balfour entgegnete: „Ist das eine Frage von Recht und Unrecht? Vielleicht ist das nur eine Frage der Erhaltung unserer Vorherrschaft.“

Die weltgewandte Diplomatie Englands hatte bereits mit der Entente Cordiale von 1904 und dem Abkommen mit Rußland von 1907 das Netz gesponnen, um den verhaßten deutschen Konkurrenten damit zu fangen und ihn zum Erliegen zu bringen. England machte 1914 durch sein Eingreifen den binneneuropäischen Konflikt zu einem Weltkrieg als Mutterland des größten Weltreiches. Die wichtigsten Waffen gegen das Deutsche Reich waren Hunger und Lüge durch die Hungerblockade und durch die Lügenpropaganda. Damit begann die „Umerziehung“. Die von England und aus gesteuerte Propaganda erzeugte schon vor Ausbruch des Krieges eine in der Welt verbreitete antideutsche Stimmung mit der Behauptung, das kriegerische Deutschland sei schuld an dem Kriege, weil es seine harmlosen Nachbarn überfallen habe. Der britischen Propaganda gelang es, sich das Monopol der Nachrichtenversorgung der ganzen Welt, besonders von Amerika, zu sichern, indem es das überseeische Kabel bei Kriegsbeginn durchschnitt. Deutschland war dieser Kampfesweise nicht gewachsen und erlag nach über vierjährigem Widerstand. Das Deutsche Reich hatte sich zwar im Kampfe so stark erwiesen, daß es sich in den ersten drei Kriegsjahren erfolgreich gegen seine drei Hauptgegner Frankreich, Rußland und das Britische Weltreich hatte behaupten und Rußland in die Knie zwingen können. In Frankreich meuterte 1917 die Armee, und die Entente-Mächte Frankreich und England mußten einen Kompromißfrieden mit dem Deutschen Reich ins Auge fassen. Aber die USA entschieden durch ihr militärisches Eingreifen ab Juni 1917 den Krieg gegen die Mittelmächte und für die Entente. Sie hatten schon seit Herbst 1914 in steigendem Maße den Alliierten Rüstungsmaterial geliefert, und zwar für mehr als drei Milliarden Dollar. Nun griffen sie militärisch ein, weil sie ihre Kriegsgewinne gefährdet sahen.

Churchill soll 1936 geäußert haben: „Amerikas Kriegseintritt war ein unseliger Schrift. Wäret Ihr“, so sagte er einem amerikanischen Journalisten, ,zu Hause geblieben und Euren Geschäften nachgegangen, dann hatten wir im Frühjahr 1917 mit den Zentralmächten Frieden geschlossen und damit über einer Million britischer und französischer Soldaten das Leben bewahrt.“ 2) Die Amerikaner wurden ebenso eifrige Verfechter der Behauptung von der alleinigen Kriegsschuld Deutschlands wie England und Frankreich. Präsident Wilson gab dem Krieg gegen die Mittelmächte die entscheidende ideologische Wende eines Kampfes der republikanischen Demokratie gegen die monarchische Autokratie. Unmittelbar vor Kriegsausbruch hatte auf dem Eucharistischen Kongreß in Lourdes der New Yorker Erzbischof Kardinal Farley prophezeit: „Der Krieg, der in Vorbereitung ist, wird ein Kampf zwischen dem internationalen Kapital und den regierenden Dynastien sein. Das Kapital wünscht niemand über sich zu haben, kennt keinen Gott oder Herrn und möchte alle Staaten als große Bankgeschäfte regieren lassen. Ihr Gewinn soll zur alleinigen Richtschnur der Regierenden werden…“ 3) Ein halbes Jahrzehnt vorher, im Jahre 1909, hatte bereits Walther Rathenau in einem Artikel in der ,Neuen Freien Presse“ (Wien) darauf hingewiesen, daß dreihundert Männer anonym die Welt regieren. Und der große Moltke hatte schon in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre geschrieben: ,Die Börse hat in unseren Tagen einen Einfluß gewonnen, welcher die bewaffnete Macht für ihre Interessen ins Feld zu rufen vermag.“ 4)

Präsident Wilson erklärte auch, der Krieg richte sich nicht gegen das deutsche Volk, sondern gegen dessen autokratisches Regime, besonders gegen den Kaiser und gegen den preußischen Militarismus. Über den Kopf der deutschen Regierung hinweg suchte er unmittelbar auf das deutsche Volk Einfluß zu gewinnen. Die alliierte Propaganda steigerte sich ab 1917, unter solch ideologischem Vorzeichen außerordentlich geschickt organisiert und verwirklicht durch den britischen Presselord Northcliff 5), der die Lüge zur wirksamsten Waffe der Alliierten gemacht hatte. Greuelmärchen wie das Verstümmeln belgischer Kinder durch deutsche Soldaten (abgehackte Hände) hatten eine ungeheure Wirkung in den USA, noch zehn Jahre nach Kriegsende. Die alliierte Propaganda gewann ab Frühjahr 1917 einen einflußreichen Verbündeten in Deutschland selbst, nämlich die Unabhängige sozialdemokratische Partei. Sie strebte nach russischem Vorbild den gesellschaftlichen Umsturz im Deutschen Reich an und arbeitete daher sowohl mit dem bolschewistischen Politbüro in Moskau wie mit den alliierten Propagandisten in London und Paris, in Holland und in der Schweiz zusammen. Aber auch bürgerliche Zeitungen, wie die unter jüdischer Leitung stehende „Frankfurter Zeitung“ und ,Berliner Tageblatt“ betrieben pazifistische, antinationale Propaganda. Unter dem Einfluß dieser übermächtigen pazifistischen und besonders gegen den Kaiser gerichteten Propaganda brach im Herbst 1918 das Deutsche Reich zusammen, nicht an der Front, sondern in der Heimat und in der Etappe.

Wilsons vierzehn Punkte nahm die kaiserliche Regierung als Verhandlungsgrundlage an, und die hungernden Massen machten unter dem Einfluß ihrer sozialistischen Führer durch den Aufstand in der Etappe und in der Heimat weiteren Widerstand gegen den äußeren Feind unmöglich. Statt eines Waffenstillstandes mußte die Reichsregierung eine Kapitulation unterzeichnen, die bereits die Entwaffnung des Reiches erzwang. Die Siegermächte hatten den Vorvertrag auf der Basis der vierzehn Punkte nicht eingehalten und durch diesen Wortbruch die Kapitulation erzwungen. Die zwangsläufige Folge waren die Friedensdiktate von Versailles, St. Germain und Trianon für Mitteleuropa. Während die deutsche Nationalversammlung in Weimar Über die neue verfassungsmäßige Gestaltung für die ,freieste Demokratie“ beriet, legten in 20 Versailles die Sieger die “ Friedensbestimmungen“ unter voller Ausschaltung des Reiches und Deutschösterreichs fest. Sie erzwangen mit der Drohung des Einmarsches in Innerdeutschland dann die Unterschrift unter das Versailler Diktat am 28. Juni 1919, dem Jahrestag des Doppelmordes am österreichischen Thronfolgerpaar in Sarajevo, ein eindeutiges Bekenntnis zum Mord und seinen schwerwiegenden weltgeschichtlichen Folgen.

Als erster völkerrechtlicher „Friedensvertrag der europäischen Geschichte wurde der Versailler „Vertrag“ – es war ein Diktat! – n i c h t im Namen Gottes abgeschlossen. Neben unerfüllbaren wirtschaftlichen und finanziellen Forderungen und unheilvoller Verstümmelung besonders der Ostgrenze des Reiches war der Schuldparagraph 231 die schlimmste Belastung infolge der Lüge von der Alleinschuld des Deutschen Reiches am Kriegsausbruch. Das Versailler Diktat mußte im Reichsgesetzblatt veröffentlicht werden und war die eigentliche Verfassung der deutschen Republik. Die Weimarer Reichsverfassung wurde am 11. August 1919 verkündet. Ihr Vorbild war die parlamentarische Republik mit der Vielparteienherrschaft nach westlichem Muster. Obwohl das deutsche Volk, betört von der Feindpropaganda, die Waffen gestreckt hatte, den Kaiser gestürzt und die monarchische Staatsform beseitigte und nach dem Vorbild der westlichen Alliierten die staatliche Neugestaltung durchgeführt hatte, wurde es einem Straffrieden unterworfen. Die siegreichen Feinde erwürgten das Produkt ihrer Propaganda, die Weimarer Republik mit ihrer parlamentarischen Vielparteienherrschaft, bereits im Augenblick der Geburt. Das von Präsident Wilson stolz verkündete Selbstbestimmungsrecht der Völker wurde dem deutschen Volk verweigert, die österreichischen Deutschen mußten in der kleinen Rumpfrepublik vegetieren, der Anschluß an das Reich, von der österreichischen Nationalversammlung einstimmig beschlossen, ebenso von der Weimarer Nationalversammlung, wurde verboten. Das Königreich Ungarn wurde durch das Diktat von Trianon zwei Drittel seines Gebietes beraubt. Die Sieger schufen neue Staatsgebilde, die sich als lebensunfähig erwiesen: Im Norden der ehemaligen Donaumonarchie die Tschechoslowakei und im Süden Jugoslawien. Diese Retortengebilde, nur geschaffen, um das deutsche Volk in der Mitte Europas dauernd in Ohnmacht zu halten, bestehen zur Zeit der Niederschrift dieses Textes bereits nicht mehr. Die Abtrennung Ostpreußens und Danzigs durch den politischen Korridor vom Reich war eine sadistische Maßnahme, Anlaß für den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. ,An dieser Stelle wird in zwanzig Jahren ein neuer Krieg entstehen“, hatte Marschall Foch bei Festlegung der deutschen Ostgrenze prophezeit. Die Alliierten hatten mit Hilfe Amerikas den Sieg errungen durch Lüge, Hunger, Betrug und Vergewaltigung. Die Sieger tragen für die Friedensordnung die Verantwortung. Aus ihrer „Friedensordnung“ entstand der Zweite Weltkrieg. Der berühmte Althistoriker Eduard Meyer schrieb an Oswald Spengler am 26. 7. 1927:

„Ganz abgesehen davon, daß ich niemals wieder etwas für Amerika schreiben würde – denn Amerika ist für mich der Hauptschuldige an unserer Lage – mit seiner inneren Verlogenheit und salbungsvollen Überheblichkeit der mir widerwärtigste unserer Feinde…“

Zwischenkriegszeit – Weimarer Republik

Die Weimarer Parteien haben alle mit Ausnahme der eigentlichen Umsturzpartei, der USPD, gegen das Versailler Diktat, besonders den Schuldparagraphen, protestiert, ihn trotz der erzwungenen Unterschrift nie anerkannt. Die Verankerung der Kriegsschuldlüge im „Friedensvertrag“ hat die politische Atmosphäre in ganz Europa auf die Dauer vergiftet und entscheidend zur Entfaltung eines fanatischen Nationalismus beigetragen. Die Prophezeiung des New Yorker Erzbischofs Kardinal Farley erfüllte sich buchstäblich und handgreiflich an der Weimarer Republik. Die Regelung der Kriegsschulden wurde amerikanischen Bankiers übertragen: Der Dawes-Plan, benannt nach dem amerikanischen Bankier und Vorsitzenden der Reparationskommission, wurde 1924 angenommen. Nachdem er gescheitert war, folgte der Young-Plan, benannt nach dem amerikanischen Bankier Owen Young. Demnach sollte Deutschland bis 1988 Reparationen zahlen. Die heiße Diskussion um diese finanziellen Versklavungspläne füllte das Jahrzehnt von 1920 bis 1930 in der’ Politik und Wirtschaft aus. Das Deutsche Reich war 1931 praktisch zahlungsunfähig und bankrott. Der Reichspräsident mußte sich mit einem Bettelbrief an den amerikanischen Präsidenten Hoover um ein Moratorium wenden. Dieser, ein einsichtiger Mann, hatte unmittelbar vor dem Empfang des Schreibens von Reichspräsident Hindenburg von sich aus ein Moratorium beschlossen. Die schrumpfende Wirtschaft stöhnte unter der Last von fünf Millionen Arbeitslosen. Im Jahre 1932 errangen die beiden Flügelparteien, die Kommunisten und die Nationalsozialisten, die absolute Mehrheit bei der Reichstagswahl am 30.7.1932. Damit war das parlamentarische Regierungssystem außer Kraft gesetzt, die parlamentarische Demokratie zusammengebrochen, und die Frage lautete jetzt: Wie geht es autoritär weiter?

Die ,Friedensordnung“ der außen- und innenpolitischen Sieger von 1918/19 war nach dreizehn Jahren zusammengebrochen, wirtschaftlich, finanziell, politisch. Die Siegermächte sahen sich daher 1932 gezwungen, einen Schlußstrich unter das Reparationsproblem zu ziehen, das heißt, die weitere finanzielle Ausplünderung Deutschlands einzustellen mit der Forderung einer Restzahlung von drei Milliarden Mark. Außerdem mußten sie sich dazu bequemen, die militärische Gleichberechtigung Deutschlands anzuerkennen.

Der erste Versuch der demokratisch-kapitalistischen Westmächte, das deutsche Volk „umzuerziehen“ zu ihrer Lebensweise, war damit gescheitert. Mit Lügen, Vertragsbruch, Erpressung, Vergewaltigung, Ausplünderung hatten sie den zweimaligen Zusammenbruch des Deutschen Reiches 1918 und 1932 erwirkt. Das deutsche Volk hatte den Einflüsterungen der feindlichen Propaganda 1918 nachgegeben und nach ausländischen Mustern sein Leben umzugestalten versucht unter dem Druck der Siegermächte. Die überwiegende Mehrheit neigte nach dem westlichen republikanischen. parlamentarisch-demokratischen Muster, eine Minderheit sah das Heil im sowjetischen Rätesystem.

Mit der Ernennung der Regierung Hitler-Hugenberg im Januar 1933 begann der Versuch, das nationale Schicksal in die eigene Hand zu nehmen.

Antisemitismus

In der demokratisch-sozialistischen Umsturzbewegung Ost- und Mitteleuropas spielten Zionisten eine führende Rolle. In der ersten Phase der russischen Revolution, im Februar/März 1917, stand Alexander Kerenski an der Spitze, ein geborener Aaron Adler. Er war Freimaurer. Er hatte den Namen seines Stiefvaters Kerenski angenommen. 6)

Die zweite entscheidende Phase der bolschewistischen Machtergreifung mit Lenin an der Spitze, die sogenannte Oktoberrevolution, war im wesentlichen nichts anderes als die jüdische Machtergreifung in Rußland. Außer Lenin, dem Ideologen, waren die maßgeblichen Männer in der Führung fast ausschließlich jüdischer Herkunft. Trotzki (alias Bronstein) war aus Amerika gekommen und hatte von dort die nötigen Millionen Dollar mitgebracht, vornehmlich vom Bankhaus Schiff, Kuhn, Loeb & Schwab. Ferner gehörten dem Politbüro an Sinowjew, Kamenew, Radek, Joffe, Uritzki. Radek war der Deutschland-Experte und wurde die „Hebamme“ bei der Geburt der Kommunistischen Partei Deutschlands am 30. Dezember 1918. Die systematische Ausrottung der traditionellen russischen Führungsschichten der Offiziere, Beamten, Priester, des Adels, der besitzenden bürgerlichen Schicht durch organisierte Massenmorde, von den bolschewistischen Kommissaren durchgeführt in den ersten Jahren des Umsturzes, erfüllte die ganze Welt mit Schrecken und Entsetzen sowohl auf alliierter wie auf der Gegenseite. ,Die Juden waren die Elite der Revolution und sie waren ihre Gewinner. Dies ist eine besonders Seite der russischen international-sozialen Revolution . . .“, so schreibt Sonja Margolina in ihrem Buch: „Das Ende der Lügen. Rußland und die Juden im 20. Jahrhundert mit der Widmung: ,Meinem Vater, der Kommunist und Jude war’. 7) Im gleichen Jahr veröffentlichte Jewgenija Albaz das Buch: „Geheim-Imperium KGB. Totengräber der Sowjetunion. 8) Sie schreibt: „Über 66 Millionen wurden von Oktober 1917 bis 1959 Opfer der staatlichen Repressionen und des Terrors unter Lenin, Stalin, Chruschtschow…“ 9) Über die bolschewistische Geheimpolizei äußerte sie: ,Das erschreckendste Ergebnis der Arbeit dieses Amtes (NKWD-MGB-KGB), das in enger Zusammenarbeit und unter Leitung der Politorgane der KPDSU wirkt. ist das, was ich ,negative’ Auslese nenne. Im Laufe eines jahrzehntelangen Ausleseprozesses wurde eine besonders Abart des Homo sapiens gezüchtet: der Sowjetmensch. In der ersten Phase töteten sie die besten Vertreter des Adels, der Intellektuellen, der Arbeiter und Bauern. Danach wählten sie unter denen, die übriggeblieben waren, die eifrigsten und gehorsamsten aus, sie bekamen Führungsposten. Bojarski ist das sichtbare Beispiel einer solchen Auslese. Solche Beispiele gibt es viele: Chruschtschow und Breschnew, den wir heute lautstark tadeln, und auch Gorbatschow … “ 10)

Auch in Mitteleuropa war der Umsturz 1918/19 zum Teil das Werk der Zionisten. So Hugo Haase, Führer der USPD, ferner Kurt Eisner, der die Revolution im Deutschen Reich am 7. November auslöste, sein Sekretär Felix Fechenbach, sein Finanzminister Prof. Dr. Edgar Jaffé. In Berlin saß neben Haase im sechsköpfigen Rat der Volksbeauftragten noch Otto Landsberg. Rosa Luxemburg war zusammen mit Karl Liebknecht Führerin des Spartakusbundes. Eine wichtige Rolle spielte der Kontaktmann der USPD zur sowjetrussischen Botschaft in der Reichshauptstadt, der Reichstagsabgeordnete Dr. Oskar Cohn, als Geldvermittler und Überbringer für den Umsturz vom ersten sowjetrussischen Botschafter im kaiserlichen Berlin, Adolf Joffe. Er brüstete sich, den Umsturz in Berlin finanziert zu haben. 11) Der erste preußische Ministerpräsident nach dem Umsturz war Paul Hirsch.

Die Räterepublik in München stand fast ausschließlich unter Führung jüdischer Intellektueller: Erich Mühsam, Ernst Toller, Gustav Landauer, in ihrer radikalen Phase unter zwei russischen Juden: Eugen Leviné-Niessen und Tobias Axelrod. Der Antisemitismus der Nachkriegszeit in der bayerischen Landeshauptstadt hatte hierin seine hauptsächliche Triebfeder. Hier war der Nährboden für die Entstehung der Hitlerbewegung, für den Aufstieg Hitlers. Während des Krieges spielten Juden in der Wirtschaft eine wichtige Rolle. Am bekanntesten wurde Walther Rathenau als Gründer und Leiter der Kriegsrohstoffabteilung im preußischen Kriegsministerium. Als persönlicher Freund des Kaisers war der Hamburger Reeder Albert Ballin bekannt. Der „Vater“ der Weimarer Reichsverfassung war Hugo Preuß. Die großen Banken waren fast alle eine jüdische Domäne, ähnlich der Presse und das Kulturleben, Theater, Musik, Antiquitäten usw. Von den Zeitungen waren im Bestreben, den Kaiser und die Monarchie zu stürzen, die „Frankfurter Zeitung“ und das „Berliner Tageblatt“ führend, ferner alle sozialistischen Blätter, an der Spitze der „Vorwärts“, das Zentralorgan der SPD mit Friedrich Stampfer als Hauptschriftleiter. „Deutschland soll – das ist unser fester Wille – seine Kriegsflagge für immer streichen, ohne sie das letzte Mal siegreich nach Hause getragen zu haben“, schrieb der ,Vorwärts“ am 20. Oktober 1918. Diese „Linkskräfte“ formten das Gesicht der Weimarer Republik. In Osterreich waren die Häupter des Umsturzes die beiden Führer des Austromarxismus, Viktor und sein Sohn Dr. Friedrich Adler, letzterer Mörder des österreichischen Ministerpräsidenten Graf Stürghk, ferner Dr. Julius Deutsch. In Ungarn stand an der Spitze der Räterepublik Bela Kun.

Nahum Goldmann, maßgeblicher Führer des Weltjudentums und dreißig Jahre Präsident des Jüdischen Weltkongresses (geb. 1895 in Litauen im zaristischen Rußland), hatte in seiner ersten Schrift: „Der Geist des Militarismus“ im Jahre 1915 prophezeit: „…So besteht denn die erste Aufgabe unserer Zeit in der Zerstörung: alle sozialen Schichtungen und gesellschaftlichen Formungen, die das alte System geschaffen hat, müssen vernichtet, die einzelnen Menschen müssen aus ihren angestammten Milieus herausgerissen werden; keine Tradition darf mehr heilig gelten; das Alter gilt nur als Zeichen der Krankheit; die Parole heißt: was war, muß weg. Die Kräfte, die diese negativen Aufgaben unserer Zeit ausführen, sind: auf dem wirtschaftlich-sozialen Gebiet der Kapitalismus, auf dem politisch-geistigen die Demokratie. Wieviel sie bereits geleistet haben, wissen wir alle; aber wir wissen auch, daß ihr Werk noch nicht ganz vollbracht ist. Noch kämpft der Kapitalismus gegen die Formen der alten traditionellen Wirtschaft, noch führt die Demokratie einen heißen Kampf gegen alle Kräfte der Reaktion. Vollenden wird das Werk der militaristische Geist. Sein Uniformierungsprinzip wird die negative Aufgabe der Zeit restlos durchführen: wenn erst alle Glieder unseres Kulturkreises als Soldaten unseres Kultursystems uniformiert sind, ist diese eine Aufgabe selbst. Dann erst erhebt sich die andere, größere und schwierigere Aufgabe: d e r  A u f b a u  d e r  n e u e n  0 r d n u n g…. Ein neues pyramidales, hierarchisches System muß errichtet werden … Auch diese zweite Aufgabe wird nur der militaristische Geist lösen können kraft seines anderen großen Leitprinzips der Subordination. Er wird den wahren aristokratischen Grundsatz zur Herrschaft bringen: Herrschen soll, wer herrschen kann.“ 11)

Die Regierung Hitler übernahm den Scherbenhaufen „Weimarer Republik“ und wandelte ihn in einem halben Jahrzehnt in ein geordnetes Staatswesen um. Die Massenarbeitslosigkeit mit rund sechs Millionen beseitigte sie durch energische und erfolgreiche wirtschaftliche Reformmaßnahmen. Hitlers beispiellose Volkstümlichkeit beruhte vor allem darauf, daß er den hungernden Massen Arbeit und Brot gab. Unwahr ist die Behauptung, er habe die Arbeitslosigkeit mit der Aufrüstung beseitigst. Sie begann erst ab 1935 eine Rolle zu spielen. Die Olympischen Spiele von 1936 zeigten der Welt ein frohes und glückliches deutsches Volk und begeisterten alle ausländischen Besucher. Den wirtschaftlichen Boykott durch den Zionismus und das westliche, angelsächsische Ausland konnte die Regierung nach erheblichen anfänglichen Schwierigkeiten überwinden durch die von Reichsbankpräsident und Wirtschaftsminister Dr. Hjalmar Schacht eingeführten Außenhandelsabkommen (Clearing-Abkommen) und das dadurch ermöglichte Abgehen vom internationalen Goldstandard.’ Diese Tatsache führte beim internationalen Kapital mit Hauptsitz in New York zu dem Entschluß, die Gefährdung seiner Monopolstellung durch die deutsche Arbeitswährung durch einen neuen Krieg zu beseitigen. Die Handhabe dazu bot der Versuch der deutschen Regierung, das von den Siegern verweigerte Selbstbestimmungsrecht zu verwirklichen. Nachdem Hitler in einer Erklärung vor dem Reichstag im Jahre 1937 das Versailler Diktat annulliert hatte, erfolgte im Frühjahr 1938 der Anschluß Deutsch-Österreichs an das Deutsche Reich und im Herbst des Sudetenlandes. Die Münchner Konferenz der vier europäischen Großmächte war der Höhe- und Wendepunkt des Dritten Reiches. Schon nach dem Anschluß Deutschösterreichs stand es für England fest, die dadurch geschaffene mitteleuropäische Vormachtstellung Deutschlands und den Verlust des südosteuropäischen Marktes durch einen Krieg zu verhindern bzw. rückgängig zu machen. Als im Frühjahr 1939 Hitler die Auflösung der Tschechoslowakei durch Unabhängigkeit der Slowakei ermöglichte und Prag besetzte, stand der Krieg gegen Deutschland für London und New York fest. Die deutsche Besetzung von Böhmen war erfolgt wegen der sowjetrussischen Bedrohung. Die tschechischen Flughäfen und Kasernen standen voll sowjetischer Flugzeuge und Panzer. Schon im Herbst 1938 war die Rote Armee bereit gewesen, aufgrund des Bündnisses mit Frankreich und der Tschechoslowakei militärisch einzugreifen. Das war durch die Münchner Konferenz verhindert worden. Für den amerikanischen Präsidenten Roosevelt war die Münchner Konferenz die entscheidende Wende hin zum Krieg gegen Deutschland. Die europäischen Mächte hatten zum letzten Mal in München ein binneneuropäisches Problem gelöst unter Ausschaltung Amerikas und Rußlands. Für die USA war das ein unerträglicher Vorgang, denn sie fühlten sich als die Schicksalsbestimmer Europas seit 1917. Polen löste durch seine Generalmobilmachung am 30. August 1939 die Kriegslawine aus in der festen Oberzeugung, daß die Westmächte zu seinen Gunsten eingreifen und Deutschland niederschlagen wurden. Unter dem Druck von Washington und London hatte sich die Polnische Regierung zu diesem verhängnisvollen Schritt verleiten lassen und das großzügige Verhandlungsangebot Deutschlands abgelehnt.

Die antideutsche Propaganda unter dem ideologischen Vorzeichen eines Krieges gegen den Nationalsozialismus, gegen Hitler, war schon 1933 angelaufen. Eine Woche nach dem Regierungsantritt Hitlers prophezeite das „Israelische Familienblatt“, Berlin Nr. 6. S. 5. vom 9. 2. 1933 ihm das Schicksal des persischen Reichskanzlers Hamann (Buch Esther im Alten Testament). Am 24. März 1933 erging eine Kriegserklärung des Weltjudentums an die neue deutsche Regierung im „Daily Express“, dem verbreitetsten Massenblatt der Weltpresse: „Das israelische Volk der ganzen Welt erklärt Deutschland wirtschaftlich und finanziell den Krieg. Das Auftreten des Hakenkreuzes als Symbol des neuen Deutschland hat das alte Streitsymbol Judas zu neuem Leben erweckt. Vierzehn Millionen Juden stehen wie ein Mann zusammen, um Deutschland den Krieg zu erklären. Der jüdische Großhändler wird sein Haus verlassen, der Bankier seine Börse, der Kaufmann sein Geschäft und der Bettler seine Elendshütte, um sich in einem heiligen Krieg gegen die Leute Hitlers zusammenzuschließen.“ Für den Wirtschaftskrieg gegen Deutschland gaben die Zionisten ein eigenes „Anti-Nazi Economic Bulletin“ heraus. Untertitel: „Official Organ of The Non-Sectarian Anti-Nazi League to Champion Human rights“.

Die „Linke“, d.h. die Liberalen, die Sozialdemokraten und die Kommunisten entfesselten weltweit, tatkräftig unterstützt von den deutschen Emigranten, einen Propagandakrieg gegen Deutschland, um die Hitlerregierung zu stürzen. Schon im Jahre 1933 suchten sozialdemokratische Emigranten Frankreich zum Krieg gegen Deutschland zu treiben. Auch die Polnische Regierung suchte Frankreich 1933 zum Krieg gegen Deutschland zu bewegen. Die Hoffnung, die Reichsregierung würde infolge wirtschaftlicher Schwierigkeiten in Bälde stürzen, erfüllte sich nicht. Die Finanzpolitik und die wirtschaftlichen Maßnahmen der Nationalsozialisten erwiesen sich als erfolgreich, und das Reich stabilisierte sich binnen kurzer Zeit. Da der Propagandakrieg und der Wirtschaftsboykott auf internationaler Ebene sich als Fehlschlag erwiesen, das Reich Innen- und außenpolitisch sich festigte und im Jahre 1938 durch den Anschluß Deutschösterreichs und des Sudetenlandes zur Großmacht aufstieg, blieb den Feinden Deutschlands nur noch der heiße Krieg mit der Waffe.

Für die antideutsche Propaganda boten die Konzentrationslager und das Vorgehen gegen die Juden genügend Handhabe, um an die Greuelpropaganda des Ersten Weltkrieges anzuknüpfen und den Krieg für Humanität und Demokratie lauthals zu verkünden. Die großen deutschen Waffenerfolge in den Jahren 1939, 1940 und 1941 schränkten die Wirkung dieser Propaganda zunächst ein. Der britische Propagandaapparat stand zwar nicht mehr unter der Leitung von Lord Northcliffe, aber mit der verlängerten Dauer des Krieges und seiner zunehmenden Härte gewann er mit Sefton Delmer als „Spezialist für Lüge und Täuschung“ zunehmend an Bedeutung.

Die Zeit der Blitzkriege hatte durch das Scheitern der deutschen Offensive auf Moskau im Herbst 1941 ihr Ende gefunden. An seine Stelle trat der Zermürbungskrieg, die bewährte Waffe der Seemächte. Die amerikanischen und britischen Rüstungslieferungen hatten Stalin 1941/42 das Durchhalten ermöglicht. Als kriegsentscheidende Macht trat ab 1942 Amerika mehr und mehr hervor. Durch sein gewaltiges Industriepotential war es in der Lage, nicht nur seinen britischen Verbündeten aufrechtzuhalten, sondern darüber hinaus auch Sowjetrußland und Nationalchina das Durchstehen zu ermöglichen. Ein Jahr nach Kriegseintritt gegen Japan und Deutschland ergriffen sie die Offensive gegen die „Festung Europa“ über Nordafrika. Die Kriegsende trat um die Jahreswende 1942/43 ein mit der militärischen Katastrophe der 6. deutschen Armee in Stalingrad, der Landung der Amerikaner in Nordafrika, der Kapitulation der deutsch-italienischen Armee in Tunis im Mai 1943 und dem Scheitern des U-Boot-Krieges im gleichen Monat.

Umerziehung im Krieg

Im Januar 1943 hatte der amerikanische Präsident Roosevelt die Forderung der totalen Kapitulation auf der Konferenz von Casablanca gestellt und damit dem Kriegsgeschehen die entscheidende Wende, ganz im Sinne seines bolschewistischen Verbündeten in Moskau, zum Vernichtungskampf gegen die Achsenmächte gegeben. Auch Churchill war allem Anschein nach von der Forderung des Präsidenten völlig überrascht – und stimmte zu. Er selbst hatte mit dem uneingeschränkten Bombenkrieg gegen die Zivilbevölkerung bereits am Tage seines Regierungsantritts am 10./11. Mai 1940 den Auftakt zum totalen Krieg gegeben unter bewußter Außerachtlassung der Haager Landkriegsordnung und der Genfer Konvention. Er hatte am 22. Juli 1940 die Parole ausgegeben: „Ablaze Europe!“ Setzt Europa in Flammen. 12) In diesem Sinne erging am 14. Februar 1942 von ihm auch der Befehl zum Flächenbombardement mit der systematischen Zerstörung von Wohnsiedlungen, um die Kampfmoral der feindlichen Zivilbevölkerung zu brechen. Sein „wissenschaftlicher“ Berater für diese Art barbarischer Kriegführung war der Altemigrant F. A. L. Lindemann aus Deutschland, der für seine Verdienste um den Massenmord von Frauen und Kindern als Lord Cherwell geadelt wurde.

Präsident Roosevelt war der Haupttreiber zum Krieg. Der britische Premierminister Neville Chamberlain, auf friedlichen Ausgleich mit Deutschland bedacht, hatte als Grund für den britischen Kriegseintritt am 3. September 1939 angegeben: „Amerika und die Weltjuden haben England in den Krieg gezwungen.“ 13)

Die USA blieben von September 1939 bis Dezember 1941 amtlich neutral, unterstützten aber propagandistisch und wirtschaftlich die Alliierten in steigendem Maße und begingen so fortlaufend Neutralitätsbrüche gegenüber den Achsenmächten. 14) Die antideutsche Hetze unter dem übermächtigen Einfluß der Zionisten steigerte sich in den USA bereits in der Zeit der Neutralität zu wahren Haßorgien. Als Beispiel sei hier nur das Buch von Theodore Kaufman „Germany must perish“, im Frühjahr 1941 erschienen, angeführt. Kaufman machte den Vorschlag, das ganze deutsche Volk durch Zwangssterilisation auszurotten. Mit solchen Ausrottungsplänen beschäftigte sich auch Präsident Roosevelt; sie waren bei den Interventionisten beliebtes Gesprächsthema wie Charles Lindbergh in seinem Kriegstagebuch nachweist. Als dann Amerika in den Krieg durch die Hintertür eintrat, begannen frühzeitig im Laufe des Jahres 1942 die Überlegungen und Planungen in verschiedenen Ministerien und in der amerikanischen Armee, was man mit Deutschland nach seiner Eroberung tun solle. Das Trommelfeuer der Propaganda gegen die „Hunnen“ ging unaufhörlich weiter, um die „Kreuzfahrer Christi“ anzufeuern für den Ausrottungsfeldzug. Das Buch von Louis Nizer „What to do with Germany“, Anfang 1944 in Chicago veröffentlicht, machte schon konkrete Vorschläge für die Bestrafung und Ausbeutung. Es wurde von dem damaligen Vizepräsidenten Harry Truman, Roosevelts Nachfolger, wärmstens empfohlen und wurde Pflichtlektüre für die Offiziere der US-Army. Schließlich gipfelten Ausrottungs- und Ausbeutungspläne im sogenannten Morgenthauplan, benannt nach dem jüdischen Finanzminister und engen Freund Roosevelts. Deutschland sollte demnach in ein Agrarland zurückverwandelt werden. 15) Roosevelt und Churchill unterzeichneten beide diesen Plan. Der starke Widerspruch aus dem Außen- und auch Kriegsministerium veranlaßte sie bald, davon äußerlich abzurücken. Aber die Grundgedanken flossen in den Befehl JCS/1067 vom Mai 1945 ein für die Behandlung der Deutschen in der amerikanischen Besatzungszone; er blieb bis Mitte 1947 in Kraft. Die Amerikaner waren von vornherein entschlossen, den Kriegsgegner nicht nach geltenden völkerrechtlichen Normen im Krieg und nach dem Krieg zu behandeln, sondern als „absoluten“ Feind außerhalb des Rechts (outlawed) stehenden Kriminellen, so wie sie es von ihrem Umgang mit den indianischen Ureinwohner und den Negersklaven gewohnt waren. „Es ist eine klare Erkenntnis, daß die amerikanischen Planungsstäbe in ihrer großen Mehrheit nicht bereit waren, sich nach der endgültigen Niederwerfung des nationalsozialistischen Deutschland an die Normen des traditionellen Besatzungsvölkerrechts zu halten“, schreibt Schöbener in seiner völkerrechtlichen Studie, und fährt fort: „Ihr Rechtsgehorsam fand seine Grenzen in den eigenen politischen Zielsetzungen … Eine rechtliche Bindung der Alliierten an das Völkerrecht nach der Kapitulation oder der vollständigen militärischen Niederringung Deutschlands wurde spätestens seit dem Beginn des Jahres 1944 entschieden abgelehnt, ohne daß es jedoch gelang, dies auch rechtlich ausreichend begründen zu können.“ 16) Der Krieg war für die puritanischen Kreuzfahrer Christi aus der Prärie eine Strafaktion gegen das deutsche Volk, ganz im Sinne von Lord Vansittart, dem diplomatischen Chefberater des Foreign Office: „Achtzig Prozent der deutschen Rasse sind der politische und moralische Abschaum der Welt. Ihnen ist mit Verträgen und Zugeständnissen nicht beizukommen. Es gilt sie zu fangen und ihr Rückgrat zu brechen…“ 17)

Die angelsächsischen Vettern an der Themse stimmten mit den puritanischen Heuchlern ihrer ehemaligen Sträflingskolonien am atlantischen Ufer Amerikas vollkommen überein. Nahum Goldmann, langjähriger Präsident des jüdischen Weltkongresses, berichtet in seinen Büchern ausführlich über die Vorbereitung des ersten Aktes der Umerziehung, nämlich die Bestrafung der „Naziverbrecher“ auf der Basis der Kollektivschuld des deutschen Volkes. Auch der zweite Akt der „Umerziehung“, die Wiedergutmachung, wurde vom „Institut für jüdische Fragen“, gegründet vom Jüdischen Weltkongreß, behandelt.“) Bereits im Januar 1942 hatte in London eine Konferenz von neun Exilregierungen unter Leitung von Tony Biddle (ehemaliger amerikanischer Botschafter in Warschau und später Richter in Nürnberg) die Aburteilung der „Kriegsverbrecher“ gefordert, 1943 hatten Roosevelt, Stalin und Churchill eine entsprechende Erklärung unterzeichnet. Im Frühsommer 1945 arbeiteten Vertreter der vier Besatzungsmächte in London ein „Statut des Internationalen Gerichtshofes“ für die Aburteilung der „Kriegsverbrecher“ aus. Das geltende Völkerrecht wurde völlig ausgeschaltet, die Siegermächte als Besatzungsmächte schufen sich ein „juristisches“ Werkzeug, das ihnen ermöglichte, als Rechtsschöpfer, Ankläger und Richter gleichzeitig zu wirken mit selbstverliehener absoluter Vollmacht ohne jegliche Revisionsmöglichkeit. Während in London dieser Ausschuß noch tagte, wurde gleichzeitig auf der Potsdamer Konferenz von den „Großen Drei“ die Massenvertreibung der Deutschen aus den Reichsgebieten östlich der Oder-Neiße-Linie beschlossen (Schlesien, Ostbrandenburg, Pommern, Westpreußen, Danzig, Ostpreußen, Memelland). Diese Gebiete -ein Drittel des Reichsgebietes!- wurden den Polen zur „Verwaltung“ übergeben bis zum Abschluß eines Friedensvertrages, der bis heute nicht stattgefunden hat. Ebenso beschlossen die „Großen Drei“ die Vertreibung der Sudetendeutschen aus ihrer Heimat und aller in Ostmitteleuropa und Osteuropa angesiedelten Deutschen. Etwa fünfzehn Millionen Deutsche wurden unter unvorstellbaren Greueln aus ihrer Heimat vertrieben und in das kriegszerstörte Vierzonen-Rumpfdeutschland hineingepreßt. Father Emanuel Reichenberger, Vater der Heimatvertriebenen, hat diesen ungeheuerlichen Beschluß der „Großen Drei“ mit Recht als das größte Verbrechen der europäischen Geschichte gebrandmarkt. 19)

In diesem Jahr 1945 begingen die Sieger noch weitere Kriegsverbrechen ähnlicher Größenordnung, vor allem durch den uneingeschränkten Luftkrieg gegen die Zivilbevölkerung, planmäßig durchgeführt von den Briten und Amerikanern. Er kulminierte in Europa mit der Vernichtung der Lazarettstadt Dresden, die keine Luftabwehr hatte. Die Schätzungen der bei diesem Holocaust umgekommenen Menschen schwanken zwischen 150 000 und 480 000, überwiegend Flüchtlinge vor der Roten Armee, die sich in Dresden gestaut hatten. Nur 35 000 konnten identifiziert werden. Das britische Bomberkommando setzte seinen Zerstörungsfeldzug fort bis zum 3. Mai 1945, als es längst keine deutsche Luftabwehr mehr gab. Am 3. Mai 1945 versenkten britische Bomber in der Lübecker Bucht die vier großen Passagierschiffe „Cap Arcona“, „Deutschland“, „Athen“ und „Thielbeck“, vollbeladen mit Flüchtlingen und KZ-Häftlingen. Auf der „Cap Arcona“ und der „Thielbeck“ befanden sich 10 800 KZ-Häftlinge. Britische Tiefflieger beschossen ähnlich wie in Dresden flüchtende Personen mit Maschinengewehren. Einige Monate vorher waren von sowjetischen U-Booten die „Gustloff“, „Steuben“ und „Goya“ mit 14 000 Flüchtlingen versenkt worden.

Der Höhepunkt aller Kriegsverbrechen, in seinen potentiellen Folgen unabsehbar, war der amerikanische Abwurf von zwei Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki ohne militärische Notwendigkeit. Die Japaner hatten Monate zuvor bereits die Kapitulation angeboten. Ausschlaggebend für die Japaner zum Entschluß zur Kapitulation waren gar nicht die Atombombenabwürfe, sondern der sowjetische Einmarsch in die Mandschurei.

Der Mißbrauch der Atomenergie zu militärischen Zwecken, zum Massenmord an der Zivilbevölkerung, war das größte Menschheitsverbrechen, denn auch der friedliche Gebrauch der Kernenergie kann, wie Tschernobyl bewiesen hat, Unglück unberechenbaren Ausmaßes über Menschen und die ganze Natur bringen. Der britisch-amerikanische Luftkrieg gegen die Zivilbevölkerung forderte 635 000 Tote und 955 000 Verwundete.“ 20) Die militärische Bestrafung ging auch unmittelbar nach der Kapitulation der Wehrmacht weiter: Der Oberkommandierende der Alliierten verweigerte den Millionen Soldaten, die durch die Waffenstreckung in Gefangenschaft geraten waren, den völkerrechtlichen Status als Kriegsgefangene und verhinderte auch ihre Versorgung durch das IKRK. Dieses Disarmed – auch Surrendered-Enemy Personnel, unter freien Himmel lagernd, war damit einem elenden Tode ausgeliefert. Der kanadische Journalist James Bacque, der anhand amerikanischer Quellen erst vor einigen Jahren diese amerikanische Barbarei mit seinem Buch (Other Losses, deutsch erschienen: „Der geplante Tod“), München 1989, aufdeckte, schätzte die Zahl der auf solche Weise Umgekommenen auf ungefähr eine Million. 21)

Die Kapitulation der Wehrmacht am 7./ 8. Mai in Reims und Karlshorst beendete die militärischen Kampfhandlungen auf dem europäischen Kriegsschauplatz. Die westlichen Sieger hielten aber den Kriegszustand aufrecht bis Juli 1951, die Sowjetunion bis Januar 1955. Dadurch hielten sie sich alle Möglichkeiten der Ausplünderung, der Vergewaltigung, des Massenmordes an dem nun wehrlosen deutschen Volke offen und nutzten die Gelegenheit auch gründlich aus. Die letzte deutsche Reichsregierung unter Großadmiral Karl Dönitz als Staatsoberhaupt wurde am 23. Mai 1945 in Flensburg unter schändlichen Umständen verhaftet, von einer britischen Elitetruppe, der 11. Panzerdivision. Mit dem Befehl „Hände Hoch!“ „Hosen runter“ wurden die Mitglieder der Reichsregierung einschließlich des weiblichen Personals einer körperlichen Untersuchung unterzogen, bei der kein Körperteil unangetastet blieb. Die Sekretärin des Großadmirals verübte infolge dieser schamlosen Behandlung Selbstmord. Generaladmiral von Friedeburg hatte kurz vorher Selbstmord verübt, weil er auf eine solche Behandlung als „Kriegsverbrecher“ gefaßt war. Großadmiral Dönitz hatte ihm widersprochen. Er hatte sich der verhängnisvollen Illusion hingegeben, die Siegermächte würden sich an die Bestimmungen der Haager Landkriegsordnung und der Genfer Konvention halten. Den verhafteten Mitgliedern der Reichsregierung wurden bei der hochnotpeinlichen Leibesuntersuchung sämtliche persönlichen Wertgegenstände und Erinnerungsstücke abgenommen, auf Nimmerwiedersehen: Eheringe, Uhren, Brieftaschen, Schreibstifte, alles, was nicht am Körper angewachsen war, wurde ihnen geraubt. Es war, wie Generaloberst Jodl treffend sagte: „organisierte Plünderung“. Großadmiral Dönitz schrieb am 26. Mai 1945 an Feldmarschall Montgomery, den zuständigen Oberbefehlshaber:

„Ich sehe mich gezwungen, Ihnen Folgendes mitzuteilen:

Nach meiner Verhaftung durch lhrem Oberbefehl unterstellte Truppen am 23. 5. in Flensburg mußte ich mich einer, jeder Rücksichtnahme auf meinen Dienstgrad entehrenden Leibesvisitation unterziehen. Gleichzeitig wurde mein Privatgepäck untersucht. Es wurde diesem außer einer Reihe von Wertgegenständen auch mein Marschallstab entnommen, den ich in der Überzeugung, daß diese Ehrenzeichen eines Soldaten meiner Stellung auch vom siegreichen Gegner geachtet werden würden, bewußt in meinem Privatgepäck gelassen hatte. Ich habe weder für die entnommenen Wertsachen, noch für den Marschallstab und den mir bei der Leibesvisitation ebenfalls abgenommenen Interimsstab irgendeine Quittung erhalten. Da ich sicher bin, daß von Ihnen, Herr Generalfeldmarschall, irgendwelche Verstöße gegen ehrenvolles Verhalten und die Unantastbarkeit privaten Eigentums nicht geduldet werden, bringe ich Ihnen diese diffamierenden Vorkommnisse zur Kenntnis und bin überzeugt, daß auf diesem Weg die Rückgabe des Marschall- und des Interimsstabs und der entnommenen Privatsachen an mich erfolgen wird. Mit vorzüglicher Hochachtung. 22) Selbstverständlich gab die demokratische „Elite“ die eingesammelten „Souvenirs“ nach bewährter Freibeutersitte nicht zurück.

Das deutsche Reich und Volk waren regelrecht geköpft und gevierteilt in vier Besatzungszonen. Die Siegermächte übernahmen als Besatzungsmächte mit ihrer Erklärung vom 5. Juni 1945 nun die volle Regierungsgewalt über das deutsche Volk, nachdem sie den deutschen Staat durch die Besetzung des gesamten Reichsgebiets und die Verhaftung der letzten Reichsregierung außer Kraft gesetzt und das deutsche Volk in ein vorstaatliches Sklavendasein zurückgeschleudert hatten. Die praktische Regierungsgewalt übten sie durch den Viermächte-Kontrollrat aus in dem ehemaligen Reichsgebiet vom 31. Dezember 1937, also den Grenzen, die durch das Versailler Diktat und jenes von St. Germain 1919 festgelegt worden waren. Die Potsdamer Konferenz der amerikanischen, britischen und sowjetrussischen Regierung verfügte dann, wie oben angeführt, daß die Reichsgebiete östlich der Oder-Neiße-Linie bis zu einem Friedensvertrag unter Polnische Verwaltung gestellt wurden, mit Ausnahme von Königsberg und Umgebung, das der Sowjetunion zugesprochen wurde. Durch Kontrollratsgesetz Nr.46 vom 25.2.1947 wurde das frühere Land Preußen aufgelöst. Deutschösterreich, das sich zusammen mit dem Sudetenland im Jahre 1938 in begeisterter und einhelliger Zustimmung der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung dem Reich angeschlossen haue, wurde sofort vom Reich wieder abgetrennt und ebenfalls in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Die Sudetendeutschen wurden aufgrund der Potsdamer Beschlüsse aus der angestammten Heimat vertrieben und ihrer persönlichen Habe beraubt. 240 000 Personen wurden bei der Vertreibung von den Tschechen ermordet. Die Volksdeutschen in Ungarn, Rumänien und Jugoslawien waren der Willkür der kommunistischen Behörden ausgeliefert. Viele Tausende wurden nach Rußland zur Zwangsarbeit verschleppt, die in der Heimat Verbliebenen waren schlimmen Schikanen und weitgehender Enteignung ausgeliefert, am schlimmsten in Jugoslawien. Die serbischen Tito-Partisanen zeichneten sich durch besondere Härte und Grausamkeit aus. Da die Siegermächte sich in den ersten Nachkriegsjahren nicht an die völkerrechtlichen Normen als Besatzungs- und Gewahrsamsmächte hielten, waren die gefangenen deutschen Soldaten ebenfalls weitgehend der Willkür der jeweiligen Gewahrsamsmacht ausgeliefert. Sie waren praktisch zur Sklavenarbeit verurteilt und genossen keinen Rechtsschutz, bis die erste Welle des Deutschenhasses nach etwa ein bis zwei Jahren abgeklungen war.

Umerziehung nach der Kapitulation der Wehrmacht

Die erste Phase der Umerziehung nach der Kapitulation stand unter dem Vorzeichen der drei „D“: De-Militarisierung, De-Industrialisierung, De-Nazifizierung. Da das gesamte Reichsgebiet besetzt war, konnte die völlige Entwaffnung von den Besatzern leicht durchgeführt werden. Bei der De-Industrisierung kam es zwischen der sowjetischen Besatzungsmacht und den drei westlichen Besatzungsmächten aus wirtschaftlichen Gründen schon zu Konflikten. In der De-Nazifizierung war man sich grundsätzlich einig, sie wurde noch in den einzelnen Besatzungszonen mit unterschiedlicher Konsequenz und Härte durchgeführt. Willkürliche Verhaftungen, Mißhandlungen und Folterungen an den in einen ohnmächtigen und völlig rechtlosen Zustand gesetzten Personen in den vier Besatzungszonen waren an der Tagesordnung. Der Deutsche war Freiwild für die übermütige Soldateska der Sieger nicht nur im sowjetisch besetzten Teil, sondern auch bei den „Kreuzfahrern Christi“, den Verfechtern von Demokratie, Humanität, Recht und Freiheit. Bei den vielen Schauprozessen der alliierten Militärgerichte waren Folterungen zur Erpressung von falschen Geständnissen an der Tagesordnung. Mit Vorliebe wurden ,Berufszeugen“ für die Anklage verwandt, die gegen Bestechung alles aussagten und ,bezeugten“, was die Ankläger wünschten. Freiwild war besonders das weibliche Geschlecht. ,Die deutschen Frauen und Mädchen gehören Euch“, hieb es in einem Aufruf Stalins an die Rote Armee. Der berühmte amerikanische Flieger Charles Lindbergh berichtet in seinen Kriegstagebüchern, in Stuttgart, das er im Sommer 1945 besuchte. lagen mindestens dreitausend deutsche Frauen und Mädchen, von amerikanischen Soldaten vergewaltigt, in den Krankenhäusern.

Zu den Neuschöpfungen des Londoner Statuts gehörte auch der Begriff der „verbrecherischen Organisation“. Er entsprach der alttestamentarischen Kollektivschuld. Vier Gruppen von Verbrechen legten die Sieger im Londoner Statut fest: 1. Verschwörung gegen den Weltfrieden; 2. Verbrechen gegen den Frieden; 3. Kriegsverbrechen; 4. Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Maßgebend war das amerikanische „Rechtsverfahren“, ausgearbeitet unter Leitung der Brüder Jacob und Nehmemiah Robinson, und vom obersten Bundesrichter Andrew Jackson, dem Hauptankläger beim Nürnberger Prozeß. 23) Auch der russische Professor Trainine hatte mitgewirkt. 24)

Ohne jede Rechtsgrundlage war auch der von den Amerikanern durchgeführte „Automatic Arrest“. Wer den amerikanischen Militärbehörden als Sympathisant des NS-Regimes verdächtig schien, ob Deutscher oder Ausländer, wurde automatisch verhaftet und kam in ein Lager, selbstverständlich ohne jeden Rechtsschutz. Ob Studienrat, Ökonomierat, Geheimrat, Forstrat usw., wer irgendwie im deutschen Zivilleben einen amtlichen Posten gehabt hatte oder in der Wirtschaft, angefangen vom Ortsbauernführer, wurde „interniert“; auch ausländische Diplomaten mit Deutschland befreundeter Staaten, so auch der rumänische Gesandte in Berlin, Ion Georghe. Wie ungezählte andere Lagerinsassen, wurde er von Lager zu Lager geschleift, ohne je vernommen zu werden. Nach über zwei Jahren setzten ihn die Amerikaner auf freien Fuß, „erroneously arrested“. Viele Automatic-Verhaftete bezahlten jahrelange willkürliche Internierung mit Gesundheit und mit dem Leben, ohne je erfahren zu haben, weshalb man sie eigentlich verhaftet hatte. Allein in der amerikanischen Besatzungszone waren Anfang 1946 rund dreihunderttausend politische Gefangene der Freiheit ohne jegliches Rechtsverfahren beraubt. 25)

Über die Be- bzw. Mißhandlung der automatisch Arrestierten hatten einige Betroffene uns lebendige Schilderungen hinterlassen, so Ernst von Solomon: „Der Fragebogen“, Friedrich Grimm: „Mit offenem Visier“, und der Rumänische Gesandte Ion Georghe: „Automatic Arrest“. Der rumänische Diplomat berichtet über seine Erlebnisse in verschiedenen Lagern u. a.: „Der ehemalige Generaldirektor Schnitzler von der einst weltumspannenden IG-Farben-Industrie erzählte jedem, der es hören wollte, der gegen seinen Konzern angestrengte Prozeß habe im Grunde kein anderes Ziel als die Zerschlagung der einst mächtigen Organisation aus Konkurrenzgründen, und Dr. Pietzsch, der einstige Präsident der Reichswirtschaftskammer, eine Kapazität auf dem Gebiete der industriellen Verwertung hochwertiger Gase, blieb nur aus dem Grunde eingesperrt, weil er sich weigerte, gewisse Geheimverfahren, die er allein entwickelt hatte, preiszugeben. Ähnlich lag der Fall des Chemikers Dr. Reppe. Er war in Nürnberg und Oberursel streng behandelt und monatelang in Einzelhaft gehalten worden, weil er seine Erfindungen auf dem Gebiet der Erzeugung von Überdrucken nicht enthüllte.“ 26) Dr. Walter Reppe (1892-1969) hatte durch seine Erfindungen die nach ihm benannte Reppe-Chemie als Leiter der Forschungsabteilung der BASF gegründet mit der Herstellung organischer Zwischenprodukte aus Azetylen. Den Amerikanern ging es bei diesem Krieg ganz wesentlich um die Beseitigung der deutschen Konkurrenz. Dazu war auch der Menschenraub für die Sieger ein probates Mittel. So wurde in Wernher von Braun mit seiner ganzen Mannschaft von Raketenspezialisten nach Amerika geschafft, um dort ein Raketenzentrum aufzubauen. Das Gleiche taten selbstverständlich die Russen mit den Spezialisten von Peenemünde unter Gröttrup. Der berühmten Segel- und Testfliegerin für Sturzkampfbomber und V-Raketen, Hanna Reitsch, wurde angeboten „mitzukommen“, andernfalls würde es ihr schlecht ergehen. Sie blieb und fiel unter den Automatic Arrest. Eineinhalb Jahre war sie in Haft unter schändlichsten Umständen, dann wurde sie, ohne je vernommen worden zu sein, auch „automatisch“ entlassen, „erroneously arrested.“ 27) Rechtsanwalt Friedrich Grimm, Präsident der Deutsch-Französischen Gesellschaft, wurde am 8. August 1947 ein zweites Mal verhaftet von zwei französischen Offizieren „zu einer Besprechung in Freiburg“, die dann sechzehn Monate im französischen Lager Betzenhausen dauerte. Er schilderte die Verhältnisse: „Die meisten waren Opfer der sogenannten „automatischen Verhaftung“. Sie hatten in Partei und Staat irgendeinen Rang bekleidet und unterlagen nun der berüchtigten Direktive Nr. 38 – diesem Schanddokument moderner Massenverfolgung, daß es ermöglichte, die ganze deutsche Oberschicht hinter Schloß und Riegel zu bringen, ohne Verteidigung, ohne Richterspruch, ohne rechtliches Gehör . . .“ Diese erste Phase der Nachkriegsumerziehung war die unmittelbare Verwirklichung der „Psychologischen Kriegführung“. Der Krieg ging ja weiter von seiten der Alliierten, und alle von ihnen getroffenen malnahmen der kollektiven Rache waren eben ,Kriegsmaßnahmen“, bis 1951! Die Zahl der von der Kapitulation am 7./8. Mai 1945 bis zur amtlichen Beendigung des Kriegszustandes durch die westlichen Alliierten im Juli 1951 ermordeten Zivil- und Militärpersonen (Sowjetunion Januar 1955) umfaßt nahezu fünf Millionen Deutsche beider Geschlechter, die diesen „Kriegsmaßnahmen“ der Sieger, nämlich Massenvertreibung, Gefangenschaft und Verschleppung, noch zum Opfer fielen. 28)

Zweite Phase der Umerziehung

Ab 1946 wurde die Entnazifizierung in geregelte Bahnen gelenkt durch das von der amerikanischen Militärregierung geschaffene und gehandhabte ,Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus“, ausgearbeitet von einem Rechtsanwalt Oppenheimer aus Berlin. Es war so „vorbildlich“, daß die anderen Besatzungszonen es dann auch übernahmen. Seine Probe hatte dieses Werkzeug der politisch-weltanschaulichen Inquisition in Bayern unter der von der Militärregierung eingesetzten „bayerischen Regierung“ des Sozialdemokraten Wilhelm Högner erfolgreich bestanden. Die Sieger benützten für die Umerziehung hörige und willige Deutsche, denen sie das schmutzige Geschäft übertrugen unter strenger Aufsicht der Militärregierungen. Solche Handlanger und Henkersknechte fanden sich in beliebiger Menge, nämlich die politischen Gegner der Nationalsozialisten vor und bis 1933, jene Parteien, die den deutschen Staat in Grund und Boden gewirtschaftet hatten: Sozialdemokraten, Kommunisten, Liberale, Angehörige des Zentrums. Dazu kamen viele Tausende Emigranten. die nun die Möglichkeit hatten, unbegrenzt Rache zu üben, individuell und kollektiv. Die Massenmedien wurden nur gesinnungstreuen ,demokratischen“ Personen mit antifaschistischer Gesinnung anvertraut, die gemäß den Methoden der psychologischen Kriegführung, die unbegrenzt weiterging, das deutsche Volk nun „umschulten“ zur Kollektivschuld. Die vier Besatzungsmächte handhabten die Umerziehung ganz im nationalen Interesse, weitgehend mit den erprobten Methoden kolonialer Herrschaft in Afrika und Asien. Den Deutschen das nationale Selbstbewußt sein auszutreiben, war wie das Einpflanzen des kollektiven Schuldbewußtseins gemeinsame Leitlinie der vier Besatzungsmächte. Im September 1941 hatte Churchill auf Stalins Frage, welche Vorschläge er für die Gewinnung des Sieges habe, geantwortet: „Wir werden die Deutschen durch Propaganda unterminieren, wir werden sie durch Blockade zermürben und vor allem werden wir ihre Heimatgebiete pausenlos, rücksichtslos mit immer wachsender Bombenlast zerbomben.“ Vansittart hatte in der Einleitung seines Buches „Lessons of my life“ im Jahre 1943 geschrieben: Unter diesen vier Voraussetzungen – die Niederlage, die Demilitarisierung, die Besetzung, die Umerziehung Deutschlands – ohne die die vier Freiheiten nur Mondschein sind -, können wir sicher zum zweiten Teil meines Programms übergehen … ein blühendes, aber kein machtvolles Deutschland . . .“ 29)

Und ein maßgeblicher Angehöriger des Foreign Office, Troutbeck, bezeichnete als Endziel der Umerziehung: „Wir werden die ganze Tradition zertreten, auf der die deutsche Nation aufgebaut wurde.“ 30)

In diesem Sinne hatten die angelsächsischen Vettern es sich auch angelegen sein lassen, durch ihren uneingeschränkten Bombenkrieg nationale Denkmäler zu zerstören: So haben britische Bomber im April 1945 sowohl das Bismarckpalais in Friedrichsruh angegriffen wie auch in Bayreuth das Haus Wahnfried.

Die Franzosen waren nach ihrer vernichtenden Niederlage im Jahre 1940 als Trittbrettfahrer der Amerikaner zur Besatzungsmacht „aufgestiegen“. Jetzt gebärdeten sie sich nach der Kapitulation teilweise noch als wildere Sieger als die tatsächlichen Sieger und griffen mit Eifer ihre traditionelle Politik gegenüber der deutschen Mitte Europas auf: Deutschland durch Zerstückelung ohnmächtig zu machen und zu halten, wie sie es seit dem dreißigjährigen Krieg erfolgreich betrieben hatten, bis zum Jahre 1870.

Der Elsässer Germanist Raymond Schmittlein leitete die Bildungspolitik der französischen Besatzungszone von 1945-1952. Er vertrat folgende Ansicht: „Deutschland hatte keine Geschichte mehr, weder hinter sich noch vor sich, nur der Augenblick, die Aneinanderreihung von Augenblicken hatte noch eine ‚Wirklichkeit‘, der nackte Selbsterhaltungstrieb war es, der noch von einem deutschen Willen zeugte.“ 31)

Die Amerikaner begingen den größten Raub an Geistesgut mit der Wegnahme sämtlicher deutscher Patente. Sie ersparten sich damit eine zehnjährige Forschung und wissenschaftliche Arbeit. Sie erbeuteten 340 000 Inlands- und mehr als 200 000 Auslandspatente, nach eigener Schätzung im Wert von ungefähr 1500 Milliarden Mark. Bei vielen Patenten war der Wert überhaupt nicht abschätzbar. Die britische Regierung verlangte außerdem auch die Auslieferung der n a c h Kriegsende angemeldeten deutschen Patente. „Am 27. Juli 1946 unterzeichneten 27 alliierte Staaten in London ein Abkommen, nach dem alle deutschen Auslandspatente, die bis 1. August 1946 angemeldet wurden, das heißt vierzehn Monate nach Beendigung der Feindseligkeiten (!), enteignet werden konnten.“ Ein Beamter in Washington nannte diesen Wissenschaftsraub „eine einzigartige Quelle dieser Art in der Welt, die erste vollständige Aussaugung der Erfinderkraft eines großen intelligenten Volkes“. Die Amerikaner setzten den Raub an Geistesgut und Wissenschaftlern mit der „Paper Clips“ Aktion fort, mit dem Ziele, aller deutschen Erfindungen, Betriebseinrichtungen, -organisationskenntnis und -erfahrungen habhaft zu werden. ,Außerdem wurden Fahndungen nach Wissenschaftlern und Spitzenfachleuten organisiert und diese aufgefordert, in den alliierten Ländern für die Siegerstaaten zu arbeiten; man scheute sich auch nicht, Druck hinter diese Wünsche zu setzen. Australien zum Beispiel hat bekanntgegeben, daß es 6000 deutsche lndustrieberichte sowie 46 deutsche Wissenschaftler und Techniker auf diese Weise erhalten hat … Deutschland aber blieb auf vielen Gebieten die weitere Forschungsarbeit verboten. Nur dadurch war es dem Ausland möglich, das bis dahin führende“ Land in Naturwissenschaft und Technik ,auf einen untergeordneten Platz in der Völkergemeinschaft abzudrängen. 32)

Angesichts dieser in der europäischen Geschichte beispiellosen Ausplünderung eines Volkes ist es um so erstaunlicher und bewundernswerter, daß das deutsche Volk, dessen Menschenverluste an Gefallenen (4,5 Millionen), Vertriebenen und Verschleppten (4 Millionen), also insgesamt 8,5 Millionen wertvoller Menschenleben, in wenigen Jahren das sogenannte „Wirtschaftswunder“ zustande brachte, ungefähr in dem Zeitraum von 1948-1955. Fleiß, Tüchtigkeit, ungebrochener Lebenswille haben es ermöglicht. Man denke nur an die „Trümmerfrauen“, an die Millionen Heimkehrer in eine barbarisch zerstörte Heimat im Laufe der Jahre 1945-1955. Die Zwischenkriegsgeneration hatte dieses „Wunder“ deutschen Fleißes, deutscher Tüchtigkeit vollbracht, jene Generation, die den Scherbenhaufen „Weimarer Republik“ binnen weniger Jahre beseitigt und einen gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung erzielt hatte. Diese „Nazi“generation hatte zwischen 1933-1938 den Klassenkampf überwunden und eine wahre Volksgemeinschaft geschaffen. Als sie das Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes zu verwirklichen suchte, griffen die Siegermächte von Versailles ein, entschlossen, dem deutschen Volk den Weg zur Einheit und außenpolitischen Freiheit zu verlegen, mit einem ,heißen“ Krieg, nachdem der ,kalte“ Krieg mit Wirtschaftsboykott und antideutscher Propaganda nicht gegriffen hatte. Die Siegermächte von 1918 schufen einen neuen Scherbenhaufen durch den Zweiten Weltkrieg; er wurde neuerdings von dem gleichen Volke, von der gleichen Generation beseitigt. Die im Vergleich zu Amerika winzige Bundesrepublik (Trizonesien) hatte sich zehn Jahre nach der Kapitulation der Wehrmacht zu einer gleichrangigen Wirtschaftsmacht neben den USA entwickelt, ähnlich wie im Osten das besiegte Japan. Mit Staunen, Neid und Furcht sahen die Siegermächte diese Entwicklung. Da sie aus dem Wirtschaftswunder selbst kräftig Nutzen zogen, konnten und wollten sie es nicht verhindern bzw. rückgängig machen. Sie waren jedoch entschlossen, das deutsche Volk geistig und politisch niederzuhalten, durch Fortsetzung des psychologischen Krieges mittels Greuelpropaganda und durch die Teilung von Rumpfdeutschland.

Die Umerziehung ging daher erneut und verstärkt weiter als „Vergangenheitsbewältigung“. Ihre Träger im Auftrag der Sieger worden die ehemaligen Weimarer Parteien, die SPD, das Zentrum, jetzt CDU/CSU, und die FDP, die Liberalen, ehemals „Deutsch-Demokratische Partei, teilweise Deutsche Volkspartei. Als Gegner des NS, vor dem sie widerstandslos 1932/33 kapituliert hatten, waren sie aus eigenem Interesse gerne bereit, den auswärtigen Siegern die Hilfestellung zu leisten, um Deutschland geistig und politisch niederzuhalten. In den Sattel der politischen Macht von den Besatzungsmächten gesetzt, war es ihr wichtigstes Anliegen, ihre eigene Dummheit, Feigheit und Unfähigkeit, durch die sie zwischen 1919 und 1932 den Staat ruiniert und eine Diktatur heraufbeschworen hatten, zu vertuschen, zu verheimlichen, vergessen zu machen durch übereifrige antifaschistische Propaganda und heuchlerische Büßergesinnung. Das wirksamste Mittel für diese Gehirnwäsche ist die Anwendung des Grundsatzes der umgekehrten Optik: Die Fehler und Verbrechen der außen- und innenpolitischen Nutznießer von Versailles und St. Germain betrachtet man mit dem Verkleinerungsglas, die Fehler und Verbrechen der Deutschen mit dem Vergrößerungsglas. Der Grundsatz wurde und wird so wirksam gehandhabt, daß dank der Verkleinerung die Fehler und Verbrechen der außen- und innenpolitischen Feinde minimal und daher übersehbar sind, die Vergrößerung aber Fehler und Verbrechen des deutschen Volkes ins überdimensionale zum „singulären“ Holocaust gesteigert bat. Die ,Systemparteien“, die SPD, die CDU/CSU, die FDP, KPD und SED und linke Randgruppen haben sich mit ihrer heuchlerischen Bußfertigkeit den Wohlstand gesichert – und die ,Freundschaft“ ihrer linken Gesinnungsgenossen weltweit. Dafür sorgen die Massenmedien durch eine ununterbrochene Berieselung; bereits in den Kindergärten, Grund- und Hauptschulen wird die antifaschistische Gesinnung den Kindern eingepflanzt. Hand in Hand damit geht die totale Amerikanisierung des Alltagslebens und dessen, was man früher „Kultur“, d. h. Gesittung, nannte. Die Subkultur von Chicago und New York ist Maßstab für das bundesrepublikanische Freizeitleben geworden, die deutsche Sprache – das wesentliche Element jeder Kultur ist die Sprache – wird in allen Massenmedien mehr und mehr mit Anglizismen überfremdet, durch amerikanische Slang-Ausdrücke auf die Ebene jener Subkultur herabgedrückt. Das „Rechtsbewußtsein hat nachgelassen“ lautet die Überschrift einer kurzen Notiz mit dem Obertitel: „Gesellschaft“: „Hamburg(na) Das Rechtsbewußtsein der Bundesbürger hat nach den Worten des Präsidenten des Hamburger Verfassungsgerichts, Helmut Plambeck, nachgelassen. Das hinge mit dem Mangel an moralischem Empfinden zusammen, das in Elternhaus und Schule oft nicht mehr in genügendem Umfang vermittelt werde, betonte Plambeck. Hinzu komme, daß sich das Gefühl für Unrecht und dem, was man nicht tut, verändere.“ 33) Die „Gesellschaft“ ist eine permissive Wohlstandsgesellschaft in der Bundesrepublik; jeder kann sich als Freibeuter auf allen Lebensgebieten betätigen. Maßgebend für die menschliche und soziale Bewertung ist das Auto und der Auslandsurlaub der Arbeitslosen auf Schulden. So wächst in der Bevölkerung das Linksbewußtsein: Was Dein ist, ist mein. Der reale Sozialismus ist zusammengebrochen, aber die „Sozialistische Gesinnung“ gedeiht vorzüglich im Reich und Bereich des Wohlstandsnihilismus, durch die Vereinigung der ehemaligen DDR mit der Bundesrepublik. Die SED-Nachfolgerin der moskautreuen KPD hat eine ebenso treue Nachfolgerin in der PDS des Herrn Gysi.

Sowjetzone

Wer Berlin hat, hat Deutschland, wer Deutschland hat, hat Europa, dieser Devise Lenins huldigte auch Stalin. Er erreichte sein Ziel mit Hilfe der Amerikaner und der Briten im Jahre 1945. Roosevelt hatte in seinem Nachkriegsprogramm schon 1943 großzügigerweise Europa den Russen zugeteilt, was in seinem Gespräch mit Kardinal Spellmann im September 1943 zum Ausdruck kam. 34) Auf der Konferenz von Teheran hatte Stalin sehr geschickt den amerikanischen Präsidenten, seinen großen Gönner, für sich eingefangen, indem er ihn dazu bewegt hatte, aus Sicherheitsgründen in der sowjetrussischen Botschaft Quartier zu beziehen. Dadurch war Churchill endgültig überspielt und auf seine Rolle als „Statthalter Roosevelts in Europa“, wie de Gaulle ihn richtig bezeichnete, eingeschränkt. Die Zweiteilung Europas in eine sowjetrussische und eine amerikanische Sphäre war damit beschlossen und wurde in Jalta im Februar 1945 besiegelt. Der Roten Armee wurde die Eroberung Berlins überlassen, das sowjetrussische Besatzungsgebiet bis zur Elbe ausgedehnt.

Die USA hatten den Russen für rund 45 Milliarden Mark Rüstungsmaterial und wissenschaftliche Rüstungsgeheimnisse geliefert. Die sowjetische Propaganda leistete in ihrer zügellosen Hetze unter ihrem jüdischen Chefpropagandisten Ilja Ehrenburg durchaus der westlichen Greuelpropaganda Ebenbürtiges. Hervorzuheben sind besonders Ehrenburgs Aufrufe an die Rotarmisten zum Massenmord an deutschen Zivilisten. Es sei hier an den oben schon zitierten Aufruf Stalins an die Rote Armee erinnert mit dem Satz: „Die deutschen Frauen und Mädchen gehören Euch!“ So war auch Marschall Schukows Befehl beim Einmarsch in Deutschland von Ehrenburgs Mordgesinnung bestimmt:

„Die Zeit ist gekommen, mit den deutsch-faschistischen Halunken abzurechnen. Wir werden uns grausam rächen!“

Für diese RachepoIitik standen den Sowjets genügend deutsche Handlanger in Gestalt der nach Sowjetrußland geflüchteten Funktionäre der KPD zur Verfügung, soweit Stalin sie als Abweichler nicht hatte liquidieren lassen. Walter Ulbricht, Oberst der Roten Armee. Wilhelm Pieck, Otto Grotewohl, Erich Honecker etc. konnten sich nun im kommunistischen Sinne austoben und die Befehle der sowjetischen Militärbefelshaber zur Ausrottung der Bourgeoisie nach dem bolschewistischen Muster durchführen, die Junker, die Offiziersfamilien, die Bürgerlichen, d. h. Rechtsanwälte, Ärzte, Kaufleute, Bankiers wurden nach dem bewährten Prinzip der bolschewistischen Revolutionäre in Rußland liquidiert. In den sowjetischen Lagern in der Besatzungszone wurden zwischen 1945 und 1950 nachweislich 96000 Deutsche umgebracht, vor allem durch Hunger und Folterungen. Die Entnazifizierung in der Sowjetzone stand unter dem Gebot des NKWD, die nationalsozialistischen KZ wurden unter sowjetischer Regie weitergeführt. Nach dem Zusammenschluß der drei Westzonen zur Bundesrepublik Deutschland schuf die SMA aus ihrer Besatzungszone die „Deutsche Demokratische Republik“ auf der Basis der „Volksdemokratie“, was wörtlich übersetzt „Volks-Volks-Herrschaft“ heißt. All das war nur dank der amerikanischen Hilfe möglich. Die Amerikaner hatten Mitteldeutschland, Thüringen, Sachsen, Anhalt, gemäß dem Befehl Roosevelts, wieder geräumt und den Sowjets überlassen. Die kommunistische Bodenreform, die dem ostelbischen „Junkertum“ den endgültigen Todesstoß versetzte, war den Amerikanern vorbildlich. „Die amerikanische Besatzungsmacht verlangte unter Hinweis auf die Enteignung und Vertreibung der ostelbischen Junker auch in ihrer Zone Landabtretungen von allen Grundeigentümern mit Über 100 Hektar Besitz“, laut Wilhelm Högner, bayerischer Ministerpräsident. 35) Die De-Nationalisierung wurde besonders in der Reichshauptstadt Berlin eindrucksvoll demonstriert. In ihrem antideutschen und internationalen Obereifer leisteten die deutschen Kommunisten für ihre sowjetrussischen Befehlshaber sogar ein Obersoll. Das Berliner Schloß, ein europäisches Kulturdenkmal ersten Ranges, von den britischen und amerikanischen Bomben zerstört, hatte wieder aufgebaut werden können. Die Schloßruine wurde jedoch ohne Verlangen der SMA auf Anordnung von Ulbricht und Pieck beseitigt und ein „Palast der Republik“ hingestellt. Die historische „Wilhelmstraße“ wurde in „Otto-Grotewohl-Straße“ umgetauft, ähnlich andere historische Straßen und Plätze. Der Roten ,Befreiungsarmee“ wurden gigantische Denkmäler errichtet, alle bekannten kommunistischen Funktioniere, nicht nur deutsche, sondern auch ausländische wie z. B. Ho Chi Minh wurden mit Straßen- und Platzbenennungen verewigt.

Als das kommunistische System in ganz Mittel- und Osteuropa um die Wende von den achtziger zu den neunziger Jahren zusammenbrach und dadurch auch die ,Deutsche Demokratische Republik“ ein ruhmloses Ende fand, schafften die Sowjets zwei Tage vor dem Umsturz die Spitzenkräfte des „Staatssicherheitsdienstes“ nach Moskau. Ebenso wurden von ihnen sämtliche elektronischen Unterlagen der Stasi sichergestellt. „Als die Stasi-Archive in der DDR geöffnet wurden, stellte sich heraus, daß es in dem 16,5-Millionen-Staat 180.000 Agenten gab. 36)

Die Morgenthauische Rachepolitik in den drei westlichen Besatzungszonen wurde nach Abkühlung des heißen Rachedurstes in den Jahren 1945 und 1946 infolge der zunehmenden weltpolitischen Spannungen zwischen dem amerikanisch beherrschten Westen und dem Stalinschen Osten ab 1947 allmählich durch eine mildere Form der „Umerziehung“ ersetzt. Die Ausplünderung Deutschlands war in den zwei vorangegangenen Jahren gründlich besorgt, jetzt mußten die Besatzer daran denken, das besetzte Deutschland wirtschaftlich einigermaßen auf die Beine zu bringen, wenn es für sie kein Verlustgeschäft werden sollte. Als am 20. März 1948 die Russen den Kontrollrat sprengten und die Berlin-Blockade eröffneten, entschlossen sich die Amerikaner nicht nur zu, Luftbrücke sondern unter dem Eindruck des kommunistischen Umsturzes in Prag auch dazu, die Wirtschaft der drei Westzonen auf eine gesunde Grundlage zu stellen. die Schwarzniarktwirtschaft mit der Zigarettenwährung zu beenden und eine neue Währung, die „Deutsche Mark“ einzuführen, am 20. Juni 1948. Dieser währungspolitischen Zusammenschluß der drei Westzonen führte im folgenden Jahr zur Gründung der „Bundesrepublik Deutschland“ auf dem Boden eines Besatzungsstatuts und eines „Grundgesetzes“. Die Sowjets zogen sofort nach und wandelten ihre Besatzungszone in eine „Deutsche Demokratische Republik“ um. Die Besatzungsmächte hielten ihre mitteleuropäischen Kolonien dabei im eisernen Griff. Der Ausbruch des Koreakrieges im Jahre 1950 führte dann dazu, daß die Besatzer ihren quasistaatlichen Kolonien weitere -Freiheiten“ gewährten. Sie hatten die Umerziehung nach Aufhebung des Kriegszustandes mit Deutschland im Juli 1951 – die Sowjetunion beendete den Kriegszustand erst im Jahre 1955 – weitgehend in die Hände bewährter antifaschistischer Deutscher gelegt, der berühmten „Frankfurter Schule“. Sie war für die geistige Umgestaltung des deutsches Volkes, für den grundlegenden Gesinnungswandel von der selbstbewußten Nation mit großer Tradition zu einer Wohlstandsgesellschaft mit kollektivem Schuldbewußtsein und konsequenter nationaler Nest- und Selbstbeschmutzung von der „Gnade des Nullpunktes“ 1945 an verantwortlich.

Der eigentliche geistige Motor der Umerziehung in Westdeutschland wurde, wie erwähnt, die -Frankfurter Schule“. 37)

Ihre Gründer, Gestalter und Träger waren ausschließlich linke Intellektuelle, ihre geistigen Urväter Sigmund Freud und Karl Marx. Nach dem Ersten Weltkrieg fand bereits im Jahre 1922 eine „erste marxistische Arbeitswoche“ statt, finanziert von Felix Weil und Karl Korsch, und zwar am Sitz der Volkshochschule Thüringen in einem Hotel in Ilmenau. Zu den Teilnehmern gehörlen außer den Genannten und ihren Frauen u. a. Georg Lukäcs, Karl August und Rose Wittvogel, Friedrich Pollock, Julian und Hede Gumperz, Paul Missing, Richard und Christiane Sorge, Eduard Alexander, Bela Pogarasi. Mit Ausnahme von Korsch, Lukacs und Alexander waren sie alle jünger als dreißig Jahre. Der spätere „Meisterspion“ Richard Sorge war aktives kommunistisches Parteimitglied und als Assistent bei dein Professor für Wirtschaftswissenschaften Kurt Al. Geruch tätig. Im Jahre 1923 wurde in der Frankfurter Universität ein „Institut für Sozialforschung“ errichtet für Lehrzwecke. Dabei spielte auch ein Rumäne, Carl Grünberg, eine wichtige Rolle. Seit 1894 Dozent für politische Ökonomie an der Universität Wien, hatte er 19 10 ein -Archiv für die Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung“ gegründet. Zu seinen Schülern gehörten die führenden Austromarxisten Friedrich und Max Adler, Karl Rennen, Rudolf Hilferding, Gustav Eckstein, Otto Bauer. Friedrich Adler hatte im Jahre 1916 den österreichischen Ministerpräsidenten Graf Stürghk ermordet. Otto Bauer und Karl Renner zählten zu den Führern der sozialdemokratischen Partei Österreichs, Rudolf Hilferding wurde in Deutschland Reichsfinanzminister. 38) Felix Weil machte Grünberg zum Leiter des „Instituts für Sozialforschung“. Bibliothekarin war Rose woge zusammen mit Richard Sorge und seiner Frau. Im Oktober 1924 verschwand das Ehepaar Sorge plötzlich, „um in Moskau als Mitarbeiter des Marx-Engels-Instituts wieder aufzutauchen“.

Das „Institut für Sozialforschung“ wurde von Felix Weil finanziert, 1923 gegründet von den beiden Stuttgartern Friedrich Pollock und Max Horkheimer, Anhänger des „wissenschaftlichen Sozialismus“ von Karl Marx. Unter Horkheimers Leitung erfolgte seit 1930 eine enge Zusammenarbeit mit dem „Institut für Psychoanalyse“ unter Karl Landauer. Die Verschmelzung von Marxismus und Freudianismus führte vornehmlich der Neo-Freudianer Erich Fromm (geb. 1900 in Frankfurt/Main) durch. 1933 wanderte das Institut mit den meisten Mitarbeitern in die USA aus und setzte an der Columbia-Universität in New York seine Tätigkeit fort. Dort wirkte es führend an der Vorbereitung der „Umerziehung“ der Deutschen mit, in Zusammenarbeit mit dem „Institut für jüdische Fragen“. Maßgeblicher Mitarbeiter wurde Herbert Marcuse (geb. 1898 in Berlin), 1933 nach Genf, 1934 nach New York emigriert. Dort leitete er mit Horkheimer das Institut. Marcuse trat für aktive politische Tätigkeit zum Kampf gegen die bestehende Ordnung ein und übernahm die geistige Führung der studentischen Opposition. 1952 wurde er Professor an der Columbia-Universität, 1953 an der Harvard Universität, 1954 an der Brandeis Universität, 1956 an der Universität von Kalifornien. Sein Namensvetter Ludwig Marcuse, geh. 1894 in Berlin, war Mitarbeiter führender jüdischer Zeitungen in der Reichshauptstadt während der Weimarer Republik, emigrierte 1933 über Frankreich in die USA, wurde Professor für Philosophie an der südkalifornischen Universität und kehrte 1963 nach Deutschland zurück. Der bereits genannte Max Horkheimer war neben Herbert Marcuse der eigentliche Führer der „Neuen Linken“, 1944-1947 Chief Research Consultant des American Jewish Comittee, 1949 wieder in Frankfurt/Main und gleichzeitig Professor an der Universität Chicago. Er war führend an der Entwicklung der Kritischen Theorie der Gesellschaft beteiligt und stand ebenfalls an der Spitze der antiautoritären Studentenbewegung der sechziger Jahre (1973). Der Dritte im Bunde war Theodor Adorno, geh. 1903 in Frankfurt/Main (ursprünglich „Wiesengrund“), Musiktheoretiker, Soziologe, nach 1933 in Oxford, Princeton und Berkeley tätig. Zusammen mit Herbert Marcuse und Max Horkheimer war er der Hauptvertreter der „Kritischen Theorie“.

Herbert Marcuse, Max Horkheimer und Theodor Adorno waren die geistigen Anführer im Kampf gegen alle überlieferten Werte, für den schrankenlosen Individualismus und den Nihilismus der Wohlstandsgesellschaft. Ihre Lehren bilden die Grundlage für die Umerziehung und Vergangenheitsbewältigung, für Entnationalisierung und Atomisierung der Einzelperson, für die Degeneration zur Bestia Intellektualis Economica. Der große Schülerkreis der „Frankfurter Schule“ steuert besonders seit den sechziger .).ihren die Gehirnwäsche in den Massenmedien und in den Schulen im Sinne der Allein- und Kollektivschuld und der völligen sittlichen Enthemmung der Gesellschaft“. Zu den erfolgreichen Mitwirkenden der „New School for Social Research“ gehörte auch Ulrich Sonnemann, geh. 1912 in Berlin, Sohn des Gründers der „Frankfurter Zeitung“ Leopold Sonnemann. Ulrich Sonnemanns Hauptwerk mit dein Titel -Die Einübung des Ungehorsams“ in Deutschland wurde geradezu zur .,Bibel“ der antiautoritären Bewegung. Er betätigte sich seit 1955 in der Bundesrepublik an der Hochschule für Fernsehen und Film in München, seit 1974 auch an der Gesamthochschule in Kassel im Fachbereich Erziehungswissenschaft und im wissenschaftlichen Zentrum für Psychoanalyse. Aus der Frankfurter Schule ging auch Jürgen Habermas hervor. gab. 1929 in Düsseldorf.

Der Nürnberger Prozeß gegen Mitglieder der deutschen Reichsregierung begann im Oktober 1945 und endete mit elf Todesurteilen durch den Strang sowie lebenslänglichen oder langfristigen Haftstrafen und drei Freisprüchen. Rudolf Heß, zu lebenslänglich verurteilt. sprach folgende Schlußworte vor dem Siegertribunal:

„Ich verteidige mich nicht gegen Ankläger, denen ich das Recht abspreche, gegen mich und meine Volksgenossen Anklage zu erheben. Ich setze mich nicht mit Vorwürfen auseinander. die sich mit Dingen befassen, die innerdeutsche Angelegenheiten sind und daher Ausländer nichts angehen. Ich erhebe keinen Einspruch gegen Äußerungen, die darauf abzielen, mich oder das ganze deutsche Volk in der Ehre zu treffen. Ich betrachte solche Anwürfe von Gegnern als Ehrenerweisungen. Es war mir vergönnt, viele Jahre meines Lebens unter dem größten Sohne zu wirken, den mein Volk, in seiner vielhundertjährigen Geschichte hervorgebracht hat. Selbst wenn ich es konnte, wollte ich diese Zeit nicht auslöschen aus meinem Dasein. Ich bin glücklich zu wissen. daß ich meine Pflicht getan habe, meinem Volk gegenüber, meine Pflicht als Deutscher. als Nationalsozialist, als treuer Gefolgsmann des Führers. Ich bereue nichts‘ Stünde ich wieder am Anfang, würde ich wieder handeln, wie ich handelte, auch wenn ich wüßte, daß am Ende ein Scheiterhaufen für meinen Tod brennt. Gleichgültig. was Menschen tun, dereinst stehe ich vor dem Richterstuhl des Ewigen. Ihm werde ich antworten, und ich weiß: Er spricht mich frei!“

Kriegsverhrecherprozesse wurden von den Besatzungsmächten am laufenden Band gegen Deutsche in den Jahren bis 1949/50 durchgeführt, unter dem Verzogenen der Rache vielfach mit „Berufszeugen“. Der Amerikaner Joseph Halow bietet mit seinem Buch: „Siegerjustiz in Dachau“, München 1994, ein anschauliches Bild der amerikanischen Tribunale und ihrer Methoden nach dem Muster Moskauer Schauprozesse bei der Erpressung falscher Geständnisse durch Folter.

Der britische Journalist Douglas Reed schrieb im Vorwort seines Buches „Der große Plan der Anonymen“. Zürich 1952, der Krieg wurde „von unsichtbaren, geschickten Händen geleitet, „damit der Endsieg zwei Mächten zufalle: dem Sowjetkommunismus und dem zionistischen Nationalismus“. Er fuhr weiter unten fort:

„Aber was für mich das bedeutungsvollste Ereignis in Nürnberg, wo die ganze Weitpresse versammelt war, zu sein schien, das fand keine Erwähnung in der MassenWeltpresse. Die Tage der Verurteilung und der Hinrichtung waren jüdische Feiertage! … Die Urteile wurden in Nürnberg am 30. September und 1. Oktober verkündet (zwischen dem jüdischen Neujahr und dem Tag der Sühne). Die Hinrichtungen wurden gleich nach Mitternacht in den Morgenstunden des 16. Oktobers, am Tage Hoschanna Rabba vollzogen. Für das Judentum in der ganzen Welt lag eine unmißverständliche Bedeutung in der Wahl dieser Tage … Der Prozeß und die Hinrichtung fanden in der amerikanischen Zone statt. Mir will scheinen, daß diese symbolischen Daten gewählt worden sind und daß diejenigen, die sie auserwählten, Stellungen bekleideten, die ihnen erlaubten, die amerikanischen Behörden ihren Wünschen willfährig zu machen.“ 39)

Die Verbündeten Deutschlands erhielten im Jahre 1947 Friedensverträge: Italien, Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Finnland, Japan 1951. Deutschland blieb besetztes Land, aufgeteilt in die vier Besatzungszonen mit dem Alliierten Kontrollrat als Inhaber der Regierungsgewalt. Die ab 1948 daraus entstehenden zwei Satelliten-Staaten „Bundesrepublik Deutschland“ und „Deutsche Demokratische Republik“ wurden eingebunden in die beiden Paktsysteme der NATO und des Warschauer Paktes, die nationalstaatliche Existenz des deutschen Volkes blieb ausgelöscht. „Daß die Amerikaner eine völkerrechtliche Bindung im besetzten Deutschland nicht anerkannten, hatte seine Gründe in der Motivation, in der sie den Zweiten Weltkrieg führten Der Satz ‚Finis belli pax est‘ fand in diesen Uberlegungen keinen Platz mehr.“ So charakterisiert Schöbener in seiner völkerrechtlichen Studie die amerikanische Einstellung und fährt weiter fort:

„Denn die durch den Sieg erlangte tatsächliche und rechtliche Macht sollte nach amerikanischer Vorstellung nicht zur Herstellung eines wahren Friedens auf der Grundlage der Gleichheit der Staaten und Völker unter Anerkennung des bisherigen Feindes als ‚justus hostis‘ genutzt werden. Der Sieger-Aggressor-Konflikt wurde von den Amerikanern vielmehr in die Zeit nach der Niederlage Deutschlands hinübergeführt. Die ideologische und moralisierende Betrachtungsweise führte dazu, daß aus dem justus hostis‘ der absolute Feind‘ geworden war, der weder ein Recht auf eine völkerrechtsgemäße Behandlung noch auf einen Friedensvertrag haben durfte. Kreuzzugsdenken und politisch-missionarische Selbstein- und Selbstüberschätzung, verbunden mit dem Glauben, im Interesse des ‚Guten‘ das ‚Böse‘ in den zwischenstaatlichen Beziehungen endgültig und unwiderruflich beseitigen zu müssen, gaben dieser Einstellung scheinbar die notwendige moralische Rechtfertigung, die gleichzeitig als Legitimation für die beabsichtigten Maßnahmen diente.“ 40)

Diese amerikanische, aus der puritanischen Glaubenshaltung erwachsene „Rechts“Auffassung, führte dazu, daß es mit Deutschland bis heute (1994) keinen Friedensvertrag, auch nicht nach der Wiedervereinigung, gibt. Erst zu Beginn der fünfziger Jahre, als man Trizonesien, jetzt „Bundesrepublik“, für den Kampf gegen den kommunistischen Osten brauchte, tauchte die Überlegung auf, ob die Bundesrepublik als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reiches anzusehen und zur Zahlung der Reichsschulden aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg verpflichtet sei. Die Gewährung weiterer Souveränitätsrechte wurde daher von der Anerkennung der Reichsschulden und der durch Hilfslieferungen an die westlichen Besatzungszonen Deutschlands entstandenen Verpflichtungen abhängig gemacht. Mit dem Londoner Schuldenabkommen vorn 27. Februar 1952 erfolgte dann die Gesamtregelung der deutschen Schulden sei( dem Ersten Weltkrieg 41): die Bundesrepublik hatte eine Schuldenlast von 14450 Millionen DM zu entrichten. Die während des Ersten Weltkrieges und Zweiten Weltkrieges entstandenen Schulden wurden einer eigenen Regelung vorbehalten. Damit war die Rechtsnachfolge des Deutschen Reiches durch die Siegermächte um des, lieben Geldes wegen der Bundesrepublik zuerkannt und der Fortbestand des Deutschen Reiches in den Unrechtsgrenzen von Versailles und St. Germain.

Dritte Phase

Die .“Umerziehung“ ist in den Jahrzehnten nach der Kapitulation, nach dem Abtreten der Regierung Adenauer, unter den folgenden Regierungen, besonders der sozialliberalen Koalition, und dann durch die Revolution der sechziger Jahre nahezu perfekt in der Bundesrepublik gelungen. Der christlichdemokratische Präsident Richard von Weizsäcker betätigte sich besonders erfolgreich als Oberlehrer für Nationalmasochismus. Er feierte den vierzigsten Jahrestag (1985) der Kapitulation der Wehrmacht als Tag der Befreiung. Das mag für ihn persönlich zutreffend gewesen sein. Als desertierter Offizier der Wehrmacht hätte er ja sonst mit einer Strafverfolgung rechnen müssen. Als Bundespräsident von Weizsäcker den israelischen Staatspräsideten Chaim Herzog als Staatsgast begrüßte – „Kein Verzeihen habe ich mitgebracht und kein Vergessen“, hatte dieser geäußert – echote der bundesrepublikanische Präsident: „Einen Schlußstrich zu ziehen, erlaubt die Geschichte nie.“

Sein Nachfolger Roman Herzog, seit 1994 im Amt, beeilte sich, den Vorgänger in nationaler Würdelosigkeit zu übertreffen. Er reiste nach Warschau zur Feier des Warschauer Aufstandes im Jahre 1944, der von der deutschen Besatzungsmacht angesichts der vorstürmenden Roten Armee vor den Toren der polnischen Hauptstadt niedergeschlagen werden mußte, und hielt dort eine demutsvolle Büßerrede:

Ach bitte um Vergebung für das, was Ihnen die Deutschen angetan haben“, ferner: „Der 1. August ruft uns ins Gedächtnis, welch unermeßliches Leid von Deutschen über Polen gebracht wurde.“ Mit diesem Satz bezog er sich vermutlich auf den Kriegsbeginn 1939. Als Bürger der umerzogenen Generation weiß er nicht einmal, daß der Krieg am 1. September ausbrach! Von dem „unermeßlichen Leid-, das die Polen den Volksdeutschen in den Jahren zwischen 1919 und 1939 zugefügt hatten, weiß er natürlich auch nichts, ebensowenig von dem Polnischen Massenmord an wehrlosen deutschen Zivilisten am Bromberger Blutsonntag, dem ersten Massenmord an Zivilpersonen im Zweiten Weltkrieg. Dort wurden am 3. September 1939 über fünftausend Volksdeutsche auf schauerliche Weise von Polen niedergemetzelt. Präsident Herzog weiß natürlich ebensowenig, daß die polnische Regierung Ende August 1939 die Verhandlungen mit Deutschland abbrach und am 30. August die Generalmobilmachung verkündete; das war die Kriegserklärung!

Was den Aufstand betrifft, so ist es eine völkerrechtlich einwandfreie Tatsache, daß jede Besatzungsmacht jeden Aufstand in ihrem Besatzungsgebiet niederwerfen muß, in diesem Fall um so mehr, als die Rote Armee bereits vor den Toren Warschaus stand. Herzog war es auch unbekannt, daß aufgrund einer Intervention des Vatikans die Aufständischen von der deutschen Wehrrnachtführung als reguläre Kombattanten anerkannt wurden und als Kriegsgefangene völkerrechtlichen Schutz erhielten. Der Führer der Aufständischen, General Komorowski, wurde vom Befehlshaber der deutschen Belagerungstruppen, General von dem Bach-Zelewski, mit Handschlag begrüßt! Anscheinend ist dem neuen bundesrepublikanischen Präsidenten auch nicht bekannt, daß Polen die Reichsgebiete östlich der Oder-Neiße geraubt hat, obwohl diese Gebiete von den „Großen Drei“ auf der Potsdamer Konferenz ausdrücklich nur zur Verwaltung überlassen sind bis zum Abschluß eines Friedensvertrages, den die Sieger bis heute nicht zustande brachten. Im Jahre 1990 ließ sich das polnische Staatsoberhaupt Lech Walesa über die deutsche Einigung dahingehend aus, „daß im Falle einer Destabilisierung Europas durch Deutschland man Deutschland von der Landkarte ausradieren sollte!‘ Gegenüber der niederländischen Wochenzeitung Elservier‘ hatte der Friedensnobelpreisträger Lech Walesa erklärt, daß er sich Sorgen wegen der deutschen Vereinigung mache. Ich schrecke selbst nicht vor einer Erklärung zurück‘, sagte er wörtlich, die mich in Deutschland unpopulär macht. Wenn die Deutschen erneut in der einen oder anderen Art Europa destabilisieren, sollte man nicht mehr zu einer Aufteilung Zuflucht nehmen, sondern dieses Land einfach von der Landkarte ausradieren. Der Osten und der Westen besitzen die notwendige fortgeschrittene Technologie, um diesen Urteilsspruch durchzuführen.- (Übersetzung des französischen Textes in „Le Figaro“). Der bekannte französische Militärschriftsteller und Mitarbeiter von General de Gaulle, Ferdinand Otto Miksche, kommentierte diese Äußerung:

„Es liegt am Friedensnobelpreiskomitee, darüber zu entscheiden, ob der zum Kriegshetzer gewordene Friedensnobelpreisträger und weltweit gefeierte Lech Walesa nach seinen skandalösen Erklärungen in der holländischen Zeitschrift überhaupt noch der Ehre würdig ist, die ihm zuteil wurde.“ 42)

Die unvorstellbaren Greuel bei der Vertreibung der Deutschen aus den geraubten Reichsgebieten östlich der Oder-Neiße-Linie (Ost- und Westpreußen, Danzig, Ostpommern und Ost-Brandenburg, ganz Schlesien), die Massenmorde an der deutschen Zivilbevölkerung, der Raub ihrer persönlichen Habe, interessieren den neuen Präsidenten nicht. Über die Art der Vertreibung, von den Polen zynisch „Umsiedlung“ genannt, gibt folgender Vertreibungsbefehl eine ungefähre Ahnung:

Sonderbefehl

für die deutsche Bevölkerung der Stadt Salzbrunn

einschliesslich Ortsteil Sandberg

Laut Befehl der polnischen Regierung wird befohlen:

  1. Am 14. Juli 1945 ab 6 bis 9 Uhr wird eine Umsiedlung der deutschen Bevölkerung stattfinden.
  2. Die deutsche Bevölkerung wird in das Gebiet westlich des Flußes Neiße umgesiedelt.
  3. Jeder deutsche darf höchstens 20kg. Reisegepäck mitnehmen.
  4. Kein Transport (Wagen, Ochsen, Pferde, Kühe usw.) wird erlaubt.
  5. Das ganze lebendige und tote Inventar in unbeschädigtem Zustande bleibt als Eigentum der polnischen Regierung.
  6. Die letzte Umsiedlungsfrist läuft am 14. Juli 10 Uhr ab.
  7. Nichtausführung des Befehls wird mit schärfsten Strafen verfolgt, einschließlich Waffengebrauch.
  8. Auch mit Waffengebrauch wird verhindert Sabotage u. Plünderung.
  9. Sammelplatz an der Straße Bhf. Bad Salzbrunn/Adelsbacher Weg in einer Marschkolonne zu 4 Personen. Spitze der Kolonne 20 Meter vor der Ortschaft Adelsbach.
  10. Diejenigen Deutschen, die im Besitz der Nichtevakuierungsbescheinigung sind, dürfen die Wohnung mit ihren Angehörigen in der Zeit von 5 bis 14 Uhr nicht verlassen.
  11. Alle Wohnungen in der Stadt müssen offen bleiben, die Wohnungs- und Hausschlüssel müssen nach außen gesteck werden.

Bad Salzbrunn, 14. Juli 1945, 6 Uhr Abschnittskommandant

Zinkowski Oberstleutnant

Ein Gespür für nationale Würde haben die Verantwortlichen in Bonn nicht. Konrad Adenauer hatte es noch und handelte danach. Bereits im Juni 1946 (!) teilte er seinen Parteifreunden mit, er werde im Zonenbeirat den Antrag stellen, die Völkerrechtliche Lage Deutschlands durch Einholung von Gutachten bei ausländischen Völkerrechtlern klären zu lassen – „damit wir unsere Nachfahren darauf hinweisen können, daß wir nicht einfach wie stumme Hunde alles über uns ergehen lassen“. „Der Boden des Rechts“, rief Adenauer damals aus, „gilt auch für uns.“ 43)

Die britische Besatzungsmacht war aber nicht gewillt, der deutschen Kolonialbevölkerung in ihrer Besatzungszone Recht zu gewähren (1946!). Der Hamburger Ordinarius für Staats und Völkerrecht, Rudolf von Laun, hatte gleich nach Kriegsende sich gegen die unbegrenzten Machtansprüche der Besatzungsmächte gewandt: „Der Deutsche hat keine Rechte gegen das ihn regierende Ausland, nicht einmal auf das letzte Stick Brot oder das elendste Quartier, alles ist für ihn nur Gnade oder Ungnade des Siegers . . .“ Im April 1947 hatte von Laun zwanzig Völkerrechtler versammelt, die mit ihm sich einig waren, von den Besatzern die strenge Beachtung des Völkerrechts zu fordern. Damals, in den Jahren der Rachejustiz, fanden sie kein Gehör. Erst als die politischen Spannungen zwischen Amerika und Rußland zunahmen, begann diesbezüglich ein langsamer Wandel. Die Westalliierten machten das Recht für das besetzte Deutschland von ihren politischen Interessen abhängig. 44) Konrad Adenauer, erster Kanzler der Bundesrepublik, hatte auch bei der Überreichung des Besatzungsstatuts am 21. September 1949 eine würdige und mannhafte Haltung gezeigt. Er war von den Besatzern auf den Petersberg bestellt worden. Er hatte dabei großen Wert darauf gelegt, „nicht den Eindruck zu erwecken, daß die Auswahl der Kabinettsmitglieder alliierter Zustimmung bedurfte. In dem palastartigen Gebäude angelangt, wurde er angewiesen,“ so schildert ein amerikanischer Historiker den Vorgang, ,vor den drei hohen Kommissaren Aufstellung zu nehmen und nach der Proklamation des Besatzungsstatuts einen Schritt nach vorn zu tun, wo die drei Kommissare auf einem Teppich standen. Doch als André François-Poncet, der französische Hochkommissar, bereits vor der Proklamation auf Adenauer zuging, um ihm die Hand zu reichen, ergriff dieser die Gelegenheit, sich auf den Teppich zu stellen, wodurch er symbolisch seine Gleichheit mit den Kommissaren geltend machte. Die Bundesminister waren von Adenauers ‚Teppichpolitik‘ zutiefst beeindruckt. Später erinnerte sich Thomas Dehier: ,Er verließ – nun, man muß schon sagen – als Sieger die Szene!'“ 45) Laut McCloy bewahrte Adenauer „die Würde der Niederlage“ durch sein ebenso gewandtes wie mannhaftes Auftreten. 46)

Vergleicht man Adenauers Auftreten und Haltung mit jener des Kniefallkanzlers Herbert Frahm, alias Willy Brandt, mit jener der Bundespräsidenten Weizsäcker und Roman Herzog, so kann man ermessen, welche Fortschritte die Umerziehung der bundesrepublikanischen Wohlstandsbürger erzielt hat. Hierbei scheint es sich um ein deutsches Erbübel zu handeln, denn der hessische Minister Friedrich Karl von Moser (1723-1798) „mußte aus seiner schimpflichen Entlassung lernen, daß hier kein Raum war für einen Feuergeist, ‚der den Deutschen die Hundedemuth abgewöhnen wollte‘. 47)

Die „Außenpolitik“ der Bundesrepublik wird neuerdings weniger im Bonner Außenministerium als vielmehr vom obersten Bundesgerichtshof in Karlsruhe entschieden. Dort fallen die Entscheidungen über UNO-Einsätze der Bundeswehr. Wie weit die sprachliche Amerikanisierung der Bonner Politik gediehen ist, zeigt symbolisch die Errichtung der ersten ausländischen Vertretung im palästinensischen Autonomiegebiet durch die Bundesrepublik. Sie erfoigte in englischer Sprache: „Representative Office of the Federal Republic of Germany“. 48)

Der jämmerliche Versuch, dem chinesischen Ministerpräsidenten anläßlich seines Staatsbesuches in der Bundesrepublik moralische Lehren für Menschenrechte zu erteilen, endete mit einer beschämenden Abfuhr durch den chinesischen Regierungschef. Der Haushaltsplan für das „Außenministerium“ könnte also ruhig eingespart werden. Das ist angesichts der Finanzlage der Bundesrepublik durchaus empfehlenswert. Der Schuldenberg von Bund, Ländern und Gemeinden ist auf 2,1 Billionen DM angewachsen 49) die Zahl der Arbeitslosen lag bei rund 3,5 Millionen Anfang 1994. Neuerdings setzten sich der israelische Ministerpräsident Rabin und der britische Arbeitsminister Hurd sogar dafür ein, daß die nach wie vor unter Feindstaatenklausel stehende Bundesrepublik einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der UNO erhalten soll. 50) Mit der tatsächlichen Souveränität der Bundesrepublik ist es aber nicht weit her. Nachdem der ehemalige Reichsminister Rudolf Heß, 46 Jahre widerrechtlich in Haft gehalten, ermordet worden war, mußte die „souveräne“ Bundesrepublik“ auf Befehl der Militärregierung das Spandauer Gefängnis sofort abreißen lassen.

Zur Wiedergutmachung wurde auf energisches Betreiben von jüdischer Seite, wobei Nahum Goldmann die Hauptrolle spielte, ein Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel am 10. September 1952 geschlossen. Artikel 1 lautete: „Die Bundesrepublik Deutschland zahlt an Israel 3,450 Millionen DM, wovon 450 Millionen DM zugunsten der Conference on Jewish Material Claims against Germany’ gehen.“

Artikel 2: „Die Bundesrepublik Deutschland wird die oben genannte Summe für den Ankauf solcher Waren und Dienstleistungen zur Verfügung stellen, die der Erweiterung der Ansiedlungs- und Wiedereingliederungsmöglichkeiten für jüdische Flüchtlinge in Israel dienen.“

Artikel 3: „Die Abstattung erfolgt durch Zahlung vona) jährlich 200 Millionen DM vom Inkrafttreten des Abkommens bis 31. März 1954,b) neun weiteren Jahresraten zu je 310 Millionen DM und einer zehnten Jahresrate zu 260 Millionen DM.“

Die Ratifizierungsurkunden wurden in New York hinterlegt und traten am 27. März 1953 in Kraft. 51)

Nahum Goldmann, maßgeblich an den Verhandlungen über die Entschädigung für die Juden beteiligt, berichtete in seinem im Jahre 1978 veröffentlichten Buch: ,,In Wirklichkeit zahlte Deutschland bis zum heutigen Tage 60 Milliarden Mark, und die Gesamtsumme wird sich auf 80 Milliarden belaufen, also zwölf- bis vierzehnmal mehr, als wir damals errechnet hatten … Man kann also den Deutschen nicht vorwerfen, kleinlich gewesen zu sein und ihre Versprechungen nicht gehalten zu haben.“52)

Demnach hatte, laut Goldmann, die Bundesrepublik insgesamt achtzig Milliarden zu zahlen; davon standen 1976 noch zwanzig Milliarden aus. Aufgrund welcher Abmachungen diese Zahlen zustande gekommen sind, ist nicht zu ermitteln. Jedenfalls übertreffen sie jene des Abkommens von 1952 um ein Mehrfaches! 1991 ließ die Bundesrepublik im Sommer verlauten:

„Für weitere Wiedergutmachungen für NS-Opfer“ rechne sie „mit noch etwa 35 Milliarden DM, die bis zum Auslaufen der Entschädigung etwa im Jahre 2030’ zu zahlen seien“. 53)

Im September 1992 brachte die Presse weitere „Gespräche über Entschädigung“, wörtlich:

„Die Bundesregierung will Berichten israelischer Zeitungen zufolge im nächsten Haushalt 100 Millionen Mark für die Entschädigung ehemals ostdeutscher Juden bereitstellen. Dies habe Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth in einem Brief an den Präsidenten der Knesseth, Scheva Weiß, zugesagt, hieß es am Sonntag. Weiß habe Frau Süßmuth gebeten, sich für ein bescheinigtes Verfahren einzusetzen. Frau Süßmuth bestätigte, daß über die genannte Summe gegenwärtig gesprochen werde. Sie habe den Knesseth-Präsidenten darüber unterrichtet. Eine Entscheidung stehe aber noch aus, sagte sie am Rande des Bundesdelegiertentages der CDU-Frauen-Union im thüringischen Suhl.“ 54)

Unter dem Titel: „Deutschland schuldet Milliarden“ brachte die Zeitung folgende Meldung am 7. Januar 1993: „NEW YORK (Reuter) Deutschland schuldet Israel nach Angaben des Jüdischen Weltkongresses (WJC) mehrere Milliarden Mark an Reparationen für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. WJC-Vizepräsident Sultanik teilte mit, einem Dokument zufolge hätten Unterhändler der Bundesrepublik 1952 erklärt. daß Deutschland Israel 4,5 Milliarden Mark schulde. Davon werde die Bundesrepublik 3.0 Milliarden zahlen. Die damalige DDR hatte für 1,5 Milliarden aufkommen sollen, habe aber nie bezahlt. Mit Zinsen und in Anbetracht der Inflation liege der Betrag weit aber den ursprünglichen 1,5 Milliarden Mark.“ 55) Die laufende Forderung zu einer endlosen „Wiedergutmachung“ geht also bereits auf Kosten der dritten Nachkriegsgeneration mit amtlicher Förderung durch Bundesregierung und Spitzenfunktionären der Bonner Machthaber weiter, wie oben gezeigt, auch durch die zweithöchste Politikerin des Wohlstandsstaates, die Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth.

Seit der Wende von den achtziger zu den neunziger Jahren ist die 1945 errichtete jüdisch-amerikanische Weltordnung weitgehend zusammengebrochen durch die Auflösung der Sowjetunion, die Vereinigung der Bundesrepublik Deutschland mit der Deutschen Demokratischen Republik und die fortlaufenden Mißerfolge der UNO. Der Zusammenbruch betraf auch die Siegerordnung von 1918/19: die Tschechoslowakei, eine Retortenschöpfung des Präsidenten Wilson, zerbrach in ihre natürlichen nationalen Bestandteile, die Tschechei und die Slowakei. Zu einer wahren Tragödie von nicht absehbarem Ausmaß entwickelt sich der Zerfall von Jugoslawien, ebenfalls ein Lieblingskind des Menschheitsbeglückers Wilson, aber auch der westlichen Alliierten, die den Serben für die Entfesselung des Ersten Weltkrieges ewigen Dank schulden. Zwar konnten sich Kroatien und Slowenien verhältnismäßig rasch von der serbischen Herrschaft lösen, aber die Belgrader Planer eines neuen Großserbien sorgen dafür, daß Südosteuropa nicht zur Ruhe kommt. Weder die UNO noch die Europäische Union sind in der Lage, dem blutigen Morden und den systematischen Massenvergewaltigungen moslemischer Frauen durch die Serben Einhalt zu gebieten. Rußland unterstützt die Serben, Frankreich, England, die USA dulden das Mordgeschehen mit salbungsvollen humanitären Phrasen. 56)

Die UNO-Unternehmungen in Somalia, in Irak und Kuwait erwiesen sich als Mißerfolge, die unbeschreibliche Flüchtlingskatastrophe in Ruanda/Zaire ist ein markantes Zeichen der Hilflosigkeit. Die USA zählt zu den Hauptschuldnern bei der UNO und nehmen nun laut Präsident Clinton die umerzogenen Deutschen „in Pflicht“, weil sie ihre Rolle als „Weltpolizist“ nicht weiterspielen können. Der Abzug der Russen aus Mitteldeutschland, der ehemaligen DDR, der westlichen Alliierten aus ihren drei Besatzungszonen gab der Bundesregierung Anlaß zu Dankeskundgebungen gegenüber den Besatzern: Sie bedankte sich bei den Russen für die Befreiung von der Hitlerdiktatur vergaß nur zu sagen „für die Stalindiktatur“ ähnlich gegenüber den westlichen Besatzern, die vereint mit Stalin die Ausplünderung Deutschlands betrieben hatten. Auf der deutsch-amerikanischen Konferenz in Berlin Anfang September 1994 erklärte der amerikanische Vizepräsident Gore, die Anwesenheit von 100,000 US-Soldaten demonstriere die Entschlossenheit der USA, Frieden und Freiheit auf dem Kontinent zu unterstützen … US-Verteidigungsminister Perry betonte, daß eine starke deutsch-amerikanische Sicherheitspartnerschaft weiter erforderlich sei. Auch zur NATO gebe es keine Alternative. Rußlands wichtige Rolle in Europa müsse anerkannt werden. Am wichtigsten war die Erklärung des Vertreters des amerikanischen Handelsministeriums über ,eine neue Handelsstrategie der USA für Europa…… in deren Mittelpunkt Deutschland stehen soll. Die USA wollten ihre wirtschaftliche Präsenz im neuen Deutschland weit über das hinaus, was sie heute ist’, ausbauen.“ 57)

Die Bundesrepublik hat den traurigen Ruhm, in der nationalen Selbst- und Nestbeschmutzung den absoluten Weltrekord zu halten. Laut Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist von der Nationalhymne nur die dritte Strophe strafrechtlich gegen Verunglimpfung geschützt. Als bayerische Gerichte eine Zeitschrift verurteilten, weil sie in Gestalt einer Satire die erste Strophe des Deutschlandliedes verhöhnten, hob das Bundesverfassungsgericht die Urteile auf mit der Begründung, die Gerichte hätten in die grundgesetzlich geschützte Kunstfreiheit eingegriffen. Bei der Satire handele es sich „um ein Kunstwerk“. Auch bei der Verunglimpfung der Bundesflagge griff das höchste Gericht ein: ,Auf der Rückseite eines Buches mit dem Titel laßt mich bloß in Frieden’ war eine Fotografie von einem Gelöbniszeremoniell der Bundeswehr zu sehen“, so der Zeitungsbericht, ,bei dem Soldaten eine Bundesflagge ausgebreitet hatten. Darüber hatten die Herausgeber ein Farbfoto gesetzt, auf dem ein auf die Bundesflagge urinierender Mann zu sehen war. Für die Darstellung war der Herausgeber zu einer Geldstrafe von neunzig Tagessätzen von jeweils 50 Mark verurteilt worden. Auch hier hob das Bundesverfassungsgericht das Urteil auf. Trotz der Anstößigkeit der Darstellung, handele es sich um ein Kunstwerk. Aus diesem Grunde sei die Verurteilung ein verfassungswidriger Eingriff in die Kunstfreiheit gewesen.“ 58) Das Bundesverfassungsgericht bestimmt also, was Kunstauffassung ist, was der Wohlstandsbürger als „Kunst“ zu verstehen hat oder nicht. Ober diese „Kunstauffassung“ des höchsten Gerichts kann man nur sagen: „Pfui Teufel!“ Eine solche Einstellung zu den nationalen Symbolen ist in keinem anderen Staat der Welt möglich. Dazu paßt als Kommentar der „Kultur-Mix zwischen See und Bier“ am Friedrichshafener Kulturufer: „Verwandlung, mal Mensch, mal Schwein. Gregor Lawatschs Soloprogramm; ,Friß mich, bitte friß mich’ machte Hunderten Zuschauern deutlich: Die Unterschiede zwischen Mensch und Schwein sind gar nicht so groß“, 59) – jedenfalls nicht in der freiesten Demokratie der Welt, der Bundesrepublik Deutschland.

Wer denkt da nicht an Friedrich von Logau (1604-1655), der unter dem Eindruck des Dreißigjährigen Krieges schrieb: „Wenn dieses Freiheit ist, frei tun und nach aller Lust, dann sind ein freies Volk die Säue in ihrem Wust!“

Mit dem ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert scheint auch das amerikanische Jahrhundert zu Ende zu gehen. Seit ihrem aktiven Eingreifen in den europäischen Bürgerkrieg im Jahr 1917 wurden die Amerikaner die Schicksalsbestimmer Europas und durch die beiden Weltkriege die Erben der europäischen Vormachtstellung über die Erde. Die Selbstzerfleischung der europäischen Nationen hatte ihnen die Voraussetzung für ihre Weltherrschaft gegeben, durch Krieg, Handel und Piraterie 60) ihre Macht über Europa und schließlich die ganze Welt auszudehnen. Schon Präsident Wilson wollte der Weltepoche kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen den Völkern ein endgültiges Ende mit dem Völkerbund setzen und damit der bisherigen Geschichte. In seinen Fußstapfen war Roosevelt mit der UNO gewandelt. „Und sodann verzichten auf das Geschichtliche noch die Amerikaner“, hatte Jakob Burckhardt in seinen „Weltgeschichtlichen Betrachtungen“ festgestellt. „d. h. ungeschichtliche Bildungsmenschen, welche es dann doch von der alten Welt her nicht ganz los werden. Es hingt ihnen alsdann unfrei als Trödel an. Dahin gehören die Wappen der New Yorker Reichen, die absurdesten Formen der kalvinistischen Religion, der Geisterspuk, usw., zu welchem allen aus der bunten Einwanderung noch die Bildung eines neu-amerikanischen leiblichen Typus von zweifelhafter Art und Dauerhaftigkeit kommt . . . Oder soll gar alles zum bloßen Business werden wie in Amerika?“ 61)

Ähnlich hatte Heinrich Heine ein halbes Jahrhundert vor Jakob Burckhardt schon prophezeit: „Das Geld ist der Gott unserer Zeit und Rothschild ist sein Prophet.“ Auch Heine hatte Überlegungen angestellt, wie es weitergehen soll: „Der zweite Akt ist die europäische, die Weltrevolution, der große Zweikampf der Besitzlosen mit der Aristokratie des Besitzes, und da wird weder von Nationalität noch von Religion die Rede sein, nur ein Vaterland wird es geben, nämlich die Erde, und nur einen Glauben, nämlich das Glück auf Erden … Wie würde das Schauspiel schließen? Ich weiß es nicht aber ich denke, daß man der großen Wasserschlange am Ende das Haupt zertreten und dem Bären des Nordens das Fell aber die Ohren ziehen wird. Es wird vielleicht alsdann nur einen Hirten und eine Herde geben, ein freier Hirt mit einem eisernen Hirtenstabe und eine gleichgeschorene, gleichblökende Menschenherde.“ 62)

* * * * * * * *

Fußnoten

I )     Allan Nevins: Henry White. Thirty years of American Diplomacy, New York 1930, S. 257 f.
2) Congressional Record, 25. Juni 1939, S. 1045
3) Michael von Taube: Der großen katastrophe entgegen, Leipzig 1937, S. 379.
4) Geschichte des deutsch-französischen Krieges 1870-1871, 1891
5) Northcliffe hieß früher Harmsworth und war der Sohn eines russischen Juden namens Stern, der aus Rußland nach Irland ausgewandert          war. Quelle: Gottlieb von Jagow: Ursachen und Ausbruch des Krieges, Berlin 1919, S. 90 (Fußnote 1)
6) Ulrich Fleischhauer: Der jüdische Messiasgedanke. Erfurt 1935, S. 192
7) Berlin 1992
8) München 1992
9) Albaz: Geheimimperium KGB, S. 80
10) Ebd., S. 141
11) Babette Gross: Willi Münzenberg, Stuttgart 1967
12) Ellic Howe: Die schwarze Propaganda, München 1983, S. 60
13) Die Forrestal Diaries, New York 195 1, S. 121-123
14)   Friedrich Berber, Die amerikanische Neutralität 1939-1941, Essen 1943. passim. Georg FRANZ-Willing: Der Zweite Weltkrieg. Ursachen und         AnIaß, Leoni 1979
15) Dirk Bavendamm: Roosevelts Weg zum Krieg, München 1983, S. 493 ff. Ders.: Roosevelts Krieg  1937-1945, München 1993. S. 127 ff.. 146 ff.
16) Burkhard Schöbener; Die amerikanische Besatzungspolitik und das Völkerrecht, Frankfurt/Main 1991, S. 549
17) Anthony Glees: Das deutsche politische Exil in London 1939-1945, in: Exil in Großbritannien, Stuttgart 1993. S. 62 ff., S. 67. Siehe auch:           Vansittart: Lessons of my life, New York, 1943
18) Nahum Goldmann: Staatsmann ohne Staat. Köln 1970, S. 272 ff.
19) E. J. Reichenberger: Europa in Trümmern, Graz, 2. A. 1985, passim.
20) Maximilian Czesany: Alliierter Bombenterror. Der Luftkrieg gegen die Zivilbevölkerung Europas, Leoni 1986, S. 652
21) Dazu auch: Schöbener: Die amerikanische Besatzungspolitik und das Völkerrecht, S. 236 ff’.
22) Walter Lüdde-Neurath: Regierung Dönitz. Die letzten Tage des Dritten Reichs, 4. A., Leoni 1980, Anlage 25, S. 162; dazu auch                          Erlebnisbericht von Lutz Graf Schwerin von Krosigk: Es geschah in Deutschland, Tübingen 1951, S. 378 ff.; ders.: Memoiren,                            Stuttgart, 1977, S. 252 f.
23) Nahum Goldmann: Staatsmann ohne Staat, Köln 1970, S. 272 ff.
24) A. N. Trainine: La responsabilité pénale des Hitleriens, Paris 1945, passim.
25) Rudolf Diels: Lucifer ante portas, Stuttgart 1950, S. 346
26) Jon Georghe: Automatic Arrest, Leoni 1956, S. 219 ff.
27) Hanna Reitsch: Höhen und Tiefen, S. 34 ff.
28) Heinz Nawratil: Die deutschen Nachkriegsverluste unter Vertriebenen, Gefangenen und Verschleppten, München 1986, passim.
29) Lord Vansittart: Lessons of my life, S. XXI
30) Nicolaus Pronay: The Political Re-education of Germany, S. 22
31) René Cheval: Die Bildungspolitik der französischen Besatzungszone in „Umerziehung und Aufbau“, S. 90 ff.
32) Erwin Pitsch: 1945, 2. Teil, Wien 1985, S. 116 f., Eckartschrift Nr. 94
33) Südkurier“, Nr. 152 v. 5. 7. 1994
34) Gannon, Robert I.: Kardinal Spellman, Neuenburg 1963, S. 190 f.
35) Wilhelm Högner, Der schwierige Außenseiter, München 1959, S. 260
36) Jewgenia Albaz: Geheimimperium KGB. Totengräber der Sowjetunion, München 1992. S. 233, 264
37) Rolf Wiggershaus: Die Frankfurter Schule, München 1988. Danach im wesentlichen das FoIgende.
38) Über den Austromarxismuß s. b.: Aurelia Gerlach: Der Einfluß der Juden in der Österreichischen Sozialdemokratie, Wien 1939
39) Douglas Reed: From Smoke to Smother, deutsche Ausgabe: Der große Plan der Anonymen, Zürich 1952, S. 10. 134 C.
40) Schöbener, a. a. O., S. 549 f.
41) Ploetz, Konferenzen und Verträge, Teil 11, 4. Bd., 1914-1959, S. 427 f.
42) „Walesa und Deutschland“. Leserzuschrift von P 0. Miksche, in: FAZ vom 27. 4. 1990
43) Erich Schwinge: Die Forderung auf bedingungslose Kapitulation. Ergebnisse einer neueren Untersucchung, in: Soldat im Volk, Juni 1994, S. 89
44) Schwinge. a. a. O.. S. 89
45) Thomas Alan Schwartz: Die Atlantik-Brücke. John McCloy und das Nachkriegsdeutschiand, Frankurt/Main 1992, S. 39 –                     Amerikanisches Original: America’s Germany, Cambridge, Mass., 1991
46) Ebd., S.90
47) Heinrich von Treitschke: Deutsche Geschichte im 19. Jh., 5. A., 2. Bd.. Leipzig 1897, S. 379
48) „Südkurier“, Nr, 132 vom 9. 8. 1994 (Beilage)
49) „Südkurier“, Nr. 201 vom 31. 8. 1994
50) Ebd., Nr. 174 vom 30. 6./1. 7. 1994
51) Ploetz: Konferenzen und Verträge, Teil 11, 4. Band: Neueste Zeit 1914-1959. 2. A., Würzburg 1959
52) Nahum Goldmann: Das Jüdische Paradox, Köln 1978, S. 176: Das Buch erschien zuerst in Französisch im Jahre 1976
53) „Südkurier“, Nr. 194 vom 22. 8. 1991
54) „Südkurier“. Nr. 219 vom 21. 9. 1992
55) „Südkurier“. Nr. 4 vom 7. 1. 1993
56) „Die Völkergemeinschaft hat völlig versagt: Präsident des IKRK“, ,Südkurier’ Nr. 268 vom 20, 11. 1993
57) „Südkurier“. Nr. 210 vom 10. 9. 1994, S. 1
58) „Südkurier“ vom 23. 3. 1990
59) Ebd., Nr, 187 vom 15. 8. 1994
60) Goethe, Faust, ZweiterTeil
61) Kröner-Ausgabe Leipzig 1941, S. 10, 203
62) Heinrich Heine. Sämtliche Werke, Bd. 5. München 1923

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Anstifter und Brandstifter – Opfer und Nutznießer

“Wenn eine fremde Macht ein Volk ermahnt, die eigene Nationalität zu vergessen, so ist das kein Ausfluss von Internationalismus, sondern dient nur dem Zweck, die jüdische Fremdherrschaft zu verewigen.”
Der Maulkorbparagraph 130 StGB Volksverhetzung

Reichsgesetzblatt I,  Seite 141

[15.] Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich (Ermächtigungsgesetz).
24. März 1933.

Der Reichstag hat das folgende Gesetz beschlossen, das mit Zustimmung des Reichsrat hiermit verkündet wird, nachdem festgestellt ist, daß die Erfordernisse verfassungsändernder Gesetzgebung erfüllt sind:

Artikel l. Reichsgesetze können außer in dem in der Reichsverfassung vorgesehenen Verfahren auch durch die Reichsregierung beschlossen werden. Dies gilt auch für die in den Artikeln 85 Abs. 2 und 87 der Reichsverfassung bezeichneten Gesetze.

Artikel 2. Die von der Reichsregierung beschlossenen Reichsgesetze können von der Reichsverfassung abweichen, soweit sie nicht die Einrichtung des Reichstags und des Reichsrats als solche zum Gegenstand haben. Die Rechte des Reichspräsidenten bleiben unberührt.

Artikel 3. Die von der Reichsregierung beschlossenen Reichsgesetze werden vom Reichskanzler ausgefertigt und im Reichsgesetzblatt verkündet. Sie treten, soweit sie nichts anderes bestimmen, mit dem auf die Verkündung folgenden Tage in Kraft. Die Artikel 68 bis 77 der Reichsverfassung finden auf die von der Reichsregierung beschlossenen Gesetze keine Anwendung.

Artikel 4. Verträge des Reichs mit fremden Staaten, die sich auf Gegenstände der Reichsgesetzgebung beziehen, bedürfen nicht der Zustimmung der an der Gesetzgebung beteiligten Körperschaften. Die Reichsregierung erläßt die zur Durchführung dieser Verträge erforderlichen Vorschriften.

Artikel 5. Dieses Gesetz tritt mit dem Tage seiner Verkündung in Kraft. Es tritt mit dem l. April 1937 außer Kraft; es tritt ferner außer Kraft, wenn die gegenwärtige Reichsregierung durch eine andere abgelöst wird.

Daraufhin erklärte das Judentum am 24. März 1933 Krieg gegen Deutschland.

Lesen Sie die Rede und die darauf folgende Reichstagsdebatte 

vom 23. März 1933 zwischen Adolf Hitler und Otto Wels (SPD)

Judentum erklärt „Krieg“ an Deutschland und

Die »Reichskristallnacht«

10265483_736846446337075_2884738065497702851_o
Daily Express Freitag, 24. März 1933 JUDEA ERKLÄRT DEUTSCHLAND DEN KRIEG Judentum der Welt ist sich einig im Handeln
Boykott deutscher Waren
Massendemonstrationen in vielen Bezirken
Dramatische Aktionen Juden der gesamten Welt schließen sich zusammen Boykott deutscher Waren – Massendemonstrationen. Eine eigenartige und unvorhergesehene Folge hatten die Nachrichten über deutsche Judenverfolgungen. Ganz Israel in der gesamten Weil schließt sich zusammen, um den Wirtschafts- und Finanzkrieg gegen Deutschland zu erklären.

Auszug aus:
FEUERZEICHEN
Die »Reichskristallnacht«
Anstifter und Brandstifter – Opfer und Nutznießer
Ingrid Weckert

1981

GRABERT-VERLAG-TÜBINGEN

ISBN 3-87847-052-5 hier download> FEUERZEI

DIE JÜDISCHE »KRIEGSERKLÄRUNG«
VOM 24. MÄRZ 1933

Seite 37 ff

Kaum war in Deutschland Adolf Hitler vom Reichspräsidenten von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt worden, als im – vornehmlich jüdischen – Ausland ein lautes Wehgeschrei anhob. Das erste große Spektakel internationalen Ausmaßes war die im Londoner »Daily Express«am 24. März 1933 veröffentlichte »Kriegserklärung«:

»Das Judentum erklärt Deutschland den Krieg«

-lautete die balkengroße Überschrift. Und dann ging es los! Dies sind einige Passagen der »Kriegserklärung«, die sich als ein Boykottaufruf verstand, also einen wirtschaftlichen Krieg gegen Deutschland propagierte.

»Juden der gesamten Welt schließen sich zusammen Boykott deutscher Waren – Massendemonstrationen. Eine eigenartige und unvorhergesehene Folge hatten die Nachrichten über deutsche Judenverfolgungen. Ganz Israel in der gesamten Weil schließt sich zusammen, um den Wirtschafts- und Finanzkrieg gegen Deutschland zu erklären. Bisher hat sich der Schrei erhoben: »Deutschland verfolgt die Juden«. Wenn die neuen Pläne verwirklicht werden, lautet voraussichtlich das Gebrüll der Hiltleristen: »Die Juden verfolgen Deutschland« Ganz Israel erhebt sich im Grimm gegen den deutschen Ansturm. Adolf Hitler, der durch den Appell an den Patriotismus zur Macht gekommen ist, macht Geschichte auf eine Weise, die er am wenigsten erwartet hat. Er gedachte, nur die deutsche Nation im Rassenbewußtsein zu einigen, hat aber dem gesamten jüdischen Volk zur nationalem Wiedergeburt verholfen. Das Erscheinen des Hakenkreuzes als Zeichen eines neuen Deutschland rief den Löwen von Juda, das alte Kampfsymbol der Juden, auf den Plan. Vierzehn Millionen Juden, die über alle Welt verstreut sind, haben sich wie ein Mann zusammengeschlossen, um den deutschen Verfolgern ihrer Glaubensgenossen den Krieg zu erklären.

Alle Verschiedenheiten und Gegensätze sind untergegangen angesichts des einen gemeinsamen Zieles – den 600.000 Juden Deutschlands, die durch den hitlerischen Antisemitismus terrorisiert werden, Beistand zu leisten und das faschistische Deutschland zur Beendigung seines Gewalt- und Terrorfeldzuges gegen die jüdische Minderheit zu zwingen. Plätze für eine Aktion reifen in Europa und Amerika.

Das Weltjudentum hat sich entschlossen, nicht stillzuhalten angesichts dieses Wiederauflebens der mittelalterlichen Judenverfolgung. Deutschland wird einen hohen Preis für Hitlers Judengegnerschaft zu zahlen haben. Das Reich steht vor einem totalen Boykott in Handel, Finanz und Industrie. . . .

In Europa und Amerika sind Pläne zu einem Gegenschlag gegen das hitlerische Deutschland gereift. . . Entschließungen in der gesamten jüdischen Handelswelt zielen auf einen Abbruch der Handelsbeziehungen mit Deutschland. . . .

Deutschland ist auf dem internationalen Geldmarkt, wo der jüdische Einfluß beträchtlich ist, hoch verschuldet. . . .

Druckmaßnahmen jüdischer Bankiers sind eingeleitet worden. . . .

Ein zusammengefaßter Boykott jüdischer Käufer wird voraussichtlich dem deutschen Ausfuhrhandel einen schweren Schlag versetzen. Jüdische Kaufleute in aller Welt waren Großabnehmer deutscher Waren. in Polen ist die Handelssperre gegen Deutschland bereits in Kraft. . . .

Die bedeutendsten jüdischen Organisationen in den Hauptstädten Europas haben beschlossen. bei den Regierungen ihrer Länder vorstellig zu werden, um zu erreichen, daß diese der Unterdrückung der deutschen Juden Einhalt gebieten. Das alte und nun wieder geeinte Volk von Israel erhebt sich, um mit neuen und modernen Waffen den uralten Kampf gegen seine Unterdrücker aufzunehmen. «

Diese jüdische »Kriegserklärung« fordert eigentlich eine eigene genaue Analyse. Soweit ich weiß, hat sich noch niemand diese Mühe gemacht. Der Text wird immer nur im Wortlaut zitiert, ohne jeden Kommentar. Ich möchte hier nur einige Sätze aus dieser Erklärung herausgreifen, weil sie einen Schlüssel zum Verständnis dessen bieten, was in den darauffolgenden Jahren geschehen ist – und noch heute geschieht.

»Ganz Israel in der gesamten Welt schließt sich zusammen, um den Wirtschafts- und Finanzkrieg gegen Deutschland zu erklären –

Vierzehn Millionen Juden . . . haben sich wie ein Mann zusammen geschlossen –

Alle Verschiedenheiten und Gegensätze sind untergegangen, angesichts des einen gemeinsamen Zieles«.

Es ist eine – in Israel und ebenso im nichtjüdischen Ausland – vielkommentierte Eigenheit des jüdischen Volkes, im Angesicht einer Gefahr sich wirklich »wie ein Mann« zu erheben, zusammenzustehen, alle internen Differenzen zu überwinden und eine Einheitsfront nach außen zu bilden. Bevor der Staat Israel gegründet war, stellte der nach außen geschlossene Getto-Bezirk diese Einheit dar. Ein Nichtjude hat kaum jemals Einblick in das erhalten, was innerhalb der Gettomauern vor sich ging. Die Juden selbst sorgten dafür, daß keine Kontakte zu der Außenwelt hergestellt wurden. Die christliche Umwelt war für sie gleichsam »der Feind«, eine feindliche Außenwelt, mit der Kontakt zu halten oder in die sich gar zu integrieren ein verdammungswürdiges Verbrechen für jeden Juden war. Nicht nur die Heirat mit einem Nichtjuden war – und ist noch heute! – verboten (und für einen frommen Juden auch undenkbar), auch schon das Leben in christlicher, bzw. säkularisierter Umgebung, ja, selbst das Studium an einer »weltlichen« Universität, begegnet in frommen jüdischen Kreisen tiefstem Mißtrauen und gilt vielfach schon als Anzeichen des Abfalls vom Judentum. Diese Wertung besteht noch heute. Ich kannte einen Rabbiner in einer deutschen Großstadt, einen außerordentlich liebenswerten Menschen (er ist leider vor einiger Zeit gestorben), der mir viel von den Schwierigkeiten berichtete, die ihm seine Rabbinerkollegen bereiteten, weil er ein humanistisches Studium absolviert hatte und sogar an einer »christlichen« Universität, einer der berühmtesten Deutschlands, Vorlesungen hielt. Kennzeichnend war, daß er trotz eines abgeschlossenen Talmud-Studiums an jüdischen Hochschulen später in Israel, wo er nach dem Krieg Fuß zu fassen suchte, nicht als Rabbiner anerkannt wurde. Und das ausschließlich wegen seiner zusätzlichen Beschäftigung mit der »weltlichen« Wissenschaft. Er kehrte dann nach Deutschland zurück, hatte es aber auch in seiner Gemeinde außerordentlich schwer, da sie sich hauptsächlich aus ehemaligen polnischen Juden zusammensetzte und diese in der Gemeinde tonangebend waren. Und ein Rabbi, der die christliche Umwelt zur Kenntnis nahm, ja, der sogar, wenn auch spärliche, Kontakte zu christlichen Theologen hatte, war eigentlich kein »richtiger« Rabbi!

Diese Geschlossenheit nach außen verführt viele, die das Wesen des Judentums und der jüdischen Menschen nicht kennen, zu der Annahme, es handele sich um eine innere Einheit, kurz – um es populär auszudrücken – »Jude ist gleich Jude«. Auf diesem Fehlurteil basiert auch die verallgemeinernde Judengesetzgebung im Dritten Reich; es war die eigentliche Ursache für unzählige Tragödien, die sich innerhalb der jüdischen Gemeinschaften abgespielt haben. in Israel gibt es ein Sprichwort: Wenn drei Juden beisammenstehen, haben sie vier verschiedene Meinungen. Ein sprechendes Beispiel dafür dürfte die Anzahl der politischen Parteien sein, die im Land zugelassen sind. Im Jahr 1948, bei der Gründung des Staates, hatte Israel nach offiziellen Unterlagen 650.000 Einwohner. Diese spalteten sich auf in 10 verschiedene Parteien. Im Laufe der Jahre teilten sich die einzelnen politischen Gruppen, schlossen sich mit anderen zusammen, teilten sich wieder, schlossen sich erneut zusammen usw., so daß es, ohne daß sich die politischen Grundrichtungen im geringsten geändert hätten, 25 Jahre später 18 verschiedene Parteien gab.

Die Israelis sind stolz darauf, »Individualisten« zu sein, wie sie es nennen, und in allem und jedem ihre eigene Meinung zu haben. Ich habe das persönlich in unzähligen Diskussionen erlebt. Und nicht nur in Diskussionen, sondern in Handgreiflichkeiten, Schlägereien, ja selbst anläßlich eines Mordfalles, der für europäische Verhältnisse undenkbar gewesen wäre. Aber dann, auf der anderen Seite, eine erstaunliche Geschlossenheit, wenn es gilt, gegen einen -imaginären oder tatsächlichen – Feind Stellung zu nehmen. Im Kriegszustand sind wirklich »alle Juden gleich«, es herrscht ein unverbrüchlicher Zusammenhalt gegen den Feind, und der Gegner ist völlig im Recht, wenn er in seiner Politik und Verhaltensweise davon ausgeht, daß ihm das Judentum als geschlossener Block gegenübersteht.

In Jerusalem befindet sich die Gedenkstätte »Yad Waschem« für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. In den Ausstellungshallen steht u. a. ein Schaukasten. in welchem ein Exemplar von Hitlers »Mein Kampf« aufliegt. Aufgeschlagen sind die Seiten 330/331. Auf diesen Seiten meditiert Hitler über die erwähnte Einigkeit der Juden im Falle der Gefahr sowie über ihre Uneinigkeit, wenn kein äußerer Anlaß sie zusammenzwingt. »Der Jude ist nur einig, wenn eine gemeinsame Gefahr ihn dazu zwingt oder eine gemeinsame Beute lockt; fallen beide Gründe weg, so treten die Eigenschaften eines krassesten Egoismus in ihre Rechte, und aus dem einigen Volk wird im Handumdrehen eine sich blutig bekämpfende Menge«.

In »Yad Waschem« finden an und für sich keine Führungen statt. Der Sinn ist, daß jeder sich im Angesicht der ausgestellten Fotos und Gegenstände seine eigenen Gedanken machen soll. Trotzdem habe ich es mehrere Male erlebt, daß ausgerechnet vor diesem Schaukasten und über die oben angeführte Stelle aus »Mein Kampf« diskutiert wurde. Die dabei jedesmal vertretene Meinung – durch Juden vertretene Meinung! – war, daß Hitler mit dieser Charakterisierung des jüdischen Volkes – leider – völlig im Recht gewesen sei.

Wenn die jüdische »Kriegserklärung« also sagt, »alle Verschiedenheiten und Gegensätze sind untergegangen angesichts des einen gemeinsamen Zieles«, so bestätigt sie damit nicht nur die vorhandenen Gegensätze, sondern auch die Einigkeit im Kampf gegen Deutschland. Somit war die »Kriegserklärung« tatsächlich für die gesamte Weltjudenheit abgegeben, und die nach dem Krieg lautgewordenen Behauptungen von jüdischer Seite, es sei ja gar nicht so gemeint gewesen und selbstverständlich hätten nicht alle Juden hinter dieser Verlautbarung gestanden, widerspricht der jüdischen Mentalität.

Es stimmt, daß sich jüdische Gemeinden und Verbände in Deutschland nach dieser »Kriegserklärung« mit Deutschland solidarisch erklärt haben – wir werden weiter unten einige dieser Veröffentlichungen zitieren – aber sie distanzierten sich dabei nicht von der »Kriegserklärung« an Deutschland, sondern wandten sich gegen die im Ausland grassierende Greuelpropaganda, von der diese strotzt.

Ein weiteres Zitat aus der »Kriegserklärung«:

»Deutschland wird einen hohen Preis für Hitlers Judengegnerschaft zu zahlen haben.«

Diese Vorhersage scheint mir der Kernpunkt zu sein, um den sich alle Ereignisse seit 1933 im politischen Leben Deutschlands, Europas, ja letztlich der ganzen Welt drehen.

Unter dem Vorwand von »Hitlers Judengegnerschaft« wurde die übrige Welt zum Krieg gegen Deutschland gehetzt; wegen »Hitlers Judengegnerschaft« wurde Deutschland zerstört; wegen »Hitlers Judengegnerschaft« wurde in Deutschland eine Besatzungspolitik eingeleitet, die nur den einen Zweck verfolgt, das deutsche Volk moralisch und geistig zu vernichten; »Hitlers Judengegnerschaft« ist das einzige, was im öffentlichen Bewußtsein aus der Zeit des Dritten Reiches wachgehalten wird. An die Folgen von »Hitlers Judengegnerschaft« erinnern unzählige Veranstaltungen, Erinnerungsstätten, Gedenkstunden usw. »Hitlers Judengegnerschaft« scheint das herausragende Merkmal der ganzen nationalsozialistischen Geschichtsepoche zu sein.

Seit dem 24. März 1933 ist »Hitlers Judengegnerschaft« der stets neue und als Motivierung nie versagende Vorwand für alle antideutschen Handlungen – und nicht nur für diese. »Hitlers Judengegnerschaft« berechtigte die Juden, einen eigenen Staat in Palästina zu gründen – auch dieser »Rechtsanspruch« ist schon in der »Kriegserklärung« enthalten! »Hitlers Judengegnerschaft« ist das drohende Gespenst am politischen Himmel eines jeden Staates.

Diejenigen, die »Hitlers Judengegnerschaft« den Krieg angesagt haben, haben ihren Krieg bekommen. Er kostete 50 Millionen Opfer. Um diese Zahl zu rechtfertigen. hat man »Hitlers Judengegnerschaft« ins Phantastische und Unglaubwürdige gesteigert. Nicht mehr der Weltkrieg mit seinen Millionen Gefallenen, Verjagten, Verschleppten, Ermordeten ist im allgemeinen Bewußtsein die Katastrophe dieses Jahrhunderts – es ist »Hitlers Judengegnerschaft« und die Opfer, die diese angeblich forderte.

Im Jahr 1979 jährte sich der Tag des Kriegsausbruchs zum 40. Mal. Wer den umerziehungsbesessenen Medienrummel in Deutschland kennt, erwartete eine große Anzahl von antideutschen Veranstaltungen – aber sie blieben aus oder hielten sich in Grenzen. Ein Jahr vorher, im November 1978, war der 40. Jahrestag der »Reichskristallnacht«. Wochenlang löste eine öffentliche Veranstaltung die andere ab, insgesamt waren es über 2000. Gedenkstunden, Gottesdienste, Seminare, Filmvorführungen, eine Flut von Broschüren und Büchern erweckte die Erinnerung an die damaligen Vorgänge – unbeschadet aller geschichtlichen Wahrheit. Der Bundespräsident, der Bundeskanzler, sämtliche Parteivorsitzenden, die Präsidenten aller jüdischen Organisationen – alle, alle schwangen Reden, hielten Gedenkminuten, veranstalteten »Feierstunden« (ich weiß nicht, was eigentlich zu »feiern« war) – kurz: Jedes Kind in Deutschland hatte es mitbekommen: damals fing die »Vernichtung der Juden« an!

In einer erschütternden Statistik habe ich einmal gelesen, daß täglich auf der ganzen Welt soviel Unrecht geschieht -offizielles Unrecht – daß, wollte man es auf die Stunden des Tages verteilen, nicht eine einzige Sekunde verstreichen würde, ohne daß ein Mensch zu leiden hat. Aber wehe, wenn dieser eine Mensch ein Jude ist! Sofort wird das Gespenst von »Hitlers Judengegnerschaft« beschworen, »Auschwitz« und »Holocaust« gerufen – als ob in einer judenfeindlichen Einstellung das Erzübel der ganzen Welt verborgen läge. Ja, es scheint wirklich, daß es auf der ganzen Welt kein fluchwürdigeres Verbrechen gibt als »Judengegnerschaft«, als ob allein das Leid und Unrecht zählte, daß einem Juden zugefügt wird.

Das jüdische Volk macht im Gesamt der Weltbevölkerung ca. 0,3% aus. Trotzdem verlangt es, daß die ganze Weltgeschichte sich allein um sein Schicksal zu drehen hat. -»Hitlers Judengegnerschaft« wurde in der »Kriegserklärung« vom 24. März 1933 untermauert mit einem »Schuldkatalog«, der in keiner Beziehung zu den tatsächlichen Ereignissen in Deutschland stand. Aus dem ungekürzten Text dieser »Kriegserklärung« lassen sich folgende Vorwürfe entnehmen:

»Deutsche Judenverfolgungen – Deutschland verfolgt die Juden – Angriff der Nazis gegen die Juden – deutsche Verfolger der jüdischen Glaubensgenossen – vom hitlerischen Antisemitismus terrorisiert – Gewalt- und Terrorfeldzug gegen die jüdische Minderheit – Wiederaufleben mittelalterlicher Judenhetze – Nazipraktiken – Antisemitismus in Deutschland – Angriffe auf ihre jüdischen Brüder in Deutschland – antijüdische Exzesse – Hitlers Terror – traurige Lage der Juden in Deutschland – Unterdrückung der deutschen Juden.«

Es sträuben sich die Haare – es muß ja schrecklich gewesen sein im Deutschland des Jahres 1933! Und was war wirklich geschehen? Vereinzelte Übergriffe einiger wüster Antisemiten – das war alles. Von Regierungsseite aus nichts! Am 24. März 1933 hat es noch nicht ein einziges der später erlassenen Gesetze gegeben, die die Ausschaltung der Juden aus maßgebenden Positionen in Deutschland einleiten sollten. Aber schon im März 1933 wird Deutschland von jüdischer Seite jener »Verbrechen« bezichtigt, die gar nicht stattgefunden hatten. War das nur Hysterie? Oder steckte dahinter nicht vielleicht eine Absicht? Wurde hier – im Jahr 1933 – bereits die Sechs-Millionen-Legende aufgebaut, die später die moralische Grundlage für die angestrebte Vernichtung des deutschen Volkes bilden sollte?

Und das Weltjudentum, das also am 24. März 1933 in der Weltöffentlichkeit Deutschland einen unbarmherzigen Kampf angesagt und ihm mit totalem Untergang gedroht hat – dieses Weltjudentum hat dann noch die Chuzpe, sich zu beschweren, wenn auf diese »Kriegserklärung« hin in Deutschland tatsächlich Maßnahmen getroffen wurden, die die Juden, die sich ja selbst als Feinde des nationalsozialistischen Deutschland bezeichnet haben, aus führenden Positionen entfernen sollten!

Ein weiterer interessanter Hinweis aus der jüdischen »Kriegserklärung«.

»In Europa und Amerika sind Pläne zu einem Gegenschlag gegen das hitlerische Deutschland gereift «

War das nur eine leere Drohung? Wir wissen heute aus zahlreichen Publikationen, die geschichtlich nicht widerlegbar sind, daß die Kriegsvorbereitungen gegen Deutschland bereits in den ersten Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft begonnen haben.

Der Wille zum Krieg gegen Deutschland, die Entschlossenheit, Deutschland zu zerstören – und zwar stets unter dem Vorwand von »Hitlers Judengegnerschaft« – gehörte in jenen Jahren zum Selbstverständnis des Judentums und wurde bei jeder beliebigen Gelegenheit – auch in der Öffentlichkeit – betont.

Schon am 31. Januar 1933 äußerte ein führender Jude Australiens gegenüber einem deutschen Admiral:

»Herr Admiral, haben Sie gehört, daß Präsident Hindenburg auf Grund des Ausgangs der letzten Reichstagswahl dem Nationalsozialisten Hitler das Reichskanzleramt übertragen hat? Herr Admiral, ich: gebe Ihnen mein Wort darauf, denken Sie später daran: wir Juden werden alles tun, um diese Tatsache wieder aus der Welt zu schaffen! « 27 (Hans Grimm, Warum – Woher – aber Wohin?, Lippoldsberg 1954, S.187)

Im Juli 1933, also vier Monate nach der im »Daily Express« veröffentlichten jüdischen »Kriegserklärung«, gründete Samuel Untermeyer, ein jüdischer Rechtsanwalt aus New York, in Amsterdam die »International Jewish Economic Federation to combat the Hitlerite Oppression of Jews« (Internationaler jüdischer Wirtschaftsverband zur Bekämpfung der hitleristischen Judenverfolgung). Einen Monat später, im August 1933, kehrte Untermeyer nach New York zurück. Bei seinem Empfang hielt er eine Rede, die anschließend in der »New York Times« veröffentlicht wurde und wiederum den Kriegszustand betonte, in welchem sich das Weltjudentum gegenüber Deutschland befinde:

»Ich verstehe, daß Ihre Begrüßung und Begeisterung nicht meiner Person gilt, sondern dem heiligen Kriege, in den wir um der Menschheit willen jetzt ein getreten sind. . . . Es handelt sich um einen Krieg, der ohne Nachlassen geführt werden muß, bis das schwarze Gewölk der Muckerei, des Rassenhasses und des Fanatismus, das sich auf jenes Deutschland gesenkt hat, welches nunmehr zu einem mittelalterlichen Hitlerstaat wurde, weggefegt ist. Wenn wir ein einziges Mal zuzugeben bereit wären, was die deutsche Regierung mit eherner Stirn behauptet, daß teuflische Verfolgungen eines Volkstums besonderer Rasse oder besonderen Glaubens ein innerpolitischer Vorgang und nicht Angelegenheit der ganzen Welt seien, wie könnten wir dann wissen, wer auf Erden zunächst und in der Folge betroffen wird?

Jetzt oder nie müssen alle Nationen der Erde sich in einer Front zusammenfinden gegen den unerhörten Anspruch, daß Totschlag, daß Aushungern, daß Vernichtung ohne jeden Anlaß und ohne jedes Recht zur inneren Zuständigkeit einer Nation gehören gegenüber weicher der Rest der Welt Gewehr bei Fuß zu stehen habe, ohne also die Hände zur Verteidigung zu erheben. . . .

Und was sind die Juden? Sie sind die Aristokraten der Welt. . . .

Zum Schlusse denn gestatten Sie mir die Beteuerung, daß mit Ihrer Hilfe und mit Hilfe der Millionen unserer nichtjüdischen Freunde in der Welt wir den letzten Nagel in den Sarg schlagen werden, darin Muckertum und Fanatismus verschwinden sollen, nachdem sie gewagt haben, noch einmal ihr schmutziges Haupt zu erheben und die Zivilisation im 20. Jahrhundert Lügen zu strafen und zu entwürdigen und zu schänden.« 28 (Hans Grimm, Warum – Woher – aber Wohin?, Lippoldsberg 1954, S.187)

Auch hier wieder die ungeheuerlichsten Beschuldigungen: »Teuflische Verfolgungen« – »Totschlag« – »Aushungern« – »Vernichtung« – die Vorwürfe werden immer prägnanter und bekommen allmählich ein – uns heute sehr vertrautes -Gesicht. Untermeyer bezieht sich nicht etwa auf einzelne Vorkommen, er beschuldigt die deutsche Regierung, »mit eherner Stirn« sich das Recht zu solch behauptetem barbarischem Vorgehen gegenüber den Juden angemaßt zu haben.

Die innerdeutsche revolutionäre Volkserhebung des Nationalsozialismus, die nur die Deutschen selbst etwas anging, wird als »Muckertum« und »Fanatismus« gebrandmarkt. Der Wille des deutschen Volkes, in seinem Vaterland zu leben, wie es möchte, wird geleugnet.

Aber nicht nur das jüdische Volk, die ganze Welt (»Millionen unserer nichtjüdischen Freunde in der Welt«) ist aufgerufen, sich an diesem »heiligen Krieg« gegen Deutschland zu beteiligen und mitzuhelfen, »den letzten Nagel in den Sarg zu schlagen«, in dem das deutsche Volk begraben werden soll.

Auch in dieser Rede gibt es einen Kernsatz, der klar zum Ausdruck bringt, was das Weltjudentum eigentlich so zum Zorn gereizt hat. Nach dem unglückseligen Friedensdiktat von Versailles hatte sich die Welt daran gewöhnt, Deutschland nicht mehr als eigenständiges, selbstverantwortliches Land zu sehen – Deutschland, das war 14 Jahre lang ein Tummelplatz für internationales Schiebertum, ein Gebiet, das zum Ausverkauf für jeden offenstand, der sein Geschäft verstand. Auf dem Rücken des hungernden und ausgepowerten Volkes tanzte eine verbrecherische Oberschicht, weitgehend international versippt, feierte Orgien und gab mit vollen Händen das Geld aus, das durch betrügerische Machenschaften verdient worden war. Das Volk hatte zu kuschen und zu schweigen.

Daß Millionen Deutsche es doch wagten, dagegen aufzustehen und die Parasiten aus dem Lande zu jagen – das war das eigentliche deutsche Verbrechen. »Nachdem sie es gewagt haben, ihr . . . Haupt zu erheben« – sagt Samuel Untermeyer. Er kann sich nicht genug damit tun, die deutsche nationale Erhebung zu beschimpfen und sie in den Augen der Weltöffentlichkeit zu diffamieren.

Die Empörung über das heuchlerische Verhalten des Weltjudentums war in Deutschland am größten bei den deutschen Juden selber. Sie genierten sich nicht, all die hohlen Phrasen wegzuwischen und klar auszusprechen, daß es tatsächlich nur um politische und Wirtschaftsinteressen ging.

Bevor wir die Juden selbst als Zeugen dafür aufrufen, wie verlogen diese ganze Hetzpropaganda war, einige weitere Hinweise aus der »Kriegserklärung« vom 24. März 1933:

»Das alte und nun wieder geeinte Volk von Israel erhebt sich, um mit neuen und modernen Waffen den uralten Kampf gegen seine Unterdrücker aufzunehmen.«

Welches diese »neuen und modernen Waffen« waren, wird auch gleich gesagt: Druck der weltweiten jüdischen Geldmacht –

»Druckmaßnahmen jüdischer Bankiers sind eingeleitet worden«

– und Einflußnahme der Vertreter jüdischer Organisationen auf die einzelnen Länderregierungen:

»Die bedeutendsten jüdischen Organisationen in den Hauptstädten Europas haben beschlossen, bei den Regierungen ihrer Länder vorstellig zu werden«.

Man muß bedenken, daß es sich bei den jüdischen Gemeinschaften in den europäischen Ländern um Minderheiten handelte. Diese Minderheiten nahmen also für sich in Anspruch, Forderungen an die jeweilige Landesregierung stellen zu können – ein Verhalten, das jeder demokratischen Verfassung Hohn spricht. Und im Falle der Nichterfüllung drohten sie mit Druckmaßnahmen der jüdischen Geldmacht.

Es sind immer die selben Akteure “Juden”

del Zitate von Propagandajuden Sefton Delmer
“Der erste Schritt ein Volk zu liquidieren, ist seine Erinnerung auszulöschen. Zerstöre seine Bücher, seine Kultur und seine Geschichte. Danach soll jemand neue Bücher schreiben, eine neue Kultur erzeugen und eine neue Geschichte erfinden. Innerhalb kurzer Zeit wird das Volk vergessen was es war und was es ist. Die Welt ringsherum wird es noch schneller vergessen.”

“Jeder Griff ist erlaubt. Je übler, um so besser. Lügen, Betrug – alles … Ich tat mein Bestes, um auf diesem Wege auch das älteste Ziel unserer psychologischen Kriegführung zu fördern: Deutsche gegen Deutsche aufzuhetzen.”

“Mit Greuelpropaganda haben wir den Krieg gewonnen …Und nun fangen wir erst richtig damit an! Wir werden diese Greuelpropaganda fortsetzen, wir werden sie steigern bis niemand mehr ein gutes Wort von den Deutschen annehmen wird, bis alles zerstört sein wird, was sie etwa in anderen Ländern noch an Sympathien gehabt haben, und sie selber so durcheinander geraten sein werden, daß sie nicht mehr wissen, was sie tun. Wenn das erreicht ist, wenn sie beginnen, ihr eigenes Nest zu beschmutzen, und das nicht etwa zähneknirschend, sondern in eilfertiger Bereitschaft, den Siegern gefällig zu sein, dann erst ist der Sieg vollständig. Endgültig ist er nie. Die Umerziehung (Reeducation) bedarf sorgfältiger, unentwegter Pflege wie englischer Rasen.Nur ein Augenblick der Nachlässigkeit, und das Unkraut bricht durch, jenes unausrottbare Unkraut der geschichtlichen Wahrheit.”

Sefton Delmer, ehemaliger britischer Chefpropagandist nach der Kapitulation 1945 zu dem deutschen Völkerrechtler Prof. Grimm (Die Propaganda der Alliierten wird durch den Überleitungsvertrag Art. 7.1 als OFFENSICHTLICHE TATSACHEN vom “deutschen’ Strafrecht geschützt.)

begin_speakingMenachem Begin über alle “Nichtjuden” Unsere Rasse ist die Herrenrasse. Wir sind heilige Götter auf diesem Planeten. Wir sind so weit entfernt von den minderwertigen Rassen, wie sie von Insekten sind. (…) Andere Rassen werden als menschliche Exkremente betrachtet. Unser Schicksal ist es, die Herrschaft über die minderwertigen Rassen zu nehmen. Unser irdisches Reich wird von unseren Führern mit einem Stab aus Eisen regiert werden. Die Massen werden unsere Füße lecken und uns als Sklaven dienen!”- Israels Ministerpräsident Menachem Begin in einer Rede vor der Knesset. Gefunden bei: Amnon Kapeliouk, “Begin and the Beasts”, New Statesman, 25. Juni 1982.

Jüdische “Antideutsche Mordhetze” von Ilja Grigorjewitsch Ehrenburg

180px-Ehrenburg5 Zeitzeugen und Geschichtsschreibung sind sich einig, daß seine Flugblätter und Artikel, die Exzesse der Roten Armee in Ostdeutschland in wesentlicher Form vorbereitet und ausgelöst haben. Die Verbrechen der Rotarmisten waren, wie der Historiker Alfred de Zayas schreibt, nur zum Teil „ein Ausbruch der Rache für die Greuel, die SS und Einsatzgruppen in der Sowjetunion begangen hatten“. Die Soldaten waren von Ehrenburg und anderen dazu präpariert worden. Der englische Moskau-Korrespondent Alexander Werth bescheinigte Ehrenburg „ein geradezu geniales Talent, den Haß gegen die Deutschen zu schüren“.

Die Mitverantwortlichkeit Ehrenburgs für die Verbrechen der Roten Armee, insbesondere in Ostpreußen, wurde mit Verweis auf ein Flugblatt Ehrenburgs untermauert, das die Sätze enthielt: „Brecht mit Gewalt den Rassenhochmut der deutschen Frauen! Nehmt sie als rechtmäßige Beute!“ Oft enthielten Ehrenburgs Texte Tiermetaphern für die deutschen Invasoren: von „tollwütigen Wölfen“, „Reptilien“ und „Skorpionen“ war die Rede.[6] Adolf Hitler nannte Ehrenburg den „Hausjuden Stalins“.[7]

In seinem Buch Woina faßte Ilja Ehrenburg seine Aufrufe an die Rote Armee zusammen. Die Originaldokumente befinden sich im Bundesarchiv Koblenz.

„Wir sagen nicht mehr Guten Morgen oder Gute Nacht ! Wir sagen morgens : ‚Töte den Deutschen‘ und abends : ‚Töte den Deutschen !!‘“
„Es geht jetzt nicht um Bücher, Liebe, Sterne, es geht jetzt nur um den einzigen Gedanken : die Deutschen zu töten. Sie alle zu töten. Sie zu vergraben… Es gibt nichts Schöneres für uns, als deutsche Leichen. Schlag den Deutschen tot ! – bittet Dich die alte Mutter. Schlag den Deutschen tot ! – so fleht Dich das Kind an.“
„Deutsche sind keine Menschen, Deutsche sind zweibeinige Tiere, widerliche Wesen, Bestien. Sie haben keine Seele. Sie sind einzellige Lebewesen, seelenlose Mikroben, die mit Maschinen, Waffen und Minenwerfern ausgerüstet sind.“
„Wenn Du einen Deutschen erschlagen hast, schlage noch einen anderen tot; es gibt für uns nichts Lustigeres als deutsche Leichen !“

Die Soldaten der Roten Armee wurden systematisch gegen alles Deutsche aufgehetzt. Folgender Aufruf des jüdischen Schriftstellers Ilja Ehrenburg aus seinem 1943 erschienenen Buch: Der Krieg wurde an der Front als Flugblatt verteilt:

„Wir wissen alles. Wir erinnern uns an alles. Wir haben begriffen: Die Deutschen sind keine Menschen. Von nun ab ist das Wort ‚Deutscher‘ für uns der allerschrecklichste Fluch. Von nun ab entladet das Wort ‚Deutscher‘ das Gewehr. Wir werden nicht reden. Wir werden uns nicht empören. Wir werden töten. Wenn du im Laufe des Tages einen Deutschen nicht getötet hast, ist dein Tag verloren. Wenn du denkst, daß dein Nachbar für dich einen Deutschen tötet, dann hast du die Bedrohung nicht erkannt. Wenn du den Deutschen nicht tötest, wird der Deutsche dich töten. Er holt deine Nächsten und wird sie in seinem verfluchten Deutschland quälen.“
„Wenn du den Deutschen mit der Kugel nicht töten kannst, töte den Deutschen mit dem Seitengewehr. Wenn es auf deinem Frontabschnitt ruhig ist, wenn du auf den Kampf wartest, töte den Deutschen vor dem Kampf. Wenn du den Deutschen leben läßt, wird der Deutsche einen russischen Menschen erhängen und eine russische Frau schänden.“
„Wenn du einen Deutschen getötet hast, töte noch einen – es gibt für uns nichts Lustigeres, als deutsche Leichen. Zähle nicht die Tage. Zähle nicht die Gersten. Zähle nur eins: die von dir getöteten Deutschen. Töte den Deutschen! – das bittet die alte Mutter. Töte den Deutschen! – das fleht das Kind. Töte den Deutschen! – das ruft die Heimaterde. Verfehle nicht das Ziel. Laß ihn nicht entgehen. Töte!“

Am 23. November 1943 ließ die Politische Hauptverwaltung der Roten Armee mit dem Vermerk „laut vorlesen“ folgende Sätze aus der Feder Ehrenburgs verbreiten:

„Es genügt nicht, die Deutschen nach Westen zu treiben. Die Deutschen müssen ins Grab hineingejagt werden. Gewiß ist ein geschlagener Fritz besser als ein unverschämter. Von allen Fritzen aber sind die toten die besten.“

Ein Jahr später – die Rote Armee stand an den Grenzen Ostpreußens – schrieb Ehrenburg in der Frontzeitung „Unitschtoschim Wraga“ („Zerstöre den Feind“) vom 17. September 1944:

„Die Deutschen werden die Stunde verfluchen, da sie unseren Boden betraten. Die deutschen Frauen werden die Stunde verfluchen, in der sie ihre Söhne — Wüteriche — geboren haben. Wir werden nicht schänden. Wir werden nicht verfluchen. Wir werden nicht hören. Wir werden totschlagen.“[8]
  • „Von nun ab ist das Wort ‚Deutscher‘ für uns der allerschrecklichste Fluch. Von nun ab entlädt das Wort ‚Deutscher‘ das Gewehr. Wir werden nicht reden. Wir werden uns nicht empören. Wir werden töten. Wenn du im Laufe des Tages nicht einen Deutschen getötet hast, ist dein Tag verloren. Wenn du denkst, daß dein Nachbar für dich einen Deutschen tötet, dann hast du die Bedrohung nicht erkannt. Wenn du den Deutschen nicht tötest, wird der Deutsche dich töten. Er holt deine Nächsten und wird sie in seinem verfluchten Deutschland quälen.“ — Ilja Ehrenburg, 24. Juli 1942
  • „Wenn du einen Deutschen getötet hast, töte einen zweiten – nichts stimmt uns froher als deutsche Leichen. Zähle nicht die Tage. Zähle nicht die Werste. Zähle nur eins: die von dir getöteten Deutschen. Töte den Deutschen! bittet dich die alte Mutter. Töte den Deutschen! fleht dich das Kind an. Töte den Deutschen! schreit die Heimaterde. Ziel nicht vorbei. Triff nicht daneben. Töte!“[10]
  • „Tötet, ihr tapferen Rotarmisten, tötet! Es gibt nichts, was an den Deutschen unschuldig ist. Folgt der Anweisung des Genossen Stalin und zerstampft das faschistische Tier in seiner Höhle. Brecht mit Gewalt den Rassen-Hochmut der germanischen Frauen, nehmt sie als rechtmäßige Beute. Tötet, ihr tapferen Rotarmisten, tötet.“[11]
  • „Es genügt nicht, die Deutschen nach Westen zu treiben. Die Deutschen müssen ins Grab gejagt werden. Gewiß ist ein geschlagener Fritz besser als ein unverschämter. Von allen Fritzen sind aber die Toten am besten.

Seifenmärchen

Hauptartikel: Seifenmärchen
„In den Nürnberger Prozeß führen die Sowjets ein Märchen ein, das ihr Agitator Ilja Ehrenburg erfunden hatte: Die Deutschen hätten aus Leichenfett Seife gekocht. Die graue deutsche Einheitsseife trug den Stempel „RIF“ (Reichsstelle für Industrielle Fette), laut Ehrenburgs Memoiren hieß das: Reines Juden-Fett. http://de.metapedia.org/wiki/Ehrenburg,_Ilja_Grigorjewitsch

“Wir haben sechs oder sieben Millionen Deutsche umgebracht. Möglicherweise werden wir eine weitere Million oder so töten, bevor der Krieg zu Ende ist.” Winston Churchill, Kriegsverbrecher und Freimaurer am 7.2.1945 auf der Konferenz von Jalta

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“Unsere jüdischen Interessen erfordern die endgültige Vernichtung Deutschlands, das deutsche Volk samt und sonders ist eine Gefahr für uns, deshalb ist es unmöglich, zuzulassen, daß Deutschland unter der gegenwärtigen Regierung mächtig wird.” Wladimir Jabotinsky, Januar 1934 in der jüdischen Zeitung “Tatscha Retsch”

Das Spiel geht weiter.

Putin über den Holocaust 27.01.2015
die-holospiele-gehen-weiterDer Jude Putin zeigt sein wahres Gesicht.
Putin über Holocaustleugnung und Kriegpropaganda u. Lügen damals und heute!!! Man schaue genau in die verlogenen Augen.


Putin über den Holocaust 27.01.2015 Das verlogene Sprachrohr von Chabad Berel Lazar warnt vor Geschichtsfälschung….. Ich auch !!!
Putin über den Holocaust 27.01.2015

Gegen die Geschichtsfälschung! Im folgenden ein paar Fakten.
300.000 Tote Juden Auschwitz Prozess Original Aufnahmen Deutsche Wochenschau


Rote Kreuz Statistik. Sterbefälle in den Konzentrationslagern.
.auschwitz
Norman-FinkelsteinZitat des jüdischen Politikwissenschaftler Prof.Norman G Finkelstein: “Der Holocaust ist eine ideologische Keule, mit der Deutschland in Schach gehalten wird. … Anfang der neunziger Jahre entdeckten diese Organisationen eine Möglichkeit, europäische Re-gier-ungen abzuzocken, und jetzt laufen sie Amok. Sie betreiben Erpressung, und sie sollten als Kriminelle angeklagt und vor Gericht gestellt werden.” (Die Welt 6.2.2001, Seite. 29) “Wenn jeder, der behauptet, ein Überlebender der Lager zu sein, wirklich einer ist, wen hat Hitler dann umgebracht?” pflegte Professor Finkelsteins Mutter solche Auswüchse zu kommentieren.

Am beeindruckendsten berichteten 1989 die ARD-Nachrichten im Zusammenhang mit dem Holocaust-Tag in Israel über die Sechs Millionen. Die Fernsebilder zeigten Rabbiner, die auf einem öffentlichen Platz die Namen der “Sechs Millionen im Holocaust ermordeten Juden” abwechselnd vorlasen: “In 24 Stunden werden die Namen der sechs Millionen ermordeten Juden vorgelesen. Rabbiner lösen sich beim Vorlesen ab.” (2) Hier zeigt sich wieder einmal, daß die Juden als einziges Volk von Gott auserwählt sind und sich von allen anderen unterscheiden. Kein Normalmensch wäre in der Lage, in einer Sekunde 69 Namen von einem Blatt abzulesen und gleichzeitig auszusprechen (probieren Sie es selbst). Aber die Rabbiner in Israel meisterten diese die Naturgesetze überschreitende Aufgabe. Sie lasen in 86.400 Sekunden Sechs Millionen Namen vor. Das macht pro Sekunde 69,44 Namen. Nichts für ungut, das nur nebenbei!
Israelische Ministerin Shulamit Aloni verrät Holocaust-Trick und Antisemitismus-Trick

Hier ein Auszug aus der Rede der israelischen Ministerin:  “Wenn jemand aus Europa Israel kritisiert, dann bringen wir den HOLOCAUST hoch”. “Wenn Leute in diesem Land (USA) Israel kritisieren, dann sind sie ANTISEMITISCH. “Und die (jüdischen) Organisationen sind stark, sie haben viel Geld.” (Anmerkung: Woher wohl?)
“Sie haben Macht, Geld, die Medien und andere Dinge.” (Anmerkung: Und kaufen vermutlich sämtliche Politiker, die sie brauchen.) “Und es ist sehr einfach, Leute, die gewisse Handlungen der israelischen Regierung kritisieren, als ANTISEMITEN anzuprangern und den HOLOCAUST hochzubringen und DAS LEIDEN DES JÜDISCHEN VOLKES. Und das rechtfertigt alles, was wir den Palestinensern antun.” weiter…. https://totoweise.wordpress.com/2015/02/16/israel-palastina-analysen/
Es gibt keine deutsche Identität ohne Autsch-Witz und den HolenClaus
Damals und heute – Wie sich die Zeiten doch gleichen
Israel / Palästina Analysen
Es sind alle Politiker Juden, judenstämmig oder zumindest in einer hebräischen Freimaurerloge. Ohne dem kann man nicht als Politiker einsteigen (außer vielleicht in der Kommunalebene).
Das erklärt auch, warum die Urheber und wirklich Verantwortlichen des Holocausts, der Vatikan (seit 1212) nie angegangen werden – siehe Jeder Christ ein Sklave der Juden Vom Bischof von Rom zum Antichrist: Die “Nazi — Päpste”
http://hure-babylon.de/nr-24-vom-bisc…
Von Papst Innozenz III. bis Adolf Eichmann
http://nachrichtenarchiv.wordpress.co…
Pius XII.
http://hure-babylon.de/nr-26-pius-xii/
Nazi-Fluchthelfer: Römisch-Katholische Kirche und Rotes Kreuz
http://hure-babylon.de/nr-27-nazi-flu…
Monita Secreta — Die geheimen Instruktionen der Jesuiten
http://hure-babylon.de/nr-19-monita-s…
Den Vatikan kann man nicht melken, wie das deutsche und das amerikanische Volk!
Warum die israelischen Regierungsmitglieder vor den Internationalen Strafgerichtshof nach Den Haag müssen, ergibt sich aus den Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozessen und den “Nürnberger Prinzipien” im Völkerrecht – siehe:
Die “Nürnberger Prinzipien” im Völkerrecht des Internationalen Militärtribunals 1945 gelten auch für ISRAEL und für die USA:
Die “Nürnberger Prinzipien” im Völkerrecht
1. Jede Person, welche ein völkerrechtliches Verbrechen begeht, ist hierfür strafrechtlich verantwortlich.
2. Auch wenn das Völkerrecht für ein völkerrechtliches Verbrechen keine Strafe androht, ist der Täter nach dem Völkerrecht strafbar.
3. Auch Staatsoberhäupter und Regierungsmitglieder sind für von ihnen begangene völkerrechtlichen Verbrechen nach dem Völkerrecht verantwortlich.
4. Handeln auf höheren Befehl befreit nicht von völkerrechtlicher Verantwortlichkeit, sofern der Täter auch anders hätte handeln können.
5. Jeder, der wegen eines völkerrechtlichen Verbrechens angeklagt ist, hat Anspruch auf ein ordnungsgemäßes Verfahren.
6. Folgende Verbrechen sind als völkerrechtliche Verbrechen strafbar:
a) Verbrechen gegen den Frieden,
b) Kriegsverbrechen, Israel / Palästina Analysen
c) Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
7. Verschwörung zur Begehung der genannten Verbrechen stellt ebenfalls ein völkerrechtliches Verbrechen dar. Sechs Millionen
http://www.justiz.bayern.de/gericht/o…
Christentum Freimaurer und Pyramiden
Chanukkaleuchter am Brandenburger Tor
Eine Freundschaft zwischen Deutschen und Juden gibt es nicht
Deutschland und die Judenfrage
Die Psychopathologie des Judentums
Juden- und Christentum
Der Heilige Stuhl als Agent der Synagoge Satans
Das grösste Problem unserer Zeit
Danksagung und Antwort – Was soll das alles? – Der Holocaust ist offenkundig. (Ursula Haverbeck)
Es gibt keine deutsche Identität ohne Autsch-Witz und den HolenClaus
“Holocaust-Payback”: Sozial- und Krankenversicherung, Lagergeld, Entlassungs- und Prämienscheine
Sechs Millionen
Es war einmal ein Opfervolk
Das Judentum – eine Gegenrasse
Die Welt ist in jüdischer Hand!
Das Volk, das die Lüge gebar
Juden als Kriegschefs und globale Brandstifter
Holocaust-Opferzahlen
ergänzend hier mal schauen Gaskammertemperatur/GKT
und hier Die verbotene Wahrheit
Zitat:
Es geht nicht darum, dass die Auschwitzlüge von einigen wenigen Unbelehrbaren verbreitet wird…, es steht viel mehr auf dem Spiel. Wer die Wahrheit über die nationalsozialistischen Vernichtungslager leugnet, gibt die Grundlagen preis, auf denen die Bundesrepublik Deutschland errichtet worden ist.” Ex-Oberlandesgerichts-Direktor Rudolf Wassermann (Die Welt vom 28.04.1994, Seite 4)  …….Hallo Michels …………aufwachen…………  gibt die Grundlagen preis, auf denen die Bundesrepublik Deutschland errichtet worden ist……ergänzend: Israel hat Adolf Hitler von der Kriegsschuld freigesprochen…. Aber nicht das deutsche Volk ( Goyim-Vieh ) 6 ist eine Zahl, der Rest, sind nur Nullen…Kugelschreiber Berichte von 1945 beweisen es, ganz genau

Hier sind die Worte des jüdischen Philosophen Rabbi Marcus Eli Ravage, veröffentlicht im einem Artikel in The Century Magazine, Vol. 115, Januar 1928, Nr. 3:

“Wenn Ihr es wirklich ernst meint, wenn Ihr über jüdische Verschwörungen redet, darf ich dann eure Aufmerksamkeit auf eine lenken über die es sich zu reden lohnt? Warum Worte wegen der angeblichen Kontrolle eurer öffentlichen Meinung durch jüdische Finanziers, Zeitungsbesitzer und Filmmagnaten verschwenden, wenn Ihr uns statt dessen, mit gutem Recht, der bewiesenen Manipulation eurer gesamten Zivilisation durch das jüdische Evangelium anklagen könnt?Ihr habt noch nicht einmal angefangen, die wirkliche Tiefe unserer Schuld zu begreifen? Wir sind Eindringlinge. Wir sind Störer. Wir sind Zerrüttler. Wir haben eure natürliche Welt, eure Ideale, euer Schicksal genommen und zerstört. Wir waren nicht nur die Ursache des letzten Krieges sondern nahezu all eurer Kriege, nicht nur der Russischen sondern nahezu aller Eurer großen Revolutionen. Wir haben Zwist und Verwirrung und Frustration in euer persönliches und öffentliches Leben gebracht. Und wir tun das immer noch…”

weiter hier

Ein Gespenst geht um in Europa .Es heißt Holocaust und seine Teufelskralle  ist der Paragraph 130 Strafgesetzbuch.
DIE FALSCHE ROLLE MIT DEUTSCHLAND 8. Mai 1945
“Holocaust-Payback”: Sozial- und Krankenversicherung, Lagergeld, Entlassungs- und Prämienscheine
Der Kaufman Plan
Vincent Reynouard – Holocaust Und Was Mann Ihnen Verheimlicht (pdf)
Der Vertreibungsholocaust am deutschen Volk
Ein Denkmal der Schande
Es war einmal ein Opfervolk
Der Golda Meir-Stalin/Kaganovich Pakt und heutige Weltpolitik
Abschaffung der weißen Rasse in Europa.
Juden als Kriegschefs und globale Brandstifter
Das Volk, das die Lüge gebar
Sechs Millionen
Israel / Palästina Analysen
Russland feiert heute den Sieg über Nazi-Deutschland
Von der UdSSR zu EUdSSR und NeuenWeltOrdnung
85 Prozent der Sowjet-Regierung waren Juden
Kriegsverbrechen der Roten Armee

Wer sich mit dem jüdischen Weltproblem einmal befaßt hat und tiefer in die Informationen geschaut hat, wird erkennen, daß es wirklich immer nur zwei Pole in der Welt gibt; Nord und Süd; Schwarz und Weiß; Gut und Böse (nordisches Ariertum und vorderasiatisches Judentum). Wer verkörpert das Gute und wer das Böse? Ohne langes Zögern kommt man zu den unweigerlichen Schluß, daß das „Judentum“ das Böse verkörpert. Jesus sagte es schon vor 2000 Jahren: „Ihr seid die Kinder des Teufels…“ Martin Luther; Schopenhauer; Goethe; Schiller; und Tausende vor und nach ihnen, haben versucht die Welt vorm tödlich/paratisären Judentum zu warnen und zu schützen. Was die Größten der Weltgeschichte über die Juden zu sagen haben

Mathilde Friederike Karoline Ludendorff

Mathilde Friederike Karoline Ludendorff   4. Oktober 1877 - 24. Juni 1966
Mathilde Friederike Karoline Ludendorff 4. Oktober 1877 – 24. Juni 1966

Mathilde Friederike Karoline Ludendorff  4. Oktober 1877 in Wiesbaden- 24. Juni 1966 in Tutzing; gebürtig Mathilde Spieß, verh. u. verw. v. Kemnitz, verh. u. gesch. Kleine) war eine deutsche Lehrerin und Ärztin. Sie wurde vor allem bekannt als zweite Ehefrau Erich Ludendorffs sowie als Vordenkerin der völkischen Bewegung, in der sie aufgrund der von ihr propagierten esoterisch-kryptischen Vorstellungen von „geheimen überstaatlichen Mächten“ bekannt wurde. Außerdem beschäftigte sie sich mit der Frage nach der Stellung der Frau in der Gesellschaft. In dem nationalreligiösen Verein Bund für Deutsche Gotterkenntnis hatte sie eine führende Rolle.

Engagement für die Rechte der Frau

In ihrer Doktorarbeit beschäftigte sie sich mit geschlechtsspezifischen Unterschieden der geistigen Fähigkeiten von Mann und Frau. Sie engagierte sich stark für die Rechte der Frau, wobei sie die Ursachen für die Ungleichbehandlung der Geschlechter auf die christliche Religion und evolutionspsychologische Zusammenhänge zurückführte. Sie beschäftigte sich vor allem mit der Psychologie der Geschlechter, mit einer von christlicher Moral „verfälschten“ Minnekultur und mit den Rechten der Frauen in der Gesellschaft.

Schon als Kind soll sie sich in der Schule über die Herabsetzung des weiblichen Geschlechtes empört haben. Sie setzte sich für Frauenbildung ein, konnte aber mit der Frauenbewegung wenig anfangen.

„Um die ‚Frauenrechte‘ der ‚Emanzipierten‘ war es mir außer dem Rechte zum Studium nicht zu tun. Ja, ich habe mich an den heißen Kämpfen der Frauen, ‚Stimmvieh‘ sein zu dürfen, nicht beteiligt, sondern habe im Gegenteil schon in jungen Jahren den Frauen gezeigt, daß die Kernfragen der Freiheit des Weibes die Mündigkeit in der Ehe und die Pflichten am Volke seien, das Wahlrecht aber nichts anderes als Trug am Volke, doppelter Trug aber an den Frauen sei.“

Daneben setzte sie sich für die wirtschaftliche Unabhängigkeit erziehender Mütter ein, die nach ihrer Meinung für die Ausübung ihres „Mutterberufes“ eine Entlohnung verdienten. Sie wandte sich gegen die „poetische“ Verklärtheit des damaligen Familienideals, weil sie darin eine Benachteiligung der Frauen sah.

Bereits vor Ende des Ersten Weltkrieges hatte sie begonnen, Bücher über Frauenfragen zu veröffentlichen („Das Weib und seine Bestimmung“, „Der Minne Genesung“, „Des Weibes Kulturtat“). Diese erschienen unter dem Verfassernamen „Dr. M. von Kemnitz“, ihrem damaligen Ehenamen, und sollten in der männlich beherrschten Gelehrtenwelt nicht den Verdacht erwecken, daß sie von einer Frau geschrieben worden waren. 1920 organisierte sie ein „Frauenkonzil“ in München und trug damit zur Gründung des „Weltbundes nationaler Frauen“ bei.
Stellung zum Nationalsozialismus

Während der Novemberrevolution engagierte sie sich gegen die Abspaltung einer bayerischen Räterepublik vom Deutschen Reich. In der völkischen Bewegung hatte sie durch General Erich Ludendorff auch mehrere persönliche Begegnungen mit Adolf Hitler.

Gemeinsam mit ihrem Mann hielt sie zahlreiche Vorträge auf Veranstaltungen der völkischen Bewegung und der „Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung“. Nach der Entlassung Hitlers aus dem Gefängnis erfolgte der Bruch zwischen Hitler und Ludendorff. Die Ludendorffs bekämpften in ihrer Zeitschrift „Volkswarte“ mit einer Auflage von bis zu 100.000 Exemplaren, öffentlich den Nationalsozialismus und kritisierten das totalitäre System. 1933 wurde Ludendorffs „Volkswarte“ nach mehreren Androhungen verboten.

Mathilde Ludendorff veröffentlichte neben ihren philosophischen Werken (Hauptwerk „Triumph des Unsterblichkeitwillens“) auch viele politische Schriften, Bücher und Aufsätze, überwiegend völkischen, gegen internationale Machtinteressen gerichteten Inhalts. Neuheidnische religiöse Vorstellungen spielten ebenfalls eine große Rolle im Denken von Mathilde Ludendorff. Grundlage der Gotteserkenntnis von Mathilde Ludendorff war ihre Überzeugung, daß jeder Rasse sich die Erkenntnis Gottes auf eine jeweils besondere Weise offenbare. Rassenvermischung führe zum Verlust dieser speziellen Gotteserkenntnis.

1930 wurde der philosophische Verein Deutschvolk gegründet, der Vorläufer des heutigen Bundes für Gotterkenntnis. Konstantin Hierl gründete den Tannenbergbund (1925), dessen Schirmherrschaft Erich Ludendorff übernahm. Dies war ein politischer Kampfbund, der nicht direkt mit dem Deutschvolk verknüpft war. Konstantin Hierl verließ 1927 den Tannenbergbund. Beide Organisationen wurden 1933 verboten. Auch die Bücher der Ludendorffs wurden nach der Machtübernahme beschlagnahmt. Zwischen 1929 und 1933 bestand eine heftige politische Gegnerschaft zwischen den Nationalsozialisten und den Ludendorffs. Mathilde Ludendorff war eine der wenigen Frauen, die Hitler öffentlich Feindseligkeit entgegenbrachten.

Hitler erteilte kurz vor dem Tod Erich Ludendorffs die Erlaubnis zur Neugründung eines nationalreligiösen Vereines, der 1937 den Namen Bund für Deutsche Gotterkenntnis erhielt. In diesem Verein und den Nachfolgeorganisationen spielte Mathilde Ludendorff die führende Rolle.

Aufsatz von Mathilde Ludendorff „Moralisch verwesende Völker“
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Aktivitäten nach dem Krieg

1949 wurde gegen Mathilde Ludendorff im Rahmen der sogenannten „Entnazifizierung“ ein Spruchkammerverfahren eröffnet.

Wie zuvor grenzte sie sich von Hitler ab und verwies darauf, daß eine „völkische Identität“ zugebilligt werden müsse und vertrat das Prinzip der „Lebensheiligkeit“: „Aller Menschen Dasein ist heilig.“ Auf über 80 Seiten ihrer Verteidigungsschrift legte sie dar, welche Haltung sich aus den religiösen Vorschriften der Juden gegenüber Nichtjuden ergeben und bekräftigte damit ihre völkische Einstellung. Sie sprach nach erfolgter Umerziehung von den „entsetzlichen Verbrechen“ der Nationalsozialisten, rechnete die Nationalsozialisten aber zugleich den Kräften zu, die gegen das „Deutschtum“ wirkten und deshalb von vornherein zu verachten seien. In einem Revisionsverfahren der Spruchkammerentscheidung erreichte die ursprünglich als „Hauptschuldige“ bezeichnete Mathilde Ludendorff 1951 eine Abschwächung des politischen Urteils zu einer „Belasteten“. 1963 wurde dieses Urteil dann aufgehoben. Im Zusammenhang mit der Aufnahme des Spruchkammerverfahrens gegen Mathilde Ludendorff wurde gegen den Journalisten Winfried Martini der Vorwurf erhoben, eine Hetzkampagne sowohl gegen die noch lebende Mathilde Ludendorff als auch gegen den bereits verstorbenen Erich Ludendorff betrieben zu haben.

Der „Bund für Deutsche Gotterkenntnis“ wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von Mathilde Ludendorff zunächst als Ludendorffbewegung (auch: „Ludendorffer“) im Jahre 1951 als Bund für Gotterkenntnis auch juristisch wiedergegründet. Im Jahre 1961 wurde der Bund für Gotterkenntnis (Ludendorffer) als „verfassungsfeindlich“ eingestuft und verboten. Im Jahre 1977 erfolgte die Aufhebung des Verbots wegen Verfahrensfehlern, jedoch wird der Bund bis heute vom „Verfassungsschutz“ bespitzelt, der ihn als „rechtsextrem“ bezeichnet. Nach Eigenangaben hatte der Bund 12.000 Mitglieder (2002).
Wenn Mathilde Ludendorff heute in der BRD als eine durchaus selbstbewußte Frau, die z. B. auch Kritik an Arthur Schopenhauer übte, nicht als Vorbild für die jungen Mädchen herangezogen wird, so ist dies wohl darauf zurückzuführen, daß ihre Ansichten gegen die Politische Korrektheit verstoßen. Auch ihre Abgrenzung vom Nationalsozialismus kann in diesem Fall nicht helfen, da sie die Juden auch nicht anders betrachtet haben dürfte, als es die Nationalsozialisten taten. Die Ludendorffs betrachteten Jesus Christus nicht als Arier, wie Hitler dies tat, und lehnten dessen Rompolitik wahrscheinlich als zu beschwichtigend ab.

Mathilde Ludendorff beschrieb in ihren Lebenserinnerungen (siehe Tutzinger Schriften 2, S. 22f. im Netzbuch), wie sie es mit einem Freimaurer zu tun bekam, als sie kostenlosen Schulunterricht für Kinder anbot, darunter waren mehrheitlich deutsche und wenige jüdische Kinder. Bisher hatte den Unterricht besagter Freimaurer erteilt und Geschichten aus dem Alten Testament vorgelesen. Mathilde Ludendorff entwickelte dann einen eigenen Lehrplan, mit dem sie den deutschen Kindern ihr Volkstum näherbringen wollte. Dies gelang ihr auch. Ihr Unterricht war ein voller Erfolg. Sie wurde nun von ihrem Gegenspieler zur Rede gestellt. Er warf ihr vor, daß sie in seinen Machtkreis eingedrungen sei und sich einen eigenen aufbauen solle, dieser sei seiner. Schließlich gab sie dem Druck nach. Später entwickelte sie aber weiteren Lehrstoff im Rahmen ihrer Deutschen Lebenskunde.

Zitate

„Praxisbeispiel zum Esausegen

Dr. Mathilde Ludendorff berichtete in einem Schreiben vom 28.08.1952 an die Zeitschrift ‚Der Weg‘ (Buenos Aires):

Den vier Jahren Spruchkammerverfolgung gingen eineinhalb Jahre voraus, in denen ich von allen möglichen Sektionen der Demokratie der USA vernommen wurde, während die Security Police gar manches Mal mit dem Auto schon vor der Tür stand, um mich nötigenfalls abzuführen. So kam denn auch einmal ein Mann, dem der Haß gegen mich nur so aus den Augen sprühte und der mit Hilfe eines sehr starken Stimmaufwandes, hoffte mich verängstigen zu können. Wollen Sie alles verantworten, was Sie in der Zeitschrift ‚Am Heiligen Quell […]‘ veröffentlicht haben, fragte er drohend. Natürlich es steht ja auch mein Name dabei. – Darauf wurden mir stellen aus Artikeln vorgelesen, die offenbar als ein großes Verbrechen angesehen wurden, und als ich dabei völlig ruhig blieb, kam die Frage nicht gesprochen sondern geschrien: Wissen sie denn gar nicht was ihnen bevorsteht? O doch, ich habe ja schon ein ganzes Jahr hindurch den herrlichen Freiheitsgeist der Demokratie der USA kennengelernt und weiß recht wohl, was mir bevorsteht, aber ich begreife Sie überhaupt nicht. Was fällt ihnen ein? Ja, möchten Sie nicht hören, weshalb Sie mir so unbegreiflich sind? Wenn ich mich nicht sehr irre, sind Sie doch Jude. Und ich möchte darauf wetten, daß Sie orthodoxer Jude sind, deshalb begreife ich gar nicht weshalb Sie so mit mir verfahren!

Haß und Groll sind aus dem Gesicht verschwunden und Spannung, was nun noch von mir gesagt wird, liegt auf den Zügen. – Gern aber vergessen alle orthodoxen Juden und auch Sie den zweiten Segen, den Jahweh durch den Mund Isaaks nun dem Esau gibt, nachdem er die List erkannt hat. Esau ist alles nichtjüdische Volk, das wissen Sie! Und Sie wissen auch, daß in ihrer Thora im 1. Buch Moses 27, Vers 39 und 40 zu lesen steht: Da antwortete Isaak, sein Vater und sprach zu ihm: Siehe da, Du wirst keine Fette Wohnung haben auf Erden und der Tau des Himmels von oben her ist dir fern. Deines Schwertes wirst Du dich nähren und Du wirst Deinem Bruder dienen. Und es wird geschehen, daß Du dich aufraffst und sein Joch von deinem Halse reißen wirst und auch Herr bist. – Und nun kommen Sie als orthodoxer Jude und wagen es, mir zu drohen und Strafen in Aussicht zu stellen, für das was ich gesprochen und geschrieben habe? Mein Mann und ich haben in der Judenfrage nie ein Wort geschrieben oder gesprochen, das etwas anderes gewesen wäre als das Abschütteln des Joches Jakobs von unserem Halse, mit dem Ziele auch Herr zu sein. Wer also erfüllt hier denn die Verheißung, die Jahweh durch Isaak gibt? Nun, ich denke doch, der Esau in Gestalt meines verstorbenen Mannes und ich! Und wer wagt es ihrem Gotte Jahweh zuwiderzuhandeln?

Das Gesicht mir gegenüber ist weiß. Der Jude erhebt sich, spricht mit der Stimme bebend die Worte Ich danke sehr, verbeugt sich und verläßt rückwärtsgehend den Raum. Dieser kleine Vorfall ist nur einer von sehr vielen Erfahrungen in dieser Richtung in 32 Jahren. Zweierlei möchte er denen, die die Gefahr überwinden wollen, an die Seele legen. Einmal, daß sie den zusammengetragenen Wahrheitsbeweis [gemeint ist der Wahrheitsbeweis in der Judenfrage, der in ihren zusammengetragenen Spruchkammerverfahren vorgelegt worden war] gründlich aufzunehmen und verwerten. Und zum anderen, daß sie sich tief einprägen: Nur der Kampf hier wird zum Ziele führen, der gerade den orthodoxen Juden als von ihrem Gotte Jahweh selbst verheißener Kampf erscheinen muß, ein Ringen um die Freiheit aller nichtjüdischen Völker, der niemals über das Ziel hinausschießt, der niemals etwas anderes ist als das in ernster Moral verwirklichte Abschütteln des Joches Jakobs von dem Halse und der Wunsch aller Völker selbst auch Herr zu sein.

Es lebe die Freiheit aller Völker!

Dr. Mathilde Ludendorff“

Werke

  • Das Weib und seine Bestimmung. Ein Beitrag zur Psychologie der Frau und zur Neuorientierung ihrer Pflichten. (Erstauflage 1917; 191 Seiten)
  • Erotische Wiedergeburt (Erstauflage 1919; 212 Seiten). Dieses Buch erschien 1959 in überarbeiteter Fassung unter dem Titel Der Minne Genesung.
  • Triumph des Unsterblichkeitwillens (PDF-Datei) (Erstauflage 1921; 46. – 57. Tausend 1959, 425 Seiten)
  • Der Seele Ursprung und Wesen
    • 1. Teil Schöpfungsgeschichte (Erstauflage 1923; 19. – 20. Tausend 1954, 160 Seiten)
    • 2. Teil Des Menschen Seele (Erstauflage 1925; 22. – 24. Tausend 1941, 292 Seiten)
    • 3. Teil Selbstschöpfung (Erstauflage 1927; 19. – 20. Tausend 1954, 285 Seiten)
  • Der Seele Wirken und Gestalten
    • 1. Teil Des Kindes Seele und der Eltern Amt – Eine Philosophie der Erziehung (Erstauflage 1930; 19. – 20. Tausend 1953, 475 Seiten)
    • 2. Teil Die Volksseele und ihre Machtgestalter – Eine Philosophie der Geschichte (Erstauflage 1933; 13. – 15. Tausend 1955, 516 Seiten)
    • 3. Teil Das Gottlied der Völker – Eine Philosophie der Kulturen (Erstauflage 1935; 7. – 8. Tausend 1955, 462 Seiten)
  • Der Siegeszug der Physik — Ein Triumph der Gotterkenntnis meiner Werke (Erstauflage 1941; 295 Seiten)
  • Wunder der Biologie im Lichte der Gotterkenntnis meiner Werke
    • Band 1 (Erstauflage 1950; 362 Seiten)
    • Band 2 (Erstauflage 1954; 260 Seiten)
  • Das Hohe Lied der göttlichen Wahlkraft (Erstauflage 1957; 264 Seiten)
  • In den Gefilden der Gottoffenbarung (Erstauflage 1959; 370 Seiten)
  • Das Jenseitsgut der Menschenseele
    • 1. Teil Der Mensch, das große Wagnis der Schöpfung (Erstauflage 1960; 281 Seiten)
    • 2. Teil Unnahbarkeit des Vollendeten (Erstauflage 1961; 300 Seiten)
    • 3. Teil Von der Herrlichkeit des Schöpfungszieles (Erstauflage 1962; 380 Seiten)
  • mit Erich Ludendorff:
    • Die machtvolle Religiosität des deutschen Volkes vor 1945. Dokumente zur Religions- und Geistesgeschichte 1933 – 1945 Kompil. Erich Meinecke. Verlag Freiland, Viöl 2004 (einschlägiger Verlag)
    • Am heiligen Quell Deutscher Kraft (1934 – Folge 11 (PDF-Datei)
    • Das Geheimnis der Jesuitenmacht und ihr Ende (1929, 194 S., Scan-Text, Fraktur) (PDF-Datei)
    • Das große Entsetzen – Die Bibel nicht Gottes Wort (1937, 36 S., Scan-Text, Fraktur) (PDF-Datei)
    • Europa den Asiatenpriestern (1938, 47 S., Scan-Text, Fraktur) (PDF-Datei)
    • Weihnachten im Licht der Rassenerkenntnis (1937, 35 S., Scan-Text, Fraktur.pdf) (PDF-Datei)
    • Christentum und deutsche Gotterkenntnis (PDF-Datei)
    • Die Judenmacht ihr Wesen und Ende (1939) (PDF-Datei)
  • Der ungesühnte Frevel an Luther, Lessing und Schiller im Dienste des allmächtigen Baumeisters (1936) (PDF-Datei)
  • Induziertes Irresein durch Okkultlehren (Bestellmöglichkeit)
  • Bände der Blauen Reihe (unvollständig):
    • Band 1: Deutscher Gottglaube (1934) (PDF-Datei)
    • Band 3: Sippenfeiern-Sippenleben (1939) (PDF-Datei)
    • Band 4: Für Feierstunden (1937) (PDF-Datei)
    • Band 5: Wahn und seine Wirkung (1938) (PDF-Datei)
    • Band 6: Von Wahrheit und Irrtum (1938) (PDF-Datei)
    • Band 7: Und Du, liebe Jugend? (1938) (PDF-Datei)
    • Band 8: Auf Wegen zur Erkenntnis (1940) (PDF-Datei)
    • Band 9: Für dein Nachsinnen (PDF-Datei)
  • LernstoffzumLehrplanderdeutschenLebenskunde (unvollständig):
  • Erlösung von Jesu Christo (1931) (PDF-Datei)
  • Bekenntnis der protestantischen Kirche zum römischen Katholizismus (1937) (PDF-Datei)
  • Mozarts Leben und gewaltsamer Tod (1936) (PDF-Datei)
  • Was Romherschaft bedeutet (PDF-Datei)
  • Der Trug der Astrologie (1932-2006, Nachdruck) (PDF-Datei)
  • Unsere Kinder in Gefahr (1937) (PDF-Datei)
  • Ist das Leben sinnlose Schinderei? (1934) (PDF-Datei)
  • Warum Lebenskundeunterricht? (1941) (PDF-Datei)
  • Erledigte Gotterkenntnis? – Hoffnungslose Wissenschaft! (1939) u.a. Autoren (PDF-Datei)
  • Verschüttete Volksseele Nach Berichten aus Südafrika (PDF-Datei)
  • Ein Blick in die Morallehre der römischen Kirche (1934) (PDF-Datei)
  • Künstlerisches Schaffen und Wahnlehren (1941) (PDF-Datei)
  • Von neuem Trug zur Rettung des Christentums (1931) (PDF-Datei)
  • Ein Blick in die Dunkelkammer der Geisterseher (PDF-Datei))
  • Wahn über die Ursachen des Schicksals (1934) (PDF-Datei)
  • Hinter den Kulissen des Bismarckreiches (1931-1999, Nachdruck) (PDF-Datei)
  • Der Segen der Gotterkenntnis (PDF-Datei)
  • Christliche Grausamkeit an deutschen Frauen (1936) mit Walther Löhde (PDF-Datei)
  • Erich Ludendorff Sein Wesen und Schaffen (1938) (Netzbuch)
  • Lessings Geisteskampf und Lebensschicksal (1937-2004) (PDF-Datei)
  • Totenklage – ein Heldengesang: Erich Ludendorff (1939) (PDF-Datei)
    • Hans Kurth: Die Weltdeutung Dr. Mathilde Ludendorffs – Eine Einführung in die Werke der Philosophin (1932 , 67 S., Scan-Text, Fraktur) (PDF-Datei)
    • Der Wahrheitsbeweis Spruchkammerverfahren gegen Mathilde Ludendorff (PDF-Datei)
    • Dietger Weber: Das Spruchkammerverfahren gegen Mathilde Ludendorff
    • H. Dittmer: Was weißt du von Mathilde Ludendorff? (1934, 71 S., Scan-Text, Fraktur) (PDF-Datei)
    • Tutzinger Schriften 2: Mathilde Ludendorff – Über das Werden ihrer Gotterkenntnis. Zusammengestellt von Edmund Reinhard. (1971) (Netzbuch
    • Verweise Weltnetzseite des Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e.V.

E. und M. Ludendorff – Das Geheimnis der Jesuitenmacht und ihr Ende Teil-1/2


E. und M. Ludendorff – Das Geheimnis der Jesuitenmacht und ihr Ende Teil-2/2

Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling

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Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling 27. Januar 1775 † 20. August 1854

Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling (* 27. Januar 1775 in Leonberg; † 20. August 1854 in Bad Ragaz) war ein deutscher Philosoph.
Zu seinem Wirken heißt es:

Der „Naturphilosoph“, Begründer des Identitätssystems; Professor zu Jena, Würzburg, Erlangen, München, seit 1841 zu Berlin. Er lehrte, die Gesetze der Natur müßten sich als Gesetze des Bewußtseins nachweisen lassen, und umgekehrt; alle Gegensätze vereinigen sich im Unendlichen, in der absoluten Identität des Idealen und Realen, der Natur und des Geistes. Nach seinen Berliner Vorlesungen über „Philosophie der Mythologie und Offenbarung“ ist jedes Absolute nicht mehr Unmittelbar die Wirklichkeit; sondern Herr der drei Potenzen, der materiellen, der wirkenden und der Endursache alles Wissens und Seins, ist Gott, der sie nach freiem Entschluß in sich spannen und entlassen kann. Goethe findet Schelling’s große Klarheit bei der großen Tiefe erfreulich. Hauptwerke: „Ideen zur Philosophie der Natur“, „Entwurf und Einleitung zu einem System der Naturphilosophie“, „Darstellung meines Systems der Philosophie“, „System der gesammten Philosophie und der Naturphilosophie insbesondere“. Seine erste Gattin war Karoline Michaelis, seine zweite Pauline Gotter, sein jüngster Sohn Hermann ist der jetzige Justizminister Preußens.
Kurze Einführung in Schellings Philosophie
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Werke (Auswahl)

  • Einleitung zu seinem Entwurf eines Systems der Naturphilosophie (PDF-Datei)
  • Ideen zu einer Philosophie der Natur. 2e, verbesserte und vermehrte Auflage (PDF-Datei)
  • Von der Weltseele (PDF-Datei)
  • Bruno oder über das göttliche und natürliche Princip der Dinge (PDF-Datei)
  • Ueber die Möglichkeit einer Form der Philosophie überhaupt (PDF-Datei)
  • Darlegung des wahren Verhältnisses der Naturphilosophie zu der verbesserten fichte’schen Lehre (PDF-Datei)
  • Philosophie und Religion (PDF-Datei)
  • Ueber die Gottheiten von Samothrace (PDF-Datei)
  • Vom Ich als Princip der Philosophie oder über das Unbedingte im menschlichen Wissen (PDF-Datei, Netzbuch)
  • Vorlesungen über die Methode des academischen Studium (PDF-Datei)
  • Friedrich Wilhelm Joseph von Schellings sämmtliche Werke (In Auswahl auf Archive.org)

    Zitate

    • Es ist nicht wahr, daß Schelling, nach Hegels gehässiger Bemerkung, seine Ausbildung vor dem Publikum gemacht hätte; aber es trifft zu, daß der von seinem eigenen Schwung überwältigte junge Autor sich auch vor einer Öffentlichkeit produzierte, in der es viele gab, die seine Bravourstücke mit dem Eidechsenblick ungerührter Mittelmäßigkeit anstarrten.“ — Peter Sloterdijk

    Literatur

    • Gustav Leopold Plitt: „Aus Schellings Leben“ (1870) (PDF-Datei)
    • Otto Pfleiderer: „Friedrich Wilhelm Joseph Schelling – Gedächtnissrede zur Feier seines Secular-Jubiläums am 27. Januar 1875“ (PDF-Datei)
    • Heinrich Eberhard Gottlob Paulus: „Die endlich offenbar gewordene positive Philosophie der Offenbarung; oder, Entstehungsgeschichte, wörtlicher Text, Beurtheilung und Berichtigung der v. Schellingischen Entdeckungen über Philosophie überhaupt, Mythologie und Offenbarung des dogmatischen Christenthums im Berliner Wintercursus von 1841-42“ (PDF-Datei)
    • Otto Braun: „Hinauf zum Idealismus. Schelling-Studien“ (1908) (PDF-Datei)
    • Theodor Hoppe: „Die Philosophie Schelling’s und ihr Verhältniss zum Christenthum“ (1875) (PDF-Datei)
    • Ludwig Noack: „Schelling und die Philosophie der Romantik – ein Beitrag zur Culturgeschichte des deutschen Geistes“ (1859) (PDF-Dateien: Band 1, Band 2)
    • „Schelling und die Offenbarung; Kritik des neuesten Reaktionsversuchs gegen die freie Philosophie“ (1842) (PDF-Datei)
    • Hubert Karl Philipp Beckers: „Historisch-kritische Erläuterungen zu Schelling’s Abhandlungen über die Quelle der ewigen Wahrheiten und Kant’s Ideal der reinen Vernunft“ (1858) (PDF-Datei)
    • Julius Frauenstädt: „Schelling’s Vorlesungen in Berlin; Darstellung und Kritik derselben mit besonderer Beziehung auf das Verhältnis zwischen Christenthum und Philosophie“ (1842) (PDF-Datei)
    • Constantin Frantz: „Schelling’s positive Philosophie, nach ihrem Inhalt, wie nach ihrer Bedeutung für den allgemeinen Umschwung der bis jetzt noch herrschenden Denkweise für gebildete Leser dargestellt“ (1879) (PDF-Datei)
    • Manfred Schröter: „Der Ausgangspunkt der Metaphysik Schellings. Entwickelt aus seiner ersten philosophischen Abhandlung ‚Über die Möglichkeit einer Form der Philosophie Überhaupt‘“ (1908) (PDF-Datei)
    • Franz Munk: „Einheit und Duplizität im Aufbau von Schellings System des transzendentalen Idealismus“ (1910) (PDF-Datei)
    • Paul Tillich: „Mystik und Schuldbewusstsein in Schellings philosophischer Entwicklung“ (1912) (PDF-Datei)
    • Friedrich Köppen: „Schellings Lehre oder das Ganze der Philosophie des absoluten Nichts“ (1803) (PDF-Datei)
    • Heinrich Lisco: „Die Geschichtsphilosophie Schellings 1792-1809“ (1884) (PDF-Datei)
    • Christian Kapp: „Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling. Ein Beitrag zur Geschichte des Tages von einem vieljährigen Beobachter“, 1843 (PDF-Datei)
    • Hubert Beckers: „Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling – Denkrede am 28. März 1855“ (PDF-Datei)
    • Alexander Jung: „Fr. Wilhelm Joseph von Schelling und eine Unterredung mit demselben im Jahre 1838 zu München“, 1864 (PDF-Datei)
    • Dreihundert Bildnisse und Lebensabrisse berühmter deutscher Männer“ von Ludwig Bechstein, Karl Theodor Gaedertz, Hugo Bürkner, Leipzig am Sedantage 1890, 5. Auflage (PDF-Datei)
    • Johannes Rehmke: „Grundriss der Geschichte der Philosophie zum Selbststudium und für Vorlesungen“, 1896, S. 276ff. (PDF-Datei)

Der jüdische Sklavenaufstand der Moral

Friedrich Wilhelm Nietzsche Aus Friedrich Nietzsches Essay “Gut und böse”, “gut und schlecht” 

(Erste Abhandlung aus Zur Genealogie der Moral, 1886)

7.

– Man wird bereits errathen haben, wie leicht sich die priesterliche Werthungs-Weise von der ritterlich-aristokratischen abzweigen und dann zu deren Gegensatze fortentwickeln kann; wozu es in Sonderheit jedes Mal einen Anstoss giebt, wenn die Priesterkaste und die Kriegerkaste einander eifersüchtig entgegentreten und über den Preis mit einander nicht einig werden wollen. Die ritterlich-aristokratischen Werthurtheile haben zu ihrer Voraussetzung eine mächtige Leiblichkeit, eine blühende, reiche, selbst überschäumende Gesundheit, sammt dem, was deren Erhaltung bedingt, Krieg, Abenteuer, Jagd, Tanz, Kampfspiele und Alles überhaupt, was starkes, freies, frohgemuthes Handeln in sich schliesst. Die priesterlich-vornehme Werthungs-Weise hat – wir sahen es – andere Voraussetzungen: schlimm genug für sie, wenn es sich um Krieg handelt! Die Priester sind, wie bekannt, die bösesten Feinde – weshalb doch? Weil sie die ohnmächtigsten sind. Aus der Ohnmacht wächst bei ihnen der Hass in’s Ungeheure und Unheimliche, in’s Geistigste und Giftigste. Die ganz grossen Hasser in der Weltgeschichte sind immer Priester gewesen, auch die geistreichsten Hasser: – gegen den Geist der priesterlichen Rache kommt überhaupt aller übrige Geist kaum in Betracht. Die menschliche Geschichte wäre eine gar zu dumme Sache ohne den Geist, der von den Ohnmächtigen her in sie gekommen ist: – nehmen wir sofort das grösste Beispiel. Alles, was auf Erden gegen »die Vornehmen«, »die Gewaltigen«, »die Herren«, »die Machthaber« gethan worden ist, ist nicht der Rede werth im Vergleich mit dem, was die Juden gegen sie gethan haben: die Juden, jenes priesterliche Volk, das sich an seinen Feinden und Überwältigern zuletzt nur durch eine radikale Umwerthung von deren Werthen, also durch einen Akt der geistigsten Rache Genugthuung zu schaffen wusste. So allein war es eben einem priesterlichen Volke gemäss, dem Volke der zurückgetretensten priesterlichen Rachsucht. Die Juden sind es gewesen, die gegen die aristokratische Werthgleichung (gut = vornehm = mächtig = schön = glücklich = gottgeliebt) mit einer furchteinflössenden Folgerichtigkeit die Umkehrung gewagt und mit den Zähnen des abgründlichsten Hasses (des Hasses der Ohnmacht) festgehalten haben, nämlich »die Elenden sind allein die Guten, die Armen, Ohnmächtigen, Niedrigen sind allein die Guten, die Leidenden, Entbehrenden, Kranken, Hässlichen sind auch die einzig Frommen, die einzig Gottseligen, für sie allein giebt es Seligkeit, – dagegen ihr, ihr Vornehmen und Gewaltigen, ihr seid in alle Ewigkeit die Bösen, die Grausamen, die Lüsternen, die Unersättlichen, die Gottlosen, ihr werdet auch ewig die Unseligen, Verfluchten und Verdammten sein!« … Man weiss, wer die Erbschaft dieser jüdischen Umwerthung gemacht hat… Ich erinnere in Betreff der ungeheuren und über alle Maassen verhängnissvollen Initiative, welche die Juden mit dieser grundsätzlichsten aller Kriegserklärungen gegeben haben, an den Satz, auf den ich bei einer anderen Gelegenheit gekommen bin (»Jenseits von Gut und Böse« p. 118) – dass nämlich mit den Juden der Sklavenaufstand in der Moral beginnt: jener Aufstand, welcher eine zweitausendjährige Geschichte hinter sich hat und der uns heute nur deshalb aus den Augen gerückt ist, weil er – siegreich gewesen ist…

8.

– Aber ihr versteht das nicht? Ihr habt keine Augen für Etwas, das zwei Jahrtausende gebraucht hat, um zum Siege zu kommen?… Daran ist Nichts zum Verwundern: alle langen Dinge sind schwer zu sehn, zu übersehn. Das aber ist das Ereigniss: aus dem Stamme jenes Baums der Rache und des Hasses, des jüdischen Hasses – des tiefsten und sublimsten, nämlich Ideale schaffenden, Werthe umschaffenden Hasses, dessen Gleichen nie auf Erden dagewesen ist – wuchs etwas ebenso Unvergleichliches heraus, eine neue Liebe, die tiefste und sublimste aller Arten Liebe: – und aus welchem andern Stamme hätte sie auch wachsen können?… Dass man aber ja nicht vermeine, sie sei etwa als die eigentliche Verneinung jenes Durstes nach Rache, als der Gegensatz des jüdischen Hasses emporgewachsen! Nein, das Umgekehrte ist die Wahrheit! Diese Liebe wuchs aus ihm heraus, als seine Krone, als die triumphirende, in der reinsten Helle und Sonnenfülle sich breit und breiter entfaltende Krone, welche mit demselben Drange gleichsam im Reiche des Lichts und der Höhe auf die Ziele jenes Hasses, auf Sieg, auf Beute, auf Verführung aus war, mit dem die Wurzeln jenes Hasses sich immer gründlicher und begehrlicher in Alles, was Tiefe hatte und böse war, hinunter senkten. Dieser Jesus von Nazareth, als das leibhafte Evangelium der Liebe, dieser den Armen, den Kranken, den Sündern die Seligkeit und den Sieg bringende »Erlöser« – war er nicht gerade die Verführung in ihrer unheimlichsten und unwiderstehlichsten Form, die Verführung und der Umweg zu eben jenen jüdischen Werthen und Neuerungen des Ideals? Hat Israel nicht gerade auf dem Umwege dieses »Erlösers«, dieses scheinbaren Widersachers und Auflösers Israel’s, das letzte Ziel seiner sublimen Rachsucht erreicht? Gehört es nicht in die geheime schwarze Kunst einer wahrhaft grossen Politik der Rache, einer weitsichtigen, unterirdischen, langsam-greifenden und vorausrechnenden Rache, dass Israel selber das eigentliche Werkzeug seiner Rache vor aller Welt wie etwas Todfeindliches verleugnen und an’s Kreuz schlagen musste, damit »alle Welt«, nämlich alle Gegner Israel’s unbedenklich gerade an diesem Köder anbeissen konnten? Und wüsste man sich andrerseits, aus allem Raffinement des Geistes heraus, überhaupt noch einen gefährlicheren Köder auszudenken? Etwas, das an verlockender, berauschender, betäubender, verderbender Kraft jenem Symbol des »heiligen Kreuzes« gleichkäme, jener schauerlichen Paradoxie eines »Gottes am Kreuze«, jenem Mysterium einer unausdenkbaren letzten äussersten Grausamkeit und Selbstkreuzigung Gottes zum Heile des Menschen?… Gewiss ist wenigstens, dass sub hoc signo Israel mit seiner Rache und Umwerthung aller Werthe bisher über alle anderen Ideale, über alle vornehmeren Ideale immer wieder triumphirt hat. ––

9.

– »Aber was reden Sie noch von vornehmeren Idealen! Fügen wir uns in die Thatsachen: das Volk hat gesiegt – oder »die Sklaven«, oder »der Pöbel«, oder »die Heerde«, oder wie Sie es zu nennen belieben – wenn dies durch die Juden geschehen ist, wohlan! so hatte nie ein Volk eine welthistorischere Mission. »Die Herren« sind abgethan; die Moral des gemeinen Mannes hat gesiegt. Man mag diesen Sieg zugleich als eine Blutvergiftung nehmen (er hat die Rassen durch einander gemengt) – ich widerspreche nicht; unzweifelhaft ist aber diese Intoxikation gelungen. Die »Erlösung« des Menschengeschlechtes (nämlich von »den Herren«) ist auf dem besten Wege; Alles verjüdelt oder verchristlicht oder verpöbelt sich zusehends (was liegt an Worten!). Der Gang dieser Vergiftung, durch den ganzen Leib der Menschheit hindurch, scheint unaufhaltsam, ihr tempo und Schritt darf sogar von nun an immer langsamer, feiner, unhörbarer, besonnener sein – man hat ja Zeit… Kommt der Kirche in dieser Absicht heute noch eine nothwendige Aufgabe, überhaupt noch ein Recht auf Dasein zu? Oder könnte man ihrer entrathen? Quaeritur. Es scheint, dass sie jenen Gang eher hemmt und zurückhält, statt ihn zu beschleunigen? Nun, eben das könnte ihre Nützlichkeit sein… Sicherlich ist sie nachgerade etwas Gröbliches und Bäurisches, das einer zarteren Intelligenz, einem eigentlich modernen Geschmacke widersteht. Sollte sie sich zum Mindesten nicht etwas raffinieren?… Sie entfremdet heute mehr, als dass sie verführte… Wer von uns würde wohl Freigeist sein, wenn es nicht die Kirche gäbe? Die Kirche widersteht uns, nicht ihr Gift… Von der Kirche abgesehn lieben auch wir das Gift…« – Dies der Epilog eines »Freigeistes« zu meiner Rede, eines ehrlichen Thiers, wie er reichlich verrathen hat, überdies eines Demokraten; er hatte mir bis dahin zugehört und hielt es nicht aus, mich schweigen zu hören. Für mich nämlich giebt es an dieser Stelle viel zu schweigen. –

10.

Der Sklavenaufstand in der Moral beginnt damit, dass das Ressentiment selbst schöpferisch wird und Werthe gebiert: das Ressentiment solcher Wesen, denen die eigentliche Reaktion, die der That versagt ist, die sich nur durch eine imaginäre Rache schadlos halten. Während alle vornehme Moral aus einem triumphirenden Ja-sagen zu sich selber herauswächst, sagt die Sklaven-Moral von vornherein Nein zu einem »Ausserhalb«, zu einem »Anders«, zu einem »Nicht-selbst«: und dies Nein ist ihre schöpferische That. Diese Umkehrung des werthesetzenden Blicks – diese nothwendige Richtung nach Aussen statt zurück auf sich selber – gehört eben zum Ressentiment: die Sklaven-Moral bedarf, um zu entstehn, immer zuerst einer Gegen- und Aussenwelt, sie bedarf, physiologisch gesprochen, äusserer Reize, um überhaupt zu agiren, – ihre Aktion ist von Grund aus Reaktion. Das Umgekehrte ist bei der vornehmen Werthungsweise der Fall: sie agirt und wächst spontan, sie sucht ihren Gegensatz nur auf, um zu sich selber noch dankbarer, noch frohlockender Ja zu sagen, – ihr negativer Begriff »niedrig« »gemein« »schlecht« ist nur ein nachgebornes blasses Contrastbild im Verhältniss zu ihrem positiven, durch und durch mit Leben und Leidenschaft durchtränkten Grundbegriff »wir Vornehmen, wir Guten, wir Schönen, wir Glücklichen!« Wenn die vornehme Werthungsweise sich vergreift und an der Realität versündigt, so geschieht dies in Bezug auf die Sphäre, welche ihr nicht genügend bekannt ist, ja gegen deren wirkliches Kennen sie sich spröde zur Wehre setzt: sie verkennt unter Umständen die von ihr verachtete Sphäre, die des gemeinen Mannes, des niedren Volks; andrerseits erwäge man, dass jedenfalls der Affekt der Verachtung, des Herabblickens, des Überlegen-Blickens, gesetzt, dass er das Bild des Verachteten fälscht, bei weitem hinter der Fälschung zurückbleiben wird, mit der der zurückgetretene Hass, die Rache des Ohnmächtigen sich an seinem Gegner – in effigie natürlich – vergreifen wird. In der That ist in der Verachtung zu viel Nachlässigkeit, zu viel Leicht-Nehmen, zu viel Wegblicken und Ungeduld mit eingemischt, selbst zu viel eignes Frohgefühl, als dass sie im Stande wäre, ihr Objekt zum eigentlichen Zerrbild und Scheusal umzuwandeln. Man überhöre doch die beinahe wohlwollenden nuances nicht, welche zum Beispiel der griechische Adel in alle Worte legt, mit denen er das niedere Volk von sich abhebt; wie sich fortwährend eine Art Bedauern, Rücksicht, Nachsicht einmischt und anzuckert, bis zu dem Ende, dass fast alle Worte, die dem gemeinen Manne zukommen, schliesslich als Ausdrücke für »unglücklich« »bedauernswürdig« übrig geblieben sind (vergleiche δειλος, δελαιος, πονηρος, μοχθηρος, letztere zwei eigentlich den gemeinen Mann als Arbeitssklaven und Lastthier kennzeichnend) – und wie andrerseits »schlecht« »niedrig« »unglücklich« nie wieder aufgehört haben, für das griechische Ohr in Einen Ton auszuklingen, mit einer Klangfarbe, in der »unglücklich« überwiegt: dies als Erbstück der alten edleren aristokratischen Werthungsweise, die sich auch im Verachten nicht verleugnet (– Philologen seien daran erinnert, in welchem Sinne οιζυρος, υνολβος, τλωμων, δυστυχεαν, ξυμφορι gebraucht werden). Die »Wohlgeborenen« fühlten sich eben als die »Glücklichen«; sie hatten ihr Glück nicht erst durch einen Blick auf ihre Feinde künstlich zu construiren, unter Umständen einzureden, einzulügen (wie es alle Menschen des Ressentiment zu thun pflegen); und ebenfalls wussten sie, als volle, mit Kraft überladene, folglich nothwendig aktive Menschen, von dem Glück das Handeln nicht abzutrennen, – das Thätigsein wird bei ihnen mit Nothwendigkeit in’s Glück hineingerechnet (woher ε πριττειν seine Herkunft nimmt) – Alles sehr im Gegensatz zu dem »Glück« auf der Stufe der Ohnmächtigen, Gedrückten, an giftigen und feindseligen Gefühlen Schwärenden, bei denen es wesentlich als Narcose, Betäubung, Ruhe, Frieden, »Sabbat«, Gemüths-Ausspannung und Gliederstrecken, kurz passivisch auftritt. Während der vornehme Mensch vor sich selbst mit Vertrauen und Offenheit lebt (γεννααος »edelbürtig« unterstreicht die nuance »aufrichtig« und auch wohl »naiv«), so ist der Mensch des Ressentiment weder aufrichtig, noch naiv, noch mit sich selber ehrlich und geradezu. Seine Seele schielt; sein Geist liebt Schlupfwinkel, Schleichwege und Hinterthüren, alles Versteckte muthet ihn an als seine Welt, seine Sicherheit, sein Labsal; er versteht sich auf das Schweigen, das Nicht-Vergessen, das Warten, das vorläufige Sich-verkleinern, Sich-demüthigen. Eine Rasse solcher Menschen des Ressentiment wird nothwendig endlich klüger sein als irgend eine vornehme Rasse, sie wird die Klugheit auch in ganz andrem Maasse ehren: nämlich als eine Existenzbedingung ersten Ranges, während die Klugheit bei vornehmen Menschen leicht einen feinen Beigeschmack von Luxus und Raffinement an sich hat: – sie ist eben hier lange nicht so wesentlich, als die vollkommne Funktions-Sicherheit der regulirenden unbewussten Instinkte oder selbst eine gewisse Unklugheit, etwa das tapfre Drauflosgehn, sei es auf die Gefahr, sei es auf den Feind, oder jene schwärmerische Plötzlichkeit von Zorn, Liebe, Ehrfurcht, Dankbarkeit und Rache, an der sich zu allen Zeiten die vornehmen Seelen wiedererkannt haben. Das Ressentiment des vornehmen Menschen selbst, wenn es an ihm auftritt, vollzieht und erschöpft sich nämlich in einer sofortigen Reaktion, es vergiftet darum nicht: andrerseits tritt es in unzähligen Fällen gar nicht auf, wo es bei allen Schwachen und Ohnmächtigen unvermeidlich ist. Seine Feinde, seine Unfälle, seine Unthaten selbst nicht lange ernst nehmen können – das ist das Zeichen starker voller Naturen, in denen ein Überschuss plastischer, nachbildender, ausheilender, auch vergessen machender Kraft ist (ein gutes Beispiel dafür aus der modernen Welt ist Mirabeau, welcher kein Gedächtniss für Insulte und Niederträchtigkeiten hatte, die man an ihm begieng, und der nur deshalb nicht vergeben konnte, weil er – vergass). Ein solcher Mensch schüttelt eben viel Gewürm mit Einem Ruck von sich, das sich bei Anderen eingräbt; hier allein ist auch das möglich, gesetzt, dass es überhaupt auf Erden möglich ist – die eigentliche »Liebe zu seinen Feinden«. Wie viel Ehrfurcht vor seinen Feinden hat schon ein vornehmer Mensch! – und eine solche Ehrfurcht ist schon eine Brücke zur Liebe… Er verlangt ja seinen Feind für sich, als seine Auszeichnung, er hält ja keinen andren Feind aus, als einen solchen, an dem Nichts zu verachten und sehr Viel zu ehren ist! Dagegen stelle man sich »den Feind« vor, wie ihn der Mensch des Ressentiment concipirt – und hier gerade ist seine That, seine Schöpfung: er hat »den bösen Feind« concipirt, »den Bösen«, und zwar als Grundbegriff, von dem aus er sich als Nachbild und Gegenstück nun auch noch einen »Guten« ausdenkt – sich selbst!…

[…]

Kommen wir zum Schluss. Die beiden entgegengesetzten Werthe »gut und schlecht«, »gut und böse« haben einen furchtbaren, Jahrtausende langen Kampf auf Erden gekämpft; und so gewiss auch der zweite Werth seit langem im Übergewichte ist, so fehlt es doch auch jetzt noch nicht an Stellen, wo der Kampf unentschieden fortgekämpft wird. Man könnte selbst sagen, dass er inzwischen immer höher hinauf getragen und eben damit immer tiefer, immer geistiger geworden sei: so dass es heute vielleicht kein entscheidenderes Abzeichen der »höheren Natur«, der geistigeren Natur giebt, als zwiespältig in jenem Sinne und wirklich noch ein Kampfplatz für jene Gegensätze zu sein. Das Symbol dieses Kampfes, in einer Schrift geschrieben, die über alle Menschengeschichte hinweg bisher lesbar blieb, heisst »Rom gegen Judäa, Judäa gegen Rom«: – es gab bisher kein grösseres Ereigniss als diesen Kampf, diese Fragestellung, diesen todfeindlichen Widerspruch. Rom empfand im Juden Etwas wie die Widernatur selbst, gleichsam sein antipodisches Monstrum; in Rom galt der Jude »des Hasses gegen das ganze Menschengeschlecht überführt«: mit Recht, sofern man ein Recht hat, das Heil und die Zukunft des Menschengeschlechts an die unbedingte Herrschaft der aristokratischen Werthe, der römischen Werthe anzuknüpfen. Was dagegen die Juden gegen Rom empfunden haben? Man erräth es aus tausend Anzeichen; aber es genügt, sich einmal wieder die Johanneische Apokalypse zu Gemüthe zu führen, jenen wüstesten aller geschriebenen Ausbrüche, welche die Rache auf dem Gewissen hat. (Unterschätze man übrigens die tiefe Folgerichtigkeit des christlichen Instinktes nicht, als er gerade dieses Buch des Hasses mit dem Namen des Jüngers der Liebe überschrieb, desselben, dem er jenes verliebt-schwärmerische Evangelium zu eigen gab –: darin steckt ein Stück Wahrheit, wie viel litterarische Falschmünzerei auch zu diesem Zwecke nöthig gewesen sein mag.) Die Römer waren ja die Starken und Vornehmen, wie sie stärker und vornehmer bisher auf Erden nie dagewesen, selbst niemals geträumt worden sind; jeder Überrest von ihnen, jede Inschrift entzückt, gesetzt, dass man erräth, was da schreibt. Die Juden umgekehrt waren jenes priesterliche Volk des Ressentiment par excellence, dem eine volksthümlich-moralische Genialität sonder Gleichen innewohnte: man vergleiche nur die verwandt-begabten Völker, etwa die Chinesen oder die Deutschen, mit den Juden, um nachzufühlen, was ersten und was fünften Ranges ist. Wer von ihnen einstweilen gesiegt hat, Rom oder Judäa? Aber es ist ja gar kein Zweifel: man erwäge doch, vor wem man sich heute in Rom selber als vor dem Inbegriff aller höchsten Werthe beugt – und nicht nur in Rom, sondern fast auf der halben Erde, überall wo nur der Mensch zahm geworden ist oder zahm werden will, – vor drei Juden, wie man weiss, und Einer Jüdin (vor Jesus von Nazareth, dem Fischer Petrus, dem Teppichwirker Paulus und der Mutter des anfangs genannten Jesus, genannt Maria). Dies ist sehr merkwürdig: Rom ist ohne allen Zweifel unterlegen. Allerdings gab es in der Renaissance ein glanzvoll-unheimliches Wiederaufwachen des klassischen Ideals, der vornehmen Werthungsweise aller Dinge: Rom selber bewegte sich wie ein aufgeweckter Scheintodter unter dem Druck des neuen, darüber gebauten judaisirten Rom, das den Aspekt einer ökumenischen Synagoge darbot und »Kirche« hiess: aber sofort triumphirte wieder Judäa, Dank jener gründlich pöbelhaften (deutschen und englischen) Ressentiments-Bewegung, welche man die Reformation nennt, hinzugerechnet, was aus ihr folgen musste, die Wiederherstellung der Kirche, – die Wiederherstellung auch der alten Grabesruhe des klassischen Rom. In einem sogar entscheidenderen und tieferen Sinne als damals kam Judäa noch einmal mit der französischen Revolution zum Siege über das klassische Ideal: die letzte politische Vornehmheit, die es in Europa gab, die des siebzehnten und achtzehnten französischen Jahrhunderts brach unter den volksthümlichen Ressentiments-Instinkten zusammen, – es wurde niemals auf Erden ein grösserer Jubel, eine lärmendere Begeisterung gehört! Zwar geschah mitten darin das Ungeheuerste, das Unerwartetste: das antike Ideal selbst trat leibhaft und mit unerhörter Pracht vor Auge und Gewissen der Menschheit, – und noch einmal, stärker, einfacher, eindringlicher als je, erscholl, gegenüber der alten Lügen-Losung des Ressentiment vom Vorrecht der Meisten, gegenüber dem Willen zur Niederung, zur Erniedrigung, zur Ausgleichung, zum Abwärts und Abendwärts des Menschen die furchtbare und entzückende Gegenlosung vom Vorrecht der Wenigsten! Wie ein letzter Fingerzeig zum andren Wege erschien Napoleon, jener einzelnste und spätestgeborne Mensch, den es jemals gab, und in ihm das fleischgewordne Problem des vornehmen Ideals an sich – man überlege wohl, was es für ein Problem ist: Napoleon, diese Synthesis von Unmensch und Übermensch… weiter hier https://germanenherz.wordpress.com/2007/10/15/friedrich-nietzsche/

Philosophische Zitate

Reich ist, wer weiß, daß er genug hat. (Laotse)

Der Leichtsinn ist ein Schwimmgürtel für den Strom des Lebens. (Ludwig Börne)

Ihr, die ihr noch jung seid, hört auf einen Alten, auf den die Alten hörten, als er noch jung war. (Augustus)

Das höchste Gut und allein Nützliche ist die Bildung. (Firedrich Schlegel)

Manche Leute haben nichts weiter von ihrem Vermögen, als die Furcht es zu verlieren. (Rivarol)

Ein angenehmes Laster ist einer langweiligen Tugend bei weitem vorzuziehen. (Moliere)

Wer seine Hände in den Schoß legt, muss deshalb nicht untätig sein. (Casanova)

Der Besitz verschafft Freunde, das gebe ich zu, aber falsche, und er verschafft sich nicht dir, sondern sich. (Erasmus von Rotterdam)

Einseitige Bildung ist keine Bildung. (Goethe)

Nichtstun ist angenehm. (Cicero)

Die Ruhe ist eine liebenswürdige Frau und wohnt in der Weisheit. (Epicharm)

Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen. (La Rochefoucauld)

Die Lust ist eine Art Vollendung des Wirkens.(Thomas von Aquin)

Was wir wissen ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ein Ozean. (Newton)

Geld ist rund und rollte weg, aber Bildung bleibt. (Heinrich Heine)

Der Weise kennt seine Bedürfnisse, nicht so der Reiche. (Aristipp)

Erfolgsregel: Ich jage nie zwei Hasen auf einmal! (Bismarck)

Der Mensch ist, was er als Mensch sein soll, erst durch die Bildung. (Hegel)

Drei Wochen war der Frosch krank! Jetzt raucht er wieder, Gott sei Dank! (Wilhelm Busch)

Wenn man Dummheiten macht, sollten sie wenigstens gelingen. (Napoleon I.)

Zuerst schuf der liebe Gott den Mann. Dann schuf er die Frau. Dann tat ihm der Mann leid und er gab ihm den Tabak. (Mark Twain)

Enthaltsamkeit ist eine wunderbare Sache – wenn sie in Maßen praktiziert wird. (Aus den USA)

Der Besitz macht uns nicht halb so glücklich, wie uns der Verlust unglücklich macht. (Jean Paul)

Die Zigarette ist das vollendete Urbild des Genusses: Sie ist köstlich und läßt uns unbefriedigt. Was ist noch mehr zu verlangen? (Oscar Wilde)

Ein Freund ist ein Mensch, vor dem man laut denken kann. (Emerson)

Heutzutage machen drei Pointen und eine Lüge einen Schriftsteller. (Lichtenberg)

Aus faulen Eiern werden keine Küken. (Wilhelm Busch)

Eine gewisse Seelengröße macht zur Menschenkenntnis unfähig. (Jean Paul)

Alter liebt das Wenig, Jugend das Zuviel. (Joubert)

Gewöhnlich loben wir nur die aufrichtig, die uns bewundern. (Rochefoucault)

Der Spott endet, wo das Verständnis beginnt. (Marie von Ebner Eschenbach)

In unserem Zeitalter sind nur unnötige Dinge unbedingt nötig. (Oscar Wilde)

Dummheit ist auch eine natürliche Begabung. (Wilhelm Busch)

Nicht der ist arm, der wenig besitzt, sondern wer nach mehr verlangt. (Seneca)

Nichts lieben die Menschern so sehr und schonen so wenig wie ihr Leben. (La Bruyère)

Am anderen liebt man die Vollkommenheit, an sich sich. (Jean Paul)

Großes Glück ist häufiger als großes Talent. (Vauvenargues)

Man muß das Brett bohren, wo es am dicksten ist. (Friedrich Schlegel)

Man urteilt über andere nicht so verschieden, wie über sich selbst. (Vauvenargues)

Geheimnisse sind noch keine Wunder. (Johann Wolfgang von Goethe)

Meine früheren Schmerzen wurden mir zum Panzer gegen die folgenden. (Chamfort)

Abstrahieren heißt Luft melken. (Friedrich Hebbel)

Um zur Wahrheit zu gelangen, sollte jeder die Meinung eines Gegners zu verteidigen suchen. (Jean Paul)

Wenn man es nur versucht, so geht’s. Das heißt: mitunter, doch nicht stets. (Wilhelm Busch)

Die Mutter der Ausschweifung ist nicht die Freude, sondern die Freudlosigkeit. (Nietzsche)

Methoden sind Gewohnheiten des Geistes und Sparsamkeiten der Erinnerung. (Antoine de Rivarol)

Zehn Küsse werden leichter vergessen, als ein Kuß. (Jean Paul)

Was man nicht versteht, besitzt man nicht. (Johann Wolfgang von Goethe)

Niemand ist mehr Fehlern ausgesetzt, als wer nie aus Überlegung handelt. (Vauvenargues)

Wer anders glaubt ist schlecht, wer anders denkt ist dumm. (Wilhelm Busch)

Man muß etwas Neues machen, um etwas Neues zu sehen. (Lichtenberg)

Niemand ist mehr Fehlern ausgesetzt, als wer nur aus Überlegung handelt. (Vavenargues)

Wir schämen uns mehr vor uns selbst, wenn wir uns einer Torheit als eines Lasters erinnern. (Jean Paul)

Das Gewissen ist das Veränderlichste aller Normen. (Vauvenargues)

Je älter man wird, desto toleranter gegen das Herz und intoleranter gegen den Kopf. (Jean Paul)

Mensch werden ist eine Kunst. (Novalis)

Der Mensch denkt Wunder, wer er wäre, wenn er die Milbe einen Elefanten und die Sonne einen Funken nennt. (Lichtenberg)

Einfälle sind Läuse der Vernunft. (Hebbel)

Der liebt nicht, der die Fehler des Geliebten nicht für Tugenden hält. (Johann Wolfgang von Goethe)

Das Schöne – es ist die Schönheit, mit den Augen der Seele gesehen. (Joubert)

Lust verkürzt den Weg. (William Shakespeare)

Der Handelnde ist immer gewissenlos; es hat niemand Gewissen als der Betrachtende. (Johann Wolfgang von Goethe)

Der Mensch ist verloren, der sich früh für ein Genie hält. (Lichtenberg)

Man verachtet kühne Pläne, wenn man sich große Erfolge nicht zutraut. (Vauvenargues)

Man liebt es seine guten Taten selbst zu vollbrigen. (Joubert)

Die Hindus in der Wüste geloben, keine Fische zu essen. (Johann Wolfgang von Goethe)

Der Beste muß mitunter lügen, zuweilen tut er’s mit Vergnügen.(Wilhelm Busch)

Um zu begreifen, daß der Himmel überall blau ist, braucht man nicht um die Welt zu reisen. (Johann Wolfgang von Goethe)

Man durchschneide nicht, was man lösen kann.(Joubert)

Meine frühesten Schmerzen wurden mir zum Panzer gegen die folgenden. Chamfort)

Stets findet Überraschung statt da, wo mans nicht erwartet hat.(Wilhelm Busch)

Die wahre Freigiebigkeit besteht weniger darin, viel zu geben, als zur rechten Zeit zu geben. (La Bruyère)

Mensch werden ist eine Kunst. (Novalis)

Das Buch der Bücher beginnt mit einem Mann und einer Frau in einem Garten und schließt mit Offenbarungen.(Oskar Wilde)

Kluge Leute glauben zu machen, man sei, was man nicht ist, ist in den meisten Fällen schwerer, als wirklich zu werden, was man scheinen will. (Lichtenberg)

Der liebt nicht, der die Fehler des Geliebten nicht für Tugenden hält. (Johann Wolfgang von Goethe)

Die Gesellschaft ist bereit, dem Verbrecher zu verzeihen, dem Träumer nicht. (Oskar Wilde)

Ein Haar in der Suppe mißfällt uns sehr, selbst wenn es vom Haupt der Geliebten wär. (Wilhelm Busch)

Man heilt Leidenschaften nicht durch Verstand, sondern nur durch andere Leidenschaften. (Ludwig Börne)

Die Fliege, die nicht geklappt sein will, setzt sich am sichersten auf die Klappe selbst. (Lichtenberg)

Eine neue Wahrheit ist nicht schädlicher, als ein alter Irrtum. (Johann Wolfgang von Goethe)

Dummheit ist auch eine natürliche Begabung. (Wilhelm Busch)

Die Bildung ist für die Glücklichen eine Zierde, für die Unglücklichen eine Zuflucht. (Demokrit)

Genieße das Leben! Im schnellen Lauf fleiht es dahin (Seneca)

Der Leichtsinn ist ein Schwimmgürtel für den Strom des Lebens. (Ludwig Börne)

Zuviel ist zuwenig Vertrauen sind Nachbarskinder. (Wilhelm Busch)

Ehrgeiz ist die letzte Zuflucht des Mißerfolgs. (Oscar Wilde)

Die Kunst zu gefallen, ist die Kunst zu täuschen. (Vauvenargues)

Der Geschmack ist allen Menschen natürlich; sie haben ihn aber nicht alle in gleichem Maße. (Rousseau)

Das Nichtverstehen kommt meistens gar nicht vom Mangel an Verstande, sondern am Mangel von Sinn. (Friedrich Schlegel)

Jedermann klagt über sein Gedächtnis, niemand über seinen Verstand. (Rochefoucault)

Je älter man wird, desto toleranter gegen das Herz und intoleranter gegen den Kopf. (Jean Paul)

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen ohne Laster auch wenige Tugenden haben. (Abraham Lincoln)

Der Witz ist das Epigramm auf den Tod eines Gefühls. (Nietzsche)

Der Zufall ist die in Schleier gehüllte Notwendigkeit. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Spottsucht ist oft Armut an Geist. (La Bruyére)

Schatten begrenzen das Gesichtsfeld, Betrachten erweitert es. (Oscar Wilde)

Über große Demütigungen trösten wir uns selten – wir vergessen sie. (Vauvenargues)

Wie kannst du genießen, wenn du allein genießt? (Jean Paul)

Steckenpferde dienen nicht zum Pflügen. (Lichtenberg)

Man darf über seine Freuden nicht reden: Sonst verredet man das Gefühl der Freundschaft. (Nietzsche)

Viele Leut glauben, wenn sie einen Fehler erst eingestanden haben, brauchen sie ihn nicht mehr abzulegen. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Einen Regenbogen, der eine Viertelstunden steht, sieht man nicht mehr an. (Johann Wolfgang von Goethe)

Methoden sind Gewohnheiten des Geistes und Sparsamkeiten der Erinnerung. (Antoine de Rivarol)

Wer seiner Zeit möglichst ferne steht, spiegelt diese am besten wieder. (Oscar Wilde)

Niemand ist härter als die Sanftmütigen aus Berechnung (Vauvenargues)

Manche können nur fremde Meinungen, nich tihre eigenen berichten. (Jean Paul)

Erfolg erzeugt Erfolg, wie Geld das Geld. (Chamfort)

Es gibt Leute, die glauben, alles wäre vernünftig, was man mit einem ernsthaften gesicht tut. (Lichtenberg)

Was man erfindet, tut man in Liebe, was man gelernt hat, mit Sicherheit. (Johann Wolfgang von Goethe)

Wer sich zuviel mit kleinen Dingen abgibt, wird gewöhnlich unfähig zu großen. (Rochefoucault)

Schurken glauben leicht, daß andere es sind. (La Bruyére)

Den sicheren Freund erkennt man in unsicherer Sache. (Ennius)

Nach einem guten Essen könnte man jedem vergeben, selbst den eigenen Verwandten. (Oscar Wilde)

Eine gewisse Seelengröße macht zur Menschenkenntnis unfähig. (Jean Paul)

Siege, aber triumphiere nicht. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Geduld ist die Kunst zu hoffen. (Vauvenargues)

An alten Bäumen hämmert der Specht am meisten. (Wilhelm Busch)

Schließe die Augen, und du wirst sehen. (Joubert)

Oft tut man Gutes, um ungestraft Böses tun zu können. (Rochefoucault)

In unserem Zeitalter sind nur unnötige Dinge unbedingt nötig. (Oscar Wilde)

Der höchste Genuß besteht in der Zufriedenheit mit sich selbst. (Rousseau)

Ein Kompromiß ist vollkommen, wenn alle unzufrieden sind. (Aristide Briand)

Der höchste Genuß liegt in der Zufriedenheit mit sich selbst. (Rousseau)

Wenn es Dir gelingt, über Dich selbst Gericht zu sitzen, dann bist Du ein wirklicher Weiser. (Antoine de Saint-Exupéry)

Wer nur scharf denkt, hat schlechten Geschmack. Wer aber guten Geschmack hat, denkt auch scharf. (La Rochefoucauld)

Der Weise rechnet das Mißvergnügen zu seine Sünden. (Jean Paul)

Für das Können gibt es nur einen Beweis: das Tun. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Eigentlich weiß man nur, wenn man wenig weiß; mit dem Wissen wächst der Zweifel. (Johann Wolfgang von Goethe)

Lehren heißt zweimal lernen. (Joubert)

Es gibt Leute, die sich über den Weltuntergang trösten würden, wenn sie ihn nur vorhergesagt hätten. (Friedrich Hebbel)

Gewöhnlich loben wir nur die aufrichtig, die uns bewundern: (Rochefoucault)

Es gibt Zeiten, wo die öffentliche Meinung die schlechteste aller Meinungen ist. (Chamfort)

Wie klein ist das, was einer ist, wenn man’s mit seinem Dünkel mißt. (Wilhelm Busch)

Wenn die Menschen plötzlich tugendhaft würden, so müßten viele Tugenden verhungern. (Lichtenberg)

Die Forderung geliebt zu werden, ist die größte Anmaßung. (Nietzsche)

Man darf immer Mißtrauen haben, nur keines zeigen. (Jean Paul)

Der Spott endet, wo das Verstüändnis beginnt. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Wenn die Affen es dahin bringen könnten, Langeweile zu haben, so könnten sie Menschen werden. (Johann Wolfgang von Goethe)

Falsche Bescheidenheit ist die schicklichste aller Lügen. (Chamfort)

Guter Geschmack ist eher vernünftig als geistreich. (La Rochefoucault)

Das Mittelmäßge ist vortrefflich für die Mittelmäßigen. (Joubert)

Nichts lieben die Menschen so sehr und schonen so wenig, wie ihr Leben. (La Bruyére)

Wer andere unglücklich macht, gibt gewöhnlich vor, ihr Bestes zu wollen. (Vauvenargues)

Das Schlechte gewinnt durch die Nachahmung an Ansehen, das Gute verliert dabei. (Nietzsche)

Leichtzerstörbar sind die Zärtlichen (Friedrich Hölderlin)

Wenn man die Verteidigung nicht wiederlegen kann, tadelt man die Art derselben. (Jean Paul)

Das Gute mißfällt uns, wenn wir ihm nicht gewachsen sind. (Nietzsche)

Der Tod gibt sich unverhohlen kund als das Ende des Individuums, aber in diesem Individuum Liegt der keim zu einem neuen Wesen. (Artur Schopenhauer)

Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt darauf an, sie zu verändern. (Karl Marx)

An einem Sommermorgen da nimm den Wanderstab, es fallen deine Sorgen, wie Nebel von dir ab. (Theodor Fontane)

Ich denke, also bin ich. (Descartes)

Nur eine Kette ist es, die uns gefesselt hält – die Liebe zum Leben. (Seneca)

Wer weiß, ob unser Leben nicht eigentlich Totsein ist, Tod aber leben. (Euripides)

Wir schämten uns mehr vor uns selber, wenn wir uns einer Torheit als einen Lasters erinnern. (Jean Paul)

Herr mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens (Franz von Assisi)

Wie soll der Soldat bei Gottesdiensten das Vaterunser beten? (Erasmus von Rotterdam)

Das christliche Leben ist nicht Frommsein, sondern Frommwerden. (Martin Luther)

Der Neid begehrt zu Unrecht anderes und verzehrt sich selbst. (Johann Amos Comenius)

Ich verabscheue deine Überzeugung, aber ich werde bis zum Äußersten kämpfen, damit du sie äußern kannst. (Voltaire)

Es ist kein leerer schmeichelnder Wahn, Erzeugt im Gehirn der Toren, Im Herzen kündet es laut sich an: Zu was Besserm sind wir geboren. (Friedrich Schiller)

Man muß mit den Wölfen heulen. Das heißt: Wenn man zu den Unvernünftigen Leuten kommt, muß man auch unvernünftig tun, wie sie. (Johann Peter Hebel)

iIch schlief und träumte, das Leben wäre Freude! Ich erwachte und sah, das Leben war Pflicht. Ich handelte und siehe: die Pflicht war Freude. (Rabindranath Tagore)

Nonnen mager, Mönche fett, Beweis der weiblichen Mäßgkeit. (Jean Paul)

Stille ist die größte Offenbarung (Laotse)

Freiheit ist immer nur die Freiheit des Andersdenkenden. (Rosa Luxemburg)

Das grundprinzip der Ethik ist also Ehrfurcht vor dem Leben. (Albert Schweizer)

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben. (Hermann Hesse)

Was dir auch immer begenet mitten im Abgrund der Welt: es ist die Hand, die dich segnet, es ist der Arm, der dich hält. (Rudolf Alexander Schröder)

Nur wer um die Tiefe weiß, kennt das ganze Leben. (Stefan Zweig)

Als Gott am sechten Schöpfungstag alles ansah, was er gemacht hatte, war zwar alles gut, aber dafür war auch die Familie noch nicht da. (Kurt Tucholsky)

Es gibt für die Menschen, wie sie heute sind, nur eine radikale Neuigkeit – und das ist immer die gleiche: Tod. (Walter Benjamin)

Ich will mit dem gehen, den ich liebe. (Bertold Brecht)

Ein Mensch ist manchmal wie verwandelt, sobald man menschlich ihn behaldelt. (Eugen Roth)

Die Leute, welche meinen, die Welt sei schlecht gemacht, sind nicht mit sich im reinen und gar noch nicht erwacht. (Carl Zuckmayer)

Wird’s besser? Wird’s schlimmer? fragt man alljährlich. Seinen wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich. (Erich Kästner)

Das Glück kann man nur multiplizieren, indem man es teilt. (Albert Schweizer)

Wenn man jemand fürchtet, dann kommt das daher, daß man diesem Jemand Macht über sich eingeräumt hat. (Hermann Hesse)

Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine wenns ihm gut geht, und eine, wenns ihm schlecht geht. Die letztere heißt Religion. (Kurt Tucholsky)

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar. (Antoine de Saint-Exupéry)

Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar. (Dietrich Bonhoeffer)

Hinter jedem Abschied steht ein Warten. (Mascha Kaléko)

Klein ist, mein Kind, dein erster Schritt, klein wird dein letzter sein. (Albrecht Goes)

Es herrscht das Absurde, und die Liebe erretet davor. (Albert Camus)

Ende der Toodesanzeige: Er ist nich tot. Er hat seine Lebensweise geändert. (Stanislaw Jerzy Lec)

Es gibt keine Schuld. Es gibt nur den Ablauf der Zeit. (Kurt Tucholsky)

Ein Kompromiß ist vollkommen, wenn alle unzufrieden sind. (Aristide Briand)

Wenn man Dummheiten macht, sollten sie wenigstens gelingen. (Napoleon I.)

Ein wahrer Freund trägt mehr zu unserem Glück bei, als tausend Freunde zu unserem Unglück. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Müßiggang ist aller Geistes Anfang. (Franz Werfel)

Freundschaft ist eine Seele in zwei Körpern. (Aristoteles)

Immanuel Kant Beantwortung der Frage: Ist es eine Erfahrung, daß wir denken?

immanuel-kant
Immanuel Kant 22. April 1724 † 12. Februar 1804 in Königsberg Kant war einer der bedeutendsten Philosophen.

Eine empirische Vorstellung, deren ich mir bewußt bin, ist Wahrnehmung; das, was ich zu der Vorstellung der Einbildungskraft vermittelst der Auffassung und Zusammenfassung
( comprehensio aesthetica)des Mannigfaltigen der Wahrnehmung denke, ist die empirische Erkenntnis des Objekts, und das Urteil, welches eine empirische Erkenntnis ausdrückt, ist Erfahrung.
Wenn ich mir a priori ein Quadrat denke, so kann ich nicht sagen, dieser Gedanke sei Erfahrung; wohl aber kann dieses gesagt werden, wenn ich eine schon gezeichnete Figur in der Wahrnehmung auffasse und die Zusammenfassung des Mannigfaltigen derselben vermittelst der Einbildungskraft unter dem Begriff eines Quadrats denke. In der Erfahrung und durch dieselbe werde ich vermittelst der Sinne belehrt; allein wenn ich ein Objekt der Sinne mir bloß willkürlich denke, so werde ich von demselben nicht belehrt und hänge bei meiner Vorstellung in nichts vom Objekte ab, sondern bin gänzlich Urheber derselben.
Aber auch das Bewußtsein, einen solchen Gedanken zu haben, ist keine Erfahrung; eben darum, weil der Gedanke keine Erfahrung, Bewußtsein aber an sich nichts Empirisches ist. Gleichwohl aber bringt dieser Gedanke einen Gegenstand der Erfahrung hervor oder eine Bestimmung des Gemüts, die beobachtet werden kann, sofern es nämlich durch das Denkungsvermögen affiziert wird; ich kann daher sagen: Ich habe erfahren, was dazu gehört, um eine Figur von vier gleichen Seiten und rechten Winkeln so in Gedanken zu fassen, daß ich davon die Eigenschaften demonstrieren kann. Dies ist das empirische Bewußtsein der Bestimmung meines Zustandes in der Zeit durch das Denken; das Denken selbst, ob es gleich auch in der Zeit geschieht, nimmt auf die Zeit gar nicht Rücksicht, wenn die Eigenschaften einer Figur gedacht werden sollen. Aber Erfahrung ist, ohne Zeitbestimmung damit zu verbinden, unmöglich, weil ich dabei passiv bin und mich nach der formalen Bedingung des innern Sinnes affiziert fühle.
Das Bewußtsein, wenn ich eine Erfahrung anstelle, ist Vorstellung meines Daseins, sofern es empirisch bestimmt ist, d. i. in der Zeit. Wäre nun dieses Bewußtsein wiederum selbst empirisch, so würde dieselbe Zeitbestimmung wiederum, als unter den Bedingungen der Zeitbestimmung meines Zustandes enthalten, müssen vorgestellt werden. Es müßte also noch eine andere Zeit gedacht werden, unter der (nicht in der) die Zeit, welche die formale Bedingung meiner innern Erfahrung ausmacht, enthalten wäre. Also gäbe es eine Zeit, in welcher und mit welcher zugleich eine gegebene Zeit verflösse, welches ungereimt ist. Das Bewußtsein also, eine Erfahrung anzustellen oder auch überhaupt zu denken, ist ein transzendentales Bewußtsein, nicht Erfahrung.
Anmerkungen xu diesem Aufsatz.
Die Handlung der Einbildungskraft, einem Begriff eine Anschauung zu geben, ist exhibitio. Die Handlung der Einbildungskraft, aus einer empirischen Anschauung einen Begriff zu machen, ist comprehensio.
Auffassung der Einbildungskraft, apprehensio aesthetica. Zusammenfassung derselben, comprehensio aesthetica (ästhetisches Begreifen); ich fasse das Mannigfaltige zusammen in eine ganze Vorstellung, und so bekommt sie eine gewisse Form.

weitere Werke:

1746 Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte
1755 Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels
1763 Der einzig mögliche Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes
1764 Untersuchung über die Deutlichkeit der Grundsätze der natürlichen Theologie und der Moral
1764 Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen
1766 Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik
1770 De mundi sensibilis atque intelligibilis forma et principiis (Inauguraldissertation)
1781 Kritik der reinen Vernunft
1783 Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können
1785 Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
1786 Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft
1787 Kritik der reinen Vernunft (zweite, wesentlich veränderte Auflage)
1788 Kritik der praktischen Vernunft
1790 Kritik der Urteilskraft
1793 Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft
1795 Zum ewigen Frieden
1797 Metaphysik der Sitten
1798 Streit der Fakultäten
1798 Anthropologie in pragmatischer Hinsicht

Werke hier auf der Homepage:

Germanenherz Blog- Immanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft

Germanenherz Blog- Immanuel Kant Was ist Aufklärung?

Germanenherz Blog- Immanuel Kant Der kategorische Imperativ

Germanenherz Blog – Immanuel Kant Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft (Vorrede)

Germanenherz Blog  – Immanuel Kant Beantwortung der Frage: Ist es eine Erfahrung, daß wir denken?

Germanenherz Blog – Immanuel Kant Zum ewigen Frieden (1795)

pdf – 871 k  kant-kritikderreinenvernunft1 – Kritik der reinen Vernunft (1781)

pdf – 915 k  kant-kritikderreinenvernunft2 – Kritik der reinen Vernunft (1787)

pdf – 407 k  Kant-allgemeineNaturgeschichte – Allgemeine Naturgeschichte und Theorie Des Himmels

Immanuel Kant Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft

immanuel-kant
Immanuel Kant 22. April 1724 † 12. Februar 1804 in Königsberg Kant war einer der bedeutendsten Philosophen.

[Vorrede]. Riga 1786.

VORREDE

Wenn das Wort Natur bloß in formaler Bedeutung genommen wird, da es das erste innere Prinzip alles dessen bedeutet, was zum Dasein eines Dinges gehört, (1) so kann es so vielerlei Naturwissenschaften geben, als es spezifisch verschiedene Dinge gibt, deren jedes sein eigentümliches inneres Prinzip der zu seinem Dasein gehörigen Bestimmungen enthalten muß. Sonst wird aber auch Natur in materieller Bedeutung genommen, nicht als eine Beschaffenheit, sondern als der Inbegriff aller Dinge, so fern sie Gegenstände unserer Sinne, mithin auch der Erfahrung sein können, worunter also das Ganze aller Erscheinungen, d. i. die Sinnenwelt, mit Ausschließung aller nicht sinnlichen Objekte, verstanden wird.

Die Natur, in dieser Bedeutung des Worts genommen, hat nun, nach der Hauptverschiedenheit unserer Sinne, zwei Hauptteile, deren der eine die Gegenstände äußerer, der andere den Gegenstand des inneren Sinnes enthält, mithin ist von ihr eine zwiefache Naturlehre, die Körperlehre und Seelenlehre möglich, wovon die erste die ausgedehnte, die zweite die denkende Natur in Erwägung zieht. Eine jede Lehre, wenn sie ein System, d. i. ein nach Prinzipien geordnetes Ganze der Erkenntnis sein soll, heißt Wissenschaft, und, da jene Prinzipien entweder Grundsätze der empirischen oder der rationalen Verknüpfung der Erkenntnisse in einem Ganzen sein können, so würde auch die Naturwissenschaft, sie mag nun Körperlehre oder Seelenlehre sein, in historische oder rationale Naturwissenschaft eingeteilt werden müssen, wenn nur nicht das Wort Natur (weil dieses eine Ableitung des Mannigfaltigen zum Dasein der Dinge Gehörigen aus ihrem inneren Prinzip bezeichnet) eine Erkenntnis durch Vernunft von ihrem Zusammenhange notwendig machte, wofern sie den Namen von Naturwissenschaft verdienen soll. Daher wird die Naturlehre besser in historische Naturlehre, welche nichts als systematisch geordnete Facta der Naturdinge enthält (und wiederum aus Naturbeschreibung, als einem Klassensystem derselben nach Ähnlichkeiten, und Naturgeschichte, als einer systematischen Darstellung derselben in verschiedenen Zeiten und Örtern, bestehen würde), und Naturwissenschaft eingeteilt werden können.

Die Naturwissenschaft würde nun wiederum entweder eigentlich, oder uneigentlich so genannte Naturwissenschaft sein, wovon die erstere ihren Gegenstand gänzlich nach Prinzipien a priori, die zweite nach Erfahrungsgesetzen behandelt. Eigentliche Wissenschaft kann nur diejenige genannt werden, deren Gewißheit apodiktisch ist; Erkenntnis, die bloß empirische Gewißheit enthalten kann, ist ein nur uneigentlich so genanntes Wissen. Dasjenige Ganze der Erkenntnis, was systematisch ist, kann schon darum Wissenschaft heißen, und, wenn die Verknüpfung der Erkenntnis in diesem System ein Zusammenhang von Gründen und Folgen ist, so gar rationale Wissenschaft. Wenn aber diese Gründe oder Prinzipien in ihr, wie z. B. in der Chemie, doch zuletzt bloß empirisch sind, und die Gesetze, aus denen die gegebene Facta durch die Vernunft erklärt werden, bloß Erfahrungsgesetze sind, so führen sie kein Bewußtsein ihrer Notwendigkeit bei sich (sind nicht apodiktisch-gewiß) und alsdenn verdient das Ganze in strengem Sinne nicht den Namen einer Wissenschaft, und Chymie sollte daher eher systematische Kunst, als Wissenschaft heißen.

Eine rationale Naturlehre verdient also den Namen einer Naturwissenschaft nur alsdenn, wenn die Naturgesetze, die in ihr zum Grunde liegen, a priori erkannt werden, und nicht bloße Erfahrungsgesetze sind. Man nennt eine Naturerkenntnis von der ersteren Art rein; die von der zweiten Art aber wird angewandte Vernunfterkenntnis genannt. Da das Wort Natur schon den Begriff von Gesetzen bei sich führt, dieser aber den Begriff der Notwendigkeit aller Bestimmungen eines Dinges, die zu seinem Dasein gehören, bei sich führt, so sieht man leicht warum Naturwissenschaft die Rechtmäßigkeit dieser Benennung nur von einem reinen Teil derselben, der nämlich die Prinzipien a priori aller übrigen Naturerklärungen enthält, ableiten müsse und nur kraft dieses reinen Teils eigentliche Wissenschaft sei, imgleichen daß, nach Foderungen der Vernunft, jede Naturlehre zuletzt auf Naturwissenschaft hinausgehen und darin sich endigen müsse, weil jene Notwendigkeit der Gesetze dem Begriffe der Natur unzertrennlich anhängt und daher durchaus eingesehen sein will; daher die vollständigste Erklärung gewisser Erscheinungen aus chymischen Prinzipien noch immer eine Unzufriedenheit zurückläßt, weil man von diesen, als zufälligen Gesetzen, die bloß Erfahrung gelehrt hat, keine Gründe a priori anführen kann.

Alle eigentliche Naturwissenschaft bedarf also einen reinen Teil, auf dem sich die apodiktische Gewißheit die die Vernunft in ihr sucht, gründen könne, und weil dieser, seinen Prinzipien nach, in Vergleichung mit denen, die nur empirisch sind, ganz ungleichartig ist, so ist es zugleich von der größten Zuträglichkeit, ja, der Natur der Sache nach, von unerlaßlicher Pflicht in Ansehung der Methode, jenen Teil abgesondert, und von dem andern ganz unbemengt, so viel möglich in seiner ganzen Vollständigkeit vorzutragen, damit man genau bestimmen könne, was die Vernunft für sich zu leisten vermag, und wo ihr Vermögen anhebt, der Beihülfe der Erfahrungsprinzipien nötig zu haben. Reine Vernunfterkenntnis aus bloßen Begriffen heißt reine Philosophie, oder Metaphysik; dagegen wird die, welche nur auf der Konstruktion der Begriffe, vermittelst Darstellung des Gegenstandes in einer Anschauung a priori, ihr Erkenntnis gründet, Mathematik genannt.

Eigentlich so zu nennende Naturwissenschaft setzt zuerst Metaphysik der Natur voraus; denn Gesetze, d. i. Prinzipien der Notwendigkeit dessen, was zum Dasein eines Dinges gehört, beschäftigen sich mit einem Begriffe, der sich nicht konstruieren läßt, weil das Dasein in keiner Anschauung a priori dargestellt werden kann. Daher setzt eigentliche Naturwissenschaft Metaphysik der Natur voraus. Diese muß nun zwar jederzeit lauter Prinzipien, die nicht empirisch sind, enthalten (denn darum führt sie eben den Namen einer Metaphysik), aber sie kann doch entweder sogar ohne Beziehung auf irgend ein bestimmtes Erfahrungsobjekt, mithin unbestimmt in Ansehung der Natur dieses oder jenen Dinges der Sinnenwelt, von den Gesetzen, die den Begriff einer Natur überhaupt möglich machen, handeln, und alsdenn ist es der transzendentale Teil der Metaphysik der Natur: oder sie beschäftigt sich mit einer besonderen Natur dieser oder jener Art Dinge, von denen ein empirischer Begriff gegeben ist, doch so, daß außer dem, was in diesem Begriffe liegt, kein anderes empirisches Prinzip zur Erkenntnis derselben gebraucht wird (z. B. sie legt den empirischen Begriff einer Materie, oder eines denkenden Wesens, zum Grunde, und sucht den Umfang der Erkenntnis, deren die Vernunft über diese Gegenstände a priori fähig ist), und da muß eine solche Wissenschaft noch immer eine Metaphysik der Natur, nämlich der körperlichen oder denkenden Natur, heißen, aber es ist alsdenn keine allgemeine, sondern besondere metaphysische Naturwissenschaft (Physik und Psychologie), in der jene transzendentale Prinzipien auf die zwei Gattungen der Gegenstände unserer Sinne angewandt werden.

Ich behaupte aber, daß in jeder besonderen Naturlehre nur so viel eigentliche Wissenschaft angetroffen werden könne, als darin Mathematik anzutreffen ist. Denn nach dem Vorhergehenden erfodert eigentliche Wissenschaft, vornehmlich der Natur, einen reinen Teil, der dem empirischen zum Grunde liegt, und der auf Erkenntnis der Naturdinge a priori beruht. Nun heißt etwas a priori erkennen es aus seiner bloßen Möglichkeit erkennen. Die Möglichkeit bestimmter Naturdinge kann aber nicht aus ihren bloßen Begriffen erkannt werden; denn aus diesen kann zwar die Möglichkeit des Gedankens (daß er sich selbst nicht widerspreche), aber nicht des Objekts, als Naturdinges erkannt werden, welches außer dem Gedanken (als existierend) gegehen werden kann. Also wird, um die Möglichkeit bestimmter Naturdinge, mithin um diese a priori zu erkennen, noch erfodert, daß die dem Begriffe korrespondierende Anschauung a priori gegeben werde, d. i. daß der Begriff konstruiert werde.

Nun ist die Vernunfterkenntnis durch Konstruktion der Begriffe mathematisch. Also mag zwar eine reine Philosophie der Natur überhaupt, d. i. diejenige, die nur das, was den Begriff einer Natur im allgemeinen ausmacht, untersucht, auch ohne Mathematik möglich sein, aber eine reine Naturlehre über bestimmte Naturdinge (Körperlehre und Seelenlehre) ist nur vermittelst der Mathematik möglich, und, da in jeder Naturlehre nur so viel eigentliche Wissenschaft angetroffen wird, als sich darin Erkenntnis a priori befindet, so wird Naturlehre nur so viel eigentliche Wissenschaft enthalten, als Mathematik in ihr angewandt werden kann.

So lange also noch für die chymischen Wirkungen der Materien auf einander kein Begriff ausgefunden wird, der sich konstruieren läßt, d. i. kein Gesetz der Annäherung oder Entfernung der Teile angeben läßt, nach welchem etwa in Proportion ihrer Dichtigkeiten u.d.g. ihre Bewegungen samt ihren Folgen sich im Raume a priori anschaulich machen und darstellen lassen (eine Foderung, die schwerlich jemals erfüllt werden wird), so kann Chymie nichts mehr als systematische Kunst, oder Experimentallehre, niemals aber eigentliche Wissenschaft werden, weil die Prinzipien derselben bloß empirisch sind und keine Darstellung a priori in der Anschauung erlauben, folglich die Grundsätze chymischer Erscheinungen ihrer Möglichkeit nach nicht im mindesten begreiflich machen, weil sie der Anwendung der Mathematik unfähig sind.

Noch weiter aber, als selbst Chymie, muß empirische Seelenlehre jederzeit von dem Range einer eigentlich so zu nennenden Naturwissenschaft entfernt bleiben, erstlich weil Mathematik auf die Phänomene des inneren Sinnes und ihre Gesetze nicht anwendbar ist, man müßte denn allein das Gesetz der Stetigkeit in dem Abflusse der inneren Veränderungen desselben in Anschlag bringen wollen, welches aber eine Erweiterung der Erkenntnis sein würde, die sich zu der, welche die Mathematik der Körperlehre verschafft, ohngefähr so verhalten würde, wie die Lehre von den Eigenschaften der geraden Linie zur ganzen Geometrie. Denn die reine innere Anschauung, in welcher die Seelen-Erscheinungen konstruiert werden sollen, ist die Zeit, die nur eine Dimension hat.

Aber auch nicht einmal als systematische Zergliederungskunst, oder Experimentallehre, kann sie der Chymie jemals nahe kommen, weil sich in ihr das Mannigfaltige der inneren Beobachtung nur durch bloße Gedankenteilung von einander absondern, nicht aber abgesondert aufbehalten und beliebig wiederum verknüpfen, noch weniger aber ein anderes denkendes Subjekt sich unseren Versuchen der Absicht angemessen von uns unterwerfen läßt, und selbst die Beobachtung an sich schon den Zustand des beobachteten Gegenstandes alteriert und verstellt. Sie kann daher niemals etwas mehr als eine historische, und, als solche, so viel möglich systematische Naturlehre des inneren Sinnes, d. i. eine Naturbeschreibung der Seele, aber nicht Seelenwissenschaft, ja nicht einmal psychologische Experimentallehre werden; welches denn auch die Ursache ist, weswegen wir uns zum Titel dieses Werks, welches eigentlich die Grundsätze der Körperlehre enthält, dem gewöhnlichen Gebrauche gemäß des allgemeinen Namens der Naturwissenschaft bedient haben, weil ihr diese Benennung im eigentlichen Sinne allein zukommt und also hiedurch keine Zweideutigkeit veranlaßt wird.

Damit aber die Anwendung der Mathematik auf die Körperlehre, die durch sie allein Naturwissenschaft werden kann, möglich werde, so müssen Prinzipien der Konstruction der Begriffe, welche zur Möglichkeit der Materie überhaupt gehören, vorangeschickt werden; mithin wird eine vollständige Zergliederung des Begriffs von einer Materie überhaupt zum Grunde gelegt werden müssen, welches ein Geschäfte der reinen Philosophie ist, die zu dieser Absicht sich keiner besonderen Erfahrungen, sondern nur dessen, was sie im abgesonderten (obzwar an sich empirischen) Begriffe selbst antrifft, in Beziehung auf die reinen Anschauungen im Raume und der Zeit (nach Gesetzen, welche schon dem Begriffe der Natur überhaupt wesentlich anhängen) bedient, mithin eine wirkliche Metaphysik der körperlichen Natur ist.

Alle Naturphilosophen, welche in ihrem Geschäfte mathematisch verfahren wollten, haben sich daher jederzeit (obschon sich selbst unbewußt) metaphysischer Prinzipien bedient und bedienen müssen, wenn sie sich gleich sonst wider allen Anspruch der Metaphysik auf ihre Wissenschaft feierlich verwahrten. Ohne Zweifel verstanden sie unter der letzteren den Wahn, sich Möglichkeiten nach Belieben auszudenken und mit Begriffen zu spielen, die sich in der Anschauung vielleicht gar nicht darstellen lassen, und keine andere Beglaubigung ihrer objektiven Realität haben, als daß sie bloß mit sich selbst nicht im Widerspruche stehen.

Alle wahre Metaphysik ist aus dem Wesen des Denkungsvermögens selbst genommen, und keinesweges darum erdichtet, weil sie nicht von der Erfahrung entlehnt ist, sondern enthält die reinen Handlungen des Denkens, mithin Begriffe und Grundsätze a priori, welche das Mannigfaltige empirischer Vorstellungen allererst in die gesetzmäßige Verbindung bringt, dadurch es empirisches Erkenntnis, d. i. Erfahrung, werden kann. So konnten also jene mathematische Physiker metaphysischer Prinzipien gar nicht entbehren, und unter diesen auch nicht solcher, welche den Begriff ihres eigentlichen Gegenstandes, nämlich der Materie, a priori zur Anwendung auf äußere Erfahrung tauglich machen, als des Begriffs der Bewegung, der Erfüllung des Raums, der Trägheit, u.s.w.

Darüber aber bloß empirische Grundsätze gelten zu lassen, hielten sie mit Recht der apodiktischen Gewißheit, die sie ihren Naturgesetzen geben wollten, gar nicht gemäß, daher sie solche lieber postulierten, ohne nach ihre Quellen a priori zu forschen. Es ist aber von der größten Wichtigkeit, zum Vorteil der Wissenschaften ungleichartige Prinzipien von einander zu scheiden, jede in ein besonderes System zu bringen, damit sie eine Wissenschaft ihrer eigenen Art ausmachen, um dadurch die Ungewißheit zu verhüten, die aus der Vermengung entspringt, da man nicht wohl unterscheiden kann, welcher von beiden teils die Schranken, teils auch die Verirrungen, die sich im Gebrauche derselben zutragen möchten, beizumessen sein dürften. Um deswillen habe ich für nötig gehalten, von dem reinen Teile der Naturwissenschaft (physica generalis), wo metaphysische und mathematische Konstruktionen durch einander zu laufen pflegen, die erstere, und mit ihnen zugleich die Prinzipien der Konstruktion dieser Begriffe, also der Möglichkeit einer mathematischen Naturlehre selbst, in einem System darzustellen.

Diese Absonderung hat, außer dem schon erwähnten Nutzen, den sie schafft, noch einen besonderen Reiz, den die Einheit der Erkenntnis bei sich führt, wenn man verhütet, daß die Grenzen der Wissenschaften nicht in einander laufen, sondern ihre gehörig abgeteilte Felder einnehmen. Es kann noch zu einem zweiten Anpreisungsgrunde dieses Verfahrens dienen: daß in allem, was Metaphysik heißt, die absolute Vollständigkeit der Wissenschaften gehofft werden kann, dergleichen man sich in keiner anderen Art von Erkenntnissen versprechen darf, mithin eben so, wie in der Metaphysik der Natur überhaupt, also auch hier die Vollständigkeit der Metaphysik der körperlichen Natur zuversichtlich erwartet werden kann; wovon die Ursache ist, daß in der Metaphysik der Gegenstand nur, wie er bloß nach den allgemeinen Gesetzen des Denkens, in andern Wissenschaften aber, wie er nach Datis der Anschauung (der reinen sowohl, als empirischen) vorgestellt werden muß, betrachtet wird, da denn jene, weil der Gegenstand in ihr jederzeit mit allen notwendigen Gesetzen des Denkens verglichen werden muß, eine bestimmte Zahl von Erkenntnissen geben muß, die sich völlig erschöpfen läßt, diese aber, weil sie eine unendliche Mannigfaltigkeit von Anschauungen (reinen oder empirischen), mithin Objekte des Denkens darbieten, niemals zur absoluten Vollständigkeit gelangen, sondern ins Unendliche erweitert werden können; wie reine Mathematik und empirische Naturlehre.

Auch glaube ich diese metaphysische Körperlehre so weit, als sie sich immer nur erstreckt, vollständig erschöpft, dadurch aber doch eben kein großes Werk zu Stande gebracht zu haben. Das Schema aber zur Vollständigkeit eines metaphysischen Systems, es sei der Natur überhaupt, oder der körperlichen Natur insbesondere, ist die Tafel der Kategorien. (2) Denn mehr gibt es nicht reine Verstandesbegriffe, die die Natur der Dinge betreffen können. Unter die vier Klassen derselben, die der Größe, der Qualität, der Relation und endlich der Modalität, müssen sich auch alle Bestimmungen des allgemeinen Begriffs einer Materie überhaupt, mithin auch alles, was a priori von ihr gedacht, was in der mathematischen Konstruktion dargestellt, oder in der Erfahrung, als bestimmter Gegenstand derselben, gegeben werden mag, bringen lassen. Mehr ist hier nicht zu tun, zu entdecken oder hinzuzusetzen, sondern allenfalls, wo in der Deutlichkeit oder Gründlichkeit gefehlt sein möchte, es besser zu machen.

Der Begriff der Materie mußte daher durch alle vier genannte Funktionen der Verstandesbegriffe (in vier Hauptstücken) durchgeführt werden, in deren jedem eine neue Bestimmung desselben hinzu kam. Die Grund bestimmung eines Etwas, das ein Gegenstand äußerer Sinne sein soll, mußte Bewegung sein; denn dadurch allein können diese Sinne affiziert werden. Auf diese führt auch der Verstand alle übrige Prädikate der Materie, die zu ihrer Natur gehören, zurück, und so ist die Naturwissenschaft durchgängig eine entweder reine oder angewandte Bewegungslehre.

Die metaphysischen Anfangsgründe der Naturwissenschaft sind also unter vier Hauptstücke zu bringen, deren erstes die Bewegung als ein reines Quantum, nach seiner Zusammensetzung, ohne alle Qualität des Beweglichen, betrachtet, und Phoronomie genannt werden kann, das zweite sie als zur Qualität der Materie gehörig, unter dem Namen einer ursprünglich bewegenden Kraft, in Erwägung zieht, und daher Dynamik heißt, das dritte die Materie mit dieser Qualität durch ihre eigene Bewegung gegen einander in Relation betrachtet, und daher unter dem Namen Mechanik vorkommt, das vierte aber ihre Bewegung oder Ruhe bloß in Beziehung auf die Vorstellungsart, oder Modalität, mithin als Erscheinung äußerer Sinne, bestimmt, und Phänomenologie genannt wird. Aber außer jener inneren Notwendigkeit, die metaphysischen Anfangsgründe der Körperlehre nicht allein von der Physik, welche empirische Prinzipien braucht, sondern selbst von den rationalen Prämissen derselben, die den Gebrauch der Mathematik in ihr betreffen, abzusondern, ist noch ein äußerer, zwar nur zufälliger, aber gleichwohl wichtiger Grund da, ihre ausführliche Bearbeitung von dem allgemeinen System der Metaphysik abzutrennen und sie als ein besonderes Ganze systematisch darzustellen. Denn, wenn es erlaubt ist, die Grenzen einer Wissenschaft nicht bloß nach der Beschaffenheit des Objekts und der spezifischen Erkenntnisart desselben, sondern auch nach dem Zwecke, den man mit der Wissenschaft selbst zum anderweitigen Gebrauche vor Augen hat, zu zeichnen, und findet, daß Metaphysik so viel Köpfe bisher nicht darum beschäftigt hat und sie ferner beschäftigen wird, um Naturkenntnisse dadurch zu erweitern (welches viel leichter und sicherer durch Beobachtung, Experiment und Anwendung der Mathematik auf äußere Erscheinungen geschieht), sondern um zur Erkenntnis dessen, was gänzlich über alle Grenzen der Erfahrung hinausliegt, von Gott, Freiheit und Unsterblichkeit zu gelangen: so gewinnt man in Beförderung dieser Absicht, wenn man sie von einem zwar aus ihrer Wurzel sprossenden, aber doch ihrem regelmäßigen Wuchse nur hinderlichen, Sprößlinge befreiet, diesen besonders pflanzt, ohne dennoch dessen Abstammung aus jener zu verkennen und sein völliges Gewächs aus dem System der allgemeinen Metaphysik wegzulassen.

Dieses tut der Vollständigkeit der letzteren keinen Abbruch und erleichtert doch den gleichförmigen Gang dieser Wissenschaft zu ihrem Zwecke, wenn man in allen Fällen, wo man der allgemeinen Körperlehre bedarf, sich nur auf das abgesonderte System derselben berufen darf, ohne jenes größere mit diesem anzuschwellen.

Es ist auch in der Tat sehr merkwürdig (kann aber hier nicht ausführlich vor Augen gelegt werden), daß die allgemeine Metaphysik in allen Fällen, wo sie Beispiele (Anschauungen) bedarf, um ihren reinen Verstandesbegriffen Bedeutung zu verschaffen, diese jederzeit aus der allgemeinen Körperlehre, mithin von der Form und den Prinzipien der äußeren Anschauung hernehmen müsse, und, wenn diese nicht vollendet darliegen, unter lauter sinnleeren Regriffen unstet und schwankend herumtappe.

Daher die bekannten Streitigkeiten, wenigstens die Dunkelheit in den Fragen: über die Möglichkeit eines Widerstreits der Realitäten, die der intensiven Größe, u. a. m., bei welchen der Verstand nur durch Beispiele aus der körperlichen Natur belehrt wird, welches die Bedingungen sind, unter denen jene Begriffe allein objektive Realität, d. i. Bedeutung und Wahrheit haben können. Und so tut eine abgesonderte Metaphysik der körperlichen Natur der allgemeinen vortreffliche und unentbehrliche Dienste, indem sie Beispiele (Fälle in concreto) herbeischafft, die Begriffe und Lehrsätze der letzteren (eigentlich der Transzendentalphilosophie) zu realisieren, d. i. einer bloßen Gedankenform Sinn und Bedeutung unterzulegen. Ich habe in dieser Abhandlung die mathematische Methode, wenn gleich nicht mit aller Strenge befolgt (wozu mehr Zeit erfoderlich gewesen wäre, als ich darauf zu verwenden hätte), dennoch nachgeahmt, nicht, um ihr durch ein Gepränge von Gründlichkeit besseren Eingang zu verschaffen, sondern weil ich glaube, daß ein solches System deren wohl fähig sei und diese Vollkommenheit auch mit der Zeit von geschickterer Hand wohl erlangen könne, wenn, durch diesen Entwurf veranlaßt, mathematische Naturforscher es nicht unwichtig finden sollten, den metaphysischen Teil, dessen sie ohnedem nicht entübrigt sein können, in ihrer allgemeinen Physik als einen besonderen Grundteil zu behandeln und mit der mathematischen Bewegungslehre in Vereinigung zu bringen.

Newton sagt in der Vorrede zu seinen mathem. Grundlehren der Nat. Wiss. (nachdem er angemerkt hatte, daß die Geometrie von den mechanischen Handgriffen, die sie postuliert, nur zweier bedürfe, nämlich eine gerade Linie und einen Zirkel zu beschreiben): Die Geometrie ist stolz darauf, daß sie mit so Wenigem, was sie anderwärts hernimmt, so viel zu leisten vermag. (3) Von der Metaphysik könnte man dagegen sagen: sie steht bestürzt, daß sie mit so Vielem, als ihr die reine Mathematik darbietet, doch nur so wenig ausrichten kann. Indessen ist doch dieses Wenige etwas, das selbst die Mathematik in ihrer Anwendung auf Naturwissenschaft unumgänglich braucht, die sich also, da sie hier von der Metaphysik notwendig borgen muß, auch nicht schämen darf, sich mit ihr in Gemeinschaft sehen zu lassen.

Anmerkungen (1) Wesen ist das erste innere Prinzip alles dessen, was zur Möglichkeit eines Dinges gehört. Daher kann man den geometrischen Figuren (da in ihrem Begriffe nichts, was ein Dasein ausdrückte, gedacht wird) nur ein Wesen, nicht aber eine Natur beizulegen. (2) Nicht wider diese Tafel der reinen Verstandesbegriffe, sondern die daraus gezogenen Schlüsse auf die Grenzbestimmung des ganzen reinen Vernunftvermögens, mithin auch aller Metaphysik, finde ich in der Allgem. Litt. Zeit. Nr. 295, in der Rezension der Institutiones Logicae et Metaph. des Herrn Prof. Ulrich Zweifel, in welchen der tiefforschende Rezensent mit seinem nicht minder prüfenden Verfasser übereinzukommen sich erklärt, und zwar Zweifel, die, weil sie gerade das Hauptfundament meines in der Kritik aufgestellten Systems treffen sollen, Ursache wären, daß dieses in Ansehung seines Hauptzieles noch lange nicht diejenige apodiktische Überzeugung bei sich führe, welche zur Abnötigung einer uneingeschränkten Annahme erfoderlich ist; dieses Hauptfundament sei meine, teils dort, teils in den Prolegomenen, vorgetragene Deduktion der reinen Verstandesbegriffe, die aber in dem Teile der Kritik, welcher gerade der helleste sein müßte, am meisten dunkel wäre, oder wohl gar sich im Zirkel herumdrehete etc.

Ich richte meine Beantwortung dieser Einwürfe nur auf den Hauptpunkt derselben, daß nämlich, ohne eine ganz klare und genugtuende Deduktion der Kategorien, das System der Kritik der reinen Vernunft in seinem Fundamente wanke. Dagegen behaupte ich, daß für denjenigen, der meine Sätze von der Sinnlichkeit aller unserer Anschauung und der Zulänglichkeit der Tafel der Kategorien, als von den logischen Funktionen in Urteilen überhaupt entlehnter Bestimmungen unseres Bewußtseins, unterschreibt (wie dieses denn der Rezensent tut), das System.der Kritik apodiktische Gewißheit bei sich führen müsse, weil dieses auf dem Satze erbauet ist: daß der ganze spekulative Gebrauch unserer Vernunft niemals weiter als auf Gegenstände möglicher Erfahrung reiche. Denn, wenn bewiesen werden kann: daß die Kategorien, deren sich die Vernunft in allem ihrem Erkenntnis bedienen muß, gar keinen anderen Gebrauch, als bloß in Beziehung auf Gegenstände der Erfahrung haben können (dadurch daß sie in dieser bloß die Form des Denkens möglich machen), so ist die Beantwortung der Frage, wie sie solche möglich machen, zwar wichtig genug, um diese Deduktion, wo möglich, zu vollenden, aber in Beziehung auf den Hauptzweck des Systems, nämlich die Grenzbestimmung der reinen Vernunft, keinesweges notwendig, sondern bloß verdienstlich.

Denn in dieser Absicht ist die Deduktion schon alsdenn weit genug geführt, wenn sie zeigt, daß gedachte Kategorien nichts anders als bloße Formen der Urteile sind, so fern sie auf Anschauungen (die bei uns immer nur sinnlich sind) angewandt werden, dadurch aber allererst Objekte bekommen und Erkenntnisse werden; weil dieses schon hinreicht, das ganze System der eigentlichen Kritik darauf mit völliger Sicherheit zu gründen. So steht Newtons System der allgemeinen Gravitäten fest, ob es gleich die Schwierigkeit bei sich führt, daß man nicht erklären kann, wie Anziehung in die Ferne möglich sei; aber Schwierigkeiten sind nicht Zweifel. Daß nun jenes Hauptfundament auch ohne vollständige Deduktion der Kategorien fest stehe, beweise ich aus dem Zugestandenen also: 1. Zugestanden: daß die Tafel der Kategorien alle reine Verstandesbegriffe vollständig enthalte und eben so alle formale Verstandeshandlungen in Urteilen, von welchen sie abgeleitet und auch in nichts unterschieden sind, als daß durch den Verstandesbegriff ein Objekt in Ansehung einer oder der andern Funktion der Urteile als bestimmt gedacht wird (z. B. so wird in dem kategorischen Urteile: der Stein ist hart, der Stein für Subjekt und hart als Prädikat gebraucht, so doch, daß es dem Verstande unbenommen bleibt, die logische Funktion dieser Begriffe umzutauschen und zu sagen: einiges Harte ist ein Stein; dagegen wenn ich es mir im Objekte als bestimmt vorstelle, daß der Stein in jeder möglichen Bestimmung eines Gegenstandes, nicht des bloßen Begriffs, nur als Subjekt, die Härte aber nur als Prädikat gedacht werden müsse, dieselbe logische Funktionen nun reine Verstandesbegriffe von Objekten, nämlich als Substanz und Akzidens, werden); 2. zugestanden: daß der Verstand durch seine Natur synthetische Grundsätze a priori bei sich führe, durch die er alle Gegenstände, die ihm gegeben werden mögen, jenen Kategorien unterwirft, mithin es auch Anschauungen a priori geben müsse, welche die zur Anwendung jener reinen Verstandesbegriffe erfoderliche Bedingungen enthalten, weil ohne Anschauung kein Objekt, in Ansehung dessen die logische Funktion als Kategorie bestimmt werden könnte, mithin auch keine Erkenntnis irgend eines Gegenstandes und also auch ohne reine Anschauung kein Grundsatz, der sie a priori in dieser Absicht bestimmte, stattfindet; 3. zugestanden: daß diese reine Anschauungen niemals etwas anders, als bloße Formen der Erscheinungen äußerer oder des innern Sinnes (Raum und Zeit), folglich nur allein der Gegenstände möglicher Erfahrungen sein können; so folgt: daß aller Gebrauch der reinen Vernunft niemals worauf anders, als auf Gegenstände der Erfahrung gehen könne, und, weil in Grundsätzen a priori nichts Empirisches die Bedingung sein kann, sie nichts weiter als Prinzipien der Möglichkeit der Erfahrung überhaupt sein können.

Dieses allein ist das wahre und hinlängliche Fundament der Grenzbestimmung der reinen Vernunft, aber nicht die Auflösung der Aufgabe: wie nun Erfahrung vermittelst jener Kategorien und nur allein durch dieselbe möglich sei. Die letztere Aufgabe, obgleich auch ohne sie das Gebäude fest steht, hat indessen große Wichtigkeit, und, wie ich es jetzt einsehe, eben so große Leichtigkeit, da sie beinahe durch einen einzigen Schluß aus der genau bestimmten Definition eines Urteils überhaupt (einer Handlung, durch die gegebene Vorstellungen zuerst Erkenntnisse eines Objekts werden) verrichtet werden kann. Die Dunkelheit, die in diesem Teile der Deduktion meinen vorigen Verhandlungen anhängt, und die ich nicht in Abrede ziehe, ist dem gewöhnlichen Schicksale des Verstandes im Nachforschen beizumessen, dem der kürzeste Weg gemeiniglich nicht der erste ist, den er gewahr wird.

Daher ich die nächste Gelegenheit ergreifen werde, diesen Mangel (welcher auch nur die Art der Darstellung, nicht den dort schon richtig angegebenen Erklärungsgrund, betrifft) zu ergänzen, ohne daß der scharfsinnige Rezensent in die ihm gewiß selbst unangenehm fallende Notwendigkeit versetzt werden darf, wegen der befremdlichen Einstimmung der Erscheinungen zu den Verstandesgesetzen, ob diese gleich von jenen ganz verschiedene Quellen haben, zu einer prästabilierten Harmonie seine Zuflucht zu nehmen; einem Rettungsmittel, welches weit schlimmer wäre, als das Übel, dawider es helfen soll, und das dagegen doch wirklich nichts helfen kann. Denn auf diese kommt doch jene objektive Notwendigkeit nicht heraus, welche die reinen Verstandesbegriffe (und die Grundsätze ihrer Anwendung auf Erscheinungen) charakterisiert, z. B. in dem Begriffe der Ursache in Verknüpfung mit der Wirkung, sondern alles bleibt bloß subjektiv-notwendige, objektiv aber bloß zufällige Zusammenstellung, gerade wie es Hume will, wenn er sie bloße Täuschung aus Gewohnheit nennt.

Auch kann kein System in der Welt diese Notwendigkeit wo anders herleiten, als aus den a priori zum Grunde liegenden Prinzipien der Möglichkeit des Denkens selbst, wodurch allein die Erkenntnis der Objekte, deren Erscheinung uns gegeben ist, d. i. Erfahrung, möglich wird, und gesetzt, die Art, wie Erfahrung dadurch allererst möglich werde, könnte niemals hinreichend erklärt werden, so bleibt es doch unwidersprechlich gewiß, daß sie bloß durch jene Begriffe möglich, und jene Begriffe umgekehrt auch in keiner anderen Beziehung, als auf Gegenstände der Erfahrung, einer Bedeutung und irgend eines Gebrauchs fähig sind. (3) Gloriatur geometria, quod tam paucis principiis aliunde petitis tam multa praestet. Newton, Princ. Phil. Nat. Math. Praefat.

weitere Werke:

1746 Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte
1755 Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels
1763 Der einzig mögliche Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes
1764 Untersuchung über die Deutlichkeit der Grundsätze der natürlichen Theologie und der Moral
1764 Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen
1766 Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik
1770 De mundi sensibilis atque intelligibilis forma et principiis (Inauguraldissertation)
1781 Kritik der reinen Vernunft
1783 Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können
1785 Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
1786 Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft
1787 Kritik der reinen Vernunft (zweite, wesentlich veränderte Auflage)
1788 Kritik der praktischen Vernunft
1790 Kritik der Urteilskraft
1793 Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft
1795 Zum ewigen Frieden
1797 Metaphysik der Sitten
1798 Streit der Fakultäten
1798 Anthropologie in pragmatischer Hinsicht

Werke hier auf der Homepage:

Germanenherz Blog- Immanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft

Germanenherz Blog- Immanuel Kant Was ist Aufklärung?

Germanenherz Blog- Immanuel Kant Der kategorische Imperativ

Germanenherz Blog – Immanuel Kant Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft (Vorrede)

Germanenherz Blog  – Immanuel Kant Beantwortung der Frage: Ist es eine Erfahrung, daß wir denken?

Germanenherz Blog – Immanuel Kant Zum ewigen Frieden (1795)

pdf – 871 k  kant-kritikderreinenvernunft1 – Kritik der reinen Vernunft (1781)

pdf – 915 k  kant-kritikderreinenvernunft2 – Kritik der reinen Vernunft (1787)

pdf – 407 k  Kant-allgemeineNaturgeschichte – Allgemeine Naturgeschichte und Theorie Des Himmels

Immanuel Kant Der kategorische Imperativ

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Immanuel Kant 22. April 1724 † 12. Februar 1804 in Königsberg Kant war einer der bedeutendsten Philosophen.

Der kategorische Imperativ

Der kategorische Imperativ ist die oberste und allgemeinste Handlungsanweisung in der Philosophie Immanuel Kants, das höchste Prinzip der Moral. In der Grundform lautet er: „Handle so, dass die Maxime (= subjektive Verhaltensregel) deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.“

Neben dieser Formel aus der „Kritik der praktischen Vernunft“ (1788) nennt Kant bereits in seiner „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ (1785), in der er den kategorischen Imperativ entwickelt, weitere Varianten: „Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetze werden sollte.“ Und: „Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person als in der Person eines jeden andern jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.“

Moralisch handelt demnach nur derjenige, der sich nicht von sinnlichen Bestimmungsgründen leiten lässt. Nicht wechselhafte Triebe, Bedürfnisse und Neigungen sollen den Willen bestimmen, sondern allein die Pflicht, dem Sittengesetz zu folgen. Nur dann handelt der Mensch nicht fremd-, sondern selbstbestimmt („autonom“) und rational. Freiheit – für Kant der Grundbegriff der Moral – heißt nicht Schrankenlosigkeit, sondern Gehorsam gegen das selbst gegebene Sittengesetz, das jeder in seinem eigenen Gewissen erkennt.

„Kategorisch“ heißt der Imperativ, weil er ohne jede Einschränkung gültig ist – im Unterschied zu hypothetischen Imperativen, die unter einer Bedingung stehen („wenn ich x möchte, dann muss ich y tun“). Weil der kategorische Imperativ ausnahmslos jeden immer verpflichtet, gilt er schlechthin allgemein. Diese strenge Allgemeinheit wird zum Maßstab der Sittlichkeit: Sittlich handelt nur der, der sich an verallgemeinerungsfähigen Grundsätzen („Maximen“) ausrichtet.

Die Grundzüge Kantschen Denkens

Kritik der reinen Vernunft

Moses Mendelssohn legte das Werk irritiert beiseite

Ein Buch kann ein epochales Ereignis sein. Für kaum eines in der abendländischen Geistesgeschichte gilt dies mehr als für die „Kritik der reinen Vernunft“, die Immanuel Kant 1781 veröffentlichte. Das fiel erst einmal niemandem auf. Der Berliner Philosoph Moses Mendelssohn, auf dessen Urteil der damals 57 Jahre alte Königsberger Professor besonders gespannt war, legte das Buch wegen seiner schwer verständlichen Sprache irritiert beiseite. Die erste Rezension, nach einem halben Jahr, zeigte, dass der Verfasser das 856-Seiten-Werk nicht ausreichend verstanden hatte. Erst nach Jahren wurde seine bis heute reichende fundamentale Bedeutung allmählich erkannt.

Schopenhauer sieht darin später einen Meilenstein

Der später selbst berühmte Arthur Schopenhauer (1788-1860) nannte es „das wichtigste Buch, das jemals in Europa geschrieben worden“. Wer sich jetzt durch die Würdigungen Kants aus Anlass seines 200. Todestags zur Lektüre versucht fühlen sollte, sei jedoch von Kant-Kennern gewarnt: Kant ohne gründliche philosophische Schulung lesen zu wollen, sei wie den Mount Everest barfuß besteigen oder den Atlantik mit der Kraft der eigenen Arme durchschwimmen zu wollen.

„Was kann ich wissen?“, „Was soll ich tun?“, „Was darf ich hoffen?“

Kants Philosophie war der Versuch, drei Fragen von grundlegender philosophischer Bedeutung zu beantworten: „Was kann ich wissen?“, „Was soll ich tun?“ und „Was darf ich hoffen?“. Die „Kritik der reinen Vernunft“, das heißt die kritische Analyse der nur aus sich selbst schöpfenden, sich nichts aus der Erfahrung holenden Vernunft, gilt der ersten Frage.

Eine „kopernikanische Wende“ im Denken

Das Ergebnis ist eine „kopernikanische Wende“ im Denken: Kant widerlegt die natürliche Wahrnehmung, wonach die äußeren Gegenstände an sich gegeben sind und von uns als solche erkannt werden. In Wirklichkeit sei es umgekehrt: Die Erkenntnis richtet sich nicht nach den Gegenständen, sondern die Gegenstände nach der Form unserer Erkenntnis. Die Dinge erscheinen nicht von selbst, sondern ihre Erscheinung wird erst vom erkennenden Subjekt – mit seinen Anschauungsformen Zeit und Raum – produziert

Begründung des deutschen Idealismus

Dieser Grundgedanke hat den „Deutschen Idealismus“ (Fichte, Schelling, Hegel) ausgelöst, die größte Epoche der deutschen Philosophie. Ein zentrales Ergebnis der Analyse Kants ist auch, dass die Erkenntnismöglichkeiten des Menschen nicht die Antwort auf die traditionellen Fragen der Metaphysik nach Gott und dem Wesen der Seele einschließen. Kant schreibt sie dem Bereich der „Dinge an sich“ zu: Sie sind zwar denkbar, aber nicht erkennbar.

Kategorischer Imperativ

Der Frage nach dem richtigen Handeln gilt die sieben Jahre später veröffentlichte „Kritik der praktischen Vernunft“. Als oberste und allgemeinste Handlungsanweisung, als „kategorischen Imperativ“, formuliert Kant hier: „Handle so, dass die Maxime (= subjektive Verhaltensregel) deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.“

Die Frage nach dem Hoffen beantwortet er in seiner Religions- und seiner Geschichtsphilosophie. Gott ist entsprechend der „Kritik der reinen Vernunft“ nicht ein Gegenstand des Wissens und der objektiven Erkenntnis, sondern des Hoffens allerdings nicht eines schwärmerischen, sondern eines philosophisch begründeten Hoffens. Kant sagt: Gott ist ein „Postulat“ der rein praktischen Vernunft. Das heißt: Seine Existenz ist zwar unbeweisbar, aber die Vernunft nötigt, an Gott zu glauben.

Hochaktuelle Gedanken

In seinen teils unter dem Eindruck der Französischen Revolution (1789) verfassten philosophischen Texten zur Geschichte und Politik beschreibt er die Hoffnung im Blick auf die äußere Freiheit und das Recht. Wie aktuell etwa seine Schrift „Zum ewigen Frieden“ (1795) ist, hat sich in der Diskussion um den Irak-Krieg gezeigt: „Kein Staat soll sich in die Verfassung und Regierung eines anderen Staats gewalttätig einmischen“, schreibt Kant. Er plädiert bereits für die politische Gewaltenteilung, für das rechtsförmige Zusammenleben der Staaten und für eine weltumspannende Friedensgemeinschaft im Rahmen eines Völkerbundes – Vorstellungen, die erst im 20. Jahrhundert, zum Beispiel mit Gründung der Vereinten Nationen, umgesetzt wurden. Doch Kants epochale Bedeutung liegt vor allem darin, Perspektiven und Begriffe der Philosophie radikal verändert zu haben. Geistesgeschichtlich ist der größte deutsche Philosoph der europäischen Aufklärung zuzurechnen. Er nahm ihren Wahlspruch auf: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“. Doch ging er darüber hinaus, indem er zu den Schranken der reinen Vernunft vorstieß und das Denken auf eine höhere Stufe der Klarheit und Reflexion stellte.

weitere Werke:

1746 Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte
1755 Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels
1763 Der einzig mögliche Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes
1764 Untersuchung über die Deutlichkeit der Grundsätze der natürlichen Theologie und der Moral
1764 Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen
1766 Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik
1770 De mundi sensibilis atque intelligibilis forma et principiis (Inauguraldissertation)
1781 Kritik der reinen Vernunft
1783 Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können
1785 Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
1786 Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft
1787 Kritik der reinen Vernunft (zweite, wesentlich veränderte Auflage)
1788 Kritik der praktischen Vernunft
1790 Kritik der Urteilskraft
1793 Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft
1795 Zum ewigen Frieden
1797 Metaphysik der Sitten
1798 Streit der Fakultäten
1798 Anthropologie in pragmatischer Hinsicht

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Germanenherz Blog- Immanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft

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Immanuel Kant Zum ewigen Frieden

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Immanuel Kant 22. April 1724 † 12. Februar 1804 in Königsberg Kant war einer der bedeutendsten Philosophen.

Zweiter Definitivartikel zum ewigen Frieden

Das Völkerrecht soll auf einen Föderalism freier Staaten gegründet sein.
Völker als Staaten können wie einzelne Menschen beurteilt werden, die sich in ihrem Naturzustande (d. i. in der Unabhängigkeit von äußeren Gesetzen) schon durch ihr Nebeneinandersein lädieren, und den jeder um seiner Sicherheit willen von dem anderen fordern kann und soll, mit ihm in eine der bürgerlichen ähnliche Verfassung zu treten, wo jedem sein Recht gesichert werden kann. Dies wäre ein Völkerbund, der aber gleichwohl kein Völkerstaat sein müßte. Darin aber wäre ein Widerspruch: weil ein jeder Staat das Verhältnis eines Oberen (Gesetzgebenden) zu einem Unteren (Gehorchendem, nämlich dem Volk) enthält, viele Völker aber in einem Staate nur ein Volk ausmachen würden, welches (da wir hier das Recht der Völker gegeneinander zu erwägen haben, sofern die so viel verschiedene Staaten ausmachen und nicht in einem Staat zusammenschmelzen sollen) der Voraussetzung widerspricht.
Gleichwie wir nun die Anhänglichkeit der Wilden an ihre gesetzlose Freiheit, sich lieber unaufhörlich zu balgen, als sich einem gesetzlichem, von ihnen selbst zu konstituierenden Zwange zu unterwerfen, mithin die tolle Freiheit der vernünftigen vorzuziehen, mit tiefer Verachtung ansehen und als Rohigkeit, Ungeschliffenheit und viehische Abwürdigung der Menschheit betrachten, so, sollte man denken, müßten gesittete Völker (jedes für sich zu einem Staat vereinigt) eilen, aus einem so verworfenen Zustande je eher desto lieber herauszukommen: statt dessen aber setzt vielmehr jeder Staat seine Majestät (denn Volksmajestät ist ein ungereimter Ausdruck) gerade darin, gar keinem äußeren gesetzlichen Zwange unterworfen zu sein, und der Glanz seiner Oberhauptes besteht darin, daß ihm, ohne daß er sich eben selbst in Gefahr setzen darf, viele Tausende zu Gebot stehen, sich für eine Sache, die sie nichts angeht, aufopfern zu lassen , und er Unterschied der europäischen Wilden von den amerikanischen besteht hauptsächlich darin, daß, da manche Stämme der letzteren von ihren Feinden gänzlich gegessen worden, die ersteren ihre Überwundenen besser zu benutzen wissen, als sie zu verspeisen, und lieber die Zahl ihrer Untertanen, mithin auch die Menge der Werkzeuge zu noch ausgebreitetern Kriegen durch sie zu vermehren wissen.
Bei der Bösartigkeit der menschlichen Natur, die sich im freien Verhältnis der Völker unverhohlen blicken läßt (indessen daß sie im bürgerlich-gesetzlichen Zustande durch den Zwang der Regierung sich sehr verschleiert), ist es doch zu verwundern, daß das Wort Recht aus der Kriegspolitik noch nicht als pedantisch ganz hat verwiesen werden können, und sich noch kein Staat erkühnt hat, sich für die letztere Meinung öffentlich zu erklären; denn noch werden Hugo Grotius, Pufendorf, Vattel u. a. m. (lauter leidige Tröster), obgleich ihr Kodex, philosophisch oder diplomatisch abgefaßt, nicht die mindeste gesetzliche Kraft hat, oder auch nur haben kann (weil Staaten als solche nicht unter einem gemeinschaftlichen äußeren Zwange stehen), immer treuherzig zur Rechtfertigung eines Kriegsangriffes angeführt, ohne daß es eine Beispiel gibt, daß jemals ein Staat durch mit Zeugnissen so wichtiger Männer bewaffnete Argumente wäre bewogen worden, von seinem Vorhaben abzustehen. – Diese Huldigung, die jeder Staat dem Rechtsbegriffe (wenigsten den Worten nach) leistet, beweist doch, daß eine noch größere, obzwar zur Zeit schlummernde, moralische Anlage im Menschen anzutreffen sei, über das böse Prinzip in ihm (was er nicht ableugnen kann) doch einmal Meister zu werden und dies auch von andern zu hoffen; denn sonst würde das Wort Recht den Staaten, die sich einander befehden wollen, nie in den Mund kommen, es sei denn, bloß um seinen Spott damit zu treiben, wie jener gallische Fürst es erklärte: „Es ist der Vorzug, den die Natur dem Stärkeren über den Schwächeren gegeben hat, daß dieser ihm gehorchen soll.“
Da die Art, wie Staaten ihr Recht verfolgen, nie wie bei einem äußern Gerichtshofe der Prozeß, sondern nur der Krieg sein kann, durch diesen aber und seinen günstigen Ausschlag, den Sieg, das Recht nicht entschieden wird, und durch den Friedensvertrag zwar wohl dem diesmaligen Kriege, aber nicht dem Kriegszustande (immer zu einem neuen Vorwand zu finden) ein Ende gemacht wird (den man auch nicht geradezu für ungerecht erklären kann, weil in diesem Zustande jeder in seiner eigenen Sache Richter ist), gleichwohl aber von Staaten nach dem Völkerrecht nicht eben das gelten kann, was von den Menschen im gesetzlosen Zustande nach dem Naturrecht gilt, „aus diesem Zustande herausgehen sollen“ (weil sie als Staaten innerlich schon eine rechtliche Verfassung haben und also dem Zwange anderer, sie nach ihren Rechtsbegriffen unter eine erweiterte gesetzliche Verfassung zu bringen, entwachsen sind), indessen daß doch die Vernunft vom Throne der höchsten moralischen gesetzgebenden Gewalt herab den Krieg als Rechtsgang schlechterdings verdammt, den Friedenszustand dagegen zur unmittelbaren Pflicht macht, welcher doch ohne einen Vertrag der Völker unter sich nicht gestiftet oder gesichert werden kann: – so muß es eine Bund von besonderer Art geben, den man den Friedensbund (foedus pacificum) nennen kann, der vom Friedensvertrag (pactum pacis) darin unterschieden sein würde, daß dieser bloß einen Krieg, jener aber alle Kriege auf immer zu endigen suchte.

Dieser Bund geht auf keinen Erwerb irgendeiner Macht des Staates, sondern lediglich auf Erhaltung und Sicherung der Freiheit eines Staates für sich selbst und zugleich anderer verbündeten Staaten, ohne daß diese doch sich deshalb (wie die Menschen im Naturzustande) öffentlichen Gesetzen und einem Zwange unter denselben unterwerfen dürfen. – Die Ausführbarkeit (objektive Realität) dieser Idee der Föderalität, die sich allmählich über alle Staaten erstrecken soll und so zum ewigen Frieden hinführt, läßt sich darstellen. Denn wenn das Glück es so fügt: daß ein mächtiges und aufgeklärtes Volk sich zu einer Republik (die ihrer Natur nach zum ewigen Frieden geneigt sein muß) bilden kann, so gibt diese einen Mittelpunkt der föderativen Vereinigung für andere Staaten ab, um sich an sie anzuschließen und so den Freiheitszustand der Staaten gemäß der Idee des Völkerrecht zu sichern und sich durch mehrere Verbindungen dieser Art nach und nach immer weiter auszubreiten.
Daß ein Volk sagt: „Es soll unter uns kein Krieg sein; denn wir wollen uns in einem Staat formieren, d. i. uns selbst eine oberste gesetzgebende, regierende und richtende Gewalt setzen, die unsere Streitigkeiten friedlich ausgleicht“ – das läßt sich verstehen. — Wenn aber dieser Staat sagt: „Es soll kein Krieg zwischen mir und anderen Staaten sein, obgleich ich keine oberste gesetzgebende Gewalt erkenne, die mir mein und der ich ihr Recht sichere“, so ist es gar nicht zu verstehen, worauf ich dann das Vertrauen zu meinem Rechte gründen wolle, wenn es nicht das Surrogat des bürgerlichen Gesellschaftsbundes, nämlich der freie Föderalism, ist, den die Vernunft mit dem Begriffe des Völkerrechts notwendig verbinden muß, wenn überall etwas dabei zu denken übrig bleiben soll.
Bei dem Begriffe des Völkerrechts, als eines Rechts zum Kriege, läßt sich eigentlich gar nichts denken (weil es ein Recht sein soll, nicht nach allgemein gültigen äußern, die Freiheit jedes einzelnen einschränkenden Gesetzen, sondern nach einseitigen Maximen durch Gewalt, was Recht sei, zu bestimmen), es müßte denn darunter verstanden werden: daß Menschen, die so gesinnt sind, ganz recht geschieht, wenn sie sich untereinander aufreiben und also den ewigen Frieden in dem weiten Grabe finden, das alle Greuel der Gewalttätigkeit samt ihren Urhebern bedeckt. – Für Staaten im Verhältnisse untereinander kann es nach der Vernunft keine andere Art geben, aus dem gesetzlosen Zustande, der lauter Krieg enthält, herauszukommen, als daß sie ebenso wie einzelne Menschen ihre wilde (gesetzlose) Freiheit aufgeben, sich zu öffentlichen Zwangsgesetzen bequemen und so einen (freilich immer wachsenden) Völkerstaat (civilitas gentium), der zuletzt alle Völker der Erde befassen würde, bilden. Da sie dieses aber nach ihrer Idee vom Völkerrecht durchaus nicht wollen, mithin, was in thesi richtig ist, in hypothesi verwerfen, so kann an die Stelle der positiven Idee einer Weltrepublik (wenn nicht alles verloren werden soll) nur das negative Surrogat eines den Krieg abwehrenden, bestehenden und sich immer ausbreitenden Bundes den Strom der rechtscheuenden, feindseligen Neigungen aufhalten, doch mit beständiger Gefahr ihres Ausbruchs (Furor impius intus – fremit horridus ore cruento.

weitere Werke:

1746 Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte
1755 Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels
1763 Der einzig mögliche Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes
1764 Untersuchung über die Deutlichkeit der Grundsätze der natürlichen Theologie und der Moral
1764 Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen
1766 Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik
1770 De mundi sensibilis atque intelligibilis forma et principiis (Inauguraldissertation)
1781 Kritik der reinen Vernunft
1783 Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können
1785 Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
1786 Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft
1787 Kritik der reinen Vernunft (zweite, wesentlich veränderte Auflage)
1788 Kritik der praktischen Vernunft
1790 Kritik der Urteilskraft
1793 Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft
1795 Zum ewigen Frieden
1797 Metaphysik der Sitten
1798 Streit der Fakultäten
1798 Anthropologie in pragmatischer Hinsicht

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Germanenherz Blog- Immanuel Kant Was ist Aufklärung?

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Immanuel Kant

Immanuel Kant   (1724-1804)

 

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Immanuel Kant 22. April 1724 † 12. Februar 1804 in Königsberg Kant war einer der bedeutendsten Philosophen.

Kant, Immanuel, geb. 22. April 1724 in Königsberg als Sohn eines Sattlermeisters, dessen Familie (früher wohl Cant) wahrscheinlich aus Schottland stammt. Er wurde streng religiös, im Geiste des Pietismus erzogen. Er besuchte 1732-1740 das Collegium Fridericianum mit bestem Erfolge und bezog dann die Königsberger Universität, wo er (1740-46) Philosophie, Mathematik, Physik und Theologie studierte und besonders von Martin Knutzen beeinflußt wurde (Bekanntschaft mit den Lehren Newtons). Von 1746 bis 1755 war Kant Hauslehrer, zuletzt im Hause des Grafen Keyserling in Bautenburg. Im Jahre 1755 habilitierte sich Kant in Königsberg, wo er über Mathematik und Physik, dann über Logik, Metaphysik, Moralphilosophie, auch über physische Geographie, Anthropologie u. a. las. Seine Vortrüge waren sehr anregend, so daß er durch sie einen großen Ruf hatte. Trotzdem und trotz seiner Arbeiten bewarb er sich mehrmals vergeblich um eine Professur, die er erst nach fünfzehnjährigem Warten, 1770 erhielt, nachdem er seit 1766 eine bescheidene Stelle als Unterbibliothekar bekleidet hatte. Infolge Altersschwäche, die immer mehr zunahm und Kant schließlich des Gedächtnisses beraubte, gab er 1796 seine Vorlesungen auf.

Unter dem neuen Ministerium Wöllner kam ihm infolge des Erscheinens seiner »Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft« (1793) eine Kabinettsordre zu (1794), welche ihm die Veröffentlichung weiterer Schriften über Religion verbot. Kant, dessen Maxime es war, nur Wahres zu sagen, aber nicht verpflichtet zu sein, alles Wahre, was man denke, auch öffentlich sagen zu müssen, unterwarf sich, ohne aber das Geringste zu widerrufen. Am 12, Februar 1804 starb Kant, der Zeit seines Lebens nicht aus dem Bannkreise von Königsberg herausgekommen war und doch von der Welt die anschaulichste Vorstellung hatte. Er wurde feierlich zu Grabe getragen und erhielt einen Denkstein, später ein Denkmal in Königsberg (von Rauch). Sein Ruhm war damals schon lange weit verbreitet, nachdem es kurze Zeit nach dem Erscheinen der »Kritik der reinen Vernunft« (1781) nicht an Zurückhaltung oder Mißverständnissen seitens der Leser gefehlt hatte. Trotzdem meinte Kant, er sei mit seinen Schriften um ein Jahrhundert zu früh gekommen, man werde sie erst nach hundert Jahren recht verstehen, sie neu studieren und gelten lassen. In der Tat ist, seit Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre des 19. Jahrhunderts, wo der Ruf »Zurück zu Kant« erscholl, der Kantsche »Kritizismus« immer mehr in den Vordergrund getreten, ja es ist eine eigene »Kantphilologie« entstanden, ferner eine eigene »Kantgesellschaft« und auch eine eigene Zeitschrift (»Kant-Studien«, herausgegeben von Vaihinger und Br. Bauch) für das Studium Kants und für Arbeiten, die im Geiste der philosophischen Kritik gehalten sind. Anläßlich des hundertjährigen Jubiläums der »Kritik der reinen Vernunft«, 1881, sind viele Schriften über Kant erschienen, ebenso gelegentlich der Feier des hundertsten Todestages Kants, 1904. Kants Charakter zeichnet sich durch größte Lauterkeit der Gesinnung, strengste Wahrhaftigkeit und Pflichttreue, die sogar bis zur Pedanterie geht, aus. Obzwar Kant das Sittliche »rigoristisch« auffaßt, den Neigungen wenig Einfluß auf das Handeln einräumt, war er doch kein »Mucker«, sondern heiter und gesellig (Freundschaft mit Hamann, Motherby, Hippel u. a.). Kant war eine tief religiöse Natur, stand aber nicht im Banne theologischer Dogmatik. In politischer Beziehung verbindet Kant einen starken Liberalismus – er sympathisierte z.B. mit der französischen Revolution – mit gewissen konservativen Tendenzen, die ihm zum Teil sein (auch in der Ethik sich äußerndes) Preußentum eingab.

Kant ist der Begründer des Kritizismus. Aber er ist nicht gleich zu diesem Standpunkte gelangt, sondern stand erst im Banne der Leibniz-Wolffschen Philosophie und ihres Rationalismus, sowie später unter dem Einflusse der Newtonschen Lehren, Lamberts, Rousseaus, Shaftesburys und des Empirismus und Skeptizismus, bis er endlich – nachdem auch Leibniz‘ »Nouveaux essais« auf ihn eingewirkt – von Hume aus dem »dogmatischen Schlummer« erweckt wurde und zum Kritizismus überging, der schon in den »Träumen eines Geistersehers« (1766) anklingt, in der Schrift »De mundi sensibilis usw.« (1770) weiter ausgebildet wird und in der »Kritik der reinen Vernunft« gipfelt. Der Kritizismus bedeutet eine Synthese von Rationalismus, Empirismus und Skeptizismus zu einem neuen, allen Momenten dieser drei Geistesrichtungen gerecht werdenden Standpunkte. Über die Entwicklung des Kantschen Denkens vgl. Vaihinger, Kommentar zu Kant I; B. Erdmann, Paulsen, Adickes, Riehl u. a.

Schriften: Gesamtausgabe von Hartenstein, 10 Bde., 1838-39: neue Ausgabe, S Bde., 1867-69; von Rosenkranz und Schubert, 12 Bde., 1838-42; von Kirchmann (Philos. Bibl.), 1868 ff., jetzt ganz neu von verschiedenen Herausgebern, endlich von der Akademie der Wissenschaften in Berlin (vollständigste Ausgabe mit den Vorlesungen zu »Reflexionen«, Briefen; noch nicht vollendet). – Vermischte Schriften, 1799. – Kleinere Schriften, 1800.

 Werke:

1746 Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte
1755 Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels
1763 Der einzig mögliche Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes
1764 Untersuchung über die Deutlichkeit der Grundsätze der natürlichen Theologie und der Moral
1764 Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen
1766 Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik
1770 De mundi sensibilis atque intelligibilis forma et principiis (Inauguraldissertation)
1781 Kritik der reinen Vernunft
1783 Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können
1785 Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
1786 Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft
1787 Kritik der reinen Vernunft (zweite, wesentlich veränderte Auflage)
1788 Kritik der praktischen Vernunft
1790 Kritik der Urteilskraft
1793 Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft
1795 Zum ewigen Frieden
1797 Metaphysik der Sitten
1798 Streit der Fakultäten
1798 Anthropologie in pragmatischer Hinsicht

Werke hier auf der Homepage:

Germanenherz Blog- Immanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft

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Germanenherz Blog – Immanuel Kant Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft (Vorrede)

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Germanenherz Blog – Immanuel Kant Zum ewigen Frieden (1795)

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pdf – 915 k  kant-kritikderreinenvernunft2 – Kritik der reinen Vernunft (1787)

pdf – 407 k  Kant-allgemeineNaturgeschichte – Allgemeine Naturgeschichte und Theorie Des Himmels

Heidnisches Europa – Midgard – Unsere Zukunft

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Politiker aller Richtungen sprechen heute oft vom gemeinsamen Haus Europa. Unsere uralten heidnischen Überlieferungen, meinen etwas ähnliches, wenn sie von Midgard sprechen. Midgard ist aber nicht nur ein „gemeinsames Haus“, Midgard ist ein „Garten der Mitte“, den die Götter uns Menschen als unsere Heimat gaben, damit wir darin friedlich zusammenleben. Midgard ist der paradiesische Garten der Menschen mit seinen Wäldern und Feldern, seinen Bergen und Tälern, seinen Flüssen und Seen.

Unsere Vorfahren, Wenden (von den Christen Slaven genannt), Germanen und Kelten besiedelten alle Landschaften Midgards und lebten in der kulturellen Vielfalt der zahlreichen Stämme friedlich nebeneinander. Erst das Eindringen intoleranter missionseifriger Ideologien und die Eroberungslust raumfremderEindringlinge brachte die althergebrachten föderativen Strukturen zum Wanken. Europa wurde für Jahrhunderte Schauplatz blutigster Verfolgungen und Kriege.

Durch den fortschreitenden Verfall der mittelalterlichen und neuzeitlichen Ideologien sowie der alten Imperialstaaten können sich Vielfalt, Toleranz und Gastfreundschaft des heidnischen Midgard-Europa wieder entwickeln.

„Zurück zu den Wurzeln“ sollte es nun heißen. Dort an einer der drei Wurzeln des Lebensbaumes, der mit seinem Stamm die ganze Welt durchwächst und in seinen Zweigen die Sterne trägt, finden wir auch den Ursprung unserer gemeinsamen Herkunft und unserer Überlieferungen. Daraus erwächst die Klarsichtigkeit für die Probleme der Gegenwart und schließlich der Ausblick auf eine Zukunft im Frieden und Wohlstand Midgards, die wir uns gemeinsam, wie Mitglieder einer Familie, schaffen können.

Die kulturell verschiedenen Regionen als Nachfolger der alten Stammesstrukturen betonen die Vielfalt der europäischen Menschen. Wendische („slavische“), germanische und keltische Elemente sollen sich entfalten und damit auch gegenseitig ergänzen können. Im politischen Bereich zeichnet sich die alte Thingdemokratie, durch das Allthing in Island oder die altgriechische Demokratie Vorbild aller modernen Demokratien und noch in einigen Kantonen der Schweiz erhalten geblieben, wieder ab. Die Beratung auf örtlicher Ebene und die Entsendung von Vertretern in Thingversammlungen immer größerer Gebiete vertreten die Anliegen der Einzelnen direkt, binden sie aber durch die verschiedenen Aussprachemöglichkeiten auch in Gemeinschaftsinteressen ein. Die innere Entfremdung der Menschen in der Parteien- und Mediendemokratie kann dabei überwunden werden.

Als Heiden treten wir für ein durch Verständnis und gegenseitige Anerkennung geprägtes Miteinander in Europa ein. Die verschiedenartigen kulturellen Regionen sollen sich in Midgard-Europa wiederfinden können, die mündigen und für ihre Zukunft verantwortlichen Menschen sollen überall vertreten sein. Der Schutz der Natur muß Vorrang vor allen anderen Interessen haben, denn in ihr und mit ihr sind wir ein Bestandteil des sich immer erneuernden Götterreiches, das uns und unseren Nachfahren auf Erden erblühen kann.

Die Erlösungslehre Schopenhauers

arturschopenhauer I N H A L T
I.       Einleitung
II.      Das Weltbild Schopenhauers

a)       Die Willenswerdung der Welt
b)       Die Intelligenzwerdung des Willens
c)       Die Losreißung des Intellekts vom Willen
d)       Die Verneinung des Willens

III.     Der Pessimismus

a)       Die erkenntnistheoretische Begründung
b)       Die metaphysische Begründung
c)       Die empirisch-psychologische Begründung
d)       Die kulturphilosophische Begründung

IV.      Die Erlösungslehre

a)       Die Willensverneinung
b)       Der Zustand der Erlösung
c)       Die Ideenschau

V.       Schopenhauer und Meister Eckhart

I.

Einleitung

Seitdem es Menschen gibt, gibt es auch ein Streben in der Menschenseele, befreit, erlöst zu sein von dem dumpfen Druck, mit dem das Leben und die Wirklichkeit auf uns lastet. Die Denkmeinung ganzer Völkergruppen, großer Kulturzentren in der Menschheitsgeschichte geht dahin, zu glauben, daß die Welt Schuld, das Dasein Sühne sei. In der Doppelnatur des Menschen, die Plato im Gleichnis der beiden Seelenrosse schildert, scheint sich dieses unselige Schicksal der Welt am sinnfälligsten auszusprechen. Der geistig-sittliche Mensch waltet frei im Reich der Gedanken und Vorstellungen, während der körperliche Mensch einer finstern Materie verhaftet ist. Unsere moralische Natur trägt uns empor in die Sphäre der Phantasie und Idee, in den blauen Äther einer lichtdurchfluteten Gestaltenwelt, wo unsere Träume und Wünsche wohnen, während der niedere Triebmensch in uns dunklen Gewalten unterworfen scheint, gekettet ist an jene Mächte, die das ewige Schicksal flechten, so daß Plato das körperliche Prinzip das Grabmal der Seele nennen konnte. Wer von uns hätte nicht unter dieser unseligen Zwiespältigkeit unserer geistigkörperlichen Doppelnatur gelitten, von dem heißen Wunsche erfüllt, diesem dunklen Sema zu entrinnen, die eisernen Ketten zu sprengen, mit denen unsere prometheische Natur an die Felsen des stofflichen Seins geschmiedet wurde? Vergebens! Je glühender das Verlangen der Seele nach erdebefreitem Schweben im reinen Licht, nach der Hilaritas des Geisterreiches, um so deutlicher spüren wir die Stäbe unseres engen Käfigs, den lastenden Druck unserer Kerkermauern. Der Jubel unserer Seele, die sich am Morgen unseres Lebenstages gläubig erheben möchte in die Unendlichkeit der Idee, zum hyperuranischen Ort des Plato, wird zum Schluchzen, zur müden Klage oder zur dumpfen Resignation. Matt, kraftlos sinkt unser Fittich zurück in die Leerheit und Öde des Irdischen. Wir kämpfen den Kampf des Alltags, wir freuen uns an Arbeit und Tat und wirken im Dienste der Menschheit. Ganz ohne höhere Freuden ist wohl das Leben nie, wie die Pessimisten uns glauben machen wollen. Aber mitunter, wenn uns ein Gruß aus der Geisterwelt erreicht, erkennen wir, daß wir unsere wahre Bestimmung verfehlt haben. Wir gewahren, daß wir Abtrünnige sind, erschlagen von einer fallenden Welt, gefesselte Titanen, die eine finstre Moira hinabgeschleudert hat von den Tischen der Götter. Kronions Saal bleibt uns unerreicht, des Erdenlebens schweres Traumbild will niemals sinken. Wahre Erlösung wird uns nie zuteil, weder durch den Heiland in uns, noch außer uns. Wir bleiben, was wir sind: beseelter Staub und Klage. Wahrhaftig: „es ist schade um die Menschen!“

Keiner unter den großen Geistesführern der Menschheit, der nicht erschüttert gestanden hätte vor diesem Schicksalsgedanken unseres Doppelseins. Was jeder Einzelne mehr oder minder deutlich in seinem Leben erfährt, die Unvereinbarkeit seiner edelsten seelischen Wünsche mit dem Schicksal, Mensch zu sein, das steigert sich in großen Naturen zu einem tragischen Erlebnis von ungeheurer Wucht, das zur eigentlichen Triebfeder ihres Denkens und Wirkens wird. Plato und Christus, Meister Eckhart und Schiller, – es ist immer der gleiche Gedanke, von dem diese Gipfel entzündet sind, das Verlangen, mit feurigen Armen eine über-sinnliche Welt zu ergreifen und sie herabzuzwingen in die Täler der Menschheit. Mit den Jahrtausenden ist der Glaube an die Möglichkeit des Gelingens blasser geworden.

Skepsis mischt sich ein in die Unternehmungen der Erlöser. Zuletzt scheint nur noch ein Pfad übrig zu bleiben, der ästhetische. Aber die Inbrunst des Strebens ist die gleiche geblieben wie in den Tagen des Areopagiten. Noch heute können wir an Nietzsche ablesen, wohin das Erlösungsstreben der Menschheit greift. Es ist gegenständlicher geworden, sozialer, wie schon unter Fichte und den Positivisten. Der Himmel soll in die Erde eintreten, ein über-menschliches Geschlecht soll das Verhängnis meistern. Nicht mehr das Jenseits soll ausgebaut werden, um dann eine Zuflucht unserer Seele zu sein, sondern das Diesseits soll befreit, gereinigt werden von den physischen, metaphysischen und moralischen Übeln des Leibniz. Die Funktion aber hat sich nicht geändert: Drang nach Befreiung unseres edleren Seelenteils von allen in die Tiefe ziehenden Gewichten. In diesem Sinne betätigt sich noch heute in der modernen Menschheit das Erlösungsstreben des Augustinischen Zeitalters. Im Rhythmus unserer Seele klingt noch immer der Schritt zur Civitas Dei, den die Christianer taten, die Stadt mit den goldenen Gassen glänzt noch immer über der grauen Öde unserer Arbeiterwohnungsviertel, im Wahn der Kommunisten wohnt die uralte Sehnsucht der Menschheit nach Himmel. Glückseligkeitsstreben ist der Hebel alles menschlichen Seins und wird es immer bleiben, trotz Kant. Um ein Fünkchen Glück summt die Maschine der Millionen, um ein Tröpfchen Genuß fließen alle Tränen, rinnt der ewige Strom des menschlichen Schweißes. Wir erfüllen unsere Pflicht nicht aus Achtung vor dem Gesetz, sondern aus Verlangen nach Glück. Wir wollen, um eines Tages nicht mehr sollen zu müssen. Wahrhaftig: Freude ist der Hebel in der großen Weltenuhr. Wem der Glaube an die Freude erloschen, dem ist auch die Kraft erloschen. Aus dem grauen Einerlei des Lebens erhebt sich sein hoffender Genius nicht mehr. Er versinkt in die Dumpfheit Marc Aurels, in die müde Entsagung der Stoa. Die Welt bleibt für ihn stehen und schreitet erst weiter, wenn die Organe der Sehnsucht wieder greifen.

Auf dem Boden dieses allgemeinen Glücksstrebens der menschlichen Natur entwickelt sich das Besondere des Erlösungsgedankens, dieses Vorrechts erlesener Geister. Für diese bedeutet Glück Befreiung von irdischer Last und Gebundenheit, phantasiemäßige Eingliederung in einen übersinnlichen Weltzusammenhang. In dieser Form ist Erlösungsstreben die grundlegende Funktion aller höher angelegten geistigen Naturen, die den stofflichen Weltdruck schwerer empfinden, stärker unter ihm leiden. Der Gegenstand dieses Strebens kann unendlich sein, seine Form ist immer dieselbe. Ebenso seine Voraussetzung: die Unfreude am Irdischen, seiner Dürre und Dunkelheit, seiner Enge und seinem Schmutz. Wer den Erlösungsgedanken in seiner reinsten Entwicklung studieren will, wird dorthin treten müssen, wo die Pessimisten wohnen, die großen Betrübten und Klagenden, deren Auge das Schicksal hat, das Unethische, Unlogische des menschlichen Daseins zu sehn, von deren Netzhaut die Bläue Homers verschwand. Sie rückte hinauf in eine höhere Welt, auf der das geistige Auge ruht. Dort wohnt Vollkommenheit, zu ihr züngeln alle Kräfte, und die Lebenseinstellung dieser redemptorisch Erhobenen gleicht der des Platonischen Sehers in der Höhle, der geblendet, nachdem er geschaut, verspottet von seinen Mitgefangenen ob seiner Blödheit, mitleidig lächelnd und belächelt auf jene Schattendinge blinzelt, an denen sich das Herz der Sterblichen erfreut.

II.

Das Weltbild Schopenhauers

Schopenhauers Lehre von der Willensverneinung übt nach wie vor einen starken Druck auf das Gemüt der Menschheit aus. Auf dem Hintergrund eines finstern und erbarmungslosen Pessimismus erhebt sich hier der bestrickende Gedanke der Erlösung in einer Form, die ihre Wirkung auf den Abendlandsmüden nicht verfehlen kann. Wer Schopenhauer mit Bedacht gelesen hat, in dessen Seele kann die Erinnerung an seine klagende Stimme niemals verlöschen, mag er auch längst sein Heil bei anderen großen Geistesführern gesucht und gefunden haben. Wie dunkel, wie trostlos ist das Schicksal dieser Welt, wie leiden diese Wesen – hoffnungslos! Und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß diese Heilslehre, wie eindringlich sie auch vorgetragen wird, eine Geburt der Verzweiflung ist. Wer aber verzweifelt, hat die Welt nicht überwunden. Gibt es jemanden unter uns, der durch Schopenhauer wirklich „erlöst“ wurde? Der bleibende Eindruck seiner Philosophie haftet an der Größe seiner Weltgedanken. Aber fraglich bleibt, ob Schopenhauers Erlösungswege für den modernen Menschen gangbar sind.

Man betrachte diese Welt! Das Urwesen, wenn es erscheint, ist schon Wille, heißer, tierhaftungestümer Drang, zu sein und zu leben, mit dem Gesetz der Selbstentzweiung behaftet, aus dem alle Qualen fließen. Schon hier eine Abkehr des Absoluten von seiner wahren Natur, ein Sündenfall, eine Entgleisung. Als eine Fehlgeburt erscheint diese Welt, als Irrweg und Abweg von einer hohen Linie. Nacht ist um uns. Auf finstrer Straße wandert der Weltwille. Er jagt dahin, gepeitscht von der Irrationalität seiner Triebe, vorwärtsstürmend nach einem Ziel, das er nicht kennt, fiebernd, aufgewühlt, mit dem verstörten Blick eines flüchtenden, angstgefolterten Tieres. Die Laterne des Intellekts flammt auf und spaltet das Dunkel. Bei ihrem magern Schein gewahrt er seine Straße, die im Abgrund des Leidens endet. Nun steht der irrende Weltwanderer vor diesem Abgrund und blickt hinunter mit dem Auge Arthur Schopenhauers. Da liegt das Leben, zwischen Zucht- und Irrenhaus, da schäumt ein Meer von Tränen, da stöhnt es herauf, die bewegliche Klage der Millionen. Ixionräder rollen. Wir sehen den Durst Tantals, hören das Brüllen der Gefolterten und das Gähnen der Gelangweilten. Welch eine Symphonie des Jammers, die da emporschlägt! Welch eine Palette düstrer Farbentöne, von der Schopenhauer malt! Ist das Leben wirklich so? Man habe den Mut, zu sagen, daß es anders sei! Der Weltwille aber wendet sich ab von diesem Tal des Grauens. Sein wildes Jagen hat ein Ende. Er wirft sein Licht umher. Es fällt auf die Idee. Von dort kommt ihm ein schwacher Schimmer. Für Augenblicke vergißt er sein Leid. Dann aber wandelt er seine Straße zurück bis zu dem Punkt, wo die Wege sich kreuzten. Langsam schreitet er nun, im Büßergewande, sich selbst verneinend, und Schopenhauer sagt uns, er sei auf dem Wege der Erlösung. Kann man es ihm glauben? Manchmal will es scheinen, als sei er liegen geblieben am Weg, irgendwo in der Schopenhauerschen Öde, ein armer Gescheiterter. Er hat den Willen verneint, aber er hat den Geist nicht bejaht. Er hat die hohe Weltlinie nicht gefunden, nur die Falschheit des gegangenen Weges ist erkannt. Aber seine Hand ruht auf dem Haupt eines Leidenden, und wenn er sich aufrichtet, gewahrt man einen Zug von Größe.

In dem Weltprozeß, der hier veranschaulicht wird, gibt es vier Stadien, getrennt durch vier metaphysische Haupt- und Grundakte. Erstens: Die Welt wird Wille und damit schuldig. Was sie vordem war, bleibt dunkel. Zweitens: Der Intellekt gesellt sich zum Willen als ein sekundäres Prinzip, die Welt wird Vorstellung. Drittens: Der Intellekt reißt sich los vom Willen und macht sich selbständig. Viertens: Der Wille verneint sich und tötet sich ab. Die Vorstellung erlischt und die Welt sinkt wieder zurück in ihr Ursein oder ins Nichts.

a) Die Willenswerdung der Welt

In diesem Viertakt der Schopenhauerwelt ist der erste Schlag, die Willenswerdung der Welt, weitaus der entscheidendste. Die übrigen drei sind eigentlich nur dazu da, ihn und seine furchtbaren Folgen wieder gut zu machen. Gleichwohl bleibt dieser erste ursprünglichste Weltakt für Schopenhauer vorphilosophisch. Sein Denken findet die Welt als Wille schon vor und erblickt im Willen das außerzeitliche und außerräumliche Urwesen, das Kantische Ding an sich. Merkwürdig genug, daß seine Spekulation über die Weltform des Willens nicht hinausschritt zu einer Substanz, einem Absoluten oder Identischen, wie es ihm bei Spinoza oder Schelling vor Augen lag. Denn Wille und Vorstellung sind schon „Attribute“ wie Ausdehnung und Denken. In einem der tiefsinnigsten Paragraphen der W. a. W. u. V. (§ 63), wo Schopenhauer von der ewigen Gerechtigkeit und vom Weltgericht handelt, ist jedoch der Gedanke entwickelt, daß die Willenswelt etwas Nichtseinsollendes sei, ein Frevel und Verbrechen, das der Wille durch ungeheure Leiden abbüßen muß. „Der Quäler und der Gequälte sind eins.“ Dieser düstre Weltmoralismus Schopenhauers, in dem uralte indisch-orphisch-platonische Weltschuldahnungen wiederaufleben, setzt also jenen ersten verhängnisvollen Urschritt im Weltrhythmus schon voraus, kraft dessen die Welt an sich, jenes finstre Nichts (§ 71), in das Schopenhauers erkennender und verneinender Wille die Welt wieder verfließen lassen möchte, erst zum Willen ward. Will man Schopenhauers Erlösungslehre, die sich hiernach als eine Wiedergutmachung, besser Wiederrückgängigmachung des Weltwerdelaufs darstellt, ganz begreifen, so darf man die ungeheure Bedeutung dieser für ihn ultra-philosophischen Weltkatastrophe nicht übersehen. Im Dämmergrau eines menschen-gedanklich nicht zu Ergründenden nur metaphorisch Andeutbaren geschah ein kosmisches Unglück, geschah ein Fehltritt, strauchelte ein Fuß. Und alles, was ist, muß büßen. Die Welt ist Schuld, das Sein ist Sühne. Unausdenklich groß erhebt sich mitunter hinter Schopenhauers Metaphysik das finstre Antlitz einer Gottheit, eines Weltenrichters, dessen drohende Nähe jedes wollende Weltglied unbewußtahnend verspürt. Griechische Moira lastet über dieser Welt, ein universelles Karma, das abzutragen ist. Schopenhauers Welt ist in erschreckender Weise „moralisch geordnet“. Nur dem Buchstaben des Systems nach ist Schopenhauer Nichttheist. „Wie sollte es (das Leben) nicht eine Schuld sein, da nach einem ewigen Gesetz der Tod darauf steht?“ (§ 63). „Könnte man allen Jammer der Welt in eine Waagschale legen und alle Schuld der Welt in die andere, so würde gewiß die Zunge einstehen.“ „Unfehlbar, fest und sicher“ ist die ewige Gerechtigkeit. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht. Hat Schopenhauers ewige Gerechtigkeit nicht eine auffallende Ähnlichkeit mit jenem „eifrigen Gott, der die Sünden der Väter heimsucht an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied?“ Daß der Begriff der Vergeltung abgelehnt wird, weil er schon die Zeit voraussetzt, ändert nichts am theistischen Grundcharakter der Weltschuldlehre. Und immer wieder möchte man fragen: was war die Welt, ehe Sie Wille wurde? Und war sie damals wohl selig?

Diese Kategorien sind vom Menschen abgelesen, wie auch die Weltform Wille. Es sind Zuerteilungen (Attribute) unseres Denkens an die Welt. Schopenhauer ist sich der derb anthropisierenden Tendenz seiner Weltausdeutung nicht in dem Maße bewußt wie andere große Metaphysiker, etwa Plotin, Spinoza, Schelling, die durch ein entanthropisierendes Denken dem Weltgrund näher zu kommen glauben, indem sie vom ἕν der Causa sui, dem Identischen reden. Mit ziemlich großer Naivität äußert sich Schopenhauer über die von ihm befolgte vermenschlichende Methode bei der Deutung des Welträtsels (§ 19, 22). „Außer dem Willen und der Vorstellung ist uns gar nichts bekannt, noch denkbar.“ Seine Weltnamengebung rühmt sich, eine „denominatio a potiori“ des Menschen zu sein, ruhend auf einem Analogieschluß vom Leib, dem einzigen Weltschlüssel, den wir besitzen. Wer aber will beweisen, daß die menschlichen Daseinsformen auch Weltformen sind? Dennoch bleibt uns kein anderer Weg, wollen wir nicht in der Blässe der Abstraktion enden. Die Welt ist ursprünglich das, was wir nach Schopenhauer zuerst und am meisten sind: Wille. Sodann das, was wir nach Schopenhauer zuletzt, aber nicht zuhöchst sind: Vorstellung. Wobei der Terminus „Welt“ jedesmal in einem anderen Sinne gebraucht ist. Denn das gefährliche Wörtchen „und“ im Titel des Schopenhauerschen Hauptwerks scheidet eine Schein-„welt“, das Vorstellungsganze, von einer echten Welt, dem bewußtseinsunabhängigen Willewesen.

b) Die Intelligenzwerdung des Willens

Dies führt uns zum zweiten, dem bedeutsamen metaphysischen Akt der Intelligenzwerdung des Willens, der bereits den ersten Schritt auf der ὁδός ἄνω [Anm. der VS Red.: Ersteigung] der Welt, dem Aristotelisch-Schopenhauerschen δεύτερος πλοῦς [Seefahrt/Reise] (reparatio, Wiedergutmachung, Richtigstellung) bedeutet. Wille ist Sturz, Intellekt beginnende Erhebung, Neuorientierung und Vorbereitung künftiger Befreiungs- und Erlösungsakte. Man kann die metaphysische Szenerie, in die uns Schopenhauer stellt, nicht besser begreifen als unter diesem teleologischen Gesichtspunkt, so plan- und ziellos nach dem Buchstaben des Systems das Schopenhauersche Weltgeschehen auch sei. Der Wille zündet sich eine Fackel an, um seinen Weg zu beleuchten. Er rüstet sich einen Fühler, ein Sehorgan, eine μηχανή [Ordnung] (§ 27), kraft deren er zur Einsicht in die tragische Struktur des Weltganzen gelangt. Daß Schopenhauer damit seinen Alogismus, den Haupt- und Grundpfeiler des ganzen Systems, umstößt, ist eine Sache für sich und eine der interessantesten Inkonsequenzen seiner an Widersprüchen so reichen Philosophie (Widersprüche sind keine Einwände gegen ein System). Scheint doch der Weltwille im höchsten Grade zweckmäßig und also logisch zu verfahren bei der Schaffung dieser μηχανή. Ja, er beweist eine Findigkeit, Umsicht und Genialität, die dem Konstruktionstalent des okkasionalistisch-Leibnizischen Weltbaumeisters alle Ehre gemacht haben würde. Der Alogismus, die untermenschliche, geradezu theriomorphe Fassung des Welturgrunds ist die eigentliche Crux des Systems. Nur in der notgedrungenen Absage an diese Grundthese vollzieht sich hier der Aufbau der Metaphysik. Der Urwille hätte füglich auch weniger tierhaftblind, vielmehr ursprünglich geistdurchlagert gefaßt werden können. Doch sei dem, wie ihm wolle: wir sehen nun den gelähmten Sehenden auf den Schultern des gehenden Blinden daherkommen, und es entsteht so auf Grund einer dualistischen Anthropologie und unter Preisgabe der Totalität unseres Menschentums ein eigenartiges Doppelwesen, in dem der Willensmensch metasisch-sekundär ist. Der Wille bleibt das physisch-primär, der Verstandesmensch phy Zentrum. Zu ihm gesellt sich ein Trabant, der metaphysisch ein untergeordnetes Prinzip darstellen soll, in der Tat aber kraft seiner sehenden Natur sehr bald die Vorherrschaft an sich reißt. Der Diener wird zum Führer und Herrn. Mit dem Alogismus der Willenslehre ist zugleich der Voluntarismus selbst preisgegeben, bez. durch einen nicht hinwegzuleugnenden Intellektualismus durchlöchert, der im dritten Weltakt, der Losreißung des Intellekts vom Willensgrunde weit schärfer noch hervortritt. So geht ein Riß durch die Schopenhauerwelt, der nur darum so groß ist, weil der Urwille so tierhaft-blind angenommen wurde. Und doch liegt in diesem Auseinanderklaffen der beiden Schopenhauerschen Weltgedanken die Vorbedingung für den ganzen künftigen Erlösungsapparat. Geist ist keine Sünde. Wer das Weltwesen urhaft-geistgeführt auffaßt, kann dem Weltschuldgedanken niemals eine ähnliche Wucht verleihen, wie er sie im Denken und Fühlen einer am Sein so schwer leidenden Individualität notwendig erlangen mußte. Das Streben einer überreif gewordenen Zeitseele ballt sich in dieser Individualität zusammen. Ein Müdigkeitssymptom scheint aus der Tiefe des deutschen Geistes hervorzubrechen, der durch Dezennien hindurch äußerste Energiemassen geschleudert. Letzte, höchste Ausflüchte werden gesucht, wie übrigens auch bei Schelling (1809), nachdem alle ethischen und ästhetischen Idealismen der Zeit, aller Glaube und alle Tat der klassischen deutschen Geistesführer sich als nicht restlos befriedigend erwiesen haben. Heiland Geist kommt nun, die „zweite Fahrt“ zu inaugurieren und die verirrte Welt zu retten. Er wird sie wieder zurückführen ins Ur. Mag sie dann von neuem entspringen und etwas Edleres werden als jenes fluchbeladene, brutal und schamlos ins Dasein sich stürzende Willensungeheuer. Oder mag sie besser ewig ungeboren bleiben (§ 63), dem Rat des Inders folgend: „non adsumes iterum existentiam apparentem“. Die Welt ist Schuld, das Sein ist Sühne.

c) Die Losreißung des Intellekts vom Willen

Verfolgt man den Fluß des Schopenhauerschen Weltgeschehens weiter, so erscheint als dritter Akt die Losreißung des Intellekts vom Willen und seine Selbständigmachung. Dazu ist erforderlich eine radikale innere Umformung des Subjekts der Erkenntnis. Der vollkommenen Entvoluntarisierung unseres Intellekts wird vorgearbeitet durch eine Entindividualisierung des Erkenntnissubjekts. Die Symbiose von Wille und Intellekt wird aufgelöst durch Befreiung des Subjekts vom „principium individuationis“ (§ 33). Als Individualität unterliegt unsere Erkenntnisfunktion dem „Satz vom Grunde“ und gelangt nicht zur Erkenntnis der Idee. Es gilt nun, „klares Weltauge“ zu werden, sich zu retten aus der individuellen Schranke ins reine, zeitlose Erkennen, in die Subjektität, die sich in „ruhiger Kontemplation“ zum klaren Spiegel des Gegenstandes macht (§ 34), sich an die Idee gleichsam hingibt, in sie „verliert“. Nicht nur das individuelle Subjekt, das Subjekt überhaupt scheint aufgegeben in dieser „rein objektiven Betrachtung“ (§ 47). Eine Art Entsubjektivierung erscheint als innerster Kern der Entindividualisierung und damit Entvoluntarisierung.

Wir sehen hier das Weltwesen seinem Höhepunkt zueilen. Seine Blindheit ist geschwunden. Durch eine trübe Dunst- und Wolkenschicht bricht es empor in den reinen Äther des Gedankens. Hier ist Seligkeit und Erlösung. Der Glanz der Ideenwelt liegt ausgebreitet da, Schopenhauers Welt beginnt endlich zu leuchten. Wäre er doch hier stehen geblieben, auf dieser Platonischen Anhöhe, mit dem Blick auf die ewigen Gipfel der Welt, statt sich gleich darauf hinabzuwenden in das finstre Tal der Askese. Eigentlich ist hier der Wille schon verneint und Schopenhauers Philosophie vollendet. Reine Geistigkeit ist die einzig mögliche „Verneinung“, d. h. Unwirksammachung des rohen Willensdranges und der ihn begleitenden Qual. Der Wille hat sich verwandelt in den Geist. Er „will“ nun in der Form des Gedankens. Er ist klassisch geworden. Allein dies ist Schopenhauers Meinung nicht. Eine solche Transformierung von Wille in Intellekt liegt nicht in seinem der Entwicklung feindlichen Sinne. Der Wille bleibt für ihn, was er war, wahres und rechtmäßiges Sein, zu dem sich der Geist als ein Trabant hinzugesellt, um sich in einem bestimmten Augenblick von seinem Mutterboden loszureißen. Eigentlich müßte er bei dieser Zerreißung der Nabelschnur, die ihn mit dem wahren Sein verbindet, in Nichts zusammensinken, fortgerissen vom Strudel des Systems, das reich ist an Katarakten. Das geschieht aber nicht. Im Gegenteil: der Intellekt konstituiert sich als neues metaphysisches Urprinzip. Schelling wächst durch Schopenhauer hindurch. Weitwille und Weltgeist, Vater und Sohn ringen miteinander um den Thron wie Kronos und Uranos, und Schopenhauers Sympathie gilt deutlich dem Usurpator. Geringschätzig blickt er im dritten Buch auf den Willen herab, dieses trübende, störende Prinzip. Dennoch bleibt ihm die Welt in ihrem Kern Wille, blindes, vernunftloses Drängen nach unbekannten Zielen. Und Vorstellung ist Schein, Schleier der Maja. Intellektualist ist Schopenhauer nur im dritten Buch, und scheinbar nur wider Willen, unter der Suggestion des Platonismus. Und auch hier ist ihm bewußter Geist niemals Weltzweck wie bei Hegel, sondern eine Art Nebenerfolg. Der Wille bedarf seiner als Mittel zur Umkehr. Weltwende durch den Geist! Hier liegen die großen Fragen der Schopenhauerschen Metaphysik, die er unbeantwortet gelassen. Ist der Geist Weltziel oder nur Nebenblüte, an deren Duft wir uns für Augenblicke berauschen? oder gar nur Mittel zum Zweck? Das tief Beunruhigende des Schopenhauerschen Systems liegt in der schroffen Beantwortung dieser Fragen nach der Seite des Irrationalen hin. Sollte er vielleicht recht haben?

d) Die Verneinung des Willens

Weltwende durch den Geist! Der Schlußakt der Schopenhauerschen Welt ist die Selbstaufhebung des Urwesens durch Verneinung des Willens. Die Welt macht sich wieder ungeschehen. Sie wurde Geist, um zu erkennen, daß sie niemals hätte Wille werden sollen. Es heißt nun umkehren und womöglich in eine glücklichere Straße einbiegen, besser aber das kosmische Sansara, den Kreislauf von Weltgeburt und Welttod für immer zu enden. „Schon lange Zeit bist du im Leben und im Tode da; jetzt aber sollst du aufhören, zu tragen und zu schleppen. Nur diesmal noch, o Kantakana, trage mich von hinnen!“

Konkret gedacht (§ 68): wenn die Maxime der Keuschheit, dieser radikalste Akt der Willensverneinung, epidemisch würde, was nicht zu befürchten ist, dann würde das Menschengeschlecht aussterben. Damit schwände auch die übrige Welt dahin. „Kein Wille, keine Vorstellung, keine Welt!“ Von einer Opfertat des Menschen hat also die Natur und auch die Tierwelt ihre Erlösung zu erwarten, „ohne Subjekt kein Objekt“ (§ 68). Diese Schlußfolgerung ist echt Schopenhauerisch. Nun hängt die ganze Welt, die doch Wille ist, wieder am Subjekt. Vogelstraußpolitik! Mortifiziere dein Individuum und die Welt erlischt mitsamt deiner Vorstellung! Eben war sie noch Wille, jenseits von der Objekt-Subjekt-Lüge, intuitiv und unabhängig vom Satz des Grundes erschlossen durch ein unmittelbares Innewerden des Weltwillewesens im Leib. Wie kann sie da untergehen, „mit allen Sonnen und Milchstraßen“, bloß weil des Menschen Auge sich zutat? Die Sonne wäre nicht, wenn mein Auge sie nicht sähe, sagt Schopenhauer. Dein Auge wäre nicht, wenn die Sonne es nicht sähe (gebildet hätte), antwortet ihm Goethe. Es ist zwecklos zu leugnen, daß das System hier in einer Farce endet. Ein metaphysischer Taschenspieler operiert bald mit der Vorstellungswelt, bald mit der Willenswelt, und was Schopenhauer an Unritterlichkeiten gegen den Materialismus auf dem Herzen hat, jene ganze Münchhausiade, trifft allererst ihn selbst. Im weichen Brei des Gehirns hängt die Weltlüge. Und diese Welt ist wieder die physische Basis des Intellekts. Die Großartigkeiten der Schopenhauerschen Philosophie liegen jedenfalls nicht im technischen Aufbau des Systems, das sich an Plötzlichkeiten überbietet und schon durch die im Und des Titels ausgedrückte Doppelheit der Weltprinzipe in Selbstentzweiung sich begibt. Kein Zweifel, daß dieser Dualismus Plan und Absicht ist, so sehr er dem voluntaristischen Monismus widerstreitet. Das System endet dort, wo es anfing. Ein Ring schließt sich. Also hat es die Wahrheit. Wenn wir den Kreis durchmessen haben, stehen wir wieder dort, wo wir in ihn eintraten, beim theoretischen Idealismus, über den sich Goethe ärgerte. Und was ergibt sich? Die Weisheit Platos und der Inder, mit Kant zusammengelegt, diese Weisheit vom Weltschein wird zerdrückt durch die ungeheure Wucht der Schopenhauerschen Willensrealität. Mit diesem ens realissimum den Schleier der Maja zu vermählen, ein so zartes, duftiges Gebilde, ist doch eine ungeheuerliche Derbheit. Kant ließ das Ding an sich im Dunkeln liegen, aller Glanz seiner Philosophie sammelte sich auf dem Subjekt und der sittlichen Tat. Plato hinwiederum ließ das Subjekt im Dunkeln liegen, aller Glanz seiner Philosophie sammelte sich auf dem Objekt, der Idee. Schopenhauer will Plato und Kant zugleich. Wenn die Welt Wille ist, der sich in Ideen objektiviert, kann sie nicht zugleich Vorstellungstrug sein, der durch Willensverneinung entfernbar ist. Oder es gibt doch „hölzerne Eisen“!

Seien wir gerecht. Schopenhauers „Willensverneinung“ ist ein ethisches, kein metaphysisches Phänomen. Sie vollzieht sich in der sittlichen Sphäre der Menschenbrust, nicht draußen in der großen Natur. Der Mensch ist nicht das All. Wenn er nicht mehr mit-„will“, so ändert sich wenig am Weltwollen. Mortifizierte sich das gesamte Menschengeschlecht, die Geschlechter der Sterne blieben unberührt. Welch ein Gott ist doch der Mensch Schopenhauers! Diese Lehre schillert anthropotheistisch. Im Banne theoretisch-idealistischer Denkgewohnheiten der Zeit überschätzt sie Menschenkraft. Nur sich selbst kann der Mensch erlösen, niemals die Welt. Der ewige Schoß, aus dem wir stiegen, ist durch das Wegwischen einer Vorstellung von unserm Auge nicht zu beseitigen. Selbst die Verneinung des Einzelwillens ist mehr Wunsch als Möglichkeit. Wenn Selbstmord von Schopenhauer geradezu Bejahung des Willens zum Leben genannt und als solcher verurteilt werden konnte, um wie viel mehr die Askese, dieser langsame, tausendfache Selbstmord! Im vierten Buch sind wir schlecht beraten. Der rechte Weg war im dritten gewiesen: Ideenerkenntnis, Läuterung unseres Willens ins Reingeistige empor. Dort schimmert das große Licht der Akademie! Dort ist Sehertum, Heiligkeit, Erlösung. Die metaphysische Bedeutung des Menschen liegt in seiner Geist-, nicht in seiner Willensnatur. Als Geistwesen erfüllt er den Weltsinn, den Tag des Geistes zu feiern ist er berufen und die Welt in ihm. Er bejahe den Weltwillen in der Form des Geistes und vollziehe damit einen δεύτερος πλοῦς [Aufstieg] nach oben. Willensverneinung ist schimpfliche Niederlage durch Waffenstreckung. Es steht nicht in unserer Macht, die Welt ungeschehen zu mache es steht aber vielleicht in unserer Macht, sie zu vollenden durch die geistige Tat. Schopenhauer betrügt den Menschen um seine wahre sittliche Größe. Er ist nicht der rechtmäßige Thronerbe Kants.

So folgen einander die vier Weltakte Schopenhauers. Der psychologische Moment des Systems liegt in Punkt drei. Hier teilen sich die Wege. Ein idealer Schopenhauer könnte gelehrt haben: Bejahung des Willens in der Form des Geistes. Der wirkliche lehrt statt dessen Verneinung und Selbstaufhebung des Willens. Es ist falsch, wenn Deußen gegen Nietzsche einwendet (Schop. Jahrb., Bd. III, Vorrede), seine Veredelung der Bejahung stimme der Sache nach mit dem überein, was Schopenhauer Verneinung des Willens nennt. Das „Nein“ Schopenhauers ist unbedingt. Es gilt ganz unmetaphorisch dem Willensprinzip mit allen seinen Folgeerscheinungen, gerade auch der Vorstellung, an der die Welt hängt. Die Welt ist erst vernichtet, wenn der Geist tot ist. Alles, was besteht, ist wert, daß es zugrunde geht. Das ist doch der Sinn dieser Lehre. Wozu also in Schopenhauer hineindeuten, was gar nicht in ihm liegt? Hinweg mit dieser Welt, sagt er. Er sagt es auf allen Blättern seines Buches. Es gibt nur eine Rettung: Wiedervernichtung des Gewordenen. Fürwahr: eine Philosophie der Verzweiflung, ein grimmiges Zerschlagen des Topfes, weil er einen Sprung hat.

Entzwei, entzwei!
Da liegt der Brei!

Man kann an Mephistopheles-Schopenhauer lernen, warum Fichtes Wissenschaftslehre der Zeit als Atheismus erschien. Theoretischer Idealismus ist ungoethisch. Die Geister, die damals am höchsten drangen, haben das Unerforschliche, aus dem wir stammen, am tiefsten verehrt. Schopenhauer verehrt nicht. Mitunter überrieseln ihn Schauer. Aber in seinem Realen kann unsere Seele nicht ruhn. Trotz alles Liebäugeins mit dem Christentum, trotz aller Legende und Mystik ist Schopenhauer weniger religiös als der große „Heide“ von Weimar.

III. Der Pessimismus

Diese Lebensanschauung hat für viele, die die Last der Verantwortung des menschlichen Seins nicht zu tragen vermögen, geradezu etwas Tröstliches. Solamen miserum! Die Welt ist so schlecht, als sie nur sein kann, das Dasein eine Höllenfahrt. Als Dante die Hölle malen wollte, fand er Farben im Überfluß. Das Leben bot sie ihm. Für den Himmel blieb nur ein mattes Rosa übrig. Nun sinken unsere Ansprüche auf ein Mindestmaß. Wir haben nichts zu verlieren. Was uns das Leben dennoch gibt, wird als unverhofftes Plus gewertet. Ruhiger erheben wir uns, gefaßter und belehrt, nachdem wir mit Schopenhauer zur Hefe der Welt hinabstiegen. Dieser Pessimismus ist weniger niederdrückend, als man denkt. Er legt uns weniger Verpflichtungen auf als die entgegengesetzte Lebensansicht. Er nimmt eine Last von uns und versenkt sie in den Weltgrund. Wir sind nicht schuld, daß wir nicht glücklicher leben. Die Welt ist schuld. Andere sind genau so gequält. Mancher atmet erleichtert auf, wenn er mit Schopenhauer den Gang durch die Zuchthäuser und Sklavenställe, Folterkammern und Lazarette vollendet hat. Er sagt sich wohl: ganz so schlimm ist es nicht, wie Schopenhauer mich glauben machen will. Das Leben bietet doch auch seine kleinen Freuden. Aber man tut gut, nicht allzuviel von ihm zu erhoffen. Im ganzen gilt auch hier: „Nichts Bessres weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen     .

Die Gefahren dieser Weltanschauung liegen tiefer. Wo sich sonst im deutschen Idealismus pessimistische Betrachtungen hervorwagen, im Anschluß an Rousseau, an Kant, da dient diese Denkweise nur als Sprungbrett für eine Emporbewegung unseres Gemüts in eine lichte Welt der sittlichen Werte und des Ideals. An die absolute Unverbesserlichkeit des Menschenwesens glaubt außer Schopenhauer eigentlich nur Hölderlin. Aber auch hier ist die Wirkung des Pessimismus kompensiert durch den süßen Lyrismus der Trauer, der überall eine bessere Welt ahnen läßt. Für Schopenhauers Weltbetrachtung gibt es keine mildernden Umstände. Sein Pessimismus ist ebenso radikal wie universell. Und vor allem fehlen ihm die positiven Korrelate: Das Kantische „Dennoch“, das Fichtesche „Gerade Weil“, das Schillersche „Ewigklar“. Seine Erlösungslehre fließt nicht aus einem Siegergefühl: Tod, wo ist dein Stachel! Sie ruht nicht auf Kant-Fichtescher Kampfesfreude, sondern auf dem Gedanken des Nachgebens, der dumpfen Resignation.

Ihr führt ins Leben uns hinein,
Ihr laßt – – –

Welch’ eine trübe, graue, trostlose Welt!

Wie kann man sich längere Zeit in ihr aufhalten, ohne laut zu protestieren! Wie kann man sich gar in ihr wohlfühlen! Man muß schon alt und müde, man muß innerlich gebrochen sein, um an Schopenhauer zu glauben, falls man ihn wirklich ernst nimmt und nicht nur mit ihm spielt. Wir sind aber nicht alt und müde. Niemals, zu keiner Zeit der bisherigen Menschengeschichte war unser Wesen so sehr Jugend und Kraft wie heute. Niemals war unser Wollen zur Erdverbesserung und Menschheitserhöhung so groß wie im Jahrhundert Nietzsches. Schopenhauer fällt mit seinem Unglauben gänzlich aus der Geisteslage der deutschen Idealisten heraus. Kein Wunder, daß sie ihn „in ihrer Gilde nicht passieren“ ließen! Der geschlossene Ring dieser durchaus nicht gedankenlosen Weltgläubigen konnte den Fremdkörper, diesen trübseligen Gast vom Ganges, in seiner Mitte nicht dulden. Dennoch greifen die großen deutschidealistischen Denkrichtungen einschneidend in Schopenhauers Gedankenwelt hinein. Er ist mit ihnen überall so innig verflochten, in der Erkenntnislehre mit Kant, in der Metaphysik mit Fichte und Schelling, in der Ästhetik mit Winckelmann und Schiller, daß man ihn nicht herauslösen kann. Das Bild des deutschen Idealismus wäre unvollkommen, wenn der einzige Schopenhauer fehlte. Er bildet in ihm den tiefbeschatteten Hintergrund, von dem sich der Menschheitsglaube der Schiller und Fichte nur um so leuchtender abhebt. Und heimlich, bei Nacht, wie Nicodemus zum Herrn, wird man doch zu Schopenhauer gehen. Über seinen feierlichen Ernst kann niemand hinweg. Schopenhauer ist unser Problem.

Man kann die Erlösungslehre Schopenhauers nach ihrem Wert und Unwert erst dann voll ermessen, wenn man sich die Gründe und Gegengründe für seine Unzufriedenheit mit der Welt, von der er uns erlösen möchte, vollständig vor Augen geführt hat. Dieser Pessimismus argumentiert ebensogern erkenntnistheoretisch wie metaphysisch, psychologisch wie moralisch und kulturphilosophisch. Er läßt sich keine der Betrachtungsweisen entgehen, die irgend einen Ertrag versprechen für die Wahl des nun einmal gewollten negativen Standpunkts gegenüber der Welt, und übersieht – man möchte fast sagen: mit einer Gewissenhaftigkeit, die einer besseren Sache würdig gewesen wäre, alles, was doch auch für diese Welt spricht. Nirgends ist wie bei Leibniz, diesem freilich nach der andern Seite hin befangenen Weltenrichter, der Grundsatz befolgt: audiatur et altera pars. Wo gelegentlich einmal ein Vertreter der Kosmosidee zu Worte kommt (Hegel), wird er mit Hohn Übergossen, seine Denkweise als schlechthin ruchlos gebrandmarkt. Eine solche Voreingenommenheit, eine solche Leidenschaftlichkeit der Stellungnahme muß bei jedem Einsichtigen die Wirkung der Schopenhauerschen Argumente, so stark sie sind, gefährden. Wer trotzdem an sie glaubt, ohne daraus die Konsequenzen der Schopenhauerschen Heilslehre zu ziehen, widerlegt den Pessimismus durch die Tat. Und berechtigt ist die Frage nach der Zahl derer, die durch Schopenhauer wirklich „erlöst“ worden sind.

a) Die erkenntnistheoretische Begründung

Der Pessimismus Schopenhauers beginnt auf der ersten Seite des Hauptwerks. Der Satz: „Die Welt ist meine Vorstellung“ enthält bereits ein negatives Werturteil. Diese Welt ist ein Nichts, ein Bestand- und Wesenloses, eine Täuschung und Lüge. In einer Fiber unseres Hirns zuckt diese Welt, flimmern diese Milchstraßen. Sie erlöschen mit dem Willen zum Sein. Es ist irreführend, von einer Zweiweltentheorie bei Schopenhauer zu sprechen. Die Willenswelt als die eigentlich seiende ist mit der Vorstellungswelt oder Weltvorstellung ontologisch nicht gleichzusetzen. Idealität ist kein Sein. So wird der Agnostizismus, der die phänomenalistische Denkweise Kants begleitet, zu einem Nihilismus, der mit dem natürlichen Welterleben in einen unvereinbaren Gegensatz tritt und jedem, der sich in seinen Zauber einwebt, das pessimistische Dogma vom Unwert der Welt ins Gemüt hämmert. Wir leben in einer Traumwelt (§ 5), und wer träumt, schauert. Angst umfängt ihn, ein metaphysischer Zwang, Wollen und Doch-nicht-können. Traum ist immer Qual, läßt immer einen wehen Rest in der Seele zurück, ein Unerfülltes und also Schmerz. Und so ist auch der Welttraum Schmerz. Der Phänomenalismus, von Kant streng sachlich vorgetragen, wird unter den Händen Schopenhauers zu einem mit moralischen Gesichtspunkten durchtränkten Illusionismus, zu einer ethisch abzweckenden Wahn- und Täuschungslehre von der Welt. Dieser Zug ist das einzige wirkliche Band zwischen Kant und Schopenhauer, zwei sonst wesensunverwandten Naturen. Kant ist Wille zum sittlich verklärten Dasein, Schopenhauer Wille zum sittlich verklärten Tod. Hier sittlicher Kampfesmut bis zur Übermenschlichkeit, dort Niederbruch, Lässigkeit, Ruhenwollen. Wir schlafen und träumen diese Dinge, die um uns gaukeln. In unserm Ohr hallen Stimmen, die wir gehört, in unserm Auge geistern Lichter, die wir gesehen. Alles platonische Eidola, Spuk, flüchtig, wesenlos. Gewaltig ist der Zauber dieser Denkweise auf ein mit sich zerfallenes Gemüt (II, § 1). Er stimmt trüb und todestraurig und erhöht uns innerlich wie alle Trauer. Er zwingt uns, von der Straße der Menschen zu gehen und zu büßen. In der Tat: es waltet ethisch eine Konsequenz in diesem System von der ersten bis zur letzten Zeile. Es ist dieselbe Konsequenz, die sich im Buddhismus, Platonismus und Christianismus findet, von Schopenhauer aus Kant gezogen. Die Welt ist Schein. Fliehe sie.

Dazu kommt die Fiktion von der Unkraft des Geistes. Auch die Funktion ist mangelhaft wie das Produkt. Nicht der Intellekt führt zur Weitergründung, sondern ein intuitives Innewerden des Weltkerns in unserm Leibwesen. Wir steigen senkrecht nach unten, aus dem Geist gleichsam heraus, und ergreifen hier trans- nein ciskategorial das Weltgeheimnis in unserm unmittelbaren Selbsterleben als Daseinswille. Unser theoretisches Vermögen leistet das nicht. Es gibt nur Gebildertes, die Subjekt-Objekt-Lüge, den transzendentalen Schein. Dennoch, in seltsamem Widerspruch zu dieser skeptischen Einschätzung der menschlichen Verstandeskräfte, erhebt sich aus dem Geist die Erkenntnis der Idee, erhebt sich aus dem Geist die entscheidende Willensweltwende. Ja, so müssen wir fragen, kann denn jenes intuitive Erfassen des Weltgrunds in der mystischen Tiefe unseres Innern ohne Vorstellung geschehen? Gibt es überhaupt ein akategoriales Erkennen? Auch Schelling suchte danach. Ist der Mensch nicht eins? Wer die Welt als Wille begreift, erkennt sie und zwar, wie mir scheint, recht genau. Er erkennt das Ding an sich und der ganze Phänomenalismus fällt in sich zusammen. Lassen wir uns nichts vortäuschen. Es gibt keine geheimen, unterirdischen Erkenntnisgänge. Niemand kann um sein Auge herumsehen. Auch der intuitive Erkenntnisweg führt über die Brücke der Kategorie. Und die Welt ist unter dem Tisch nichts anderes als oberhalb. Mögen unsere Erkenntnisformen subjektiv umbilden, auch die Bewußtseinsformen sind Weltformen und mit diesen verwandt. Eadem sunt omnia semper, spricht Lukrez. Sollte nicht auch hier das „Tat twam asi“ des Brahmanismus gelten? Niemals hätte sich Raumanschauung in uns entwickelt, gäbe es nicht objektive Raumform in der Welt. Die Sonne hat unser Auge sonnenhaft gemacht, sagt Goethe, der Harmonist. Er sagt es gegen Kant, Fichte und Schopenhauer.

Der indisierte Kant, den uns Schopenhauer vormalt, ist jedenfalls nicht der echte. Aller extreme theoretische Idealismus, so interessant und unwiderleglich er erscheinen mag, bedeutet Verirrung und Verbildung, eine Krankheitserscheinung des philosophischen Denkens, die regelmäßig dann auftritt, wenn geistige Kulturen ins Stadium der Hochreife treten. Dann bereitet er theoretisch die Weltfluchtpanacee vor. Wo immer der theoretische Idealismus in der Geschichte erscheint, ist ein Erlöser in der Nähe. Schopenhauer spielt für den deutschen Idealismus dieselbe Rolle, wie Buddha für den Brahmanismus, Christus für den Platonismus. Paßt aber eine solche pessimistische Weltscheinphilosophie für uns Heutigen? Kann sie uns helfen, fördern, uns gar erlösen? Seien wir aufrichtig! Sie ist ein Spiel mit geschichtlichen Vergangenheiten. Unser Heil ruht in der Tat, die Welt ist Wahrheit. Aber bauen wir getrost eine zweite ideale Welt über der ersten und leben wir in beiden. Die eine ist wirklich, und die andere noch wirklicher.


b) Die metaphysische Begründung

Erkenntnistheoretische und metaphysische Gedankengänge sind bei Schopenhauer nicht scharf getrennt. Die Lehre von der Nichtigkeit der Erscheinungswelt enthält schon eine metaphysische Ableitung des Pessimismus, dieser gefühlsmäßigen Überzeugtheit vom Unwert alles Seienden. Nun aber die Willenslehre! Wir erkennen mit Schopenhauer die Welt als rohen, sinnlosen Drang, wie er jedem in der Geschlechtsliebe, in der Todesfurcht entgegentritt, als Hunger und Durst (trishna), von Qualen begleitet, als wildes, von inneren Entzweiungen zerrissenes Triebwesen. Wir hören dieses Weltgierwesen stöhnen in unersättlichem Verlangen, wir sehen, wie es sich in Qualen windet. Es ist unselig, ewig getrieben und niemals der Erfüllung sich nähernd, immer genarrt durch Bilder von Glück. Eine Schuld büßt es ab, die Schuld geboren zu sein. Da gibt es nur eine Rettung: die Weltkraft freien Willens wieder verlöschen zu lassen ins öde Ur.

Man möchte Schopenhauer fragen: wie kam denn Schönheit in die Welt? Oder das Licht, das er selbst das erfreulichste aller Dinge nennt? Oder die Farben, über die er geschrieben? Warum verschweigt er uns eine ganze Gruppe von Welttatsachen, die auf einen edleren, ja lieblicheren Weltgrund schließen lassen? Mit Grausen wende ich mich hinweg von Schopenhauers Welt-Animal, diesem gierigen Wolf. Mit demselben Recht könnte man sagen: die Welt ist Liebe, Mutterschoß, der die Wesen in die Sonne rief und in die Seligkeit des Lichts. Plato glaubte an das Weltgute, die katholische Kirche des Mittelalters an das Weltliebliche, verkörpert im hohen Bilde der Mutter Gottes, Goethe an die lebendige Gottmutter Natur. Gewiß: diese Wesen, die die unendliche Hand von sich ließ, leiden. Sie welken und sterben dahin. Aber gibt es eins, das nicht auch gejubelt hätte im Licht? Man muß schon das harte, grimmige Auge Schopenhauers haben, mit seinen verstopften Ohren in die Welt lauschen, um die Äußerungen des Weltlieblichen so gänzlich zu übersehen: die stille Pracht der entfalteten Blume, den Vogel, der zum Neste trägt, die Schönheit apollinischer Menschenbildung. Wir stehen, wenn wir beobachten, in der Mitte zwischen Weltfreude und Weltgrauen. Es ist Sache der Überredungskunst, uns die eine oder die andere Seite der Welt als ihre wesentliche erscheinen zu lassen. Schopenhauers Lied an die Trauer übt eine mächtige Suggestion aus. Sein tiefer, heiliger Ernst, die Zahl und Wucht seiner Argumente überwältigt. Man wage es aber, mit derselben Subjektivität, mit der er die Welt ausdeutet, ihm ihre Lichtseiten entgegenzuhalten, den Jubel der Kreatur, wenn sie den Frühling feiert, das Lied an die Freude. Sucht man dann die gerechte Mitte zwischen der Tages- und der Nachtansicht, so hört man vielleicht auf, interessant zu sein. Aber man hat die Wahrheit.

Wer sich mit reingestimmter Seele hinunterdenkt ins Herz der Welt, der muß erkennen, daß Schopenhauers Weltschatten in seinem eigenen Innern lagern. Der Himmel ist rein, von unendlicher Bläue, ein leuchtender Vater, zu dem Ganymed emporsteigt. Alliebe ist sein Grund. Schopenhauer war stolz darauf, daß Goethe ihn las. Aber von der Paradieseshelle, in der die Goethesche Welt erstrahlt, führen keine Wege zu der tiefen schauervollen Nacht Schopenhauers. Goethe, der den Begriff der Erlösung fast gar nicht kennt, war erlöster als der große Erlösungslehrer Schopenhauer. Wenn wir mit Faust-Goethe im 2. Teil erwachen, des Lebens Pulse frisch-lebendig schlagen, der Wald von tausendstimmigem Leben ertönt, tun wir da einen weniger tiefen Blick in die Welt? Diese Welt ist epikurisch-heiter. Auch Faust fühlt den Kern der Welt, „das kräftige Beschließen“. Aber sein Sinn ist richtiger gedeutet: „zum höchsten Dasein immerfort zu streben“. Die Welt ist Wille zum Geist. Licht ist ihr Gipfel, Erkenntnis und Liebe. Und Verharren auf der seligen Höhe, bis der Tod uns ruft. Wer will den Jubel leugnen, mit dem sich die Kreatur in die Sonne stürzt! Wer will uns belügen mit dem Acheron, mit der grauen Weltschuldmythe! Ein schlechter Rat, den man uns gibt, uns abzukehren vom höchsten Weltsein, dem wissenden Geist. Nur der Weisheit vorletzter Schluß liegt bei Schopenhauer.

Und doch sind Tausende von ihm gepackt, erschüttert durch den Anblick seiner Welttragödie. Wir leben in einer Zeit, wo es an philosophischer Kultur gebricht. Wenige, ganz wenige haben heute noch lebendiges Gefühl für die letzten Dinge. Da fasziniert die schauerliche Größe der Schopenhauerwelt, während die Hegelsche, freilich weniger anschauliche, unpopulär bleibt. Es ist so leicht, nein zu sagen, zu verurteilen. Geringschätzig blickt man auf den Weltgläubigen. Ein theistischer Atavismus spukt in ihm. O nein, eine ewige Wahrheit, die auch die Theisten innehatten, redet in ihm wie in der ganzen Natur. Durch die Schönheit, die glänzendste aller Ideen, ließ Plato sie leuchten. Sie spricht auch zu dem Blöden, hat er sein Herz nur nicht verfinstert. Eine schöne Linie, ein Kinderauge, die Madonna des Luca della Robbia könnte uns davon überzeugen, daß der Kern der Welt ein Lächeln ist. Pessimismus ist Gesichtswinkel, individuelle Disposition, nichts weiter. Eine flucherfüllte Welt ist eine flucherfüllte Seele.

c) Die empirisch-psychologische Begründung

Diese ganze pessimistische Angelegenheit ist ja psychologischer Natur. Schatten fallen aus einer Seele und verdunkeln die Welt. Auch aus Schillers Seele fallen Schatten. Aber sie erhöhen nur das Licht des Ideals. Bei Schopenhauer vermissen wir allen Ausgleich. Glück der Ideenschauung ist nur wenigen beschieden. Das Leben der Millionen oszilliert zwischen der Scylla des Wunsches und der Charybdis der Langeweile. Lust ist negativ, so hören wir, ein kurzes Aussetzen des Schmerzes. Der Schmerz aber hat Dauer. Und alle Freuden der Erde sind hohle Nüsse. Mit unerbittlicher Energie wird uns das anthropologische Argument vom Pessimismus durch Schopenhauer ins Bewußtsein gehämmert. Es ist zu bekannt, um es ausführlicher vorzutragen. Gleichwohl ist es falsch. Es beruht auf einer Entstellung der Tatsachen. Schopenhauer will nicht sehen, wieviel wahre Freuden das Leben des Durchschnittsmenschen doch auch bietet, die ein gut Teil der Leiden und Enttäuschungen aufwiegen: stilles Behagen, Feierabendfriede, Scherz, Spiel und mannigfachen Genuß. Wäre das Leben wirklich eine solche Hölle, wie Schopenhauer uns glauben machen will (§ 57), die Zahl derer, die es wegwerfen, wäre größer. Wir sehen statt dessen, wie auch der ärmste Schächer an seinem bißchen Leben ängstlich haftet, es liebkosend bewahrt. Auch ihm bringt es noch Freuden. Leben ist nie ganz ohne Freude, das bloße Atmen im Licht ist Glück. Man führe uns doch nicht irre. Und das Leben des modernen Menschen ist doppelte, tausendfache Freude oder kann es doch sein. Dieses Leben ist reich, mannigfaltig und voller Reize und Wunder, die frühere Menschheitsalter nicht kannten. Die Erde ist aufgeblüht. Kulturwerte aller Zeiten und Völker hat das Leben um uns gesammelt, es unterhält uns täglich durch das fortlaufende Schauspiel der modernen Wissenschaft und Technik. Wer Mut hat zum Leben und den Alltagskampf des Daseins nicht scheut, für den ist jeder Morgen ein sich entfaltendes Wunder, das neue Einsichten und Erkenntnisse, immer neue Interessantheiten vom Leben birgt. Schopenhauer ignoriert gänzlich das Glück der Arbeit und Pflichterfüllung, des hohen Strebens, die Romantik des Lebenskampfes überhaupt, der das Spiel der Kräfte wachruft und dann am reizvollsten ist, wenn die Hindernisse sich türmen. Welch ein Glück ist die Erzwingung des Erfolges, die Besiegung des stumpfen Widerstandes der Welt, die allmähliche Annäherung an ein hohes Ziel. Man vergleiche unser Leben doch nicht mit dem altindischen, diesem pflanzenhaften Vegetieren. Eine ungeheure Aufgabenfülle steht vor uns, das soziale, politische, geistig-sittliche Werk eines zu erhöhtem Menschentum erwachten Geschlechts, das die Erde in einen Garten Gottes verwandeln soll. Jeder kann Anteil nehmen am Tatensturm unseres Jahrhunderts, an diesem fiebernden, betäubenden, dionysischen Festrausch des Lebens, der keine Langeweile aufkommen läßt. Und geht es denn nur um Lust im gewöhnlichen Sinne? Ist das bißchen Lust der einzige gültige Wertmaßstab? Genießen macht gemein. Wie unkantisch denkt dieser Kantianer! Es ist primitiv, das Leben nach dem Lustertrag zu messen. Und es ist eine Lüge, zu sagen, das bloße Wollen sei schon Qual. Mit gleichem Recht könnte man sagen: Wille ist Genuß. Und gehemmter Wille erhöhter Genuß, weil erhöhter Kampf. Laßt uns jubeln, daß wir Wille sind.

Dies alles gilt schon für den modernen Durchschnittsmenschen. Nun aber der Ausnahmemensch, der seltene Geistige, der metaphysisch Erwachte, der alle großen Erkenntnis- und Erlösungswege der Menschheit beschreiten kann! Ihm winkt die χαρά [Freude/Begeisterung] des Epikur, höchste Geisteslust. Er lauscht in sich hinein und vernimmt von dort eine ununterbrochene Folge von Tönen. Immer ist ein Klingen im Instrument seines Innern, auf dem der Weltgeist harft. Niemals schweigt es ganz. Es lacht und weint, denkt und dichtet, und durch ein ganzes Leben erneuern sich täglich die Gesichte. Welch ein Glück, mit sich allein zu sein und sich denken zu lassen! Welch ein Glück, Brahman zu fühlen, Fülle und Wärme unendlichen Seins und das ewige Spiel innerer Offenbarung. „Von dem, was einer ist!“ Preist nicht Schopenhauer selbst das Glück des Edlen mit sich selbst, das aus den großen Eigenschaften des Geistes und der Seele fließt? Zum Wunder der eigenen Seele hat jeder Zugang. Man helfe nur der Masse hinauf. Wer aber die Wege weiß, kann niemals trauern. Er hat immer Fülle. Pessimismus ist Irreligiosität. Wer nur Wunsch sieht und Langeweile, Scheinlust und Willensqual, hat den inneren Anschluß an ein Unvergängliches verfehlt. Seine Erlösungswege müssen trügerisch sein. Religion ist Ahnung unendlicher Werte, eines heimatlich-himmlischen Klangs, der uns immer begleitet. Und diese Ahnung suchen wir im ganzen Schopenhauer vergebens.

Dieser Erzpessimist, der das reichhaltigste Schimpfwörterbuch in deutscher Sprache verfaßt hat, ist bei aller Tiefe und Großartigkeit seiner Weltblicke ohne höhere Weihe, weil ohne Innigkeit. Abscheu ist die Grundform seines Erlebens, Grimm, innere Härte und Hohn, nicht selten Zynismus. Alle diese unzarten Regungen sind fern von der Seligkeit und dem Frieden Goethischer Weltkindschaft. Das tägliche Gezänk an der Wirtstafel des Englischen Hofes, das Nachhausekommen unter Fluchen und Gepolter[1] wiederholt sich auf vielen Seiten seiner Philosophie. Dieses weibische Jammern und Lamentieren über die Schalheit des Daseins, das unbewältigt bleibt und schließlich weggeworfen wird wie eine faule Frucht, der ganze Mißklang dieser Seele gellt einem zuletzt qualvoll im Ohr. Wie kann man Schopenhauer als den „Meister aller Meister“ preisen, als eine „Synthese von Goethe und Kant“! Der Nutzen, den er stiften könnte durch Schärfung unseres Blicks für die Mängel der Welt geht bei einer solchen kritiklosen Bewunderung verloren. Der deutsche Idealismus birgt wenn nicht tiefere, so doch keuschere Empfinder des Welträtsels, objektivere Gestalter des Seinsproblems.

d) Die kulturphilosophische Begründung

Schopenhauers Welt hat ihre Geschichte, wie wir sahen. Verschiedene Stadien der Entwicklung folgen sich. Sie wird Wille, Intelligenz. Der Intellekt reißt sich los und der Wille objektiviert sich stufenweise, um sich zuletzt zu verneinen. Die Welt fällt wieder in sich zusammen. Es geht also etwas vor. Es gibt einen Weltprozeß, den aber das System offiziell nicht anerkennt. Dem Buchstaben nach ist Schopenhauers Welt ohne Entwicklung. Der Wille ist eins, unteilbar, frei von aller Vielheit. Er steht außer Zeit und Raum, jenseits der Zahl (§ 23,25). Nur die Erscheinung unterliegt dem Werden. Auch die Weltstufen (Objektivationen des Willens) sind als Platonische Ideen ungeworden, starr, wandellos im Wechsel der Einzeldinge, ewig gewollt. Kurz: die Welt steht still.

Es liegt somit zwar nicht im Geist, wohl aber in den Thesen seiner pantheistischen Metaphysik begründet, daß er auch für die Menschheitsgeschichte keinerlei Entwicklung, keinen Fortschritt gelten läßt. Ein stehender Sumpf, dies der Endeindruck. Für die Länge des durchmessenen Wegs vom Tier zum Urmenschen, vom Naturmenschen zum Kultur – und von da zum Zukunftsmenschen hat Schopenhauer kein Auge. Er sieht nirgends ein Weiterschreiten, darin der Genius der Menschheit Qual und Glück findet. Er glaubt nicht an ein Hinauf in der Zukunft wie Fichte oder Nietzsche. Es gibt keine Evolution. Der Mensch steht still, wie der Inder, wie der mittelalterliche Christ. Sein Streben geht nicht nach einer besseren Erde, sondern nach einem besseren Tod. Diesen Dissolutionismus kann man nicht mitmachen. Gehorcht die Welt wirklich unserm Gesetz, so wollen wir sie keinesfalls stagnieren lassen.

In der Lehre von der Entwicklungsunfähigkeit der Welt und der Menschheit vollendet sich Schopenhauers Pessimismus. Eine Welt ohne Morgen ist eine Welt ohne Sinn. Leben ist nur möglich im Glauben an eine Zukunft. Aber wir sollen ja nicht leben. Unser Heil liegt ja im Tode. Schopenhauer steht hier unter seinen Zeitgenossen einzig da. Der ganze deutsche Idealismus ist getragen vom Geist eines evolutionistischen Optimismus. Von Lessing, Herder und Kant bis zu Fichte und Hegel begegnet uns überall der gleiche Grundglaube an einen Sinn und Zweck in der Geschichte, an Emporentwicklung auf ein Ziel hin, mag dieses nun als erreicht gelten wie bei Hegel, oder in später Ferne liegen wie bei Fichte, im Diesseits wie bei den Weimarer Dichtern oder im Jenseits wie bei Lessing und Herder. Dieser Glaube war es, an dem sich der deutsche Geist damals gewaltig emporschwang. Schopenhauer ist diese Denkweise fremd. „Was die Geschichte erzählt, ist der lange, schwere, verworrene Traum der Menschheit“ (II., Kap. 38).

Darin hat Schopenhauer zweifellos recht: der innere Mensch ist seit Plotin wenig fortgeschritten. Intellektuell ist der Fortschritt der Menschheit gering, moralisch kaum wahrzunehmen. Intellektuell: gewisse Einsichten und allgemeine Wahrheiten ringen sich langsam durch nach schwerem Kampf. Aber das Denken der Masse bleibt stumpf, dem Okkulten zugeneigt, unselbständig. Und moralisch! Ein Fortschritt zeigt sich hier nur in den äußeren Sitten und Gebräuchen. Das Herz der Menschen, die Selbstsucht ist die gleiche geblieben. Ja, sie ist gewachsen, seit die Hemmungen der christlichen Weltanschauung fortgefallen sind. Schopenhauer steht hier auf dem Boden der Kantischen Lehre vom radikalen Bösen, in der sein moralischer Pessimismus, wie E. v. Hartman richtig sah, vorgebildet liegt, freilich ohne subjektive Überspanntheiten. Hier also wird man skeptisch sein müssen. Moderne Technik, Wissenschaft und Zivilisation, so gewaltig sie den Menschen verändert haben, bedeuten noch nicht Veredelung des Menschen. Etwas anderes aber ist der mit dem typischen Schopenhauerschen Stimmungspessimismus durchsetzte Glaube an die absolute Verbesserungsunfähigkeit der Menschennatur. Das Problem der sittlichen und geistigen Hebung der Masse ist noch nicht gelöst. Viele der gewiesenen Veredelungswege, z. B. auch der Fichtesche, sind ungangbar. Aber den Glauben an eine sittliche Rettung der Menschheit zu zerstören und seine ganze Dialektik in den Dienst dieser Sache zu stellen, scheint mir des Schweißes der Edlen nicht wert.

Entwicklung ist da. Jahrhunderte werden vergehen, bis die Probleme des modernen Menschentums sich geklärt haben und der neue Typus Mensch heranreift. Gewaltiges an Erdumbildung hat der Mensch in den letzten Jahrhunderten geleistet, Werke von niegeahnter Kraft und Größe sind vollbracht. Am Menschen zu verzweifeln, dazu liegt heute weniger Grund vor als zu irgend einer andern Zeit. Der Kampf der Ideen um die Materie, den Schopenhauer selbst lehrt (§ 27), hat den Menschen ausgelesen und emporgeworfen. Wer will behaupten, daß der Mensch ein Ende sei! Bergson, dieser getreue Nachfolger Schopenhauers, hätte den Entwicklungsgedanken nicht zum Weltgesetz erheben können, läge er nicht latent im ganzen Schopenhauer vorgebildet. Schopenhauers Pessimismus erweist sich auch hier als eine höchst subjektive Gewolltheit, als eine nihilistische Laune, die seinem ergrimmten Ethos entweicht. Chaos zu sehen, Eitelkeit und Irrgang, ein stehendes Gewässer, Pesthauch, und alles Lichtere verschweigen, – fürwahr, die vielen Richtigkeiten im Einzelnen wiegen die Falschheit des Ganzen nicht auf.

Ein schwarzer Vogel unter den weißen Schwänen des deutschen Idealismus! Unkenruf in der Mainacht des deutschen Geistes! Das Talent dieser Seele, die Welt in Schatten zu legen, kann uns zur Besinnung bringen über die metaphysische Not aller Dinge. Es kann und darf uns aber nicht den Glauben an die Menschheitserhöhung zerstören und den Willen, an ihr mitzuarbeiten. Heute hört man die pessimistische Litanei aus allen Gassen. In den verschiedensten Kontoren wird die Rechnung fortgeführt, die eine Unterbilanz an Lust ergibt. Der Protest Nietzsches scheint verhallt. Schon sieht man das Abendland in Rauch und Asche aufgehen. Der metaphysische Bolschewismus Schopenhauers lagert über den Gemütern wie eine finstre Wolke. Unter dem Banne Schopenhauers lauscht man nach Indien und das bißchen Buddhismus will dem Volk der Kant und Goethe genügen. Fragt man, wer Buddha sei und was er uns soll, so erhält man nirgends ausreichende Antwort, auch nicht in dem dicken Buch von Grimm. Der exotische Duft dieser Blume Weltleid wirkt betäubend, wie schon auf Schopenhauer, weil sie unserer Genußsucht schmeichelt und der beliebten Einstellung unseres Innern auf den einzigen Lustgedanken. Eigentlich sind die Pessimisten die Genüßler, denn sie erst stellen die rein eudämonologische Betrachtung obenan. Dies gegen E. v. Hartmann. Paßt der Pessimismus überhaupt zur Willenslehre? Kann man schlußfolgern: diese Welt ist die schlechteste aller möglichen, weil sie Wille ist? Warum nicht gerade umgekehrt: diese Welt ist die beste aller möglichen, denn sie ist Wille. Gibt es etwas Wertvolleres im Umkreis aller Dinge als den Willen? Wille ist Kraft, Wille ist Hunger zur Tat, die allein uns retten kann. Ist die Welt willig, auf denn: laßt sie uns wollen bis zu ihrem letzten Gipfel. Der organische Weiterschritt des Schopenhauerschen Voluntarismus hätte ein Optimismus sein müssen, der ohne Beispiel ist in der Geschichte. Statt dessen pfropfte Schopenhauer das müde Reis Indiens auf den knorrigen Ast seiner nordischen Weltesche. Dabei ist die Lotosblume ihres zarten Duftes verlustig gegangen. In der Seele Gautamas war niemals Grimm. Als er auf weißem Roß aus Kapilavastu reitend den Bettler, den Aussätzigen, den Greis und das tote Kind sah, da ging die Seele Indiens in ein weiches Glück über, das Glück süßer Trauer über die Leiden der Welt. Wie schlecht kennt Schopenhauer die Art der Erlöser.

IV.

Die Erlösungslehre

Schopenhauer ist der einzige unter den deutschen Idealisten, der eine Erlösungslehre ausdrücklich vorträgt. Bei vielen andern Dichtern und Denkern der Zeit, bei Winckelmann, Schiller, Jean Paul und Hölderlin, bei Herder, Schleiermacher, Fichte und Schelling begegnet uns zwar in mannigfaltiger Form das Ideal eines Menschentypus, der sich befreit hat von irdisch-lastenden Bindungen, und wiederholt treten individual-ethische Erwägungen dieser Art auch in Form eines Lehrgebäudes auf. Schopenhauer aber wählt ausdrücklich den Terminus Erlösung, der geschichtlich mit erhabenen Traditionen belastet ist. Reminiszenzen aus dem Christentum und anderen Erlösungsreligionen sollen wach werden (§ 70), das Ganze in die Sphäre des Religiösen gerückt werden. Gegen diese Terminologie ist nichts einzuwenden. Sie ist der Würde des Gegenstandes nur angemessen. Ja, man möchte wünschen, daß sie sich häufiger im deutschen Idealismus fände, als es in der Tat der Fall ist. Das Wort Erlösung hat dem damaligen Ohr vermutlich christlicher geklungen, als es unserm heutigen klingt. Doch sei dem, wie ihm wolle: die Erlösungsromantik Schopenhauers ist sachlich zu prüfen und es ist zu zeigen, inwieweit seine Erlösung eine wirkliche Erlösung ist und inwieweit wir Heutigen sie annehmen können.

Sie unterscheidet sich von der christlichen grundlegend dadurch, daß bei Schopenhauer der Mensch selbst als Erlöser auftritt. Das Heil kommt nicht von außen in Gestalt des Lammes Gottes, das der Welt Sünden trägt. Die Erlösungstat des zur Erde niedersteigenden Gottes ist auf des Menschen eigene Schultern geladen. Der Kantianer in Schopenhauer glaubte also an den Menschen und seine sittliche Kraft, die so Ungeheures leisten soll wie seine eigene und der Welt Erlösung. Billigerweise hätte der Pessimist folgern müssen, der Mensch sei zu schlecht oder zu schwach, um die Erlösungstat zu vollbringen. Die Welt kann nicht einmal mehr untergehen. Sie muß nun bleiben, was sie ist, und leiden bis in alle Ewigkeit. Perspektiven von einer Furchtbarkeit, wie sie in der indischen Sansaralehre tatsächlich liegen. Schopenhauer läßt sie sich entgehen. Für ihn gibt es doch noch einen Trost, wenn die Lehrlinge verzweifeln. „In die Ecke, Besen, Besen!“ Meister Mensch spricht’s, und die Weltfluten sinken.

Schopenhauers Erlösungsweg ist zweigliedrig. Und jeder Pfad führt zu einer besonderen Anhöhe der „Erlösung“, der eine zur Seligkeit der Ideenschau, der andere zum Nichtsein. Beginnen wir mit dem letzteren, um bei dem „besseren Bewußtsein“ Schopenhauers zu enden.

a) Die Willensverneinung

Diese Lehre ist ja bekannt und diskutiert genug. Der Wille, zur höchsten Erkenntnis vom Weltelend und Unwert des Lebens erwacht, wendet sich durch einen freien Willensakt gegen sich selbst, „verneint“ sich und „bricht“ sich. Das äußerliche Kennzeichen der eingetretenen Verneinung und Brechung des Willens ist die Askese. Der „Heilige“ ernährt sich kärglich, lebt in Keuschheit und Armut, duldet gelassen und sanftmütig alle Schmach und alles Unrecht der Menschen und erhofft in stiller Freude den Tod. Selbstmord begeht er nicht, denn dies hieße den Willen geradezu bejahen und nur das leidensvolle Leben ablehnen, nicht das Leben überhaupt. Der asketisch Gesinnte hat entsagt. Er mortifiziert den Leib, die Objektität des Willens. Askese ist „vorsätzliche Brechung des Willens durch Versagung des Angenehmen und Aufsuchung des Unangenehmen, die selbstgewählte büßende Lebensart und Selbstkasteiung zur anhaltenden Modifikation des Willens (§ 68)“. Wer die Willensverneinung übt, ist der Heilige, die „schöne Seele“, Frau von Guion, Spinoza, das Fräulein von Klettenberg, Franciscus von Assisi, die Beata Sturmin, Raimundus Lullus, der Abbe Rance und alle die, von denen die Heiligenlegende der Hindu, Buddhisten und Christen erzählt: Mönche, Anachoreten, Einsiedler, Samanäer und Seniassi.

Das Ergebnis dieser Verhaltungsweise ist mit Schopenhauers Worten „innere Freudigkeit und wahre Himmelsruhe, unerschütterlicher Friede und innige Heiterkeit“, wahrhaftig das höchste Gut. Wir sind aller irdischen Sorgen ein für allemal ledig, sind gleichsam uns selbst los geworden, gleichsam aus dem schweren Erdenäther aufgetaucht. Kurz, wir sind selig. Der Wille ist, nicht wie beim Genuß des Schönen auf Augenblicke, sondern für immer „beschwichtigt, ja gänzlich erloschen, bis auf den letzten glimmenden Funken, der den Leib erhält und mit diesem erlöschen wird“. Diese Gelöstheit von der Erde muß freilich „durch steten Kampf immer aufs neue errungen werden“. Die geschilderte Ruhe und Seligkeit ist nur „die Blüte, welche hervorgeht aus der steten Überwindung des Willens“. Der Boden, dem sie entsproßt, ist „der beständige Kampf mit dem Willen zum Leben“. „Denn dauernde Ruhe kann auf Erden keiner haben.“ Das Leben des „Heiligen“ ist voller Seelenkämpfe, Anfechtungen und Verlassenheiten von der Gnade. Durch Askese ist der stets wieder aufstrebende Wille zu dämpfen. Askese ist künstliches Leid, das zur Erkenntnis führt. Aber auch das natürliche Leid kann den Willen brechen, bis dessen Selbstverneinung eintritt. Als Schlußgedanke ergibt sich (§ 70): „Verneinung, Aufhebung, Wendung des Willens ist auch Aufhebung und Verschwinden der Welt, seines Spiegels.“ Der Wille hat kein Wo und Wann mehr, er ist ins Nichts verloren. Jedenfalls erblicken wir ihn nicht mehr in dem gewohnten Spiegel der Vorstellung.

Betrachtet man diese Heilslehre, so muß man zunächst feststellen, was nicht unwichtig ist, nämlich daß Schopenhauer sie selbst nicht durch die Tat besiegelt hat. Er ist weder arm, noch keusch, noch sanftmütig gewesen, hat vermutlich nie gefastet und sich selbst kasteit und das Unrecht, das ihm die Philosophieprofessoren zugefügt, als ein stiller Dulder getragen. Er hat also den so heiß gepriesenen Zustand der Erlösung niemals auf dem selbstgewiesenen Weg der Askese gesucht. Bei der Feierlichkeit aber, mit der er diese ernste und erhabene Lehre vorträgt, hätte man das von ihm und seinen Jüngern erwarten dürfen. Geschieht es nicht, so entsteht der Verdacht, daß entweder der erstrebte Erlösungszustand gar keine wahre Erlösung birgt, oder, was noch schlimmer ist, daß der Weg zu ihr erhöhte Daseinsqual bedeutet. In jedem Fall besteht bei Schopenhauer ein Widerspruch zwischen Leben und Lehre, wie er sich bei Buddha, Sokrates, Christus und anderen großen Heilslehrern nicht findet. Von der Idee des Heils im innersten gepackt und entzündet, haben sich jene Großen jubelnd in den Tod gestürzt, wohl wissend, daß ihre Lehre erst sichtbar wird durch die Jahrhunderte, wenn sie rot ist von Blut. Schopenhauer aber wünschte sich am Lebensende, in den Lichtkegel des Ruhms eintretend, er möchte hundert Jahr alt werden (an Becker am 1. 3. 58). Ein Heiland, der an der Erde klebt! Für Schopenhauer ist diese ganze Erlösungslehre zum nicht geringen Teil Phantasiegenuß, um nicht zu sagen Schreibtischromantik, jedenfalls mehr Welt als Vorstellung und Sehnsucht, nicht Welt als Wille zur Tat. Hat er nicht in Frankfurt geradezu in Philisterbehaglichkeit gelebt? In der „Schönen Aussicht“ Nr. 16, Erdgeschoß rechts? Der Teekessel summt und der Pudel schnarcht!

Es ist ganz klar: das Ideal der Askese läuft dem Geist der modernen Kultur zuwider. Unser Wesen ist das Leben und die Tat, nicht der Tod, in welcher Form er auch erscheine. Zähmung, Formung und Führung des Willens durch den Geist wohnt als sittliches Grundgesetz dem arbeits- und kämpfereichen Dasein des modernen Menschen inne. Schopenhauers asketisches Heiligenideal mutet jeden unbefangenen Betrachter von heute als kulturfeindlich an. Es erscheint uns als Anachronismus. Schopenhauer vermag aus der unmittelbaren Gegenwart auch kaum ein Beispiel für seinen Heiligen beizubringen. Seine Beispiele stammen aus dem alten Indien, dem christlichen Mittelalter und allenfalls dem Pietismus, also aus einer Zeit, wo die Jenseitswirklichkeit dem Menschen näher stand als das Diesseits. Wenn wir Heutigen die Guion sagen hören: „Mir ist alles gleichgültig: ich kann nichts mehr wollen: ich weiß oft nicht, ob ich bin oder nicht“, so mutet uns dies Wort an wie eine sittliche Entgleisung. Gleichwohl gibt es die Meinung Schopenhauers wieder (§ 68). All dies war einmal und ist nicht mehr. Ich empfinde Schopenhauers Asketismus als eine romantische Verirrung, die nur dadurch gemildert wird, daß sie platonisch blieb. Pascals und der Guion Gebaren erscheinen reichlich pathologisch. Dem gesunden modernen Menschen, der dem Urgriechen in vielem so nahe steht, widerstrebt das Unnatürliche und Verstiegene freiwilliger Entsagung und absichtlicher Selbstqual.

Weiter: sozialethisch gewertet stellt die Askese den Gipfelpunkt der Selbstsucht dar. Der Asket denkt nur an sich und sein individuelles Heil und zerstört planmäßig in seiner Person ein wertvolles Glied der menschlichen Gemeinschaft, die ein Recht auf ihn hat und für die er wirken sollte. Weit entfernt, daß der Asket dem principium individuationis entweicht und den Einzelwillen verneint, er bejaht ihn ganz offen. Kein Zweifel: Schopenhauers Heiligenideal ist schlechthin unsittlich und war es überall und immer, wo es in der Geschichte erschien. Stehengebliebene Menschheiten wie die indische oder die mittelalterliche konnten sich den Luxus des Heiligen leisten, Tausende von „schönen Seelen“, die in Klostermauern träumten, Zehntausende von nackten Leibern die auf den Tempelstufen langsam verfaulten oder sich unter den Götzenbildern zerquetschen ließen. Was lag an ihnen, im tropischen Urwald, wo der Mensch wie die Fliege summt! Schon im christlichen Altertum aber verband der Heilige mit der Askese die werbende Tat. Das Leben der Säulenheiligen und Reklusen war eine stumme, aber darum nicht minder erschütternde Predigt an unser besseres Bewußtsein. Und bekannt ist der Fleiß der christlichen Mönche, der uns die Antike gerettet hat. Für die Gegenwart jedenfalls bedeutet das Schopenhauersche Heiligenideal schlimmste Kultursabotage. Der moderne Bienenstaat duldet keine Drohnen. Der Arbeiter ist der Heilige. Was uns allein erlösen kann, ist der Hände Werk. Glücklicherweise ist Schopenhauer uns mit schlechtem oder soll ich sagen: gutem Beispiel vorangegangen. Er selbst hat die Nachfolge Schopenhauers nicht angetreten. Er hätte sonst vielleicht diesen oder jenen „bekehrt“.

Endlich: logisch betrachtet: ist eine Verneinung des Willens durch Askese überhaupt möglich und praktisch durchführbar? Schopenhauer versichert uns, das Leben der Heiligen sei nicht angenehm, vielmehr voll von Seelenkämpfen, Anfechtungen und Verlassenheiten von der Gnade. Immer wieder begehrt der Wille auf und muß gedämpft werden durch das erfundene Leid, eben die Askese. Die Erlöstheit muß „durch steten Kampf immer aufs neue errungen werden“ (§ 68). Ich glaube, daß wahre Erlöstheit, wenn sie einmal errungen ist, nie wieder verloren gehen kann, weil sie ein gänzlich Innerliches ist, das durch äußere Manipulationen wie asketische Übungen höchstens gestört werden kann. Der Akt der Erlösung, d. h. innere Befreiung von irdischen Bindungen, besteht für den modernen Menschen zum Teil zweifellos in einer besonnenen Regelung und Disziplinierung des Affektlebens, niemals aber in einer gewaltsamen Negierung und Mortifizierung der natürlichen Triebe. Eine solche würde geradezu einer Aufstachelung des Willens gleichkommen, wie sie die Heiligen in ihren „Versuchungen“ erfahren haben. Erst wenn unsere niedere Menschennatur ihren durch die Vernunft maßvoll geregelten Lauf genommen hat, gibt sie den Raum frei für die Entfaltung und den Triumph unseres edleren Wesens. Das Glied, das man reibt, entzündet sich. Die furchtbaren Qualen, die der Leib den Heiligen von jeher bereitet hat, derart, daß sie ihn für den Sitz des Satans ausgaben, sind selbstverschuldet. Auf Scherben kann man nur unruhig schlafen. Wer sich nackt in die Nesseln wirft, darf sich nicht wundern, wenn ihm das somatische Prinzip seine Weltanschauung in Unordnung bringt. Die ewige Weisheit der Stoa, dieses hehre unvergängliche Griechengut, das in allen großen Ethiken fortleuchtet, lehrte das Leben im Einklang mit der Natur. Der moderne Mensch strebt mit gesunder Witterung nach diesem Einklang um so heißer zurück, je weiter die Zivilisation ihn vom Natürlichen zu entfernen droht. Er sucht die Natur in die Kultur in veredelter Form aufzunehmen, um ihre Gefahren zu überwinden. Er weiß: sie mißachten, heißt sie aufpeitschen. Nicht also in der Willensverneinung durch Askese, dieser künstlichen Stäupung des Triebmenschen, sondern in der natürlichen, geregelten und veredelten Willensbejahung liegen die negativen Voraussetzungen für den Eintritt des Erlösungszustands. Wenn das Körperliche durch Befriedigung zum Schweigen gebracht ist, beginnt die Seele zu klingen. Sind die wilden Triebe entschlafen, dann regt sich die Menschenliebe. Die Liebe Gottes regt sich nun.

Schon andere, Größere haben die Lehre von der Willensverneinung abgelehnt. Sie ist schlechterdings unvereinbar mit dem gesunden Naturwillen des modernen Menschen. Auch die Heiligen vergangener Zeiten sind nicht infolge, sondern trotz der Vergewaltigung ihrer Natur selig gewesen, soweit sie das sein konnten, d. h. die Erlösung vorschmeckend. Denn der Christ erwartete die volle Seligkeit erst für das Jenseits und glaubte, sie gerade erkaufen zu können durch Selbstqual und Unerlöstheit auf Erden. Schopenhauers philosophische Erlösung vollzieht sich im Diesseits. Und Schopenhauer verlangt viel von seinem Heiligen: Folter und Seligkeit zugleich. Sollte es nicht einen kürzeren Weg zur Erlösung geben als durch Vermehrung des Leidens? Wunderlicher Schopenhauer! Der Jammer ist groß. Ich will euch erlösen, indem ich ihn noch größer mache.

Ist der Wille verneint, ist er gänzlich mortifiziert, dann erlischt die Vorstellungswelt. Es werde Nacht! In dir, in mir, in uns allen! Aber erlischt damit auch die Willenswelt? Bloß weil unser Auge sich zutat und kein Subjekt mehr da ist, dem sie Objekt werden könnte? Auge ist unser Wesen. Aber es ist nicht das Wesen der Welt. Der Mensch kann die Welt nicht erlösen. Ein erblindetes Weltwesen ist noch kein erlöstes Weltwesen. Es wird neue Lichter öffnen, sich wieder sehen und wieder Leid fühlen. Welch ein Betrug! Welch ein Kampf gegen die Unendlichkeit in dieser Lehre von der Brechung des Willens! Welch ein Mangel an Demut! Und aus diesem Trotz, diesem Vernichtungsgrimm soll Erlösung träufeln? Warum sich nicht lieber selig einfühlen in das warme, gewaltige Brahman, mit ihm steigen wie Beethoven in der Waldsteinsonate, auf diesem glänzenden Strom, umspielt vom Jubel der Tritonen, hochgehoben in den Äther des Geists, wenn unter uns die Wellen zerschlagen.

Weh! Weh!
Du hast sie zerstört,
Die schöne Welt,
Mit mächtiger Faust;
Sie stürzt, sie zerfällt!
Ein Halbgott hat sie zerschlagen!
Wir tragen
Die Trümmer ins Nichts hinüber,
Und klagen
Über die verlorene Schöne.

b) Der Zustand der Erlösung

Der Gebrauch des Wortes Erlösung schließt die Gefahr eines gewissen Dogmatismus und Mystizismus in sich, der Schopenhauer erlegen ist. Schopenhauer bringt seine Erlösungslehre mit der Augustinisch-Lutherschen Prädestinationsmystik in Einklang. Willensabkehr ist Wiedergeburt durch Gnade, nicht Verdienst (§ 70). Denn jene „veränderte Erkenntnisweise“, aus der die Abkehr erfolgt, ist kein „absichtliches, durch Motive herbeigeführtes Tun“, sondern kommt als Glaube gleichsam von außen. Dies „echtevangelische Dogma“ wird aufgenommen und der Lehre einverleibt, entsprechend dem irrationalistischen, ja mitunter geradezu antirationalistischen Grundzug des Schopenhauerschen Denkens. Dieser mystische Zug, der schon im intuitiven Erkenntnisweg hervortritt, gehört zu den Lichtseiten der Schopenhauerschen Philosophie. Er hat etwas Versöhnliches, weil er höhere, wohlwollende Mächte über dem finstern Strudel der Schopenhauerwelt ahnen läßt, wie sich denn auch gewisse theistische Tönungen in der aspektenreichen, stark musivisch aufgebauten Philosophie Schopenhauers nicht wegleugnen lassen (§ 26, 63). Schopenhauer nennt einmal selbst seine Philosophie ein hunderttoriges Theben. Eins von den hundert Toren, wenn auch ein sehr verstecktes, heißt gütige Weltweisheitsmacht (Gott). Daher auch die Bevorzugung der christlich-theistischen Terminologie, die bei einem so prononcierten Atheisten Wunder nehmen muß: Evangelium, Erbsünde, Anfechtung, Buße, Wiedergeburt, Gnade, Heil, Erlösung, Seligkeit, Friede, der höher ist, als alle Vernunft.

Dennoch fehlt ein eigentümlicher Zug der alten Mystik. Schopenhauers Erlösungszustand bleibt ohne positive Inhalte. Glück besteht für Schopenhauer in der Abwesenheit von Schmerz. Und so auch Seligkeit und Erlösung. Sie ist das, was Schopenhauer mit Winckelmann wiederholt „Meeresstille des Gemüts“ nennt, Geglättetsein der seelischen Woge, Beschwichtigung, Befriedung. Der Sturm ist davongezogen, die Welle ruht. Für den christlichen Mystiker dagegen ist das Wesentliche im subjektiven Seligkeitszustand ein Aufquellen, Emporrauschen und Überfließen der Seele in ein göttliches Trans, also nicht Stille, sondern höchste innere Bewegung, Verzückung, raptus, ekstasis, in der unio mystica vollzogen, jubelnde Heimkehr der Seele in den göttlichen Urschoß. Schopenhauers Erlösung ist ohne Jubel, wie seine ganze Welt. Ihre Heiterkeit ist dunkel untermalt. Sie ist „hilaritas in tristitia“, „wahre Gelassenheit“, „Besänftigung“, „Erlöschen“, „Gleichgültigkeit“, „gänzliches Vergessen“, „Resignation“, „nicht der unruhige Lebensdrang, die jubelnde Freude“, sondern „unerschütterlicher Friede“, „wahre Himmelsruhe“, kurz, wie aus allen diesen Wendungen hervorgeht, ein Stoisch-Negatives, Ataraxie, Apathie, Abwesenheit von Getöse, Sturm, Empörung, Qual. Schopenhauers Seliger ist nicht schlechthin erlöst, er ist von etwas erlöst, einem ganz Bestimmten, der Willensqual. Ein griechisch-winckelmannisches Ideal steckt in dieser Erlösung, kein christlich-ekstatisches, so sehr Schopenhauer in christlichen Terminis schwelgt. Stoizismus, nicht Mystizismus wird gelehrt, Quietismus, nicht Motivismus. Mystik ist Erregung, Erhitzung, Steigerung zu Gott, Stoik dagegen Abregung, Kühlung, Glättung der inneren Woge. Ähnlich der Buddhismus, diese Stoa der Inder, die Schopenhauer sich assimiliert. Die Predigt des „Erleuchteten“ ruft nicht zur Tat, sie schläfert ein durch die Monotonie der Wiederholungen. Schopenhauers Erlösung ist appollinisch, nicht dionysisch, sie ist klassisch, nicht romantisch. Der Geist von Weimar schwebt über ihr. Und man darf sagen, daß seine Beispiele aus der Christologie nicht immer gut gewählt sind. Diese Heiligen sind Schopenhauerisch umgeformt. Schopenhauer entkleidet sie aller seelischen Lautheiten. Er spricht den stillen Menschen heilig, nicht den anbetenden, die in sich ruhende Flut, nicht die zu Gott bewegte. Sein Erlösungszustand ist darum nicht minder erstrebenswert, daß er griechisch ist und nicht christlich. Vielleicht im Gegenteil! Aber man könnte wünschen, daß der Hellenismus Schopenhauers auch im Erlösungsweg, nicht nur im Erlösungszustand zum Ausdruck käme. Denn der Erlösungsweg, die Askese, ist allerdings echtchristlich, dem klassischen Griechentum fehlend.

Schopenhauers Seligpreisung erhält noch eine Ergänzung, die man nicht übersehen darf, nämlich in der Lehre vom Mitleid, in der sich ein besonderer, eigen gearteter Erlösungsweg aufzutun scheint, der auch zu einem besonderen eigengearteten Erlösungszustand führt. Wir treten aus dem Principium individuationis heraus, erkennen die Identität des Willens in allen Erscheinungen, fühlen uns eins mit allem, was da lebt und leidet, auch der Tierheit, und gelangen von diesem Alleinsgefühl zur mitleidsvollen, uneigennützigen Liebe (§ 67), in der wir Seligkeit empfinden. Dieses Heraustreten aus der individuellen Schranke ins All-Ich ist aber bei Schopenhauer nur eine Vorstufe des Heils (§ 68), der Verneinung des Willens überhaupt. Die innere Haltung des Mitleidenden und Liebenden geht ohne weiteres über in die Willensabkehr als Folge des miterlittenen Schmerzes. Das Moment des Tätigseins in der Hilfe wird durchaus nicht betont, trotz des Gebrauchs der Ausdrücke Caritas und ἀγάπη [Liebe]; vielmehr wird betont das Moment der Selbstentäußerung, der Weggabe des Ich, des Aufgehens im Allgedanken. Strebt doch die ganze Ethik Schopenhauers hinweg von der Tat, die aus Motiven, also aus Willensenergie entspringt. Wer immer strebend sich bemüht, den kann Schopenhauer nicht erlösen. So bleibt dieser Liebes-, dieser Mitleidsgedanke, so sympathisch er berührt, rein kontemplativer Natur. Vielleicht aber findet sich im Gedanken des Mitleidens jener sonst vermißte positive Kern der Schopenhauerschen Erlösung. Wer den Sinn der Formel des Veda „Tat twam asi“ erfaßt hat, „ist eben damit aller Tugend und Seligkeit gewiß und auf dem geraden Wege zur Erlösung“. Hier taucht pantheistisch ein Transzendentes auf, verkörpert im Du, mit dem wir mitleidend zusammenfließen. Hier ist Band, Steigerung, Innigkeit. Wir verlassen die einsame Ferne des Ich, fühlen überindividuell, weltheimatlich. Wir tauchen ein in den warmen Strom des Brahman, des Allebens, das man mit Goethe auch Gott-Natur nennen kann, haben amor und beatitudo. Der eigenartig musivische Charakter der Schopenhauerschen Erlösungslehre wird hier deutlich. Stoische Kühle und Negativität, buddhistische Abdämpfung aller hohen Seelentöne möchte zusammenfließen mit der Wärme des Brahmanismus und des Spinozistisch-Goetheschen Allgefühls.

Es scheint, daß Schopenhauers Welt in Licht endet. Meeresstille des Gemüts! Was kann es Höheres geben. Also das Glück ist da, die Welt ist nicht mehr finster. Wir sind erlöst. Wie ein leichter Morgentraum über dem Halberwachten schwebt das Leben noch über uns. Aber nein! Wir sind ja Sterbende. Unsere Kraft, unser Wesen ist gebrochen. Herzblut rann aus unsern geöffneten Adern, und wir liegen nun, matt, erloschen, willenlos, das Ende erwartend. Der sittliche Wert dieser „Erlösung“ ist gering. Sie beruht nicht auf Weltüberwindung, sie verlangt nicht das Höchste vom Menschen an bejahender sittlicher Kraft. Auch das Tier könnte dieser Erlösung teilhaftig werden.

Sie ist mehr physischer Verlauf, als moralischer. Sie bedeutet Auflösung unseres Wesens, nicht Erlösung. Die Glieder strecken sich, während der letzte Funke Bewußtsein den Zustand selig spiegelt. Was soll uns diese Seligpreisung eines Halbtoten! Uns, die wir Ganzlebende sein wollen!

Die ersten Schauer von Kulturmüdigkeit scheinen hier die moderne Seele zu überrieseln, ein verwandtes Gefühl wie bei Rousseau. Sattheit am Sein, Flucht zum Tode, vorgeahnt im Jahr 1818 von einem Einzelnen, dessen Nöte niemand verstand. Wieder wie im Zeitalter Senecas verliert die Welt ihren Glanz, zunächst im düstern Auge eines Einzelnen, dem später andere folgen. Von Norden her dunkelt es herein, das Reich der Göttin Hel, die alle an Alter und Siechtum Verstorbenen aufnimmt. Es ist der erste leichte Schlaganfall der modernen Kultur, was hier vorgeht, Vorbote kommender Agonien, ungefähr das, was in Griechenland der Kynismus bedeutete. Eine Gesetzlichkeit des Kulturgeschehens, die über die Persönlichkeit hinausliegt, scheint sich in dieser aus dem Pessimismus quellenden Erlösungssehnsucht kundzutun. Das Ende des Jahrhunderts bringt eine kräftige Reaktion in Nietzsche. Der gewaltige sittliche Lebenswille des deutschen Idealismus triumphiert noch einmal über die Schopenhauerschen Sterbegesänge. Aber andere Geister treten auf, die wieder untergangsahnend sind, und sie haben das Ohr der Zeit. Dunkel liegt die Zukunft da. Und wir entsinnen uns, daß auch Hegel glaubte, die Entwicklung sei zu ihrem Ende gelangt. In diesem Zwielicht den rechten Weg zu finden, ist schwer. Sollen wir Inder werden und können wir es noch? Uns abkehren von der Welt? Oder stehen wir vor einem neuen Menschheitsmorgen, wie Nietzsche glaubt? Hier zu entscheiden, ist Charaktersache. Velle non discitur. Wer grau und öde fühlt, wird sich zur Linken schlagen, die Welt als Inferno sehen und Erlösung suchen in einer sublimierten Romantik des Todes. Wir andern aber folgen der Führung Kants und Fichtes. Noch schmecken wir die Süßigkeit der Tat. Wille ist uns noch Glück, nicht Qual und Leiden. Es gilt Unendliches! Es gilt, nicht so sehr unser Ich, als die Welt zu erlösen. Es gilt eine Welt, in der es wenigstens zwei von den vier großen Leidensdingen nicht gibt: Armut und Krankheit. Sollte der Mensch, der Mensch nicht die Kraft haben, die Welt von diesen Übeln zu befreien, vielleicht von allen? Denn Geburt und Tod sind nur Übel, wenn es Armut und Krankheit (im weitesten Sinn) gibt. Gelänge es dem wissenden und wirkenden Geist, diese Schatten von der Welt zu wischen, so versänke Sansara. Geboren zu sein, wäre dann nicht mehr Schuld, wir bedürften dann nicht mehr der Erlösung. Das Leben wäre Erlösung, nicht der Tod. Der ewige Traum aller Zeiten von den Gefilden der Seligen wäre erfüllt. Endlich ständen wir mit dem Palmenzweig an des Jahrhunderts Neige.

Macht es das Leben nicht lebenswert, um diese Ideale zu ringen, den Gewissensfrieden der gewollten und vielleicht vollbrachten Tat zu ersehnen, statt einen Gräberfrieden, eine Kirchhofserlösung? Sie ist uns allen sicher. Bedarf es hier eines Kampfes? Sind wir Mensch geworden, nur um das Sterben zu erringen ? Das kann der Sinn unseres Wesens nicht sein. Was uns aus dem heiligen Dunkel des Weltmutterschoßes rief, war nicht der Tod, sondern das Leben. Memento vivere! – sollten wir uns zurufen, nicht memento mori!

c) Die Ideenschau

Im dritten Buch der W. a. W. u. V., das die ästhetische Erlösungslehre enthält, ruft uns der große Philosoph des Todes das „Memento vivere“, das wir hören wollen, auch zu. Plötzlich fällt sein düstres Auge auf die Idee. Und siehe: es erstrahlt! Die Weltschatten sinken. Das Rad des Ixion steht still. Tantal ergreift den Apfel. Das Sieb der Danaiden hat sich gefüllt. Aus dem Abgrund jubelt es empor. Wir schauen!

Welch ergreifendes Bild, zu sehen, wie dieses finstre Haupt durch die Wolken bricht und sich bestrahlen läßt vom Glanz der Idee! Dort sind wir erlöst, in der Erkenntnis der ewigen Formen aller Dinge, nicht in der selbstgewählten und erhöhten Qual der Willensmortifikation, dieser armseligen Menschenerfindung. Aber es ist, als könnte dieses fiebernde Auge, das so lang und aufmerksam die Nächtigkeiten des Weltgrunds durchforscht hat, den Glanz der Idee nicht ertragen. Wie der Platonische Gefangene wendet es sich wieder abwärts in die Höhle, aber nicht um den Mitbrüdern den wahren Platonischen Erlösungsweg zu zeigen, sondern um ihnen zu sagen: für euch gibt es keine Rettung, als dumpfe Resignation. Sterbt in der Höhle. Das Licht ist für euch nicht geschaffen.

Die Netzhaut Schopenhauers muß eigentümlich beschaffen gewesen sein, von einer Reizbarkeit ohnegleichen. Es ist, als zuckte er betroffen zusammen beim Anblick der Idee. Er blinzelt und duckt sich. In der Tat: welch Getöse bringt das Licht! Es drommetet, es posaunet! Und er schlüpft wieder unter die Wolkendecke, ins gewohnte Weltgrau, in das ihm trauliche Dunkel des Leids. Warum verweilte Schopenhauer mit seiner Ethik nicht auf der erreichten Höhe des Geistes? Er feiert in hohen Tönen das „ewige, freie, heitere Subjekt des reinen Erkennens“ (§ 39), den Seligkeitszustand der „ruhigen Kontemplation“, der geistigen Schauung, die frei ist vom Satz des Grundes, frei und losgerissen vom Dienst des Willens. Und behauptet dann, dies alles sei nur Augenblickserlösung ohne Bestand. Und nur wenige Begnadete seien dieser Erhebung zum τόπος νοητός  [imaginären Ort] fähig und würdig. Für die Millionen ist dieser Austritt aus der Schopenhauerwelt nicht bereitet. Sie schmachten im Dunkel oder erklimmen nur trübe Annäherungsstufen. Verkündet er schon das Mitleid, warum rafft sich dieser Heilslehrer nicht auf, die leidenden Wesen durch die gepriesene „Kraft des Geistes“ auf jenen Altan zu führen, das „reine, willenlose, schmerzlose, zeitlose Subjekt der Erkenntnis“ in ihnen anzubilden? Schopenhauer ist kein Erzieher, kein sozial Denkender. Ihm fehlen die feurigen Arme Fichtes. Er ist Aristokrat und Individualist, wie seine Genielehre zeigt, und deshalb kein Erlöser der Menschheit, kein Volksheiland. Er steigt wieder herunter von der Leiter und spricht: dies alles ist nichts für euch Armen an Geist, die ihr Fabrikware seid. Der Sinn eures Seins ist Leiden, nicht Schauung. Resigniert!

Unter dem Bilde der Idee verbirgt sich für Schopenhauer ein zweites reineres, edleres Weltsein als der Wille. Die Idee ist frei von Leid und Qual, schattenlos. Wer sie anschaut, verklärt sich an ihr, läutert sich von niederen Stufen empor. Das „klare Weltauge“ ist selig. Es ist das zum Licht aufgeschlagene Auge. Und Licht ist Glück. Warum eine Welt ungeschehen wünschen, in der es die Seligkeit der willensfreien Erkenntnis gibt? Die Ideenlehre Schopenhauers enthält eine Absage an den Pessimismus wie an die Willensmetaphysik. Hier lohnt der Ertrag die aufgewendeten Kosten. Wir sind erlöst, so oft wir schauen. Der Wille ist veredelt in hohes Geistesstreben, ins Auge tritt alle metaphysische Energie. Und warum nur in der Kunst? Gibt es doch auch Ideen in der Natur, die wir rein erkennen. Wir sind öfter Geistwille und seltener Körperwille, als Schopenhauer meint. Das klare Weltauge ist immer und in uns allen aufgeschlagen, aber die Dünste unseres niederen Menschentums trüben seinen Blick.

An dieser Stelle bricht Schopenhauers Welt auseinander. Die dunkle Schale zerbirst und ein glänzender Kern wird sichtbar: das „klare Weltauge“, der reine, schauende Geist. Schopenhauer hält den Kristall in Händen, den er im grauen Silur der Welt gefunden. Aber er weiß nichts Rechtes damit anzufangen. Der blitzende Stein erscheint ihm fremd, unecht. Er sieht nicht, daß die Welt auf seine Formung angelegt ist wie die blaue Erde auf die Bildung des Diamanten. Der Geist bleibt ihm stets eine Art Nebenerfolg des Weltwerdedranges. Seine Bedeutung liegt für ihn vor allem im Anstoß zur Willenswende. Geisteslicht ist ihm nicht Weltgipfel, sondern Endkurve, Schwung ins Dunkel. Nur für Augenblicke läßt er uns auf der hohen Hegelschen Warte verweilen und unser Auge schweifen durch den Äther der Idee. Dann aber regt sich wieder der alte Orest, und wir hören seine klagende Stimme: und laß dir raten: habe Die Sonne nicht zu lieb und nicht die Sterne, Komm, folge mir ins dunkle Reich hinab.

Still ist die Nacht. Wir liegen und lauschen. Die Welt schläft, aber unser Inneres schläft nicht. Da bewegt sich der ewige Wille, ernst, dunkel, groß. Wir fühlen, wie er um sich greift, wie er in uns tastet, hierhin, dorthin. Er sucht das Licht in der finstern Kammer und scheint nun stillezustehen und zu lauschen. Um seine Lippen spielt ein Lächeln, das Lächeln des Nicht-wissens, das die Inder ihren Buddhabildern leihen. Wer nicht weiß, ist selig. Und dann? Er wird das Licht gefunden haben, wird schauen und erbeben. Was hat er gesehen in der finstern Kammer? Furchtbares! Das Einerlei, die ewige Wiederkehr, unter der Strindberg zusammenbrach, Geburt, Leiden, Tod! Sansara! Die Tiere wissen das nicht. Sie wissen nicht, daß das Leben Leiden ist. Sie ahnen es vielleicht. Aber das Geisttier weiß es. Beim Lichte des Intellekts gewahrt es den Unrat in der Kammer: Staub und Leichen, Gesichter, zerfressen von Schmerz und Wollust, ein Gewinsel in der Ecke, ein qualerpreßtes Ach: Ob noch nicht Vollendung sei! Noch nicht, niemals! Ewigkeit schwingt über ihnen Kreise. Gruppe aus dem Tartarus! Es ist besser, du löschst das Licht wieder aus. Die Kammer ist dann wieder dunkel. Wir können wieder lächeln wie Buddha, das Tier, der Unbewußte.

Eigentlich ist es gar nicht der Wille, den Schopenhauer verneint, sondern der Geist, das Licht, die Erkenntnis. Denn erst dort wird die Welt bewußtes Leid. Schopenhauers Willensverneinung ist im Grunde Willensbejahung, Willensentschluß sich wegzuwenden von der bewußten Geisteswelt und dem Anblick der seienden Dinge, um wieder dunkel zu strömen. Es werde Nacht! Verlöschendes Licht, das ist Erlösung für diesen geistfeindlichen Glauben, letzter Reflex eines schwindenden Glanzes. Aber der Zauber dieses Nirvana kommt vom Licht, das wir verlassen, nicht von der Nacht, in die wir heimkehren. Wir erleben uns eintretend ins Unbewußte mit dem Als Ob des Bewußtseins. So nun leben wir, auch wenn wir nicht Asketen sind, gleichgültig, mortifiziert, des letzten Todes gewärtig, übrigens in der Nähe der Stoa. Wir leben vielleicht noch lang, als ein rüstiger Sechziger. Das Licht brennt noch in uns mit einem feierlichwehmütigen Schein. Die Kultur stirbt darüber, mag sie. Der Menschen Werk bleibt liegen, wie im Mittelalter, wie in den Urwäldern Indiens, Jahrtausende. Was kümmert es den Heiligen! Was ist eine Fabrik gegen eine Seelenverfassung? Schrei nach Erlösung übertönt alles.

Kulturmord! Wille zur Nicht-Tat, zur Dämmerung! Auch Rousseau war kulturmüde. Er suchte die Natur, den Schäferfrieden, Kohlgartenfreuden. Schopenhauer ist weniger anspruchslos. Alles oder nichts! Also nichts! Bruch! Wir tragen die Trümmer ins Nichts hinüber. Europa indisiert! Das ist unmöglich. Aber solche Regungen zucken auf in der modernen Kulturseele, solche Launen müssen kommen. Merkwürdig, daß sie so spät kommen. Bei den Griechen kamen sie schon früh im Kynismus und Platonismus. Seitdem begleiteten sie das Hohelied, das der Griechengeist sang, mit dumpfen Paukenschlägen. Bis jenes schimmernde Dur überging in das wehe Moll des Urchristentums. Solche Klänge sind erhaben, wo immer sie auftauchen, im Morgen oder Abendland, in alter oder neuer Zeit. Sie zeigen Seele. Sie zeigen das Weltwesen auf der Höhe des Bewußtseins. Man sollte sie nicht kurzerhand als seelische Krankheitserscheinungen abtun. Aber man soll sich ihnen auch nicht bedingungslos unterwerfen. Wer die Nacht feiert, tut es im Bilde des Lichts. Laßt uns also das Licht feiern, das „bessere Bewußtsein“ Schopenhauers, das klare Weltauge, das sich der ewigen Idee zuwendet wie die Blume der Sonne. Die Hand des Menschen liegt noch am Steuer. Noch haben wir nicht Grund, zu verzagen. Noch blüht uns Erlösung durch die Tat. Und noch ist nicht erloschen der goldene Schimmer, der über der Welt Goethes liegt.

Dorthin blicke, Zeitseele, wenn die düstern Töne Schopenhauers dich locken. Dieser große Zauberer des Gedankens kann uns das Höchste nicht rauben, das Glück der reinen geistigen Schauung, die er selber verehrt. Die Welt ist „Wille“, aber nicht Wille zum Untergang, sondern Wille zum Geist. Der Sinn des Lebens kann niemals der Tod sein. Kampf zum Licht, das ist der Sinn des Lebens. Wer es errungen hat, der soll es festhalten, bis sich das klare Weltauge von selbst wieder schließt. Es gibt kein Leiden, das groß genug wäre, den Anblick der Sonne zu verdunkeln.

V.

Schopenhauer und Meister Eckhart

„Buddha, Eckhart und ich lehren im Wesentlichen dasselbe.“ So schrieb Schopenhauer im April 1852. Er lobt Meister Eckharts „wundervoll tiefe und richtige Erkenntnis“, die nur leider in die Fesseln christlicher Mythologie geschlagen sei. „Er sagt, was er nicht meint und meint, was er nicht sagt.“ Nach 1857 las Schopenhauer die Schriften Eckharts in der Pfeifferschen Ausgabe. „Die darin gegebenen Vorschriften und Lehren sind die vollständigste, aus tief innerster Überzeugung entsprungene Auseinandersetzung dessen, was ich als die Verneinung des Willens zum Leben dargestellt habe.“ Auch spiele die Aufforderung zum Aufgeben alles Wollens in der christlichen Mystik eine viel größere Rolle als in der indischen.

Dies ist im Wesentlichen der Inhalt der Stellen, in denen Schopenhauer in seinen Schriften auf den großen mittelalterlichen Mystiker zu sprechen kommt. Aus ihnen geht hervor, daß Schopenhauer Meister Eckhart als Gesinnungsgenossen in Anspruch nimmt. Eingehendere Studien der Eckhartschen Philosophie hat Schopenhauer indes nicht vorgenommen. Seine Lebensarbeit war abgeschlossen, als er kurz vor seinem Tod den angeblich authentischen Text der Schriften Eckharts zu Gesichte bekam. Schopenhauers Urteil über Meister Eckhart ist meines Wissens noch nicht nachgeprüft worden. Ein Vergleich der Systeme beider dürfte aber ergeben, daß trotz gewisser auffälliger Übereinstimmungen in der Willensverneinungslehre die Grundgedanken beider weit voneinander abweichen. Man kann Meister Eckhart als Kommentar zu Schopenhauer heranziehen. Gerade deshalb, weil er in Vielem ihm nahesteht, ist er geeignet, die entscheidende Lücke in Schopenhauers Philosophie und insbesondere in seiner Erlösungslehre deutlich zu machen.

Schon die Tatsache muß zu denken geben, daß Schopenhauers System wie das buddhistische im Prinzip atheistisch ist oder doch sein will, während Meister Eckharts Spekulation auf Augustin und Thomas ruht und den reinsten Ausdruck christlich-mittelalterlicher Theistik darstellt. In der Tat sind Schopenhauer und Meister Eckhart nicht auf einen Nenner zu bringen. Der Geist ihrer Weltbetrachtung ist grundsätzlich verschieden. Eckharts Denken beginnt mit Gott und endet mit Gott. Seine Erkenntnislehre und Psychologie, seine Weltentstehungslehre, Ethik und Erlösungslehre sind einheitlich auf den Gottesgedanken gestellt. Dabei ist dieser Gottesgedanke eine vollkommen philosophische Konzeption. „Gott“ ist das reine Sein und Wesen, vor aller Zeit, allem Raum, ungeworden, unvergänglich, in der Schaffung des geliebten Gegenbildes des „Sohnes“ (logos, Urwissen) seinen vor- und überweltlichen Prozeß erlebend, etwa vergleichbar dem Plotinischen ἕν der Spinozistischen „Substanz“, dem Schellingschen „Identischen“ oder dem Hegelschen „Absoluten“. Aus diesem „Gott“ emaniert die Welt. Im „Fünklein“ der Seele, im Seelengrunde, hinter allen Kräften der Seele ist „Gott“ anwesend. Wenn wir „Gott“ erkennen, erkennt er sich in uns. Die Seele ist von Unruhe getrieben, zu dieser Erkenntnis zu gelangen. In der natürlichen Erkenntnis (der Dinge dieser Welt) findet sie kein Genügen. Sehnsucht nach der übernatürlichen, der Erkenntnis „Gottes“ treibt sie ruhelos. Hier liegen ihre höchsten sittlichen Aufgaben, die mit demselben Recht philosophisch als religiös genannt zu werden verdienen. Das ganze System bekommt von hier wie alle Mystik seine ethische Grundabzweckung. In der mystischen Union ist das hohe Ziel erreicht, auf dem Wege über die beiden niederen Stufen der Reinigung und Erleuchtung. Ich bin „Gott“ geworden. Meine Seele „schmecket göttliche Edelkeit“. Ich bin erlöst. Man kann sich kein einheitlicheres, widerspruchsloseres Weltbild denken als das Eckhartsche.

Ein Analogon zum Gottesbegriff des Eckhart fehlt augenscheinlich in der Schopenhauerschen Philosophie. Schopenhauers „Wille“ bezeichnet weltliches, kein vor- oder überweltliches Sein, darf also dem Eckhartschen „Gott“ durchaus nicht gleichgesetzt werden. Schopenhauers Welt ist in der Tat „gott“-los. Sie beginnt im Kreatürlichen des Eckharts und endet auch dort mit dem Wunsch, dieses Kreatürliche seiner Unseligkeit wegen wieder verschwinden zu lassen. Nur vorübergehend öffnet sie sich in der Lehre von den Ideen, die aber auch wieder als Willensobjektivationen gefaßt sind, einen Ausblick auf die großen spekulativen Hintergründe der Welt, auf das Eckhartsche reine, unkreatürliche Sein. Gerade dieser göttliche Grund, im Seelengrunde wiederkehrend, gibt aber der Erlösungslehre des Mystikers ihren eigentlichen, tiefen und wunderbaren Sinn, den die Schopenhauersche niemals haben kann. Schopenhauer erlöst uns von der Welt, zu einem Nichtsein, Eckhart erlöst uns zu „Gott“, zu einem positiven, einem gesteigerten, übermenschlichen, geistigen Sein. Darin liegt Schopenhauers Verkenntnis des Wesens der deutschen Mystik und der christlichen überhaupt. Seine Erlösungslehre stimmt mit der indischen Nirvanalehre überein, mit der Eckhartschen Gotteslehre nicht.

Welches sind nun die Züge der Eckhartschen Mystik, die auf Schopenhauer so bestechend wirkten, daß er glaubte, den Meister für sich in Anspruch nehmen zu dürfen? Zunächst die Askese, die Forderung der „Kästigung“, der „Kränkung“, d. h. Entkräftigung des Fleisches, die bei Eckhart eine so große Rolle spielt. Der Sinn des Menschen soll durch die Schwächung des leiblichen Menschen abgezogen werden von der Welt und hingewendet werden zu Gott. In der Bewertung und Handhabung dieser äußeren Übung als Mittel zum Zweck mag der Schopenhauersche „Heilige“ dem mystischen „Gott“-sucher gleichstehen, entscheidend ist dies nicht, und ich verweise auf das oben über die Bedeutung und Zweckdienlichkeit der Askese Gesagte, das sich auch gegen Meister Eckhart richtet.

Wichtiger ist die Tatsache, daß auch Meister Eckhart Pessimist ist, freilich in sehr erträglichen Grenzen, soweit ein ausgesprochener Theist dies eben sein kann. Immerhin ist der Pessimismus ein deutlich hervortretender und auffälliger Zug der deutschen Mystik des 14. Jahrhunderts, die sich von einem wüsten Welttreiben, vom Anblick der verworrenen politischen und sozialen Zustände der Zeit schaudernd hinwegwandte. Meister Eckhart spricht vom „Weh aller Welt“. Der Ausdruck „Gebreste“ kehrt in seinen Schriften unzählige Male wieder. Aller geschaffenen, kreatürlichen Welt haftet ein „Gebreste“ an, d. h. Endlichkeit, Widerspruch, Zerrissenheit, Sünde, Irrtum, Krankheit, Tod. Alle Kreatur leidet. „Wie lustig Gott die Kreatur gemacht hat, doch so hat er etwas Leidens daneben gelegt.“ Aber die mystische Lehre vom Leiden der Welt unterscheidet sich grundlegend von der Schopenhauerschen und buddhistischen Leidenslehre. Einmal dadurch, daß die kreatürliche Welt ja nicht alles ist, sondern gleichsam nur die Hälfte des Seienden, ein niederes, unreines Sein, Abfall, Abkehr vom reinen „Wesen“, unselige Gottesferne. „Gott“ leidet nicht. Auch im Seelengrund, im „Fünklein“ ist kein Leid, nur draußen an der Peripherie. Bei Schopenhauer ist gerade der Kern, das Zentrum alles Seins, der Wille, leidensvoll, unselig, gequält in sich selbst. Sodann – und das ist der Hauptunterschied in der Leidenslehre Schopenhauers und Eckharts – ist das Leiden des christlichen Ethikers eine vorwärtstreibende, versittlichende Macht. Sein Zweck ist Bringung zu „Gott“. Du leidest nur, weil du dich nicht kehrest zu Gott. Jeder pessimistische Fatalismus, der Zug des Sichabfindens mit dem Leidenscharakter der Welt fehlt bei Eckhart. Eckhart schwelgt auch nirgends in der Betrachtung des Weltleids wie Schopenhauer, der einen förmlichen Kultus, eine Kontemplation, ja beinah Anbetung der Weltleidshypothese betreibt. Eckharts Welt ist ohne Klage, ohne indische Müdigkeit, ohne alles Wühlen in der Wunde. Hat sie doch göttlichen Goldgrund. Mutig also ist der Meister, tapfer und voll Kraft. „Das schnellste Tier, das euch trägt zur Vollkommenheit, das ist Leiden.“ Ein Wort von überraschender Tiefe und Schönheit! „Wer allermeist leidet, der ist alleredelst.“ Über die erhebende Kraft des Leidens kann man bei dem halbverschollenen Meister des 14. Jahrhunderts ewige Wahrheiten lesen. Gewiß, auch bei Schopenhauer bekehrt das Leiden, bringt zur Besinnung, zur Abkehr von der Welt. Aber es bringt nicht zu „Gott“, zu einem erhöhten geistig-sittlichen Sein, sondern im Gegenteil zur Mortifikation unseres ganzen Wesens, zum „Glück des Verlöschens“, wie man Nirvana am besten und vollständigsten übersetzen könnte. Man kann sich keine schärfere Kritik Schopenhauers denken als Meister Eckhart. Die ganze Negativität, das wahrhaft Unmystische, vielmehr Stoische der Schopenhauerschen Erlösungslehre wird einem klar, trotz des mystischen Mäntelchens, das Schopenhauer darüber gehangen.

Endlich die Lehre von der Willensverneinung, die schon den ganzen Schopenhauer enthalten soll. Das Leben ist „begierlich in ihm selber“. So etwa kann man auch bei Eckhart lesen. Und aus der Begierde fließt das Leid. Aber Eckhart unterscheidet scharf zwischen dem Eigenwillen und dem Willen Gottes. Nur der erstere ist unselig und qualbehaftet, der göttliche nicht. „Nimmer entsteht ein Unfrieden in dir, außer er komme von eigenem Willen, man merke es oder man merke es nicht.“ Oder: „Es ist eine Frage, was in der Hölle brenne? Die Meister sprechen gemeinlich: das tut Eigenwille.“ Höre also auf, selber zu willen! Laß Gottwillen in dir! Dies der Sinn der höchsten Tugend, die Eckhart und die christliche Ethik kennt, der Armut. Armut nicht an äußeren Gütern, sondern Armut an Kreatur, Welt, Eigensein, Ichdünkel, philosophische Armut. Zusammen mit der Demut bedeutet sie völlige Entkleidung, Hingabe und Darbietung unseres Ich an eine höhere, überweltliche Macht. „Laß dich!“ So lautet der kategorische Imperativ Meister Eckharts. Gemeint ist: Verlasse dein Ich, geh aus ihm heraus, laß es fahren! Gib auf alle Eigenminne. Dann „läßt“ du auch die andern Dinge. „In der Wahrheit, ließe ein Mensch ein Königreich und alle die Welt und behielte sich selber, so hätte er nichts gelassen.“ Also: gib alles hin, entblöße dich vollständig, behalte nichts, nicht einmal dich selbst. Dann bist du „arm“, ein würdiger Focus göttlichen Brandes. Dann will nur noch „Gott“ in dir.

Dies der Sinn Eckhartscher Willensverneinung. Schopenhauer beginnt ganz ähnlich, wenn er seine Forderung des Heraustretens aus dem „principium individuationis“ aufstellt. Er würde mit Eckhart sachlich auch weiter konform gehen, hätte er fortgefahren: laß den Weltwillen an Stelle deines eigenen in dir wollen! Das aber ist der Sinn seiner Lehre nicht. Weltwille und Eigenwille stehen sich bei ihm nicht als Gegensatz gegenüber. Mit dem Individualwillen soll auch die Welt verlöschen. Außer dem Willen gibt es nichts Seiendes und Bleibendes für ihn, in das wir treten könnten, wenn wir das „principium individuationis“ verlassen. Es soll gar nichts geben. Das Beste ist Nichtsein, nicht Geborensein. So klaffen die beiden Heilslehren doch weit auseinander. Nur ein Stück Wegs gehen Eckhart und Schopenhauer zusammen. Wenn die Seligkeit des Mystikers beginnt, hat Schopenhauer schon aufgehört zu sein. Schopenhauers Welt hat gleichsam nur eine Hemisphäre, die finstre, sonnenabgewandte, vom Willen durchbraust. Die Welt Meister Eckharts aber wendet sich und tritt in das „fließende Licht der Gottheit“. Dieser spricht: Verneine den Willen, erlisch und du bist erlöst. Jener sagt: Nimm deinen Willen und gib ihn „Gott“. Dann schmecket die Seele „göttliche Edelkeit“.

Hätte der nicht im Eckhartschen Sinne arme Schopenhauer vom erkenntnisidealistischen Vorurteil lassen können, die Erlösung, die seine leidende Seele sucht und mit deren Glanz er sich am Ende seines Hauptwerks behaftet, wäre vielleicht positiver ausgefallen. Eckhart ist theoretisch Realist. Seine Erkenntnislehre ist unphänomenalistisch wie die Aristotelische und Thomistische. Der Schwerpunkt des Eckhartschen Weltganzen liegt nicht im Subjekt, sondern in „Gott“. Will man sein System darstellen, so kann man nicht wie bei Schopenhauer mit der Erkenntnislehre beginnen. Diese kommt fast zuletzt. „Gott“ erkennt sich im menschlichen Erkennen, ergreift und begreift sich. Das Absolute, Hegelisch ausgedrückt, wird im Menschengeist seiner selbst bewußt. Vom Standpunkt Eckharts aus würde es einen Mangel an „Demut“, auch einer ebenso sehr philosophischen als religiösen Tugend, bedeuten, wollte man beginnen: „Die Welt ist meine Vorstellung“, und dann enden: „Die Welt erlischt mit der Funktion meines Gehirns“. Von einer solchen Selbstanbetung des irdischen Subjekts ist der Meister frei. Schopenhauer sehnt sich danach, „klares Weltauge“ zu sein. Nach Meister Eckhart ist der Menschengeist klares Gottesauge, das Welt und Gott beschaut, „gesprochen Wort“ (logos), „Spiegel“ oder „Sohn“ (bewußter Geist), in dem sich der „Vater“ (das Absolute) anschaut. Dies alles augenscheinlich eine zutiefst philosophische Angelegenheit, in der christlich-mythologischen Symbolsprache des Mittelalters abgehandelt. Es ist an der Zeit, unsere Scheu vor bloßen Terminis aufzugeben und mehr auf die Sache zu achten. Was Meister Eckhart „Gott“ nennt, haben die Nachkantianer unter weniger treffenden Ausdrücken mitunter ebenso tief behandelt wie Johann Eckhart (f 1327).

Bei Schopenhauer freilich fehlt nicht nur der Name, sondern auch die Sache, und daran krankt seine alogistische, widerspruchsreiche Philosophie. Sie krankt an der Ahnung des Fehlenden, dem „reinen Wesen“, das dunkel über ihr schwebt und alle Störungen in ihrem Zusammenhang hervorbringt wie ein astronomisch noch nicht nachgewiesener Stern in den Planetenbahnen der Nachbarsysteme. Sie krankt am Eckhartschen Unwesen, das „in der Hölle brennet“. Von ihm möchte sie sich erlösen und maskiert sich mit einem Seligkeitszustand, der aus der Negierung fließt und mystisch sein soll. Er ist nicht mystisch, sondern stoisch. Es gibt keinen Zugang von Schopenhauer zur Mystik. Mystik ist Aufstieg in eine Sphäre, die Schopenhauers Denken gar nicht kennt. Mystik ist Erhebung über die Welt, Anerkennung höherer Seinswerte über dem Strudel des Kreatürlichen, Gott-Innigkeit. Mystik ist Brand, Ekstase, „schäumende Gotteslust“ (Goethe). Und eine seelische Regung dieser Art findet sich bei Schopenhauer nicht.

Schopenhauer kann uns erschüttern. Er kann uns aufregen bis in die tiefsten Tiefen und uns wie kein Zweiter die Not fühlen lassen, Kreatur zu sein. Aber er kann uns nicht erlösen. Das „fließende Licht der Gottheit“ hat er nicht gesehen.

Die Religion der Germanen

Statt von germanischer Religion sprach man früher von germanischer oder „deutscher“ Mythologie. Wir kennen nämlich von den vorchristlichen Religionen Europas die Mythologie, d. h. die Göttersagen, am besten, weil diese den Glaubenswechsel überlebt haben, was die alte Frömmigkeit auf die Dauer nicht vermochte und auch der alte Kultus nur in bruchstückweiser Erinnerung; und die Göttersagen sind schön und unterhaltend.

Man fand sie früher auch tiefsinnig und gab ausgeführte Deutungen von ihnen, so Ludwig Uhland in seinem Buche über den „Mythus von Thor“, das immer lesenswert bleiben wird, weil es den Dichter Uhland am Werke zeigt. Wer wollte es den Dichtern verwehren, die alten Göttergeschichten mit ihrer Phantasie zu umspielen? Sie machen auf diese Weise nicht bloß manchen Leuten ein Vergnügen, sondern schaffen auch – ohne es zu wollen – Urkunden ihrer selbst und ihrer Zeit, was sich ebenfalls lohnen kann. Was Richard Wagner uns in seinem „Ring der Nibelungen“ von „Wotan“ und „Fricka“ erzählt, das ist unter anderem eine interessante Quelle für Wagners innere Biographie und für den Geist, der um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts Deutschland beherrschte, besonders wenn man Wagners Dichtung mit ihren altnordischen Grundlagen vergleicht, von denen sie nicht weniger verschieden ist als die Palme von der Eiche: die Veränderungen, die der moderne Dichter vorgenommen, das, was er in die germanischen Mythen hineingesehen hat, kennzeichnet ihn und seine Zeitgenossen scharf und ergötzlich (dasselbe gilt von Wagners Behandlung der Heldensage von der wölsungischen Geschwisterehe).

Aber die ersten Deuter germanischer Göttergeschichten waren nicht Dichter, sondern Gelehrte. Olaf Rudbeck, ein schwedischer Polyhistor des 17. Jahrhunderts, hat den Anfang damit gemacht.1 Damals gab es trockene Pedanten, die nichts lesen mochten, was nur schön und unterhaltend war, sondern lauter wirkliche oder doch glaubhafte Geschichte oder tiefe Weisheit von den Büchern verlangten und daher für die Fabeln der Dichter eitel Spott und Verachtung hatten. Rudbeck wurmte es, daß auch die germanische Mythologie diese Geringschätzung erfuhr, und da er von ihrer Schönheit und Bedeutung durchdrungen war, unternahm er es, sie denen, die lediglich Wahrheit suchten, annehmbar zu machen, indem er einen eigentlichen, tieferen Sinn in ihr aufzeigte. Daß Baldr durch einen Mistelzweig getötet wird, den ein Blinder schleudert, und daß auch leblose Dinge, wie Steine und Metalle, um den Toten weinen, dies, sagte Rudbeck, kann nicht wörtlich zu verstehen sein, denn so etwas ist ja unmöglich; auf den wahren Sinn führt uns das Weinen der Metalle, das ja offenbar – die Quelle (Snorri2) sagt es ausdrücklich – ihr feuchtes Anlaufen in der Kälte bedeutet, feuchte Kälte ist eine herbstliche Erscheinung, also stirbt Baldr im Herbst, und als der lichte, strahlende Gott ist er natürlich der Sonnengott, die arktische Sonne, die im Herbst unter den Horizont herabsinkt – so wie Baldr in die Unterwelt geht -, und sein Töter, der „blinde“ Höd, ist die Nacht (caeca nox sagt man lateinisch), die im nordischen Herbst über den Tag siegt. Also ein ewig wiederkehrender Naturvorgang, ein Stück kosmischer Wahrheit ist es nach Rudbeck, was die Baldrsage in seltsame sinnliche Bilder kleidet.

Daß diese Deutung den imponierenden Eindruck des Scharfsinns machen und außerdem durch Stimmungsgehalt die Gemüter gewinnen konnte, verstehen wir heute noch ohne weiteres, und bei der Unentwickeltheit der altnordischen Studien noch lange nach Rudbecks Zeit wundert es uns daher nicht, daß sie lange in hohem Ansehen geblieben ist und allerlei Nachfolge gefunden hat – bis auf den heutigen Tag. Solche, die den Quellen des germanischen Altertums immer noch fernstehen, werden nicht müde, Rudbecks Geist zu beschwören, sei es physikalisch, sei es moralisch, sei es metaphysisch. Schon die große Zahl dieser Deutungen, deren jede die einzig richtige zu sein beansprucht, kann die Augen der Laien dafür öffnen, daß das ganze Verfahren ebenso falsch ist wie das der unterlegenden, nicht auslegenden Fausterklärer, die Fr. Vischer unter dem Pseudonym „Deutobold Mystifizinski“ an den Pranger gestellt hat.Der gesunde Überdruß an dem Hineingeheimnissen hat mit dazu geführt, daß das Interesse der Fachleute sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ganz von den Mythen abwandte und die „Mythologie“ überhaupt in Mißkredit verfiel. Dies hing allerdings gleichzeitig auch damit zusammen, daß das unphilosophisch gewordene Zeitalter sich für die Weisheit der Alten überhaupt nicht mehr interessierte; die philosophische Spekulation hatte ebenso Schiffbruch gelitten wie die Mythendeutung, und der Tatsachensinn war erstarkt. Man ging daher auch bei der Beschäftigung mit der germanischen Religion mehr auf das Faktische aus, auf den Kult und seine Denkmäler (wie Ortsnamen, die Runensteine mit Thors Namen und dem Hakenkreuz und die isländischen Tempelruinen)3, und man suchte örtliche und zeitliche Unterschiede und Entwicklungen festzustellen. Sogar die Mythen selbst wurden unter den Gesichtspunkt gestellt, ob sie nicht Zeugnisse für Kult enthielten, ob sie nämlich nicht verkleidete Kulthandlungen darstellten (Baldrs Tötung z. B. die Opferung eines Königs, ein Vorgang, der in anderen Religionen bezeugt ist), so daß das Deuten eine interessante Auferstehung erlebte, mit zeitgemäß verändertem Vorzeichen. Diese Bemühungen haben, wie alle Bemühungen des positivistischen Zeitalters, das Material und die Gesichtspunkte vermehrt, also Fortschritte gezeitigt, wenn auch manche Hypothesen verwirrend und dadurch hemmend gewirkt haben und das philologische Verständnis der Quellen vielleicht mehr zu wünschen ließ als früher.

Jede Religion ist eine Gestaltung des allverbreiteten Glaubens an die Mächte über uns. Die Religionen unterscheiden sich im einzelnen mannigfach, aber sie unterscheiden sich auch im ganzen, nämlich nach dem Grade, in dem sich die Gläubigen innerlich und äußerlich jenen Mächten unterordnen. Ein hoher Grad von Unterordnung, demütige, ja zitternde Unterwerfung, ist orientalischen Religionen eigen; das muß zusammenhängen mit der despotischen Verfassung der alten orientalischen Staaten, der Allmacht ihrer Herrscher, deren einer – Xerxes – sogar das Meer soll haben peitschen lassen; so wie man diese Herrscher fürchtete, so fürchtete man auch die Gottheit, und wie man sich vor jenen auf den Boden warf, so auch vor dieser. Den Griechen war dieses Wesen fremd und zuwider. Sie traten ihren Herrschern und ihren Göttern anders, freier gegenüber. So war es noch zur Blütezeit der altgriechischen Kultur, die nicht bloß durch den Hochstand von Kunst und Philosophie, sondern auch durch das schöne, aufrechte Menschentum gekennzeichnet ist, von dem die Bildwerke noch heute unmittelbaren Eindruck geben. Dieses griechische Menschentum ist durch die städtische Zivilisation wohl verfeinert, nicht aber geschaffen worden. Es ist viel älter als die Mauern von Athen, älter als die hellenische Geschichte überhaupt. Denn wir finden seine wesentlichen Züge wieder bei den Germanen in oder nahe der alten Heimat, aus der die Vorfahren der Griechen südwärts gezogen sind. Die Germanen hätte das asiatische „Anhündeln“ des Herrschers (griech. proskynein) noch heftiger angewidert als die freien Athener. Dafür bürgt uns schon der Bau der germanischen Gesellschaft, die stolze Unabhängigkeit der Adelbauern, ihre freimütige, ihre freimütige und furchtlose Selbständigkeit gegenüber dem König, aber auch die Stellung der Abhängigen, die Sklaven nicht ausgenommen, deren Menschenwürde, wie schon Tacitus hervorhebt, man zu achten pflegte, und die sicherlich ebensowenig von Unterwürfigkeit wußten wie irgend jemand sonst in Germanien. Wie ähnlich das Verhältnis des Germanen zu seinen Göttern dem des Griechen zu den seinigen war, zeigt sich an den lustigen Götterfabeln: Wodan und Frija, das uneinige himmlische Ehepaar, wurde ähnlich humoristisch betrachtet wie ihr südliches Spiegelbild Zeus und Hera, und dem derben homerischen Gelächter auf Ares‘ und Aphrodites Kosten entspricht die Heiterkeit über den in Weiberkleider gesteckten Thor und seinen Appetit, über Freyas jungfräuliche Entrüstung und Lokis Skandalchronik4. Der Germane konnte seine Götter hänseln; und gerade den Gott, der seinem Herzen am nächsten stand, den starken, gutmütigen Thor, hänselte er am liebsten. Dies ist nicht etwa, wie gelegentlich behauptet wurde, eine Verfallserscheinung, sondern es gehört zum Wesen germanischer Religiosität.Es gab öffentlichen, und es gab privaten Gottesdienst. Letzterer, über den im Norden interessante Berichte vorliegen, ist in diesem Zusammenhang besonders aufklärend. Unter den norwegischen und isländischen Bauern standen manche zu einem einzelnen Gott in besonderem Vertrauensverhältnis. Es ist meistens Frey. Auf Island gab es Freysgoden, d. h. Freyspriester, Besitzer eines Freytempels. Ein solcher war Hrafnkel, der Held der nach ihm benannten Saga.5

Er schenkte Frey, seinem Freunde, wie es ständig in solchem Zusammenhang heißt, die Hälfte von allem, was er besaß, machte also den Gott zu seinem Partner, so wie man sich mit einem Freund in den Besitz eines Waldes oder eines Schiffes teilte. Das ist ein Verhältnis der Gleichberechtigung, etwas, was man vom Standpunkt der vom Orient ausgegangenen großen Weltreligionen geneigt sein könnte, gar nicht als religiöses Verhältnis anzuerkennen, was aber doch ein solches ist, da es sich auch hier um festen Gottesglauben handelt, einen Glauben, der die Anerkennung der göttlichen Übermacht, die sich unerwartet wunderbar offenbaren kann, einbegreift, und der mit Hingebung verbunden ist, mag es auch eine männlich kühle, stolz zurückhaltende Hingebung sein. Die Übermacht des Gottes führt zu keiner ausgeprägten Unterordnung seines Verehrers, weil dieser selbst ein hochgespanntes Kraftgefühl hat und auf Grund dieses Kraftgefühls und der Siege verschiedener Art, die das Leben ihm bescherte, zugleich an sich glaubt. Er hat dabei – was kein Christ oder Jude verstanden hätte – ein vollkommen gutes Gewissen. Daß der Gott, den nordische Adelbauern in dieser Weise zu ihrem Vertrauten (fulltr¯ui) machen, gerade Frey zu sein pflegt, ist nicht Zufall, sondern beruht darauf, daß Frey, der gutes Wetter und Fruchtbarkeit für Vieh und Felder spendete, durch diese seine Sphäre die des Menschen ergänzte. Dieser konnte wohl die anderen Menschen lenken und in Schach halten, aber gegenüber den Vorgängen, von denen Leben und Gedeihen seiner Wirtschaft am unmittelbarsten abhingen, mußte er sich weithin machtlos fühlen (obgleich man besonders Königen auch auf diesem Gebiete wunderbare Macht zugetraut hat). Daher sein Bündnis mit dem göttlichen Helfer, der das konnte, was er selbst nicht vermochte. Auf dieser Grundlage eines naiven religiösen Utilitarismus konnten verhältnismäßig warme Freundschaftsgefühle gedeihen; der Wunsch, den göttlichen Vertrauten zu erfreuen und kein Zeichen seiner Gunst unbeachtet und unerwidert zu lassen, konnte breiten Raum im Leben einnehmen und diesem dadurch religiösen Charakter aufprägen. Als ein Freund des Frey im nordwestlichen Island erschlagen worden und begraben war, beobachtete man, daß an der einen Seite seines Grabhügels kein Schnee liegen blieb. Man erklärte es sich so, daß Frey nicht wolle, daß es zwischen ihm und seinem Freunde je fröre. Frey wohnte im klaren Himmel; man sah und fühlte ihn im Licht und in den Sonnenstrahlen.

Auf der Insel Mostr6 vor dem Hardangerfjord lebte der wohlhabende und mächtige Thorolf, ein „großer Freund“ des Thor und Inhaber eines Thortempels. Als ihm Verwicklungen mit König Harald drohten, brachte er seinem Freunde ein großes Opfer dar und erkundete dabei durch das landesübliche Orakelverfahren (ganga til fr¯ettar) dessen Rat; der Gott wies ihn nach Island. So brach er, von vielen Freunden – kleineren Leuten aus Mostr und Umgegend – begleitet, auf einem große Seeschiff auf und nahm auch den abgebrochenen Tempel nebst der Erde unter dem Altar, auf dem das Gottesbild gestanden hatte, an Bord. Da trieb ihn guter Fahrwind übers Meer und um Islands Südwestspitze herum bis angesichts der großen Busen der Westküste, dann trat Windstille ein, und Thorolf warf nun die heiligen Hochsitzpfeiler über Bord, auf deren einem ein Thorbild geschnitzt war, und versprach laut dem Gotte, dort sich ansiedeln zu wollen, wo er die Pfeiler landen lassen würde. Sogleich trieben diese der nördlicheren Bucht zu, schnell, wie man erwartet hatte. Alsbald erhob sich eine Seebrise, und das Schiff segelte in jenen Busen hinein, der sich gewaltig breit und rings von hohen Bergen umgeben auftat und von Thorolf den Namen „Breitfjord“ bekam. Er landete an der Südseite bei einer einladenden Bucht, wo sich bald denn auch die Hochsitzsäulen bei einem Vorgebirge („Thorskap“) angetrieben fanden, und wo man ein zweites Landnahmefeld abgrenzte durch Umfahren mit dem Feuerbrand zur Abwehr der schädlichen „Landwichte“; der Grenzfluß nach Osten wurde „Thorsach“ genannt. Bei dem Gehöft, das an jener Bucht entstand, wurde der mitgebrachte Tempel in stattlicher Größe neu errichtet, mit dem einem Kirchenchor ähnlichen Anbau, in dem der Altar stand mit dem pfundschweren Eidring darauf und dem Opferblutgefäß mit dem Zubehör zum Sprengen der Wände und der Versammelten mit dem heilbringenden Blut; Götterbilder standen um den Altar (wahrscheinlich Thor hinter diesem, Odin und Frey zu beiden Seiten). Auf dem Thorskap wurde die Stelle, wo der Gott gelandet war, zur Gerichtsstätte bestimmt und der weitere Umkreis als Dingplatz eingerichtet. Der gottgewählte Boden war heilig, so daß er nicht verunreinigt werden durfte, weder durch Blutvergießen noch durch Unrat, ja zu dem Berg, in den die Toten der Familie eingingen (Heiligenberg), durfte niemand ungewaschen die Augen erheben. Als dem Thorolf im Alter ein Sohn geboren wurde, „gab“ er ihn seinem Freunde Thor und nannte ihn demgemäß Thorstein (dessen Enkel war Thorgrimm, der bekannte Gode Snorri).7

Diese Auswanderung und Ansiedelung Thorolfs von Mostr ist ein Hauptbeispiel germanischer Frömmigkeit. Wir haben den Eindruck, daß dieser Großbauer und Häuptling sich kaum genugtun kann in dankbaren Ehrerweisungen an seinen Gott, dessen Freundschaft und große Macht ihn so sichtlich und so weise aus schwieriger Lage, die Tod oder Verlust der Väterfreiheit androhte, hinübergeleitet hatte zu neuem Reichtum und gleicher oder größerer Macht. Auch hier leistet der göttliche Helfer, was außerhalb des menschlichen Bereiches liegt. Während der milde Frey der Gott des klaren Himmels und guten Erntewetters war, beherrschte Thor die kräftigeren, ernsteren Wettererscheinungen, Gewitter, Regen und Wind. Deshalb riefen ihn auch sonst die Seefahrer an, aber als Wettergott überhaupt war er natürlich auch Bauerngott, und wahrscheinlich ist er seit alters der meist verehrte Gott gewesen. Wie wir aus Thorolfs Geschichte ersehen, beschützte er auch Ding und Gericht; Runeninschriften lehren, daß ihm der Friede des Grabes am Herzen lag.8 Thor war somit ausgeprägt ein Gott, der für die Verwirklichung dessen, was in Ordnung ist, und für die Verhinderung von dessen Gegenteil sorgte, ein Helfer nicht bloß des Landwirts oder Seefahrers als eines einzelnen, sondern auch dessen, der das Gemeinwohl im Auge zu haben hatte, des Häuptlings oder „Fürsten“, wie Thorolf einer war.

Außer Freys- und Thorsfreunden gab es im alten Norden auch Odinsverehrer; einer von diesen war der berühmte Skalde und Krieger Egil, Skallagrims Sohn.9 Egil hatte schon seinen Bruder im Kriege und einen seiner beiden hoffnungsvollen Söhne durch ein Fieber verloren, da wurde ihm auch der andere entrissen, indem er ertrank. Ein ergreifendes Kapitel der Egilssaga schildert, wie der Alte die angetriebene Leiche seines Lieblings sitzend vor sich auf den Sattel nimmt, mit ihr zum Grabhügel seines Vaters reitet und sie dort bestattet, dann sich in sein Lager einschließt, um Hungers zu sterben. Am dritten Tage läßt man seine Tochter Thorgerd, die an Olaf Pfau in Hjardarholt verheiratet ist, holen, damit sie helfe, und Thorgerd bringt nun durch kluge Behandlung den Vater so weit, daß seine Lebensgeister zurückkehren und der das Erblied auf den Toten dichtet, das sie in Runen auf Stäbe ritzt, damit es erhalten bleibt, wenn sie beide nun sterben. Aber bei der Ausübung seines edelsten Könnens erwacht Egil vollends zum Leben; er hat das bitterste seines Schmerzes überwunden, indem er ihn in Versen gestaltete.

Das Gedicht, „der Söhne Verlust“, ist erhalten und stellt das persönlichste Bekenntnis dar, welches das vorchristliche Germanentum hinterlassen hat. Der Dichter gedenkt darin auch der Götter, die seinen Verlust verschuldet oder geduldet haben, zuerst des Meergottes Ägir. An diesem würde er am liebsten mit dem Schwerte Rache nehmen, wenn nur seine helferlose Greisenkraft ausreichte. Dann sagt er von Odin, er sei sein Freund gewesen, aber der Gott habe die Freundschaft gebrochen, indem er Egils ersten Sohn in sein Luftreich emporhob, seitdem seien ihm die Opfer, die er dem Herrn von Walhall brachte, nicht mehr aus dem Herzen gekommen – und doch, fährt er fort, hat der Gott mir ja Sühne geleistet, denn er hat mir die makellose Gabe der Dichtkunst verliehen und dazu eine Sinnesart, durch die ich mir noch immer heimliche Widersacher zu offenen Feinden umgeschaffen habe. Diese Offenheiten des schmerzbewegten Egil zeigen vielleicht eindrucksvoller als alle anderen Zeugnisse die Gleichstellung mit den Göttern, die der stolze germanische Große als selbstverständlich für sich in Anspruch nimmt.

Der Glaube starker Männer an sich selbst, von dem die Rede war, konnte über den an die Götter derart die Oberhand gewinnen, daß die Betreffenden nicht opferten und offen erklärten, nur auf die eigene Macht sich zu verlassen (trua a matt sinn ok megin). Dabei ist unter „Macht“ auch manches von dem zu verstehen, was wir „Glück“ nennen würden. Überraschende Erfolge und Erscheinungen wie das bei uns zur Zeit Wilhelms des Ersten sprichwörtlich gewordene „Kaiserwetter“ (der Sonnenschein, der jede Parade und jeden Städtebesuch des Monarchen zu begleiten schien) rechnete man unter Umständen der Persönlichkeit zu, auch wenn diese nicht als Zauberer bekannt war. Grim Lodenhaut, der mächtigste Mann in Helgeland um 800, hatte immer günstigen Fahrwind, mochte er von seiner Insel Hrafnista nach Norden segeln zum weißen Meer auf „Finnenhandel“ (finnkaup) oder südwärts die Schären entlang, um aus Jäderen oder der Vik Korn zu holen. Da er kein Opferer war, konnte dies nur darauf beruhen, daß ihm, der auch anderweit mehr konnte als andere, gottähnliche Kraft innewohnte. Grims angeblicher Sohn Odd (Örvar-Odd, d. i. „Pfeil-Odd“), ein berühmter Wiking und der Held einer der bekanntesten Sagas,10 soll schon in jungen Jahren allem Religionswesen – so dem Treiben der von Hof zu Hof ziehenden Wahrsagerinnen – abhold gewesen sein; jedenfalls war er einer jener „Götterlosen“, die nur der eigenen Macht vertrauten. Seine Züge führten ihn, wie viele andere Nordleute seiner Zeit, bis ins Mittelmeer, und dort, in Sizilien, ließ er sich bewegen, die Taufe anzunehmen. Die „Götterlosen“ liehen den Bekehrern durchschnittlich ein willigeres Ohr als die Freunde des Thor oder Frey; der „weiße Krist“ brauchte ja aus ihrem Herzen keinen Nebenbuhler zu verdrängen, und ihre Abneigung gegen Gottesdienst war zu überwinden, weil der christliche Kultus mit Glockenklang, Gesängen und Prachtentfaltung ganz neue Reize bot, die Versprechungen der neuen Religion sich auf eine den meisten ganz neue Sphäre bezogen, nämlich auf das Jenseits, und ihre wichtigsten Forderungen, Almosengeben und Schonung der Schwachen, der germanischen Gemütsart nicht fremd waren, sondern ihr oft geradezu entgegenkamen. In Willibalds Biographie des Bonifazius wird erzählt, wie der Apostel der Deutschen in Hessen neben vielen eifrigen Heiden auch solche vorfand, die „schon gesunderen Sinnes waren und allem heidnischen Götzendienst entsagt hatten“. Das waren gewiß zum Teil solche selbstbewußten „Götterlosen“, derengleichen es von jeher bei den Germanen gegeben zu haben scheint, zum größeren Teil allerdings waren es religiös Träge und Gleichgültige, die ebenfalls nie gefehlt haben. Schon Cäsar ist es aufgefallen, daß im Gegensatz zu den höchst religionseifrigen Galliern die Germanen sich mit Opfern verhältnismäßig wenig abgaben. Das bestätigen die nordischen Quellen vollauf. Ein Spruch der Edda lautet so:

Besser nichts erfleht,als zuviel geopfert:Auf Vergeltung die Gabe schaut;Besser nichts gegeben,Als zu Großes gespendet:Eitel manch Opfer bleibt 11.

„Auf Vergeltung die Gabe schaut“ war ein Sprichwort, das zunächst auf menschliche Verhältnisse gemünzt war. Wir können seinen nüchternen Sinn wiedergeben mit „Eine Hand wäscht die andere“.

Es scheint also nichts im Wege zu stehen, Willibald Glauben zu schenken, wenn er behauptet, bei der Fällung der Geismarer Donarseiche durch Bonifazius habe sich kein ernstlicher Widerstand der Heiden bemerkbar gemacht, und diese hätten sich unter dem Eindruck des Wunders alsbald bekehrt. Und doch ist der Wahrheitsgehalt dieser und ähnlicher Bekehrungsgeschichten sicher äußerst gering. Wie es in Wirklichkeit bei der Durchsetzung des Christentums zugegangen ist, das erfahren wir nur aus den nordischen Quellen, besonders aus Snorris Lebensbeschreibungen der beiden Olafe, der königlichen Apostel Norwegens; denn nur hier ist die Sachlichkeit und Unparteilichkeit – unbeschadet der christlichen Überzeugung auch Snorris. Der Lateiner erzählt uns einerseits Dinge, die er unmöglich wissen kann – die Seelenregungen der Heiden -, andererseits läßt er Wichtiges aus; so erfahren wir von ihm z. B. nichts darüber, wie es kommt, daß eine so große Menschenmenge der Fällung der heiligen Eiche beiwohnt. Entweder ist dies eine starke Übertreibung, oder es hat sich um ein Ding gehandelt, und im letzteren Falle könnten wir verlangen, zu erfahren, wer das Ding berufen hatte, welche Redner auftraten, und wie es den angelsächsischen Geistlichen möglich gewesen war, dort Zutritt zu erlangen – wenn wir es mit ernster Geschichtsschreibung zu tun hätten und nicht mit einer Erbauungsschrift. Es ist sehr schade, daß ernste, zeitgenössische Geschichtsschreibung über die Bekehrung Deutschlands vollständig fehlt. Aus dem unklaren, langatmigen Predigtstil Willibalds lassen sich für unsere Frage nur einzelne sicher geschichtliche Tatsachen entnehmen, kleine Oasen in einer dürren Wüste. Eine solche Tatsache von großem Interesse ist die Donarseiche und ihre Fällung. Heilige Bäume und Haine sind auch im Norden – letztere schon bei Tacitus – für die Germanen bezeugt, und die Zerstörung der Heiligtümer war im 10. und 11. Jahrhundert in Norwegen und Schweden ebenso ein Ziel der Bekehrer wie in Hessen im 8. Jahrhundert. Historisch ist es auch, daß Bonifazius, wie sein Biograph gleich anschließen erwähnt, sich in Thüringen an „die Ältesten der Gemeinden und die Fürsten des Volkes“ wandte. Das war das altbewährte und auch später im Norden mit Erfolg geübte Verfahren. Die Christianisierung der Germanen ist von oben nach unten gegangen. Auch wo es, wie in Norwegen, der Kirche gelang, Könige als Apostel in Bewegung zu setzen, gingen diese nach demselben Grundsatz vor.

Olaf Tryggvason erreichte die Taufe der hardangischen Bauernschaft, indem er die dort herrschende Familie des „Haruden-Kari“, Erling Skjalgsson von Sole und seine Oheime, durch Verschwägerung an sich fesselte, so daß sie die Masse ihm gefügig machten; er bediente sich also des Ehrgeizes der Großen, welche aber selbst dazu die Hand boten, weil sie einen gewaltsamen Austrag scheuten – der König war zu mächtig – und aus der unangenehmen Lage wenigstens einigen Gewinn für sich herausschlagen wollten. Von heidnischen Bekenner- und Märtyrergeist ist also jedenfalls in Hardanger nichts zu spüren, und weiter südlich im Lande erst recht nicht, wo man – in Rogaland mit einigen Umschweifen, in der Vik ohne solche – Olafs Befehl sich murrend beugte. Im Drontheimischen dagegen setzte es ernste Schwierigkeiten. Auch hier wandte der König sich an die führenden Familien, aber er mußte Gewalt und kalte Hinterlist anwenden, das Haupt des Widerstandes, der reiche Jarnskeggi von Nrjar, wurde durch die Königsmannen ohne Kampf erschlagen, ehe die äußere Unterwerfung der führerlos Gewordenen und Entmutigten erfolgte. Trotzdem gingen im Binnenlande, bei den „Innentröndern“, die Opferfeste weiter wie seit Urzeiten – drei im Jahr, eins zu Sommers-, eins zu Wintersanfang und eins zu Mittwinter -, und noch zwanzig Jahre später war dort fast alles heidnisch, so daß der zweite Olaf – der „Dicke“, später „der Heilige“ zubenannte – neues Blut fließen lassen, manchen von Haus und Hof verjagen, viele verstümmeln oder blenden lassen mußte (1022). Ähnlich ging es damals im inneren norwegischen Hochland, wo ebenfalls noch viel Heidentum war. Die Drontheimer Bauern haben übrigens schon im Jahre 952 Hakon dem Guten, der als Pflegesohn des Angelsachsenkönigs Ädelstan die ersten Bekehrungsversuche in Norwegen machte, trotzig die Stirne geboten, wovon die Heimskringlas anschaulich erzählt12. Später, unmittelbar vor Olaf Tryggvason, war Hladir am Drontheimfjord der Sitz des Jarls Hakon, der als Herrscher über den größten Teil Norwegens ein bewußter Vorkämpfer des Väterglaubens gewesen ist.

Ähnlich zäh wie im Drontheimischen haftete die germanische Religion in den angrenzenden schwedischen Landschaften und in Uppland und Smaaland. Der große Haupttempel von Uppsala, den Adam von Bremen mit dankenswerter Genauigkeit beschreibt, stand im 11. Jahrhundert noch in voller Blüte, obgleich mit Hilfe des Königs St¯enkel in dem benachbarten Sigtuna ein Bistum errichtet war. Der eifrige deutsche Bischof Adalward hatte einen Anschlag auf den Heidentempel vor, von dessen Niederbrennung er viel erhoffte, aber der Schwedenkönig riet davon ab, weil die Heiden jenen zum Tode verurteilten und ihn selbst aus dem Lande jagen würden. Ein um dieselbe Zeit in Schweden tätiger angelsächsischer Missionar unternahm es, ein Thorbild in einem Tempel mit einer Axt zu zertrümmern, fand aber dabei durch empörte Thorsfreunde den Tod. Was die schwedischen Könige betrifft, so hatte schon jener Olaf, dem die Bauern auf dem Ding seine Schwäche und seinen Hochmut vorhielten, sich taufen lassen, aber dem Christentum in Uppland und nördlich davon noch keine Stätte geschaffen. Dies tat erst der erwähnte St¯enkel, mit dem eine neue Herrschersippe den Thron bestieg, und besonders sein Sohn Ingimund. Von ihm rühmt eine deutsche Quelle, er habe den Heidentempel zu Uppsala gereinigt und zu christlichem Gebrauch eingeweiht. Gleichwohl erhob sich gegen ihn noch eine übermächtige Reaktion. Die Bauern verlangten auf dem Uppsalading von ihm Wiederherstellung der alten Gesetzte und Sitten oder seinen Abgang. Der König weigerte sich und mußte den Bauern weichen (ihren Steinwürfen, wie die isländische Quelle sagt). Er floh nach dem schon älteren Bischofssitz Skara in Westergötland, während sein Schwager Sv¯en, den die Bauern statt seiner ernannten, die alten Pferdeopfer an Odin auf der Stelle wieder einführte („Opfer-Sven“, Blot-Sveinn). Nach drei Jahren überfiel Ingimund mit Gefolge diesen letzten Heidenkönig im Morgengrauen in seinem Hause mit Feuer, und während die Menschen drinnen im Rauch erstickten, ging Sven hinaus und fiel fechtend. Ein letzter heidnischer Sproß des alten Yinglingergeschlechtes, Ingwar, fand landflüchtig ein ruhmvolles Ende im fernen Südosten. Von seinen und seiner Leute Taten erzählen Runensteine in Uppland und Södermanland.

Die germanische Religion ist also nicht stumm und widerstandslos vom Schauplatz abgetreten; auch in Süddeutschland und England ist dies gewiß nicht der Fall gewesen. Auch die Gleichgültigen leugneten Dasein und Macht der Götter ja nicht, und es ist eine bekannte Erfahrung, daß etwas, was man lange besessen hat, ohne es zu schätzen, in dem Augenblick, wo es einem entrissen werden soll, Wert gewinnt; ferner ist unerbetene fremde Einmischung niemandem erwünscht, am wenigsten dem stolzen und kühlen Germanen, der sich eins mit seinen Vätern weiß. Wenn wir in Alkuins Leben des heiligen Willibrord von den Besuchen lesen, die dieser Missionar dem Friesenkönig Radbod machte, um ihn zu gewinnen, so verstehen wir bei genügender Vertrautheit mit germanischem Wesen ohne weiteres die Verbindung von Gastlichkeit und Ablehnung im Benehmen des Fürsten. War dieser einigermaßen feinfühlig (worüber wir nichts wissen), so ist ihm der Fremde als ein Zudringlicher erschienen. In der Biographie eines anderen angelsächsischen Glaubensboten, des heiligen Lebuin, von Hugbald wird erzählt, wie Lebuin auf dem Alding der Sachsen die zu Beginn der Tagung der Sitte gemäß Opfer darbringende Menge von der Nichtigkeit ihrer Götzen und von der christlichen Wahrheit überzeugen wollte und durch seine Reden solche Entrüstung erregte, daß man ihm mit ausgerissenen Zaunpfählen zu Leibe wollte.

Da griffen andere zu seinen Gunsten ein, und ein vornehmer Mann stellte von „einem erhabenen Orte“ aus (d. h. wohl vom Rednerhügel aus, der dem altisländischem Gesetzesberg entsprach) den aufgeregten Leuten vor, es entspreche dem Herkommen der Sachsen nicht, Gesandte zu verunglimpfen („Heilig ist der Herold, der dahinzieht allein“, heißt es schon im alten Liede von der Hunnenschlacht, Thule I, S. 30); darauf beschloß man sofort, daß auch dieser Fremde unverletzlich sein und frei solle abziehen dürfen. Der Edeling soll auch auf die Macht des dreieinigen Gottes verwiesen haben. Aber das wäre wenig klug gewesen und ist schon aus diesem Grunde unwahrscheinlich. Auch ohne christliche Sympathien des Edelings ist sein Auftreten aus germanischer Anschauung heraus ebenso verständlich wie die Achtung König Radbods vor dem Gastrecht, und dieser war Vollblutheide. Von Erfolgen Lebuins auf dem Sachsending verlautet nichts; es heißt vielmehr, er habe dort nur den Märtyrertod gesucht, was zu seinem Leidwesen mißlungen sei. Diese Beispiele zeigen, daß auch in Deutschland die Reden der Bekehrer, obgleich das Gast- und das Botenrecht sie schützte, keinen andern Eindruck zu erzielen pflegten, als daß in ihnen enthaltene Ausfälle gegen die Landesreligion die Menge in Harnisch brachten; ebenso wie im Norden, wo ebenfalls, soweit wir sehen können, die Missionspredigt als solche wirkungslos verhallte. Abgesehen von privaten Umstimmungen einzelner ist es immer nur die Vereinigung von Willen und Macht – auch solcher einzelnen – gewesen, was die Unterwerfung der germanischen Völker unter das Kreuz herbeigeführt hat. Daß es dabei nur selten (wie in Schweden) zu Waffengängen gekommen und der Ausgang schließlich überall derselbe gewesen ist, beruht auf dem Gang der Weltgeschichte und der überlegenen Zielbewußtheit der Christen, während die Germanen plan- und ziellos und außerdem uneinig waren.

Ins Jahr 974 setzen die Sagas einen Vorgang, der als eindrucksvollste Episode aus dem Kampf der Religionen denkwürdig bleibt. Jarl Hakon hatte mit dem Norwegerheer am Danevirke dem Kaiser Otto widerstanden. Da umging dieser die Dänen und Norweger, indem er mit seinem riesigen Heere – in dem sich auch der junge Olaf Tryggvason befand – über die Schlei setzte. Er rückte bis an den Limfjord vor, und auf der Limfjordinsel Mors war es, daß unter dem Eindruck eines Mirakels – Bischof Poppo trug glühendes Eisen – König Harald Blauzahn mit seinem ganzen Heer die Taufe nahm und auch der norwegische Jarl sich taufen lassen und dazu verstehen mußte, Priester mit nach Norwegen zu nehmen, damit auch dieses Land dem Christentum gewonnen würde. Die deutschen Waffen, besonders das Reiterheer – die Nordleute kämpften noch nach alter germanischer Weise fast nur zu Fuß – müssen gewaltig gedroht haben! Als aber günstiger Wind aufkam, da setzte Jarl Hakon die geistlichen Herren aus seinem Schiff ans Land und stach mit der Flotte in See. Er umsegelte Skagen, heerte an beiden Küsten des Öresund und steuerte um Schonen herum bis zu den „Gautenschären“.

Dort landete er und vollzog ein großes Opfer; da kamen zwei Raben geflogen und krächzten laut; das war ein Zeichen, daß Odin das Opfer angenommen habe und der Tag günstig sei zum Kämpfen (Raben waren, ebenso wie Wölfe, siegverheißende Angangstiere, und es waren die Tiere Odins; erst das Christentum schuf den Begriff des „Unglücksraben“). Der Jarl ließ alle seine Schiffe verbrennen, rückte „unter dem Heerschild“ landeinwärts, schlug den Jarl Ottar von Gautland und gelangte mit reicher Beute auf dem Landwege heim nach Drontheim.

Der Jarl rächt sich also für die Demütigung dadurch, daß er christliche Länder – auch Gautland war bereits ein solches – mit Krieg überzieht. Er behandelte alle Christen als seine Feinde, ebenso wie die Kirche alle Heiden bekämpfte. Er führt einen Religionskrieg, und zwar einen reineren Religionskrieg als vor ihm die Araber und die deutschen Kaiser, da er nicht wie diese Land erobern, sondern – trotz der gemachten Beute, unter der sich Kirchenschätze aus Gautland befunden haben werden – im wesentlichen nur die feindliche Religion schädigen, seinen Haß gegen diese ausleben will. Es ist kein Angriffs-, sondern eine Verteidigungs- und Vergeltungsfehde – wie jede germanische Fehde. Wie sonst so oft, so greift auch hier die gekränkte Ehre zur Waffe. Aber sonst ging es gegen eine Sippe oder gegen einen Stamm, ein Reich. Daß die bekämpfte Partei sich nicht nach Sippe oder Staat bestimmt, sondern nach der Religion, das war etwas Neues, wozu erst die Kirche durch das unterschiedslose Ceterum censeo ihres Kreuzzugsgedankens die Germanen erzogen hatte. Jarl Hakon, der Christenfeind, war als solcher ein Schüler der Kirche. Er war es auch insofern, als er die Norweger antrieb, die zum Teil zerstörten Tempel wieder in Stand zu setzen und die alten Götter zu ehren. Jarl Hakon war einer jener ganz Starken, die sonst gern auf die eigene Kraft allein vertrauten. Von ihm und seinem Sohne Eirik, dem eigentlichen Helden der großartigen Erzählung von der Jomswikingerschlacht,13 haben wir den Eindruck, daß dieses Geschlecht eins der kraftvollsten und lebensprühendsten gewesen ist, von denen die Geschichte der Germanen weiß. Und dabei eine heidnische Frömmigkeit, die wenigstens in den Quellen nicht ihresgleichen hat. Die Götter belohnten das: in den ersten Regierungsjahren Hakons herrschte in Norwegen ein fast unerhörter Überfluß an Korn und Heringen, und das gefährliche Treffen gegen die ins Land eingefallenen Jomswikinger endete dank einem Hagelschauer von Norden mit blutiger Niederlage dieser Dänen. Kein Wunder, wenn schließlich den erklärten Göttergünstling Hakon Übermut befiel, so daß er die Drontheimer Bauern gegen sich aufbrachte und so seine Herrschaft der stärksten Stütze beraubte.

Der Dänenkönig aber ließ, nachdem die Deutschen abgezogen, bei Jellinge in Jütland (nördlich von Vejle) zwischen den hohen Grabhügeln seiner Eltern Gorm und Tyre einen großen Runenstein errichten, dessen Inschrift besagt, Harald, König von ganz Dänemark und Norwegen , habe die Dänen zu Christen gemacht. Auch dänische Chroniken nennen Harald Blauzahn als ersten christlichen König, wenn sie auch gleichzeitig noch von einer heidnischen Empörung gegen seine Herrschaft melden. Jedenfalls machte um diese Zeit das Kreuz den größten Fortschritt seit der Unterwerfung der Sachsen durch Karl „den Großen“. Die Asen flüchten über das norwegische Gebirge und die schwedischen Urwälder nordwärts.14

Die späteren Jahrhunderte des germanischen Heidentums stehen überhaupt unter dem Zeichen des Zurückweichen vor der Kirche und den christlichen Einflüssen. Im Süden und am Rhein hat beides schon früh begonnen. Die christlichen Einflüsse sind oft überschätzt worden – man hat sie da gesucht, wo jede Aussicht, sie zu finden, fehlte -, aber zu leugnen sind sie nicht. Das Christentum selbst enthält Bestandteile, die ihm von außen zugekommen sind. Diese stören die Einheitlichkeit des Phänomens „Christentum“ nicht, und so stellt sich auch die germanische Religion recht einheitlich dar, ohne daß dadurch christliche und sonstige fremde Elemente in ihr ausgeschlossen werden, deren Vorhandensein nach sonstiger Erfahrung und allgemeiner Wahrscheinlichkeit notwendig angenommen werden muß. Daß der Grundriß der altnordischen Tempel einem Kirchengrundriß gleicht, wird schwerlich anders als aus Nachahmung der kirchlichen Bauweise zu erklären sein. Die eigenen Götter sollten in einem ähnlich vornehmen Hause wohnen wie der Gott der Christen, der einen freilich sonst nichts anging. Es ist eine Erscheinung gleicher Art, wie wenn Jarl Hakon etwas wie heidnische Kirchenzucht einführt.

In einer geheimnisvollen Eddastrophe sagt Odin von sich: „Ich weiß, daß ich hing am windigen Baum neun Nächte lang, mit dem Ger verwundet und dem Odin gegeben, ich selbst mir selbst, an jenem Baume, von dem niemand weiß, aus was für Wurzeln er wächst.“ Es folgen dunkle Verse von einem Brotleib und einem Trinkhorn. Dann späht der gefesselte Gott in die Tiefe, nimmt, laut wehklagend, Runen auf und wird durch deren Zauberkraft frei. Der Baum, der aus unbekannten Wurzeln wächst, ist die Weltesche Yggdrasil. Das Hängen und Durchbohren mit dem Speer ist die Form, wie dem Wodan die Menschenopfer dargebracht wurden; die Speerwunde bedeutete den Kampftod, den Wodan von seinen Getreuen verlangte; die Hängung hoch im Winde sollte den Geopferten dem durch die Luft fahrenden Gott darbieten, so daß er ihn auf seiner wilden Jagd mitnahm. Die Neun ist uralte, indogermanische, heilige Zahl. Zählung nach Nächten ist, ebenso wie Zählung nach Wintern, ebenfalls alter, bodenständiger Germanenbrauch, den schon Tacitus kennt. Der Mythus von Odins Hängung und Selbstopferung sieht also gut germanisch aus. Und doch it er wohl nur die Germanisierung von Christi Kreuzestod.

Irgendwann innerhalb der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung hat irgendwo an der Donau oder am Rhein ein germanischer Thul von dem Opfertode des fremden Gottes am Kreuz gehört, und daraus ist in seiner lebhaft ergriffenen Phantasie das geworden, was wir in der Edda lesen: ein Zeugnis weniger von christlichem Einfluß auf die ungetauften Germanen als von deren souveräner Verständnislosigkeit gegenüber der jüdisch-christlichen Gedankenwelt.

Schon in vorgeschichtlicher Zeit müssen südliche Religionen zu uns herübergewirkt haben. Balder, der Liebling der Götter und Menschen, welcher stirbt und von aller Natur und Kreatur beweint wird, in die Unterwelt wandert und von Hel zurückerbeten wird, ähnelt dem Adonis und besonders dessen Urbild, dem sumerisch-babylonischen Wachstumsgott Tamuz, so sehr, daß er ebenso wie Adonis letzten Endes aus Mesopotamien stammen muß. Im alten Vorderasien sind Kulte und Religionen aufgeschossen wie Pflanzen in einem Treibhause, und mehrere von diesen sind weit nach Europa hinein ausgestrahlt, am weitesten und am nachhaltigsten das Christentum, aber vor, neben und nach ihm auch andere Religionen, so die Verehrung des Adonis, Attis, Mitra und anderer Heilbringer. Der nordeuropäische Vertreter dieser Gruppe ist Balder.15 Auch er erscheint in interessanter Weise germanisiert, aber die fremden Bräuche und Vorstellungen haben sich in diesem Falle merkwürdig stark geltend gemacht und sich merkwürdig treu durch die Jahrhunderte behauptet, wenn auch anscheinend lange nicht überall in Germanien. So sicher es Balderheiligtümer gegeben hat, und so sicher der todgeweihte Gott nicht bloß in Skandinavien und Dänemark, sondern auch in Norddeutschland bekannt gewesen ist, so gewiß ist die Spärlichkeit seiner Bezeugung nicht zufällig. Als den nordischen Baldergläubigen die erste Kunde von Christus zukam, fiel ihnen die Ähnlichkeit der beiden Gestalten auf, und sie machten ihren Balder, um es den Fremden gleichzutun, vollends zu einer Art Christus, indem sie ihn „blutiges Opfer“ nannten.

Schon Tacitus weiß, daß hier und da in Germanien – ähnlich wie in Rom – auch fremde Gottheiten verehrt wurden. „Einen Teil der Sweben“ läßt er nämlich der ägyptischen Isis opfern, die auch in Rom Anhänger hatte, und für deren Kult ein herumgeführtes Schiff kennzeichnend war. Wenn es auch fraglich bleibt, ob die betreffende Göttin bei den Sweben wirklich „Isis“ hieß – denn dies könnte ja „römische Interpretation“ sein -, so liegt doch kein Grund vor, die Richtigkeit der Angabe an sich zu bezweifeln. Von einem der östlichen Stämmen, den „Nahanarvalern“ im heutigen Schlesien, berichtet Tacitus, daß dort ein göttliches Brüderpaar verehrt werde und der Priester wie eine Frau gekleidet sei, also lange Gewänder trage. Es ist diese eine der Stellen in der „Germania“, wo man den germanischen Berichterstatter zu hören glaubt. Als die ersten christlichen Glaubensboten, talartragende Geistliche, nach Island kamen, verspottete man sie dort als Weiber wegen ihrer Tracht. In ähnlichem Sinne werden sich die Nachbarn der Nahanarvaler über deren sonderbare Priestertracht unterhalten haben. Gewiß war diese Tracht die Nachahmung irgendeines südöstlichen Vorbildes. Durch Schlesien ging eine alte Handelsstraße die Oder hinab. Die lappische Nachahmung germanischen Opferbrauchs lehrt, daß germanische Opferpriester Kränze auf dem Haupt getragen haben, nach mittelmeerischer Sitte. Gerade auf dem Gebiete der Tracht und des Schmucks sind Entlehnungen von Volk zu Volk etwas sehr Häufiges. Die Germanen, die nicht auf südlichem Kulturboden den Zusammenhang mit den Stammesgenossen verloren hatten, haben in ihrer Masse keine Neigung gezeigt, fremde Moden anzunehmen, im Gegensatz zu den germanischen Völkern im Mittelalter und in der Neuzeit; Hosen, Haartracht u. a. unterschieden sie dauernd von Römern und Griechen. Aber die gehobene Sphäre des Gottesdienstes konnte leicht Ausnahmen schaffen. Die betreffenden Kulte konnten gleichwohl bodenständig sein, wie denn Tacitus dies von dem Kult der germanischen Dioskuren ausdrücklich hervorhebt. Diese sind wahrscheinlich ein Erbe aus indogermanischer Urzeit, da sie nahe Gegenstücke bei Indern (die Açvins) und Griechen haben.

Unter denselben Gesichtspunkt fällt der Hauptbestand der germanischen Religion. Nicht bloß der sogenannte niedere Aberglaube, einschließlich Beschwörungsformeln – wie die des Merseburger Balderspruches, die sehr ähnlich im Veda wiederkehrt -, ist indogermanisch – war bei den Vorfahren der Germanen in Gebrauch lange, ehe der letzteren Sprache entstand -, sondern auch der Glaube an die Himmelsgötter, die von oben alles sehen und lenken, und die man im Freien anruft, so wie in einem Eddaliede Sigurd und die von ihm erweckte Walküre auf Bergeshöhen beten:

Heil euch, Asen!Heil euch, Asinnen!Heil dir, fruchtschwere Flur!Rat und RedeGebt uns ruhmreichen beidenUnd heilkräftige Hände!

„Asen“ (älter „Ansen“, ansis16) war der verbreitetste germanische Name für die übermächtigen Wesen am Himmel und im Luftraum, die bei den Römern superi (die Oberen), bei den Griechen uranioi (die Himmlischen) hießen. Die Mannigfaltigkeit der Bezeichnungen zeugt von lebhafter Beschäftigung mit diesen Wesen. Besonders merkwürdig ist ein Name für sie, der nur im Altnordischen begegnet und dort t¯ivar lautet, aber uralt ist, denn er ist dasselbe Wort wie das gleichbedeutende lateinische dei (dii, divi) und das ebenfalls gleichbedeutende altindische d¯ev¯ah; es ist dies also ein nachweislich urindogermanischer Name für die Himmelsgötter. Schon in indogermanischer Urzeit dachte man sich diese nach irdischem Muster als eine Familie und verehrte demgemäß am höchsten das Haupt dieser Familie, das man den Himmelsgott im engeren Sinne und zugleich den „Vater“ nannte: altindisch Dyauspitar, griechisch Zeus pater, lateinisch Ju-piter. Auch bei den Germanen findet sich dieser oberste, väterliche Himmelsgott. Es ist Wodan, der mit seiner – nicht immer einverstandenen -2 göttlichen Gemahlin im Himmel haust als Vater der Götter und Menschen und seine besondere Freude an Krieg und Männerfall hat, alles ganz wie Zeus. Jedoch heißt Wodan nicht so, wie der himmlische Vater der südlichen Indogermanen und demnach schon der der Urindogermanen hieß; dessen Namen trägt vielmehr ein anderer germanischer Gott, der Tyr der Nordleute, Tiw der Angelsachsen, Ziu der Hochdeutschen, nach dem noch heute der dritte Wochentag heißt (dänisch Tisdag, englisch Tuesday, alemannisch Ziestig). Leider wissen wir von diesem Tyr nur wenig. Das beruht aber darauf, daß der seit Urzeiten als Tyr (germanisch Tiwas) verehrte Himmelsvater bei den Germanen schon früh den Namen Wodan (Wodanas) bekommen hat, weil es einen ihm ähnlichen Gott Wodan gab und man die beiden als einen und denselben auffaßte, welchen Wodanas, und nicht Tiwas, zu nennen sich empfahl, da letzterer Name, der ja auch allgemein Gott (Himmelsgott) bedeutete, weniger auszeichnend war (derselbe Grund hat dazu mitgewirkt, daß z. B. der Jupiter der Römer nicht „Deuspiter“ heißt, sondern Jupiter). Ehe Wodan Himmelsvater wurde, war er jedenfalls ein Luftwesen, das man im Zug und Geräusch des Windes zu spüren glaubte, und das man sich mit zahlreichem Gefolge, auch von hellkreischenden Mädchen, über uns einherbrausen dachte. Das ist die Erscheinungsform des indischen Gottes Vata, der auch im Namen unserem Wodan nah verwandt ist; Vata ist zugleich das indische Wort für „Wind“, und Wodan hat ebenfalls ursprünglich „Wind“ oder „Weher“ bedeutet. In dem deutschen und südskandinavischen Volksglauben vom wilden Jäger ist dieser uralte Sturmdämon bis heute am Leben, und zwar in der altertümlichen Gestalt, die er hatte, ehe er Himmelsvater wurde, und die durch diese Erhöhung des Gottes nicht aus dem Bewußtsein des Volkes verdrängt worden ist.17 Volksglaube und Religion waren, soweit unser Blick in der Zeit hinaufreicht, niemals ganz dasselbe.

Von Anfang an treffen wir bei den Germanen große, öffentliche Kulte mit Tempeln, Götterbildern und öffentlichem Priesteramt, neben viel zahlreicheren Naturkulten an Quellen, in Hainen und an sonstigen heilig gehaltenen Örtlichkeiten. Letztere rückt Tacitus, in dem Bestreben, das von den Römern grundverschiedene Naturvolk zu schildern, stark in den Vordergrund, und daher gelten sie heute noch vielen als die eigentlich germanische Form der Götterverehrung – offenbar mit Unrecht, wenn der Irrtum auch begreiflich ist, da die ahnungsvolle Ehrfurcht vor der im Hainesrauschen gestaltlos webenden Gottheit, das schweigende Schöpfen aus der heiligen Quelle auf Helgoland (von der Willibrords Leben erzählt) oder eines Thorolf fromme Scheu vor den Geistern von Berg und Wiese uns unmittelbar sympathisch ansprechen – wie denn Klopstock dadurch zu dichterischem Neuerleben gebracht worden ist -, die Opfermahlzeiten und der Wedel zum Blutspritzen dagegen, welche die altnordischen Quellen uns vorführen, auf zarte Gemüter abstoßend wirken müssen und man natürlich seinen Vorfahren lieber das Sympathische zutraut als das Fremdartige oder gar Abstoßende. Daß solche Gefühlsurteile Beweiskraft hätten, wird niemand behaupten wollen. In Wahrheit ist den Germanen beides zuzutrauen, auch das manchem Unsympathische. Im Jahr 14n.d.Ztr. machten die Römer im Gebiet der Marsen, zwischen Ruhr und Lippe, einen Tempel der „Tamfana“ dem Erdboden gleich, offenbar deshalb, weil diese Kultstätte mit dem dabeiliegenden Dingfeld der Mittelpunkt der Marsen war, die hier ihre Herzöge wählten und von hier unter dem Schutz der Götter zum Kriege auszogen. Eine Götterstatue z. B. wird erwähnt bei der Nerthus, die nach beendeter Umfahrt mit den heiligen Rindern im See rituell gereinigt wurde. Auch hat sich in Dänemark ein sehr altes Götterbild aus Holz gefunden, und die vielen Götterbilder der altnordischen Quellen wären ebenso wie die altnordischen Tempel und die gemeingermanischen Ausdrücke für „Tempel“ unerklärlich, wenn sich nicht alten Gebrauch fortsetzten. Die blutigen Tier- und Menschenopfer bezeugt ebenfalls bereits Tacitus, ja schon bei Plutarch lesen wir von den rituellen Schlachtungen der Kimbern und dem Wahrsagen ihrer Weiber aus den Eingeweiden. Die größten Opfer waren die öffentlichen, und nur bei diesen wurden auch Menschen der Gottheit dargebracht.Nach Tacitus verehrten die Germanen, abgesehen von örtlich begrenzten Kulten wie dem der Nerthus oder dem der Tamfana, drei große Götter: Merkurius, Herkules und Mars.

Unter den letztgenannten ist Tiwas, unter „Herkules“ Donar, unter „Merkurius“ aber sicher Wodan zu verstehen. Diesen, sagt Tacitus, verehren sie am höchsten, und ihm allein bringen sie Menschenopfer dar. Diese Angabe zeigt, daß Wodan zu Tacitus‘ Zeit schon ungefähr das war, was er in den nordischen Quellen ist, nämlich der oberste Gott, der eigentliche Empfänger von Menschenleichen und – was hiermit natürlich eng zusammenhängt – der Gott, der die Toten ins Jenseits abholt (dies gab den Anlaß zur Interpretation als Merkurius). Die Verschmelzung des Windgottes mit dem herrschenden Himmelsvater hatte sich also damals schon vollzogen; das Luftgefolge jenes war als Totenheer in das neue Glaubensgebilde eingegangen. Hierfür spricht auch, was Tacitus in seinem 39. Kapitel über das große Stammesheiligtum im Gebiete der Semnonen (in der späteren Mark Brandenburg) mitteilt. Der allwaltende Gott, der hier in banger Scheu mit Menschenopfern geehrt wird, ist Wodan. Der Schriftsteller meint es deutlich genug zu sagen und daher den Namen weglassen zu können, wodurch die fromme Scheu sozusagen auf Autor und Leser übertragen und also der Eindruck gesteigert wird. Der Hain, den die Gläubigen nur gefesselt betreten, und in dem niemand sich vom Boden erheben darf, ist auch der Edda als „Fesselhain“ (Fjöturlundr) bekannt; in seinem Frieden vollstreckt Dag die Rache an dem sonst unüberwindlichen Helgi, und er tut es mit Odins Beistand und Einverständnis, wünschte doch der Gott solche speergetroffenen Opfer in seinem Hain. Dieser Fesselwald der Semnonen und nordische Nachrichten über den „Schrecker“ Odin zeigen, daß die religiös kühlen, selbstbewußten Germanen doch auch Furcht und Gehorsam wenigstens gegenüber einem, ihrem furchtbarsten und mächtigsten Gotte gekannt haben.

Die tiefe Scheu vor Wodan galt seiner undurchdringlichen Weisheit, die sich oft als Tücke darstellte. Wenn einer der heidnischen Götter allmächtig war, so Wodan, und er war es kraft eines zauberhaften Könnens und Wissens, gegen das die Zauberkünste aller anderen Wesen ein Nichts waren. Wodan war der schlechthin Überlegene und Unerforschliche. Ihm zu vertrauen, war nicht jedermanns Sache. Er konnte zwar helfen wie kein anderer, besonders zu Sieg im Kriege, aber er konnte seinen Freund jeden Tag verraten, indem er sich plötzlich gegen ihn wandte. Das sagenhafte Hauptbeispiel hierfür ist das Schicksal des großen Dänenkönigs Harald Kampfzahn. Dieser versprach dem Gotte alle Krieger, die er erschlagen würde, und erhielt dafür Unverwundbarkeit durch Eisen und die Kunst der keilförmigen Schlachtordnung. Harald hatte aber einen vertrauten Diener, Bruni, der oft Botengänge für ihn machte. Auf einer dieser Wanderungen ertrank Bruni in einem Flusse, und Wodan nahm seine Gestalt an und diente unerkannt dem Könige, der von jenem Unglücksfall nicht erfahren hatte. Dabei säte er durch falsche Botschaften Zwietracht zwischen seinem Herrn und dem Schwedenkönig Sigurd Ring, so daß es zum Kriege kam.

Als der alternde Harald an der Spitze unübersehbarer Heerscharen auszog zum Treffen auf den Bravellir, da war Bruni sein Wagenlenker, und dieser meldete, auch die Schweden rückten in Keilstellung an. Dem Greise kamen böse Ahnungen, er begann seinem Wagenlenker zu mißtrauen, in ihm den verkleideten Wodan zu erkennen, und wirklich stieß dieser ihn, als das Schlachtengetümmel seinen Gipfel erreicht hatte, vom Wagen auf das blutige Feld und erschlug den Wehrlosen mit einer Keule. – Eine ähnlich trugvolle Rolle spielt Wodan in der Geschichte des fränkischen Heldengeschlechtes der Wölsungen, das lange seinen besonderen Schutz genießt. Sigmund verdankt ihm ein wunderstarkes Schwert, aber dieses Schwert zerbricht in einer Schlacht, so daß Sigmund den Tod findet, weil der Gott aus den Reihen der Feinde heraus seinen Speer der geschwungenen Klinge entgegengehalten hat. – Auch dem Jarl Hakon von Norwegen, der auf Odin so großes Vertrauen setzte, wurde dieser schließlich untreu, indem er ihm böse Ratschläge eingab und seinen Gegnern den Sieg schenkte.Die Furchtbarkeit Wodans erklärt sich daraus, daß er die Toten abholt. Als Herr über Leben und Tod ist er so unberechenbar wie das Todesschicksal selbst.

Es findet sich aber in altnordischen Quellen ein frommer Gedankengang, der Odins Unberechenbarkeit begründet, ja feiert. Der unbekannte Skalde, der nach dem Fall des Norwegerfürsten Eirik Blutaxt (um 950) diesen verherrlichte, indem er seinen Einzug an der Spitze der von ihm Erschlagenen in Walhall darstellte, läßt den Herrn von Walhall auf die Frage, warum er einen so tapferen Helden habe fallen lassen, zur Antwort geben: „Es schaut der graue Wolf zu den Göttersitzen herüber!“ Das ist der Fenriswolf, das gefährlichste der Ungeheuer, die immer auf der Lauer liegen gegen die Götter und gegen den Bestand der Welt und eines Tages wirklich losbrechen. Dann wird Odin seine Getreuen zum Kampfe führen gegen die niederreißenden Gewalten, und es wird der härteste aller Kämpfe sein, darum sorgt der weise Weltherrscher schon jetzt und immerfort für Stärkung seiner Mannschaft, und gerade die Stärksten und Mutigsten sind ihm am meisten willkommen: von Odin unterstützt sorgen sie im Leben für scharenweisen Männerfall, sobald aber ihre Kraft für das Diesseits erschöpft ist, müssen sie selber fallen, um im Jenseits mit ihren Feinden zusammen dem höchsten Zwecke dienen zu können. Wenn die Berge stürzen und die Erde ins Meer sinkt, dann entscheidet sich das Schicksal der Welt oben am Himmel, wo Götter und Tote hausen.Das ist die altnordische Theodicee, eine rechte Ausgeburt germanischen Kriegerlebens. Zu ihr gehört auch das Bild von Walhall: in der riesigen Halle, die mit Schilden gedeckt ist statt mit Schindeln, Speere als Dachsparren hat, vor deren Giebel Wolf und Adler tot hängen, deren Bänke mit Brünnen (d. h. mit ringbenähten Kampfwämsern) statt mit Kissen belegt sind, da schmaust und zecht Odins Gefolgschaft – die Einherier – Tag für Tag, jeden Morgen ziehen sie aus, um einander im Kampfe zu fällen, sitzen dann aber alle gesund und einträchtig beisammen (dies eine freie Variante der seit alters weit verbreiteten Ortssagen von Heeren Gefallener, die auf oder über Schlachtfeldern in der Luft allnächtlich weiterkämpfen, wie so viele Gespenster die entscheidende Tat ihres Erdenlebens ruhelos wiederholen müssen). Natürlich kommen die Einherier, welche fallen, ebenso nach Walhall wie Krieger, die auf Erden den Kampftod leiden.

Da letzteres dank Odins Walten von jeher geschehen ist und ständig weiter geschieht, ist die Zahl der Walhallgäste riesig groß und wächst fortwährend weiter. Aber es ist dafür gesorgt, daß Speise und Trank nicht ausgehen: ein unsterblicher Eber wird in einem wunderbaren Kessel – einer Art Gralschüssel – vom kunstfertigen Walhallkoch dauernd gesotten (wie ein Opfer im Tempel, während man im gewöhnlichen Leben das Fleisch am Spieß briet), indes die Ziege Heidrun, die wie die Hausziege manches norwegischen Bergbauern auf dem Dach weidet, aus ihren Eutern nimmerendenden Met spendet, den die Walküren – Odins Dienerinnen, die die gefallenen Krieger von der Walstatt holen – den Einheriern über die Feuer zureichen.

So geht es in dieser größten aller Fürstenhallen beim höchsten aller Herrscher tagaus, tagein, jahraus, jahrein zu, bis das Weltende, Ragnarök, hereinbricht. Inzwischen zieht Odin Kundschaft ein durch seine beiden Raben, die durch alle Welt fliegen, oder er sitzt mit Frigg (althochdeutsch Frija) draußen auf der Türbank (Hlidskjalf) und späht hinunter zu den Menschen oder hinüber zu den Riesen, oder er besteigt sein Wunderroß Sleipnir, das ihn durch die Lüfte trägt, und reitet selbst auf Kundschaft, meist ins Menschenland, wo besonders Schlachtfelder ihn anziehen (wenn man durch den gebogenen Arm sieht, kann man ihn über die Walstatt reiten sehen), zuweilen aber auch nach Riesenheim, den eigentlichen Jagdgründen seines starken Sohnes Thor, der in seinem von Böcken gezogenen Wagen über das Himmelsgewölbe donnert und die Riesenbrut, die Schädiger der Menschen, erschlägt, auch die Weiber nicht schonend. Asen und Riesen wohnen benachbart, wie zwei feindliche Stämme auf Erden. Es gibt einen Grenzfluß zwischen ihnen. Oft erscheint Odin auf Erden als Wanderer. Dann erkennt man ihn an seinem Mantel, dem breiten Hut,18 langen Bart und der Einäugigkeit.

Solche Gestalten treten in den nordischen Sagenerzählungen öfters auf, und meist bleibt es im Dunkel, ob es wirklich Odin ist. Hierin spiegelt sich der alte Volksglaube. Bei manchem Fremden fragte man sich, ob er ein Gott gewesen sei, nicht immer wegen seines Aussehens, manchmal auch wegen seines Benehmens (wie Harald Kampfzahn), oder wegen einer inneren Wirkung, die man von ihm verspürte, so wie Telemach, nachdem Athene in des alten Mentes Gestalt ihn verlassen, Kraft und Mut und heftige Gedanken an den fernen Vater in sich aufsteigen fühlt und daher gleich ahnt, der Besucher sei ein Gott gewesen. Gerade der allgewaltige Odin machte sich oft im Innern fühlbar. Wir sahen schon, wie der Skalde Egil ihm Dichtergeist und Charakter zu verdanken glaubte. Ein anderer Skalde sagt von dem Fürsten, dessen Tapferkeit im Kampfe er preist, Odin sei in ihm gewesen. Vielgestaltig und vielnamig ist Odin. Im Grimnirliede der Edda, wo er unerkannt Not leidet zwischen den Feuern in der Halle des ungastlichen Königs, hebt er den Blick zu den himmlischen Wohnungen und enthüllt sich schließlich in seiner ganzen Majestät; der König, dem die Augen aufgehen, stürzt in das eigene Schwert und fällt dem Gott als Opfer (eine ähnliche Sage wie die griechische von Zeus und dem ungastlichen Arkadierkönig Lykaon).

Walhall hat 640 Tore, und aus jedem dieser Tore ziehen acht Hundertschaften (960) Einherjer, wenn die Ragnarökschlacht geschlagen werden soll auf dem Felde Vigrid oder auf der Insel Oskopnir. Dann rücken Fenrir und die Scharen der anderen Riesen und Ungeheuer an gegen die Asen und ihr Heer. Die Asen werden tapfer kämpfend fallen, und Walhall wird in Flammen aufgehen. Frey erliegt dem Feuerriesen Surt; Thor tötet die Weltschlange, aber ihr Gifthauch wird ihm zum Verderben, so daß er neun Schritte von der Verendenden zurücktritt und dann tot umsinkt; Odin wird von dem Wolfe verschlungen, doch sein Sohn Vidar rächt seinen Tod, indem er den bis in den Zenith ragenden Oberkiefer des Ungeheuers mit starker Faust nach oben umbiegt, so daß Fenrir stirbt – ein echt volkssagenhaftes Bild von großartiger, schlichter Plastik.Die junge Göttergeneration überlebt die Katastrophe und wird in einer neuen Welt im Saale Giml¯e, der heller leuchtet als unsere Sonne, sich des Lebens freuen. Doch weiß niemand von dieser fernen Zukunft Gewisses zu sagen.

Die Ragnarökvorstellungen des alten Nordens sind vielgestaltig. So dachte man sich die Götterfeinde in verschiedener Gestalt und unter verschiedenen Namen – einer davon war „Muspells Söhne“, dämonische Reiter, die mit Feuer durch den dunklen Grenzwald geritten kommen -, aber auch der Kampf der Götter wurde verschieden vorgestellt, besonders aber waren die Naturkatastrophen mannigfach: bald handelte es sich um ein Versinken der Erde ins Meer – aus dem sie dann zu neuem Leben wieder auftaucht, so daß Wasserfälle von den Felskanten stürzen, über denen der Adler schwebt, nach Fischen spähend -, bald um eine gewaltige Feuersbrunst, die hoch zum Himmel emporschlägt, bald um den Fimbulwinter, in dem alles Lebendige erfriert bis auf ein junges Menschenpaar, das „in Hortmimes Holze“ Zuflucht findet und, wenn die Sonne wieder steigt, neue Geschlechter begründen wird.

Wie weit die nordischen Ragnarökgedanken auch südgermanisch, also in Deutschland verbreitet, gewesen sind, das läßt sich urkundlich nicht feststellen. Da aber Weltuntergangsvorstellungen bei vielen Völkern belegt sind und zum Teil in sehr ähnlicher Form wie bei den Nordgermanen (der Fimbulwinter z. B. ist auch persisch), so sind den südlichen Nachbarn der Nordleute, die fast die gleiche Sprache wie sie redeten, solche Vorstellungen erst recht zuzutrauen. Daß sie ihnen nicht gefehlt haben, ist beweisbar. Es gibt nämlich wörtliche Anklänge zwischen altnordischen Gedichten, die Weltschöpfung und Weltuntergang behandeln, und stabreimenden deutschen Versen, die unter anderem das Wort m¯udspell oder muspilli in der ungefähren Bedeutung von „Weltuntergang“ enthalten. Ferner kommt die Ursprungssage in Betracht. Wenn man dem Irmin eine Säule errichtet hat, mit der die Welt gestützt werden sollte, so hat man eben gefürchtet, daß die Welt oder der Himmel einmal einstürzen würde (ein Glaube, der für die alten Kelten ausdrücklich bezeugt ist), und der Gott, der die Welt stützt, tat dasselbe wie Odin, der Kämpfer sammelt, um die Welt zu verteidigen.

Auch das Christentum hat eine Lehre vom Weltuntergang, die sich mit dem heidnischen Ragnarökglauben nahe berührt: vor dem Jüngsten Gericht wird die Welt mit Feuer verheert. Schon die ersten Bekehrer brachten dieses christliche Ragnarök zu den Germanen, und wir finden es zum Beispiel dargestellt in der alten stabreimenden Predigt aus Bayern, die den Namen „Muspilli“ führt. Die einzelnen heidnischen Anklänge in diesem Text und die Wiederkehr des vernichtenden Feuers können aber nicht darüber täuschen, daß die letzten Dinge des Christentums etwas von Grund auf anderes sind als das germanische Ragnarök. Das eschatologische Feuer der Christen ist gesandt von der Gottheit, um die sündige Menschheit heimzusuchen. Das heidnische Weltfeuer und die anderen heidnischen Ragnarökkatastrophen sind rein naturhafte Vorgänge und richten sich gegen die Götter, welche ihnen, bzw. den feindlichen Dämonen, widerstehen und dabei den Heldentod sterben, unterstützt von Scharen wackerer Krieger, den Menschen, die mit ihnen eines Sinnes sind. In diesem einfachen und anschaulichen Gegensatz verkörpert sich der tiefe Unterschied christlicher und germanischer Lebensanschauung überhaupt.

Das germanische Ragnarök, die bei weitem reichste, die eigentlich klassische Ausprägung des Weltuntergangsgedankens als solchem,19 ist zugleich ein treuer Ausdruck des germanischen Lebensgefühls. Germanien war ein Land voll Gefahren und Unsicherheit; die Natur drohte an den wahrscheinlich noch ganz ungeschützten Küsten mit Überschwemmungen und mit Wanderdünen, der Urwald barg hungrige Raubtiere in Menge, Geächtete trieben ihr Wesen, nie konnte man sicher sein vor dem Überfall beutelüsterner Scharen oder landsuchender Bevölkerungen, und zahlreich waren diejenigen, die in offener oder schlummernder Fehde lagen mit nahen oder fernen Nachbarn. Solche Verhältnisse mußten wohl Ragnarökstimmung erzeugen und Ragnarökphantasien begünstigen. Wenn die einzelne Siedelung früher oder später den Elementen oder dem Feinde zum Opfer fiel, warum sollte das Ganze der Welt besser daran sein?

Der Germane duckte sich aber nicht mit Seufzen und Wehklagen unter das Schicksal, sondern er trat ihm aufrecht gegenüber, entschlossen, es abzuwenden oder, wenn der Feind die Oberhand behielt, ehrenvoll zu fallen, und dieses mannhafte Trotzen war für ihn die eigentliche Würze des Lebens. Seine Götter, die seine Freunde waren, dachten wie er. Auch für sie war Gegenwehr selbstverständlich, nicht bloß im aussichtsreichen, sondern erst recht im aussichtslosen Kampfe. So symbolisiert sich in dem Vorsorgen Odins und dem tragische Fall der Götter ein tiefer Lebensernst, das Beste des germanischen Charakters.Die germanische Religion ist, verglichen mit anderen, sehr wenig illusionistisch. Erwartete der Germane wirklich Außerordentliches, etwas wie ein absolutes Heil oder eine radikale Erlösung vom Lebensleid, von seinen Göttern, so würde er sich ihnen viel rückhaltloser und wärmer hingeben und unterwerfen, als er, wie wir gesehen haben, durchschnittlich tut. Er bleibt aber mit seinen Hoffnungen im Bereich der eigenen Lebenserfahrung, für die es Böses und Gutes, aber kein absolutes Heil gab.