Heute vor 133 Jahren verstarb unser Kaiser Wilhelm I.

Wilhelm I., mit vollem Namen Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen (* 22. März 1797 in Berlin; † 9. März 1888 ebenda), aus dem Haus Hohenzollern war von 1861 bis zu seinem Tod König von Preußen und seit der Reichsgründung 1871 erster Deutscher Kaiser.
Durch die Kaiserproklamation, die am 18. Januar 1871, dem 170. Jahrestag der Königskrönung Friedrichs III. von Brandenburg, im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles stattfand, nahm Wilhelm für sich und seine Nachfolger zur Krone Preußens den Titel eines Deutschen Kaisers an und versprach, „allzeit Mehrer des Deutschen Reichs zu sein, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiet nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung“.

Wirken
Zu seinem Wirken heißt es:
„Prinz Wilhelm von Preußen ging schon in eisgrauem Haar, da wies ihm das Schicksal seinen geschichtlichen Auftrag. Er war noch ein Knabe, als er mit seiner Mutter, der Königin Luise, vor Napoleons Heeren ins winterliche Ostpreußen floh. Er war ein reifer Mann, als ihn der lärmende Pöbel der Märzrevolution 1848 erbittert verfolgte, weil er das preußische Heer und die preußische Ehre dem liberalen Geschwätz nicht ausliefern wollte. Er schien als Bruder des Königs für immer dazu bestimmt, neben dem Thron zu stehen und seine Kraft an geringeres Werk zu verschwenden, als es die Führung des Landes war. Doch plötzlich rief ihn das Schicksal zum Amt: der Tod des Königs macht den Prinzen von Preußen zum preußischen Herrscher. Ein märkischer Junker, Otto von Bismarck, bei allen Bedenklern als jäher Waghals verschrien, vom König selber anfänglich nur mit Argwohn betrachtet, ist sein Schicksal geworden. Selten nur hat ein Herrscher von innerem Rang sich so vor seinem treuesten Diener gebeugt wie dieser greise König von Preußen vor Bismarck, der das neue Reich geschaffen hat. Selten ließ, trotz mancher Bedenken, ein Fürst die Getreuen so schrankenlos walten.“

Titel
Der Kaiser des Deutschen Reiches war auch weiterhin König von Preußen und trug zudem noch 51 weitere Titel:
Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit [Majestät] Wilhelm der Erste, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser und König von Preußen, Markgraf von Brandenburg, Burggraf von Nürnberg, Graf von Hohenzollern, Herzog von Schlesien und des Landes Glatz, Großherzog des Niederrheins und Posens, Herzog von Sachsen, von Westfahlen und Engern, Herzog von Pommern und von Lüneburg, Herzog von Hollstein und von Schleswig, Herzog von Magdeburg, von Bremen, Geldern, Jülich und Berg, Herzog der Wenden und Kaschuben, Herzog von Krossen, Launburg und Mecklenburg, Landgraf von Hessen und Thüringen, Markgraf der Ober- und der Niederlausitz, Prinz von Oranien, Prinz von Rügen, von Ostfriesland, von Paderborn und von Pyrmont, Prinz von Halberstadt, von Münster, Minden, Osnabrück, Hildesheim, Verden, Kammin, Fulda, Nassau und Moess, gefürsteter Graf von Henneberg, Graf der Mark Ravensberg, Graf von Hohenstein, Tecklenburg und Lingen, Fürst von Mansfeld, Sigmaringen und Veringen, Gebieter von Frankfurt.

Literatur:
Otto Süß: Wilhelm, Deutscher Kaiser und König von Preussen. Allerhöchster Kriegsherr der Deutschen Armee und Marine, 1877; in: „Geschichte der Königlichen Schloß-Garde-Kompagnie zur Feier ihres 50jährigen Bestehens“, 1879 (Chronologischer Werdegang als PDF ab Seite 15)
Christian Schwochert: Kaiser Wilhelm I, CreateSpace Independent Publishing Platform, 2015, ISBN 978-1511882835
Berthold Volz: Wilhelm der Große – deutscher Kaiser und König von Preußen (PDF-Datei) Für Nicht-USA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
Louis Schneider: Aus dem Leben Kaiser Wilhelms, 1849–1873 (1888) (PDF-Dateien: Band 1, Band 2)
Kaiser Wilhelms des Grossen Briefe, Reden und Schriften; ausgewählt und erläutert von Ernst Berner (1906) (PDF-Dateien Teil 1, Teil 2)
Ottokar Lorenz: Gegen Bismarcks Verkleinerer: ‚Nachträge zu Kaiser Wilhelm und die Begründung des Reichs‘ (1903), (PDF-Datei)
Johannes Penzler: Kaiser- und Kanzlerbriefe: Briefwechsel zwischen Kaiser Wilhelm I. und Fürst Bismarck (1900), (PDF-Datei 15MB)
Hermann Lieb / Emil Dietzsch: Kaiser Wilhelm I., der Schöpfer des neuen Deutschen Reiches (1888) (PDF-Datei) Für Nicht-USA-Bewohner nur mit US-Prxy abrufbar!
Bernhard Rogge: Kaiser Wilhelm der Siegreiche. Sein Leben und seine Thaten für das Volk und die Jugend, 1890 (PDF-Datei) Für Nicht-USA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
Wilhelm Müller: Kaiser Wilhelm. Sein Leben und seine Zeit, 1797–1888, 1888 (PDF-Datei) Für Nicht-USA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
PDF Ludwig Büchner: Zwei gekrönte Freidenker, ein Bild aus der Vergangenheit als Spiegel für die Gegenwart. Dem deutschen Volke gewidmet, 1890
Gustav Schmoller: Der erste Hohenzollern-Kaiser. Eine Gedächtnisrede, in: Hohenzollern-Jahrbuch. Forschungen und Abbildungen zur Geschichte der Hohenzollern in Brandenburg-Preussen, 1897 (PDF-Datei)
Karl Pagel: Kaiser Wilhelm I., in: Willy Andreas / Wilhelm von Scholz (Hgg.): Die Großen Deutschen. Neue Deutsche Biographie. Propyläen Verlag, Berlin, 4 Bde. 1935–1937, 1 Ergänzungsbd. 1943; Dritter Band, S. 370–384
Rolf Kosiek: Die Zerstörung des Kaiser Wilhelm-Denkmals am Deutschen Eck, in: Rolf Kosiek / Olaf Rose (Hgg.): Der Große Wendig, Band 3, Grabert Verlag, Tübingen, 3. Aufl. 2010, S. 633 ff.Weitere Dokumente finden Sie in den Rubriken  19. Jahrhundert  Deutsches Kaiserreich  Weimarer Republik  Bundesrepublik Deutschland

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Eine besondere Welle der Kritik löste die Nachricht aus, Prinz …

Hausarchiv der Familie

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Links

  • History of Germany: Primary Documents
    sehr empfehlenswerte Linkliste zu Quellen und Dokumenten der deutschen Geschichte vom Mittelalter bis zur Zeitgeschichte (die Sprache variiert entsprechend der gelinkten Webseite)
  • Dokumente des Mercosur
    alle wichtigen Dokumente zu dieser Wirtschaftsintegration + Verfassungen der Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay (deutsch)
  • Mitteleuropa.de – Gesetze
    historische Gesetze, Erlasse und internationale Verträge der mitteleuropäischen Staaten, wie z.B. Tschechoslowakei und Deutschland (deutsch)
  • Feldpost-Archiv.de
    ausgewaehlte Feldpostbriefe des Zweiten Weltkriegs im Original und als Transkript sowie umfangreiche weitere Informationen zu diesem Thema (deutsch)

Das Deutsche Kaiserreich besteht weiter!  Leben wir im Deutschen Reich? Die Regierung sagt ja. Was denkt ihr darüber? Was bedeutet das für das deutsche Grundgesetz und die BRD? Sind wir Doppelbürger, oder staatenlos? Was bedeutet es für Brüssel? Wie kam es wohl dazu und was … Weiterlesen

150 Jahre Kaiserproklamation in Versailles – Zweites Deutsches Kaiserreich Vor 150 Jahren, am 18. Januar 1871, wurde im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles das Deutsche Kaiserreich ausgerufen. Damit fanden die von Bismarck forcierten Einigungskriege ihren symbolischen Höhepunkt und Abschluss. Mit „Eisen und Blut“ war ein deutscher Nationalstaat geformt worden … Weiterlesen

Wer uns gefangen hält – Die Wahrheit über Deutschland
ergänzend Alles was nach dem Putsch vom 27.10.1918 hier in Deutschland gemacht wurde ist illegal und rechtsungültig,  alles nur Lügen, Täuschung und Betrug. Es sind Besatzungen nach dem Kirchlichen Handelsrecht, ein Staatswesen kann nur simuliert werden es sind rein juristische … Weiterlesen

ergänzend: Über Geschitsverdrehung und den Pöbelgeist – Pfarrer Hans Milch
  Dem guten ist viel erspart geblieben, der Verfall hat vom Vatikan vollends Besitz ergriffen. Wir haben einen links-grünen Papst der die Verschmelzung aller Religionen anstrebt und Unzucht nicht nur toleriert, ja unterstützt.  Wer uns gefangen hält – Die Wahrheit über Deutschland  Der Paps ist laut der Bibel der Antichrist. Das Tier aus dem Meer ist die kommende Diktatur von Europa aus dem Auferstandenen römische Reich. Lest das letzte Buch der Bibel….die Offenbarung…die Menschheit folgt Satan und wird belehrt durch Not Hunger Leid und danach durch Tod auf Erden….Reuet euch und die Strafe wird nicht folgen. ergänzend: Da der Friedrich in meinen Adern schlummert, hier mal mein Staufengebölke und Gelalle von T. Haas von Preußen.
Unsere Krone ging verloren.  Aber, ihr werdet sehen, es geht auch ohne Kreuz und Krone. Unser GOTT wohnt im Herzen – nicht im Vatikan! Wahrlich ich sage Euch, der Schöpfer vom Himmel und der Erde kennt keine Kirchen noch irgend welche Sekten mit ihren Lügen-Märchenbüchern. Wendet Euch ab von diesem Unsinn, welches nur Unheil über die Menschen gebracht hat. Großartige Dinge sind niemals, aus der Komfortzonen entstanden. Erst wenn alle Kirchen und Synagogen bis auf die Grundmauern niedergebrannt sind, wird es sich, zum guten wenden. Wir werden „GEMEINSAMals Diener des Staates, etwas ganz Neues aufbauen. Wenn . . . wir ein Volk sind. Wir haben nur die eine Chance „GEMEINSAMErst wenn wir, das Volk, uns „GEMEINSAM“ unsere Macht und Verantwortung zurückholen, kann und wird sich was ändern. Wir müssen unsere Kräfte bündeln. Wir müssen uns schnellstens Vereinigen. Das ist kein Spaß !!!

Stöbert mal durch meine Blogs. Da liegt noch mehr, zum Thema Preußen und dem Reich

preussen.de – Die offizielle Webseite des Hauses Hohenzollern

 Häufig gestellte Fragen

Erläuterungen zu den aktuellen Diskussionen

1. Wer sind die Hohenzollern und warum stehen sie überhaupt im Licht der Öffentlichkeit?
2. Wieso fordern die Hohenzollern heute eine Entschädigung? Aus welchem Grund und wofür?
3. Was genau fordert die Familie?
4. Wieso fordert die Familie überhaupt etwas zurück? Ist sie nicht schon in der Weimarer Republik entschädigt worden?
5. Will das Haus Hohenzollern auch Schlösser oder andere Immobilien zurück?
6. Will die Familie wirklich Kunstgegenstände zurück? Welche Gegenstände fordern Sie konkret? Sind darunter herausragende bzw. berühmte Stücke?
7. Was soll mit den Mobilien geschehen?
8. Nach EALG kann nur der Ansprüche stellen, dessen Vorfahren weder Kommunismus noch Nationalsozialismus „erheblichen Vorschub“ geleistet haben. Welche Rolle spielte die Familie Hohenzollern im Dritten Reich?
9. Was will die Familie mit den geforderten Gegenständen und finanziellen Mitteln tun?
10. Warum geht die Familie rechtlich gegen Berichterstattungen vor?
11. Warum werden die Verhandlungen im Geheimen geführt? Warum kann die interessierte Öffentlichkeit nicht daran teilhaben?

Restitutionsansprüche und der Ablauf der Ereignisse

Abdankung

9. November 1918

Mit dem Thronverzicht Kaiser Wilhelms II. und seinem Gang ins niederländische Exil endet die Monarchie in Deutschland. Sämtliches Eigentum des ehemaligen Kaiser- und Königshauses wird durch die Regierung der Weimarer Republik noch im November beschlagnahmt.

Auseinandersetzungsvertrag

12. Oktober 1925

Das Land Preußen und der Generalbevollmächtigte des Hauses Hohenzollern, Friedrich von Berg, unterzeichnen einen Vertrag, in dem abschließend geklärt wird, was dem Haus Hohenzollern als Privatvermögen zusteht und welche Gegenstände (Immobilien und bewegliche Gegenstände) dem Staat zufallen. Dieser Vertrag wird schließlich durch den Preußischen Landtag angenommen und als Gesetz beschlossen.

Volksgesetzgebung

1. Februar 1939

Das NS-Regime verschafft sich per Gesetz die Möglichkeit, in bereits vor 1933 abgeschlossene Auseinandersetzungsverträge einzugreifen.

Enteignung

8. Mai 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird in der SBZ eine sog. Bodenreform durchgeführt. Es werden fast 3,3 Millionen Hektar land- und forstwirtschaftliche Nutzfläche sowie 750.000 Fabriken, Wirtschafts- und Wohngebäude samt lebendem und totem Inventar enteignet. Das gilt auch für das gesamte Eigentum der Familie Hohenzollern in der SBZ.

Mauerfall

9. November 1989

Mit dem Fall der Mauer gab es für viele Familien die Hoffnung, enteigneten Besitz zurückzubekommen.

Wiedervereinigung

3. Oktober 1990

Wie viele tausend andere Betroffene stellt nach der Wiedervereinigung auch Prinz Louis Ferdinand sen. Antrag auf Rückübertragung von enteigneten Grundstücken und sonstigen Vermögenswerten. Aufgrund der unklaren Gesetzeslage scheiterte der Antrag auf Rückübertragung zunächst, bis 1994 eine klare gesetzliche Reglung getroffen wurde.

Generationswechsel

25. September 1994

Prinz Louis Ferdinand sen. stirbt im 86. Lebensjahr. Nachfolger als Chef des Hauses Hohenzollern wird dessen Enkel Georg Friedrich Prinz von Preußen. Der Generationssprung ist bedingt durch den frühen Tod seines Vaters, Prinz Louis Ferdinand jun., der in Folge eines Bundeswehrunfalls im Alter von 33 Jahren ums Leben kam.

EALG

27. September 1994

Das Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetz wird verabschiedet.

Ergebnis

bis 2014

Die zuständigen Ämter zur Regelung offener Vermögensfragen in Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt kommen nach über 20-jähriger Prüfung zu dem Schluss, dass Kronprinz Wilhelm würdig im Sinne des EALG sei und den öffentlich-rechtlichen Ansprüchen der Familie Hohenzollern stattgegeben werden muss. In der Begründung wird auch auf ein Gutachten von Professor Christopher Clark Bezug genommen.

Kanzleramt

26. Februar 2014

Mit dem Ziel einer umfassenden gütlichen Einigung kommt es auf Einladung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien zu einem ersten Zusammentreffen. Auf Vorschlag der öffentlichen Hand wird Vertraulichkeit vereinbart.

Kehrtwende

20. März 2014

Das Brandenburgische Finanzministerium unter Christian Görke (Die Linke) zieht das Verfahren an sich und erklärt die Entscheidung der drei Ämter zur Regelung offener Vermögensfragen für nichtig. Parallel dazu gelangen aus unbekannter Quelle vertrauliche Dokumente aus dem Verwaltungsverfahren im Vorfeld der Landtagswahlen an die Presse. Das Haus Hohenzollern stellt in der Folge Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Potsdam.

Gutachter

1. Juni 2014

Der brandenburgische Finanzminister Christian Görke (Die Linke) gibt zwei Gutachten in Auftrag. Auftragnehmer sind die Historiker Dr. Stefan Malinowski (University of Edinburgh) und Professor Peter Brandt (Fernuniversität Hagen). Das Haus Hohenzollern gibt den Wissenschaftlern die Gelegenheit, das Hausarchiv auf der Burg Hohenzollern zu nutzen. Davon wird kein Gebrauch gemacht. Die Ergebnisse der behördlichen Gutachten werden auch an die Presse weitergegeben. Außerdem veröffentlicht Gutachter Malinowski Ergebnisse aus beiden Gutachten im laufenden Verfahren vorab in der Zeitung „Die ZEIT“. Zusätzlich zu Professor Clark (Universität Cambridge) beauftragt Prinz Georg Friedrich mit Professor Wolfram Pyta (Universität Stuttgart, Forschungsstelle Ludwigsburg zur NS-Forschung) einen ausgewiesenen Kenner der Weimarer Republik. Er soll die Rolle des Kronprinzen in der Weimarer Republik und während des NS-Regimes untersuchen.

Ablehnung

27. Oktober 2015

Unabhängig von den stattfindenden Sondierungsgesprächen wird der Antrag der Familie auf Restitution durch das brandenburgische Finanzministerium abgelehnt.

Klage

27. November 2015

Das Haus Hohenzollern reicht Klage vor dem Verwaltungsgericht Potsdam gegen den ablehnenden Bescheid des brandenburgischen Finanzministers ein.

Verfahrenspause

30. Januar 2018

Das Haus Hohenzollern und die Öffentliche Hand einigen sich darauf, dass beim Potsdamer Verwaltungsgericht anhängige Verfahren auszusetzen, um das Ziel einer umfassenden gütlichen Einigung zu ermöglichen.

Erfassung

12. Juni 2018

Die Öffentliche Hand, die Kultureinrichtungen und das Haus Hohenzollern verständigen sich auf eine gemeinsame Bestandsaufnahme der 15.000 in Frage kommenden Objekte, um sie in einer Datenbank zu erfassen.

Weitergabe

1. Juli 2019

Erneut werden Dokumente aus den Verhandlungen an die Öffentlichkeit gegeben.

Anhörung

29. Januar 2020

Die Verhandlungen des Bundes und der Länder mit dem Haus Hohenzollern werden Gegenstand einer Anhörung im Kulturausschuss des Bundestages.

Stellungnahmen und Neuigkeiten

Die Diskussionen um das Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsverfahren des Hauses Hohenzollern mit der öffentlichen Hand sowie dessen Gespräche mit der öffentlichen Hand wurden von Beginn an von einem starken medialen Interesse begleitet. Die Berichterstattung zu dem seit mittlerweile über 25 Jahre währenden Verfahren war dabei stets sachlich und ausgewogen. Mit der selektiven Herausgabe von Dokumenten und deren Veröffentlichung im Juni dieses Jahres wurden vermehrt falsche Tatsachenbehauptungen aufgestellt. Sie wurden wiederholt die Grundlage der öffentlichen Diskussionen. Die Behauptung, die Familie habe „sich des Rechtsystems der BRD bedient, um gegen unliebsame Berichterstattung vorzugehen“ gehört ebenso dazu wie die Behauptung, die Familie würde versuchen „ihre eigene Geschichte umzudeuten“. Im Folgenden wird der Versuch unternommen, mit zusätzlichen Informationen einer ausgewogeneren Diskussion zu dienen.

Stellungnahme zu einem Artikel in „Der Spiegel“ vom 14. Dezember 2019

„Feldzug gegen Historiker“

Im Magazin „Der Spiegel“ vom 14. Dezember 2019 erschien ein Artikel unter der Überschrift „Historiker kontra Hohenzollern“. Dieser Artikel behandelt den Vorwurf, das Haus Hohenzollern führe „einen juristischen Feldzug“ gegen Historiker. Nahezu zeitgleich mit dessen Erscheinen gab es auf dem Wikipedia-Eintrag zu „Hohenzollern“ bereits einen entsprechenden Link zur Online-Version des Artikels. Im Folgenden werden einzelne […]


Stellungnahme zu einem Artikel in „Der Spiegel“ vom 7. Dezember 2019

Verkauf einer Büste

Im Magazin „Der Spiegel“ vom 7. Dezember 2019 erschien ein Artikel unter der Überschrift „Zwei Übel“. Der Autor dieses Artikels berichtet unter anderem „…der Prinz von Preußen hat schon einmal Gemälde und Skulpturen zurückgefordert, darunter eine Büste von Christian Daniel Rauch. Sie wurde dann in London versteigert.“ Diese Aussage ist falsch. Bei der im Artikel […]


Stellungnahme zur Diskussion über das Hausarchiv der Hohenzollern

Hausarchiv der Familie

Unter der Überschrift „Manipulation der Geschichte“ erschien am 30. Juli 2019 in der „Berliner Zeitung“ ein Interview mit der Historikerin Dr. Carina Urbach. Gleichlautend äußert sich die Wissenschaftlerin auch am 31. Juli im Interview mit der „Frankfurter Rundschau“. Im Rahmen dieser Veröffentlichungen gab Frau Dr. Urbach grundlagenlos u.a. an, das Hausarchiv der Hohenzollern stünde angeblich […]


Stellungnahme zur Diskussion über das Hohenzollern-Museum

„Deutungshoheit“

Eine besondere Welle der Kritik löste die Nachricht aus, Prinz Georg Friedrich von Preußen „verlange vom Staat“ ein „mit öffentlichen Mitteln finanziertes“ „Familienmuseum“. Darüber hinaus „verlange die Familie ein Mitspracherecht, um die eigene Geschichte umschreiben zu können“. Als Quelle wurde in den meisten Fällen das Vergleichsangebot der Familie an die Öffentliche Hand vom Frühjahr 2019 […]


Samstag, 21. Dezember 2019, 19.20 Uhr Kultur-Doku von Janin Renner und Tita von Hardenberg

Wem gehören die Schätze des Kaisers?

Der Film von Janin Renner und Tita von Hardenberg über das Restitutionsverfahren und die Verhandlungen des Hauses Hohenzollern mit der öffentlichen Hand ist die bisher umfassendste Dokumentation zu diesem Thema. Der Beitrag gibt ausführlich die verschiedenen Sichtweisen wieder, widmet sich aber auch den historischen Hintergründen. Zu Wort kommen unter anderen Wolfgang Thierse (Bundestagspräsident a.D.), Benjamin […]


Agenturmeldungen vom 27. Dezember 2019

„Gekippte Stimmung“

In den vergangenen Tagen haben einige Medienberichte nahegelegt, die Gespräche des Hauses Hohenzollern mit der öffentlichen Hand seien aufgrund von „verlorenem Vertrauen“ seitens der Verhandlungspartner ins Stocken geraten. Das stimmt nicht. Bereits das letzte gemeinsame Treffen des Hauses Hohenzollern mit Vertretern der Länder Berlin, Brandenburg sowie dem Bund am 24.Juli 2019 diente dem Zweck, Fehlinformationen […]


Schreiben an den Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V. vom 21. Dezember 2019

Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V.

Zu den öffentlich geäußerten Vorwürfen, das Haus Hohenzollern würde versuchen, wissenschaftliches Arbeiten zu verhindern, nimmt Rechtsanwalt Markus Hennig in einem Brief an den Verein „Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V.“ wie folgt Stellung:   Berlin, den 21. Dezember 2019 Sehr geehrte Damen und Herren, durch eine Pressemeldung vom 14.12.2019 bin ich darauf aufmerksam geworden, der Verband […]

Friedrich Wilhelm von Preußen

Kein Volk versinkt, das an sich selber glaubt; auch ich sah Sterne hell aus Nächten steigen. Einst kommt der Tag, da steht der Baum belaubt, und ein freies Volk wohnt unter seinen Zweigen.
friedrich_der_grosse Friedrich II., auch Friedrich der Große oder der Alte Fritz genannt,  24. Januar 1712 in Berlin – 17. August 1786 in Potsdam) war seit 1740 König in Preußen und ab 1772 „König von Preußen“. Als Kurfürst und Markgraf von Brandenburg wird er als Friedrich IV. gezählt.

Durch die Schlesischen Kriege zwischen 1740 und 1763 erlangte er für Preußen die Eroberung Schlesiens gegen Österreich und mit dem für Preußen glücklichen Ausgang des Siebenjährigen Krieges die europaweite Anerkennung als Großmacht.

Friedrich gilt als Repräsentant des aufgeklärten Absolutismus. So bezeichnete er sich selbst als „ersten Diener des Staates“.

Titel Friedrichs des Großen

König von Preußen, Markgraf zu Brandenburg, souveräner und oberster Herzog von Schlesien, souveräner Prinz von Oranien, Neuschatel und Valengin, wie auch der Grafschaft Glatz, in Geldern, zu Magdeburg, Cleve, Jülich, Berg, Stettin, Pommern, der Kaschuben und Wenden, zu Mecklenburg und Crossen, Herzog, Burggraf zu Nürnberg, Fürst zu Halberstadt, Minden, Kammin, Wenden, Schwerin, Ratzeburg, Ostfriesland und Mörs, Graf von Hohenzollern, Ruppin, der Mark, Ravensburg, Hohenstein, Tecklenburg, Schwerin, Lingen, Büren und Leerdam, Herr von Ravenstein, der Lande Rostock, Stargard, Lauenburg, Bütow, Arlay und Breda etc.

Leben

Einführung

Friedrich der Zweite, den sein Volk nach unglaublichen Siegen ehrfurchtsvoll „den Großen“ nannte, war einer der größten Könige der deutschen Geschichte. Seinen Beinamen „der Große“ erhielt er nach dem Zweiten Schlesischen Krieg im Jahre 1745. Nach dem Siebenjährigen Krieg, dem dritten, den er zum Anschluß Schlesiens an Preußen führte, nannte man ihn liebevoll den „Alten Fritz“, obwohl er erst 51 Jahre alt war.

Kindheit und Jugend

Friedrich II. wurde am 24. Januar 1712 in Berlin geboren, als Sohn Friedrich Wilhelms I., des sogenannten „Soldatenkönigs“. Seine Mutter, Sophie Dorothea von Hannover, die einzige Tochter des späteren Königs Georg I. von England (auch des Kurfürsten von Braunschweig-Lüneburg) und dessen Frau Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg-Celle, war der musische Gegensatz zu dem äußerst strengen Vater. Zu ihr fühlte sich das empfindsame Kind und später der junge Friedrich hingezogen. Von ihr fühlte er sich in seiner Liebe zur Musik und Dichtkunst ebenso verstanden wie von seiner älteren Schwester Wilhelmine. Obwohl in die Rolle des Kronprinzen hineingeboren, stieß ihn alles Soldatische aufgrund der oft überharten Erziehungsmaßnahmen seines Vaters zunächst ab.

Für den Gang der Erziehung des jungen Friedrichs entwarf Friedrich Wilhelm I. einen genauen Plan. Liebe zu Soldatenstand, Frömmigkeit des Herzens, Liebe und Furcht zu Gott waren die Hauptgrundzüge; danach kam das wissenschaftliche Gebiet. Als dann aber gewisse Neigungen des jungen Friedrichs gar zu sehr von den Grundsätzen des Vaters abwichen, kam es zu einem Zerwürfnis zwischen Vater und Sohn. Der Prinz zeigte lebhafte Hinneigung zu französischen Büchern. Er liebte es, sein Haar nach der Mode der Franzosen zu frisieren, trug, wenn der Waffendienst ihm Muße ließ, französische Kleider und liebte das Flötenspiel, da ihm eine große musikalische Begabung angeboren war. Sein Vater Friedrich Wilhelm fühlte sich durch und durch als deutscher Fürst und haßte alle französischen Sitten, denn es ging an den Höfen Deutschlands, wo man dem französischen Wesen Tür und Tor geöffnet hatte, schlimm genug zu. Als der Kronprinz Friedrich älter wurde, kam es zu immer stürmischeren Szenen zwischen Vater und Sohn. Der Jähzorn König Friedrich Wilhelms stieg oft so hoch, daß er seinen Prinzen körperlich mißhandelte.

Der aufgebrachte König, der die Folgen seiner Worte niemals erwog, fügte der Mißhandlung noch den Schimpf hinzu, indem er sagte:

Wäre er selbst von seinem Vater so behandelt worden, so hätte er sich totgeschossen, aber Friedrich habe keine Ehre, er lasse sich alles gefallen.

Von jenem Augenblicke an trug sich der Kronprinz ernstlich mit Fluchtgedanken, die er allerdings schon früher gehegt hatte. Der Kronprinz verabredete sich mit einigen seiner Freunde, dem Leutnant von Katte von den königlichen Gendarmen und den Brüdern Keith – der eine war Page, der andere Leutnant in Wesel – zur Flucht.

Auf einer Reise nach Süddeutschland, die der König am 5. August 1730 antrat, und auf welcher der Kronprinz ihn begleiten sollte, wollten die jungen Leute die Flucht durchführen. Im Dorf Steinsfurth, nahe Mannheim, übernachtete die Reisegesellschaft in zwei Scheunen, da Friedrich Wilhelm gerade solche einfachen soldatischen Reisequartiere liebte. Der Prinz gedachte über den Rhein nach Frankreich zu fliehen und dort Zuflucht zu suchen. Indessen hatte der Oberstleutnant von Rochow, des Prinzen militärischer Begleiter, dem Kammerdiener Gummersbach dringend empfohlen, auf seine Königliche Hoheit zu achten. Alsdann erwischte der Kammerdiener den jungen Prinzen bei seinem Fluchtversuch und fragte diesen daraufhin, was er vorhabe. „Ich will aufstehen“, antwortete Friedrich, „was geht es Dich an.“ Durch die Wachsamkeit des Kammerdieners konnte die Flucht des Prinzen vereitelt werden.

Leutnant von Katte wurde daraufhin in Berlin verhaftet, und der König litt unendlich, da er sich von aller Welt verraten sowie von Ränken und Komplotten umsponnen glaubte. Er nahm an, daß England und Frankreich mit dem Prinzen gegen ihn im Bunde seien, und doch war das Ganze schließlich nichts weiter als ein unüberlegter Jugendstreich eines schwer gekränkten jungen Prinzen, der die väterliche Behandlung nicht mehr ertragen zu können glaubte. Bei der Untersuchung gegen den Kronprinzen und seine Helfer kamen die dort gestellten Fragen von König Friedrich Wilhelm höchstpersönlich.

Den Leutnant von Katte verurteilte die Hälfte der Richter zum Tode durch das Schwert, die andere Hälfte zu lebenslänglichem Gefängnis. Das mildere Urteil galt. Es wurde dem König eingereicht. Aber Friedrich Wilhelm sandte zornig die Akten zurück und befahl das andere Urteil über Katte. Er hielt das Verbrechen von Kattes für ein Majestätsverbrechen und verurteilte ihn aus königlichem Recht zum Tode durch das Schwert. „Wenn das Kriegsgericht“, so schrieb der König, „dem Katte das Urteil mitteilt, so soll ihm gesagt werden, daß es Seiner Königlichen Majestät leid um ihn täte, aber es wäre besser, daß er stürbe, als daß die Gerechtigkeit aus der Welt käme.“

In der Frühe des 6. November erst erhielt Kronprinz Friedrich in seinem Gefängnis von zwei Offizieren die Nachricht, daß die Hinrichtung Kattes beschlossen sei und daß sie auf Befehl des Königs vor den Fenstern des Kronprinzen stattfinden sollte. „Was bringen Sie mir für eine böse Zeitung“, schrie Friedrich in tiefster Seele getroffen auf, „Herr Jesus, bringen Sie mich doch lieber ums Leben!“ Als der dumpfe Trommelklang anzeigte, daß von Katte zum Tode schritt, trat Friedrich ans Fenster. Schon stand der geliebte Freund im Kreis der Soldaten. Bis zur letzten Minute hoffte man auf einen königlichen Gnadenerlaß. Er traf nicht ein. Das Haupt von Kattes fiel.

Nach diesem Ereignis mußte der Kronprinz Fritz einige Monate in Küstrin bleiben und dort arbeiten. Hier war es, wo Kronprinz Friedrich zum ersten Mal den warmen Schlag des Vaterherzens empfand, wo er spürte, daß neben harter Strenge doch auch Sorge und Liebe für ihn in diesem Herzen wohne. „Ich hatte bisher wahrlich nie geglaubt“, sagte Friedrich, „daß mein Vater die geringste Regung von Liebe für mich hätte.“ Diese Wandlung in ihrem Verhältnis zueinander lag daran, daß der Vater nun regelmäßig kam und sich nach Fritz und dessen Tun erkundigte.

Diese Küstriner Zeit war für den weiteren Lebensweg König Friedrichs von großer Bedeutung. Sein heller Geist gewann tiefe Einblicke in die Verwaltung des Staates, und er lernte in Küstrin zum ersten Mal die Tüchtigkeit und den Erfolg der unermüdlichen Arbeit seines Vaters zu erkennen. Endlich, Ende November, führte der König der Mutter und der Schwester den Sohn wieder zu.

Regierungsantritt

Jetzt begriff Friedrich den eisernen Willen seines Vaters und beugte sich ihm, auch als ihm Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern zur Frau verordnet wurde. Auch wenn ihm die Frau aufgezwungen wurde, begannen mit dieser Ehe die vier glücklichsten Jahre in Friedrichs Leben. Sie zogen 1736 auf das Schloß Rheinsberg in der Mark Brandenburg, wo er auch begann, dem französischen Philosophen Voltaire zu schreiben, den er dann später auch an seinen Hof einlud. Der König schenkte dem Kronprinzen den Hof im Schloß zu Rheinsberg, einen stattlichen Besitz. Hier durfte sich Friedrich das Leben so einrichten, wie es ihm gefiel. Er sammelte eine Anzahl geistreicher, gelehrter, philosophisch veranlagter Freunde um sich.

Hier verlebte er, umgeben vom Freundeskreis um Charles Jordan (französischer Sekretär) und Dietrich von Keyserlingk (Stallmeister, kulturelles Universaltalent), zu dem weiterhin De la Motte Fouqué und Suhm zählten, seine glücklichen Jahre bis zu seinem Regierungsantritt. Friedrich sprach fließend Französisch, sein Deutsch dagegen war mangelhaft und eher mit dem eines Kutschers vergleichbar. 1739 erschien seine Schrift „Antimachiavell“.

Im Frühjahr des Jahres 1740 verschlimmerte sich die Krankheit des Königs und man konnte ständig seinen Tod erwarten. Der König hatte sich, um doch mehr Natur um sich zu haben, in das Stadtschloß von Potsdam begeben, wo er den letzten Mai seines Lebens verbrachte. Am 30. Mai wurde Kronprinz Friedrich zu seinem sterbenden Vater gerufen. Er fand den König in einem Rollstuhl im Sonnenschein auf dem Schloßhof sitzend und die Bauarbeiten an seinem Potsdamer Marstall beobachtend. Als der Prinz kam, schloß ihn der König in die Arme, während ringsum eine große Menge von Zuschauern tief erschüttert teilnahm. Stundenlang sprach Friedrich Wilhelm mit seinem Sohn und seinem ersten Minister von Podewils über die Lage der Politik und im Staat. Innerlich tief beruhigt, legte der Scheidende das Regiment in die Hände seines Sohnes.

Was er im Jahre 1740 vorfand, als er nach dem Tod seines Vaters König von Preußen wurde, waren zusammenhanglose Länder: Ostpreußen, Brandenburg und Besitzungen am Rhein. Der junge Mann hatte längst begriffen, daß mit diesem Preußen kein Staat zu machen war. Das wollte er ändern. Die Gelegenheit dazu fand sich, als in Wien plötzlich der deutsche Kaiser starb und dessen junge Tochter Maria Theresia Regentin der habsburgischen Erblande wurde. Friedrich nutzte diese Gelegenheit aus und eroberte im Dezember des Jahres 1740 zum ersten mal mit seinem Heer Schlesien, das bis dahin deutsch-österreichisch war, und besetzte Breslau. Dies war kein ruhmreicher Feldzug. Ein zweiter und dritter folgten. Erst danach konnte sich Friedrich vollauf seinem ausgebluteten Land widmen. „Ich bin“, wie er sich ausdrückte, „der erste Diener meines Staates.“ So hat er sein königliches Amt aufgefaßt und danach gehandelt.

Schon im ersten Monat der Regierung zeigte der König, wie hoch sein freier Geist über den Dingen stand. Mit einem Federstrich schaffte er die bis dahin im Gerichtswesen noch gebräuchliche Folter ab. Und dann kamen jene Verfügungen in Sachen der Religionen, welche noch heute über die Jahrhunderte hinwegleuchten: „Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, welche sie ausüben, ehrliche Leute sind.“ – Und das andere Wort, welches dieses erste gleichsam ergänzt: „Die Religionen müssen alle toleriert (geduldet) werden, und es muß der Staat ein Auge darauf haben, daß keine der anderen Abbruch tue, denn hier muß jeder nach seiner Fasson selig werden können.“ Ihm waren alle religiösen Bekenntnisse gleich geachtet, nur verlangte er von den Bekennern jeder Religion, daß diese ihre Pflichten als Staatsbürger gewissenhaft erfüllten.

König von Preußen

Friedrich begann im Sommer um 4 Uhr, im Winter um 5 Uhr zu arbeiten, und dies wurde durch die 46 Jahre seiner Regierung andauernd auch so beibehalten.

Wohl förderte Friedrich während seiner gesamten Regierungszeit Wissenschaft und Kunst, wohnte doch in ihm ein künstlerischer Geist ersten Ranges; aber die Staatsgeschäfte gingen unter allen Umständen vor.

Im Jahre 1740 wurde Maria Theresia nach dem Tod ihres Vaters Kaiser Karl VI. Erzherzogin von Österreich. Friedrich forderte von Österreich sogleich unter Hinweis auf bestehende preußische Teilansprüche die Abtretung Schlesiens an Preußen. Als Gegenleistung war er bereit, die Pragmatische Sanktion anzuerkennen, auf deren Grundlage Maria Theresia die österreichischen Lande geerbt hatte. Nachdem Österreich abgelehnt hatte, marschierte Friedrich in Schlesien ein und löste damit den Österreichischen Erbfolgekrieg aus. Nach den preußischen Siegen 1741 bei Mollwitz und 1742 bei Chotusitz mußte Maria Theresia im Frieden von Breslau Schlesien an Preußen abtreten. 1744 erwarb Friedrich Ostfriesland, nachdem dessen Herrscher ohne Erben verstorben war. 1744 löste Friedrich den Zweiten Schlesischen Krieg aus, den er ebenfalls für sich entscheiden konnte und mit dem er Schlesien für Preußen sicherte.

Mit diesen beiden Kriegen hatte sich Friedrich als fähiger Feldherr erwiesen, dem es gelungen war, die Macht Preußens im Reich, insbesondere gegenüber Österreich, auszubauen. Da er überzeugt war, daß der österreichisch-preußische Dualismus in einem Krieg eskalieren würde, verfolgte er argwöhnisch die österreichische Aufrüstung und Bündnispolitik und löste als Präventivschlag gegen Österreich mit seinem Einmarsch in Kursachsen den Siebenjährigen Krieg (1756–1763) aus. Friedrich und seinem Heer standen die Armeen der Verbündeten Österreich, Rußland, Schweden, Sachsen und Frankreich gegenüber. Unterstützung erhielt er lediglich in Form von Subsidien durch Großbritannien, das selbst mit Frankreich im Krieg lag. Nach wechselvollem Kriegsverlauf, in dem Friedrich aufs neue seine Fähigkeiten als Feldherr unter Beweis stellte, der ihn jedoch auch an den Rand der Kapitulation brachte, konnte sich Preußen schließlich gegen die Übermacht behaupten.

Der Tag von Kunersdorf (2. August 1759) brachte die schwerste Niederlage des Königs im siebenjährigen Krieg. Friedrich griff die durch ein österreichisches Heer von 20.000 Mann unter dem tüchtigen General Laudon verstärkten Russen an. Der Anfang der Schlacht war glänzend. Schon sandte der König Kuriere mit der Siegesnachricht nach Berlin, aber das Ende des Tages war fürchterlich. Als man den König beschwor, sich nicht so sehr den Kugeln auszusetzen, sagte er kurz: „Wir müssen hier alles versuchen, um die Bataille zu gewinnen, und ich muß hier wie jeder Andere meine Schuldigkeit tun.“ Man sah Friedrich in der Nacht in einer Bauernhütte auf einem Bund Stroh tief schlafend, vor der Tür eine Schildwache. Als Wunder erschien es ihm, daß die Russen trotz ihres Sieges nichts unternahmen; aber deren Feldherr, der Fürst Ssaltykow, tat einen merkwürdigen Ausspruch. „Noch eine solche Schlacht“, klagte er, „und ich könnte mit einem Stocke in der Hand nach St. Petersburg wandern“.

Der Friede von Hubertusburg von 1763 sicherte Preußen den territorialen Status quo der Vorkriegszeit, ohne daß eine Entscheidung hinsichtlich der Rivalität zwischen Preußen und Österreich um die Vorherrschaft im Reich getroffen wurde; doch Preußen war nach diesem Krieg endgültig nicht mehr aus dem Konzert der Großmächte in Europa wegzudenken. 1764 verbündete sich Friedrich mit Katharina II. von Rußland. Bei der ersten polnischen Teilung 1772 erhielt Friedrich das Ermland und Westpreußen ohne Danzig und Thorn, womit endlich wieder eine Landverbindung zwischen der Mark Brandenburg und Ostpreußen geschaffen war. Im Frieden von Teschen (1779) am Ende des Bayerischen Erbfolgekrieges – einer kurzen Auseinandersetzung mit Österreich gegen die Wittelsbacher Expansionspläne in Süddeutschland – wurden Preußen die Gebiete Ansbach und Bayreuth zugesprochen, Österreich behielt einen Teil des Innviertels. 1785 rief Friedrich gegen die österreichische Vorherrschaft im Reich den Deutschen Fürstenbund ins Leben.

Seine letzten Jahre

In seiner Außenpolitik verlor er niemals die Großmacht Preußen aus den Augen. Im Dienst des Staates holte sich König Friedrich Gicht. Aber der Schwäche nicht achtend, reiste der König im August 1785 zu den Truppenübungen nach Schlesien und saß während des Haupttages der Revue (24. August) sechs Stunden lang, nur bekleidet mit dem schlichten blauen Uniformrock, zu Pferde, während es wie aus Eimern goß. Bis auf die Haut durchnäßt, kehrte er in das Quartier zurück. Wenige Wochen später erlitt er in Potsdam einen „Stickfluß“, einen Schlaganfall, der sich nur langsam besserte. Und immer mehr traten die Erscheinungen der Wassersucht während des Winters zutage. Sobald der Frühling nahte, hielt Friedrich es im Potsdamer Stadtschloß nicht mehr aus. Er ließ sich am 17. April nach einer langen Spazierfahrt durch die Dörfer nach seinem Schloß Sanssouci fahren. Er durchwachte die Nächte in seinem Lehnstuhl, weil die Luft nicht durchwollte, und dann, um 4 Uhr früh, empfing er seine Sekretäre. „Meine Herren, mein Zustand zwingt mich, Ihnen diese Mühe zu machen, die für Sie nicht lange dauern wird. Mein Leben ist auf der Neige, die Zeit, die ich noch habe, muß ich benutzen, sie gehört nicht mir, sondern dem Staat.“ Noch einmal mochte der König zu Pferde steigen. Am 4. Juli ließ er den Schimmel Condé vor sich bringen, sein altes, liebes Tier, und saß im Sattel und ritt dreiviertel Stunden durch den Garten von Schloß Sanssouci.

In der Nacht zum 17. August 1786 hörte der König die Glocke elf schlagen: „Was ist die Glocke? Um vier Uhr will ich aufstehen.“ Sein Auge fiel auf ein fröstelndes Windspiel, und er befahl, man möge das Tier mit einem Kissen zudecken. Von seinem Kammerhusaren Strützky gestützt atmete Friedrich unablässig schwer und schwerer und sein Leben keuchte dem Tode entgegen. Nach einem heftigen Hustenanfall, der etwas Schleim lösen konnte, meinte er „Wir sind über den Berg, jetzt wird’s besser gehen!“ Der Zeiger der Uhr zeigte zwanzig Minuten nach zwei in der Frühe des 17. August, als er den letzten Atemzug tat.

„In der Nacht vom 4. zum 5. November des Jahres 1805, um 1 Uhr, betraten der Kaiser Alexander I. von Rußland, Friedrich Wilhelm III. und die Königin Louise die mit Wachskerzen erleuchtete Kirche. Am Grabe Friedrichs II. küßte Alexander, von seinen Empfindungen überwältigt, den Sarg des ruhmreichen Toten, und der Königin die Hand zum Unterpfand unverbrüchlicher Freundschaft, während er die rechte Hand des Königs zum Zeichen unwandelbarer Treue ergriff.“

Die Gruft Friedrichs des Großen aus „Die Gartenlaube“ 1863:

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Gedanken und Bemerkungen

  • Dr. Karlheinz Weißmann zeigte in einem grandiosen Beitrag auf dem 20. Berliner Kolleg des Instituts für Staatspolitik die geniale Größe und historische Bedeutung Friedrichs des Großen in seinem Beitrag „Größe ist, was wir nicht sind – Friedrich als großes Individuum“. Ausgehend von Thomas Manns Friedrich-Essay „Friedrich und die große Koalition“, in der Größe und Genialität so treffend charakterisiert werden, zeigte Weißmann mit den Worten von Thomas Carlyle: „Da ist ein Zug, […], nämlich, daß er (Friedrich Anm. d. Verf.) er in seiner Art eine Tatsache ist, daß er stets meint, was er spricht; auch seine Handlungen auf das, was er als die Wahrheit erkennt, begründet und mit einem Wort gar nichts vom Lügner, oder Scheinmenschen an sich hat.“ Diese innere Wahrhaftigkeit, die „Ehrlichkeit den Tatsachen gegenüber“ sind es, die Friedrichs Größe begründet.
  • Der wichtigste politische Grundsatz, den uns Friedrich der Große hinterläßt, stellt sich im Wesen des Verhältnisses von Macht und Recht dar. Nicht, wie liberale und linke Geschichtsfälscher behaupten, daß Friedrich dem Recht das Primat gibt, ist der Fall, sondern das Gegenteil. Von Anfang an ist die Grundmaxime politischen Handelns, daß einzig und allein aus Macht das Recht erwächst. Macht schafft Recht. In dem Willen zur Macht liegt die gewaltige Kraft zur Schaffung neuer gegebener Tatsachen. Die Bedeutung der Machtfrage demonstrierte uns Friedrich durch eigene Taten, schuf Tatsachen, und das ist gerade in den heutigen Tagen, der bestehenden Dekadenz und parlamentarischen Schand-Demokratie, ein beispielgebendes Muster politischen Handelns: die rücksichtslose und fanatische Entschlossenheit zur Schaffung von Tatsachen und das bis zu den absoluten Grenzen des Möglichen zu gehen. Friedrich hat nicht nur philosophiert, sondern gehandelt durch politische und kriegerische Gewalt und somit ein neues Machtgleichgewicht in Europa geschaffen.
  • Hegel bezeichnete Friedrich den Großen als einen König, „… der nicht nur Preußen unter die großen Staatsmächte Europas als protestantische Macht“ eingeführt habe, sondern er sei auch ein philosophischer König gewesen. Hegel schrieb in seiner Vorlesung über die Philosophie der Geschichte: „Friedrich II. kann als der Regent genannt werden, mit welchem die neue Epoche in die Wirklichkeit tritt, worin das wirkliche Staatsinteresse seine Allgemeinheit und seine höchste Berechtigung erhält. Friedrich II. muß besonders deshalb hervorgehoben werden, daß er den allgemeinen Zweck des Staates denkend gefaßt hat, der das Allgemeine im Staate festhielt und das Besondere, wenn die Staatszwecke entgegen war, nicht weiter gelten ließ. Sein unsterbliches Werk […], das Allgemeine preußische Landrecht. Wie ein Hausvater für das Wohl seines Haushalts und der ihm Untergebenen mit Energie sorgt und regiert, davon hat er ein einziges Beispiel aufgestellt.“
  • Norbert Leitholds wichtiges Friedrich-Buch bringt neue Aspekte ans Licht. Besonders interessant ist die Bezugnahme Leitholds zum Kriegsbeginn 1740. Zu diesem Zeitpunkt hatten auch andere europäische Staaten das Ziel, nach Kaiser Karls Tod die Gunst der Stunde zu nutzen und Österreich den Krieg zu erklären. Friedrich wußte das und kam den anderen klug zuvor: „Friedrich handelte nicht moralisch, sondern nach dem Kalkül des Machterhalts und der Machterweiterung.“ Er handelte also wie jeder andere Fürst auch. Ebenso stellt Leithold deutlich klar und weist quellensicher nach, „… daß man bis heute der habsburgischen Propaganda aufsäße, wenn man Friedrich für die polnische Teilung verantwortlich mache.“ Es handle sich um eine rein ideologische Wertung, die den Alliierten in Jalta sehr gelegen gekommen sei und bis heute aus geschichtspolitischen Gründen aufrechterhalten werde.
  • Theodor Schieder zeigte, daß bei Friedrich an die Stelle des Ruhmes Begriffe wie Pflicht, Ehre und Wohl des Staates und des Volkes traten. Der Standesethos verschmolz mit dem Staatswohl und „tat damit einen für die Geschichte des politischen Denkens wichtigen Schritt.“

    Zitate

    • „Wenige Menschen denken, und doch wollen alle entscheiden.“
    • „Eine Regierung muß sparsam sein, weil das Geld, das sie erhält, aus dem Blut und Schweiß ihres Volkes stammt. Es ist gerecht, daß jeder einzelne dazu beiträgt, die Ausgaben des Staates tragen zu helfen. Aber es ist nicht gerecht, daß er die Hälfte seines jährlichen Einkommens mit dem Staate teilen muß.“
    • „Ich habe den Rubikon überschritten mit fliegenden Fahnen und Trommelschlag. Meine Truppen sind vom besten Willen beseelt, die Offiziere voller Ehrgeiz, und unsere Generale hungern nach Ruhm; alles wird nach Wunsch gehen, und ich habe Anlaß, mir alles erdenkliche Gute von diesem Unternehmen zu versprechen.“ (1740)
    • „In der Trübsal bewährt sich die Treue, und die Treue ist das Mark der Ehre.“

    Werke (Auswahl)

    • Anti Machiavell, Frankfurt 1745
    • De la littérature, Frankfurt 1746
    • Mein lieber Marquis — Briefwechsel, Zürich 1985
    • Politische Correspondenz, 46 Bände, Frankfurt 1879-1939 / Bd. 47 in 2003
    • Versuch über Regierungsformen und Herrscherpflichten, Werke: Bd. 7, Frankfurt 1905
    • Die Kunst des Krieges: Gedicht in 6 Gesängen, 1851

Verweise