Germanenherz

Germanenherz_Toto_Haas
Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt, verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit, seine Kultur und sich selbst. Wir sind und werden gezwungen, unseren eigenen speziellen Charakter und unseren Lebensstil zu verbergen und zu Verachten, um nicht als Nazi oder Antisemit verspottet und ausgegrenzt zu werden. Kein größerer Schaden kann einer Nation zugefügt werden, als wenn man ihr den Nationalcharakter, die Eigenheiten ihres Geistes und ihre Sprache nimmt. Wenn eine fremde Macht ein Volk ermahnt, die eigene Nationalität zu vergessen, so ist das kein Ausfluss von Internationalismus, sondern dient nur dem Zweck, die jüdische Fremdherrschaft zu verewigen.

Wir Deutschen haben uns für unsere Vergangenheit und unsere Ahnen nicht zu schämen, ganz im Gegenteil, wir müssen sie unbedingt neu entdecken. Es ist unsere Pflicht uns mit der Germanistik auseinanderzusetzen. Wir Deutschen haben eine wahre Kultur. Wir Deutschen gehören zu dem Ursprung einer westlich zivilisierten und autarken Welt ohne das wir eine kulturelle Identität künstlich erzeugen müssen indem wir andere Kulturen vernichten! Wir sind mehr als das was uns seit Dekaden eingeredet wird, wir haben eine Geschichte die es wert ist sich zu entwickeln, denn unsere Vorfahren haben ihr Leben gegeben damit wir heute in Freiheit leben sollten.
In  Wahrheit baute  die germanische Weltanschauung auf die Gleichstellung von Menschen und dem Respekt gegenüber der Natur.  Gewalt, Naturzerstörung, egoistischer Intellekt waren verpönt, der Sinn für das Gemeinwohl (Natur inkl. Mensch) war vordergründig. Nichts wurde getan, ohne die Ahnen und die beseelte Natur zu fragen. Das alte Wissen war allen zugänglich und wurde nicht von elitären Herrenmenschen für ihre eigenen Zwecke missbraucht und der Masse vorenthalten worden!

Das alles ist ein wesentlicher Teil der deutschen Historie, welche jedoch immer mehr in das Vergessen gedrängt wird. Wir sind inmitten eines kulturellen Bewusstseins der Selbstaufgabe und des ewigen Schuldkult, ohne sich auf das zu besinnen was wir sind und andere Völker als selbstverständlich erachten. Den Deutschen hat man die Geschichte abtrainiert. Bei den einen reicht das Gedächtnis nur bis zur letzten Fußball-WM, bei den anderen nur auf 1933.1945. Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern will, wird dazu genötigt, sie im weniger Positiven bzw. die negativen Eigenschaften zu wiederholen.

Wer sich aber mit den alten germanischen Mythen auseinandersetzt, wird schnell merken, dass uns die Judeachristen unsere fundamentalen Lebensgrundlagen und Lebensweisheiten gestohlen haben!. Die drei großen patriarchalen Religionen (Christentum, Islam, Judaismus) sind für rasendes Massenmorden, rücksichtslose Industrialisierung, Sklavenarbeit, Ungerechtigkeit, Plünderung der natürlichen Ressourcen verantwortlich! Sie haben uns den Zugang zu unseren Seelen geklaut, uns von ihren (Schulen, Banken, Medien) abhängig gemacht!
***Es ist an der Zeit, dass Odin zurückkommt***
.odin geist
Allvaters Anrufung
Der Du einst im Waldesrauschen
Deinem Volke Dich genaht,
Dass sein Herz in brunst’gem Lauschen
Sich entzündete zur Tat,

Der Du standest an Deutschlands Seite
Immerdar und allerorts,
Kraftverleiher warst im Streite,
Spender tiefen Weisheitsworts,

Wir, von Deinem Blut geboren,
Gott der Deutschen, nahen Dir,
Wir, in fremdem Volk verloren,
Dich, Allvater, rufen wir.

Hast es manches Mal gesehen,
Jenes Schauspiel voller Gram:
Sahst aus Deutschland Deutsche gehen,
Deren keiner wiederkam,

Die in Angst vor fremden Spöttern
Sich des Vaterlands geschämt,
Opfer brachten fremden Göttern,
Sich mit fremdem Putz verbrämt;

Hör’ uns rufen, hör’ uns schwören:
Wir sind treu, und wir sind Dein,
Unser Land soll uns gehören,
Uns’res Landes woll’n wir sein!

Sieh’, der Fremdling will’s verhindern,
Altes Recht, er schreibt es neu —
Vater, bleibe Deinen Kindern,
Gott der Deutschen, bleib’ uns treu!

Schüttle Deine heil’gen Locken,
Necke die allmächt’ge Hand,
Dass der Eindringling erschrocken
Weiche aus dem deutschen Land;

Dass er zagen lerne, zittern
Vor urew’ger Majestät,
Wenn in heil’gen Ungewittern
Deutsche Gottheit aufersteht;

Dass das Herz uns mutig werde,
Stark in neuer Zuversicht:
Vatergott und Vatererde
Raubt uns Macht der Menschen nicht!


Viking_Toto_Germanenherz
Vom Hohen Norden wird er kommen mit seinen Streitwagen, und seine Macht wird unbezwingbar sein. Eine Schar Aufrechter wird um Ihn sein, ihnen wird er das Licht geben, und sie werden der Welt leuchten, Und die Stunde des Lichtes wird heimkehren über die Erdenwelt.
Geduld ist das Vertrauen, dass alles kommt, wenn die Zeit dafür reif ist. Man sei sich der Gegenkräfte gewahr und schließe nicht die Augen vor ihnen. Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen. Zum Leben gehört auch der Mut zum Konflikt. Hindernisse sind dazu da, furchtlos, aber umsichtig überwunden zu werden. Man vertraue seinem Willen und seinem innerem Impuls. Man diene mit diesen Kräften der Schöpfung. Man tue, was zu tun ist. WENN DIE ZEIT REIF IST
toto_haas_lichtbringer*** Die Zeit ist nun reif ***
*** Mein Volk Erwache ***
Nur der Wache (Sehende) erkennt schnell die Lüge! Was keiner wagt, das sollt ihr wagen. Was keiner sagt, das sagt heraus. Was keiner denkt, das wagt zu denken. Was keiner anfängt, das führt aus. Wenn keiner ja sagt, sollt ihr’s sagen, wenn keiner nein sagt, sagt doch nein. Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben. Wenn alle mittun, steht allein. Wo alle loben, habt Bedenken, Wo alle spotten, spottet nicht. Wo alle geizen, wagt zu schenken. Wo alles dunkel ist, macht Licht. 

Die theoretische Magie als Grundlage der Runenmagie

Germanenherz Runologe 02Die skeptische Frage, ob es Magie überhaupt gibt, ist äußerst unpräzise, so wie auch Glaube oder Nichtglaube an Magie weder richtig noch falsch sind. Es kommt dabei darauf an, was man eigentlich unter Magie versteht, und schon hier laufen die Ansichten bereits mannigfaltig auseinander.

Sicher gehören Beschreibungen von Magie, wie sie in Filmen, Fantasy-Literatur oder Rollenspiel dargestellt werden, ins Reich der Mythen und Märchen. Ich kann mir kaum vorstellen, daß jemand durch Magie oder reine geistige Willenskraft Feuer erschaffen, Blitze schleudern oder ähnliche Dinge tun kann. Auch übernatürliche Wesen, wie Dämonen, Geister, Engel, Götter etc. gehören für mich ins Reich der Phantasie.

Aber es gibt eine Form der Magie, die real existent ist, die zu fühlen und wirken man lernen kann und die ich inzwischen kenne und nutze.

Das Gebiet der Magie deckt sich im Wesentlichen mit dem der modernen Psychologie, insbesondere der Tiefenpsychologie, wenn auch die Herangehensweise eine andere ist. Die Tiefenpsychologie ist eine psychologische Richtung, die sich hauptsächlich mit den unbewußten Schichten der Psyche und ihrer Bedeutung für ein Verständnis der gesamten seelischen Organisation des Menschen auseinandersetzt. Die Magie beschäftigt sich ebenfalls mit diesem Teil der Psyche, der dem Menschen normalerweise nicht bewußt ist, obwohl er einen ungeheuren Einfluß auf sein Leben hat.

Die Beschäftigung mit echter Magie ist eine Grundlagenforschung zur Erkenntnis von Bewußtsein und Unbewußtem („Unterbewußtsein“), deren Wesen und Wirken im Menschen und in der gesamten Natur. Es geht um das Verstehen und Nutzen der geheimnisvollen, aber doch spürbaren geistigen Kräfte und Energien und um das Aufdecken der darin verborgenen Möglichkeiten.

Die Magie ist ein System tiefenpsychologischer Techniken, die dem Menschen helfen können, sein Innerstes besser zu erforschen. Damit dient sie in erster Linie dazu, sich selbst besser verstehen zu lernen. Über eine solche wünschenswerte Selbsterkenntnis hinaus, befreit ein Verständnis der inneren Natur von unbewußten Zwängen und Blockaden und ermöglicht ein besseres Meistern des eigenen Lebens.

Und ganz nebenbei hat sie bei jenen, die sich auf sie einlassen, den Nebeneffekt, das innere Selbst in den täglichen Aktivitäten zum Ausdruck zu bringen und somit die Realität nach eigenem Willen zu lenken – das, was der Laie gewöhnlich mit Magie verbindet, ganz trivial ausgedrückt: das „Zaubern“.

· 1. Die Magie
· 1.1. Einleitung
· 1.2. Einführende Zusammenfassung
· 1.3. Was ist Magie?
· 1.4. Jede Erklärung ist nur ein Modell
· 1.5. Die magische Energie
· 1.6. Die Funktionsweise der Magie
· 1.7. Die Anwendung von Magie
· 1.8. Die drei Standbeine magischen Wirkens
· 1.9. Die Wahrnehmung magischer Energien
· 1.10. Das Ziel der Beschäftigung mit Magie

· 2. Magie und Ethik
· 2.1. Der Unterschied zwischen Religion und Magie
· 2.2. Magie und Religion nebeneinander
· 2.3. Weiße und schwarze Magie?
· 2.4. Das Magiergesetz
· 2.5. Schadenszauber und Flüche
· 2.6. Liebeszauber
· 2.7. Verantwortung
· 3. Der Magier
· 3.1. Wie sieht ein Magier aus?
· 3.2. Woran erkennt man einen Magier?
· 3.3. Was macht ein Magier?
· 3.4. Kann jeder Magier werden?
· 3.5. Die Voraussetzungen eines Magiers
· 3.6. Wie wird man ein Magier?
· 3.7. Magie ist das Unbewußte
· 3.8. Müssen Magier verschwiegen sein?
· 3.9. Nehmen Magier Drogen?
· 4. Die Grenzen der Magie
1. Die Magie

1.1. Einleitung
Heute ist ganz allgemein das Wissen um die Magie zugänglicher geworden. Zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte konnte man sich derart umfassend durch Bücher, Internet, Seminare usw. darüber informieren wie heute. Zudem haben viele allgemeine Vorurteile der Vergangenheit („alle Magie ist Teufelswerk“) zumindest etwas an Schärfe verloren.

Leider ist aber auch noch nie so viel Halbwissen, irreführender Unsinn und Scharlatanerie im Umlauf gewesen wie heute. Daher gilt es, genau zu prüfen, was man erfährt.

Wenn man vor einem längeren Text über Magie steht, stellt man sich als potentieller Leser sofort die Frage, ob sich die Mühe überhaupt lohnt, ihn zu lesen. Man muß etwas Zeit investieren und die eigenen Gedanken für den Text öffnen, ohne zu wissen, ob man dem Verfasser trauen kann oder ob man bloß einen weiteren der typisch abgedrehten pseudoesoterischen Texte vor sich hat, wie man sie leider nur zu oft findet.

Da hilft es nur, mit dem Lesen zu beginnen und dabei zu prüfen, ob das Gelesene interessant, verständlich und nachvollziehbar ist. Falls es das nicht ist, wendet man sich einem anderen Werk zu.

Um dieses Abwägen zu erleichtern, enthält das nächste Kapitel eine Zusammenfassung der in diesem Text vertretenen Gedanken, die dann in den weiteren Kapiteln ausführlich erläutert werden.

Der Text auf dieser und den folgenden Seiten soll ein Grundverständnis für die Funktionsweise der Kräfte des Unbewußten vermitteln, die man gemeinhin Magie nennt, und demjenigen, der sich damit auch in der Praxis beschäftigen möchte, zu einem Einstieg verhelfen.

Ich habe mich bemüht, den Text leicht verständlich und zugleich interessant zu gestalten und darin den magischen (was geschieht) und den psychologischen (wie es funktioniert) Aspekt gleichermaßen zu beleuchten, ein Grenzgang zwischen Phänomen und wissenschaftlicher Erklärung.

Diese Seiten sind kein detaillierter Lehrgang mit genau ausformulierten Ritualen, und man wird später auch sehen, warum so etwas unsinnig wäre. Vielmehr bilden sie eine Hilfestellung und Methodik für den Interessierten, seinen eigenen Zugang zur Magie und ihren Techniken zu finden und seinen individuellen Weg zu gehen, sofern er den Willen dazu hat und bereit ist, die Zeit und Anstrengung zu investieren.

Diese Abhandlung soll das theoretische Hintergrundwissen liefern, um direkt in die Praxis einsteigen und ihre Wirkung und Phänomene verstehen zu können. Die persönliche Weiterentwicklung und die Verantwortung dafür hat dann aber jeder selbst in der Hand. Es sollen keine Wege vorgeschrieben, sondern gangbare Wege aufgezeigt werden.

Bei keinen zwei Lesern dürften die gleichen Voraussetzungen hinsichtlich theoretischen Wissens und praktischer Erfahrung gegeben sein, daher versuche ich hier einen Kompromiß zu finden, der für den Anfänger ausreichend ausführlich und für den Fortgeschritten nicht trivial langweilig ist.

Wer die Grundstrukturen der Magie allerdings erst einmal verstanden hat, bedarf keines allzugroßen Detailwissens mehr, weil er aus ihnen alles andere mühelos und korrekt ableiten kann. Gerade der Anfänger ist sich dieser Freiheit oft am allerwenigsten bewußt. Anstatt selbständig weiterzudenken, was ihm als Einweihung angeboten wird, sucht er verzweifelt nach weiteren Regeln und vermeintlichen Grenzen, an die er sich klammern kann. Dies sollte nicht auch noch unterstützt werden.

Die Überheblichkeit, mit der vornehmlich frühere Autoren auf den „dummen, unwissenden Nichteingeweihten“ herabschauten, um ihm erst den Mund wässrig zu machen und ihm dann das entscheidende Wissen doch vorzuenthalten, sollte endlich der Vergangenheit angehören.

Eine Anleitung wie diese will nicht dogmatisch sein, denn viele Wege führen zum Ziel, und es sollen lediglich Anregungen gegeben werden. Rituellen Anweisungen und esoterischen Lehren blind zu folgen, ist nicht der Sinn, den diese Seiten vermitteln wollen, sondern Verständnis für die Funktionsweise der Magie und das eigene Arbeiten mit persönlichen, individuellen Inhalten und Methoden, denn nur sie können letztendlich das eigentliche Ziel der Magie erfüllen: die Weiterentwicklung des Selbst.

Auch wer nicht den praktischen Weg beschreiten möchte, kann durch die Magie etwas Wertvolles gewinnen, denn allein schon das Verständnis für die Magie und für das Unbewußte führt oft zu einem bewußteren Leben.

1.2. Einführende Zusammenfassung
Normalerweise gehört eine Zusammenfassung an das Ende eines Textes, hier sei sie jedoch an den Anfang gestellt. Das dient dazu, zunächst die hier vorgestellten Grundgedanken in gestraffter Form wiederzugeben, bevor sie anschließend detailliert erläutert werden. Somit kann der Leser schon an diesem Punkt entscheiden, ob er den Ausführungen weiter folgen mag oder nicht.

o Magie ist ein ganz persönlicher, individueller Erfahrungsraum. Deshalb ist sie schwer zu erklären, nicht allgemeingültig zu definieren und daher ist es schwierig, einen zu einem selbst passenden Lehrer zu finden.

o Magie hat sehr viel mit Psychologie, insbesondere Tiefenpsychologie, zu tun, und die meisten ihrer Funktionen sind psychologisch erklärbar. Ferner ist Magie eine Lehre, die niemals abgeschlossen und ständig im Wandel ist.

o Um die Funktionsweise von Magie zu erklären, wird ein Modell verwendet, das auf der Annahme beruht, daß Magie eine Form von Energie ist.

o Magische Energie wird von allen Lebewesen im Unterbewußtsein erzeugt, ausgestrahlt und ist dadurch in der Welt vorhanden.

o Alles Existierende besteht irgendwie aus Energie in unterschiedlicher Form. Magische Energie kann Energien auf anderer Ebene beeinflussen und verändern (Resonanzprinzip). Dadurch kann magisches Arbeiten tatsächlichen Einfluß auf Wahrscheinlichkeiten von Ereignissen und das (unbewußte) Denken anderer nehmen.

o Magier benutzen Ketten aus einander verändernden, ähnlichen Energieformen, um die gewünschte Veränderung beim Ziel zu erreichen. Das Bewußtsein regt das Unbewußte an, eine bestimmte, zielgerichtete Form magischer Energie zu erzeugen, welche den Willen des Magiers transportiert. Die Energie wird auf die magische Energie des Ziels projiziert und gleicht diese schwingungsmäßig dem Willen des Magiers an (Synchronismus). Die veränderte magische Energie des Ziels bewirkt wiederum Veränderungen über die verschiedenen Energiestufen zurück bis zur beabsichtigten Energieform, zum Beispiel über das Unterbewußtsein des Ziels in dessen Bewußtsein. Dies kann real greifbare Veränderungen beim Ziel bewirken.

o Die drei Standbeine jeden magischen Wirkens sind ein veränderter Bewußtseinszustand (Gnosis), der Wille und die Visualisierung.

o Der veränderte Bewußtseinszustand (gnostische Trance oder kurz Gnosis) dient dazu, das Unbewußte zu erreichen und es zur Erzeugung entsprechender magischer Energien zu veranlassen. Magische Werkzeuge und Rituale sind lediglich Hilfsmittel zur Erreichung dieses Zustands.

o Der Wille oder Willenssatz ist das gewollte Ergebnis und das Maß für die Intensität und Stärke der Wirkung einer Magieanwendung.

o Die Visualisierung ist die Aufnahme eines geistigen Bildes des gewollten Ergebnisses in die innere Realität, um die magische Energie auf dieses Ziel projizieren zu können, es zu „treffen“, also die Genauigkeit der magischen Operation.

o Durch diese drei Techniken wird die fremde Energie der eigenen schwingungsmäßig angeglichen, was zur Angleichung der fremden Realität an den eigenen Willen führt (Synchronismus).

o Magier können mit Hilfe ihres erweiterten Bewußtseinszustandes magische Energien mit dem Unterbewußtsein wahrnehmen, welches sich dabei der Sinnesorgane als Hilfsmittel zur Darstellung für das Bewußtsein bedient.

o Das eigentliche Ziel der Beschäftigung mit Magie ist nicht die Demonstration spektakulärer Effekte, sondern das Verbinden von Bewußtsein und Unterbewußtsein des Magiers, die ausgewogene Entwicklung beider Bereiche, deren Kommunikation miteinander und damit die Weiterentwicklung des Selbst. Natürlich kann man mit Magie auch tatsächlich „Zauber“ wirken, doch dies ist eigentlich nur ein sehr nützlicher Nebeneffekt auf dem magischen Weg, nicht die Hauptsache.

o Der Umgang mit Magie bedingt eine hohe Verantwortlichkeit und einen ethisch gefestigten Charakter.

o Magie ist keine Religion und funktioniert auch anders. Sie ist vielmehr eine Lebensphilosophie. Sie kommt ohne Religion aus, aber es geht auch mit Religion.

o Es gibt keine „schwarze“ oder „weiße“ Magie. Magie ist auch nicht gut oder böse. Sie ist als Energieform und auch als Wissenschaft ebenso neutral wie es elektrischer Strom oder die Physik sind.

o Der Anwender ist für sein Tun verantwortlich. Er wirke Magie nur, wenn er es für richtig hält, wenn er die Konsequenzen seines Vorhabens überdacht hat, die Verantwortung für sein Tun zu tragen bereit ist und dies alles mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Seine Verantwortung hat er auch sich selbst gegenüber.

o Schadenszauber, Flüche und Liebeszauber (gegen den freien Willen) gehören in den Bereich manipulatorischer, aggressiver Magie, sind daher negativ zu betrachten und mit Vorsicht zu handhaben, aber keineswegs irgendwie „verboten“. Man sollte sich nur über die möglichen (auch psychischen) Konsequenzen im Klaren sein.

o „Höhere“ oder „magische“ Wesen wie Götter, Geister oder Dämonen gibt es nicht real. Ihre wahrgenommenen Präsenzen und Manifestationen sind lediglich (oft sehr realistisch erscheinende) Projektionen aus der eigenen Psyche (sogenannte Psychogone). Man erschafft sie als flüchtige Energiegebilde immer selbst.

o Magier sind eigentlich ganz normale Menschen, die sich lediglich ein besonderes Talent erschlossen haben. Sie benutzen es, um ihren Weg zu gehen, positive Dinge anzuziehen und negative Ding fernzuhalten. Magie ist für sie ein spiritueller Weg.

o Wahre Magier donnern sich nicht auf und machen kein großes Aufheben um ihre Kunst. Wer das tut, ist fast immer ein Scharlatan oder steht noch ganz am Anfang seines Weges.

o Prinzipiell kann jeder Magier werden, der bereit ist, an sich selbst zu arbeiten und dafür etliche Anstrengungen in Kauf zu nehmen. Magie kann man nicht konsumieren, man muß sie aktiv erfahren und sich erarbeiten. Wer dazu keine Lust hat oder Magie lediglich „cool“ findet, wird scheitern.

o Die an einen Magier gestellten Voraussetzungen sind Aufgeschlossenheit, Aufmerksamkeit, Gelassenheit, Entspanntheit, Konzentration, Intuition, Ausdauer, Geduld, Glaube an den Erfolg, Selbstkenntnis und Verantwortlichkeit.

o Weil Magie etwas sehr Individuelles ist, muß sie sich jeder selbst erarbeiten. Es ist daher töricht, vorgegebenen Lehren und fremden Ritualen blind zu folgen, denn sie sollten lediglich als Anregung für den eigenen Weg dienen und dürfen auch abgelehnt werden.

Wer bis hierher den meisten dieser Punkte zugestimmt oder dabei wenigstens nicht den Kopf geschüttelt hat, wird wahrscheinlich auch von den nun folgenden, ausführlicheren und weiterführenden Kapiteln nicht enttäuscht werden. Sie stellen, metaphorisch ausgedrückt, keine Rezeptsammlung dar, sondern lehren die Kunst des Kochens an sich, denn ein guter Koch braucht keine Rezepte mehr, er kann mit Wissen, Erfahrung und Gefühl alles selbst entwickeln.

1.3. Was ist Magie?
Die Frage, was Magie eigentlich ist, ist sehr schwer zu beantworten. Es gibt verschiedene mehr oder weniger vermeintlich plausible Erklärungsansätze, aber keiner vermag sie vollständig zu erfassen.

Das liegt unter anderem daran, daß Magie etwas zutiefst Persönliches ist. Jeder erlebt, empfindet und benutzt Magie auf völlig individuelle Weise. Deshalb sind Definitionen und Anleitungen nur sehr grobe Hilfsmittel, weil letztlich jeder seinen eigenen, persönlichen Zugang zur Magie finden muß. Darum ist es auch so schwer, einen passenden Lehrer zu finden, denn der Weg eines Lehrers ist höchstwahrscheinlich nicht der eigene.
Carl Gustav Jung (26.07.1875 bis 06.06.1961), ein schweizer Psychologe, der u.a. an Siegmund Freud anknüpfte und sich darüberhinaus mit Magie, Alchemie und Religion beschäftigte, hat einmal gesagt: „Magisch ist nur ein anderes Wort für psychisch.“

Magie ist also das Wissen um die Kräfte der menschlichen Seele und wie diese bewußt angewandt werden können. Damit wird das Spektrum dessen, das man mit „magisch“ bezeichnen kann, um ein Vielfaches größer und auch natürlicher.

jung
Carl Gustav Jung

Magier und Hexen betrachten daher Magie und damit Verbundenes als absolut natürlich, denn die Magie ist ein Teil der Natur und des Menschen selbst. Magie erhebt sich nicht etwa über die Natur und ist schon gar nicht „widernatürlich“, wie es sehr vielen religiös denkenden Menschen eingetrichtert wurde. Carl Gustav Jung

Der Begriff „übernatürlich“ ist in Bezug auf Magie ebenfalls irreführend, denn Magie ist eine sehr natürliche Fähigkeit, welche der Mensch als Teil seiner eigenen Psyche tief in seinem Inneren trägt und die er von der Natur selbst erhalten hat. Daß sie „übernatürlich“ oder „unnatürlich“ sei, wird den Menschen hauptsächlich von den etablierten Religionen eingeredet, für deren Anhänger eine Beschäftigung mit Magie, kritischem Denken und die damit einhergehende persönliche Weiterentwicklung (und meist auch Fortentwicklung von den religiösen Dogmen) natürlich äußerst unerwünscht ist.

Magie wird oft als „Geheimwissenschaft“ bezeichnet. Für viele bedeutet dies zwar auch die Geheimhaltung des erlangten Wissens aus unterschiedlichen Motiven heraus (eigene Machterhaltung, wohlmeinende Bewahrung „Unkundiger“ vor Mißbrauch und Schaden, Zurückhaltung, weil „die Zeit/Welt/Menschheit noch nicht reif dafür“ sei usw.), aber eigentlich geht es, im Gegensatz zu weltlichem Geheimwissen, dessen Inhalt seinen Trägern bereits bekannt ist, bei der „Geheimwissenschaft“ Magie in erster Linie um die Geheimnisse selbst, mit der sich die Magie umgibt, und um deren Erforschung. Außerdem halten viele Magier vor der Allgemeinheit geheim, daß sie sich überhaupt mit Magie beschäftigen, um sich nicht den so typischen ablehnenden Reaktionen der Unwissenden auszusetzen.

Der unbezähmbare Drang nach Erkenntnis bewegt seit Jahrtausenden immer wieder Menschen dazu, sich den im menschlichen Geist verborgenen Mysterien auf unterschiedlichen Wegen zu nähern. Die Beschäftigung mit Magie ist eine Erforschung des eigenen Inneren, welches sein Wesen oft in seltsamen und zum Teil verwirrenden Erlebnissen und Erfahrungen andeutet – andeutet, aber eben nicht wirklich offenbart.

Die Wissenschaft von der Erforschung des dem Bewußtsein zunächst verschlossenen Teil des menschlichen Geistes, nämlich seinem Unterbewußtseins und – wenn man so will – seiner Seele, ist die Psychologie, genauer die Tiefenpsychologie. Man nimmt sie zu Hilfe, um viele – nicht alle – magischen Wirkmechanismen im menschlichen Geist zu erklären. Wie C. G. Jung schon lehrte, Magie ist immer auch Psychologie, denn es gibt hier keine klare Abgrenzung.

Man könnte sagen, daß die Beschäftigung mit Magie ein Weg ist, über mythische Denkmodelle und Techniken, in denen tiefenpsychologische Funktionsmethoden verschlüsselt sind, die verborgenen Fähigkeiten des Unterbewußtseins dazu anzuregen, tatsächliche Veränderungen der Realität zu bewirken. Die Kunst dabei ist es, dies im Einklang mit dem bewußten Willen zu erreichen, d.h. solche Veränderungen hervorzurufen, die man so auch wirklich haben will.

Die ernsthafte Beschäftigung mit Magie ist daher zwangsläufig immer eine Synthese aus dem Versuch, die mythischen Geheimnisse zu entschlüsseln, und der exakten Wissenschaft der Psychologie, beziehungsweise Tiefenpsychologie. So kann man die bei der praktischen Anwendung von Magie funktionierenden Wirkmechanismen des Geistes besser zu verstehen und auch zu nutzen lernen.

Magie ist, rein wissenschaftlich betrachtet, eigentlich im Grunde nur ein angewandtes System tiefenpsychologischer Techniken. Die meisten von ihnen und die durch sie hervorgerufenen Phänomene sind in ihrer Funktion daher psychologisch erklärbar, und es schadet auch keineswegs, diese Funktionen der Psyche zu kennen und zu verstehen, wenngleich einige von ihnen auch noch weitgehend unerforscht und daher nur rein theoretisch erklärbar sind.

Das Problem ist nur, daß diese wunderbaren psychologischen Techniken paradoxerweise nicht funktionieren, wenn man mit zu nüchterner Betrachtung an sie herangeht und sich ihrer während der Magieausübung zu sehr bewußt ist. Das liegt vor allem daran, daß sie im Unbewußten Gefühle auslösen sollen, welche zur gewünschten Bewußtseinserweiterung führen. Magie ist hauptsächlich eine Sache des Fühlens, weniger die bewußte Anwendung psychologischer Techniken und Formeln. Deshalb funktioniert sie auch nur durch die mythisch gestützte Methodik der praktischen Anwendung optimal, weil nur durch sie im Unbewußten entsprechende Gefühle assoziiert werden, und nicht durch die theoretisierende Bewußtheit über die psychologische Natur dieser Techniken.

Beim Fahrradfahren muß man das Gleichgewicht auch mit einem Gefühl für dieses halten, die bloße Kenntnis der dabei zur Geltung kommenden physikalischen Formeln nutzt dem Anfänger zunächst einmal gar nichts, denn durch sie allein bekommt er kein Gefühl für die Praxis – das kann er nur durch Fühlen und Übung erlangen. Konzentriert man sich stattdessen während des Versuchs mehr auf die Formeln als auf das Gefühl, wird man scheitern. In der Magie ist das ganz ähnlich.

Deshalb bedient sich die Magie der Mystifizierung, denn ein mythisches Denkmodell, in dem man sich im Rahmen der Magieanwendung bewegt, kann Stimmungen und Gefühle viel besser auslösen als ein nüchternes Durchschauen der psychologischen Wirkmechanismen.

Daher ist es wichtig, Letztere im Moment der Anwendung auch zu „vergessen“, damit die Magie funktionieren kann, sonst stört die wissenschaftliche Bewußtheit das mythische Denken, und es können durch dieses keine entsprechenden Gefühle erzeugt werden oder eben nicht mehr in der erforderlichen Intensität. Weil man aber nicht bewußt etwas vergessen kann (man versuche einmal, für ein paar Minuten bewußt nicht an ein Nilpferd zu denken), erreicht man ein temporäres „Vergessen“ eben nur durch Ablenkung, indem man sich sehr stark auf eine andere Sache konzentriert, auf das mythische Denkmodell eben. Mit genügender Intensität der Konzentration wird dieses im Moment des Ausübens für den Magier mythisch „wahr“, erzeugt in ihm so die gewünschten Gefühle, mit denen die Erweiterung seines Bewußtseins einhergeht, welche ihn befähigt, sein Unterbewußtsein zur Freisetzung jener Kräfte anzuregen, die seinen Willen schließlich Realität werden lassen können.

Dies ist auch der Grund dafür, warum vielfach eben nur die Mystik gelehrt wird: damit der Schüler nicht auf „dumme Gedanken“ kommt, die ihn blockieren können (oft leider aber auch deshalb, um als Lehrer das eigentliche Geheimnis allein für sich zu behalten oder schlimmer noch, wenn der Lehrer selbst glaubt, die mythischen Denkmodelle seien Realität). Deswegen funktioniert Magie seit alters her auch dann, wenn ihre Lehre allein auf der Grundlage mythischer Denkmodelle fußt, die dann vom Magier auch für wahr gehalten wurden (und noch immer werden), da es die wissenschaftliche Erklärung schließlich erst seit relativ kurzer Zeit (rund 100 Jahre) gibt.

Mythische Denkmodelle funktionieren magisch um so besser, je umfassender und in sich schlüssiger sie sind. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob sie einfach oder kompliziert gestaltet sind oder ob sie einen starken Bezug zur Realität haben und nur leicht an dieser vorbeigehen oder ob sie (wissenschaftlich objektiv betrachtet) sogar völlig unsinnig sind. Man muß sich nur in sie hineindenken und sie für den Moment der Magieausübung als Realität akzeptieren können. Sehr vorteilhaft und der Erzeugung von Atmosphäre förderlich ist es selbstverständlich auch, sich in ihnen wohlzufühlen.

Doch ist es natürlich besser, auch über die tatsächlichen psychologischen Funktionen der Magie Bescheid zu wissen, denn so hat man bei Problemen den besseren Überblick, kann Zusammenhänge leichter verstehen und natürlich auch sich selbst und seine Fähigkeiten und Techniken gezielter weiterentwickeln. Außerdem hilft es ungemein dabei, realistisch und mit beiden Beinen auf dem Boden und „im Leben“ zu bleiben und nicht „abzuheben“ (den Bezug zur Realität zu verlieren).

Daß es in der Magie und gerade auch in der Esoterik oft sehr seltsame, geradezu schwachsinnig erscheinende Lehren und Weltbilder gibt, kommt also nicht von ungefähr, wobei man gerade in der Esoterik aber fein zwischen tatsächlicher Mystifizierung und absichtlicher Verkomplizierung zur Verschleierung der Zusammenhänge zum Zwecke des Profitmachens und des Erzeugens von Abhängigkeiten unterscheiden muß.

Der so wichtige Unterschied zwischen Realität und mythischem Denkmodell und deren notwendiger Trennung voneinander ist vielen Anhängern dieser Lehren nämlich fatalerweise überhaupt nicht bewußt. Deshalb erachten auch so viele Esoteriker ihre mythischen Weltbilder als real existent und tragen somit zu ihrem Ruf als Spinner selbst bei.

Zudem, so muß man leider sagen, benutzen viele selbsternannte Magier und Esoteriker ihre mythischen Weltbilder auch zur Realitätsflucht, um andere psychische oder weltliche Probleme zu verdrängen, weil sie den Unterschied nicht kennen oder nicht kennen wollen, was natürlich der Sache nicht gerade dienlich ist und eher in eine Sackgasse führt, wobei diese Probleme durch Hinauszögern letztlich nur verschlimmert werden.

So verrennen sich diese Menschen immer tiefer in ihre eigene Mythologie oder in die, der sie blindlings folgen, verlieren immer mehr den Sinn für die Realität und erscheinen anderen Menschen dadurch immer weltfremder und „abgedrehter“. Magie sollte aber doch eigentlich die Arbeit an sich selbst sein und zu einem bewußteren Leben führen, und gerade eben nicht dazu, daß man sich selbst verliert.

Nicht zuletzt deshalb wird immer wieder vor der Beschäftigung mit Magie gewarnt, wenn psychische oder schwerwiegende weltliche Probleme vorhanden sind. Praktische Magie bedeutet, mit der eigenen Psyche zu experimentieren, und das kann beim Vorhandensein psychischer Störungen jeder Art üble Konsequenzen haben und diese Störungen noch verschlimmern. Auch eine gesunde Psyche ist selbstverständlich nicht „sicher“, doch steckt sie ein Herumexperimentieren leichter weg, und negative Auswirkungen sind sehr unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist vielmehr die angestrebte positive Weiterentwicklung.

Insofern dient ein wissenschaftliches, realistisches Bild der Magie, ihrer Funktion und Zusammenhänge auch als „Rettungsanker“ in Form einer Gedächtnisstütze für die Psyche, damit man „auf dem Teppich“ bleibt, beziehungsweise nach einer magischen Tätigkeit wieder leichter in die Realität zurückfinden kann. Witzigerweise mystifiziert man sogar diesen „Rettungsanker“, indem man ihn zum Beispiel in Form von Symbolen oder rituellen Handlungen in seine magischen Rituale mit einbezieht, um sich im Anschluß an die eigentliche Handlung durch ihn an die Realität zu „erinnern“ und leichter zu ihr zurückzufinden, und das funktioniert auch ziemlich gut.

Viele der mythischen Denkmodelle und Methoden, mit der die praktische Anwendung der Magie verkleidet wird, beispielsweise in einem Ritual, mögen zunächst kitschig, abergläubisch, unsinnig oder kindlich naiv wirken, doch vermögen sie als Symbolsprache im Unterbewußtsein Dinge auszulösen, deren Auswirkungen in Form von Erkenntnissen, einem veränderten Bewußtsein und tatsächlichem Einfluß auf die Umwelt spürbar und erlebbar sind, obwohl akademisch vorgebildete Psychologen trotz raffinierter Test-Verfahren und Großversuchsreihen in psychologischen Laboren solche Ergebnisse weder erzielen noch nachweisen können.

Vielleicht läßt sich an dieser Stelle wenigstens halbwegs der äußerst schwammige Grenzverlauf zwischen der „Geheimwissenschaft“ Magie und der anerkannten Wissenschaft der Psychologie festlegen.

Einige Methoden und Techniken der Magie mögen Psychologen bekannt vorkommen, ja sogar verblüffend modern erscheinen (obwohl viele davon bereits sehr, sehr alt sind), denn sie werden heute teilweise in der Psychotherapie und der psychosomatischen Medizin zur Behandlung der sich zunehmend ausbreitenden seelischen Erkrankungen (Neurosen) und seelisch bedingter Organkrankheiten eingesetzt – übrigens ohne daß ihre Wirkungsweise grundlegend erforscht wäre. Man kann die Grenze zwischen Magie und Psychologie also nicht unbedingt an der Erklärbarkeit der Phänomene festmachen.

Zu unterscheiden ist beim Begriff „Magie“ außerdem, ob man die magische Kraft oder Energie selbst meint oder den Umgang mit ihr, denn beides wird zu einem Themenkomplex zusammengefaßt, den man üblicherweise als „Magie“ bezeichnet. So soll zur präziseren Ausdrucksweise zwischen magischer Energie und Magieanwendung unterschieden werden.

Eine grobe Definition der Magieanwendung ist ein System tiefenpsychologischer Methodik, um sich gefühlsmäßig in einen erweiterten Bewußtseinszustand zu versetzen, der es erlaubt, auf geistigem Wege über eine Symbolsprache das Unterbewußtsein anzuregen, Kraft des bewußten Willens die Realität seiner bewußten Vorstellung anzugleichen.

1.4. Jede Erklärung ist nur ein Modell
Magie als Kraft wird auch magische Energie genannt. Daß sie eine Form von Energie ist, ist eine Behauptung, ein Denkmodell für etwas, das noch nicht vollständig erforscht und begriffen werden konnte. Weil sich aber viele Dinge im Zusammenhang mit Magie sehr gut mit einem Energiemodell erklären lassen, soll diese Definition zunächst als gültig betrachtet werden.

Der Begriff „Energie“ ist hierbei natürlich nur eine Metapher, eine Veranschaulichung, also keine physikalische Aussage. Magische Energie ist keine „stoffliche“ Energieform, die einer Überprüfung durch die exakten Wissenschaften standhielte, und sie ist bisher nicht physikalisch meßbar. Der Begriff „Energie“ ist nur ein Behelf, weil die Sprache keinen besseren kennt.

Der Mensch strebt stets danach, seinen Glauben und seine Philosophie in sein zeitgenössisches Weltbild einzubetten, um sich nicht ständig mit Widersprüchen auseinandersetzen zu müssen. Insbesondere betrifft das auch das Themengebiet der Magie, welches ja ebenfalls eine Philosophie ist und den Glauben an Magie voraussetzt. Psychologisch gesehen dienen die Versuche, die Magie mit dem Weltbild zu vereinbaren, vor allem dazu, den Verstand zu beruhigen und das scheinbar Irrationale der Magie begreifbar und vor allem akzeptierbar zu machen.

Das ist auch magisch gesehen durchaus sinnvoll, denn ein zufriedengestellter Verstand läßt dem Unbewußten mehr Freiraum zum Wirken als ein rein rationaler, dauernd skeptischer Verstand, der mit seinen beständigen Zweifeln der Magieanwendung alle möglichen Blockaden und Stolpersteine in den Weg legt.

Es kommt also weniger darauf an, ob die Erklärungsmodelle der Magie naturwissenschaftlich „wahr“ sind oder nicht. Wichtig ist allein, daß sie mythisch wahr sind, daß sie also den Magier selbst überzeugen und ihm als funktionierende Arbeitshypothese (Paradigma) dienen. Es kann nur dann etwas funktionieren, an dessen Funktionieren man auch glaubt. Glaubt man nicht an seine Magie, kann man sie auch nicht erfolgreich anwenden, da man sich durch Zweifel innerlich den Zugriff versperrt.

Ein Magier braucht aber eine gewisse Sicherheit für seinen Verstand, und mythische Modelle liefern die entsprechende Standfestigkeit, um ohne durch Skepsis hervorgerufene Blockaden seinem Unterbewußtsein vertrauen und sich so in einer eigentlich irrational erscheinenden Realität in Ruhe auf sein Vorhaben konzentrieren zu können. Man sollte solche Erklärungsmodelle also unter diesem Vorbehalt betrachten, bevor man sie kritisiert.

1.5. Die magische Energie
Magie als Kraft soll hier, dem Energiemodell folgend, auch als Energie angesehen werden. Diese mythische Energie des Unbewußten wird häufig auch als Magis, Od oder Prana (sanskrit: Atem, Lebenskraft) bezeichnet. Die Frage nach der genauen Natur magischer Energie läßt sich ebensowenig beantworten, wie man mit Sicherheit sagen kann, worin das genaue Wesen der Elektrizität besteht. Wie auch dort ist viel über die Erzeugung, Handhabung und Anwendung der betreffenden Energie bekannt, aber ihre eigentliche Natur bleibt verborgen.

Magische Energie erfüllt jedes Lebewesen (die Lebensenergie, das, was das Leben als solches ausmacht, manche nennen es Seele) von innen heraus und umgibt es in Form einer Aura. Aber auch vielen Gegenständen wohnt diese Energie mehr oder weniger stark inne. Sie kann darin gespeichert und in seltenen Fällen auch darin aus der Umgebung gebündelt erzeugt werden. Magische Energie ist außerdem in der Umwelt vorhanden, denn sie wird beständig von den Lebewesen ausgestrahlt. Magie ist die Energie, die allem im Universum das Leben gibt, aber auch das Leben selbst ist. Man könnte sie sogar als die Summe allen Lebens bezeichnen.

Das klingt nun ein wenig nach der „Macht“ aus „Star Wars“, und so ganz falsch ist dieser Ansatz gar nicht. Magie ist aber nicht eine „kosmische Kraft“, „Naturkraft“ oder „göttliche Kraft“, sondern als Lebenskraft die Kraft und Energie des Unterbewußtseins, welches das Zentrum des Lebens ist.

Die magische Energie hat ihren Sitz und Ursprung im Unbewußten („Unterbewußtsein“). Das Unbewußte kann diese Energie auch aussenden. Dies geschieht manchmal kraftvoll, zum Beispiel bewußt durch den Willen des Magiers oder unbewußt durch bestimmte emotionale Reaktionen des Unbewußten, und in schwächerer Form ohnehin ständig, einfach indem man lebt, ähnlich wie man Körperwärme ausstrahlt. Diese ausgesendete Energie ist dann in der Umwelt vorhanden.

Wenn man aber nun permanent Energie aussendet, so muß diese auch irgendwoher kommen. Außerdem bleibt nach dem Energieerhaltungssatz die Summe der Energie in einem geschlossenen System immer gleich. Woher kommt beispielsweise die Energie, mit welcher das Herz schlägt, mit welcher man sieht, mit welcher man denkt? Sie wird im und durch den Körper gebildet.

Auch das menschliche Gehirn arbeitet mit Energie, elektrischen Impulsen nämlich, die etwa 100 Watt stark sind und gemessen und mittels eines Elektro-Enzephalogramms (EEG) aufgezeichnet werden können. Also erzeugen Gedanken und Emotionen elektrische Energie. Aber sie erzeugen eben auch noch eine zweite Form von Energie, die man magische Energie nennt.

Diese Energie, die man auch den Lebensfunken oder die Lebensenergie nennt, hält die Maschine Körper in Gang, steuert sie. Sie kommt selbstverständlich auch nicht aus dem Nichts, sondern wird durch einen kontrollierten biochemischen Verbrennungsvorgang des Körpers aus Nahrung und Sauerstoff vom Körper selbst erzeugt, ebenso wie die bioelektrische Energie, welche Nerven und Gehirn betreibt. Die Energie, mit der gerade diese Zeilen gelesen werden, stammt aus einer der letzten Mahlzeiten.

Die Substanz aus der Nahrung wird im „Kraftwerk Körper“ in Lebensenergie umgewandelt, die eben nicht nur den Körper, die Muskeln, die Sinne und die Nerven betreibt, sondern eben auch den Geist. Zu Letzterem gehören Bewußtsein und das Unbewußte, und ein Teil dieser Energie wird vom Unbewußten eben auf eine bisher nicht bekannte Weise zu magischer Energie umgewandelt und so verwendet. Sie kommt nicht von außen, sondern wird von jedem selbst erzeugt.

Weil nun alle Lebewesen (und nicht unbedingt nur diese, aber das soll zunächst außen vor bleiben) also beständig magische Energie abstrahlen, ist die Welt davon erfüllt. Analog kann man sich einen Raum mit vielen Personen darin vorstellen, der sich durch die Körperwärme der Anwesenden erwärmt. Diese vielen verschiedenen magischen Energien bilden jedoch kein homogenes, untrennbares Gemisch, sondern sind schon einzeln vorhanden und existieren miteinander und durcheinander, vergleichbar mit den Frequenzen verschiedener Radioprogramme, die sehr wohl einzeln unterscheidbar und dennoch alle gemeinsam im selben elektromagnetischen Gemisch vorhanden sind.
Oft bilden magische Energien regelrechte Ströme durch die Welt. Linien aus magischer Energie, sogenannte Kraft- oder Ley-Linien umspannen ähnlich dem Magnetfeld die Erde wie ein Netz. Wo sich solche Linien kreuzen, gibt es Knoten- oder Kraftorte, an denen die Magie besonders stark und leichter zugänglich ist. Viele Kultstätten sind daher auf solchen Kraftorten errichtet.

watkins Der Erfinder des Begriffs Ley-Linie ist Alfred Watkins (1855 bis 1935) in seinem 1925 erschienenen Buch „The Old Straight Track“ (engl.: Der alte gerade Pfad). Der pensionierte englische Geschäftsmann Watkins war ein Pionier auf dem Gebiet der Geomantie (Weissagung durch Erdenergie). Er prägte den Begriff der Ley-Linie, weil zahlreiche auf diesen Linien liegende Orte auf „ley“, „lay“, „lee“, „lea“ oder „leigh“ enden, eine altdeutsche Bezeichnung für Fels oder Klippe. Nach Watkins verbinden diese virtuellen, geraden Linien bedeutende megalithische Bauwerke und Orte der Kraft miteinander.

1.6. Die Funktionsweise der Magie
Um zu begreifen, auf welche Weise Magie funktionieren kann, muß man sich vergegenwärtigen, daß nicht nur Magie als Kraft, sondern alles Existierende aus Energie besteht. Das gilt für einen Stein (Materie ist ebenfalls eine Form von Energie) genauso wie für Wärme, Licht, Gedanken und das Leben selbst. Alle diese Energieformen besitzen sozusagen eine unterschiedliche Frequenz.

Diese verschiedenen Energieformen existieren nicht getrennt voneinander, denn sonst könnte man gar keinen Kontakt zu ihnen bekommen. Sie existieren vielmehr miteinander und durcheinander. Wenn man beim elektromagnetischen Frequenzmodell bleiben möchte, so könnte man sich die unterschiedlichen Energieformen vielleicht analog zu infrarotem Licht, sichtbarem Licht, ultraviolettem Licht, Radarstrahlen, Röntgenstrahlen, Funk und Rundfunk vorstellen. Alle können gemeinsam im selben Raum existieren und bleiben doch voneinander gut unterscheidbar und haben alle verschiedene Erscheinungsformen.

So könnte man also als einfaches Modell die Energie von toter Materie, die körperliche Lebensenergie, die bewußte Mentalenergie, die unbewußte Mentalenergie und die magische Energie als Energieformen ansehen (natürlich gibt es noch weitere und auch viele Zwischenstufen), die ähnlich miteinander existieren.

Weil diese Energien nicht voneinander getrennt, sondern miteinander existieren und in gegenseitiger Wechselbeziehung zueinander stehen, können sie einander auch beeinflussen, ähnlich wie ein Funksignal ein Radiosignal stören kann. So kann eine Veränderung in der einen Ebene über eine Art Induktion auch eine Veränderung in der anderen Ebene bewirken und umgekehrt. Diese gegenseitige Beeinflussung der verschiedenen Energieformen ist in der Magie ein sehr wichtiger Grundsatz, den man als Resonanzprinzip bezeichnet.

Einander sehr nahe und ähnliche Energien beeinflussen einander natürlich leichter als einander fremde, voneinander entfernte. So können magische Energie und unbewußte Mentalenergie, die einander sehr ähneln, vielleicht mit einem Radiosignal und einem Funksignal verglichen werden und sich so leichter gegenseitig beeinflussen, während ein zum Beispiel mit sichtbarem Licht vergleichbarer Stein sich nur sehr schwer bis gar nicht vom „Radiosignal“ magische Energie verändern läßt.

Weil es sehr schwierig bis unmöglich ist, weit voneinander entfernte Energieformen durch eine Resonanz zu verbinden, weil sie eben völlig verschieden sind, bedient man sich eines Tricks. Einander ähnliche Energien beeinflussen sich wesentlich leichter, und so ist es nicht allzu schwierig, eine benachbarte Energieform zu erreichen. Diese verändert dann ihrerseits ihren nächsten Nachbarn und so weiter, bis eine Resonanzkette geschaffen wurde, die bis zur gewünschten Stufe reicht.

Diese Wirkung macht sich der Magier zunutze. Er setzt seine bewußte Mentalenergie auf eine Weise ein, die geeignet ist, das Unterbewußtsein so zu beeinflussen, daß es wiederum auf die magische Energie einwirkt, die so eine bestimmte Veränderung erfährt. Diese veränderte magische Energie wird ausgestrahlt, wobei die Art der Veränderung geeignet ist, die magische Energie des Zauberziels so zu manipulieren, daß dies wiederum zu einer Veränderung des dortigen Unterbewußtseins oder Bewußtseins, Körper, Materie oder was auch immer führt.

Der Magier erzeugt also eine Art energetischer Kettenreaktion, die seinen Willen transportiert, und die er dort auslöst, wo er es kann, nämlich in seinem Geist, seinem Wachbewußtsein, die dann bei ihm die Stufen unterschiedlicher Energien hinaufläuft, von der eigenen Spitze zur Spitze des Ziels überspringt und dort die Stufen wieder herunterläuft, bis sie (hoffentlich) auf der gewünschten Ebene zum beabsichtigtem Ergebnis führt.

Absichtliche Kettenreaktionen auszulösen, um damit gewünschte Veränderungen zu bewirken, ist das Ziel des Magiers. Durch mangelhafte Umsicht und Übung können aber auch ungewollte Kettenreaktionen ausgelöst werden, die auch zu unschönen Effekten beim Ziel oder bei sich selbst führen können.

Das Prinzip, diese eigenen und fremden subtilen Energien in Übereinstimmung mit dem Willen zu bringen, nennt man auch Synchronismus oder Synchronizität (Carl Gustav Jungs Ausdruck für „bedeutungsvoller Zufall“, den er gemeinsam mit dem Physiker Wolfgang Pauli prägte, um das anscheinend unzusammenhängende, „zufällige“ Zusammentreffen von Ereignissen oder Ereignissen und psychischen Geschehnissen zu beschreiben, die in einem offensichtlichen Sinnzusammenhang stehen). Dadurch können ganz reale Resultate auftreten, die aber bis heute durch die physikalische Wissenschaft noch nicht nachgewiesen sind.

1.7. Die Anwendung von Magie
Die Anwendung von Magie nennt der Volksmund „Zauberei“. Weil dieser Begriff jedoch durch Bühnenillusionskunst und Scharlatanerie einen negativen Beigeschmack bekommen hat, soll er hier nicht verwendet werden. Magier pflegen sie als magische Operation zu bezeichnen.

Nach dem Resonanzprinzip des Energiemodells kann das Unterbewußtsein durch seine magische Energie, die es aussendet (ob unbewußt oder gezielt durch den Willen des Magiers) auch auf andere magische Energien (eigene oder fremde) Einfluß nehmen, sie wahrnehmen und manipulieren, was wiederum zu Veränderungen dieser magischen Energie führt.

Diese Veränderung wirkt damit zurück auf das Unterbewußtsein und kann so letztlich auch zu „materiell greifbaren“ (realen) Veränderungen geistiger, körperlicher oder materieller Natur oder von Geschehnissen führen. Das ist dann im Prinzip das, was man mit Magieanwendung oder eben auch trivial mit „Zauberei“ meint.

Jemanden zu „verzaubern“ heißt also nichts anderes, als geistig über das Medium magische Energie indirekt Verbindung zu dessen Unterbewußtsein aufzunehmen und daraus Erkenntnisse zu ziehen oder dort Veränderungen gleich welcher Art herbeizuführen. Der Magier versucht, gemäß eines Vorhabens des praktischen Verstandes, Energien von einer Existenzebene auf eine andere zu überführen, um somit in Übereinstimmung mit dem Willen auf geistige Weise durch das Unterbewußtsein Veränderungen in der Realität zu bewirken.

Für den Magier ist die Beschäftigung mit Magie ein besonderer Erfahrungsraum, eine besondere Art des Erlebens, der Erkenntnis, des Eingebundenseins in die schöpferischen Kräfte des Universums und der aktiven Befähigung, in diesem wiederum schöpferisch (im Guten wie im Schlechten) aktiv und verantwortlich zu sein.

1.8. Die drei Standbeine magischen Wirkens
Die drei Standbeine jeden magischen Wirkens sind ein veränderter Bewußtseinszustand (Gnosis), der Wille und die Visualisierung.

Den veränderten Bewußtseinszustand, welcher der Schlüssel zu magischen Fähigkeiten ist, nennt man „magische Trance“, „gnostische Trance“ oder kurz „Gnosis“. Gnosis ist ein späthellenischer Begriff, der eigentlich soviel wie „intuitives, offenbartes Wissen“ beziehungsweise „Erkenntnis“ bedeutet und neben dem Zustand der gnostischen Trance auch die in diesem Zustand erlangten Erfahrungen und erworbenes praktisches Wissen, das „Gefühl“ für Magie meint. Damit wird die intuitive und subjektive Seite des magischen Handelns betont. Es handelt sich um eine gesteigerte „Klar“-Sicht, eine eigenartige Mischung aus Wissen und Gefühl, für die es im Deutschen keine richtige Entsprechung gibt. Das Wort Gnosis in seiner Bedeutung als Erkenntnis steckt zum Beispiel auch in Diagnose.

Ein veränderter Bewußtseinszustand bedeutet eine eindeutige qualitative Veränderung im mentalen Funktionsmuster des alltäglichen Wachbewußtseins. Neben der Gnosis gibt es zahlreiche unterschiedliche Spektren der Bewußtseinsveränderung, am bekanntesten sind Schlaf und Traum, aber auch die Effekte diverser Drogen. Der Wunsch, von Zeit zu Zeit sein Bewußtsein zu verändern, scheint zu einem wichtigen Bedürfnis des Menschen zu gehören. Seit der Steinzeit haben Menschen das bewußtseinsverändernde Potential der Pflanzen ihrer Umgebung zu diesem Zweck erprobt.

Die als Gnosis bezeichnete Form der Bewußtseinsveränderung, welche zum Beispiel durch Meditation oder mystische Erfahrung erlangt werden kann, ist von der Gewißheit einer neuartigen und qualitativ höherstehenden Klarheit und Einsicht in die tieferen Sinnzusammenhänge der Existenz gekennzeichnet.

Deshalb ist der Begriff der „gnostischen Trance“ hier nicht mißzuverstehen. Die gnostische Trance meint keineswegs etwa ein „geistiges Weggetretensein“ wie bei der hypnotischen Volltrance, bei welcher der Klient (oder das Opfer) jegliche Kontrolle über sein eigenes Tun verliert und vom Hypnotiseur beliebig zu manipulieren ist, und auch keine seltsamen Zuckungen, das Lallen in fremden Sprachen oder gar einen Drogenrausch.

Die gnostische Trance gleicht der hypnotischen zwar in einigen äußerlichen Merkmalen, doch bleiben Bewußtheit, die Willens- und die Entscheidungsfreiheit des Magiers dabei voll erhalten, auch wenn er sich dabei in einer anderen Realität befinden mag. Im Gegensatz zur einschränkenden Hypnose oder zum dämpfenden Rausch sind das Bewußtsein und die Wahrnehmung im Vergleich zum normalen Wachbewußtsein eher noch erweitert. Am kostbarsten ist dieser Zustand der Gnosis für den Magier gerade dann, wenn er ihn als besondere, klare Wachheit, als eine ganz eigentümliche Intensität aus dem Alltag heraus wahrnehmen kann.

Physiologen sprechen bei der gnostischen Trance von der Wirkung der Endorphine, körpereigene Stoffe mit drogenähnlicher, bewußtseinserweiternder Wirkung, die aufgrund bestimmter äußerer Reize im Gehirn ausgeschüttet werden und zu dem erwähnten veränderten Bewußtseinszustand führen.

Indem sich der Magier in diesen anderen, erweiterten Bewußtseinszustand versetzt und aus diesem heraus seinen bewußten Geist mit den Kräften seines Unterbewußtseins verbindet, ist er in der Lage, magisch zu arbeiten. Nur so ist es überhaupt erst möglich, magische Energien aus dem Unterbewußtsein heraus zu verstärken, zu erfassen und zu benutzen.

Ohne diesen Zustand der Gnosis kommt man an „die Magie“ tief in seinem Inneren gar nicht erst heran, und ohne sie nutzen Wille und Visualisierung so gut wie nichts und sind nicht erfolgreicher als „Positives Denken“ und ähnliche Psychopraktiken. Erst durch die Gnosis und die durch sie freigesetzte magische Energie können Wille und Visualisierung in die Realität umgesetzt werden.

Wie man sich in den Zustand der gnostischen Trance versetzen kann (sie kann beispielsweise im Verlauf eines Rituals durch die richtige Stimmung ganz von selbst erreicht werden), wird später auf der Seite mit den praktischen Übungen erläutert. Hier soll einstweilen die Theorie genügen.

Der Wille (altgriech.: Thelema), auch Willenssatz genannt, ist das Ergebnis, welches man von ganzem Herzen mit dem Zauber zu erreichen wünscht. Ohne einen festen, am besten genau ausformulierten Willenssatz bewirkt die Magie keine Veränderung beim Ziel. Die Intensität des Willens, mit der die Veränderung herbeigeführt werden soll, ist das Maß für die Stärke der Wirkung einer magischen Operation (im Volksmund: eines Zaubers).

Voraussetzung für jede Magie ist, daß man genau weiß, was man wirklich will. Diffuse Wünsche bewirken diffuse Ergebnisse, und die verlieren sich dann oft im allgemeinen Geschehen, so daß sie als Ergebnisse der eigenen Magie gar nicht mehr erkennbar sind.

Die Visualisierung, von „visio“ (lat.: Schau), oder Imagination, von „imago“ (lat.: Abbild), ist das aktive Hervorrufen von inneren Bildern. Es ist hierbei jedoch nicht im landläufigen Sinne von Einbildung gemeint, sondern im Sinne von Vorstellungskraft. Visualisieren ist die Kunst, sich das Zauberziel und den gewollten Zustand umfassend bildlich und real vorzustellen, ihn damit ins eigene Bewußtsein aufzunehmen, um Wille und Energie auf die Energie des Ziels zu projizieren. Ohne Visualisierung gibt es keine Verbindung zum Ziel, und alle durch Willen geformte Energie geht ziellos gestreut und somit schwach und wirkungslos am Ziel vorbei, ohne es zu „treffen“ oder in den gewünschten Zustand zu transformieren.

Die Visualisierung dagegen erzeugt einen gebündelten Strahl magischer Energie, richtet diesen auf das Ziel und überträgt energetisch den gewollten Zustand, sie ist also die Treffsicherheit und Genauigkeit einer magischen Operation. Nach den magischen Analogie-Grundsatz „was gleich aussieht, ist auch gleich“ trifft ein auf die Visualisierung konzentrierter Zauber das beabsichtigte Zielobjekt um so präziser, je genauer das imaginisierte Bild diesem in jeder Hinsicht gleicht. Das hat etwas damit zu tun, daß der Magier sein Zielobjekt in sein persönliches Bezugssystem aufgenommen haben muß, also eine persönliche Beziehung dazu geschaffen haben muß, um es mental-energetisch zu erreichen. Je deutlicher das Bild, desto intensiver ist der Bezug und desto besser ist auch die energetische Verbindung.

Das Ziel aller drei Techniken ist es, durch den Einsatz eigener Energie eine fremde Energie kraft des Willens der eigenen schwingungsmäßig anzugleichen, um somit den gewollten Zustand beim Ziel zur Realität werden zu lassen.

1.9. Die Wahrnehmung magischer Energien
Magier nehmen magische Energien über ihr Unterbewußtsein wahr. Weil es dafür kein sichtbares oder nachweisbares Sinnesorgan gibt, spricht man von erweiterter Wahrnehmung, im Volksmund auch sechster Sinn, drittes Auge oder zweites Gesicht genannt.

Diese erweiterte Wahrnehmung ist im Unterbewußtsein aktiv, aber nicht ständig für das Bewußtsein greifbar. Um magische Energien bewußt wahrnehmen zu können, muß der Magier vor allem seine eigene Wahrnehmung verändern.

Dies geschieht, indem er sich in den Zustand der Gnosis versetzt. Diese Verbindung von Bewußtsein mit dem Unterbewußtsein erlaubt es dem Unterbewußtsein, seine magischen Wahrnehmungen ins Bewußtsein zu projizieren. Mangels anderweitig geeigneter Medien bedient sich das Unterbewußtsein dabei der körperlichen Sinne, beziehungsweise den dafür zuständigen Bereichen des Gehirns, die für das Bewußtsein greifbar sind.

Die Form der Wahrnehmung kann von Magier zu Magier unterschiedlich sein. Bei den meisten ist es eine quasi-optische Wahrnehmung, d.h. der Magier glaubt das, was er spürt, auch zu sehen, meist durchscheinend oder halbdurchscheinend vor seinem inneren Auge, in das sichtbare Bild mit eingebunden. Was man da zu sehen glaubt, kann sehr unterschiedlich sein, meist sind es rauchschwadengleiche Linien und schleierartige Strömungen. Man kann diese Energien aber auch „riechen“, „schmecken“ mit den physischen Händen „fühlen“ usw. Die Form der Wahrnehmung ist dabei unerheblich.

Wenn man vom „Sehen“ oder von ähnlichen Wahrnehmungen magischer Energien spricht, handelt es sich bei diesen Worten nur um Annäherungen an einen Sachverhalt, den es im Sprachschatz nicht gibt, nämlich eine Wahrnehmung mit einem anscheinend nichtstofflichen Sinnesorgan des Unterbewußtseins, das sich der physischen Sinnesorgane lediglich als Zuträger und Visualisierungsinstrument bedient, um das Wahrgenommene dem Bewußtsein begreifbar zu machen, aber ohne diese Sinnesorgane wirklich zu benutzen.

Es ist nicht so, daß diese magischen Energien mal vorhanden wären und mal nicht, vielmehr liegt es am Magier, ob er sie als solche wahrnimmt oder nicht. Wie auch die Gravitation sind sie ständig gegenwärtig, weil alles Leben sie ununterbrochen emittiert.

Natürlich gibt es Phasen, in denen es dem Magier leichter oder schwerer fällt als sonst, den für die erweiterte Wahrnehmung erforderlichen Bewußtseinzustand herzustellen, aber das hat physische oder psychische Ursachen, die im Magier selbst begründet liegen, und sagt nichts über die Qualität der umgebenden magischen Energien aus.

1.10. Das Ziel der Beschäftigung mit Magie
Viel wichtiger als die Frage, was Magie eigentlich genau ist, ist vielmehr die Frage, warum man sich überhaupt mit ihr beschäftigen sollte und welches Ziel diese Beschäftigung verfolgt. Sicher kann man mittels der Magie Veränderungen in seinem Umfeld herbeiführen, doch das ist nur ein Nebeneffekt – die eigentlich wichtigste Veränderung geschieht im Magier selbst.

Die Arbeit mit Magie ist die willentliche Bewußtseinsveränderung mit dem Ziel, ein selbstbewußtes, selbstbestimmtes und kreatives Leben zu führen. Erreicht wird dies durch das verstärkte Verbinden der bewußten und unbewußten Bereiche des Geistes. Der Weg der Magie ist die ausgewogene Entwicklung beider Bereiche.

Magie ist in erster Linie die Arbeit an sich selbst, und deshalb hat sie viel mit Psychologie zu tun (und kann daher unter Umständen auch gefährlich sein). Das Verständnis von Magie fördert die Kommunikation zwischen Bewußtsein und Unterbewußtsein. Das Ziel der Magie ist die transformatorische Weiterentwicklung des Selbst. Für den wahren Magier ist der Weg das Ziel, und dieser Weg kann nie zu Ende gegangen werden.

Der magische Weg ist ein schwieriger Weg, weil man ihn weitgehend allein beschreiten muß. Das liegt zum einen daran, daß Lehrer, wie erwähnt, recht ungeeignet sind, zum anderen daran, daß es viele verschiedene Gebiete der Magie gibt und noch mehr Formen, damit umzugehen, und nicht zuletzt daran, daß jeder mit seiner ganz persönlichen Vorbildung, Neigung, Meinung und Begabung an einem anderen Punkt steht.

Als Wissenschaft und Kunst zugleich ist die Beschäftigung mit Magie aber zu keiner Zeit ein abgeschlossenes, fertiges System, sondern ständigen Wandeln und Lernprozessen unterworfen, so wie die Wissenschaft heute auch. Außerdem ist man gerade in der Magie ständig der Gefahr durch eigene Mißinterpretationen und unsinnige Lehren Dritter ausgesetzt. Hier hilft es nur, ruhig zu bleiben und kritisch (gerade auch selbstkritisch) nachzudenken.

2. Magie und Ethik
Bevor ein näherer Einstieg in die Magie behandelt wird, kommt man nicht umhin, sich mit einigen ethischen Gedanken zu beschäftigen. Tut man dies nicht schon im Vorfeld, so können einen später die Zweifel an sich selbst und die Versuchung von Fehltritten mitsamt ihrer Konsequenzen zu einem ziemlich ungünstigen Zeitpunkt einholen, und, wenn man nicht ethisch gefestigt ist, auch überrollen.

2.1. Der Unterschied zwischen Religion und Magie
Der Glaube, egal ob religiös oder esoterisch, erschafft ein Weltbild aus mystischen Erklärungen für die Fragen des Lebens. Glaube beginnt dort, wo das Wissen endet, denn er beruht nicht auf Fakten, sondern auf Hoffnung, und er ist in Regeln oder Dogmen gepackt, die sich seine Begründer ausgedacht haben.

Magie ist, nüchtern betrachtet, ein in sich logisches System geistiger Techniken, das auf erworbenem und erlebtem Wissen basiert, welches Schlußfolgerungen und damit persönliche Weiterentwicklung zuläßt. Sie liefert einfache, durchaus weltlich beziehungsweise psychologisch erklärbare Antworten auf die Fragen des Lebens.

Im Glauben macht man sich von äußeren Dingen (Kräften, Wesen oder Personen) abhängig und sich selbst klein, indem man sich in ein untergeordnetes Verhältnis zu ihnen setzt. Man ist dann auf die Gnade dieser Mächte angewiesen, um die man bitten muß. Man stützt sich dabei nur auf Hoffnung, denn was man zu erreichen sucht, erbittet man von außen und hofft, daß man es von dort bekommt.

In der Magie ist man frei und unabhängig von solchen Gedanken und Kräften. Magie ist die Kunst des Wissens, Wollens und Wagens, d.h. man nimmt sein Schicksal eigenverantwortlich (und auf eigenes Risiko) selbst in die Hand. Der Magier greift selbst zur Macht und bedient sich ihrer aus seinem eigenen Inneren heraus, um eigenverantwortlich Realität zu schaffen. Man kennt zwar seine Grenzen, kann sie aber auch erweitern (ein ständiger Prozeß) und ist unabhängig von allem anderen (außer von sich selbst) in der Lage, die Realität nach seinem eigenen Willen zu verändern.

Ein Magier bittet nicht, er befiehlt dem „Schicksal“ (durch „bedeutungsvolle Zufälle“ ablaufendes Geschehen), und er ist dabei unabhängig, es kommt nur auf die Stärke seines eigenen Willens an. Er braucht keine höheren Mächte, muß nicht einmal an solche glauben. Die Richtung seiner Entwicklung bestimmt der Magier selbst. Er ist nur seinem Gewissen verantwortlich. Die eigene Kraft wird dazu eingesetzt, die dem Ziel innewohnende Kraft zu manipulieren. Die Magie stützt sich auf den Willen. Der Magier hat somit zwar mehr „Arbeit“ als der religiös Betende, aber auch weitaus mehr Erfolg.

Selbst wenn man die Frage nach der Existenz höherer Wesen außen vor läßt, können Gebete aus rein psychologischer Sicht nur selten funktionieren. Einer der Gründe dafür ist bei vielen Menschen der, daß sie mit einer „Bitte“ zugeben, daß sie etwas nicht haben. Das Unterbewußtsein klammert sich dadurch an den Zustand des Mangels und hält daran fest, wodurch dieser Realität bleibt.

In der Magie wird dagegen der gewollte Zustand gedanklich als real anerkannt (Visualisierung). Der positive Effekt stellt sich durch die schöpferische Kraft der Gedanken und Gefühle (Gnosis) an die neue Realität ein. In dem Maße, wie es aus ganzem Herzen als Wahrheit erachtet wird (Wille), wird es sich auch in der Erfahrungswelt real manifestieren.

Es ist natürlich auch so, daß bei vielen Menschen beim Gebet die Bitte um Veränderung ebenfalls visualisiert wird, ähnlich wie es bei der magischen Technik der Fall ist. Bei manchen Menschen führt das auch zum Erfolg, nämlich dann wenn ihr Glaube und das Vertrauen auf Erfüllung ihrer Bitte so stark ist, daß das gewünschte Ergebnis – ähnlich wie bei einer magischen Operation – bereits als Realität angesehen wird. So können durchaus ähnliche Wirkmechanismen in Gang kommen.

Allerdings bleibt ein Unterschied, der wohl bei den meisten Menschen das „magische“ Funktionieren eines Gebets verhindert, nämlich der, daß das gewünschte Ziel nicht Ergebnis des eigenen festen Willens ist, sondern des guten Willens einer anderen, höheren Entität. Somit bleibt das Gebet eine Bitte, abhängig von fremdem Willen, egal wie groß das Vertrauen auf Erfüllung auch sein mag, denn einer Gottheit befiehlt man nicht.

Magie funktioniert aber nur durch eigenen festen Willen, ein Magier bittet nicht – er will etwas und befiehlt es, wobei er selbst die göttliche, schöpferische Rolle übernimmt und dadurch diese Abhängigkeit umgeht. Es gibt zwar durchaus Berichte, denen zufolge auch durch Gebet in festem Glauben tatsächlich Veränderungen der Realität bewirkt worden sind, doch erfordert dies einen ungeheuer starken Glauben und kommt sehr selten vor.

Da Glaube nicht auf Wissen beruht, ist es schwierig, belegbare Schlüsse zu ziehen und so weiter zu kommen. Hinzu kommt, daß es die ganze Mystifizierung dieser Lehren einem auch nicht gerade einfach macht, das System zu durchschauen. Regeln und Dogmen engen die Gläubigen ein, und hemmen sie mit Angst und Schuldgefühlen in ihrer persönlichen Entwicklung, wobei sie die Individualität unterdrücken. Und viele clevere Leute nutzen die – sagen wir mal – „Gutgläubigkeit“ der Menschen für persönliche Zwecke (Geld, Macht, Geltungssucht) aus (einige davon organisieren sich und nennen sich „Kirchen“, „Orden“, „Gemeinschaften“ usw.).

Das Ziel der Religion und Esoterik ist meist „Erleuchtung“ oder „Erlösung“, etwas, das zwar versprochen, aber selten gehalten wird, denn auch hier erhofft man sie sich von außen kommend, ohne die Möglichkeit, sie sich selbst aus eigener Kraft und aus eigenem Willen zu erarbeiten. Dieser Weg ist zwar leichter, da man weniger Eigenverantwortung übernehmen muß, führt aber selten über gewisse vorbestimmte Grenzen hinaus.

In der Magie erarbeitet man sich seinen Fortschritt (das Sicherschließen der eigenen inneren Kräfte und die eigene geistige Weiterentwicklung) selbst und ist nicht auf äußere Gnade angewiesen. Magie ist eigentlich nicht besonders kompliziert – sie wird nur von vielen furchtbar kompliziert gemacht. Jeder muß sich seine eigenen Regeln bilden, manche kommen mit wenigen aus, manche brauchen offenbar Hunderte. Das Ziel der Magie ist die Weiterentwicklung des Selbst – die Veränderung der Realität (das „Zaubern“) ist nur ein netter, aber sekundärer Nebeneffekt. Dieses Ziel erreicht der Magier durch die Arbeit an sich selbst, ein langer und schwerer Weg, aber auch ein äußerst erfolgreicher.

2.2. Magie und Religion nebeneinander
Um Magie auszuüben, muß man keine bestimmte Religion annehmen. Es ist vollkommen egal, ob man Heide, Asatru, Christ, Moslem, Buddhist, Hindu, Atheist oder sonstwas ist und ob man an keinen, einen oder mehrere Götter glaubt und wie stark gläubig man ist.

Auf die Magie selbst hat das keinen Einfluß – allerdings kann es Einfluß auf den Magier haben. Dieser ist nämlich seinem Gewissen verantwortlich, und wenn sich sein religiöses und sein magisches Gewissen nicht miteinander vertragen, dann hat er ein Problem, das so stark sein kann, daß es ihn nicht nur bei der magischen Arbeit behindert, sondern sogar psychisch schwer schädigen kann.

Streng genommen muß eine Religion eher als schädlich für einen Magier angesehen werden, weil Magie etwas sehr Individuelles ist und religiöse Dogmen gerade dazu dienen sollen, Individualität zu unterdrücken. Das ist besonders bei sehr dominant-dogmatischen Religionen wie dem Christentum und dem Islam so, aber selbst viele heidnische Strömungen, die sich selbst sehr heuchlerisch individualistisch nennen, versuchen viele Dinge durch Regeln und vorgegebene Dinge einzuengen („…bei uns ist alles ganz individuell und frei, aber du mußt es unbedingt so und so machen…“).

Viele Magier kommen dennoch sehr gut mit ihrer Religion klar. Dort, wo Glaube und religiöse Dogmen mit magischer Arbeit im Widerspruch stehen, muß man dann halt einen Kompromiß finden, und wenn das nicht möglich ist, muß man entweder seine Religion oder die Magie zurückfahren oder aufgeben. Wer das nicht kann, hat einen ernsthaften Konflikt, der mit Schuldgefühlen verbunden sein kann, welche der Psyche schwer schaden. Außerdem verankern sich religiöse Dogmen im Unterbewußtsein und behindern auch auf diese Weise durch Blockaden und Hemmungen den freien Zugang zu magischen Energien und das Arbeiten mit ihnen.

Aber auch wenn zum Beispiel das Christentum Magier und Hexen verdammt und als teuflisch ansieht, weil diese, indem sie den Kräften des Universums gebieten, sich auf „Gottes Terrain“ begeben (sich selbst vergöttlichen, beziehungsweise sich innerlich dem Göttlichen annähern), was in kirchlichen Augen Häresie ist, gibt es sehr wohl christliche Magier und Hexen, vor allem in den südlichen Bereichen Europas. Das eine muß das andere nicht ausschließen, denn es kommt noch der Unterschied dazu, ob man einem Gott oder aber bloß einer von Menschen geschaffenen Organisation, wie der Kirche oder einer anderen Sekte, treu sein möchte.

Natürlich ist es für einen Magier oder eine Hexe einfacher, die mit der Magie verbundene individualistische Lebensphilosophie auch mit einer entsprechend eingestellten Religion wie dem Heidentum (beziehungsweise Neuheidentum), dem Asatru oder dem Buddhismus zu verbinden oder als Atheist ganz auf eine Religion zu verzichten.

Ein Magier, der zu seiner persönlichen, inneren Stärke gefunden hat und ein klares Weltbild und eine gesunde Lebenseinstellung besitzt, benötigt eigentlich auch keine Religion mehr, weil er schon längst gefunden hat, was Religionen den Menschen geben sollten (jedoch oft nicht tun). Es geht aber, wie gesagt, auch mit Religion.

Wenn nicht wenige Magier christenfeindlich wirken, so hat das seine guten Gründe. Abgesehen von der vom Christentum gelehrten Feindlichkeit gegenüber Körper und Natur und einem „jenseitigen Gott“, der „nicht von dieser Welt“ (also unnatürlich) ist, und weiteren Dogmen zur Unterdrückung jeglicher Individualität und Natürlichkeit des Menschen, dem Missionierungswahn und der absoluten Intoleranz gegenüber jeder Abweichung, sowie den Greueltaten der Vergangenheit, wo im Namen der Kirche Hunderttausende angeblicher Magier und Hexen und vor allem auch Ketzer (also Kritiker) gefoltert, verstümmelt, verbrannt und gehängt wurden und später ganze Völker, wie zum Beispiel die Ureinwohner Amerikas und Australiens nahezu ausgerottet wurden, schlägt den Magiern auch heute noch Feindschaft entgegen.

Zwar findet keine offene Verfolgung mit Hinrichtung mehr statt, doch sorgen Kirche, sensationsgierige Medien und bigotte Spießbürgerlichkeit dafür, daß man sich nicht offen zu dem bekennen kann, was man wirklich ist, vor allem dann nicht, wenn man eine gewisse Stellung bekleidet oder sonstwie im Licht der Öffentlichkeit steht. Alle Andersdenkenden werden noch immer von der ignoranten und kirchlich beherrschten Mehrheit der „christlichen“ Bevölkerung gemäß den Hetzkampagnen bedenkenlos zusammen mit Satanisten, Sekten und Verrückten in einen Topf geworfen und geächtet.

Diese Hetze bewirkt, daß Magier in Positionen wie öffentlichen Ämtern oder als Geschäftsführer von Firmen, als Ärzte oder sonstige Dienstleister um ihre Existenz fürchten müssen, wenn ihre Lebensanschauung bekannt wird. Aber auch in dörflichen Gemeinschaften halten stockreaktionäre „Sittenwächter“ nach allem Ausschau, was nach „Andersartigkeit“ aussieht. Ist erst einmal ein Opfer gefunden, beginnt die Verfolgung – nicht mehr als bewaffneter Lynchmob, aber Meidung, üble Nachrede und gesellschaftliche Ächtung können einem auch schon schwer zu schaffen machen, und nicht selten eskaliert die Sache zu tatsächlichen Übergriffen, die schließlich als Sachbeschädigung oder gar Körperverletzung vor Gericht landen. Und leider kommt es zuweilen immer noch zu Morden oder Mordversuchen durch wahnhafte Weltverbesserer. Die Wirklichkeit belehrt jeden eines Besseren, der glaubt, auf die angebliche „Toleranz“ der „modernen“ Gesellschaft vertrauen zu können.

Umgekehrt dagegen sind Magier meist recht friedliche Zeitgenossen. Ihre Kirchenfeindlichkeit manifestiert sich gewöhnlich lediglich darin, daß sie Kritik an der Kirche äußern und über Mißstände und Widersprüche kirchlicher Lehren aufklären. Aktive Feindschaft, also Angriffe auf Christen, Priester oder Kirchengebäude, kommen seitens der Magier eigentlich nicht vor. Solche Anschläge sind eher das Werk spirituell Verwirrter oder Möchtegern-Satanisten, nicht von wirklichen Magiern (die im übrigen auch ganz andere Mittel dazu hätten). Außerdem wissen Magier wie auch wahre Christen sehr wohl, daß echtes Christentum und Kirche nicht dasselbe sind.

Natürlich haben auch die Magier die absolute Toleranz nicht für sich gepachtet, und sie setzen sich durchaus auch zur Wehr, wenn sie angegriffen werden, und sie rächen sich auch, wenn man ihnen nur genug Grund dafür gibt, jedoch paßt eine aktive Aggressivität von sich aus eigentlich nicht ins Weltbild eines Magiers. Er hat Besseres zu tun und ist in der Regel froh, wenn man ihn in Ruhe läßt.

2.3. Weiße und schwarze Magie?
Der einzige Unterschied zwischen Magiern, die sich selbst als „weiß“ oder „schwarz“ bezeichnen, besteht darin, daß der „weiße“ Magier sich in der Arroganz sonnt, sich selbst für gut, hilfreich und ehrenwert zu halten, und der „schwarze“ Magier sich in der Arroganz sonnt, sich selbst für böse, geheimnisvoll und mächtig zu halten.

Magie ist eine Form von Energie und als solche weder gut noch böse, weder weiß noch schwarz, sondern einfach neutral, ohne ihr innewohnende moralische Eigenschaften. Elektrischer Strom ist als Energie ja auch nicht gut oder böse, obwohl er nützen und schaden kann. Es kommt eben immer darauf an, was man damit macht und warum.

Begriffe wie schwarze und weiße Magie entstanden aus dem Klischeedenken des christlichen Volksglaubens, und diese Unterscheidung wurde rein zur Legitimation kirchlicher Handlungen benötigt. Schon in der frühen Geschichte des Christentums wurden von den Priestern rituelle und kultische Handlungen vollzogen. Diese wurden bis ins Mittelalter hin gepflegt und in manche Richtungen kontinuierlich ausgebaut.

Es gipfelte im Exorzismus, der immer dann angewandt wurde, wenn es darum ging, Menschen mit Visionen und Weltbildern, die nicht der allgemeinen Auffassung der Kirche entsprachen, so lange zu „behandeln“, bis der angebliche Dämon wieder ausgetrieben war. Alle heidnischen, rituellen oder magischen Handlungen wurden dann als schwarz und vom Teufel kommend abgetan. Was die Kirche dagegen an Handlungen vornahm, wurde dem Volk als weiß verkauft und damit gerechtfertigt, daß es von Gott käme.

Ebenso wurden heilende und helfende Zauber als weiß und böse, schädigende Zauber (meist den Hexen nachgesagt) als schwarz definiert. Aber dieses Schwarz-Weiß-Denken ist ebenso unsinnig wie die Vorstellung, daß ein Mensch nur böse oder nur gut sein könne. Man pendelt immer irgendwo zwischen beiden Extremen, aber ohne jemals eines zu erreichen.

Es käme auf die Absicht des Magiers an, bekommt man oft zu hören. Doch Magie als gut oder böse abhängig vom Magier zu bezeichnen, wäre ebenso, als wenn man ein Messer als gut oder böse bezeichnet, je nachdem, ob jemand damit als Koch in der Küche arbeitet, als Chirurg damit heilt oder als Mörder jemanden damit ersticht. Magie ist, ebenso wie das Messer, lediglich ein Werkzeug in den Händen des Magiers. Egal, was dieser damit tut, sie bleibt auch nur ein Werkzeug und damit neutral. Die Magie selbst wird also nicht gut oder böse, auch dann nicht, wenn mit ihrer Hilfe Gutes oder Böses getan wird.

Auch von weißen oder schwarzen Magiern zu sprechen ist nicht korrekt, weil, wie gesagt, niemand vollständig einer der beiden Ethiken von Gut oder Böse anhängen kann, wie sehr er sich auch darum bemüht. Magier können nicht schwarz oder weiß sein, allenfalls grau – vielleicht in verschiedenen (auch wechselnden) Grautönen, aber eben grau.

Magie danach zu klassifizieren, ob sie hilft oder schadet, sie sozusagen in „konstruktive“ und „destruktive“ Magie einzuteilen, ist ebenfalls ein Terrain mit Glatteis. Wenn ein Magier jemandem schadet, um ihn davon abzuhalten, einem Dritten etwas anzutun – hat er nun destruktive beziehungsweise schwarze Magie auf sein Opfer gewirkt oder konstruktive beziehungsweise weiße Magie, um den Dritten zu retten?

Die Neigung des Menschen, alles in zwei Schubladen einteilen zu wollen, versagt bei der Magie ganz einfach deshalb, weil es eben keine zwei Schubladen gibt. Alles gehört in eine, und die ist neutral. Auch wenn der Magier Gutes oder Böses im Schilde führt, die Magie selbst bleibt immer neutral. Und das Motiv eines Menschen in nur zwei extreme Fächer stecken zu wollen ist mehr als realitätsfremd.

Manche sind der Auffassung, daß „schwarze“ Magie stärker sei als „weiße“, also Schadenszauber stärker seien als helfende. Andere sind wiederum vom Gegenteil überzeugt. Das alles stimmt jedoch so nicht, denn abgesehen davon, daß es „Schwarz“ und „Weiß“, wie festgestellt, nicht gibt, ist Magie grundsätzlich immer nur so stark, wie der Ausübende beziehungsweise dessen Wille, Imagination und die Veränderung seines Bewußtseins. Dabei ist es völlig gleichgültig, zu welchem Zweck er seine Magie wirkt.

Ein wahrer Magier wendet Magie an, um seinen Weg zu gehen und dabei die Dinge heranzuziehen, die er benötigt, und jene Dinge beziehungsweise Kräfte zu entfernen, die ihm im Wege stehen oder schaden. Für ihn gibt es keine Dualität von „schwarz“ und „weiß“ oder „gut“ und „böse“ mehr, nur eigenverantwortliches Tun.

Solche dualistischen Konzepte sind auf Magie nicht anwendbar, nicht einmal im Sinne guten oder bösen Handelns. Die Magie folgt Naturgesetzen, und die Natur in all ihrer Vielfalt kennt gut und böse nicht. Die moralisch neutrale Magie fragt nicht nach gut oder böse, und sie ist wahrscheinlich nicht für jene Menschen geeignet, die sich noch keinen gut entwickelten Kodex persönlicher Ethik geschaffen haben, denn nur dieser schützt den Magier vor Entgleisungen.

Immer wieder bekommt man zu hören oder zu lesen, Magie dürfe nicht für eigennützige Zwecke eingesetzt werden. Das ist völliger Quatsch, der vermutlich von Leuten mit Helfersyndrom oder die zuviel „Charmed“ gesehen haben verbreitet worden ist. Selbstverständlich darf Magie eigennützig sein – ein Großteil dessen, was man im weltlichen Leben tut, ist es doch auch. Warum sollte man auch darauf verzichten, sich magisch selbst Vorteile zu verschaffen oder Nachteile zu beseitigen, wenn man Gleiches rein weltlich auch ohne schlechtes Gewissen tun könnte? Alles, was weltlich mit dem Gewissen vereinbar ist, kann man auch magisch tun, ohne seiner Psyche damit zu schaden. Umgekehrt werden alle magischen Handlungen der eigenen Psyche schaden wenn ihre weltlichen Äquivalente dies ebenfalls täten.

Natürlich kann und darf man auch helfend und uneigennützig (ist Hilfe wirklich uneigennützig oder befriedigt sie nicht vornehmlich das eigene Ego?) tätig sein, aber nur ein ausgeglichener und zufriedener Magier ist auch ein erfolgreicher Magier – und wer kann schon ausgeglichen und zufrieden sein, wenn er sich selbst nichts gönnt? Und letztlich ist das eigentliche Ziel der Magie, die Weiterentwicklung des Selbst, doch wohl das Eigennützigste, was man sich vorstellen kann.

2.4. Das Magiergesetz
„Tu was Du willst soll sein das ganze Gesetz.“ So formulierte es der berühmte Magier Aleister Crowley (1875 bis 1947) in seinem thelemitischen (von griech.: thelema, Wille) Gesetz. Und er hatte recht damit – nur ist es nicht ganz so simpel, wie es auf den ersten Blick scheint, und doch eigentlich ganz einfach.

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Der erste Satz des thelemitischen Gesetzes „Do what thou wilt, shall be the whole of the law.“ in Crowleys Handschrift
Der erste Satz des thelemitischen Gesetzes „Do what thou wilt, shall be the whole of the law.“ in Crowleys Handschrift
Um das anarchistische Magiergesetz wirklich zu verstehen, müßte man es allerdings etwas ausführlicher formulieren: „Tu was Du für richtig hältst, wenn Du die Konsequenzen Deines Vorhabens überdacht hast, die Verantwortung für Dein Tun zu tragen bereit bist und dies alles mit Deinem Gewissen vereinbaren kannst.“

Das klingt schon ganz anders, und im weiteren Verlauf wird noch deutlich werden, warum diese Ausformulierung ihre Gültigkeit hat. Obwohl die ausführliche Fassung eingeschränkter erscheint, sagt sie genau dasselbe aus, und sie bietet dennoch sehr viel Freiheit – mehr als manch einer vertragen kann.

Das Magiergesetz versteht sich aber nicht als eine Art moraljuristisches Gesetz, sondern will vielmehr als ein Naturgesetz begriffen werden. Deshalb bleibt es moralisch neutral, denn Magie ist keine Religion, und ihre Lehre ist daher weder bemüht, ihre Anwender moralisch zu erziehen, noch den Magiern einen guten Ruf in der Gesellschaft zu verschaffen. Somit beschränkt sie sich auch auf das rein Funktionelle und läßt das Ethische aus dem Gesetz heraus.

Dennoch erscheint die ausführliche Interpretation des Gesetzes bei aller Anarchie trotzdem noch ethisch geprägt, doch auch das hat rein logisch-funktionale Gründe, wie im Folgenden deutlich werden wird.

Die Magie folgt ihren Gesetzen, die für den Magier Naturgesetze sind, und funktioniert, soweit man es heute zu erkennen in der Lage ist, rein logisch, auch wenn es oft nicht so scheint, weil man die Gesetze einfach noch nicht verstanden hat und die Denkmodelle deshalb unzureichend sind. Daher macht die Lehre auch keine Vorschriften über die Art der Verwendung, sondern weist lediglich auf Konsequenzen und mögliche Gefahren hin. In einem Physikbuch steht schließlich auch nur, daß elektrischer Strom gefährlich ist, nicht aber, daß man zum Beispiel seine Türklinke nicht unter Strom setzen soll.

Es obliegt daher dem Magier selbst, darauf zu achten, daß er verantwortlich mit seiner Gabe umgeht. Die Magie schreibt ebensowenig moralische Verhaltensweisen vor wie die Physik. Diese muß sich der Anwender eines Naturgesetzes stets selbst definieren.

Es wird oft behauptet, daß wer die Magie negativ ausnutzt, sein Gleichgewicht mit dem Universum durcheinanderbringt und irgendwann die Konsequenzen daraus ziehen muß. Rein wörtlich genommen, ist das „Gleichgewicht mit dem Universum“ natürlich Unsinn, weil es eine Art „göttliche Ordnungsinstanz“ impliziert, die nicht existiert. Der dahinterstehende Gedanke aber ist eine Metapher dafür, daß jede Handlung (auch nichtmagischer Art) den Magier selbst und dessen Umgebung beeinflußt, sowohl durch die Tat als solche, als auch durch die Motive und Gedanken dahinter und durch die Reaktion der Umwelt darauf.

Insofern verändert sich ein „böser“ (oder besser: rücksichtsloser) Magier natürlich schon innerlich, verhält sich deshalb auch anders, und selbstverständlich wird dann auch seine Umgebung, die das mitbekommt, anders auf ihn reagieren. Durch sein rücksichtsloses Auftreten und Handeln bringt er schließlich andere dazu, sich von ihm abzuwenden, möglicherweise begegnen sie ihm sogar aggressiv.

Somit bekommt er schon irgendwann die Konsequenzen seines Tuns zu spüren, aber das ist keine „Rache des Universums“ oder „schlechtes Karma“, sondern schlicht und einfach eine logische Folge der Veränderung der Psyche und des Verhaltens eines Menschen durch das, was er denkt und tut, und die dadurch ausgelösten Reaktionen anderer ihm gegenüber.

Vielgepredigt ist auch die sogenannte „dreifache Wiederkehr“, eine Lehre, nach der alles, was man magisch tut, dreifach auf einen zurückfallen wird. Rein wörtlich betrachtet gaukelt dies eine dreifache Quantität vor, die natürlich absoluter Quatsch ist, dennoch wird es von vielen Verfechtern dieser Lehre genauso dargestellt, weil sie es selbst nicht verstanden haben oder es lediglich als Abschreckung benutzen, um beispielsweise in Hexenkreisen die Moral zu bewahren.

Eigentlich gemeint ist damit aber keine dreifache Quantität, sondern eher, daß das Echo eines Tuns in drei Schritten Spuren hinterläßt, nämlich erstens im eigenen Inneren, zweitens in der Umwelt und drittens bei der Reaktion der Umwelt gegenüber dem Magier.

Das gilt jedoch nicht nur für „negative“ Handlungen, denn ebenso ist es natürlich auch im umgekehrten Fall. Wer positiv auf andere zugeht, bekommt wahrscheinlich auch positive Echos. Das muß nicht immer so sein, denn durch Magie zu helfen kann trotzdem eine sehr einsame und auch undankbare Aufgabe sein, die von den Nichteingeweihten eben nicht honoriert oder sogar belächelt oder falsch verstanden wird.

„Actio gleich reactio“, formulierte es schon Sir Isaac Newton im 17. Jahrhundert richtig als zweites physikalisches Axiom, und das gilt nicht nur für die Physik. Wenn man etwas tut, löst man damit auch etwas aus, auf jede Handlung folgt eine Gegenreaktion. Dann trägt man die Verantwortung für die Resultate und muß mit den daraus resultierenden Konsequenzen leben. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Das Magiergesetz ist, richtig verstanden, insofern nur eine andere Formulierung von Newtons zweitem Axiom – einem anerkannten Naturgesetz.

Jede Anwendung von Magie wird den Ausübenden und dessen Ziel entsprechend seines Bestrebens verändern, daher sollte man sich vorher überlegen, ob man die Verantwortung für sein Tun und die möglichen Konsequenzen zu tragen bereit ist und dies alles mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Das ist der Sinn des Magiergesetzes, das sich ebenso auch auf jeden anderen Lebensbereich ausdehnen läßt.

„Tu was Du willst“ ist eben kein Freibrief für allerlei Untaten, denn das Wollen bezieht sich immer auch auf die Folgen eines Handelns, und welcher vernünftige Mensch will schon negative Konsequenzen bekommen?

Freiheit bedeutet immer auch Verantwortung und Wachsamkeit, auch und gerade sich selbst gegenüber. Das ist der Grund, warum wahre Magier sich die meiste Zeit über ohnehin freiwillig an eine weitere Einschränkung halten, nämlich: „Tu was Du willst, solange es niemandem schadet.“ Dieser Zusatz, den übrigens auch die Hexen fest in ihrem Glaubenssystem verankert haben, schützt den Anwender vor sich selbst, indem es ihn negative Echos eben gar nicht erst auslösen läßt. Er bleibt dem Magier als mahnende Schwelle des Gewissens auch zum Selbstschutz im Gedächtnis haften.

Für einen Magier ist es aber durchaus auch legitim, diesen Zusatz bewußt zu übertreten, das Magiergesetz wörtlich voll auszuschöpfen und absichtlich jemandem zu schaden, vorausgesetzt eben, daß er einen guten Grund dafür hat und aber dann auch in der Lage ist, die Verantwortung und Konsequenzen dafür zu tragen und mit seinem Tun und dem Echo leben zu können. Aber das wird, wie gesagt, bei einem vernünftigen Magier die Ausnahme bleiben, ebenso wie ein sogenannter magischer Krieg, über den später noch zu lesen sein wird, denn normalerweise hat ein Magier Besseres zu tun.

Die Ausübung von Magie ist, wie alle Handlungen mit weitreichenden und nicht immer ungefährlichen Auswirkungen, etwas, mit dem nur ein moralisch und ethisch gefestigter Charakter verantwortlich umgehen kann und sollte. Das ist auch die Kernaussage des Magiergesetzes. Natürlich verbietet dies niemandem, Magie nach Belieben anzuwenden, doch sollte man durchaus nicht darüber erhaben sein, sich durch die moralische Sicherheit des Zusatzes „solange es niemandem schadet“ auch selbst zu schützen – denn „niemandem“ schließt auch den Anwender selbst mit ein.

Natürlich darf man sich durch Magie auch persönliche Vorteile verschaffen. Das kann und darf man ja im weltlichen Leben auch tun. Aber um jemandem absichtlich zu schaden, sollte schon ein triftiger Grund vorliegen, so daß man es auch verantworten kann. Dasselbe gilt schließlich auch, wenn man einem anderen rein weltlich Schaden zufügt.

Verbrechen wie Sachbeschädigung, Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Vergewaltigung und sogar Mord sind Dinge, welche die meisten Menschen im Normalfall entweder deswegen nicht tun, weil es für sie ethisch nicht in Frage kommt oder weil sie die Konsequenzen durch die immer besser werdenden weltlichen Strafverfolger fürchten.

Ein mit böser Absicht gegen einen Menschen gewirkter Zauber ist immer ein Angriff auf dessen Seele. Eine Manipulation soll diese versklaven, und ein Schadenszauber soll das Wohlbefinden beeinträchtigen. Auf magischer Ebene ist beispielsweise ein Liebeszauber nichts anderes als Freiheitsberaubung und Vergewaltigung auf weltlicher Ebene, ein Schadenszauber nichts anderes als Körperverletzung oder Sachbeschädigung und ein Todeszauber nichts anderes als ein heimtückischer Mord.

Nur weil es keine „magische Polizei“ gibt und weil einen Zauber „ja niemand sieht“, fühlen sich etliche Möchtegern-Magier befleißigt und auch sehr sicher dabei, bedenkenlos allerlei Negatives auf ihre Mitmenschen loszulassen. Natürlich wird man auch so gut wie nie dabei „erwischt“, doch daß man „einfach so davonkommt“ ist ein Trugschluß.

Auch ohne „karmisches Gesetz“ oder „göttliche Ordnungsinstanz“ bekommt man mit der Zeit die Quittung für sein Tun. Man muß sich nur einmal vor Augen halten, wie sich jemand nach und nach psychisch negativ verändert, der ständig Verbrechen begeht.

Und auch auf magischer Ebene, bei „Verbrechen, die keiner sieht“, ist das so, denn die Psyche macht keinen Unterschied zwischen Weltlichem und Geistigem – zumal der Magier Gewolltes ja als real ansehen muß, damit sein Wirken funktioniert. Insofern bestraft man sich durch die psychologischen Wirkmechanismen im Grunde selbst, denn entweder verroht die Psyche mit der Zeit, was sich im Eigenempfinden, der Wirkung auf andere und deren Reaktionen niederschlägt, oder es werden Schuldgefühle erzeugt, die ebenfalls die Lebensqualität stark beeinträchtigen und dem Magier zudem Blockaden verschaffen können.

Wer von seiner Ethik her keine weltlichen Verbrechen begehen will, sollte daher auch von magischen Verbrechen Abstand nehmen, denn ethisch wie auch psychisch gibt es hier keinen Unterschied. Ausnahmen sind – je nach persönlicher Ethik – zwar möglich, bedürfen aber einer begründeten Rechtfertigung, damit man sie unbeschadet vor sich selbst verantworten kann. Wer sie verantworten kann, der mag sie auch ausführen. Wer man ist, zeigt sich darin, was man tut.

Wer die Verantwortung für sich selbst und sein Tun nicht wirklich in die eigene Hand nehmen kann oder mag oder seine Aggressionen und dunklen Tendenzen nicht zu zügeln in der Lage ist, der sollte sich überlegen, ob es nicht richtiger wäre, zunächst an sich selbst zu arbeiten, bevor man sich der (magischen) Arbeit an anderen zuwendet, sonst richtet man nur Schaden an – auch und gerade bei sich selbst.

Somit ist das Magiergesetz auch kein Gesetz im engeren Sinne, gegen das man unter keinen Umständen verstoßen dürfte. Es ist lediglich ein Hinweis auf ein Naturgesetz und auf mögliche Konsequenzen, aber kein Verbot. Jeder ist für sich und sein Tun selbst verantwortlich, dies ist die eigentliche Kernaussage.

Es werden oftmals auch noch andere „Gesetze“ der Magie genannt, aber davon sollte man sich nicht beeindrucken lassen. Dabei handelt es sich in der Regel lediglich um Beobachtungen, die in seinem sehr dogmatischen (Glaubens-)Kontext entstanden sind. Sobald man selbst an diese Gesetze glaubt, wirken sie vielleicht auch, weil das Unbewußte diese Überzeugung zu erfüllen versucht. Doch sobald man aufhört, an sie zu glauben, verlieren sie ihre Wirkung, und dies ist ein deutliches Zeichen dafür, daß sie nur selbst verursacht werden.

2.5. Schadenszauber und Flüche
Aggressive Magie ist alles, was anderen schadet oder sie manipuliert und was auf sie gegen ihren Willen und ohne ihr Wissen gewirkt wird. Deshalb lehnen Magier mit nichtaggressiver Ethik solche Dinge ab, gerade auch deshalb, weil diese Form der Magieanwendung auch negative Auswirkungen auf den Magier selbst haben kann.

Diese Art von Magie wird gezielt zum Schaden eines Menschen eingesetzt. Wenn man jemandem ein Unglück, irgendetwas Negatives oder eine Beeinflussung gegen seinen Willen angedeihen läßt so ist das ein Schadenszauber. Wenn plötzlich alles in die Brüche geht, was jemand anfaßt, so kann dies die Auswirkung eines solchen Fluches sein.

Die Kunst der Fluchverhängung spielte früher eine wichtige Rolle bei kriegerischen Auseinandersetzungen mit feindlich gesonnenen Gemeinschaften, führte andererseits aber dazu, daß Magier oder Hexen auch in ihrer eigenen Gemeinschaft immer gefürchtet blieben, was sie stets anfällig für Verfolgung machte.

Ein Schadenszauber muß einem Menschen nicht zwangsläufig direkt körperliche Schmerzen, physische Verletzungen, Krankheiten oder den Tod bereiten, sondern wirkt sich eher auf sein Handeln oder sein „Schicksal“ aus. Aber auch das Erstgenannte ist möglich, jedoch schwierig, und ich werde aus ethischen Gründen hier sicher keinen detaillierten Lehrgang darüber abhalten.

Ganz wichtig dabei ist, daß das Opfer an diesen Fluch glaubt – aber der Vorteil ist, daß es genügt, wenn das Unterbewußtsein des Opfers vom Fluch Kenntnis erlangt und an ihn glaubt, denn das Unterbewußtsein kann man über Magie (Telepathie) erreichen, auch ohne daß das Opfer davon etwas bewußt mitbekommt.

Ganz fiese Naturen setzen das Opfer über ihren Fluch auch noch wirklich in Kenntnis, denn das Bewußtsein kann die Erfüllung eines Fluches noch weiter unterstützen, auch und gerade wenn es sich dagegen wehrt. Doch dann sieht man sich als Magier eventuell auch der Gefahr eines Gegenangriffs oder Rache ausgesetzt.

Diese Zauber eignen sich besonders dazu, einer ungeliebten Person einen Denkzettel zukommen zu lassen, wobei man immer bedenken sollte, daß das, was man tut, irgendwie auch Auswirkungen auf einen selbst haben kann und man dafür verantwortlich ist, was man tut.

Ein Schadenszauber kann aber auch in den meisten Fällen eine persönliche Konfrontation mit den betreffenden Personen beziehungsweise den eigenen Einsatz in einer Sache nicht ersetzen. Magie kann jedoch dazu dienen, sich einen kleinen Vorteil zu verschaffen oder eine ansonsten aussichtslose Sache doch noch zu positivem Ausgang zu bringen.

Falls es doch mal um eine Person geht, so ist es besser, den Zauber entweder allgemein zu formulieren oder ihn so zu formulieren, daß er auf einen selbst wirkt. Bei sich selbst ist die Akzeptanz für die Wirkung größer als beim sich dagegen wehrenden Gegner. So ist es meist erfolgreicher, sich selbst zu stärken, als den Gegner zu schwächen, und dennoch gelangt man in der Konfrontation zum gewünschten Ergebnis.

Die Wirkungsweisen und -techniken von Flüchen sind übrigens dieselben wie die von Segen oder helfenden Zaubern. Der Inhalt mag ein anderer sein, aber ihre Wirkmechanismen im Unterbewußtsein des Betroffenen sind gleich.

2.6. Liebeszauber
Liebeszauber zählen zu den am häufigsten nachgefragten Zaubern bei allen Magiern, Hexen und Wundertätern, und die meisten durchgängig seit dem Mittelalter bis heute in „Zauberbüchern“ wiedergegebenen Rituale drehen sich um dieses Thema. Das ist auch kein Wunder, denn nichts motiviert mehr, als eine unerwiderte Liebe, und kaum jemand, der sich nicht schon einmal die eine oder andere Erfüllung in dieser Richtung gewünscht hätte.

Das liegt daran, daß alle Menschen Liebe brauchen. Ohne sie ist das Leben leer und elend. Nachdem seine grundlegenden Überlebensbedürfnisse erfüllt worden sind, verlangt es den Menschen nach Zuneigung und Freundschaft. Wird diese nicht von selbst erlangt, so versuchen einige sie zu erzwingen. Und nichts kann so schmerzhaft sein, wie jemanden zu lieben, ohne selbst von dieser Person geliebt zu werden. Infolgedessen ist der Liebeszauber auch der wohl am häufigsten verlangte und auch gewirkte Zauber. Scharlatane, von „ciarlatano“ (ital.: Gaukler, Schwindler), machen aus diesem Bedürfnis ein Millionengeschäft.

Ein Liebeszauber soll dergestalt auf einen anderen Menschen einwirken, daß dieser sich zum Urheber des Zaubers (oder zu dessen Klienten) hingezogen fühlt, sich im Idealfall in diesen verliebt, und diesem sexuell gefällig ist. Es handelt sich also um eine Beeinflussung des Geistes (genauer: des freien Willen) eines anderen Menschen. Deshalb gehören Liebeszauber in den Bereich der aggressiven, manipulatorischen, negativ wirkenden (laienhaft ausgedrückt: schwarzen) Magie.

Viele sogenannte Liebeszauber sind in Wirklichkeit eigentlich Zauber für sexuellen Besitz, d.h. das Opfer soll dem Nutznießer des Zaubers gegenüber sexuell willig gemacht werden. Nicht, daß dies überraschend wäre, denn Sex gehört auch zu den grundlegenden Bedürfnissen, und oft verlangt es den Anwendern dieser Zauber eher nach körperlicher als nach seelischer Liebe in Hinblick auf eine bestimmte Person. Aber auch für sexuelle Zauber können dieselben ethischen Standards angewendet werden, wie für die Liebeszauber.

Mal ganz abgesehen von Moral und Ethik, ein Liebeszauber hat nichts mit echter Liebe zu tun. Wahre Liebe entsteht natürlich, und sie erfreut sich selbstlos an der Existenz des Anderen, sie ist frei von Besitzdenken und gegenseitigen Ansprüchen.

Verliebtheit, unerwiderte Liebe und Liebeskummer sind seelisch schmerzhafte und auch meist unerträgliche Zustände starker emotionaler Verwirrung, in denen dem Betroffenen Ethik und Moral meist nicht mehr so viel gelten wie die Wunscherfüllung, die dann häufig recht wenig Rücksicht auf die Belange des Partners nimmt. Häufig wird dann blind nach einem scheinbaren Ausweg gesucht, und der scheint dann für nicht wenige der Liebeszauber zu sein.

Oft werden Liebeszauber damit zu rechtfertigen versucht, daß Liebe doch eine gute Sache sei. Das ist sie ja auch – aber eben die auf natürliche Weise entstandene Liebe. Ein Liebeszauber würde jedoch den freien Willen einer Person beeinflussen und ihr einen fremden Willen aufzwingen. Ein solcher Zauber bringt einen Menschen vielleicht zu Handlungen, die er selbst niemals freiwillig tun würde, und zu Gefühlen, die niemals von allein in ihm entstehen würden.

Auch im Namen einer „guten Sache“ wie der Liebe, ist das eine Manipulation gegen den freien Willen und daher sehr negativ zu betrachten. Deshalb wäre ein Liebeszauber streng genommen nicht nur ein Fluch, sondern sogar ein Verbrechen (auch wenn es gesetzlich nicht strafbar ist, aber eben ein moralisches Vergehen). Und das ist jeder Zauber, der auf eine Person gegen deren Willen oder ohne deren Wissen gewirkt wird. Die langfristigen psychischen Auswirkungen von Liebeszaubern beziehungsweise sexueller Zauber auf den Nutznießer entsprechen im Grunde denen der Verbrechen Freiheitsberaubung und sexueller Nötigung/Vergewaltigung auf weltlicher Ebene.

Ein Liebeszauber mag zwar den Geist des Opfers manipulieren, aber er kann keine echten Gefühle und schon gar keine echte Liebe hervorrufen. Eine aus einem Liebeszauber entstandene Beziehung ist deshalb nur eine Lüge, ein Schauspiel, inszeniert vom Magier, aber niemals entsteht daraus eine echte, innige Beziehung. Eines der wichtigsten Dinge in der Liebe ist schließlich die seelische Übereinstimmung, und sich die Seele des anderen durch Magie „zurechtzubiegen“ ist wahrhaft kein Zeichen aufrichtiger Liebe des Anwenders.

Oftmals ist eine Beziehung auch gar nicht das Ziel eines Liebeszaubers, sondern er wird rein aus dem Motiv des körperlichen Begehrens heraus gewirkt, aus egoistischem Verlangen, bei denen sich der Magier oder Auftraggeber über die Rechte und den freien Willen des Opfers einfach hinwegsetzt.

Ein Liebeszauber nimmt dem Opfer seinen freien Willen und damit seine Freiheit. Sexuelle Zauber sind damit vergleichbar, ein Opfer mit Drogen willenlos zu machen und dann sexuell zu mißbrauchen. Letztlich schaden solche Dinge also der eigenen Psyche, ebenso wie sich die eines weltlichen Verbrechers durch solche Taten negativ verändern würde.

Selbst wenn man den moralisch-ethischen Aspekt beiseite lassen und die psychische Eigenveränderung hinnehmen würde, wozu viele in solchen Ausnahmesituationen ja auch bereit sind, sollte man sich folgende Fragen stellen: Will man wirklich, daß der andere nur deshalb mit einem zusammen ist, weil sein freier Wille einem Zauber unterliegt? Oder möchte man nicht lieber um seiner selbst willen auf ehrliche, freiwillige und natürliche Weise geliebt werden oder, wenn es so nicht sein soll, nicht lieber auf eine Beziehung verzichten, die gar nicht echt ist? Wie wäre es wohl, selbst das Opfer eines Liebeszaubers von jemandem zu sein, den man selbst ablehnt?

Im Grunde ist das Opfer eines solchen Zaubers nur eine willenlose „Hülle“, die sich zwar zu einem hingezogen fühlt, aber nicht einmal weiß warum. Im Unbewußten wird das Opfer daher psychisch unter diesem inneren Widerspruch leiden und niemals wirklich glücklich sein. Und das bekommen beide Partner durch einen Liebeszauber auch immer und immer wieder zu spüren.

Darüberhinaus manipuliert ein Liebeszauber häufig genug auch seinen Nutznießer. Im schlimmsten Fall ist das Opfer durch einen starken Willen oder einen Zauber so gut geschützt, daß der Zauber auf seinen Urheber zurückfällt, der fortan dem Opfer völlig verfallen sein wird. Aber auch wenn das nicht passiert, hat der Liebeszauber dennoch häufig genug Auswirkungen auf den Nutznießer, der ihn schließlich in einem (echten oder sich selbst eingeredeten) Gefühl von Liebe wirkt, welches der Zauber natürlich als Träger dieses Willens ebenfalls aufgreift und auch im Anwender verstärkt.

Das kann zur Folge haben, daß solche künstlichen Beziehungen richtig lange halten, selbst wenn die Partnerschaft schon lange nicht mehr wünschenswert ist, auch seitens des Nutznießers nicht mehr. Daraus resultiert dann eine ziemlich schlimme Beziehung, in der auch der Nutznießer todunglücklich ist, doch – selbst verzaubert – unfähig und nicht willens ist, den Zauber aufzuheben oder einen Gegenzauber zu wirken.

Die Beziehung einfach zu lösen, funktioniert auch nicht, da man meist nicht dazu fähig ist, oder aber der noch immer verzauberte Partner wie wahnsinnig klammert und man ihn nicht mehr los wird. Es kann eine absolute Abhängigkeit voneinander (und von diesem Zauber) entstehen, egal wie schlecht diese Beziehung auch sein mag.

Bemerkt man, daß man die andere Person doch nicht mehr liebt, weil sie nicht das ist, was man sich von ihr erhofft hat, oder man sich anderweitig verlieben sollte, ist das wahrhaftig keine schöne Situation. Es kann auch passieren, daß man sich trennt, mal vom einen, mal vom anderen ausgehend, dann aber durch die Macht des Zaubers immer wieder zusammenkommt, und das Spiel wieder von vorn losgeht.

Ebenfalls häufig passiert es, daß eine durch Magie zustande gekommene Beziehung erst ein paar Monate gutgeht, es dann einen riesigen Knall gibt, dem eine Trennung folgt, und es entwickelt sich Haß. Dennoch kommt man gegenseitig nicht mehr voneinander los, weil kein wirklicher Schlußstrich gezogen werden kann, und ein langer, schmerzvoller Leidensweg beginnt.

Liebeszauber sind eine Selbsttäuschung für Kurzsichtige, denn langfristig schaffen sie nur noch mehr Leid und Schmerz.

Bevor es also Anfragen hagelt: Nein, ich wirke keine Liebeszauber, weder für mich, noch für meine Freunde, noch für sonstwen, und auch nicht für Geld. Es erwächst nämlich nichts Gutes daraus – und ein solcher Zauber muß zudem aufrechterhalten, also permanent mit Energie versorgt werden, was recht anstrengend ist, sonst kommt nämlich eines Tages das böse Erwachen.

Deshalb werde ich an dieser Stelle auch nicht erklären, wie man so etwas durchführt. Und auch jene, die „von selbst darauf kommen“, weil sie als Magier den richtigen Weg spüren, kann ich nur warnen, so etwas nicht zu tun. Jeder ist seinem eigenen Gewissen verantwortlich und wird dadurch beeinflußt, was er tut.

Aber ich empfehle jenen, die auf der Suche nach Liebe sind oder eine bestehende Beziehung retten wollen, etwas viel Besseres und auch Wirksameres: den indirekten Liebeszauber. Dieser wirkt nicht auf eine andere Person, sondern auf den Suchenden selbst. Natürlich ist ein indirekter Liebeszauber auch eine Manipulation, aber auf sich selbst, und daher ist man damit einverstanden. Er verbessert ganz einfach das Selbstbewußtsein, das Auftreten, die Ausstrahlung und damit auch die Attraktivität.

Das eigentliche Ziel des Zaubers ist es aber nicht, dauerhaft „magisch“ attraktiv zu wirken, denn auch das muß man aufrecht erhalten. Nein, Ziel ist es vielmehr, daß man das für kurze Zeit tut, um daraus zu lernen – zu lernen, wie es ist, wie es sich anfühlt, attraktiver zu sein oder sich so zu geben. Wenn man das verstanden und verinnerlicht hat, kann man es ins wahre Leben zumindest ein gutes Stück weit übernehmen und sich selbst auf natürliche Weise ändern und verbessern. So wird man auch in Liebesdingen erfolgreicher sein, mit dem Ergebnis, daß sich vielleicht dadurch ganz von selbst der gewünschte Erfolg einstellt, weil man beim anderen nun in einem neuen Licht erscheint, wenn man es wirklich will. Dieser Erfolg muß sich nicht einmal unbedingt beim angestrebten Partner zeigen, aber die Welt ist ja voller Alternativen.

Der indirekte Liebeszauber funktioniert wie jeder andere Zauber auch durch magische Trance, Willen und Visualisierung. Die praktische Ausgestaltung sollte man – wie bei jedem Zauber – selbst entwickeln, damit er auch auf einen persönlich zugeschnitten ist. Ob er kurzzeitig, länger oder sogar dauerhaft wirkt, liegt dann daran, was man will. Allerdings muß der Zauber aufrecht erhalten, d.h. weiter mit Energie versorgt werden, so lange er wirken soll. Das geschieht zwar mehr oder weniger unbewußt, kostet aber auf Dauer eine Menge Kraft, also nicht übertreiben.

Der wichtige Unterschied zu einem Liebeszauber ist aber, daß es ein positiv wirkender Zauber ist, mit dem das Ziel (man selbst) einverstanden ist, keine Beeinflussung einer dritten Person ohne deren Zustimmung, und das ist für die Psychen des Magiers und auch für die des Ziels (falls nicht identisch) und auch für die des angestrebten Partners ein ganz wichtiger Unterschied – auch für sein Gewissen.

Die Magie dient hier als Lernhilfe, nicht als manipulatorisches Werkzeug. Es ist eine kleine Stütze auf dem Weg eines Magiers, dessen ständiges Ziel die Verbesserung (Transformation) des Selbst ist – zumindest für den, der das Wesen der Magie verstanden hat…

Aber wenn jemand sein Herz nun mal bereits an eine ganz bestimmte Person verloren hat, und diese Liebe nicht erwidert wird, so gibt es auch für diese schmerzhafte Konstellation den richtigen Zauber, nämlich jenen, der nur auf den verzweifelten Liebenden wirkt, ihm hilft, loszulassen, und der bei ihm genau diese Schmerzen unterbindet – zugegeben, keine leicht zu erreichende und vielleicht auch nicht so befriedigende Lösung, aber wenigstens ein ohne Konflikt gangbarer Weg.

2.7. Verantwortung
Mit wachsender Möglichkeit der Beeinflussung wächst natürlich auch die Verantwortung gegenüber Mitmenschen, gegenüber Kultur und Natur. Man kann seinen Weg frei wählen, aber Freiheit wird oft nur mit Verantwortungslosigkeit verwechselt. Freiheit bedeutet immer auch Wachsamkeit, und sie macht eine Menge Arbeit. Bei Mißachtung dieser Verantwortung neigt der Erfolgsmagier dazu, schließlich nur noch Eigentore zu schießen, der Wanderer auf seinem Pfad kann diesen leicht wieder verlieren.

Ein Problem, das oft entsteht, wenn jemand seinen Weg kraftvoll geht, ist, daß er leicht Nachahmer findet, was natürlich Unfug ist, da jeder Mensch einen eigenen charakteristischen Weg hat. Und sicher ist es auch eine der Fallen für Magier, sich von einer wachsenden Anhängerschaft geschmeichelt zu fühlen. Das Gegenteil sollte der Fall sein, und aus der Lehre eines guten Meisters gehen nicht gute Schüler, sondern eigene Meister hervor.

 3. Der Magier

3.1. Wie sieht ein Magier aus?
Viele Menschen haben die Vorstellung, daß ein Magier eine mit magischen Symbolen bestickte Robe und einen spitzen Hut oder einen dunklen Umhang mit riesigem Kragen trägt, einen Zauberstab mit seltsamen Applikationen daran in der Hand hält, hoch droben in einem einsamen Turm wohnt, eine Hakennase und schmale Lippen hat, immer finster dreinschaut, ständig geheimnisvolles Zeug murmelt oder heimtückisch kichert und stets in einer Rauchwolke erscheint oder verschwindet, anstatt Türen zu benutzen, und selbstverständlich einen Pakt mit dem Teufel, Dämonen oder anderen bösen Mächten geschlossen hat.

Das ist natürlich alles Unsinn. Warum sollten Magier anders aussehen als jeder andere Mensch auch? Äußerlich unterscheiden sie sich generell überhaupt nicht vom Rest der Menschheit. Allenfalls durch dezente Zeichen, wie ein getragenes Pentagramm, geben sich manche zu erkennen, doch solche Zeichen werden auch von anderen Leuten getragen, die mit wahrer Magie nichts zu tun haben.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen unter den Magiern, die sich tatsächlich aufdonnern und sich mit allerlei „magischem“ Krimskrams behängen, wie Ringen, Kristallen, Amuletten, besondere Kleidung, etc., um damit ihre „esoterische“ Wichtigkeit meinen unterstreichen zu müssen.

Dadurch sind sie aber noch lange keine Magier oder „Esoteriker“. Esoterik bedeutet „von innen kommend“. Alle äußeren „magischen“ Attribute haben einen exoterischen Charakter, und solange jemand Magie im Äußeren sucht, steht er noch auf der untersten, exoterischen Stufe des Weges. Klischee-Magier
Bei auf solche Weise aufgemachten Magiern scheint entweder der Mangel an Selbstwert größer zu sein als ihr Können oder aber sie tun es aus kommerziellen Werbezwecken oder aus Geltungssucht heraus, und solch ein Verhalten hat nichts mit Spiritualität zu tun.

Wer am meisten wie ein Klischee-Magier aussieht, ist wahrscheinlich auch am weitesten von der Magie entfernt und mit ziemlicher Sicherheit sogar ein Scharlatan. Ein wahrer Magier hat es nämlich nicht nötig, sich so herauszuputzen, da für ihn solche Dinge gar nicht wichtig sind.

3.2. Woran erkennt man einen Magier?
Es ist schwierig, Magier so ohne weiteres zu erkennen, denn gewöhnlich gehen diese nicht mit ihrer Gabe hausieren. Ein Magier unterscheidet sich von einem gewöhnlichen Menschen durch seine „inneren“ Qualitäten, wie Zentriertheit, Gelassenheit, spirituelle Erkenntnis und Bewußtheit seines Weges. Während der Nichtmagier sich gewöhnlich meist mehr oder weniger murrend in sein Schicksal fügt, sucht und findet der Magier Mittel und Wege, sein Schicksal zu lenken, Probleme zu lösen und auch Niederlagen in Siege umzuwandeln.

Manche, nicht alle, entscheiden sich dafür, anderen Menschen mit ihren Fähigkeiten zu helfen und machen entsprechend Werbung. An ihrem Erfolg zeigt sich, wie gut sie sind, und sicherlich gibt es weitaus mehr Scharlatane als echte Magier.

Andere Magier benutzen diese Kraft, um ihren eigenen Weg zu gehen und verhalten sich dabei eher unauffällig.

3.3. Was macht ein Magier?
Auf Dauer ist es wirklich zu anstrengend, ständig finster dreinzuschauen, geheimnisvolles Zeug zu murmeln, heimtückisch zu kichern, täglich Leute zu verfluchen, zu verwandeln oder zu verzaubern, den Teufel zu verehren, in blutigen Ritualen Jungfrauen zu opfern, sich mit soeben beschworenen Dämonen herumzuärgern und gleichzeitig noch daran zu werkeln, die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Deshalb tun Magier auch ganz andere Dinge, als Volksmeinung und Boulevardpresse es ihnen nachsagen. Ein Magier in der heutigen Zeit übt genauso normale Berufe aus wie jeder andere auch. Daher hat er auch einen ganz gewöhnlichen Tagesablauf. Nur hat er einfach eine andere Einstellung zur Natur, zum Universum, zu seinem Unterbewußtsein und dessen Kräften, und er achtet deshalb mehr auf diese. Ab und zu benutzt er seine Kräfte auch, um Erkenntnisse zu erlangen oder etwas zu bewirken. Aber mit den typischen Klischeevorstellungen hat magisches Arbeiten nichts zu tun.

Ganz allgemein ausgedrückt ist ein Magier ein Mensch, der eine entschiedene Anstrengung unternimmt, um aus sich selbst heraus eine tatsächlich funktionierende Beziehung zwischen seinem Inneren und seiner äußeren Realität herzustellen, weil er nicht damit zufrieden ist, nur eine Marionette im großen Spiel zu sein, sondern auf eigenes Risiko mitspielen will.

Magier streben zwar nach Macht, doch dieser Begriff bedarf einer Erklärung, weil er in Bezug auf Magier sehr oft mißverstanden wird (manchmal auch von ihnen selbst). Das Wort „Macht“ stammte schon in altgermanischer Zeit von der persischen Wurzel „magh“ (können, vermögen) ab. Später entwickelten sich daraus über das mittelhochdeutsche „müg(e)lichkeit“ auch die Wörter „Möglichkeit“ und „Vermögen“ im Sinne von „Fähigkeit, Kraft, Zeugungskraft, Mittel, Geld und Besitz“. Magische Macht bedeutet magisches Können, das Vermögen, magisch zu wirken, und natürlich wollen Magier diese Macht erlangen und steigern.

Magische Macht bedeutet für den ernsthaften Magier aber in erster Linie die Macht über das eigene Schicksal zu erlangen. Anstatt ständig fremdbestimmt als Opfer durchs Leben zu wandeln, will er dieses Leben in die eigenen Hände nehmen, eigenverantwortlich und frei, nur den eigenen und bestimmten gesellschaftlichen und staatlichen Gesetzen gehorchend. Außerdem ist der Spruch „Wissen ist Macht“ für den Magier sehr zutreffend, denn ein großer Teil der angestrebten Macht sind Wissen und Erkenntnis.

Die Macht in Form von Herrschaft über andere Menschen, wie der Begriff assoziieren mag, kann zwar damit inbegriffen sein, ist für die meisten Magier allerdings nachrangig und auch negativ belegt. Obwohl es immer wieder Magier gibt, denen es vornehmlich um diese Form der Machtausübung geht, betrachten sie die meisten lediglich als nützliche und ab und zu auch benutzte, zumeist aber nicht notwendige Möglichkeit, sich zu wehren, Hindernisse zu beseitigen oder materielle Ziele zu verwirklichen.

Es gibt unendlich viele Arten, Magier oder etwas ähnliches sein zu können und diesen Weg zu gehen, jeder auf seine Weise, so wie es auch die unterschiedlichsten Arten gibt, Magie zu betrachten und auszuüben. Nur eines haben wohl alle gemeinsam: sie arbeiten mit Magie und haben eine Wahrnehmung, die über die normalen Sinne hinausgeht.

Was sie dann damit anstellen, kann aber wieder vollkommen unterschiedlich sein. Magie ist etwas sehr Individuelles, und so wirkt jeder Magiebegabte auf seine eigene, ganz persönliche Art und Weise. Grobe Richtungen lassen sich in Begriffe gruppieren, so zum Beispiel Magier, Hexen, Druiden, Schamanen, Priester etc., aber auch innerhalb einer solchen Gruppe gibt es zwischen ihren Vertretern große Unterschiede. Und jeder von ihnen ist einzigartig, denn die Begabungen und Interessen sind nun einmal verschieden.

Deshalb macht der eine Magieanwender auch noch lange nicht dasselbe wie ein anderer. Jeder Magier lebt im Grunde seine ureigene individuelle Version dieser Weltanschauung. Für manche ist es eine Zaubertechnik, für andere eine Lebensphilosophie und für wieder andere eine Religion. Manche glauben an Götter, andere nicht. Manche organisieren sich, andere arbeiten allein oder mit Freunden. Magier tragen sehr viel Verantwortung, und etliche mißbrauchen ihre Fähigkeiten auch. Jeder ist ein Individuum, so wie jeder andere Mensch auch. Dennoch sind sie alle Magier, egal ob sie sich nun Magier, Zauberer, Hexe, Schamane, Priester, Psioniker oder wie auch immer nennen.

Unter Magiern gibt es genauso gute und böse Charakterzüge wie unter den anderen Menschen auch – denn sie sind normale Menschen, die sich lediglich ein besonderes Talent erschlossen haben. Deshalb gehören die Magier auch keinem elitären Kreis an (obwohl sie oft der Gefahr unterliegen, dies so zu sehen), sondern unterscheiden sich nicht wirklich von anderen, die ebenfalls ein besonderes Talent haben, wie beispielsweise ein Musiker.

Die einen machen viele Rituale, die anderen wirken Magie aus dem Stegreif, es gibt welche, die sehr festgelegte Glaubensvorstellungen haben, andere sehen es einfach als Lebensphilosophie und arbeiten kaum mit Magie. Nur man selbst kann sagen, was für einen selbst richtig und was falsch ist.

Der wohl überwiegende Teil der Magier arbeitet als Einzelgänger für sich allein, andere schließen sich zu Gruppen zusammen. Solche Gruppen nennt man bei Magiern Zirkel, von „circulum“ (lat.: Kreis), bei rein zeremoniellen Gruppen Orden und bei Hexen Coven, was aus dem Englischen kommt und sich von „conventus“ (lat.: Versammlung) ableitet. Die meisten Traditionen zeremonieller Magie konzentrieren sich auf die Zusammenarbeit mit anderen in einer kleinen Gruppe. Allerdings gehört längst nicht jeder Magier einer Gruppe an. Viele ziehen es vor, ihren eigenen Weg zu gehen und sich ihre Inspiration aus publizierten Quellen und aus sich selbst heraus zu holen.

Meist werden auch Gruppenmitglieder Mischformen praktizieren, bei denen Einzelgänger zuweilen bei Gruppen teilnehmen, und Gruppen, deren Mitglieder mehreren Gruppen angehören. Natürlich gibt es auch absolute Einzelgänger und Gruppen, die sich abkapseln, aber alle sind gleichrangig, und jeder kann frei entscheiden, wo und mit wem er zusammenarbeiten möchte (vorausgesetzt, daß die Gruppe denjenigen aufnehmen möchte, denn auch deren Mitglieder können dies natürlich frei entscheiden). Wer mit der Linie einer Gruppe nicht einverstanden ist, scheidet aus und sucht oder gründet eine Neue.

So werden manche Magier bestimmte Rituale und Feste mit der Gruppe teilen, andere aber lieber allein durchführen. Auch Gruppen gehen nicht immer einen gemeinsamen Weg. Viele entwickeln auch in der Gruppe ihre eigene, persönliche Spiritualität, um dadurch Selbstbewußtsein und Kraft zu gewinnen. Dieses nutzen sie dann sowohl als Individuum als auch in ihrer Rolle des Gruppenmitglieds.

Meistens geht es bei konkretem magischen Tun um konstruktive, hilfreiche Dinge für einen selbst oder einen engen Kreis von Freunden und Familie oder auch Haustieren. Sei es Heilung, Unterstützung, Erfolge in Beruf, Geschäften, privaten Dingen, Liebe, Förderung von Glück und Wohlstand – es geht um eine magische Steigerung dessen, was man gemeinhin „Lebensqualität“ nennt.

Magie dient auch als spiritueller Weg. Einige magische Übungen und Rituale werden durch die Magier auch als tiefgehende spirituelle Disziplin benutzt. Das Ziel dieser Magie ist nicht die Transformation der äußeren Welt, sondern die Veränderung der inneren Welt, dem Geist und der Seele des Magiers.

3.4. Kann jeder Magier werden?
Da bin ich mir nicht sicher. Prinzipiell kann wohl jedes intelligente Wesen (ich sage bewußt nicht „Mensch“, weil nicht auszuschließen ist, daß auch bestimmte Tiere den Zugang finden könnten) diesen Zustand erreichen. Weil der Mensch ein geistiges Wesen ist, kann er daher grundsätzlich auch Magie wirken, wenn auch mit erheblichen Unterschieden in Art (Qualität) und Umfang (Quantität) und damit in der Effizienz.

Ob es da physische Grenzen gibt, d.h. ob jemand diesen Teil des Unterbewußtseins einfach nicht hat, ihm der Zugang aus physischen Gründen verwehrt ist oder er einfach kein Talent dafür hat, soll im Raum stehen bleiben. Die meisten scheitern aber wohl eher aus psychologischen Gründen.

Der Großteil der Menschheit ist zu einer wirksamen magischen Handlung nicht fähig – ausgenommen, er agiert in einer Massenbewegung. Das liegt nicht etwa daran, daß die meisten Menschen nicht genügend magische Kraft besäßen, denn sie haben viel mehr Kraft, als sie jemals vermuten würden.

Die meisten Menschen sind deshalb keine Magier, weil sie ihre Energien nicht durch Wissen und entsprechende Techniken auf die richtigen Stellen konzentrieren können oder dieses durch Zweifel oder Erziehung nicht wollen. Ein richtig angesetzter Hebel kann sehr viel bewegen, doch wenn man nicht weiß, wo er anzusetzen ist, bewegt man gar nichts.

Magie ist anstrengend! Sie ist etwas zum Nachdenken und „Machen“ – vor allem zum Aus-dem-Quark-kommen-müssen, was die Einstellung zu sich selbst, dem eigenen Leben und zur Natur betrifft. Unsere Gesellschaft ist aber zu einer Horde fauler Konsumenten verkommen, die nichts selbst machen und vor allem nicht nachdenken wollen.

Magie kann man aber nicht konsumieren, denn man muß sie aktiv erfahren. Der Umgang mit ihr ist das Arbeiten an sich selbst. Und das wollen leider die Wenigsten – oder sie behaupten es nur. Aber nur auf diese Weise gelangt man zu einer Verbesserung des eigenen Selbst. Wer dazu zu faul ist und erwartet, alles schön fertig aufbereitet serviert zu bekommen, wird die Beschäftigung mit wahrer Magie bald wieder aufgeben und läuft dann Gefahr, irgendeinem „esoterischen“ Schwachsinn aufzusitzen.

3.5. Die Voraussetzungen eines Magiers
Der Arzt und Mystiker Agrippa von Nettesheim (1486 bis 1535) schrieb: „Die magische Gewalt setzt beim Menschen eine große Würdigkeit voraus, denn unsere Gedanken, unsere höchste Geisteskraft ist allein der Wundertäter in uns.“

Gemeint ist mit dieser „Würdigkeit“ eine gewisse geistige Disziplin, die nicht nur Wissen und Konzentrationsfähigkeit beinhaltet, sondern genauso auch geistige und ethisch-moralische Reife und Verantwortung mit einschließt.

Der Weg des Magiers stellt harte Anforderungen, deren Wucht den Anfänger die eigene Winzigkeit erkennen läßt. Und auch ich bin mir bewußt, wie schwierig dieser magische Weg ist und daß dafür mancher Preis zu zahlen ist – und das endet niemals, auch wenn man schon erfahrener geworden ist. Daher bemühe ich mich, dem Leser, auf den all diese Anforderungen einstürmen, deutlich zu machen, daß es mir nicht besser geht als ihm, und daß ich gerade auch die Anfangsschwierigkeiten nicht vergessen habe und auf sie eingehen werde.

Um ein Magier sein zu können, bedarf es eigentlich hauptsächlich folgender geistiger Eigenschaften:

o Aufgeschlossenheit – Ein Magier muß bereit sein, die durch Erziehung oder von Autoritäten übernommenen Dogmen und Konventionen zu überprüfen und gegebenenfalls abzustreifen. Er muß bereit für neue Erfahrungen sein und diese auch akzeptieren können. Wer also Magie praktizieren will, braucht zunächst einmal den Mut, über den eigenen Schatten des Gewohnten zu springen, seinen Ängsten ins Auge zu blicken und sie zu überwinden, ohne sie jedoch zu verdrängen oder kurzerhand auszumerzen. Diese Bereitschaft ist unabdingbar, und sie wird im Laufe der Praxis immer wieder auf die Probe gestellt werden.

o Aufmerksamkeit – Durch die Aufmerksamkeit des Geistes schärft der Magier seine Sinne und lernt sich und seine eigenen Impulse besser kennen.

o Gelassenheit – Durch seelische Gelassenheit lernt er, alle Phänomene, die ihm auf seinem Weg begegnen mögen, ohne emotionalen Zwang einzuschätzen und konstruktiv zu nutzen.

o Entspanntheit – Durch körperliche Entspanntheit lernt er, seinen Körper besser zu beherrschen und Blockaden zu lösen, die ihn sonst behindern würden.

o Konzentration – Alle Magie beginnt bei den Gedanken, und nichts ist so mächtig, wie ein konzentriert formulierter und über längere Zeit visualisierter Gedanke. Aber man muß seine Gedanken auch unter Kontrolle halten können, sonst schweifen sie ab und führen den Magier von seinem Ziel fort.

o Intuition – Dies ist eine wichtige Voraussetzung, denn wer keine „Idee“ hat, wie er vorgehen soll, kommt auch nur schwerlich zum Ziel.

o Ausdauer – Ein Magier muß den festen Willen haben, auch dann durchzuhalten, wenn es ihm schwerfällt und sich scheinbar alles gegen ihn wendet. Das wird oft der Fall sein, denn auch auf einem magischen Weg fallen einem die Dinge nicht in den Schoß. Jemand hat einmal sehr treffend gesagt, daß man nicht leicht und auch nicht billig Magier wird. Die Fähigkeit, Realität zu transformieren, erreicht man nicht, wenn man bei der kleinsten Hürde aufgibt, die sich einem in den Weg stellt.

o Geduld – Weder wirke man Magie in Eile, noch versuche man auf einem holprigen Weg zu rennen, den man besser mit viel Zeit nur gehen sollte. Ergebnisse und Fortschritt lassen sich nicht erzwingen.

o Glaube – Es ist unerläßlich, daß man an seine Fähigkeiten glaubt und auf sie vertraut, sonst funktionieren sie nicht. Ein Magier akzeptiert üblicherweise seinen Glauben an Magie, wobei der Glaube selbst nur ein Werkzeug, eine mythische Arbeitshypothese zum Erreichen von Wirkungen darstellt, denn er ist kein Selbstzweck. Bei diesem Glauben handelt es sich um nicht mehr als einen psychologischen Geisteszustand, der für den Moment alle tiefenpsychologische Theorie vergißt und nur das Funktionieren magischer Techniken als Tatsache annimmt. Das ist gerade anfangs nicht einfach, gibt aber dem Unterbewußtsein die Kraft und die Möglichkeit, tatsächlich die eigene und manchmal auch die Realität anderer Menschen formen zu können. Der feste Glaube an seine eigene Magie ist das Mittel, nicht der Zweck – das Fahrzeug, aber nicht das Ziel.

o Selbstkenntnis – Sehr wichtig ist die Selbstkenntnis. Das bedeutet, sein eigenes Selbst zu kennen, zu erkennen und dabei auch ehrlich zu sich selbst zu sein. Wer sich selbst nicht kennt, hat auch nicht die nötige Grundlage, um Magie zu wirken. Darum gehört zu jeder vernünftige Ausbildung das Nachdenken über sich selbst und die Analyse der eigenen Person.

o Verantwortlichkeit – Als Magier ist es unabdingbar, für das jeweilige Weltbild sowie seine Handlungen jederzeit die volle Verantwortung zu übernehmen.

Alle diese Faktoren stehen in Wechselwirkung zueinander und bedingen sich daher gegenseitig. Sie gehören zu den Grundlagen auf dem magischen Pfad.

Die Realität im Geist zu transformieren kann man lernen, aber es ist ein langer und schwieriger Weg, oftmals unmöglich erscheinend, zuweilen von angeborenen, teils anerzogenen, teils auch unerklärlichen Grenzen und Behinderungen erschwert.

Manche benötigen dazu einen Lehrer, der sie anleitet, andere, meist Fortgeschrittenere, hingegen schaffen diesen Weg auch allein, wenn es nur noch gilt, einst Gekonntes und Gewußtes wieder an die Oberfläche des Bewußtseins zu bringen. Denn Lernen auf dem magischen Weg bedeutet nicht nur Äußeres zu verinnerlichen, sondern auch das Innere hervorzukehren (sich er-innern).

Wer ein erfolgreicher Magier werden möchte, sollte körperlich, geistig und seelisch gesund und ausgeglichen sein. Dazu gehören auch Dinge wie ausreichend Schlaf, gutes und gesundes Essen und ein erfülltes Sexualleben. Personen mit körperlichen oder gerade auch psychischen Krankheiten gehen bei der Beschäftigung mit der Magie ein erhöhtes Risiko ein, dennoch liegt ihr Handeln in ihrer eigenen Verantwortung.

Eine sehr wichtige Voraussetzung, um ein erfolgreicher und vor allem geistig gesunder Magier sein zu können, ist es, sein weltliches Leben leben zu können.

Sein weltliches Leben zu leben – das klingt einfach. Na klar lebt man sein weltliches Leben, also was soll das?

Gemeint ist aber, es wirklich zu „leben“, nicht bloß es „abzusitzen“, es „zu durchlaufen“, es „abzuspulen“, vor sich hin zu vegetieren als bloße Existenz. Nein, hier geht es um ein bewußtes leben und „er-leben“ des weltlichen Lebens, und dies mit Freude und Stolz, denn das Leben, auch das profane, ist heilig und verdient es, auch so gelebt zu werden. Das soll nun keine Mystifizierung werden, sondern hat einen sehr realen Hintergrund, der aber vielleicht gerade durch ein mystisches Bild am ehesten verständlich gemacht werden kann.

Man stelle sich einen Baum vor, der nach oben wächst und bestrebt ist, möglichst hoch und möglichst breit seine Blätter auszustrecken, um das Sonnenlicht einzufangen. Je mehr Licht er bekommt, desto besser kann er in die Höhe wachsen und desto besser kommt er an immer mehr Licht heran. Und so wächst und wächst er, sein ganzes Streben nur auf das Licht gerichtet. Aber in luftiger Höhe ist es auch windig, und würde der Baum nur nach oben wachsen, würde er irgendwann unweigerlich umkippen, sei es, daß ihn ein Sturm entwurzelt, dem er nicht standhalten kann, oder durch sein zunehmendes Ungleichgewicht auch einfach so.

Deshalb ist es wichtig, daß der Baum im gleichen Maße, wie er nach oben strebt, auch seine Wurzeln wachsen läßt, sie weit verzweigt und tief in die Erde senkt, damit sie ihn festhalten und mit dem lebensnotwendigen Wasser versorgen. Ohne genügenden Halt durch die Wurzeln kann der Baum nicht bestehen, ohne genügend Wasser über die Wurzeln aufzunehmen, kann er keine Blätter bilden, die das Licht einfangen. Aber läßt er nur Wurzeln und keine Zweige mit Blättern wachsen, wird er ohne genug Licht nur dahinkümmern und nie blühen. Er muß beides gleichermaßen tun, nach oben wie nach unten wachsen, um ein erfülltes und stabiles Dasein im Gleichgewicht zu haben.

Ein entwurzelter Baum – das wäre ein Mensch, der so blindlings nur nach dem Okkulten strebt, daß er im wahrsten Sinne den Halt, den Boden unter den Füßen verliert. Er erleidet einen Realitätsverlust, und dieser ist eine psychische Störung. Mit einer solchen wird er aber als Magier nicht weit kommen, sondern sich in einem Gewirr esoterischer Irrlehren, Selbsttäuschungen und Sackgassen verlieren, aus dem der Weg zurück sehr schwierig ist. Dies passiert insbesondere jenen Menschen, die sich trotz oder gerade wegen ihrer weltlichen Probleme mit Magie beschäftigen. Sie nutzen diese Beschäftigung dann exzessiv, um ihre weltlichen Probleme zu verdrängen, anstatt sich ihnen zu stellen, eine Flucht vor der Realität.

Umgekehrt wäre das Beispiel vom zu sehr verwurzelten Baum mit unterentwickelter Krone ein Mensch, der sich so sehr ans Weltliche klammert, sich schicksalsergeben allein von Gewohnheiten, Konsum und Medien leiten läßt, ohne je den Blick „nach oben“ zu richten, also dafür offen zu sein, daß es noch mehr Dinge geben kann, die eine Lebensqualität ausmachen. Er wird im wahrsten Sinne des Wortes nicht sehr viel vom „Licht“ abbekommen.

So wie ein gesunder Baum Wurzeln und Krone gleichmäßig entwickelt, sollte auch der Magier danach streben, in Beidem ein Gleichgewicht zu finden – im Weltlichen wie im Spirituellen. Nur wer fest im Leben verwurzelt ist, mit beiden Beinen fest im Leben steht, also ein erfülltes und bewußtes Leben auch „lebt“, besitzt die Standfestigkeit, sich der magischen Arbeit zu öffnen, weiß er doch eine gesunde Grundlage hinter sich, die ihm auch dabei hilft, nicht „den Boden unter den Füßen zu verlieren“, also „auf dem Teppich zu bleiben“, mit anderen Worten: im Leben zu stehen ohne den Sinn für die Realität zu verlieren. Und, was ebenso wichtig ist, aber oft unterschätzt wird, sie hilft dabei, nach einer „magischen“ Reise in andere Bewußtseinsebenen auch wieder sicher und mit vollständigem Bewußtsein („mit beiden Beinen“) in die Realität zurückzukehren.

Der Realitätsverlust ist eine oftmals viel zu sehr unterschätzte Gefahr der Beschäftigung mit dem Okkulten, der nicht wenige auch unterliegen. Deshalb wird auch immer wieder und wieder darauf hingewiesen, daß nur diejenigen sich relativ gefahrlos mit Magie beschäftigen können, die auch ihr Leben fest im Griff haben, d.h. die ein geregeltes und erfülltes Leben haben und ihre Probleme bewältigen können – es wirklich können, und sich nicht bloß dieser Illusion hingeben.

Weltliche und vor allem psychische Probleme sind eine Belastung für die Seele, und wie auch psychische Störungen und Erkrankungen können sie zu verheerenden Entgleisungen führen, wenn man sich mit Magie beschäftigt, denn Magie anzuwenden heißt tiefenpsychologische Experimente mit sich selbst durchzuführen, und das kann nur gutgehen, wenn man diese auch verträgt und nicht schon seelisch angeschlagen ist.

An sich zu arbeiten heißt für den Magier immer sowohl geistig als auch weltlich. Wie auch psychische Probleme behindern Alltagsprobleme und damit einhergehende Sorgen, Unzufriedenheit, Ärger, Streß, Ängste usw. den Geist bei der magischen Arbeit, indem sie ihn ablenken und Blockaden errichten. Dadurch kann die magische Tätigkeit auch in recht unerwünschte Richtungen gelenkt werden, insbesondere durch präsente Probleme, die das bewußte wie unbewußte Denken bestimmen und sich so noch verstärken können.

Also sollte man darauf achten, daß man sein weltliches Leben wirklich „lebt“, es also bewußt wahrnimmt und es auskostet, zu sich und seiner Art zu leben und dem, was man tut, steht, sich aber auch den Anforderungen und Problemen stellt, mit denen einen das Leben konfrontiert und diese meistert. Ein erfülltes weltliches Leben hat seinen Preis, und den muß man zahlen, denn er wird einem nicht abgenommen, auch durch Magie nicht (sie kann die Preisschraube zwar ein wenig lockern, mehr aber auch nicht).

Dazu gehört auch die tägliche Arbeit zum Broterwerb, der Lebensgrundlage, beziehungsweise damit vergleichbare Aufgaben (Haushaltsführung). Es spielt keine Rolle, was man tut oder wie das gesellschaftlich einzuordnen ist. Man sollte es nach besten Kräften tun und stolz darauf sein, denn auch das hat etwas mit Zufriedenheit zu tun – selbst wenn die Leistung von anderen nicht anerkannt wird, man selbst weiß aber, was man geleistet hat (oder auch nicht geleistet hat).

Wenn man sein Leben mit jemandem teilt, sollte man auch die Höhen und Tiefen des Partners verstehen, seine Komplexe und Talente, seine Fehler hinnehmen und die eigenen anerkennen. Man sollte weder zulassen, daß es zum ständigen Streit kommt, falls der Partner das Interesse für Magie nicht teilt oder akzeptiert, noch daß bei gemeinsamem Interesse so viel Zeit in die magische Beschäftigung gesteckt wird, daß für ein weltliches Zusammenleben nicht genug Zeit übrigbleibt.

Hat man Kinder, lehrt man sie die Dinge so zu sehen, wie sie sind, aber man zeigt ihnen auch, daß es noch Dinge jenseits des Weltlichen gibt, und man lehrt sie Verständnis, Respekt und Mitgefühl vor der Natur, ihren Geschöpfen und der Umwelt, denn eines Tages werden sie für dieses Erbe verantwortlich sein.

Diese Aufzählungen ließen sich noch endlos fortsetzen. Sein weltliches Leben wirklich und bewußt zu „leben“ ist eine der wichtigsten Aufgaben – eigentlich eines jeden Menschen, aber insbesondere eines Magiers. Es ist nämlich gleichzeitig der wichtigste magische Weg, den man je beschreiten wird, auch wenn nur wenige Menschen ihn je als solchen sehen werden.

Deshalb ist es auch so wichtig, eine Pause von der Beschäftigung mit Magie zu machen und sich ganz dem Weltlichen zu widmen, wenn dort etwas nicht stimmen sollte. Es gilt, erst einmal das weltliche Leben wieder in Ordnung zu bringen, bevor man sich erneut der Magie zuwendet, und die Magie kann warten – sie ist sehr, sehr geduldig, sie läuft einem nicht weg. Aber sie kann einen überrennen, wenn man nicht fest im Leben steht, und viele ignorieren diese Warnungen bis sie sich eines Tages als entwurzelter, umgestürzter Baum wiederfinden, der nicht oder nur schwerlich wieder aufzurichten ist.

Nur ein gleichmäßig entwickelter Baum kann mit seinen starken Wurzeln sowohl den „weltlichen Erdbeben“ als auch den „magischen Stürmen“ standhalten, die es ab und zu ganz sicher geben wird.

3.6. Wie wird man ein Magier?
Zu einem Magier wird man nicht, ein Magier ist man oder nicht. Das bezieht sich aber nicht nur auf irgendwelche magischen Fähigkeiten, sondern in erster Linie auf die Art zu denken. Letztendlich kann nur jeder selbst entscheiden, ob er ein Magier ist und was das für ihn heißt.

Die erste Frage, die sich jemand stellen sollte, der Magier sein möchte, lautet: „Warum will ich Magier sein?“

Die zweite Frage lautet dagegen: „Und warum will ich wirklich Magier sein?“

Die ehrliche Antwort auf diese zweite Frage ist der erste Schritt auf dem Weg. Ohne Ehrlichkeit sich selbst gegenüber führt der Weg nirgendwohin.

Viele haben angefangen, als Magier zu leben, aber viele haben auch schnell wieder aufgegeben, als sie merkten, daß dieser Weg steinig ist und man an sich selbst arbeiten muß, daß sie nicht perfekt sind und daß sie lernen müssen.

Wer nur deshalb ein Magier sein will, weil er es cool findet oder sich durch Magie schnelle Erfolge bei irgendetwas verschaffen will oder denkt, er gehöre dann zu einer Elite, der wird wahrscheinlich schon bald aufgeben und einen anderen, leichteren Weg gehen müssen.

In den Anzeigen einschlägiger Zeitschriften wimmelt es nur so von selbsternannten Magiern und Schamanen aller nur erdenklicher Ausprägungen. Für viel Geld einen Workshop oder ein Wochenendseminar besucht, schon ist der Magier oder Schamane fertig und bereits am Tag danach wird um Kundschaft geworben, die man selbst ausbilden oder deren Krankheiten man, wieder für viel Geld, heilen kann. Dies hat mit Magie oder Schamanismus nichts, aber auch rein gar nichts zu tun. Im Gegenteil, es werden Hoffnungen geweckt und Ansprüche aufgestellt, die dann nicht erfüllt werden können.

Nun könnte man über soviel Dummheit lachen, wenn diese Dummheit nicht so gefährlich wäre. Natürlich könnte ich zum Beispiel einer Gruppe von Menschen an einem Wochenende ein magisches Ritual in seinen Formen mit allen Einzelheiten erläutern und die notwendigen äußeren Techniken vermitteln, aber die dann materialisierten Kräfte auch zu beherrschen, dazu bedarf es langer kontinuierlicher Übung. Deshalb sei an dieser Stelle vor selbsternannten Magiern und ihren Spielereien ausdrücklich gewarnt. Auch wer gelernt hat, wie man einen Pinsel hält, ist damit noch lange kein begabter Maler.

Zunächst einmal hängt es von einem selbst ab, was man eigentlich erreichen will und wie das geschehen soll. Die Menschen sind sehr verschieden in ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten. Was für den einen richtig ist, muß es für den anderen noch lange nicht sein. So lassen sich pauschal nur ein paar wenige Ratschläge erteilen.

Man kann magisches Wissen nicht so ohne weiteres weitergeben. Tonnen von Theorie sind nicht so wertvoll wie ein Quentchen Praxis, und das praktische Wissen (das gnostische Wissen) ist eher ein tief verwurzeltes Gefühl für Magie und magische Erkenntnis als ein mit Worten beschreibbares Themengebiet.

Auch über das Fahrradfahren kann man einiges erzählen, aber worauf es ankommt, ist letztlich die praktische Übung. Wie will man jemandem rein theoretisch schildern, wie man auf zwei dünnen Reifen, mit denen man eigentlich umkippen müßte, das Gleichgewicht hält? Dafür entwickelt man durch praktische Übung mit der Zeit ein Gefühl, aber beschreiben kann man es nicht wirklich. Mit der Magie verhält es sich ähnlich – nur ist es dort noch weitaus komplizierter.

Magie ist nichts, was man in einem Schnellkurs erlernen kann. In das magische Arbeiten muß man hereinwachsen, ständig an den eigenen Fähigkeiten arbeiten und sich selbst unter Kontrolle haben. Nur wer sich selbst beherrscht, kann auch die Magie beherrschen. Es gehört eine starke und gefestigte Persönlichkeit mit einem starkem Willen zu dem Bild des Magiers oder der Magierin. So sollten labile oder in ihrer Persönlichkeit noch nicht gefestigte Menschen lieber erst einmal damit beginnen, an sich selbst zu arbeiten, um ein sicheres Gefäß zu bilden, in welchem das Wissen und Können bewahrt werden sollen.

Davon ausgehend, daß man sich inzwischen darüber klar geworden ist, was es für einen selbst bedeutet, ein Magier sein zu wollen, muß man sich zunächst einmal nach einer für sich passenden Art, an die Magie heranzugehen, umschauen. Das bedeutet, daß man sich kurz mit den gängigen magischen Gebieten beschäftigen sollte, um dann das für sich selbst Richtige auszuwählen.

Dazu nimmt man sich einige Stunden Zeit und geht in eine gut sortierte esoterische Buchhandlung. In der Abteilung Magie schaut man in jedes Buch hinein. Nur das, bei dem man sofort versteht, worum es geht, das sinnvoll und logisch nachvollziehbar erscheint, sich vielleicht schon mit einigen einem selbst, aber allgemein weniger bekannten und auch verifizierten Fakten deckt, und das vor allem zu Lesen auch Spaß macht, kauft man und arbeitet erst einmal ganz durch.

Ich möchte an dieser Stelle auch keine Empfehlung für ein bestimmtes Werk aussprechen, denn bei jedem Interessierten sind Hintergrund und Vorbildung völlig verschieden, und daher mögen auch vollkommen unterschiedliche Werke als Einstieg für den Einzelnen geeignet oder ungeeignet sein. Man sollte dort beginnen, wo man mit seiner Erfahrung, seinen Gedanken, seiner Literaturkenntnis und seinem sonstigen Wissen auch tatsächlich steht, und nicht dort, wo selbsternannte Lehrer einen gern hätten. Der Ausgangspunkt eines jeden unterscheidet sich von dem jedes anderen Menschen.

Ein guter Lehrer hätte allenfalls die Aufgabe, zu erkennen, wo sein Schützling sich auf dem Pfad befindet und ihm dies zu verdeutlichen. Er kann dem Schüler dann zwar Möglichkeiten aufzeigen, sollte sich aber nie anmaßen, dessen Weg zu bestimmen, denn höchstwahrscheinlich ist dieser nicht der eigene.

Den Zugang zur Magie muß jeder auf ganz individuelle Weise finden. Den Weg der Magie zu betreten ist ein sehr großer Schritt, und die größte Hürde dabei ist der eigene Unglaube, der einem im Weg steht (was nicht sein darf, kann auch nicht sein, also funktioniert es auch nicht). Zweifel an der Existenz der Magie oder der eigenen Fähigkeiten, Erziehung und religiöse Dogmen sind hier wohl die größten Hemmschuhe.

Den Zugang zur Magie kann man nicht erzwingen. Meist kommt „die Magie“ sogar ganz von selbst zu einem, wenn man eigentlich gar nicht daran denkt. Bei dem einen geschieht das schon sehr früh, bei dem anderen erst sehr spät. Es kann aber hilfreich sein, wenn man tiefer in sich selbst hineinlauscht und den Kontakt zu seinem eigenen Unterbewußtsein sucht.

Hat man den Weg zur Magie aber erst einmal beschritten, so kann man in kleinen Schritten langsam weitergehen. Auch hier gilt es, sich Zeit zu lassen. Die Magie kommt zu einem, wenn es an der Zeit ist, man kann ihr ein wenig entgegengehen, aber man kann sie nicht zu sich zwingen. Sich zu verkrampfen blockiert, und nur in der Entspannung kann die Energie fließen.

Die Magie stellt hohe Anforderungen an den Suchenden. Sie zeigt sich nicht gleich auf Anhieb, beziehungsweise auf eine Weise, die nicht immer sofort erkannt wird. Ferner spielt sie einem gerne Streiche, die gewöhnlich mit den eigenen seelischen Unzulänglicheiten zusammenhängen. Schließlich konfrontiert sie den Suchenden mit seinen vergrabenen Konflikten, Komplexen und Charakterschwächen, die erkannt und bewältigt werden müssen, will man weiterkommen. Deshalb ist die Beschäftigung mit Magie völlig ungeeignet für Menschen mit schweren psychischen Problemen, da diese dann eher weiteren Schaden nehmen statt voranzukommen.

Man wird nicht darum herumkommen, sich mit den grundsätzlichen magischen Übungen Konzentration und Visualisierung zu beschäftigen. Ohne diese beiden Fähigkeiten bewirkt man in der Magie nichts. Außerdem sind noch Übungen in Entspannungstechniken sowie „richtiges“ Atmen wichtig. Wer falsch atmet, erzeugt eine Disharmonie in seinem Energiesystem und wird mit magischen Übungen schnell Probleme bekommen, da hier psychische Energie freigesetzt wird, die sich dann in den Blockaden staut.

Es ist wichtig, immer tief in den Bauchraum zu atmen, d.h., das Zwerchfell muß voll miteinbezogen werden. Die meisten Menschen atmen zu flach. Wenn man jetzt plötzlich anfängt, „tief“ zu atmen, besonders, wenn man obendrein noch Raucher ist, treten Schwindelgefühle, Hustenreiz, Lungenstechen und ähnliche Probleme auf. Das ist auch kein Wunder, wenn die Lunge lange Zeit nicht richtig ausgelastet war. Wenn man das aber, ohne zu übertreiben, regelmäßig übt, verschwinden diese Phänomene, und es stellt sich mit der Zeit ein gesteigertes Wohlbefinden ein.

Ferner ist auch auf eine aufrechte Körperhaltung zu achten. Wer längere Zeit in verkrümmter Haltung vor dem Computer oder am Schreibtisch sitzt, blockiert dadurch ebenfalls seine Atmung. Hier ist Ausgleich gefragt.

Es ist für den Anfang eine gute Übung, gesteigerte Bewußtheit in Bezug auf die eigene Körperhaltung zu entwickeln. Wenn man dies nun noch durch entsprechende Entspannungs-, Konzentrations- und Visualisierungsübungen unterstützt, kommt man leichter voran.

Wie in jeder Ausbildung lernt der eine schneller und der andere langsamer. Deswegen ist der einfachste Weg der, seinen Zeitrahmen an seinen individuellen Bedürfnissen anzupassen und sich selbst gegenüber ehrlich genug zu sein, erst bei befriedigenden Ergebnissen mit der nächsten Übung anzufangen. Übungen sollten zwar regelmäßig gemacht werden, aber Übertreibungen sind nicht ratsam. Man sollte außerdem nur dann magisch arbeiten, wenn einem auch stimmungsmäßig danach ist und man sich dabei wohlfühlt.

Der Magier muß sich auf seinem Weg auch mit seinem größten Kritiker auseinandersetzen – mit sich selbst. Er wird viel Kritik aushalten müssen aber auch vieles verstehen, was ihm vorher unbekannt war. Er wird von vielen Menschen, die nicht verstehen, was er tut, angegriffen werden, aber auch selbstsicherer werden. Er wird „Freunde“ verlieren, aber auch neue Freunde gewinnen, auch solche, an die er vorher nie dachte.

Ob diese Lebensänderung und der damit verbundene und nicht zu unterschätzende Aufwand für einen Menschen akzeptabel ist, das kann nur jeder selbst ganz allein für sich entscheiden.

3.7. Magie ist das Unbewußte
Das Unterbewußte oder Unbewußte ist ein ursprünglich von Carl Gustav Carus in seinem Werk „Psyche“ geprägter Begriff. Es meint psychische Inhalte, die dem Bewußtsein nicht oder vorübergehend nicht zugänglich sind, aber dennoch zur Gesamtheit der Psyche gehören und einen nachhaltigen Einfluß auf Bewußtsein, Seelenleben, Persönlichkeit und Verhalten haben. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Hypothesen über die Art und Organisation des Unterbewußtseins.

Die magischen Urkräfte schlummern tief im Unbewußten. Dabei ist dieses „Unbewußte“ nicht bloß als „Hinterstübchen des Gehirns“ zu begreifen, sondern als eine Totalität, die jede Zelle des Körpers durchdringt und erfaßt. Die Instinkte sind derart tief im Körperlichen verankert, daß Wahrnehmung und Körperreaktion praktisch eins sind. Dann spricht man von „Reflexen“, aber auch, vor allem in älteren Texten, von „Fleischeswissen“.

Dieses genetische Urwissen halten die meisten beim modernen Menschen für weitgehend verkümmert. Dem ist jedoch nicht so. Man mißachtet es lediglich. Vielfach wird die Instinktsicherheit des Zivilisationsmenschen beständig unterschätzt, um dagegen den Mythos vom „naturverbundenen“ Wilden zu stellen, der angeblich fehlerlos im Einklang mit seiner Umwelt lebt.

Erstens ist auch auf die Instinkte des Naturmenschen (und auch auf die eines Tieres) nicht immer Verlaß, und zweitens leben gerade Naturvölker in einem Gefängnis von Tabus und Stammesregeln, die den Preis für ihre vermeintliche Instinktüberlegenheit doch reichlich hoch erscheinen läßt. In Wirklichkeit unterscheiden sich beide nicht sonderlich in ihren Instinkt-Reserven, sie gehen nur unterschiedlich damit um.

Der heutige, vielbeklagte „Verlust an Natürlichkeit“ (den übrigens die alten Griechen schon ebenso bejammerten wie die Renaissance, der Barock und die Romantik) ist viel eher eine Art von bewußtem, anerzogenem Ausblenden intuitiver Wahrnehmung. Man befindet sich in einer selektiven Wahrnehmung, die für den Magier kritisch wird, wenn ihm nicht bewußt ist, daß er den eigenen Teilausschnitt der Wirklichkeit mit dem Ganzen verwechselt.

Genauso kann es aber auch umgekehrt fatal sein. Weil der Mensch in der Regel nicht darauf trainiert ist, mit Intuitionen nüchtern umzugehen, reagiert er zwar mit gewaltiger Entzückung, wenn die Intuition zutreffend und einigermaßen positiv ist, aber auch mit ebenso gewaltiger Enttäuschung, wenn ihn die Intuition mal in die Irre führt oder Schlimmes verheißt.

Während man seinem Intellekt immer zubilligt, daß er sich auch mal irren kann, bricht für die meisten angehenden Magier gleich die ganze Welt zusammen, wenn sich irgendeine nette Vorahnung, auf die sie felsenfest vertraut haben, plötzlich als falsch entpuppt. Dahinter steht häufig eine Überschätzung der Magie, die nicht selten mit einer nichteingestandenen Furcht vor ihr einhergeht.

Sich also zu weit in Richtung seines Verstandes zurückzuziehen ist ebenso falsch wie sich völlig in „die Magie“ (das Unbewußte) zu flüchten. Wie so oft, ist auch hier ein gesunder Mittelweg erstrebenswert. Und vor allem: nur, weil jemandem etwas nicht vertraut ist, ist es deshalb noch lange nicht unnatürlich.

Magie ist etwas Natürliches, das wußten schon die alten heidnischen Religionen. Die Magie wurde nur paradoxerweise von einer Gesellschaft, welche durch eine im Widerspruch zur Natur stehende Religion („macht Euch die Erde untertan“) geprägt wurde, als unnatürlich bezeichnet. Diese Kultur verhinderte jedoch lediglich die Wahrnehmung, nicht aber das Vorhandensein der Magie im Menschen.

Menschen mit einem ausgeprägten Unterbewußtsein, vor allem jene, die über eine große Sensibilität, Intuition und Vorstellungskraft verfügen, haben eigentlich die größten Chancen, den Zugang zur Magie zu finden, denn oft sind sie bereits Magier, ohne es zu wissen.

Das Unterbewußtsein wendet seine „magischen“ Kräfte nämlich sehr oft an, aus eigenem Antrieb, ohne den Willen des Menschen, ja meist sogar ohne, daß dieser es großartig bemerkt. Plötzliche Eingebungen, telepathische Erlebnisse oder seltsame „Wendungen des Schicksals“ sind Anzeichen solcher unterbewußten Aktivitäten.

Wer so etwas an sich feststellt, kann versuchen, darauf zu achten und das Gefühl wahrzunehmen, das davon ausgeht. Vielleicht gelingt es ihm eines Tages, diese Dinge auch bewußt herbeizuführen. Dann hat er seinen Weg gefunden.

Es ist nicht falsch, seine gefühlsmäßigen Entscheidungen zu hinterfragen. Wer sich intuitive Entscheidungsgänge bewußt macht, lernt seine Gefühle besser kennen und ihnen auch immer öfter zu vertrauen. Wer anderen zuhört, ihre Bedürfnisse wahrnimmt, schärft sein eigenes Bauchgefühl und Urteilsvermögen. In drei Sekunden bildet sich der Mensch ein erstes Urteil über einen anderen Menschen. Die Trefferquote liegt bei etwa 80 %. Vor allem im Berufsleben raten Psychologen dazu, dieses Gefühl als wichtigen Ratgeber und als Entscheidungshilfe zu benutzen.

Das Gehirn ist mit 130 Milliarden Nervenzellen das komplexeste Organ überhaupt. Man kennt bis heute nur einen Bruchteil seiner Funktionen. Schon wenn wir einen Gegenstand ergreifen, ist das Gehirn zu 100 % aktiv. Zwar ist jeder Bereich des Gehirns für bestimmte Funktionen zuständig (zum Beispiel Sehen, Sprechen, Hören, Denken, Lernen, Bewegen der Gliedmaßen etc.), doch sind stets sämtliche Gehirnzellen aktiv, denn eine Gehirnzelle schläft nie. Ebenso falsch wie das Zitat, der Mensch nutze nur 10 % seines Gehirns, ist auch die Legende, es stamme von Albert Einstein.

Die Zahl der Nervenverbindungen im Gehirn ist unbekannt, dürfte aber etliche Billionen betragen. Sie verändern sich ständig. Intensive Sinneseindrücke, Gedankenspiele oder Erlebnisse lassen im Gehirn neue Synapsen entstehen, um den „Datenaustausch“ zu verbessern und zu beschleunigen. Wenn man beispielsweise ein Musikinstrument erlernt, arbeitet beim Anfänger in den ersten 20 Minuten nur ein kleiner Teil des Gehirns daran. Nach 20 Tagen ist bereits ein Großteil des Gehirns damit beschäftigt. Doch erst nach 20 Jahren Übung ist das Gehirn nahezu perfekt dazu verschaltet.

Gefühle und damit auch die „Intelligenz der Gefühle“, die Intuition, entstehen in einem der entwicklungsgeschichtlich ältesten Teile des Gehirns, der Amygdala (Mandelkern). Die Gefühle, die Intuition erst möglich machen, werden von Hormonen oder Botenstoffen gesteuert. Die wichtigsten sind Arginin-Vagopressin (Negativ-Erlebnisse, Angst und Unangenehmes), Oxytocin (Mutter-Kind-Bindungshormon, Wohlgefühl), Serotonin (zusammen mit Oxytocin bei Verliebtheit), Noradrenalin (Erregtheit), Acetylcholin (gezielte Aufmerksamkeit) und Dopamin (Antrieb und Neugierde).

Die Amygdala reagiert impulsiv, aber sie „weiß“ oft mehr als der Verstand. Intuition ist eine Art emotionaler Urinstinkt, der den Menschen schon in der Urzeit vor Gefahren schützte. Intuition ist nämlich eine atemberaubend schnelle Entscheidung, viel schneller als der Verstand es je sein könnte. Der Mandelkern ist in der Lage, in gerade mal drei Hunderstel Sekunden eine Situation zu erfassen, sie einzuschätzen und darauf zu reagieren. Dies ist der direkte Draht zwischen Gehirn und Körper. Hier laufen Informationen auf, die den Verstand nie erreichen.

Das klingt abenteuerlich, ist aber wissenschaftlich nachweisbar. Verkabelte Testpersonen sahen einen harmlosen Film. In diesem Film waren ein paar einzelne Bilder eingeschnitten worden, die ein Monster zeigten. Sie waren viel zu kurz sichtbar, als daß der Verstand sie hätte erfassen können, aber die Amygdala reagierte nach den Gehirnstrommessungen bei allen Testpersonen sofort mit Furcht und Abwehr. Dort war das Bild also angekommen und erkannt worden.

Die Intuition ist ein Frühwarnsystem, mit dessen Hilfe man schnell reagieren kann, und es arbeitet in allen Bereichen, egal ob Familie, Beruf oder Straßenverkehr. Befragungen von Opfern von Gewalttaten haben ergeben, daß beinahe jedem dieser Fälle fast unmerkliche Warnsignale vorausgehen, zu fein, um sie zu erkennen, aber deutlich genug, daß die Amygdala sie registriert und Alarm auslöst. Immer mehr Wissenschafts-Experten plädieren darauf, auf die Intuition zu vertrauen, um sich gefährliche Situationen zu ersparen.

Jeder hat den berühmten sechsten Sinn, nur traut man seinen Gefühlen oft nicht. Seit der Kindheit wird dem Menschen beigebracht, sie zu verbergen. Psychologen befragten Opfer von Betrügern. 87 % hatten beim Unterschreiben ein komisches Gefühl, unterschrieben aber dennoch, weil der Verstand auf die Scheinargumente hereingefallen war. Wer seine Ängste zuläßt, hat eine wichtige Kontrollinstanz, die vor Naivität und Leichtsinn warnt.

Wenn die eigene Intuition als eher schwach empfunden wird, kann man sie auch trainieren. Man kann zum Beispiel auf die Körpersprache anderer achten. Sie sendet meist sehr deutliche Signale aus und läßt sich nur schwer unterdrücken. Wer immer gleiche Wege geht, wird unaufmerksam, deshalb sollte man ruhig mal Ungewöhnliches tun, abwegige Entscheidungen treffen und auf Fremde zugehen. Das hält die Sinne wach. Außerdem hilft es, Spontaneität zuzulassen und Absprachen zu überdenken und gegebenenfalls auch zu ändern. Je häufiger man direkt aus dem Bauch heraus entscheidet, desto wacher bleibt die Intuition.

Kinder haben oftmals einen besonders leichten Zugang zur Magie, weil sie über eine große Vorstellungskraft verfügen und sie benutzen, ohne groß nachzudenken. Sie sind für alles offen, akzeptieren schnell und stehen sich selbst nicht durch Zweifel und Dogmen im Weg. So sagt man Kindern zum Beispiel eine besondere Wahrnehmungsfähigkeit nach. Ähnlich ist es auch bei vielen Tieren, die gewisse Dinge einfach „spüren“.

Ferner haben Kinder die einmalige Fähigkeit, sich durch ihre Phantasie eigene Realitäten zu schaffen. Nichts anderes tut im Prinzip auch der Magier, der bestimmte Dinge einfach vor seinem geistigen Auge „visualisiert“ und dadurch für ihn real werden läßt.

Im Laufe seines Aufwachsens wird dem Menschen dann seine Kindlichkeit „aberzogen“ und durch Regeln, Dogmen und feste Weltbilder ersetzt. Vielen Menschen geht dadurch ihr Zugang zur Intuition und damit auch zur Magie verloren. Wer ein Magier sein will, muß lernen, sich von den fremden, aufgezwungenen Realitäten zu befreien und zu seiner eigenen Mitte und Zentriertheit (zu seinen Instinkten, seiner Intuition, seiner „Magie“) zu finden.

Wenn man sich seine Kindlichkeit bewahrt oder sich an sie zurückerinnert und sich wieder in dieses Gefühl hineinversetzt, so mag einem dies den Zugang zur Magie erleichtern. Das Zurückfallen in eine kindliche Vorstellungswelt, die den Zugang zum Unterbewußtsein erleichtert, nennt der Magier Atavismus (lat.: Rückfall). Dieser Begriff ist eigentlich eine biologische Bezeichnung des Wiedererscheinens von Merkmalen der Vorfahren, die in der Vorgängergeneration fehlten, beziehungsweise ein Rückfall in eine frühere Entwicklungsstufe.

Magietheoretiker spekulieren, daß die Anwendung von Magie einen Atavismus darstellt, da sie möglicherweise bei frühen Vorfahren allgemeiner verbreitet war. Für diese noch spekulative Hypothese spricht, daß entwicklungsgeschichtlich ältere Teile des Gehirns (Hirnstamm, Formatio reticularis, Limbisches System) mit magischen Phänomenen des Unterbewußtseins in Beziehung stehen. .

3.8. Müssen Magier verschwiegen sein?
Es ist noch eine Bemerkung zur Verschwiegenheit zu machen. Verschwiegenheit bedeutet nicht, daß man sein Wissen als „Geheimlehre“ für sich behalten und niemandem zugänglich machen darf, damit es bloß nicht zu viele „Eingeweihte“ gibt (dann dürfte es diese Seiten hier nicht öffentlich geben). Die Weitergabe magischen Wissens ist sogar gewünscht – aber nur an diejenigen, denen diese Informationen auch willkommen sind.

Es empfiehlt sich, aller scheinbaren Aufklärung moderner Zeiten zum Trotz, nicht allzu offenherzig mit den eigenen magischen Erfahrungen und dem Wissen hausieren zu gehen. Man muß auch nicht gleich jedem erzählen, daß man Magier ist, denn auf diejenigen, die es nicht interessiert oder die nicht an Magie glauben, wirkt ein solches Verhalten aufdringlich und wichtigtuerisch und bringt einem schnell den Ruf eines Spinners ein.

Die Magie war noch nie etwas für die breite Masse und wird es wahrscheinlich auch niemals sein. Die meisten Menschen haben Angst vor der Magie, weil sie nichts oder zu wenig oder das Falsche darüber wissen oder wissen wollen, oder sie leugnen schlichtweg ihre Existenz. Das Thema Magie wird zwar in der Öffentlichkeit weitgehend belächelt, dennoch haben Magier, Hexen und Zauberer Hochkonjunktur – und ebenso die Angst vor ihnen und der Ärger über Scharlatane.

Es kann geschehen, daß Bekannte, Freunde und Eltern dem angehenden Magier plötzlich mit seltsamer Distanz begegnen, wenn er ihnen von seinen magischen Praktiken erzählt. Ebensogut könnte man sich öffentlich zum Sadomasochismus oder Satanismus bekennen.

Man wird den Magier merkwürdig und mit Unverständnis anschauen und nach „Schwarzen Messen“ fragen, und von dort ist es nur noch ein Schritt, sein Name mit der Bezeichnung „Satanist“ oder „Teufelsanbeter“ die Runde macht – von anderen, noch schlimmeren Unterstellungen ganz zu schweigen. Es ist dagegen noch direkt harmlos, wenn man nur für einen verrückten Spinner gehalten wird.

Wer dies nicht glaubt, weil er meint, in einer aufgeklärten Welt zu leben, die doch von großstädtischer Toleranz geprägt sei, der verfolge nur die Berichte der Regenbogenpresse zu diesem Thema oder schlage diesen Rat in den Wind, um sich selbst aus erster Hand von seiner Richtigkeit zu überzeugen.

Nun mag man zu Recht einwenden, daß es dem um persönliche Freiheit bemühten Magier doch gleichgültig sein sollte, was seine Mitmenschen von ihm denken. Doch abgesehen davon, daß er es dann auch nicht nötig haben sollte, sich mit ihnen über seine Kunst auseinanderzusetzen oder diese an die große Glocke zu hängen, benötigt selbst der gewiefteste und erfahrendste Magier gewisse Arbeitsbedingungen, und zu diesen gehören Ruhe und Konzentration.

In mittelalterlichen Zauberbüchern wird oft erwähnt, daß der Magier im Einklang mit seiner Religion leben sollte. Dies heißt aber nichts anderes, als die Entfremdung von der eigenen Umwelt möglichst zu vermeiden. Eine solche Entfremdung kostet viel seelische Kraft und auch magische Energie.

Der Magier springt schließlich von einer Wirklichkeit in die andere, und dazu bedarf er einer gewissen äußeren Ruhe und Stabilität, damit die Realität der anderen, der Umwelt also, nicht ständig gegen die seine Sturm läuft und umständliche, zeitraubende Verteidigungs- und Rechtfertigungsversuche erforderlich macht.

Durch das Schweigen lernt der Magier zudem, seine eigene magische Realität im eigenen Inneren zu festigen und zu leben. Das wiederum wird schließlich zu einer beachtlichen Quelle magischer Kraft und Sicherheit. Wer zu Schweigen gelernt hat, den werden Zweifel und Skepsis der Außenwelt nicht mehr anfechten, selbst wenn sie irgendwann doch einmal zum Thema werden sollten. Selbstverständlich gelten diese Vorbehalte nicht für den Austausch mit Gleichgesinnten.

Oft wollen Außenstehende oder Journalisten gerne einmal bei einem Ritual zuschauen oder mitmachen. Die meisten echten Magier lehnen solche Gesuche grundsätzlich und konsequent ab, und zwar aus mehreren Gründen. Zum einen stören Anwesende allein schon durch ihre Anwesenheit Atmosphäre, Stimmung und Konzentration, und fast immer ist das Ritual nutzlos und vergeudet. Ferner hat man kaum Zeit und Lust, einem Außenstehenden erst alles minuziös erklären zu müssen.

Außerdem macht man zumeist sehr schlechte Erfahrungen mit der Presse. Sieht anfangs alles nach Wohlwollen und Objektivität aus, so staunt man hinterher oft darüber, wie verzerrt und feindselig die tatsächlich abgedruckten Berichte ausfallen.

Zudem gilt das Gebot der Geheimhaltung für die allermeisten seriösen Magier. Diese darf aber nicht mit Geheimniskrämerei verwechselt werden, denn sie bezieht sie sich auch nicht auf angewandte Techniken und Rituale, sondern vielmehr auf die Namen von Teilnehmern und auf offenbarte Zauber, die durch Preisgabe an Dritte evtl. einen Teil ihrer Wirksamkeit einbußen würden.

3.9. Nehmen Magier Drogen?
Diese Frage drängt sich dem Laien natürlich zwangsläufig auf, wenn von einem „veränderten Bewußtseinszustand“ die Rede ist.

Im Allgemeinen nehmen Magier wahrscheinlich sogar weniger Drogen zu sich als der Durchschnittsmensch, weil sie eben einen klaren Geist haben möchten. Die Veränderung des Bewußtseins wird auf spirituell-psychologischem Weg erlangt, nicht durch irgendwelche Chemikalien. Drogen beeinträchtigen auch den Willen, so daß ein vernünftiges, kontrolliertes magisches Arbeiten unter dem Einfluß von Drogen vermutlich gar nicht möglich wäre. Einem durch Drogen oder Alkohol benebelten Geist mangelt es sicherlich an Konzentrationsfähigkeit.

Der Rauch einiger Harze und Pflanzen wirkt psychoaktiv, und bei Ritualen wird auch geräuchert. Diese Wirkungen sind jedoch sehr sanft, unterstützend und mit der von Drogen in keiner Weise zu vergleichen, denn sie regen lediglich die Sinne an, vergleichbar mit einem wohlriechenden, anregenden oder beruhigenden Duftöl. Auch Ritualweine und ähnliches werden in der Regel nur in kleinen Mengen zu sich genommen, so daß man auch hier nicht von rauschähnlicher Beeinflussung sprechen kann.

Im ganz normalen Leben mögen auch Magier die verschiedensten Drogen konsumieren, wie Koffein, Nikotin, Alkohol oder sogar illegale Drogen oder eben auch nicht, so wie jeder andere Mensch auch. Harte Drogen werden es aber normalerweise nicht sein, denn wer seinen Körper und Geist mit so etwas vergiftet, wird kaum eine sinnvolle magische Arbeit zustandebringen, obwohl es auch Ausnahmen gibt, wie beispielsweise der heroinabhängige Aleister Crowley. Außerdem verträgt sich ein solcher Konsum nicht mit dem Selbstwertgefühl eines Magiers. Wer bereit ist, harte Drogen zu nehmen, hat auch sicher nicht die psychischen Voraussetzungen, um Magier sein zu können.

Vor und während magischer Arbeiten läßt der besonnene Magier wohlweislich die Finger auch von „weichen“ Drogen. Kluge Menschen fahren ja auch nicht Auto, wenn sie betrunken sind, beziehungsweise trinken nichts, wenn sie fahren wollen. Das wäre hier durchaus vergleichbar.

Es gibt aber auch Ausnahmen. So verwenden einige Magier, vor allem bei den sogenannten Naturvölkern, durchaus auch Drogen, um mit ihrer Hilfe eine gnostische Trance zu erlangen. Diese Praktiken würde ich für mich jedoch strikt ablehnen.

Vom Gebrauch von Pflanzen mit (auch leichter) halluzinogener Wirkung ist dringend abzuraten, auch zum Räuchern. Abgesehen davon, daß es nach meiner Überzeugung für magisches Arbeiten nicht notwendig ist, mit halluzinogenen Drogen zu arbeiten, und solche Mittel zur Realitätsflucht einer magischen Weiterentwicklung eher hinderlich sind, stellen diese auch eine echte Gefahr dar, denn sie sind immer auch Gifte, die Körper und Geist schädigen.

Gerade bei Pflanzen kann die Konzentration der wirksamen Substanzen teilweise um das Hundertfache schwanken, was von mehreren Umweltfaktoren (Art und Beschaffenheit des Bodens, Witterungseinflüsse, Klima, eventuell spezielle Unterarten etc.) abhängt, und somit sind Dosierung und Wirksamkeit nur sehr schlecht abzuschätzen. Selbst für pharmazeutische Fachleute sind Vorraussagen schwierig, was den Wirkstoffgehalt einer Ernte betrifft.

Schon so mancher hat durch unsachliche Experimente mit hochgiftigen Pflanzen, wie Bilsenkraut, Stechapfel, Engelstrompete und Tollkirsche, sein Leben verloren oder seinen Verstand so aufgeweicht, daß er lebenslang unter den unkontrollierbaren Nachwirkungen leidet, von denen Psychosen und Aussetzer in der Gehirntätigkeit noch die Harmloseren sind. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob gewisse Pflanzen oder Substanzen zugänglich oder legal sind, gefährlich sind sie allemal, und man sollte sich dahingehend nicht beschwatzen lassen. Auch nichthalluzinogene Pflanzengifte, wie Glykoside oder viele Alkaloide, können tödlich sein.

Die Verwender von Drogen argumentieren, daß diese ihnen den Zugang zur Magie erleichtern – das stimmt auch in gewisser Weise, denn sie ersparen dem Faulen ein wenig mentale Arbeit. Allerdings kommt man auf diesem „beschleunigten“ magischen Weg zwar zunächst schneller vorwärts, landet jedoch in einer Sackgasse. Ein benebelter Verstand ist nicht in der Lage, sich frei zu entfalten, und die fortwährende Schädigung des Gehirns setzt der Karriere als Magier (und auch als Lebewesen) schließlich vorzeitige Grenzen.

4. Die Grenzen der Magie
Was man nicht kann (zumindest kann ich es nicht und habe noch keinen Beweis dafür gesehen, daß es funktioniert), ist die Materie selbst zu verändern. Es ist also nicht möglich, Materie zu erschaffen, zu vernichten, zu verwandeln oder zu bewegen.

Man kann lediglich auf die im zu verzaubernden Ziel enthaltenen Energien einwirken, sie verändern und, sofern das Ziel lebt, dadurch dessen Geist beeinflussen und es somit auch zu bestimmten körperlichen Reaktionen oder Handlungen veranlassen.

Man darf nicht vergessen, daß die Magie auch ihre Grenzen hat. Magie kann nicht das Unmögliche vollbringen, wie zum Beispiel etwas ungeschehen zu machen oder fehlende Gliedmaßen zu ersetzten. Sie kann lediglich das Machbare lenken. Die Ziele, die man mittels Magie zu erreichen sucht, sollten erfüllbar sein. Es ist töricht zu versuchen, das Unmögliche herbeizuführen. Die Magie hat ihre Gesetze wie jede anerkannte Wissenschaft, und diese haben ihre Gültigkeit wie alle anderen Naturgesetze – unabhängig von Glauben oder Nicht-Glauben.

Magie sollte außerdem erst dann zuhilfe genommen werden, wenn alle weltlichen Mittel versagt haben. Wer an die Magie Erwartungen stellt, die vom Magier eigentlich mit weltlichen Mitteln selbst erfüllt werden müßten, dem wird sie den Ball unaufgefordert und gnadenlos wieder zurückspielen.

Magie ist kein Allheilmittel für sämtliche Probleme. Magische Arbeit kann nicht alles im Leben lösen, und sie entbindet den Magier sicher nicht davon, selbst den Hintern hochbekommen zu müssen. Aber sie vermag ihm die dafür notwendige Energie und die richtige Einstellung dazu zu vermitteln, und das ist doch auch schon etwas.

Magie sollte auch die Medizin nie ersetzen, obwohl sie diese ergänzen kann. In allen Fällen, in denen man normalerweise einen Arzt zu Rate ziehen würde, sollte dies auch der Magier tun. Ein Zauber verhindert wohl nur selten eine Wundinfektion, vertreibt Erkältungen oder heilt Krankheiten oder Verletzungen. Aber ein Zauber kann die Heilung unterstützen – und vor allem den inneren Willen zur Heilung. Die Selbstheilungskräfte des Körpers sind stark, doch manchmal müssen sie eben erst angeregt werden.

Man löse sich von der Vorstellung, daß allein die Magie der Schlüssel zum Ziel ist. Was mit weltlichen Mitteln lösbar ist, sollte auch der Magier mit weltlichen Methoden lösen. Sämtliche Rituale und magische Praktiken haben nämlich nur ein Ziel: den Willen des Magiers zu bündeln und auf innere Realitäten zu lenken. Das höchste Ziel der Magie ist nicht die Demonstration von spektakulären Effekten, sondern die spirituelle Transformation des Individuums.

Die Elemente
· 1. Die Natur der Elemente
· 2. Die Erde
· 3. Das Wasser
· 4. Die Luft
· 5. Das Feuer
· 6. Der Geist
· 7. Die Elemente im Pentagramm
· 8. Die Himmelsrichtungen der Elemente
· 9. Die Arbeit mit den Elementen

1. Die Natur der Elemente

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Die Dreiecke als Symbole der Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer. Chymisches Lustgärtlein, Stoltzius von Stoltzenberg (1624)

„Dies ist die Wurzel und Grundlage aller Körper, Naturen, Kräfte und wunderbaren Werke; wer diese Eigenschaften der Elemente und ihre Mischungen kennt, der wird ohne Schwierigkeit wunderbare und erstaunliche Dinge vollbringen und ein vollendeter Meister der natürlichen Magie sein“, schrieb Agrippa von Nettesheim, Doktor der Rechte und der Medizin, Philosoph und Schriftsteller im Jahre 1510.

Im Okkultismus, der zeremoniellen Magie und der Hexerei arbeitet man viel mit den Kräften und Energien der Elemente. Die Elemente dienen dabei als Analogien und sind somit Hilfsmittel für den Magier, dessen psychische Energien sie durch ihre assoziative Wirkung verstärken können.

In seinem mystischen Weltbild bedient sich der Magier dabei der Energie, welche die Elemente ihm liefern (gleiches gilt auch für Gestirne oder die Erde als Planet), denn unter den Elementen kann er sich konkret etwas vorstellen und sie leicht „anzapfen“. Tatsächlich mobilisiert er natürlich lediglich die Kräfte in seinem eigenen Inneren, doch durch die starken Assoziationen dieser Metapher fällt es dem Magier wesentlich leichter an seine eigenen Energien heranzukommen, indem er dem Unbewußten vorgaukelt, diese aus externen, mächtigen Quellen zu beziehen, und somit trickst er den blockierenden Selbstzweifel aus.
Die vier Elemente
Man kann sich zurecht fragen, warum man für die Ausübung von Magie nun ausgerechnet auf die Symbole der Elemente zurückgreift. Die Philosophie der Elemente hat die westliche Kultur seit ihrer Existenz begleitet und geprägt. Kaum eine andere Symbolik hat über einen derartig langen Zeitraum einen Einfluß auf das Abendland und kaum eine andere ist psychologisch so gut geeignet, tiefe Assoziationen zu erzeugen. Deshalb schließe ich mich dieser Symbolik an.

Es ist für den Magier aber nicht unbedingt notwendig, mit den Elementen und ihren Kräften zu arbeiten, denn er kann sie genauso gut auch zu einer einzigen „Naturkraft“ zusammenfassen und nur diese in seine Vorstellung und Arbeit mit einbeziehen. Letztlich ist es ja auch nur ein und dieselbe Kraftquelle, nämlich das eigene Unterbewußtsein, doch weil dieses eben auf verschiedene Weisen wirken kann, erscheint den meisten Magiern die Aufteilung in verschiedenartige Kräfte sinnvoll, symbolisch repräsentiert durch die Analogien der Elemente.

Das Wort „Element“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet (Grund-)Bestandteil, Wesensmerkmal, Faktor, Kraft. Somit wird der Begriff des „Elements“ in vielen Zusammenhängen benutzt. Gemeint sind hier natürlich die spirituellen Elemente, nicht zu verwechseln mit den chemischen Elementen des Periodensystems oder den auch als Elemente bezeichneten Naturgewalten.

elembez
Die Beziehungen zwischen den vier Elementen des Empedokles und ihre Eigenschaften: Wasser = naß und kalt Luft = naß und heiß Feuer = heiß und trocken Erde = kalt und trocken

Es gibt unterschiedliche Auffassungen über die Anzahl der Elemente, entweder vier oder fünf. Die vier Elemente oder auch materiellen Elemente sind dabei in Altertum, Alchemie und Okkultismus durchweg die klassischen vier Elemente des Empedokles von Agrigent: Feuer, Wasser, Erde und Luft, jedoch mit sehr unterschiedlichen Deutungen. Später kommt als 5. Element der Geist, Äther oder Quintessenz (als separates Element) hinzu.

Magier und Hexen benutzen oft die Kräfte der klassischen vier magischen Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft. Für viele Magier, und auch für mich, existieren jedoch alle fünf Elemente. Während die ersten vier materieller Natur sind, so handelt es sich bei dem fünften Element um den Geist, welcher nichtmaterieller und spiritueller Natur ist und für die Essenz des Lebens steht.

In der Magie werden je nach Element der daraus kommenden Energie bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. Darüber hinaus hat jedes Element eine ihm zugesprochene korrespondierende Farbe, Gegenstände und eine Sinneswahrnehmung. Es gibt zwar je nach kulturellem Hintergrund leichte Abweichungen zur Farbsymbolik, jedoch gibt es folgende weitverbreitete Symbolik: Die Beziehungen zwischen den vier Elementen des Empedokles

Element:
Symbol:
Aktivität:
Gegensatz:
Farbe:
Gegenstände:
Sinn:
Erde
elemente
passiv
(weiblich)
Luft
Schwarz, Braun, Gelb, Olivgrün, Grün
Pentakel, Erdschale, Schild, Salz, Steine
Fühlen
Wasser
elementw
passiv
(weiblich)
Feuer
Grün, Blau-Grün, Indigo
Kelch, Kessel, Wasserschale, Besen
Schmecken
Luft
elementl
aktiv
(männlich)
Erde
Blau, Weiß
Dolch, Messer, Schwert, Räucherschale, Feder, Rauch
Riechen
Feuer
elementf
aktiv
(männlich)
Wasser
Rot, Gold, Orange, Weiß
Zauberstab, Stecken, Speer, Kerzen, Feuerschale
Sehen
Geist
elementg
beides
keines oder alle vier
Transparent, Weiß, Schwarz
Glocke, Gong, Kristallkugel, Magierspiegel, Feuerschale, Geistschale
Hören
Man kann diese Aufstellung noch um einiges mehr ergänzen, so werden auch bestimmte Bäume und Tiere, Düfte und Temperamente den Elementen zugeschrieben. Das führt jedoch zu weit. Obige Entsprechungen sind aber diejenigen, die am konstantesten überliefert sind.

Die Symbolik gibt den Charakter der Elemente wieder. Feuer und Luft wird mit dem Dreieck nach oben ihre aktive männliche Kraft zugesprochen. Sie sind leicht und schnell beweglich. Wasser und Erde haben dagegen ein Dreieck nach unten, das auf ihre passive weibliche Kraft verweist. Sie sind substantieller, schwer und langsamer. Die Elemente sind damit polar geordnet, allein der Geist, welcher die Quintessenz aller Elemente darstellt ist beides zugleich und nichts davon.

Jedes materielle Element hat einen Gegenpart, mit dem es sich sowohl ergänzt als auch bekämpft. Erde und Luft bilden Gegensätze, ebenso wie Feuer und Wasser. Der nichtmaterielle Gegenpart aller materiellen Elemente als Summe ist der Geist.

elemerd 2. Die Erde Das Element Erde
Ohne das Element Erde hätte man keinen Boden unter den Füßen, keine körperliche Substanz und auch keine Nahrung. Das Element Erde ist in Stein und Erde, Sand und Kristallen, aber auch in Metallen, Holz und Getreide. Es umfaßt alle natürlichen festen Stoffe. Die Erde trägt und ernährt das Leben. Die Erde schenkt dem Menschen Substanz, Halt, Schutz, Nahrung und den Tastsinn.

Das weibliche, passive Element Erde repräsentiert alles was mit Erde, Form und Wachstum zu tun hat. Die Erde steht für die Saat, das Wachstum, die Frucht, die Ernte, die Pflanzen, die Tiere, den Körper und die Materie. Sie steht für alles Feste und Beständige, aber auch für die langsame Umwandlung, denn alles was verfault und auf oder in der Erde liegt, zersetzt sich zu Erde und wird in etwas Neues umgewandelt.

Das Element Erde steht für alles Wachsende (Pflanzen und Tiere), für Gestein, Erze, Mineralien, Salze, Fossilien, fossile Brennstoffe und jede Art von Erde. Die Erde steht für Samen, Saat, Wachstum, Frucht und Ernte. Das kann man auch auf den Körper übertragen, für den ja das die Erde repräsentierende Pentakel mit seinem Pentagramm steht (wird bei den magischen Werkzeugen erklärt).

An Charaktereigenschaften steht das Element Erde für Zuverlässigkeit, Bodenständigkeit, sowohl Disziplin, Beschränkung auf das Notwendigste wie aber auch sinnlich-iridische Genüsse und alle irdischen Künste wie Malerei und Bildhauerei. Es steht für das Bewußtsein für den Körper, für Nahrung und Arbeit. Es kann auch für eine innere Erstarrung stehen.

Dem Element Erde besonders nahe ist man in Höhlen, Canyons, Wäldern, Tälern, Feldern, Gärten, Parks, Minen und Löchern.

elemwas 3. Das Wasser Das Element Wasser
Ohne das Wasser gibt es kein Leben, man würde austrocknen und verdursten und ohne Wasser als Träger für allerlei Stoffe gäbe es die meisten biochemischen Reaktionen nicht. Wasser ist wichtig für das Gedeihen, und dieses Element steht für alles, was feucht, kühl, fließend und formend ist. Das Wasser ist seit Anbeginn der Grundbaustoff des Lebens, welches im Meer entstand. Der Mensch beginnt sein Leben im Fruchtwasser. Über das Wasser sind alle Lebewesen miteinander verbunden. Alles Wasser ist in einem ständigen Kreislauf und wird durch die Erde gereinigt, durch das Feuer emporgehoben und kommt durch die Luft hernieder.

Wasser erschafft und kann aber auch zerstören. Es ist geschmeidig und sanft stark und gewaltig. Im Wasser liegt die Keimkraft aller Dinge, und es sorgt für Ernährung und Wachstum. Es ist weiblich, passiv, alles durchdringend, nährend und zerstörend, und es repräsentiert das Gefühl und das Unbewußte, Mut, aber auch Verzweiflung. Das Wasser schenkt dem Menschen belebenden Trank, Reinigung, Kühle und den Geschmackssinn.

An Charaktereigenschaften steht das Element Wasser für die Macht der Gefühle, der Sehnsucht nach Spiritualität, für die Tränen der Freude und der Trauer, für alle Wallungen der Körperflüssigkeiten, für die Phantasie und Kreativität, Einfühlungsvermögen, aber auch für die Macht der Illusionen, wenn die Sehnsüchte Dinge hoffen lassen, die einer Überprüfung des Verstandes nicht standhalten.

Wasser ist extrem flexibel, auf der einen Seite fließt der Bach um ein Hindernis herum, auf der anderen Seite schleift und poliert er das Hindernis solange, bis es verschwunden ist und er seinen natürlichen Lauf wieder einnehmen kann. Wasser reinigt alles, schwemmt alles weg, reißt alles mit. Es hat eine hohe gestalterische Kraft, es sucht sich seinen Weg durch die Landschaft, es schleift und formt alles, was auf seiner Bahn liegt. Es scheint Hindernisse zu umgehen, doch dadurch formt es das Hindernis um, bis es seinen natürlichen Lauf wiederhat.

Über das Wesen des Elements Wasser schrieb ein chinesischer Gelehrter im 11. Jahrhundert: „Von allen Elementen sollte der Weise sich das Wasser zum Lehrer wählen… Wasser erobert durch Nachgeben; es greift nie an, aber gewinnt immer die letzte Schlacht“.

Dem Element Wasser begegnet man an Seen, Quellen, Bächen, Flüssen, Stränden, Meeren, Dampfquellen oder Fontainen, aber auch bei Regen, Schnee oder Nebel.

elemluf 4. Die Luft Das Element Luft
Ohne Luft kann man nicht atmen und somit nicht leben. Sie umgibt einen ständig und überall. Sie ist unsichtbar und doch zu fühlen. Das Element Luft repräsentiert alles Leichte, Vergängliche, und Filigrane, aber auch die Klarheit. Sie steht für den Verstand und die Kommunikation, Wissen und Weisheit, eine Idee und auch Dogma, ist trennend und doch verbindend. Die Luft schenkt dem Menschen den Atem und den Geruchssinn.

Für das aktive, männliche Element Luft stehen die Wolken, der Wind und sein Pfeifen sowie alle Arten von Rauch und deren Quellen. Der aufsteigende Rauch einer Räucherung steht für das leichte, verspielte Element Luft. Er bildet immer wieder neue Formen und gleicht den Wolken am Himmel. Das Element Luft ist unsichtbar und flüchtig. Manchmal ist es still, manchmal ein sanftes Lüftchen, aber es kann als heftiger Sturm auch enorme Kräfte entwickeln und als Wirbelsturm ganze Ortschaften verwüsten.

Man kann den Kontakt zur Luft und ihren Kräften am besten an Orten finden an denen man die Eigenschaften des Luftelementes deutlich spüren kann. Das kann auf dem Gipfel eines baumlosen, windumspielten Hügels sein, auf einer Lichtung, auf der die Bäume nur licht wachsen, oder auf einer Wiese, die frei von jeglichen Hindernissen ist.

elemfeu 5. Das Feuer Das Element Feuer
Ohne Feuer wäre alles kalt und dunkel, und ohne sein Licht und seine Wärme wäre kein Leben möglich. Wer tief in eine Kerzenflamme blickt, wird sich bewußt, daß die Feuerenergie auch in ihm selbst ist, repräsentiert durch die eigene Antriebskraft, die Leidenschaft, den Willen, das Verlangen, die Intuition und auch durch die Körperwärme. Das Feuer schenkt dem Menschen seine Wärme, sein Licht und damit auch den Gesichtssinn.

Für das Feuer steht die Flamme, die Glut, der Blitz, die glühende Lava und die Sonne. Das Element Feuer repräsentiert alles, was scharf, heiß oder warm, brennend, trocken, leuchtend, strahlend, transformierend, inspirativ und auf eine ganz eigene Weise reinigend und erneuernd ist. Aus einer verbrannten Erde entsteht wieder neues Leben, mit seiner Hilfe wird geschmiedet. Es hat die Kraft zu zerstören, zu verändern und zu erschaffen. Tatsächlich gleicht auch nichts mehr einem lebenden Wesen als das Feuer. Es stirbt und nährt sich von selbst. Feuer hat eine starke Energie und verbrennt die Dinge.

Feuer ist Leben und Tod zugleich. Auf der einen Seite verzehrt es alles, doch andererseits sind es winzige Verbrennungsprozesse, die den Körper am Leben erhalten. Feuer steht für Energie, Kraft, Verbrennung, Hitze, Glut, Leidenschaft, aber auch für Vernichtung, Krieg und unkontrollierbare Kraft, denn ist es einmal entfacht, so ist es nur schwer im Zaum zu halten. Feuer ist ein aktives, männliches, schnellebiges, bewegliches Element.

An Fähigkeiten und Charaktereigenschaften steht das Element Feuer für Tatendrang, Machtdrang, Begeisterungsfähigkeit, Leidenschaft und für die Fähigkeit, für etwas innerlich zu brennen, verglühen oder auch vor Wut zu kochen.

Dem Element Feuer begegnet man am ehesten an Feuerstellen, Öfen, aber auch in Wüsten, an heißen Quellen und Vulkanen. Aber auch eine Kerze genügt oft schon, das Element Feuer zu symbolisieren.

Für die klassischen Magier ist es selbstverständlich, daß das Feuer ein Element ist. Bei den Kelten war das nicht so. Feuer war bei ihnen kein Element, sondern entstand durch die Transformation der drei anderen Elemente. Die Energie von Erde, Luft und Wasser manifestierte sich im Feuer und wurde darin umgewandelt. Ohne die drei Elemente wäre kein Feuer möglich und umgekehrt (drei Aggregatzustände fest, flüssig und gasförmig und dazu die transformatorische Kraft des Feuers, die den Wechsel zwischen diesen Aggregatzuständen erst ermöglicht).

Das war den Druiden genau bekannt, denn die Zahl Drei spielte im Denken der Kelten eine wichtige Rolle. Wenn ein fester Stoff brennt, wird er gasförmig, also wird Erde in Luft transformiert. Brennt ein gasförmiger Stoff, wird er entweder in einen anderen gasförmigen Soff umgewandelt, oder in eine Flüssigkeit, oder in einen festen Stoff. Brennt eine Flüssigkeit, wird sie ebenfalls gasförmig oder fest (Ruß).

Feuer bedeutet somit Transformation, und diese Bedeutung hat Feuer auch in der Magie beibehalten, obwohl es heute als eigenes Element angesehen wird. Bei Ritualen spielt das Feuer eine wichtige Rolle, denn es symbolisiert eine Transformation, und Ziel eines Rituals ist ja die Transformation der Realität.

elemgei 6. Der Geist Das Element Geist
Ohne den Geist, auch Äther, Akasha oder Quintessenz (Aristoteles nannte es „quinta essentia“, was auf Latein „fünfte Wesenheit“ bedeutet) genannt, wäre kein Leben möglich, denn der Geist ist die Essenz des Lebens selbst, der Lebensfunke, der in der eigentlich toten Materie der anderen Elemente das Lebendige ausmacht. Der Geist ist formlos, nichtmateriell und alles durchdringend. Der Geist schenkt dem Menschen alles Immaterielle, das ihn ausmacht, und den Gehörsinn.

Der Geist steht für Instinkt, Bewußtsein seiner selbst, Unterbewußtsein, Gefühle, Gedanken, Intuition, Wille, Wissen, Erkenntnis, Kreativität, Kunst, Musik und Klang. Das Element des Geistes ist die Energie, die alle anderen Energien verbindet. Erst durch ihn wird der Mensch zu einem lebendigen und vernunftbegabten Wesen (jedenfalls einige von ihnen). Der Geist ermöglicht auch erst den Zugang zur Magie.

Dieses Element ist männlich aktiv und weiblich passiv zugleich und auch wieder keins von alldem. Die Bezeichnung Äther meint nicht den chemischen Stoff sondern ein das Universum ausfüllendes, feinstoffliches Medium, eben der Geist (lateinisch „Spiritus“) und damit die Spiritualität. Das alchemistische Symbol des Elementes Geist ist das Hexagramm, die Quintessenz der Vereinigung von Feuer und Wasser, sozusagen als Summe der Dreieckssymbole. Der Geist ist das nichtmaterielle Gegenstück der Summe aller vier Elemente, die sich in ihrer Gesamtheit gegenseitig ins Nichtmaterielle aufheben. Alle vier materiellen Elemente bilden somit eine Einheit, die sich im Element Geist wiederspiegelt.

Dem Element Geist begegnet man an Orten großen Wissens, wie Universitäten oder Bibliotheken, dort wo Kunst zuhause ist und an Plätzen, die inspirierend wirken. Auch klärende Orte, wie Winter- oder Eislandschaften oder einfach mit frischer, sauberer Luft, lassen einen dieses Element fühlen.

Manchmal wird auch ein leerer Kreis oder das achtspeichige Rad als Symbol für den Geist benutzt, denn es symbolisiert auch die stille Mitte und kennt keinen Anfang und kein Ende.

7. Die Elemente im Pentagramm
mensch Die Symbolik des Pentagramms bezieht sich auf die fünf Elemente und erinnert gleichzeitig an die Form des menschlichen Körpers. Als Sinnbild für den Menschen selbst (Kopf, Arme und Beine jeweils in einem Ausläufer) spricht es sowohl den Gedanken der materiellen wie auch der immateriellen Kreativität an und lehrt, daß das letztere vor der ersteren zu geschehen hat, wenn etwas dabei herauskommen soll.

Darüber hinaus nennt es alle Dinge, die zur Erschaffung materieller Erscheinungsformen notwendig sind, nämlich die rationelle Kraft der Luft, die transformatorische Kraft Feuer, die Schöpferkraft des Wassers, die Tatkraft zur Materialisation der Erde und die bewußte Kraft des fünften Elements, dem Geist. Zugleich weist es aber auch auf das Gleichgewicht und den Gegensatz sowie das Zusammenwirken der fünf Elemente hin.

Jedem Ausläufer des Pentagramms ist ein Element zugeordnet. Da der Geist jedoch sprichwörtlich über die Materie gestellt wird, stellt sich die Frage, warum eben jenes fünfte Element ein äußerer Teil des Sterns ist und sich nicht in der Mitte befindet. Das liegt zum einen daran, daß „Geist über Materie“ ein sehr subjektiver Satz ist. In Wahrheit sind alle Elemente gleichwertig, denn nichts geht, wenn eines fehlt, dann ist auch kein Leben möglich.

Zum anderen entstammt das Pentagramm der mittelalterlichen europäischen Kultur, die mitnichten das Universum, sondern sich selbst als im Zentrum aller Dinge stehend zu sehen pflegte, und der Mensch – das Ich – ist das Zentrum und die Summe der fünf Elemente, aus denen er besteht. Auch ein Magier hat ein solches egozentrisches Weltbild, mit sich selbst im Zentrum seines individuellen Erfahrungsraumes.

Für die Anordnung der Elemente im Pentagramm gibt es verschiedene Auffassungen. Diejenige, der ich folge, ist folgendermaßen festgelegt und begründet. Zunächst einmal stellt man sich den Menschen im Pentagramm wie das eigene Spiegelbild oder den eigenen Schatten vor, wenn man vor seinem unteren Ende steht. Schließlich soll es den Magier ja selbst wiedergeben. Im Gegensatz zur berühmten Zeichnung des Menschen im Pentagramm, reflektiert es dadurch aber das Hinein, nicht das Hinaus. Der Mensch würde also bäuchlings auf einem Ritualpentagramm liegen, nicht auf dem Rücken wie bei der Zeichnung. Somit entspricht der rechte obere Zacken auch dem rechten Arm des Magiers und nicht dem linken.

Das Element Geist wird dem Kopf des Menschen zugeordnet und kommt an die Spitze. Es ist wichtig, aber nicht wichtiger oder höher gestellt als die anderen Elemente, auch wenn der Mensch es subjektiv so empfinden mag. Man unterteilt die Elemente ja in aktive und passive, wobei der Geist beides ist, denn er ist aktiv wenn man wach ist und passiv (aber nicht weniger eifrig) wenn man schläft. Die Anordnung der Elemente im Pentagramm
Nun liegt es nahe, die aktiven Elemente den Händen (Armen) zuzuordnen. Das Feuer entspringt dem Herzen und befindet sich daher links oben. Die Kraft der Luft ist die rechte Hand, die den der Luft zugeordneten Ritualdolch führt (Linkshänder haben trotzdem rechts die Luft) und dort befindet sich auch der größere der beiden Lungenflügel zum Atmen. Deshalb ist die Luft rechts oben anzusiedeln.

Die passiven Elemente sind materiell schwer und gehören auch aus anderen Gründen nach unten. Die Erde ist links unten, das Bein (meist das Sprungbein), das am meisten mit der Erde verbunden ist und den Magier „erdet“. Außerdem muß die Erde als gegenteiliges Element der Luft dieser gegenüber (genau gegenüber ist in einem Pentagramm ja nicht möglich) liegen und nicht nebenan. Bleibt für das Wasser noch der Platz rechts unten, dem Feuer als dessen opponierendes Element gegenüberliegend.

All diese Interaktionen bündeln ihre Energie und machen so die Einzigartigkeit des Pentagramms wie auch des Menschen aus. Die Linienführung des Pentagramms weist auf die Unendlichkeit hin, gleich des Zyklus von Tod und Wiedergeburt allen Seins. Dies drückt auch der Umschließende Kreis aus, der ein weiterer Ergänzungspart des Pentagramms ist. Alles zusammen stellt ein universelles Symbol dar.

Sowie der Kreis unendlich und neutral ist, trägt das Pentagramm immer eine nach oben (Stern) und eine nach unten (Fünfeck) weisende Spitze in sich. Der Schwerpunkt liegt zwar immer dort, wo die Sternspitze hinzeigt, aber durch das umgekehrte Fünfeck im inneren entsteht ein Zweig der Ausgleichung.

Eine nach oben weisende Spitze verstärkt den positiven Aspekt, nach unten betont sie den negativen Aspekt. Wegen all dem weist ein nach oben gestelltes Pentagramm einen enormen Schutzwert auf, vielleicht den Höchsten aller Symbole, denn das Pentagramm ist in jedem Menschen vorhanden und stellt dessen Essenz dar.

8. Die Himmelsrichtungen der Elemente
Den vier materiellen Elementen werden nach klassischer Tradition (sehr häufig in der zeremoniellen Magie und bei den Hexen so anzutreffen) die folgenden Himmelsrichtungen zugeordnet, nach denen man ihre Symbole oder Anrufungsrichtungen auch im Ritual anordnen kann:

Himmelsrichtungen der Elemente nach häufiger Tradition
Himmelsrichtungen der Elemente nach häufiger Tradition

Als Begründung für diese Aufteilung nimmt man den Sonnenlauf, beziehungsweise die Jahreszeiten. Der Morgen steht für die Luft, die Sonne geht im Osten auf, die Jahreszeit entspricht dem Frühling. Mittags ist die heißeste Zeit, die Sonne steht im Süden, der Sommer ist die wärmste Jahreszeit, Synonym für das Feuer. Der Abend oder Herbst ist das Wasser, die Sonne geht im Westen unter. Die kalte, dunkle Nacht und der Winter werden der Erde zugeschrieben.
Ich selbst folge dieser Tradition nicht, da ich sie zwar für romantisch und mythisch nachvollziehbar, aber auch für unlogisch halte. In jeder schematischen Darstellung der Elemente liegen die gegensätzlichen Elemente Feuer und Wasser sowie Erde und Luft einander gegenüber, beim klassischen Himmelsrichtungsmodell tun sie das aber nicht, sondern liegen nebeneinander, was in meinen Augen zu disharmonischen Konflikten der Gegensätze an den „Schnittstellen“ führt, wo sich die miteinander „verfeindeten“ Elemente gegenseitig bekämpfen. Damit wenden sie mehr Kraft gegeneinander auf, als sie für das Ritual freisetzen könnten, würde jeweils ein „befreundetes“ Element als „Puffer“ dazwischenliegen.

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Himmelsrichtungen der Elemente nach meiner Auffassung

Ich ordne die Elemente daher etwas anders an, Wasser und Erde tauschen die Plätze, und ich erkläre ihre Lage nicht nach Tages- oder Jahreszeit, sondern geographisch aus der Sicht Deutschlands. Im Süden, wo es warm ist, macht für mich das Feuer Sinn, dem gegenüber muß dann im Norden das Wasser liegen, wo sich ja auch tatsächlich das nächstgelegene große Wasser befindet, die Nord- und Ostsee. Auch die Luft im Osten anzusetzen, macht für mich Sinn, da auch der Wind zumeist aus dem Osten kommt. Bleibt für die Erde der gegenüberliegende Westen, wo ja auch tatsächlich bis zum Atlantik eine Menge Land (Frankreich und die iberische Halbinsel) kommt.
Natürlich kann man die Elemente auch noch ganz anders anordnen, denn wie so oft in der Magie gibt es hier keine festen Vorgaben. Was sich für den Magier als für ihn mythisch richtig und wahr anfühlt, das ist es auch, denn letztlich sind die Elemente ja nur eines von vielen Symbolen, welche das Unbewußte zur magischen Arbeit anregen sollen. Indem man sich die Kraft der Elemente mythisch erschließt, öffnet man sich in Wahrheit ja für die eigenen Kräfte aus dem Inneren.

9. Die Arbeit mit den Elementen
In der zeremoniellen Magie bedient man sich häufig der Kräfte und Energien der einzelnen Elemente. Jedes Element für sich hat eine eigene, ganz spezifische Prägung und wird aus diesem Grunde auch für ganz genau festgelegte Ziele verwendet. Das Spüren, Erfühlen und Unterscheiden der einzelnen Energien sollte einer der frühen Lernschritte auf dem Weg zum Magier sein. Der Intuitivmagier macht sich deren Energie und Kraft zunutze.

Natürlich sollte klar sein, daß es sich bei den Elementen auch wieder lediglich um Hilfen zur Imagination, Visualisierung und Fokussierung handelt und nicht wirklich um lebendige Kräfte oder gar Wesen. Aber die Elemente erzeugen eben ganz bestimmte Assoziationen im menschlichen Unterbewußtsein und können dort auch besondere, unterschiedliche Kräfte hervorrufen, und das macht die Vorstellung von Elementen für den Magier so wertvoll.

Elementare (Manifestierungen von Elementen) und Elementale (Elementargeister) sind selbstverständlich nicht wirklich real existente Elementarwesen, sondern bestehen nur aus Vorstellungskraft, der psychischen Energie des Magiers.

Ein Elemental ist per definitionem eine aus den eigenen psychischen Energien erschaffene Wesenheit, die auch nur für den Magier in seiner Vorstellung existent ist. Mit Hilfe der Elemente geschaffene Manifestationen aus deren Energie können so bezeichnet werden.

Manchmal auch als Elementargeister bezeichnet, nennt man die Elementale der Erde Gnomen, die des Wassers Undinen oder Nymphen, die der Luft Sylphen und die des Feuers Salamander. Es gibt keine eigenen Elementale des fünften Elementes Geist, weil dieses ja eine Kombination aller Elemente darstellt. Elementale werden traditionell als männlich oder weiblich eingestuft, haben aber keine Seele. Im Gegensatz zu den immateriellen Elementalen sind Elementare materielle Manifestationen, eben wie belebte Erde, Luft, Wasser oder Feuer. Wasserelementar
Allerdings können sich auch schädliche Einflüsse zu einer Art Elemental manifestieren, so zum Beispiel Inkubi und Sukkubi aus psychosexueller Energie oder Dämonen aus negativer oder pathologischer psychischer Energie. Vor solch unliebsamen „Wesenheiten“ schützt man sich mit verschiedenen Hilfsmitteln, wie zum Beispiel mit dem Schutzkreis, welcher der Psyche Sicherheit visualisiert.

Streng genommen sind solche „Wesen“ nur als Symbole in der psychischen Welt existent und nicht real – das kann nicht oft genug betont werden. Sie werden vom Bewußtsein (ein-)gebildet und sind insofern natürlich auch sterblich, denn sie verschwinden, wenn das Unterbewußtsein nicht mehr an sie denkt und glaubt – was aber bei psychischer Labilität manchmal gar nicht so einfach zu realisieren ist.

„Wer sie nicht kennte,
die Elemente,
ihre Kraft
und Eigenschaft,
wäre kein Meister
über die Geister.“
(Aus „Faust“, Johann Wolfgang von Goethe)

altar

Die magischen Werkzeuge

· 1. Allgemeines
· 1.1. Was sind magische Werkzeuge?
· 1.2. Welche Werkzeuge braucht man?
· 1.3. Wie bekommt man all diese Dinge?
· 1.4. Wie funktionieren magische Werkzeuge?
· 1.5. Die richtigen Ritualgegenstände
· 1.6. Das richtige Verhältnis zu seinen Werkzeugen
· 1.7. Umgang und Aufbewahrung
· 1.8. Magische Werkzeuge nur für magische Zwecke?
· 1.9. Sicherheitsüberlegungen

· 2. Die Werkzeuge der Elemente
· 2.1. Die Werkzeuge der Erde
· 2.1.1. Das Pentakel (kleines Werkzeug)
· 2.1.2. Die Schale (großes Werkzeug)
· 2.1.3. Die Erdschale (zusätzliches Werkzeug)
· 2.1.4. Der Schild (zusätzliches Werkzeug)
· 2.1.5. Die Weihe der Erde
· 2.2. Die Werkzeuge der Luft
· 2.2.1. Der Ritualdolch (kleines Werkzeug)
· 2.2.2. Das Ritualmesser (kleines Werkzeug)
· 2.2.3. Das Schwert (großes Werkzeug)
· 2.2.4. Die Räucherschale (zusätzliches Werkzeug)
· 2.2.5. Die Weihe der Luft
· 2.3. Die Werkzeuge des Wassers
· 2.3.1. Der Kelch (kleines Werkzeug)
· 2.3.2. Der Kessel (großes Werkzeug)
· 2.3.3. Die Wasserschale (großes Werkzeug)
· 2.3.4. Der Besen (zusätzliches Werkzeug)
· 2.3.5. Die Weihe des Wassers
· 2.4. Die Werkzeuge des Feuers
· 2.4.1. Der Zauberstab (kleines Werkzeug)
· 2.4.2. Der Stecken (großes Werkzeug)
· 2.4.3. Der Speer (großes Werkzeug)
· 2.4.4. Die Feuerschale (zusätzliches Werkzeug)
· 2.4.5. Die Weihe des Feuers
· 2.5. Die Werkzeuge des Geistes
· 2.5.1. Die Glocke (kleines Werkzeug)
· 2.5.2. Die Kristallkugel (kleines Werkzeug)
· 2.5.3. Der Magierspiegel (kleines Werkzeug)
· 2.5.4. Die Feuerschale (großes Werkzeug)
· 2.5.5. Die Geistschale (großes Werkzeug)
· 2.5.6. Die Weihe des Geistes
· 2.6. Das Ätzen von Werkzeugen
· 2.7. Die Entladung oder Zerstörung eines Werkzeugs · 3. Die Symbole
· 3.1. Der Kreis
· 3.2. Das Pentagramm
· 3.2.1. Die Geschichte des Pentagramms
· 3.2.2. Die Bedeutung des Pentagramms
· 3.2.3. Richtigstellung für das Pentagramm
· 3.3. Das Hexagramm
· 3.4. Das Dreieck
· 3.5. Das persönliche Schutzsymbol
· 3.6. Symbole interpretieren oder erschaffen
· 3.7. Die Arbeit mit Symbolen

· 4. Farben, Licht und Feuer
· 4.1. Die Farben
· 4.2. Das Licht
· 4.3. Das Feuer
· 4.4. Das Flammenfärben
· 4.5. Die Kerzen
· 4.5.1. Zweck und Verwendung
· 4.5.2. Die Art der Kerzen
· 4.5.3. Das Reinigen einer Kerze
· 4.5.4. Das Salben einer Kerze
· 4.5.5. Der Kerzenhalter
· 4.5.6. Grablichte zu Ahnenritualen
· 4.5.7. Kerzenfarben
· 4.5.8. Das Löschen der Kerzen
· 4.5.9. Kerzen selbst herstellen

· 5. Der Altar

· 6. Rituelle Kleidung

· 7. Sonstige Gegenstände
· 7.1. Symbolische Gegenstände
· 7.2. Gebrauchsgegenstände
· 7.3. Das magische Tagebuch

· 8. Verbrauchsmaterialien
· 8.1. Kräuter
· 8.2. Duftstoffe
· 8.2.1. Räucherwerk
· 8.2.2. Ätherische Öle
· 8.3. Opfergaben

· 9. Divinatorische Werkzeuge
· 9.1. Das Pendel
· 9.2. Die Kristallkugel
· 9.3. Der magische Spiegel

1. Allgemeines

1.1. Was sind magische Werkzeuge?
Ritualgegenstände oder magische Werkzeuge (Paraphernalien) sind Hilfsmittel, die bei magischen Zeremonien und Ritualen verwendet werden können. Sie dienen dazu, als Analogien für bestimmte Kräfte die Sinne des Magiers anzuregen, beziehungsweise seinen Willen und sein Tun symbolisch zu unterstreichen. Mit ihrer Hilfe sammelt der Magier Kraft, lenkt oder verwandelt diese, schützt sich, symbolisiert und visualisiert bestimmte Dinge, damit er sich besser konzentrieren kann und auch über die Symbolsprache seinem eigenen Unterbewußtsein seine Absicht vermitteln kann. Somit wird der Erfolg des Rituals leichter erreicht.

In der Ritualmagie bedient man sich unzähliger Hilfsmittel und Werkzeuge, die alle ein Ziel verfolgen, nämlich die Bündelung der Aufmerksamkeit und der Kraft des Magiers, durch die er wirken kann. Um diese Gegenstände haben sich schon im Altertum bestimmte Bräuche entwickelt, und viele sind als Tradition in der Magie noch heute erhalten geblieben. Diese Traditionen sollen als Anregungen dafür dienen, was man benutzen kann und wie, aber letztlich muß jeder für sich entscheiden ob er etwas davon für sich übernehmen möchte.

1.2. Welche Werkzeuge braucht man?
Um ein Ritual durchzuführen, braucht man im Grunde keine besonderen Gegenstände, bis natürlich auf diejenigen, die schon aus rein praktischen Gründen nötig sind. Die weiter unten aufgeführten Gegenstände sind deshalb auch nur Anregungen und kein Muß. Wirklich erforderlich sind sie für die magische Arbeit nicht, denn sie sind nur eine Garnitur, die das Ritual stimmungsvoller machen, und sie erleichtern die Arbeit durch ihren Symbolismus.

Man kommt auch ohne magische Werkzeuge aus, beziehungsweise benötigt nicht alle. Ein wirkliches Brauchen im Sinne von „ohne geht es nicht“ gibt es nicht. Ein geübter Magier kann auch völlig ohne Hilfsmittel nur mit seinem Geist Magie wirken. Werkzeuge können die magische Arbeit aber eben sehr erleichtern, und auch gerade dem Anfänger sind durch zumindest einige Werkzeuge erleichterte Techniken zu empfehlen. Auch hier entscheidet wieder allein das Gefühl des Magiers darüber, was er benutzen möchte und wofür und was nicht.

Es ist immer wieder wichtig zu betonen, daß es hinsichtlich Werkzeugen, Symbolen und Ritualen keine Vorgaben geben darf. All diese Dinge stellen lediglich ein Gerüst dar, das der Magier selber zum Leben erwecken muß, denn es ist sein individueller Weg, um sich der Magie und ihren Kräften nähern und von ihnen zu lernen.

Man sollte sich immer vor Augen halten, daß der stetige Gebrauch von Werkzeugen auch eine Gefahr in sich birgt. Erleichtern sie dem Anfänger den Einstieg in die Magie und sind sie hilfreiches Beiwerk für den Fortgeschrittenen, so können sie später aber auch zu Blockaden führen, welche eigentlich völlig unnötig sind, aber die Weiterentwicklung des Magiers hemmen. Gewöhnt man sich zu sehr an Werkzeuge und legt innerlich genaue Regeln für ihren Gebrauch fest, so fällt es später schwer, ohne Werkzeuge auszukommen oder sich von diesen Regeln wieder zu lösen, wenn man darüber hinaus möchte. Je mehr man etwas „verinnerlicht“, desto schwerer ist das Unterbewußtsein später wieder davon abzubringen.

Man sollte sich also stets bewußt machen, daß magische Werkzeuge eben nur Hilfsmittel und Symbole sind, die man nicht unbedingt braucht, und auf die man des öfteren auch bewußt verzichten sollte, damit man „verinnerlicht“, daß es eben auch ohne geht. Später wird man nämlich fast gänzlich auf sie verzichten, weil man seine Kräfte auch so zu beherrschen gelernt hat, und sie nur zu „besonderen Gelegenheiten“ hervorholen. Wenn der Schritt dorthin nicht gelingt, bleibt man in seiner magischen Entwicklung stehen und kommt nicht oder nur schwerlich weiter.

Frühere Magier entwickelten eigene Sprüche, Gebete, Zeichen und Symbole zu den verschiedenen Naturkräften, um diese dadurch zu kontaktieren und zu beherrschen. Viele davon wurden von späteren Magiern übernommen, weiterentwickelt, verändert oder verfälscht, so daß heute eine verwirrende Vielfalt verschiedenster Symbole und Rituale existiert, und jeder ihrer Vertreter behauptet, seine seien die einzig richtigen. Das ist alles Quatsch! Die Magie ist ein individueller Erfahrungsweg, auf dem jeder seine eigenen Bilder und Formeln entwickeln muß. Gleiches gilt für die Werkzeuge, die ja ebenfalls nur Symbole sind.

Seit der Antike sind bestimmte symbolische Gegenstände bei Ritualen in Gebrauch, und aus ihrer rituellen Benutzug hat sich eine Tradition entwickelt. Ob man dieser Tradition folgt, weil man Verbundenheit mit seinen Ahnen ausdrücken möchte oder diese Gegenstände eben traditionell gebräuchlich sind oder weil ihre Symbolik einfach nur gut auf die Psyche wirkt, und diese Gegenstände vollständig oder teilweise benutzt oder auch nur als schmückende Ausstattung beifügt oder sie wegläßt, sei ganz dem persönlichen Geschmack des Magiers vorbehalten.

Falls man im Verlauf des Rituals mit den Elementen arbeiten und ihre Kräfte „anrufen“ möchte, so scheint es sinnvoll, für jedes einen entsprechenden (symbolischen) Ritualgegenstand zu wählen, in welchem sich die jeweilige Elementarkraft „manifestieren“ kann. Man kann aber auch ein Sammelsurium verschiedener Dinge oder auch gar keinen Gegenstand benutzen, ganz wie man möchte.

Was in der zeremoniellen Magie mit streng vorgeschriebenen Ritualen eigentlich als Pflicht angesehen wird, ist in der individuellen Magie nicht unbedingt erforderlich. Jeder sollte für sich selbst entscheiden ob er magisches Werkzeug verwenden möchte und auch welches. Es muß auch nicht unbedingt das traditionell vorgeschriebene Werkzeug sein. Wer zum Beispiel keinen Dolch besitzt oder verwenden möchte, kann das Element Luft auch ebensogut durch eine hübsche Feder oder ähnliches versinnbildlichen. Es kommt einzig und allein auf die Verbundenheit des Magiers zu seinem Werkzeug an und nicht auf die Beschaffenheit des Werkzeugs.

Die Esoterikwelle hat es mit sich gebracht, daß viele Menschen sich teilweise unnützen „magischen“ Krempel besorgen und sammeln. Das mag in einer gewissen Sammlerleidenschaft begründet liegen oder auch in einer gewissen Unzufriedenheit mit sich selbst und/oder der Umwelt. Zu Kompensationszwecken wird dann der eine oder andere „magische Gegenstand“ besorgt, welcher dann hilft oder aber auch nicht. Aber nicht der Gegenstand selbst ist wichtig, sondern die Art und Tiefe der Affinität zu ihm und was man damit tut, sonst nutzt er gar nichts.

In der zeremoniellen und individuellen Magie sind alle Dinge, welche der Magier für seine Arbeit benutzt, heilig beziehungsweise magisch geweiht (konsekriert). Diese Werkzeuge machen die magische Arbeit einfacher, als wenn man alles seiner Imaginationsfähigkeit anvertrauen muß. Es macht zwar mehr Sinn, sich selbst zu entwickeln und möglichst mit leeren Händen zu arbeiten, aber das beste Symbol für einen Dolch ist nun mal ein Dolch.

Es gilt also, einen goldenen Mittelweg zu finden, zwischen gar keinen Werkzeugen und übertriebener Sammlerwut und Paraphernalienfetischismus. Magische Werkzeuge machen zwar das Leben leichter, aber nur noch mit Gegenständen zu arbeiten läßt die eigenen Fähigkeiten verkümmern und bewirkt eine schleichende Abhängigkeit, die eigentlich nicht notwendig wäre. Wichtig ist, die Gegenstände als reine dienende Hilfsmittel zu sehen und nicht sich selbst als Diener dieser Gegenstände.

1.3. Wie bekommt man all diese Dinge?
Zu den ersten Aufgaben des Magiers gehört es, in den Besitz dieser Werkzeuge zu gelangen, indem er sich diese anfertigt oder sie auf den Wegen des „Zu-Falls“ von selbst zu ihm kommen. Magische Werkzeuge können also selbst hergestellt, gekauft, in Auftrag gegeben, geschenkt oder gefunden werden.

Im Idealfall sollte sich der Magier alle Ritualgegenstände selbst anfertigen, denn dadurch bekommt er zu ihnen eine starke persönliche Bindung, doch ist das nicht immer ohne weiteres durchführbar (zum Beispiel das Schmieden eines Dolches oder gar eines Schwertes). Deshalb wird oft mit fertigen oder halbfertigen Produkten gearbeitet. Häufig werden dese dann aber vom Magier selbst noch verziert, was die Bindung intensiviert.

Unter Hexen gibt es die Tradition, daß man beim Kauf eines solchen Werkzeugs nie um den Preis feilschen darf, sondern den ausgewiesenen Preis als Opfer für den Gegenstand oder für die Götter, sofern man welche verehrt, und dafür daß der Gegenstand zu einem gefunden hat, akzeptieren muß. Dem kann man folgen oder es (wie ich) als Erfindung überteuerter Esoterikläden abtun und ignorieren, das ist eine Sache der persönlichen Überzeugung. Ich finde jedoch, daß wenn die Lebensumstände einen eher behutsamen und wohlüberlegten Umgang mit Geld verlangen, sollte die Tradition dem gesundem Menschenverstand weichen.

1.4. Wie funktionieren magische Werkzeuge?
Es ist darauf hinzuweisen, daß sämtliche rituellen Gegenstände lediglich als Werkzeuge und Symbole dienen. Es sind keine von sich aus „magischen“ Gegenstände, die wirklich notwendig für die Durchführung eines Rituals sind.

Sie werden erst durch den Willen des Magiers „magisch“ oder „heilig“ und unterstützen ihn durch ihren Symbolcharakter bei seiner Arbeit, nicht mehr. Trotzdem können sie sehr wichtig sein, um Energien zu lenken oder um in ihrer symbolischen Funktion auf den Magier oder den Empfänger des Zaubers zu wirken, denn sie helfen psychologisch bei der Bewußtseinsveränderung. Magische Werkzeuge und Symbole erfüllen ihre Funktion deshalb nur für denjenigen, der bereits im voraus imstande ist, sich aus eigener Kraft in einen anderen Bewußtseinszustand zu begeben.

Magische Werkzeuge stellen Analogien dar. Das bedeutet, daß ihre Verwendung im Ritual bestimmte, ihnen zugeordnete Kräfte aus dem Unterbewußtsein auf den Plan ruft. Außerdem sind sie gerade für den Anfänger sehr hilfreich, um Kontakt zu den Elementarkräften herzustellen. Auch kann er mit ihrer Hilfe lernen, mit den ihnen entsprechenden Energien umzugehen. Letztlich dienen sie alle nur zur Anregung der eigenen Psyche.

Das Geheimnis von magischen Werkzeugen ist, daß man sie bewußt und mit voller Absicht verwendet, und daß man sozusagen ein entschiedenes Signal gibt, wenn man ein Werkzeug einsetzt. Es einfach nur zum Vollmond hochzuhalten und mystische Texte zu murmeln genügt nicht, weil nicht die Handlung eine Veränderung bewirkt, sondern die innere Einstellung dazu. Es kommt darauf an, an wen dieses Signal gerichtet ist. Dies hängt von der persönlichen Sicht der Dinge ab. Für den einen geht die Botschaft direkt zu den Göttern, für den anderen vielleicht eher in Richtung Unterbewußtsein – es ist gleich, solange es funktioniert.

Magische Werkzeuge werden vom Magier vor einem Ritual rituell gereinigt (Purifikation) und ihrem Zweck oder einer bestimmten Energieform geweiht (Konsekration) oder gesegnet (wenn es bereits geweiht ist). Diese Weihe genannte Widmung erzeugt im Unterbewußtsein des Magiers die Überzeugung, daß das Werkzeug für seine Aufgabe „bereit“ ist, und das löst wiederum Blockaden des Magiers und erleichtert ihm den Umgang mit den entsprechenden Kräften.

Bei jedem Mal, in dem Energie durch das Werkzeug fließt beziehungsweise von diesem gelenkt wird, verbleibt ein geringer Teil der Energie in ihm. So lädt es sich im Laufe der Zeit immer mehr mit Energie auf (das ist symbolisch gemeint, denn eigentlich wird bloß die Affinität des Magiers zu seinem Werkzeug immer mehr gesteigert, aber die Energiemetapher ist anschaulicher für das Unterbewußte) und wird somit immer wirksamer, oder besser gesagt, sein Besitzer kann einen immer größeren Nutzen aus ihm zu ziehen, denn der Gegenstand alleine vermag zunächst einmal gar nichts.

Viele Magier verzichten im Verlauf ihrer Karriere auf das eine oder andere Werkzeug, weil sie die Energien zwischenzeitlich aus eigener Kraft rufen und ohne Vermittler durch ihren Körper leiten können, doch für den Anfänger ist die Arbeit mit den Werkzeugen hilfreich, um deren Natur und die Natur dessen, was sie verkörpern, verstehen zu lernen.

1.5. Die richtigen Ritualgegenstände
Es ist vollkommen unterschiedlich, mit welchen rituellen Gegenständen in verschiedenen Traditionen gearbeitet wird. Die meisten Magier besitzen den einen oder anderen Gegenstand, der für sie einen „magischen“ Wert hat.

Die Auswahl des ritualspezifischen Zubehörs richtet sich nach den persönlichen Vorlieben und Assoziationen des Magiers. Der Magier sollte stets nur mit Ritualgegenständen arbeiten, die ihm gefallen und in deren Gegenwart er sich wohlfühlt. Deshalb muß er andere Gegenstände, die sich zwar in seinem Besitz befinden, ihn aber momentan nicht ansprechen, nicht gleich fortwerfen. Sie können Aufgaben symbolisieren, die zu einem späteren Zeitpunkt seines Lebens aktuell werden, und dann wird er sie vielleicht mit ganz neuen Augen sehen.

Wichtig ist nur, daß er Freude an jenen Gegenständen hat, mit denen er jetzt gerade arbeitet, daß sein Kelch ihn mit Stolz erfüllt, wenn er ihn emporhebt und daß er seinen Dolch schön findet, wenn die Klinge im Kerzenlicht schimmert. Denn diese Gegenstände sind für den Magier nicht nur magisch, sie sind heilig zugleich. Diese Dinge sollten immer etwas ganz Besonderes im Leben des Magiers sein.

Was auch immer der Magier im einzelnen mit seinen Werkzeugen im Ritual anstellt, sei seiner Kreativität und Intuition überlassen, aber er darf niemals vergessen, daß diese Gegenstände von dem Augenblick an, in dem er sie dem Alltag enthebt und durch die Weihe zu rituellen Gegenständen macht, wahrhaftig heilig sind. Der Magier sollte sie lieben – und auf diese Weise durch sie das, was sie repräsentieren. Der Sinn dessen ist ebenfalls wieder die Steigerung der Affinität, damit das Unterbewußtsein ohne Störung über den Gegenstand als Symbol wirken kann.

1.6. Das richtige Verhältnis zu seinen Werkzeugen
Der Begriff „Werkzeug“ deutet bereits das Verhältnis an, welches zwischen dem magisch Arbeitenden und seinen Hilfsmitteln bestehen sollte. Der Magier beherrscht, lenkt und führt das Werkzeug und nicht umgekehrt. Das klingt zwar zunächst selbstverständlich, erhält aber spätestens dann einen tieferen Sinn, wenn man sich vergegenwärtigt, welche Kräfte von diesen Hilfsmitteln repräsentiert werden. Und da gibt es Menschen, die ihren Verstand nicht benutzen, sondern sich von ihm tyrannisieren lassen.

Es ist manchmal sehr amüsant, welch ein Aufhebens unter Magiern um die magischen Werkzeuge gemacht wird, die oftmals zu den reinsten Statussymbolen zu verkommen scheinen. Hinter der Debatte, wer den raffiniertesten Dolch und den am feinsten ziselierten Kelch besitzt, tritt die Frage nach der Bedeutung dieser Gegenstände nun doch etwas in den Hintergrund. Dies ist jedoch sehr kleingeistig und eines wahren Magiers nicht würdig.

Es ist nicht nur von Bedeutung, zu wissen, was man mit einem bestimmten magischen Werkzeug innerhalb eines Rituals tut, sondern auch, was es bewirkt, warum es gerade für dieses und kein anderes Element steht und welche Analogien man in dem Moment heraufbeschwört, in dem man es in die Hand nimmt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein sehr einfach oder sehr edel gearbeitetes Werkzeug handelt. Allein das Maß der Affinität seines Besitzers zu diesem Gegenstand ist auch das Maß seiner Macht, denn seine wahre Macht erhält der Gegenstand ja nur aus dem Inneren seines Besitzers.

Es ist deshalb nicht nötig, sich mit aufwendigen und teuren Requisiten einzudecken. Natürlich erfreut man sich an einem schön und edel gearbeiteten Gegenstand, aber das ist persönlicher Geschmack und kein Maß für die Wirksamkeit. Materie soll zwar erfreuen, aber letztlich kommt nur darauf an, was man an Energie hineinlegt.

Ferner ist es unsinnig, zwischen Preis und Wert für die Magie einen Zusammenhang zu sehen. Wenn zum Beispiel Kerzen aus duftendem, natürlichem Bienenwachs nach eigenem Ermessen zu teuer sind, dann nimmt man eben Teelichte, denn die tun es genauso gut, weil es nur auf das Feuer ankommt, nicht unbedingt auf die Kerze selbst. Jeder muß selbst entscheiden, auf was er dabei Wert legt und wieviel Luxus er sich gönnen möchte.

Jedem erfahrenen Magier ist klar, daß alle magischen Gegenstände nur Hilfsmittel sind, welche die Imagination unterstützen und ohne die zu arbeiten eigentlich vorzuziehen wäre. Doch das ist nicht so leicht, denn nur der Fortgeschrittene beherrscht die „Techniken der leeren Hand“ wirklich. Und selbst dieser wird sein magisches Zubehör pflegen, in Ordnung halten und erweitern, obwohl er seiner eigentlich nicht mehr bedarf, um sich stets an seine eigene Fehlbarkeit zu erinnern, um sich schwierige Operationen zu erleichtern und um sicherzugehen, daß wenigstens die materiellen magischen „Batterien“ noch vorhanden sind, sollte er einmal mental aus irgendeinem Grund versagen und seine Kraft verlieren.

Man sollte nicht vergessen, daß magisch geladene Werkzeuge, Talismane und Amulette Teile des Magiers selbst sind. Man behandelt sie entsprechend, als wären sie zugleich Teile des eigenen Körpers (magisch gesehen sind sie auch tatsächlich Teil des Energiekörpers), und trägt dafür Sorge, daß man selbst die Gewalt über sie behält.

1.7. Umgang und Aufbewahrung
Bezüglich der Handhabung magischer Werkzeuge trifft man auf unterschiedliche Anschauungen. Weit verbreitet ist der Brauch, sie außerhalb des Rituals an einem altarähnlichen Platz irgendwo zu Hause möglichst dekorativ anzuordnen. Dadurch verbreiten sie ihre Eigenschaften und Energien dann ständig und erinnern einen daran, daß man auch dann ein Magier ist, wenn man gerade kein Ritual vollzieht.

Allerdings verkommen sie auf diese Weise leicht zu Statussymbolen. Außerdem muß man ja nicht jedem Besucher durch diese Ausstellung gleich auf die Nase binden, daß man Magier ist. Wenn man eine starke Bindung zu seinen Werkzeugen hat, nehmen sie es auch nicht übel, einfach nur in einer Schublade oder Kiste aufbewahrt zu werden. Deshalb verzichte ich persönlich auf solch einen Schau-Altar.

Allerdings ist es allgemein üblich, magische Werkzeuge mit großer Sorgfalt zu behandeln, und im Zuge dessen lassen viele Magier niemand anderen ohne ausdrückliche Erlaubnis an sie heran. Der schnellste Weg, nie wieder von einem Magier eingeladen zu werden, besteht darin, unmittelbar nach dem Betreten seiner Wohnung auf seinen Altar zuzustürmen, den Kelch zu grabschen und ihn ausgiebig zu bewundern.

Der wahre Magier wird lediglich mit maximal bedeutungsvollem Lächeln kurz auf die Altaranordnung eines Kollegen blicken und dann sofort ein von der Magie möglichst weit entferntes Thema anschneiden. Dann weiß jeder sofort, daß ein magisches Werkzeug für einen dasselbe ist wie die eigene Zahnbürste, genauso intim – und genauso vertraut und normal.

1.8. Magische Werkzeuge nur für magische Zwecke?
Es gibt zwei unterschiedliche Auffassungen zu dieser Frage. Die eine schreibt vor, daß für magische Zwecke verwendete Werkzeuge ausschließlich zu diesem Zweck benutzt, ja nicht einmal von einem anderen Menschen angefaßt werden dürfen, da sie sonst durch Fremdenergien verunreinigt oder entweiht würden und nicht mehr funktionieren. Manche Magier sind sogar der Meinung, daß kein anderer ihren Altar berühren sollte, da er ihre Persönlichkeit und ihr Unterbewußtsein symbolisiert.

Die andere Auffassung geht ganz pragmatisch davon aus, daß Gegenstände, die auch für andere Zwecke benutzt werden können, diesen ruhig dienlich sein dürfen, denn dazu sind sie schließlich gemacht worden. Zur magischen Arbeit sollten ohnehin alle Werkzeuge jedes Mal neu gereinigt und geweiht (beziehungsweise kurz gesegnet, wenn sie bereits geweiht sind) werden, und wenn dies auch nur durch eine kurze Visualisierung und festen Willen geschieht.

Es gibt auch Mischformen, so zum Beispiel verwenden einige Magier ihren Dolch für alles mögliche, den Kelch hingegen strikt und absolut nur zum rituellen Gebrauch.

Welcher Auffassung man folgt, ist eine Frage der persönlichen Einstellung, und jeder sollte selbst erspüren, wann und wozu er seine Werkzeuge einsetzen kann und wann und wozu nicht. Ich verwende meinen Altar als Spieltisch für Rollenspiele und als Kaffeetisch, mein Schwert im Schaukampf, ich esse und schnitze mit meinem Ritualmesser, und ich habe auch kein Problem damit, wenn ein anderer meinen Mittelalter-Dolch benutzt, der zugleich auch mein Ritualdolch ist. Meinen Kelch verwende ich nur für Rituale, jedoch lediglich aus dem Grund, daß er versilbert ist und zum normalen Trinken einfach unbequem schwer zu halten und auch umständlich zu Reinigen ist. Mein Pentakel dient allein magischen Zwecken, weil ich sonst keine andere Verwendung dafür wüßte.

Ich für meinen Teil habe jedenfalls noch keinen Unterschied in der magischen Funktion meiner rein zu magischen Zwecken bestimmten Gegenstände und auch zu anderen Dingen benutzten Werkzeugen festgestellt. Es mag jeder betrachten, wie er möchte, für mich ist die persönliche Beziehung zu einem Gegenstand für die magische Arbeit entscheidender als ihn wie eine heilige Reliquie zu behandeln.

Eine persönliche Beziehung baut sich nach meiner Auffassung sogar eher und stärker auf, wenn man den Gegenstand ganz einfach oft in der Hand hält, betrachtet und benutzt, auch zu ganz profanen und alltäglichen Zwecken, die nichts mit Magie zu tun haben. Der Gegenstand wird dadurch zu einem Teil von einem selbst, zu einer Verlängerung der eigenen Hand, und nichts anderes ist er doch auch im Ritual, wo er durch seinen Symbolwert die eigenen Kräfte unterstützen soll. Dann wird auch kein Fremdeinfluß das Band zwischen dem Magier und seinem Werkzeug zerstören können.

Allein der Wille des Magiers ist es, der dem Gegenstand seine Funktion verleiht. Mit diesem Willen reinige und weihe oder segne ich den Gegenstand vor dem Ritual für seinen Zweck – ganz egal, was vorher damit geschehen ist. Mein Wille gibt ihm seine Bedeutung, seinen Symbolismus, seine Funktion und seine Macht. Wenn der Wille stark ist, dann kann ich ein Ritual sogar mit einem alten, rostigen Suppenlöffel anstelle eines Ritualdolches durchführen, und es wird trotzdem funktionieren. Es kommt nicht darauf an, was das Werkzeug ist, sondern darauf, was der Magier will, das es ist.

Das einzige Tabu ist es, die Werkzeuge eines anderen Magiers ohne dessen vorherige Erlaubnis anzufassen oder gar zu benutzen, egal ob zu magischen oder weltlichen Zwecken, wenn man nicht weiß, welcher Auffassung er bezüglich seinen Gegenständen folgt. Es ist ein Gebot der kollegialen Höflichkeit unter Magiekundigen, dies zu respektieren und um Erlaubnis zu fragen.

1.9. Sicherheitsüberlegungen
Wer Ritualgegenstände im Freien benutzt, der sollte darauf achten, daß nichts aus Glas, Porzellan oder Ton ist. Es kann immer mal etwas umstürzen und zu Bruch gehen, und Scherben sind eine Gefahr für Tiere und Menschen, Glasscherben im Sommer zusätzlich durch die Brennglaswirkung eine Brandgefahr. Außerdem kann man sich auch selbst daran schneiden, und in Wald und Feld gibt es nur selten Hilfe. Also sollte man solche Glasgegenstände lieber nicht mitnehmen. Es ist übrigens auch nie verkehrt, einen Erste-Hilfe-Kasten bei sich zu haben, wenn man ins Gelände geht. Und auch ein (für das Ritual ausgeschaltetes) Mobiltelefon ist im Notfall eine große Hilfe.

Selbstverständlich ist auch die Feuersicherheit sehr wichtig, vor allem dann, wenn mit offenem Feuer gearbeitet wird, was bei vielen Ritualen der Fall ist. Unter Umständen von Brandgefahr sollte man auf ein Feuer besser verzichten. Einige Sicherheitstips werden bei den Beschreibungen der entsprechenden Werkzeugen bereits gegeben. Ansonsten kann ich jedem Magier nur empfehlen, das zu benutzen, auf das er eigentlich am meisten stolz ist: seinen Verstand!

2. Die Werkzeuge der Elemente
Die magischen Werkzeuge der Elemente sind Symbole für die Energien dieser Elemente. Speziell für die Arbeit mit den Elementarkräften (beziehungsweise mit den durch die Analogien mit den Elementen im Unterbewußtsein hervorgerufenen psychischen Kräften) gibt es eine sehr lange und recht einheitliche Tradition darüber, welche Gegenstände als Werkzeuge der Elemente dienen. Prinzipiell kann man jedes Hilfsmittel, welches an ein bestimmtes Element erinnert, auch als Sinnbild desselben verwenden, aber man kann ebenso auch der Tradition seiner Ahnen folgen.

In vielen Traditionen spricht man vom großen und kleinen Werkzeug jedes Elements. Dementsprechend sieht auch die Aufgabenverteilung aus. Das kleine Werkzeug wird eher für persönliche oder kleinere Arbeiten verwendet, während das große Werkzeug immer dann Einsatz hat, wenn es um die ganze Gruppe oder sehr bedeutende Aktionen geht, denn es ist raumgreifender und benötigt auch mehr Platz. Natürlich kann die Aufgabe des einen auch immer vom anderen getan werden. Ihre unterschiedliche Größe hat rein symbolischen Charakter und ist kein Maß für ihre Wirksamkeit.

Häufig gibt es auch mehrere kleine oder große Werkzeuge. Man muß nicht alle Arten von Werkzeugen besitzen, und eines von jeder Sorte genügt völlig. Wer überwiegend allein arbeitet, kann auf die großen Werkzeuge auch ganz verzichten. Aber selbst derjenige, der nur ein Werkzeug für jedes Element haben möchte, ist durchaus frei in seiner Wahl, ob er ein großes oder kleines Werkzeug bevorzugt und welches das ist. Die Werkzeuge jeweils eines Elementes sind prinzipiell gegeneinander austauschbar.

Element: kleines Werkzeug: großes Werkzeug: sonstiges Werkzeug:
Erde Pentakel Schale Erdschale, Schild
Luft Ritualdolch, Ritualmesser Schwert Räucherschale
Wasser Kelch Kessel, Wasserschale Besen
Feuer Zauberstab Stecken, Speer Feuerschale
Geist Glocke, Kristallkugel, Magierspiegel Feuerschale, Geistschale

ergänzend

Zauberei und Hexerei

Die alten Deutschen kannten Zauber mit Tat und Wort; den ersteren verbietet Nr. 10 des Indiculus (de phy-lacteriis et Ugaturis), den zweiten Nr. 12 (de incantationibus). Das Wort Zauber (ahd. zoubar) selbst bedeutet eigentlich „Mennig“, die rote Farbe, mit der … Weiterlesen

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 Die erfolgreiche Vorgehensweise und die überzeugenden Ergebnisse der heilkundigen Frauen stellten eine große Bedrohung für das aufkommende Christentum, sprich die Kirche dar. Denn diese Frauen verließen sich mit ihren außergewöhnlichen Begabungen eher auf ihre Sinne und Erfahrungen als auf die … Weiterlesen

Magische Nächte. Die 12 Rauhnächte

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Der himmlische Lichtbaum der Indogermanen in Sage und Kultus.

Wenn die prähistorische Archäologie allmählich immer mehr einen gewissen homogenen Zustand der in Europa sich ausbreitenden und dasselbe eigentümlich kolonisierenden indogermanischen oder arischen Stämme in Bezug auf das häusliche Leben und die Anfänge gewerblicher Thätigkeit aufdeckt, so entsprechen dem auch … Weiterlesen

Zauberei und Hexerei

Germanenherz-Toto-Haas-Banner-kleinDie alten Deutschen kannten Zauber mit Tat und Wort; den ersteren verbietet Nr. 10 des Indiculus (de phy-lacteriis et Ugaturis), den zweiten Nr. 12 (de incantationibus). Das Wort Zauber (ahd. zoubar) selbst bedeutet eigentlich „Mennig“, die rote Farbe, mit der die Runen in die Lostäfelchen eingetragen wurden. Das Zauberlied ist die älteste nachweisbare Dichtungsart der Germanen wie der Indogermanen überhaupt, und die Sprache lehrt, daß Zauberei mit dem Wort und der Dichtkunst eng zusammengehört. „Lied“ ist ursprünglich das Zauberlied, ebenso hat ahd., as. galdar oder galstar von Hause aus die Bedeutung „Zaubergesang“, „Zauberlied“: es wurde in halbsingendem Tone langsam und feierlich gesprochen; auch „schwören“ bedeutet ursprünglich „mit lauter, halbsingender Stimme etwas äußern“. Neben dem Liede geht das Wort her, neben der gesungenen Zauber weise die gesprochene Segensformel. Dahin gehört engl, spell „Zauberspruch, Zauber“, verglichen mit ags. spell „Erzählung, Geschichte“ von einer Wurzel „sprechen, singen“. Als die Langobarden viele ihrer Sklaven zu Freien machten, um die Zahl ihrer Streiter zu vergrössern, bekräftigten sie ihnen vermittelst eines Pfeiles die Weihe und murmelten dabei noch einige Worte in ihrer Sprache, um der Sache Festigkeit zu verleihen (Pis. Diac. 1, 3); gemeint ist ein Zauberspruch, der die ungewöhnliche Handlung zum Heile wenden sollte.

Das deutsche Heidentum kannte eine erlaubte und eine verbotene Zauberei, eine weiße und eine schwarze Magie, nach mittelalterlichem Ausdrucke Gotteswerk und Teufelskunst.

Da der Tod das Werk schadenfroher, feindlicher Geister ist, muß der Priester zugleich Arzt, Medizinmann sein und einmal den Verkehr mit diesen Mächten vermitteln, dann auch eben dadurch über Leben und Gesundheit der Stammesgenossen wachen. Wenn eine Seuche das Land verheert, der gewohnte Regen oder Sonnenschein ausbleibt, ein Verwandter oder ein Tier plötzlich krank wird, ist der böse Geist die Veranlassung, und nur der Zauberer vermag den Schaden abzuwehren. Er kann umgekehrt die bösen Geister beschwören und bannen, die Zukunft Voraussagen und Verstorbene heraufrufen, kurz das Leben und den Besitz durch Wundertaten schützen und sichern. Seine Tätigkeit besteht also in dem Abwehren des Schädlichen und in dem Zuwenden des Heilsamen, für sich wie für seine Umgebung. Männer und Frauen können den Zauber ausführen, doch überwiegen die männlichen Priester.

Die Seele ist nicht unabänderlich an den Körper gebunden; in dem Augenblicke, wo sie den Leib verlassen hat, kann ein feindseliger Geist in den Körper einfahren und den betreffenden Menschen zum Werkzeuge seiner Bosheit machen. Er ist dann mit übernatürlichen Kräften ausgestattet und imstande, Besitz, Gesundheit und Leben anderer Menschen zu schädigen, Enthüllungen über die Zukunft zu geben und staunen-erregende Taten auszuführen, aber gewissermaßen auf unrechtmäßige Weise. Der Zauberer sieht in ihm natürlich einen Nebenbuhler, und seine Bekämpfung wird ihm um so leichter, als die Tätigkeit des Gegners vorwiegend vernichtend, schädigend ist. So entbrennt der Kampf zwischen weißer und schwarzer Kunst. Besonders das weibliche Geschlecht mit seiner zarteren, nervöseren Veranlagung und seinem Hange zum Übersinnlichen, Mystischen ist solchen Einflüssen und Verzückungen ausgesetzt. Derartige Zustände bezeich-nete das deutsche Heidentum als „Ausfahren mit der Nachtfrau“. Darum heißt im Münchener Nachtsegen „du sollst mich nicht entführen“, soviel wie du sollst meinen Geist nicht hinwegführen“. Bedenkt man, daß die Wesen, die Feld und Flur, Menschen und Vieh schädigen, überwiegend Weiber sind, und daß sie ihre Gestalt tauschen und besonders zur Nachtzeit ausfahren können, so hat man die Grundlage des deutschen Hexenglaubens. Der Hexenglaube zeigt deutlich noch die ganze ungebrochene Kraft des Seelenglaubens und darf als ein allgemein menschlicher Wahn angesehen werden.

In heidnischer Zeit bestand also bereits ein scharfer Unterschied zwischen Zauberei und Hexerei, der sich noch bis in die Anfänge des Christentums verfolgen läßt. Aber die einzelnen Merkmale sind auch schon zuweilen ineinander übergegangen. Seitdem Könige und Häuptlinge selbst den Kult der allmächtigen Götter versehen, dauert die Macht der alten Zauberpriester nur im Geheimen fort. Niemals wird ihre Tätigkeit vom Staate beansprucht. Nur der Einzelne, der sich nicht über den engen Kreis des Gespensterglaubens zu erheben vermag, wendet sich an sie und hofft von ihnen Rat und Hilfe in Fällen, die das helle Sonnenlicht scheuen. So wird die Zauberei bereits im Heidentume zur Hexerei.

Zauber und Götterkultus verhalten sich zueinander etwa wie Aberglaube und Glaube. Denn Aberglaube ist nicht nur nach einem bekannten Worte Friedrichs des Großen „ein Kind der Furcht, der Schwachheit und der Unwissenheit“, sondern etymologisch „nachgebliebener Glaube“ und dann eine verächtliche Bezeichnung für Reste einer überwundenen Weltanschauung, die aber noch weiter auf das Handeln und Denken der Menschen ein wirkt und dementsprechend Gebräuche Jiervorruft. Aus der Beseelung der Natur folgt, daß das höhere Wissen des Zauberers die schädliche Einwirkung der Seelen verhindern, ihren freundlichen Einfluß zu sich oder andern hinleiten kann. Wie noch heute die Naturvölker, glaubten auch die alten Deutschen, ein Seelenwesen an einen bestimmten Platz oder Gegenstand bannen zu können, von dem dann die heilsame Wirkung ausging. Großer Segen war dem beschieden, der einen solchen zauberkräftigen Schatz immer bei sich trug. Schmuck, Steine, Kräuter und Knochen gelten noch heute als Amulett, als der Sitz eines schützenden Geistes- oder Seelenwesens.

„Das Beschwören der Kräuter zu schändlichen Taten und das Anrufen der Dämonen beim Beschwören, was ist es anders wie Teufelsdienst ?“ (Mart. v. Brac.; de corr. rust. 16). Prim in, der Stifter des Klosters Reichenau, Zeitgenosse des Bonifatius, der schon bei seiner Ankunft durch die Kraft des hl. Kreuzes alle Schlangen und sonstiges schädliches Gewürm vertilgt hatte, verbietet in seiner alemannischen Musterpredigt, an Spruch-und Loszauberer, Wahrsager, Wettermacherinnen und Vorzeichen zu glauben, Zauberzettel, Zauberkräuter und Bernstein anzuhängen (Dicta abbatis Pri-minii K. 22). Regino von Prüm eifert gegen Hirtensegen über Brot und Kräuter und Binden, die, in den Bäumen verborgen oder auf Kreuzwege gelegt, die eigenen Tiere von Krankheit befreien und diese anderen zuführen sollen.

Der Indiculus (Nr. 10) verbietet solche Schutz- und Hilfsmittel vor und in allerhand Not (phylacteria), aus den verschiedensten Stoffen hergestellt, und solche, die angehängt oder angebunden werden (ligaturae). Solche Amulette waren, wie die Erlasse der Kirche zeigen, aus Knochen oder Bernstein hergestellt, aus Pflanzen, Schriftzeichen usw. Um die zauberhafte Wirkung zu erhöhen, wurden Zauberlieder gemurmelt. Bei Burchard von Worms lautet eine Beichtfrage: .Hast du dich befaßt mit Angebinden (ligaturae) und Zauberliedern und den mannigfachen Hexereien, wie sie nichtswürdige Leute, Sau- und Kuhhirten und bisweilen Jäger treiben, indem sie Teufelslieder sagen auf Brot oder auf Kräuter und auf gewisse nichtsnutzige Binden und diese dann in einem Baume verbergen oder an einem Kreuzwege hinwerfen, um von Krankheit und Verlust ihre Herden und Hunde zu befreien und diejenigen anderer zu schädigen?“ Noch heute sind geschriebene Amulette Zauberschutzmittel gegen Krankheiten, Gefahren, Verwundung, Behexung usw.; meist werden sie auf bloßem Leibe getragen, bisweilen muß man sie auch verschlucken.

Der Zauberer vermag auch auf die Seelen einzuwirken, indem er ihnen symbolisch an einer bildlichen Handlung zeigt, was er von ihnen begehrt. Wenn man des Morgens das heilige Feuer entflammte, so förderte dieser Zauber den Aufgang der Sonne. In dieser ovi-ind&eia, dem Parallelismus zweier Ereignisse, haben noch heute viele Gebräuche ihren Ursprung. Die Sympathie lehrt solchen Zauber vermittelst des Abbildes: man kann eine Wirkung durch eine Handlung erzielen, die dem Vorgänge selbst ähnlich ist. Man legt einen Teil eines Tieres oder ein Kraut auf die kranke Stelle und hängt es dann in den Herdrauch oder vergräbt es; wie es verdorrt, so nimmt auch die Krankheit ab. Was in der Landwirtschaft wachsen und gedeihen soll, muß bei zunehmendem Monde, was schwinden und vergehen soll, bei abnehmendem Monde vorgenommen werden. Alte Weiber im Saalfeldischen schneiden den Rasen aus, den ihr Feind betreten hat, und hängen ihn in den Schornstein oder legen ihn hinter den Herd, damit auch der Mensch sich abzehrt; schon Bur-chard von Worms kennt diesen Wahn.

Der höhere Kultus ist reich an solchen Gebräuchen, die ursprünglich zauberhafte Bedeutung haben und das gewünschte Ereignis herbeiführen, indem dabei ein Bild dieses Ereignisses dargestellt wird. Der Regen- und Sonnenzauber ist erst später zu den heiligen Riten bei der Verehrung der mächtigen Götter hinzugetreten. Burchard von Worms meldet, daß die Mädchen in Hessen und am Rheine die kleinste aus ihrer Mitte entkleideten, mit Laub umhüllten und an die Stelle führten, wo Binsen wuchsen, ihr diese an die rechte Fußzehe banden und sie mit Laubzweigen in den Händen an den nächsten Bach geleiteten, mit ihren Büscheln Wasser über sie sprengten und schließlich im Krebsgänge heimzogen: alsbald ergoß sich Regen. Indische, griechische, römische, sla-vische und deutsche Bräuche stimmen darin überein, daß man bei Dürre Wasser ausgoß, um für das nächste Jahr hinreichenden Regen herabzulocken. Gleichfalls uralt ist die Sitte, einen in Laub gekleideten Mann oder eine nackte Jungfrau mit Wasser zu begießen, um durch das Begießen das himmlische Naß herabzuzaubern. Wie man sich die Wolken als Tiere vorstellte, so faßte man auch das ganze Himmelsgewölbe als ein Fell auf. Im Indischen schoß man bei der Sonnwendfeier Pfeile auf ein Kuhfell: die Schüsse sollten den Verschluß des Himmels öffnen und dem ersehnten Regen durch die entstandenen Öffnungen Durchgang verschaffen. Im Hochsommer bei anhaltender Dürre zogen die magnesi-schen Jünglinge, in Schafsfelle gekleidet, auf den Pelion zu Zeus; in Athen diente das Fell eines bei den Diasien geopferten Widders zu Sühnezeremonien. Die Langobarden verehrten einen Baum, der nicht weit von den Mauern von Benevent stand, als heilig; sie hängten ein Fell daran auf, ritten dann alle zusammen um die Wette, so daß die Pferde von den Sporen bluteten, hinweg, warfen mitten im Laufe mit Wurfspießen rückwärts nach dem Fell und erhielten dann jeder einen kleinen Teil davon zum Verzehren. Dieser Ort hieß noch im 9. Jhd. Votum (V. Barbati). — Die wichtigsten Formen des Sonnenzaubers sind das Scheibenschlagen oder Radwälzen, der Fackellauf zur Befruchtung der Felder und Obstgärten, und das Hindurchspringen und Hindurchtreiben von Menschen und Tieren durch das Feuer, um Gesundheit zu erlangen. Das Feuer wurde durch Drehung eines die Sonne darstellenden Rades oder einer Scheibe erzeugt: der Sonnenzauber soll der Vegetation Licht und Wärme sichern.

Eine besondere magische Kraft wohnt dem Wort inne; Gebet und Zauber gehören naturgemäß zusammen. Manche Zauberformeln reichen in ihrer Anlage in die indogermanische Urzeit zurück; der Merseburger Spruch gegen Verrenkung findet sich z. T. wörtlich im Indischen wieder. Der höhere Kultus hat sich ihrer bemächtigt, sie auf die grossen Götter übertragen, vertieft und dichterisch ausgestattet. Die Kraft des Zaubers wird erhöht, wenn die zu erreichende Wirkung mit Vorgängen aus der Götterwelt verglichen wird: die zauberische Macht, die den Göttern den erwünschten Erfolg brachte, wird in jedem ähnlichen Falle von neuem sich betätigen. Zaubersprüche gegen Krankheiten sind in England um 670 bezeugt; sie sind gewiß vom Festlande mit hinüber genommen. Im 7. oder 8. Jhd. werden in den nördlichen Teilen des fränkischen Reiches Zauberlieder erwähnt gegen Schlangenbiß, Krampf, allerlei Geschwüre, Durchfall, Bienenstich, Bandwurm und andere Eingeweidewürmer, Kopfweh, Hühneraugen, Rose, Stich des Skorpions, Nasenbluten, gegen Räude des Viehes, gegen Ungeziefer im Garten und Feld und gegen Behexung. Ein altsächsischer Spruch gegen Lähme des Pferdes lautet: „Ein Fisch schwamm das Wasser entlang, da wurden seine Federn (Flossen) verletzt, da heilte ihn unser Herr. Derselbe Herr, der den Fisch heilte, heile das Boß von dem Hinken Sächsisch und hochdeutsch ist ein Zauberspruch „gegen die Wurmsucht“; stechende Schmerzen schrieb man bohrenden Würmern zu. Die Krankheit soll in einen Pfeil gebannt werden, und wrenn der Wurm in ihn hineingekrochen ist, wird der Pfeil in den Wald geschossen:

„Geh aus, Wurm, mit neun Würmlein;

Heraus von dem Mark in die Adern,

Von den Adern in das Fleisch,

Von dem Fleische in die Haut,

Von der Haut in diesen Pfeil.“

Den altertümlichen epischen Eingang hat der Spruch gegen Pferdekrankheit aus dem 9. Jhd. bewahrt:

Ein Mann ging seinem Wege nach, zog sein lloß hinter sich drein;

Da begegnete ihm mein Herr mit seinem himmlischen Gefolge.

„Warum, Mann, gehst duf warum reitest du nicht?“

„Wie kann ich reiten! Mein Roß ist steif geworden.“

Dann zieh es hier bei Seite und raune ihm in das Ohr,

Tritt es an den rechten Fuß, so wird es von der Steifheit geheilt.“

In dem Münchener Nachtsegen zitiert der von den Geistern des wilden Heeres und des Alptraumes heimgesuchte Schläfer verschiedene Bibelstellen, die ihn vor den „klingenden Zaubergesängen“ der Unholde schützen sollen (vor den klingenden golden). Also auch feindlichen, Unheil bringenden Zauber kannten unsere Vorfahren und schrieben ihn tückischen Menschen und Mächten zu. Hier ist, wie schon bemerkt (S. 46), die Wurzel des heidnischen Hexenwahns zu suchen. Mit der Auffassung der Hexe als eines Geistes oder einer Mare sind Vorstellungen von irdischen, feindlichen Zauber treibenden Frauen vermischt.

Schon bei Bischof Burchard von Worms heißt es:

»Wer wird nicht in Träumen und nächtlichen Gesichten aus sich selbst herausgeführt, und wer sieht nicht vieles im Schlafe? Wer wäre aber so töricht und stumpfsinnig zu glauben, daß das alles, was bloß im Geiste geschieht, auch mit dem Leibe vorgehe?“ »Hast du getan, was gewisse Weiber zu tun pflegen und fest glauben, ich meine, daß, wenn ein Nachbar an Milch und Bienen Überfluß hat, sie den ganzen Überfluß an Milch und Honig sich und ihren Tieren oder wem sie wollen, mit Hilfe des Teufels, durch ihre Blendwerke und Zaubereien zuzuwenden glauben?“

Die Kirche hat keineswegs von Anfang an den Hexenwahn genährt, sondern den ganzen Glauben an Unholden, Hexen auf die Dummheit des Volkes zurückgeführt. »Hast du geglaubt“, heißt es weiter bei Burchard, »daß es ein Weib gebe, das zu tun vermag, was einige, vom Teufel getäuscht, tun zu müssen versichern: nämlich, daß sie mit einer Schar Teufel, die in die Gestalt von Weibern verwandelt sind, die die Dummheit des Volkes Unholden nennt, in gewissen Nächten auf Tieren reiten müssen und zu deren Gesellschaft gezählt werden?“ Burchard bedroht geradezu den Glauben an die Wirklichkeit der Hexerei mit Kirchenstrafen: »Hast du je geglaubt oder Teil gehabt an jenen, die sagen, sie könnten durch Verzauberung Wetter machen oder die Gesinnung derMenschen bewegen (ebenso Pr im in). Hast du geglaubt oder teilgehabt an jenem Wahn, daß ein Weib sei, das vermittelst gewisser Zaubereien und Beschwörungen die Gesinnungen der Menschen, so Haß in Liebe oder Liebe in Haß zu verwandeln oder die Güter derMenschen durch ihre Blendwerke zu rauben vermöge? Wenn du dies geglaubt oder daran teil genommen hast, hast du ein Jahr Buße zu tun.“

In diesen Zeugnissen des ll.Jhd. sind die drei charakteristischen Hexenmerkmale enthalten: sie fahren zur Nachtzeit aus und reiten durch die Lüfte, in verwandelter Gestalt, sie schädigen den Menschen und seine Habe, Feld und Flur, sie machen das Wetter. Der Hexenausritt, die Nachtfahrt der Unholden, verrät deutlich Ursprung aus dem Seelenglauben. Schon die Kirchenversammlung von Ancyra (um 900) erwähnt den Glauben an Hexenritte: „Verbrecherische Weiber glauben durch Verblendung des Teufels, daß sie nächtlicher Weile mit Diana oder Herodias und vielen Frauen auf Tieren reitend über weite Länder flögen und in gewissen Nächten zum Dienste jener heidnischen Dämonen berufen würden.“ Im Münchener Nachtsegen heißen die Hexen darum „die nahtvarn“, „die zünriten“ d. i. die auf dem Zaune Reitenden, und „die wege-schriten“, d. i. die einen Weg Schreitenden, die Umherschweifenden, oder die plötzlich auf den Wegsschreitenden, oder schrittlings auf dem Wege stehenden Gespenster. Die beiden ersten Namen müssen sehr alt sein, da sie auch im Nordischen begegnen (kveldridur, tünridur). Sie heißen auch Taustreicherinnen, weil sie in der Johannisnacht den Tau von den Wiesen sammeln. Die Hexe weicht vor dem Besen — denn vor dem fegenden Besen verläßt die Seele das Haus; aber die Hexe reitet auch auf dem Besen, denn die Seele hat hinter dem Herde ihren Wohnsitz, wo der Besen aufbewahrt wird. Als Seelen fahren die Hexen mit dem wilden Heere; ihre Schar, wie schwarze Wolken erscheinend, verdunkelt die Luft. Ein Jäger schoß hinein, und sogleich stürzte ein nacktes Weib tot herunter: das war die Hexe, die immer im Wetter ist. Nach Hexeuakten des 16. und 17. Jhds. versammeln sich die Hexen an Wasserbächen und Seen und schlagen solange hinein, bis Nebel aufsteigen, die sich allmählich in finstere Wolken verdichten: auf diesen Wolken fahren sie dann in die Höhe. Als seelisches Wesen verwandelt sich die Hexe in allerlei Tiere, die oft als dreibeinig bezeichnet werden. Unsichtbar schleicht sie als Alp durch ein Astloch aus und ein, drückt und quält den Schläfer, d. h. sie reitet auf ihm oder saugt ihm das Blut aus. Eine Bürgermeisterin zu Magdeburg litt 1592 an dem Alpdrücken: die Zauberin, die ihr den Alp angehext, wurde entdeckt und verbrannt.

Zu einem Knechte kam die Hausfrau in die Kammer, einen Zaum und eine Peitsche in der Hand, und warf ihm diesen über die Ohren. Da ward er plötzlich in einen schwarzen Hengst verwandelt, auf dem sie nach dem Blocksberge ritt. Schlag Zwölf kamen von allen Seiten die Hexen, auf Besenstielen, Ofengabeln, Feuerzangen, Dreschflegeln, Ziegen und Böcken reitend. Sie aßen und tranken und sangen. Beim ersten Hahnenschrei brach alles auf, die Hausfrau des Knechtes bestieg wieder ihr Pferd. An einem Wasser unterwegs hielten die Hexen an, um ihr Vieh zu tränken. Da warf der Hengst seine Reiterin in das Wasser, stand wieder als Mensch vor ihr, warf nun selbst den Zaum über den Kopf der Hexe, wodurch sie in eine schwarze Stute verwandelt wurde, und ritt weiter. Dabei kam ihm der Gedanke, sein Pferd beschlagen zu lassen; vier tüchtige Eisen wurden auf ihre Hufe genagelt, wobei sie sich gar jämmerlich anstellte. Am andern Morgen lag die Hausfrau krank zu Bette, und man fand an ihren Händen und Füßen vier blanke Hufeisen.

Lähmung und Geschwulst bei Mensch und Tier, Gelenkrheumatismus und Tobsucht schrieb man der Tätigkeit der Hexen zu. Das älteste Beispiel für den letzten Fall steht schon bei Dio Cassius (1715): Alemannen erzählten, Zauber-mittel angewendet zu haben, um den Kaiser Caracalla wahnsinnig zu machen. Hexenschuß, Alpschuß oder rnarg-schoß (Mahrschuß) heißen noch heute solche rheumatische Schmerzen, die man sich durch -eine Erkältung während des Schlafes zuzieht; der Name zeigt, daß sie der Volksglaube demselben Wesen zuschreibt, das im Alptraum erscheint.

Aus dem Alptraume stammt auch der Glaube, daß die Hexen Menschen aufzehren. Nach der lex Salica (etwa 500) steht Geldstrafe darauf, wenn eine Hexe einen Menschen aufgegessen hat: „Wenn eine Hexe einen Menschen aufißt, und es ihr bewiesen wird, so ist sie für schuldig zu erkennen, 8000 Pfennige oder 200 Schillinge zu zahlen“. Die Hexen bei den Franken im 6. Jhd. hantierten schon mit Hexenküche und Hexenkessel und kochten Menschenfleisch. Bei den heidnischen Sachsen war die übliche Strafe der Hexen der Feuertod. „Wenn jemand“, heißt es in einem Kapitulare Karls d. Gr., „vom Teufel verblendet, nach Art der Heiden glaubt, daß ein Mann oder eine Frau eine Hexe sei und Menschen verzehre, und wenn er deshalb sie verbrennt oder ihr Fleisch zum Aufessen hingibt oder es aufißt, so soll er mit dem Tode bestraft werden.“ Zauberer und Wahrsager aber sollen nur an die Kirchen und Priester ausgeliefert werden. Der Indi-culus verbietet, nach Heidenart zu glauben, daß Frauen, weil sie dem Monde befehlen, die Herzen der Menschen aus deren Körper herausnehmen könnten, um sie zu essen (Nr. 30: de eo, qttod credunt, qiiia feminae lunam comendent, quod possint corda hominum tollere iuxta paganos). Burchard von Worms eifert gegen den Glauben, daß man bei verschlossenen Türen auszugehen vermöge, die Menschen töten, ihre ge* kochten Herzen verzehren, an Stelle des Herzens einen Strohwisch oder ein Stück Holz einsetzen und sie wieder lebendig machen könne. Mit ihm fast gleichzeitig weiß auch Notker Teutonicus, daß hier zu Lande die Hexen wie die Menschenfresser tun sollen, und der Münchener Nachtsegen nennt neben den auf dem Zaune reitenden Hexen (zünrite) die manezzen, die Menschenfresser. „Pfi, ruft Bert hold von Regensburg, geloubestü, daz dü einem man sin herze üz sinem libe nemest und im ein strö hin wider stözest?“ Deutlich erhellt aus alle dem der altgermanische Hexenwahn, seine Bekämpfung durch das Christentum und die Unterscheidung zwischen Zauberern und Hexen. Der Bozener Dichter Hans Vintler sagt in seiner „Blume der Tugend“ zu Anfang des 15. Jhds.:

Mancher Dumme spricht,

Die Trude sei ein altes Weib

Und könne die Leute saugen.

Nach allgemeinem Volksglauben kann den Hexen nichts Entsetzlicheres nachgesagt werden, als daß sie auf Bergeshöhen in der Frühlingsnacht Menschen schlachten und ihr Fleisch, namentlich die Herzen, verzehren. Den Hexenwahn auf dem Standpunkte, wo man annimmt, daß die Seele eines Menschen aus dem Leibe wandern und andere Seelen aus gesunden Körpern in ihrem Blute verzehren könne (Vampyrismus), erwähnt noch Luther in den Tischreden: „Es schrieb ein Pfarrherr Georg Röser zu Wittenberg, wie ein Weib auf einem Dorfe gestorben wäre und nun, wie sie begraben wäre, fresse sie sich selbst im Grabe; darum wären schier alle Menschen im selben Dorfe gestorben“. Denn der erste, der an einer herrschenden Seuche stirbt, ist ein Nachzehrer; er sitzt im Grabe aufrecht und zehrt an seinem Laken, und das Sterben dauert so lange, bis er damit fertig ist, wenu mau ihn nicht vorher ausgräbt und ihm mit dem Spaten den Hals absticht. Schon im 11. Jhd. erwähnt Burchard von Worms, daß man die Leiche einer Frau im Grabe mit einem Pfahle durchstach, ohne Zweifel, weil man sie für eine Nach-zehrerin hielt (vgl. S. 38).

Etliche Hexen, heißt es weiter bei Vintler, fahren „mit der Var“ auf Kälbern und auf Böcken durch Stein und durch Stöcken:

Etliche bind so behend,

Daß sie fahren hundert Meilen,

In einer kleinen Weilen;

Sie brechen den Leuten ab Die Beine, wie ich gehöret hab’.

Auch der Münchener Nachtsegen erwähnt, daß die Hexen den Fuß abschneiden, die Sinne rauben, Fieber bringen und durch ihren unsichtbaren Tritt schmerzenden Krampf verursachen, wie der Hexenschuß die Wirkung eines unsichtbaren Geschosses ist. Ob der Glaube an die Buhlschaft der Hexe mit dem Teufel im deutschen Heidenturae wurzelt, ist noch nicht entschieden. Dafür spricht, daß auch der Alp sich mit Menschen verbindet. Die gotische Sage vom Ursprünge der Hunnen schreibt den Zauberweibern oder Hexen Verkehr mit Geistern zu (Jord. 121; D. S. Nr. 377): Filimer, der König der Goten, erfuhr von dem Aufenthalte gewisser Zauberweiber in seinem Volke, die er selbst in seiner Muttersprache Haliurunnen nannte. Da er sie für verdächtig hielt, vertrieb er sie und nötigte sie, fern von seinem Heere in Einöden umherzuirren. Dort wurden sie von unreinen Geistern, den Waldleuten, als sie in der Wüste umherschweifteu, erblickt; diese begatteten sich mit ihnen, und so entstand das wilde Volk der Hunnen. [Got. haljarüna = ags. helrün ist die mit höllischer Kunst begabte Zauberin, eigentlich die Totenbeschwörerin (S. 28)]. So sagt auch Vintler in seiner Aufzählung der Bestandteile des Hexenwahns: „Etliche glauben, der Alp minne die Leute“. — Die Hexen wechseln des Nachts die Kinder aus, sehen sie mit ihrem bösen Blick an, bewirken Verkrüppelungen und Verstümmelungen und schaden auch den Tieren. Sie stehleu der Kuh die Milch aus der Wammen oder das Schmalz aus dem Kübel, derweil man es rührt.

Sie trinken den Wein aus den Kellern verstohlen,

Dieselben heißet man Unhollen.

Wie Menschen und Tiere vom Alpdrücke gequält werden, so verfilzt die Hexe dem Pferde die Mähne, flicht unentwirrbare Zöpfe daraus und treibt es in Schweiß, so daß es morgens matt und abgeschlagen dasteht, wie wenn es die ganze Nacht abgehetzt wäre. Weil die Hexen den kalbenden und milchenden Kühen nachstellen, heißen sie auch Molkentöwersche, Molkenzauberinnen, die untreuen Molken Stehlerinnen: sie färben die Milch rot oder vertreiben sie völlig. Als Taustreicherin streift die Hexe in der Mainacht den Tau von der Wiese, um der Herde den ersten Weidegang zu verderben. Sie bringt Scharen von Ungeziefer über ein Gehöft oder über eine ganze Gegend, verbreitet Seuchen unter Menschen und Vieh, und schädigt die Ernte. Wenn nächtlicher Frost die Blüten des Weines und des Obstes versengt, ein Hagelwetter die Ernte niederwirft, so hat die Hexe das Unheil angerichtet. Nach bayerischem Volksrechte wird die aranscarti, Erntescharte, d. i. niedergelegte Streifen im Getreidefeld, durch Hexerei verursacht und mit 12 Solidi bestraft. Außerdem hat der Urheber für jeden Schaden zu haften, der Haus, Gut oder Vieh des Eigentümers binnen Jahresfrist trifft. Eine Buße von 40 Schillingen wird dem angedroht, der gestohlenes Gut, besonders Pferde und Vieh, durch Zauberkünste außer Landes entführt oder verbirgt. Die Hexen kochen Hagel, sagt man noch heute in der Schweiz. Zauberer, Wettermacher und Feldbehexer stehen in den Verordnungen der Kirche neben einander. Nach westgotischem Rechte werden Wettermacher zu Haut und Haar bestraft und entweder vom Richter durch Einkerkerung oder nach dem Ermessen des Königs unschädlich gemacht. Die bayerische Synode von Reisbach (799) bestimmt: Der Presbyter hat gegen solche, die wahrsagen, zaubern und Wetter machen, vorzugehen und soll sehen, sie durch sorgfältigste Untersuchung zu einem Bekenntnis zu zwingen. Bei Vintler heißt es: „Viele sagen, die Hexen können Ungewitter machen, auch wohl Regen hin und her wenden“. Um Regen hervorzurufen, bedient sich die Hexe eines Zweiges oder Stabes.

Daß man sich die Hexen in der Urzeit nackt vorstellte, und daß die Nacktheit bei dem Wetterzauber erforderlich war, geht daraus hervor, daß die Hexen splitternackt aus den Wolken herunterstürzen, wenn der von ihnen erregte Zauber zerstört wird. Wiederholt begegnet die Neunzahl bei der Ausübung der Hexerei. Die Hexen brauchen neun Kräuter zu ihren Zaubermitteln, neun Steine zur Beschwörung des Unwetters. Wenn man in der Christnacht auf einem Schemel von neunerlei Holze knieet, kann man die Weiber erkennen, die Truden oder Hexen sind. Die Katzen verwandeln sich in Hexen, wenn sie neun Jahre alt sind. Ein altes Weib, das ein junges Mädchen zur Hexerei verführen wollte, bestellte dieses in die neuute Nacht.

Wie die Seelen und Maren erkennt man die Hexen an zusammengewachsenen Augenbrauen, roten, triefenden Augen, dem watschelndem Gange, denn sie haben Plattfüße, Drudenfüße, und daran, daß sie einem nicht ins Gesicht sehen und über keinen Besen hinwegschreiten können. Sie können nicht weinen, ihre Gesichtsfarbe ist fahl, ihr Haar verwirrt und struppig, ihr ganzer Leib mager, doch gibt es auch junge und schöne Hexen. Die Hexe im Märchen von Schneewittchen (K. H. M. Nr. 53) nimmt die Gestalt eines alten Weibes an und bereitet den Giftkamm.

Auf abgebrochenen, starr emporragenden Felsen halten die Hexen ihre Zusammenkunft mit Tanz und Schmaus. Ein solches abgebrochenes Felsstück hieß urgerm. *bruklaz, daher sind die Brockelsberge = Blocksberge die Versammlungsorte der Hexen. Der Brocken im Harz ist schon 1438 Hexentanzplatz. Andere Blocksberge sind in Mecklenburg, Preußen und Holstein. In Thüringen versammeln sich die Hexen auf dem Hörselberg und auf dem Inselsberg, in Hessen auf dem Bechelberg, in Franken auf dem Staffelstein; an den Jaberg und den Fuchsberg bei Hilden am Rhein heftet sich noch jetzt der Hexenglaube. Sicher waren die alten Blocksberge auch ehemalige Kultstätten, wo den seelischen Geistern geopfert wurde. Schon die Hauptzeiten der Hexenversammlungen: die Nacht vom letzten April zum 1. Mai, die Walpurgisnacht, die zwölf Nächte und die Johannisnacht zeigen, daß wir es mit alten Opferfesten zu tun haben. Überhaupt bewahrt die Beschreibung des Hexensabbats deutlich die Erinnerung an heidnische Opferfeiern, die auf Bergeshöhen gehalten werden, besonders an die Opferfeste der Weiber. Wenn die Hexen den nackten Körper gesalbt haben, fahren sie in Weibsgestalt oder in Tiere verwandelt durch die Luft nach dein bestimmten Festplatze, einem Berge oder auch einer Wiese. Dort schlingen sie den Reigen, den Hexentanz, und führen wilde Tänze auf, schlachten das Opfer und schmausen in toller Gier; namentlich ist es ein Pferde- und ein Menschenopfer, und die Herzen gelten als besonderer Leckerbissen. Schon die Lex Salica deutet auf ein gemeinsames Kochen der Hexen. Strafen werden über den verhängt, der einen Mann Hexenkesselträger, einen, der sich dazu hergibt, den Hexen ihr Gerät zu tragen, schimpft (hereburgius hoc est strioporcio). Die volkstümlichen Schilderungen haben den zum Opferfest gehörenden Reigen und die Opfermahlzeit bis heute festgehalten.

Die Germanen kannten männliche und weibliche unheimliche Geister. Der Münchener Nachtsegen begreift unter den nahtvarn auch die um Wütan und den Alp gescharten Gespenster, kennt also wohl auch das Masculinum „der naht-vare“ neben dem Femininum „diu nahtvare“. Die Gesamtheit der das Gebild von Menschenhand hassenden Wesen nannte man „Unhold“, das Bösgesinnte, Feindliche. Aber schon bei den Goten muß der Glaube an weibliche Wesen überwogen haben; denn Wulff  übersetzt das griechische daipiov, daipoviov mit dem fern, unhol^ö, seltener gebraucht er das Masc. unhul£>a. Ein anderes Collectivum zur Bezeichnung der unheimlichen Mächte scheint mhd.: „daz getwas“ gewesen zu sein (Betörung, das Betörung wirkende): der Zustand ist in ein mythologisches Wesen verwandelt, das diesen Zustand herbeiführt. Der München er Segen bezeichnet das gesamte Hexengesindel als „unreiniz getw&z“. Aus einem Gedichte des 14. Jhds. „Irregang und Girregar“ geht der Zusammenhang des Hexenwahnes mit dem Alptraume hervor. Als ein Vater tobt, daß ein Fremder bei seiner Tochter gewesen sei, beruhigt ihn seine Frau damit, daß ein böser Traum ihn gequält habe:

Dich hät geriten der mar,

Kin elbischez äs.

Du solt daz ttbele getwäs Mit dem kriuze vertriben.

Der Mann meint freilich: die Weiber sagten immer, wenn den Männern etwas begegne, ein Alp betrüge sie, aber endlich glaubt er doch, daß er von Übeln Ungeheuern genarrt sei. Der heute fast ausschließlich noch bekannte Name Hexe heißt ahd. hagzissa, hagazussa, hagzus, ags. haegtesse, mndl. haghetisse, mhd. hecse oder ahd. häzus, häzissa. Das Wort wird meist als ein Compositum aufgefaßt, aber seine Bedeutung ist noch nicht völlig aufgeklärt. Man hat an das Ad-ject. haga* gedacht: das kluge, verschmitzte Weib, oder an hac Wald, Hain: Hage Dise= Waldweib, oder bei dem zweiten Teile an altengl. tesu, Schade, Frevel, tesvian verderben = Waldfrevlerin, Feldschade. Neuerdings geht man umgekehrt von der kürzeren Form aus: hazusa ist eine alle Partizipialbildung zu ahd. hazzen, got. hatan, d. i. hassen; *haga—hazusa ist also die Hassende im Hag, im Walde = die hassende, feindselige Waldfrau. Aber ein Zusammenhang der Hexen mit dem Walde ist nur schwach bezeugt. In der Kaiserchronik (12. Jhd.) wird eine Frau Hexe gescholten und ihr zugerufen: Dü soltest pilltcher dä ze holze varn,

Danne di mägede hie bewarn;

Dü bist ain unholde, —

und im Märchen von Hansel und Gretel (K. H. M. Nr. 15) haust die böse Hexe im wilden Walde und lauert den Kindern auf, tötet sie, kocht sie und ißt sie auf. Selbst wenn man für Hag die ursprüngliche Bedeutung annimmt, „umhegte Flur“, die Hexe also als die Feld und Flur Anfeindende,
Schädigende erklärt, bleibt immer ein grammatisches Bedenken: der Stammvokal von häzus ist lang, wie sich schon aus dem Fehlen des Umlautes ergibt. Daran scheitert auch die Deutung: hagazessa = Schlagwetter, Unwetter, die Personifikation des aufziehenden Sturmes und Wetters (hag gehört zu einem verschollenen Verbum = schlagen; ahd. zessa, mhd. zcsse = Sturm). Geiler von Kaisersberg nennt die Hexe eine „Zessenmacherin“ == Sturmerregerin; aber dies Wort hat mit der ahd. Form nichts zu tun. Somit bleibt für den ersten Teil des Compositums nur das Adjectivum haga übrig = schattenhaft, gespeusterhaft und für den zweiten Teil die idg. Wurzel „des“ anfeinden (skr. däsyus, ags. tesu Schaden), die Hexe ist also die gespenstische Schädigerin. Diese Erklärung ist außerordentlich ansprechend, aber leider ist diese Bedeutuug nur erschlossen, nicht tatsächlich bewiesen. Neuerdings unterscheidet man zwischen der Hexe der heidnischen Zeit, die wirklich ein dämonisches Wesen war, ein „spottendes, höhnendes“ Gespenst, die „Gauklerin“, (*hagat zu xjjpafo) „schmähe“, skr. käkkati „lacht“) und zwischen der Hexe der jüngeren Zeit, die ein Zauberei treibender Mensch war: die meisten Bestandteile von dem, was wir volkstümlichen Hexenglauben nennen, scheinen romanischen oder durch die romanische Welt vermittelten orientalischen Ursprunges zu sein.

Die Bezeichnung Truden für Hexen ist bis heute in Oberdeutschland üblich. In Österreich sagt man: „Es hat mi die Trud druckt“. Sie kann ungeheure Größe annehmen, aber sich auch ganz klein machen, kommt des Nachts in die Häuser und drückt die Leute oder quält das Vieh im Stalle. In Tirol, an einem Bergabhange des Matscher Tales, am „Trudenfuß“, ist die Stapfe eines rechten Fußes einer Steinplatte eingedrückt, und an der jenseitigen Talwand befindet sich ein linker Fußtritt. Diese Spuren rühren von der „großen Trude“ her, die hier saß, aufstand und übers Tal wegschritt. Der Drudenfuß, d. h. der Abdruck der ineinander geschränkten Füße einer Drude, gilt noch heute als Abwehrmittel gegen böse Geister, besonders gegen den Alp. Er wird an der Wiege und an der Tischplatte angebracht, auch an der Schwelle, und hat die Gestalt des sogenannten Pentagramma.

Der Drudenfuß auf Faustens Schwelle verwehrt Mephistopheles das Entweichen. Die „große Trude“ kennt vielleicht auch der Münchener Nachtsegen, wo sie als Trutan (trut-an Stammmutter der Truden) neben Wütan erscheint, wenn der Name nicht slavisch ist. Truden sind also Hexen, bei denen die Tätigkeit des Alps besonders hervortritt. In Oberdeutschland ist dann der Name auf den Alp übergegangen.

Neben der Hexe erscheint in Beichtbüchern des 14. und 15. Jhds. der Bilwis; der, wie es scheint, slavische Name ist auf ein deutsches männliches Seelen wesen übertragen. In ganz Süddeutschland gilt der Bilwisschneider noch heute für einen Hexenmann. Unter denen, die keinen Zutritt zum Abendmahl haben, werden auch die genannt, „die da sagen, daß sie mit der Perchta, den Bilbissen oder Truden auf den Blocksberg fahren“; der Bilwis befindet sich also in der Gesellschaft nächtlich ausfahrender Hexen. Wie man die langen Streifen, die sich der Hase im hohen Getreide durchbeißt, noch heutzutage für Hexenwerk ansieht und mit dem Namen Hexenstiege belegt, so holt sich der Bilwis seinen Zehnten von Korn und Roggen und schneidet lange Streifen durchs Getreide, den sogen. Bilmesschnitt. Wie von der Hexe, so weiß man in Thüringen von dem tödlichen Blicke des Bilmesschnitters: will ihm einer aufpassen, so muß ersterben, wenn der Schnitter ihn früher, als er jenen, erblickt; so mörderisch ist sein Blick, daß man ihn selbst damit töten kann, indem man einen Spiegel vor die Brust nimmt: erblickt sich der andere darin, so verliert er sein Leben; bei Wolfram von Eschenbach schießt er wie ein elfischer Geist, wie eine Hexe durch die Kniee und lähmt Fliehende (Willehalm 324, 6). Er entzieht gleichfalls den Kühen die Milch, hat seinen Sitz im Baume, besorgt im Stalle die Pferde und flicht ihnen die Mähnen, verfilzt sie aber auch. Wo der gespenstische Schnitter durch die Felder geht, werden die Halme braun und die Ähren ohne Körner. Wenn er mit ausgebreiteten Armen durch die Äcker wandert, steigt Rauch hinter ihm auf, und
alle Ähren, die er berührt, tragen statt Mehl Asche. Er reitet wie die Hexe auf einem Geisbocke mit drei Füßen und legt breite verwüstete Streifen durch das Getreide, oder er schwebt über den Äckern, die Schnittsichel am Geißfüße, und wo der Fuß das Korn berührt, verschwindeu die Ähren und der gestutzte Halm wird schwarz; von einem solchen Felde sagt man, es sei verhext. Alle Körner fliegen beim Dreschen durch die Luft in die Scheuer des Zauberers, oder in die des Bauern, dem er als Hausgeist dient. „Für dy Pilbis“ soll man den Kindern Zettel um den Hals binden mit der Aufschrift: „von dannen weicht, ihr Träume, ihr schädlichen Gespenster“. Der Zusammenhang mit dem Seelen- und Alpglauben ist offenbar. Darum kann man auch Menschen erkennen, die diesen unheilvollen Zauber treiben: sie haben vorne auf dem Kopfe keine Haare und eine hohe, spitze Stirn. Wenn man einen Keil von geweihtem Wacholderholz in die Tenne einschlägt, so muß der Bilwisschnitter kommen: es ist gewöhnlich ein Nachbar. Ruft man ihn beim Erkennen mit Namen an, so muß er wie alle Nachtgeister sterben. Aber durch Opfer kann man ihn günstig stimmen. Man wirft beim Dreschen Wacholder nach links und ruft: „nimm, was dein ist“, sonst laufen die Körner dem Bilwis zu. Wenn man in der Christnacht das Getreide drischt, so trifft jeder Schlag des Flegels den Bilwisschnitter auf den Kopf.

Deutsche-Mythologie-BuchdeckelAuch hier ist der Glaube an die zauberische Kraft mancher Menschen und an ihre Fähigkeit, die Gestalt zu tauschen, sowie die Überzeugung vom Fortwirken der Seele wie beim Hexenwahne die Grundlage. Der Bilwis ist, wenn man den Namen aus dem Deutschen herleiten darf, der, „der das Wissen liebt, der dem Wissen holde“ (ahd. bili = gp/Aos lieb), eine passende Bezeichnung eines mit bevorzugten Geisteskräften Ausgestatteten, eines Zauberers; bei einseitiger Hervorhebung des zum Schaden der Menschen angewandten Wissens ergab sich die Bedeutung eines feindlichen Wesens von selbst. Noch im Mittelalter wird der Bilwis den Zauberern und Schwarzkünstlern gleichgestellt.

Germanenherz aus dem Buch: Deutsche mythologie in gemeinverständlicher darstellung (Paul Herrmann 1906)

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Auf der linken Seite wird hier das altnordische Original wiedergegeben, auf  der rechten Seite die deutsche Übersetzung.


Veit eg, að eg hékk   vindga meiði á   nætur allar níu,   geiri undaður   og gefinn Óðni,   sjálfur sjálfum mér,   á Þeim meiði,   er manngi veit,   hvers hann af rótum renn.
Við hleifi mig seldu   né við hornigi,   nýsta eg niður,   nam eg upp rúnar,   æpandi nam,   féll eg aftur Þaðan.
Fimbulljóð níu   nam eg af inum frægja syni   BölÞórs Bestlu föður,   og eg drykk of gat   ins dýra mjaðar,   ausinn Óðreri.
Þá nam eg frævast   og fróður vera   og vaxa og vel hafast.   Orð mér af orði   orðs leitaði,   verk mér af verki   verks leitaði.
Rúnar munt Þú finna   og ráðna stafi,   mjög stóra stafi,   mjög stinna stafi,   er fáði fimbulÞulur   og gerðu ginnregin   og reist Hroftur rögna,
Óðinn með ásum,   en fyr álfum Dáinn,   Dvalinn dvergum fyrir,   Ásviður jötnum fyrir,   eg reist sjálfur sumar.
Veistu hve rísta skal?   Veistu hve ráða skal?   Veistu hve fáa skal?   Veistu hve freista skal?   Veistu hve biðja skal?   Veistu hve blóta skal?   Veistu hve senda skal?   Veistu hve sóa skal?
Betra er óbeðið   en sé ofblótið,   ey sér til gildis gjöf.   Betra er ósent   en sé ofsóið.   Svo Þundur um reist   fyr Þjóða rök,   Þar hann upp um reis   er hann aftur of kom.
Ljóð eg Þau kann   er kannat Þjóðans kona   og mannskis mögur.   Hjálp heitir eitt   en Það Þér hjálpa mun   við sökum og sorgum   og sútum gervöllum.
Það kann eg annað   er Þurfu ýta synir   Þeir er vilja læknar lifa.
Það kann eg Þriðja   ef mér verður Þörf mikil   hafts við mína heiftmögu.   Eggjar eg deyfi   minna andskota,   bítat Þeim vopn né velir.
Það kann eg ið fjórða   ef mér fyrðar bera   bönd að bóglimum.   Svo eg gel   að eg ganga má,   sprettur mér af fótum fjötur   en af höndum haft.
Það kann eg ið fimmta   ef eg sé af fári skotinn   flein í fólki vaða,   flýgura hann svo stinnt   að eg stöðvigak   ef eg hann sjónum of sék.
Það kann eg ið sjötta   ef mig særir Þegn   á rótum rásviðar,   og Þann hal   er mig heifta kveður,   Þann eta mein heldur en mig.
Það kann eg ið sjöunda   ef eg sé hávan loga   sal um sessmögum.   Brennurat svo breitt   að eg honum bjargigak,   Þann kann eg galdur að gala.
Það kann eg ið átta   er öllum er   nytsamligt að nema.   Hvar sem hatur vex   með hildings sonum,   Það má eg bæta brátt.
Það kann eg ið níunda   ef mig nauður um stendur   að bjarga fari mínu á floti.   Vind eg kyrri   vogi á   og svæfik allan sæ.
Það kann eg ið tíunda   ef eg sé túnriður   leika lofti á.   Eg svo vinnk   að Þeir villir fara   sinna heimhama,   sinna heimhuga.
Það kann eg ið ellefta   ef eg skal til orustu   leiða langvini.   Undir randir eg gel   en Þeir með ríki fara,   heilir hildar til,   heilir hildi frá,   koma Þeir heilir hvaðan.
Það kann eg ið tólfta   ef eg sé á tré uppi   váfa virgilná.   Svo eg ríst   og í rúnum fák   að sá gengur gumi   og mælir við mig.
Það kann eg ið Þrettánda   ef eg skal Þegn ungan   verpa vatni á.   Munat hann falla   Þótt hann í fólk komi,   hnígura sá halur fyr hjörum.
Það kann eg ið fjórtánda   ef eg skal fyrða liði   telja tíva fyrir.   Ása og álfa   eg kann allra skil,   fár kann ósnotur svo.
Það kann eg ið fimmtánda   er gól Þjóðrörir   dvergur fyr Dellings durum.   Afl gól hann ásum   en álfum frama,   hyggju Hroftatý.
Það kann eg ið sextánda   ef eg vil ins svinna mans   hafa geð allt og gaman.   Hugi eg hverfi   hvítarmri konu   og sný eg hennar öllum sefa.
Það kann eg ið sautjánda   að mig mun seint firrast   ið manunga man.   Ljóða Þessa   mun Þú Loddfáfnir   lengi vanur vera.   Þó sé Þér góð ef Þú getur,   nýt ef Þú nemur,   Þörf ef Þú Þiggur.
Það kann eg ið átjánda   er eg æva kennig   mey né manns konu,   allt er betra   er einn um kann,   Það fylgir ljóða lokum,   nema Þeirri einni   er mig armi ver   eða mín systir sé.
Nú eru Hávamál kveðin   Háva höllu í,   allÞörf ýta sonum,   óÞörf jötna sonum.   Heill sá er kvað,   heill sá er kann,   njóti sá er nam,   heilir Þeir er hlýddu.

Ich weiß, daß ich hing   am windigen Baum   neun lange Nächte,   vom Speer verwundet,   dem Odin geweiht,   mir selber ich selbst,   am Ast des Baumes,   von dem niemand weiß,   aus welcher Wurzel er wuchs.
Sie boten mir   nicht Brot noch Met,   da neigt‘ ich mich nieder,   auf Runen sinnend,   lernte sie seufzend,   endlich fiel ich zur Erde.
Hauptlieder neun   lernt‘ ich von dem weisen Sohn   Bölthorns, des Vaters Bestlas,   und ich trank einen Trunk   des teuern Mets   aus Odhrörir geschöpft.
Zu gedeihen begann ich   und begann zu denken,   wuchs und fühlte mich wohl.   Wort aus dem Wort   verlieh mir das Wort,   Werk aus dem Werk   verlieh mir das Werk.
Runen wirst du finden   und Ratestäbe,   sehr starke Stäbe,   sehr mächtige Stäbe,   Erzredner ersann sie   und Götter schufen sie   uns sie ritzte der hehrste der Herrscher.
Odin den Asen,   den Alfen Dain,   Dwalin den Zwergen,   Alswid den Riesen,   einige ritzte ich selbst.
Weißt du wie man ritzen soll?   Weißt du wie man raten soll?   Weißt du wie man finden soll?   Weißt du wie man erforschen soll?   Weißt du wie man bitten soll?   Weißt du wie man opfern soll?   Weißt du wie man senden soll?   Weißt du wie man tilgen soll?
Besser nicht gebeten   als zu viel geboten,   die Gabe will stets Vergeltung.   Besser nicht gesendet   als zu viel getilgt.   So ritzt es Thundr   zur Richtschnur den Völkern,   dann entwich er   dahin, wo er herkam.
Lieder kenn ich   die kann die Königin nicht   und keines Menschen Kind.   Hilfe verheißt mir das erste   denn helfen mag es   in Streiten und Zwisten   und in allen Sorgen.
Das kann ich als anderes   des alle bedürfen,   die heilkundig heißen.
Das kann ich als drittes   des ich bedarf   meine Feinde zu fesseln.   Die Spitze stumpf   ich dem Widersacher,   mich verwunden nicht Waffen noch Listen.
Das kann ich als viertes   wenn der Feind mir schlägt   in Bande die Bogen der Glieder.   Sobald ich es singe   so bin ich ledig,   von den Füßen fällt mir die Fessel   der Haft von den Händen.
Das kann ich als fünftes   wenn ich sehe einen Pfeil gefährdend fliegen   übers Heer daher,   wie hurtig er fliege   ich mag ihn hemmen   erschau ich ihn nur mit dem Sehen.
Das kann ich als sechstes   so wer mich versehrt   mit harter Wurzel des Holzes,   und den andern allein   der mir es antut,   verzehrt der Zauber, ich bleibe frei.
Das kann ich als siebentes   wenn hoch der Saal steht   über den Leuten in Lohe.   Wie breit sie schon brenne   daß ich sie noch berge,   den Zauber weiß ich zu zaubern.
Das kann ich als achtes   das allen wäre   nützlich und nötig.   Wo Hader zu entbrennen scheint   mitten unter Helden   da vermag ich ihn schnell zu schlichten.
Das kann ich als neuntes   wenn Not mir ist   vor der Flut das Fahrzeug zu bergen.   Ich wende den Wind   von den Wogen ab   und beschwichtige rings alle See.
Das kann ich als zehntes   wenn ich sehe Zaunreiterinnen   durch die Lüfte lenken.   Ich wirke so   daß sie wirre zerstäuben,   zu Gespenstern werden   als Gespenster schwinden.
Das kann ich als elftes   wenn ich zum Angriff soll   die treuen Freunde führen.   In den Schild fing ich’s,   so zieh’n sie siegreich,   heil in den Kampf,   heil aus dem Kampf,   bleiben heil wohin sie ziehn.
Das kann ich als zwölftes   als ich sah am Zweige hängend   vom Strang erstickt ein Toter.   Wie ich ritze   das Runenzeichen   so kommt der Mann   und spricht mit mir.
Das kann ich als dreizehntes   soll ich ein Degenkind   in die Taufe tauchen.   So mag er nicht fallen   im Volksgefecht,   kein Schwert mag ihn versehren.
Das kann ich als vierzehntes   soll ich dem Volke   der Götter Namen nennen.   Asen und Alfen   kenn ich allzumal,   wenige sind so weise.
Das kann ich als fünfzehntes   das sang Volkrörir   der Zwerg vor Dellings Schwelle.   Den den Asen sang er Stärke   den Alfen Gedeihn,   hohe Weisheit dem Hroptatyr.
Das kann ich als sechzehntes   will ich schöner Maid   in Lieb und Lust mich freuen.   Den Willen ich wandel   der Weißarmigen   und daß sich mir ganz ihr Sinn gesellt.
Das kann ich als siebzehntes   daß schwerlich wieder   die holde Maid mich meidet.   Dieser Lieder   magst Du, Loddfafnir,   lange ledig bleiben.   Doch wohl Dir, weißt Du sie,   Heil dir, behältst Du sie,   selig, singst du sie.
Das kann ich als achtzehntes   das ich aber nicht singe   vor Maid noch Mannes Weibe,   als allein vor ihr   die mich umarmt,   oder sei es meiner Schwester,   besser ist was einer   nur weiß   so frommt das Lied mir lange.
Des Hohen Lied ist gesungen   in des Hohen Halle,   den Erdensöhnen not,   unnütz den Riesensöhnen.   Wohl dem, der es kennt,   wohl dem, der es kann,   lange lebt, der es erlernt,   Heil allen, die es hören.