Ostpreußen ist nicht sterblich!« – Rede von LO-Sprecher Stephan Grigat, Wolfsburg 2019

Unsere Herzen sind Dir zugewandt, Ostpreußen, Du Stück deutsches Vaterland !
Mehr als 1000 Teilnehmer versammelten sich zur großen Festveranstaltung beim Jahrestreffen der Ostpreußen 2019:

Grigat: Die Landsmannschaft Ostpreußen ist stark und auf Dauer angelegt

Ostpreußenlied und Hhymne

Das Ostpreußenlied entstand Anfang der 30er Jahre, als der Komponist Herbert Brust an seinem „Oratorium der Heimat“ arbeitete.
Der Schlusschoral wurde von Erich Hannighofer vertont.
Seine Zeilen wurden schnell als das „Ostpreußenlied“ bekannt. Es hatte 4 Strophen und nach der Vertreibung ab 1945 kam eine 5. Strophe hinzu.
Das Ostpreußenlied

Land der dunklen Wälder
und kristallnen Seen;
über weite Felder
lichte Wunder gehn.

Starke Bauern schreiten
hinter Pferd und Pflug;
über Ackerbreiten
streicht der Vogelzug.

Und die Meere rauschen
den Choral der Zeit;
Elche steh`n und Lauschen
in die Ewigkeit.

Tag hat angefangen
über Haff und Moor;
Licht ist aufgegangen,
steigt im Ost empor.

Heimat wohlgeborgen
zwischen Strand und Strom,
blühe heut‘ und morgen
unterm Friedensdom.

Vor dem Ostpreußenlied war das 1884 von Johanna Ambrosius gedichtete Lied
„Sie sagen all, du bist nicht schön“ das Lied der Ostpreußen.

Sie sagen all, du bist nicht schön
mein trautes Heimatland;
Du trägst nicht stolze Bergeshöh’n,
nicht rebengrün Gewand;
In deinen Lüften rauscht kein Aar,
es grüßt kein Palmenbaum,
doch glänzt der Vorzeit Träne klar
an deiner Küste Saum.

Und wenn ich träumend oft durchgeh‘
die düst’re Tannennacht
und hoch die mächt’gen Eichen seh‘
in königlicher Pracht,
wenn rings erschallt am Memelstrand
der Nachtigallen Lied
und ob dem fernen Dünensand
die weiße Möve zieht.

Dann überkommt mich solche Lust,
daß ich’s nicht sagen kann,
ich sing‘ ein Lied aus voller Brust,
schlag froh die Saiten an.
Und trägst Du auch nur schlicht Gewand
und keine stolzen Höh’n:
Ostpreußen hoch, mein Heimatland,
Wie bist du wunderschön!

Es gibt auch noch eine 2. Strophe, die nicht gesungen wird und kaum bekannt ist:
Und gibst dem König auch kein Erz,
nicht Purpur, Diamant,
klopft in Dir doch das treu’ste Herz,
Fürs heil’ge Vaterland.
Zum Kampfe lieferst du das Roß,
wohl Tonnen Goldes wert,
und Männer, stark zum Schlachtentroß,
die kräft’ge Faust zum Schwert.

Originaltext aus „DAS SCHÖNE DEUTSCHLAND LANDSCHAFT – KUNST UND KULTUR“ „Der Preußische Landrücken“ von 1930

 Der letzte Ausläufer des Baltischen Höhenzuges auf deutschem Boden ist der Preußische Landrücken, der sich hier zu beträchtlichen Höhen erhebt, in der Kernsdorfer Höhe bei Osterode über 300 m erreicht und fast die gleiche Höhe auch in der Umgebung von Goldap aufweist. Der breite Landrücken ist eine ausgesprochene Wasserscheide; zahlreiche Seen zeichnen ihn aus, die entweder zerstreut liegen oder in Gruppen angeordnet sind.

Besonders seenreich ist der südliche Teil, die Landschaft Masuren, wo auch als größter der Spirdingsee mit 106 qkm und nördlich davon der schöne Mauersee liegt. Masuren gehört mit seinen Moränenzügen, seinen Rinnenseen und langen Tälern, seinen unermeßlichen Wäldern zu den schönsten Teilen Norddeutschlands. Nördlich davon liegt die Ostbaltische Vorstufe, eine Grundmoränenlandschaft mit geringen Niveauunterschieden, der noch weiter nördlich die Tertiärscholle des Samlandes vorgelagert ist. Dieses ganze Land ist typisches Ackerbaugebiet, das besonders in den breiten Flußniederungen recht fruchtbar ist. Näher zur Küste überwiegt das Weideland und damit die Viehzucht. Leider wird durch das kontinentale Klima die Nutzung des Bodens beeinträchtigt; der Frühling beginnt erst sehr spät, und häufig treten die ersten Nachtfröste auf, bevor die Ernte eingebracht ist.

Die herrschende Besitzform ist der Großgrundbesitz. Deshalb gibt es verhältnismäßig wenig Dörfer, deshalb sind die Verkehrsverhältnisse teilweise noch recht ungünstig. Zwei Hauptlinien verbinden Berlin mit dem Osten; die nördliche führt über Landsberg, Kreuz, Schneidemühl, durch den Polnischen Korridor und weiter über Elbing nach Königsberg und Tilsit. Die südliche verläuft über Thorn nach Osterode, Allenstein, Insterburg; sie durchzieht das Gebiet der großen Seen.

Seit der Einrichtung des Polnischen Korridors hat der Seeverkehr stark zugenommen; von Swinemünde aus fahren Personen- und Frachtdampfer nach Danzig und den Häfen Ostpreußens.

Die Städte Ostpreußens sind meist landwirtschaftliche Märkte. Wichtig ist Allenstein, das den Verkehr der verschienden Richtungen sammelt und ein Zentrum für die weitere Umgebung darstellt. Hier ist das großartige Schloß mit dem prächtigen Remter eine Sehenswürdigkeit. Einige Bedeutung haben auch die Städte Gumbinnen, Insterburg und Wehlau. Im westpreußischen Gebiet sind Marienburg mit dem großmächtigen Schloß der Ordensritter, die einst den Osten germanisierten, und das betriebsame Elbing mit Maschinenfabriken und Werften zu nennen.

Von der Weichsel bis zur Memel schließen sich die folgenden Landschaften aneinander: Pomeranien, Hockerland, Pogesanien, Ermeland, Natangen, Samland und Masuren. Für den Fremdenverkehr kommen nur die beiden letzteren in Frage. Das Samland werden wir zugleich mit dem Küstenstrich im nächsten Abschnitt besuchen; Masuren, das Land der großen Schlachten, läßt sich besonders gut unter Benutzung der kleinen Motorboote und Schiffe bereisen. Dabei lernen wir all die zahlreichen kleinen Landstädte kennen, deren Namen uns von den ersten Kämpfen des Weltkrieges her bekannt sind, bevor Hindenburg die Russen aus dem Lande trieb. Masuren, ein Seen- und Waldidyll im deutschen Osten, sollte viel mehr durchwandert werden, nicht nur wegen seiner landschaftlichen Schönheiten, sondern auch wegen seiner Bedeutung als Vorposten deutscher Kultur gegen das Slawentum.

 

Originaltext aus „DAS SCHÖNE DEUTSCHLAND LANDSCHAFT – KUNST UND KULTUR“
Auszug aus „Die Ostseeküste“ von 1930

Östlich von Danzig breitet sich das 850 qkm große Frische Haff aus, das immer mehr versandet und das gegen die Danziger Bucht durch die Frische Nehrung abgegrenzt wird, die nur bei Pillau den Zugang zum Haff freigibt. Diese Pforte wurde aber erst 1510 durch eine Sturmflut gewaltsam geschaffen, während andere im Laufe der Zeiten durch den Sand verschlossen wurden. Die Frische Nehrung ist ein nur 1 km breites Sandgebiet mit kümmerlichem Kiefernbestand; ihre Dünen sind in letzter Zeit künstlich festgelegt worden.

An der Innenküste liegt Kadinen, ein dem früheren Kaiser gehörendes Rittergut und Gestüt, ferner Frauenburg, dessen Domherr der große Nikolaus Kopernikus gewesen ist. In einem Vorsprung der Küste finden sich die Reste des Ordensschlosses Balga, hier biegt der Strand nach Nordosten um, und unweit der Mündung des Pregels liegt hier Ostpreußens Hauptstadt Königsberg, die Stadt Kants, der geistige Mittelpunkt Ostpreußens.

Nördlich davon liegt die hohe Platte des Samlandes, die im Brüster Ort weit nach Norden vorspringt. Alle Erscheinungen der Grundmoränenlandschaft treffen wir hier wieder an: ein welliges Hügelland, in das Bäche tiefe Rinnen eingeschnitten haben, das mit schönem Laubwald bekleidet ist und jäh zum Meeresspiegel abfällt. Eine Reihe kleiner, aber sehr schöner Badeorte liegt hier am Strand oder im Wald: Tenkitten, Palmnicken an der Westseite, Rauschen, Neukuhren und Cranz an der Nordseite.

Das Samland ist berühmt durch seinen Bernstein, das erhärtete Harz vorweltlicher Kiefern, die hier während der Tertiärzeit grünten. Durch ungeheure Katastrophen müssen die Wälder vernichtet worden sein; das aus den Stammwunden herabfließende Harz schloß Blüten, Blättchen sowie die mannigfaltigsten Insekten ein und bewahrte deren Formen, so daß wir über die Kleinwelt der Vorwelt auf das genaueste unterrichtet sind.

Bei Cranz setzt die Kurische Nehrung an, die das gewaltige Kurische Haff mit 1600 qkm abschließt. Das Küstengebiet wird von großen Wäldern und flachen, sumpfigen Niederungen bedeckt; im Ibenhorster Forst kommt noch der Elch auf freier Wildbahn vor. Die Bevölkerung besteht hier großenteils aus Litauern, die manch alte Sitten und Gebräuche haben. Am Ruß verläuft die neue Grenze; jenseits liegt das Memelland.

Die Kurische Nehrung ist die größte und schönste Nehrung. Fast 100 km lang und zwischen 1/2 und 4 km breit zieht sich das mit hohen Dünenbergen erfüllte Sandgebiet hin; nur an einigen Stellen von Feldern und Wiesen unterbrochen. Der Wald ist durch den Flugsand der wandernden Dünen fast ganz vernichtet worden, Baumskelette ragen bisweilen aus der kahlen Einöde hervor. Auch Dörfer sind dem Sand zum Opfer gefallen; bei Kunzen erreichte 1800 die Düne den Ort und deckte Kirche und Häuser zu, nur wenige Reste zeugen hier von der ehemaligen Siedlung. Durch künstliche Befestigung sucht man die Dünen zur Ruhe zu bringen; man legt Strauchwerk als ersten Halt an, pflanzt langwurzelige Gräser, um den Boden zu binden und hat auf diese Weise in zäher Arbeit schon viel gewonnen. Weite Bezirke aber werden noch von typischen Wanderdünen eingenommen; der Wind jagd den Sand die Steilseiten hinauf und läßt ihn windabgewendet wieder fallen: so ist ein ewiges Weiterschreiten zu beobachten, und wenn nicht von den Kämmen der Dünenberge aus die Meereswellen sichtbar wären, könnte man sich in die Sahara versetzt denken.

Die Bewohner dieser Nehrung sind teils reine Deutsche, teils Deutsch-Litauer. Weltberühmt ist hier in der Einsamkeit Rossitten geworden, die große Vogelwarte, auf der der Vogelzug beobachtet und jedem gefangenen Vogel ein Kontrollring angeheftet wird. So ist der Name der Vogelwarte bis weit nach Afrika getragen worden, und durch planmäßige Beobachtung konnte manches über die Wanderstraßen der Vögel festgestellt werden.

Die Kurische Nehrung läßt nur einen flachen Zugang zum Meer frei, dem gegenüber die Stadt Memel liegt. Früher ging von hier die deutsche Küste noch ein Stückchen weiter, um beim Dörfchen Nimmersatt die russische Grenze zu erreichen.

 

Originaltext aus „Deutschland ein Handbuch“ von 1937

Ostpreußen, östlichste Provinz Preußens zwischen Weichsel und Memelstrom, mit dem östlichsten und nördlichsten Grenzpunkt des Reichs, ist seit 1920 durch den „Korridor“ vom Reich abgetrennt. Es grenzt mit 608.8 km an Polen, mit 232.2 km an Litauen bzw. das unter lit. Oberhoheit gestellte Memelgebiet, hat 2 333 300 Einwohner auf rund 37 000 qkm und steht der Bevölkerungsdichte nach (63,1 E. je qkm) an drittletzter Stelle vor Mecklenburg und der Grenzmark Posen-Westpreußen. Ostpreußen ist vorwiegend Agrarland, aber keineswegs ein Land der Großagrarier, als das es vielfach gilt. Fast die Hälfte aller Landwirtschaftsbetriebe war 1933 nicht größer als 5-20 ha; 56.9 von Hundert aller Einwohner leben in Gemeinden unter 2000 Einwohner. Hochentwickelt ist Ostpreußens Viehzucht, berühmt seine Pferdezucht (Trakehnen!). Mit 1254 Zuchthengsten stand es Mai 1936 weitaus an erster Stelle im Reich vor Bayern mit nur 701 Hengsten. Der durch Versailles geschaffenen wirtschaftlichen und politischen Sonderlage trägt der Erich-Koch-Plan (maßvolle Industrialisierung, Steigerung der Bevölkerungsdichte usw.) Rechnung.

Die Geschichte Ostpreußens ist unlöslich mit der des Deutschen Ritterordens verknüpft, der ab 1230 das ursprünglich germanische Land dem Deutschtum wiedergewann. 1525 wurde der Ordensstaat Herzogtum, 1618 dieses mit Kur-Brandenburg vereinigt. 1701 wurde das Herzogtum Preußen Königreich. Die lange Reihe verwüstender Kriege schloß bisher der Weltkrieg (Schlacht bei Tannenberg, Winterschlacht in Masuren u. a. m.), der 35 Städte und 1500 Dörfer vernichtete. Versailles brachte schmerzliche Gebietsverluste (Korridor, Danzig, Memel). Weitere verhinderte die Abstimmung von 1920, die in Ostpreußen 97.5 v. H., in Westpreußen 93 v. H. deutscher Stimmen ergab. Der östliche Rest der Provinz Westpreußen kam als Reg.-Bez. Westpreußen zu Ostpreußen.

Die Landschaft ist im Stromgebiet von Memel und Pregel flach, sonst buntbewegt. Die Eiszeit formte Höhen bis zu 313 m und hinterließ über 1200 Seen, die im Verein mit riesigen Forsten (Johannisburger Heide, Rominter Heide, Rothebuder Forst) Landschaftsbilder von bezwingender Schönheit bieten. Die meist 6-700jährigen Städte sind fast ausnahmslos Gründungen des Ordens; in vielen blieben beachtliche Burg- und Dombauten erhalten. Die Bevölkerung zählt zu ihren Ahnen alle deutschen Stämme, dazu Holländer, Franzosen, Schweizer, Salzburger, die im Laufe der Jahrhunderte angesiedelt wurden. Weitaus am schwächsten sind der polnische und litauische Einschlag. In den letzten Jahren ist Ostpreußen als Reiseziel beliebt. Sondertarife der Reichsbahn und der „Seedienst Ostpreußen“ erleichtern wesentlich den Verkehr.

Ostpreußen Königsberg

Königsberger Geschichte

1254-1255 Auf Wunsch von Herzog Konrad von Masowien hatte sich ein großes Kreuzheer des Deutschen Ordens unter der Führung des Böhmenkönigs Ottokar II. Przemysl bei Elbing gesammelt. Das Heer sollte die heidnischen Prussen bekämpfen und bekehren.

Nach Einzug in das Samland im Januar 1255, begann man im Frühjahr mit dem Bau einer Burg auf dem ca. 15 Meter hohen Hügel Twangste jenseits des Pregels.   Die Burg Königsberg.

1255-1260 Zunächst als eine provisorische Holzfestung begonnen, wurde der Bau einer steinernen Festung durch einen Aufstand der Prussen im Jahre 1260 unterbrochen.
1265 Die Prussen ziehen 1265 ohne die Einnahme Königsbergs wieder ab.
1265-1286 Nach 1265 weiterer Ausbau der Burg und Trockenlegung des südlichen Geländes zum Pregel.
Anlegung von Straßen u.a. der Altstädtischen Langgasse.Im Westen endete sie am Steintor und im Osten am Löbenichtschen Tor. Von Süden gelangte man durch das Krämertor (auch St.-Georgs-Tor) zur ältesten Brücke Königsbergs: der Krämerbrücke.
1283 Die Prussen geben sich 1283 endgültig geschlagen.
28.02.1286 Übergabe der Handfeste (Gründungsurkunde) der Altstadt nach kulmischem Recht durch Landmeister Konrad von Tierberg
27.05.1300 Die östlich gelegene Handwerkersiedlung, erhält das kulmische Stadtrecht und heißt Löbenicht.
06.04.1327 Die südlich gelegene Siedlung der Kaufleute auf der Pregelinsel erhält vom Hochmeister Werner von Orseln das kulmische Stadtrecht.
Als Bezeichnung setzt sich der prussische Name Knipaw als Kneiphof durch.Hauptachse war die Kneiphöfische Langgasse von der Krämerbrücke im Norden bis zur Grünen Brücke im Süden.
1330 Der Königsberger Dom auf der Ostseite des Kneiphofs ist im Bau.
1454 Dem Hochmeister wird in Thorn der Gehorsam aufgekündigt. Die Burg Königsberg wird der Bürgerschaft kampflos übergeben, welche Teile der Burg anschließend zerstört.
24.03.1455 Die Zünfte stellen sich auf die Seite des Deutschen Ordens und verschanzen sich über drei Monate auf dem Kneiphof.
1457 Der Hochmeister Ludwig von Erlichshausen verlegt seinen Sitz von der Marienburg nach Königsberg. Die drei Städte werden gemeinsam Haupt- und Hansestadt.
27.09.1523 Erste evangelische Predigt im Königsberger Dom
10.04.1525 Der Ordensstaat ist ab jetzt ein weltliches Herzogtum.
1524 Gründung der ersten Königsberger Druckerei
17.08.1544 Einweihung der Universität (Albertina), die am 11.12.1542 als herzogliche Schule eröffnet wurde
1697 Zar Peter der Große weilt bei einer 18-monatigen Europareise für knapp einen Monat in der Stadt und lernt hier u.a. das preußische Artilleriewesen kennen.
Er trifft den Kurfürsten Friedrich III (der spätere König Friedrich I). Dieser Aufenthalt ist der Anfang der kulturellen Beziehungen zwischen Preußen und Russland.
1912 Die Stadthalle von Architekt Richard Seel wird fertiggestellt.
19.09.1929 Der Hauptbahnhof wird eröffnet. Baubeginn war bereits 1913 – für die lange Verzögerung sorgte der 1. Weltkrieg und die nachfolgende Wirtschaftskrise.
26./27. August 1944 Die Stadt wird nach Mitternacht von der No. 5 Group der britischen Royal Air Force bombadiert. Der Angriff wird mit 174 Lancaster-Bombern durchgeführt; 4 Maschinen gehen verloren. Die Bildaufklärung ergibt, dass der östliche Teil der Stadt bombardiert wurde. Für das Ziel ist kein Bericht erhältlich.
29./30. August 1944 Königsberg wird in dieser Nacht mit 189 Lancaster-Bombern erneut bombardiert. Es gehen 15 Maschinen verloren, da es über der Stadt zum schweren Kampf mit deutschen Abwehrjägern kommt. Die Bomber müssen wegen einer tiefen Wolkendecke 20 Minuten abwarten, bis das Markierungsflugzeug eine Lücke findet. Es gibt vier Zielpunkte und es werden 480 Tonnen Bomben abgeworfen. Durch die starke Bombardierung wird die historische Innenstadt wird nahezu komplett zerstört Die Außenbezirke tragen ebenfalls große Schäden davon. Das Bomber Command schätzt, dass 41% aller Häuser und 20% der Königsberger Industrie zerstört wurden.
Januar 1945 Königsberg wird von Hitler zur Festung erklärt.
31.01.1945 Königsberg ist von der Roten Armee eingeschlossen.
06.04.1945 Die Rote Armee beginnt mit 5 Armeen den Sturm auf Königsberg.
09.04.1945 Die Militärführung der Stadt unter General Otto Lasch ergibt sich. Zu diesem Zeitpunkt stehen die russischen Soldaten bereits auf dem Universitätsplatz, unter dem sich der Bunker von Lasch befindet.
April 1945 Die russischen Soldaten dürfen die Stadt 3 Tage plündern.
09.05.1945 Letzter Wehrmachtsbericht:
Seit Mitternacht schweigen nun an allen Fronten die Waffen. Damit ist das fast sechsjährige heldenhafte Ringen zu Ende. Es hat uns große Siege, aber auch schwere Niederlagen gebracht.Den Leistungen und Opfern der deutschen Soldaten zu Lande, zu Wasser und in der Luft wird auch der Gegner die Achtung nicht versagen. Jeder Soldat kann deshalb die Waffe aufrecht und stolz aus der Hand legen und in den schwersten Stunden unserer Geschichte tapfer und zuversichtlich an die Arbeit gehen für das ewige Leben unseres Volkes.
30.09.1945 Die erste sowjetische Gedenkstätte wird eingeweiht. Sie erinnert an die beim Sturm auf Königsberg gefallenen 1200 Soldaten, die hier in einem Massengrab bestattet wurden.

  • 1946 kommen die Skulpturen Sturm und Sieg hinzu.
  • Am 9. Mai 1960 wird die Ewige Flamme entzündet.
  • 1961 wird Stalin vom Obelisken getilgt.
  • Zum Jubiläum 1995 wird eine Kapelle gebaut.
  • Bei der Sanierung 2005 wird Stalin wieder hinzugefügt und ein kleiner „Park des Sieges“ angelegt.
Bildquelle: commons.wikimedia.org   Fotograf: Tassadar   CC-BY-SA
04.07.1946 Königsberg wird in Kaliningrad umbenannt.
1946 Die Kaliningradskaja Oblast wird militärisches Sperrgebiet und Ausländer dürfen sie für 45 Jahre nicht mehr betreten.
25.07.1947 Kaliningrad wird in vier Bezirke aufgeteilt:
Stalingrader, Leningrader, Moskauer und Baltischer Rajon
1948 Fast alle Deutschen sind ausgewiesen. Einige bleiben unter Verleugnung ihrer Identität in der Stadt.
1949 Die ehemalige Innenstadt mit Domruine und Börse

07.01.1952 Der Stalingrader Rajon wird geteilt und es entsteht der Zentralbezirk.
05.11.1961 Der Stalingrader Rajon wird in Oktoberbezirk umbenannt.
1969 Die Ruine des Königsberger Schlosses wird gesprengt und beseitigt.
1981-86 Die 1944 zerstörte Stadthalle wird in veränderter Form wieder aufgebaut.
Die Ruine war zuvor in mehreren Kriegsfilmen zu sehen.
1989 Die ersten wenigen Deutschen dürfen nach Kaliningrad einreisen.
12.09.1990 Die BRD unterzeichnet den Zwei-plus-Vier-Vertrag und verzichtet damit auf die Ostgebiete.
14.11.1990 Die BRD schließt mit Polen den Deutsch-Polnischen Grenzvertrag und erkennt so die Oder-Neiße-Grenze als unverletzlich an.
1991 Das Kaliningrader Gebiet wird für ausländische Besucher geöffnet.
01.11.1994 Die Kaliningrader Gebietsverwaltung beschließt den Wiederaufbau des Königsberger Domes.
1996 Das Kaliningrader Gebiet wird zur Sonderwirtschaftszone erklärt, um Investitionen zu fördern.
1999 Im Fort 3 werden 28.000 Gegenstände der Prussia-Sammlung entdeckt.
Seit dem Zweiten Weltkrieg befindet sich ein Teil der Sammlung im Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte und kleinere Teile im Ermländisch-Masurischen Museum in Allenstein und in Litauen.
12.02.2004 Joschka Fischer eröffnet am 200. Todestag Immanuel Kants das deutsche Generalkonsulat. Dieses wird anschließend provisorisch im Hotel Albertina untergebracht. Der erste Generalkonsul ist Cornelius Sommer.
01.07.2005 Die Stadt feiert nach großen Diskussionen 750 Jahre Kaliningrad. Es wurden im Vorwege viele Projekte zur Stadtverschönerung durchgeführt.
Seitdem blüht die Stadt auf und man erkennt auch die preußische Geschichte wieder an.
Juli 2005 Die 1999 gefundenen Gegenstände der Prussia-Sammlung wurden restauriert und können in einer Dauerausstellung im Museum für Geschichte und Kunst (ehem. Stadthalle) besichtigt werden.
Dies sind die verloren geglaubten Stücke aus der bedeutenden Schausammlung des Prussia-Museums im Königsberger Schloss.
19.04.2007 Die Visastelle des deutschen Generalkonsulats nimmt ihre Arbeit auf.
2007 Kaliningrad boomt und es herrscht Fachkräftemangel.
Mai 2008 Das Friedrichsburger Tor wird unter Regie des Weltmeeresmuseums bis 2010 restauriert. Anschließend wird dort ein Museum über russischen Segelschiffbau und Zar Peter dem Großen untergebracht.
2009 Bei Bauarbeiten werden im ehemaligen Keller der Freimauererloge „Zu den drei Kronen“ weitere Stücke der Prussia-Sammlung entdeckt.
17.10.2011 Symbolische Grundsteinlegung für den Wiederaufbau der Neuen Synagoge an alter Stelle
09.2012 Kaliningrad wird einer der Austragungsorte der Fussball-WM 2018 in Russland.

 

Fortsetzung folgt…

 

Quellen:

Königsberg/Kaliningrad und das nördiche Ostpreußen – Henning Sietz – Edition Temmen – 1996
Internet

König Friedrich der Große

Friedrich II.
* 24. Januar 1712 in Berlin;
† 17. August 1786 in Potsdam
leuthen5 Am 5. Dezember 1757 schlug der preußische König Friedrich der Große bei Leuthen in Schlesien die wohl berühmteste Schlacht des Siebenjährigen Krieges ( 1756 – 1763 ). Nach der schweren Niederlage der „Schlesischen unter Friedrichs Schwager dem Herzog von Braunschweig-Bevern bei Breslau am 22.November sah sich der König nur wenige Wochen nach der Vertreibung der französischen und Reichsarmee aus Thüringen ( Schlacht von Roßbach am 5. November 1757) gezwungen sich durch einen gezielten Vorstoß den Besitz der Provinz insbesondere der Hauptstadt Breslau zu verschaffen für die er diesen Krieg führte und die unter allen preußischen Regionen strategisch wie wirtschaftlich die wertvollste war. Von der überragenden Bedeutung dieses Rückeroberungsinteresses legt nicht zuletzt die bekannte Ansprache des Königs an seine Generäle kurz vor der Schlacht im Feldlager zu Parchwitz beredtes Zeugnis ab.

leuthen Zur taktischen Durchführung der Schlacht bediente sich der König dessen 25 000 Mann einer beinahe dreimal stärkeren Übermacht unter Prinz Karl von Lothringen einem Schwager Maria Theresias und Bruder des damaligen Römischen Kaisers Franz I. Stephan und Feldmarschall Leopold Graf von Daun gegenüberstanden der sog. „schiefen Schlachtordnung“ wie sie bereits 371 v. Chr. Epaminondas von Theben im Kampf gegen Sparta bei Leuktra angewendet hatte: Während der linke Flügel des preußischen Heeres nach zaghaften Vorstößen zurückzuweichen schien hielt sich der rechte Flügel zu Anfang völlig aus dem Kampfgeschehen heraus und wurde von der österreichischen Aufklärung überhaupt nicht wahrgenommen. Gegen Mittag schließlich erteilte der König den Angriffsbefehl gegen den bei dem Ort Sagschütz versammelten linken österreichischen Heeresflügel nachdem er bereits in den Morgenstunden dem Fahnenträger des Avantgarderegiments Nr. 26 von Meyerinck Fahnenjunker von Barsewisch in einer verbürgten und berühmt gewordenen Szene mit den Worten: „Junker von der Leibkompanie siehet Er wohl auf dem Verhack soll Er zumarschieren Er muss aber nicht zu starck avancieren damit die Armee Ihm folgen kann!“ die Anweisung zum Losmarschieren gegen die ungesicherte linke Flanke der auf ihrem rechten Flügel abgelenkten Österreicher gegeben hatte. Die österreichische Front war durch die Verzettelung im Norden dergestalt auseinandergerissen dass auch die Gegenwehr einiger Kavallerieeinheiten unter General Nadasdy dem überraschenden und massierten Vordringen des rechten preußischen Flügels keinen Einhalt gebieten konnte.

ziethen Eine tollkühne Kavallerieattacke unter General von Ziethen und Generalleutnant von Driesen gegen 17.00 sowie der Durchbruch des 3. Bataillons Garde gegen das sich verzweifelt wehrende bayrische Regiment Roth-Würzburg im Kirchhof von Leuthen (dabei tat sich der spätere Generalfeldmarschall und damalige Kompaniechef Hauptmann Wichard von Moellendorf durch beherztes Eingreifen besonders hervor) brachten schließlich die Entscheidung. Fürst Moritz von Anhalt-Dessau der gemeinsam mit Friedrich die Armee an diesem Tage geführt hatte wurde am selben Abend zum Generalfeldmarschall ernannt.

Berühmt geworden sind zahlreiche Anekdoten um das ebenso ruhmvolle wie blutige Geschehen bei Leuthen. Erwähnung verdient vor allem die Szene gegen Abend des 5. Dezember als der stets spöttische religionskritische Friedrich der Große wie zufällig und ohne ausreichende Bedeckung in das mit österreichischen Offizieren überfüllte Schloss Lissa geraten die ihm anstatt ihn als Feind zu betrachten und gefangen zu nehmen ehrfürchtig ihre Reverenz erwiesen Zeuge der folgenden Begebenheit wurde: Unter sternenklarem Nachthimmel lagerten sich die 25 000 erschöpften Kämpfer der siegreichen preußischen Armee und sangen in frommer Einmütigkeit den protestantischen Choral: Nun danket alle Gott! (Als „Choral von Leuthen“ in die Geschichte eingegangen).

Zensur oder Pressefreiheit – Fried­rich der Große

Friedrich der Große war der erste absolute Monarch Europas, der die Zensur weitgehend zähmte

friedrich_ii Friedrich der Große am Schreibtisch: Holzstich von Theodor Knesing. Bild: pa
Zensur oder Pressefreiheit – Fried­rich der Große, dessen 300. Geburtstag wir in wenigen Wochen feiern, beantwortete die Frage auf seine Weise: Er gestaltete die damals übliche Zensur so, dass sie ein für seine Zeit höchst unübliches Maß an Pressefreiheit ermöglichte.

„Dem hiesigen Berlinischen Zeitungsschreiber (soll) eine unbeschränkte Freiheit gelassen werden zu schreiben, was er will, ohne dass solches zensiert werden soll.“ Mit dieser knappen Dienstanweisung überraschte der junge Preußenkönig am sechsten Tag seiner Regentschaft, also am 5. Juni 1740, seinen „Wirklichen Geheimen Staatsminister“ Heinrich von Podewils. Damit war die Zensur in Preußen zwar nicht gänzlich abgeschafft, der königliche Befehl bezog sich auf den nichtpolitischen Teil der Zeitungen. Aber es war ein erster wichtiger Schritt in Richtung Presse- und Meinungsfreiheit, ganz im Geiste der Aufklärung, die Friedrichs Denken und Handeln bestimmte.
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“, postulierte der große Königsberger Philosoph Immanuel Kant und forderte, der Mensch solle „sich unabhängig von Vorurteil, Tradition und Offenbarung seines eigenen natürlichen Verstandes bedienen“. Dass der Mensch dies nur kann, wenn er freien Zugang zu Wissen und Informationen hat und sich frei von staatlichem oder sonstigem institutionellen Zwang seine Meinung bilden kann, ergibt sich geradezu zwangsläufig aus diesem Kantschen Postulat.
Preußen hatte in jener Zeit doppeltes Glück: In Kant hatte es einen Denker, der fähig war, eine den strengen Gesetzen der reinen Vernunft genügende Sittenlehre allgemeinverständlich zu formulieren. Und in Friedrich II. hatte es eine wahrhaft große Herrscherpersönlichkeit, unter der sich der Geist der Aufklärung relativ ungehindert entfalten konnte.
Geradezu verblüffend ist die Tatsache, dass dies möglich war, obwohl es eine gut organisierte staatliche Zensur gab. Unter Fried­rich dem Großen wurde sie zwar betont milde gehandhabt, was sich schon aus den hinlänglich bekannten Toleranzvorstellungen des Königs in Religionsfragen ergab. Aber es gab sie, diese Zensur! Wer etwas Gedrucktes publizieren wollte, wusste genau, welchen Kontrollen seine Texte unterlagen, wo Grenzen gezogen waren und mit welchen Konsequenzen er zu rechnen hatte, wenn er diese Grenzen überschritt.
Aus heutiger Sicht ist man geneigt, diesen Zustand als unvereinbar mit Meinungs- und Pressefreiheit zu bewerten. Offenbar ist man heute allzu sehr darauf fixiert, solche Freiheiten überhaupt nur da für möglich zu halten, wo Zensur „nicht stattfindet“ – oder zumindest laut Grundgesetz nicht stattfinden sollte.
Über lange Phasen der Geschichte Preußens diente die Zensur aber nicht der Verhinderung oder Einschränkung von Meinungs- und Pressefreiheit, sondern der Kanalisierung. Sie schuf einen klar definierten und unmissverständlich formulierten Rechtsrahmen, schuf also Rechtssicherheit und muss unter diesem Aspekt als Instrument der Rechtsstaatlichkeit bezeichnet werden.
Deren Basis war das typisch preußische Freiheitsverständnis: Freiheit nicht als absoluter, von allem anderen isolierter Selbstzweck, sondern als eine Größe, die sich nur dann für das Gemeinwohl segensreich entfalten kann, wenn sie an Verantwortung gebunden ist. Freiheit musste stets ein Ziel haben, und das Ziel galt nur als akzeptabel, wenn es auf das Gemeinwohl ebenso
Rück­sicht nahm wie auf die Freiheit und Menschenwürde anderer.
Dieser Freiheitsbegriff prägte auch den Umgang Friedrichs mit den Medien. Exzessive öffentliche Ehrverletzungen gab es unter seiner Regentschaft nicht.
Heute sehen die Medien sich gern als selbsternannte „Vierte Gewalt“. Sie begnügen sich nicht damit, über Politik zu informieren – sie maßen sich an, selber Politik zu machen. Vor allem die mit Kamera und Mikrophon „bewaffneten“ Vertreter dieser „Vierten Gewalt“ sehen sich letzten Endes als „Erste Gewalt“, die über allen anderen steht; sie gerieren sich als Ermittler, Ankläger, Richter und Henker in einer Person.
Im Preußen Friedrichs des Großen hingegen waren die Medien ein wichtiges Instrument des politischen Meinungsstreits und der öffentlichen Willensbildung. Gesetze und Verordnungen sowie die auf ihrer Basis tätigen Zensurbehörden setzten den rechtsstaatlichen Rahmen, innerhalb dessen sich Meinungs- und Pressefreiheit entfalten konnte. Diese wohl ausgewogene Rechtssicherheit ist vor allem Friedrich II. zu verdanken.
So mündet der Vergleich zwischen dem damaligen Preußen und dem heutigen Deutschland in die Feststellung: Damals gab es eine Zensur, die aber die Entfaltung von Meinungs- und Pressefreiheit nicht nachhaltig verhindern konnte (und meist auch gar nicht sollte). Heute hingegen findet laut Grundgesetz keine Zensur statt; in Wirklichkeit aber wurde sie nicht abgeschafft, sondern umbenannt – sie heißt nun „political correctness“. Hans-Jürgen Mahlitz

Eine Regierung muss sparsam sein, weil das Geld, das sie erhält, aus dem Blut und Schweiß ihres Volkes stammt. Es ist gerecht, dass jeder einzelne dazu beiträgt, die Ausgaben des Staates tragen zu helfen. Aber es ist nicht gerecht, dass er die Hälfte seines jährlichen Einkommens mit dem Staate teilen muss.
friedrich_der_grosse „Die Juden sind von allen Sekten die gefährlichste und man muss verhindern, dass ihre Zahl wächst.“
(Friedrich II, nach Spiegel, 45/2011, S. 83)