Rassenphilosophie und Staatsaufbau

NATION IM WIDERSPRUCH (S. 149)

ALFRED ROSENBERG [1893-1946]

Dipl.-Ing. Alfred Rosenberg

Dipl.-Ing. Alfred Rosenberg

Jede noch so große und weitverzweigte geistige Bewegung geht doch stets auf sehr wenige Kerngedanken, meist nur auf einen einzigen zurück. Das ist nicht etwa ein Zeichen der Armut, sondern des Reichtums, ein Zeugnis von echter Seelengestalt und organischer Fruchtbarkeit im Gegensatz zum Eklektizismus, d. h. zu den Methoden jener Menschen, die aus vielen Ideen glauben durch Zusammenfügen etwas besonders Großes konstruieren zu können. Gerade diese intellektualistischen Versuche, die anmaßend alles andere als »Mangel an Geistigkeit« zu kritisieren wagen, sind die Anzeichen eines Verfalls der seelischen Schöpferkraft. Die Natur bildet aus einem Samenkorn die Ähre und vielfältige Frucht, nicht durch Zusammenstampfen vieler Keime verschiedenartiger Gewächse. Genau auf die gleiche Art entstehen echte Formen auf allen Gebieten des Lebens, nur sie bedingen große Entdeckungen, deren Auswirkungen dann in alles Geäder auch der andern Lebenstriebe hineinquillt. Das gewaltsame Zusammenschweißen von vielgestaltigen Wesenseigentümlichkeiten aber ist – auf politischem Gebiet – die Demokratie. Sie ist deshalb unter fast allen geschichtlich verfolgbaren Bedingungen die politische Form des rassischen Niederganges eines schöpferischen starken Volkes, wenn es auf die andersartig, meist minderwertigen Gruppen die gleichen Rechte übertrug, die es einst erkämpft hatte als Voraussetzung einer wirklichen Weltgestaltung. Inmitten eines solchen seelisch-rassischen Niederganges blitzt dann manchmal in großen Köpfen die Erkenntnis über das Wesen dieses Verfalls auf, so wenn Plato in der hellenischen Spätzeit einen strengen Staat auf rassischer Grundlage als Plan entwirft, wohl mit dem Unterbewußtsein, daß das nordische Blut der Griechen durch Rassenmischungen und Kriege nahezu ausgerottet war. Es war für Hellas zu spät, wie es einst für Indien und Iran zu spät gewesen war, wie es auch nachher für Rom zu spät wurde. Die Erkenntnis, daß die »ewige Nacht« des Völkerchaos sich über Europa ausgebreitet hätte, wenn nicht das Germanentum in der Welt erschienen wäre, ist die größte Entdeckung des ausgehenden 19. Jahrhunderts, die in erster Linie der sich später zum Nationalsozialismus bekennende H. St. Chamberlain festgefügt dem deutschen Volk übergeben hat. Die spätere Rassenkunde und Vererbungslehre hat seine Gedanken vertieft, ein großes Schrifttum hat die Erkenntnisse immer weiter ausgestaltet. Daß dies alles aber nicht Papier, Literatur geblieben, sondern blutvolles Leben für heute schon nach Millionen zählende Deutsche geworden ist, ist das geschichtliche Verdienst Adolf Hitlers, der nationalsozialistischen Volksbewegung. Was immer die Zukunft bringen mag, unter welchen politischen, wirtschaftlichen, sozialen Formen, Zwischenlösungen, Schwierigkeiten, Kämpfen diese Bewegung ihrem Ziel zustreben mag, dies geschichtliche Verdienst steht bereits heute außer aller Frage. Alles, was als Einzelpersönlichkeit in deutschen Landen rang, sich im brodelnden Chaos nach Gestalt sehnte, in den Tiefen der eigenen Seele nach den Gründen des großen Zusammenbruchs von 1918 forschte, es strömte immer mehr zusammen in eine Bewegung, die einst verlacht und verspottet, dann verfemt und verfolgt, hoffnungskühn gerade in der Stunde der tiefsten Demütigung Deutschlands in wenigen Herzen geboren worden war. Aber die Hoffnung wäre sicher zusammengebrochen, wenn sie nicht mit dem tiefbegründeten Glauben verschmolzen gewesen wäre, daß in tausend Städten und Dörfern der deutschen Lande verwandte Menschen Ähnliches ersehnten, daß das alte Blut noch immer in jenen rauschte, die im Großen Kriege gekämpft hatten, und in den Nachkommen der Gefallenen lebendig wurde.

Dieser Glaube an den Wert des Blutes, die Ur-Voraussetzung der nationalsozialistischen Weltanschauung, ist nun kein »platter Materialismus«, wie es vielfach gerade auch von seiten manchesterlicher Liberaler hieß, sondern liegt viel tiefer. Im wesentlichen besagt er, daß eine bestimmte schöpferische Seele, ein bestimmt gearteter Charakter, eine bestimmte Geisteshaltung immer gepaart ist mit einer bestimmten Rassengestalt. Es ist kein Zufall, daß die genial-heroische Siegfriedsgestalt eine Schöpfung und seelisches Vorbild des Germanen ist, der Betrüger und Erbschleicher Jakob aber die Idealgestalt des Juden. Es ist kein Zufall, daß der Gedanke der Ehre höchster Wert ist bei den Sängern der Edda, beim Dichter des Hildebrandliedes, des Gudrun-, des Nibelungenliedes, in anderer Gestalt – der unbedingten Wahrhaftigkeit des Forschers – genau so wiederkehrt bei Leonardo, Kopernikus, bis er im Faust seine mächtigste Verklärung findet. Und umgekehrt ist es kein Zufall, wenn der jüdische Sittenkodex – Talmud, Schulchan Aruch – den zu vollführenden Betrug am Nichtjuden zur Richtschnur jüdischer Nationalmoral erhebt. Es ist kein Zufall, wenn der Träger des Ehregedankens ein schlanker, hoher, helläugiger, kraftvoller Mensch ist, die Nachkommen des Vaters Jakob aber krumme, plattfüßige, schwarze, krauslockige Gestalten. Es ist kein Zufall, wenn die Pallas Athene und der Apoll mit ihrem kriegerisch-edlen Sinn nur so dargestellt werden konnten, wie die Frauen des Parthenongiebels, das Haupt des Zeus zeigen, während die vorderasiatischen Spione im Thersites des Homer sich ebenso verkörpert finden wie auf den späteren Vasenmalereien als rucksacktragende orientalische Händler.

Dieser Kampf der verschiedenen Rassenseelen, das ist für uns heute der Kernpunkt der Welt- und Kulturgeschichte. In einem ganz anderen Lichte schreiten deshalb heute die Großen der Vergangenheit an unserem geistigen Auge vorüber, aber ganz anders beurteilen wir deshalb auch die deutsche Geschichte und das Wesen der geistigen und politischen Kämpfe unserer Zeit. Wir kennen deshalb kein »Altertum, Mittelalter und Neuzeit«, was eine Entwicklung in gerader Linie voraussetzt, wo eine Zeit an die andere, diese fortführend, sich unmittelbar anschließt. Für uns beginnt immer dort eine neue Geschichte, wo eine neue Menschenart über eine andere gesiegt hat. Mit dem Siege des Germanentums über das späte Rom, in der Ausgestaltung dieses Sieges, im Ausbau jener Werte, die uns die Theodorich und Stilicho, die Ottonen, Friedrich II., die Dichter der Heldengesänge und die Erbauer der Dome hinterlassen haben, besteht für uns auch das Wesen einer deutschen Geschichtsbetrachtung. Sie hat ihren Maßstab in der Prüfung der Frage, ob eine Persönlichkeit, eine hervorragende Tat die germanische Seele gehoben, geläutert, gestärkt hat oder nicht. So manche an sich starke Gestalt der deutschen Vergangenheit wird dadurch zwar nicht aus ihr verschwinden, aber eine andere Deutung und Bedeutung erhalten. Was früher vielleicht Liebe erweckte, wird heute auf Ablehnung stoßen, was minder gewertet wurde, wird im hellsten Lichte unserer Verehrung stehen. Diese Art der Betrachtung ist nicht unsachlich und nicht ungerecht, wie es uns bereits tausendfach entgegenschallt, denn die, die uns kritisieren, die reihen die Ereignisse und Gestalten ja auch nicht als einfache Chronisten aneinander, sondern werten auch, sei es von dem Standpunkt einer erträumten »Humanität« aus, sei es von der Warte eines religionspolitischen Ideals. Und gerecht erscheint uns vor allem, jene Männer – Künstler, Denker, Erfinder, Staatengestalter – auf Grund jener Folgen zu prüfen, die ihre Taten für jenes Volk gezeitigt haben, aus dem heraus sie geboren worden waren. Diese wirkliche Gerechtigkeit hat niemand schärfer gekennzeichnet wie Nietzsche. »Objektivität und Gerechtigkeit haben nichts miteinander zu tun«, sagt er, und versteht unter Objektivität die »kalte und verächtliche Neutralität des sogenannten wissenschaftlichen Menschen«. So peinlich wahrhaftig wir uns zu den echten Urkunden der Vergangenheit auch verhalten werden, so wissen wir heute endlich wieder, daß Geschichte schreiben ebenso werten heißt, wie in der Gegenwart Geschichte für die Zukunft gestalten. Denn der Kampf in dieser Gegenwart, der ist erbittertes Verneinen auf der einen, glühendes Bejahen auf der anderen Seite, ein mit politischen Machtmitteln unternommener riesenhafter Versuch, entgegen der blut- und naturlosen Weltstadt den Gesetzen der aristokratischen Natur und den Geboten des germanischen Blutes wieder zum Siege zu verhelfen. Leben und Politik ist also nicht Debatte am grünen Tisch über »rationale Zweckmäßigkeiten« weltwirtschaftlicher oder universalistischer Art, sondern Ringen um Charakterwerte gegen Charakterlosigkeit von Seelengestalt gegen feindliche Form oder gestaltenloses Chaos.

Es ist nun ein beliebtes Mittel der jüdischen Presse, darauf hinzuweisen, daß das deutsche Volk auch ohne die Juden rassisch nicht einheitlich, daß also ein Staatsaufbau auf rassischer Grundlage praktisch undurchführbar sei, nur den Zwist zwischen den Stämmen großzüchten müsse, woraus dann gefolgert wird, der nationalsozialistische Rassengedanke sei volks- und staatsfeindlich. Diesen typisch talmudistischen Versuchen der Irreführung ist zu entgegnen, daß die Rassenkunde zwar rund fünf Rassen in Europa feststellt, jede mit ihrem Charakter, Temperament und geistiger Haltung, daß es aber zweifellos ist, daß deutsches Volkstum nicht eine gleichmäßig graue Mischung darstellt, sondern zweifellos zu 80% auf das Germanentum zurückgeht. Dieses nordische Germanentum hat den Takt des deutschen Lebens bestimmt, es hat in vielen Fällen das andere europäische Blut assimiliert, zweifellos sogar manche Bereicherungen im einzelnen erfahren, jedoch werden alle Wertvollen, die teil etwa am westischen oder dinarischen Blut haben, in den Charakterwerten des germanischen Wesens auch ihren Maßstab des Handelns, ihr Bildungselement finden. Das einfach Mysteriöse, das heute durch Millionen geht, ist ja gerade dieses Selbst-Erwachen des germanischen Deutschtums, in unübersehbarer Fülle häufen sich Werke dieser großen Selbstbesinnung und in vielen Fragen erscheinen im Lichte der »Vor«geschichte oft 1500 Jahre wie weggewischt. Wir beginnen die Geschichte des germanisch-deutschen Wesens nicht mit dem Jahre 1, sondern gehen viele Tausende von Jahren zurück und ziehen von den Trägern der Megalithkultur eine gerade Linie zu Herzog Widukind und Bismarck. Und in diesem großen Erwachen erscheint jeder Deutsche, gleich wo er auf unserem Planeten geboren sein mag, als Mitkämpfer, wenn er sich tätig als Träger der Werte der deutschen Ehre und der Freiheit erweist. Jene, die minderwertig sind an Körper und Seele, werden durch diese Zuchtanforderungen der praktischen Tat von selbst ausgeschieden, und so wird durch Bewährung an germanischen Werten sich der Stil auch des zukünftigen deutschen Lebens herausbilden. Der Rassengedanke ist also kein zerstörendes Element, sondern ein bindendes. Noch mehr: das letzte Bindemittel, um ein durch Not, Mühsal, Weltstadt und jüdisches Gift krankes Volk zur Einheit und starker Staatlichkeit zu führen. [1932]

ergänzender Beitrag zum Thema „Rassenphilosophie“ bei Germanenherz Gesetz zur Reinheit des Blutes

ergänzend:

Die »Nürnberger Gesetze«von 1935
Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes
und der deutschen Ehre

deutsches blut Durchdrungen von der Erkenntnis, daß die Reinheit des deutschen Blutes die Voraussetzung für den Fortbestand des deutschen Volkes ist, und beseelt von dem unbeugsamen Willen, die deutsche Nation für alle Zukunft zu sichern, hat der Reichstag einstimmig das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird

§1  (1) Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen und artverwandten Blutes sind verboten. Trotzdem geschlossene Ehen sind nichtig, auch wenn sie zur Umgehung dieses Gesetzes im Auslande geschlossen sind.
      (2) Die Nichtigkeitsklage kann nur der Staatsanwalt erheben.
§ 2  Außerehelicher Verkehr zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen und  artverwandten Blutes ist verboten.
§ 3  Juden dürfen weibliche Staatsangehörige deutschen und artverwandten Blutes  unter 45 Jahren nicht in ihrem Haushalt beschäftigen.
§ 4  (1) Juden ist das Hissen der Reichs- und Nationalflagge und das Zeigen der  Reichsfarben verboten.
        (2) Dagegen ist ihnen das Zeigen der jüdischen Farben gestattet. Die Ausübung dieser Befugnis steht unter staatlichem Schutz.
§ 5  (1) Wer dem Verbot des § 1 zuwiderhandelt, wird mit Zuchthaus bestraft.
       (2) Der Mann, der dem Verbot des § 2 zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis oder Zuchthaus bestraft.
       (3) Wer den Bestimmungen der Paragraphen 3 und 4 zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe oder mit beiden dieser Strafen bestraft.
§ 6  Der Reichsminister des Inneren erläßt im Einvernehmen mit dem Stellvertreter   des Führers und dem Reichsminister der Justiz die zur Durchführung  und Ergänzung des Gesetzes erforderl. Rechts- und Verwaltungsvorschriften.
§ 7  Das Gesetz tritt am Tage nach der Verkündung, § 3 jedoch erst am 1. Januar 1936 in Kraft…….. Nürnberg, den 15. September 1935.

Der Mythus des 20. Jahrhunderts Inhaltsverzeichnis und Einleitung

Der Mythus des 20. Jahrhunderts

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Das Buch, der Mythos des Zwanzigsten Jahrhunderts von Alfred Rosenberg.
Es war eines der wichtigsten Bücher der Philosophie des frühen 20. Jahrhunderts in Deutschland. Das Buch wurde 1930 veroffentlicht und war das am zweithäufigsten gelesene Buch in Deutschland. Das als sein Hauptwerk betrachtete Buch trägt den Untertitel „Eine Wertung der seelisch-geistigen Gestaltenkämpfe unserer Zeit“. Rosenberg benutzt darin Ansätze einer Rassentheorie, um die Vorstellung von einer „Rassenseele“ sowie einer „Religion des Blutes“ zu einem politischen und religiösen Glaubenskonzept zu verbinden. Die drei Hauptkapitel lauten „Das Ringen der Werte“, „Wesen der germanischen Kunst“ und „Das kommende Reich“. Bis 1944 betrug die Gesamtauflage der „Volksauflage“ 1.075.000 Exemplare; hinzu kamen während des Zweiten Weltkriegs 260.000 Bücher der „Dünndruck-Ausgabe“. Die Bedeutung des Buches in der Zeit des Nationalsozialismus lässt sich trotz der hohen Auflage schwer abschätzen. Es wird als das anspruchsvollste Werk eines führenden Nationalsozialisten angesehen und gilt neben Hitlers Mein Kampf als das einflussreichste. Seit dem Ende der NS-Zeit ist Rosenbergs Buch noch als Dokument zu seiner Person und zum Nationalsozialismus von geschichtswissenschaftlichem und ideologiekritischem Interesse.

Grund genug um es hier „bei Germanenherz“ als entpackte pdf Datei zu veröffentlichen.

Erstes Buch: Das Ringen der Werte
I. Rasse und Rassenseele
II. Liebe und Ehre
III. Mystik und Tat

Zweites Buch: Wesen der germanischen Kunst
I. Das rassische Schönheitsideal
II. Wille und Trieb
III. Persönlichkeits- und Sachlichkeitsstil
IV. Der aesthetische Wille

Drittes Buch: Das kommende Reich
I. Mythos und Typus
II. Der Staat und die Geschlechter
III. Volk und Staat
IV. Das nordisch-deutsche Recht
V. Deutsche Volkskirche und Schule
VI. Ein neues Staatensystem
VII. Die Einheit des Wesens

EINLEITUNG

Sämtliche heutigen äußeren Machtkämpfe sind Auswirkungen eines inneren Zusammenbruchs. Eingestürzt sind bereits a l l e Staatssysteme von 1914, ob sie auch teilweise formal noch weiterbestehen. Zusammengebrochen sind aber auch soziale kirchliche, weltanschauliche Erkenntnisse und Werte. Kein oberster Grundsatz keine höchste Idee beherrscht umstritten das Leben der Völker. Gruppe ringt gegen Gruppe, Partei gegen Partei, nationaler Wert gegen internationale Lehrsätze, starrer Imperialismus gegen umsichgreifenden Pazifismus, Die Finanz umschlingt mit goldenen Stricken Staaten und Völker, die Wirtschaft wird nomadisiert, das Leben entwurzelt.

Der Weltkrieg als Beginn einer Weltrevolution auf allen Gebieten hat die tragische Tatsache gezeigt, daß zwar Millionn ihr Leben opferten, dies Opfer aber anderen Kräften zugute gekommen ist, als wofür die Heere zu sterben bereit waren Die Toten des Krieges sind die Opfer der Katastrophe einer wertelos gewordenen Epochezugleich aber — und das beginnt in Deutschland eine wenn auch heute noch geringe Zahl von Menschen zu begreifen — die Märtyrer eines neuen Tages, eines neuen Glaubens.

Das Blut, welches starb beginnt lebendig zu werden. In seinem mystischen Zeichen geht ein neuer Zellenbau der deutschen Volksseele vor sich. Gegenwart und Vergangenheit erscheinen plötzlich in einem neuen Licht und für die Zukunft ergibt sich eine neue Sendung. Geschichte und Zukunftsaufgabe bedeuten nicht mehr Kampf von Klasse gegen Klasse nicht mehr Ringen zwischen Kirchendogma und Dogma sondern die Auseinandersetzung zwischen Blut und Blut, Rasse und Rasse, Volk und Volk. Und das : Ringen von Seelenwert gegen Seelenwert.

Die Kraft der Rassenseele

Die rassische Geschichtsbetrachtung ist eine Erkenntnis die bald selbstverständlich sein wird. ihr dienen bereits verdienstvolle Männer Die Kärrner werden in nicht sehr ferner Zukunft den Bau des neuen Weltbildes vollenden können.

Aber die Werte der Rassenseele , die als treibende Mächte hinter dem neuen Weltbild stehen sind noch nicht lebendiges Bewußtsein geworden. Seele aber bedeutet Rasse von innen gesehen. Und umgekehrt ist Rasse die Außenseite einer Seele. Die Rassenseele zum Leben erwecken, heißt ihren Höchstwert erkennen und unter seiner Herrschaft den anderen Werten ihre organische Stellung zuweisen: in Staat, Kunst und Religion Das ist die Aufgabe unseres Jahrhunderts: aus einem neuen Lebens-Mythus einen neuen Menschentypus schaffen.

Dazu bedarf es Mut. Mut eines jeden Einzelnen Mut des ganzen heranwachsenden Geschlechts, ja vieler noch folgender Generationen. Denn ein Chaos wird nie von Mutlosen gebändigt und noch nie ist von Feiglingen eine Welt gebaut worden. Wer vorwärts will, muß deshalb auch Brücken hinter sich verbrennen. Wer sich auf eine große Wanderung begibt, muß alten Hausrat liegen lassen. Wer ein Höchstes erstrebt, muß Minderes beugen. Und auf alle Zweifel und Fragen kennt der neue Mensch des kommenden Ersten Deutschen Reichs nur eine Antwort: Allein ich will!

So viele auch diese Worte zu innert heute schon mit bejahen, so kann doch keine Gemeinschaft auf die in dieser Schrift vorgetragenen Gedanken und Schlußfolgerungen festgelegt werden. sie sind durchaus persönliche Bekenntnisse, nicht Programmpunkte der politischen Bewegung, welcher ich angehöre. Diese hat ihre große Sonderaufgabe und muß sich als Organisation fernhalten von (Die persönliche Freiheit) Auseinandersetzungen religiöser, kirchenpolitischer Art ebenso wie von der Verpflichtung auf eine bestimmte Kunstphilisophie oder einen bestimmten Baukunststil. sie kann also auch für das hier Vorgetragene nicht verantwortlich gemacht werden. Umgekehrt sind philosophische, religiöse, künstlerische Überzeugungen nur unter der Voraussetzung persönlicher Gewissensfreiheit wirklich ernst zu begründen. Das ist hier der Fall, jedoch richtet sich das Werk nicht an Menschen, die glücklich und festgefügt innerhalb ihrer Glaubensgemeinschaften leben und wirken wohl aber an alle, die sich innerlich von diesen gelöst, zu neuen weltanschaulichen Bindungen aber noch nicht durchgekämpft haben. Die Tatsache, daß diese heute schon nach Millionen zählen verpflichtet jeden Mitkämpfer durch tiefere Besinnung sich selbst und anderen Suchenden zu helfen..

Die Schrift deren Grundgedanke auf 1917 zurückgeht, war bereits 1925 im wesentlichen abgeschlossen, neue Pflichten des Tages zögerten aber ihre Vollendung immer wieder hinaus. Werke von Mitkämpfern oder Gegnern forderten dann ein Behandeln früher zurückgedrängter Fragen. Keinen Augenblick glaube ich, daß hier eine Vollendung des großen uns heute vom Schicksal gestellten Themas vorliegt. Wohl aber hoffe ich, Fragen klargestellt und im Zusammenhang beantwortet zu haben als Grundlage für das Herbeiführen eines Tages, von dem wir alle träumen.

München, im Februar 1930.

Der Verfasser


Zur 3. Auflage

Oh, ihr Genossen meiner Zeit!
Fragt eure Ärzte nicht und nicht die Priester,
wenn ihr innerlich vergeht.
Hölderlin

Das Erscheinen vorliegender Schrift hatte sofort einen Meinungskampf heftigster Form hervorgerufen. Geistige Auseinandersetzungen waren zwar dank der klar gestellten Fragen und bewußt zugespitzten Prägungen zu erwarten, aber offen gestanden, jener konzentrierte Haß, der mir entgegenschlug und jene skrupellose Entstellungsarbeit angesichts der von mir gemachten Ausführungen wie sie auf Kommando einsetzten haben mich doch erschüttert aber auch — erfreut. Denn die wilde, hemmungslose Polemik namentlich römischer Kreise hat mir gezeigt, wie tief berechtigt die dem römisch-syrischen Prinzip im vorliegenden Werke zuteil gewordene Beurteilung ist. Nach altbewähter Methode wurden aus der umfangreichen Schrift gewisse Schlußfolgerungen und Prägungen zusammengestellt und die „Gotteslästerlichkeit“, der „Atheismus“, das „Antichristentum“, der „Wotanismus“ des Verfassers vor dem gläubigen Leser in der bloß deutsch geschriebenen römischen Presse und in Pamphleten entrollt. Die Verfälscher unterschlugen, daß ich sogar soweit gehe, für die gesamte germanische Kunst einen religiösen Ausgangspunkt und Untergrund zu postulieren, daß ich mit Wagner erkläre, ein Kunstwerk sei die lebendig dargestellte Religion. Man unterschlug die große Verehrung, die im Werk dem Stifter des Christentums gezollt wird; man unterschlug, daß die religiösen Ausführungen den offenbaren Sinn haben, die große Persönlichkeit ohne spätere entstellende Beigaben

Gegen Gedankenentstellung

verschiedener Kirchen zu erblicken. Man unterschlug, daß ich den Wotanismus als eine tote Religionsform hinstellte [aber, natürlich vor dem germanischem Charakter Ehrfurcht habe der Wotan ebenso gebar wie den Faust], und dichtete verlogen und skrupellos mir an, ich wollte den „heidnischen Wotanskult“ wieder einführen. Kurz, es gab nichts, was nicht entstellt und verfälscht wurde; und was dem Wortlaut nach richtig angeführt erschien, erhielt durch Herausreißen aus dem Zusammenhang eine ganz andere Schattierung. Durchgehend unterschlug die römische Presse alle geschichtlichen—weil unangreifbaren —Feststellungen; durchgehend wurden alle Gedankengänge die zu bestimmten Anschauungen führten, verzerrt und die Begründungen aufgestellter Forderungen verschwiegen.. Die Prälaten und Kardinäle mobilisierten die „gläubigen Massen“, und Rom, welches mit dem atheistischen Marxismus, d. h. mit machtpolitischer Unterstützung des Untermenschentums einen Vernichtungskampf gegen Deutschland, auch unter Opferung der deutschen katholischen Massen selbst führt, hatte die Stirn, plötzlich über „Kulturkampf“ zu zetern. Die Ausführungen dieses Werkes, die nach Form und Gewalt doch wohl über dem Tagesniveau liegen, wurden nicht zum Gegenstand einer sachlichen und deshalb begrüßenswerten Kritik gemacht, sondern zum wüstesten Tageskampf benutzt. Nicht gegen mich allein — das hätte mich kalt gelassen — wohl aber gegen die nationalsozialistische Bewegung, der ich seit ihrem Anfang angehöre. Trotzdem ich in der Einleitung und auch im Werk selbst ausdrücklich erklärt habe, daß eine machtpolitische Bewegung, die viele religiöse Bekenntnisse umfasse, nicht Fragen religiöser oder kunstphilosophischer Natur lösen könne, daß folglich mein weltanschauliches Bekenntnis ein persönliches sei, trotz allem taten die Dunkelmänner alles in ihren Kräften stehende, um von ihren politischen Verbrechen am deutschen Volke abzulenken und wieder einmal über die „gefährdete

Rom gegen deutsche Wiedergeburt

Religion“ zu jammern; obgleich durch nichts echte Religion mehr gefährdet war und ist, als durch die systematische Hochzüchtung des Marxismus durch das von römischen Prälaten geleitete Zentrum. Die nationalsozialistische Bewegung hat keine religiöse Dogmatik zu treiben, weder für noch gegen ein Bekenntnis, aber die Tatsache, daß man einem im politischen Leben stehenden Menschen das Recht auf Vertretung einer religiösen Überzeugung, die der römischen zuwiderläuft, bestreiten will, zeigt, bis zu welchem Grad die geistige Knebelung bereits gediehen ist. An der Wertung einer römischen Dogmatik wird die Zulässigkeit der Betätigung im nationalen Lager bemessen, anstatt daß eine derartige Anmaßung von vorneherein als psychologisch unmöglich erscheinen sollte. Ein doch zweifellos ernster Versuch, die Persönlichkeit Christi von nichtchristlichen Paulinischen, Augustinischen u.a. Zutaten zu säubern, hat bei den herrschenden Nutznießern der Entstellung der geistigen Gestalt Jesu Christi eine einmütig geäußerte Wut zur Folge, nicht weil hohe religiöse Werte angetastet worden wären, sondern weil eine durch Seelenängstigung von Millionen erreichte politische Machtstellung durch ein stolzes Erwachen bedroht erschien. Die Dinge liegen nun so, daß die römische Kirche vor Darwinismus und Liberalismus keine Furcht empfand, weil sie hier nur intellektualistische Versuche ohne gemeinschaftsbildende Kraft erblickte, die nationalistische Wiedergeburt des deutschen Menschen aber, von dem die alten Wertverflechtungen durch die Erschütterung von 1914—1918 abgefallen sind, erscheint deshalb als so gefährlich, weil hier eine typenschaffende Macht zu entstehen droht. Das wittert die herrschende Priesterkaste schon von weitem und gerade weil sie sieht, daß dieses Erwachen alles Edle und Stolze zu stärken sich bemüht, deshalb ist ihr Bündnis mit dem roten Untermenschentum so eng. Ändern wird sich das nur dann, wenn die deutsche Front sich als siegreich erweisen wird; in dieser Stunde

Kampf um geistige Typen

wird Rom als „Freund“ das zu erreichen versuchen, was es als Feind nicht zu vollbringen vermochte. Doch diese Möglichkeiten zu verfolgen, liegt nicht im Rahmen dieses Buches; hier handelt es sich um Herausmeißelung der geistigen Typen, somit um das selbst-Bewußtwerden suchender Menschen, dann um ein Erwecken des Wertegefühls und in der Stählung des Charakterwiderstandes gegenüber allen feindlichen Verlockungen. Die ganze Erregung über meine Schrift war um so bezeichnender, als mit keinem Wort Abstand genommen wurde von den Schmähungen der großen Deutschen wie dies seit langem zum literarischen Geschäft der Jesuiten, und ihrer Genossen gehört. Man förderte stillschweigend die Beschimpfungen Goethes, Schillers, Kants u. a,, man hatte nichts dagegen einzuwenden, wenn die Schrittmacher Roms ihre religiöse Aufgabe in der Verhinderung der Bildung eines deutschen Nationalstaates erblickten; wenn in katholischen pazifistischen Versammlungen gefordert wurde, dem deutschen Soldaten den Gruß zu verweigern; wenn es katholische Geistliche wagten,, öffentlich die Taten der belgischen Franktireurs abzuleugnen und die deutschen Soldaten der Ermordung ihrer Kameraden zu beschuldigen, um einen Vorwand zur Verfolgung der Belgier zu besitzen; wenn das deutsche Volksheer ganz im Sinne der französischen Propaganda der Altar- und Hostienschändung, begangen in belgischen Kirchen, angeklagt wurde. Gegen diese bewußten Schändungen des Deutschtums, der Ehre seiner gefallenen und lebenden Verteidiger hat sich kein Bischof und kein Kardinal erhoben; wohl aber erfolgte seitens dieser Instanzen ein heftiger Angriff nach dem andern auf den deutschen Nationalismus. Und wenn dies angeprangert wurde, beteuerten die römischem politischen und religiösen Gruppen ihr — Nationalgefühl.

Die römische Kirche in Deutschland kann ihre volle Verantwortlichkeit für die volksverwüstende Arbeit ihrer

Römische Kirche und Marxismus

zahlreichen pazifistischen Geistlichen nicht bestreiten, da sie in andern Fällen, wo ehrenwerte katholische Priester Worte echten deutschen Nationalwillens fanden, über sie ohne weiteres das Redeverbot verhängten. Es besteht also nachweislich eine systematisch durchgeführte politisch-weltanschauliche Arbeit, dem deutschen Volk seinen Stolz auf die Verteidiger der Heimat von 1914 zu rauben, ihr Andenken zu schänden und den heißen Willen, Volk und Vaterland zu schirmen, in den Schmutz zu ziehen. Das festzustellen fordert einfachste Wahrhaftigkeit; wie sich die Gläubigen mit ihrer Kirchenbehörde auseinandersetzen, ist Sache ihres Gewissens. Es steht aber nicht so, als ob sie, um erwachende Konflikte zum Schweigen zu bringen, die nicht zu bestreitenden Tatsachen nur als Entgleisungen hinstellen könnten, sondern es gilt den Mut zur Abwehr gerade der Politik der höchsten kirchlichen Stellen zu fassen. Ob nun diese erwachenden Kräfte darüber hinaus den ganzen weltanschaulichen Gegensatz erkennen oder nicht, mag ihre eigene Angelegenheit bleiben, wichtig ist, daß der ernste Wille erwacht, die deutsche Nationalehre nicht nur gegen Marxisten, sondern genau so, ja noch schärfer gegen das Zentrum und seine kirchlichen Verbündeten, als Großzüchter des Marxismus, zu verteidigen. Ein Herumgehen auch um diesen Punkt würde nur eine undeutsche Gesinnung offenbaren.

Auf einzelne gegnerische Stimmen will ich nicht ausführlich eingehen. Nur sei zur Kennzeichnung der skrupellosen Methoden vermerkt, daß der Jesuit Jakob Nötges die Stirne hat, u.a. zu behaupten der Schutz der Muttersprache gehöre zur „katholischen Ordnung“, obgleich gerade sein Orden der blutigste Bekämpfer des Rechts auf Muttersprache gewesen ist; daß die Liebe zu Volk und Vaterland bei „allen großen Moraltheologen“ gefordert werde, wobei gerade sein Orden gegen den deutschen Nationalismus kämpft; bis dann die christliche Nächstenliebe

Die jesuitische Kampfmethode

dieses Herrn sich in den Worten entlädt: „Dieser Balte ist Kulturkämpfer, wie man Boxer ist. Der arme Mensch leidet an unheilbarer Petersplatzangst, die sich in. Toben und Schreien äußert“. Dann wird Hitler der Rat gegeben, mich in eine „Zwangsjacke“ zu stecken, da kaltstellen nichts mehr nütze: dafür hat er den russischen Winter zu oft mitgemacht“. Dieser wütende Haß des vom römischen Sonnenstich außer jede Form geratenem Jesuiten wird von anderen Ordensgenossen durch die entgegengesetzte Kampfesart ergänzt. Der Jesuit Koch z. B. fühlt sich schon gezwungen, auch von einer deutschen Rassenseele zu sprechen, nennt das Erleben, wie es aus dem „Mythus“ spreche, ernst und ehrenhaft, um zum Schluß Bonifatius als den größten Germanen zu feiern. Dieser Form der Hundertprozentigem Umfälschung werden wir nach der Einsicht, daß das Hetzen nichts mehr hilft, in Zukunft öfters begegnen; deshalb ist auch derartigen „germanischen“ Versuchen erst recht mit Vorsicht zu begegnen. Die Zerstörung der deutschen Seele ist stets das Ziel sowohl der Hetzapostel als auch der händereibenden Biedermänner der Societas Jesu und ihrer Kampfgenossen. Gestern, heute und morgen.

Auch in evangelischen Kreisen hat mein Werk eine heftige Bewegung hervorgerufen, unzählige Aufsätze in Zeitungen und Zeitschriften bezeugen, daß es offenbar an sehr empfindliche Stellen rührte. Auf evangelischen Synoden, auf Tagungen des Evangelischen Bundes Stand der „Mythus“ oft im Mittelpunkt der Debatte und viele Broschüren protestantischer Theologen geben Zeugnis, daß ein Ringen der Werte neu und tief inmitten des Luthertums spürbar geworden ist. Meine Voraussage, daß die Kirchlich-Evangelischen sich dem neuen religiösen Fühlen gegenüber ähnlich verhalten würden wie einst das dogmatisch festgelegte Rom gegenüber der Reformation, hat sich leider bestätigt. Die gegen meine Schrift auftretenden

Ringen im Protestantismus

Theologen und Professoren machten es sich im Vollbesitz der „evangelischen Wahrheit“ leicht: sie stellten einfach das Ketzerische meiner Ausführungen fest, lobten das „nationale Gefühl“ — aber unverbindlich —, freuten sich, (vermeintliche) Unrichtigkeiten feststellen zu können und lehnten dann ab…

Mir wurde berichtet, daß auf einer dieser Synoden nach einem derartigen Bericht ein schlichter, weißmähniger Pfarrer aufgestanden sei und erklärt habe, er könne dem Vortragenden nicht beipflichten, es sei doch offenbar, daß Gott der neuen Rassenkunde unserer Zeit ein großes Problem zur Lösung auferlegt habe, dem wir uns alle mit heiligem Ernst zu widmen hätten! Hut ab vor diesem ehrwürdigen Manne! Gleich, ob sein suchen dasselbe Ergebnis zeitigt wie meines, dem forschenden ehrlichen Gegner wird jeder wirkliche Streiter Respekt bezeugen, aber nicht den alten Dogmenbewahrern, die da glauben, ihre Stellungen um jeden Preis halten zu müssen.

Im Gespräch mit gelehrten Theologen konnte Ich ferner stets folgendes feststellen: sie gaben mir zu, daß die rassisch-seelische Geschichtsbewertung der Antike richtig sei, auch die Beurteilung des Hugenottentums stimme zweifellos. Aber, wenn ich dann die Schlußfolgerung zog, daß eben auch die Juden ihren ganz bestimmten Charakter, ihre blutgebundene Gottvorstellung haben müßten, daß folglich diese Syrische Lebens- und Geistesform uns nicht das geringste anginge, da erhob sich wie eine Mauer zwischen uns das alttestamentliche Dogma; da erschien plötzlich die Judenheit als eine Ausnahme unter den Völkern. Allen Ernstes sollte der kosmische Gott identisch sein mit den zweifelhaften geistigen Niederschlägen des Alten Testaments! Ausgerechnet die hebräische Vielgötterei wurde zum Vorbild des Monotheismus erhoben, von der originalen großen arisch-persischen Weltvorstellung und kosmischen Gottesauffassung war der lutherischen Theologie kein tieferes Wissen gekommen.

Vergötzung des jüdischen Volkes

Hinzu trat dann die Verehrung des Paulus, eine Erbsünde des Protestantismus, gegen die bekanntlich schon Lagarde, angefeindet von der gesamten Zunfttheologie seiner Zeit, vergeblich bekämpft hatte.

Auch die evangelischen Theologen wiederholen überall, selbst bei allgemeiner Zustimmung zur völkischen Weltanschauung, den anmaßenden Spruch der römischen Kirche: die rassische Völkerbewertung bedeute unchristliche „Vergötzung“ des Volkstums. Die Herren übersehen dabei aber, daß die Ausnahmestellung, die sie den Juden zuweisen, nichts anderes darstellt als eine Vergötzung des hebräischen, uns stets feindlichen Parasitenvolkes*. Dies erscheint ihnen selbstverständlich und sie belieben ebenfalls dabei zu übersehen, daß diese Verherrlichung des Judentums ganz unmittelbar, bei Freiwerden der jüdischen Triebhaftigkeit, uns jene Verlumpung unserer Kultur und unserer Politik beschert hat, gegen welche mit Erfolg zu wirken und anzukämpfen die heutige Leitung des Protestantismus, eben dank der Juden-Vergötzung sich bereits als unfähig erwiesen hat.

Es ist betrübend, wenn die heutigen Vertreter der evangelischen Theologie so unlutherisch sind, die Anschauungen, in denen Luther verständlicherweise noch befangen sein mußte, als für immer feststehende Glaubenssätze auszugeben. Luthers Großtat war in erster Linie die Zertrümmerung des exotischen Priestergedankens, in zweiter die Germanisierung des Christentums. Das erwachende

*Bezeichnend ist auch die Antwort, welche D. Strathmann in einer Flugschrift auf den Angriff erteilt, die Kirchen sollten sich um das deutsche Volk und nicht angesichts seines Elends um die Niggermissionen kümmern: „Als ob das ihre Aufgabe wäre! Um des Rassenkultus’ willen sollen sie die Menschheitsaufgabe der Missionen verleugnen!“ Die Rasse und Seele der Nigger gilt — neben den guten Juden — im Ernstfalle also mehr als die Nation, der man anzugehören die Ehre hat.

Erwachende Jugend

Deutschtum aber hat nach Luther noch zu Goethe, Kant, Schopenhauer Nietzsche, Lagarde geführt, heute geht es in gewaltigen Schritten seinem vollen Erblühen entgegen. Die evangelische Theologie würde dem echten Luthertum den Todesstoß versetzen, wenn sie der Weiterentwicklung seines Wesens sich bedingungslos entgegenstellen wollte. Wenn D. Kremers, ein Führer des Evangelischen Bundes, in einer Schrift erklärt, der Mythus werde namentlich von der akademischen Jugend „verschlungen“, so zeigt er, daß ihm bewußt ist, wie stark das neue Leben im jungen protestantischen Nachwuchs bereits tätig wird. Ist es nun nicht wichtiger, dieses seelische, volksverwurzelte L e b e n zu fördern, als innerlich längst gestürzten dogmatischen Götzen anzuhängen? Dieses junge Geschlecht will doch weiter’ nichts, als die große Persönlichkeit des Stifters des Christentums in ihrer eigentlichen Größe erschauen ohne jene verfälschende Zutaten, welche jüdische Zeloten wie Matthäus, materialistische Rabbiner wie Paulus, afrikanische Juristen wie Tertullian, oder haltlose Zerkreuzungen wie Augustinus sie uns als furchtbarsten geistigen Ballast beschert haben. Sie wollen Welt und Christentum aus ihrem Wesen begreifen, aus germanischen Werten heraus erfassen, ihr selbstverständliches Recht auf dieser Welt, welches aber gerade heute wieder schwer erkämpft werden muß.

Wenn die amtierende Orthodoxie dies alles nicht zu begreifen vermag, so wird sie den Gang der Dinge doch nicht ändern, höchstens etwas verzögern können. Eine große Zeit hätte dann wieder einmal ein kleines Geschlecht angetroffen. Diese doch kommende Zeit aber bejaht sowohl das Straßburger Münster wie die Wartburg, verneint jedoch das anmaßende römische Zentrum ebenso wie das jerusalemistische Alte Testament. Es saugt sich aus den Wurzeln germanischer Dramatik, seiner Baukunst und Musik mehr Kraft als aus den trostlosen Erzählungen des jüdischen

Um die Willenhaftigkeit des Deutschen

Winkelvolkes, es anerkennt manche tiefe völkische Symbolik innerhalb der katholischen Kirche und verknüpft jene mit der Wahrhaftigkeit des echten Luthertums. Es einst mit einem großem Gewölbe der rassisch-seelichen Weltanschauung alles einzelne zum blutvollen Organismus einer deutschen Wesenheit.

Hier muß der evangelische junge Geistliche vorangehen, da auf ihm nicht jene seelenlähmende Zucht liegt wie über den katholischen Priestern. Bis die Zeit heranreift, da auch aus diesen die germanischen Rebellen auferstehen und die Arbeit des Mönchs Roger Bacon, des Mönchs Eckehart zur Freiheit des praktischen Lebens führen, wie es ihnen auch die andern großen Märtyrer des Abendlandes vorgelebt, vorgelitten, vorgekämpft haben.

Von nationaler Seite wurde der „Mythus“ aus Angst vor dem Zentrum ängstlich totgeschwiegen, nur wenige wagten es, sich für seine Gedankengänge einzusetzen. Die ablehnende Beurteilung aus diesem Lager aber bestand fast immer darin, mir unterzuschieben, ich hätte ein „Gründer einer neuen Religion“ werden wollen, hier hätte ich aber versagt. Ich habe nun im Kapitel über die Volkskirche von vornherein diese Unterschiebung zurückgewiesen; worum es sich heute handelt, ist neben der Begründung der rassischen Geschichtsbetrachtung die Werte der Seele und des Charakters der verschiedenen Rassen und Völker und Gedankensysteme gegenüberzustellen, eine für das Deutschtum organische Rangordnung dieser Werte zu begründen, der Willenhaftigkeit des Germanentums auf allen Gebieten nachzugeben. Das Problem ist also: gegen das chaotische Durcheinander eine gleiche Seelen- und Geistesrichtung herbeizuführen, die Voraussetzungen einer allgemeinen Wiedergeburt selbst aufzuzeigen. An diesem Wollen ist der Wert meines Werkes zu messen und nicht durch Kritik dessen, was durchzuführen ich mir gar nicht vorgenommen habe, was Aufgabe eines Reformators

Wesen der Wiedergeburt

sein wird, der erst einem bereits sehnsüchtig klar eingestellten Geschlecht entsteigen kann.

Die Auslandstimmen sind durchweg sachlicher als das Echo aus den reformbedürftigen Kreisen in Deutschland. Das dänische „Forum“ brachte einen ernsten Hinweis, ausführlich haben sich wissenschaftliche italienische Zeitschriften mit den Gedanken der Schrift befaßt, so „Critica fascista“, „Bilychnis“, „Progresso religioso“ … u. a. Auf der Eröffnung des germanistischen Instituts in Paris wurde erklärt, wer die neue geistige Bewegung in Deutschland kennen lernen wolle, müsse den „Mythus des 20. Jahrhunderts“ lesen. Wichtiger aber als dies alles sind die zahlreichem Zustimmungen aus aller Herren Länder, vor allem aber jener Deutschen, die sich der heutigen großen seelischen Schicksalsstunde sowohl Deutschlands als auch aller Völker des Abendlandes bewußt geworden sind. Die Fragen, vor die wir gestellt werden, stehen auch vor der Tür der anderen Nationen, uns zwingt nur ein schweres Schicksal zu einem aufrichtigeren Rechenschaftsbericht und zum Beschreiten eines neuen Weges, weil sonst mit dem politischen Zusammenbruch auch die seelische Katastrophe eintreten muß und das deutsche Volk als wirkliches Volk aus der Geschichte verschwinden wird. Eine echte Wiedergeburt aber ist nie Sache der Machtpolitik allein, noch viel weniger eine Frage der „wirtschaftlichen Sanierung“, wie anmaßende Hohlköpfe meinen, sondern bedeutet ein zentrales Erlebnis der Seele, die Anerkennung eines höchsten Wertes. setzt sich dieses Erlebnis von Mensch zu Mensch millionenfach fort, stellt sich schließlich die geeinte Kraft des Volkes vor diese innere Umwandlung, dann wird keine Macht der Wellt die Auferstehung Deutschlands zu verhindern vermögen.

Das demokratisch-marxistische Lager hatte zunächst versucht, das Werk durch Totschweigen nicht aufkommen zu lassen. Dann aber wurde es doch zur Stellungnahme

Marxistischer „Sozialismus“

gezwungen. Diese Leute haben nun den „falschen Sozialismus“ angegriffen, wie er angeblich zum Schaden der Arbeiterschaft im vorliegenden Werk gelehrt würde. Der „wahre“ Sozialismus der Sozialdemokratie besteht offenbar darin, auch weiterhin unbekümmert um eine buchstäbliche Versklavung des ganzen Volkes auf viele Jahrzehnte durch Fortdauer der Verpfändung aller noch bestehenden Werte ihre Unterwürfigkeit unter die Diktate der internationalen Finanz fortzuführen. Der „wahre“ Sozialismus besteht ferner darin, das schaffende anständige deutsche Volk weiter hemmungslos einer niederträchtigem Theater- und Filmpropaganda auszuliefern, die nur drei Heldentypen kennt: die Dirne, den Zuhälter, den Verbrecher. Der „wahre“ Sozialismus der marxistischen Führerschaft besteht wohl darin, daß der kleine Mann bei einem Fehltritt ins Zuchthaus wandert, die großen Betrüger aber weiter frei ausgehen, wie es bisher schon gepflegte Anschauung einflußreichster Kreise um Demokratie und Sozialdemokratie gewesen ist. Der Gesamtmarxismus hat sich, wie nicht anders möglich, als jede organische Gemeinschaft zugunsten fremder nomadischer Instinkte auflösend erwiesen, er muß also eine neue Begründung und Verwurzelung eines solchen V o l k e s sozialistischen stilbildenden Gefühls als einen Angriff auf sein Dasein empfinden.

Marxismus und Liberalismus befinden sich heute der ganzen Front entlang im ungeordneten Rückzugsgefecht. Viele Jahrzehnte galt es als besonders fortschrittlich, nur von „Menschheit“ zu reden, Weltbürger zu sein und die Rassenfrage als rückständig abzulehnen. Nun sind alle diese Illusionen nicht nur politisch erledigt, sondern auch die sie begründende Weltanschauung brüchig, und es wird keine lange Zeit mehr vergehen, da sie in den Seelen der noch halbwegs gesunden Geführten und Verführten ganz zusammenbricht. In die Enge gedrängt, bleibt dem „wissenschaftlichen“ Marxismus nichts mehr übrig, als den

Die große Sendung des Arbeitertums

Nachweis zu versuchen, daß ja auch Karl Marx den Einfluß von Volk und Rasse auf das Weltgeschehen ausdrücklich anerkannt habe! Diese Mission, das nicht mehr zu hemmende Bluterwachen des deutschen Arbeiters in die maxistische Orthodoxie einzuverleiben, die jahrzehntelang den „Rassenwahn“ wütend bekämpft hat, unternahm u. a. die „sozialistische Bildung“. Ein Versuch, der an sich den inneren katastrophalen geistigen Zusammenbruch kennzeichnet, wenn auch nach der zähneknirschend zugestandenen Berechtigung des rassischen Standpunkts überhaupt versichert wird, Marx habe den „Rassefetischismus“ verworfen. Was selbstverständlich ist, sonst hätte er sich nach Syrien als Lehrer hinbegeben Müssen — wohin er auch gehört. Dies zu erkennen und den marxistischen Materialismus und die finanzkapitalistische Rückendeckung als eine syrisch-jüdische, fremde Pflanze aus dem deutschen Leben auszurotten, ist die große Sendung der neuen deutschen Arbeiterbewegung, die sich dadurch das Recht erkämpfen wird, in die Führung der deutschen Zukunft eingereiht zu werden. Wir unsererseits leugnen gar nicht sehr verschiedene Einflüsse: Landschaft und Klima und politische Tradition; aber das alles wird vom Blut und dem blutgebundenen Charakter überhört. Um die Wiedererkämpfung dieser Rangordnung geht es.

Die Unbefangenheit des gesunden Blutes wieder herzustellen, das ist vielleicht die größte Aufgabe, die ein Mensch sich heute stellen kann, zugleich bezeugt diese Feststellung die traurige Lage des Geistes und des Leibes, daß eine solche Tat Lebensnotwendigkeit geworden ist. E i n Beitrag zu dieser kommenden großen Befreiungstat des 20. Jahrhunderts sollte vorliegende Schrift sein. Die Aufrüttelung vieler Erwachender, aber auch der Gegner ist die erwünschte Folge gewesen. Ich hoffe daß die Auseinandersetzung einer neuentstehenden Welt mit den alten Mächten sich immer weiter verästelt,

Unser Traum

in alle Gebiete des Lebens eindringt, befruchtend immer Neues, Blutgebundenes, Stolzes zeugt, bis zu dem Tag, da wir an der Schwelle der Erffüllung unserer Sehnsucht nach einem deutschen Leben stehen, bis zu der Stunde, da alle schlagenden Quellen sich zu einem großen Strom der deutsch-nordischen Wiedergeburt vereinigen werden.

Das ist ein Traum, wert gelehnt und gelebt zu werden. Und dieses Erleben und dies Leben, das allein ist Abglanz einer erahnten Ewigkeit, die geheimnisvolle Sendung auf dieser Welt, in die wir hineingesetzt wurden, um das zu werden, was wir sind.

München, im Oktober 1931. A. R.

 Zum 150. Tausend

Der „“Mythus“ hat heute tiefe, nicht mehr auszutilgende Furchen in das Gefühlsleben des deutschen Volkes gezogen. Immer neue Aufgaben sind ein deutliches Zeichen dafür, daß ein e n t s c h e i d e n d e r geistig-seelischer Umbruch zu einem geschichtlichen Ereignis heranwächst. Vieles, was in meiner Schrift scheinbar absonderliche Idee war, ist bereits staatspolitische Wirklichkeit geworden. Vieles andere wird, so hoffe ich, noch als weiteres Ergebnis des neuen Lebensgefühls seine Verkörperung finden.

Das Inquisitionskollegium der römischen Kirche hat den „Mythus“ feierlich auf den Index gesetzt. Dieser ohnmächtige Protest wird für die weitere Verbreitung des Werkes das seinige beitragen. Ich befinde mich auf dem Index in bester Gesellschaft.

Die staatspolitische Revolution ist beendet, die Umwandlung der Geister aber hat erst begonnen. In ihrem Dienst steht nunmehr der „Mythus des 20. Jahrhunderts“ mit in erster Reihe.

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Der Mythus des 20. Jahrhunderts Erstes Buch: Das Ringen der Werte

Der Mythus des 20. Jahrhunderts

Ich bin nur König, solange ich frei bin.
Friedrich der Große.

Erstes Buch:

I.Rasse und Rassenseele

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 Es beginnt heute eine jener Epochen, in denen die Weltgeschichte neu geschrieben werden muß. Die alten Bilder menschlicher Vergangenheit sind verblaßt, die Umrißlinien der handelnden Persönlichkeiten erscheinen verzeichnet, ihre inneren Triebkräfte falsch gedeutet, ihr gesamtes Wesen meist ganz verkannt. Ein junges und sich doch als uralt erkennendes Lebensgefühl drängt nach Gestaltung, eine Weltanschauung wird geboren und beginnt willensstark mit alten Formen, geheiligten Gebräuchen und übernommenen Gehalt sich auseinanderzusetzen. Nicht mehr geschichtlich, sondern grundsätzlich. Nicht auf einigen Sondergebieten, sondern überall. Nicht nur an den Wipfeln, sondern auch an den Wurzeln.

Und das Zeichen unserer Zeit ist: Abkehr vom grenzenlosen Absolutum. D.h. Anwendung von einem über alles Erlebbare, Organische gehende Wert, den sich einst das vereinsamte „Ich“ setzte, um eine übermenschliche Gemeinsamkeit der Seelen Aller friedlich oder gewaltsam herbeizuführen. Ein solches Endziel war einst die „Verchristlichung der Welt“ und ihre Erlösung durch den wiederkehrenden Christ. Als ein anderes Ziel erschien der Traum als Humanisierung der Menschheit. Beide Ideale sind im blutigen Chaos und in der Neugeburt des Weltkriegserlebnisses begraben worden, trotzdem gerade jetzt das eine und das andere eine sich immer mehr fanatasierende Pristerschaft und Anhängerschaft findet. Das sind Erstarrungsvorgänge, nicht mehr lebendiges Leben; ein Glaube, der (Der Weg zur Blutschande) in der Seele starb, ist nicht mehr von den Toten zu einwecken.

Menschheit, All-Kirche und das von den Blutzusammenhängen gelöste, selbstherrliche Ich sind uns keine absoluten Werte mehr, sondern verzweifelte, ja zum Teil ganz brüchig gewordene Satzungen einer polaritätslosen Naturvergewaltigung zugunsten von Abstraktionen. Die Flucht des 19. Jahrhunderts zum Darwinismus und Positivismus war der erste große, nur rein bestialische Protest gegen die Ideale lebens- und luftleer gewordener Mächte, die uns einst aus Syrien und Kleinasien überzogen und eine geistige Entartung vorbereitet hatten. Von der im All verschwimmenden Christlichkeit und der Humanitas mißachtet wurde der Strom blutigroten wirklichen Lebens, der das Geäder aller echten Volksart und jeder Kultur durchrauschte; oder aber das Blut wurde zur chemischen Formel entseelt und dadurch „erklärt. Heute aber beginnt ein ganzes Geschlecht zu ahnen, daß nur dort Werte geschaffen und erhalten werden, wo noch das Gesetz des Blutes Idee und Tat des Menschen bestimmt, sei es bewußt oder unbewußt. Auf unterbewußter Stufe vollzieht der Mensch in Kult und Leben die Gebote des Blutes gleichsam im Traumschlaf, „natursichtig“, wie ein glückliches Wort das Wesen dieser Übereinstimmung zwischen Natur und Gesittung bezeichnet. Bis die Gesittung in Ausfüllung aller unterbewußten Tätigkeit Bewußtseins- und Lehrinhalt, immer mehr intellektuell wird und auf später Stufe nicht schöpferische Spannung, wohl aber Zwiespalt begründet. So entfernen sich Vernunft und Verstand von Rasse und Art, losgelöst aus den Banden des Blutes und der Geschlechterreihen fällt das Einzelwesen absoluten, vorstellungslosen Geistesgebilden zum Opfer, löst sich immer mehr von der artlichen Umwelt, mischt sich mit feindlichem Blut. Und an dieser Blutschande sterben dann Persönlichkeit, Volk, Rasse, Gesittung. Dieser Rache des Blutes ist niemand entgangen, der die Religion (Ein neues Geschichtsbild) des Blutes mißachtete: weder die Inder noch die) die Perser noch die Griechen noch die Römer. Dieser Rache wird auch das nordische Europa nicht entgehen, wen es nicht Umkehr hält und sich von geistig leeren Nebengebilden, blutlosen absolutem Ideen abwendet und wieder- wieder vertrauend hinzuhorchen beginnt auf den verschütteten Sprudel seines ureigenen Lebenssaftes und seiner Werte.

Ein neues beziehungsreiches farbiges Bild der Menschen-und Erdengeschichte beginnt sich heute zu enthüllen, wenn wir ehrfürchtig anerkennen, daß die Auseinandersetzung zwischen Blut und Umwelt, zwischen Blut und Blut die letzte uns erreichbare Erscheinung darstellt, h i n t e r der zu suchen und zu forschen uns nicht mehr vergönnt ist. Diese Anerkennung aber zieht sofort die Erkenntnis nach sich, daß das Kämpfen des Blutes und die geahnte Mystik des Lebensgeschehens nicht zwei verschiedene Dinge sind, sondern ein und dasselbe auf verschiedene Weise darstelle. Rasse ist das Gleichnis einer Seele, das gesamte Rassengut ein Wert an sich ohne Bezug auf blutleere Werte, die das Naturvolle übersehen, oder in bezug auf Stoffanbeter, die nur das Geschehen in Zeit und Raum erblicken, ohne dies Geschehen als das größte und letzte aller Geheimnisse zu erfahren.

Rassengeschichte ist deshalb Naturgeschichte und Seelen-Mystik zugleich; die Geschichte der Religion des Blutes aber ist, umgekehrt, die große Welterzählung vom Aufstieg und Untergang der Völker, ihrer Helden und Denker, ihrer Erfinder und Künstler.

Tiefer als man jemals früher zu denken wagte, kann sich heute der geschichtsbildende Blick in die Vergangenheit zurückversenken. Die Denkmäler aller Völker liegen jetzt ausgebreitet vor uns, die Ausgrabungen urältester Zeugnisse menschlicher Bildnerkraft lassen einen Vergleich der Triebkräfte der Kulturen zu, die Mythen von Island bis nach Polynesien sind gesammelt, die Schätze der Mayas (Entschleierte Vorgeschichte) zum großen Teil gehoben. Hinzu ist die Geologie gekommen, die imstande ist, heute die Landkarten von Zehntausenden von Jahren vor unserer Zeitrechnung zu zeichnen. Unterseeforschungen haben aus großer Tiefe des Atlantischen Ozeans starre Lavamassen von den Gipfeln einst plötzlich versunkener Gebirge, in deren Tälern einst Kulturen entstanden waren, ehe eine oder viele furchtbare Katastrophen über sie hereinbrachen. Die Erderforscher zeichnen uns Festlandblöcke zwischen Nordamerika und Europa, deren Überreste wir noch heute in Grönland und Island erblicken. Sie weisen uns nach, daß andererseits Inseln des hohen Nordens (Nowaja Semlja) alte Wasserlinien aufzeigen,, die mehr als 100 Meter über der jetzigen liegen; sie machen wahrscheinlich, daß der Nordpol eine Wanderung gemacht, daß in der heutigen Arktis ein viel milderes Klima geherrscht hat. Und dies alles zusammen läßt heute die uralte Sage über die Atlantis in einem neuen Licht erscheinen. Es erscheint als nicht ganz ausgeschlossen, daß an Stellen, über die heute die Wellen des Atlantischen Ozeans rauschen und riesige Eisgebirge herziehen, einst ein blühendes Festland aus den Fluten ragte, auf dem eine schöpferische Rasse große, weitausgreifende Kultur erzeugte und ihre Kinder als Seefahrer und Krieger hinaussandte in die Welt; aber selbst wenn sie diese Atlantishypothese als nicht haltbar erweisen sollte, wird ein nordisches vorgeschichtliches Kulturzentrum angenommen werden müssen.

Schon lange haben wir es aufgeben müssen, an eine g l e i c h a r t i g e Entstehung von Mythen, Kunst- und Religionsformen bei allen Völkern zu glauben. Der streng begründete Nachweis vieler Sagenwanderungen von Volk zu Volk und ihre Festsetzung bei verschiedenen Völkergruppen hat, im Gegenteil, gezeigt, daß die meisten Grund-Mythen einen ganz bestimmten Ausstrahlungspunk, ihren 0rt der Schöpfung haben, in ihrer äußeren Form auch (Geburt des Sonnenmythus) nur: durch eine ganz bestimmte Umwelt begreiflich erscheinen, so daß auch für die urältesten Zeiten große Wanderungen der Rassen und Völker zur Gewißheit werden. So ist denn der solare (Sonnen) Mythus nebst seinen Begleiterscheinungen nicht als „allgemeine Entwicklungsstufe überall selbsttätig entstanden, sondern dort geboren worden, wo das Erscheinen der Sonne ein kosmisches Erlebnis von größter Eindringlichkeit gewesen sein muß: im hohen Norden. Nur dort konnte die scharfe Scheidung der Jahreshälften vorgenommen werden, nur dort konnte die Sonne bis ins Innerste der Seele Gewißheit für den lebenerneuernden schöpferischen Urgehalt der Welt werden. Und deshalb wird die alte verlachte Hypothese heute Wahrscheinlichkeit, daß von einem nordischen Mittelpunkt der Schöpfung, nennen wir ihn, ohne uns auf die Annahme eines versunkenen atlantischen Erdteils festzulegen, die Atlantis, einst Kriegerschwärme strahlenförmig ausgewandert sind als erste Zeugen des immer wieder sich erneut verkörpernden nordischen Fernwehs, um zu erobern, zu gestalten. Und diese Ströme der atlantischen Menschen zogen zu Wasser auf ihren Schwan- und Drachenschiffen ins Mittelmeer, nach Afrika; zu Land über Zentralasien nach Kutscha, ja vielleicht sogar nach China; über Nordamerika nach dem Süden dieses Erdteils.

Wenn Ahura Mazda zum Zarathustra sagt: „Einmal nur im Jahr sieht man untergehen und aufgehen Sterne und Mond und Sonne; und die Bewohner halten für einen Tag, was ein Jahr ist“, so ist das eine ferne Erinnerung an die nordische Heimat des persischen Lichtgottes, denn nur im Polargebiet dauerten Tag und Nacht je sechs Monate, das ganze Jahr aber ist nur hier ein Tag und eine Nacht. Vom indischen Helden Ardschuna weiß das Mahabaratam zu berichten, daß bei seinem Besuch beim Berg Meru die Sonne und der Mond täglich von links nach rechts herumgingen, eine Vorstellung, die nie im (Nordischer Zug durch Afrika) tropischen Süden entsenden sein kann,, denn nur im hohen Norden rollt das Sonnenrad am Horizont entlang. An die indischen Adityas geht auch die Bitte: „Möge nicht die lange Dunkelheit über uns kommen“, und über den lichten Agni wird geklagt, er habe „zu lange in der langen Dunkelheit“ geweilt, was alles nur auf die tiefe hyperboräische Nacht zurückzuführen ist.

Gleich diesen uralt arisch-atlantischen Erinnerungen treten die nur durch nordische Herkunft verständlichen kultischen Gleichnisse, Trachten, Zeichnungen auf. Das nordische Boot mit dem Schwanenhals und Dreiblatt finden wir im vordynastischen Ägypten, seine Ruderer aber waren das spätere Herrenvolk der kriegerischen Amoriter, bereits von Sayce als hellhäutig und blauäugig erkannt. Sie zogen einst über Nordafrika dahin, als festgefügte Jägersippen, die sich nach und nach das ganze Land unterwarfen, dann teilweise weiterwanderten über Syrien nach Babylon. Die zum Teil bis auf heute hellhäutigen, sogar noch blauäugigen Berber gehen nicht auf die späteren Vandalenzüge zurück, sondern auf die uralte atlantisch-nordische Menschenwelle. Die Jäger-Kabylen zum Beispiel sind zum nicht geringen Teil heute noch von ganz einwandfrei nordischer Herkunft (so machen die blonden Berber in der Gegend von Constantine 10 Prozent aus, bei Djebel Scheschor sind sie noch zahlreicher). Die herrschende Schicht der alten Ägypter weist bedeutend feinere Züge auf als das beherrschte Volk. Diese „Hamiten“ sind vermutlich bereits eine Mixovaration zwischen Atlantiern und der negroiden Urbevölkerung. Um 2400 v. Chr. treten dann Reliefs von Menschen auf mit heller Haut, rotblonden Haaren und blauen Augen, jene „blonden Libyer“, von denen Paunsanias später berichtet. In den Grabmälern von Theben finden wir die „vier Rassen“ Ägyptens abgebildet:Asiaten, Negriten, Libyer, Ägypter. Die letzten werden rot gezeichnet, die Libyer dagegen stets mit blauem Augen, (Sagenhafte Urheimat) bärtig und von weißer Hautfarbe. Rein nordischen Typus zeigen das Grab des Senye a. d. 18.Dynastie, die Frau auf dem Pylon des Horemheb zu Karnak, die Schwanenbootleute auf dem Tempelrelief zu Medinet-Habu, der Tsakkarai [Teukroi], der Begründer der „phoenizischen“ Seefahrt. Hellhäutige Menschen mit goldgelbem Haar zeigen die Typen in den Gräbern von Medinet-Gurob*. Bei den neuesten Ausgrabungen in den Mastabas bei der Cheopspyramide (1927) fand man die „Prinzessin und Königin Meres-Aneh“ (2633—2564 v. Chr.) mit blondem Haar abgebildet. Die sagenhafte, mythenumwobene Königin Nikotris gilt in allen Sagen ebenfalls als blond.

Das alles sind rassische Denkmäler einer uralten nordischen Überlieferung Nordafrikas.

Die Amoriter gründeten Jerusalem, sie bildeten die nordische Schicht im späteren Galiläa, d.h. in der „Heidengau“, aus der einst Jesus hervorgehen sollte. Sie fanden dann Verstärkung durch die Philister, die ebenfalls in den von Syrien früher ganz unbekannten nordischen Schiffstypen mit Beil und Dreiblatt als Stevensymbole nach Syrien übersetzten.

Es mag noch unausgemacht bleiben, wo die Urheimat: der nordichen Rasse liegt. Wie die Südatlantier nach Afrika, Südasien ausschwärmten, so sollen die Nordatlantier den Sonnengott von Europa nach Nordasien getragen haben, bis zu den Sumerern, deren Jahreszählung einst mit dem Tag der Wintersonnenwende angefangen hatte! Neueste Forschungen in Island und Schottland erklären eine frühsteinzeitliche Einwanderung als möglich auch das altirische Schönheitsideal war milchweiße Haut und blonde * Vgl. hierzu Herman Wirch: „Der Aufgang der Menschheit“, Jena 1928; auch E. Dacque: „Erdzeitalter“, München, 1930. Wirth hat die Vorgeschichts-Forschung stark angeregt, ob seine Anschauungen sich bewahrheiten werden, kann erst die Zukunft entscheiden.(„Sinn der Weltgeschichte“) Haare, das jedoch später durch den Vorstoß einer dunklen, rundköpfigen Rasse verwischt wurde. Mag vieles auch sehr fraglich sein, mag erst eine kommende Forschung feststellen, ob die ältesten Kultzeichen, die ersten Felssteinzeichnungen der Steinzeit auch die Grundlage der vordynastischen ägyptischen Linearschrift gewesen sind, ob auf diese „atlantische“ Symbolik auch andere Schriften der Erde als auf ihren Urgrund zurückgehen, das Ergebnis dieser Forschung vermag jedoch an der einen großen Tatsache nichts zu ändern, daß der „Sinn der Weltgeschichte“ von Norden ausstrahlend über die ganze Erde gegangen ist, getragen von einer blauäugig-blonden Rasse, die in mehreren großen Wellen das geistige Gesicht der Welt bestimmte, auch dort noch bestimmte, wo sie untergehen mußte. Diese Wanderperioden nennen wir: den in Sagen gehüllten Zug der Atlantier über Nordafrika; den Zug der Arier nach Persien-Indien, gefolgt von Dorern, Mazedoniern, Latinern; den Zug der germanischen Völkerwanderung; die Kolonisierung der Welt durch das germanisch bestimmte Abendland.

Als die erste große Welle: nordischen Blutes über das indische Hochgebirge wallte, war sie bereits über viele feindliche und sonderbare Rassen hinweggegangen. Gleichsam unbewußt schieden sich die „Inder“ von dem Fremden, Dunklen, das sich dem Auge zeigte. Die Kastenordnung war die Folge dieser naturweisen Abwehr: Varna heißt Kaste, Varna aber heiße auch Farbe. Die hellen Arias knüpften also bewußt am faßbaren Erscheinungsbilde an und schufen eine Kluft zwischen sich als den Eroberern und den schwarzbraunen Gestalten des Hindostan. Nach dieser Scheidung zwischen Blut und Blut gestalten die Arier sich ein Bild der Welt, das an Tiefe und Weiträumigkeit auch heute von keiner Philosophie überboten werden kann, wenn auch nach langdauernden Auseinandersetzungen mit den immer wieder eindringenden Vorstellungen der (Indiens Schicksalslinie) niederrassigen Eingeborenen. Die Periode z. B., welche sich zwischen die heldischen Gesänge der Vedas und der Upanishads einschiebt, ist gleichbedeutend mit einer Ausbreitung und zugleich mit einem Kampf gegen Zauberei und niedere Ekstatik. Das geister- und götterbeschwörende Opferwesen beginnt sich einzufressen. Diesen Zaubervorstellungen erliegt auch der den Opferlöffel schwingende und die Opferscheite schichtende Priester. Jeder Griff und jede Bewegung erhält einen geheimnisvollen „Sinn“. Es schiebt sich, wie Deussen feststellt, zwischen die mythologische und philosophische Zeit eine rituelle ein; aus dem Gebet, ursprünglich nur eine starke Gemütserhebung (dem echten Brahman),wird ein magischer, die Götter oder Dämonen zwingender zauberhafter Akt. In diesem Versumpfungsprozeß trat leuchtend die Atmanlehre auf. Sie ist nicht ein „psychologischer Entwicklungsakt“, der vollkommen undeutbar wäre (auch Deussen versucht keine Erklärung), sondern erscheint als ein Feuerwachen arischen Geistes gegenüber den abergläubisch-zauberhaften Anschauungen der nichtarischen Unterjochten. Diese Anschauung wird geradezu zur Gewißheit, wenn man feststellen kann, daß die große Lehre vom Eigenwert des seelischen Selbstes ohne jede Magie und Dämonie sich von den Königshöfen her ausbreitet, von der Kriegerkaste ihren Ausgang nahm. Obgleich die Brahmanen später die Lehrer des neuen Gedankens von der Wesensgleichheit der Weltseele und der Einzelseele werden, so haben sie die wahre Herkunft der neuen Lehre doch nicht verschweigen können, und so kommt es, daß der König Ajatacatru den Brahmanen Gargya Balaki, der Kriegsgott Sanatkumara den Brahmanen Narada, der König Pravahana Jaivali den Brahmanen Aruni über den Atman belehrt. Dank dieser aristokratischen Selbstbestimmung verschwindet das unarische zauberhafte Opferwesen immer mehr, um erst später wieder beim Rassenverfall auch der Kschatryas Indien erneut zu überziehen.

Verfälschung der Kasten-Idee

Als geborener Herr fühlte der Inder seine Eigenseele sich ausdehnen zu dem das ganze Universum erfüllenden Lebenshauch, und umgekehrt erfuhr er den Weltenodem in seinem eigenen Busen als sein eigenes Selbst wirken. Die fremde, reiche, fast alles schenkende Natur konnte ihn nicht genügend aus dieser metaphysischen Vertiefung zurückzwingen. Das tätige Leben, das von den alten Lehrern der Upanishads noch immer als unumgängliche Voraussetzung auch der weltabgewandten Denker gefordert worden war, verblaßte immer mehr vor dem Wanderer ins Weltall der Seele, und dieser Gang von der Farbigkeit zum weißen Licht der Erkenntnis führte zum grandiosesten Versuch der Überwindung der Natur durch die Vernunft. Kein Zweifel, daß vielen Indern als Einzelpersönlichkeiten und Aristokraten diese Überwindung der Welt schon auf dieser Welt gelang. Aber dem späteren Menschen hinterblieb nur die Lehre, nicht mehr ihre rassische, lebendige Voraussetzung. Bald verstand man den farbig-blutvollen Sinn der Varna überhaupt nicht mehr, die heute als technische Berufseinteilung die grauenvollste Verhöhnung des weisesten Gedankens der Weltgerichte darstellt. Der späte Inder kannte nicht Blut, Ich und All, sondern nur die beiden letzten Gegebenheiten. Und starb an dem Versuch, das Ich allein zu betrachten. An einer Rassenschande, deren Erzeugnisse heute als armselige Bastarde in den Wassern des Ganges eine Heilung für ihr verkrüppeltes Dasein erflehen.

Der indische Monist war bemüht, nachdem er die ideenhafte Polarität Ich-All zugunsten des einen Teils durch Vernunftentscheidung „überwunden“ hatte, auch die zu ihnen beiderseitig hinaufführenden, sich polar bedingenden Gegensätze zu vernichten, die Freiheit durch Natur, Natur durch Freiheit zu vergewaltigen. Er war deshalb auch geneigt, Rasse und Persönlichkeit als im obersten Begriff aufgehend wie nicht wirklich vorhanden zu betrachten.

Indiens Ende

Der apätindische, spiritualistische Monist sieht die Natur deshalb gleichsam als etwas Unwirkliches, als bösen Traum an. Das einzig Wirkliche ist ihm die Weltseele (das Brahman) in ihrer ewigen Wiederkehr in der Einzelseele [im Atman]. Mit der Fortwendung von der Natur überhaupt wird also auch die früher klare Vorstellung und der Begriff der Rase immer schwankender; dogmatisch-philosophische Erkenntnis lockert somit den Instinkt aus seinem Erdreich. Ist die Weltseele das allein Bestehende und ist der Atman mit ihr wesenseins, so schwindet zugleich die Idee der Persönlichkeit. Das gestaltlose All-Eins ist erreicht.

Damit hörte Indien auf, weiter schöpferisch zu sein; es erstarrt, das fremde, dunkle Blut der jetzt als gleichwertige Träger des Atmans angesehenen Cudras dringt ein, vernichtet den ursprünglichen Begriff der Kaste als Rasse und die Bastardierung beginnt. Schlangen- und Phalluskulte der Eingeborenen beginnen zu wuchern, die symbolischen Ausdrücke vom hundertarmigen Civa werden plastisch verstofflicht, gleich Schlinggewächsen des Urwalds entsteht eine fürchterliche Bastardkunst. Nur an Königshöfen erblüht noch spät der alte Heldensang, erklingt die Lyrik eines Kalidasa und anderer, meist unbekannter, großer Dichter. Ein Cankara versucht eine Neugestaltung indischer Philosophie. Es ist umsonst; durch ein zu weites Atemholen sind die Blutadern des Rassenkörpers gesprengt, arisch-indisches Blut fließt aus, gesickert und düngt nur noch stellenweise das dunkle es aufsaugende Erdreich Altindiens, hinterläßt fürs Leben nur ein philosophisch-technisches Zuchtregiment, das in seiner späteren wahnwitzigen Verzerrung das Hinduleben von heute beherrscht.

Wir werden nicht unduldsam behaupten wollen, der Inder habe zuerst seine Rasse, dann seine Persönlichkeit aufgegeben oder umgekehrt, vielmehr liegt hier ein metaphysischer Vorgang vor, der in dem brünstigen Verlangen, das Phänomen der Zweiheit überhaupt zu überwinden, (Zarathustras Religionsschöpfung) auch die sich gegenseitig bedingenden Unterstufen der letzten Polarität gleichzeitig aufhob.

Von außen betrachtet, ging in Indien die philosophische Erkenntnis der großen Gleichheit Atman-Brahman dem Rassenverfall voraus. In anderen Ländern ergibt sich dieser nicht nach Festsetzung einer philosophischen Idee, sondern ist die Folge rein physischer andauernder Vermischung zwischen zwei oder vielen gegensätzlichen Rassen, deren Fähigkeiten sich inmitten dieses Prozesses nicht steigern oder ergänzen, sondern sich gegenseitig austilgen.

I r a n erlebt vom 6. Jahrhundert ab die Ausbreitung der arischen Perser. unter Arschama erwächst ihnen ein führender religiöser Lehrer, eine der größten Persönlichkeiten der indoeuropäischen Geschichte: Spitama [Zarathustra]. Besorgt um das Schicksal der arischen Minderheit, entsteht auch in ihm ein Gedanke, der erst heute wieder im nordischen Abendland zum Leben erwacht, der Gedanke des Rassenschutzes, die Forderung der Sippenehe. Da aber die herrschende arische Oberschicht zerstreut wohnte, so erstrebe Zarathustra über diese Forderungen hinaus auch eine weltanschaulich gebundene Gesinnungsgemeinschaft, Ahura Mazda, der ewige Gott des Lichtes, wächst zur kosmischen Idee, zum göttlichen Schützer des Ariertums heran. Er hat kein Haus (wie das Morgenland es für seine Götter forderte, und Rom fortführte, er ist die „heilige Weisheit“ schlechtweg, die Vollkommenheit und Unsterblichkeit selbst. Ihm steht als Feind der dunkle Angromanyniu gegenüber und ringt mit ihm um die Weltherrschaft. Hier setzt nun ein echt nordisch-arischer Gedanke Zarathustras ein: in diesem Ringen soll der Mensch auf seiten des Ahura Mazda kämpfen [ganz wie die Einherier für Odin in Walhall gegen den Fenriswolf und die Midgardschlange]. Er soll sich also nicht in weltabgewandte Beschaulichkeit und Askese verlieren, sondern sich als ringender Träger einer welterhaltenden Idee fühlen, um alle schöpferischen Kräfte (Die persische Heilandsidee) der menschlichen Seele zu wecken und zu stählen. Der Mensch steht somit immer im Dienst des Höchsten, ob er nun Denker ist, oder einer Wüste Fruchtbarkeit abringt. Er dient wo er geht und steht einem schöpferischen Prinzip wenn er sät und erntet, wenn er sich als treu bewährt und jeder Handschlag ein unverbrüchlich Wort bedeutet. Wie der Vendidat das alles groß und erhaben ausdrückt: „Wer Korn säet, der säet Heiligkeit.“

Rund um den ringenden Mensen aber lauert das Böse und die Versuchung. Um dem erfolgreich entgegentreten zu können, beruft sich Zarathustra auf das arische Blut: dieses verpflichte jeden Perser zum Dienst für den lichten Gott. Nach dem Tode scheidet sich Gutes und Böses auf ewig. In einem gewaltigen Ringen besiegt dann Ahura Mazda den Angromayniu und richtet sein Friedensreich auf.

Aus dieser großen religiösen Dichtung schöpfen die Perser einst ihre Kraft. Als aber trotz dieses heroischen Versuchs das Aufgehen des arischen Blutes im asiatischen nicht zu vermeiden war und das große Reich der Perser dahinsank, wirkte der Geist des Zarathustra und sein Mythus doch weiter über die ganze Welt. Das Judentum schuf sich aus Angromayniu seinen Satan, aus der natürlichen Rasseerhaltung der Perser sein ganzes künstliches System der Aufzucht eines Rassegemisches, verbunden mit einem verpfichtenden (allerdings rein jüdischen) Religionsgesetz; die christliche Kirche eignete sich die persische Heilandsidee vom Weltfriedensfürsten Caoshianc an, wenn auch entstellt durch den jüdischen Messiasgedanken. Und heute erwacht im Herzen und im Norden Europas mit mythischer Kraft die gleiche Rassenseele, die einst in Zarathustra lebendig war, zu erhöhtem Bewußtsein. Nordische Gesinnung und nordische Rassenzucht, so heißt auch heute die Losung gegenüber dem syrischen Morgenlade, das in der Gestalt des Judentums und in vielen Formen des rasselosen Universalismus sich in Europa eingenistet hat.

Rassenkampf um Hellas

Die persische Gesittung wurde zum Pfropfreis auf dem Stamme der semitisch-orientalischen Unterschicht. Sie wurde zersetzt, je mehr Wirtschaft und Geld der Händlerrassen an stofflichem Einfluß gewannen und ihre Vertreter schließlich zu Macht und hohen Würden emporstiegen. Dadurch wurde die Sippenehre aufgelöst und der „Ausgleich“ der Rassen vollzog sich in der notwendigen Form der Bastardierung…

Einst ließ ein Perserkönig in die Felsenwand von Behistun folgende Worte meißeln: „Ich, Darius, der Großkönig, der König der Könige, aus arischem Stamme……“ Heute zieht der persische Maultiertreiber seelenlos an dieser Wand vorüber: ein Zeichen für Tausende, daß Persönlichkeit mit einer Rasse zusammen geboren wird und mit ihr gemeinsam stirbt.

Am schönsten geträumt wurde der Traum des nordischen Menschentums in H e l l a s . Welle auf Welle kommt aus dem Donautal und überlagert neuschöpferisch Urbevölkerung, frühere arische und unarische Einwanderer. Bereits die altmykenische Kultur der Achäer ist überwiegend nordisch bestimmt. Spätere, dorische Stämme stürmten erneut die Felsen der fremdrassigen Ureinwohner, versklavten die unterjochten Rassen und brachten das Herrschertum des sagenhaften phönizisch-semitischen Königs Minos, der durch seine Piratenflotte bis dahin die später sich Griechenland nennende Erde befehligte. Als rauhe Herren und Krieger räumten die hellenischen Stämme mit der heruntergekommenen Lebensform des vorderasiatischen Händlertums auf und mit den Armen der Unterjochten erschuf ein Schöpfergeist ohnegleichen sich Sagen aus Stein und erzwang sich Muße, ewige Heldenmärchen zu dichten und zu singen. Eine echte aristokratische Verfassung verhinderte die Blutmischung. Die sich durch Kampf verringernden nordischen Kräfte wurden durch neue Einwanderungen gestärkt. Die (Homerische Religiosität) Dorer, dann die Mazedonier schützten das schöpferische blonde Blut. Bis auch diese Stämme erschöpft waren und die vielfache Übermacht des Vorderasiatentums durch tausend Kanäle einsickerte, Hellas vergiftete und anstelle des Griechen den späteren schwächlichen Levantiner zeugte, der mit dem Griechen nur den Namen gemeinsam hat. Auf ewig hat der Hellene die Erde verlassen, und nur die toten Bilder aus Stein, nur wenige Einzelne zeugen noch für jene herrlichste Rassenseele, die einst die Pallas Athene und den Apollo erschuf. Nirgends zeigt sich die unbefangene nordische Ablehnung alles Zauberhaften klarer und größer als in den immer noch zu wenig beachteten religiösen Werten Griechenlands. Und wenn die Forscher auf die religiöse Seite des Hellenen zu sprechen kamen, so hielten sie erst jene Zeiten der eingehenden Betrachtung würdig, da der griechische Mensch bereits zerspalten, uneins mit sich geworden war und zwischen arteigenen Werten und fremder Geisteshaltung hin- und herschwankte. Dagegen ist gerade jene dieser Problematik vorhergehende, schicksalsvertrauende Majestät der homerischen Zeit eine Epoche echtester Religiosität, für die das 19. Jahrhundert des inneren Niederganges allerdings kein rechtes Verständnis mehr aufbrachte, weil das damalige goldene und silberne Zeitalter sich nicht an „Problemen“ aufspaltete. Dabei sind die Lichtgestalten des Apollon, der Pallas Athene, des Himmelsvaters Zeus, Zeichen echtester großer Frömmigkeit. Der Goldhaarige [Chrysokomos, Apollos) ist der Hüter und Schützer alles Edlen und Frohen, Wahrer der Ordnung, Lehrer der Harmonie der Seelenkräfte, des künstlerischen Maßes. Apollon ist das aufsteigende Licht der Morgenröte, zugleich der Schirmer der inneren Schau und Vermittler der seherischen Gabe. Er ist der Gott des Gesanges und des rhythmisch bewegten, jedoch nicht ekstatischen Tanzes. Geheiligt ist dem Gott der aus dem Norden stammende Schwan ein Sinnbild des Hellen, Hoheitsvollen; in südlicher Anlehnung ist (Kampf der Götter) ihm die Palme geweiht. Auf dem delphischen Tempel standen die Worte eingegraben „Nichts zuviel“, „Erkenne dich selbst“, zwei homerich-apollinische Bekenntnisse.

Neben Apollon steht die Pallas Athene, das Sinnbild des dem Haupt des Zeus entsprungenen, lebensregenden Blitzes, die blauäugige Tochter des Donnerers, die weise besonnene Jungfrau, Hüterin des Helenenvolkes und treue Schirmerin seines Kampfes.

Diese hochfrommen griechischen Seelenschöpfungen zeigen das geradegewachsene innere, noch reine Leben des nordischen Menschen, sie sind im höchsten Sinne religiöse Bekenntnisse und Abdruck eines Vertrauens in die eigene Art und zu den genial-naiv empfundenen, dem Menschen freundlich gesinnten Gottheiten. „Homer zeigt weder Polemik noch Dogmatik“, sagt Erwin Rohde* und umschreibt mit diesem einen Satz das Wesen eines jeden echten arischen Religionsgefühls. Weiter sagt dieser tiefe Kenner hellenischen Wesens: „Homer hat für das Ahnungsvolle und gar das Ekstatische wenig Interesse und gar keine eigene Neigung.“ Das ist geheimnisvollste Gradlinigkeit bester Rasse, die aus jedem echten Verse der Ilias herausklingt und in allen Tempeln von Hellas widerhallt. Aber unter dieser Schöpfung lebten und wirkten pelasgische, phönizische, alpine, später syrische Werte; je nach der Kraft dieser Rassen drangen ihre Götter vor. Waren die griechischen Götter Heroen des Lichtes und des Himmels, so trugen die Götter der vorderasiatischen Nichtarier alle erdhafte Züge an sich. Demeter, Hermes u. a. sind wesenhafte Erzeugnisse dieser Rassenseelen. Ist Pallas Athene eine kriegerische Schützerin des Lebenskampfes, so der pelasgische Ares das blutbetriefte Ungeheuer; ist Apollon der Gott der Leier und des Gesanges, so Dionysos [wenigstens seine. nichtarische Seite) der Gott der Ekstase, der Wollust des entfesselten Mänadentums. *“Psyche“.(Deutungen des Griechentums) Um die Deutung des Griechentums haben wir jetzt zweihundert Jahre bewußt gerungen. Von Winkelmann über die deutsche Klassik bis zu Preller und Voß geht die Anbetung des Lichten, Weltoffenen, Anschaulichen, wobei diese Linie des Forschens aber immer weiter herabsinkt, ihre Kurve flacher und flacher wird. Denker und Künstler wurden bald von Blut und Boden losgelöste Einzelwesen, vom Ich allein, von „Psychologie“ aus versuchte man die attische Tragödie zu „erklären“ oder zu kritisieren; Homer wurde nur formalästhetisch begriffen und der hellenistische Spätrationalismus mußte seinen Segen geben für eine blutlose professorale dickbändige Tagesschriftstellerei. Die andere —romantische — Strömung versenkte sich in die am Ende der Ilias bei den Totenfeiern oder in die bei Äschylos durch das Wirken der Erinnyen hervortretenden seelischen Unterströmungen, dringt ein in Seelen der chthonischen Gegengötter des olympischen Zeus, verehrt, vom T o d e und seinen Rätseln ausgehend, die Muttergötter mit der Demeter an der Spitze und schließlich lebt sie sich aus im Gott der Toten — in Dionysos. Hier wird namentlich von Welcker, Rohde, Nietzsche, auf jene „Mutter Erde“ als selbst gestaltlose Gebärerin des in ihren Schoß wieder zusammenflutenden sterbenden Lebens hingewiesen. Mit Schauern der Verehrung erfühlt die große deutsche Romantik, wie immer dunklere Schleier vor die lichten Götter des Himmels gezogen werden, und taucht tief unter in das Triebhafte, Gestaltlose, Dämonische, Geschlechtliche, Ekstatische, Chthonische, in die Mutterverehrung. Dies alles aber noch immer als g r i e c h i s c h bezeichnend.

Hier scheidet sich Betrachtung von Betrachtung. Ungeachtet der Tatsache daß die griechischen Stämme physisch und geistig fremdes Wesen aufnahmen, ist doch für den echten Sucher nicht so sehr diese oft nur künstliche Legierung von Interesse, sondern in erster Linie Gehalt und Form jenes Materials, das zweifellos h e r r s c h e n d war.

Rassenseelische Dramatik

Wenn z. B. Jakob Burckardt aussagt: „Was sie [die Griechen) taten und litten, das taten und litten sie f r e i und anders als alle früheren Völker. Sie erscheinen original und spontan und bewußt da, wo bei allen anderen ein mehr oder weniger dumpfes Müssen herrscht“*, so leuchtet er mit einem geistigen Leuchtkegel in die tiefste Tiefe des Griechen. Er spricht auch später von den Hellenen als Ariern, nennt andere Völker und Stämme, daß er aber selbst ein rassisch-seelisches G e s e t z entdeckt hat kommt ihm nachher nirgends mehr klar zum Bewußtsein. Er schildert die „Griechen“ des 5. oder 4. Jahrhunderts „als Ganzes“, der dramatische Kampf der Rassen, Seelen und Götter, geht aber dabei unter in einer Vermischung aller Eigenarten; letzten Endes wird trotz tausend richtigen Tatsachen, Hinweisen und Ahnungen die g r i e c h i s c h e Persönlichkeit ausgelöscht. Diese innere Freiheit der antiken Hellenen aber stand tatsächlich im Kampf gegen das dumpfe Vorderasien und d i e s e s große Drama eines ganzen Volkes ist es, was vielleicht größte Leistungen entfacht, die Hellenen aber auch unglücklicher gemacht hat, „als die meisten Menschen glauben“. Und wenn dann diese erahnte Gegensätzlichkeit in der Geschichte von Hellas später auch noch von einer anderen Seite gedeutet wurde, so wurde auch hier nicht bis zum Kern durchgedrungen.

Görres war es, der [wie Baeumler nachweist) als erster bewußt eine weltgeschichtliche Polarität auf die Spannung zwischen Männlichem und Weiblichem zurückführte, Bachofen jedoch der große Aus- und Durchbilder dieses Gedankens, der heute in der Zeit des Zergehens aller Formen und Gestalten seine Auferstehung feiert.

Die Mutter, die Nacht, die Erde und der Tot, das sind die Elemente, die sich der romantisch-intuitiven Forschung als die Untergründe angeblich „altgriechischen“ Lebens *Griechische Kulturgeschichte, Bd. l, S. 11. (Das Mutterrecht) offenbaren. Von Etrurien über Kreta bis tief nach Kleinasien hinein herrscht unter vielen Formen — selbst innerhalb der männlichen Tyrannis — das Matriarchat in Sitte und Recht. Als seine Folgen entwickeln sich, nach mythischen Berichten, Amazonen- und Hetärentum, aber auch poetische Totenehrung und erdgeisterverbundene Mysterien. Die Mütter erscheinen, jede einzelne, als die Vertreterinnen der geheimnisvoll großen einen Mutter Erde, sie gelten als heilig-unverletzlich und bei Ermordung auch nur einer Mutter erhebt sich diese Erde selbst in Gestalt der blutheischenden Erinnyen; diese ruhen nicht, ehe nicht das Blut des Mörders geflossen und als Sühne von der Erde aufgesaugt worden ist. Es wird nicht nach Unrecht und Recht der einen Mutter geforscht, der Wert an sich ist durch j e d e vertreten und fordert seine vollkommene Unverletzlichkeit. Von der Mutter erbt die Tochter das ihre Unabhängigkeit sichernde Gut, ihren Namen, das Erdenrecht, und so erscheint das Weib als die Verkörperung der Unsterblichkeit der Materie, richtiger, als Gleichnis der U n z e r s t ö r b a r k e i t des an sich gestaltlosen Stoffes. So dachten die Lyriker, die Kreter [die als einzige das Wort „Mutterland“ gebrauchten], so dachten die „griechischen“ Inseln, ja so dachte das frühere Athen selbst, bis der nordische Theseus die Amazonen vor seinen Toren besiegte und nicht mehr eine Mutter die Schutzgöttin der Stadt wurde, sondern die mutterlose und kinderlose Jungfrau Pallas Athene als Tochter des Himmels-Zeus.

Auf dem Boden Griechenlands wurde weltgeschichtlich entscheidend der erste große Entscheidungskampf zwischen den r a s s i s c h e n Werten zugunsten des nordischen Wesens ausgetragen. Vom Tage, vom Leben trat nunmehr der Mensch ans Leben heran, von den Gesetzen des Lichts und des Himmels, vom Geist und Willen des Vaters aus entstand alles, was wir griechische Kultur als jenes größte Erbe des Altertums für unser Selbst nennen. Es ist (Bachofens Irrtum) deshalb nicht so, als ob das Mutterrecht mit allen seinen Konsequenzen „durch keine volkliche Verwandtschaft bedingt“, daß das neue Lichtsystem nur eine „spätere Entwicklungsstufe“ sei, wobei das Weib und seine Herrschaft „das ursprünglich Gegebene darstellte [Bachofen]. Dieses eine große Mißverstehen bei vielem richtig Erschauten verdunkelt alle anderen noch so tiefen Einsichten und bedingt das Verkennen der gesamten Seelenentwicklung der hellenischen und römischen Antike. Damit aber auch des Innersten aller Seelenkämpfe und alles geistigen Ringens der späteren abendländisch-germanischen Kultur. Denn was immer auch an spätrömischen, christlichen, ägyptischen oder jüdischen Vorstellungen und Werten in die Seele des germanischen Menschen eingedrungen sein mag, ja stellenweise diesen sogar vernichtet hat: soll überhaupt Geschichte Charakterdeutung sein, Darstellung eines Wesens im Ringen um die Ausgestaltung seines eigensten Ichs, so werden wir eben die germanischen Werte von allen anderen scheiden müssen, wenn wir uns nicht selbst wegwerfen wollen. Das Beschämende ist aber, daß im Gefolge einerseits einer nur allchristlichen, dann einer späthumanistischen Einstellung diese Aufgabe der Geschichte immer mehr in den Hintergrund, das Dogma einer angeblich „allgemeinen Entwicklung der Menschheit“ aber in den Vordergrund gerückt wurde. Ein abstrakter Gedanke begann, verschiedenartig umhüllt, das Leben zu entwurzeln; die Reaktion in der deutschen Romantik war deshalb wohltätig wie ein Regen nach langer Dürre. Aber gerade in unserer Zeit der Massen-Internationalen auf allen Gebieten gilt es, diese artverbundene Romanik bis auf ihren rassischen Kern zu verfolgen und sie von gewissen ihr noch anhaftenden nervösen Verzückungen zu befreien. Die Germanen, die Deutschen haben sich nicht auf Grund einer nebelhaften, von Priestern oder Gelehrten erfundenen Zielsetzung „entwickelt“, sondern sie haben sich entweder behauptet, sind (Die abstrakte „Entwicklungslehre“) zersetzt oder unterjocht worden. Mit dieser Einsicht verschiebt sich nun aber das Panorama der gesamten Geschichte der Rassen und Völker und Kulturen der Erde. Auch die vorgriechischen Völkerschaften um das Ägäische Meer herum „entwickelten“ sich nicht einst vom chthonischen Götterglauben zum Sonnen-Himmels-Kultus Zeus-Apoll, sondern wurden in langdauernden Kämpfen überdeckt, z. T. politisch unterworfen z. T. auch geistig assimiliert, doch immer wieder warteten sie auf Augenblicke der Schwäche der nordischen Griechen, um ihre alten Rechte und damit ihre alten Götter wieder geltend zu machen. Weder klimatische noch geographische noch andere Umwelteinflüsse kommen hier als letzte Deutungen in Betracht; denn die Sonne Homers schien auch vorher den Anbetern der Isis und der Aphrodite. Und sie schien auch nachher über das gleiche Stück Erde, als Griechenland verging.

Die nordischen Stämme der Hellenen anerkannten ihrerseits vor ihrem Einzug in die spätere Heimat nicht die Weiberherrschaft als „erste Entwicklungsstufe“, sondern folgten vom ersten Tage ihres Daseins dem Vatergebot. Denn sonst wäre nicht einzusehen, warum die griechischen Götter nicht mit den pelasgisch-kretisch-etruskisch-urlibybisch-ägyptisch eine innige Freundschaft eingingen, sich selbst in ihnen wiedererkannt hätten, wie sie später in indischen Göttergestalten ihren Helios oder Herakles wiederfanden. Dagegen sind die griechischen Mythen voll von Kampf und Überwindung. Die Hellenen brechen in Lemnos die blutige Amazonenherrschaft durch Janons’ Zug; sie lassen Bellorophon diese Herrschaft in Lyriken erschüttern; sie zeigen in der Danaiden-Bluthochzeit die Überwindung der tellurisch-dunklen Mächte der Erde und Unterwelt durch Zeus und den großen Mittler-Heiland Herakles. Im Gegensatz zur nordisch-germanischen Mythologie ist die griechische auch deshalb so reichgestaltig, vielverschlungen [ trotzdem aber in allen ihnen Linienführungen — Sieg des Lichtes über die (Vorderasiatisches Zauberwesen) Nacht — so gleichbleibend typisch), weil die germanischen Götter weniger ähnliche Kämpfe gegen Göttersysteme -anderer Rassen ausgefochten hatten. Deshalb ist die Ilias auch ein einziger großer S i e g e s Gesang des Lichts, des Lebens über die Dunkelheit, den Tod. Homer war sich bewußt, daß nicht Tod und Leben Gegensätze sind, sondern daß sie sich im Gegenteil gegenseitig bedingen (wie es Goethe erneut bekannte]. Geburt und Tod sind es, die einander gegenüberstehen; beide aber machen das Leben aus. Das Anerkennen dieser innergesetzlichen Notwendigkeit bedeutet auch das Anerkennen des Waltens der unpersönlichen Moira: Thetis sieht das Ende ihres Sohnes voraus, bittet aber Zeus nicht um die Verlängerung seines Lebens, im Bewußtsein, daß der in ihm verkörperte Himmel gleichfalls einer kosmischen Gesetzlichkeit, von der Schicksalswaage symbolisiert, unterliegt. Die Moiren [siehe auch die Nornen der germanischen Götterwelt) sind weiblich, weil im Weibe das Unpersönliche allein herrscht, es die willenlos-pflanzenhafte Trägerin der Gesetze ist.

Hier offenbart sich wieder ein nordischer Wert: Apoll als „Vernichter der Urdämonen“ [Äschylos] d. h- als Vernichter des urnordischen Zauberwesens. Wenn der Lykier Glaukos dem Diomedes wehmütig sagt, als dieser ihn nach seinem Geschlecht fragt, gleichwie die Blätter des Baumes seien die Geschlechter der Menschen, so kommt hier die gestalt- und persönlichkeitslose Auffassung des Vorgriechentums zum Vorschein, trotz des auch in Lykien eingeführten apollinischen Sonnendienstes. In der griechischen Tragödie aber, die zu einer Zeit entstand, als Griechenland in schwersten, seinen Bestand erschütternden Kämpfen gestanden hatte, da werden die Hellenen erneut gezwungen, sich mit den alten chthonischen Urgewalten auseinanderzusetzen. Dies geschieht nicht mehr mit der lichten herrischen Sieghaftigkeit Homers,

Sieg des Vaterrechts

Nein, wer einmal gestorben, den soll man klagend beweinen
Einen Tag und dann mit gehärtetem Herzen begraben,

sondern in der Form der erbittertsten Kämpfe zweier Weltauffassungen als Äußerungen verschiedenster Rassenseelen.

Eriphyle verrät um ein Halsband ihren Gatten dieser wird durch seinen Sohn gerächt, der die Mutter tötet. Das Recht des Vorgriechentums fragt nicht nach der Schuld der Mutter, sondern selbsttätig erhebt sich die Erde als solche als Rächerin ihres vergossenen Blutes, und die Erinnyen jagen den Alkmaion in den Wahnsinn; nur der Rat Apolls, seinen Fuß auf eine Stelle der Erde zu setzen, die zur Zeit des Muttermordes noch unsichtbar war, rettet ihn zunächst, als er eine neu emporgestiegene Insel entdeckt . . . Am grandiosesten gestaltet ist der Kampf der Rassenseelen in der Orestie, mit hellstem Bewußtsein sind hier die alten und neuen Kräfte gegeneinander ausgespielt, was dieses Werk zu einem ewigen Gleichnis für alle Zeiten erhebt*. Das alte Gesetz der Vorderasiaten, des chtonischen Muttertums, fragt nicht nach Recht und Unrecht der Klytemnästra, sondern entsendet seine tobenden Dienerinnen, um Blutrache am Muttermörder zu nehmen. Vor Orest aber stellen sich die Schützer des neuen nordischen Seelentums und schirmen den Rächer des ermordeten Vaters. „Sie war dem Mann nicht blutsverwandt, den sie erschlug“, ruft die Erinnys, „Oh, neue Götter, als Gesetz und uraltes Recht ihr reißt sie fort aus meiner Hand“. Ihr tritt Apoll als Verkörperung des „Neuen“ entgegen: „Nicht ist die Mutter ihrer Kinder Zeugin. Es zeugt der Vater …“ Und Athene, Zeus’ Tochter, erklärt: „Vollen Herzens lob’ ich alles Männliche.“ Hochherzig reicht aber Athene (und Apoll) dann den überwundenen

*Sehr schön ausgeführt bei Baeumler, dem Neuherausgeber Bachofens. [ „Der Mythus von Orient und Okzident, München 1926.)

Dionysische Feiern

Mächten die Hand zur Versöhnung und verspricht den besänftigten, „tief in sonnenleerer Nacht“ hausenden Mächten auch die Hochachtung der Männer:

„Ich aber, stets zum schlachtenkühnen Kampf des Ruhms
Gegürtet, will nicht ruhn, ehe nicht alle Welt
In höchsten Ehren meine Stadt des Sieges hält.“

So schließt denn auch Äschylos ebenso gewaltig und kraftbewußt wie Homer.

Die Großherzigkeit des Licht-Apoll aber nach Überwindung der chthonischen Götterwelt: hatte deren unterirdisches, durch Apoll verklärtes Weiterleben zur Folge. Und nach der Rassenvermischung zwischen Griechen und Ureinwohnern trat später weder das chtonische noch das himmlische Element rein hervor, sondern beide vernichten sich in den dionysischen Gebräuchen. Zwar vertritt auch Dionysos das Vaterrecht, jedoch wird er zum Gott der Toten [den auch Antigone anruft], er verliert den klaren starken Charakter des Apollo, wird weiblich und trunken, sinkt schließlich ins Dämonische, Mänadenhafte, in die Nacht hinab. Dunkel sind die diesem Gott-Dämon geweihten Tiere, in Höhlen werden die Götter geboren und nur bei der Nacht huldigt man ihnen Als etwas rassisch und seelisch Fremdes — wenn vielleicht auch Uraltes — tritt alles Dionysische in griechisches Leben ein, das später stärkste Gleichnis des rein psychisch mit ihm gehenden nordischen Verfalls. Bei unstetem Licht der Fackeln, unter dem Gedröhn metallener Becken, begleitet von Handpauken und Flötengehen versammeln sich die den Dionysos Feiernden zum wirbelnden Rundtanz. „Meist waren es Weiber, die bis zur Erschöpfung in diesen Wirbeltänzen sich herumschwangen: sie trugen ‘Bassaren’, langwallende Gewänder aus Fuchspelzen genäht . . . Wild flattern die Haare, Schlangen, dem Sabazios heilig, halten die Hände, sie schwingen Dolche … So toben sie bis zur äußersten Aufregung aller Gefühle, und im ‘heiligen Wahnsinn’ stürzen („Religion der Besessenheit“) sie sich auf die zum Opfer erkorenen Tiere, packen und zerreißen die eingeholte Beute und reißen mit den Zähnen das blutige Fleisch ab, das sie roh verschlingen.“*

Diese Gebräuche waren in allem und jedem das vollkommene Gegenteil des Griechentums, sie stellen dar jene „Religion der Besessenheit“ [Frobenius], die im gesamten Osten des Mittelmeers herrschte, getragen von den afrikanisch-vorderasiatischen Rassen und Rassenmischungen. Vom besessenen König Saul zieht sich eine einzige Linie zu den erdgebundenen Räuschen des Dionysos (der von den Griechen immerhin veredelt wurde) bis zu den tanzenden Derwischen des späteren Islams.

Symbol der spät-„griechischen“ Weltauffassung wird der Phallus. Es ist somit nicht griechisch, was wir in Kunst und Leben auf dies Sinnbild Bezügliches finden, sondern Griechenfeindliches, Vorderasiatisches**.

Überall wirkten somit unter dem herrlichen Hellenentum die Vorderasiaten und ihre Götter. So der uralte Erdgott Poseidon, von Athene zurückgedrängt: „Er haust unter ihrem Tempel im Boden in Schlangengestalt; er ist die Burgschlange der Akropolis, die allmonatlich mit einem Honigkuchen gefüttert wird“ (Pauly-Wissowa). Auch der pelasgische Python-Drache ist in Delphi unter dem Tempel Apollons begraben (alle acht Jahre wurde erneut die Tötung dieses Drachens durch Apoll vorgeführt), dort wo auch die Begräbnisstätte des Dionysos sich befand. Nicht überall aber tötete der nordische Theseus die Untiere Vorderasiens; bei erster Erschlaffung des arischen Blutes erstanden immer wieder von neuem die fremden Ungeheuer — d. h. vorderasiatisches Mischlingstum und physische Robustheit der ostischen Menschen. Diese Einsicht ist derart

*Rohde, „Psyche“, S. 301.
** Als eine verdienstvolle Studie hierüber ist zu empfehlen Dr. K. Kynast: „Apollon und Dionysos“, München 1927.

Jasons Amazonenkampf

ausschlaggebend für die Beurteilung der gesamten Mythen-und Weltgeschichte, daß es schon hier am Platze ist, dem großen Gegensatz der Rassenseelen dort nachzugehen, wo der Sieg des nordisch-apollinischen Lichtprinzips (von „blondlockigen Danaern“ spricht Pindar) nur vorübergehend war, die alten Mächte sich erhoben und sich viele Zwitterformen herausbildeten. Diese geistige Bastardierung spielte sich naturgemäß dort am deutlichsten ab, wo die erobernde griechische Schicht nur sehr dünn war und sich gegen die zahllosen Träger des chtonischen Wesens nicht nachhaltig genug wehren konnte: in Kleinasien, einigen Inseln und in Kolchis. Die großen und langdauernden Kämpfe werden in Sage und Myrhus natürlich zusamengedrängt: im Argonautenzug des Apolloniden Jason. Die Argonauten fahren, wie die Sage berichtet, mit nordischem Winde, eine deutliche Erinnerung an die nordische Herkunft des Apoll, aus dem Norden kommen die alljährlichen Weihgeschenke, aus dem Norden erwartete man den Helden des Lichts.

Überall, wohin die Jasoniten gleichsam als griechische Wikinger gelangen, sehen sie sich dunklen chtonischen Göttern, einer Amazonenherrschaft und sinnlichster Lebensauffassung gegenüber. Das Amazonentum wird dadurch erklärt, daß die herumstreifenden Kriegerscharen oft auf lange ihre Rast- oder Wohnstätten verließen, die zurückgebliebenen Frauen also ihr Leben ohne sie gestalten, sich wohl auch gegen Überfälle wappnen mußten. Meist kehrten schließlich die Männer — wenn sie überhaupt wiederkamen — dann mit fremden Frauen heim, was vielleicht ein plötzlich hervorbrechendes Männermorden zur Folge hatte; diese z.B. von den Lemnerinnen berichtete Tat klang durch ganz Griechenland als furchtbarstes Verbrechen wider und wurde als solches immer erneut mit Grausen vermeldet. Diese durch Geschlechtsenthaltung rasend gewordenen Weiberscharen verfielen nun bei der ersten Unterwerfung in ein (Schaffung der Ehe) hemmungsloses Hetärentum, eine Lebensform, die immer durchbrach, wo das apollinische Prinzip nicht herrschend blieb, trotzdem dieses anfangs bei seinem Siege innerlich doch begrüßt wurde, da es die ersten wirklichen Grundlagen zu einer Stetigkeit der Gesittung legte, gegen die später jedoch die alten Triebe erneut sich empörten.

So wurde denn Jason von der Lemnierin Hypsipyle empfangen, so gesellte er sich der Medea und errichtete gegen Amazonen- und Hetärentum die Ehe. Durch die Stiftung der Ehe erhält innerhalb des nordisch-apollinischen Prinzips die Frau, die Mutter, eine neue, ehrenvolle Stellung, die edle, fruchtbare Seite des Dmeterkultes tritt hervor (man vergleiche die Verwandlung der Isis in die Mutter Gottes des germanischen Menschen); was alles aber verschwindet, wo Apoll, d. h. der Grieche, sich nicht als Herrscher zu behaupten vermag. Diese Seite des Kampfes beleuchtet die Erzählung vom gleichen Jason, der im stark phönizisch durchsetzten Korinth der Ehe untreu wird; vom Weiberfeind Herakles, der alle Amazonen besiegt, ganz Nordafrika bis zum Atlantik durchstreift und doch in Libyen vor der Omphale niedersinkt.

So können sich die Apolloniden auch im Osten nicht halten und das Kompromiß heißt: dionysische „Religion“. Deshalb erhält der lichte Jason ein Parderell um die Schulter, um die dionysische Abschwächung des Apollinischen zu kennzeichnen. Die lichtbetonte Männlichkeit des Apoll verbindet sich mit erdhafter, hetärenhafter Ekstatig. Dionysos’ Gesetz der endlosen Geschlechtsbefriedigung bedeutet die hemmungslose Rassenmischung zwischen Hellenen und Vorderasiaten aller Stämme und Varietäten. Die ehemals männerfeindlichen Amazonen erscheinen als mannstolle tolle Mänaden, das apollinische Eheprinzip wird erneut durchbrochen und da das Wesen des Sabazios ganz auf das Weib eingestellt ist, geht auch das männliche Geschlecht seiner Zersetzung entgegen, so daß die Männer an den (Der Satyr — eine Rassengestalt) Dionysosfesten nur in weiblicher Kleidung teilnehmen. Von diesem Rassengemisch Vorderasiens aus greift dann das Bastardtum des Dionysos erneut über nach dem Westen und herrscht über das ganze Mittelmeer. In Rom verbreiten breiteten sich die Dionysien bezeichnenderweise besonders in Verbrechergreisen. Um 186 sah sich der Senat nach langer Duldung des angeblich religiösen Kultus gezwungen, die bacchischen Zusammenkünfte streng zu verfolgen. Etwa 7000 Zeugnisfälscher, Betrüger und Verschwörer wurden verbannt oder hingerichtet. Nur in Hellas selbst hält sich noch das lichte, das Chaos ordnende apollinische Prinzip.

So trägt denn Dionysos auf griechischen Bildern hellenische Gestalt, aber verweichlicht, und lebt in Umgebung vorderasiatischer Satyre, die dann auf den Grabmälern als schreiende Grotesken eines Weltzerfalls auftreten. Richtig sagt Bachofen, daß der nach Asien scheinbar siegreich eindringende Apoll als Dionysos wiederkehrte; was er und alle übrigen Denker aber — trotz mehrfacher geistiger Anläufe — übersehen haben, ist die Tatsache, daß Zeus-Apoll die geistig-willenhafte Seite des nordisch-griechischen Blutes darstellen, ebenso wie die hetärenhafte Lebensform eine Äußerung der nicht-nordischen vorderasiatischen und nordafrikanischen Rassengruppen. Die Vermischung der Mythen und Werte war zugleich eine Bastardierung des Blutes und die vielen Sagen des griechischen Volkes sind die bildliche Äußerung dieses Kampfes der verschiedenen blutbedingten Geister.

Am bewußtesten emporgehoben wurde diese vorder-asiatsch-afrikanische Unterwelt dann von einer geschichtlich bezeugten Gestalt: von Pythagoras. Der Sage nach hatte er Babylon und Indien bereist; er selbst wird als P e l a s g e r bezeichnet und übte seine Mysterienweisheit namentlich in Kleinasien aus, wo sich ihm alle „mystischen Frauen“ entzückt anschlossen. In Griechenland selbst konnte er nicht Fuß fassen, große Griechen wie Aristoteles und (Pythagoras und Heraklit) Heraklit haben sich sogar abfällig über ihn geäußert, weil sie offenbar an seiner Zahlenkabbalistik keinen Gefallen gefunden hatten. Aristoteles sagt, Pythagoras’ Ruhm beruhe auf der Aneignung fremden geistigen Eigentums, was auch Heraklits Meinung ist, da er ausführt, Pythagoras habe sich aus vielen Schriften „eine falsche Kunst und Vielwisserei“ zusammengereimt. „Vielwisserei aber“, fügt der hellenische Weise hinzu, „belehrt den Geist nicht.“* So zog denn Pythagoras nach dem Westen, nach Süditalien baute dort (ein antiker Rudolf Steiner plus Annie Besant) seine Mysterienschulen mit weiblichen Priesterinnen aus und galt im ganzen afrikanischen Umkreis, von wo die geschlechts-kollektivistische „Mysterien“Lehre des Ägypters Karpokrates ihm fördernd entgegenkam, als Weisester der Weisen. Die Gleichheit aller wird wieder einmal vom demokratischen Tellurismus verkündet, Gemeinschaft der Güter und Weiber als Ziel hingestellt, obgleich das alles doch einst der Ausgangspunkt des nichtnordischen Mittelmeerdenkens gewesen war,, als Apoll war, dieser ihm feindlichen Lebensform in Kampf geriet. Nicht genug kann auch an dieser Stelle betont werden, daß Äußerungen wie „daß das Ende der menschlichen Entwicklung die frühesten tierischen Zustände wieder zurückbringen“** eine groteske

*Und wenn auch Pythagoras nicht ein absoluter Vorderasiate gewesen sein sollte, so doch wesentlich ein interessanter, verschiedenwertiger Mischling. Seine Ansprachen begannen mit der Betonung, daß er keine ihm entgegentretenden Anschauungen dulden werde (siehe die Ähnlichkeit mit dem fanatisch unduldsamen Paulus) und deshalb ist es durchaus bezeichnend, daß er H o m e r die furchtbarsten Strafen im Hades zudiktiert. Dies geschah unterm Vorwand, Homer habe die Gottheit nicht genug geachtet, in Wirklichkeit, weil der geistige Bildner des Griechentums zu echt und groß gewesen war und deshalb als lebendiger Vorwurf empfunden wurde. Es hat in jeder Epoche ähnliche Fälle gegeben (siehe Heine-Börne gegen Goethe). ** Bachofen: „Mutterrecht“.

Zwei Ebenen griechischer Gestaltung

Irreführung darstellen, um so mehr, als manchmal die Erkenntnis, daß der Pythagoräische Kulturkreis „zu den vorhellenischen Völkern und ihren Kulturen“ zurückführe, blitzartig auftaucht, um dann wieder durch Redensarten, das Hellenentum habe sich der chtonischen Wesenheit „entrungen“ (als ob es je darin gesteckt wäre), hoffnungslos überdunkelt zu werden.

Die gesamte dramatische Lebensgestaltung des Griechentums geht also auf zwei Ebenen vor sich: auf der einen verläuft eine Wesensentwicklung durchaus organisch: von der Natursymbolik, gekrönt mit den Göttern des Lichts und des Himmels, gipfelnd im Göttervater Zeus; von dieser mythisch-künstlerischen Stufe zum dramatisch-künstlerischen Bekennen dieser geistigen Weisheiten, bis zur Ideenlehre Platons, d. h. zur philosophischen Erkenntnis des bereits Mythisch-Gestalteten. Diese ganze Entwicklung steht aber in beständigem Kampf mit anderen, an anderes Blut geknüpften mythischen und dann auch gedanklichen Systemen, die zum Teil veredelt dem Griechentum eingeschmolzen werden, im Endergebnis aber von allen Seiten aus den Sümpfen des Nils, aus den Gewässern Kleinasiens, aus den Wüsten Libyens sich erheben und mit der nordischen Gestalt des Griechen auch sein inneres Wesen zersetzen, umfälschen, vernichten.

Dies l e t z t e aber bedeutet nicht eine Entwicklung bzw. Entladung natürlicher Spannungen innerhalb eines organischen Ganzen, sondern dramatischen Kampf feindlicher Rassenseelen, dessen ergriffene Zuschauer wir noch heute sind, wenn wir den Sieg und den Untergang des Hellenentums mit wachem Auge verfolgen; und auf wessen Seite wir stehen, sagt uns das Blut; nur blutlose Gelehrte können hier „Gleichberechtigung zweier großer Prinzipien“ fordern.

Mit ewiger Trauer verfolgen wir, wie als Begleiterscheinung („Griechische“ Demokratie) des seelisch-rassischen Zerfalls der Grieche Homers, der einst mit den stolzen Worten des Dichters:

Immer der Erste zu sein und vorzustreben den Andern“ die Szene der Weltgeschichte betrat, sich im Kampfe gegen Fremdes, gegen das zersetzte eigenhafte Aufreibt: wie der große Theognis beklagt, daß das Geld das Blut der Edlen mit den Unedlen vermische und daß auf diese Weise die Rasse, die man bei Eseln und Pferden streng behüte, bei den Menschen besudelt würde. Wie im „Gorgias“ Platon den Kallikles vergeblich das weiseste Evangelium verkünden läßt: „Das Gesetz der Natur will, daß der Bedeutendere über den Geringeren herrscht“. Freilich anders sei „unser (athenisches) Gesetz“, wonach die Tüchtigsten und Kräftigsten jung wie Löwen eingefangen würden, um sie durch „Zaubergesänge und Gaukeleien“ der Gleichheitspredigten irrezuleiten. Wenn aber E i n e r wieder aufstehe, so zertrete er alle diese falschen Zaubermittel und ginge strahlend auf als das „Recht der Natur“. Aber umsonst war diese Sehnsucht nach dem heroischen Rassemenschen: das Geld, und mit ihm der Untermensch, hatte bereits über das Blut gesiegt, richtungslos beginnt der Hellene sich mit Handel, Politik, Philosophie abzugeben; widerruft heute, was er gestern gepriesen hat; der Sohn vergißt die Pietät gegenüber dem Vater; die Sklaven aus allen Weltteilen rufen nach „Freiheit“; die Frauen-und Männergleichheit wird verkündet; ja im Zeichen dieser Demokratie stoßen — wie Platon spöttisch bemerkt — die Esel und Pferde die Menschen, die ihnen nicht ausweichen wollen. Die Kriege vermindern die Geschlechter, immer neue Bürgeraufnahmen finden statt. „Aus Mangel an Männern“ werden Wildfremde „Athener“ wie später aus Ostjuden „deutsche“ Staatsbürger. Und klagend sagt Isokrates nach der ägyptischen Expedition (458), die Familien der größten Häuser, welsche den persischen Krieg überstanden hätten, seien ausgetilgt: „Es ist aber nicht (Griechenlands Untergang) die Stadt glücklich zu preisen, welche von allen Enden her aufs Geratewohl viele Bürger anhäuft, sondern diejenige, welche die Rasse der von Anbeginn an Angesiedelten am besten erhält. So kann es denn nicht anders sein, als daß ein Jakob Burckhardt betrübt feststellt: „Vom Eindringen der Demokratie an herrscht in ihrem (der Griechen) Inneren die beständige Verfolgung gegen alle diejenigen diejenigen, die etwas bedeuten k ö n n e n…! Ferner die Unerbittlichkeit gegen das Talent …“* Diese Demokratie aber ist nicht Volksherrschaft, sondern Herrschaft Vorderasiens über die ihre Menschen und Kräfte zerstreuenden griechischen Stämme, überall herrscht der hemmungslos gewordene Menschenauswurf über die verweichlichten, nicht durch rasssisch-verwandtes Bauerntum gestärkter Hopliten. Gewissenlose Demagogen hetzen die Massen gegen die Römer, um sich später gegenseitig bei diesen zu denunzieren. Bei deren Anmarsch aber begann eine Massenflucht aus den bedrohten Städten, ein jämmerliches Ergeben unter die kommenden Weltherrscher mit dem späteren Sprichwort: „Wenn wir nicht so rasch untergegangen wären, hätte es keine Rettung für uns gegeben.“ In dem Wahnsinn, das Land „wieder aufzubauen“, begann die chaotische Demokratie mit Amnestien, Schuldenerlassen, Landaufteilen und wurde nur verwahrloster als je vorher. In blutigen Wirtschaftskämpfen reiben sich die Städte auf oder wurden öde und leer durch die Auswanderung der Hellenen in alle Teile der damaligen Welt: Kulturdünger für rohe Völker, verbunden mit charakterlichem Untergang und physischer Vernichtung. Dort, wo früher blühende Städte gestanden, die freien Griechen im Stadion gekämpft und blinkende Tempel von Schöpfergeist gezeugt hatten, fanden spätere Wanderer öde Ruinen, menschenleeres Land, zerfallene Säulen, und nur die leeren Sockel (Die Sendung von Hellas) zeugten noch von Heroen- und Götterstatuen, die einst auf ihnen gestanden hatten. Zu Plutarchs Zeiten waren wohl kaum noch 3000 Hopliten aufzutreiben und Dio Chrysostomos bemerkt, der Typus des alten Griechen sei eine äußerst seltene Erscheinung geworden: „Strömt nicht der Peneios durch ein einsames Thessalien und der Ladon durch ein verwüstetes Arkadien? . . . Welche Städte sind jetzt öder als Kroton, Metapont und Tarent?“ so lagen Hysiä, Tiryns, Alsine, Orneä verwüstet; der Zeustempel zu Nemea war gefallen, sogar der Hafen von Nauplä menschenleer; vom „hundertstädtigen“ Lakedämon waren dreißig Dörfer übriggeblieben; im messenischen Gebiet verzeichnet Pausanias die Trümmer von Dorion und Andania;von Pylos gab es nur Ruinen, von Letrinoi noch einige Wohnungen; die „große Stadt“ (Megalopolis) in Arkadien war nur noch eine „große Einsamkeit“; von Mantinea, Orchomenes, Heräa, Mänalos, Kynätha usw. zählte man nur noch ärmliche Spuren; Lykosura hatte nur noch die Stadtmauer sich erhalten, von Oresthasion ragten nur noch Tempelsäulen in den Himmel, die Akropolis von Asea war bis auf einige Mauerreste zerstört… Niedergerissen waren Daphnus, Augeia, Kalliaros, von Homer einst gerühmt; Oleanos war geschleift, die Schmuckstücke von Hellas, Kalydon und Pleuron, in Nichts herabgesunken und Delos war so verwüstet, daß, als Athen eine Wache für den dortigen Tempel entsandte, diese die ganze Einwohnerschaft bildete…

Und trotzdem: auch im Untergehen hatte der griechische Mensch den Vormarsch Asiens gehemmt, seine glänzenden Gaben über alle Welt zerstreut, die doch schon bei den nordischen Römern eine neue Kultur erzeugen halfen und später für das germanische Abendland zum lebendigsten Märchen wurden. A p o l l o n heißt somit der erste große Sieg des nordischen Europas trotz Opferung der Griechen, weil hinter ihnen aus neuen hyperboräischen Tiefen Träger (Rom — eine nordische Gründung) der gleichen Werte seelisch-geistiger Freiheit, organischer Lebensgestaltung, forschender Schöpferkraft erwuchsen. Rom vertrieb dann für lange mit seinem Schwert den erstarkten vorderasiatischen Spuk, setzte schroffer und bewußter als Hellas das apollinische Paternitätsprinzip durch, festigte dadurch den Staatsgedanken an sich und die Ehe als Voraussetzung von Volk und Rassenschutz. Bis Germanien in neuer Form der Vertreter des Himmelsgottes wurde*.

Im wesentlichen das gleiche Geschehen wie in Hellas, jedoch gewaltiger im räumlichen Ausmaß und machtpolitischer Ausgestaltung zeigt die Geschichte R o m s. Auch Rom ist die Gründung einer nordischen Völkerwelle, die lange vor den Germanen und Galliern sich ins fruchtbare Tal südlich der Alpen ergoß, die Herrschaft der Etrusker, dieses „geheimnisvollen“ fremden (vorderasiatischen) Volkes brach, vermutlich eine Ehe mit Stämmen der noch reinen, eingeborenen mittelmeerländischen Rasse einging und einen nordisch bedingten Charakter von größter Festigkeit und Zähigkeit zeugte, indem sich Herren-, Bauern- und Heldentum mit klugem Sinn und eiserner Energie paarten. Das

*Man lese einmal von diesem Gesichtspunkt aus Rohdes wunderbares Werk „Psyche“ nochmal durch. Während Rohde erst ganz am Ende angesichts des chaotischen Späthellenismus von „Wahnvorstellungen aus allen Weltenden“ spricht, vom „fremdländischen ….. Unwesen der Geisterbannung“, dem „Getümmel fremder Götzen und niedrig schwebender dämonischer Mächte“, fordert sein ganzes Werk direkt eine Untersuchung darüber, wie diese vorgriechischen Urkräfte bereits viel früher am Werke, umgedeutet angeeignet oder überwunden worden waren. Er würde h e u t e sicher nicht versäumen, zu erklären, daß der „unter dem Nabelstein der Erdgöttin“ begrabene Python, der „chtonische Dämon“ der uralte Gott Vorderasiens war, dessen Funktionen Apoll übernahm, soweit er ihn nicht besiegen konnte. Ebenso ist Erechtheus „lebendig hausend in dem Tempel“ eine fremde rassenseelische Gestalt. Es zeugt für Rohdes geniale Unbefangenheit, wenn er etwas bekümmert feststellt, „auf dem immer tieferen Eindringen einer ängstlichen Scheu vor überall unsichtbar wirkenden Geistesmächten, einer Superstition, wie sie Homers Zeitalter noch nicht kannte“, hätte die Macht des späteren Orakels beruht. Auch die Vermischung des griechischen Heroenkults mit den chtonischen Göttern wäre Rohde heute als dramatischer Kampf bzw. Kompromiß zweier verschiedener Rassenseelen erschienen sein ganzes Werk ist. deshalb eine Bestätigung rassenseelischer Weltanschauung, wie sie heute geboren wird.

Man lese auch von diesem Gesichtspunkt aus Fustel de Coulanges „La citee antique“. Vor allem aber Burckhardts unvergängliche „Griechische Kulturgeschichte“, deren Daten durch die rassenseelische Scheidung erst heute ihre eigentliche Deutung und Bedeutung erhalten (Karthago und Jerusalem) alte Rom von dem die Geschichte nicht viel zu erzählen weiß, ward durch Zucht und eindeutigen Charakter im Kampf gegen den gesamten Orientalismus ein echter völkischer Staat. In dieser „vorgeschichtlichen Zeit wurden jene Köpfe gleichsam vorgebildet, jene Kraft aufgespeichert, von der spätere Jahrhunderte verschwenderich zehrten, als die Römer in Weltkonflikte gerieten. Die herrschenden 300 Adelsgeschlechter lieferten die 300 Senatoren, aus ihnen wurden die Leiter der Provinzen und die Feldherren ernannt. Umgeben von seefahrenden Rassen Vorderasiens mußte Rom immer öfter sein kurzes Schwert seiner Selbstbehauptung wegen mit aller Rücksichtslosigkeit führen. Die Zerstörung Karthagos war eine Rassengeschichtlich ungeheuer wichtige Tat: dadurch wurde auch die spätere mittel- und westeuropäische Kultur von den Ausdünstungen dieses phönizischen Pestherdes verschont. Die Weltgeschichte hätte auch sonst vielleicht einen anderen Gang genommen, wenn gleich der Niederlegung Karthagos auch die Zerstörung aller anderen syrischen und vorderasiatischen semitisch-jüdischen Zentralen vollkommen gelungen wäre. Die Tat des Titus kam jedoch zu spät: der vorderasiatische Schmarotzer saß nicht mehr in Jerusalem selbst, sondern hatte bereits (Patritzier und Plebejer) seine stärksten Saugarme von Ägypten und „Hellas“ aus gegen Rom ausgestreckt. Und er wirkte auch schon in Rom! Alles was von Ehrgeiz und Gewinnsucht besessen war, zog in die Hauptstadt am Tiber und war bemüht, durch Versprechungen und Geschenke das „souveräne“, alleinherrschende Volk in seinen Beschlüssen zu bestimmen. Aus der früher berechtigten Volksabstimmung gleichgerichteter, erdverbundener Charaktere entstand durch fremdrassischen Zuzug ein gesinnungsloser, verlumpter Menschenhaufen als ständige Bedrohung des Staates. Wie ein einsamer Fels in diesem immer mehr verschlammenden Gewoge stand später wie ein Gleichnis der große Kato. Als Prätor von Sardinien, als Konsul von Spanien, dann als Zensor in Rom kämpfte er gegen Bestechung, Wucher und Verschwendungssucht. Ähnlich dem anderen Cato, der sich nach furchtlosem Kampf gegen Staatszersetzung ins Schwert stürzte. Altrömisch nannte man diese Tat. Gewiß. Altrömisch ist aber wesensgleich mit nordisch Als später Germanen sich dazu hergaben den schwachen, verkommenen, von unreinen Bastarden umgebenen Kaisern ihre Dienste zu widmen, da lebte in ihnen derselbe Geist der Ehre und Treue wie im alten Römer. Kaiser Vitellius, ein Feigling ohnegleichen, wurde von seinen Gegnern in einem Versteck erwischt, am Strick übers Forum geschleift und erdrosselt, seine germanische Leibwache aber ergab sich nicht. Sie war ihres Eides zwar entbunden, ließ sich aber doch bis zum letzen Mann erschlagen. Das war nordischer Geist bei Kato, bei den Germanen. Wir erlebten ihn 1914 wieder in Flandern, bei Coronel, während langer Jahre in der ganzen Welt.

In der Mitte des 5. Jahrhunderts hatte sich der erste Schritt dem Chaos entgegen vollzogen: die Mischehe zwischen Patriziern und Plebejern wurde gestattet. Die rassische Mischehe war somit auch in Rom wie in Persien und Hellas zu einer Bedingung des völkischen und staatlichen Niedergangs geworden. Im Jahre 336 rücken bereits die (Von Sulla zu Septimus Severus) ersten Plebejer in die römische Gemeindeversammlung ein, um 300 weiß man schon von plebejischen Priestern zu berichten. 287 wird die plebejische Volksversammlung gar Staatseinrichtung Händler und Geldleute schieben ihre Geschöpfe vor, ehrgeizige abtrünnige Patrizier wie die Gracchen geben demokratischen Neigungen nach, vielleicht auch von großherzigem, aber falsch angebrachtem Wohlwollen getrieben, andere setzen sich ganz offen an die Spitze des römisch-städtischen Gesindels, wie Publius Clodius.

In diesen Zeiten des Chaos ragten nur noch wenige hervor: der blauäugige gewaltige Sulla, der rein nordische Kopf des Augustus. Sie konnten das Schicksal aber nicht mehr aufhalten. Und so kommt es, daß die Herrschaft über die römische Völkerflut — und das bedeutete Herrschaft über ein Riesenreich — ein Spiel des grausamen Zufalls wird, je nachdem, wer über die Prätorianer herrscht oder gerade einen hungrigen Menschenhaufen anführt: es steigt empor einmal ein Großer, das andere Mal ein grausamer Bluthund. Roms frühere mächtige Rassenmächte sind im Verlauf von 400 Jahren rassenzersetzender Demokratie nahezu erschöpft. Die Herrscher kommen jetzt aus den Provinzen. Trajan ist der erste Spanier im Purpur, Hadrian der zweite. Das Adoptivkaisertum entsteht, gleichsam als letzter Rettungsversuch, aus dem Gefühl heraus, daß auf das Blut kein Verlaß mehr ist und nur noch persönliche Auslese den Fortbestand des Staates zu sichern vermag. Mark Aurel, auch ein Spanier, ist in seinen Werten bereits christlich geschwächt: er erhebt ganz offen Sklavenschutz, Frauenemanzipation, Armenhilfe (Ewerbslosenfürsorge sagen wir heute) zu staatlichen Grundsätzen, entrechtet die einzige noch typenformende Kraft, die stärkste Überlieferung des republikanischen Roms, die Herrschaft des pater familias. Dann folgt Septimus Severus, ein Afrikaner. „Macht die Soldaten reich, verachtet alle anderen“, lautet sein Rat an seine Söhne Caracalla und (Völkerchaos in Rom) Greta. Bestimmt durch seine syrische Mutter (Tochter eines Baalspriesters in Kleinasien) erklärt der ekelhafteste Bastard auf dem Cäsarenthron, Caracalla, alle „freien“ Einwohner des römischen Gebietes zu Staatsbürgern.

Das war das Ende der römischen Welt. Macrinus mordet dann den Caracallla und wird selbst Kaiser. Nachdem auch er erschlagen wird, folgt auf ihn das Monstrum Elagabal, der Neffe des Afrikaners Severus. Dazwischen tauchen auf der Halbgermane Maximus „Thrax“, Philippus „Arabs“, ein Semit. Auf den Sitzen der Senatoren räkeln sich fast nur Nichtrömer. Die „Bildung“ dieser Epoche vermitteln Martial, ein Spanier, die Griechen Plutarch, Strabon, Dio Cassius usw. Auch Apollodorus, der das Forum erbaute, war ein Grieche …

Unter den späteren ist Aurelian ein in Belgrad geborerener Illyrier, Diokletian ein ebenfalls illyrischer Sklavensohn (vielleicht halbgermanischer Abkunft), ein Nebencäsar, Constantius Chlorus, stammt auch aus Illyrien, aber ist höherer Herkunft. Nach dessen Tode wird ein Gewaltiger von den Legionen zum Augnstus gemacht: Konstantin, der Sohn des Constantius Chlorus und eines Schankmädchens aus Bithynien. Dieser Konstantin siegte über alle Nebenbuhler. Damit ist die Geschichte des kaiserlichen Roms zu Ende, das päpstliche und das germanische begann.

In dieser verschwimmenden Mannigfaltigkeit mischt sich Römisches, Kleinasiatisches, Syrisches, Afrikanisches, Griechisches. Die Götter und Sitten aller Länder zeigten sich auf dem ehrwürdigen Forum, der Mithraspriester opferte dort seine Stiere, zu Helios beteten späte Griechen. Astrologen und orientalische Zauberer priesen ihre Wunder an, der „Kaiser“ Elagabal spannte sechs Schimmel vor einen riesigen Meteorstein und ließ diesen als Sinnbild des Baals von Emesa durch die Straßen Roms führen. Er (Wie Rom entstand) selbst tanzte an der Spitze des Zuges. Hinter ihm her wurden die alten Götter geschleift und das „Volk“ von Rom jubelte. Die Senatoren beugten sich Bänkelsänger, Barbiere und Pferdeburschen stiegen zu Senatoren und Konsuln empor. Bis auch Elagabal erdrosselt und in den Tiber geworfen wurde, in jene letzte Ruhestätte so vieler Tausender seit über zweitausend Jahren.

Diese Auffassung über die römische Vergangenheit hätte sich auch ohne die neueren rassengeschichtlichen Forschungen aufdrängen müssen; namentlich beim Studium altrömtscher Gebräuche, Staats-, Rechtsbestimmungen und Mythen, denn auf allen Gebieten sehen wir uralte, eng mit Afrika-Vorderasien zusammenhängende Werte, nach und nach oder plötzlich, bei Beibehaltung der gleichen Namen, in ihr Gegenteil verwandelt. So „stellten“ unsere zünftigen Geschichtsschreiber — sie tun es auch heute noch — „fest“, daß in Nord- und Mittelitalien Etrusker, Sabiner, Osker, Sabeller, Aequer, Samniten wohnten, im Süden Phönizier,Sikuler, vorderasiatische Völkerschaften, griechische Siedler und Händler. Und plötzlich, man weiß nicht wieso und warum, entsteht ein Kampf gegen einen Teil dieser Stämme und Völkerschaften, gegen ihre Götter und Göttinnen, gegen ihre Rechtsbegriffe, gegen ihre politischen Machtansprüche, ohne daß von einem neuen Träger dieses Kampfes die Rede ist, oder wenn, so nicht nach seinem Wesen gefragt wird. Hier half sich die Gelehrtenwelt mit der berühmten „Entwicklung der Menschheit, welche zwecks „Veredelung“ angebilch eingegriffen habe, und die Tatsachensammler waren sich in diesem Punkt einig mit ihren Gegnern, den romantischen Mythendeutern, obgleich die Etrusker sicher eine „höhere Kultur“ besaßen als die bäuerischen Latiner. Da dies Wort von der plötzlich einsetzenden zauberhaften „Entwicklung“ zu höherer Geistigkeit, höheren Staatsformen usw. mit der Zeit aber doch anrüchig geworden war, erfanden neue Deuter der (Die Etrusker) Geschichte die sog. Kulturkreislehre. Ein neues Wort, welches genau so inhaltsleer ist wie die nur im Gehirn des Gelehrten oder Priesters anzutreffende „allgemeine Entwicklung“ zu seinem privaten Glauben, weil nämlich von den Schöpfern der Kulturkreise ebensowenig die Rede war wie in den Werken der Evolutionspäpste des 19. Jahrhunderts. Ein solcher indischer, persischer, chinesischer oder römischer Kulturkreis senkte sich eines schönen Tages auf ein Gebiet herab und veranlaßte dank dieser Zauberhaften Berührung eine vollkommene Änderung der gleichen menschlichen Wesen, die vorher, unberührt von ihm, gewissen Gebräuchen huldigten. Und dann erfahren wir vom „pflanzenhaften“ Wachsen, Blühen und Vergehen dieses magischen Kreises, bis die Lehrer der „Morphologie der Geschichte“ auf Grund heftiger Kritiken am Ende des zweiten oder dritten Bandes etwas von Blut und Blut-Zusammenhängen murmelten.

Auch dieser neue intellektualistische Zauber beginnt jetzt zu verfliegen. Der „römische Kulturkreis“, die „neue Entwicklung“ entsteht nicht aus den Schöpfungen des eingeborenen etruskisch-phönizischen Blutes, sondern gegen dieses Blut und seine Werte. Träger sind nordische Einwandererzüge und nordischer Kriegeradel, der auf italienischem Boden mit den Ligurern, der negroiden Urrasse (aus Afrika gebürtig) und mit den vorderasiatischen Etruskern aufzuräumen beginnt, wohl manchen Tribut dieser Umgebung zollen muß, sein Eigenstes aber im erbittertsten Kampf herausstellt und rücksichtsloser durchsetzt als das Volk der mehr künstlerisch gestaltenden Hellenen (Vertreibung des letzten Etruskerkönigs Tarquinius Superbus); viele dieser Leistungen blieben europäisches Gemeingut, vieles Faule und Fremde aber trugen die später doch wieder stark aufschäumenden Wogen des Völkerchaos nach Europa hinein.

Die Etrusker, Ligurer, Sikuler, Phönizier (Punier)

(Hetären und Priester) waren also keine „frühere Entwicklungsstufe“, waren nicht „Stämme des römischen Volkes“, die jeder zur „allgemeinen Bildung“ das ihrige beigetragen haben, sondern die Bildner des römischen Staates standen ihnen allen rassisch-völkisch feindlich gegenüber, unterwarfen sie sich, rotteten sie teilweise aus und nur der Geist, der Wille, die Werte, die sich hier in diesem Kampfe offenbarten, verdienten römische genannt zu werden. Die Etrusker bieten ein typisches Beispiel dafür, daß für sie die griechische Glaubens- und Lebensform keinen Fortschritt, keine mögliche Veredelung bildeten. Ebenso wie die anderen Vorderasiaten hatten sie einst atlantisch-nordische Mythen vorgefunden, sie wurden dann zwar auch von griechischer Kultur überzogen, sie ahmten, so gut sie konnten, griechische Plastik und Zeichnung nach, sie eigneten sich auch den hellenischen Olymp an, und doch ist a l l e s das entartet, in sein Gegenteil verwandelt worden. Grund genug, daß gewisse „Forscher“ auch heute noch vom „ungeheuren Geisteserbe“, vom „Wachstumsgrund“, von „welthistorischer Weihe“ des „tragischen Schicksals“ der Etrusker faseln*, offenbar aus jener inneren Sympathie heraus, die heute das aufsteigende Asphaltmenschentum der Weltstädte mit allen Abfallprodukten des Asiatentums auf sehr bezeichnende Art verbindet.

Dabei bieten Sage- und Gräberdenkmäler der Etrusker genügend Anknüpfungspunkte, um begreiflich zu machen, warum das gesunde, starke römische Bauernvolk sich dem Etruskertum zum verzweifelten Kampfe stellte. Zwei Typen sind es, die tuskisches Wesen kennzeichneten: die göttliche Hetäre und der zauberstarke Priester, der durch furchtbare Riten die Schrecken der Unterwelt zu bannen versteht. Die „große Hure von Babylon“, von der die*Z- B. Hans MühleStein: „Die Geburt des Abendlandes“. Berlin 1928. (Hetärenwirischaft in Vorderasien) Apokalypse spricht, ist kein Märchen, keine Abstraktion, sondern eine hundertfach bezeugte geschichtliche Tatsache: die Tatsache der Hetärenherrschaft über die Völker Vorder-und Mittelasiens. In allen Zentren dieser Rassengruppen thronte an höchsten Festtagen die Staatshetäre als Verkörperung der alle gleichmachenden Sinnlichkeit und der weltbeherrschenden Wollust, in Phönizien im Dienste der Kybele und Astarte, in Ägypten zu Ehren der großen Kupplerin Isis, in Phrygien als Priesterin eines absolut hemmungslosen Geschlechtskollektivismus. Zur herrschenden Priesterin der Liebe gesellte sich, in durchsichtige libysche Gewänder gekleidet, ihr Buhle. Sie salben sich beide mit köstlichen Salben, schmücken sich mit kostbaren Spangen, um dann vor allem Volk (wie auch Absolom mit Davids Kebsweibern 2. Sam. 16, 22) die Begattung zu vollziehen. Dem Beispiel folgte das Volk in Babylon, bei den Assyrern, in Libyen, im etruskischen Rom, wo die Göttin-Priesterin Tanaquil die Entwicklung des Hetärentums auf die Spitze treibt in schönster Zusammenarbeit mit den „Priestern“ der Etrusker*. Wohl „deutete“ man sich früher die tuskischen Inschrifren auf Gräbern, Mumien-binden, Rollen usw., doch erst Albert Grünwedel ist es

*Der äußerst zurückhaltende Erforscher Etruriens, Karl Otfried Müller, welcher in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts natürlich noch nicht die ganze Rassenfrage derart übersehen konnte wie wir heute, schreibt in seinem großen Werk „Die Etrusker“ (neu herausgegeben von Dr. W. Deecke, Stuttgart, 1877) über die dem etrustischen Wesen offenbar verwandten Dionysien, zunächst seien nur die Frauen eingeweiht worden; erst lange nachher, in Rom gegen 550 der Stadt, wurden auch Männer geweiht, die etruskischen P r i e s t e r hätten dann „jene Scheuseligen Orgien ausgebildet, in denen das von phrygischer Kymbalen- und Paukenmusik betäubte, von bacchischer Lust und losgelassener Gier entflammte Gemüt sich aller Greuel unterfing, bis der römische Senat (568) mit heilsamer Strenge alle Bacchanalien … aufhob“. (Bd. II, S. 78.) (Etruskischer Satanismus) gelungen, diese Schrift wirklich zu entziffern* und zwar mit Ergebnissen, die das Etruskertum in einem grauenhaften Lichte zeigen. Der griechische Sonnenmythus wird auch hier aufgenommen; daß die Sonne stirbt, daß aber dann der Sonnengott aus dunkler Nacht mit doppelter Kraft emportaucht und leuchtend über uns hinwegzieht, ist auch etruskisches Motiv. Aber unter den Händen tuskischer Priester wird daraus asiatische Magie, Hexenwesen, verbunden mit Päderastie, Selbstbegattung, Knabenmord, magischer Aneignung der Kraft des Gemordeten durch den Priester-Mörder und Weissagungen aus dem Kot und der Eingeweidenpyramide des Geopferten.

Die Mannheit der Sonne begeht mit dem magischen Phallus eine Selbstbegattung an der Sonnenscheibe (d.i. der ägyptische „Punkt“ in der Sonne), die er schließlich durchstößt. Daraus entsteht ein goldener Knabe, das „Phoetus eines Knaben, der die Öffnung hat“, ein „magisches Schema“; das ist das sog. „Siegel der Ewigkeit“. Das Ungestüm des magischen Phallus wird als Stier gedacht, der so wüst vorgeht, daß die Sonnenscheibe brüllt, und der „Phallusträger des Gehörns“ zum Feuer wird, „der Phallus aus dem, der den Himmel hat“. In immerwährenden, sich gleichbleibenden Obszönitäten wird hier der Sonnenmythus in eklige Männerbuhlschaft herabgezogen, die sich in den Wandzeichnungen der Gräber (Golini-Grab) fortsetzt, wo der Verstorbene mit seinem Buhlknaben im Jenseits sein Gastmahl hält und wo aus einem Opferfeuer zwei Riesenphallen als Ergebnis einer satanistischen Zauberaktion entspringen. Das ist, laut Inschrift, „der Blitz der Vollendung, Person einer Matrix, Phallus, der Verwesungsdampf hat und so vollendet ist“. D. h- aus der magischen Sprache übersetzt, daß das von der Frau geborene Geschöpf nach Verwesung vergöttlicht, ein Phallus wird.

*Tusca, Leipzig 1922.

Magie und Zauberei

Aus der Inschrift des Cippus von Perugia ergibt sich eine Zusammenkunft satanistischer Priester, die einen Spuk „vollenden“, „um zu brennen in Besessenheit“, „er, der diesen Knaben hat, der das dämonische Messer hat. Ewig ist des Knaben Feuer …, ein Magischer des vollzogenen Siegels“. Und der gemordete Knabe wird nunmehr zum „Böckchen“. Der personifizierte Donner ist dann eine Abwandlung des durch Stupration gewonnenen Sohnes, des vollendeten Böckchens. „Hier ist der Ursprung des gehörnten Phantoms einerseits, des bockköpfigen Teufels andererseits, dessen Auftreten in der Hexenliteratur bis zu den Volkssagen hinab bisher völlig rätselhaft war. Die antiken Typen sind der Minotaurus (so besonders über dem bekannten Grabe von Corneto: Tomba dei Tori) und der griechische Satyrtypus, er war gut genug, ein himmelschreiendes Verbrechen zu illustrieren“ (Grünwedel). Der Sinn aller sich immer wiederholender Gebräuche des „religiösen“ Etruskervolkes ist, daß der Buhlknabe, schmählich mißbraucht, zerschlitzt wird, die Geburt des neuen Sonnentages aus dem Ei „Symbolisieren“ soll, welches sein Spuk durch das Sperma (das in Näpfen gesammelt wird) erhalten hat; so entsteht ein spukhafter Stier, wie die Sonne feurig, erektiv, und vollzieht immer wieder die dämonische Selbstbegattung. Bei Durchführung dieses Rituals geht angeblich die Kraft des Gemarterten auf den Priester über, den Vertreter der „Auserwählten“ (Rasna, Rasena) wie die Etrusker sich, ähnlich den Juden zu nennen beliebten, der dann den Dunst der Eingeweide zum Himmel steigen läßt. Hinzu kommt die „magische“ Verwendung von Fäkalien, wiederum in Verhöhnung des griechischen Sonnenmythus: der zauberhafte Cherub wird zur höchsten Kraft, wenn er sechs Rollen Gold (Kot), des Himmels Röte schaffend, von sich gibt.

Ein Auserwählter kann werden durch Lieferung seiner Eingeweidepyramide, worüber etruskische Spiegel (Die Staatshetäre Tanaquil) genügend Auskunft geben, in denen Hexen Jünglinge für Geld zu dieser Hingabe veranlassen wollen, um dann in Flammen zum Himmel zu steigen, ein neues Zeugnis für die Urheimat des Hexenwesens und des Satanismus auf europäischem Boden. Wir begreifen, wenn ein Forscher wie Günwedel (der hier engste Verwandtschaft zu den tibetanischen Tantras des Lamaismus findet*) erklärt: „Eine Nation, die es fertig bringt, Wandgemälde über die Eingangstüren von Gräbern zu malen, wie die beiden Szenen in der Tomba dei Tori, die es sich erlaubt, in den Gräbern solchen Unflat zu schreiben und zu malen, wie im Golini-Grabe I, Sarkophage mit den widerlichsten Darstellungen zu bedecken: ich erinnere nur an die Sarkophage von Chinsi, Darstellungen von Verstorbenen einen Text wie die sog. Pulena-Rolle in die Hand zu geben, Toiletten-Artikel mit den haarsträubendsten Gemeinheiten zu bedecken, gibt dadurch die menschenunwürdigste Infamie als nationales Erbgut, als religiöse Überzeugung.“

Es ist notwendig, sich dieses Wesen des Etruskertums einmal klar zu machen, um endlich die Tatsache fest ins Auge fassen zu können, daß es den nordischen Latinern, den echten Römern, ergangen ist wie später den nordischen Germanen, früher noch den nordischen Hellenen. Als Zahlenmäßig kleines Volk führten sie einen Verzweiflungskampf gegen das Hetärentum durch stärkste Betonung des Patriarchats, der Familie; sie veredeln die große Hure Tanaquil zu einer treubesorgten Mutter und stellen sie dar als Hüterin der Familie mit Rocken und Spindel. Der magischen Zauberei einer gewalttätigen Priesterschaft setzen sie ihr hartes römisches Recht entgegen, ihren großartigen römischen Senat. Und mit dem Schwert säubern sie Italien von Etruskern (wobei sich namentlich der große Sulla hervortat) und den von diesen stets herbeigerufenen Puniern.

*Siehe sein anderes großes Werk: „Die Teufel des Avesta“.

Die Macht des Haruspex

Und doch, Überzahl, Tradition und die übliche internationale Geschlossenheit alles Gauner- und Gauklertums fraß sich ins ehrenhafte altrömische Leben immer mehr ein, je weiter es zur Sicherung seiner Werte in den Völkermorast des Mittelmeeres zu greifen gezwungen war. Namentlich den Haruspex und die Augurn konnte Rom nicht überwinden, selbst Sulla war von einem Haruspex Postumius, Julius Cäsar später vom Haruspex Spurinna begleitet. Eine Ahnung dieser heute feststehenden — und deshalb von unseren weltstädtischen „Etruskern“ verschwie-genen — Tatsachen hatte schon Burckhardt. Er schreibt in seiner „Griechischen Kulturgeschichte“*:

„Wenn dann aber in Rom bei Entfesselung aller Leidenschaften gegen Ende der Republik das Menschenopfer in greulichster Gestalt wieder auftritt, wenn über den Eingeweiden geschlachteter Knaben Gelübde geleistet werden und dgl., wie bei Catilina und Vatinus in (Cicero, in Vatin.6), so geht dies hoffentlich die griechische Religion nichts mehr an und auch den angeblichen Pyrhagoreismus des Vatinius nicht. Die römischen Gladiatorenkämpfe aber, gegen welche Griechenland einen dauernden Abscheu behielt, waren aus Etrurien gekommen, zuerst als Leichenfeier vornehmer Verstorbener.“ Hier ist deutlich die Erkenntnis miteinbegriffen, daß auch das Menschenopfer ein „religiöses“ tuskisches Erbgut war**. Der etruskische Priester Volgatius, der beim Leichenbegängnis Cäsars in

*Bd. 2, S. 152.
** Eine der ersten Taten des großen Vandalen Stilicho als Regent Roms war die Abschaffung dieser asiatischen Grausamkeiten. Genau das gleiche ordnete später der Oftgote Theodorich an, der die Gladiatorenkämpfe zu Ritterturnieren umgestaltete. Auch in derartigen Einzelheiten scheidet sich Charakter- auf ewig von Charakter. Die Stier- und Hahnenkämpfe der Spanier und Mexikaner sind ihrerseits Zeugnis dafür, aber eins für unsauberes, über das Germanische Sieghaftes Völkerchaos.

Der Papst — Nachfolger des Haruspex

Verzückung das letzte Jahrhundert des Etruskertums verkündet, war nur einer von vielen, die Roms Leben beherrschten und die Nöte des Volkes für Vorderasiens Geist auswerteten. Als Hannibal vor den Toren Roms stand, da erklärten diese Haruspizes, ein Sieg sei nur durch Wiederaufnahme des Kults der,, Großen Mutter“ möglich. Diese wurde tatsächlich aus Kleinasien herübergeholt und der Senat mußte solch bequemen, ihr zu Fuß bis zum Meer entgegen zu gehen. So zog neues kleinasiatisches Priestertum mit der „Großen Hure“ der Pelasger oder der „schönen lieben Hure“ von Ninive (Nahum 3, 4) in die „ewige Stadt“ ein und nahm Wohnung auf dem ehrwürdigen Palatin, dem Sitz des kulturschaffenden altrömischen Gedankens. Es folgten die üblichen vorderasiatischen „religiösen“ Umzüge, doch mußten sich die Ausschweifenden später auf die hinter Tempelmauern liegenden Bezirke beschränken, um sich der Empörung des besseren Teils des Volkes zu entziehen. Der Harupex siegte, der römische Papst erhob sich als sein unmittelbarer Nachfolger, während die Tempelherrschaft, das Kardinalskollegium, eine Mischung von Priestertum der Etrusko-Syro-Vorderasiaten und der Juden mit dem nordischen Senat Roms darstellt. Auf diesen etruskischen Haruspex geht dann auch „unsere“ mittelalterliche Weltanschauung zurück, jener furchtbare Zauberglaube, jener Hexenwahn, dem Millionen des Abendlandes zum Opfer gefallen sind, der auch durchaus nicht mit dem „Hexenhammer“ ausgestorben ist, sondern in der kirchlichen Literatur von heute noch lustig weiterlebt, jeden Tag bereit, offen hervorzubrechen; jener Spuk, der nicht selten die nordisch-gotischen Kathedralen verunstaltet und über eine natürliche Groteske weit hinausgeht. Auch in D a n t e lebt, grandios gestaltet, die etruskisch verbastardierte Antike* erneut auf: sein Inferno mit

*Vielleicht kann man auch die Gestalt Macchiavellis hier eingliedern. Trotzdem er gegen die Kirche für einen italienischen Nationalstaat kämpfte, trotzdem das Geschäft der Politik zu allen Zeiten nicht gerade eine Schule grundsätzlicher Wahrhaftigkeit gewesen ist: ein derartiges, nur auf menschliche Niedertracht aufgebautes System und ein g r u n d s ä t z l i c h e s Bekenntnis dazu ist keiner nordischen Seele entsprungen. Macchiavelli stammte aus dem Dorf Montespertoli, das, wie sein Lebensdarsteller Giuseppe Prezzolini erklärt,(„Das Leben Nicolo Macchiavellis“, deutsch Dresden 1929) „vorwiegend etruskischen Charakter“ hatten * MülIer-Deecke: „Die Etrusker“, Bd. II, S. 109. (Dantes Inferno) dem Höllenfährmann, dem Höllensumpf Styx, den pelasgischen blutgierigen Erinnyen und Furien, dem kretischen Minotaurus, den Dämonen in widerwärtigster Vogelgestalt, welche die Selbstmörder peinigen, dem amphibienhaften Greuelwesen Geryon. Da laufen die Verdammten in glühender Wüste unter dem Regen von Feuerflocken; da werden Übeltäter zu Baumgestrüpp, welches die Harpyen fressen, und bei jedem Brechen der Zweige entströmt ihnen Blut und ewiges Wehklagen; da hetzen schwarze Hündinnen hinter den Verdammten her und zerreißen sie unter fürchterlichen Qualen; gehörnte Teufel peitschen die Betrüger, und Dirnen versenkt man in stinkenden Kot. In enge Schluchten gesperrt, schmachten die simonistischen Päpste selbst, ihre drehenden Füße sind schmerzhaften Flammen ausgesetzt, und laut erhebt Dante die Klage gegen das verfallene Papsttum, die babylonische Hure.

Daß alle diese Unterweltsvorstellungen etruskisch sind, zeigen vor allem die Grabzeichnungen der Tusker. Wie im Mittelalter in der „vorchristlichen“ Oberwelt, sieht man hier als Vorstellung von der Ewigkeit an den Händen aufgehängte Menschen mit brennenden Fackeln und anderen Marterwerkzeugen gefoltert. Die mörderischen Rachefurien stellen sich die Etrusker vor als „durchweg häßliche, mit tierischer oder negerartiger Gesichtsbildung, spitzen Ohren, gesträubtem Haar, Hauerzähnen usw.“*. So foltert eine derartige Furie mit Vogelschnabel durch ihre giftigen (Etruskische Zauberei in Europa) Schlangen den Theseus (uralter Haß gegen den sagenhaften Überwinder der Urdämonen vor Athen?), wie das ein Wandgemälde der Tomba dell’ Orco zu Corneto darstellt Neben diesen Furien wirken jene gräßlichen männlichen und weiblichen Todesdämonen mit Schlangenbeinen, Typhon und Echidna benannt, einäugig, mit Schlangenhaaren. Auch sonst verweilen die Etrusker mit sadistischer Liebe bei allen Darstellungen der Qual, des Mordes, des Opferns, das Menschenschlachten selbst war ein besonders beliebter Zauber.

Musikalisch erfindungslos, im wesentlichen vollkommen poesielos, unfähig einer eigenen organischen Architektur, ohne jeden Ansatz zu einer echten Philosophie, sehen wir dieses vorderasiatische Volk mit größter Beharrlichkeit der Vogel-, der Eingeweideschau, dem komplizierten Zauber-und Opferwesen hingegeben; technisch oft tüchtig, fast ganz dem Handel verfallen, triebhaft und zäh, hat es das römische Blut vergiftet, seine schreckenerregende Vorstellungswelt der Höllenqualen im Jenseits auf die Kirchen übertragen, die grauenhaften Tier-Menschendämonen sind bleibende Einwirkungsmittel des Papsttums geworden und beherrschen die durch die römische Kirche vergiftete Vorstellungswelt unseres „Mittelalters“, worüber schon allein die Malerei erschreckende Auskunft gibt — sogar auf dem Isenheimer Altar, ganz zu schweigen von den Höllenfahrten anderer bildender Künstler. Erst wenn man dies ganze fremde Wesen erkannt hat, sich seiner Ursprünge bewußt geworden ist und den Widerstandswillen aufbringt sich dieses gesamten fürchterlichen Spukwesens zu entledigen, dann erst haben wir das „Mittelalter“ überwunden. Dadurch aber auch die römische Kirche, die mit den etruskischen Unterweltsqualen für immer verbunden ist, innerlich gestürzt.

Die ganze furchtbare Mystagogie des Danteschen Infernos bedeutet also die erschütterndste Darstellung des (Die Tragik des Mittelalters) altetruskisch-vorderasiatischen Satanismus, verbunden mit dem Christentum. Jedoch regte sich in Dante neben dieser Umschlingung durch jahrtausendalte Dämonie doch sofort der germanische Geist*.

Im Purgatorium läßt Virgil über Dante sagen: „Die Freiheit sucht er“; das war ein Wort, das allen Geistern widersprach, aus denen einst die Vorstellungen des großen Teufels- und Hexenspukes geboren wurden, bis schließlich Virgil seinen Schützling froh verlassen konnte, da er genügend eigene Kraft erworben hatte: „Mein Wissen, mein Wort kann Dir nichts mehr erklären, Frei, grad, gesund sind Deines Willens Zeichen: Wahn wär’ es, ihm nicht Folge zu gewähren.“

Das sind die zwei Welten, die das mittelalterliche Herz des nordisch-bedingten Menschen zerrissen: die Vorderasiatische, schreckhafte, von der Kirche gezüchtete Vorstellung der grausamen Unterwelt und die Sehnsucht „frei, grad und gesund“ zu sein. Nur so weit er frei ist, kann der Germane schöpferisch sein, und nur wo der Hexenwahn nicht herrschte, entstanden Zentren europäischer Kultur.

In dieses rasselose wüste Rom kam das Christentum. Es brachte einen Begriff mit sich, der in erster Linie seinen

*Daß Dante germanischer Abstammung war, steht heute fest. Er hieß Durante Aldiger, was ein rein germanischer Name ist. Dantes Vater war der Urenkel des in der Comedia erwähnten Cacciaguida, der unter Konrad 111. am Kreuzzug teilnahm, vom Kaiser Selbst zum Ritter geschlagen wurde. Seine Gattin war eine Frau aus altgermanischem Gschlecht der Aldiger. Dante hatte sich sein Leben lang auf die Seite des nordischen Gedankens der Unabhängigkeit der weltlichen Macht von der Priesterherrschaft gestellt, d. h- sich den Ghibellinen angeschlossen; scheute er sich doch nicht, die entarteten Päpste in die Höllenqualen zu versetzen, Rom selbst eine Kloake zu nennen und, vor allem, dichtete er doch in der Sprache des Volkes, der er eine besondere Schrift widmete, gegen das abstrakte Latein.

Die Erb-Sündenlehre

Sieg verständlich macht: die Lehre von der Sündigkeit der Welt und damit zusammenhängend die Predigt der Gnade. Einem Volk mit ungebrochenem Rassencharakter wäre die Erb-Sündenlehre eine Unverständlichkeit gewesen, denn in einer solchen Nation lebt das sichere Vertrauen zu sich selbst und zu seinem als Schicksal empfundenen Willen. Homers Helden kennen die „Sünde“ ebenso wenig wie die alten Inder und die Germanen des Tacitus und der Dietrichssage. Dagegen ist das dauernde Sündengefühl eine Begleiterscheinung physischer Bastardierung. Die Rassenschande zeugt vielspältige Charaktere, Richtungslosigkeit des Denkens und Handelns, innere Unsicherheit, das Empfinden, als sei dies ganze Dasein der „Sünde Sold“ und nicht eine geheimnisvoll notwendige Aufgabe der Selbstgestaltung. Dieses Gefühl der Verworfenheit aber ruft die Sehnsucht nach einer Gnade notwendig hervor, als einzige Hoffnung der Erlösung vom blutschänderischen Dasein. Es war darum selbstverständlich, daß unter gegebenen Umständen alles, was noch in Rom Charakter besaß, sich gegen das auftretende Christentum wehrte, um so mehr, als dieses neben der religiösen Lehre eine durchaus proletarische-nihilistische politische Strömung. Die übertrieben blutig geschilderten Christenverfolgungen waren im übrigen nicht, wie es die Kirchengeschichten darstellen, Gesinnungsknechtungen (das Forum war frei für alle Götter), sondern Unterdrückung einer politischen als Staatsgefährlich beurteilten Erscheinung. Lehrkonzile, Inquisition, und Scheiterhaufen zwecks Seelenvernichtung einzuführen, blieb der Kirche in ihrer paulinisch-augustinischen Form vorbehalten. Die klassisch-nordische Antike kannte derlei nicht und die germanische Welt hat sich gleichfalls stets gegen dieses syrische Wesen empört.

Das kirchliche Christentum hat namentlich Diokletian in das Zentrum seiner Angriffe gestellt. Dieser (Der mißdeutete Diokletian) Herrscher war zwar niederer Herkunft, aber vermutlich germanischer Mischling (von weißer Körperhaut, blauäugig), ein persönlich makelloser Mann, der Mark Aurel verehrte und ein vorbildliches Familienleben führte. In allen Staatlichen Maßnahmen zeigte sich Diokletian sehr zurückhaltend und als Feind jedes unnützen Zwanges gegenüber den Bürgern seines Reiches, als ein Mann religiöser Duldsamkeit, der nur gegen die ägyptischen Bauchredner, Wahrsager und Zauberer vorzugehen befahl. Kaiser Gallienus hatte den christlichen Kult (259) anerkannt, christliche Bauten konnten anstandslos aufgeführt werden; was aber eine organische Entwicklung störte, war in erster Linie das Gezänk der miteinander konkurrierenden Bischöfe. Diokletian erließ seinen christlichen Soldaten jede Beteiligung an den heidnischen Opfern und forderte lediglich politische und militärische Disziplin. Gerade auf diesem Gebiet aber wurde er von den Führern der afrikanischen Kirche herausgefordert, so daß Rekruten sich mit Berufung auf das Christentum weigerten, ihren Dienst zu tun. Trotz freundlicher Ermahnungen rebellierte ein antiker Pazifist, bis er schließlich wegen Meuterei hingerichtet werden mußte. Diese bedrohlichen Anzeichen veranlaßten nunmehr Diokletian, die Beteiligung auch aller Christen an staatlich-religiösen Zeremonien zu fordern; Christen aber, die nicht mittaten, verfolgte er immer noch nicht, sondern erteilte ihnen nur den Abschied aus dem Heeresdienst. Dies hatte eine hemmungslose Beschimpfung durch die „Christen“ zur Folge, deren sektenhafte Zerrissenheit und gegenseitige Bekämpfung auch in anderer Weise das ganze bürgerliche Leben bedrohte. Der Staat griff dann endlich zwecks Selbstverwaltung zur Abwehr — ähnlich wie heute Deutschland, will es nicht ganz untergehen, die pazifistische Bewegung ausrotten muß. Aber auch hier verhängte Diokletian bei Widerspenstigen nicht die Todesstrafe — wie er es im (Der fromme Julian) Falle des kaufmännischen Betruges angeordnet hatte — sondern die Versetzung in den Sklavenstand. Die Antwort war Aufruhr, Brandstiftung im Palast des Kaisers Herausforderungen der bisher unbehelligt gebliebenen, deshalb anmaßend gewordenen Christengemeinden aus dem ganzen Reich folgten eine nach der andern. Die darauf einsetzenden „furchtbaren Christenverfolgungen“ des „Ungeheuers Diokletian“ betrugen — neun hingerichtete, aufrührerische Bischöfe und in der Provinz des heftigsten Widerstandes, Palästina, ganze 80 ausgeführte Todesurteile. Der „allerchristlichste“ Herzog Alba aber ließ allein in den kleinen Niederlanden 100.000 Ketzer hinrichten.

Dies alles gilt es sich zu vergegenwärtigen, um die Hypnose einer Systematischen Geschichtsforschung einmal zu brechen. So erscheint auch der durchaus auf dem Standpunkt der Parität der Kulte stehende Julian Apostata in einem anderen Lichte, da er sich nicht scheute, gerade auf Grund frommer Gesinnung gegen die Lehrer der „Stellvertretung Gottes“ zu kämpfen. Im übrigen wußte er, worum es ging, als er schrieb: „Durch die Dummheit dieser Galiläer ging unser Staat fast zugrunde, durch der Götter Gnade kommt nun die Rettung. Also wollen wir die Götter ehren und jede Stadt, in der es noch Frömmigkeit gibt.“* Dies war durchaus berechtigt, denn kaum war durch Konstantin das Christentum Staatsreligion geworden, da trat der alttestamentarische Geist des Hasses furchtbar in Erscheinung: mit Bezug auf das Alte Testament forderten die Christen die Anwendung der dort vorgeschriebenen Strafen gegen Götzendienst. Auf ihre Forderung hin wurden die Tempel des Jupiters in Italien (mit Ausnahme Roms) geschlossen. Man begreift also den (Chrestos und Paulus) Stoßseufzer Julians, er sieht aber aus allem, daß auch über die Zeit des aufsteigenden Christentums die Geschichte neu geschrieben werden muß und daß der Eunuch Eusebius keine Geschichtsquelle darstellt.

Das Christentum, wie es durch die römische Kirche in Europa eingeführt wurde, geht bekanntlich auf viele Wurzeln zurück, die näher zu prüfen hier nicht der Ort ist. Nur einige Bemerkungen.

Die große Persönlichkeit Jesu Christi, wie immer sie auch gestaltet gewesen sein mag, wurde gleich nach ihrem Hinscheiden mit allem Wust des vorderasiatischen, des jüdischen und afrikanischen Lebens beladen und Verschmolzen. In Kleinasien übten die Römer ein straffes Regiment aus und trieben unerbittlich ihre Steuern ein; in der unterdrückten Bevölkerung entstand folglich die Hoffnung auf einen Sklavenführer und Befreier: das war die Legende vom C h r e s t o s. Von Kleinasien gelangte dieser Chrestosmythus nach Palästina, wurde lebhaft aufgegriffen, mit dem jüdischen Messiasgedanken verbunden, und schließlich auf die Persönlichkeit Jesu übertragen. Diesem wurden neben seinen eigenen predigten die Worte und Lehren der vorderasiatischen Propheten in den Mund gelegt und zwar in der Form einer paradoxen Überbietung altarischer Forderungen, wie z.B. des 9-Gebote-Systems, das schon vorher von den Juden in ihren 10 Verboten für sie selbst zurechtgestutzt worden war*. So verband sich Galiläa mit ganz Syrien und Vorderasien.

Die christliche, die alten Lebensformen aufwühlende Strömung erschien dem Pharisäer Saulus vielversprechend und ausnutzbar. Er schloß sich ihr mit plötzlichem Entschluß an und, ausgerüstet mit einem unzähmbaren Fanatismus, predigte er die internationale Weltrevolution gegen das römische Kaiserreich. Seine Lehren bilden bis *Erbt: Weltgeschichte auf rassischer Grundlage.(Paulus und das Rassenchaos) auf heute trotz aller Rettungsversuche, den jüdischen geistigen Grundstock, gleichsam die talmudistisch-orientalische Seite der römischen, aber auch der lutherischen Kirche. Paulus hat, was man in kirchlichen Kreisen nie zugeben wird, dem unterdrückten national-jüdischen Aufstand die internationale Auswirkung gegeben, dem Rassenchaos der alten Welt den Weg noch weiter geebnet und die Juden in Rom werden sehr wohl gewußt haben, warum sie ihm ihre Synagoge für seine Propagandareden zur Verfügung stellten. Daß Paulus sich (trotz gelegentlicher Kritik des Jüdischen) bewußt gewesen ist, doch eine jüdische Sache zu vertreten, geht aus einigen gar zu offenherzigen Stellen seiner Briefe hervor: „Verstockung ist zu einem Teil über Israel gekommen, bis dahin, wo die Fülle der Heiden wird eingegangen sein, und alsdann wird ganz Israel gerettet werden, sie, der Erwählung und Lieblinge um der Väter willen. Die da sind von Israel, denen die Kindschaft gehört, und die Herrlichkeit, die Bündnisse, die Gesetzgebung, die Gottesdienste, die Verheißungen, aus denen der Christos stammt nach dem Fleisch … Wenn der Heide aus dem von Natur wilden Ölbaume ausgeschnitten, und gegen die Natur auf den edlen gepfropft wurde, wieviel eher werden diese, deren Natur es entspricht, auf ihren ursprünglichen Baum gepfropft werden.“*

Gegen diese gesamte Verbastardierung, Verorientalisierung und Verjudung des Christentums wehrte sich bereits das durchaus noch aristokratischen Geist atmende Johannesevangelium. Um 150 steht der Grieche Markion auf, tritt wieder ein für den nordischen Gedanken einer auf organischer Spannung und Rangstufen beruhenden Weltordnung im Gegensatz zu der semitischen Vorstellung einer willkürlichen Gottesmacht und ihrer(Das zwiespältige Wesen des Christentums) schrankenlosen Gewaltherrschaft. Er verwirft deshalb auch das „Gesetzbuch“ eines solchen falschen Gottes, d. h- das sogen. Alte Testament. Ähnliches versuchten einzelne unter den Gnostikern. Aber Rom hatte sich dank seiner rassischen Zersetzung unrettbar an Afrika und Syrien verschrieben, die schlichte Persönlichkeit Jesu überdeckt, das spätrömische Ideal des Weltimperiums mit den Gedanken der volkslosen Weltkirche verschmolzen. Der Kampf der ersten nachchristlichen Jahrhunderte ist nicht anders zu begreifen als ein Kampf verschiedener Rasseseelen mit dem vielköpfigen Rassenchaos, wobei die syrisch-vorderasiatische Einstellung mit ihrem Aberglauben, Zauberwahn und sensuellen „Mysterien“ alles Chaotische, Gebrochene, Zersetzte hinter sich vereinigte und dem Christentum den zwiespältigen Charakter aufdrückte, an dem es auch heute noch krankt. So zog eine mit Knechtseligkeit durchzogene Religion, geschützt durch die mißbrauchte, große Persönlichkeit Jesu in Europa ein*. Das Auftreten des aus vielen Quellen gespeiste Christentums zeigt ein merkwürdiges, inniges Verhältnis zwischen abstrakter Geistigkeit und dämonistischer Zauberei mit besonderer Eindringlichkeit, ungeachtet anderer Ströme, die noch in ihm aufgenommen wurden. Die Idee der Dreieinigkeit

*Was Jesu Herkunst betrifft, so liegt, wie schon von Chamberlain und Delitzsch betont worden ist, nicht der geringste zwingende Grund zur Annahme vor, daß Jesus jüdischer Herkunft gewesen, wenn er auch in jüdischen Gedankenkreisen aufgewachsen ist. Einige interessante Forschungsergebnisse findet man bei Dr. E. Jung, „Die geschichtliche Persönlichkeit Jesu“ (München 1924). Laut dem syrischen Christenprediger Ephraem (4. Jahrhundert) hatte Jesus zur Mutter ein danaitisches Weib (also aus Dan gebürtig) und einen Lateiner zum Vater. Ephraem sieht darin nichts Unehrenhaftes und fügt hinzu: „Jesus hat so seine Abstammung von zwei allergrößten und allerberühmtesten Völkern hergeleitet, die mütterliche nämlich von den Syriern, die väterliche von den Römern.“ Ephraem setzt dieses Wissen als allbekannt voraus.

Beginnende Dogmatisierung

z.B. war vielen Völkern des Mittelmeerbeckens in der Form von Vater, Mutter, Sohn bekannt, ferner durch die Erkenntnis: „Dreifach teilt sich alles“ (die Aggregatzustände der einigen Materie). Die Mutter versinnbildlichte die gebärende Erde, der Vater das zeugende Lichtprinzip. An die Stelle der Mutter trat nun der „Heilige Geist“ in bewußter Abkehr vom rein Körperlichen, das „hagion pneuma“ der Griechen, der Präna der Inder. Diese betonte Geistigkeit war aber nicht in eine rassisch-völkische Typik eingebettet, nicht von einem o r g a n i s c h e n Leben polar bedingt, sondern wurde zu einer rassenlosen Kraft. „Hier ist kein Jude noch Grieche, hier ist kein Knecht noch Freier, hier ist kein Mann und Weib“, so schreibt Paulus an die Galater (die letzten Überbleibsel eines großen Keltenzuges aus dem Donautal bis nach Kleinasien). Auf Grund dieses alles Organische leugnenden Nihilismus fordert er dann den Glauben in Christo, also eine Umkehrung aller kulturschaffenden Werte des Griechen- und Römertums, die allerdings durch deren völlige Zersetzung sowieso gegeben war und dank der starken Ausschließlichkeit endlich die richtungslos gewordenen Menschen um sich scharte. Ein weiterer Schritt zur Verneinung naturhafter Verbundenheit geschah in der Dogmatisierung der Jungfrauengeburt, die als ein Sonnenmythus bei allen Völkern nachweisbar ist, von den Südseeinseln bis nach Nordeuropa*.

Dieser abstrakten Geistigkeit standen aber allle Zauber Kleinasien-Syrien-Afrikas zur Seite. Die Dämonen, die von Jesus ausgetrieben wurden und in die Säue fuhren, die auf seinen Befehl zurückgeführte Beruhigung des stürmischen Meeres, die „beglaubigte“ Auferstehung und Himmelfahrt nach dem Martertode, das alles war der eigentliche (Goethes positives Christentum) „tatsächliche“ Ausgangspunkt des Christentums und erzeugte zweifellos starke Kräfte des Leidens. Nicht vom Leben des Soter (des Heilandes) ging also die Welt aus, sondern von seinem Tode und dessen wunderbaren Folgen, dem einzigen Motiv der paulinischen Briefe. Goethe aber empfand gerade das Leben Christi als wichtig, nicht den Tod, und bezeugte dadurch die Seele des germanischen Abendlandes, das positive Christentum gegenüber dem negativen der auf etrusko-asiatische Vorstellungen zurückgehenden Priesterherrschaft und des Hexenwahns.

Es ist, wie früher ausgeführt, irreführend und nichtssagend, wenn unsere Gelehrten die Verwandlungen griechischen Lebens so darstellen, als hätte es sich von chthonischen Göttern zur Göttlichkeit des Lichtes, vom Matriarchat zum Vaterrecht entwickelt; ebenso falsch ist es, wenn sie von einer naiv-volkstümlichen Anschauung sprechen, die sich zum hohen Denken gesteigert habe; vielmehr liegt auch gerade neben dem antichthonischen Kampf in dem späteren Vorherrschen der intellektualistischen Lehrsysteme, in dem Versuch, das früher unbefangene Leben zu verstaatlichen, ein Versiegen der Schöpferischen Rassenkräfte, am Ende die platonische Reaktion, durch ein Schema zu erreichen, wozu das Blut allein bereits zu schwach geworden war. Der nordische Grieche kannte keinen theologischen Stand; seine Priester erwuchsen ihm aus den Adelsgeschlechtern. Seine Sänger und Dichter erzählten ihm von der Geschichte und dem Heroismus seiner Helden und Götter. Gänzlich undogmatisch, wie früher die Inder, später die Germanen, tritt uns der freie Griechengeist entgegen. Gymnastik und Musik waren der Inhalt seiner Erziehung, sie genügte, um die nötigen Voraussetzungen zu schaffen, den Hopliten, den Staatsbürger zu züchten. Erst ein Sokrates konnte den Wahnsinn predigen, die Tugend sei lehrbar, lehrbar für alle Menschen (Wechselwirkung von Magie und Intellektualismus) (was Platon dahin verfeinerte: der wirkliche Erkenner des Wesens der Ideenwelt sei selbsttätig gut). Mit dem Ausbau einer solchen individualistisch-rasselosen intellektualistischen Weltanschauung wurde die Axt an die Wurzel des griechischen Lebens gelegt; zugleich aber lockerte der wesenlose Intellektualismus gerade wieder die durch griechische apollinische Zucht zurückgedrängten asiatischen Sitten Hier können wir zuerst am anschaulichsten das Wechselspiel verfolgen, welches zwischen Intellektualismus und Magie stattfindet. Vernunft und Wille sind beide, wenn auch nicht immer zielbewußt, so doch zielstrebig, d.h. sie sind naturecht, blutnahe, organisch bedingt. In dem Maße, wie diese weltanschauende Vernunft durch ihre veränderten Träger unsicherer wird. in gleichem Maße verknöchert sie zu verstandesmäßigen Konstruktionen. Zu gleicher Zeit steigt der willenmäßige Teil hinab zu magisch-zauberhaften Trieben und gebiert Aberglauben auf Aberglauben. Die Folge der Zersetzung der vernunftwillenhaften Rassenseele ist dann ein „weltanschauliches“ intellektualistisch-zauberhaftes Gebäude, oder die Aufspaltung in wesenlosen Individualismus und triebhaftes Bastardtum. Den ersten Fall liefert uns die katholische Kirche (in abgeschwächtem Maße auch der Protestantismus), welche einen Zauberglauben (wobei dies Wort ohne jede Verächtlichmachung zu gebrauchen ist) intellektuell unter-und übermauert, den zweiten zeigt uns die Zeit des späten Hellenismus. Das negative und das positive Christentum standen von je im Kampfe und ringen noch erbitterter als früher gerade in unseren Tagen. Das negative pocht auf seine syrisch-etruskische Überlieferung, auf abstrakte Dogmen und altgeheiligte Gebräuche, das positive ruft erneut die Kräfte des nordischen Blutes wach, bewußt, so wie einst naiv die ersten Germanen, als sie in Italien eindrangen und dem siechen Lande neues Leben schenkten.

Die Germanen in Rom

Wie ein drohendes urgewaltiges Schicksal war einst der Sturm der Cimbern von Norden hereingebrochen. Seine Abwehr konnte nicht verhindern, daß nordische Kelten und Germanen die Grenzen Roms immer mehr bedrohten. Ein Feldzug nach dem andern zeigt krieggewohnte römische Taktik vergebens gegen urwüchsige Kraft am Werke. Blonde riesige „Sklaven“ treten in Rom auf, das germanische Schönheitsideal wird Mode im verfallenden ideallosen Volkstum. Auch freie Germanen sind in Rom keine Seltenheit mehr, germanische Soldatentreue wird nach und nach die stärkste Stütze des Cäsars. Aber zugleich auch die drohendste Gefahr für den armselig-wertlos gewordenen Staat. Augustus versucht durch Junggesellenstrafen, Ehestiftung, soziale Fürsorge „sein“ Volk zu heben. Umsonst. Germanen sind führend bei der Wahl des Claudius, des Galba, des Vitellius. Mark Aurel entsendet seine germanischen Gefangenen aus Wien nach Italien und macht sie statt zu Gladiatoren zu Bauern auf verödetem altrömischem Boden. Zu Konstantins Zeiten ist fast das ganze Römerheer germanisch … Wer hier nicht Rassenkräfte am Werk zu erblicken vermag, der muß für jedes geschichtliche Werden blind sein, derart mit Händen greifbar ist hier Zersetzung und Neuformung, die dann über Konstantin hinwegführt zu Stilicho, Alarich, Ricimer, Odoaker, Theodorich, den Langobarden, den Normanen, welche von Süden aus ein Königreich errichten, bis zu jenem unbegreiflich großen Friedrich II., dem Hohenstaufen, der den ersten weltlichen Staat, das sizilische Königtum, formt und mit deutschen Adelsherren seine Provinzen besetzt.

In der Geschichte der Vernordung Italiens ragt vornehmlich hervor Theodorich der Große. Über dreißig Jahre herrschte dieser Starke und doch milde, großzügige Mann über das römische Reich. Was Mark und Konstantin begonnen, führte er weiter: die Germanen (Die Bedeutung H. St. Chamberlains) wurden nicht nur Pächter und Kleinbauern, sondern auch Großgrundbesitzer; ein Drittel jeden Landbesitzes ging über in die Hände des rein germanischen Heeres; über 200.000 Germanenfamilien siedelten sich — leider zerstreut — in Toskana, Ravenna, um Venedig an. So zogen wieder nordische Fäuste den Pflug durch nord- und mittel-italienische Erde und machten das vollkommen darnieder-liegende Ödland wieder fruchtbar und unabhängig vom Getreide Nordafrikas. Durch Eheverbote und arianischen Glauben von den „Eingeborenen“ geschieden, übernahmen Goten (später Langobarden) die gleiche charakterbildende Rolle, wie die erste nordische Welle, die einst das alte republikanische Rom erbaute. Erst mit dem Übertritt zum Katholizismus begann eine rassische Umschmelzung; die „Renaissance“ wurde schließlich zu einer rauschenden Neuverkündigung nordischen, diesmal germanischen Blutes. Hier entstieg in plötzlichem Niederbrechen umhegter gesellschaftlicher Schranken ein Genie nach dem anderen dem vorgeackerten Boden, während das von Rom ab afrikanisierte Süditalien stumm, unschöpferisch blieb. Bis auf heute, da der wieder vom Norden kommende Faschismus die alten Werte erneut zu wecken versucht Versucht!

Daß alle Staaten des Abendlandes und ihre schöpferischen Werte von den Germanen erzeugt wurden, war zwar schon lange allgemeine Redensart gewesen, ohne daß vor H. St. Chamberlain daraus die notwendigen Folgerungen gezogen worden wären. Denn diese begreifen in sich die Erkenntnis, daß beim vollständigen Verschwinden dieses germanischen Blutes aus Europa (und nach und nach folgilch auch beim Hinsiechen der von ihm gezeugten typen-und nationenschaffenden Kräfte) die gesamte Kultur des Abendlandes mit untergehen müßte. Die Chamberlain ergänzende neue Erforschung der Vorgeschichte in Verbindung (Eine überwundene Geschichtsauffassung) mit der Rassenkunde hat dann noch eine tiefere innere Besinnung hervorgerufen: jenes furchtbare Bewußtsein, daß wir heute vor einer endgültigen Entscheidung stehen. Entweder steigen wir durch Neuerleben und Hochzucht des uralten Blutes, gepaart mit erhöhtem Kampfwillen, zu einer reinigenden Leistung empor, oder aber auch die letzten germanisch-abendländischen Werte der Gesittung und Staatenzucht versinken in den schmutzigen Menschenfluten der Weltstädte, verkrüppeln auf dem glühenden unfruchtbaren Asphalt einer bestialisierten Unmenschheit oder versickern als krankheitserregender Keim in Gestalt von sich bastardierenden Auswanderern in Südamerika, China, Holländisch-indien, Afrika.

Ferner erscheint ein anderer Baugedanke von H. St. Chamberlains Weltauffassung heute neben der Betonung der neuen Weltgründung durch das Germanentum von ausschlaggebender Bedeutung: daß sich zwischen das alte nordisch betonte Rom und das neue germanisch bestimmte Abendland eine Epoche einschiebt, die gekennzeichnet wird durch hemmungslose Rassenvermischung, d. h. Bastardierung, durch Aufquirlen alles Kranken, durch übersteigerte sinnliche Ekstasen, durch aufgeblähten syrischen Afterglauben und durch das Fiebern aller Menschenseelen eines ganzen Weltkreises. Chamberlain benannte diese Zeit mit einer Prägung, die den echten, Geschichte gestaltenden Künstler verrät: das Völkerchaos. Diese Bezeichnung eines bestimmten Zustandes, wenn dieser sich zeitlich auch weder rückwärts noch vorwärts genau abgrenzen läßt, ist heute Allgemeinbewußtsein, selbstverständliches Gut aller tiefer Schauenden geworden. Diese neue Takteinteilung anstelle von „Altertum“ und „Mittelalter“ war aber im höchsten Sinne des Wortes eine der größten lebensgesetzlichen und seelenkundlichen Entdeckungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts, die zu einer Grundlage unserer gesamten Geschichtsbetrachtung des fortschreitenden 20. Jahrhunderts (Die nordischen Wellen) geworden ist. Denn diese Erkenntnis bedeutet, daß wenn auf die Caracallas keine Theodorichs gefolgt wären, „ewige Nacht“ sich über Europa ausgebreitet hätte. Die aufgewühlten Schlammfluten der Mischlinge Asiens, Afrikas, des ganzen Mittelmeerbeckens und seiner Ausläufer hätten sich nach wüsten Erregungen wohl nach und nach gesetzt, das stets wogende Leben hätte wohl vieles Faule, Verkrüppelte ausgemerzt, aber für ewig verloren gegangen wäre die schöpferische Kraft einer immer neu gebärenden Kulturseele, auf ewig verschwunden wäre der die Erde umgestaltende Genius des das Weltall erforschenden nordisch bedingten Menschen. Es hätte nur jenes „Menschentum“ fortvegetiert, wie es stellenweise in Süditalien heute — nicht lebt, sondern verkrüppelt sich fortfristet ohne kühne Schwungkraft des Körpers und der Seele, ohne jede echte Sehnsucht, in tiefster unterwürfigster Genügsamkeit auf Lavamassen oder inmitten Steinwüsten hausend.

Darum: wenn auch heute noch, rund 2000 Jahre nach dem Auftreten der Germanen, irgendwo Nationalkulturen, Schöpferkraft und wagemutiger Unternehmungsgeist wirken, so verdanken diese Kräfte, selbst wenn sie sich untereinander noch so sehr befehden sollten, ihr Dasein einzig und allein der neuen nordischen Welle, die alles überziehend und befruchtend in stürmischen Fluten über das ganze Europa hinwegging, die Füße des Kaukasus umspülte, bis über die Säulen des Herkules hinaus brandete, um erst in den Wüsten Nordafrikas zu vergehen.

In ganz großer Linienführung betrachtet, besteht die Geschichte Europas im Kampf zwischen diesem neuen Menschentum und den Millionenmassen der bis zum Rhein, über die Donau hinausreichenden Kräfte des römischen Völkerchaos. Diese dunkle Brandung trug auf ihrer Oberfläche glänzende Werte, vermittelte nervenerregende Gelüste; ihre Wellen erzählten von vergangener, (Das „Ideal“ einer Weltkirche) einst doch gewaltiger Weltherrschaft und von einer alle Fragen lösenden Weltreligion. Große Teile des sich unbekümmert und kindlich verschwendenden nordischen Blutes ergaben sich den bestrickenden Verlockungen, wurden gar selbst zu Trägern halb erträumter altrömischer Herrlichkeit, zückten nur zu oft ihr Schwert über die ganze Welt im Dienste einer Phantasie, wurden anstelle zu Ahnherrn, als welche sie geboren waren, zu bloßen Erben. So gestaltet sich bis zu Martin Luther der Kampf zwischen Germanentum und Völkerchaos zu einem Ringen zwischen naturverbundenem Heldentum mit einer Heldenhaftigkeit im Dienste einer naturfremden Phantastik und nicht selten sind es Vertreter des gleichen Blutes, welche sich zugunsten urfeindlicher Werte mit der Waffe in der Hand gegenüberstehen.

Es war nur zu natürlich, daß sich die Träger der aus den norddeutschen Ebenen nach Gallien, Spanien, Italien ergießenden Rasse, die so naturhaft-gewaltig aufbrachen, nicht aller inneren Zusammenhänge ihrer seelischen Artung bewußt waren, daß sie staunenden Auges das Neue, Fremde in sich hinein, in sich aufsaugten und — als Herren —dieses Neue regierten, umgestalteten, aber (da in der Minderzahl) auch dem neuen Gehalt ihren Tribut zahlen mußten. Wenn noch heute „Staatsrechtler“ das „Ideal einer einheitlichen Gliederung der Menschheit“ predigen, einer einzigen, organisierten, sichtbaren Weltkirche das Lob spenden, welche alles Staatsleben, alle Wissenschaft, alle Kunst, alle Ethik aus einem einzigen Dogma heraus bestimmen und zusammenfassen soll*, so ist das der Niederschlag jener Gedanken des ‘Völkerchaos, die unser Wesen von jeher vergifteten; besonders wenn ein Forscher dieser Art noch hinzufügt: „Was Österreich erstrebt, hat die ganze Welt im großen zu erreichen“. Das ist Rassenpest und Seelenmord zum weltpolitischen Programm erhoben.

*Z.B.R. v. Kralik: „österreichische Geschichte“, 1913.

Die deutsche Wiedergeburt

Kaiser und Papst kämpften einst innerhalb dieser universalistischen, nationalfeindlichen Idee, das deutsche Königtum gegen sie; Martin Luther stellte der politischen Papst-Weltmonarchie den politischen Nationalgedanken gegenüber, England, Frankreich, Skandinavien, Preußen bedeuteten eine Stärkung dieser Front gegen das Chaos, die Neugeburt Deutschlands 1813, 1871 weitere Etappen, jedoch noch immer gleichsam bewußtlos-zielstrebig. Der Zusammenbruch 1918 hatte uns bis ins Innerste zerrissen, zugleich aber der suchenden Seele die Fäden bloßgelegt, die hier ihr Gewebe von Segen und Unsegen gewirkt hatten. Vom Stammesbewußtsein Altgermaniens, über den deutschen Königsgedanken, preußische Neuführung, Alldeutschlandgefühl, formales Reichsgefüge wird heute das artgebundene Volksbewußtsein als größte Blüte der deutschen Seele geboren. Wir verkünden es nach diesem Erlebnis als die Religion der deutschen Zukunft, daß wie, heute politisch auf dem Boden liegend, gedemütigt und verfolgt, die Wurzel unserer Kraft gefunden, erst eigentlich entdeckt und mit einer Kraft neu erlebt haben wie kein Geschlecht zuvor. Mythisches Ergreifen und bewußtes Erkennen stehen sich heute im Sinne des deutschen Erneuerungsgedankens endlich einmal nicht feindlich, sondern sich gegenseitig steigernd gegenüber: der glühendste Nationalismus nicht mehr auf Stämme, Dynastien, Konfessionen gerichtet, sondern auf die Ursubstanz, auf die artgebundene Volkheit selbst, ist die Botschaft, die einst alle Schlacken schmelzen wird, um das Edle herauszuholen und das Unedle auszumerzen.

Eine weiter forschende Betrachtung wird neben den ringenden Kräften des Germanentums und des Völkerchaos die Wirkungslinien der anderen eingeborenen oder eingesickerten Rassen Europas erkennen können. Sie wird die formal beherrschtere, kühlere, aber den germanischen Werten nicht gar zu fern stehende mittelmeerländische (Der alpine Einfluß) (westliche) Rasse schätzen und hier manche Mischung (soweit sie nicht als Massenerscheinung auftritt) mit der nordischen nicht unbedingt als Verlust, sondern oft als Bereicherung der Seele verbuchen*. Sie erkennt die weniger kulturschöpferische, aber mit stärkstem Temperament begabte dinarische Rasse öfters in mancher großen Leidenschaft Europas wirksam werden, dann aber auch ihre vorderasiatischen Einschläge oft Bastardierungserscheinungen hervorrufen (wie z.B. in Österreich, auf dem Balkan). Der neu gerichtete Betrachter erschaut dann, wie sich die dunkle alpine Rasse unternehmungslos aber widerstandsfähig geduldig vorschiebt, vermehrt. Sie rebelliert nicht offen gegen den siegenden germanischen Menschen, in gewisser Aufhellung leistet sie ihm als folgsamer Knappe und Bauer große Dienste, steigert in Individuen stellenweise die germanischen Kräfte zum zähen Widerstande, um jedoch, in M a s s e n eindringend, die schöpferischen Mächte zu überdunkeln, zu überkrusten, zu ersticken. Große Teile in Frankreich, in der Schweiz, in Deutschland stehen heute bereits im Zeichen dieser alles Große abtragenden alpinen Einwirkung, die Demokratie auf politischem Gebiete, die geistige Bedürfnislosigkeit, der unkühne Pazifismus verbunden mit geschäftstüchtiger Schlauheit und Rücksichtslosigkeit im Verfolgen gewinnversprechender händlerischer Unternehmungen sind die furchtbaren Anzeichen alpiner Überwucherungen des gesamteuropäischen Lebens.

*Ich bemerke, daß ich das Nähere der russischen Typenverschiedenheiten hier nicht behandeln kann. Ob z. B. Kern („Stammbaum und Artbild der Deutschen“) den Begriff „Nordisch“ einengt, indem er das „Dalische“ ausscheidet, oder ob Günther das Dalische (oder Fälische) als dem Nordischen wesensverschmolzen darstellt, ist eine für das Wesentliche nicht sehr wichtige Einzelfrage. Auch der Streit über die Urheimat der nordischen Rasse ist historisch, nicht wesentlich. Ausgezeichnet wird das Problem der naturverwachsenen Germanen von Darre in „Das Bauerntum als Urquell der nordischen Rasse“ behandelt.

 Das Mittelalter – keine Einheit

Alle großen und blutigen Kämpfe zwischen Germanentum und römischem Völkerchaos, geführt vom nordischen Menschen, minderten oft für lange Zeit die Kraft seines Blutes. Und auch wenn sich die Kriege nicht selten auf dem Rücken des alpinen Menschen abgespielt haben, so blieb er doch mehr verschont als die nordischen Empörer, die, zunächst, als „Ketzer“, freie Bahn für freies, d.h. artgebundenes Denken schufen.

Sehen wir an dieser Stelle von den frühen Kämpfen der Arianer um Glaubensfreiheit ab, so bietet das gesamte Abendland auch nach der machtpolitischen Festigung Roms nicht das Bild eines in sich abgeschlossenen, organisch verwurzelten Lebensgefüges. War die römische siegende Universalkirche die gradlinige Fortsetzung des spätrömischen rasselosen Weltimperialismus, wurde das römische Kaisertum auch der mächtigste bewaffnete Arm dieser Idee, stellten sich selbst geniale Gestalten germanischer Geschlechter diesem ganze Jahrhunderte verzaubernden Gedanken zur Verfügung, so rührten sich doch überall und auf allen Gebieten sofort auch die Gegenkräfte. politischer Art in der Form des deutschen Königtums, des fränkisch-französischen Gallikanismus, kirchlicher Natur im Kampf des Episkopalismus gegen Kurialismus, geistigen Wesens in der Forderung nach freier Naturforschung, philosophisch-religiöser Art in dem Ruf nach persönlicher Gedanken- und Glaubensfreiheit. All diese Kräfte, ob sie zu früheren Zeiten auch Rom als Idee noch anerkannten und sich oft der ganzen Tragweite ihrer Forderungen gar nicht bewußt waren; ob sie gar stellenweise gerade von der kindlichen Ansicht getragen wurden, die Kirche säubern zu wollen, sie alle sind letzten Endes Kräfte eines feurigen Nationalismus, wenn wir darunter eine rassische gebundene, willenhafte, art-unterbewußte Denkungsart und Gefühlseinstellung gegenüber einem Universalismus iegendwelcher Form verstehen wollen. Der Königs- und Herzogsgedanke, (Der Ketzerkampf in Europa) raumbegrenzter Episkopalismus, Persönlichkeitsfreiheit, das alles wurzelt unmittelbar im Erdreich, so sehr diese Mächte auch unter sich um die Vorherrschaft gerungen haben und noch heute ringen. Und erscheint es auch jetzt mit Händen greifbar, daß die am reinsten nordisch-germanischen Staaten, Völker und Stämme sich, als die Zeit gekommen war, am entschiedensten und am folgerichtigsten gegen den römischen Universalismus und gegen die alles Organische bekämpfende geistige Einheitsform (Unitarismus) wehrten, so werden wir auch vor diesem siegreichen großen Erwachen aus der römisch-vorderasiatischen Hypnose diese Kräfte — in unmittelbarer Anknüpfung an die noch „heidnischen“ Germanen — in einem heroischen Kampf am Werke erblicken können. Die Geschichte der Albigenser, Walenser, Katharer, Arnolbisten, Stedinger, Hugenotten, Reformierten, Lutheraner zeichnet neben der Geschichte der Märtyrer der freien Forschung und der Darstellung der Helden der nordischen Philosophie das erhebende Bild eines gigantischen Ringens um Charakterwerte, d.h. um jene seelisch-geistige Voraussetzung, ohne deren Durchsetzung es keine abendländische, keine volkliche Gesittung gegeben hätte.

Wer heute auf das demokratisierte, von schlauen Rechtsanwälten mißregierte, von jüdischen Bankiers ausgeplünderte, geistreich schillernde und doch nur noch von einer Vergangenheit zehrende Frankreich blickt, der vermag sich kaum vorzustellen, daß dieses Land einst vom Norden bis zum tiefsten Süden im Brennpunkt heroischer Kämpfe gestanden hat, die über ein halbes Jahrtausend Gestalten kühnster Art erzeugten und die, umgekehrt, durch Männer heldischer Gesinnung immer wieder neu entfacht wurden. Wer unter „Gebildeten“ weiß heute wirklich etwas von dem gotischen Toulouse, dessen Ruinen noch jetzt vieles von einem stolzen Menschentum erzählen? Wer kennt die großen Herrengeschlechter dieser Stadt, die in blutigen Kriegen vernichtet, ausgerottet wurden? Wer erlebte die Geschichte (Die Reform des Peter Waldes) der Grafen von Foix, deren Schloß heute in jämmerliche Steinhaufen zerfallen ist, deren Dörfer verödet darniederliegen, deren Länder nur noch von kümmerlichen Bewohnern besiedelt werden? „Der Papst“, erklärte um 1200 einer jener kühnen Grafen, „hat mit meiner Religion nichts zu tun, weil der Glaube eines jeden Menschen frei Sein muß.“ Dieser auch heute nur teilweise verwirklichte germanische Urgedanke kostete ganz Südfrankreich Sein bestes Blut und wurde mit dessen Ausrottung in diesem Gebiet für immer erstickt. Als einziges Überbleibsel des Westgotentums liegt hier nur noch die einzige protestantische Hochschule Frankreichs: Montauban.

Der gleiche Heroismus wurde einem kleinen Völkchen inmitten der italienisch-französischen Alpen eingehaucht. Auch hier geht der zusammenschmiedende Wille auf eine große, geheimnisvolle Persönlichkeit zurück, einen Kaufmann von Lyon, der (noch unbestimmt von woher) in diese Stadt eingewandert war, Peter mit Namen, welcher Später den Zunamen Valdo oder Waldes erhielt. Er lebte lange Jahre ehrbar Seinem Gewerbe, galt als ein frommer Mann und dachte vermutlich an keine Empörung. Aber er fühlte immer mehr die Kluft zwischen dem Schlichten Evangelium und dem protzenden Gebaren der Kirche, er empfand dann immer tiefer die lähmende Wirkung der Zwangsglaubenslehren. Und im treuen Glauben, dem geistlichen Oberhaupt zu dienen, pilgerte Peter Waldes nach Rom, forderte dort Einfachheit der Sitten, Ehrbarkeit im Handeln und — Gedankenfreiheit über das Evanvangelium, Lehrfreiheit auf Grund der Worte Christi. Vieles wollte man ihm zugestehen, das wesentliche aber nicht. Da verteilte Waldes sein Vermögen, schied sich von seiner Frau und erktärte dem Vertreter Roms, der ihn zum Widerruf zwingen wollte: „Man muß Gott mehr gehorchen denn den Menschen.“

Das war die Geburtsstunde eines großen Ketzers und (Die Ausbreitung der Waldenser) großen Reformators, dem dankbar zu sein sämtliche Europäer — alle Katholiken miteinbegriffen — auch heute noch alle Ursachen haben. Die schlichte Größe des Peter Waldes muß auf die Bildung der Gemeinde der „Armen von Lyon“ eine ungeheure Einwirkung gehabt haben, die Erfolge seiner Reisen an den Rhein, nach Böhmen, Entstehung waldensischer Gemeinden in Zentralösterreich, in Pommern, in Brandenburg zeigen, daß seine Forderung evangelischer Lehrfreiheit eine altgermanische Saite zum hellen Erklingen gebracht hatte, in den Seelen fest Wurzel faßte und sich nicht mehr ausrotten ließ: die gleiche Forderung, die Peter von Bruys, Heinrich von Cluny. Arnold von Brescia auch erhoben. Die Mainzer Skulptur zeigt uns Waldes als einen rein nordischen Kopf: ein Schädel, wie ihn die alten Germanen aufweisen, eine starke hohe Stirn, große Augen, eine kraftvoll vorspringende, ganz leicht gebogene Nase und einen festen, schön geformten Mund. Das Kinn von einem Bart umwallt.

Von Lyon verwiesen, zog die Gemeinde werbend und predigend nach verschiedenen Richtungen. In der gotisch-albigensischen Provence fand sie freundliche Aufnahme, auch im Rheinland. In Metz waren die Waldenser bald so erstarkt, daß sich Glieder des Magistrats weigerten, den Befehl des Bischofs, sie zu verhaften, auszuführen; und zwar mit der gleichen Begründung, die einst Waldes selbst aufgestellt hatte, man müsse Gott mehr gehorchen als den Menschen. Darauf Eingriff des Papstes (Innozenz III.), Verbrennung der in die Muttersprache übersetzten lateinischen Schriften, Hinrichtung einer Anzahl der Sektierer selbst. Danach Flucht der übrigen durch ganz Lothringen, in die Niederlande, ins andere Deutschland, das ihnen seine Tore überall dort öffnete, wo die Hand Roms nicht unmittelbar hinlangen konnte. Ein anderer Teil zog in die Lombardei, wo er ähnliche Ketzergedanken verbreitet fand, u. a. durch die Patarer in Mailand, die Lehren des (Scheiterhaufen der Inquisition) Arnold von Brescia, der über das rein Evangelische hinaus sowohl eine kirchliche als auch politische Reformation anstrebte, der dem Papsttum eine Berechtigung zu weltlicher Macht absprach, als Voraussetzung seiner seelischen Gesundung.

Und dann ergoß sich die Gemeinde der Waldenser in die Täler der westlichen Ausläufer der Alpen, faßte Fuß in den kargen Gegenden, die nach und nach dank dem Fleiß ihrer Hände zu fruchtbaren Gärten erblühten; sie hatte keinen anderen Ehrgeiz, als still und bescheiden ihrem Glauben zu leben und ihre evangelische Pflicht auf dieser Erde zu erfüllen. Zahlreiche vertriebene albigensische Ketzer fanden dann in der schwer zugänglichen Gegend freundliche Aufnahme, bis die Glocken der Inquisition, die durch das ganze Abendland gellten, auch die stillen Täler mit den zwei Städtchen und zwanzig Dörfern in Aufruhr versetzten Um die Mitte des 14. Jahrhunderts mußten die Waldenser dann schwere Tribute zur Besänftigung der Kirche und des Landesherrn entrichten, was natürlich nichts fruchtete; und zur Zeit» als in deutschen Gauen der schwarze Tod wütete, zogen die Truppen Frankreichs unter unmittelbarem Befehl des Inquisitors in die stillen Alpentäler ein. Gebunden, mußten zunächst zwölf Waldenser sich in gelben, mit höllischen Feuerflammen bemalten Röcken zur Kirche begeben; dort wurde über sie das Anathema ausgesprochen, ihnen die Schuhe ausgezogen, jedem ein Strick um den Hals gebunden, um sie dann allesamt auf dem Holzstoß den Feuertod erleiden zu lassen. Diese und andere Folterungen zerbrachen viele und veranlaßten sie zum Abschwören, doch diesen Rückfälligen brachte ihr Abfall nur weitere Erniedrigungen; die darauf notwendig folgenden Empörungen riefen neue Bedrückungen hervor und ein Epos menschlicher Kämpfe beginnt, wie es sich selten heldenhafter abgespielt hat. Ihrer Habe und ihres Gutes beraubt, füllen die Waldenser die Gefängnisse der Inquisition (Trügerischer Frieden) derartig, daß sie nur noch dank der Großmut des Volkes ernährt werden konnten*; deshalb erfolgte ihre Verminderung durch das übliche Verbrennen durch die Vertreter der Religion der Liebe. Dreizehn Jahre lang verfolgte ein einziger Inquisitor (Boselli) die Waldenserfamilie, immer wieder gelang es ihm, „einen zu erwischen**“, der irgendein ketzerisches Wort gesprochen hatte; die Gefangenen wurden dann gefoltert, durch Handabschlagen bestraft, erdrosselt oder verbrannt. Und trotz allem mußte der Erzbischof von Embrun dem Papst melden, daß die Waldenser ihrem alten Glauben treu geblieben wären.

Zur Zeit, als bereits überall in Europa die Stürme einer Wiedergeburt an den Toren Roms rüttelten, zog der Vertreter des Vatikans mit französischen Truppen erneut in die Alpentäler, um mit letzter militärischer Macht die noch gebliebenen Widerstände zu zertreten. Ausgerechnet er lasterhafte Innozenz VIII. war es, der 1487 in einer Bulle zur letzten Ausrottung der Waldenser aufrief. Der Kreuzzug begann unter dem Befehl La Palus, die Häuser der Ketzer wurden beraubt, sie selbst niedergemetzelt, die meisten Überlebenden flüchteten, nur wenige blieben zurück auf den Ruinen des Wohlstandes ihrer Väter, gebrochen scheinbar, bereit, mit der allmächtigen Kirche frieden zu schließen. Ihnen wurde dann ihr Eigentum zurückerstattet.

Stillere Zeiten erwiesen sich aber nicht als Frieden, sondern als trügerische Ruhe vor neuen Stürmen. Kaum vierzig Jahre später und der schlichte Glaube siegte erneut über die äußere Macht des mittelalterlichen Terrorismus. Und wieder holte Rom zum tödlichen Schlage aus, nachdem das Edikt von Fontainebleau (1540) dem Ketzerhaß erneut Nahrung gegeben hatte. Auf Grund der bischöflichen

*Chorier, „Hist. Gen. du Dauphine II, 391.
** Perrin: Histoire, S. 114.

3000 Hinrichtungen

Anzeigen mußten sich zunächst 16 Waldenser aus Merindol verantworten. Sie erschienen nicht, da sie wußten, was ihrer harrte. Danach wurden sie für vogelfrei erklärt, ihre Häuser, Weiber und Kinder galten als dem Staat verfallen, das Städtchen Merindol sollte niedergemacht, alle Gewölbe zerstört und sämtliche Bäume des Fleckens niedergehauen werden. Der König wollte bei Abschwören Milde walten lassen, die Waldenser aber erklärten, dies nur tun zu wollen, falls man aus der Schrift ihnen Irrtümer nachweisen könne.

Und nun kam die Schwerste Prüfung (1545). Regierungstruppen zogen nach Merindol, würgten hin, was sie an Menschen vorfanden und zerstörten das ganze Städtchen; das gleiche Schicksal erlitten Calvieres und die anderen Dörfer. Die in die Berge Geflüchteten baten um freien Durchzug nach Deutschland. Die Bitte wurde abgeschlagen, sie v e r h u n g e r t e n einsam in ihren Schlupfwinkeln. Über 22 Dörfer wurden vernichtet, 3000 Menschen gemordet, über 600 Waldenser zur Galeerenstrafe verurteilt, andere furchtbar gefoltert. Dann wurden lügenhafte Berichte über „Greueltaten der Ketzer“ nach Paris geschickt . . Trotzdem kamen die Folterungen der aufgehetzten Soldateska und der sadistischen Mönche Franz I. zu Ohren und noch auf dem Sterbebett veranlaßte er Heinrich II., den Waldensern Erleichterungen zu verschaffen, was dieser auch tat.

War die Gemeinde der Waldenser trotz ihrer Verbreitung nicht sehr groß, folglich auch nicht angreifend tätig, so zog der Gedanke des Widerstandes gegen mönchische Verwahrlosung und Geistesknebelung in hundert anderen Formen durch das damalige noch germanisch-nordisch bestimmte und westisch-rassisch gut ergänzte Frankreich, bis diese Ströme sich in der kühnen Hugenottenbewegung vereinigten, deren Sieg der Geschichte des Abendlandes eine andere Richtung — nach oben — gegeben hätte.

Die römisch-kirchliche Korruption

Die Zahl der Kämpfer für arteigenes Wesen war einst in diesem Frankreich außerordentlich groß, in allen Berufen und Ständen waren sie zu finden, bis zu den Kardinalen und königlichen Prinzen hinauf und bis zum schlichtesten Handwerker hinunter. Hundertfach sind uns Fälle bezeugt, daß einfache Leute, vor das kirchlich-staatliche Gericht gezerrt, besser in der Schrift Bescheid wissen als ihre Richter, klüger über Weltanschauungsfragen urteilen als die gelehrten Inquisitoren. Dieses Gefühl der inneren Überlegenheit gab ihnen den Mut, die Qualen des Scheiterhaufens zu überstehen, und dies alles führte oft dazu, daß die Richter sich zu Anhängern der ketzerischen Gedanken bekannten. Das ist nicht verwunderlich, wenn man weiß, daß die fürchterlichste Unbildung nicht nur beim unteren Klerus selbstverständlich war, sondern, daß es sogar (wie Robert Stephanus uns übermittelt) Theologie-Professoren der Sorbonne gab, welche in ihrer Wut gegen die Ketzer erklärten, sie seien fünfzig Jahre alt geworden, ohne etwas vom Neuen Testament zu wissen, folglich hatten die Sektierer auch keine Veranlassung, sich mit ihm zu beschäftigen. Zog um 1400 der Papst aus deutschen Landen in zwei Jahren allein 100.000 Gulden an Ablaßgeldern, mußte sich 1374 das englische Parlament vorrechnen lassen, daß der Stellvertreter Christi fünfmal mehr Abgaben einstecke als der rechtliche König, so erhebt sich auch aus allen Teilen Frankreichs die gleiche nur zu berechtigte Klage. Alle Stände des Reiches seufzen unter dem Druck der Kirchensteuern, ja sogar redliche Mönche (wie die Franziskaner Vitriarius und Meriot) fordern die Aufgabe des unwürdigen Ablaßhandels. Wie mit dem „heiligen Blut“ von Wilsnack machte man auch mit dem „heiligen Haus von Loreto“ (das die Engel aus Palästina nach Europa getragen hätten) üble Geschäfte, wobei diese Wunderorte sich als wahre Goldgruben erwiesen. Die Pfründen vermehrten sich derart, daß Kalvin bereits als zwölfjähriger Kaplan, (Revolution der Hugenotten) mit achtzehn Jahren Pfarrer wurde, ohne daß er vorher je theologische Studien getrieben hätte: die Einkommen der Pfründe mußten, gleich, durch welche Personen, gesichert werden.

Diese unmittelbar faßbaren Schäden führten zu tieferen Betrachtungen, und eine Reihe großer Charaktere blickt infolgedessen heraus aus den Flammen der Scheiterhaufen. Da ist der Erzbischof von Aries, Ludwig Allemand, der den Grundsatz des Konzilsystems gegen die päpstliche Diktatur mit allen Kräften (auf dem Konzil zu Basel) verteidigt; da wirkt der alte kluge Jakob Lefevre an der Erziehung eines freien jüngeren Geschlechts; sein Schüler Briconnet setzt diese Tätigkeit fort; Wilhelm Farel, ein Feuerkopf, stellt sich schon mitten in den Kampf, ist später führender Reformator in Neuenburg, Losen und Genf, dazu Casoli, Michael d’Arande. Ferner Languet, der adlige Burgunder, der kluge Beza, Hotoman. Vor allem aber ragt der tapfere kühne Edelmann aus Artois, Louis de Berquin, aus der Schar der Vielen hervor. Ein gläubiger Mensch voller Freimut und Gedankenschärfe, ein glänzender Schriftsteller, den man nicht mit Unrecht den französischen Ulrich v. Hutten genannt hat. Neben ihm der ehemalige schlichte Wollkämmer aus Meaux, Johann L e c l e r c, der Revolution gegen den Antichrist in Rom predigte und der gleich Luther seine Aufrufe an die Türen des Domes heftete. Dazu der tapfere Rouvan, der den Märtyrertod auf sich nahm, Franz Lambert, ein Franziskaner, und hundert andere, welche die Freiheit des Evangeliums und des Denkens predigten in Wäldern, in Kellern, wie einst die Besten der Urchristen in den Katakomben Roms.

Und ehe noch die hugenottische Bewegung Frankreich voll ergriffen hatte und Schutz fand unter der Führung Condes und des großen Coligny, begann die gleiche Verfolgung im ganzen Lande, wie in den stillen Tälern der (Wieder Flammentode) Alpes Cottiennes, in der Provence. Berquin der Kühne wird gefaßt, zur Abschwörung, zur Durchbohrung der Zunge mit glühendem Eisen, zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt. Er Schwört nicht ab, er ruft den König an. Umsonst. Darauf wird er am 22. April 1527 verbrannt. Noch vom Scheiterhaufen herab sprach er zum Volk. Seine Rede wurde durch das Geschrei der Henkersknechte und Mönche erstickt. Man fürchtete ihn noch im Tode. — Wie man dem Nero nachsagt, er hätte seine Gärten durch brennende Menschenfackeln erleuchtet, so schreitet im 16. Jahrhundert nach Christo der allerchristlichste König in großer Prozession von St. Germain l’Auxerrois zur Notre Dame und von dort zu seinem Schloß. Und auf den Plätzen, die er überqueren mußte, da stehen zum Schmuck und zu Ehren der Kirche die Scheiterhaufen, auf denen die unbeugsamen Häretiker den Flammentod erleidet.* Vierundzwanzig Ketzer starben an diesem Tage in Paris. Eine Flucht der Verfolgten nach Deutschland begann, so flohen u. a. auch Kalvin, Roussel, Marot. Allein in Straßburg findet Kalvin 1500 französische Flüchtlinge und gründet hier die erste kalvinistische Gemeinde. Strenge Edikte zwecks Ketzerverfolgung jagen einander nach den ersten Taten. In Meaux (der ersten protestantischen Gemeinde Frankreichs) wurde eine Versammlung überrascht, vierzehn von den Teilnehmern erlitten, als sie ein Abschwören von sich wiesen, den Feuertod und starben, sich gegenseitig Gebete zurufend. Am Tage darauf bewies dann ein Theologiegelehrter der Sorbonne, die Verbrannten seien zu ewiger Verdammung verurteilt, um noch hinzuzufügen: „Und wenn ein Engel vom Himmel käme und wollte uns des Gegenteils versichern, so müßten wir das verwerfen; denn Gott wäre

*Darüber Sagt der Jesuit Daniel: „Francois voulut, pour attirer la benediction du ciel sur ces armes, donner cet exemple signaie de piete, et de zele contre la nouvelle doctrine.“ Histoire de France, V, 654.

Das heroische Alt-Frankreich

nicht Gott, wenn er sie nicht auf ewig verdammte“*. Wie in Meaux loderten die Holzstöße in allen Teilen Frankreichs, aber immer wieder müssen die Chroniken vom ungebrochenen Mut der Verurteilten berichten. Johann Chapot, von den Henkern zum Richtplatz getragen, weil die Folterer ihm vorher die Beine gebrochen hatten, bekannte nochmals seinen Glauben. Aus Angst vor ketzerischer Ansteckung der Zuschauer wurde er sofort erdrosselt . . . Da sich ähnliche Fälle überall wiederholten, wurde es üblich, den reuelosen Ketzern vor dem Hinführen zum Scheiterhaufen die Zunge auszuschneiden …“ Ad majorem dei gloriam“.

Die Geschichte kennt eine große Zahl verbürgter Erzählungen über den Mut auf dem Scheiterhaufen, sie weiß aber auch von vielen Bekehrungen der — Richter. So nennt sie den tapferen du Bourg, der sein späteres Todesurteil gefaßt auf sich nahm und erdeosselt wurde. So eine große Anzahl anderer Männer des alten Frankreichs. Es ist eine einzige große Tragödie des heldischen Leidens, die sich aber dann bald in verwegene und doch kluge Angriffslust wandelt, als beste Männer des französischen Hochadels als „Hugenotten“ an die Spitze der Kämpfe für Gedankenfreiheit traten. In acht blutigen Kriegen wurde in allen Gegenden Frankreichs dieser Kampf gegen Rom geführt, und wenn auch der Streit über das Abendmahl als scheinbar dogmatisch wichtige Frage überall an der Spitze der geistigen Auseinandersetzungen erscheint, so war das doch nur ein Gleichnis für eine viel tiefer gehende Scheidung der Geister. Coligny hat, als er später zur Macht gelangte, seine Grundanschauung durch die Tat bewiesen, daß er Glaubensfreiheit nicht nur für sich forderte, sondern auch den Katholiken von Chatillon

*Du Plessis: „Hist. de l’Eglise de Meaux“, I. 348;
Soldan: Geschichte des Protestantismus in Frankreich“, I, 200

Hugenottischer Zwiespalt

zugestand*. Da das Hugenottentum sich aber bestimmten Lebensformen gegenübersah und die Vertreter Roms von dieser dogmatischen Grundlage aus Antworten forderten, so blieb den Protestanten nichts anderes übrig, als nach und nach gleichfalls ein scharf umrissenes Programm aufzustellen, das „naturgemäß“, weil im Wesen unnatürlich, die verschiedenen protestantischen Bewegungen selbst in Konflikt miteinander bringen mußte. Dahinter aber stand überall etwas viel Tieferes: der germanische Urgedanke der inneren Freiheit; Lehren und neue Formen wurden nur zu Gleichnissen, die sich auf dem Hintergrunde der römischen Dogmen abhoben, wobei es bezeichnend ist, daß die Messe seitens der Hugenotten am meisten bekämpft wird.

Im hugenottischen Adel ging ein Kampf zweier Seelen vor sich, der das Ringen sehr erschwerte. Während seine Anhänger unerschütterlich Gewissens- und Lehrfreiheit forderten, waren sie gezwungen, diese Forderungen an einen König zu stellen, dem sie in staatlich-politischer Hinsicht in altfränkischer Gefolgschaftstreue ergeben waren. Dieser jedoch, in römisch-katholischer Überlieferung befangen, mußte in der einheitlichen Religion auch die Sicherung des politischen Staates erblicken. Und so kommt es, daß während die hugenottischen Heere später sich in Orleans oder La Rochelle gegen den König sammeln, während sie bei Jarnac, St. Denis, Montcontour mit den Truppen des Königs kämpfen, sie doch ganz ehrlich ihre Ergebenheit gegenüber dem Königtum bekunden und Aufrufe erlassen, in denen sie behaupten, der König sei nicht frei, sondern in Gefangenschaft der römischen Partei; was ihnen denn auch nach jedem Friedensschluß bestätigt werden mußte.

*Vql. über ihn E. Marcks „Gaspard von Coligny“, Stuttgart 1892. Aber auch in den größten Zeiten der Hugenottenbewegung (Vassy und Jarnac) war diese doch nur eine Minderheit. Ihre Kraft lag jedoch in der klugen Energie ihrer Führer, im Heroismus eines neuen Lebensgefühls, im Auftrieb ihres alten Blutes, während auf seiten der Gegner Führerstreitigkeiten die Kräfte lahmten und der König in ständiger Furcht lebte, sein Feldherr (etwa Anjou) könnte ihm über den Kopf wachsen.

Das Blutbad von Vassy, wo der Herzog Guise betende Hugenotten einfach hinmorden ließ, war eines der Fanale, daß es um alles ging. Und so folgten die Hugenotten, stets opferbereit, wenn der Ruf des Condee erscholl. Trotz Niederlagen eroberten sie sich immer neue Festen, Städte, Burgen, suchten sich bald im Norden, bald im Süden ihre Stützpunkte. Aber in diesen Kriegen blieb beiderseits die Blüte des altfranzösischen Blutes tot auf den Schlachtfeldern. So auch der alte Connetable Montmorency, der nicht aus kirchlichem Haß, wie die Guijen, für seinen König focht, sondern als alter Lehensmann kämpfte und bei St. Denis mit 74 Jahren sein Leben beschloß. Da fallen nach und nach alle Protestantenführer mit Andelot und Condee an der Spitze. Trotz gebrochenen Schenkels sprengt der große Prinz bei Jarnac seinem Heere voran: „Wohlan, Ihr Edlen von Frankreich, hier ist der Kampf, den wir so lange ersehnt haben.“ Sein verwundetes Pferd stürzt, ein feindlicher Hauptmann streckt ihn dann hinterrücks nieder.

Ein furchtbares Schicksal erwartet aber auch nach einem günstigen Frieden die heimkehrenden hugenottischen Truppen. Die Mehrzahl der aufgehetzten Katholiken plünderte ihre Häuser, vertrieb ihre Familien, mordete die Krieger. Nach dem Frieden von Longjumeau z. B. wurden solche Hetzen von oben her bewußt organisiert, Lyon, Amiens, Troyes, Rouen, Soissons und andere Städte wurden Zeugen eines Blutrausches, der von den Protestanten in drei Monaten mehr Opfer forderte, als der Krieg eines (Todhaß Pius V.) halben Jahres. Zeitgenössische Schriftsteller berechneten die Toten allein nach diesem Friedensschluß auf 10000, während die spätere, vielleicht blutigste Schlacht von Montcontour nur 6000 Gefallene kostete. Dazu gesellte sich eine unablässige Hetze von Rom aus, das stets die vollkommene Ausrottung der Ketzer befahl. Pius V. verdammte den König von Frankreich, weil er den Hugenotten überhaupt Zugeständnisse gemacht hatte und belobte jene seiner Untertanen (z. B. den Herzog von Nemours), die gegen des Königs Erlaß die Ausrottung weiterbetrieben. Der Papst versprach Geld, Krieger und rief zu immer neuem Blutvergießen. Sein Biograph Gabutis rühmt den alten Pius V. denn auch als Urheber des dritten Hugenottenkrieges. Der Papst war selbst nach dem Sieg von Jarnac und dem Tode Condees nicht zufriedengestellt. Er verband seinen Glückwunsch mit dem Befehl, alle Ketzer, auch die Gefangenen, auszurotten. Jedes Nachgeben verfluchte er im voraus mit Gottes Zorn. Dieses Verhalten befolgte Pius V. auch nach dem Frieden von St. Germain und hat des Königs Untertanen gegen den Hof aufgewiegelt.

Trotz allem aber schien es, als ob sich altgermanischer Charakter durchsetzen wollte. Schon einmal war der Hof hugenottisch gewesen und an Stelle lockerer Feste war damals schon ein harter — manchmal engherziger — Ernst in die Schlösser des Königs eingezogen. Noch einmal hielten dann die Hugenotten Einzug, als Karl IX. Coligny zur Macht berief. „Ich heiße sie willkommen, wie nur je ein Edelmann seit zwanzig Jahren willkommen gewesen ist“, sagt er zum Führer der Ketzer. Und so ergriff für kurze Zeit eine neue Hand Frankreichs Schicksal. Bis alles in der Pariser Bluthochzeit zugrunde ging. Schwankend, charakterlos, jähzornig, neigte sich der König den Einflüsterungen der römischen Partei zu» die ihm dann die Ermordung Colignys zuschob. Es gab kein Zurück mehr. Die germanische Welle, die zu siegen schien über das (Wie Coligny starb) Frankenreich, brach zusammen. Als Colignys blutiger Leichnam dem Herzog Guise vor die Füße geworfen wurde, wischte ihm dieser das Blut vom Gesicht und sagte höhnisch:,, Jawohl, das ist er“ und gab ihm einen Fußtritt. Ein Italiener enthauptete den Admiral, dessen Kopf dann nach Rom zum heiligen Vater geschickt wurde, was ein Freudenfest in der Engelsburg zur Folge hatte. Der fromme Pöbel von Paris aber schnitt dem größten Helden Frankreichs noch die Hände ab und schleppte den Leichnam drei Tage durch den Straßenkot.

Dann ging es dem Ende zu. Was von den zur Hochzeit in Paris versammelten Hugenottenführern noch übrig war, erlitt den Bluttod oder wurde nach der Flucht in anderen Gebieten gemeuchelt. In Orleans fielen im Lauf von fünf Tagen 1500 Männer, dazu Weiber und Kinder, in Lyon 1800, die Städte der Provence sahen täglich verstümmelte Leichen die Wasser hinuntertreiben, so daß Arles tagelang kein Trinkwasser aus dem Fluß Schöpfen konnte. In Rouen ermordete der aufgepeitschte Haufe an zwei Tagen 800 Menschen, Toulouse zählte 300 Tote. Die Folgen der Bartholomäusnacht kosteten über 70 000 Opfer. In Rom selbst aber schoß man Freudenschüsse ab und der Papst der Friedensreligion prägte eine Denkmünze zu Ehren des Ketzermordens.

Als auch spätere Kämpfe keinen Erfolg brachten, zogen es Hunderttausende vor, das gesinnungsknebelnde Frankreich zu verlassen Preußen, die Niederlande zählen Nachkömmlinge dieser Auswanderer (die man alles in allem mit fast zwei Millionen angibt) zu den Besten ihrer Mitbürger.

Die entscheidende Tatsache dieses Blutverlustes aber ist die Änderung des Charakters der französischen Nation. Jener echte Stolz, jene Unbeugsamkeit und jener Edelmut, den die ersten Hugenottenführer verkörperten, war auf immer dahin. Als im 17. und 18. Jahrhundert die „klassische“ französische (Charakterverfall Frankreichs) Philosophie die kirchlichen Dogmen erneut aushöhlte und stürzte, da war sie zwar ausgestattet mit vielem Scharfsinn und mit großem Witz begabt, war aber — man sehe sich Rousseau, selbst auch Voltaire an — bar jedes echten großen Adels der Gesinnung, welcher Berquin ebenso auszeichnete wie einen Condee, Coligny, Teligny. Aber selbst diese große Geistigkeit war innerlich lebensfern, abstrakt; so wurde der 14. Juli 1789 zum Gleichnis einer charakterlichen Ohnmacht. Die französische Revolution, die echt und blutvoll war unter Coligny, war um 1793 bloß blutgierig, innerlich unfruchtbar, weil von keinem großen Charakter getragen. Deshalb haben sich an den Girondins und Jakobinern auch keine Genien begeistert, sondern nur toll gewordene Spießbürger, eitle Demagogen und jene Hyänen der politischen Schlachtfelder, die die Liegengebliebenen ihres Habes berauben. Wie während des Bolschewismus in Rußland der tatarisierte Untermensch jene mordete, die durch hohe Gestalt und kühnen Gang als Herren verdächtig erschienen, so schleifte der jakobinische schwarze Pöbel jeden aufs Schafott, der schlank und blond war. Rassengeschichtlich gesprochen: durch den Untergang der Hugenotten war im Reich der Franken die nordische Rassenkraft wenn nicht ganz gebrochen. so doch stark zurückgedrängt worden. Das klassische Frankreich zeigt nur noch Geist ohne Adel, einen Charakterverfall, den das hungernde Volt, instinktiv erfaßte, worauf es sich mit dem raublustigen Untermenschen zusammentat, um die letzten Köpfe zu beseitigen. Seitdem tritt der mittelmeerländisch gemischte alpine Mensch in den Vordergrund (nicht der „keltische“). Der Krämer, der Rechtsanwalt, der Spekulant wird Herr des öffentlichen Lebens. Die Demokratie beginnt, d. h. nicht die Herrschaft des Charakters, sondern die Herrschaft des Geldes. Das ändert sich nicht mehr, ob das Kaisertum herrscht oder die Republik, weil der Mensch des 19. Jahrhunderts rassisch doch gleich unschöpferisch war.

Mulatten in Paris

Deshalb schiebt sich aber auch der jüdische Bankier in den Vordergrund, dann der jüdische Journalist und Marxist. Einzig die Überlieferung einer tausendjährigen Geschichte nebst den Auswirkungen der gleichen Einflüsse der geographischen Umwelt bestimmen noch die machtpolitischen Stoßlinien Frankreichs. Aber das alles trägt andere Vorzeichen als im 14. bis 16. Jahrhundert. Was noch edel dachte in Frankreich, zog sich zurück vom schmutzigen Geschäft der Politik, lebte auf den Schlössern in der Provinz, in konservativer Abgeschlossenheit, oder schickt seine Söhne ins Heer, um nur dem Vaterland zu dienen. Namentlich aber in die Marine. Noch am Ende des 19. Jahrhunderts konnten Zuschauer auf Marinebällen die überraschende Entdeckung machen, daß sämtliche Offiziere blond waren!*

D i e s e r Kraft des noch starken Nordfrankreichs (die Normandie galt während der Ketzerzeit stets als „kleines Deutschland“) sah sich das Deutsche Reich 1914 gegenüber. Über diese Kraft aber geboten nicht mehr blutsgleiche Persönlichkeiten, sondern die Bankiers Rothschild und die ihnen rasseverwandten anderen Finanzmächte. Dazu Typen wie Fallieres, Millerand, oder alpine Impotenz vieler Marxistenführer. So vollzieht sich erst recht heute das Versickern des letzten wertvollen Blutes. Ganze Landstriche im Süden sind überhaupt ausgestorben und saugen jetzt bereits die Menschen Afrikas an sich wie einst Rom. Toulon und Marseille senden immer neue Bastardierungskeime ins Land. Um die Notre Dame zu Paris flutet eine sich immer mehr zersetzende Bevölkerung. Neger und Mulatten gehen am Arme weißer Frauen, ein rein jüdisches Stadtviertel ersteht mit neuen Synagogen. Abstoßende mestizenhafte protzen verpesten die Rasse der noch

*Stackelberg: „Ein Leben im baltischen Kampfe“, München 1927.

Frankreich — ein „Vorbild“

schönen Weiber, die aus ganz Frankreich nach Paris angelockt werden. So erleben wir in der Gegenwart etwas, was sich bereits in Athen und Rom und Persepolis abspielte. Deshalb ist eine nahe Verbindung mit Frankreich, ganz abgesehen von der politisch-militärischen Seite, rassengeschichtlich so gefährlich. Vielmehr heißt der Ruf hier: Abwehr des eindringenden Afrikas, Grenzsperrung auf Grund anthropologischer Merkmale, eine nordisch-europäische Koalition zwecks Säuberung des europäischen Mutterlandes von den sich ausbreitenden Krankheitskeimen Afrikas und Syriens. Auch zum besten der Franzosen selbst.

Die Geschichte des Frankenreiches ist heute abgeschlossen. Gleich ob klerikaler Machtwille oder stupide Freigeisterei sich in der Regierung abwechseln: in jedem Fall wird der große Zug des Schöpferischen fehlen. Frankreich wird deshalb getragen sein von einer instinktiven Rassenangst als Folge der Rassenschande, die jeden höchstens äußerlich siegreichen Zerkreuzten nie verläßt. Deshalb die noch heute herrschende schlotternde Furcht vor dem dank der Hilfe des ganzen Erdballs niedergeworfenen Deutschland. Dem Deutschland, welches alle Ursache hat, die Lebenslinie seines Nachbarvolkes zu verfolgen um alle inneren Abwehrktäfre gegen den gleichen Verlauf seines Schicksals wachzurufen.

Das überwiegend protestantische Deutschland brauchte einen 14. Juli nicht. Wenn auch zurückgedrängt von dem einst hereingebrochenen alpin-kleinasatischen Geist, zog sich um das baltische Becken doch ein starker Ring des Charakterwiderstandes gegen römische Nivellierungssucht, der Rom geradezu zwang, sein sittliches Leben zu reformieren, um überhaupt bestehen zu können. Aber der Germane ist leider nicht wachsam gewesen Er überließ großherzig fremdem (Die „Zwei Deutschlands“) Blut dieselben Rechte, die er sich mit großen eigenen Opfern durch die Jahrhunderte erkämpft hatte. Er übertrug Duldung des religiösen und wissenschaftlichen Denkens auch auf ein Gebiet, auf dem er hätte scharfe Abgrenzungen treffen müssen: auf das Gebiet der Volksgestaltung, Menschenformung, Staatsbildung als erster Voraussetzung des organischen Daseins überhaupt. Er hatte übersehen, daß Duldsamkeit zwischen Protestanten und Katholiken in bezug auf ihre Überzeugungen über Gott und Unsterblichkeit nicht gleichbedeutend sein konnte mit Duldsamkeit gegenüber antigermanischen Charakterwerten. Daß der Heroische nicht gleiches Recht haben kann mit dem Börsenspekulanten; daß dem Bekenner der unsittlich-ungermanischen Talmudgesetze mit einem Hanseaten oder deutschen Offizier keine gleichen Rechte auf Lebensgestaltung der Nation zugesprochen werden durften. Aus dieser Sünde gegen das eigene Blut erwuchs d i e große Volksschuld, entstanden die „zwei Deutschlands“, die sich 1870—71 schon zeigten, nach 1914 unversöhnlich gegenüberstanden, 1918 endgültig auseinander fielen und heute auf Leben und Tod miteinander ringen, obgleich noch immer nicht überall blutsbewußt geschieden. Was sich während der Ketzerkriege, zur Zeit Gustav Adolfs abspielte, ringt erneut, nur unter anderen Symbolen. Und wie es scheint, nicht unter Gleichnissen kirchlich-abstrakter Art, sondern endlich schon stark bewußt in der organischen Gegenüberstellung: nordisch-germanisch (bzw. vernordetes Blut) und Untermensch in Verbindung mit der Geistigkeit Syriens.

Das Blutopfer der Nation auf allen Schlachtfeldern der Welt gab dem demokratischen ostischen Menschen und seinen bastardischen Mithelfern der Weltstädte Gelegenheit zum Aufschwung. Der Menschentypus, der vor 150 Jahren in Frankreich als herrschend an die Oberfläche zu treten begann, stand seit 1918 auch in Deutschland, ausgestattet mit dem Gelde Syriens, an der Spitze der Demokratie.

Plastische Verfallssymbole

Er kannte deshalb die alten Werte nicht, sondern bekämpfte sie offen und frech auf allen Straßen und Plätzen („Das dümmste Ideal ist das Ideal des Helden“, sagte das „Berliner Tageblatt“), der glückliche Spekulant wurde Ehrenmann, der ostjüdische Bankier Finanzier der „staatserhaltenden“ Parteien, der Kämpfer gegen die Verhöhnung des germanischen Wesens aber wurde wegen „Beleidigung der Staatsform“ ins Gefängnis gesperrt. Diese Umschichtung der Werte ist gleichbedeutend mit der Veränderung des herrschenden Blutes und schon ein einziger Blick auf die Reihe der marxistisch-demokratischen Führer beweist in furchtbarer Weise den Rassenverfall, der zwischen der Herrschaft der Köpfe eines Moltke, Bismarck, Roon, Wilhelm I. liegt und jenen Parlamentariern, die bis 1933 die Börsenkolonie Deutschland verwalteten.

Die Herrschaft dieser in Stunden einer furchtbaren Verzweiflung des wertvollen Volksteils hochgespülten alpin-jüdischen Schicht erschien dadurch gesichert, daß sie sich aus Instinkt sofort den im heutigen Frankreich starken Mächten verbündete. Dem Frankreich, mit dessen verschlissenen Ideen sie einst die geistige Armut der Revolte von 1918 bestritten hatten. Sie waren durch jene Lügen großgeworden und konnten von ihrer Richtung nicht mehr abweichen. Die Form der Franzosenpolitik der Demokratie in Deutschland ging also letzten Endes zurück auf die „natürliche“ Sympathie der Untergangsmenschen, der gradlinigen Charakter als lebendigen Vorwurf empfindet und sich deshalb mit dem Verfall zu verbinden bemüht. Das ist auch die wesentliche Erklärung für die Sympathie, welche das nachrevolutionäre Rußland in allen Zentren des marxistischen Untermenschentums hervorrief. Hinter allem Schillern der angeblichen Grundsätze, „realpolitischen“ Überlegungen usw. zieht sich ein Strom unterbewußter Rassenkraft, beziehungsweise ein flutendes Gewässer mit rassenchaotischen Abfallserzeugnissen. Dies ganz ungeachtet (Gegen die alte Geschichtsdeutung) geschichtlicher Überlieferungen und raumpolitischer Gesetzmäßigkeit deshalb zum Schaden der deutschen Nation.

Sämtliche Historiker, welche die schmerzensreiche Geschichte der Auseinandersetzungen zwischen Rom und Ketzertum behandeln, erklären einmütig, man müsse die Dinge aus dem Weltbild und den Bedingungen der jeweiligen Zeit behandeln. Dies tun sowohl Verteidiger als auch Gegner Roms, die dabei gemeinsam einem verhängnisvollen Irrtum zum Opfer gefallen sind: als gäbe es neben vorübergehenden Zeitumständen nicht auch unveränderliche Wesensgesetze, die zwar unter verschiedenen Formen miteinander ringen, in ihrer Wirkungsrichtung sich jedoch gleich bleiben. Der Kampf des nordischen Menschen gegen römischen geistigen Unitarismus ist eine derartige zweitausend Jahre alte Tatsache, die immer zugleich auch eine „zeitweilige Bedingung“ gewesen ist. Deshalb behält ein Werturteil in bezug auf die heutige Zeit seine tief begründete Berechtigung auch bei der Beurteilung der ringenden gleichartigen Kräfte der Rassen und des Rassenchaos der Vergangenheit. Was aber in diesem Kampfe unterging, die Veränderung rassischer und charakterlicher Art bewirkte, gerade dieses nun ist von den zünftigen Geschichtsschreibern nicht behandelt worden: die Vernichtung der rassischen Substanz in Südfrankreich, auch die Ausrottung des schöpferischen Blutes im noch stark germanischen Kern-Österreich durch die Gegenreformation und die daraus entstehenden anderen „Zeitumstände“. Die übliche Geschichtsschreibung hat also das Unveränderliche hinwegzuleugnen versucht, das wirklich Zeitbedingte deshalb ebenfalls meist einseitig gewertet und nur an den äußerlichen Symbolen ihre Schilderungen erprobt. Durch diese Erkenntnis ist für den kommenden Darsteller und Ergründer der Entwicklung des Abendlandes an der Hand unwandelbarer seelisch-rassischer Werte eine neue Grundlage (Die Hussitenbewegung) geschaffen worden, geeignet, einen Schritt zur Höhe zu ermöglichen für alle, die starken Willens sind.

Das Vorhergehende aber fordert noch ein Gegenstück, um keine flache Beurteilung der großen Fragen aufkommen zu lassen. Z. B. die Hussitengeschichte. Die protestantische Bewegung in Böhmen weist einen wesentlich anderen Zug auf als in Frankreich. In Frankreich herrschte eine Sprache, eine Staatliche Überlieferung und klare Ansätze eines einheitlichen Nationalgefühls waren gegeben, in Böhmen dagegen standen sich Deutsche und Tschechen als auch zum großen Teil durch Rasse geschiedene Kräfte gegenüber. Die Tschechen ihrerseits waren rassisch geschichtet in nordisch-slavischen Adel, während die unteren Stände alpin-dinarische Prägung aufwiesen, also jenen Typus zeigten, den der heutige Tscheche so deutlich verkörpert. Unter angelsächsischem Einfluß (Wiklef) löste sich das slavische Tschechentum in gleicher Weise von dem römischen Universalismus wie das deutschwerdende Deutschland und das hugenottische Frankreich. Diese Bewegung erzeugte die sog. ultraquistische Richtung, welche in den Prager Artikeln (l. Augnst 1420) an die erste Stelle aller Forderungen die freie Predigt ohne Beeinflussung durch die oberen Kirchenbehörden setzte. Dann folgte der übliche Abendmahlsanspruch, der Ruf nach Aufhebung des weltlichen Kircheneigentums und die Forderung auf Beseitigung der Todsünden, ihre Sühnung durch die weltliche Obrigkeit. Zum Zweck der Vertretung dieser mit päpstlichen Bannbullen beantworteten Ansprüche mußte sich die freie tschechische Geistlichkeit ihrer unteren Volksmassen bedienen. Und hier zeigte sich das andersrassische alpin-dinarische Wesen das sich in kulturloser Wildheit, gepaart mit fürchterlichem Aberglauben, offenbarte. Der einäugige, rasende Ziska von Trocnow (dessen Kopf im Prager Nationalmuseum ihn als ostisch-vorderasiatischen Menschen ausweist), war der erste Ausdruck dieser alles zerstörenden (Taboritischer Eifer) Taboritenbewegung, welcher die Tschechen die Ausrottung sowohl der in ihnen noch wirkenden germanischen Kräfte als auch die Zurückdrängung der echtslavischen zu verdanken haben.

Wie von einem vorderasiatischen Wahnsinn getrieben, standen taboritische Eiferer auf und erklärten, „in dieser Zeit der Vergeltung müßten alle Städte, Dörfer und» Burgen verwüstet, zugrunde gerichtet und verbrannt werden“, auch Prag, „das Babylon der Städte“*. Der aus dem Alten Testament gesogene Chiliasmus (welcher auch mancher anderen protestantischen Bewegung bis auf heute gefährliches Gift zuführte) veranlaßte die tschechischen Bauern, ihr Hab und Gut in Erwartung des „Reiches Gottes auf Erden“ zu verlassen, was dann die Plünderung des deutschen Eigentums zur Folge hatte.

Die Taboriten erklärten später den Utraquisten den Kampf und bereits 1420 verkündeten sie eine Lehre, welche von jeher aus den Kehlen des gegen Forschergeist und Genie sich empörenden dunklen Untermenschen erschollen ist: „Jeder Mensch, der die freien Künste studiert, ist eitel und heidnisch.“ Den echten tschechischen Patrioten „schwanden die Sinne“, ganz wie im Jahre 1917 den russischen Intellektuellen angesichts der aufquellenden bolschewistischen Menschenflut. Das war die Einsicht von der tschechischen Unterwertigkeit, welche Franz Palacky (1846) zum Bekenntnis veranlaßte, daß sich in allen kulturellen Fragen die Deutschen im 15. und 16. Jahrhundert eine immer stärkere Stellung verschafft hätten: „Daraus schöpften wir die unliebsame und betrübende Erkenntnis, daß in dem Wesen beider Völker, des tschechischen und des deutschen, etwas liegt, was diesem gegenüber jenem, auch abgesehen von den politischen Verhältnissen, eine größere Ausdehnungskraft verleiht und ein dauerndes Übergewicht (Klagen tschechischer Patrioten) sichert; daß wir irgendeinen tief eingewurzelten Fehler besitzen, der wie ein geheimes Gift am Kern unseres Wertes zehrt.“ Und als die „tschechisch-nationale Sache“ siegte, das Tschechentum restlos triumphierte, herrschte gerade deshalb ein furchtbarer geistiger und sittlicher Niedergang. Der Patriot Hassenstein erklärte bekümmert: „Aus dem Vaterlande flieht, wer recht zu leben bestrebt ist“, während ein anderer tschechischer Nationalist Viktorin von Wschehrd gesteht:“Man kann in unserem Staate fast kein Glied finden, das nicht zerbrochen oder geschwächt ist.“ Und wie eine Sehnsucht nach anderen Männern, die Deutung Palackys über das Gift im Tschechentum vorwegnehmend und auf die germanische Rasse als Heilung hinweisend, klingen die Worte Hassensteins 1506 an einen Freund in Deutschland. Nachdem er die Verwüstung und den Zusammenbruch Tschechiens geschildert hat, Schreibt er: „Einst freilich unter den Ottonen, Heinrichen, Friedrichen, als Deutschland blühte, da wuchs auch unsere Macht … als der edelste Teil des Reiches galt Böhmen; jetzt aber, da euer Staatswesen wankt, wanken wir nicht nur, sondern brechen völlig zusammen … Euch reiben Kriege auf, uns verzehrt der Rost.“

Das deutsche Element sah sich von vornherein, ungeachtet vieler Sympathien zum antirömischen Gedanken, von der hussitisch-taboritischen Bewegung zurückgedrängt, was seine Gleichsetzung mit dem papistischen Lager zur natürlichen Folge hatte. Hier wurde also aus reinem Selbsterhaltungstrieb gegenüber dem aufgerührten dinarisch-alpinen Menschen eine äußere Gleichsetzung vollzogen, ohne notwendige innere Übereinstimmung. In Zeiten großer Umwälzungen kann natürlich nie viel geschont werden, der Taboritismus jedoch kostete das Tschechentum so ziemlich alles, was es an eigenartigen Gesittungskräften besaß. Seitdem ist dieses Volk unschöpferisch geblieben (Der germanische Freiheitsbegriff) und verdankt seine spätere kulturelle Erholung den neuerdings wieder einströmenden deutschen Formkräften. Wildheit gepaart mit charakterlicher Kleinheit ist bis heute leider ein Kennzeichen großer Teile des Tschechentums geblieben.

Die Gleichung Reformation—nordisches Wesen ist also in dieser Einförmigkeit nicht zu verwenden, weil der große nordische Gedanke seelischer und geistiger Freiheit auch vielerorts Menschen aus wohltätigen Formen löste, die weder eine freie Seele noch einen beschwingten Forschergeist besaßen.

Diese Betrachtung der tschechischen Geschichte* ist äußerst lehrreich für die gesamte kommende rassische Geschichtsforschung und lehrt Freiheit von „Freiheit“ sehr unterscheiden. Freiheit im germanischen Sinne ist innere Unabhängigkeit, Forschermöglichkeit, Ausbau eines Weltbildes. echt religiöses Fühlen; Freiheit für vorderasiatische Einsprengsel und dunkle Mischlinge bedeutet hemmungslose Vernichtung anderer Kulturwerte. Das erste hatte in Griechenland eine höchste Knlturentwicklung zur Folge, jedoch nach „Menschwerdung“ auch der vorderasiatischen Sklaven die vollkommene Zerstörung dieser Schöpfungen. Allen ohne Unterschied heute eine äußere „Freiheit“ zuzusprechen, bedeutet sich dem Rassenchaos ausliefern. Freiheit heißt Artgebundenheit, nur diese kann die höchstmögliche Entfaltung verbürgen. Artgebundenheit aber fordert auch Schutz dieser Art.

Die 300000 Hugenotten, die nach Deutschland kamen, waren entweder rein nordischer Art oder doch Träger eines Blutes, welches vom germanischen Wesen bedingt war und mit dem deutschen eine brüderliche Harmonie eingehen konnte. Auch als die französische Revolte von 1789

*Wer sich über das einzelne der furchtbaren Hussitenkriege unterrichten will, lese z. B. Bertold Bretholz, „Geschichte Böhmens und Mährens“, Reichenberg 1922.

Wesen von Pan-Europa

erneut Jagd machte nicht nur auf heruntergekommene Höflinge, sondern auch auf echt adliges Wesen, da fanden so manche „Franzosen“ in Preußen eine neue Heimat. Ein Fouque, ein Chamisso, ein Fontäne, eine große Zahl deutscher Helden des Weltkrieges trägt französische Namen. Andererseits führte ein Kant seine Vorfahren auf Schotten, Beerhoven auf Holländer zurück, ein H- St. Chamberlain hebt als Engländer die schönsten Schätze germanischen Seelentums aus verborgenen Tiefen ans Licht. Dies alles zeigt ein Hinüber und Herüber von Menschen und Werten auf der Ebene des germanischen Lebensgefühls. Ein ganz anderes Wesen aber zeigt sich im sogenannten heutigen von allen Internationalen und Juden geförderten Pan-Europäertum. Das, was sich hier abspielt, ist nicht das Angleichen germanisch bedingter Elemente in Europa, sondern ein Vereinigen rassenchaotischer Abfälle der Weltstädte, ein pazifistisches Geschäftsabkommen großer und kleiner Händler, letzten Endes eine von der jüdischen Finanz mit Hilfe der heutigen französischen bewaffneten Mächte geförderte Unterdrückung der darniederliegenden germanischen Kräfte in Deutschland — und überall in der Welt.

Die äußere Staatsform deutscher völklicher Selbsterhaltung ist zerschlagen, der Scheinstaat bis zur Wende 1933 von antigermanischen Kräften beherrscht, im Westen vom angreifenden, allem Deutschen noch immer feindlichen Franzosentum bedroht; dazu wird das Deutsche schlechtweg auch im Osten von stürmischen Fluten umspült Einst wurde Rußland von Wikingern gegründet, germanische Elemente dämmten das Chaos der russischen Steppe und preßten die Bewohner in staatliche, Kultur ermöglichende Formen. Diese Rolle des aussterbenden Wikingerblutes übernahmen später die deutschen Hansen, die westlichen Auswanderer nach Rußland überhaupt; in der Zeit seit Peter dem Großen die deutschen Balten, um die Wende des 20. Jahrhunserts (Haß der Steppe) auch die stark germanisierten baltischen Völker. Aber unter der gesittungtragenden Oberschicht schlummerte in Rußland stets die Sehnsucht nach grenzenloser Ausbreitung, der ungestüme Wille zum Niedertreten aller als bloße Schranken empfundenen Lebensformen. Das mongolisch gemischte Blut kochte bei allen Erschütterungen des russischen Lebens auch in starker Verdünnung noch auf und riß die Menschen fort zu Taten, die dem Einzelnen oft selbst unbegreiflich erschienen sind. Diese plötzliche Umkehrung aller sittlichen und gesellschaftlichen Vorzeichen, die ständig im russischen Leben und im russischen Schrifttum (von Tschaadajew bis Dostojewski und Gorki) wiederkehren, sind ein Zeichen dafür, daß feindliche Blutströme miteinander ringen und daß dieser Kampf nicht früher aufhören wird, als bis eine Blutskraft über die andere gesiegt hat. Der Bolschewismus bedeutet die Empörung des Mongoliden gegen nordische Kulturformen, ist der Wunsch nach der Steppe, ist der Haß des Nomaden gegen Persönlichkeitswurzel, bedeutet den Versuch, Europa überhaupt abzuwerfen. Die mit vielen poetischen Gaben bedachte ostbaltische Rasse erweist sich — bei mongolider Durchsetzung — als schmiegsamer Ton in der Hand nordischer Führer oder jüdischer oder mongolischer Tyrannen. Sie singt und tanzt, aber mordet und tobt zugleich; sie ist treu ergeben, aber beim Abstreifen locker werdender Formen hemmungslos verräterisch. Bis sie in neue Formen, und seien sie tyrannischster Art, gezwungen wird.

Wenn irgendwo, so zeigt sich im Osten die tiefe Wahrheit heutiger rassisch gebundener Geschichtsbetrachtung, aber zugleich die große Stunde der Gefahr, in der sich bereits die Substanz der nordischen Rasse befindet. Diese im Inneren jedes Landes nagenden Kräfte und die aufgerührten Fluten der Unterwelt ergeben für jeden um die Gesamtkultur Europas Besorgten eine einheitliche Front nordischer’ Schicksalsverbundenheit, die quer hindurchgeht (Mythus des Blutes) durch die heutige sogenannte Front der Sieger und der Besiegten des Weltkrieges (darüber im dritten Buche). Diese Erkenntnis legt aber allen tiefer Forschenden eine große Pflicht auf und fordert die Entfaltung ungewöhnlicher Charakterkräfte.

Einst fanden Urchristen den starken Glauben, alle Martern und Verfolgungen auf sich zu nehmen. Und sie siegten. Als Rom diese Taten mißbrauchte, erstanden neue glaubensstarke Hunderttausende in Europa, die noch auf dem Scheiterhaufen für freien Glauben und freies Forschen kämpften. Andere ließen sich von Haus und Heimat vertreiben, sie ließen sich mit Negern und Türken an die Galeeren schmieden, sie kämpften als Stedinger und Waldenser bis zum letzten Mann um ihr arteigenes Dasein. Und schufen alle Grundlagen abendländisch-nordischer Kultur. Ohne Coligny und Luther kein Bach, kein Goethe, kein Leibniz, kein Kant. Wobei der treuherzige Bibelglaube der Protestanten heute ebenso unwiederbringlich dahin ist wie einst der Glaube an die „göttliche Berufung der Kirche“ dahingesunken war.

Heute erwacht aber ein neuer Glaube: der Myrhus des Blutes, der Glaube, mit dem Blute auch das göttliche Wesen des Menschen überhaupt zu verteidigen. Der mit hellstem Wissen verkörperte Glaube, daß das nordische Blut jenes Mysterium darstellt, welches die alten Sakramente ersetzt und überwunden hat.

Und nach einer Rückschau von fernster Vergangenheit bis auf die jüngste Gegenwart breitet sich vor unserem Blick folgende Vielgestaltigkeit nordischer Schöpferkraft: aus: das arische Indien beschenkte die Welt mit einer M e t a p h y s i k, wie sie an Tiefe noch heute nicht erreicht worden ist; das arische Persien dichtete uns den r e l i g i ö s e n i ö s e n Mythus, von dessen Kraft wir alle noch heute zehren; das dorische Hellas erträumte die Schönheit auf dieser Welt, wie sie in der uns vorliegenden in sich (Die Mannigfaltigkeit nordischer Kulturen) ruhenden Vollendung nie mehr verwirklicht wurde; das italische Rom zeigte uns die formale Staatszucht als Beispiel, wie eine menschliche bedrohte Gesamtheit sich gestalten und wehren muß. Und das germanische Europa beschenkte die Welt mit dem leuchtendsten Ideal des Menschentums: mit der Lehre von dem Charakterwert als Grundlage aller Gesittung, mit dem Hochgesang auf die höchsten Werte des nordischen Wesens, auf die Idee der Gewissensfreiheit und der Ehre. Um diese wurde auf allen Schlachtfeldern, in allen Gelehrtenstuben gekämpft, und siegt diese Idee im kommenden großen Ringen nicht, so werden das Abendland und sein Blut untergehen wie Indien und Hellas einst auf ewig im Chaos verschwanden.

Mit dieser Erkenntnis, daß Europa in allen seinen Erzeugnissen schöpferisch gemacht worden, ist allein vom Charakter, ist das Thema sowohl der europäischen Religion als auch der germanischen Wissenschaft, aber auch der nordischen Kunst, aufgedeckt. Sich dieser Tatsache innerlich bewußt zu werden, sie mit der ganzen Glut eines heroischen Herzens zu erleben, heißt die Voraussetzung jeglicher Wiedergeburt schaffen. Diese Erkenntnis ist die Grundlage einer neuen Weltanschauung, eines neu-alten Staatsgedankens, der Mythus eines neuen Lebensgefühls, das allein uns die Kraft geben wird zur Niederwerfung der angemaßten Herrschaft des Untermenschen und zur Erschaffung einer alle Lebensgebiete durchdringenden arteigenen Gesittung.

Eine Kritik der reinen Vernunft hat den Zweck, uns die formalen Voraussetzungen jeder möglichen Erfahrung zum Bewußtsein zu führen und die verschiedenen tätigen Kräfte des Menschen auf ein bestimmtes, ihnen allein übergelassenes Gebiet einzuschränken. Das Außerachtlassen der (Jede Rasse hat ihre Seele) erkenntniskritischen Einsichten hat zu den größten Verwilderungen auf allen Gebieten geführt; deshalb bedeutete die Erkenntniskritik Kants das hellbewußte Erwachen inmitten einer Zeit, die der religiös-scholastischen, platt-naturalistischen oder schwül-sensualistischen Systeme müde zu werden begann. Bei Anerkennung dieser höchsten Leistung der Vernunftkritik ist jedoch über das Formale hinaus, über die innere Art und Weise des Gebrauchs der seelischen und der Vernunftkräfte noch nichts ausgemacht, d. h. eine Wertung des innersten Wesens der verschiedenen Kulturen und Weltanschauungen nicht einbegriffen. Das hatten römisches System, Judentum, islamitischer Fanatismus zur Genüge besorgt. Im tiefsten Innern wird auch ein Kulturvolk niemand das Recht einräumen, über seine Schöpfungen mit dem Zensorwort gut und schlecht, richtig und falsch abzuurteilen. Kulturen sind eben nicht Dinge, die aus nebelhaften Fernen als abgezirkelte Kulturkreise sich bald — man weiß nicht warum — auf eines, bald auf ein anderes Gebiet der Erde niedersenken, sondern sind blutvolle Schöpfungen, die d a sind, jede in ihrer Weise (rational und irrational) metaphysisch verwurzelt, um ein unfaßbares Zentrum gruppiert, auf einen Höchstwert bezogen, und alle besitzen, selbst bei späterer Umfälschung, einen lebensspendenden Wahrheitsgehalt. Jede Rasse hat ihre Seele, jede Seele ihre Rasse, ihre eigene innere und äußere Architektonik, ihre charakteristische Erscheinungsform und Gebärde des Lebensstils, ein nur ihr eigenes Verhältnis zwischen den Kräften des Willens und der Vernunft. Jede Rasse züchtet letzten Endes nur ein höchstes Ideal. Wird dieses durch andere Zuchtsysteme, durch überwiegendes Einsickern fremden Blutes und fremder Ideen verwandelt oder gar entthront, so ist die Folge dieser inneren Umwandlung äußerlich durch ein Chaos, Epochen der Katastrophen gekennzeichnet. Denn ein Höchtswert fordert eine bestimmte, durch ihn bedingte Gruppierung (Wesen der neuen Kulturdeutung) der anderen Lebensgebote, d. h. er bestimmt den Daseinsstil einer Rasse, eines Volkes, einer dieser Nation verwandten Völkergruppe. Seine Beseitigung bedeutet deshalb die Auflösung des gesamten inneren organisch-schöpferischen Spannungszustandes.

Nach solchen Katastrophen kann es geschehen, daß sich die Kräfte der Seele erneut um das alte Zentrum herum gruppieren und unter neuen Bedingungen auch eine neue Daseinsform gebären. sei es nun nach endgültigem Siege über die fremden, für eine Zeitlang hereingebrochenen Werte, sei es nach Duldung eines zweiten Zentrums der Kristallisation neben sich. Ein räumliches und zeitliches Nebeneinander aber zweier oder mehrerer auf verschiedene Höchstwerte bezogenen Weltanschauungen, an denen die g l e i ch e n Menschen teilhaben sollen, bedeutet eine unheilverkündende Zwischenlösung, die den Keim eines neuen Zusammenbruchs in sich trägt. Gelingt es dem eingedrungenen System, den Glauben an die alten Ideen zu Schwächen und den Träger dieser Ideen, die Rassen und Völker, auch physisch zu zersetzen und zu unterjochen, so bedeutet das den Tod einer Kulturseele, die dann auch in ihrer äußeren Verkörperung vom Erdboden verschwindet.

Das Leben einer Rasse, eines Volkes, ist keine sich logisch entwickelnde Philosophie, auch kein sich naturgesetzlich abwickelnder Vorgang, sondern die Ausbildung einer mystischen Synthese, einer Seelenbetätigung, die weder durch Vernunftschlüsse erklärt noch durch Darstellung von Ursache und Wirkung begreiflich gemacht werden kann. Eine Kultur auf ihr Inneres hin deuten, besteht deshalb im Bloßlegen des religiösen, sittlichen, philosophischen, wissenschaftlichen oder aesthetischen Höchstwertes, der ihren ganzen Rhythmus bestimmt, zugleich aber auch die Beziehungen und Einordnungen der menschlichen Kräfte untereinander bedingt. Ein vornehmlich religiös eingestelltes (Drei feindliche Systeme) Volk wird eine andere Kultur gebären, als eines, dem Erkenntnis oder Schönheit die Daseinsform vorschreiben. Letzten Endes ist denn auch jede über eine formale Vernunftkritik hinausgehende Philosophie weniger ein Erkenntnis, als ein Bekenntnis; ein seelisches und rassisches Bekenntnis, ein Bekenntnis zu Charakter werten.

Unser heutiges chaotisches Zeitalter ist seit Jahrhunderten heraufbeschworen worden. Dank gewissen Umständen ist es gelungen, die Lebensgesetze der nordisch bedingten Völker durch das Eingreifen anderer Kräfte zu schwächen, an vielen Stellen uns den Glauben an die eigenen höchsten Wertsetzungen zu nehmen, oder diese in ein neues System als untergeordnete Faktoren einzuordnen. Gegen diese Verfallserscheinungen stand die Rassenseele Nordeuropas in ununterbrochenem Kampfe. Bis sich trotzdem neue, ihr feindliche Kraftzentren bildeten.

Das 19. Jahrhundert zeigte in ganz Europa drei Systeme ausgebildet nebeneinander bestehend. Das eine war das ursprüngliche, auf Freiheit der Seele und der Idee der Ehre ruhende nordische Abendland; das andere das vollendete römische Dogma der demutsvollen, unterwürfigen Liebe im Dienste einer einheitlich regierten Priesterschaft; das dritte war der offene Vorbote des Chaos: der schrankenlose, materialistische Individualismus mit dem Ziel einer wirtschaftspolitischen Weltherrschaft des Geldes als einigende, typenbildende Kraft.

Diese drei Mächte rangen und ringen um die Seele eines jeden Europäers. Zu Kampf und Tod rief man auch im letzten Jahrhundert im Namen von Freiheit, Ehre und Volkstum. Gesiegt hatten aber 1918 die Mächte der Plutokratie und die römische Kirche. Mitten im furchtbarsten Zusammenbruch erwachte jedoch die alte nordische Rassenseele zu neuem, höheren Bewußtsein. Sie begreift endlich, daß es ein gleichberechtigtes Nebeneinander (Keine „voraussetzungslose Wissenschaft“) verschiedener—sich notwendig ausschließender — Höchstwerte nicht geben darf, wie sie es einst in großherziger Weise zu ihrem heutigen Verderben glaubte zugestehen zu können. Sie begreift, daß sich rassisch und seelisch Verwandtes eingliedern läßt, daß aber Fremdes unbeirrbar ausgesondert, wenn nötig niedergekämpft werden muß. Nicht weil es „falsch“ oder „schlecht“ an sich, sondern weil es artfremd ist und den inneren Aufbau unseres Wesens zerstört. Wir empfinden es heute als Pflicht, uns bis zur letzten Klarheit Rechenschaft über uns selbst zu geben, uns entweder zu dem Höchstwert und den tragenden Ideen des germanischen Abendlandes zu bekennen, oder uns seelisch und körperlich wegzuwerfen. Für immer.

Der w i r k l i ch e Kampf von heute geht also nicht so sehr um äußere Machtverschiebungen bei innerem Kompromiß wie bisher, sondern umgekehrt um den Neuaufbau der seelischen Zellen der nordisch bestimmten Völker, um die Wiedereinsetzung jener Ideen und Werte in ihre Herrscherrechte, denen alles entstammt, was für uns Knltur bedeutet, und um die Erhaltung der rassischen Substanz selbst. Die politische Machtlage kann vielleicht noch lange zu unseren Ungunsten weiter verschoben werden. Ist aber erst einmal ein neuer und doch wieder uralter Typus des Deutschen irgendwo erlebt und erschaffen worden, der seelen-, rassen- und geschichts-bewußt die alt-neuen Werte unbeirrbar verkündet und verkörpert, so wird sich um dieses Zentrum alles scharen, was auch nur dunkel sucht und noch im altheimatlichen Boden Europas wurzelt.

Dies sei vorausgeschickt, um gleich anfangs zu bekennen, daß keine „voraussetzungslose Wissenschaft“ vorgetäuscht werden soll, wie es wissenschaftliche Dunkelmänner gewöhnlich taten und tun, um ihren Anschauungen den Anstrich von allgemeingültigen Lehrsätzen zu geben. Es gibt keine voraussetzungslose Wissenschaft, sondern nur Wissenschaft mit Voraussetzungen…

Keine „Kunst an sich“

Die eine Gruppe der Voraussetzungen sind die Ideen, Theorien, Hypothesen, welche die zersplitterten suchenden Kräfte nach einer Richtung lenken und durch das Experiment auf ihren sachlichen Wahrheitsgehalt geprüft werden. Diese Ideen sind rassisch ebenso bedingt wie die willenhaften Werte. Denn eine bestimmte Seele und Rasse tritt dem Weltall mit einer auch besonders gearteten Fragestellung entgegen. Fragen, die ein nordisches Volk stellt, bilden für den Juden oder den Chinesen überhaupt kein Problem. Dinge, die dem Abendländer zum Problem werden, erscheinen anderen Rassen als gelöste Rätsel.

Auf allen demokratischen Konzilien hört man noch heute den Lehrsatz von der „Internationalität der Kunst und Wissenschaft“ verkünden. Die geistig Armen, die das ganze 19. Jahrhundert mit diesen Zeugnissen der Lebensfremdheit und rasselosen Wertelosigkeit blamiert haben, kann man natürlich nicht mehr über die Beschränktheit dieser „Allweltlichkeit“ belehren. Das junge Geschlecht aber, das diesem Treibhauswesen den Rücken zu kehren beginnt, wird nach einem einzigen unbefangenen Hinschauen auf die Mannigfaltigkeit der Welt entdecken, daß es eine „Kunst an sich“ nicht gibt, nie begeben hat und niemals geben wird. Kunst ist immer die Schöpfung eines bestimmten Blutes, und das formgebundene Wesen einer Kunst wird nur von Geschöpfen des gleichen Blutes wirklich verstanden; anderen sagt es wenig oder nichts (darüber im zweiten Buche Näheres). Aber auch die „Wissenschaft“ ist eine Folge des Blutes. Alles, was wir heute ganz abstrakt Wissenschaft nennen, ist ein Ergebnis der germanischen Schöpferkräfte. Dieser nordisch-abendländische Gedanke einer auf Gesetze zurückzuführenden Folge von Ereignissen im Weltall, die Erforschung dieser Gesetzlichkeit, ist nicht nur nicht eine „Idee an sich“, auf die jeder Mongole, Syrier und Afrikaner auch verfallen müßte, sondern ganz im Gegenteil: dieser (in anderer Form im nordischen Hellas aufgetauchte)

Heroische Wissenschaft!

Gedanke sah sich durch Jahrtausende hindurch der wütendsten Gegnerschaft der vielen fremden Rassen und ihrer Weltanschauungen gegenüber. Die Idee der Innergesetzlichkeit und der Eigengesetztichkeit war ein Schlag ins Gesicht aller Anschauung, die auf der willkürlichen Gewaltherrschaft: eines oder vieler mit Zauberkraft ausgestatteter Wesen ihr Weltbild aufbaute. Aus einer Weltanschauung, wie sie uns der alttestamentliche Jahwe vermittelt, konnte ebensowenig eine Wissenschaft unserer Prägung entwachsen, wie aus dem Dämonenglauben und Evolutionshypothesen afrikanischer Menschen. Aus diesem ewig fremden Gegensatz heraus ergab sich auch der Kampf des römisch-kirchlichen Systems gegen die germanische Wissenschaft. Diese ist ihren glänzenden Gang durch Ströme eigenen, aber von Rom vergossenen Blutes gegangen. Fromme nordische Mönche, die dem Zeugnis des weltaufsaugenden Auges mehr Wert zumaßen als vergilbten Syrischen pergamenten, wurden mit Gift, Kerker und Dolch verfolgt, sieh Roger Bacon, sieh Scotus Erigena … Das was wir heute „die Wissenschaft“ nennen, ist ureigenste; germanische Rassenschöpfung, sie ist nicht irgendein technisches Ergebnis, sondern die Folge einer einzigartigen Form der Fragestellung an das Weltall. Wie Apollon dem Dionysos, so stehen Kopernikus, Kant, Goethe dem Augustinus, Bonifaz VIIl., Pius IX. gegenüber. Wie das Mänadentum und die Phallussitten altgriechische Gesittung zu zersetzen strebten, so durchkreuzten etruskische Höllenlehre und Hexenwahn möglichst jede Regung nordischer Welterkenntnis. Mit der Erzählung von der Austreibung der bösen Geister aus den Säuen durch Jesus heftete sich diese Syrische Magie bis auf heute an das Christentum; Höllen- und Himmelfahrt, Höllenfeuer und Höllenqualen wurden fortan christliche Wissenschaft, die „succubi“ und „incubi“ feststehende wissenschaftliche Lehren, und es war nicht folgerichtig, daß Rom die Bücher, die sich zu Kopernikus’ (Forschung und Dämonie) heliozentrischer Lehre bekannten, endlich doch 1827 (!!) vom Index strich. Denn auf Grund römischer „Wahrheit“ ist nur ihre Lehre wirkliche Wissenschaft. Daß sie durch fast zwei Jahrtausende diese Anschauung trotz allen Blutvergießens nicht durchsetzen konnte, mußte sie zähneknirschend dulden, sie ist jedoch auch heute ununterbrochen am Werk, den nordischen Forschungsgeist durch die alten Zauberlehren zu vergiften. Die deutlichste Verlebendigung dieses Versuches ist der Jesuitenorden mit seinen „wissenschaftlichen“ Abteilungen. Der Jesuit Cathrein erklärte: „Wenn einmal eine Wahrheit durch den Glauben sicher feststeht (was „feststeht“, darüber bestimmt Rom), so ist jede widersprechende Behauptung falsch und kann deshalb auch nie das Resultat wahrer Wissenschaft sein …“ Und der moderne Theoretiker jesuitischer „Wissenschaft“, Dr. J. Donat, Professor in Innsbruck, erklärt jeden Zweifel an Glaubenswahrheiten als unstatthaft. „Traurig ist es um eine Wissenschaft bestellt“, ruft er aus, „die nichts anderes zu bieten vermag, als ewiges Suchen nach der Wahrheit.“*

Deutlicher läßt sich die tiefe Verschiedenheit in der Geisteshaltung wohl kaum aufzeigen, als durch diese Worte eines ganz in syrischer Dämonie untergegangenen alpinen Menschen: sie bedeuten nicht weniger als den Anspruch auf das Recht der Vernichtung des germanisch-europäischen Forscherwillens im Namen eines willkürlichen Lehrsatzes. Noch ein anderes Beispiel zeigt die heutige Gefahr, die Anerkennung innerer Gesetzlichkeit durch Einführung von willkürhafter Spekulation in ein Chaos zu verwandeln: die heutige Finanz“wissenschaft“.

Der europäische Forscher, sobald er eine Entdeckung;praktisch zu verwerten trachtet, zielt doch immer auf eine wirkliche Leistung ab, die er in das Weben von Ursache und Wirkung, Grund und Folge, als etwas Erzeugtes,

*“Die Freiheit der Wissenschaft“, 1910.

 Zahlenzauberei des Börsenbetriebs

Erschaffenes hineingestellt sehen will. Er empfindet Arbeit, Erfindung und Besitz als gesellschaftbildende Kräfte inmitten einer rassischen, völkischen oder staatlichen Gemeinschaft; selbst Amerikaner wie Edison und Ford bekennen sich zu dieser seelischen Einstellung. Auch die Börse hatte früher nur den einen Sinn, einen reibungslosen Übergang zwischen Tat und Folge, zwischen Erfindung, Erzeugnis und Absatz zu ermöglichen. Sie war ein ähnliches Hilfemittel wie das Geld. Aus dieser dienenden Stellung ist heute eine ganz andere Funktion erwachsen. Die „Börsen-und Finanzwissenschaft“ ist gegenwärtig ein Spiel mit vorgetäuschten (fiktiven) Werten, eine Zahlenzauberei, eine von gewissen Kreisen systematisch durchgeführte Störung zwischen der Umschaltung von der Erzeugung zum Absatz geworden. Die Herren der heutigen Börse wirken mit Massenhypnosen durch falsche Nachrichten, durch Panikerzeugung; sie peitschen bewußt alle pathologischen Triebe hoch und aus einer natürlichen Vermittlungstätigkeit im Wirtschaftsgetriebe ist Willkür, Weltzersetzung geworden. Diese „Finanzwissenschaft“ ist nun auch nicht international, sondern ist rein jüdisch und die Wirtschaftskrankheit aller nordisch bestimmten Völker kommt daher, daß sie sich bemühen, diese syrische, naturwidrige, aus Schmarotzerinstinkten stammende Willkür in ihr Lebenssystem einzufügen. Etwas, das, wenn es bis ans Ende gelingen sollte, die restlose Zerstörung aller natürlichen Voraussetzungen unseres Lebens nach sich ziehen muß. Die „Wissenschaft“ des Dawes-Gutachtens, der Überwachung des politischen Nachrichtendienstes durch Bankiers und ihre presse ist antigermanisch bis ins Mark hinein und befindet sich deshalb auch in bewußter Todfeindschaft zu den großen deutschen Denkern des nordischen Wirtschaftswesens, d. h. zu Adam Müller. Adolf Wagner, Friedrich List. Hier zeigt sich auch das Wesen des jüdischen Marxismus, der gegen „den (Wissenschaft als Wertung) Kapitalismus“ kämpft, das Zentrum dieses Kapitalismus aber, die Börsen-Finanz, unberührt läßt.

Die Voraussetzung römischer „Wissenschaft“ also ist das festgelegte willkürliche Zwangsglaubensgesetz der Kirche; die Voraussetzung jüdischer „Wissenschaft“ ist die Fiktion, auf deutsch: der Betrug; die Voraussetzung germanischer Wissenschaft: ist die Anerkennung einer in verschiedenen Folgen sich offenbarenden Gesetzmäßigkeit des Weltalls und der Menschenseele. Diese Be- und Erkenntnisse sind aber grundlegend für die Bewertung des gesamten Lebens, auch jener Ereignisse, die (wie Somnambulie, Hellsehen usw.) sich noch nicht restlos in diese Betrachtungsweise einfügen lassen.

Und das heißt alles: wenn wir heute von Erkenntnissen und Bekenntnissen sprechen, so machen wir immer ganz bestimmte Voraussetzungen. Wir untersuchen die verschiedenen Höchstwerte, die um die Seelen aller Europäer ringen, stellen die jeweilige Architektonik der auf diese Höchstwerte bezogenen Kräfte fest und bekennen uns zu einem dieser Systeme. Dieses Bekenntnis und die Zustimmung wenigstens zu den Grundgedanken derselben kann nur aus gleichen, verwandten, aber bisher geblendeten Seelen kommen, die anderen werden und müssen es ablehnen, und wenn sie es nicht totschweigen können, mit allen Mitteln bekämpfen.

Ein solches Loslösen und Ablösen des Einzelnen wie eines ganzen Volkes von noch machtvollen Kräften einer innerlich absterbenden Vergangenheit ist schmerzhaft und wird tiefe Wunden hinterlassen. Allein wir haben nur die Wahl: zu ersticken, oder den Kampf für die Gesundung aufzunehmen. Diesen Kampf mit klarem Bewußtsein und starkem Willen einzuleiten, ist die Aufgabe unseres Geschlechts. Ihn zu vollenden ist Sache einer späteren Generation.

Der dogmatische Monismus

Dem ursprünglichen Menschen ist „die Welt“ als eine ursachlose (kausallose) Aneinanderreihung von Bildern im Raum und Empfindungen in der Zeit gegeben. Der Verstand schafft dann den ursächlichen Zusammenhang, die Vernunft die Einheit des Mannigfaltigen durch Aufstellung leitender Ideen. Das Geflecht aus diesen Tätigkeiten nennen wir unsere Erfahrung. Das ist die formale Grundlage alles Lebens. Diese jedoch wird grundverschieden benutzt. Eine überwiegende Kraft der ideenbildenden Vernunft wird dazu führen, die verschiedenen Einheiten unter immer weniger zusammenfassende Ideen zu binden, um schließlich zu einem einzigen Grundsatz der Welterklärung zu gelangen. Dieser formale Monismus wiederum äußert sich verschieden, je nachdem man die Idee Welt aus der Idee der Materie (absolute Materie, also eine vollkommene Abstraktion, ist Idee), oder aus der Idee „Kraft“ entstehen lassen will. Der folgerichtige Mechanist nimmt Moleküle, Atome, Elektronen als Urwesen an, deren verschiedenartige Form und Zusammenstellungen Geist und Seele schaffen; der folgerichtige Energetiker anerkennt Materie nur als latente, geballte Kraft, die sich als elektrische, Licht- oder Wärmeschwingung entladet. sowohl der materialistische wie der spiritualistische Monist ist Dogmatiker, weil er über das letzte formal sowohl als stofflich erscheinende Urphänomen der „Welt“ mit einer einzigen, dafür aber alles entscheidenden Behauptung hinweggeht, sei diese Behauptung nun philosophischer, wissenschaftlicher Lehrsatz oder ein religiöser Glaube. Dieses Urphänomen ist, auch nach Überwindung der Vielfachheit (Pluralismus), die Polarität aller Erscheinungen, aber auch aller Ideen. Die Zwiefachheit alles Seins zeigt sich physikalisch als Licht und Schatten, heiß und kalt, endlich und unendlich; geistig als wahr und unwahr; moralisch als gut und böse (was nur insofern (Polarität — ein Urphänomen) bestritten werden kann, als die Begriffe sich auch auf etwas außer ihnen beziehen); dynamisch als Bewegung und Ruhe; als positiv und negativ; religiös als göttlich und satanisch. Polarität bedeutet Stets Gleichzeitigkeit der Gegensätze, deren beide Größen und Gegebenheiten also nicht als n a ch einander hervortretend zu erklären sind. Der Begriff des Guten ist ohne den des Bösen überhaupt nicht faßbar, erhält erst durch ihn Begrenzung, d. h- Gestalt. „Negative“ Elekteizität erscheint stets gleichzeitig mit „positiver“; beide Formen sind gleich positiv, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Nein setzt Ja und Geist ist als Idee gleichzeitig mit der Idee der Körperhaftigkeit gegeben. Ein ursächlicher Zusammenhang ist also bis zu den letzten Grenzen unserer vorwärtstastenden Erkenntnis zwischen den polar erscheinenden Gruppen nirgends nachweisbar. Aus der immer bestehenden Gegensätzlichkeit von Ja und Nein aber entsteht alles Leben, alles schöpferische, und selbst der dogmatische Monist — ob materialistisch oder spiritualistisch — lebt nur durch das Bestehen des ewigen Widerstreits. Nur im Spiegel des Körpers sieht der Spiritualist den „Geist“, nur unter der Voraussetzung verschiedener Qualitäten kann der Materialist Formänderungen und stoffliche Verschiebung entdecken.

So stehen denn auch „Ich“ und „Weltall“ als zwei letzte polare Bedingtheiten einander gegenüber, und das Schwergewicht, welches eine Seele auf die eine oder andere (bei unterbewußter Anerkennung des ewigen Gegensatzes) legt, bestimmt mit das Wesen, die Farbigkeit und den Rhyrhmus von Weltanschauung und Leben. Aus diesem metaphysischen Urgesetz alles Seins und Werdens (auch dies sind zwei polare Gegensätze, die sich rein erfahrungsgemäß [empirisch] gegenseitig in jedem Augenblick ausschließen!) folgen zunächst zwei Arten des Lebensgefühls: dynamisches Wesen oder statische Wertsetzung.

Die Erschaffung Jahwes

Eine überwiegend statische Weltbetrachtung wird zum Monismus irgendwelcher Art neigen; sie wird bemüht sein, eine einzige geistige Zusammenschau (Synthese), ein einziges Symbol, ja, auch eine einzige Form des Lebens durchzusetzen gegen jede Polarität, gegen jede Vielfachheit (Pluralismus). Religiös wird sie einen strengen Eingottglauben (Monotheismus) fordern, wird diesen Einheitsgott: mit allen Eigenschaften der Kraft und Herrlichkeit umkleiden, wird auf ihn die Schöpfung zurückführen, ja das satanische Selbst wegzuerklären bemüht sein. Zu einem solchen Gott wurde Jahwe, der dann als starres, einseitiges System mit Hilfe der christlichen Kirche ins abendländische Denken einbrach. Die Israeliten und Juden waren ursprünglich in einem durchaus pluralistischen Religionsleben befangen gewesen; ihr Nationalgott sorgte zwar für sie und sie für ihn, aber niemand bezweifelte, daß die „anderen Götter“ ebenso wirklich und wirkend waren wie Jahwe. In der Gefangenschaft der Perser erst erfuhren die Juden von einem allweltlichen (kosmischen) Gott und seinem Gegenpol: vom Lichtgott Ahura Mazda und dem finsteren Angromainyu, die dann später zum Jahwe als dem Alleinherrscher und dem Satan als seinem Nebenbuhler wurden. Der Jude entledigte sich nach und nach aller Pluralismen, stellte Schaddai-Jahwe ins Zentrum des Alls, sich selbst als seinen bevollmächtigten Knecht und schuf sich durch diese Tat einen regierenden Mittelpunkt, der sein Denken, seine Rasse, seinen — wenn auch rein parasitären — Typus bis auf heute ungeachtet aller vermischenden Grenzerscheinungen gezüchtet und erhalten hat. Und selbst da, wo „abtrünnige“ Juden Jahwe abschafften, setzten sie an seine Stelle dasselbe Wesen, nur unter anderem Namen. Es hieß jetzt „Menschheit“, „Freiheit“, „Liberalismus“, „Klasse“. Überall wurde aus diesen Ideen der alte starre Jahwe und züchtete unter anderen Bezeichnungen seine Grenadiere weiter. Da Jahwe durchaus als (Altes Testament und römisches Dogma) stofflich wirkend» gedacht wird, so verwebt sich im Falle des Judentums starrer Eingottglaube mit praktischer Stoffanbetung (Materialismus) und ödestem philosophischen Aberglauben, wofür das sog. Alte Testament, der Talmud und Karl Marx gleiche Einsichten vermitteln. Diese statische Selbstbehauptung ist der metaphysische Grund für des Juden Zähigkeit und Stärke, aber auch für seine absolute kulturelle Unfruchtbarkeit und sein schmarotzerhaftes Wirken.

Diese triebhafte Statik bildet auch das Rückgrat der römischen Kirche. Sie setzt eine Formung (Synthese), sich selbst, als Nachfolgerin des abgesetzten „Gottesvolkes“ und entwickelt die gleiche unbeirrbare formal-dogmatische Starrheit wie der Jahweismus oder der spätere semitische Mohammedanismus. Ein solches System kennt nur das „Gesetz“ (d. h- die eigene Willkür), nirgends Persönlichkeit; wo es zur Macht gelangt, zerstört es notwendig Organismen, und nur der Tatsache, daß es nicht ganz siegen konnte, haben wir es zu verdanken, daß es noch Völker, Kulturen, kurz wirkliches Leben gibt. Wir sind sogar Zeuge dessen, daß die Gegenbewegung gegen das lähmende Gewicht der Kirche in Europa gewaltig genug war, dem jüdisch-kirchlich-römischen Grundsatz einen bleibenden seelischen Pluralismus anzugliedern, dem zuliebe allein Teile der abendländischen Völker auch das starre Zentrum mit in den Kauf genommen haben, so daß man mit Fug und Recht vom Katholizismus und seinen Heiligen (als Religionserscheinung, nicht als Kirche und machtpolitischem Einheitsbund) als von einem polytheistisch bedingten Glauben sprechen kann. Immerhin hat aber sein Zentrum eine monistisch-statische Einstellung in Europa gestärkt und durch die Anerkennung des Neuen auch den Geist des sog. Alten Testaments in den ursprünglich individualistischen Protestantismus geschmuggelt.

Der Protestantismus offenbart sich von Anfang an als geistig gespalten. Als Abwehrbewegung betrachtet, (Buchstabenglaube im Protestantismus) bedeutete er das Aufbäumen des germanischen Freiheitswillens, des nationalen Eigenlebens, des persönlichen Gewissens. Fraglos hat er für all das den Weg gebrochen, was wir heute Werke unserer höchsten Kultur und Wissenschaft nennen. Religiös aber hat er versagt, weil er auf halbem Weg stehen blieb und an die Stelle des römischen das jerusalemitische Zentrum setzte: das Herrscherrecht des Buchstabens versperrte das Hervorbrechen jenes Geistes, den einst Meister Eckehart verkündigte, jedoch auch noch nicht gegenüber Inquisition und Scheiterhaufen durchsetzen konnte. Luther vollbrachte, als er in Worms die Hand zugleich auf das Neue und Alte Testament legte, eine von seinen Anhängern als sinnbildlich betrachtete und als heilig verehrte Tat. Am Buchstaben dieser Bücher wurde fortan die Gläubigkeit und der Wert des Protestanten gemessen. Wieder lag der Wertmesser für unser Seelenleben außerhalb des deutschen Wesens, wenn auch erdkundlich nicht so klar feststellbar wie im Falle des „Antichrist“ in Rom. Luthers Begegnung mit Zwingli zeigt, wie sehr er noch an den alten Fesseln zu tragen hatte. Seine stoffanbetende Abendmahlslehre schleppen wir in der protestantischen Glaubensfassung bis auf heute mit uns. Erst sehr spät entledigt sich Luther der „Jüden und ihrer Lügen“ und erklärte daß wir mit Moses nichts mehr zu schaffen hätten. Aber unterdes war die „Bibel“ ein Volksbuch und die alttestamentliche „Prophetie“ Religion geworden. Damit war die Verjudung und Erstarrung unseres Lebens um einen Schritt vorwärts getrieben, und es ist kein Wunder, daß fortan blonde deutsche Kinder allsonntäglich singen mußten: „Dir, dir, Jehova, will ich singen; denn wo ist wohl ein solcher Gott wie du …“

Die Juden hatten (wie so vieles andere) die Vorstellung eines allweltlichen (kosmischen) Gottes den Persern entlehnt. Hier finden wir das gewaltigste Zeugnis für die religiös-philosophische Anerkennung des polaren Seins.

Der persische Weltheiland

Das große kosmische Drama vollzieht sich in einem viele Weltenalter dauernden Ringen zwischen dem Licht und der Finsternis, bis — wie früher ausgeführt — nach einem furchtbaren Kampf der Weltheiland, der Caoshianc, kommt und die schwarzen von den weißen Schafen sondert, also eine Gestalt, als welche Jesus einer späteren Welt erschien. Die Dramatik muß natürlich einen Höhepunkt im Siege finden, aber nirgends ist die Dynamik des Seelischen bewußter und großartiger niedergelegt, als hier in der alt-persischen Lehre. Und darum erscheint uns, die wir heute die fremde Statik alles Jerusalemitischen abzustreifen beginnen, neben den Sagen der nordischen Völker dieses Drama Persiens als ur- und nahverwandt. Die überweltliche (metaphysische) Vorstellung paart sich zudem mit einer herben Sittenlehre und ergänzt eine Seelengemeinschaft in religiös-sittlicher Beziehung, wie sie von je von bewußt nordischen Menschen empfunden worden ist.

Der germanische Mensch hat sich bei seinem Auftreten in der Weltgeschichte zunächst nicht mit Philosophie abgegeben. Aber wenn etwas bezeichnend ist für sein Wesen, so die Dynamik seines inneren und äußeren Lebens, naturnotwendig gepaart mit der Abneigung gegen einen irgendwie gearteten bewegungslosen Monismus; gegen eine Art kirchlicher Erstarrung, wie sie ihm später durch technische und diplomatische Überlegenheit von Rom aufgezwungen wurde zu einer Zeit der Schwäche, da eine Jugendepoche seiner Rasse zu Ende ging, die alten Götter im sterben begriffen waren und neue gesucht wurden.

Lief die Auseinandersetzung zwischen Europa und Rom auf ein Kompromiß hinaus, das als solches jetzt trotz vieler Empörungen über 1500 Jahre andauert (aber bloß deshalb nicht so schwer empfunden wird, weil die alten häuslichen Gebräuche doch noch fortbestehen, wie sie vor der Christianisierung geübt wurden, und nur eine neue Deutung erhielten), so erwies sich dieses Kompromiß auf (Verschiedener Wirklichkeitsbegriff) den Gebieten der Kunst, Philosophie und Wissenschaft als unmöglich. Hier ist der Kampf am bewußtesten und am zähesten geführt worden und hat mit der Niederlage des Index- und Scheiterhaufenterrors geendet, selbst wenn dies noch nicht in das Bewußtsein der träger empfindenden Massen — auch der verbildeten Gebildeten — eingedrungen ist. Hier offenbart sich der europäische Geist in seiner ganzen Dynamik und in seiner klar Scheidenden polaren Daseinserfassung, zugleich aber zeigt sich, daß ein Streit um Formen den nordischen Europäer weniger bewegt hat als die Wahrhaftigkeit als innerer Charakterwert, wie er in der Wissenschaft und Philosophie Voraussetzung war.

Die Grundtatsache des nordisch-europäischen Geistes ist die bewußt oder unbewußt vorgenommene Scheidung zweier Welten, der Welt der Freiheit und der Welt der Natur. In Immanuel Kant gelangte dieses Urphänomen der Denkmethodik unseres Lebens zum lichtesten Bewußtsein und darf nimmermehr unseren Augen entschwinden. Dieses Selbsterwachen bezeugt aber eine ganz besondere Auffassung dessen, was als „wirklich“ anzusehen ist. Dem späten Inder löste sich zum Schluß das ganze Universum in Symbolik auf; auch das Ich wurde schließlich nur die Andeutung eines ewig Gleichen. „Wirklich“ war für den indischen Metaphysiker nicht eine in unserem Sinne in die Kette von Ursache und Wirkung oder Tat und Folge einzureihende umschreibbare Tatsache, sondern die rein subjektive Annahme in bezug auf ein Geschehnis oder eine Erzählung. Deshalb verlangt der Inder für die Wundertaten der Rama oder Krischna keinen Glauben wie an Tatsächlichkeiten, sondern erklärt jene in dem Augenblick für „wirklich“, in welchem an sie geglaubt wird. Auf Grund dieser Auffassung von Wirklichkeit verwandeln sich auf dem indischen Theater widerspruchslos Mädchen in Blumen, ihre Arme in Lianenranken und Götter in tausenderlei menschliche Gestalten … Da als Symbolik (Hadrian als Soldat und Heiland) vom Glauben abhängig, wird das „Wunder“ seiner stofflichen Bedeutung entkleidet. Anders für den Menschen im Osten des Mittelmeeres. Hier wurde die Freiheit als Zauberakt in die Natur hineingetragen und die Geschichte dieser Länder ist überfüllt von rein stofflich geglaubten „wirklichen“ Wundern. Ein klares Beispiel für das Bewußtsein, zwei verschiedene Welten zu beherrschen, gibt uns Hadrian. Im germanisch bestimmten Nordwesten seines Weltreiches zeigt er sich als heroischer Diener des Staates, macht alle Strapazen der Reise wie der einfache Soldat mit, ist Herr und Gebieter, nicht aber Gott und Wundertäter. Als Solcher erscheint der kluge Menschenkenner aber bei seinen Reisen durch afrikanische, Syrische, hellenistische Gegenden. So wurde Hadrian im Süden und Südosten des Reiches als Heiland angebetet, wurde in die Leitung der eleusischen Mysterien aufgenommen, ließ sich ruhig als Helios verehren, führte den Antinous als Gott in Ägypten ein, dessen Tod und echte Auferstehung dann ebenso als wirklich geglaubt und von Priestern verkündet wurde, wie der Tod und die „wirkliche“ Auferstehung Christi: Hadrian heilte Kranke, machte Krüppel durch Handauflegen gesund und die Erzählungen über seine Wundertaten durchliefen als echteste Chronik alle Staaten des östlichen Mittelmeeres. In den Kreis dieser im Zauberglauben gewisser Völkerschaften verbundenen Vermischungen von Natur und Freiheit gehören natürlich auch die christlichen Legenden, die allen Ernstes noch heute den Europäern verkündet werden: „Jungfrauengeburt“, stoffliche „Auferstehung“ Christi, „Himmel- und Höllenfahrt“, dazu die verschiedenen „Gesichte“ katholischer Heiliger, denen die Jungfrau Maria ebenso wirklich erschien, wie Jesus Christus, welcher laut Bericht des Jesuiten Mansonius der Jungfrau Johanna ab Alexandro am 7. Juni 1598 leibhaftig erschien und seiner Befriediguing über die Arbeit „Seiner“ Gesellschaft Ausdruck gab.

 Kopernikus gegen Nicäa

Wie sehr diese Zauberwelt Afrika-Asien Europa überschattet hatte, und alles Denken auch der Freiesten zu erdrosseln drohte, davon gibt Luthers Urteil über Kopernikus Zeugnis, den er einen Schwindler und Betrüger nannte, bloß weil die magische Bibel es anders wollte, als der große Kopperning es lehrte. Noch immer aber haben es Millionen nicht begriffen, daß Kopernikus, der an die Stelle des statischen Weltbildes von der unbeweglichen Erdenscheibe mit dem Himmel oben und der Hölle unten das dynamische der ewig kreisenden Sonnensysteme setzte, unsere gesamte kirchliche Zwangsglaubenslehre, die gesamte Höllenfahrts- und Auferstehungsmythologie restlos überwunden, ein für allemal erledigt hat. Das Nizäische Glaubensbekenntnis, mit Stimmenmehrheit von Mönchen beschlossen, die zum großen Teil nicht lesen und schreiben konnten, die Lehrsätze, zustandegekommen auf Räubersynoden, auf denen man mit Stockhieben religiöse Fragen entschied, sind tot, innerlich unwahr, und nichts offenbart deutlicher die Hilflosigkeit und Unwahrhaftigkeit unserer Kirchen, als daß sie auf Dinge pochen, die mit Religion überhaupt nichts zu tun haben, daß sie noch Lehrsätze verteidigen, an die sie selbst nicht mehr glauben können. Sie haben ganz recht, wenn sie erklären: daß, falls das „Alte Testament“ oder das Nizäische Glaubensbekenntnis aus dem Bau der Kirchen gezwängt werden würden, dann die Ecksteine fehlten, der ganze Bau also Zusammenstürzen müsse Das könnte wahr sein, aber noch nie ist durch eine fadenscheinige, nur auf etliche Jahrzehnte berechnete Zweckmäßigkeitsausrede ein Znsammenbruch verhindert worden. Im Gegenteil, je später ein solcher eintrat, desto fürchterlicher wurde er. Wenn an Götter nicht mehr geglaubt wird, werden sie zu Götzen. Wenn Formen des Lebens zu kahlen Formeln werden, dann tritt (Sein und „Offenbarung“) seelischer Tod ein oder Revolution. Etwas anderes gibt es nicht.

„Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“ „Ich will ein Feuer entzünden auf Erden, und ich wünschte, es brennete schon“, sagte der Empörer aus Nazareth. Er war eine Offenbarung und die um ihre Macht später besorgten Priester setzten diese Offenbarung als e i n m a l i g e in die Welt, stützten sie kunstvoll mit „erfüllten“ Prophezeiungen, neuen Zukunftshinweisen und bemühten sich nach Kräften, aus dem Leben Tod zu machen.

Das statische Ideal fordert seinem Wesen gemäß „Ruhe“. Diese Forderung aber kann sich dem ewigen Fluten der Natur gegenüber nicht durchsetzen, trotz allen Leugnens dynamischer Lebensgebote. Das erfordert die Hinwendung auf wenige zeitlich beschränkte Augenblicke. Dies sind die „Offenbarungen“, die dann für eine möglichst lange Zeit zu einem „Sein“ umgewandelt werden, zur „ewigen Wahrheit“. Der dynamisch (willenhaft) empfindende Mensch dagegen läßt bewußt oder unbewußt zwar ein „Sein“ wirken, forscht aber dem Werden als Ausdruck des Seins nach, ohne zauberhafte, nie dagewesene „Offenbarungen“ als „Wunder“ für sein seelisches Erleben zu benötigen. Dieses fortdauernde „werdende“ Ringen um das „Sein“ ist germanische Religion, die sich sogar in der weltabgewandtesten Mystik noch bemerkbar macht. „Offenbarung“ innerhalb des nordischen Fühlens kann nur Steigerung, Krönung eines Werdens, nicht Vernichtung der Naturgesetze sein. Dies aber will die jüdische Gotteslehre ebenso wie die römische. Den Schwersten Schlag versetzten dieser Anschauung die germanische Wissenschaft und die nordische Kunst. Der kirchliche Jahwe ist nun heute tot wie Wotan vor 1500 Jahren. Zum philosophischen Bewußtsein jedoch ist nordischer Geist dann in Immanuel Kant gelangt, dessen wesentliches Werk in der (Freiheit-Mystik und Natur-Mechanistik) endlich einmal durchgeführten Scheidung der Befugnisse von Religion und Wissenschaft liegt. Religion hat nur mit dem „Himmelreich in uns“ zu tun, echte Wissenschaft nur mit Mechanistik. Physik, Chemismus, Biologie. Diese kritische Scheidung bedeutet, durchgeführt, die erste Voraussetzung für eine arteigene nordische Kultur; sie bedeutet aber auch die Überwindung der syrisch-jüdisch bestimmten Dogmen und das Frei-Werden unseres polarbewußten, dynamischen Lebens: Freiheit-Mystik und Natur-Mechanistik, die allein echte Einheit sichert. Wenn die jetzt in Deutschland im Entstehen begriffene Erneuerungsbewegung eine geschichtliche Aufgabe hat, so die: die bisherigen Grundlagen unserer Kultur, soweit sie durch römisch-jüdische Kirchenlehren und syrisch-afrikanische Weltanschauung umgewandelt worden sind, vollbewußt zu festigen und ihren tragenden Werten zum Siege zu verhelfen.

Alle diese rassepsychologischen, erkenntniskritischen Überlegungen und geschichtlichen Hinweise zeigen einmal eine große Mannigfaltigkeit der verschiedenen miteinander um die Vorherrschaft ringenden Kräfte rassenseelischer oder rassenchaotischer Art, dann aber auch eine gewisse Einheit in der Haltung der nordischen oder doch überwiegend nordisch bedingten Elemente. Auf „natursichtiger“ Stufe sind alle Götter der indogermanischen Völkerfamille Götter des Himmels, des Lichts, des Tages. Der indische Varuna, der griechische Uranus, Göttervater Zeus und der Himmelsgott Odin, Surya (der „Strahlende“) der Inder, Apollon-Helios und Ahura Mazda, sie alle gehören dem gleichen Wesen auf gleicher arteigener Entwicklungsstufe an. Mit dieser Lichtreligion tritt den verschiedenen chthonisch-matriarchalisch eingestellten Rassegruppen das Paternitätsprinzip entgegen*. Auf einer anderen Ebene wird die Mythologie

*Vollkommen irreführend ist es, wenn Herman Wirth in „Aufgang der Menschheit“ gerade das Mutterrecht als eine urnordlich-atlantische Lebensform hinznstellen sucht, zugleich aber auch den Solaren Mythus als nordliches Gut anerkennt. Das Matriarchat ist Stets mit chronischem Götterglauben, das Patriarchat stets mit dem Sonnenmythus verbunden. Die Hochschätzung der Frau bei dem nordlichen Menschen beruht gerade auf der m ä n n l ich e n Struktur des Daseins. Die weibliche im Vorderasien der vorchristlichen Zeit hat Stets nur Hetärentum und Geschlechtskollektivismus gezeitigt. Die Beweise, die Wirth anführt, Sind deshalb auch mehr als dürftig.

Die Leib-Seele-Einheitslehre heroisch-sittlich durchtränkt, mit Forscherwillen und Erkenntnissehnsucht verbunden, so daß die Götter Träger verschiedener willenhafter und geistiger Antriebe werden, von dem Sonnengott der alten Inder, der frühmorgens nicht nur um Fruchtbarkeit, sondern auch um Weisheit gebeten wird, bis zu Odin, der selbst auf der Suche nach Welterkenntnis ein Auge opfert. Und auf der Höhe der philosophischen Durchdringung der Probleme sehen wir trotz tiefer Formverschiedenheiten die Upanishads, Platon und Kant zum gleichen Ergebnis der Idealität von Raum, Zeit und Kausalität gelangen.

Die erkannte Mannigfaltigkeit ist also kein Chaos, die offenbarte Einheit ihrerseits keine gestaltlose, bloß logische Eins.

Diese Erkenntnis ist von ausschlaggebender Wichtigkeit, denn sie setzt uns nicht nur in schärfsten Gegensatz zu allen „absoluten“ „universalistischen“ Systemen, die von einer angeblichen Menschheit aus erneut auf eine Unitarisierung aller Seelen für alle Zukunft hinaus wollen; sie bringt uns auch in einen Konflikt mit echten, neuen Kräften unserer Zeit, die ebenfalls ihre Toten begraben haben, mit denen wir uns vielfach Sympathisch berühren, die aber in der berechtigten Abwehr eines fürchterlichen, kahlen Rationalismus, der unsere Seelen zu ersticken drohte, nun glauben in „Urtiefen“ flüchten, dem „Geist“ als solchem den Kampf ansagen zu müssen, um zur „Leib-Seele-Einheit“ (Ludwig Klages) im Gegensatz zur Vernunft, Verstand, Willen, alles Zusammen „Geist“ genannt, wieder „zurück“ zufinden.

Ein Hinweis auf die gefühlvolle „Rückkehr zur Natur“ und die Verherrlichung des „primitiven“, wie sie um das Ende des 18. Jahrhunderts auftauchte, liegt zwar nahe, doch ist er natürlich, etwa einem Ludwig Klages oder Melchior Palägyi gegenüber, zu billig. Das, was die heutige neue Seelenkunde (Psychologie) und Charakterforschung anstrebt, liegt viel tiefer; manchmal rufen die Auseinandersetzungen gerade nach der rassisch-seelischen Begründung, um dem ganzen Gebäude eine organisch gewachsene Grundlage unterzuschieben. Einiges würde dabei zerfallen, vieles aber noch viel fester untermauert erscheinen

Im Auftreten eines scharf abgegrenzten Bewußtseins wird die erste Entfremdung gegenüber einem natürlich-vegetativen, schöpferisch-ahnungsvollen Urzustand des ehrfürchtig-heldenhaften Menschen einer Urzeit erblickt. Dieser Zustand wird allein als echtes Leben hingestellt, welches durch rein rationale Setzungen und Satzungen verfälscht wurde. Man sieht schon hier am Ausgangspunkt, wie nahe und wie fremd zugleich unsere rassisch-seelische Weltbetrachtung und die neue Psycho-Kosmogonie sich gegenüberstehen. Der Verstand ist, wie ausgeführt, ein rein formales, also inhaltleeres Werkzeug; seine Aufgabe besteht nur darin, die Kausalitätsreihe herzustellen. sieht man ihn jedoch als gesetzgebenden Herrscher thronen, so bedeutet dies das Ende einer Kultur. (Und zwar als Zeugnis rassischer Vergiftung, was von den Vitalisten übersehen wird). Soweit herrscht Übereinstimmung. Aber es ist durchaus nicht notwendig, daß die Vernunft und der Wille auf der Seite dieses Geistes dem Leben feindlich gegenüberstehen. Wir sahen gerade, wie im Gegensatz zu allen semitoiden Völkern die Haltung der Seele, des Willens, der Vernunft seitens der nordischen Völker dem Universum gegenüber eine wesentlich ähnliche war. Hier haben wir es also (Der „heroische Urzustand“) nicht mit einem abstrakten Urmenschen zu tun, dem man eine absolute „Weltsicherheit“ zuzuschreiben berechtigt ist, sondern mit einem klar geprägten Rassencharakter. Und es ergibt sich die merkwürdige Tatsache, daß die erbitterten Bekämpfer des heutigen lebenswidrigen Rationalismus sich selbst auf ganz rationalistische Weise einen unbewußt schöpferischen heldenhaften Urmenschen erschufen.

Denn der Urzustand — wenigstens so weit wir überhaupt hinuntergehen können — ist nicht überall durch heldische Gesinnung gekennzeichnet. Das jüdische Volk beginnt mit Viehzüchtungsgeschichten, die aber auch jeder Heldenhaftigkeit ermangeln; seinen späteren Auszug aus Ägypten begleitet die Bibel selbst mit der Erzählung von den den Ägyptern gestohlenen Kostbarkeiten; in den Betrügereien und im Schmarotzertum unter den Völkern des „gelobten Landes“ selbst zeigt sich dann ebenfalls alles andere als eine heroische Haltung. Eine echte Heldenhaftigkeit fehlt ferner den Phöniziern, soweit sich diese auch—den Küsten entlang — auf Seereisen hinaus wagten. Und verfügt auch der reine Semit (z. B. der Araber) über Tapferkeit und Wildheit, so fehlt ihm wiederum das Merkmal des Schöpferischen so gut wie vollkommen. Weiter haben uns die Etrusker zwar einen Haufen obszönster Gebräuche und Denkmäler hinterlassen, aber auch nicht einen Ansatz, der schöpferische Seelische Fähigkeiten vermuten ließe. Heldenhaftigkeit jedoch ist der Grundtypus aller nordischen Völker. Diese Heldenhaftigkeit der alten Mythenzeit aber — und das ist das Ausschlaggebende — ist nie verloren gegangen trotz vieler Zeiten des Niederbruchs — solange dieses nordische Blut noch irgendwo lebendig war. Der Heroismus nahm zwar verschiedene Formen an, er führt vom Schwertadel Siegfrieds und Herakles zum Forscheradel Koppernings und Leonardos, zum Religionsadel Eckeharts und Lagardes, zum politischen Adel Friedrichs und Bismarcks, das Wesen ist das gleiche geblieben.

Die Phantasie J. J. Bachofens

Die angenommene Einheit in der Vorzeit ist also nicht vorhanden, sie ist eine moderne Abstraktion; die Vernunft und der Wille sind ferner auch nach Beendigung eines „natursichtigen“ Zeitalters nicht bluts- und lebensfern, soweit sie nicht überwuchert worden sind von der geistigen Dschungelhafrigkeit des vorderen Orients. Denn es ist nicht so, wie die neue Leib-Seelenlehre es darzustellen .sucht, als sei nur der triebhafte, erbhafte Mensch naturnahe, einheitlicher, lebensvoller, der geistige aber dem allem notwendig ferne. Es ist nicht so, daß die chronische Anffassung, an der sich diese neue Lehre (von der ausschweifenden Poesie Backofens befruchtet) begeistert, einen besonders hohen Grad von Lebenstiefe und Weltsicherheit bekundet. Denn die von dem Licht- und Sonnenmythus ausgehenden und ihn weiter ausgestaltenden Völker knüpfen damit unmittelbar an den sichtbaren Hervorbringer und Hüter alles Organischen an, da nur’ aus besonnter Erbe auch die Lieblinge der Aphrodite und der Demeter, der Isis und der Astarte entstehen. Der Sonnenmythus sämtlicher Arier ist nicht „geistig“ allein, sondern er ist kosmische und naturnahe Lebensgesetzlichkeit zugleich. Gegen ihn im Namen „triebhafter Einheit“, und gar mit sehnsüchtigen Blicken nach Vorderasien, aufzutreten, bedeutet deshalb ein Zurücksinken in rassenchaotische und seelenchaotische Zustände, jenen ähnlich, die im späten Rom so unheilvoll aufbrodelten. so sehr nun aber auch unsere heutige Charakterologie und Leib-Seele-Einheitslehre von der naiven Naturschwärmerei Rousseaus und Tolstois sich unterscheidet, so ist beiden Bewegungen doch zweierlei gemeinsam: ein Kulturpessimismus und ein rührender Glaube an die „Weltsicherheit“ des vom „Geist“ noch unverdorbenen Menschen. Das verfeinerte Leben, die geistige Gleichgewichtsathletik der großen Aufklärungs-Enzyklopädisten schuf eine seelische Öde, rief einen inneren—dann auch äußeren — Widerstand gegen alle bisherigen (Das Gesetz jeder echten Kultur) religiösen und gesellschaftlichen Setzungen hervor. Die. Räuber, Posa, Faust, Klärchen, Gretchen sind alle Zeugnisse dieses Sturmes und Dranges gegen Schranken und Bindungen im Zeichen eines Neuen, persönlichen bzw. Individuellen*. Aber diese Hingabe des Ichs an seinen vermeintlichen natürlichen Urgrund führte entweder zur Katastrophe — von Werthers Idyll zu Werthers Leiden — oder zur Erkenntnis der Problematik der als so „natürlich“ gedachten Natur. An die Stelle des Kulturpessimismus trat ein Zweifeln an der Segensreichen Rückkehr zur Natur. Und diese letzte Phase wird auch den Neovitalisten nicht erspart werden, die der gesamten Kultur von heute, der Kultur auch von morgen, im Dienst eines rein a b s t r a k t e n — dies ist wichtig zu merken—Naturmystizismus den Kampf ansagen. Eine fruchtbare Sendung wird für diese Bewegung nur dann erstehen können, wenn Sie aus dem verschwimmenden Universalismus, „der Natur“, die organischen Gestalten, die Rassen, herauslöst, ihren Taktschlag des Lebens erkennt, jene Bedingungen erforscht, inmitten deren sie schöpferisch gewesen sind und unter welchen Umständen Verfall, bzw. Minderung der echten seelischen Stoßkraft eintrat. Dann aber wird die neue naturalistische Romantik Abschied nehmen müssen sowohl von einem abstrakten Universalismus — als Reaktion gegenüber einem hemmungslosen rationalistischen Individualismus — als auch vom grundsätzlichen Haß gegen den Willen und die Vernunft. Es gilt somit das tiefste Gesetz jeder echten Kultur zu erkennen: sie ist Bewußtseinsgestaltung des Vegetativ-Vitalen einer Rasse.

Eine tiefe Kluft tut sich auf zwischen diesem Vegetativen und dem Wesen des Bewußtseins, die dadurch hervorgerufene

*Siehe hierzu H. A. Korff: „Die Dichtunq von Sturm und Drang“, 1928.

Leben und Bewußtsein

Spannung ist aber zugleich die Voraussetzung jeder Schöpfung. Aufgerissen wird die Kluft durch die Tatsache, daß unser ganzes vegetativ-animalisches sein sich in einem ununterbrochenen Fluß befindet, unsere Wahrnehmungsfähigkeit aber unterbrechend (intermittierend) ist*. Nur dank der durch diese Intermittenz möglichen einzelnen abgeschlossenen Wahrnehmungen, Herstellung von Zeiteinteilungen, Schemen, werden die Voraussetzungen ebenso für die Sprache wie für jede Kunst und Wissenschaft gegeben. Andererseits besteht hier die tiefste vitale Wurzel für die erkenntniskritische Feststellung Kants, daß Idee und Erfahrung nie ganz zusammenfallen, d. h. daß die durch die Intermittenz des Bewußtseins erst ermöglichte Kultur nie als restlos „vital“ festgestellt werden kann. Die „zwei Welten“ erweisen sich also auch von diesem Standpunkt aus als ein Urgesetz unseres ganzen polarzweifachen Seins. Erscheint somit die einzelne geniale Leistung auf allen Gebieten des schöpferischen Daseins als eine künstlerische Zusammenschau von Freiheit und Natur, so stellt die Leistung eines ganzen Volkes diese halb qualvolle, halb beseligende Symbolik dieser Überwindung des Unüberwindlichen dar. Völkische Kulturen sind also die großen „Geistespulse“ inmitten des ewig flutenden Lebens und Sterbens und Werdens.

Da nun der nordische Mensch von eben diesem werdenden Leben, vom Tage ausgeht, so ist er ganz „natürlich“ Vitalist. Die größte Leistung seiner Geschichte aber war die germanische Erkenntnis, daß die Natur sich nicht durch Zauberei (wie Vorderasien es meinte tun (Germanische Forschungsmethodik) zu können), aber auch nicht durch Verstandesschemen (wie es das spätere Griechenland tat) meistern ließe, sondern nur durch innigste Naturbeobachtung. Hier rückt denn der fromme Albrecht von Bollstedt (Albertus Magnus) dicht an Goethe heran; der Schwärmer Franziskus an den religiösen Skeptiker Leonardo. Diesen Vitalismus hat sich das germanische Abendland auch von der römischen Kirche nicht rauben lassen trotz Exkommunikationen, Gift und Scheiterhaufen. Und dieser mystische Vitalismus war zugleich kosmisch, oder umgekehrt, weil der germanische Mensch kosmisch-solar empfand, deshalb entdeckte er auch Gesetzlichkeit im ewigen Werden auf der Erde. Und vielleicht ist es gerade dieses tiefste Gefühl gewesen, das es ihm auch ermöglichte, sich die notwendigen Schemen der Wissenschaft zu zimmern, eine Ideensymbolik hervorzurufen, die allein ihm die Waffen schenkte, trotz der Intermittenz des stets gestaltenden Bewußtseins dieses ganz nahe an das „ewige Fließen“ heranzurücken*.

Daß heute die eine Seite diese Symbole und Schemen anbetet, bedeutet den gleichen Verfallszustand wie die Vergötzung des „Vitalismus“ an sich. Nicht dazu wurde einst germanische Wissenschaft inmitten eines Heeres von neun Millionen gemordeten Ketzern als größtes Gleichnis der inneren Freiheit der Gestaltung uns geschenkt, um die mit ihr für immer zusammengehörigen Teile und Methoden zu verdammen oder zum Idol zu erheben. Wer heute blindwütig über „d i e Technik“ zetert und auf sie Verwünschungen über Verwünschungen häuft, der vergißt, daß ihr Hervortreten auf einen ewigen germanischen Antrieb

*Diese ganze (Getzlichkeit dargestellt zu haben, ist eines der größten Verdienste Kants. Eine lichtvolle Schilderung dieser erkenntniskritischen Tat hat uns namentlich H- St- Chamberlain in Seinem „Goethe“ und im Descartes-Vortrag Seines „Immanuel Kant“ gegeben.

Der Kampf um die Technik

zurückgeht, der dann auch mit ihrem Untergang ebenfalls verschwinden müßte. Das aber würde uns erst recht einer Barbarei ausliefern, jenem Zustande, an dem die Kulturen um das Mittelmeer herum einst untergegangen sind. Nicht „die Technik“ tötet heute alles Vitale, sondern der Mensch ist entartet. Er wurde innerlich entstaltet, weil ihm in schwachen Stunden seines Schicksals ein ihm an sich fremdes Motiv vorgegaukelt wurde: Weltbekehrung, Humanität, Menschheitskultur. Und deshalb gilt es heute, diese Hypnose zu brechen, nicht etwa den Schlaf unseres Geschlechts zu vertiefen, die „Unumkehrbarkeit der Schicksale“ zu predigen, sondern jene Werte des Blutes emporzuhalten, die — einmal neu erkannt — einem jungen Geschlecht auch eine neue Richtung geben können, um Hochzucht und Ausartung zu ermöglichen. Aus einem echten Einblick in das Wesen vorangegangener Kämpfe der organisch abgegrenzten Völker der indogermanischen Familie mit fremden Mächten, nach Erfassen der Entwicklungen innerhalb ihres arteigenen Lebens, nach Neuerleben der stets gleichbleibenden inneren Haltung des Charakters zum Weltall, erkennen wir, nein erfühlen wir die Sehnsucht unseres, die heutige Gegenwart im Sinne einer ewigen Gegenwart voll Haß ablehnenden Geschlechts: die Vernunft und den Willen in Übereinstimmung zu bringen mit der Richtung des seelisch-rassischen Stroms des Germanentums. Ja, wenn möglich, mit dem Strom jener nordischen Überlieferung, die von Hellas und Rom noch unverfälscht auf uns gekommen ist. Das bedeutet philosophisch gesprochen: dem heute irrlichternden Willen ein seinem Urgrund entsprechendes großes Motiv geben.

Erblicken wir in der heldisch-künstlerischen Haltung hier das Wesentliche, gleich ob es sich um Krieger, Denker oder Forscher handelt, dann wissen wir auch, daß alle Heldenhaftigkeit sich um einen Höchstwert gruppiert. Und dies ist immer die Idee der geistig-seelischen Ehre gewesen. Die Ehre aber stand — gleich wie ihre Träger im physischen—in einem seelisch-geistigen Kampf mit den Werten andersrassischer Träger, bzw. mit den Gebilden des Völkerchaos.

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Der Mythus des 20. Jahrhunderts Erstes Buch: II. Liebe und Ehre

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II. Liebe und Ehre
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Viele Kriege der letzten 1900 Jahre sind zu Glaubenskriegen gestempelt worden. Meist mit Recht, oft zu Unrecht. Daß aber überhaupt um einer religiösen Überzeugung willen Ausrottungskämpfe geführt werden konnten, zeigt, in wie hohem Maße es gelungen war, die germanischen Völker ihrem Urcharakter zu entfremden. Achtung eines religiösen Glaubens war für die heidnischen Germanen ebenso selbstverständlich wie für die späteren Arianer; erst die Durchsetzung des Anspruchs auf Alleinseligmachung seitens der römischen Kirche verhärtete das europäische Gemüt und rief im andern Lager naturnotwendig Verteidigungskämpfe hervor, die, da gleichfalls um eine artfremde Form geführt, ihrerseits eine seelische Verknöcherung hervorrufen mußten (Luthertum, Kalvinismus, Puritanismus). Trotz allem aber waren die meisten Kämpfe der führenden Helden unserer Geschichte weniger um theologische Glaubenssätze über Jesus. Maria, das Wesen des Heiligen Geistes, Fegefeuer usw. geführt worden, als um Charakterwerte. Die Kirchen aller Bekenntnisse erklärten: wie der Glaube, so der Mensch. Das war für jede Kirche notwendig und erfolgverheißend, da auf diese Weise der menschliche Wert von ihren Zwangssätzen abhängig gemacht, die Menschen also seelisch an die jeweilige kirchliche Organisation gefesselt wurden. Dagegen hat das nordisch-europäische Bekenntnis – bewußt oder unterbewußt stets gelautet: wie der Mensch, so sein Glaube. Noch genauer, so die Art bzw. der Gehalt seines Glaubens.

Seelische Zielstrebigkeit

Schirmte der Glaube die höchsten Charakterwerte, dann war er echt und gut, gleich mit welchen Formen Menschensehnsucht ihn Sonst umgeben haben mochte. Tat er es nicht, unterdrückte er stolze Eigenwerte, so mußte er im tiefsten Innern des Germanen als verderbenbringend empfunden werden. Zwei Werte sind es nun vor allen andern, an welchen sich seit bald zwei Jahrtausenden die ganze Gegensätzlichkeit zwischen Kirche und Rasse, Theologie und Glauben, Zwangsglaubenssatz und Charakterstolz offenbaren, zwei im Willen haften wurzelnden Werte, um die in Europa von je um die Vorherrschaft gerungen wurde: Liebe und Ehre. Beide strebten danach, als h ö ch s t. e Werte zu gelten; die Kirchen wollten – so sonderbar das auch klingen mag – durch die Liebe herrschen, die nordischen Europäer wollten durch Ehre frei leben oder frei in Ehren sterben. Beide Ideen fanden opferbereite Märtyrer, doch ihr Widerstreit gelangte nicht immer zum hellsten Bewußtsein, so oft er sich auch tatsächlich offenbarte.

Diese Erkenntnis ist unserer Zeit vorbehalten geblieben. Sie ist mythisches Erlebnis und doch klar wie weißes Sonnenlicht.

Liebe und Mitleid, Ehre und Pflicht sind seelische Wesenheiten, die, von verschiedenen äußeren Formen umhüllt, für fast alle kulturfähigen Rassen und Nationen treibende Kräfte ihres Lebens darstellen. Je nachdem nun der Liebe in ihrer allgemeinsten Fassung oder dem Ehrbegriff als solchem der erste Platz eingeräumt wurde, in der dieser seelischen Zielstrebigkeit entsprechenden Weise entwickelten sich Weltanschauung und Daseinsform des betreffenden Volkes Die eine oder die andere Idee bildete den Maßstab, an dem das ganze Denken und Handeln gemessen wurde. Um aber ein bestimmendes Kennzeichen für eine Zeitepoche zu schaffen, mußte das eine oder andere Ideal vorherrschen. Nirgends ist nun der Kampf zwischen (Das heroische Alt-Indien) diesen beiden Ideen tragischer zu verfolgen als in den Auseinandersetzungen zwischen der nordischen Rasse, bzw. den von ihr unterschiedlich bestimmten Völkern mit der jeweiligen rassischen und weltanschaulichen Umwelt.

Angesichts der entstehenden Frage, welches Motiv vor allen anderen für die nordische Rasse sich als das seelen-, staaten- und kulturbildende erwiesen hat, erscheint es mit Händen greifbar, daß nahezu alles, was den Charakter unserer Rasse, unsere Völker und Staaten erhalten hat, in erster Linie der Begriff der Ehre und die Idee der mit ihr untrennbar verbundenen, aus dem Bewußtsein der inneren Freiheit stammenden Pflicht gewesen ist. In dem Augenblick aber, in dem Liebe und Mitleid (oder wenn man will: Mitleiden) vor herrschend wurden, beginnen die Epochen der rassisch-völkischen und kulturellen Auflösung in der Geschichte aller jemals nordisch bestimmten Staaten.

Es wird heute bis zum Überdruß Hinduismus und Buddhismus gepredigt. Die meisten von uns besitzen nun von Indien keine andere Vorstellung als wie sie uns Theosophen und Anthroposophen vermitteln. Wir sprechen von Indien als von einer weichmütigen im All zerfließenden, Menschenliebe und Mitleiden als Höchstes lehrenden Weltanschauung. Ohne Zweifel berechtigen die im Grenzenlosen verfließende späte Philosophie, die Vedanta-Atman-Brahman-Lehre, der Erlösung vom Leiden dieser Welt erstrebende Buddhismus nebst tausenden in der ganzen indischen Literatur zerstreuten Sprüchen zu dieser Auffassung: „Es gibt nichts, was durch Milde nicht vollbracht werden könnte.“ „Glücklich sind diejenigen, die sich in den Wald zurückziehen, nachdem sie zuvor der Bedürftigen Hoffnung erfüllt, selbst den Feinden Liebes erwiesen haben“ usw. Und doch ragen in diese liebe- und mitleidvollen Erzeugnisse der indischen Spätzeit ganz andere, ältere Anschauungen hinein, die nicht persönliches Glücksgefühl (Das Mahabaratam) und Leidlosigkeit als einzig erstrebenswertes Ziel anerkennen, sondern Pflichterfüllung und Behauptung der Ehre. In einem der ältesten indischen Gesänge wird die Pflicht sogar als „sechster Innensinn“ gepriesen; im Mahabaratam dreht sich (in seiner ursprünglichen Form) der ganze Kampf um diese Idee. Held Fima, der nur ungern am Kriege teilnimmt, sagt, er verließe seinen Herrscher, „wenn nicht mein Herr Juzischthira mich hielte mit der Fessel Pflicht des Kschatria, daß ich sogar die teuren Enkel ohne Erbarmen mit seinen Pfeilen treffen soll“. Der starke Karna sagt:

Die Ehre, wie eine Mutter verleiht
dem Menschen Leben in der Welt,
Ehrlosigkeit verzehrt das Leben,
wenn auch des Leides Wohl gedeiht.

König Durjozana wird allen Kriegsgesetzen entgegen zu Fall gebracht und klagt:

Schämt ihr euch nicht, daß Fimasen
Unehrlich mich erschlagen hat?
Wir haben ehrlich immer gefochten,
und Ehre bleibt im Siege uns.
Ihr habt unehrlich immer gekämpft
und habt mit Schande euren Sieg.
Ich aber habe die Erde beherrscht
bis an des Meeres fernen Strand,
bin mutig vor dem Feind gestanden
und sterbe jetzt, wie sich ein Held
zu sterben wünscht, im Dienst der Pflicht,
und Steige von der Freunde Schar
begleitet, zu den Göttern hinauf . . .

Das sind gewiß ganz andere Töne, als wir sie sonst in den bekannten Gesängen vorfinden. Diese und hundert andere Stellen indischen Schrifttums beweisen aber, daß auch der alte Inder — und der war es, der Indien (Alexander und Prosos) erschuf – sein Leben ließ nicht um der Liebe, sondern um der Pflicht und Ehre willen. Ein Ungetreuer wurde auch im arischen Indien verdammt, nicht weil er lieblos, sondern weil er ehrlos geworden war. „Besser das Leben aufzugeben als die Ehre zu verlieren: die Hingabe des Lebens fühlt man nur einen Augenblick, den Verlust der Ehre aber Tag für Tag“, sagt ein Volkswort*. „Dem Helden scheint es im Herzen, als ob ein Zweck durch Heldenmut, einem Feigen, als ob er durch Feigheit zu erreichen sei“, stellt ein anderer Spruch fest und nimmt die Wertung vorweg. Man schärfe seine Augen für diesen Zug altindischen Wesens bis hinauf zum tapferen König Poros, der, von Alexander in ehrilcher Feldschlacht besiegt, doch ein ganzer Ritter bleibt. Verwundet, floh er doch nicht vom Schlachtfeld als alle anderen auseinander liefen:“Wie soll ich mit dir verfahren?“ fragte Alexander den besiegten Gegner. „Königlich“, war die Antwort. „Nichts weiter?“, meinte der Mazedonier. „Im Worte königlich liegt alles“, lautete die Antwort. Und Alexander vergrößerte das Herrschgebiet des Poros, der ihm von nun an ein treuer Freund war. Ob diese Erzählung geschichtlich ist oder nicht, ist gleichgültig. sie zeigt aber den inneren Wertmesser der Ehre, Treue, Pflicht und Tapferkeit, die beiden Helden und offenbar auch dem Geschichtsschreiber gemeinsam, ja selbstverständlich waren.

Dieser männliche Ehrbegriff hat die altindischen Königreiche gehalten, die Voraussetzung einer gesellschaftlichen Bindung gegeben. Als aber dieser Ehrbegriff durch rituell-religiöse, mit Rassenzersetzung im Zusammenhang stehende, alle Erdenschranken verneinende philosophische Systeme verdrängt wurde, traten religiöse dogmatische dann wirtschaftliche Gesichtspunkte maßgebend hervor. Mit der auf das Erdenleben übertragenen Philosophie des Atman-Böthlingk: „Indische Sprüche“. (Die Weichheit des griechischen Charakters) Brahman verneinte – wie früher ausgeführt – der Arier seine Rasse, damit seine Persönlichkeit, damit aber auch die Idee der Ehre als seelisches Rückgrat seines Lebens.

Liebe und Mitleid – selbst wenn sie „die ganze Welt“ zu umfassen vorgeben – richten sich doch stets an das einzelne liebende oder leidende Wesen. Der Wunsch aber, andere oder Sich von Leiden zu befreien, ist ein rein persönliches Gefühl, das kein wirklich starkes volk- oder staatenbildendes Element enthält. Die Liebe zum Nächsten oder zum Fernsten kann Taten höchster Opferwilligkeit Zeugen, ist aber gleichfalls eine auf das Einzelhafte bezogene seelische Kraft, und kein Mensch hat noch im Ernst die Opferung eines ganzen Staates, eines ganzen Volkes um einer nicht mit diesem selbst in Beziehung stehenden Liebe willen gefordert. Und nirgends noch ist ein Heer dafür gefallen.

Wesentlich weicher als altindisches tritt uns das athenische Leben entgegen. Zwar spricht auch hier ein heroisches Epos von Heldentaten; diese aber sind mehr ästhetisch begründet. (Näheres im zweiten Buche.) Die dreihundert Spartaner vor Thermopylae gelten uns jedoch als Gleichnis für Ehre und Pflichterfüllung. Nichts zeugt auch für die uns Abendländer bewegende Kraft besser, als unsere Wiederherstellungsversuche griechischen Lebens, die lange als Geschichte galten. Wir konnten es uns gar nicht anders denken, als daß alle Hellenen von Ehre und Pflicht getrieben worden waren; erst sehr spät haben wir uns von der Weichheit des griechischen Lebens nach dieser Richtung hin überzeugen müssen. Der phantasiebegabte Grieche nahm es auch im gewöhnlichen Leben mit seinem Wort nicht sehr genau, den nüchtern juristischen Wert einer Beteuerung anerkannte er kaum. Hier entdecken wir gleichsam die verwundbarste Stelle des griechischen Charakters, hier war auch das eigentliche Einfallstor für das  (Schönheit, der griechische Zuchtbegriff) händlerisch-betrügerische Vorderasiatentum, so daß Lüge und Falschheit später ständige Begleiterscheinungen des „griechischen“ Lebens bildeten, welche Lysander zu dem Wort veranlaßten, Kinder betrüge man mit Würfeln, Männer mit Eiden. Trotzdem aber war der echte Grieche von einem Freiheitsgefühl durchdrungen, das man durchaus als im Ehrbewußtsein verankert bezeichnen muß. Die Tötung der Frauen und Selbstmord der in einer Schlacht besiegten Männer ist keine seltene Erscheinung. „Gib dich nicht in Knechtschaft, solange es dir noch offen steht, frei zu sterben“, lehrt noch Euripides. Die Erinnerung an die Tat der Phokier, die vor der Schlacht ihr zurückgebliebenes Volk mit einem Holzwall umgaben mit der Weisung, diesen im Falle der Niederlage anzuzünden, bleibt ein heroisches Zeugnis von starker Symbolik. Die Nachfahren des Zakynthos zogen es vor, lieber in den Flammen zu sterben, als den Puniern in die Hände zu fallen. Selbst noch in später Zeit (200 v.Chr.) sind Zeugnisse mythischer Heldenhaftigkeit nachweisbar, z. B. aus Abydos, das, von Philipp dem Jüngeren belagert, sich nicht ergibt, vielmehr erstechen die Männer ihre Kinder und Frauen, stürzen sich selbst in die Zisternen und vernichten die Stadt durch Feuer. Die gleiche Wertung des Lebens, der Freiheit und der Ehre durchzieht auch altgriechisches Frauentum, falls es galt, dieses vor Schändung zu schützen. So erhängte sich, von ihrer Mutter selbst veranlaßt, Eurydike; bei der Überwältigung des Herrschers von Elis im 3. Jahrhundert, erhängte sich dessen Gattin mit ihren beiden Töchtern.

Immerhin ist jedoch zugegeben, daß die Statik des griechischen Lebens nicht von dem Charakter, sondern von der Schönheit bedingt war, was, wie gesagt, die politische Zerfahrenheit zur verhängnisvollen Folge hatte.

Durch Alexander bemächtigte sich wieder ein Zuchtbegriff des spätgriechischen vorwiegend ästhetischen Daseins, der Sich Seiner Verschiedenartigkeit auch rassisch bewußt gewesen ist. (Die Staatsgründungen der Wikinger) Alexander verfolgte nicht unbedingt das Ziel einer Weltmonarchie und Völkervermischung, sondern wollte nur die als rassisch verwandt erkannten Perser und Griechen vereinigen, sie unter eine Herrschaft bringen, um weitere Kriege zu vermeiden. Er erkannte die treibenden Ideen und Charakterwerte der persischen Oberschicht als seiner mazedonischen Pflichtauffassung verwandt an: auf leitende Posten setzte er deshalb nur mazedonische Führer oder Perser; Semiten, Babylonier und Syrier wurden ganz bewußt ausgeschaltet. Nach Alexanders Tod bemühten sich die Nachfolger, seinen staatlichen Typus in ihren Ländern und Provinzen durchzusetzen. Wie ein Held aus Urzeiten ragt hier der einäugige Antigonus hervor, der als Achtzigjähriger im Kampf gegen die „rechtmäßigen“ Erben auf dem Schlachtfelde fällt, da er die erstrebte Einheit des Reiches nicht zu erstreiten vermochte. Die nordisch-mazedonischen Pfropfkulturen aber waren nicht dauerhaft genug. Sie vermittelten zwar griechisches Wissen, griechische Kunst und Philosophie, aber sie besaßen nicht die Kraft, Typen zu bilden, ihre Ehrbegriffe durchzusetzen. Das unterjochte fremde Blut siegte, die Zeit des geistreichelnden charakterlosen Hellenismus begann.

Wenn irgendwo der Begriff der Ehre Zentrum des ganzen Daseins gewesen ist, so im nordischen, im germanischen Abendland. Mit einer in der Geschichte einzig-artigen SelbstherrIichkeit tritt der Wiking in der Geschichte auf. Das unbändige Freiheitsgefühl stößt bei einsetzendem Bevölkerungszuwachs eine nordische Welle nach der anderen über die Länder. Mit verschwenderischem Blutaufwand und heldischer Unbekümmertheit errichtete der Wiking seine Staaten in Rußland, in Sizilien, in England und in Frankreich. Hier walteten die urwüchsigen Rassentriebe ohne jede Bindung und Zucht, ungehemmt durch erzieherische Zweckmäßigkeitsüberlegungen oder genau bestimmte rechtliche Ordnung. Das einzige Schwergewicht, welches der (Die Ehre, das germanische Zentrum) Nordmann mit sich trug, war der Begriff der persönlichen Ehre. Ehre und Freiheit trieben die einzelnen in die Ferne und Unabhängigkeit, in Länder, wo Raum für Herren war, oder ließen sie auf ihren Höfen und Burgen bis zum letzten Mann um ihre Selbständigkeit kämpfen. Die geniale Zwecklosigkeit, fern aller händlerischen Überlegung, war der Grundzug des nordischen Menschen, als er trotz allem wilden jugendlichen Sturm geschichtsbildend im Abendlande auftrat. Um die Einzelpersonen gruppierten sich die engeren Gefolgsleute, was dann nach und nach zur Aufrichtung gewisser gesellschaftlicher Lebensgebote führen mußte, da schließlich überall nach einer Wanderung eine Seßhaftigkeit bäuerlicher Art folgte (die im Süden allerdings schnell verfiel, in spätmorgenländischer Pracht der Verwesung zugrunde ging). „Selten bietet sich dem Betrachter ein zweites Beispiel in der Geschichte, bei dem die Haltung eines Volkes so rein und vollkommen von einem einzigen Höchstwert aus bestimmt würde: alle Macht, aller Besitz, jede Bindung, jede Handlung steht im Dienst der Ehre, der auch das Leben nötigenfalls unbedenklich und ohne Wimperzucken zum Opfer gebracht wird. Wie das Gesetz der Ehre das Leben beherrscht, so spiegelt es sich in der Dichtung und zieht als Grundprinzip durch die Sagenwelt: keinem zweiten Wort begegnet man da so häufig wie der Ehre. Darum ist die nordische Heldenwelt bei all ihrer wilden Zerrissenheit, ihrem überschäumenden Subjektivismus doch so einheitlich in Wesen und Schicksalslinie.“* Es tut wohl, diese Erkenntnisse in Kreisen deutscher Lehrer vorzufinden, die bisher in gräzisierendem Aesthetizismus befangen waren. H i e r ist der Schicksalsnerv unserer ganzen Geschichte berührt; aus der Art der Wertung des Ehrbegriffes wird sich auch unsere ganze deutsche, unsere „europäische“ Zukunft entscheiden. Mochte der altnordische* Krieck: „Menschenformung“, S. 154, (Seelenzentren des Abendlandes) Mensch auch gewalttätig vorgehen, so zeugte das ehrbewußte Zentrum seines Wesens auch in Kampf und Tod eine reine Atmosphäre Der Krieg konnte brutal geführt werden, aber sich zu seinen Taten bekennen, galt als erste Voraussetzung des nordischen Mannes (Krieck). Dieses von jeder einzelnen Persönlichkeit geforderte Verantwortlichkeitsgefühl war die wirksamste Abwehr sittlichen Sumpfes, jener heuchlerischen Wertezersetzung, die im Lauf der abendländischen Geschichte in den verschiedenen Formen der Humanität als „feindliche Versuchung“ über uns gekommen ist. Bald nannte sie sich Demokratie, bald soziales Mitleid, bald Demut und Liebe. Die persönliche Ehre des Nordländers erforderte Mut, Selbstbeherrschung. Er schwätzte nicht Stundenlang wie die griechischen Helden vor jedem Kampf; er schrie nicht wie diese, wenn sie verwundet wurden, sondern sein Ehrbewußtsein forderte Gelassenheit und Kräftesammlung. Von hier aus gesehen, ist tatsächlich der Wiking der Kulturmensch, der ästhetisch vollendete späte Grieche aber der zurückgebliebene, zentrumslose Barbar. Das Wort Fichtes, „Wahre Kultur ist Gesinnungskultur“, deckt unser echtes nordisches Wesen auch gegenüber anderen Kulturen auf, deren Höchstwert nicht Gesinnung, und das ist für uns gleichbedeutend mit Ehre und Pflicht, ist, sondern ein anderer Gefühlswert, eine andere Idee, um die ihr Leben kreist.

Die Geschicke der abendländischen Völker haben sich im Lauf der Zeiten, durch verschiedene Umstände bedingt, sehr mannigfach gestaltet. Überall, wo nordisches Blut vorherrscht, ist der Ehrbegriff vorhanden. Jedoch vermischt er sich auch mit anderen Idealen. Das zeigt sich, um ein Ergebnis vorwegzunehmen, in den Worten des Volksmundes. Im Russentum ist die Idee einer Kirchlichkeit, eines Religionsgefühls herrschend geworden, das selbst dem wildesten Ausbruch eine religiös-inbrünstige Verhüllung verleiht (man vergleiche z. B. in Dostojewskis „Idiot“ den (Die Liebeslehre des Christentums) Mann, der um einer Silbernen Uhr willen mordet, aber vorher ein Gebet hersagt), der Russe spricht von seinem Vaterland deshalb als von der „Swjataja Rossija“, d. h. als vom heiligen Rußland. Der Franzose geht formalästhetisch ästhetisch an das Leben heran; für ihn ist Frankreich deshalb die „Belle France“. Ähnlich der Italiener. Der Engländer ist stolz auf seine folgerichtige geschichtliche Entwicklung, auf Überlieferung, feste typische Lebensformen. Er bewundert deshalb sein „Old England“. Bei uns aber spricht man trotz vieler unheiligen Eigenschaften immer noch mit gleicher Inbrunst von „Deutscher Treue“, was beweist, daß unser metaphysisches Wesen noch immer das „Mark der Ehre“ als Seinen ruhenden Pol empfindet.

Um diesen Ehrbegriff ist denn auch letzten Endes der bereits Jahrtausende dauernde Kampf gegangen, als das nordische Europa sich dem bewaffneten römischen Süden gegenüber sah und schließlich im Namen der Religion und der christlichen Liebe unterjocht wurde.

Es steht wohl außer Frage, daß auch ohne den Eingriff des bewaffneten römisch-syrischen Christentums eine Epoche germanischer Geschichte – das mythologische Zeitalter – zu Ende ging. Die Natursymbolik wäre einem neuen sittlich-metaphysischen System, einer neuen Glaubensform gewichen. Diese Form aber hätte fraglos denselben seelischen Gehalt umgeben, die Idee der Ehre als Leitmotiv und Maßstab gehabt. Nun drang durch das Christentum ein anderer seelischer Wert ein und beanspruchte die erste Stelle: die Liebe, im Sinne von Demut, Barmherzigkeit, Unterwürfigkeit und Askese. Heute ist es jedem aufrichtigen Deutschen klar, daß mit dieser alle Geschöpfe der Welt gleichmäßig umfassenden Liebeslehre ein empfindlicher Schlag gegen die Seele des nordischen Europas geführt worden ist. Das Christentum, wie es sich als System (Christentum ohne Idee der Ehre) herausgebildet hatte, kannte nicht den Gedanken des Rassen- und Volkstums, weil es eine gewaltsame Einheitsverschmelzung verschiedener Elemente darstellte; es kannte auch die Idee der Ehre nicht, weil es in Verfolgungspätrömischer Machtziele auf Unterjochung nicht nur der Leiber, sondern gerade auch der Seelen ausging. Nun ist aber bezeichnend, daß auch der Gedanke der Liebe sich gerade in der Führung der kirchlichen Einrichtungen nicht durchzusetzen vermochte. Der Aufbau des römischen Systems ist vom ersten Tage an sowohl organisatorisch wie dogmatisch grundsätzlich und bewußt unduldsam und allen anderen Systemen gegenüber ablehnend, um nicht zu sagen haßerfüllt gewesen. Wo es konnte, ist es mit Exkommunikation, Ächtung, Feuer, Schwert und Gift vorgegangen, um sich allein durchzusetzen. Sehen wir von sittlichen Wertungen ganz ab, und stellen wir nur diese Tatsache fest, die ja selbst von neuzeitlichen römisch-katholischen Schriftstellern nicht geleugnet wird. Diese Tatsache aber beweist mehr als alle anderen, daß der Idee „Liebe“ keine typenbildende Kraft innewohnt: denn selbst die Organisation der „Religion der Liebe“ ist ohne Liebe aufgebaut gewesen. Und zwar liebloser als andere typenschaffende Mächte. Die alten Goten duldeten – wie Döllinger bezeugt – sowohl den katholischen als auch einen anderen Glauben und bewiesen diesem seelischen Glaubensbedürfnis als solchem Ehrfurcht. Was überall verschwand, wo der Geist des „Bonifazius“ und das Zwangsgesetz der „Liebe“ siegten*. Es fällt keinem Deutschen

* Man vergleiche z. B. im Gegensatz zu dem römischen Verfolgungswillen die Haltung des „heidnischen“ Friesen-Königs Radbod. Er blieb dem Glauben seiner Väter treu, verfolgte aber die christlichen Prediger nicht. Als nun einige besonders auffällige christliche Apostel vor ihn gebracht wurden, und einer von ihnen angesichts der hervorgerufenen Empörung doch tapfer den neuen Glauben vertrat, sagte der „heidnische“ König: „Ich sehe, daß du unsere Drohung nicht fürchtest und daß deine Worte sind wie deine Werke“, und sandte die Prediger „mit allen Ehren zu Pippin, dem Herzog der Franken, zurück“. So berichtet Alcuin. An Seelenadel steht dieser heidnische Friesenköing weit über den „Stellvertretern Gottes“ in Rom, die darauf ausgingen, diese innere Freiheit und Ehrfurcht aus der Welt zu verbannen. (Spannungen in der germanischen Geschichte) leicht, eine verneinende Wertung dem etruskisch-jüdisch-römischen System gegenüber auszusprechen: denn wie immer dieses auch aufgebaut sein mag, so ist es doch geadelt durch Hingabe von Millionen deutscher Menschen. Sie haben das Fremde darin mit dem seelenverwandt, Anmutenden, zusammen übernommen, das erste weniger beachtet, das zweite liebevoll ausgestaltet und innerhalb des Ganzen manchen nordischen Wert durchzusetzen gewußt. Nichtsdestoweniger ist es ein Erfordernis der Wahrhaftigkeit, heute, in einer Zeit der größten Seelenwende, das Lebenfördernde und das Lebenschädigende Roms in bezug auf das ureigenste Wesen des germanischen Abendlandes zu prüfen. Nicht vom Standpunkt eines persönlichen Übelwollens, sondern durch Überschauen der großen Spannungen und Entladungen einer weit über zweitausendjährigen Geschichte und im Untersuchen der diese Erschütterungen bedingenden rassen-seelischen Werte. Und da sehen wir denn, daß der im Wesen gleiche Kampf des Griechen- und Römertums auch dem Germanen zugefallen ist. Er kann diesem Kampf ebensowenig entrinnen, wie die beiden anderen großen nordischen Völkerwellen, weil diese bei ihrem Zurückfluten die von ihnen einst niedergerungenen asiatischen Seelenwerte und das diese Werte verkörpernde Menschenmaterial mit sich trugen. Mit sich trugen über Hellas, über die Alpen hinweg über die Grenzen des germanischen Lebensraumes, zeitweise ins Herz der nordischen Rasse selbst.

Gefahren germanischer Großherzigkeit

Spürt man aber den Ursachen dieses großen Erfolges nach, so wird man neben der früheren technischen Überlegenheit des alten erfahrenen Südens und dem Zeitpunkt einer Krise im religiösen Leben der Germanen – was einen so lange dauernden Sieg nicht erklärt hätte – den Anruf der germanischen Großherzigkeit als eine der wichtigsten Bedingungen entdecken. Dieser im Siegfried für ewig gleichnishaft gestaltete Großmut, der beim Gegner auch den gleichen Ehrenwert und offene Kampfform voraussetzte, ja in gradliniger Kindlichkeit selbst auch später das Gegenteil noch immer nicht anzunehmen vermochte, hat dem Germanen im Verlauf seiner Geschichte manchen schweren Zusammenbruch eingetragen: damals, als er Rom zu bewundern begann, in neuerer Zeit, als er die Judenemanzipation durchführte und somit dem Gift die Gleichberechtigung mit dem gesunden Blut verlieh. Das erste rächte sich furchtbar in den Ketzerkriegen, in dem dreißigjährigen Ringen, das Deutschland nahe an den Abgrund brachte, das zweite rächt sich heute, da der vergiftete deutsche Volkskörper in schwersten Zuckungen liegt. Und immer noch rufen beide uns feindliche Mächte die Großmut des Schwerkranken an, rufen nach seiner „Gerechtigkeit“, predigen die „Liebe“ zu allem „Menschlichen“ und sind bemüht, sämtliche noch vorhandenen Charakterwiderstände endgültig zu zernagen.

Ein restloser Sieg dieser „Humanität“ würde die gleichen Folgen haben, wie einst die Siege Vorderasiens über Athen und Rom, so daß dieses, einst der Todfeind des Etrusko-Pelasgo-Syriertums, geradezu der Hauptvertreter dieser Mächte wurde, nachdem die einstigen Werte des alten Roms zusammengebrochen waren. Schon damals durch physische Zersetzung und Predigt der unterschiedslosen Menschheit und Liebe. Die Lehre von der Liebe aber war auch in ihrer schönsten Erscheinung keine Typenkraft, sondern eine Widerstände zerschmelzende Macht. (Die liebelose Kirche) Die Kirche selbst, als Zuchtform, konnte und durfte keine Liebe kennen, um sich als typenbildende Kraft zu erhalten und weiter durchzusetzen. Aber sie konnte Macht-politik mit Hilfe der Liebe treiben sind das Persönlichkeitsbewußtsein, die Idee der wehrhaften Ehre und der Mannespflicht umgewandelt in Demut und liebevolle Hingabe, so ist der Widerstandsantrieb gegen die diese Gläubigen organisierende und leitende Macht gebrochen. „Eine Herde und ein Hirt!“ Das ist, wörtlich genommen, wie es gefordert wurde, die klarste Kampfansage an den germanischen Geist gewesen Hätte dieser Gedanke restlos gesiegt, so wäre Europa heute nur ein viele hundert Millionen zählender charakterloser Menschenhaufen, regiert mit Hilfe hochgezüchteter Furcht vor Fegefeuer und ewiger Höllenqual, im Kampf um das Ehrgefühl durch die „Liebe“ gelähmt, die besseren Reste in den Dienst einer „humanitären“ Wohltätigkeit, der „Caritas“ gestellt. Das ist der Zustand, welchem das römische System zustrebte, zustreben mußte, sofern es als solches und als geistige und politische Macht überhaupt bestehen wollte.

Ich habe hier keine Dogmengeschichte zu Schreiben, sondern möchte nur ein folgerichtiges System schildern, mit dem (was sein Wesen betrifft) ein erwachender nordischer Mensch auf die Dauer in schwerste seelische Konflikte kommen muß. Entweder unterwirft er sich ihm vollkommen (wie zeitweise im Mittelalter), oder er lehnt es gefühlsmäßig und bewußt grundsätzlich ab. Im ersten Fall wird auf kurze Zeit eine äußerliche Einheitlichkeit erzielt werden, die jedoch an ihrer organischen Unmöglichkeit zerspringen muß, wie die Kämpfe von Widukind bis Döllinger zeigen; im zweiten Fall ist der Weg frei für echte organische Kultur und eine echte blut- und artgemäße Glaubensform. Die letzten Jahrhunderte standen im Zeichen eines stillosen Kompromisses, der keine (Der priesterliche Männerbund) weltanschaulichen Grundfragen, sondern nur organisatorische und politische Machtverhältnisse berührte.

Bezeichnend ist für das römische Christentum, daß es die Persönlichkeit des Stifters nach Möglichkeit ausschaltet, um den kirchlichen Aufbau einer Priesterherrschaft an ihre Stelle zu setzen. Jesus wird zwar als das Höchste und Heiligste, als die Quelle alles Glaubens und alles Segens hingestellt, aber nur zu dem Zweck, um die ihn vertretende Kirche mit dem Glorienschein des Ewigen und Unantastbaren zu umgeben. Denn zwischen Jesus und den Menschen schieben sich die Kirche und ihre Vertreter ein, mit der Behauptung, daß der Weg zu Jesus nur durch die Kirche führe. Und da Jesus nicht auf Erden weilt, hat der Mensch es eben nur mit dieser Kirche zu tun, die „bevollmächtigt“ ist, auf ewig zu binden oder zu lösen. Die Ausnutzung des einmal gezüchteten Glaubens an Jesus den Christus („den waltenden Christ“, wie der Dichter des Heliand sagt) für die Machtpolitik eines sich selbst vergötternden Priesterbundes macht ebenso das Wesen Roms aus, wie es, unter anderem Namen, das Wesen der Priesterpolitiker in Ägypten oder in Babylon und Etrurien gewesen ist.

Um die die Macht des priesterlichen Männerbundes schützenden Lehrsätze und Verordnungen zu kräftigen, wurde eine große Dialektik frommer Väter verwendet, welche alle Kirchenverfügungen der 1500 Jahre auf die Evangelien zurückführten, jedoch mit der Betonung, daß die Kirche auch allein das Recht besitze, allgemeingültige unfehlbare Lehrsätze zu erlassen. Das kirchliche Christentum katholischer Form und protestantischer Abart liegt heute als geschichtliche Erscheinung vor uns; Anfang und Ende lassen sich klar überblicken. Der Bau ist abgeschlossen, jedes Gebälk hat seine Stützbalken, die dogmatischen Erlasse finden alle ihre „Begründungen“. Nun ist die Erstarrung eingetreten; man darf also über den Aufbau sprechen,  (Die Kirche steht über Jesus) ohne befürchten zu müssen, eine noch werdende lebendige Erscheinung in ihren treibenden Kräften falsch zu deuten. Dr. Adam, ein führender katholischer Programmatiker, versichert: „Der Katholizismus ist nicht schlechtweg mit dem Urchristentum identisch, oder gar mit der Botschaft: Christi zu identifizieren, so wenig wie der ausgereifte Eichenbaum mit der kleinen Eichel.“* Hier ist die öffentlich geheiligte Überheblichkeit der Kirche (das Werk trägt den Stempel „Imprimatur“) über Jesus mit dürren Worten ausgesprochen und alle weiteren Verherrlichungen Christi dienen, wie gesagt, nur dazu, die Herrschergewalt der Kirche, nicht die „Botschaft Christi“ – der „kleinen Eichel“ – zu erhöhen. Das kirchliche Amt ruht ganz in den Händen des Priesters, der durch Handauflegen zum Vertreter der apostolischen Gewalt wird. Zur Begründung dieser Lehre wird das Wort Jesu zu Petrus genannt, laut welchem er ihn den Fels heißt, auf den er seine Kirche bauen werde. Die Tatsache, daß dieses Wort viel später von einem treuen Diener der Kirche in die alten Texte hineingefälscht worden ist**, hindert natürlich nicht, diesen nachweislich unwahren Lehrsatz unermüdlich in der ganzen Welt als Botschaft Jesu zu wiederholen. „Wenn der katholische Priester das Wort Gottes verkündet, so

* Adam: „Das Wesen des Katholizismus“, 1925.
** Diese Stelle (Matthäus 16, 18–19) kennzeichnet sich selbst als eine reichlich plumpe der vielen frommen Fälschungen, denn wenige Verse später nennt Jesus den gleichen Petrus einen Satan, der sich von ihm hinwegheben solle. Das gleiche sagt Jesus Markus 8, 30 ff. Auf diesem so eindeutig Gekennzeichneten, dessen Verrat Jesus ebenfalls voraussah, soll er eine Kirche haben aufbauen wollen? Eine derartige Zumutung kommt einer offenen Beschimpfung der Persönlichkeit Christi gleich. Merx sagt abschließend: „Die geschichtliche Forschung über Jesus darf sich durch solche Fälschung nicht auf Ewigkeit hin täuschen lassen; es muß ein Ende haben“ („Die vier kanonischen Evangelien“, III, 320).

(Magie der Sakramente) predigt nicht ein bloßer Mensch, sondern Christus selbst.“ Damit ist die Selbstvergottung des Priesters zum Glaubenssatz erhoben, der wohl die Höhe seiner Anmaßung in der Anschauung erhält, daß, wenn irgendwo eine Führerpersönlichkeit das „eigene, arme Ich zum Träger der Christusbotschaft erhoben“ hätte, die Kirche umgehend ihr Anathema aussprechen müßte: „Und dieses Anathema würde sie sprechen, selbst wenn ein Engel vom Himmel käme, der anders lehrte, als sie von den Aposteln überkommen hat“ (Adam).

Die letzte Ausschaltung menschlicher Eigenständigkeit zugunsten eines schemenhaften Amtes vollzieht sich in den Sakramenten: „Die sakramentale Gnade wird nicht durch die persönlichen Bemühungen des Sakramentsempfängers erzeugt, gewirkt, sondern vielmehr durch den objektiven Vollzug des sakramentalen Zeichens selbst.“ Damit ist die Vernichtung der Persönlichkeit gefordert, ihre Wertlosigkeit als „religiöser“ Lehrsatz verkündet. Inmitten eines Volkes, welches die Ehre–persönliche Ehre, Sippenehre, Stammesehre, Volksehre – unbekümmert um alles andere in rücksichtsloser Tat in den Mittelpunkt seines ganzen Lebens gestellt hätte, wäre die offene Verkündigung einer solchen Forderung nimmer durchführbar gewesen. Dies ist nur durch das geschickte.

Ersetzen des Ehrbegriffes durch die Idee der „Liebe“, gefolgt von Demut und Ergebung, möglich geworden. Daß dieses „sakramentale Zeichen“ als von Jesus selbst „festgelegt“ hingestellt wird, sei nur als ein kleiner Hinweis vermerkt, mit welcher Unbekümmertheit „Geschichte“ geformt und „Religionsgebäude“ gezimmert werden.

Nun versteht es sich, daß diese klaren Fassungen einer auf Magie abzielenden Lehre in dieser dürren Darstellung in Europa auch nach der Aberkennung der Ehre als alles leitenden Idee nicht durchgesetzt werden konnten. Die blutgemäßen Gebräuche des nordischen Menschen und (Wotan in christlicher Gestaltung) seine ritterliche Denkungsart waren auch mit Feuer und Schwert nicht ganz auszutreiben. So ging denn die Kirche an die Einbeziehung der vorchristlichen völkischen Gleichnisse in das angeblich schon „vor dem Urchristentum“ fertige System. („Die Kirche ist schon da – der Anlage nach, keimhaft, virtuell – bevor (!) Petrus und Johannes gläubig wurden.“ Adam.)

Der Wotanglaube war zwar im sterben, aber die heiligen Haine, in denen „der Wode“ verehrt wurde, blieben das Ziel germanischer Wallfahrer. Alle Vernichtung der Wotanseichen und alle Verwünschungen des alten Glaubens halfen nichts. So wurden an die Stelle Wotans christliche Märtyrer und Heilige, wie der heilige Martin, gesetzt. Mantel, Schwert und Roß waren seine Abzeichen (also die Sinnbilder Wotans), die ehrwürdigen Haine des Schwertgottes wurden auf diese Weise die Stätten des heiligen Martin, des Kriegsheiligen, der noch heute von deutschen Wallfahrern (vgl. Schwertslocher Kapelle) verehrt wird. Auch St. Georg und St. Michael sind Umbenennungen altnordischer Wesensbilder, die durch diese „Taufe“ in den Bereich der Verwaltung der römischen Kirche gerieten. Die „Teufelinne“ Frau Venus verwandelt sich in die hl. Pelagia; aus Donar, dem Donnerer und Wolkengott, wird der den Himmel bewachende hl. Petrus; den Wotanscharakter des wilden Jägers erhält St. Oswald zuerteilt und auf Kapitälen und Schnitzwerken wird der den Todeswolf zerreißende Erlöser Widar abgebildet (Z. B. Kreuzgang in Berchtesgaden), Widar, der den vom Fenriswolf verschlungenen Odin retten will und das Ungeheuer tötet. Der Vergleich mit Jesus liegt auf der Hand. Selbst der fromme Hrabanus Maurus, der gelehrteste Kirchenlehrer Deutschlands am Ende des 8. Jahrhunderts, läßt Gott in der Himmelsburg wohnen, eine Vorstellung, die nicht aus der Bibel, sondern aus altgermanischer Heldenseele stammt. 

Weiterwirkendes „Heidentum“

Am l. Mai feierte Altgermanien die Walpurgisnacht, den Beginn der zwölf Weihenächte der Sommersonnenwende. Es war der Tag der Hochzeit Wotans mit der Freya. Heute feiert die hl. Walburg am l. Mai ihren Namenstag, während alle Gebräuche als Zauberei, Hexenwesen usw. von der Kirche verändert und auf diese Weise Natursymbolik in orientalischen Dämonenspuk umgewandelt wurde.

In Regensburg (Dominikanerkirche) wird ein Kelch gehütet, „eine Kokosnußschale auf kupfervergoldetem Ständer, aus dem nur zum’ kalten Johannistag’ getrunken wurde“. Das war die alte Form des Weihweins zum Abendmahl (das von der Kirche noch im 13. Jahrhundert in beiderlei Gestalt gereicht wurde) am 27. Dezember, dem Nachfest der Wintersonnenwende. Und in Erinnerung uralter Minnetränke wird „aus St. Sebastians Hirnschale“ noch heute (z. B. in Ebersberg, Oberbayern) Wein gereicht. Dieses „Minnetrinken“ und Glücktrinken zu St. Johannis Baptistae, für St. Martin und St. Stephan, sind alles uralte Bräuche. Der fromme katholische Johann Nepomuk Sepp sagt: „Der Kelch Christi ist von Rom dem Laien vorenthalten worden, den alten Heidenkelch hat sich aber das Volk nicht nehmen lassen.“

Mit den Gebräuchen veränderten sich die Gesänge und Bilder. Im Heiligenbuch von 1488 sehen wir den hl. Oswald abgebildet. Er sitzt auf einem Throne im Königskleid und Krone. Um ihn herum aber fliegen die beiden Raben Wotans. Nur die Palme und der Hirtenstock sind christliche Zutat. Unter dem Namen Oswald wird Odin noch heute verehrt und hat z. B. Seine Kirche in Traunstein, aber auch heilige Stätten am Niederrhein, in Holland, in Belgien. Selbst die Legende von der hl. Kümmernis geht auf die Gestalt Odins zurück, wie sie uns die Edda Schildert, da Odin neun Nächte vom Speer verwundet am „windbewegten Baume“ hing. Die Gestalt (Das Erscheinen des Hakenkreuzes) eines bärtigen, gekreuzigten Mannes (Odin, Donar), welcher dem, der zu ihm betet, einen goldenen Schuh zuwirft, kehrt in vielen alten Bildwerken und als Motiv in vielen Liedern wieder. Aus dieser Gestalt ist auf noch nicht ganz geklärte Weise die weibliche hl. Kümmernis der Kirche geworden.

Und die Kirche mußte sich bequemen, ihre Heiligen auf feurige Rosse zu setzen, sie speer- und schwertschwingend in den Kampf mit Drachen und anderen Feinden zu senden, um Ehre und Ruhm zu erwerben oder gefangene Jungfrauen aus den Klauen eines Bösewichts zu retten. Die Rolands- und St. Georgs-Säulen sind Beispiele dieser Art, welche erst nach und nach durch Mariensäulen ersetzt wurden: an die Stelle der Ehrsymbole trat das Gleichnis der „Liebe“.

Die nordischen Götter waren Lichtgestalten mit Speer und Strahlenkranz, Kreuz und Hakenkreuz die Symbole der Sonne, des fruchtbringenden, aufsteigenden Lebens. Seit weit über 3000 v.Chr. trugen die nordischen Völkerwellen diese Zeichen nachweislich nach Griechenland, Rom, nach Troja, Indien. Noch Minutius Felix ereifert sich gegen das heidnische Kreuz; bis schließlich der römische (T-förmige) Galgen, an den Jesus geschlagen worden war, zu eben diesem heidnischen, jetzt „christlichen“ Kreuz umgedichtet werden mußte und die heidnische Sonne bzw. das Himmelskreuz als Heiligenschein über den Häuptern der kirchlichen Märtyrer und Glaubensboten erschien*.

* Wir erleben soeben die Geburt einer neuen Wissenschaft:der Deutung altgermanischer Symbolik. Der Kreis mit den vier Speichen erscheint als Himmelskreuz, d. h- als die Projektion der Himmelsrichtungen, die Sechsteilung als die punkte der Sommer-, Wintersonnenwende usw. Diese Symbolik kosmischer Art ist es, welche durch die ganzen Jahrtausende unverstanden übernommen hindurchgeht, als Überreste einer Zeit, die mit Symbolen anstatt mit Buchstaben ihr Weltbild niederlegte vom Himmelsvater, Geburt, Tod und Ewigkeit. Die Sonnengleichnisse sind ein Ausschnitt aus diesem Weltbild.

Unsterbliche Götter

Der Wetterstrahl, die Lanze, wird das Gleichnis des Herrschens. Der „reitende Gott“ mit der Lanze erscheint deshalb immer wieder erneut auf „christlichen“ Gedenksteinen und Zeichnungen: das war der durch die Geschichte des Christentums reitende ewige Wanderer Wotan. Zerspalten in viele Gestalten lebt und webt dieser Gott als St. Oswald, als St. Georg, als St. Martin, als Lanzenreiter, ja als die hl. Kümmernis durch die katholischen Lande und zieht noch heute unsichtbar als „der Wode“ durch die Seele des Volkes in Niedersachsen. „Solange ein Volk lebt, sind seine Götter unsterblich.“* Das war Wotans Rache nach seinem Untergang. Bis Baldur auferstand und) sich den Heiland der Welt nannte.

Über diese Urkraft altnordischer Überlieferung, die auch die „Bonifazius’“ und) seine Nachfolger bis auf den heutigen Tag nicht ganz vernichten konnten, ist man in Rom (auch in Wittenberg) tief empört gewesen. Aber es blieb nichts anderes übrig, als die anderen Göttergestalten zu christlichen Heiligen zu ernennen und ihre Züge auf diese Weise zu übertragen**.

* A. Dietrich, „Untergang der antiken Religion“.
** Wie planmäßig diese Politik durchgeführt wurde, zeigen Zahlreiche päpstliche Verordnungen. So schreibt z- B- Papst Gregor „der Große“ an Augusten den „Heiden“apostel, der ihn um Rat bei der Bekehrung bittet: „Denn in unserer Zeit (um 600) mag die heilige Kirche freilich manches mit glühendem Eifer zum Besseren wenden, anderes aber duldet sie schonend, aber auf eine Weise, daß Sie oft das Übel, das sie bekämpft, gerade durch dies Dulden und Übersehen unterdrückt“ (Beda I, 27). Und am 22. Juli 601 schreibt derselbe Papst an den Abt Mellitus, wenn die heidnischen Tempel nicht zerstört würden, könnte man sie „umwandeln“: „Wenn dann das Volk seine Tempel nicht zerstört sieht, mag es von Herzen seinen Irrtum ablegen . . . und an den ihm vertrauten Orten nach altem Brauch sich lieber einfinden.“ Und nach Zulassung des Opferns: „Wenn ihnen solchermaßen äußerlich (!) einige Freuden zugestanden werden, so mögen Sie Zu den innerlichen Freuden ihren Sinn leichter gewöhnen. Denn ganz gewiß gehl es nicht an, daß man harten Gemütern alles auf einmal abschneidet, weil ja auch der, welcher zum höchsten Gipfel aufsteigen will, stufenweise . . . nicht Sprungweise sich emporarbeitet“ (Beda I, 30, vergl. Th. Hänlein: „Die Bekehrung der Germanen zum Christentum“, Leipzig 1914 und 1910, I, 57 und 64).

Nordisches Gut im Katholizismus

Die Festtage der christlichen Kirche aber traten an die gleichen Tage wie das Urvolk sie feierte, ob dies nun das Fest der Fruchtbarkeitsgöttin Ostara war, das zum Auferstehungsfest, oder das Fest der Wintersonnenwende, das zum Geburtstag Jesus wurde. So ist die katholische Kirche in wesentlichen Formen Nordeuropas auch nordisch-rassisch bedingt. Das Groteske an dieser Tatsache ist nur, daß sie aus der Not eine Tugend zu machen sucht und den Reichtum seelischen Lebens ausgerechnet sich zugute schreibt. Allen Ernstes erklärt der kirchliche Zwangsglaubenssatz, jede nationale Farbigkeit hätte Raum in der Kirche, alle verschiedene Frömmigkeit stehe unter ihrer Obhut; nirgends sei „die persönliche Freiheit des religiösen Ausdrucks“ so geschützt, wie in der katholischen Kirche (Adam). Das ist natürlich eine Umkehrung aller nur zu deutlich sprechenden Tatsachen. Von „Bonifazius“ über Ludwig „den Frommen“, der alles Germanische mit Stumpf und Stiel auszurotten bemüht war, über die neun Millionen vertilgter Ketzer zieht sich bis zum Vatikanischen Konzil, bis auf heute, ein einziger Versuch, einen unerbittlichen geistigen Einheitsglauben (Unitarismus) durchzusetzen, eine Form, einen Zwangsglaubenssatz, eine Sprache und einen Ritus einheitlich für nordische Menschen, Levantiner, Nigger, Chinesen und Eskimos zu verbreiten (Man vergleiche den Eucharistischen Kongreß zu Chikago (Die christliche Caritas) 1926, wo Niggerbischöfe die Messe zelebrierten.) seit zweitausend Jahren empört sich das ewige Blut aller Rassen und Völker dagegen. Aber wie der Gedanke einer Weltmonarchie einen hypnotisierenden Einfluß auf starke Persönlichkeiten ausgeübt hat von Alexander bis Napoleon, so auch der Gedanke einer die ganze Welt beherrschenden Kirche. Und wie dieser erste Gedanke einst Millionen in seinen Bann zwang, so auch der zweite als Idee, ohne daß innerhalb ihrer Auswirkung eine restlose Unterwerfung vollzogen wurde. Deshalb haben auch die Großen des frühen Mittelalters die römische Kirche als Bundesgenossen, zum mindesten aber als Helferin zur Verwirklichung romantischer Machtpläne betrachtet. Diese wiederum erblickte im bewaffneten „weltlichen Arm“ ein Mittel, ihrem Geiste freie Bahn zu schaffen. Auf die inneren Beweggründe geprüft, war dieses Ringen wesentlich ein Kampf um die Vorherrschaft dessen, was als metaphysischer und charakterlicher Höchstwert zu gelten hätte: Liebe, Demut, Entsagung, Unterwürfigkeit oder Ehre, Würde, Selbstbehauptung, Stolz.

Nochmals: die Liebe wurde nur von den Anhängern und niederen Graden des römischen Systems gefordert und geübt; die Führung brauchte, um dauerhaft zu sein und starke Naturen anzuregen, Glanz, Macht, Gewalt über Seelen und Leiber der Menschen. Ohne Frage ist durch dieses System eine große seelische Opferfähigkeit gezüchtet worden: das, was die katholische Kirche mit Stolz ihre „Caritas“ nennt. Aber gerade hier, in ihrer schönsten menschlichen Auswirkung, zeigt sich ein ebenso starker Unterschied in der Wertung und Auswirkung einer scheinbar gleichen Tat.

Wie die Gnade Gottes nur durch die Kirche vermittelt wird, so sind auch Wohltat und Barmherzigkeit (Volks-Krankheit durch „Humanität“) nur ein Geschenk der Kirche an den Unglücklichen, an den Sünder. Es ist dies ein sehr klug abgewogenes Werben um einen gebrochenen Menschen, mit dem Zweck, ihn an ein Machtzentrum zu binden und ihm seine vollkommene Nichtigkeit vor Gott, zugleich aber dessen Macht, dargestellt durch die triumphierende Kirche, zu Gemüte zu führen. Es fehlt diesem Gedankengang aber auch alles, was wir als Ritterlichkeit bezeichnen. Einem nordischen, vom Ehrbegriff bestimmten Volke müßte die Unterstützung seitens einer Gemeinschaft für einen in Not Geratenen nicht im Namen der herablassenden Liebe und Barmherzigkeit, sondern im Namen der Gerechtigkeit und Pflicht gepredigt werden. Dies hätte nicht eine unterwürfige Demut, sondern ein inneres Emporrichten zur Folge, nicht das Brechen der Persönlichkeit, sondern ihre Stärkung, d.h. das Neuerwecken des Ehrbewußtseins.

Hierher gehört das kirchlich-christliche Mitleid, das auch in der freimaurerischen „Humanität“ in neuer Form aufgetaucht ist und zu der größten Verheerung unseres gesamten Lebens geführt hat. Aus dem Zwangsglaubenssatz der schrankenlosen Liebe und der Gleichheit alles Menschlichen vor Gott einerseits, der Lehre vom demokratischen rasselosen und von keinem nationalverwurzelten Ehrgedanken getragenen „Menschenrecht“ andererseits, hat sich die europäische Gesellschaft geradezu als Hüterin des Minderwertigen, Kranken, Verkrüppelten, Verbrecherischen und Verfaulten „entwickelt“. Die „Liebe“ plus „Humanität“ ist zu einer, alle Lebensgebote und Lebensformen eines Volkes und Staates zersetzenden Lehre geworden und hat sich dadurch gegen die sich heute rächende Natur empört. Eine Nation, deren Mittelpunkt Ehre und Pflicht darstellte, würde nicht Faule und Verbrecher erhalten, sondern ausschalten. Wir sehen auch an diesem Beispiel, daß sich das einheitslüsterne rasselose Schema mit ungesundem Subjektivismus paart, während (Seelenkorruption durch Ablaßhandel) ein durch Ehre und Pflicht zusammengeschweißtes soziales und staatliches Gemeinwesen zwar aus Gerechtigkeit äußere Not beseitigen und das Wertbewußtsein des Einzelnen innerhalb dieses Zuchtwillens zu steigern bemüht sein muß, daß es aber ebenso notgedrungen die rassisch und seelisch für nordische Lebensform Untauglichen aussondern würde. Das eine wie das andere ergibt sich, wenn als Höchstwert alles Handelns die Ehre und als Träger dieser Idee der Schutz der nordisch-abendländischen Rasse gesetzt wird.

Ein typisches Beispiel dafür, wie das römische System die menschlichen Schwächen für seine Zwecke ausnützte, ist der Zwangsglaubenssatz vom Ablaß. Dem armen „Sünder“ gegenüber behauptet die Kirche einen Überschuß an „stellvertretender Genugtuungsfülle“ seitens Jesu Christi und der Heiligen zu besitzen. Laut ihrer „göttlichen Betrauung“, zu lösen und zu binden, verfügt sie angesichts des betreffenden Übeltäters über das Guthaben des Erlösers (der Afrikaner Tertullian war es namentlich, der diese Händlerlehre mit vielem Aufwand juristischer Spitzfindigkeit ausgebaut hat). Man hat diesen Lehrsatz mit vielen geheimnisvollen Erläuterungen zu umgeben versucht und eine ganze Philosophie auf dieser stellvertretenden Sühne aufgebaut, jedoch wird keinem tiefer Blickenden ihr händlerischer Untergrund verborgen bleiben können. Händlerisch sowohl in seelischer wie in stofflicher Beziehung. Grundsätzlich läuft der Ablaßgedanke auf ein Rechenbeispiel hinaus, dessen unbekannte X und Y durch beliebige Zahlen zu ersetzen in die Hand der Kirche gelegt ist. Das ist Züchtung charakterlicher und seelischer Verwilderung, ganz abgesehen von den äußeren Folgen, wie sie etwa zu Luthers Zeiten eingetreten waren, als ein Geschäftsvertreter der Fugger den biederen Tetzel stets begleitete und ihm alles einlaufende Geld abnahm, weil der Augsburger Krämer sonst vom verschuldeten Papst nicht bezahlt worden (Das „Heilige Jahr“) wäre*. Der Glaubenssatz vom Ablaß war nur möglich, weil der Gedanke eines persönlichen Ehrgefühls bei seiner Abfassung nicht mitgewirkt hatte. Es mußte ferner auch darauf hinauslaufen, das noch vorhandene Ehrbewußtsein zu unterhöhlen und knechtisches Denken zum frommen Wesen zu stempeln. Äußerlich betrachtet, hat das deutsche Aufbäumen gegen diese Schande das römische System gezwungen, mit der Durchführung des Ablaßunwesens vorsichtiger zu werden. Grundsätzlich wird es jedoch noch heute als ein Recht und fromme Übung von der Kirche verteidigt. (Vgl. den Generalablaßaufruf von 1926). Daß dieser Unfug ebenfalls auf „biblisches Urgut“ zurückgeführt wird, versteht sich von selbst. Eine jahrtausendalte Umzüchtung langer Geschlechterreihen um einen neuen Pol – Rom – hat auf die nichtnordischen Untergründe der europäischen Völker so stark gewirkt, daß dieser Aufruf an das zerspaltene Menschentum von ihnen gar nicht als Schmach, sondern als gegenseitige Hilfe der „Glieder des Leibes Christi“ empfunden wird.

* Viele Ablaßeinkünfle brachte das „Heilige Jahr“, erfunden von Bonifaz VIII. Der Jubiläumsablaß war nur in Rom zu erwerben. Anfänglich sollte alle 100 Jahre das „Anno sankro“ gefeiert werden. Dann wurde die Jubelfeier alle 50, dann alle 33, schließIich alle 25 Jahre begangen, um häufiger große Summen zu erhalten. Das erste „Heilige Jahr“ (1300) brachte dem Papst 200.000 Fremde und 15 Millionen Goldgulden. 1350 nahm der Vatikan 22 Millionen ein, man versteht also, warum nach den 33 Jahren „zum Andenken an die Lebensjahre“ Jesu (wie es bei der zweiten Kürzung der Zeitspanne hieß), die nur 25jährige Pause eingeführt wurde: „wegen der Kürze des menschlichen Lebens“. Man sieht, selbst Jesus’ Martertod kann gut für Begründung der Geschäfte seines „Stellvertreters“ sein. Um noch mehr Geld zu erhalten, wurde die Öffnung und Schliessung der „Goldenen Pforte“ für das „Heilige Jahr“ eingeführt: wer hier einging und seinen Obolus hinterließ, konnte auch seine Freunde von allen Sünden befreien. 1500 verwendete Alexander VI. die Einkünfte des Jubelablasses für die Aussteuer seiner Tochter Lukrezia. Jedes Verbrechen hatte seinen festgesetzten Preis, mit dem man sich loskaufen konnte: Elternmord, Blutschande mußten hoch bezahlt werden. Erst die protestantischen Angriffe steuerten dem Unfug. Darauf wurde der Ablaß für zauberhafte Gebräuche gewährt (Skapuliertragung, privilegierte Altäre usw.). Ähnliche Geschäfte machten alle unteren Stellen. Das Kloster Monte Cassino hatte z.B. 500.000 Dukaten Jahreseinkünfte und umfaßte um 1500 4 Bischofssitze, 2 Fürstentümer, 20 Grafschaften, 350 Schlösser, 440 Dörfer, 336 Güter, 23 Hafenniederlassungen, 33 Inseln, 200 Mühlen, 1662 Kirchen! E i n Beispiel von tausenden. Hinzu kamen Ämteschacher (Abführung von Riesensummen fürs Pallium an den Papst), Peterspfennig, Dispensationsgelder usw. Geldgieriger sind die schlimmsten Despoten der Erde nicht gewesen, wie die „Stellvertreter“ des Mannes, dessen Reich nicht von dieser Welt war.

Zauberglauben in der Fürbitte

Aus dem gleichen, der Idee der Ehre abgewandelten Denken ist die Form der kirchlichen Fürbitte zu begreifen. Auf Grund der Beschlüsse der Konzilien zu Lyon, Florenz und Trient wurde mit Stimmenmehrheit der Läuterungszustand zwischen dem Leben einerseits und der ewigen Verdammnis bzw. der ewigen Seligkeit andererseits eingeführt und der Kirche die Macht zugesprochen, durch ihre Fürbitte das Purgatorium zum guten Ende zu führen. Entkleidet man diese Lehre all ihrer Verbrämungen, d. h. nimmt man sie so wie sie gemeint ist: nämlich nicht als wirkliche Fürbitte und seelisches Gedenken eines Dahingeschiedenen, sondern als einen Akt, der den Gang der Seele auch nach dem Tode beeinflußt, so haben wir den gewöhnlichsten Zauberglauben, wie ihm die Südseevölker noch heute huldigen. Philosophisch betrachtet, stehen die Glaubenssätze vom Ablaß und der wirksamen Fürbitte (nebst einer Unzahl anderer, von der Lehre vom Skapulier bis zu den heiligen Ölen und wundertätigen Reliquien) auf der Höhe einer Weltanschauung, deren Typus der Medizinmann ist. Der Medizinmann, dessen Gebet (Die Weltanschauung des Medizinmannes) Regen bringt oder verhindert, dessen Fluch tötet, der mit Gott (oder den Göttern) einen Vertrag geschlossen hat, und ihn (oder sie) zu allem zwingen oder doch beeinflussen kann durch zauberhafte Gebräuche*. Der Medizinmann als dämonische Figur kann selbständiges Denken seiner Anhänger ebensowenig brauchen wie ehrbewußtes Handeln. Er muß folgerichtig, um seine Stellung zu sichern,’ das eine wie das andere mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auszuschalten bemüht sein. Er muß alle allzu menschlichen Ängste und hysterischen Anlagen großzüchten; er muß Hexenwahn und Dämonenzauber predigen; er muß mit Index, Feuer und Schwert alles Forschen unterbinden, das zu anderen Ergebnissen führen kann, oder gar zur Befreiung von dem ganzen vom Medizinmann gelehrten Weltbild. Der Medizinmann muß einen Roger Bacon genau so in den Kerker werfen, wie einen Galilei; er muß das Werk des Kopernikus in Acht und Bann erklären und alle Gedankensysteme zu vernichten trachten, die Ehre, Pflicht und Männertreue – also auf hochwertige Persönlichkeit abgestimmte Lehren – als lebensgestaltende Mächte behaupten wollen. Den Versuch

* Ein äußerlich nicht in dieses Werk passendes Ereignis, das aber zu innerst tief bedeutend ist, mag hier zur Kennzeichnung dieser Geistesrichtung vermerkt sein. Am Tage des Fronleichnams 1929 zu München wurde die Prozession plötzlich von einem starken Gewitterregen überrascht. Die Mönche, Nonnen, Ministranten nsw. packten ihre Kerzen und Kruzifixe untern Arm und verliefen sich in alle vier Himmelsrichtungen. Darauf predigte der Kardinal Faulhaber in der Frauenkirche und ermahnte die Gläubigen, sich ihren Glauben durch das Unwetter nicht erschüttern zu lassen, wenn auch Jesus Christus diesmal das ihm dargebrachte Opfer nicht angenommen habe • • • Jesus wird hier also als Regenmacher hingestellt und die verregnete Fronleichnamsprozession als ein mißglückter Bezaubernngsversuch! Das Wort von der Medizinmannphilosophie – ohne jede beleidigende Absicht gebraucht – kennzeichnet also genau die geistige Haltung der römischen Kirche. (Menscheneinschreckung als Zuchtmittel) schildern, die zauberhaft-dämonische Weltauffassung des Medizinmannes weltpolitisch durchzusetzen, heißt römische Dogmen- und Kirchengeschichte schreiben. Rom hat es also verstanden, sich nicht nur die „Stellvertreterschaft Gottes“ in den Augen von Millionen zu sichern, sondern durch Einwirkung auf den stets weitergezüchteten Zauberglauben gewisser Schichten innerhalb der verschiedenen Völker auch den Glauben an die Allmacht seiner nur durch die Priester durchführbaren Gebräuche (wie Ablaß, letzte Ölung usw.) auf das Jenseits wachzuerhalten. Und zugleich hat der Papst es verstanden, sich der Verantwortung für diese Zauberei zu entziehen. Andere Einrichtungen ähnlicher Art in fremden Ländern waren hier folgerichtiger. Der sich magische Kräfte anmaßende Lehrer und Häuptling eines „primitiven“ Stammes wird, wenn seine Opferzeremonien doch zur Dürre oder alles vernichtenden Überschwemmung führen, getötet. Der Kaiser von China ist gottgleich gewesen; als Sohn des Himmels genoß er Verehrung, war aber verantwortlich für das Gedeihen von Volk und Staat. Der Papst hat nun der an ihn glaubenden Menschheit die Nachprüfungsmöglichkeit für seine Behauptungen dadurch unmöglich gemacht, daß er ihre Wirkung aus dem Diesseits ins Jenseits versetzte. (Gelingt jedoch eine hypnotische Heilung, so sind die katholischen Blätter voll mit Nachrichten darüber, gleichwie sie hartnäckig schweigen über die Tausende, die unverändert die Wallfahrts- und Wunderorte verlassen.) Da mit Ausmalen der Schrecken der Hölle – ein Begriff, den der fromme Ulfilas nicht kannte, für den also auch jedes germanische Wort fehlte – nicht gespart wurde und wird, so fesselt Rom die Hoffnung eingeschüchterter Millionen an seine Riten und ihre magische Wirkung ohne in Gefahr zu geraten, durch das Experiment widerlegt zu werden.

Jesuiten ersetzen Jesus Christus

Auch dieses Mittel hat viel zur Dauerhaftigkeit des römischen Systems beigetragen.

Nun ist der Versuch der Weltverzauberung zwar mißlungen, aber doch nicht ganz. Die anfängliche technische Überlegenheit des Südens über das Germanentum, das folgerichtige Ausrotten des Freien, Stolzen und Ehrbewußten mit Hilfe aller nur denkbaren Bündnisse; das kluge Umfälschen nordischer Gebräuche, die als solche bestehen blieben, nur eine andere Verwaltung erhielten…, das alles ist nicht ohne nachhaltige Auswirkungen geblieben.

Die letzten Folgerungen aus dem römischen System hat der J e s u i t i s m u s gezogen. Den Schlußstein in dem Bau der Medizinmannphilosophie schuf das Vatikanische Konzil. Hier wurde der Medizinmann für die Zeit der Ausübung seines Amtes zum Gott, zum u n f e h l b a r e n Gott erklärt. Jesus ist jetzt, streng genommen, nicht mehr in Stellvertretung, sondern abgesetzt. Abgesetzt und ersetzt durch das römische System, gekrönt von dem mit aller Macht ausgestatteten, sich Papst nennenden Medizinmann. „Die neutestamentliche Bibel ist zwar ein bedeutsamer, aber durchaus nicht ein erschöpfender Niederschlag dieser das Gesamtbewußtsein der Kirche erfüllenden apostolischen Überlieferung“, schreibt herablassend der genannte moderne katholische Programmatiker Prof. (Adam).

Jesus ist hinausgedrängt, der syrisch-etruskische Aberglaube aber. der sich gleich anfangs um seine Persönlichkeit rankte, ist als „apostolische Überlieferung“ an seine stelle getreten. Dem römischen Dogma ist der Ehrbegriff von sich aus als Problem gar nicht gegeben. Es mußte ihn von seiner Grundeinstellung aus, die nur Unterwerfung forderte, systematisch ausschalten Die Schule zur bewußten Ausrottung dieser trotzdem überall auftretenden seelischen Kraft des abendländischen Lebens aber stellt zweifellos der sich (Kadavergehorsam – eine Semitische Lehre) wie zum Spott als „Gesellschaft Jesu“ bezeichnende Orden dar: die Art, wie Ignatius die Nachfolger Jesu einexerziert sehen wollte, bedeutet so ziemlich den fernsten Gegensatz zum germanischen Denken und Fühlen. Welche Einflüsse neben Urinstinkten des Basken an der Zeugung und Ausgestaltung die wesentlichsten gewesen sind, darüber gehen die Ansichten noch heute auseinander. Zwar meinen die frommen „Stimmen aus Maria Laach“, „der übernatürliche Ursprung des Exerzitienbüchleins“ sei „von keinem Vernünftigen angezweifelt worden“, doch ist dieser kindliche Versuch, auch derart frische Erzeugnisse auf „göttliches Diktat“ zurückzuführen, selbst der Priesterschaft etwas peinlich. Es haben nachweislich die Schriften des Paters Garcia de Cisnero von Manresa, die Benediktiner- und Franziskanerregeln auf Ignatius großen Einfluß ausgeübt, aber auch die Grundsätze der maurischen religiös-politischen Geheimbünde, die sich über Nordafrika bis nach Spanien zogen, müssen ihm genau bekannt gewesen sein, da eine geradezu verblüffende Übereinstimmung zwischen den muselmanischen Orden und den Grundsätzen der Gesellschaft Jesu besteht. Die muselmanischen Texte lehren: „Du wirst unter den Händen deines Scheichs gleich einem Leichnam in der Hand des Totenwächters sein.“ „Gehorche deinem Scheich in allem, was er anordnet, denn es ist Gott selbst, der durch seine Stimme befiehlt*.“ Ignatius fordert in seinem berühmten Brief über den Gehorsam das Gleiche: blinden Gehorsam, Kadavergehorsam. Die Klarheit des blinden Gehorsams würde verschwinden, falls wir innerlich überhaupt die Frage nach Gut und Böse einem Befehle gegenüber stellen wollten. Wenn es nötig sei, ein Gebot des Oberen, „welches es auch sei“, zu erfüllen, so werde* Livre de ses appuis von Scheich Si-Snoussi, übetsetzt von M. Colas. Näheres bei Müller: „Les origines de la Compagnie de Jesus“, Paris 1898. Vgl. auch Charbounel: „L’Origine Musulmane des Jesuites“. (Loyolas „Constitutionen“) uns ein blinder Drang zu gehorchen mit sich Ziehen, „ohne dem Denken den geringsten Raum zu lassen“. Es war am 26. März 1553, als die Forderung des Kadavergehorsams als offene Herausforderung in das germanisch abendländische Geistesleben geschleudert wurde. „Leget ab, geliebte Brüder“, schreibt Ignatius, „soviel als möglich euren Willen und überliefert und opfert euere Freiheit…“ „Ihr sollt mit einem gewissen blinden Drang gehorchen, gierigen Willens ohne irgendwelche (!) Untersuchung euch treiben lassen, zu tun, was immer (!) der Obere sagt…“ In den „Constitutionen“ lesen wir: „Jeder soll überzeugt sein, daß, wer unter dem Gehorsam lebt, sich von der göttlichen Vorsehung durch den Oberen lenken lassen soll, als sei er ein Leichnam, der sich hierhin und dorthin auf jede Weise tragen und legen läßt; oder als sei er der Stab eines Greises, der demjenigen, der ihn hält, wo und wie immer er will, dient…“ In seinen „Regeln“, die Loyola den „Exerzitien“ beifügte, forderte er nochmals „gänzliche Aufhebung des eigenen Urteils“ und ferner, „wenn etwas unseren Augen weiß erscheint, was die Kirche als Schwarz definiert hat, dies gleichfalls als Schwarz zu erklären“. Auf deutsch: es wird Unterwerfung gefordert, ganz gleich, ob der Dienende etwas für sündhaft oder unehrenhaft hält; hier fällt sogar noch die früher gemachte, wenn auch fadenscheinige Einschränkung, man brauche nur dann nicht zu gehorchen, wenn eine „offenbare Sünde“ gefordert werde*.

* Ein „Memorial“ des Jesuitenkollegs zu München erläutert die 35. und 36. Regel über den Gehorsam: „Der gehorcht blind, der wie ein Leichnam oder wie der Stab eines Greises, die kein Gefühl und kein Unteil haben, so gehorcht, als hätte er das eigene Urteil so gebunden und gewissermaßen ganz ausgeschaltet (totum eclipsatum), daß er gleichsam aus sich nicht urteile und nicht sehen kann, sondern ein anderes Urteil sich ganz angeeignet hat, nämlich das des Oberen, und zwar so vollständig und so vollkommen, daß, was immer der Obere urteilt und fühlt, dasselbe und nichts anderes als er wirklich urteile und fühle, und daß dies Urteil des (Oberen) sein eigenes unverfälschtes und natürliches Urteil sei. Das ist die Kraft der wahren Selbstverleugnung und der wahren Selbstblindmachung (excaecatio): nicht mehr durch eigene, sondern durch fremde Bewegung getrieben zu werden“. (Rensch, Archivalische Beiträge: Zeitschrift für Kirchengeschichte. 1895, XV, 263.)

Der französische Jesuit Julian Vincint, der den Mut aufbrachte, noch im Jahre 1588 den Brief des Ignatius als ketzerisch zu erklären, wurde von der Inquisition ins Gefängnis gefperrt, dann als verrückt ausgerufen. Dank der liebevollen Obhut der „Nachfolger Christi“ starb er im Jahr darauf im Gefängnis.

Wer einen ähnlichen Fall von brutaler Knechtung eines aufrechten Mannes innerhalb des heutigen Jesuitenordens vefolgen will, der lese die Prozeßakten des deutschen Jesuitenpaters Bremer über seinen Kampf gegen den Jesuitengeneral und den ihn gegen alles Recht schützenden Papst. Bremer vertrat als anerkannter Gelehrter die alten strengen Vorstellungen über Sitte, was als unbeqnem einfach verboten wurde. Aber der kleine Pater ließ sich nicht einfach abwürgen wie tausend andere und verteidigte seinen Standpunkt auf Grund des Kirchenrechts. Dies hatte eine Brutalisierung nach der anderen zur Folge, darauf Prozesse des Paters, dann seine Verurteilung in Rom, ohne daß er gehört wurde. Bremer erhebt gegen Jesuitengeneral und Papst offen die Beschuldigung der Urkundenfälschung. Beide haben sich dies gefallen lassen müssen … Die schönen Zeiten der Inquisition sind vorüber, sonst wäre Bremer schon längst in einem Kerker verfault. Näheres Dr. F. Ernst, „Papst und Jesuitengeneral“, Bonn 1930..

„Recht“ auf Gewissensvernichtung

Diese Offenheit, diesen Mut zur letzten Schlußfolgerung aus den Voraussetzungen des römischen Systems vertrugen aber selbst die eifrigsten abendländischen Mitglieder der damaligen Kirche noch nicht. Sogar die römische und die Spanische Inquisition erhoben sich gegen diese allzu klare Sprache, von allen Ecken und Enden der Welt erschollen ob dieser geforderten Ehrlosigkeit und Knechtseligkeit Proteste. Fast wäre es zu einer öffentlichen Verurteilung der Jesuitenlehre gekommen, jedoch gelang es dem verschlagenen Bellarmin–im Interesse der „Einheit der Kirche“ – eine solche zu hintertreiben*. Die Forderung des Ignatius, das Weiße schwarz zu nennen, wenn die Kirche das befehle, bedeutete die Heiligerklärung der Seelenvergiftung, war die Anerkennung auf das Recht der Gewissensvernichtung, war die offene Erhebung der Lüge zum frommen Werk. Daß diese uns das sittliche Rückenmark aussaugende Lehre nicht restlos durchgeführt werden konnte, lag wiederum nicht an dem guten Willen der alleinseligmachenden Kirche, sondern nur an der Kraft (Ausrottung des Ehrbegriffes) der Abwehr des europäischen Geistes und an der Unmöglichkeit, selbst durch jahrzehntelange Niederzüchtung, das europäische Ehrbewußtsein auszubrennen. Heute ist man gezwungen, selbst die „von Gott diktierten“ Worte des Ignatius nicht mehr als wahr zu erklären, man wagt es nicht, offen in den Jesuitenschulen Leichnamsgehorsam und Aufgabe seiner Ehre zu fordern. Aber das Ziel und der Weg zum Zustand einer Herde seelenloser Knechte sind unverkennbar deutlich gezeichnet. Dem Brechen jedes Würdegefühls dienen die die Einbildungskraft ängstigenden und den Eigenwillen knechtenden Übungen des Ordens ebenso, wie die Unterjochung der seelischen Persönlichkeit unter die Hypnose eines starken Zentralwillens. Die Tatsache, daß die Kirche die Leichnamslehre nicht verurteilte, zeigt, daß sie dasselbe anstrebte, wie ihr Werkzeug, die Gesellschaft Jesu. Und wie die syrisch-afrikanischen Orden zum „allergrößten Ruhme Gottes“ wirken wollten, so arbeitet der Orden der Jesuiten „Ad majorem dei gloriam“ zielbewußt an der Zersetzung des nordisch-germanischen Abendlandes und nistet sich naturnotwendig überall (Wesen des Jesuitenordens) dort ein, wo eine Wunde an einem Volkskörper bemerkbar wird.

Hier ist nicht die Rede vom guten oder bösen Willen, sondern von unwandelbaren Charakterwerten. Ignatius war ein, wenn auch ehrgeiziger, so doch tapferer Mensch, sein Knechtungssystem aber ist die Umkehrung aller Werte Europas. Wie der theoretische Materialist persönlich ein guter genügsamer Mann sein kann (auch hier der Unterschied zwischen Glaube und Charakterwerten), so konnte auch der kriegerische Loyola zum Symbol des skrupellosesten Kampfes gegen das Seelentum der nordischen Rasse werden. Um es gleich vorweg zu nehmen: nichts ist falscher, als die Exerzitien des Ignatius mit dem preußischen Zuchtsystem zu vergleichen, wie es oft zwecks Verschleierung der Tatsachen geschieht, vielmehr bilden diese beiden Formen des typenbildenden Männerbundes unvereinbare Gegensätze. Ignatius schafft die uniforme Mönchstracht ab, entsagt übertriebener Askese, bringt seine Vertreter unerkannt in allen Städten unter (die „Affilierten“), läßt ihnen in ihrem äußeren Leben eine große Freiheit. Dafür opfern die Jesuiten dem Orden: eigenes Forschen, Persönlichkeit, Männerwürde, letzten Endes ihr rassisch-seelisches Wesen. Der preußische Soldat stände äußerlich technisch unter rauher Zucht, innerlich war er frei. Das erste System kennt die Idee der Ehre nicht, und wo es darauf stößt, versucht es diese niederzutreten; das zweite kreist nur um diese Idee. Das erste war und ist ein Spaltpilz inmitten unseres Lebens, eine zersetzende, alles Starke und Große unserer ureigenen Vergangenheit auslaugende Säure; das zweite war und ist die Urzelle zum Aufbau unseres ganzen Daseins, wie sie wirksam war, als sie mit dem Wiking und den jungen Germanen zum erstenmal offen in das Licht der Geschichte trat.

Nach dem Basken Ignatius war Lainez – ein Jude – als sein Nachfolger maßgebend für die Fortentwicklung des (Das Vatikanische Konzil) römischen Dogmas nach seiner uns allen feindlichen Richtung hin. Dessen Wirksamkeit namentlich auf dem Tridentiner Konzil und die Folgen der dort niedergelegten Beschlüsse wären einer deutschen Doktorarbeit wert. Und am 18. Juli 1870 sprach das jesuitische Vatikanische Konzil sein Schlußbekenntnis:“Wir lehren und erklären, daß nach der Anordnung des Herrn die römische Kirche über alle anderen den Vorrang der ordentlichen Amtsgewalt inne hat…, daß das Urteil des apostolischen Stuhles, über welchen es keine höhere Gewalt gibt, von niemanden einer neuen Erkenntnis unterzogen werden darf, sowie es auch niemanden zusteht, über dessen Urteil zu Gericht zu Sitzen.“ „Der Stuhl des hl. Petrus bleibt stets von allem Irrtum unversehrt.“ „Wir erklären es als einen von Gott geoffenbarten Glaubenssatz: daß der römische Papst, wenn er von seinem Lehrstuhl aus (ex cathedra) spricht…, eine von der gesamten Kirche festzuhaltende, den Glauben oder die Sitte betreffende Lehre entscheidet, vermöge des göttlichen, im hl. Petrus ihm verheißenen Bestandes, jene Unfehlbarkeit besitzt, mit welcher der göttliche Erlöser seine Kirche in Entscheidung einer den Glauben oder die Sitte betreffenden Lehre ausgestattet wissen wollte… So aber jemand dieser unserer Entscheidung, was Gott verhüte, zu widersprechen wagen Sollte: der sei im Banne.“

Damit ist das römisch-jesuitische System der Persönllchkeitsvernichtung vollendet worden. Zwar empfanden Millionen treugläubiger Katholiken dunkel die ganze Ungeheuerlichkeit dieser Selbstvergötterung eines Amtes an sich, und einige Männer standen auf, um gegen diese Entehrung des Menschen – das ist das Wesen des Vatikanums – Verwahrung einzulegen. Der katholische Rektor der Prager Universität schrieb entsetzt: „Man ließ Sich abschlachten und schlachtete sich ab, warf die Überzeugung, Glaube, Priester- und Mannesehre hinweg. Das ist das (Vergebliche Proteste gegen Pius IX.) Resultat einer Entwicklung, welche in dem blinden Gehorsam gegen den römischen Hierarchen das Wesen des Christentums sieht*.“ Bischof Straßmeyer erklärte, die Kurie betrachte das Papsttum wie ein Aas, und hoffte auf den Tod Pius IX., was eine „wahre Wohltat für die Menschheit“ bedeuten würde; J. Döllinger lehnte das Dogma „als Christ, Theologe und Geschichtskundiger“ ab. Selbst der große Stolz des Zentrums, Windthorst, war immerhin mutig genug, wenigstens unter Freunden das neue Unfehlbarkeitsdogma abzulehnen. Wie der Breslauer Domherr Künzer mitteilte**, hatte er alle Mühe, Windthorst zu beruhigen und er „suchte seinen Ingrimm gegen die Jesuiten, die er für schuldig an allem erklärte, und gegen deren Vertreibung er keinen Finger krumm machen würde, zu besänftigen“. Aber was im 16. Jahrhundert noch möglich schien, war jetzt ansonst; es half alles nichts. Pius IX. konnte denn auch stolz von sich erklären: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben***“, ohne daß die seelisch zersetzte, geknechtete katholische Welt gegen diese Anmaßung aufzubegehren wagte…

Es handelt sich nun gar nicht darum, daß der Papst irgendwelche besondere Verfügungen als unfehlbar erläßt, sondern lediglich um die Tatsache, daß ihm diese Möglichkeit zugesprochen wurde. Erneut ist ein Stück von jenem unfaßbaren Etwas, das jedes Volk als Zentrum seiner Seele fühlt, angenagt, abgebröckelt worden. Der Papst wird auch offen nichts Unehrenhaftes fordern, die Tatsache der Ausstellung einer Blanko-Vollmacht seitens der katholischen Welt zeigt aber allein zur Genüge, daß man tatsächlich im Dienste der „Liebe“ seine Mannesehre weggeworfen hatte. Das Vatikanum bedeutete den Bruch der* Schulte: „Der Altkatholizismus in Deutschland“.** „Nordd. Allg.“ vom 11. Januar 1871.** Obs. catholique 1866, s. 357. (Luthers rettende Großtat) letzten Charaktere in der damaligen Kirche. Und also auch in der heutigen: denn die jetzigen Würdenträger sind bereits unter der Herrschaft dieser ehrlosen Lehrsätze großgezogen worden. Der sogen. „politische Katholizismus“ ist nur die notwendige Außenseite des jesuitisch-römischen Systems überhaupt, also auch nicht Mißbrauch, sondern die folgerichtige Anwendung der römischen Grundsätze, wenn auch Mißbrauch der echten Religion. Denn erscheint alles geistige von Rom freie Wesen, alle von Rom unabhängige weltliche Macht als „Abfall“ von der „legitimen Herrschaft“, so heiligt jedes Mittel den Zweck, diese geistig politische Herrschaft wieder zu erringen.

Dieses System hat die Opferfähigkeit des liebenden Menschen in den Dienst einer unbarmherzigen Kaste zu zwingen verstanden. Durch Verlegung des inneren Schwergewichts vom Ehrbewußtsein zu Demut und Mitleid wurde die seelische Würde der nordischen Völker unterhöhlt. Kriege, Revolutionen – zum Teil von Rom ausgenutzt, Zum Teil unmittelbar von Rom hervorgerufen – brachten weitere physische und seelische Zermürbungen mit sich, bis es nach demokratisch-jüdischer Mithilfe möglich wurde, 1870 den Schlußstein in die Kuppel des Gebäudes zusetzen. Und das heißt: Aufgabe der Ehre des Einzelnen, der Völker, der Rassen zugunsten des Herrschaftsanspruches einer sich selbst zum Gott erklärenden Priestergesellschaft.

In diesem großen Zusammenhang gesehen, liegt Luthers Großtat nicht auf dem Gebiet der Kirchengründung, sondern ist viel bedeutsamer als die Herbeiführung einer bloßen Kirchenspaltung. so sehr Luther auch noch tief im Mittelalter steckte, seine Tat bedeutet die große Umwälzung in der Geschichte Europas nach dem Eindringen des römischen Christentums: Luther verneinte das Priestertum an sich, d. h. die Berechtigung einer Menschenkaste, welche vorgab, zur Gottheit in näherer Beziehung zu stehen wie andere Menschen, die auf Grund einer sogenannten (Lamaismus in der Kirche) „Gotteswissenschaft“ sich anmaßte, besseren Bescheid über die Heilspläne Gottes und die Zustände im „Himmel“ zu besitzen. Damit hemmte Martin Luther das Fortschreiten jenes zauberhaften Unwesens, welches aus Mittelasien über Syrien – Afrika zu uns gekommen war. Afrikanisch ist das Mönchtum, ist die Tonsur, mittelasiatisch sind die naturwidrigen Kasteiungen, durch die man „Gott näher“ gebracht werden sollte, asiatisch ist der heute noch in Tibet gebräuchliche Rosenkranz, dessen Mechanismus in der Gebetmühle seine Vollendung gefunden hat. Asiatisch ist der Fußkuß des Papstes, der Dalai Lama verlangt noch heute das gleiche – und einiges mehr, was sich aber in Europa doch nicht durchsetzen ließ. Man denke hierbei auch an Alexander den Großen. Als dieser ganz Vorderasien erobert hatte, hieß er die Asiaten vor sich niederknien, wenn sie ihn begrüßten, mit seinen Mazedoniern aber verkehrte er wie mit Kameraden, ein einziger Versuch, die Proskynese auch bei ihnen einzuführen, scheiterte sofort und Alexander beließ es beim alten Verhältnis. schon dort schied sich nordisches Europa vom Orientalentum, aber der Lamaismus hatte in der Form der römischen Priesterkaste seinen Einbruch vollzogen und die orientalische Politik der Babylonier und Ägypter und Etrusker fortgeführt. Dieser Geistesgesamtheit hatte Martin Luther den Kampf angesagt, blieb Sieger und auch alle noch ehrbewußten Katholiken haben es seinem Werk zu verdanken, daß das Papsttum sich reformieren, säubern mußte, um überhaupt noch in der erwachenden Kulturwelt Europas bestehen zu können.

Man mache es sich nur klar, wohin es mit den einstmals germanischen Staaten gekommen wäre, wenn jener Geist gesiegt hätte, der die Heiligkeit mit Schmutz und ekelhaftem Leben verbinden wollte. Der hl. Eusäbius lief mit 260 Pfund eisernen Ketten herum, der hl. Macarius erkaufte sich die Heiligkeit, indem er die Schmerzen eines (Der „Geruch der Heiligkeit“) Ameisenhaufens ertrug, in den er sich setzte, der hl. Franziskus – in vielem gewiß eine ganz große Persönlichkeit – zollte dem Asiatismus den Tribut, indem er zum Wohlgefallen Gottes sich nackt auf Dornen herumwälzte. Besonders fromme Nonnen tranken fremden Speichel, aßen tote Mäuse und faule Eier, alles, um „heiliger“ zu werden. Der hl- Hilarius wird gepriesen, weil er nur im Unrat gelebt habe, der hl. Athanasius war stolz darauf, nie seine Füße gewaschen zu haben, das gleiche wird vom hl. Abraham, von der hl. Sylvia berichtet. Das Kloster der hl. Euphrasia hatte gar das Gelübde abgelegt, daß seine Nonnen nie baden dürften… Unter der hemmungslosen Weiterentwicklung dieses „Geruches der Heiligkeit“ wäre Europa heute bei dem Zustand der schmutzstarrenden Heiligen Indiens und Tibets angelangt, bei einem Zustand vollkommenster Verdammung, des furchtbarsten Aberglaubens, der Armut und des Elends – bei ständiger Bereicherung der Priesterkaste. Durch die Gesamtheit der antirömischen Bewegungen wurde Europa gerettet und der größte Retter des Abendlandes ist Martin Luther deshalb, weil er das Wesen bekämpfte, aus dem sich die skizzierten Zustände als notwendige Ergebnisse ergaben:

das zaubergewaltige Priestertum Roms als Fortsetzung der Priestergesellschaften Vorder- und Mittelasiens. Der deutsche Bauernsohn wurde somit zur Achse einer neuen Weltentwicklung, dem alle Europäer dankbar sein müßten, denn er hat nicht nur die Protestanten frei gemacht, sondern auch die Katholiken vor seelischem Untergang gerettet. Die spätere Rückkehr vieler Abgefallener (Wien, München waren einst protestantische Städte) zum Katholizismus wurde denn auch nur durch die erzwungene Säuberung vom Heiligengeruch möglich, aber man vergesse nie, daß, wenn es den protestantischen Geist nicht mehr geben sollte, die tibetanisch-etruskische Welt sich erneut offenbaren würde (Spanien, das am wenigsten protestantisch (Kaiser und Papst) war, hat die Herrschaft Roms am bittersten empfunden, nirgends in Europa gab es eine derartige seelisch-geistige Rückständigkeit wie dort vor der Revolution des April 1931). Wie tief satanischer Wahnglaube an den allerhöchsten Stellen auch heute noch herrscht, hat der Leo Taxil-Schwindel der erstaunten Welt ebenso offenbart wie das Teufelexorzieren frommer Kirchenmänner in allen Staaten.

Das Wesen des Kampfes zwischen Kaiser und Papst war zunächst der Kampf um Vorherrschaft zwischen der Ritterehre und der verweichlichenden Liebeslehre. Das lebendige Gleichnis des ersten abgeschlossenen Kompromisses ist das Schwert mit dem Kreuzesgriff, ist der auf dem Schlachtroß reitende Bischof. Ohne Frage überwog zuerst die Ritterehre; selbst ein Karl der Große hätte einen Pius IX. lachend abgewiesen*. Aber er hielt es für zweckmäßig. seine Würde durch die Religion heiligen zu lassen – ganz wie der ägyptische Pharao – und seine Herrschaft als von Gottes Gnaden stammend über die Völker zu verkünden. Kaiser und Papst waren also zunächst machtpolitisch Verbündete gegen die „edlen Sachsen“, denen es – nach Goethe – zum Ruhm gereicht, daß sie das Christentum in der gebotenen Form gehaßt haben. Widukind kämpfte zwar für sich, aber zugleich für die Freiheit aller nordischen Völker. Er unterlag; aber kein Zweifel darf heute mehr darüber bestehen, daß wir zu den Kräften stehen, die ihn leiteten und nicht zu denen, welchen Karl der Große zum Siege verhalf.

* Das rassische Bild Karls des Großen ist in diesem Zusammenhang von Interesse: Karl war ein ausgesprochener Rundschädel mit dickem, kurzen Nacken, im übrigen wohl nordischer Prägung, also ostisch-nordisch, nicht mehr selbstverständlich frei wie sein Gegner Widukind.

Der germanisch-christliche Beowulf

Die Gefolgschaftstreue und Mannesehre standen dem alten Ritter ebenso über Besitz und Glück, wie dem Sänger der Edda. Das Havamal schließt mit den Worten:

Besitz stirbt,
Sippen sterben,
Du selbst stirbst wie sie;
Eins weiß ich, Das ewig lebt:
Des Toten Tatenruhm.

Das ist die nordische Form der buddhistischen Karma-Lehre. Im Beowutf-Lied wird eine Verschmelzung germanischen Ehrgefühls mit der christlichen Erlösungsidee verbucht, insofern nämlich Beowulf die zerrissene, gequälte Menschheit zu retten unternimmt; aber er kämpft nicht mit Hilfe des Lehrsatzes, „dem Bösen nicht zu widerstreben“, sondern als „ein Held dem Bösen zum Entsetzen“ (vgl. hierzu die Worte Wischnus, der zur Vernichtung der Übeltäter immer wieder in der Welt erscheint). Ein gewisser weichlicher Unterton macht sich aber bereits im Beowulf bemerkbar. Während es für die älteren Germanen als Unehre galt, ohne den Führer und Herrn vom Schlachtfelde heimzukehren, hat das jämmerliche Betragen der „Jünger“ Christi im Garten zu Gethsemane (was auch dem Dichter des „Heiland“ sehr peinlich aufgefallen ist) hier bereits abgefärbt. Die Gefolgschaft des Beowulf verläßt ihn bis auf einen Getreuen, da sie von Todesahnungen erfaßt wird! Dieser durch und durch unnordische weichmütige Zug wird dann allerdings durch bewußtes Lob der Ehre wieder wett gemacht: „Kein Ereignis kann den edlen Mann des Blutes Liebe schwächen“, „Uns allen droht das Ende dieses Lebens: darum wer kann, erwerbe vor dem Tode sich Ruhm!“ schließlich werden die ehrlos und treulos Geflohenen mit dem Bann belegt:

Nun sei all euerem Geschlecht versagt
der Schwerter und der lichten Schätze Spende,

[188] Hagen und Petrus

der Heimat und des angestammten Sitzes
Genuß: der Rechte unseres Lebens bar
soll jeder sein, wenn in der Ferne
die Edelinge eure Flucht erfahren,
die ruhmlose Tat. Der Tod ist besser
für jeden Edeln als ein schmachvoll Leben.

Auch der germanische Ritter läßt sich unrühmliche Taten im Zustand der Willensschwäche und beim Durchbruch niederer Triebe zuschulden kommen, aber wenn er nachher für sie einsteht, sie bekennt und die Folgen auf sich nimmt, dann verstehen wir das eher als das feige Benehmen der ersten Apostel. Uns erscheint selbst eine unheimliche Gestalt wie Hagen bedeutend größer als etwa Petrus, der „Fels“. Hagen wirft seine Ehre weg im Dienst für die Ehre seines Königs und stirbt zuletzt dafür stolz und ungebrochen. Der schwatzhafte Petrus verleugnet seinen Herrn bei der ersten probe doppelt und dreifach; die einzige Aufwallung, die ihn sympathisch erscheinen läßt, als er das Schwert zieht (was denn der Dichter des „Heiland“ mit merkbarer Erleichterung schildert), wird durch seine späteren feigen Lügen sehr bezeichnend überdunkelt. Die kirchliche Überlieferung bemüht sich umsonst, aus Petrus einen Helden zu machen. Der fromme „HeIiand“ Dichter aber verflucht, das Verhalten der Jünger in Gethsemane durch ihre – Sorgen zu entschuldigen, denn sonst wäre ihr Schlafen seinen Sachsen ehrlos und somit unbegreiflich erschienen:

…. Der Geborene des Herrn
Fand sie in Sorgen schlafen / das Herz war ihnen schwer
Daß der liebe Herr / sie verlassen sollte.

Die Entwicklung vom Rittertum zum Ritterstand begann schon unter Konrad II., und dieser erhielt sich bis weit ins 14. Jahrhundert hinein. Die Ritter sahen sich als „Kinder des riches“ an und wurden verpflichtet, Kaiser und Reich gegen die äußeren Feinde zu schützen. Diese (Der Ritterstand) Tatsache gab ihnen als stand ihre Daseinsberechtigung, sie führte zum eigentlichen ritterlichen Ehrbegriff, der die erste erdgebundene, auf den höchsten Zweck abgestimmte standesmäßige Darstellung der Idee der Ehre ist. Nach dem fast vollkommenen Subjektivismus des Wikings und des altgermanischen Häuptlings mit seinem Gefolge wird somit eine große Volksschicht auf den seelischen Mittelpunkt der ganzen Rasse eingestellt. Die Gebräuche der Schwertleihe, der Umgürtung, dann der Ritterschlag stellten die innere Erhöhung und Veredelung sinnbildlich dar. Mag das spätere Rittertum auch durch seine Verknöcherung und schablonenhafte Abschließung ein zurückgebliebenes Stück Altertum in dem sich erneuernden bürgerlichen Leben dargestellt haben, bieten auch die Raubzüge der während des Friedens brachliegenden Ritterschaft ein wenig erfreuliches Bild, so sind das Dinge, denen auch die beste Idee bei ihrer Verkörperung nicht zu entgehen vermag, Tatsache aber bleibt, daß bis auf heute mit dem Worte „ritterlich“ nur ein Mensch bezeichnet wird, der kraftvoll für einen Mitmenschen eintritt und Ehre zu wahren versteht.

Selbstverständlich war das römische System bemüht, sich auch dieses Rittertum dienstbar zu machen, was u. a. durch die Schwertweihe zum Ausdruck gelangte. Gleich am Anfang seiner zehn Gelübde nämlich verpflichtet sich der Ritter, der Religion zu dienen, dann den Bedrängten beizustehen und erst am sSchluß, dem Kaiser Gehorsam zu leisten. Damit wurde eine Beeinflussung auch formell festgelegt, wie sie schon früher durchgeführt worden war. Gewisse fromme Geschichtsschreiber haben gar versucht, auch die Gründung des Rittertums selbst auf – Rom zurückzuführen (wie ihre Dogmen auf Jesus), wobei (Verfälschung des Rittergedankens) Gregor VII. als Gründer des Rittertums angesprochen wird. Es geschieht auch dies natürlich nur mit der Absicht, sogar die Darstellung des antirömischen Gedankens durch ursächliche Zrückführung auf den Papst in Abhängigkeit von diesem zu bringen, selbstverständlich mit verschiedenen, sich auch für die Gegenwart daraus ergebenden Folgerungen. so weiß uns z-B. der Historiker Gfrörer ganz genau zu erzählen, wie auch der ritterliche Gedanke vom heiligen Rom stamme, um dessen Absichten dann unverblümt zu enthüllen: „Erst in Folge des gewaltigen Einflusses, den die Kirche, durch die Wirksamkeit Gregors VII. auf den Kriegerstand der christlichen Reiche des Abendlandes und zwar zunächst des romanischen gewann, erreichte das Rittertum seinen vollen Inhalt als eine Anstalt oder Corporation, die es sich zur Aufgabe setzte, mittels besonderer Verpflichtungen den Heldenmut des Soldaten der Religion dienstbar zu machen.“ Ruhm, Ehre, Stamm, Volk, Kaiser und Reich wurden und werden also von den Vertretern des römischen Systems als bloße Namen und Nebensächlichkeiten betrachtet; als zweck des auf den Stellvertreter Christi zurückgehenden gefälschten Rittertums erscheint nur der Dienst für den Papst. Hiermit ist auch die unwandelbare Politik der römischen Kirche ganz deutlich geworden und tatsächlich ist es hypnotisierenden predigten gelungen, in den wahnwitzigen Kreuzzügen Ströme von Blut für die herrschsüchtige Kirche zu vergießen, „den Heldenmut der Religion dienstbar“ zu machen, die Ehre der „Liebe“ zu unterwerfen. „Iper und Arras“, riefen die Flamen, „Hufta heya Beyerlant“, lautete das Schlachtgeschrei der Bayern; das konnte Rom nicht hindern, aber durch das Ausspielen verschiedener Interessen gegeneinander konnte es Zwietracht säen. Und das hat es bis auf heute als seine Lebensaufgabe betrachtet. Rom kann aus Selbsterhaltungstrieb keinen Volks- und ehrbewußten (Rom im 8. bis 10. Jahrhundert) Stand, noch viel weniger eine ganze ehrbewußte, in sich selbst ruhende Nation vertragen, deshalb muß es Zwist, Krieg säen und die Rassenzerfetzung fördern. Das liegt im Wesen seines selbst rasselosen Systems und wird sich nie ändern, solange dieses System besteht. Eine weitere scheinbar unausrottbare GeschichtsfäIschung beherrscht auch heute noch selbst Kreise, die sich über Rom und sein System sonst klare Rechenschaft ablegen: als sei die Bildung und Gesittung, die nach und nach das Abendland durchzogen, eine Folge der kirchlichen Betätigung gewesen. Dabei ist das genaue Gegenteil der Fall.

Bedrängt von den Langobarden, fleht (um 755) Papst Stephan II. bei Pippin um Hilfe und bittet, man möge ihn doch ins Frankenreich einladen. Das geschieht; Pippin empfängt den Papst zu Fuß, dieser aber, seiner Schwäche bewußt, zeigt sich als armen Apostel Christi, hüllt sich mit seinen Priestern in härene Gewänder, streut Asche aufs Haupt und fleht den König auf den Knien an, dem römischen Volke zu helfen. Seit dieser Zeit betrachtet sich Frankreich als älteste Tochter Roms (entsagte jedoch klugerweise seit Hugo Capet den Verlockungen eines römischen Titels).Derselbe Papst wirkt dann gegen eine Vermählung Karls des Großen mit einer Langobardin. Er schreibt, Karl dürfe das „höchst edle Königsgeschlecht“ der Franken nicht mit dem Blute der Langobarden „auf treulose und höchststinkende Weise“ besudeln und bittet den Himmel im anderen Fall, Karl den „ewigen Flammen“ zu überliefern. Da diese Drohung aber auf den Kaiser keinen Eindruck machte, verbündet sich der fromme Vater später selbst mit dem „stinkenden“ Langobardeniönig.

In der Zeit, als angeblich von Rom aus die Durchgeistigung der Welt betrieben worden sein soll, ging es dort in Wirklichkeit höchst ungeistig zu. 896 kommt Papst Stephan VI. auf den Gedenken, den verwesten Leichnam seines Vorgängers aus dem Grabe zu scharren, den Toten (Käufe des päpstlichen Amtes) auf einer Synode als bösen Eindringling zum Tode zu verurteilen, dem „meineidigen“, verfaulten Leichnam drei Finger abhacken zu lassen und ihn dem römischen „Volk“ zum Ersäufen zu überantworten. Darauf wechseln die Päpste, stürzen einander, sperren sich abwechselnd ein, bis Sergius III., zur linken Hand seine Konkubine Marozia, den „Stuhl Petri“ besteigt. Diese Frau, nebst ihrer Mutter Theodora, sicherte sich einflußreiche Bischöfe als Buhler und Stützen ihrer Herrschaft. Als Sergius erledigt war, erhob nach kurzer Pause die Marozia ihren Sohn zum Papst als Johann XI. Darüber war ihr erster Sohn Albrich hoch erzürnt und stürzte die Herrschaft seiner Mutter. Nach seinem Tode bekleidete sein Sohn das päpstliche Amt als Johann XII. Die Zustände wurden aber auch später nicht besser 983 gelang es dem davongejagten Papst Bonifaz VII., seinen, Jesus „stellvertretenden“ Konkurrenten Johann XIV. ins Gefängnis zusetzen und dort sterben zu lassen. Aber auch Bonifaz erfreute sich nicht lange der Tiara; er wurde seinerseits vom königlichen Adel und von Frau Theodora, wie gesagt, der famosen Mutter der so überaus tüchtigen Hure Marozia, verjagt, deren Enkel Crescentius d. J. Herr von Rom wurde, welcher nun den Papststuhl an willige Kreaturen verschacherte. 1024 bestieg ein Mensch den päpstlichen Thron, der vorher nie Geistlicher gewesen war. Er kaufte sich die Stellvertreterschaft Gottes und nannte sich Johann XIX. Ferner wurde zum Papst ein Zehnjähriger Grafensohn gewählt als Papst Benedikt IX. Da dieser sich aber schon früh allen erdenklichen Lastern hingab, wurde es selbst den Römern zu bunt; sie wählten also einen neuen Stellvertreter Christi, der sich Sylvester III. nannte. Der neue Papst aber bekam es bald mit Angst vor den Gefahren seines Amtes zu tun und zog es vor, dieses um 1000 Pfund an Gregor Vl. zu verschachern, worüber der vertriebene Benedikt sittlich ent- (Der König rettet das Papsttum) rüstet war und erneuten Anspruch auf den Stuhl Petri erhob. Der ehrliche Kardinal Cäsar Baronius nannte diese Päpste einfach „Hurenhengste“. Dieser Skandal hörte erst auf, als Kaiser Heinrich lll. eingriff.

Das waren die römischen Zustände im 10. und 11. Jahrhundert, die jeder Deutsche kennen sollte, die aber wohlweislich von einer einerseits verlogenen, andererseits feigen Geschichtsschreibung verschwiegen werden. Gerade zu dieser Zeit begann die nationale Sammlung der Deutschen unter Heinrich l., der bewußte Versuch nationaler Aufrichtung und Kultivierung unter Otto I., dem Großen.

In der Religion erblickte Otto ein seelenbildendes und veredelndes Moment. Dank ihm, dem deutschen Ritter, erhielten die Bischöfe großen Einfluß, rückten in den fürstlichen Rang ein und vermittelten geistige Kenntnisse, förderten Handwerk, Gewerbe und Ackerbau. Vom Kaiser, nicht vom Papst geleitet und geschützt, erblühten die ersten Kulturzentren in Quedlinburg, Reichenau, Hersfeld.Die Päpste ließen ehrenhafte Mahner im Gegenteil ermorden, wie Hadrian IV., der Arnold von Brescia zu erdrosseln und zu verbrennen befahl, als er von dessen Bußpredigten hörte*.

Dem Bestreben Otto I. lag ohne Zweifel der Gedanke einer germanischen Nationalkirche zugrunde, der mit den versunkenen arianischen Goten gestorben zu sein schien. Aus diesem Grunde setzte er fest, daß die Geistlichen vom Grundherrn ernannt würden: das veranlaßte ihn

*Ich kann hier auf mehr Einzelheiten nicht eingehen. Bemerkt sei nur noch, daß die Päpste sich von den Hurenhäusern bestimmte Prozente zahlen ließen, was Paul II. (1464–1471) zu einer ständigen Einnahmequelle ausgestaltete. Sixtus IV. bezog 20000 Golddukaten jährlich aus den Freudenhäusern. Die Geistlichen mußten für ihre Konkubinen bestimmte Taxen zahlen, während der Vatikan seine Beamten mit Schecks auf die Bordelle entlohnte. Sixtus IV. erlaubte für eine bestimmte Zahlung auch die Knabenliebe. Indezenz VIII. hatte 16 Kinder zu ernähren. Alexander VI. aber erklärte, der Papst siehe höher als der König, so etwa wie der Mensch über dem Vieh. Deshalb ließ er wohl ein Dutzend Bischöfe und Kardinale ermorden, die ihm gefährlich schienen. Für 300.000 Golddukaten beseitigte Papst Alexander VI. den türkischen Thronprätendanten Dschem und strich das Geld des „ungläubigen“ Sultans seelenruhig ein. 1501 ernannte Alexander VI. seine Tochter Luktezia für eine Zeitlang zu seiner Stellvertreterin. (Die „Reform“ der Clunyazenser) aber auch, sich das Papsttum zu unterwerfen: die Römer mußten schwören, ohne Zustimmung des Kaisers keinen Papst zu wählen. Otto III. ernannte selbstherrlich zwei Päpste. Ähnlich säuberte Heinrich lll. das Papsttum. Im großen Konflikt zwischen dem Erzbischof Williges von Mainz gegen den römischen volkslosen Zentralismus fanden sich sämtliche deutsche Bischöfe in bewußter offener Ablehnung dem Papst gegenüber, der schließlich nachgeben mußte. Man war damals noch freier in Deutschland als 1870 und 1930!

Eine große Stärkung erfuhr das Papsttum jedoch durch die CIunyazenser, die über den staatlichen Rahmen hinaus eine internationale, nur vom Papst abhängige Organisation schaffen wollten.

Diese Bewegung setzte sich zwar eine Reform des verlotterten Mönchswesens zum Ziel, zeigte aber sehr bald ihre ungermanische Geisteseinstellung. Die bisher üblichen Bußübungen gegen das sündige teuflische Fleisch, auf die der Germane lachend hinabgeblickt hatte, wurden ihrer früheren plumpen Form entkleidet und in eine schlauere Marterung der Seele (gleichsam als Vorläufer des Jesuitismus) verwandelt. Für bestimmte Teile des Clunyazenserklosters galt strenges Schweigegebot, jeglicher Frohsinn wurde verboten, Freundschaft nicht geduldet. Die Angeberei wurde zur frommen Pflicht gestempelt, Schuldige mit entehrenden Strafen belegt. Diese widernatürliche Zuchtform entstammt offenbar jener ligurisch-ostischen Rasse, die vor der Einwanderung der (Der Dank Roms) nordischen u. a. auch Südostfrankreich besiedelte. Dieses Zertreten der eigenen Seele, diese innere Selbstentmannung und Unterwerfungssucht unter fremde Dämonen und Zaubermächte zeigt uns aber den Geist der römischen Kirche in engster, rassisch bedingter Wechselwirkung mit allem unarischen Blut und zerfetzten Bevölkerungsgruppen. Es ist deshalb auch kein Zufall, daß die „Reform“ der CIunyazenser sofort in den ostisch-rassischen Teilen Lothringens Fuß faßte. Gegen diese seelische Krankheit trat sofort der Erzbischof Aribo von Mainz auf und stutzte den machtbewußten Konrad II. Im Norden regte sich fast gleichzeitig das alte Blut: Bischof Adalbert von Wettin setzte sich eine germanische Nationalkirche als Ziel: das Wort „deutsch“ wurde zum erstenmal Allgemeingut, Mönche der römischen Kirche suchten nun nach den noch übrig geblichenen, fast vernichteten geistigen schätzen ihres Volkes.

Der deutsche Kaiser hatte den Papst aus dem Sumpf gezogen, die Kirche zu Ehren gebracht und ihre Diener veredelt. Der dadurch erneut gestärkte römische Universalismus benutzte natürlich diese Kräfte, berief sich – wie üblich – auf nachweisliche Fälschungen („Konstantinische Schenkung“ und „Isidorische Dekretalien“), um die Herrschaft des Papsttums über den Kaiser als „von Gott gewollt“ hinzustellen und den Zentralismus gegen den Episkopalismus durchzusetzen. Dieser Kampf wurde unter Ausnutzung sämtlicher verfügbaren Mittel durchgeführt: die Vasallen wurden gegen den Kaiser gehetzt, ja der Kirchenstreik gegen „unbotmäßige“ Bischöfe verkündet. Das war der Dank Roms.

Mit besonderer Vorliebe wird seitens der römischen Geschichtsschreiber die Dauerhaftigkeit des Papsttums als Beweis seiner „göttlichen Einsetzung“ gepriesen Wer aber weiß, daß Rom seine Machtstellung zu allererst dem Kaisertum zu verdanken hat, seine seelische Einwirkung nur (Die „Dauerhaftigkeit“ Roms) der inneren Größe frommer aristokratischer Geister wie Franz von Assisi, Albertus Magnus, Meister Eckehart, der wird darüber wohl anderer Meinung sein. Im übrigen ist die Dauerhaftigkeit einer Einrichtung an sich noch kein Wertmesser für ihren inneren Wert. Es kommt lediglich auf die Art der Kräfte an, die ihr zu Dauer verhelfen haben. Schließlich war die ägyptische Kultur viel älter als die römische Kirche; der Mandarin zählt mehr bekannte Ahnen als der Papst; Lao-tse und Konfuzius lebten vor 2500 Jahren und regieren noch heute. Und dann starb doch das deutsch-römische Kaisertum erst vor etwa hundert Jahren. Die Zeit rückt heran, in der auch der Papst das wird, was er sein sollte: das Haupt der italienischen Nationalkirche (die Auseinandersetzung zwischen dem nationalistischen Faschismus und dem Vatikan wird hoffentlich die Durchsetzung dieser Notwendigkeit beschleunigen). Das Papsttum hat (ungeachtet dessen, daß auch eine Anzahl wirklich großer Männer auf dem  sog. Stuhle Petri saß) seine Herrschaft auf der Voraussetzung seelischer Knechtung und rassischer Zerfetzung der germanisch bestimmten Völker aufbauen müssen. Aus den freien großen Seelen, die sich noch im 11. bis 14. Jahrhundert Rom als einer von ihnen geheiligten Idee schenkten, schöpfte der Vatikan die Waffen der Knechtung. Seit dem Erstarken des Jesuitismus, seit dem Tridentiner Konzil ist „Rom“ jedoch niederrassisch bedingt und erstarrt zugleich. Die schmutzige „Moraltheologie“ des heiligen Alfons von Liguori einerseits, die Ehrlosmachung durch den Jesuitismus andererseits, bedingte, daß seit der Erdrosselung der Religion des Meisters Eckehart alles wirklich Große europäischer Kultur aus gegenkirchlichem Geist entsprungen ist, von Dante (der noch 1864 ausdrücklich verdammt wurde u. a., weil er Rom als Kloake bezeichnet hatte) und Giotto bis Kopernitus und Luther; von der deutschen klassischen Kunst und nordischen Malerei und (Die Hansa) Musik gar nicht zu reden. Alles, was Knechtseligkeit „Liebe“ nannte, sammelte sich unter Rom, alles, was Ehre und Freiheit der Seele erstrebte, trennte sich immer bewußter von der römischen Geisteswelt.

Der Ritterstand verlor im 15. und im 16. Jahrhundert seine Bedeutung. Aber der Ehrbegriff, den er gepflegt hatte, war in den anderen ständen erwacht. Namentlich der Bürger befreite sich von der Burg, baute seine Städte und Kirchen, trieb Gewerbe und Handel, schloß sich zu gewaltigen Bünden zusammen, bis schließlich der Dreißigjährige Krieg einer ganzen Kultur ein Ende machte.

Daß sich der germanische Ehrbegriff selbst im Händler verkörpert, wo dieser, auf sich selbst gestellt, ohne orientalische Zwischenschieber sich auswirken konnte, zeigt die H a n s a. Ursprünglich ein nüchterner, den Handel sichernder kaufmännischer Zweckverband, streckte sie ihre Arme später weit aus, handelte nicht nur, sondern baute auf, gründete, kolonisierte. Die Ruinen von Nowgorod und Wisby sprechen eine ebenso laute Sprache von sittlicher Kraft, wie die Rathäuser von Brügge, Lübeck, Bremen. Über 75 Städte schlossen einen Trutzbund miteinander, der seinem innersten Wesen nach die Aufgabe hatte, der kaiserlichen Ohnmacht gegenüber ein deutsches Machtzentrum zu bilden. Aber ehe noch ähnliche Gedanken tiefer Fuß fassen konnten, brach die größte Katastrophe der deutschen Geschichte herein. Und zwar mit dem gleichen Ergebnis wie es die Hugenottenkriege in Frankreich gezeitigt hatten: der Charakter des deutschen Volkes wurde verändert. Beherbergte Deutschland zu Beginn des 16. Jahrhunderts trotz des elenden Kaiserregiments ein stolzes Bauern- und fruchtbares Bürgertum, so rotteten dreißig blutige Jahre (die dem Papst Innozenz X. noch immer (Der 30-jährige Krieg) nicht genügten) das beste Blut Deutschlands aus, zahlreiche fremdstämmige Schwärme feindlicher Staaten verdarben die Rasse, ein ganzes Geschlecht wuchs inmitten von Raub und Mord auf. Bayern allein zählte 5000 verlassene Bauernhöfe, Hunderte von blühenden Städten lagen in Trümmern, nahezu zwei Drittel des deutschen Volkes waren ausgerottet. Da gab es keine Kunst, keine Kultur, keinen Charakter mehr. Ehrlose Fürsten plünderten ein elendes Volk aus und diese,, Untertanen“ ließen sich stumpf und dumpf alles gefallen. Und trotzdem raffte sich das germanische Blut auf gegen die Verlotterung der Habsburger und die französische Bedrohung. Jenes Blut des Niedersachsentums, das einst an die Düna gezogen war, leistete dem ganzen Verfall oben und unten Widerstand. Wie ein verheißungsvoller Ruf klingen noch heute in unseren Ohren die Trompeten von Fehrbellin und die stimme des großen Kurfürsten, mit dessen Tat Deutschlands Auferstehung, Rettung und Neugeburt ihren Anfang nahmen. Man mag an Preußen aussetzen, was immer man mag: diese primitive Rettung der germanischen Substanz bleibt für immer seine Ruhmestat; ohne sie gäbe es keine deutsche Kultur, überhaupt kein deutsches Volk, höchstens auszubeutende Millionen für die beutelüsternen Nachbarn und habgierige Kirchenfürsten.

Es ist kein Zufall, wenn gerade heute inmitten eines neuen furchtbaren Sturzes in den Abgrund die Gestalt Friedrichs des Großen von leuchtendem Glanz überstrahlt erscheint, versammeln sich doch in ihm – trotz auch seiner Menschlichkeiten – alle jene Charakterwerte, nach deren Herrschaft heute wieder sehnsüchtig seitens der Besten des Deutschtums gerungen wird: persönliche Kühnheit, unerbittliche Entschlußkraft, Verantwortungsbewußtsein, durchdringende Klugheit und ein Ehrbewußtsein, wie es noch (Friedrich der Einzige) nie so mythisch groß zum Leitstern eines ganzen Lebens auserkoren worden war. „Wie kann ein Fürst seinen Staat, den Ruhm feines Volkes und die eigene Ehre überleben?“, fragt er seine Schwester am 17. September 1757. Nie werde ihn ein Unglück feige machen, im Gegenteil: „Niemals werde ich die Schande auf mich nehmen. Die Ehre, die mich im Kriege hundertmal mein Leben aufs Spiel setzen ließ, hat mich dem Tode aus geringerem Anlaß trotzen lassen“ „Man wird von mir nicht sagen können,“ betont er weiter, „daß ich die Freiheit meines Vaterlandes und die Größe meines Hauses überlebt habe.“

„Hätte ich mehr als ein Leben, ich würde es dem Vaterlande opfern“, schreibt Friedrich am 16. August 1759 an d’Argens nach einer furchtbaren Niederlage. „Ich denke nicht an den Ruhm, sondern an den Staat.“ „Meine unwandelbare Treue gegen das Vaterland und die Ehre lassen mich alles unternehmen, aber die Hoffnung leitet sie nicht“, heißt es wenige Tage später. Auch an Luise Dorothea von Gotha legt er das Geständnis nieder: „Vielleicht ist Preußens Schicksalsstunde gekommen, vielleicht wird man ein neues despotisches Kaisertum erleben. Ich weiß es nicht. Aber ich bürge dafür, daß es dazu erst kommen wird, nachdem Ströme von Blut geflossen sind, und daß ich nicht mein Vaterland in Ketten und die schmachvolle Sklaverei der Deutschen mit ansehen werde.“ Und erneut schreibt Friedrich an d’Argens (18.9. 1760): „sie sollten wissen, daß es nicht nötig ist, daß ich lebe, wohl aber, daß ich meine Pflicht tue“ und (28. 10. 1760): „Niemals werde ich den Augenblick erleben, der mich zwingen würde, einen unvorteilhaften Frieden zu schließen.“ „Ich werde mich entweder unter den Trümmern meines Vaterlandes begraben lassen, oder… meinem Leben selbst ein Ende machen… Von dieser inneren Stimme und von den Forderungen der Ehre habe ich (Aufkommen der Freimaurerei) mich in meinen Handlungen stets leiten lassen und gedenke es auch künftig zu tun.“*

War Friedrich Wilhelm I. das Gleichnis für bürgerliche Ehrenhaftigkeit und sich selbst beschränkende Klugheit, so Friedrich II. das Symbol alles Heroischen, was verklungen und untergegangen schien in Blut und Schmutz und Elend. sein Leben ist echteste, größte deutsche Geschichte und als ein ganz erbärmlicher Schuft erscheint uns heute ein Deutscher, der die Gestalt des Friedrichs mit hämischen Glossen zu verfälschen trachtet.

Aber es waren nur wenige, die er zu formen vermochte. Trotz seiner großen Friedensarbeit waren die breiten Volksschichten roh, ohne kulturelle Überlieferung, die gebildeten entartet, äffisch, unpreußisch, undeutsch. Nur widerwillig ließen sie die Zuchtformen des fritzischen Gedankens auf sich wirken und Friedrich selbst – dessen Regierung Kant seine „Kritik der reinen Vernunft“ widmete – fand innerhalb des damaligen Deutschtums keine dem Franzosentum gegenüber ausgereifte selbständige Geistigkeit,

so daß seine Liebhaberei für französisches Schrifttum den Weg zum Sieg auch der neufranzösischen Gedankenwelt bahnte, die in der neuen Form der Liebesidee, in der Form der Humanitätslehre, die organischen Kräfte des noch nicht zu vollem Bewußtsein erwachten Preußens lähmte und es später unfähig machte, den Heeren der französischen Revolution zu widerstehen.

Die neue Lehre der Humanität war die „Religion“ der Freimaurer. Diese hat bis auf heute die geistigen Grundlagen einer universaIistisch-abstrakten Bildung abgegeben, den Ausgangspunkt aller ichsüchtigen Glückselig-* In diesem Zusammenhang verweise ich auf eine ausgezeichnete Herausgabe von Richard Fesler: “ Friedrich der Große, Briefe und Schriften“, zwei Bände, Leipzig 1927, die sich durch Sonderung des Wichtigsten und großzügige Wertung von vielen anderen unterscheidet. (Die Loge als Gegenkirche) keitspredigten, sie hat (bereits um 1740) auch das politische Schlagwort der letzten 150 Jahre „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ geprägt und die chaotische, völkerzerfetzende „humane“ Demokratie geboren.

Am Anfang des 18. Jahrhunderts traten in London Männer zusammen, denen die konfessionellen Streitigkeiten innerhalb der bisherigen „Religion der Liebe“ zum Teil Volk und Vaterland gekostet hatten, und gründeten inmitten einer verrohten Zeit einen „Menschheitsbund zur Förderung der Humanität und Brüderlichkeit“. Da dieser Bund nur „den Menschen“ anerkannte, so wurde von vornherein kein rassischer noch religiöser Unterschied gemacht.“Die Maurerei ist ein Menschheitsbund zur Verbreitung toleranter und humaner Grundsätze, an welchem Ordenbestreben der Jude und der Türke ebensoviel Anteil nehmen kann, wie der Christ.“ so lautete die 1722 aufgestellte Konstitution. Die Idee der Humanität soll „das Prinzip, den Zweck und den Inhalt“ der Freimaurerei bilden. „sie ist – laut dem Freiburger Ritual – weitgreifender als alle Kirchen, Staaten und Schulen, als alle Stände, Völker und Nationalitäten; denn sie dehnt sich über die gesamte Menschheit aus.“ so belehrt uns noch heute das deutsche Logentum*. Römische Kirche und freimaurerische Gegenkirche sind sich also einig im Niederreißen aller Schranken, welche durch seelische und physische Gestalt geschaffen werben. Beide rufen ihre Gefolgschaft auf im Namen der Liebe bzw. der Humanität, im Namen eines grenzenlosen Universalismus, nur fordert die Kirche vollständige Unterwerfung, Unterordnung innerhalb ihres Bereiches (der freilich die ganze Erde sein soll), während die Gegenkirche eine schrankenlose Grenzvernichtung predigt,* R. Fischer: „Erläuterungen der Katechismen der Job. Freimaurerei“, Leipzig 1902. Näheres bei A. Rosenberg: „Das Verbrechen der Freimaurerei“ und „Freimaurerische Weltpolitik“, München 1921 und 1929. (Judentum und Freimaurerei) das Leid und die Freude des Einzelnen, „des Menschen“, zum Maßstab ihres Urteils macht, was als die Ursache zur heutigen Lage anzusehen ist, daß der nackte Reichtum des Individuums höchstes Gut der Demokratie geworden ist und in ihr die höchste Stelle im Gesellschaftsleben eingeräumt erhält.

Diese atomistische Weltanschauung war und ist die Voraussetzung für die politische Lehre der Demokratie und des wirtschaftlichen Zwangsglaubenssatzes von der Notwendigkeit des freien Spiels der Kräfte gewesen. Alle Mächte also, die auf Lockerung staatlicher, nationaler. sozialer Bindungen hinarbeiteten, mußten sich bemühen, diese Freimaurerphilosophie, folglich auch den „Menschheitsbund“, sich dienstbar zu machen. Hier sehen wir nun das internationale Judentum aus Instinkt und zugleich aus bewußter Überlegung sich in die Organisation der Freimaurerei einnisten. Zwar wirkte das rassische Wesen im „Menschheitsbund“ instinktiv ebenso abwehrend wie gegenüber den Versuchen der Kirche, germanische Art auszurotten, aber es ist trotzdem leicht nachweisbar, daß, während der nordische Mensch sich Roms erwehrte, der blinde Hödur ahnungslos ihm einen Todesstoß von hinten versetzte: die Freimaurerei wurde in Italien, Frankreich, England zu einem politischen Männerbund und führte die demokratischen Revolutionen des 19. Jahrhunderts. Ihre „Weltanschauung“ unterhöhlte Jahr für Jahr die Grundlagen alles germanischen Wesens. Heute sehen wir die geschäftigen Vertreter der internationalen Börse und des Welthandels fast überall führend die Gegen-„kirche“ leiten. Alles im Namen der „Humanität“. Die Heuchelei der heutigen Weltausbeuter aus „Humanität“ ist fraglos erniedrigender als jene Knechtungsversuche, die im Namen der „christlichen Liebe“ Europa so oft in Unruhe und Chaos versetzt haben. Dank der Humanitätspredigt und der Lehre von der Menschengleichheit konnte (Die Entartung der „Humanität“) jeder Jude, Neger, Mulatte vollberechtigter Bürger eines europäischen Staates werden; dank der humanitären Sorge für den Einzelnen wimmelt es in den europäischen Staaten von Luxusanstalten für unheilbare Kranke und Irrsinnige; dank der Humanität wird auch der rückfällige Verbrecher als unglücklicher Mensch ohne Bezug auf die Interessen des ganzen Volkes gewertet, bei der ersten Möglichkeit wieder auf die Gesellschaft losgelassen und in seiner Fortpflanzungsfähigkeit nicht behindert. Im Namen der Humanität und der „Freiheit des Geistes“ wird den Schmutzjournalisten und jedem ehrlosen Halunken der Vertrieb jeglicher Bordell-Literatur gestattet; dank der Humanität dürfen Nigger und Juden in die nordische Rasse hineinheiraten, ja wichtige Ämter bekleiden. Diese an keinen rassischen Ehrbegriff gebundene Humanität hat das unerhörteste Betrugswesen der Börse zu einem geachteten Beruf unter anderen gemacht, ja dieses organisierte Verbrechertum in Frack und Zylinder bestimmt heute auf Weltwirtschafts- und „Sachverständigen“-Konferenzen fast selbstherrlich über jahrzehntelange Fronarbeiten von Millionenvölkern.

Im Schlepptau dieser freimaurerischen Demokratie schwamm dann die gesamtmarxistische Bewegung, welche die Anfänge eines gesunden Protestes der Arbeiterschaft verfälschte und alle sozialdemokratischen Parteien der Börse mit Hilfe des jüdischen Geldes, der jüdischen Führer und der jüdischen, teils individualistischen, teils universalistischen „Ideologie“ sich dienstbar machte. Der um sein Schicksal betrogene Industriearbeiter des 19. Jahrhunderts, plötzlich entwurzelt, aller Maßstabe des Urteils beraubt, flüchtete zu den verlockenden Predigten einer Internationale des Proletariats, glaubte durch Klassenkampf, d. h. durch Zerstörung einer Hälfte seines eigenen Körpers, „frei“ werden zu können, berauschte sich an der zu erreichenden Macht und übergoß dies alles mit der Tünche (Verfälschung des Opfergedankens) der Humanität. Heute ist dieser Wahn zerplatzt und die marxistische Führerschaft des furchtbaren Betrugs an einer schwer ringenden, an sich kraftvollen und kampfkräftigen Menschenschicht entlarvt*.

Das Paradoxon sowohl der Demokratie wie der marxistischen Lehre besteht darin, daß sie beide die brutalste, ehrloseste, materialistische Weltanschauung tatsächlich vertreten und bewußt alle Triebe nähren, die eine Zersetzung fördern könnten, zu gleicher Zeit aber ihre Barmherzigkeit, ihre Liebe zu den Unterdrückten und Ausgebeuteten beteuern. In kluger Weise wird hier die seelische Opferfähigkeit des Proletariats angerufen, um dieses seinen Führern gegenüber innerlich abhängig zu machen. Wir sehen hier im Marxismus die Idee des Opfers und der „Liebe“ die gleiche Rolle spielen, wie im römischen System. Blut und Ehre wurden gleichfalls von den Führern des Marxismus verhöhnt und verspottet, bis sich aber in der Arbeiterschaft doch diese unausrottbaren Ideen kundtaten. Heute spricht man endlich von einer „proletarischen Ehre“. Greift dieser Gedanke um sich, so ist noch nicht alles verloren, denn mit dem Hochhalten des Ehrbegriffes überhaupt wird sich die deutsche Arbeiterschaft einst auch ihrer ehrlosen marxistischen Führerschaft für immer zu entledigen wissen. Gestaltet sich dann dieser Begriff einer Standesehre zur Idee der Nationalehre aus, so ist dadurch der erste GIockenschlag der deutschen Freiheit getan. Es ist dies aber nur dann möglich, wenn alle wirklich Arbeitenden des deutschen Volkes eine Front gegen alle an Wirtschaft, Profit und Börse Verkauften bilden, gleich, ob diese Tatsache mit dem Mantel der Demokratie, des Christentums, des Internationalismus, der Humanität verdeckt wird.

A. Rosenberg: „Die internationale Hochfinanz als Herrin der Arbeiterbewegung in allen Ländern“, München 1925.

Friedrich der Große als Gleichnis

Wie eine unzähmbare Naturkraft wirkt der Geist Friedrichs des Großen heute im deutschen Volke. Alles, was im Taumel des triumphierenden Untermenschen sich selbst wieder fand, erblickte sein schlackenfreiestes Streben im Freiheitskampf des alten Fritz verwirklicht, vorgezeichnet mit einem ehernen Stift, der durch alle zeitlichen Umhüllungen hindurch germanisches Wesen umschrieb. Und neben dieser Größe erscheint dann die unbegreifliche Tragik, daß die für einen Großen mögliche Libertät des Geistes von allzuvielen Kleinen Besitz ergriff und das, was aus der furchtbaren aber notwendigen Zucht selbstformend herausstrebte, den Gedanken der mit äußerlichen Geistesflittern glitzernden französischen Demokratie in die Arme trieb. Napoleon traf ein dem Zopf und der Aufklärung ausgeliefertes Preußen an. Und dieses zerbrach, weil es nicht mehr fritzisch, sondern pazifistisch liberaIistisch dachte. „Wir sind eingeschlafen auf den Lorbeeren Friedrich des Großen“, schrieb später Königin Luise an ihren Vater. Aber aus diesem Niedergange entstieg endlich die Idee Alldeutschland. Preußens Ehre wurde Deutschlands Sache. Gneisenau und Blücher, Scharnhorst und Jahn, Arndt und Stein, sie alle waren die Verkörperung des alten Ehrbewustseins und haben das auch ihr ganzes Leben über ausgesprochen wie die Königin Luise selbst, die alles für die Milderung des Loses ihres Volkes tun wollte, nur nicht, was gegen das Ehrgefühl ginge.

Das alles wissen wir oder sollten es ebenso wissen, wie die Burschenschaften, die damals ihre Fahnen entrollten und später die Barrikaden bestiegen, als Zopf- und Untertanengeist – die ewig unseligen, noch heute herrschenden Ergebnisse des Dreißigjährigen Krieges – Deutschland um die Errungenschaften seines Hochfluges der Freiheitskriege gebracht hatten. Bis der Traum der Deutschen scheinbar auf den Schlachtfeldern von Metz, Mars la Tour, St. Privat und Sedan in Erfüllung ging. scheinbar! (Die russische Leidenslehre)

Denn das Versailles von 1871 war eine politische Einigung ohne mythischen, weltanschaulichen Gehalt. Das Unbedingte der großdeutschen Idee, die einen Blücher erklären ließ, wenn die Könige die Erhebung des Volkes nicht wollten, so sollte man sie davonjagen; die einen Stein veranlaßten, den König von Preußen vor die Wahl zustellen, den Aufruf „An mein Volk“ zu unterzeichnen, oder nach Spandau zu gehen, dieses Unbedingte fehlte dem Geschlecht nach 1871. Es gab sich „der Wirtschaft“, dem Welthandel hin, wurde freimaurerisch-human, wurde „saturiert“, vergaß die Aufgabe, seinen Lebensraum zu erweitern und zerbrach, durch Demokratie, Marxismus und Humanität zerfetzt. Erst heute ist die stunde der Wiedergeburt gekommen.

Die christlich-kirchliche Demut und die freimaurerische Humanität waren zwei Formen, unter denen die Idee der Liebe als Höchstwert Menschengruppen gepredigt wurde, die von irgendeinem herrschsüchtigen Zentrum aus geleitet werden sollten. Es spielt hierbei durchaus keine Rolle, daß sowohl viele Lehrer der christlichen Demut wie der liberalen Humanität dies gar nicht beabsichtigten; es handelt sich bloß um die Form der Ausnutzung eines verkündeten Wertes. Zum Ende des 19. Jahrhunderts trat die Liebesidee nun in einer dritten Form auf, die uns den Bolschewismus bescherte: in der russischen Leidens- und Mitleidenslehre, symbolisiert im „Dostojewskischen Menschen“.

Dostojewski spricht in seinem „Tagebuch“ ganz offen aus, daß ein „absolut wurzelhaftes Verlangen“ des rassischen Menschen in der Sehnsucht nach dem Leiden bestehe, nach fortwährendem Leiden; Leiden in allem, selbst in der Freude. Auf Grund dieser Idee handeln und leben seine Gestalten; im Mitleiden liegt deshalb auch der (Dostojewskis Tragik) Schwerpunkt der russischen Sittlichkeit. Das Volk weiß zwar, daß ein Verbrecher sündhaft handelt, aber: „Es gibt unausgesprochene Ideen … Zu diesen im russischen Volk verborgenen Ideen zählt die Bezeichnung der Verbrecher als Unglückliche. Diese Idee ist eine rein russische.“

Dostojewski ist das Vergrößerungsglas der russischen Seele; durch seine Persönlichkeit kann man ganz Rußland in seiner oft schwer deutbaren Mannigfaltigkeit ablesen. Und tatsächlich sind die Folgerungen, die er aus seinem Bekenntnis zieht, ebenso bezeichnend wie seine Bedenken in der Beurteilung des russischen Seelenzustandes. Er bemerkte, daß diese Idee des Leidens mit einem Zug des Unpersönlichen und Unterwürfigen eng verknüpft sei. Der russische Selbstmörder z. B. hege auch keinen Schatten des Mißtrauens, daß das zu tötende Ich ein Unsterbliches sei. Dabei sei er gar kein Atheist. Er habe scheinbar davon gar nichts gehört: „Denkt an die früheren Atheisten: wenn sie den Glauben an eines verloren hatten, begannen sie sofort leidenschaftlich an ein anderes zu glauben. Denkt an den Glauben Diderots, Voltaires … Bei den unseren vollkommen tabula rasa; ja und wozu hier Voltaire nennen; es fehlt einfach an Geld, um sich eine Geliebte zu halten, und weiter nichts.“

Diese Erkenntnis bei einem Menschen vorzufinden, der „nur leben wollte, um einmal sein Volk glücklich und gebildet zu sehen“, ist erschütternd und ergänzt sich durch die Bemerkung Dostojewskis, daß es in Rußland keinen Menschen gäbe, der nicht lüge. Und dies, weil dort die allerehrbarsten Leute lügen könnten. Erstens, weil dem Rassen die Wahrheit zu langweilig scheine; zweitens aber, „weil wir uns alle unseres Selbsts schämen und jeder sich bemüht, sich unbedingt als etwas anderes zu Zeigen, als er ist.“ Und bei aller Sehnsucht nach Wissen und Wahrheit sei der Rasse doch schlecht bewaffnet. Hier zeigt sich aber bereits die Kehrseite der Unterwürfigkeit: die grenzenlose An- (Russische Demut und Anmaßung) maßung. „Er (der Russe) versteht vielleicht gar nichts von den Fragen, die er sich zu lösen vornahm, aber er schämt sich dessen nicht und sein Gewissen ist ruhig. Diese Gewissenlosigkeit zeugt von einer solchen Gleichgültigkeit in bezug auf Selbstkritik, von einer solchen Nichtachtung seiner selbst, daß man in Verzweiflung gerät und die Hoffnung verliert auf etwas Selbständiges und Rettendes für die Nation.“

Der Leutnant Pirogow wird auf der Straße in voller Uniform von einem Deutschen geschlagen. Nachdem er festgestellt hat, daß niemand den Vorfall beobachten konnte, flüchtete er in eine Nebengasse, um am gleichen Abend als Held des Salons einer vornehmen Dame einen Heiratsantrag zu machen. Diese wußte nichts von der Feigheit ihres Liebhabers: „Aber glauben sie, daß sie ihn auch dann genommen hätte? – Unbedingt hätte sie es getan.“

Mehrere Russen fahren in der Eisenbahn mit Justus von Liebig zusammen, der jedoch niemand bekannt ist. Einer von ihnen, der nichts von Chemie versteht, beginnt mit Liebig über dieses Thema zu sprechen. Er redet schön und lange bis zu seiner Station, nimmt dann seine Sachen und verläßt, stolz und ungeheuer mit sich zufrieden, das Abteil. Die anderen Russen aber haben keinen Augenblick daran gezweifelt, daß der Charlatan in der Debatte gesiegt habe.

Dieses Sichdemütigen (verbunden mit plötzlicher Anmaßung) führt Dostojewski auf eine 200 jährige Entwöhnung von jeder Selbständigkeit und auf das 200 jährige Bespeien des russischen Antlitzes zurück, welches das russische Gewissen zu einer katastrophalen Unterwürfigkeit erweitert habe. Wir werden heute ein anderes Urteil fällen: es ist etwas ungesund, krank, bastardisch im russischen Blut, welches alle Anläufe zum Hohen immer wieder durchkreuzt. Der Psychologismus ist nicht die Folge eines starken Seelentums. sondern das gerade Gegenteil, ein (Die Raskolnikows) Zeichen einer Seelenverkrüppelung. Wie ein Verwundeter immer wieder seine Wunde betasten und untersuchen wird, so ein Seelenkranker seine inneren Zustände. In der russischen Leidens- und Unterwürfigkeitsidee liegt die stärkste Spannung zwischen den Werten Liebe und Ehre. Im ganzen Abendlande brach die Ehre und Freiheitsidee immer wieder durch, trotz Scheiterhaufen und Interdikt. Beim „russischen Menschen“, wie er um die Wende des 20. Jahrhunderts nahezu Evangelium wurde, tritt die Ehre als gestaltende Kraft überhaupt nicht in Erscheinung. Mitja Karamasow, der seinen Vater mit Füßen mißhandelt, um gleich darauf demütig zu werden, kennt sie kaum, nicht der grübelnde Iwan, noch der Starez Sossima (eine der schönsten Gestalten der russischen Literatur), geschweige denn der alte Karamasow selbst. Fürst Myschkin spielt die krankhaft idiotische Rolle eines perfönlichkeitsbaren Menschen erschütternd zu Ende. Rogoschin ist von wüster Leidenschaftlichkeit, das europäische Zentrum mangelt auch ihm. Raskolnikow ist der innerlich Gewichtslose, Smerdjakow schließlich die Zusammnenballung alles Knechtischen ohne jede Sehnsucht nach oben.. Dazu gesellen sich all jene gestikulierenden Studenten und kranke Revolutionäre, welche ganze Nächte lang durcheinander sprechen, debattieren, ohne schließlich zu wissen, worüber sie überhaupt gestritten haben. Das sind Gleichnisse eines verdorbenen Blutes, einer vergifteten Seele.

Einst sah sich Turgenjew in Rußland nach einem Vorbild von Kraft und Gradlinigkeit für den Helden eines Romans um. Er fand keinen und wählte einen Bulgaren, den er Insarow nannte. Gorki stieg hinab auf den Boden der Gesellschaft, schilderte den Landstreicher ohne Willen. ohne Glauben, oder doch nur mit einem solchen, der wie Phosphorglanz im faulen Holze schimmere*. Andrejew gelangte zu dem Mann, der die Ohrfeigen bekam, und sie* „Unter fremden Menschen“. (Das beanspruchte „Allmenschentum“) alle bestätigen als Menschen die bittere Erkenntnis Tschaadajews, daß Rußland weder zum Westen noch zum Osten gehöre, daß er keine organisch gefestigte Eigenüberlieferung verwalte. Der Russe, allein in der Welt, habe keine einzige Idee in der Menge der Menschheitsideen eingeführt und alles, was er vom Fortschritt erhalten habe, sei durch ihn verzerrt worden. Der Russe bewege sich zwar, aber auf einer krummen Linie, die zu keinem Ziele führe und er sei wie ein kleines Kind, das nicht richtig denken könne*.

Diese Erkenntnis schlummerte, wie dargelegt, auch in Dostojewski, der Mangel an Persönlichkeitsbewußtsein ist von ihm deutlich erkannt worden. Der qualvollen Sehnsucht aber, der Welt doch etwas Selbständiges zu schenken, ist sein „Allmenschentmn“ entsprossen, das angeblich mit dem Russentum gleichbedeutend sein sollte. Rußland sei es, welches das wahre Bild Christi in seinem Busen treu bewahrt habe, mit der Bestimmung, einmal, wenn die Völker des Westens den Weg verloren hätten, sie auf eine neue rettende Bahn zu weisen Das leidende, duldende Menschentum sei eine Prophezeiung für das kommende „Wort“ Rußlands,

* Ein sehr interessantes Urteil über den Russen gab bereits vor vielen Jahrzehnten Viktor von Helm ab: „Rußland ist ein Land des ewigen Wechsels und völlig unkonservativ, und ein Land – ultrakonservativen Herkommens, in dem die Urzeit lebendig ist und das von den Sitten und Vorstellungen nicht läßt, man mag sich stellen, wie man wolle. Die moderne Kultur ist hier Firnis, wogt auf und ab, bringt nur ekelhafte Erscheinungen hervor; was die uralte Tradition an Gütern, Gebräuchen, Werkzeugen nsw. überliefert hat, ist solid, vernünftig, klug erdacht und geschickt benützt.“

Und an anderer Stelle: „Sie sind kein jugendliches Volk, sondern ein seniles – wie die Chinesen. Alle ihre Fehler sind keine jugendliche Roheit, gehen aus asthenischer Entnervung hervor. sie find sehr alt, uralt und haben das Älteste konservativ bewahrt und geben es nicht auf. An ihrer Sprache, ihrem Aberglauben, ihrem Erbrecht usw. läßt sich das früheste Altertum studieren. Sie sind gewissenlos, ehrlos, schuftig, leichtsinnig, inkonsequent, ohne Gefühl und Selbsttätigkeit, aber nur in den aufgegzwungenen modernen Kulturformen, die entwickelte, selbständige Subjektivität verlangen; sind unveränderlich sittlich, felsenfest, zuverlässig, wo es sich um die ihnen eigene, altasiatische, primitive Gestalt des Lebens handelt. sie sind ein stationäres Volk. Ein solches behandelt nach Goethes tiefer Beobachtung auch die Technik mit Religion. Und in den altrussischen Zweigen der Technik handeln sie solid in allem, wo die kernhafte, auf sich beruhende Individualität nicht erforderlich wird, sondern die gemeinsame Fabrikation nach ererbten, jedem eingeschriebenen Regeln; dann arbeiten sie wie die Biber, Ameisen, Bienen. Alle europäische Industrie in Rußland ist zum Lachen erbärmlich; alles nur zum Schein, auf den Moment berechnet, zerbrechlich, übertüncht, immer nach den neuesten höchsten Mustern kindischer Weise und höchst unvollkommen, roh, geschmacklos nachgeahmt.“ (Vgl. Schiemann: „Viktor Helm, ein Lebensbild“, 1894.)

Die Demütigen als „Helden“

Es ist heute klar, daß Dostojewskis verzweifelter Versuch im Wesentlichen dem Betragen des Russen gleicht, den er Justus von Liebig gegenübergestellt hatte; eine gebrochene, persönlichkeitslose Seele, die sich anmaßt, die Welt zu bekehren.

Dostojewski hatte Erfolg bei allen Europäern, die in müder Erschlaffung begriffen waren, bei allen Bastarden der Großstadt-Geistigkeit und – bei Weglassung seiner antisemitischen Anschauung – bei der jüdischen Literatenwelt, die in seinen Gestalten und in Tolstois ödem Pazifismus ein weiteres willkommenes Mittel zur Zersetzung des Abendlandes erblickte. Die künstlerische Kraft Dostojewskis steht hier nicht zur Debatte (siehe hierzu zweites Buch), sondern die Gestalten als solche, die er schuf, und seine Umgebung, die hier verwirklicht wurde. Als „menschlich“ galt von nun an alles, was krank, gebrochen, angefault war. Die Gedemütigten und Verfolgten wurden zu „Helden“, Epileptiker zu Problemen eines tiefen Menschentums, gleichsam unantastbar wie die heiligen verfaulenden Bett- (Die „Macht der Finsternis“) ler des Mittelalters, oder ein Simon Stylites. Damit war die Auffassung des germanischen Menschentums in ihr Gegenteil verkehrt. Menschlich ist für den Abendländer ein Held wie Achilles oder der schöpferisch ringende Faust; menschlich ist eine Kraft, wie der unermüdliche Leonardo; menschlich ist ein Kämpfertum, wie es Richard Wagner und Friedrich Nietzsche durchlebten Mit dieser russischen Krankheit. Verbrecher als Unglückliche und Morsche und Verfaulte als Symbole der „Menschlichkeit“ hinzustellen, muß einmal für immer aufgeräumt werden. selbst der Inder, auf den sich viele Rassen fälschlicherweise berufen, nimmt sein Schicksal als selbstverschuldet hin, als schuld eines früheren Lebens. Wie immer man diese Sseelenwanderungslehre auch deuten möge, aristokratisch ist sie und aus einem tapferen Herzen stammte sie einstmals. Der Jammer über die „Macht der Finsternis“ aber ist das hilflose Gestammel eines vergifteten Blutes. Dieses verdorbene Blut schuf sich seinen Höchstwert der Leidenssehnsucht, der Demut, „allmenschlicher Liebe“ und wurde naturfeindlich wie einst das siegende Rom, bis Europa den asketischen ägyptisch-afrikanischen Masochismus halbwegs von sich zu schütteln vermochte.

Daß man die altgriechische Liebe mit der sog. christlichen Lehre heute mit dem gleichen Wort bezeichnet und gar Dostojewski und PIaton in einem Atemzuge nennt, ist ein Verhängnis gewesen, Der Eros Alt-Griechenlands war eine seelische Überschwänglichkeit, stets verbunden mit zeugendem Naturgefühl, und der göttliche PIaton ist eine ganz andere Gestalt als ihn Theologen und Professoren uns zurechtgefäIscht haben. Von Homer bis PIaton ist Natur und Liebe eines gewesen, ebenso wie auch die höchste Kunst in Hellas rassegebunden blieb. Die kirchliche „Liebe“ aber setzte sich nicht nur gegen alle Gedanken von Rassen-und Volkstum, sondern sie ging noch weit darüber hinaus. Der „heilige“ Zeno sagte im 4. Jahrhundert n. Chr.:

Die kirchliche Beschimpfung des Leibes

„Der größte Ruhm der christlichen Tugend ist es, die Natur mit Füßen zu treten.“ Diesen Lehrsatz hat die Kirche, wo sie sich nur irgend durchsetzen konnte, getreulich befolgt. Die Beschimpfung des Körpers als unrein dauert ununterbrochen fort bis in unsere Tage, da der Nationalismus und der Rassengedankte als heidnisch bekämpft werden. Die „Nachfolge Jesu“, da sich die Frommen in Asche wälzten, mit peitschen schlugen, in Eiter und Wunden gingen, sich mit Eisenktetten beluden, wie Simon dreißig Jahre auf einer Säule hockten, oder. wie der hl. Thaleläus, zehn Jahre in einem Wagenrad eingeklemmt verbrachten, um den Rest des „Lebens“ in einem engen Käfig zuzubringen, diese „Nachfolge“ war eine parallele zum abstrakten „Guten“ des Sokrates und zum späteren „Menschen Dostojewskis“.

Nicht naturlose „Liebe“, nicht eine unfaßbare „Gemeinde der Guten und Gläubigen“, nicht eine „Allmenschlichkeit“ mit zersetztem Blut ist es, was je und je Kultur- und kunsterzeugend gewirkt hat, sondern – in Hellas – der fruchtbare Eros und die rassische Schönheit, in Germanien die Ehre und die rassische Lebensdynamik. Wer diese Gesetze mißachtet, ist nicht fähig, Wege zu weisen für eine kraftvolle Zukunft des germanischen Abendlandes.

Man kann bei Dostojewski sein heiliges großes Wollen im steten Kampf mit den Mächten des Unterganges geradezu mit Händen greifen. Während er noch den russischen Menschen als Wegweiser der europäischen Zukunft preist, sieht er Rußland doch schon den Dämonen ausgeliefert. Er weiß bereits, wer Herr werden wird im Spiel der Kräfte: „stellenlose Advokaten und freche Juden.“ Kerenski und Trotzki sind geweissagt. Im Jahre 1917 wurde der „russische Mensch“ endlich erlöst. Er zerfiel in zwei Teile. Das nordisch-russische Blut gab den Kampf auf, das ostisch-mongolische schlug mächtig empor, berief Chinesen und Wüstenvölker; Juden, Armenier (Bolschewismus – eine Blutserkrankung) drängten sich an die Führung und der KaImücko-Tatare Lenin wurde Herr. Die Dämonie dieses Blutes richtete sich instinktiv gegen alles, was noch äußerlich als aufrecht wirkte, männlich nordisch aussah, gleichsam lebendiger Vorwurf war gegen einen Menschen, den Lothrop Stoddard als „Untermenschen“ bezeichnete. Aus der vor Ohnmacht anmaßenden Liebe von früher wurde ein epileptischer Anfall, politisch durchgeführt mit der Energie eines Wahnsinnigen. Smerdjakow herrscht über Rußland. Wie immer das russische Experiment auch auflaufen möge: der Bolschewismus als Herrscher war als Folge nur möglich in mitten eines rassisch und seelisch kranken Volkskörpers, der sich nicht zur Ehre, sondern nur bis zur blutlosen „Liebe“ zu entscheiden vermochte. Wer ein neues Deutschland will, wird somit auch die russische Versuchung nebst ihrer jüdischen Ausnutzung von sich weisen. Die Umkehr ist auch hier bereits vollzogen. Die Ergebnisse wird die Zukunft verzeichnen.

Als der Weltkrieg ausbrach, erblickten auch die leitenden krank gewordenen Nationalen in Deutschland gleichfalls nicht in Ehre und Freiheit und Volkstum, nicht in der Liebe, wohl aber in der Wirtschaft das Schicksal. Auch diese Vergiftung mußte zur Krise, zum Aufbrechen der Eiterbeule führen. Das geschah am 9. November 1918. Die Folgezeit bewies, daß s ä m t l i c h e alten Parteien und ihre Führer angefault, unbrauchbar für einen Neubau unseres Staates waren. sie mußten vom Volk sprechen und dachten nur an Wirtschaft; sie redeten von der Einheit des Reiches und dachten an Profite; sie betrieben „christliche Politik“ und schafften emsig in ihre eigenen Scheunen. Die seelische und politische Lage unserer Zeit ist deshalb folgende:

Das Ende einer Welt

Das alte syrisch-jüdisch-ostische Kirchentum entthront sich selbst: ausgehend von einer Dogmatik, die den seelischen Baugesetzen des nordischen Abendlandes nicht entsprach, im Bemühen, die allein tragenden und kulturschaffenden Ideen der nordischen Rasse – Ehre, Freiheit und Pflicht – beiseitezuschieben oder sich botmäßig zu machen, hat dieser Vergiftungsvorgang schon mehrfach zu schwersten Zusammenbrüchen geführt. Wir erkennen heute, daß die zentralen Höchstwerte der römischen und der protestantischen Kirche als negatives Christentum unserer Seele nicht entsprechen, daß sie den organischen Kräften der nordisch-rassisch bestimmten Völker im Wege stehen, ihnen PIatz zu machen haben, sich neu im Sinne eines germanischen Christentums umwerten lassen müssen. Das ist der Sinn des heutigen religiösen Suchens.

Der alte Nationalismus ist tot. Einmal, 1813, aufgeflammt, hat er seine Unbedingtheit immer mehr eingebüßt, wurde durch zopfigen Dynastizismus, Industriepolitik, börsenmäßige Profitwirtschaft immer mehr vergiftet, veräußerlichte im ideenlosen Bürgertum des neunzehnten Jahrhunderts, dank humanitärer Verblödung, und zerbrach am 9. November 1918, als seine Träger und Vertreter vor einigen Haufen Deserteuren und Zuchthäuslern davonliefen.

Der alte Sozialismus verfault am lebendigen Leibe.

Als organische Sehnsucht geboren, fiel er in die Hände internationaler Schwätzer und Betrüger, verriet seinen opfermutigen Aufschwung dank börsen-kapitalistischen Bindungen seiner fremdblütigen Führung, vermählte sich mit tataro-bolschewistischen Verwesungskeimen und bewies von neuem, daß mit materialistischen Ideen keine organischen Revolutionen zur Freiheit durchgeführt werden können. Der Marxismus verwest auf den weiten Ebenen Rußlands und auf den Konferenzsesseln (Beginn der Wiedergeburt) von Genf und Paris und Locarno und im Haag… Dort wurde der sozialistische Gedanke an die Hyänen der Börsen restlos verraten.

Es bricht also heute eine ganze Welt zusammen. Das Ergebnis des Weltkrieges bedeutete eine Weltrevolution und zeigte das wahre Gesicht des mit allem Wust der Jahrtausende überladenen 19. Jahrhunderts. Werte und Sitten und Gebräuche, die noch lebendig schienen, sanken dahin, sind auch innerlich schon überwunden, nur eine richtungslos geblichene Masse betet noch zu den Ruinen der alten Götzenhäuser. Aus dem Schutt aber erheben sich heute Mächte, die begraben schienen, und ergreifen immer bewußter Besitz von allen, die um ein neues Lebens- und Zeitgefühl ringen. Die nordische Seele beginnt von ihrem Zentrum – dem Ehrbewußtsein – heraus wieder zu wirken. Und sie wirkt geheimnisvoll, ähnlich wie zur Zeit als sie Odin schuf, als einst Otto des Großen Hand spürbar wurde, als sie Meister Eckehart gebar, als Bach in Tönen dichtete und als Friedrich der Einzige über die Erde schritt. Eine neue Zeit deutscher Mystik ist angebrochen, der Mythus des Blutes und der Mythus der freien Seele erwachen zu neuem bewußtem Leben.

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Der Mythus des 20. Jahrhunderts Erstes Buch: III. Mystik und Tat

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Im nordischen W, im germanischen Ritter, im preußischen Offizier, im baltischen Hansen, im deutschen Soldaten und im deutschen Bauern erkennen wir den lebengestaltenden Ehrbegriff in seinen verschiedenen erdgebundenen Auswirkungen. In der Dichtkunst sehen wir von den alten Epen an, über Walther von der Vogelweide, die Rittergesänge bis Kleist und Goethe das Motiv der Ehre als Gehalt und das der inneren Freiheit als wichtigstes Gestaltungsgesetz auftreten. Nun gibt es aber noch eine feine Verästelung, in der wir das Wirken nordischen Wesens verfolgen können: das ist der deutsche Mystiker.

Dieser Mystiker ist bemüht, sich aus den Verstrickungen der stofflichen Welt immer mehr und mehr herauszulösen. Er erkennt das Triebhafte unseres Menschendaseins, Genuß, Macht, aber auch die sogenannten guten Werke als für die Seele nicht wesentlich; aber je mehr er alles Erdenschwere überwindet, um so größer, reicher, göttlicher fühlt er sich innerlich werden. Er entdeckt eine rein seelische Macht und fühlt, daß diese seine Seele ein Zentrum an Kraft darstellt, dem schlechterdings nichts vergleichbar ist. Diese Freiheit und Unbekümmertheit der Seele allem, auch Gott gegenüber und die Abwehr eines jeden Zwanges, auch eines solchen von seiten Gottes, zeigt die tiefste Tiefe, bis wohin wir den nordischen Ehr- und Freiheitsbegriff hinunter verfolgen können. Er ist jene „Bergfeste der Seele“, jenes „Fünklein“, von dem Meister Eckehart mit immer neuer staunender Bewunderung spricht; er stellt das innerste, zarteste und doch stärkste Wesen unserer Rasse (Ehre und Freiheit) und Kultur dar. Eckehart nennt dieses Innerste nicht mit Namen, da das reine Subjekt des Erkennens und Wollens namenlos, eigenschaftslos, von allen Formen der Zeit und des Raumes geschieden sein müsse. Wir aber dürfen es heute wagen, dieses „Fünklein“, das sich doch als eine verzehrende Flamme gezeigt hat, als das metaphysische Gleichnis der Ideen von Ehre und Freiheit zu bezeichnen. Denn Ehre und Freiheit sind letzten Endes keine äußerlichen Eigenschaften, sondern Zeit- und raumlose Wesenheiten, die jene „Festung“ bilden, aus welcher der echte Wille und die echte Vernunft ihre Ausfälle in „die Welt“ unternehmen. Entweder um sie zu besiegen, oder sie als Notbehelf für Seelenverwirklichung zu benutzen.

Die frohe Botschaft der deutschen Mystik ist von der Europa feindlichen Kirche mit allen Mitteln gedrosselt worden, ehe sie ganz erblühen konnte. Diese Botschaft war jedoch nie ganz gestorben; die große Sünde des Protestantismus aber war es, anstatt auf sie zu hören, das sogenannte Alte Testament zum Volksbuch gemacht und den jüdischen Buchstaben als Götzen hingestellt zu haben. Die heutige Zeit der wiedereinsetzenden Seelenbereitschaft wird entweder (wenn auch unter neuen Formen) auf die Botschaft der deutschen Mystik hören, oder sie wird unter den Tritten der alten Mächte vor ihrer Entfaltung verenden, wie schon so mancher Versuch der Wiederaufrichtung unseres Wesens nach der erfolgten römisch-jüdischen Vergiftung. Dem „erleuchteten Sinn und auferhobenen Geist“, den Meister Eckehart von leinen Zuhörern forderte, muß sich heute ein stahlharter Wille zugesellen, der mutig genug ist, alle Folgerungen aus seiner Erkenntnis zu ziehen. „Willst du den Kern haben, so mußt du die Schale zerbrechen“ (Eckehart).

Sechshundert Jahre sind es her, seit der größte Apostel des nordischen Abendlandes uns unsere Religion schenkte, (Wotan und Bonifazius) ein reiches Leben daran setzte, unser Sein und Werden zu entgiften, das Leib und Seele knechtende syrische Dogma zu überwinden und den Gott im eigenen Busen zu erwecken, das „Himmelreich inwendig in uns“.

Im Suchen nach einer neuen seelischen Anknüpfung an Vergangenes gehen nicht die schlechtesten der heutigen Erneuerungsbewegung nur auf die Edda und ihr verwandte germanische Vorstellungskreise zurück. Ihnen ist es in erster Linie zu verdanken, daß neben der Fabel auch der innere Reichtum unserer Sagen und Märchen unter dem Schutt und der Asche der Scheiterhaufen wieder sichtbar geworden ist. Aber die germanischen Glaubensgemeinschaften übersehen im Verfolgen ihrer Sehnsucht, bei vergangenen Geschlechtern und ihren religiösen Gleichnissen inneren Halt zu finden, daß Wotan als Religionsform tot ist. Er starb nicht am „Bonifazius“, sondern an sich selber; er vollendete den Untergang der Götter einer mythologischen Epoche, einer Zeit der unbekümmerten Natursymbolik. Man ahnte seinen Sturz schon in den nordischen Gesängen, hoffte aber im Vorgefühl der unvermeidlichen Götterdämmerung doch auf den „Starken von oben“. An dessen stelle aber trat zum Unglück Europas der syrische Jahwe in der Gestalt seines „Stellvertreters“, des etruskisch-römischen Papstes. Odin war und ist tot; den „Starken von oben“ aber entdeckte der deutsche Mystiker in der eigenen Seele. Das göttliche Walhall stieg aus unendlichen nebeligen Fernen hernieder in des Menschen Brust. Die Entdeckung und Verkündung der unvergänglichen Freiheit der Seele war jene rettende Tat, die uns bis auf heute gegen alle Erdrosselungsversuche geschützt hat. Die Religionsgeschichte des Abendlandes ist deshalb fast ausschließlich die Geschichte religiöser Empörungen. Echte Religion innerhalb der Kirche war nur insoweit vorhanden, als die nordische Seele an ihrer Entfaltung nicht verhindert werden konnte (wie etwa beim heiligen Franziskus (Mystisch-germanische Wiedergeburt) und Fra Angelico), weil ihr Widerhall in der abendländischen Menschheit doch ein zu mächtiger war.

Im deutschen Mystiker tritt zuerst und bewußt – wenn auch im Gewände seiner Zeit – der neue, der wiedergeborene germanische Mensch in die Erscheinung. Nicht in der Zeit der sogenannten Renaissance, nicht in der sogenannten Reformation vollzieht sich die seelische Geburt unserer Kultur – diese Zeit ist mehr äußerer Aufbruch und verzweifelter Kampf – nein, im 13. und 14. Jahrhundert

wird die Idee der seelischen Persönlichkeit, die tragende Idee unserer Geschichte, zum erstenmal Religion und Lebenslehre; in dieser Zeit wird auch das Wesen unserer späteren kritischen Philosophie bewußt vorweggenommen und darüber hinaus das ewige metaphysische Bekenntnis des nordischen Abendlandes verkündet, welches zwar durch die Seelen vieler Geschlechter hindurch wirkte, aber nicht eher allgemein gelöst werden konnte, als bis die Zeit dazu reif geworden war. „Die tiefsten Brunnen tragen die höchsten Wasser“; unserer Zeit ist es beschieden worden, in die tiefste Tiefe zu sinken, um das Höchste ans Licht zu heben. Ob sie sich dieser Berufung würdig zeigen wird, hängt von ihr selber ab.

Weit über dreihundert Jahre dauerte es, bis der Name Christi den Völkern am Mittelmeer etwas bedeutete, rund tausend mußten verstreichen, bis das ganze Abendland von ihm durchdrungen war. Konfuzius starb von nur wenigen betrauert; erst dreihundert Jahre nach seinem Tode begann die Verehrung, erst fünfhundert Jahre später wurde ihm der erste Tempel gebaut. Heute wird zu ihm in eintausendfünfhundert Tempeln als zu dem „vollkommenen Heiligen“ gebetet. Auch über dem Grab des Meisters Eckehart mußten sechshundert Jahre verrauschen, ehe die deutsche Seele ihn begreifen konnte. Heute scheint es wie ein Dämmern durchs Volk zu gehen, das anzeigt, (Das „innere Werk“ der Seele) als sei es reif geworden für den Apostel der Deutschen, den „heiligen und seligen Meister“*.

Jedes Geschöpf treibt sein Wesen um eines wenn auch ihm selbst unbekannten Zieles wegen. Auch die Seele besitzt ihr Ziel: rein zu sich selber und zum Gottbewußtsein zu gelangen. Diese Seele aber hat sich in die Welt der Sinne, des Raumes und der Zeit, „zerspreitet und zerstreut“. Die Sinne betätigen sich in ihr und schwächen – zunächst – die Kraft der seelischen Zusammenballung; die Vorbedingung des „inneren Werkes“ ist deshalb das Ein-

* Es wird eine ewige Schande bedeuten, daß Meister Eckehart noch nirgends eingehend und erschöpfend behandelt worden ist. Über ihn unterrichtet zunächst die Pfeiffersche Herausgabe seiner Predigten. Was die katholischen Schriftsteller aus Eckehart gemacht haben, dafür bieten die Schriften Denifles das beste Beispiel. Der große Deutsche sinkt zu einem Nachahmer herunter, dessen Seitensprünge dann „zurückgewiesen“ werden. Vgl.Denifle „Meisler Eckeharts lat. Schriften“, 1886; „Das geistliche Leben“, eine Schrift voll Süßigkeiten und religiösem Kitsch, in welchen Eckehart “ hineingearbeitet“ worden ist. P. Mehlhorn gibt nur eine kurze, wenig sagende Übersicht („Die Blütezeit der deutschen Mystik“), während) A. Spamer interessante Texte zusammengestellt hat („Texte aus der deutschen Mystik des 14. und 15. Jahrhunderts“), Lehrreich sind die ausgewählten Texte Meister Eckeharts von 0. Karrer, 1923. Etwas mühsam, aber doch mit Einsicht in die Größe Eckeharts ist Dr. A. Dempfs Untersuchung in seiner „Metaphysik des Mittelalters“, München 1930. Die beste Arbeit und zugleich eine in die Tiefe gehende Würdigung hat H- Büttner gegeben („Meister Eckeharts Schriften und predigten“, 2 Bände). seiner hochdeutschen Übertragung bin ich gefolgt. Es wäre zu wünschen, daß der Verlag E. Diederichs, Jena, eine ganz billige, vielleicht gekürzte Volksausgabe des Werkes herstellen ließe. Es gehört als erste Schrift in jedes deutsche Haus. – Wie ich erfahre, ist seit 1931 die Herausgabe der gesamten Werke Eckeharts in Vorbereitung. Es ist höchste Zeit geworden! (Der „Seele Adel“) ziehen aller nach außen wirkenden Kräfte, das Auslöschen aller Bilder und Gleichnisse. Dieses „innere Werk“ aber bedeutet: das Himmelreich „an sich zu reißen“, wie es Jesus von den „Gewaltigen“ der Seele bezeugt und gefordert habe. Dieser Versuch des Mystikers fordert also die Ausschaltung der Welt als Vorstellung, um uns möglichst als reines Subjekt des uns innewohnenden metaphysischen Wesens bewußt zu werden; und da dies nicht vollkommen möglich ist, wird die Idee „Gott“ als neues Objekt dieser Seele erschaffen, um zum Schluß die Gleichwertigkeit von Seele und Gott zu verkünden.

Diese Tat ist aber nur unter der Voraussetzung der Freiheit der Seele von allen Dogmen, Kirchen und Päpsten möglich. Und Meister Eckehart, der Dominikaner-Prior, scheut sich nicht, dieses Grundbekenntnis alles arischen Wesens freudig und offen hinauszurufen. Er berichtet durch ein langes Leben hindurch vom „ungeschaffenen und unerschaffbaren Licht der Seele“, und predigt: „Gott hat die Seele in freie Selbstbestimmung eingesetzt, so daß er über ihren freien Willen hinweg ihr nichts antun noch ihr zumuten will, was sie nicht will.“ Entgegen aller Zwangsglaubenslehre fährt er fort, zu erklären, drei Stücke seien es, die der „Seele Adel“ bewiesen: „Das erste handelt vom Wesen in seiner Herrlichkeit (vom „Himmel“), das zweite von den Kräften in ihrer Mächtigkeit, das dritte von den Werken als ihrer Fruchtbarkeit.“ Vor jedem „Ausgehen“ in die Welt muß die Seele sich „ihrer eigenen Schönheit“ bewußt geworden sein. Das innere Werk der Eroberung des Himmelreichs kann aber auch seinerseits nur durch höchste Freiheit vollbracht werden. „Deine Seele bringt eher keine Frucht, als bis sie das Werk verrichtet: und überläßt dich nicht Gott noch dir selber, du habest denn dein Werk zur Welt gebracht. Anders hast du keinen Frieden und bringst auch solange keine Frucht. Und auch dann ist sie noch unansehnlich genug: weil sie aus einer (Seelengröße weiter als der Himmel) (an Äußerlichkeiten) gefesselten, werkverhafteten Seele, nicht aus der Freiheit geboren ist.“ Und wenn die Frage entstehe, warum Gott überhaupt Mensch geworden sei, so antwortet der ketzerische Eckehart nicht: damit wir armseligen Sünder uns einen Überschuß an guten Werken aufschreiben könnten, sondern er sagt: „Ich antworte: darum, damit Gott in der Seele geboren werde…“ Woraus sich dann ein frohes Bekenntnis ergibt: „Die Seele, in der Gott geboren werden soll, der muß die Zeit und sie der Zeit entfallen sein, sie muß sich emporschwingen und ganz verstarrt stehen in diesem Reichtum Gottes: das ist Weite und Breite, die nicht weit und breit. Da erkennt die Seele alle Dinge und erkennt sie da in ihrer Vollendung! Die Meister, was die auch schreiben wie weit der Himmel sei: das geringste Vermögen, das es in meiner Seele gibt, ist weiter als der weite Himmel!“

Die landläufige Erklärung der Mystik betont immer wieder nur das „Sichaufgeben“, das „Sichwegwerfen an Gott“ und erblickt in dieser Selbsthingabe an ein A n d e r e s das Wesen des mystischen Erlebens. Diese Betrachtungsweise ist durch die römisch verfälschte Spätmystik verständlich, sie entstammt ferner der scheinbar unausrottbaren Einstellung, als seien Ich und Gott wesensverschieden. Wer aber Eckehart als eine Ganzheit begriffen hat, wird unschwer feststellen, daß diese „Hingabe“ in Wirklichkeit höchstes Selbstbewußtsein ist, das sich in dieser Welt aber gar nicht anders darstellen läßt, als durch ein Gegenüber in Zeit und Raum. Die Lehre von der Seele, die mehr ist als das Weltall, auch frei ist von Gott, und die Lehre von der Abgeschiedenheit bedeuten die restlose Absage an die alttestamentliche Vorstellungswelt und an die süßliche Aftermystik der späteren Zeit.

Jene Worte über das weltenweite Seelenvermögen sind echt mystisches Erleben, zugleich bedeuten sie die (Eckeharts Erkenntniskritik) philosophische Erkenntnis der Idealität von Raum, Zeit und Ursächlichkeit (Kausalität), was Eckehart auch an anderen Stellen mit vollem Bewußtsein behauptet, nachweist und in schönerer Sprache lehrt, als es der mit naturwissenschaftlicher und philosophischer Scholastik schwerer bepackte Kant vierhundert Jahre später tun konnte. „Der Himmel ist rein und von ungetrübter Klarheit, ihn rührt weder Zeit noch Raum. Nichts Körperliches hat darin seine Stätte und er ist auch nicht in der Zeit einbegriffen: seine Umdrehung geschieht unglaublich schnell, sein Lauf ist selber zeitlos, aber von seinem Lauf kommt die Zeit. Nichts hindert die Seele so sehr, Gott zu erkennen, als Zeit und Raum. Soll also die Seele Gott überhaupt erkennen, so muß sie ihn erkennen oberhalb des Raumes … Soll das Auge die Farbe gewähren. so muß es selber aller Farben zuvor entkleidet sein.

soll die Seele Gott gewahren, so darf sie mit dem Nichts nichts gemein haben.“ Gott, dieser positive Ausdruck des religiösen Menschen für die bloß philosophisch-abgrenzende Bezeichnung „Ding an sich“ wird also mit höchster Besonnenheit nicht nur als von Trieb und Bild verschieden erfaßt (womit jegliche Natursymbolik vernichtet ist), sondern auch die reinen Anschauungsformen werden als bloße Hüllen erkannt und abgestreift. An einer anderen Stelle sagt Eckehart: „Alles was ein sein hat in Zeit und Raum, das gehört nicht Gott zu…“ „Die Seele ist ganz und ungeteilt zugleich im Fuß und im Auge und in jeglichem Glied… Das Jetzt, in welchem Gott die Welt gemacht hat, das ist dem Jetzt, in welchem ich augenblicklich spreche, genau so nahe, wie der gestrige Tag. Und auch der jüngste Tag ist ihm in der Ewigkeit genauso nahe wie der gestrige Tag.“

Aus diesem höchsten philosophischen Bewußtsein ergibt sich für einen freien Geist wie Eckehart auch die notwendige kirchenfeindliche Folgerung, daß der Tod nicht der Sünde (Eckehart der Aristokrat) Sold ist, wie uns die auf das Erzeugen von schlotternder Furcht ausgehenden Schriftgelehrten weismachen wollen, sondern ein natürliches und im Grunde unwichtiges Ereignis, welches unser Ewiges, das vorher war, und n a c h h e r weiter sein wird, gar nicht berührt. Mit einer herrlichen Gebärde ruft Eckehart der Welt zu: „Ich bin die Ursache meiner selbst, nach meinem ewigen und nach meinem zeitlichen Wesen. Nur hierum bin ich geboren. Nach meiner ewigen Geburtsweise bin ich von Ewigkeit her gewesen, und bin und werde ewiglich bleiben. Nur was ich als z e i t l i c h e s Wesen bin, das wird sterben und zunichte werden; denn es gehört dem Tage an, darum muß es, wie die Zeit, verschwinden. In meiner Geburt wurden auch alle Dinge geboren, ich war zugleich meine eigene und a l l e r D i n g e Ursache. Und wollte ich: weder ich wäre noch alle Dinge. Wäre aber i c h nicht, so wäre auch Gott nicht“. Und überlegen fügt er hinzu: „Daß man dies verstehe, ist nicht erforderlich.“

Noch nie vorher, auch in Indien nicht – hat es ein solch bewußtes aristokratisches Seelenbekenntnis gegeben, wie es Eckehart in diesen Worten niedergelegt hat, dabei im vollen Bewußtsein, von seiner Zeit nicht verstanden werden zu können. Jedes seiner Worte ist ein Schlag in das Gesicht der römischen Kirche und auch als solcher empfunden worden, als man den gefeiertsten Prediger Deutschlands vor die Inquisition zerrte, wenn man auch aus Furcht vor seinem Anhang ihn nicht abzutun wagte, wie die kleineren Ketzer. Über die tiefste deutsche Seele und ihre Bekenntnisse aber sprach die Kirche, als Eckehart gestorben war, ihr „unfehlbares“ Anathema aus, wie über alles Große und Herrliche der deutschen Seele und der deutschen Geschichte.

Aus dem unbeirrbaren Freiheitsbewußtsein des „adligen Menschen“ und der „adligen Seele“ ergibt sich auch für (Die „guten Werke“) den Mystiker die deutsche Beurteilung der sogenannten guten Werke. sie sind kein Zaubermittel, wie Rom es lehrt, keine Verrichtung, die bei Jehova gebucht wird, sondern bloß ein Mittel, die andrängende Sinnenwelt zu bändigen. Es soll dem äußeren Menschen, wie Eckehart lehrt, „ein Zaum“ angelegt werden, um ihn zu verhindern, „sich selber zu entlaufen“. Der Mensch soll fromme Übungen verrichten, nicht um sich etwas darauf zugute zu tun, sondern der Wahrheit zu Ehren. „Wenn sich der Mensch dagegen zu wahrer Innerlichkeit aufgelegt findet – predigt der deutsche Apostel weiter – so lasse er kühnlich alles Äußere fallen, wären es auch Übungen, zu denen du dich durch Gelübde verbunden hättest, von denen weder Papst noch Bischof dich entbinden könnten! Denn die Gelübde, die jemand Gott tut, die kann ihm niemand abnehmen.“ Hier ist meines Wissens die einzige Stelle, in der Eckehart den Namen des Papstes in angreifender Weise gebraucht. sie zeigt sein vollkommenes und selbstherrliches Verwerfen des Grundgesetzes der römischen Kirche*. Nach Eckehart ist die „adlige Seele“ des dem

* Diese menschliche, alles emporrichtende Größe findet ihr feindliches Gegenstück in der priesterlichen Anmaßung. Einer der größten Redner des 13. Jahrhunderts, der im übrigen interessante Minderbruder Berthold von Regensburg, lehrte, wenn er die Jungfrau Maria nebst den himmlischen Heerscharen und daneben einen Priester sehe, so wolle er vor diesem eher als vor jenen niederfallen. „Wenn ein Priester dahin käme, wo meine liebe Frau Sankta Maria und alles himmlische Heer säßen, die stünden alle vor dem Priester auf …“ Ferner: „Wer die Priesterweihe recht empfängt, der hat eine Gewalt so weit und breit, daß nie ein Kaiser oder König so große Macht gewann … Wer sich der Gewalt der Priester untertänig macht – mag er auch noch so große Sünde begangen haben – der Priester hat die Gewalt, daß er ihm alsobald die Hölle verschließt und den Himmel auftut …“ (Fr. Pfeiffer: „Berthold von Regensburg“.) Ist das nicht reinste syrische Zauberei, die uns überzogen hat? (Gegen die Werkgerechtigkeit) Ewigen zugewandten Menschen die Stellvertreterin Gottes auf Erden, nicht die Kirche, nicht der Bischof, nicht der Papst. Niemand hier auf Erden besitzt das Recht, mich zu binden oder zu lösen; noch weniger das Recht, dies „in Stellvertretung Gottes“ zu tun. Diese Worte, die jeder fromme Mann der arischen Völkerfamilie als sein Bekenntnis ausgeben könnte, sind natürlich aus einem ganz anderen

Wesen geboren als die Medizinmann-Philosophie, welche sich Rom zu eigenem Nutzen zusammengestellt hat, und deren Lehrsätze alle nur das eine Ziel verfolgen, die Menschheit von der römisch gebundenen Priesterkaste abhängig zu machen und ihr den „Adel der Seele“ auszubrennen.

In seiner Predigt zum ersten Johannisbrief 4, 9 sagt Eckehart: „Ich behaupte entschieden, solange du deine Werke verrichtest um des Himmelreiches, um Gottes, oder um deiner Seligkeit willen, also von außen her, so bist du wirklich nicht auf dem Rechten … Wer da wähnt, in Versunkenheit, Andacht, schmelzenden Gefühlen und sonderlichem Anschmiegen mehr von Gott zu haben als beim Herdfeuer oder im Stalle: da tust du nichts anderes, als ob du Gott nähmest und wickeltest ihm einen Mantel um das Haupt und stecktest ihn unter eine Bank. Fragte man einen wahrhaften Menschen, einen, der aus seinem eigenen Grunde wirkt: .Warum wirkst du deine Werke!’ Wenn er recht antwortete, würde er auch nur sagen:, Ich wirke um zu wirken!’“ Die Lehre von der Werkgerechtigkeit gilt Eckehart geradezu als eine Einflüsterung des Teufels und was das Gebet anbetrifft, so heißt es am Schluß mit einer großen Wendung an alle: „Die Leute sprechen oft zu mir:. Bittet Gott für mich!’ Da denke ich denn bei mir:, Warum geht ihr nur aus? Warum bleibt ihr nicht bei euch selber und greifet in euren eigenen Schatz? Ihr tragt doch alle Wirklichkeit dem Wesen nach in Euch! Daß wir so in uns bleiben müssen, – in dem Wesen und alle Wirklichkeit (Erweckung des Selbst-Bewußtseins) zu eigen besitzen, ohne Vermittlung und Unterschiedenheit in rechter Seligkeit, dazu helfe uns Gott.’“

Eckehart ist also ein Priester, der das Pfaffentum ausschalten, der seine ganze Tätigkeit nur darauf stellen möchte, den suchenden, von ihm im Wesen als gleich und ebenbürtig angesehenen Menschen die Wege freizumachen; der die Seele nicht knechten will, indem er ihre ewige Abhängigkeit von Papst und Kirche einredet, sondern der ihre schlummernde Schönheit, ihren Adel und ihre Freiheit zum Bewußtsein, d. h. ihr Ehr-Bewußtsein lebendig machen will. Denn die Ehre ist letzten Endes doch nichts anderes, als die freie, schöne und adlige Seele.

Das gleiche Bestreben, den Menschen zu erhöhen, wird bemerkbar, wenn Eckehart die Berufung auf die menschliche Schwachheit abwehrt: „so kann einer wohl unserem Herrn nachfolgen, nach dem Maße seiner Schwachheit und braucht, ja, darf nicht glauben, er reiche nicht heran.“ Wieder wird der Mensch aufgerichtet, nicht niedergedrückt, wobei Eckehart spottend der Werkgerechten gedenkt: „Und sonderlich meide alle Sonderlichkeit, sei’s in der Kleidung, in der Speise, der Rede, wie hohe Worte zu gebrauchen oder absonderlichen Gebärden, womit ja nichts weiter geschafft ist.“ Nach Abwehren dieser Äußerlichkeiten folgt aber die klarste Behauptung des Rechts der echten Persönlichkeit:“Doch sollst du wissen, daß keineswegs dir alles Sonderwesen verboten ist. Es gibt viel Sonderliches, das man manchmal und bei manchen Leuten einhalten muß. Denn wer ein Besonderer ist, der muß auch Sonderliches tun, zu vielen Malen auf vielerlei Weise.“ Womit die Ausnahme nicht auf Amt und Priestertum (welches unantastbar ist, ob sein Träger auch ein Verbrecher wäre) übertragen wird, sondern allein an der Größe der Seele des Einzelnen zu messen ist. Wieder die bewußt antirömische, bewußt deutsche innere Wendung. (Gegen „schmelzende Gefühle“) Einst ließ Jesus einen Kranken auch am Sabbath aufstehen und sein Krankenbett tragen, worüber die Frommen des Landes ein großes Gezeter erhoben. Jesus aber antwortete mit überlegenem Spott: der Sabbath sei um des Menschen willen da, nicht der Mensch des Sabbaths wegen; folglich sei der Mensch auch Herr über den Sabbath. – Die Nachfolger der jerusalemitischen Schriftgelehrten haben nun auch auf strenge Einhaltung aller frommen Übungen“ gehalten, gleich, ob das Innere des Menschen dabei mittätig war oder nicht. Zu ihnen spricht Eckehart: „Glaubt mir: zur Vollkommenheit gehört auch dies, daß einer sich empormache in seinem Werk, daß alle seine Werke zusammengehen in einem Werk. Das muß geschehen im Gottesreich, wo der Mensch Gott ist.- Da antworten ihm alle Dinge auf göttlich, da auch ist der Mensch ein Herr aller seiner Werke.“

Dieses Verhältnis zum äußeren Tun ist mehr als eindeutig. Ebenso klar aber ist Eckeharts Ablehnung gerade all jener Tugenden, die man als „mystisch“ mit nimmermüder Geduld anzupreisen oder abzulehnen bemüht ist. Immer wieder spottet Eckehart über die hingebende Verzuckung, die „schmelzenden Gefühle“, und nichts ist bezeichnender für ihn, als die Auslegung, die er Christi Worten über Martha und Maria gibt.

„Alles Endliche ist nur ein Mittel. Einmal das unumgängliche Mittel, ohne das ich nicht zu Gott gelangen mag, ist: mein Wirken und schaffen in der Zeitlichkeit. Es beeinträchtigt uns in der Sorge für unser ewiges Heil nicht im mindesten.“ Hier liegt eine charakteristische Abkehr des deutschen Menschen von den indischen Erkenntnissen der Atman-Brahman-Lehre vor: das Tun ist nicht wichtig, die Tat aber verachte man nicht. Die zu Jesu Füßen sitzende Maria erscheint Eckehart als die Anfängerin, Martha dagegen als die Überlegene: „Martha befürchtete, daß ihre (Einheit von Seele und Natur) Schwester stecken bliebe in Verzückung und schönen Gefühlen und wünsche, daß sie würde wie sie. Da antwortete Christus in dem Sinne:, Gib dich zufrieden Martha, auch sie hat das beste Teil erwählt, das ihr nimmer mag genommen werden!’ Diese Überschwänglichkeit wird sich schon legen.“ Wie man sieht, geht Eckeharts Abneigung gegen alles süßliche und Zerfließende sogar so weit, einem, seinem Sinne nach offenkundigen Wort Jesu die entgegengesetzte Deutung zu geben.

Gleich darauf erhebt er sich dann zur bewußten Ablehnung aller indischen All-Eins-, aller kirchlichen Asketenlehren und stoischen Weisheiten. Folgender Spruch zeigt so recht die selbst in tiefster Tiefe der Abgeschiedenheit anerkannte Polarität des Lebens, der Schöpferkraft der echten Tat, und rückt den Apostel der deutschen Glaubenswerte gleich weg von gewöhnlicher kirchlicher Werkgerechtigkeit wie mönchischer Unfruchtbarkeit. Mit unerkennbarer Ironie spricht Eckehart zu den ihn umgebenden Ketzerinnen, den Beguinen (wie diese „Abtrünnigen“ damals genannt wurden): „Nun verlangen aber unsere guten Leute, man müsse dermaßen vollkommen werden, daß keinerlei Liebe uns mehr bewegen könne und man unrührbar sei vom Lieben wie vom Leiden. Sie tun sich Unrecht! Ich behaupte: der Heilige soll erst noch geboren werden, der nicht bewegt werden könnte … Christus besaß es auch nicht, das beweist seine Äußerung: ‚Meine Seele ist traurig bis in den Tod!‘ Christo dem taten Worte dermaßen weh … Und das rührte her von seinem angeborenen Adel und der heiligen Vereinigung göttlicher und menschlicher Natur.“ Und weiter: „Nun wollen gewisse Leute es gar soweit bringen, daß sie der Werke ledig seien. Ich sage, das geht nicht an! D i e H e i l i g e n , gerade nach dem sie’s soweit gebracht haben, dann allererst fangen sie an, was rechts zuschaffen. Das finden wir auch bezeugt an Christus, vom (Der freie Wille) ersten Augenblick, da Gott Mensch ward und der Mensch Gott, da fing auch er an, für unsere Seligkeit zu arbeiten …, nicht ein Glied war an seinem Leibe, es schaffte sein sonderlich Teil dazu.“ Und aus welchem Grunde heraus predigte Eckehart auch diese antikirchliche Lehre? Um auch hier die seelische Freiheit walten zu lassen, das Höchste, was Eckehart, und mit ihm die nordisch-abendländische Menschheit anerkennt. Er drückt das folgendermaßen aus:

„Gott ist kein Vernichter irgendwelchen Werkes, sondern ein Vollbringer. Gott ist nicht ein Zerstörer der Natur, sondern ihr Vollender. Zerstörte Gott die Natur schon vor Beginne, so geschah ihr Gewalt und Unrecht. so etwas tut er nicht! Der Mensch hat einen freien Willen, mit dem er kiesen kann gut und böse, und legt ihm Gott vor: im Übeltun den Tod, im Rechttun das Leben. Der Mensch soll frei sein und ein Herr aller seiner Werke, unzerstört und unbezwungen.“

Damit ist in herrlichster Weise die ewige, sich gegenseitig befruchtende Polarität von Natur und Freiheit anerkannt und ausgesprochen worden. Fortgefegt mit der Hand eines unserer Art bewußten religiösen und philosophischen Genies wird alles unfruchtbare, quälende, orientalisch-pfälzische und werkgerechte Pharisäertum. Die „heilige Vereinigung“ (polarisch bedingt, doch untermischt) von Gott und Natur ist der Urgrund unseres Wesens, dargestellt in der Freiheit der Seele, gekrönt, durch die Fruchtbarkeit ihres Werkes. Und das Treibende in allem ist der – Wille. Nach dem Neuen Testament kam der Engel Gabriel zu Maria. Eckehart aber sagt lächelnd: „Eigentlich hieß er so wenig Gabriel wie Konrad. Den Namen Gabriel erhielt er von dem Werke, für das er ein Bote war. – Denn Gabriel bedeutet Kraft. In dieser Geburt betätige sich Gott – und betätigt sich noch – a l s K r a f t .“ Womit denn (Neue Rangordnung der Werte) die Dynamik auch der Eckehartschen Seele ins hellste Licht tritt*.

Diese Freiheit der Eckehartschen Seele bedingt nun aber eine andere Bewertung nicht nur des Lebens und der Werke, sondern auch der höchsten Ideale der römischen Kirche, des überlieferten Christentums überhaupt, also der ganzen damaligen und heutigen öffentlichen Welt.

Anerkennt man nämlich die „adelige Seele“ als H ö c h s t w e r t , als Achse, auf die alles bezogen wird, so sinken die Ideen Liebe, Demut, Barmherzigkeit, Gnade usw. auf die Zweite und dritte stufe hinab. Und auch hier scheut Eckehart sich nicht, auf die Stimme des „Fünkleins“ zu hören, unbekümmert das auszusprechen, was ihm seine Seele sagt. Es braucht natürlich nicht besonders betont zu werden, daß er weder die Liebe noch die Demut noch die Barmherzigkeit noch die Gnadenlehre gering schätzt. Vielmehr finden wir in seinen Predigten die schönsten Worte über diese Ideen, aber er haßt das süßliche Verzücktsein,

* Ein Abglanz Eckehartscher Erkenntnisse ist auch Angelus Silesius, jedoch bereits kirchlich sentimentalisiert, namentlich als er nach einer Zeit der „Abtrünnigkeit“ wieder zur alleinseligmachenden Kirche zurückkehrte (1652). Immerhin blitzt hier und da auch in ihm jener leuchtende „Funke“ auf, den der größte Meister zur Flamme entfacht hatte. „Ich weiß, daß ohne mich Gott nicht ein Nu kann leben, werd’ ich zunicht, er muß von Not den Geist aufgeben.“ „Ich bin so groß als Gott, er ist als ich so klein: er kann nicht über mich, ich unter ihm nicht fein!“ Diese Worte künden den Anlauf der Seele an, mit dem noch jeder echte und ungebrochene arische religiöse Mensch sein Erleben begonnen hat. „Ich auch bin Gottessohn“, folgert Silesius aus der Feststellung der Gottesgleichheit und Seelenfreiheit, um dann die gegenseitige Bedingtheit zu betonen: „Gott ist so viel an mir, als mir an ihm gelegen.

Sein Wesen helf ich ihm wie er das meine hegen.“ Aus dem zentralen seelischen Erlebnis ergibt sich auch für Angelus Silesius die Nichtigkeit des Rechthabers: „Die Schrift ist Schrift, sonst nichts. Mein Trost ist Wesenheit / Und daß Gott in mir spricht das Wort der Ewigkeit“; worauf er sich zur Höhe der Erklärung erhebt, die ganze Welt sei ein „Spiel, das sich die Gottheit macht“. Angelus Silesius will auch nicht den Himmel erbetteln und erschwindeln, sondern „erobern“, „erstürmen“ und findet schließlich wieder den ruhenden Pol in sich selber:“Wer in sich Ehre hat, der sucht sie nicht von außen / Suchst du sie in der Welt, so hast du sie noch draußen.“

Diese aristokratischen Seelenbekenntnisse auch dieses „Cherubinischen Wandersmanns“ werden nun durch eine große Anzahl unbedeutender, weichmütiger Aussprüche gestört, die immer unerquicklicher erscheinen, je mehr man zum Ende kommt. Offenbar hat sich Silesius in die Sprache seiner früheren vorrömischen Zeit verliebt und dann selbst nach zwanzig Jahren das Mystische in kirchliche „Erbaulichkeit“ verwässert. (Die Lehre von der „Abgeschiedenheit’) die schlaffen „schönen Gefühle“, kurz, alle seelische Haltlosigkeit. seine Lehre von der Liebe ist die Darstellung der Liebe als Kraft, die sich gleich weiß jener göttlichen Macht, um die sie ringt; die Liebe muß „durch die Dinge hindurchbrechen“, denn nur ein „freigewordener Geist, der zwingt Gott zu sich“. Nun muß man sich vorstellen, was es für einen Dominikanerprior am Anfang des 14. Jahrhunderts angesichts einer weltbeherrschenden, unduldsamen Kirche zu bedeuten hatte, eine Umwertung der höchsten geltenden Werte vorzunehmen, ja, sogar den Versuch zu wagen, dem schlichten Gläubigen einen positiven neuen Höchstwert zu übermitteln. Das konnte nicht im offenen Angriff gegen Rom geschehen, sondern nur im bildhaften positiven Hinstellen seelischer Erfahrungen. Aus dieser Erkenntnis heraus lese man Eckeharks Predigt von der „Abgeschiedenheit der Seele“, vielleicht das schönste Bekenntnis des germanischen Persönlichkeitsbewußtseins.

Eckehart behandelt in ihr die christlich-kirchlichen Höchstwerte, Liebe, Demut, Barmherzigkeit und findet, daß sie an Höhe, Tiefe und Größe dem Zustand der auf sich allein gestellten Seele weichen müßten. Er wehrt die alleinige („Eins mit sich selber“ werden!) Verherrlichung der Liebe seitens des Paulus ab, denn das Beste an der Liebe sei doch, daß sie uns Gott zu lieben nötige. Nun sei es aber weit bedeutsamer, daß wir Gott zu uns her-, als daß wir uns zu Gott hinnötigen –, weil unsere Seele darauf beruhe, mit Gott eins zu werden. Gottes eigenste Stätte sei Einheit und Lauterkeit, diese beruhen aber auf Abgeschiedenheit. „Darum kann Gott nicht umhin, einem abgeschiedenen Herzen sich selber zu geben.“ Ferner beziehe sich die Leiden dieser Welt im Gefolge habende Liebe immer noch auf die Kreatur, was bei der Abgeschiedenheit nicht mehr der Fall sei. Diese vernichtet somit die Welt zum Nichts, bringt uns also näher zu Gott. Was die Demut betreffe, so beuge sich bei ihrer Ausübung die Seele unter die Geschöpfe, womit der Mensch wieder aus sich herausgehe. „Mag nun ein solches Herausgehen etwas noch so Vortreffliches sein, das Innebleiben ist doch immer noch etwas Höheres.“ „Vollkommene Abgeschiedenheit kennt kein Absehen auf die Kreatur, kein Sichbeugen und kein Sicherheben, sie will weder darunter, noch darüber sein, sie will nur in sich selber ruhen, niemandem zu Liebe und niemandem zu Leide. sie trachtet weder nach Gleichheit noch nach Ungleichheit mit irgendeinem anderen Wesen, sie will nicht dies oder das, sie will nur: mit sich selber eins sein.

Wohl nirgends hat sich die selbstherrliche Seele so scharf und klar ausgesprochen wie hier. Es ist die notwendige rhythmische Gegenbewegung nach der Anerkennung des fruchtbaren Werkes; das, was Goethe später als das höchste aller Evangelien pries: die Ehrfurcht vor sich selbst.

Die Barmherzigkeit ist nach Eckehart nun überhaupt nichts anderes als ein Herausgehen aus sich selber, ist also aus gleichen Gründen nicht als so hoch und wertvoll einzuschätzen wie die Abgeschiedenheit. Deshalb aber, weil auch Gottes Wesen ein von allen Namen abgeschiedenes sei, ergebe sich, daß alles Äußere an ihn nicht herantreten (Der Kampf um die Gnadenlehre) könne. Von hier aus weist Eckehart nun auch das mit so viel Zauberei umgebene Gebet und seine Bedeutung in die richtigen Schranken. „Ich behaupte: alle Gebete und alle guten Werke, von denen wird Gottes Abgeschiedenheit so wenig bewegt, als ob es so etwas gar nicht gäbe, und Gott wird gegen die Menschen deshalb um nichts milder und geneigter, als wenn er das Gebet oder gute Werk nie verrichtet hätte“. Das ist mehr als deutlich: eine vollendete Absage auch an die an Magie grenzende Fürbitte der „stellvertretenden“ und „alleinseligmachenden“ Kirche. Und dann folgt am Schluß ein völkisches Bekenntnis:

„Halte dich abgeschieden von allen Menschen, bleibe ungetrübt von allen aufgenommenen Eindrücken, mache dich frei von allem, was deinem Wesen eine fremde Zutat gehen… könnte, und richte dein Gemüt allzeit auf ein heilsames Schauen: bei welchem du Gott in deinem Herzen trägst, als den Gegenstand, von dem deine Augen nimmer wanken.“

Diese in sich selbst ruhende Größe der Seele äußert sich dann in der Beurteilung der römischen und späteren protestantischen Glaubenslehre.

Wir vermögen uns in dieser Welt der Erscheinungen eine seelische Stärkung als Folge einer inneren Zusammenballung nicht anders vorzustellen, denn als ein Geschenk des als Gott gedachten ewigen Wesens Aus dieser Sachlage heraus hat nun der Paulinismus – und mit ihm alle christlichen Kirchen – die Gnadenlehre als höchstes Mysterium des Christentums ausgebaut. Die jüdische Vorstellung vom „Knecht Gottes“, der vom willkürlichen, absolutistischen Gott Gnade zuerteilt erhält, ist somit übergegangen auf Rom und Wittenberg, klammert sich noch immer an Paulus, als den eigentlichen Schöpfer dieser Lehre, womit gesagt sein soll, daß die Kirchen nicht christlich, sondern paulinisch sind, da doch Jesus fraglos das Eins-Sein mit Gott als Erlösung und Ziel pries, (Eckehart und Augustinus) nicht die herablassende Gnadengewährung eines allmächtigen Wesens, dem gegenüber auch die größte menschliche Seele ein reines Nichts darstellte. Diese Gnadenlehre ist natürlich jeder Kirche sehr willkommen, sofern sie und ihre Führer als die „Stellvertreter Gottes“ auftreten und folglich auch die Macht des Gnaden-Spendens in ihren Zauberhänden vereinigen können. Ganz anders mußte sich nun zum Begriff der Gnade ein Genius wie Eckehart stellen. Auch er findet schöne Worte über die Liebe und Gnade Gottes: wo in einer Seele die Gnade sei, da sei diese „lauter und gottähnlich und gottverwandt“. Schon hier die Wendung zur Höhe, nicht zur Tiefe und Unterwürfigkeit. Die „Gnade wirkt nicht“, weil sie „zu vornehm“ dazu sei. sie ist vielmehr ein „Innesein und Anhaften und Einssein mit Gott, das ist Gnade“. Diese Gnade aber wird nicht etwa möglich durch Gottes Allmacht und unsere Nichtigkeit – wie die Kirchen lehren – sondern ganz im Gegenteil durch die Ebenbildlichkeit der Seele mit Gott. Eckehart knüpft bei dieser Betrachtung an Augustinus an, doch er wird ja wohl gewußt haben, daß dessen gelegentliche Seelenbekenntnisse doch zu vollständigen Niederbrüchen (er verlangt Todesstrafe für Ketzer) und zu einem „Gottesstaat“ zwecks Seelenknechtung der Menschen führten. Eckehart aber folgert aus der Tatsache der Größe der Seele: „Besäße sie diese nicht, so vermöchte sie überhaupt nicht Gott zu werden durch Gnade, noch oberhalb der Gnade.“ Hier vollzieht sich wieder die charakteristische

Gebärde des überlegenen, aus klarem Seeleninstinkt urteilenden nordischen Menschen (Eckehart von Hochheim war thüringischer Adel) gegenüber den Folgerungen des zerrissenen, unfreien, bastardisierten Augustinus. In dieser verharrenden Gottlebendigkeit erhebt sich die Seele zu immer höherem Lichte: „Da wird eine jegliche Kraft der Seele das Abbild einer der göttlichen Personen: der Wille das Abbild des heiligen Geistes, die (Sünde und Reue) Erkenntniskraft das des Sohnes, das Gedächtnis das des Vaters. Und ihre Natur wird zum Ebenbilde der Natur. Und bleibt doch die Seele ungeteilt eins. Das ist in dieser Sache der letzte Bescheid, zu dem mich mein Selbsterkennen befähigt.“ Und doch folgt dann noch das höchste Bekenntnis:“Nun höret, inwiefern die Seele Gott wird, auch oberhalb der Gnade! Was Gott ihr nämlich so verliehen hat, das soll sich nicht wieder wandeln, denn sie hat damit einen höheren Stand erreicht, wo sie der Gnade nicht mehr bedarf*.“

Hier sind Gedanken offen ausgesprochen, wie sie ein Luther nach weiterer zweihundertjähriger Knebelung des Abendlandes durch die „Stellvertreter Christi“ nicht einmal mehr zu denken wagte. Aus dieser Stellung zur Idee der Gnade ergibt sich für Eckehart auch eine ganz andere Einschätzung von Sünde und Reue.

„Gesündigt haben, ist keine Sünde, sobald uns es leid ist“, beginnt Meister Eckehart seine Predigt vom „Segen der Sünde“, welche Worte ihn sofort meilenweit von der üblichen geforderten Zerknirschung hinwegführen. Man solle natürlich nicht sündigen, aber selbst wenn die einzelne Tat „wider Gott gerichtet“ gewesen sei, so wisse der „großzügige und getreue Gott“ doch, wie daraus das Beste zu ziehen sei. Dieser Gott rechnet nicht in einem Kontobuch nach der Vergangenheit herum, denn: „Gott ist ein Gott der Gegenwart.“ Wieder wird ein schritt weggetan vom ganzen materialistischen Historizismus unserer Kirchen. Erst ein Paul de Lagarde wagte wieder so offen zu sprechen, wie einst der Dominikanerprior aus dem 14. Jahrhundert.

* Man vergleiche dieses aristokratisch-herrliche Bekenntnis mit dem rührend ringenden und doch sklavischen Halbafrikaner Augnstin: „preisen will dich Gott der Mensch, ein winzig Stück Kreatur von dir, der Mensch, der mit fich schleppt seine Sterblichkeit, mit sich schleppt das Zeugnis seiner Sünde und das Zeugnis, daß du den Stolzen widerstehst.“ (Zweitrangigkeit kirchlicher Höchstwerte) Wofür er von den protestantischen Priestern mit ähnlichem Bann belegt wurde, wie Eckehart von den römischen.

Eckehart unterscheidet zweierlei Arten von Reue: die sinnliche und göttliche. Die erste – worunter offenbar die kirchliche zu verstehen ist – bleibt „im Elend stecken und kommt nicht vom Fleck.“ sie bedeutet also nur ein unfruchtbares Jammern, „es wird nichts daraus“. Anders die göttliche Reue: „sobald nur im Menschen eine innere Mißbilligung auftaucht, gleich erhebt er sich auch zu Gott, und setzt sich, gegen jede Sünde sorglich gewappnet, in einen unerschütterlichen Willen.“ so ist auch hier wieder die Richtung nach oben erneut betont und alles nur danach gewertet, ob es die Seele schöpferisch gemacht, aufgerichtet hat, oder nicht: „Aber wer wirklich hereingekommen wäre in den Willen Gottes, der wird auch nicht wollen, die Sünder, in die er gefallen, möge überhaupt nicht geschehen sein.“ AIso dasselbe, was Goethe meinte, als er erklärte, ein Menschenerzieher werde auch den Irrtum auskosten lassen: „Was fruchtbar ist, allein ist wahr.“

Vom Zentrum des Meisters Eckehart gesehen, also vom Standpunkt der abgeschlossenen, gottgleichen, freien, schönen und adligen Seele aus erscheinen somit sämtliche kirchlichen Höchstwerte als Werte zweiten und dritten Ranges. – Liebe, Demut, Barmherzigkeit, Gebet, gute Werke, Gnade, Reue, das alles ist gut und nützlich, aber nur unter der einen Bedingung: wenn es die Kraft der Seele stärkt, sie erhebt, sie Gott gleicher werden läßt. Wenn nicht, so werden alle diese Tugenden unnütz, sogar schädlich. Die Freiheit der Seele ist ein Wert an sich, die kirchlichen Werte bedeuten bloß etwas in bezug auf ein außerhalb ihrer liegendes Moment, sei es Gott, Seele oder „die Kreatur“. Der Adel der allein auf sich gestellten Seele ist folglich das Allerhöchste; ihr allein hat der Mensch zu dienen. Wir Heutigen werden es die tiefste metaphysische Wurzel der Idee der Ehre nennen, die gleichfalls eine Idee an sich (Drei Kräfte der Seele) ist, d.h. ohne jeden Bezug auf einen anderen Wert. Die ‘Freiheitsidee ist ohne die Ehre nicht zu denken, diese wiederum nicht ohne die Freiheit. Die Seele wirkt Gutes selbst ohne jede Beziehung zu Gott, lehrt Eckehart, löst sie aIso von Allem, soweit dies in Worten überhaupt auszudrücken möglich ist. Damit zeigt sich Meister Eckehart nicht als ein verzückter Schwärmer, sondern als der Schöpfer einer neuen Religion, unserer Religion, losgelöst vom fremden Wesen, wie es durch Syrien, Ägypten und Rom uns eingeflößt worden ist.

Eckehart hat uns aber nicht nur einen religiösen und sittlichen Höchstwert vermittelt, sondern er hat auch psychologisch und – wie bereits angedeutet – erkenntnis-kritisch alle wichtigen Entdeckungen der „Kritik der reinen Vernunft“ vorweggenommen, wenn er sich auch nicht in spitzfindige Untersuchungen eingelassen hat.

Nach dem seligen Gewahrwerden des „Fünkleins“, des geheimnisvollen Zentrums unseres Seins, geht der „freigewordene Geist“ des Meisters Eckehart, zwar religiös beschwingt, aber philosophisch besonnen wieder den Weg zurück von der Seele zur Welt.

Drei Kräfte entdeckt er, vermittels deren die Seele in die Welt hineingreift: den Willen, der sich dem Objekt zuwendet, die Vernunft, die das Ergriffene durchschaut und ordnet, und das Gedächtnis, welches das Erlebte und Erschaute aufbewahrt. Diese drei Kräfte sind gleichsam das Gegenstück zur heiligen Dreieinigkeit. Dem Thema Vernunft-Wille sind eine ganze Reihe tiefster Auseinandersetzungen gewidmet: beide sind seelisch frei – jedoch je nach Stimmung und Gelegenheit weist Meister Eckehart im Verlauf seiner Jahrzehnte dauernden Predigten bald der einen, bald der anderen Kraft den ersten Rang zu (Büttner). (Vernunft und Wille) Die Vernunft „bemerkt“ alle Dinge, führt Eckehart einmal aus, jedoch der Wille ist es, „der alle Dinge vermag“. Wo also die Vernunft nicht weiter kann, da schwingt sich der Wille im Licht und in der Kraft des Glaubens, überlegen auf. Da will der Wille über allem Erkennen sein. Das ist seine höchste Leistung.“ Andererseits gibt gerade die Vernunft, welche „scheidet, ordnet und setzt“ und dann erkennt, daß es noch ein Übergeordnetes gibt, dem Willen erst den rechten Aufschwung. „Hierbei steht die Vernunft über dem Willen.“ Der Wille ist frei: „Gott zwingt den Willen nicht, er setzt ihn in Freiheit: so daß er nichts will, als was Gott und die Freiheit selber ist! Da vermag nun der Geist nichts anderes mehr zu wollen, als was Gott will. Das ist keine Unfreiheit von ihm, das ist seine eigenste Freiheit*.“ Eckehart führt dann Christi Worte an: er habe uns nicht zu Knechten machen wollen, sondern uns Freunde geheißen. „Denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr will.“ Diese neue und immer wieder erneute Betonung der Freiheitsidee aber deckt sich nicht immer mit Erfahrung. Darüber klagen die Leute. Und Eckehart mit ihnen: „Das * Ich kann mir nicht versagen, hier ein seelisch verwandtes Wort aus der Cyandogya-Upanishad anzuführen: „Fürwahr, aus Willen (Kratu) ist der Mensch gebildet; wie sein Wille ist in dieser Welt, darnach wird der Mensch, wenn er dahingeschieden ist; darum möge man nach gutem Willen trachten …“

„Geist ist sein Stoff, Leben sein Leib, Licht seine Gestalt, sein Ratschluß ist die Wahrheit, sein selbst die Unendlichkeit, allwissend ist er, allwirkend, das All umfassend, schweigend, unbekümmert: dieser ist meine Seele (atman) im inneren Herzen, kleiner als ein Reiskorn oder Gerstenkorn, oder Senfkorn, oder Hirsekorn, ober eines Hirsekorns Kern, – dieser ist meine Seele im innern Herzen, größer als die Erde, größer als der Luftraum, größer als der Himmel, größer als diese Welten.“ –

„Der Allwirkende, Allwissende, das AII-Umfassende, schweigende, Unbekümmerte, dieser ist meine Seele im innersten Herzen, dieser ist das Brahman, zu ihm werde ich, von hier abscheidend, eingehen. – „Wem dieses ward, fürwahr, der zweifelt nicht.“ Also sprach Candilya …“

Wer aus diesen Worten nicht jenen Flügelschlag rauschen hört, von dem Goethe sagte, er ließe in einem Augenblick Äonen hinter sich, der hat kein Gefühl mehr für Seelengröße. Und in der Brihadaranyakam Upanishad singt ein wonnetrunkener Philosoph:

Doch wer sich als das selbst erfaßt hat in Gedanken,
Wie mag der wünschen, noch dem Leibe nachzukranken?
Wem in des Leibes abgründiger Befleckung
Geworden ist zum Selbste die Erweckung,
Den als allmächtig, als der Welten Schöpfer wißt!
Sein ist das Weltall, weil er selbst das Weltall ist.

(Eckehart und die Idee der Liebe) ist meine Klage auch. Diese Erfahrung ist etwas so Hohes oder auch Gemeines, daß du sie nicht kaufen darfst um einen Heller oder einen halben Pfennig. Hab einzig ein rechtes Trachten und einen freien Willen, so wird sie dir zuteil.“ Das ist die Lehre Kants von dem Widerstreit Zwischen Idee und Erfahrung sowohl in theoretischer, wie in praktischer Hinsicht. Zugleich spottet Eckehart über „manche Pfaffen“, die „hochgelobt sind und große Paffen sein wollen“. Ähnliches tat auch Kant über die Schulmeister, die „Philosophen“ und die „Geschwätzigkeit der Jahrtausende“.

Kurz gesagt, alles, was die Seele irgend aufzubringen vermag, das soll zusammengefaßt sein in die einfache Einheit des Willens: und der Wille soll sich verwerfen an das höchste Gut und an dem haften unentwegt! Von hier aus gesehen erhält die Idee der Liebe erneut ihre richtige Stelle im seelisch-erkenntniskritischen Werk Eckehart: sie dient nicht der verzückten Einbildungskraft, nicht süßen Gefühlen, oder der sexual-psychischen Ekstase, wohin sie die Kirche mit wohlüberlegter Hypnotisierungsmethode versetzt hat, sondern sie steht im Dienst des freischöpferischen, im besten Sinne herrischen Willens. „Wer mehr („Treue“ des Knechtes“) Willen hat, hat auch mehr Liebe“, sagt Eckehart, was so ziemlich das Gegenteil der Lehren der römischen Klerisei und der heute immer mehr erstarrenden protestantischen Kirchen darstellt, die am liebsten den Eigenwillen ausrotten möchten, um dann die ihres Markes enthöhlte „Liebe“ des Knechts in ihren Dienst zu stellen. Wie sehr sich Eckehart auch hier seiner einzigen Stellung bewußt ist, Zeigen die Worte: „In diesem Sinne fällt die Liebe ganz und gar in den Willen.“ Und dann folgt der offene Spott über die kirchliche Liebeslehre: „Nun ist aber noch ein Zweites, ein Ausbruch und Auswirkung der Liebe, das denn freilich sehr ins Auge sticht als Innigkeit, Andacht und Jubilieren. Aber ehrlich gesagt: das Beste ist das keineswegs! Denn es stammt mitunter nicht aus Gottesliebe, sondern aus bloßer Natürlichkeit, daß man dergleichen schmelzende Gefühle zu kosten bekommt …“ Die Ironie ist mehr als deutlich. Aber gerade aus der dem freien Willen untertanen Liebe erwacht der echte Begriff der Treue. Er bringt vielleicht nicht mehr so viele „Gefühle“ und „Ergebnisse“ und „Verzückung“ mit sich wie die „Treue“ des Knechtes, ist aber nur echt, wenn er mit einem starken Willen gepaart ist.

Mit dem „Flügelpaar Vernunft und Willen“ müssen wir uns erheben: „so kommt man nimmer in Verzug, sondern nimmt ohne Unterlaß zu ins Mächtige.“ Nicht durch unsicheres Herumflattern, sondern dank der Höhe des erwachten Bewußtseins: „Bei jedem Werk muß man bewußt von seiner Vernunft Gebrauch machen … und Gott ergreifen im höchsten möglichen sinne.“

Das Beherrschen des Willens, der Vernunft, des Gedächtnisses bezieht sich auf die, Ich und Natur vermittelnden Sinne; diese wiederum unmittelbar auf die Außenwelt, worunter auch der Mensch als Person (Körper) zu verstehen ist. Diese ganze Erscheinungsvielheit stellt sich dar als von Raum und Zeit bedingt, die – wie gesagt – (Gott ein Gott der Gegenwart) Eckehart ebenfalls als nur mit dem Diesseits verknüpfte, wenn auch reine Formen der Anschauung erkennt.

Seine ganze religiöse Lehre ist zudem ursachlos. Indem er Gott als einen Gott der Gegenwart erfaßt, interessiert ihn ein genetisches, d. h- geschichtlich-ursächliches Verfahren überhaupt nicht; dies gehört zur Außenwelt, nicht zur Seelen- und Gotteskunde. Damit entsagt Eckehart der orientalischen Vermischung von Freiheit und Natur, allen jenen Fabeln und „Wundern“, ohne welche die Kirchen

des – wie Jesus sagte – „ehebrecherischen Geschlechtes“ auch heute noch nicht auskommen können. Ob die Erde eine Scheibe ist oder als eine Kugel im Äther schwebt, berührt deshalb echte Religion, also auch Eckeharts Lehre, nicht, während diese Entdeckung des Kopernikus unsere beiden christlichen Kirchen innerlich gestürzt hat, auch wenn sie sich und die Welt durch lahme Lügen darüber hinwegzutäuschen bemühen*.

Gerade in seiner, Schopenhauer bereits im voraus überwindenden Willenslehre zeigt sich nun Eckehart als abendländisch-dynamischer und die ewige Polarität des Daseins anerkennender Philosoph, Das Wesen der Leistungen der Vernunft ist ein „Herzubewegen der äußeren Dinge“, um diese Erkenntnis der Seele „einzuprägen“. „Dieselbe Bewegung setzt sich nun fort im Willen, der somit ebenfalls nimmer zur Ruhe kommt.“ AIso selbst der Mystiker ohnegleichen, welcher alles abscheiden möchte, um in reiner Gottesschau zu verharren, der „Ruhe in Gott ohne Ende“ erstrebt, er weiß, daß diese Ruhe nur Augenblicke dauern

* Gerade in dem materialistischen Auferstehungsdogma zeigt sich die hoffnungslose Verjudung der Kirchen. Das ganz aus dem jüdischen historizistisch-materialistischen Vorstellungskreis hervorgegangene Wort des Paulus: „Ist Christus nicht auferstanden, so ist nichtig unsere Predigt und nichtig Euer Glaube“, zeigt die Unlöslichkeit sowohl des Vor-Kopernikanischen Weltbildes mit dem Auferstehungsglauben als auch die rein stoffgebundene Grundlage unserer pseudo-christlichen Kirchen. (Zwiefachheit des Daseins) kann, Ziel ist, daß dieses Ziel aber nur durch immer neue Bewegung der Seele und ihrer Kräfte erreicht wird. Hier Zeigt sich Meister Eckehart als auch den indischen Weisen überlegen und anerkennt den ewigen Rhythmus als die Vorbedingung aller Fruchtbarkeit. Aus dieser theoretischen Einsicht zieht er dann auch (vgl. den Fall Martha-Maria) die praktische Folgerung für das Leben. Wenn das Gemüt, der Wille auch das Ewige suche, „so verlischt doch nimmer in ihm sein heiß Geliebtes“. „Dieser Mensch sucht nicht die Ruhe: denn ihn stört keine Unruhe. Dieser Mensch steht gut bei Gott angeschrieben, weil er alle Dinge göttlich nimmt, besser als sie an sich sind! Freilich! Dazu gehört Fleiß und ein waches, wahres, wirksames Bewußtsein, worauf das Gemüt zu fußen habe trotz Dingen und Leuten. solches kann der Mensch nicht lernen durch Weltflucht: indem er vor den Dingen flieht, und sich in die Einsamkeit kehrt, von der Außenwelt fort. sondern er maß eine innerliche Einsamkeit lernen, wo und bei wem es auch sei, er muß lernen, durch die Dinge hindurchzubrechen …“

Diese Zwiefachheit als Grundgesetz seines Daseins glaubt Eckehart auch in Jesus zu entdecken: „Auch bei ihm (Jesus) gibt es Unterschied der oberen und niederen Kräfte, auch bei ihm hatten sie zweierlei Werk. seinen oberen Kräften eignete ein Besitzen und Genießen ewiger Seligkeit. Aber die niederen, die Stunden zur selben stunde im ärgsten Leiden und stritten auf Erden. Und keine dieser Tätigkeiten hinderte die andere in ihrem Vorhaben!“ „Je länger und stärker der Streit (der höheren und niederen Kräfte), um so größer und löblicher auch der Sieg und die Ehre des Sieges.“

Das zaubergläubige Wesen Roms steht nun im Gegensatz zur Persönlichkeit Eckeharts noch deutlicher vor uns: (Die Una Catholica) es ist das afrikanisch-syrisch geistige Völkerchaos, die „Religion der Besessenheit“ (Frobenius), die vom Osten des Mittelmeeres her sich mit Hilfe der Zauberkulte und der Judenbibel und unter Mißbrauch der Erscheinung Jesu ihr westliches Zentrum schuf. Dieser Mittelpunkt hat sich nun bei fortschreitendem Erwachen des Abendlandes und nach Erdrosselung der Mystik alle Mühe gegeben, die romfeindliche

Weltanschauung sich einzuverleiben, um die Una Catholica als jeden, auch modernen Ansprüchen genügend darzustellen. Man geht heute etwa so zu Werke*.

Der römisch-jesuitische Philosoph stellt drei große Weltanschauungstypen fest: die Richtung der Immanenz (der Zuständlichkeit), die in sich selbst ruhen möchte; die Richtung der Transzendenz (der Gegenständlichkeit), die Gott nur als ersten Urheber gelten läßt, somit die Lehre des Deismus; die Richtung der Transzendentalität, welche den Verbindungsversuch der beiden anderen seelischen

Einstellungen darstellt. Um die Ausgestaltung dieser Typen geht das philosophische Ringen der Jahrtausende. Der römische Christ soll nun über diesem Ringen stehen, abseits und doch alle Typen umfassend, in allen lebend. Das Ringen der drei philosophischen Typen vermag nämlich – so sagt

Rom – nie zu einer Einheit zu gelangen alle Versuche, innerhalb der drei Systeme die Widerstreite (Antinomien) des Lebens zu überwinden, seien vergeblich und landeten stets in der gezwungenen Identitätserklärung der Gegensätze. Das geschehe deshalb, weil alle drei typischen Richtungen die gleiche „falsche“ Voraussetzung machten: als sei der Mensch irgendwie Gott gleich, als sei Gott gleichkam nur das unendlich ferne Ideal des menschlichen Strebens. Dadurch werde das Geschöpf aber als selbstherrlich geschlossen angesehen, was einem Versuch der* Ich Folge hier E. Przywara, S.J.: „Religionsphilosophie katholischer Theologie“, München 1926. (Jesuitische Grunddogmen) seelischen Zerstörung des über allen schwebenden schöpferischen Gottes gleichkomme. Hier greife nun die römische Lehre mit ihrer „Grundanschauung“ ein: daß nämlich (laut dem IV. Laterankonzil 1215) Gott seinem Geschöpf ähnlich und unähnlich zugleich sei. Ähnlich, weil er in dasselbe die Möglichkeit

der „Unruhe vor Gott“ gelegt habe, unähnlich, weil es als geringe Kreatur nur „Ruhe in Gott“ finden könne. Der Mensch lebt also nicht in seiner seelischen Atmosphäre, sondern im Bannkreis des absoluten, fernen, herrschenden Gottes. Der katholische Mensch sei also „nach oben offen“, was eine echt strebende Spannung ergebe, keinen „Kampf“, keine „explosive Einheit“ (Przywara, s. J.). Das sei die Grundlage Roms, die „Analogia entis“, die Analogie des Seins:“Gott nach Wirklichkeit und Wesen von der Welt unterschieden über alles, was außer ihm ist, oder gedacht werden kann, unaussprechlich erhaben, hat zur Offenbarung seiner Vollkommenheit im Gleichnis geschöpflicher Vollkommenheit in völliger Freiheit die Schöpfung aus dem Nichts erschaffen.“

Dieser römische Gedankengang, der angeblich schon vor des „Petrus Berufung“ bestanden haben soll, zeigt seine Herkunft nur zu deutlich. Der über allem thronende unnahbare furchtbare Gott, das ist der Jahwe des sog. Alten Testaments, den man mit Zittern lobt und in Furcht anbetet. Er schafft uns alle aus dem Nichts, er verrichtet, wenn es ihm paßt, zauberische Wundertaten und bildet die Welt zu seiner Verherrlichung. Dieser syrisch-afrikanische Zauberglaube war aber trotz Feuer und Schwert dem Europäer nicht aufzuzwingen. Das nordisch-seelische Erbgut bestand tatsächlich im Bewußtsein nicht nur der Gottähnlichkeit, sondern der Gottgleichheit der menschlichen Seele. Die indische Lehre von der Gleichheit des Atman mit dem Brahman – „sein ist das Weltall, weil er selbst das Weltall ist“ – war das erste große Bekenntnis dazu; die persische Lehre vom gemeinsamen (Die Analogia entia) Kampf des Menschen und des lichten Ahura Mazda zeigte uns die herbe nordisch-iranische Auffassung; der griechische Götterhimmel entsprang einer ebenso großen Seele wie die selbstherrliche Ideenlehre PIatons. Der altgermanische Gottesgedanke wiederum ist ohne seelische Freiheit gar nicht denkbar. Und auch Jesus sprach vom Himmelreich in uns. Die Willenhaftigkeit des seelischen Suchens zeigt bereits der Weltenwanderer Odin, zeigt der Sucher und Bekenner Eckehart, zeigen alle Großen über Luther bis Lagarde. Diese Seele lebte aber auch im ehrwürdigen Thomas von Aquino und in den meisten abendländischen Kirchenvätern. Die Analogia entis (wenn man eine Voraussetzung der Welterschaffung aus dem Nichts fortläßt) hat der europäisch-nordische Geist dem Alten Testament abgerungen: das römische System ist also nicht „seit Jesus“ vollendet, sondern nachweislich ein Kompromiß zwischen Syrien-Afrika und Europa, wobei alle nur möglichen geistigen Anleihen gemacht wurden, jedoch mit der anmaßenden Erklärung, das seien bloß Teile der alleinigen, alleinseligmachenden katholischen Lehre. Thomas und seinen Gegner Duns Scotus konnte Rom gerade noch ertragen, einen Eckehart bereits nicht mehr, denn dessen Erfolg hätte die Absetzung Jahwes bedeutet. Die Absetzung dieses Gottes Tyrannen aber wäre gleichbedeutend mit der Absetzung seines päpstlichen Stellvertreters gewesen. Seitdem ist die europäische Geistesentwicklung ohne, neben, gegen Rom ihren Weg gegangen, wobei Rom, wo es konnte, exkommunizierte; wenn alles nichts fruchtete, wurde das Neue eben „einverleibt“ und als „urkarholisches Teilgut“ verteidigt.

Im Wesen bedingt die römische Vorstellung des zu Gott erhobenen Dämons die Vernichtung unserer willenhaften Seele, einen Attentatsversuch auf die Polarität des geistigen Wesens. Durch die Analogia entis versucht die römisch-jesuitische moderne Religionsphilosophie dieser bei (Nordische Selbstverwirklichung) uns noch immer nicht durchsetzbaren Folgerung zu entgehen, indem durch diese das Vorhandensein einer „Spannung“ behauptet wird, die viel fruchtbarer sei, als der Versuch der „Identitätserklärung der Gegensätze“. In diesem Fall hat Rom die alte platonische Lehre vom sein und Werden sich dienstbar gemacht. Wir stehen strebend in einem ewigen Werden, jedoch mit dem Bewußtsein eines Seins, das „wird“. Dieser nordische Gedanke der Selbstverwirklichung erhält in jüdisch-römischer Verfälschung den Sinn einer Bewegung der Kreatur „zu Gott zu“, wobei aus der Selbstverwirklichung eine Verwirklichung des Gottes wird, in dessen Hand wir doch nur gestaltlosen Ton oder einen Leichnam darstellen.

Diese scheinbaren Zugeständnisse des römischen Jahweismus an das willenhafte seelenbewußte Abendland haben noch so manchen in Rom gehalten, der beim Erkennen des Wesens längst davongegangen wäre. Denn ob ich mich in seelischer Freiheit schenke (wie Eckehart) oder mich dem Herrn sklavisch beuge (wie Ignatius), um gleichsam als knetbarer Lehm, als Stock gebraucht oder wie ein Leichnam gewendet zu werden, das macht den Unterschied aus zwischen Mensch und Mensch, zwischen System und System, letzten Endes zwischen Rasse und Mestizentum. Rom-Jahwe bedeutet: zauberischer Despotismus, magisches Schöpfertum aus dem Nichts (ein für uns wahnwitziger Gedanke). Nordisches Abendland besagt: Ich und Gott sind seelische Polarität, Schöpfungsakt ist jede vollzogene Vereinigung, das Auseinandergehen ruft erneute dynamische Kräfte hervor. Die echte nordische Seele ist auf ihrem Höhenfluge stets „zu Gott zu“ und stets „von Gott her“. Ihre „Ruhe in Gott“ ist zugleich „Ruhe in sich“- Diese Vereinigung, als Verschenken und Selbstbewußtsein zugleich empfunden, heißt nordische Mystik. Römische „Mystik“ bedeutet wesentlich die unmögliche Forderung nach Aufhebung von Polarität und Dynamik, heißt Unterwerfung der Menschheit. (Dasein und Sosein) Die römische Philosophie steht also nicht, wie sie behauptet, außerhalb der drei typischen Seelenrichtungen Immanenz, Transzendenz und Transzendentalität, sie alle umfassend, sondern stellt einen Kompromißversuch dar, Teile aller dieser Typen mit dem jüdisch-syrisch-afrikanischen Glauben zu verbinden. Die römische Lehre fließt nicht aus einem Zentrum in laufend Strömen durch die Welt, sondern umkleidet ihren syrischen Grundstock mit den geborgten und verfälschten Lehren des nordischen Menschen, wie er in verschiedenen völkischen Persönlichkeiten sich seine Gedankenwelt erbaute. – Daraus ergibt sich auch die Einstellung zum Problem des Daseins und Soseins.

Die jüdisch-römische Lehre verkündet mit ihrer Behauptung der Erschaffung der Welt aus dem Nichts durch einen Gott eine Kausalverbindung zwischen „Schöpfer“ und „Geschöpf“, sie überträgt also eine nur für diese Welt gültige Anschauungsform auf metaphysisches Gebiet und behauptet diese Voraussetzung ihrer, den Schöpfer ,, stellvertretenden“ Stellung bis auf heute mit zähester Energie im Bewußtsein, an dieser Stelle den Kampf um ihr Dasein zu führen. Gegen diesen monströsen Grundlehrsatz hat der germanische Geist von jeher in schärfster Kampfstellung gestanden. schon der älteste nordische

Schöpfungsmyrhus der Welt, der indische, kennt das Nichts nicht. Er weiß nur von einem Gewoge, einem Chaos zu berichten. Er denkt sich den Kosmos als aus einem von innen wirkenden gegen das Chaos ringenden Ordnungsprinzip entstanden, denkt einen Augenblick auch an den Ordner von außen (nicht an den Schöpfer aus dem Nichts!), schließt aber mit höchster philosophischer Besonnenheit nach der Frage, woher die Schöpfung entsprungen:

Er, der die Schöpfung hat hervorgebracht,
Der auf sie schaut im höchsten Himmelslicht,
Der sie gemacht hat oder nicht gemacht,
Der weiß es! – oder weiß auch er es nicht?

Schöpfer und Geschöpf

Der indische Monismus war eigentlich aus einem scharfen Dualismus geboren: die Seele, das allein Wesentliche, die Materie eine Täuschung, die zu überwinden ist. Eine Schaffung dieser Materie, und gar aus dem Nichts, wäre jedem indischen Arier als blasphemischer Materialismus erschienen. Es ist im indischen Schöpfungsmyrhus eine ähnliche Stimmung vorherrschend wie in Hellas, wie in Germanien: das Chaos ordnet sich einem Willen, einem Gesetz unter, aber nie entsteht aus dem Nichts eine Welt, wie syrisch-afrikanische Wüstensöhne es lehrten und Rom mit seinem Dämon Jahwe es übernommen hat. Schillers Satz: „Wenn ich Gott denke, gebe ich den Schöpfer auf“ bedeutet in knappster Form die klare Absage der arisch-nordischen Rassenseele an die zauberisch -magische Verknüpfung von „Schöpfer und Geschöpf“, als Gott und ehrlose Kreatur. Rom hat Isis, Horus, Jahwe, PIaton, Aristoteles, Jesus, Thomas usw. zusammengeknetet und will dieses Soseins dem Dasein der Rassen und Völker gewaltsam aufzwingen, oder, wo dies nicht geht, durch einschmeichelnde Verfälschungen einträufeln, um dieses naturgewachsene Dasein zu verkrüppeln, die seelisch und rassisch Verkrüppelten dann aber unter das „katholische“ Dach zu sammeln.

Diesem grandiosen völkervernichtenden Versuch hat sich bis auf heute nur weniges gegenübergestellt, was typenschaffend gewirkt hat. Der eine Große entsagte der römischen Medizinmannphilosophie, der andere bekämpfte sie für sich, der dritte wandte sich anderen Aufgaben zu. Die systematische Sicherung Europas vor dem weitausgreifend angelegten Angriff ist im großen Maßstab noch nirgends begonnen worden. Das Luthertum ist in diesem Ringen leider ein Mitstreiter Roms trotz seines „protestieren“, denn die lutherische „Rechtgläubigkeit“ verschloß sich bisher dem Leben durch den Schwur auf die jüdische Bibel. Es predigte gleichfalls ein Sosein, ohne sich nach dem (Der Mystiker Paracelsus) organischen Dasein zu richten. Heute endlich beginnt ein grundsätzliches Erwachen aus der GewaIthypnose: nicht von einem Zwangsglaubenssatz, dazu noch jüdisch-römisch-afrikanischer Herkunft, treten wir an das Leben heran, sondern vom Dasein aus wollen wir das So-sein, wie einst Meister Eckehart es erstrebte, bestimmen. Dieses Dasein aber ist die rassengebundene Seele mit ihrem Höchstwert, der Ehre und der Seelenfreiheit, der die architektonische Gliederung der anderen Werte bestimmt. Diese Rassenseele lebt und entfaltet sich in einer Natur, die gewisse Eigenschaften weckt und andere zurückdämmt. Diese Kräfte von Rasse, Seele und Natur sind die ewigen Voraussetzungen, das Dasein, das Leben, aus welchem erst Gesittung, Glaubensart, Kunst usw. sich als das Sosein ergeben. Das ist die letzte, innere Umkehr, der neu erwachende Mythus unseres Lebens.

So würde auch der große Sehnsuchtsmensch Paracelsus sprechen, lebte er heute unter uns. Ein Erwachter in einer Welt aufgeblähter abstrakter volksfremder Gelehrter, die mit zusammengeleimten Autoritäten aus Griechenland, Rom, Arabien den lebendigen Menschenleib vergifteten, den Kranken noch kranker machten und, trotz allen gegenseitigen Gezänkes, wie eine Mauer zusammenstanden gegen einen Genius, der in die Urgründe des D a seins suchend hinabstieg. Die Natur in der Gesamtheit ihrer Gesetze erforschen, Arzneien werten als fördernde Aufbaumittel des Lebensprozesses des Leibes, nicht als zusammenhanglose Zaubermixturen, das war es, was auch den Theophrastus von Hohenheim als einsamen Propheten durch seine damalige Welt trieb, ruhelos, gehaßt und gefürchtet, mit dem Stempel des Genies, das auch Kirchen und Altäre, Lehren und Worte nicht als Selbstzweck anschaut, sondern danach wertet, wie tief sie eingebettet in der Umwelt von Natur und Blut ruhen. Der große Paracelsus wurde somit zum Wortführer aller deutschen (Eckeharts antirömisches Wesen) Naturerforscher und deutschen Mystiker, ein großer Prediger des Daseins, um von ihm sich wie Meister Eckehart tastend zu den Gestirnen aufzuschwingen und herrisch-demütig sich einzufügen in die großen Gesetze des Weltalls, voll Seligkeit ebenso über die Reinheit eines Lautes der Nachtigall wie über den unerklärlichen Schöpfersprudel des eigenen Herzens.

Mit seiner antirömischen Religion, Sittenlehre und Erkenntniskritik scheidet sich nun Eckehart bewußt, ja schroff von allen Grundgeboten sowohl der römischen, wie der späteren lutherischen Kirche. An Stelle der jüdisch-römischen Statik setzt er die Dynamik der nordisch-abendländischen Seele; an Stelle einer monistischen Vergewaltigung fordert er das Anerkennen der Zwiefachheit alles Lebens; an Stelle der Unterwürfigkeitslehre und einer Knechtseligkeit predigte er das Bekenntnis der Seelen- und Willensfreiheit; an die stelle der kirchlichen Anmaßung von der Stellvertreterschaft Gottes setzt er die Ehre und den Adel der seelischen Persönlichkeit; an die stelle der verzückten, sich hingebenden unterwürfigen Liebe tritt das aristokratische Ideal der persönlichen seelischen Abgeschlossenheit und Abgeschiedenheit; an die stelle der Vergewaltigung der Natur tritt ihre Vollendung. Und das alles heißt: an die stelle der jüdisch-römischen Weltanschauung tritt das nordisch – abendländische Seelenbekenntnis als die innere Seite des deutsch-germanischen Menschen, der nordischen Rasse.

Eckehart hat genau gewußt, daß er innerhalb der Kirche nur zu sehr wenigen spreche; er hat deshalb oft mit den ketzerischen Beguinen und Begarden Umgang gehabt, ihnen gepredigt, mit ihnen lange Tischgespräche geführt. Als „Bruder Eckehart“ wird er von ihnen erwähnt, und (Die Inquisition gegen den deutschen Apostel) während er Stück für Stück die römisch-syrischen Zwangsglaubenssätze zurückwies, ist er in keiner einzigen seiner Reden gegen die „Ketzer“ aufgetreten. Aber er wollte auch innerhalb der Kirche die Menschen seines Wesens suchen und vereinigen. Diesem Ziel galt sein Wirken in Erfurt, in Straßburg, in Köln und in Prag. Eckehart bestreitet schlankweg, daß es Lehrsätze geben dürfe, die man einfach „glauben müsse“, weil dies von den Oberen und der Überlieferung gefordert werde. Er ruft die freie hohe Vernunft und seine freie Seele als Geschenke Gottes herbei, auf die man zu hören habe. Er sagt seinen Zuhörern ausdrücklich, sie sollten sich, falls sie seinen Lehren folgten, offen auf ihn berufen: „Ich stehe mit meinem Leibe dafür“. Aber auch die Dunkelmänner waren am Werk, um sich, wie üblich, gegen den großen Geist zusammenzurotten. Als Eckehart in Köln lehrt, lodern um ihn die Scheiterhaufen der frommen Inquisition selbst in seinem Orden klagen viele, er spreche zuviel in der Landessprache und vor „gemeinen Leuten“ über Dinge, die zur Ketzerei verleiten könnten. Der Erzbischof von Köln verklagt dann Eckehart beim Papst, der ihn gern erledigt hätte, aber die Dominikaner als politische Stütze in seinen Kämpfen mit dem Kaiser brauchte und deshalb ihr geistiges Haupt noch nicht zu verbrennen wagte. so wurde der „Fall Eckehart“ von einem Ordensbruder untersucht, der ihn freisprach. (Ein solcher Freispruch wäre nach dem Unfehlbarkeitsdogma zu Beginn des „freien“ 20. Jahrhunderts nicht mehr möglich gewesen) Und doch schritt dann die Inquisition zu ihrem Werk. Am 24. Januar 1327 lehnt Eckehart ihr Eingreifen als Willkürakt ab und ladet seine Gegner für den 4. Mai 1327 vor den Papst. Eine ähnliche Erklärung Eckeharts in der Dominikanerkirche zu Köln schließt mit den Worten:“Ohne damit einen einzigen meiner Sätze preiszugeben, verbessere ich und widerrufe ich… alle die, von denen (Eckeharts „Widerruf“) man imstande sein wird, nachzuweisen, daß sie auf fehlerhaftem Vernunftgebrauche beruhen*.“

Eckeharts Erklärung wurde ganz folgerichtig von den frommen Inquisitoren als „leichtfertig“ zurückgewiesen. Ehe er aber zum Papst fahren konnte, starb er. Ob eines natürlichen Todes, oder durch Nachhilfe mit einem Pülverchen, ist unbekannt geblieben. Jedenfalls war die stärkste Kraft, die aus der römischen eine deutsche Kirche hätte machen können, gebrochen. Eckeharts Tod war eine der größten Schicksalsstunden Europas. Seine deutsche Religion wurde hernach von Rom offiziell durch eine Bulle „verurteilt“. Zunächst wurde nach bewährter Methode (um die Anhänger irre zu führen) Eckeharts „Widerruf“ als allgemeine Abbitte hingestellt, wogegen Eckehart, im Gegenteil, bereit war, mit aller Macht seine Lehre zu vertreten. Charakteristisch für seine Freiheit ist, daß er sich nicht auf kirchliche Lehrsätze, ja nicht einmal auf die Bibel beruft (wie später Luther), sondern allein auf die freie Vernunfterkenntnis. Nach dieser ersten Fälschung. „korrigierten“ die frommen Anhänger Roms den Meister Eckehart und reihten ihn als geistigen Schüler des Thomas von Aquino ein**.

* Vgl. Büttner: Predigten.
** Trotz des magischen Stoffes, den Thomas mit Hilfe des Aristoteles in ein rationalistisches System zu bringen hatte, und des dadurch bedingten Widerspruches in sich, soll die Großartigkeit des Versuches und die Stärke der geistigen Energie des Thomas nicht bestritten werden. Thomas war, wie vielleicht nicht allgemein bekannt sein durfte, Langobarden. Die Familie der Herren von Aquino rühmte sich dieser germanischen Abkunft und stand dem größten Hohenstaufer, Friedrich II., zur Seite. So Thomas von Aquino der Ältere, Graf von Acerra, der als Statthalter von Syrien Friedrich den Weg ins „heilige Land“ bahnte, den Kaiser auf seinem ersten Zug nach Deutschland begleitete, dann als besonderer Beauftragter nach Sizilien geschickt wurde und später in Friedrichs Namen mit dem Papst unterhandelte. Ferner Thomas II. von Aquino, ein anderer Statthalter Friedrichs und sein (Schwiegersohn, der zusammen mit dem letzten Staufer Konrad unterging. – Der „hl. Thomas“ war offenbar aus der Art geschlagen und fahnenflüchtig. Er stellte seinen Geist Rom zur Verfügung, von dem dieses noch heute zehrt. Im übrigen war Thomas ein Schüler Albrechts von Bollstedt (des Albertus Magnus) und des Iren Petrus von Hidernia.

Beguinen und Begarden

Der äußeren Verwilderung des römischen Zentrums im 13. Jahrhundert entsprach eine allgemeine Verlotterung der Geistlichkeit in allen Ländern, die längst zum Gespött aller Völker geworden wäre, wenn nicht etliche führende Persönlichkeiten mit dem Einsatz ihres ganzen Ichs die Lage immer wieder gerettet hätten. Als Reaktion gegen diese Verlumpung bildeten sich im 13. Jahrhundert u. a. auch die Gesellschaften der Brüder und Schwestern vom freien Geist, in welchen sich die Vorläufer der Mystik bemerkbar machten. Zusammen mit ihnen wirkten die Beduinen und Begarden (Waidschüler), jene Kreise, zu denen Meister Eckehart nahe Beziehungen unterhalten hat. Diese fromme, aber unkirchliche Bewegung ging (außerhalb und innerhalb der Kirche) wie ein breiter Strom durch die deutschen Lande. Sie griff vor allen Dingen einen Grundzug des vernichteten Arianismus wieder auf: die Religion in der Landessprache zu lehren. Schon in diesem Punkt zeigte sich von allem Anfang an bis auf heute der nie versiegende Kampf zwischen organischem Volkstum und römisch-lateinischer Aufpfropfung. (Gregor VII. hatte es als Frechheit bezeichnet, sich während des Gottesdienstes der Landessprache zu bedienen.) Das echte Volksempfinden lehnte die fremde lateinische Sprache ab, die doch nur als unverständliche nachzuplappernde Zauberformel angesehen und auch als solche verwendet wurde. Den Gebrauch der heiligen deutschen Muttersprache trotzte die religiöse deutsche Bewegung um die Mitte des 13. Jahrhunderts dem volksfeindlichen Rom (Eckehart als Lehrer des Deutschen) ab. Predigten und Lehrvorträge wurden nunmehr nicht lateinisch gesprochen, sondern in dem zum Herzen gehenden Deutsch. Und der größte Bahnbrecher für unser Wesen ist auch hier Eckehart gewesen, den seine Schüler und Nachfolger (u. a. Suso und Tauler) stets den „seligen und heiligen Meister“ nennen, Eckehart, wenn er auch viel lateinisch schreiben mußte, hat die deutsche Sprache zuerst zur Sprache auch der Wissenschaft gemacht. Er hat mühselig danach gerungen, die lateinische Satzbildung durch deutsche Wortprägungen zu ersetzen; er war auch hier ein Ketzer, dessen Werk – zertreten und halb erdrosselt durch die römische Kirche – erst Martin Luther wieder fortsetzte, und das so die Voraussetzung für das Bestehen des deutschen Volkstums schlechtweg schuf. Heute predigen zwar auch die katholischen Priester deutsch, aber die ganze Liturgie, die Sprüche und auch die Lieder und Gebetsformeln muß ein Teil unseres schlichten Volkes immer noch in lateinischer Sprache murmeln. Die Kirche kann diese Vergewaltigung nicht aufgeben, weil sie ihren unnationalen Charakter wahren muß, die Völker aber dürfen diese heidnisch-fremden Überbleibsel nicht mehr dulden. Ob der Tibetaner seine Gebetsmühle dreht, oder ein deutsches Bäuerlein lateinisch betet, ist grundsätzlich unterschiedslos, beides bedeutet nur mechanische Übung im Gegensatz zu echt religiöser Vertiefung.

So entschwand denn, dank den römischen Fälschungen, der eigentliche Eckehart den Augen des deutschen Volkes. Zwar zog die religiöse Welle weiter über die Lande Widukinds, den Rhein hinunter und überall erstanden Bekenner der Freiheit der Seele: Suso und Tauler, Ruysbroek und Grootes, Boehme und Angelus Silesius. Aber die größte Seelenkraft, der schönste Traum des deutschen Volkes war zu früh gestorben; alles spätere ist nur – von ganz oben gesehen – ein Abglanz von Eckeharts großer Seele. Aus seiner Männlichkeit wurde schwülstiges (Eckehart an unsere Zeit) Schwärmen, aus seiner kraftvollen Liebe wurde süße Verzückung. Nach dieser Richtung von der Kirche unterstützt, mündete der Strom der verweichlichten,, Mystik“ wieder im schoß der römischen Kirche. Luthers Tat zersprengte schließlich die fremde Kruste, aber auch er fand, trotz seiner Sehnsucht, nicht zu dem einen Seelengrunde Meister Eckeharts, nicht zu seiner geistigen Freiheit zurück. seine vom ersten Tage an unfreie Kirche verknöcherte deshalb an einer und versandete an der anderen Stelle. Die deutsche Seele mußte einen anderen Weg als den kirchlichen suchen. sie schlug ihn ein in der Kunst. Als der Geist Eckeharts verstummte, erwuchs die germanische Malerei, erklang die Seele J. S. Bachs, es kam Goethes Faust, Beethovens „Neunte“, Kants Philosophie…

Zum Schluß aber noch das Tiefste und Stärkste aus Eckeharts Lehre. Etwas, was noch mehr als alles andere seherisch an den Menschen u n s e r e r Zeit gerichtet erscheint.

Die Predigt vom „Gottesreich“ beendigt Eckehart mit folgenden Worten: „Diese Rede ist niemand gesagt, denn der sie schon sein nennt als eigenes Leben, oder sie wenigstens besitzt als eine Sehnsucht seines Herzens. Daß uns dies offenbar werde, das helf uns Gott.“

Nur an die seelisch Verwandten richten sich also alle seine Worte, an alle „inneren oder adeligen Menschen“ ergeht seine Lehre, und hier tritt dann ein Mysterium zutage, das erst heute wieder zu neuem Leben geboren wird.

In einer Predigt (über 2. Kor. l. 2) unterscheidet Eckehart zwischen dem Blut und dem Fleisch. Unter Blut versteht er (wie er glaubt, mit St. Johannes) alles, „was im Menschen nicht seinem Willen Untertan ist“, also das im Unterbewußtsein Wirkende, ein Gegenstück zur Seele. Und an anderer stelle sagt dann Eckehart (über Matthäus 10, 28): „Das Edelste, was am Menschen ist, ist das (Die Religion des Blutes) Blut – wenn es recht will. Aber auch das Ärgste, was am Menschen ist, ist das Blut – wenn es übel will.“

Damit ist das letzte ergänzende Wort ausgesprochen worden. Neben dem Mythus von der ewigen freien Seele steht der Mythus, die Religion des Blutes. Das eine entspricht dem anderen, ohne daß wir wissen, ob hier Ursache und Wirkung vorliegen. Rasse und Ich, Blut und Seele stehen im engsten Zusammenhange, für einen Bastard taugt Meister Eckeharts Lehre nicht, ebensowenig für jene fremdartige Rassenmischung, die von Osten in das Herz Europas eingesickert ist und das untertänigste Element Roms ausmacht. Eckeharts Seelenlehre richtet sich an die Träger des gleichen oder verwandten Blutes, die ähnliches Leben haben oder die Rede besitzen als „eine Sehnsucht ihres Herzens“ – nicht an seelisch Fremde und blutsmäßig Feindliche. Das erfordert aber auch eine umgekehrte Ablehnung. Hier spricht Meister Eckehart dann das völkische Bekenntnis aus: „Kein Gefäß kann zweierlei Trank in sich bergen: soll es Wein halten, so muß man das Wasser ausgießen, daß auch nicht ein Tropfen bleibt.“ Und weiter:“Man soll anderer Leute Weise achten, und niemandes Weise schmähen.“ „Unmöglich können doch alle Menschen nur einem Wege folgen.“ Und noch weiter: „Denn manchmal, was dem einen Leben ist, ist des anderen Tod.“

Das ist das vollkommene Gegenteil dessen, was die Kirche Roms (und schließlich auch Wittenbergs) uns lehrt. Sie will uns alle – ob Weiß, ob Gelb, ob schwarz – auf einen Weg, in eine Form, unter ein Dogma zwingen, und hat deshalb, als sie Macht wurde, unsere Seele, unsere europäischen Rassen vergiftet. Was ihr Leben war, war unser Tod. Daß wir nicht gestorben sind, verdanken wir nur der Macht der germanischen Seele, die den endgültigen Sieg Roms (und Jerusalems) bisher verhindert hat. In Meister Eckehart kam die nordische (Eckehart und Goethe) Seele zum erstenmal ganz zum Bewußtsein ihrer selbst. In seiner Persönlichkeit liegen alle unsere späteren Großen gebettet. Aus seiner großen Seele kann – und wird – einmal der deutsche Glaube geboren werden.

Am umfassendsten tritt die. Seelenverwandtschaft mit Eckehart bei Goethe zutage. Auch sein ganzes Dasein wurzelte in der Freiheit der Seele, zugleich aber im Bekenntnis zum schöpferischen Leben. Diese Seite hat der Künstler naturgemäß noch viel bestimmter betont als der religiöse Mystiker. Goethes ganzes Leben war ein Wiegen zwischen zwei Welten; wenn ihn die eine ganz gefangen zu nehmen drohte, flüchtete er sich leidenschaftlich in die andere. sprach Meister Eckehart von der „Abgeschiedenheit“ einerseits und dem „Werk“ andererseits, so nennt Goethe diese beiden Zustände mit Vorliebe Sinn und Tat. Der „Sinn“ bedeutet das Abstreifen der Welt, die ins Unendliche gehende Erweiterung der Seele, die „Tat“ die auf eine Schöpfung in dieser Welt hinausgehende Arbeit. Gleich Meister Eckehart hat Goethe das Gesetz unseres Daseins immer wieder betont: daß Sinn und Tat rhythmisch abwechselnd sich bedingende und sich gegenseitig steigernde Wesenheiten des Menschen sind; daß eins aufs andere hinweist, es erst erkennen und schöpferisch werden läßt. „Sich von der Welt zurückziehen und der Selbstschau leben, fördert nicht einmal unsere Selbsterkenntnis: „sich selbst kann man eigentlich nur in der Tätigkeit beobachten und erlauschen“. Wer sich zum Gesetz mache, das Tun am Denken und das Denken am Tun zu prüfen, der könne nicht irren und irre er, so werde er bald auf den rechten Weg zurückfinden. Der „Sinn“ nun, der in uns Indoeuropäern immer ein vorwaltendes Organ gewesen ist, braucht keine beständige Anspornung, und darum finden (Sinn und Tat) wir auch bei Goethe weniger Aufmunterungen nach dieser Richtung. Um so fester betont er dagegen die Beschränkung, die Tat. „Ich bekenne, daß mir von jeher die große, so bedeutende klingende Aufgabe: erkenne dich selbst, immer verdächtig vorkam, als eine List geheimverbündeter Priester, die die Menschen durch unerreichbare Forderungen verwirren und von der Tätigkeit gegen die Außenwelt zu einer inneren falschen Beschaulichkeit verleiten wollen. Der Mensch kennt nur sich selbst, insofern er die Welt kennt, die er nur in sich und sich nur in ihr gewahr wird. Jeder neue Gegenstand, wohl beschaut, schließt ein neues Organ in uns auf.“ „Seelenleiden, in die wir geraten, sie zu heilen, vermag der Verstand nichts, die Vernunft wenig, entschlossene Tätigkeit dagegen alles.“

In immer neuer Form kann Goethe sich nicht genug tun, unermüdlich auf die belebende Tat hinzuweisen; selbst aufs bescheidene Handwerk. Der größte Hymnus auf menschliche Tätigkeit ist Faust. Nach Umschiffung und Durchdringung aller Wissenschaft, alles Liebens und Leidens, wird Faust befreit durch die Tat. Dem immer ins Unendliche strebenden Geiste war die beschränkende Tat, das Abdämmen einer Wasserflut als Nutzdienst für den Menschen der Schlußstein des Lebens, die letzte Stufe zum Unbekannten. Der Adel der Tat gipfelt in dem Kunstwerk: „Des echten Künstlers Lehre schließt den Sinn auf, denn wo die Worte fehlen, spricht die Tat.“

„Wer Bedingung früh erfährt, gelangt bequem zur Freiheit.“ „Es darf sich einer nur für frei erklären, so fühlt er sich den Augenblick als bedingt, wagt er sich als bedingt zu erklären, so fühlt er sich frei.“ „Ein Meister ist, der einsieht, daß Beschränkung auch für den größten Geist eine notwendige Stufe zur höchsten Entfaltung darstellt.“ „Wie kann man sich kennen lernen: Durch Betrachten niemals, wohl aber durch Handeln. Versuche deine Pflicht (Die „zwei Welten“ Goethes) zu tun, und du weißt gleich, was an dir ist. Die Pflicht aber ist die Forderung des Tages.“

„Für den Menschen ist es ein Unglück, wenn sich irgendeine Idee bei ihm festsetzt, die keinen Einfluß ins tätige Leben hat oder ihn wohl gar vom tätigen Leben abzieht.“

„… nach meiner Meinung ist Entschiedenheit und Folge das Verehrungswürdigste am Menschen.“ „Es ist immer ein Unglück, wenn der Mensch veranlaßt wird, nach etwas zu streben, mit dem er sich durch eine regelmäßige Selbsttätigkeit nicht verbinden kann.“

Darum kann auch der geringste Mensch “ komplett“ sein, wenn er sich „innerhalb der Grenzen seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten bewegt“. „An und in dem Boden findet man für die höchsten irdischen Bedürfnisse das Material, eine Welt des Stoffes, den höchsten Fähigkeiten des Menschen zur Bearbeitung übergeben, aber auf jenem geistigen Wege werden immer Teilnahme, Liebe, geregelte freie Wirksamkeit gefunden. Diese beiden Welten gegeneinander zu bewegen, ihre beiderseitigen Eigenschaften in der vorübergehenden Lebensgestalt zu manifestieren, das ist die höchste Gestalt, wozu sich der Mensch auszubilden hat.“

Als Goethe sich in Rom an allen Sinnen gesättigt hat, schreibt er: „Ich mag nun gar nichts mehr wissen, als etwas hervorzubringen und meinen Sinn recht zu üben.“ Gleich darauf aber heißt es: „Es geht mit mir eine neue Epoche an. Mein Gemüt ist nun durch das viele Sehen und Erkennen so ausgeweitet, daß ich mich auf irgendeine Arbeit beschränken muß.“ An einer anderen Stelle sagt er zusammenfassend: „Ich hatte in meinem ganzen Leben dichtend und beobachtend, synthetisch und analytisch verfahren, die Systole und Diastole des menschlichen Geistes war mir ein zweites Atemholen.“

Als Schiller stirbt, sagt er, um seiner Verzweiflung Herr zu werden: „Als ich mich ermannt hatte, blickte ich (Mystik und Mechanistik) mich nach entschiedenen Tätigkeiten um“, und als er 1823 von schweren Seelen- und Körpernöten geplagt wurde, als er seinen Sohn verloren hatte, da ruft er seinen Sinn, der sich schon ins Jenseits zu verlieren schien, zurück: „Und nun über Gräber vorwärts.“

Dieser Seelenzustand Goethes gleicht im wesentlichen dem wirklichen Leben aller Großen des nordischen Abendlandes. Ein Leonardo zaubert in seine hl- Anna, in die Augen des Johannes des Täufers, in das Antlitz Christi eine ungreifbare übersinnliche Welt und zugleich ist er Ingenieur, kühlster Techniker, der nicht genug ersinnen konnte, um sich die Natur auch mechanisch dienstbar zu machen. Von vielen Sprüchen Leonardos könnte man meinen, sie seien dem Munde Goethes entsprungen. Bei Beethoven tritt nach tiefster mystischer Entrückung plötzlich ein leuchtendes Scherzo auf und das ergreifendste Lied der Abgeschiedenheit ist die Symphonie an die Freude. Beethoven, der in seinen Träumen zu verschwinden schien, er sprach zugleich das Wort des dynamischen Abendländers:

„Kraft ist die Moral der Menschen, die sich vor anderen auszeichnen; sie ist auch die meinige“; dem „Schicksal in den Rachen greifen“, stellte er als sein Ziel auf. Dasselbe wuchtige Nebeneinander macht auch Michelangelos Persönlichkeit aus: man lese seine Sonette an Victoria Colonna und trete dann vor seine Sibyllen und den weltverdammenden Christus. Auch hieran wird uns klar, daß abendländische Mystik nicht das Leben ausschließt, sondern, im Gegenteil, sich das schöpferische Dasein als Partner gewählt hat. Um sich zu steigern, bedarf es des Gegensatzes, je heroischer die Seele, um so mächtiger das äußerliche Werk; je abgeschlossener die Persönlichkeit, um so verklärter die Tat.

Das germanische dynamische Wesen äußert sich nirgends in Weltflucht, sondern bedeutet Weltüberwindung, Kampf. (Germanischer Forscherwille) Und zwar auf zweierlei Weise: religiös-künstlerisch-metaphysisch und luziferisch-empirisch.

Keine Rasse hat in dieser Weise Forscher über Forscher über den Erdball gesandt, welche nicht bloß Erfinder, sondern in wirklichem sinne Entdecker waren, wie das nordische Abendland: d. h. Männer, die das Gefundene in ein Bild der Welt umformten. Die dunkelsten Kontinente, die kältesten Pole, die tropischen Urwälder und die nacktesten Steppen, die fernsten Meere und die verborgensten Flüsse und Seen sind gefunden und die höchsten Berge sind überwunden worden. Die Sehnsucht so vieler Männer aller Zeiten und Völker, den Raum zu durchfliegen, erst im Europäer wurde diese Sehnsucht zur Kraft, die zur Erfindung führte. Und wer nicht im Auto, im Eisenbahnexpreß die luziferische, gewaltsam Raum und Zeit überwindende Macht spürt, wer nicht inmitten von Maschinen und Eisenwerken, mitten im Ineinandergreifen von tausend Rädern diesen Pulsschlag der empirischen Weltüberwindung fühlt, der hat eine Seite der germanisch-europäischen Seele nicht begriffen und wird dann auch die andere – mystische – Seite nie verstehen. Man denke an des hundertjährigen Fausts plötzlichen Ausruf:

Die wenig’ Bäume nicht mein eigen
Verderben mir den Weltbesitz. –

Hier spricht nicht die Gier, den Besitz zum Wohlleben auszubeuten, sondern der Drang des Herrn, „der im Befehlen Seligkeit empfindet.“

Es ist zwischen luziferisch und satanisch zu unterscheiden. Satanisch bezeichnet die moralische Seite der mechanistischen Weltüberwindung. sie wird diktiert durch rein triebhafte Motive. Das ist die jüdische Einstellung zur Welt. Luziferisch ist der Kampf um Unterjochung der Materie, ohne den subjektiven Vorteil als treibendes Motiv zur Voraussetzung zu haben. Das erste entspringt einem (Die Weisheit Lao-tses) unschöpferischen Charakter, wird folglich nie etwas finden, d. h. entdecken, auch nie wirklich erfinden; das zweite bezwingt Naturgesetze mit Hilfe von Naturgesetzen, spürt ihnen nach und erbaut Werke, den Stoff sich gefügig zu machen.

Daß die luziferische Weltüberwindung unschwer eine satanische werden kann, ist leicht zu begreifen; weshalb notwendig in einem vornehmlich luziferischen Zeitalter, wie das im Weltkrieg untergegangene eines war, das Judentum doppelt leichten Eingang und Wucherungsmöglichkeiten erhielt.

„Ruhe ist höher als Regung. Schwaches zwingt Starkes. Weiches zwingt Starres.“ In diesen Worten liegt die Stimmung einer ganzen Kultur, die Seele der chinesischen Rasse, verkörpert in Li-Pejang (Lao-tse), der vor 2500 Jahren lebte und doch zu uns spricht, wie ein müder Weiser von heute. Kein Mensch wird das Tao-Te-King lesen, ohne sich von einem Hauch echtesten Wesens umwoben zu fühlen. sich ihm hinzugeben gehört zu den schönsten Erlebnissen einer gelösten, weichen Gemütsverfassung: der Mensch bescheide sich mit der unabänderlichen Bahn; er wird diese ganz aus sich heraus gehen, er soll nicht tun, denn das Schicksal bringt ihn allein auf den rechten Weg der Ruhe, der Güte. Der Mensch erstrebe nicht das Wesen des Menschen zu ergründen. Er wisse nur eines: „Die Vernichtung des Leibes ist kein Verlust. Dies ist Unsterblichkeit.“ Vor jedem Übermaß hüte man sich und friedlich und ruhig lächelnd gehe man den geheimnisvoll vorgeschriebenen Schicksalsweg.

Die Freude an Lao-tse Weisheit ist die Sehnsucht nach einem seelischen und geistigen Gegenpol. sie ist aber keine Übereinstimmung und nichts ist falscher, als uns die (Deutschfeindliche Talmudmoral) Weisheit des Ostens als auch uns gemäß oder gar als eine uns überlegene zu preisen, wie es müde und innerlich rhythmenlos gewordene Europäer heute zu tun belieben. Noch ein anderer Kontrast.

Beim Studium der Geschichte und des Schrifttums der luden findet man fast nichts als emsige, endIose Geschäftigkeit, ein ganz einseitiges Zusammenballen aller Kräfte auf irdisches Wohlergehen. Aus dieser, man kann sagen, fast amoralischen Geistesanlage stammt denn auch ein Moralkodex, der nur eines kennt: den Vorteil des luden. Daraus folgt die Zulassung , ja Genehmigung des Überlistens, des Diebstahles, des Totschlags. Es folgt daraus der religiös und sittlich zugelassene Meineid, die TaImud- „Religion“ des „gesetzlichen“ Luges. Alle natürlich-egoistischen Anlagen erhalten einen Energiezuschuß durch die sie zulassende „Sittlichkeit“. Wenn bei fast allen Völkern der Welt religiöse und sittliche Ideen und Gefühle der rein triebhaften Willkür und Zügellosigkeit sich hemmend in den Weg stellen, bei den luden ist es umgekehrt. so sehen wir denn seit 2500 Jahren das ewig gleiche Bild. Gierig nach Gütern dieser Welt, zieht der Jude von Stadt zu Stadt, von Land zu Land und bleibt dort, wo er am wenigsten Widerstand für geschäftige Schmarotzerbetätigung findet. Er wird verjagt, kommt wieder, ein Geschlecht wird erschlagen, das andere beginnt unbeirrbar das gleiche Spiel. Gaukelhaft halb und halb dämonisch, lächerlich und tragisch zugleich, von aller Hoheit verachtet und sich doch unschuldig fühlend (weil bar der Fähigkeit, etwas anderes verstehen zu können, als sich selbst), zieht Ahasver als Sohn) n der Satan-Natur durch die Geschichte der Welt. Ewig unter anderen Namen und doch immer sich gleich bleibend; ewig die Wahrheit beteuernd und immer lügend; ewig an seine „Mission“ glaubend und doch von vollkommener Unfruchtbarkeit und Zum Parasiten verdammt, bildete der ewige Jude den (Verschiedene rassisch-seelische Dynamik) fernsten Kontrast zu Jajnavalkya, Buddha, Lao-tse. Dort Ruhe, hier Geschäftigkeit; dort Güte, hier Durchtriebenheit; dort Friede, hier abgrundtiefer Haß gegen alle Völker der Welt; dort ein Allverstehen, hier vollendetes Unvermögen und VerständnisIosigkeit.

Gleich weit entfernt von beiden Gegensätzen steht die nordische Idee, aber nicht, als ob sie sich zwischen ihnen befinde, sondern sie liegt außerhalb der jene verbindenden Linie. Denn die Ruhe Goethes ist nicht die Ruhe Lao-tse und die Tat Bismarcks ist nicht die Tätigkeit Rothschilds. Die germanische Persönlichkeit hat nicht ein Stück von chinesischer Ruhe und ein Stückchen jüdischer Geschäftigkeit (wohlverstanden die Persönlichkeit, nicht die Person), vielmehr ist das manchmal äußerlich Ähnliche durch Kräfte bestimmt und auf Ziele gerichtet, die (soviel man nach genauester Prüfung behaupten kann) von denen des Chinesen und des luden grundverschieden sind.

Auch der nordische Mensch glaubt tief an eine ewige Gesetzlichkeit der Natur; auch er weiß, daß er an diese Natur gebunden ist. Er verachtet sie auch nicht, sondern nimmt sie als Gleichnis eines Übernatürlichen. Aber er sieht zugleich auch in der Nichtnatur, in der Persönlichkeit, nicht eine Willkür, er begnügt sich nicht damit, an die Unsterblichkeit als solche zu glauben, er staunt vielmehr bei jeder Selbstbetrachtung über das Ewig-Eigenartige seines nicht natürlichen Ichs. Er findet auch bei jedem anderen ein verschieden geartetes inneres Wesen, ebenso in sich abgeschlossen, einen ebenso reichen, beziehungsreichen Mikrokosmus. Wenn Li-Pejang sagt, der Vollendete stoße nicht mit den „Anderen“ zusammen, weil sie beide die gleiche Richtung hätten, so liegt für nordisches Gefühl hier eine Gleichgültigkeit vor, die den auf derselben Bahn befindlichen Wanderer achtlos beiseite liegen läßt und still für sich allein gehen will. Hier stehen wir denn vor der Frage, ob diese scheinbar schöne große Ruhe (Moral und Metaphysik) des Chinesen nicht eine innere Regungslosigkeit der Seele bedeutet, nur die Kehrseite des wenig lebendigen Inneren.

Auch der Inder lehrte, daß „der Andere“ die gleiche Bahn zu Ende gehe. Er glaubte zu jedem Geschöpf dieser Welt das „große Wort“ „das bist auch Du“ sagen zu können, aber das Schwergewicht seiner metaphysischen Anschauung liegt den Schlußfolgerungen der Chinesen fern. Li-Pejang widmet sich der moralischen Seite unseres Wesens und läßt die metaphysische auf sich beruhen. Er predigt Ehrlichkeit gegen Ehrliche und gegen Nicht-Ehrliche, Liebe zum Freunde und zum Nicht-Freunde. Das sei die rechte Güte, in dieser Beziehung seien die edlen Menschen gleichgerichtet. Der Inder geht ganz in der m e t a p h y s i s ch e n Seite des Menschen auf. Er legt ein derart großes Gewicht auf sie, daß er in letzter Konsequenz zu der auch ausgesprochenen Anschauung gelangt, die Tat als solche könne einem Wissenden, des Atman-Brahman Teilhaftigen, nichts anhaben. Er wird „nicht durch das Werk befleckt, das böse“. Alles Fleischliche sei sowieso nur Trug und Schein, was mit ihm geschehe, gleichgültig. Das ist die letzte Konsequenz Indiens.

Li-Pejang lehrt die Untätigkeit, weil die „Bahn und der rechte Weg“ jedem Menschen aus dem Innersten vorgeschrieben seien und er durch suchen, Forschen, Tun nur Zwist und Unheil stiften würde. Indien fordert Tatenlosigkeit aus der Einsicht heraus, daß sie auf das metaphysische sein des Menschen ohne jeden Einfluß bleibe. Hier sind grundverschiedene Seelen am Werke. Von der Gleichheit der „guten Menschen“ zu fabeln wird zum Verbrechen. Es ist tausendmal schöner und erhabener, zu sehen, mit welchem Seelenreichtum wir auf diese Welt gekommen sind, wie auf verschiedenen stellen der Erde verschiedene Seelen am Werke sind, sich stammelnd auszudrücken. Es ist ein großer Fehler, hier als Fremder störend eingreifen zu wollen und zu versuchen, Kontraste (Geschichte als Charakterverwirklichung) zu verwischen. selten, daß ein in größerem Maßstabe durchgeführtes Zusammengehen und Verschmelzen verschiedener Seelen und Rassen etwas schöneres zur Folge hat. Meist tritt Verkümmerung ein. Mit so hohen Absichten z. B. einst begeisterte Missionare nach Indien und China gegangen sein mögen, so haben sie doch nur eine Eigenentwicklung gestört. Aber ebenso müssen wir uns wehren, wenn heute Männer kommen und über das Wesen der Großen des Abendlandes zu lächeln beginnen, indem sie auf Indien, China hinweisen als auf das Größte, an dem wir irregehenden Europäer uns aufzurichten hätten. So schön Jajnavalkya spricht, so schmeichelnd Lao-tse Töne auf uns eindringen: geben wir diesen Klängen dauernd Raum, so sind wir seelisch verloren. Wir gehen entweder u n s e r e n Weg, oder wir fallen in Chaos, Raserei, in den Abgrund.

Wir wissen: wir haben alle eine Richtung: die Sehnsucht aus „dem Dunkeln ins Helle“, aus Erdenfesseln zu einem unbekannten Ewigen. Aber wir geben uns durchaus nicht damit zufrieden, zu wissen, daß wir, sei es in moralischer oder metaphysischer Hinsicht, denselben Weg eingeschlagen haben, sondern uns interessiert das W i e unseres Fühlens und Denkens. Der Chinese hat eine tausendbändige Geschichte, die keine Geschichte ist, sondern aufzählende Chronik; bis in die kleinsten Einzelheiten scheint dem Erzähler alles wichtig. Der Inder hat dieser Zeitlichkeit überhaupt keine rechte Aufmerksamkeit zugewendet. Er hat keine wirkliche Chronik, aber auch keine Geschichte. Er hat nur Sagen und Gesänge und Hymnen. Eine Entwicklung suchte weder der eine noch der andere. Der eine hatte die Auswicklung der Persönlichkeit, sei es eines Menschen oder eines Volkes überhaupt nicht begriffen, der andere sah sie als Schein und somit als unwichtig an.

Es erschien der germanische Mensch in der Weltgeschichte. (Tat, d. h. seelisch geformte Kraft) Er umschiffte die ganze Erde; er entdeckte Millionen Welten; er grub in tropischer Sonnenhitze uralte, längst vergessene Städte aus; er forschte nach Dichtungen, nach sagenhaften Burgen; er entzifferte mit unsagbarer Mühe Papyrusrollen, Hieroglyphen und Tonscherbeninschriften, er untersuchte tausendjährigen Mörtel und Steine auf ihre Bestandteile; er lernte alle Sprachen der Welt; er lebte unter Buschmännern, Indianern, Chinesen und formte sich ein mannigfaches Bild der Völkerseelen Er sah Technik, Industrie, Philosophie, Moral, Kunst und Religion aus Anfängen verschiedenster Art zu Werken unterschiedlicher Natur heranwachsen: er begriff Persönlichkeit, weil er selbst eine war. Er faßte das Tun der Völker als Tat auf, d. h. als geformte seelische Kraft, als Ausdruck eines eigenartigen Innern. Er hatte nicht nur Interesse dafür, daß Menschen so oder so gedacht und gehandelt hatten, sondern er ruhte nicht eher, als bis er die inneren Kräfte, die dazu führten, wenigstens ahnen gelernt hatte. Das Bemühen, das lange Zeit so beliebt war, die Chinesen und die Deutschen zu vergleichen, weil beide Völker von einer Sammelwut und Registrierungssucht besessen seien, bleibt ganz an der Oberfläche. An einzelnen Absonderlichkeiten darf man eine Volksseele nicht messen, sondern an Leistungen. Und da sehen wir den Chinesen einen Katalogisierer bleiben, den Deutschen jedoch als Herrn der Geschichtswissenschaft (wenn man dies Wort überhaupt brauchen darf) und der Philosophie; d. h. das sammeln war einmal Zweck, das andere Mal Mittel. Das Ende war einmal mechanisches Aneinanderreihen, das andere Mal ein Bild der Welt. Und das ist der Unterschied.

Es ist auch sehr oberflächlich, wenn einfach gesagt wird, wie im genannten besonderen Falle, die Deutschen seien von anderen Völkern oder Rassen dadurch verschieden, daß sie ein Volk mit Begabung für Geschichte wären. (Deutungen der Persönlichkeit) Vielmehr liegt hier etwas anderes vor. Weil der Germane, besonders der Deutsche, im tiefsten Innern Wert und Würde der Persönlichkeit fühlte oder doch bewußt ahnte; weil er empfand, wenn sie sich irgendwo entfaltete oder verkümmerte, deshalb, aus einem lebendigen Gefühl, aus größter Aktivität der Seele zog es ihn, seinen Mitmenschen zu beobachten, zu erforschen, zu ergründen. Deshalb verstand er Geschichte als die Entwicklung einer Volkspersönlichkeit, deshalb suchte er unter Schutt und Trümmern der Jahrtausende nach Zeugnissen einer Menschenkraft.

Hier sind wir dann bei einem der Urphänomene angelangt, die weder zu erklären, noch zu erforschen sind.

Weil der germanische Geist instinktiv die Ewigkeit und Unverlierbarkeit der Persönlichkeit fühlt, weil er nicht die Einsicht verficht, „alles bist auch du“, so lebte in ihm fast ganz allein die Sehnsucht, die Manifestationen anderer fremder Persönlichkeiten zu erforschen. Der Grieche kümmerte sich um seine Vorzeit nicht, weil er Gegenwartsmensch, Person war; der Inder hatte keine Geschichte, weil er Zeit, Entwicklung, Persönlichkeit – alles als Phantom ansah; der Chinese sammelte alle Daten seiner Vergangenheit bis zum Alltag des Herrn der Mitte, er sammelte Daten der Person, er deutete nicht Wirklichkeiten der Persönlichkeit; ähnlich der sich mumifizierende Ägypter. Die bewußte Auffassung irgendeiner Kultur als Ausdruck eines nie Dagewesenen und nie Wiederkommenden, eines geheimnisvoll Eigenartigen, das ist die tat-mystische Grundstimmung des nordisch-germanischen Geistes.

Deshalb konnten Europäer Hieroglyphen und babylonische Tonscherben entziffern; deshalb setzten ganze Geschlechter ihre Schaffenskraft für Ausgrabungen in Griechenland, Ägypten, am Ganges und am Euphrat daran, um ein Wesen zu suchen und zu deuten. Bedeutete der europäische Geist Formen der Person (Griechen), so wäre (Der einsame Europäer) nie diese organische Ausweitung und organische Zusammenballung zustandegekommen. Man nennt das faustische Seele und meint damit das Streben nach Unendlichem auf jedem Gebiete. Dem zugrunde aber liegt die sonst nirgends in der Welt mit gleicher Stärke gefühlte Einzigartigkeit und Würde der Persönlichkeit.

Aus dieser Ehrfurcht heraus konnte ein Herder die Stimmen der Völker von Indien bis Island sammeln, ein Goethe uns Persien vorzaubern; konnten germanische Gelehrte die Verwirklichungen der so fernen und so oft wieder so nahen indischen Seele vorführen (Müller, Deussen usw.). Ein beziehungsreiches Weltbild im Kontrast gezeichnet und dadurch mit hohem Bewußtsein empfunden, rollt sich vor unserem geistigen Blicke auf. Alles steht eigenartig gefärbt und gestaltet da, geahnt und fremd zugleich, und inmitten und daneben stehe ich, der nordische Mensch, das Bewußtsein gewordene persönliche, als das letzte Mysterium des Daseins – einsam. Diese innere Stimmung oder dieses Bewußtsein ist der letzte Grund des Abgebrochenen, Fragmentarischen, Verlassenen, Unendlich-Fernen in der ganzen europäischen Kultur. Don Quichote, Hamlet, Parzival, Faust, Rembrandt, Beethoven, Goethe, Wagner, Nietzsche, sie alle haben dies gelebt, gesagt, geschöpft oder sind Zeugnisse dieses Erlebens. Und so wächst auch hier der nordische Begriff der Tat zu etwas ganz anderem aus, als was ein Lao-tse unter „Tun“ verstand und was einem Buddha als schädlich, weil leidenbringend, erschien. Noch mehr geschieden ist die Idee der Tat von der jüdischen emsigen Tätigkeit, die stets einen rein irdischleiblichen Zweck als Triebfeder aufweist. Tat ist für den Abendländer der Ausdruck eines inneren Wesens in einer Seelen-Entwicklung ohne irdischen Zweck, also eine Form unserer Seelenaktivität. Indem wir dieser folgen, leben wir erst wirklich hier auf Erden und für ein Höheres. Wir schreiben der Tat eine Würde zu, die uns allein zu (Tat, Mystik und Leben) uns selbst führt. Hier erinnere ich an das tiefste Wort Goethes: „Jede Tat, wohl beschaut, löst eine neue Fähigkeit in uns aus.“

Es spricht hier eine ganz andere Seele als im Tao-Te-King; sie ist aber auch grundverschieden von der, welche den vierfach heiligen Pfad gelehrt hat. Lao-tse verwirft die Tat, weil sie mit dem Tun zusammengehen müsse; Buddha fürchtet gleichfalls das Leiden. Ein Goethe nimmt aber auch das Leiden mit, sieht es sogar als nötig, als erhebend an („Wer nicht verzweifeln kann, der soll nicht leben“), er findet gleich dem großen Meister Eckehart in einem einzigen Augenblick der seelenerweiternden Seligkeit, im Erleben der schöpferischen Tat das ganze Leiden erkauft und überwunden. Mit dieser Seelenkraft läßt sich schlechthin gar nichts Vergleichen. sie ist urgewaltig, gar nicht still und noch weniger ergeben lächelnd, sondern mit weiten Fittichen sich über alles Irdische erhebend.

Betrachtet man weniger das äußere Leben, sondern die innere Sehnsucht eines Volkes, wie sie sich in seinen Größten ausspricht, so kann man, kurzgefaßt sagen: dem Chinesen ist Ruhe die Überwindung des Tuns, um ohne bewußtes Handeln den Schicksalsweg zu gehen; dem Inder bedeutet Ruhe die Überwindung des Lebens, die erste Stufe des Hinübergehens in das Ewige; des Juden Ruhe ist das Lauern auf eine, stoffliche Erfolge versprechende Tätigkeit; die Ruhe des nordischen Menschen ist Sammlung vor der Tat, ist Mystik und Leben zugleich. China und Indien wollen auf verschiedene Weise einen Pulsschlag des Lebens überwinden, beim Juden ist Ruhe nur eine Folge äußerer Umstände, der Nordländer hingegen will innerlich bedingten, organischen, schöpferischen Rhythmus. Es sind natürlich nur Wenige, die diesen nordischen Rhythmus durchs ganze Leben, durch ihr ganzes Werk (Der europäische Daseinsrhythrnus) durchzusetzen vermögen. Aber deshalb sind sie für uns die Größten unseres Geistes und unserer Rasse.

In einigen unserer Großen atmet dieser Rhythmus – bei aller Leidenschaftlichkeit im einzelnen – in mächtigen weiten Zügen. Das ist das Werk Leonardos, Rembrandts, Bachs, Goethes. Bei anderen ging dieser Pulsschlag heftiger, plötzlicher, dramatischer vor sich. Das sagt uns das Werk Michelangelos, Shakespeares, Beethovens. Und Immanuel Kant, der so vielen als die verkörperte Mäßigkeit selbst erscheint, betont als seine tiefste Überzeugung, daß nur durch Überschwänglichkeit, d. h- höchste seelische Tatbereitschaft, ein großes Werk geschaffen werden könne. Das war ein zartes Selbstbekenntnis. Man hört deshalb auch aus dem Werk des Weilen von Königsberg den weiten Flügelschlag der nordischen Seele: „Die Menge merkt nicht, daß der Philosoph begeistert ist.“

So stehen denn, auch was das Verhältnis zur Tat anbetrifft, die seelischen Richtungen verschiedener Völker klar vor unseren Augen. Die sonst verschiedenen Chinesen und Inder auf einer Seite, der Jude als Gegensatz und Widerspruch (nicht geistiger Antipode!), und außerhalb ihrer der nordisch-germanische Mensch als (in dieser Frage) Antipode beider Richtungen, beide Pole unseres Daseins: Mystik und Lebenstat umspannend, getragen von einem dynamischen Lebensgefühl, beflügelt vom Bekenntnis zum freischöpferischen Willen und der adeligen Seele. „Mit sich selbst eins werden“ wollte Meister Eckehart. Und das wollen endlich auch wir.


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Der Mythus des 20. Jahrhunderts Zweites Buch: Das Wesen der germanischen Kunst

Der Mythus des 20. Jahrhunderts

Zweites Buch:

Das Wesen der germanischen Kunst 

Das Kunstwerk ist die lebendig

 

dargestellte Religion.
Richard Wagner.

I. Das rassische Schönheitsideal

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 Die Zeiten des Virtuosentums gehen ihrem Ende entgegen. Wir sind es müde geworden, uns immer wieder nur reizen und blenden zu lassen; wir haben übergenug von der nervösen Mache der letzten Jahrzehnte; wir hassen den unerhörten technischen Aufwand alles dessen, was sich heute noch als Kunst bezeichnet. Wir fühlen, daß die Zeit des Intellektualismus als Erscheinung, die sich anmaßte, Kulturgeltung zu besitzen, im sterben liegt; daß die Wahrsager, die ihn uns als Zukunft, als Ende unserer europäischen Kultur verkünden, bereits Propheten einer überlebten Vergangenheit sind. Diese Männer, innerlich Zermürbt, hatten schon ehe sie dachten und schrieben, den Glauben verloren. Deshalb muß ihre Philosophie und Geschichtsbetrachtung auch in einem Unglauben enden. Unsere Zeit des Sterbens und Werdens verschlingt ihre Werke mit Gier: die schwachen werden gebrochen, die Starken fühlen ihren Glauben und Widerstand wachsen

Die Abkehr vom theoretischen Materialismus in Wissenschaft und Kunst kann man als innerlich vollzogen betrachten, der Pendelschlag nach der anderen Richtung (Theosophie, Okkultismus usw.) ist schon im Schwunge; die Richtung unseres Wesens fängt hierzu als Kontrast zu beiden Strömungen allmählich wieder an lebendig zu werden.

Auch die Zeit der dickbändigen Ästhetiken ist vorüber. Die überwiegend zergliedernde Arbeit auf allen Gebieten (Die „allgemeine“ Aesthetik) hat uns auch eine lange Reihe sich bis ins feinste verästelnder Werke über das Wesen der Kunst und die aesthetische Empfindung beschert. Eine ungeheure geistige Arbeit liegt hier aufgespeichert, aber kein Mensch liest heute Zimmermann, Hartmann, ja, kaum noch Fechner, Külpe, Groos, Lipps, Müller-Freienfels, Moos und viele andere. Winckelmanns und Lessings Anschauungen versteht niemand mehr in das heutige Denken einzufügen, Schiller, Kant und Schopenhauer verehrt die Allgemeinheit fast nur dem Namen nach. Nicht deshalb, weil wir nicht in ihren Werken die tiefsten Gedanken finden würden, sondern weil wir sie als Ganzes auf dem Gebiet der Kunstbetrachtung nicht mehr zu verwenden vermögen. sie schauen alle fast nur nach Griechenland und sprechen alle noch von einer angeblich möglichen a l l g e m e i n e n Ästhetik. Und wenn sie die Unterschiede der Künste verschiedener Völker feststellen, so tritt ihr theoretisches Denken – dieses Denken, das wir als die Philosophie des 18. Jahrhunderts bezeichnen – in Widerspruch mit ihren eigenen Werken, oder vergewaltigt die Kunsterzeugnisse des eigenen Volkes. Der Widersprach zwischen Theorie und Tat lebt ebenso in Goethe wie in Schiller und Schopenhauer. Die große Schuld der ganzen Ästhetik des 19. Jahrhunderts hat darin bestanden, daß sie nicht an die Werke der Künstler anknüpfte, sondern ihre Worte zerlegte. sie hatte nicht bemerkt, daß Goethes Bewunderung des formal tüchtigen Laokoon eines, die Tat des Faust etwas wesentlich anderes, daß Goethes germanischer Instinkt zu gewaltig war und daß sein Schaffen fast alles theoretische Hellenentum, als für uns maßgebend, Lügen straft.

Der Ausgangspunkt unserer zergliedernden Ästhetik war ein falscher, darum hat sie keine tieferen Wirkungen erzeugen können. sie hat nicht unserem Wesen zu hellerem Bewußtsein verholfen, sie hat nicht richtunggebend gewirkt, sondern sie ist mit verschwommenen allgemeinen oder nur (Seelischer Form-Gehalt) griechischen – oft s p ä t griechischen – Maßstäben an die Kunst Europas herangetreten.

Früher sprach man unbekümmert von der Philosophie oder Geschichte des Morgenlandes, bis man einsehen lernte, daß dieses angeblich einheitliche Morgenland Völker mit sich einander vollkommen ausschließenden Kulturen umfaßte. Heute ist es modern geworden, vom „Abendlande“ zu reden. Dies geschieht zwar mit ungleich mehr Berechtigung als in bezug auf das „Morgenland“, ist aber auch zu verschwommen, wenn nicht das das Abendland bildende nordische Element betont wird.

Fast alle Philosophen, welche über den „aesthetischen Zustand“ oder über die Wertfestsetzungen in der Kunst geschrieben haben, sind an der Tatsache eines rassischen Schönheitsideals in physischer Hinsicht und eines rassisch gebundenen Höchstwertes seelischer Art vorübergegangen. Dabei liegt es auf der Hand, daß, wenn überhaupt über das Wesen der Kunst und ihre Wirkung gesprochen werden soll, die rein physische Darstellung z. B. eines Griechen auf uns anders einwirken muß, als etwa das Bildnis eines chinesischen Kaisers. Jede Umrißlinie erhält in China eine andere Funktion als in Hellas, die ohne die Kenntnis des formenden, rassisch bedingten Willens weder zu deuten noch „aesthetisch zu genießen“ ist. Jedes Kunstwerk formt ferner seelischen Gehalt. Auch dieser ist deshalb nebst seiner formalen Behandlung nur auf Grund der verschiedenen Rassenseelen zu begreifen. Unsere bisherige Ästhetik ist also – trotz vielem Richtigen im einzelnen – als Gesamtwerk in den leeren Raum gesprochen worden. Dabei ist der naive wie der bewußte echte Künstler immer rassebildend vorgegangen und hat seelische Eigenschaften äußerlich verkörpert durch Benutzung jener rassischen Typen, die ihn umgaben und die in erster Linie zum hervorragenden Träger gewisser Eigenarten werden.

So verwandt in vielem uns auch Hellas erscheint, so hat (Die Schönheit – das griechische Lebenszentrum) der Grieche doch ein anderes innerstes Zentrum als der Inder, Römer oder Germane, das den Takt seines Lebens bestimmte. Das war ein aesthetischer Wert. Die Schönheit war der Maßstab hellenischen Lebens beim Symposion, da man sich im Kreis bei verdünntem Wein zusammensetzte und als Ganzes ein Thema besprach; die Schönheit war das alles bewegende Motiv der Ilias, sie siegte selbst, als das arme zerfetzte Griechentum einem römischen Feldherrn gegenübertrat, dessen Wesen eine Erinnerung an die einstigen Ahnen wachrief: T. Quinctius Flaminus. Man begegnete ihm ob seiner Würde und Schönheit wie einem Nationalhelden, Athen feierte ihn wie einen eigenen Heroen. Das war tiefstes griechisches Sehnen auf der Höhe des Lebens, aber auch im Niedergang, und wenn wir Hellas verstehen wollen, so müssen wir u n s e r e n Höchstwert – den Charakter – als Höchstwert zurückstellen. Ein wirklich schöner Mensch konnte in Hellas nach seinem Tode als Halbgott geehrt werden. so errichten selbst die nur halbgriechischen Egestaner dem im Kampf gegen die Karthager als schönsten Griechen geltenden Mann ein Heroon und opfern ihm. Es kann geschehen, daß die Hellenen einen gegen sie in offener Schlacht vorgehenden Gegner schonen, wenn er durch seine Schönheit auffällt, was ihnen als ein Anteil an Göttlichkeit erscheint, wovon uns Plutarch eine rührende Erzählung hinterlassen hat. selbst der von den Griechen getötete persische Feldherr Masistios wird, nachdem man seine Schönheit gewahr geworden ist, von den griechischen Kämpfern zwecks Bewunderung herumgetragen und von Xerxes erklärten die Griechen, daß seine Schönheit ihn allerdings zum Herrschen über sein Volk berechtige. Dieses Äußere aber wurde – sicher trotz mancher schlimmer Erfahrungen – als das Widerspiel einer adligen Seele aufgefaßt. Der Heros, der Held ist also stets schön. Das aber heißt: von bestimmter rassischer Art.

Das nordische Schönheitsideal in Hellas

Der Grieche als Held z- B, tritt in fast gleicher Gestaltung nicht nur in der hellenischen Plastik, sondern auch in der Kleinkunst, der Vasenmalerei auf; in seinem schlanken Körper gibt er gleichsam den Typus des modernen Schönheitsideals, in seinem Profil jedoch sanfter gestaltet als der spätere Germane. Man schaue sich neben der großen hellenischen Kunst die Vasenmalereien des Exekias, Klitias, Nikosthenes an, z. B. wie der erste Ajax und Achilles beim Fünfstrichspiel zeigt, seinen Kastor mit dem Pferde; die Hydrien des Charitaios mit den Amazonen; die blonde Frau des Euphronius auf der Orpheusschale, die geradezu gretchenhaft anmutet; die herrliche Aphrodite mit der Gans*, den Neapler Krater des Aristophanes und Ergines nsw. Wir finden durch Tausende von Vasen und Krater hindurch einen nur wenig sich ändernden gleichbleibenden Typus, der offenbar allein dem Griechen die Erregung des Heldischen, Schönen und Großen vermittelte. Daneben aber geht ein bewußter, rassischer Kontrast, z- B. in der Darstellung des Silens, Satyrs und Kentauren nebenher. so enthält die inseljonische PhineusschaIe drei Verkörperungen der männlichen Geilheit mit allen ihren Attributen. Die Köpfe dieser drei sind rund und plump, die Stirn wasserkopfartig gequollen, die Nase kurz und knollig, die Lippen wulstig. Genau so schildert auch Andokides den Silen, zeichnet ihn dazu behaart, mit einem langen Bart; in der Profilzeichnung wird noch der fleischige dicke Nacken sichtbar. Glänzend dargestellt tritt derselbe Typus bei Kleophrades** zutage, wobei der echt griechische Bacchant in Figur und Schädellinie einen ganz bewußten seelisch-rassischen Kontrast abgibt. Ebenso zeichnet Nikosthenes den weinschlauchtragenden Silen als geradezu* Vgl. hierzu E. Pfahl: „Malerei und Zeichnung der Griechen“, Abb. 498.** Pfuhl a. a. 0. Abb. 379.(Kunstverfall und Rassenchaos) tierisch – idiotische Karikatur, während Euphronius eine Silenschale hinterlassen hat, welche den stumpfsinnigen, behaarten negroid-ostischen Rassetypus geradezu vorbildlich darstellt. Neben diesen beiden großen Gegensätzen: dem schlanken, kraftvollen, aristokratischen Hellenen und dem kürzen, stumpfen, tierischen Silen, der fraglos der von den Griechen unterworfenen Rasse bzw. dem Typus der eingeführten Sklaven angehört, tauchen dann mit zunehmendem Einsickern asiatischen Blutes auch Gestalten in der Malerei auf, die auf zwanzig schritt als semitisch und jüdisch zu deuten sind. Eine schale des Eosmeisters z. B. Zeigt uns einen semitischen Händler mit dem Sack auf dem Rücken, während auf dem frühunteritalischen Phineuskrater eine Harpye abgebildet ist, deren Kopf und Handbewegung heute noch auf dem Kurfürftendamm in natura zu bewundern sind.

An Tausenden von Vasen und Bildern von Kleinasien bis zu den Wandgemälden von Pompeji läßt sich durch acht Jahrhunderte hindurch die Tatsache belegen, daß der gewollte künstlerische und aesthetische Eindruck eines Helden oder brünstigen Besessenen rassisch aufgefaßt und dargestellt wurde. Bei fortschreitender Bastardierung des Griechen tauchen denn auch „menschheitliche“ Mischgestalten auf mit schwammigen Gliedern und konturlosen Köpfen; das rassische Chaos der Zeit einer fortschreitenden Demokratisierung geht mit dem künstlerischen Hand in Hand. Es gibt keine Seele mehr, die sich ausdrücken will, es gibt keinen Typus mehr, der Seele verkörpert. Es lebt bloß „der Mensch“ des Hellenismus, ein Geschöpf, welches weder aesthetisch wirkt noch wirken kann, weil die stilbildende Rassenseele des Hellenen auf ewig gestorben war. Es war schon so, daß die „blondlockigen Achäer“ des Pindar eine Einzigartigkeit im Mittelmeer bildeten, oder, wie aus dem Anfang des 5. Jahrhunderts die Physisognomika des Adamantios von eigentlichen Hellenen berichten, „sie seien (Homer, der nordische Gestalter) gerade hinlänglich groß gewachsen, fest, weiß von Haut, Hände und Füße wohl gebildet, der Hals kraftvoll, das Haar braun, zart und sanft gewellt, das Gesicht viereckig; die Lippen seien fein, die Nase gerade, die Augen mit glänzendem, mächtigem Blick; sie seien das schönäugigste Volk der Welt“.

Nordisch bedingt wie die bildende Kunst Griechenlands ist auch Homer und seine Schöpfung. Als Telemachos sich von seiner Mutter reißt, da sandte „des Zeus blauäugige Tochter“ ihm „günstigen Fahrwind“. Als dem Menelaos sein Schicksal geweissagt wird*, prophezeit man ihm ein göttliches Leben, das ihn an die „Enden der Erde“ führen werde, „zu der elysischen Flur, wo Held Rhadamanthys der B l o n d e“ wohnt. Nur mit „goldgelockter Schläfe“ konnte sich auch Hölderlin den Genius Griechenlands vorstellen. Und Homer bekennt als bewußter Herrenmensch:

Denn der entschlossene Mann führt stets am besten zu Ende jegliches Werk,
auch wenn er von fernher naht als Fremdling.

In Thersites jedoch entsteht ein dem „blonden Helden“ feindlicher, dunkler, mißgestalteter Verräter, offenbar die Verkörperung vorderasiatischer Spione im griechischen Heer. Der Vorläufer unserer Berliner und Frankfurter Pazifisten. Die Brüder des Thersites, die Phöniker, schildert Homer** als „Gauner, unzähligen Tand mitbringend im dunklen Schiffe“. So hat Homer seelisch-rassische Kunst geschaffen und jene Bilder mitgeboren, die später zu Ehren der „blauäugigen Tochter des Zeus“ errichtet wurden, den Malern den Pinsel geführt, aber auch dem fremden, helden-feindlichen Prinzip seine rassische Form gegeben. Der Silen ist also nicht eine „charakteristisch gezeichnete gedrungene Gestakt“, wie unsere Kunsthistoriker es uns* Odyssee IV.** Odyssee XV. (Sokrates, der Nichtgrieche) weismachen wollen, sondern die plastische Darstellung der Eigenschaften einer fremden Rassenseele, wie sie dem Griechen erschien. Der später überhandnehmende Phalluskult, die wüsten Bacchusfeste, die ganze spätdionysische Zersetzung geht auf das rassische Überhandnehmen der früher als stumpf und beschränkt gezeichneten unterjochten ostisch-orientalischen Rassetypen zurück.

Im elefantenstarken Sokrates fand diese Umschichtung ihren bezeichnenden Wendepunkt. Es besteht kein Zweifel darüber, daß PIaton den Haarspalter maßlos verherrlicht hat. Ein Selbstbekenntnis des Sokrates in den platonischen Dialogen ist aber jedenfalls echt. Er erklärt da, man könnte ihn mit einer beschriebenen Papierrolle aus der schönsten Natur fortlocken*. Inmitten des in die Welt schauenden Griechentums war das ein Bekenntnis zur plattesten Schulmeisterei. Sokrates ist ein Beispiel dafür, daß seelisch-rassische Kraft des Genies, eine noch so gute Moralphilosophie und noch so gute „allmenschliche“ Aesthetik noch lange nicht das gleiche sind. Das Fromme und schöne trugen von je griechisches Leben, Kampf jedoch schien auch dem Hellenen ewiges Naturgesetz, dem selbst Pallas Athene diente. Mit Sokrates begann nicht eine neue Epoche griechischer Geschichte, sondern mit ihm trat ein ganz anderer Mensch ins hellenische Leben ein. Zwar war auch er geformt von den heiligen Überlieferungen Athens, von Homer, den Tragödien, Perikles und den Erbauern.

* Wörtlich heißt die bezeichnende stelle zu Beginn des „Phaidros“: „Ich bin eben lernbegierig, und Felder und Bäume wollen mich nichts lehren, wohl aber die Menschen in der Stadt. Du indes, dünkt mich, hast, um mich herauszulocken, das rechte Mittel gefunden. Denn wie sie mittels vorgehaltenen Laubes oder Körner hungriges Vieh führen, so könntest du gewiß, wenn du mir solche Rollen mit Reden vorzeigtest, mich durch ganz Attika herumführen und wohin du sonst wolltest.“ (Die „Gemeinschaft der Guten“) der Akropolis; zwar nahm er selbst als Soldat teil am machtpolitischen Ringen, und doch ist Sokrates der genielose, wenn auch edle, tapfere Mensch einer anderen, nicht griechischen Rasse. Er lebte in einer Zeit, als Athen irrlichterte und seine einst aristokratische Demokratie (die nur Griechen, keine Fremden umfaßte) in Abgründe des Chaos hinabglitt. Unter dieser Tyrannis der Demagogen wurde der große Alkibiades verbannt, verendete das gesamte Heer Athens vor Syrakus, gingen fast alle anderen Eroberungen verloren. Die siegenden Aristokraten ließen dann die Demokraten zu Hunderten den Giftbecher trinken, worauf das gleiche Schicksal sie selbst ereilte. Ein Aristophanes verhöhnte alte Überlieferung, die neuen Lehrer Gorgias, Protagoras nsw. schwelgten in bloßer, schöner Form. Da trat der schon tausendfach vorher als Silen gekennzeichnete fremde Mensch auf. Die andere Rasse in ihrer stärksten Entfaltung, soweit es überhaupt möglich war, von Hellas’ Kultur seelisch gestaltet: nüchtern, ironisch, robust; im Bewußtsein, sich einer zerfetzten Form gegenüber zu sehen: unerschrocken, tapfer. Logisch stark und von geschliffenster Dialektik bringt der häßliche Sokrates die schönen, innerlich haltlos gewordenen griechischen Lehrer zur Verzweiflung. Darüber hinaus, sucht er „das Gute“ an sich, predigt die „Gemeinschaft der Guten“ und versammelt um sich ein neues ringendes griechisches Geschlecht.

Einst mußte ein Perikles als Herr Athens vor dem Gericht um die Gnade flehen, seinem letzten, ihm von seiner ausländischen Frau geborenen Sohn das Bürgerrecht zu verleihen. Als Ausnahmefall wurde ihm das bewilligt. Dieses strenge, früher von ihm selbst eingebrachte rassische Gesetz zerging bei der fortschreitenden Ausblutung Athens. Sokrates aber war es, der Nichtgrieche, der ihm in einer Zeit der Zersetzung den Todesstoß verabfolgte. Die Idee einer „Gemeinschaft der (Sokrates und PIaton) Guten“ ergab eine neue Gliederung der Menschen. Nicht nach Rassen und Völkern, sondern nach Einzelmenschen. Sokrates war nach dem Zusammenbruch der athenischen Rassendemokratie somit der damalige internationale Sozialdemokrat. seine persönliche Tapferkeit und Klugheit gaben der rassevernichtenden Lehre eine werbende Weihe. Sein Schüler Antisthenes (Sohn einer vorderasiatischen Sklavin) war es, der dann die Folgerungen aus ihr zog und die Niederreißung aller Schranken zwischen allen Rassen und Völkern als menschlichen Fortschritt predigte.

Sokrates lebt nur dank PIaton als der Heros, wie ihn alle unsere Kathedergrößen verehren. Der griechische Genius dankte durch PIaton dem Manne, der inmitten einer Zeit der Zersetzung die nüchterne Besonnenheit vertrat, er liebte diesen Mann und setzte ihm dadurch ein ewiges Denkmal, daß er auch die Worte seiner Seele dem Sokrates in den Mund legte. so verschwand der wahre Sokrates aus den Augen der Welt. Nur wenige Stellen in PIaton weisen auf ihn. Im Phaidon z. B. erzählt PIaton von Sokrates, dieser habe erklärt, daß er zur Untersuchung organischer Vorgänge keine Eignung besitze. Das wahre Wesen der Dinge bestehe schließlich ja nicht in ihrer Untersuchung durch Anschauung, sondern in unserem Denken über sie; man solle sich durch vieles Anschauen „nicht die Augen verderben“. Wolle der Mensch herausfinden, ob die Erde flach oder rund sei, so „Zieme es ihm nicht“, hier zu forschen, sondern bloß die Vernunft zu befragen: was das Vernünftigere sei? sei es vernünftiger, sich die Erde im Mittelpunkt zu denken, oder nicht? Diese stelle hat Platon sicher nicht ersonnen, sie entspricht dem gleichen Sokrates, der erklärte, hinter einer beschriebenen Papierrolle aus der schönsten Natur fortlaufen zu wollen; dem gleichen aber auch, der den Blick vom rassisch-schönen Griechenland wendet und eine abstrakte Menschheit, eine Bruderschaft der Guten (Naturwidrige „Schönheit“) verkündet. Das war die Wendung von der Sonne weg zum Schatten einer vernünftelnden Zwangslehre. Wie das jüdische Dogma sich über die Religion, so lagerte sich die soldatische lebenswidrige „wissenschaftliche“ Methode über Europa. Aristoteles war sein schematisierender Verkünder, Hegel sein letzter großer Schüler. „Die Logik ist die Wissenschaft von Gott“, sagte dieser Hegel. Das Wort ist ein Faustschlag ins Gesicht einer jeden echten nordischen Religion, einer jeden echten germanischen, aber auch echt griechischen Wissenschaft. Aber das Wort ist echt sokratisch und Hegel ist nebst Sokrates deshalb nicht umsonst ein Heiliger unserer meisten Universitätsprofessoren.

Das Seelenbild und die äußere Erscheinung fallen gewiß nicht immer zusammen Bei Sokrates war es aber der Fall. In einer Umgebung, wo der Eros und die nordische Rassenschönheit von der blonden Aphrodite, vom blonden Jason, dessen Haar nie von einer Schere berührt worden war, des weißhäutigen, schlanken und blonden Dionys des Euripides bis zum „lieblichen Blondköpfchen“ in den „Vögeln“ des Aristophanes zieht sich das gleiche, das echte Griechentum tragende und bildende Schönheitsideal; hier tauchte der struppige Satyrtyp gleichsam als Symbol des Fremden auf. Hier aber auch, wenn irgendwo, mußte eine Abkehr des Auges von der Welt Zusammenbruch bedeuten. Das schöne verschwand, Bastardgestalten treten auch in der Kunst auf, das Abstoßende, das absolut Häßliche und Naturwidrige selbst wird „schön“.

Die Predigt des „Vernünftigen und Guten“ war die Parallelerscheinung der griechischen Rassen- und Seelenzersetzung. Das „Gute“ zerstörte dann das rassische Schönheitsideal in der Kunst ebenso wie die tragenden heldischen Gedanken des staatlichen und sozialen Lebens. Das größte, weil persönlich edelste, Gleichnis dieses hereinbrechenden, der Rasse und der Seele des Hellenentums feindlichen Chaos ist Sokrates gewesen. (Die „graeculi„) Entwicklungsgeschichtlich betrachtet: ein PIaton gießt sein ganzes Genie aus über den unerschütterlich nüchternen Mann und schenkt ihm Unsterblichkeit; aber was PIaton im Wesentlichen war: ein Aristokrat, ein Olympiakämpfer, ein schönheitstrunkener Dichter, ein plastischer Gestalter, ein überschwenglicher Denker, einer der, zum Schluß, sein Volk auf rassischer Grundlage durch eine gewaltsame, ja bis ins einzelne diktatorische Staatsverfassung retten wollte, das war nicht sokratisch, sondern die letzte große Blüte des geistigtrunkenen Hellenentums. Was Praxiteles später schuf, war Protest gegen jeden Sokratismus, war der letzte Hochgesang auf nordisch-griechische Rassenschönheit, ebenso wie die herrliche Nike von Samothrake. Aber Sokrates war d o ch Symbol. Hellas ging unter in dem Rassenchaos und an Stelle stolzer Athener bevölkerten die überall verachteten „graeculi“ die Provinzen des aufsteigenden Roms, die charakterlosen graeculi, von denen man sich „bilden“ ließ, die man bezahlte – und versagte, wenn man ihrer überdrüssig wurde.

Sokrates -Anthistenes siegten, Hellas verging. Der „gesunde Menschenverstand“ hatte das Genie vernichtet, als es seine schwache Stunde durchlebte. Das Häßliche wurde Norm, als das Schöne ihm das Zugeständnis „des Guten“ machte.

Als Sokrates vor seinen Richtern stand, sagte er: „Noch nie ist Athen ein größerer Dienst als durch mich geschehen.“ Die „Demut“ und „Bescheidenheit“ des „Gottgesandten“ – wie er noch von sich sagte – hatte jedenfalls auch noch ihre Kehrseite. Sokrates fühlte unbewußt, daß Griechenland zerbrach….. (Germanen und Griechen)

Aus diesem gleichen Geist, wie ihn einst Sokrates verkörperte, wurde auch die abendländische „Aesthetik“ einer „menschheitlichen“ Spätzeit geboren.

Gleich Sokrates suchte sie den,, Menschen“, nicht den Griechen, nicht den Germanen, nicht den Juden und Chinesen, ,, entdeckte“ sogenannte allgemeine Gesetze und predigte aesthetische Stimmung und Kontemplation, weil ihre Urheber meist selbst jedes Empfinden für seelisch-rassischen Willens- und Kunstantrieb verloren hatten. In ihrer Begeisterung für die Akropolis überfahren auch unsere Klassiker, daß sie es hier mit einer Seite des nordischen Menschen zu tun hatten, die aber künstlerisch eine Gegenseite zum germanischen darstellte. Wo der Grieche formal Zusammenscharte, plastisch vereinzelte, schuf der Germane Eindringlichkeit des seelischen und Beziehungsreichtum. Wo der Grieche rassisch-heldische Bewegung zur Ruhe bannte, verwandelte der spätere nordische Bruder, von einem anderen Formwillen getrieben, Ruhe in Bewegung. Wo der Grieche verallgemeinerte, personifizierte der Gotiker, der Barockmensch, der Romantiker. Aber die Freude an den rauschenden Linien von den drei Frauen des Parthenongiebels bis zur Pike von Samothrake schlug doch eine Saite bei uns an, die hell erklang und bis heute klingt, weil hier zweifellos eine seelisch-rassische Verwandtschaft bloßgelegt wurde. Wären die Theoretiker des 18. und 19. Jahrhunderts sich d i e s e r Tatsache ganz bewußt geworden, sie hätten die Bewunderung des formal tüchtigen, aber langweiligen Laokoon nicht zum Ausgang einer „allgemeinen“ Ästhetik gemacht, sie hätten nicht das Formale des Parthenonbaues zum Maßstab des Urteils über Kunst schlechtweg erklärt. sie haben gerade das, was blutvoll und echt in Hellas schuf, übersehen und auf den (Sancho Pansa als Rassetypus) Ruinen der Akropolis mit dem Zentimetermaß eines sentimental verzückten und doch verstaubten Schulmeistertums der „humanitär“ vergehenden und später in Stoffanbetung verblödenden Zeit eines europäischen Niederganges das Leitmotiv für instinktlose Doktorarbeiten geliefert. Dadurch wurde die künstlerisch-seelische Wertung sowohl der griechischen als auch der nordisch-europäischen Kunst verfälscht. Und noch heute erblicken wir deshalb die Gestalten von Hellas und Germanien in falscher Perspektive.

Nur für Ästhetiker, die Ästhetik um der Ästhetik und nicht um der Kunst und des Lebens willen treiben, ist eine Linie nichts als Linie, Ornament. Für jeden Künstler ist sie aber – ob bewußt oder unbewußt – Funktion, Trägerin einer Leistung. sie ist an eine bestimmte Materie gebunden. Im Menschlichen sind die verschiedenen rassischen Typen die Verkörperung bestimmter seelischer Wesenheiten, die sie schildernde farbig-lineare Gesamtheit also seelisch – rassisch bedingt. Wenn Velasquez einen Kontrast zu einer blondlockigen kleinen Infantin schaffen möchte, so setzt er eine “ Zwergin“ neben sie, d. h. eine jener Bastardtypen, mit denen Spanien übervölkert ist. Alles stumpfe und Erdversklavte ist von Velasquez bis Zuloaga in diesen schiefäugigen armen Krüppeln verewigt. Sancho Pansa ist der Rassetypus des rein ostischen dunklen Menschen: abergläubisch, kulturunfähig, schwunglos, materialistisch; bis zu einem gewissen Grade „treu“, meistens jedoch nur unterwürfig. Auch Sancho ist kein “ dicker Mann“, sondern eine zusammengeballte rassisch-seelische Wesenheit, gleich wie sein Herr eine tragikomische Verzerrung des nordischen Rittertums darstellt, das unter fremder sonne sich krankhaft übersteigerte, noch im Blut des Camoens aber ebenso rollte wie in den Adern des Cervantes. selbst heute noch soll in altadeligen Kreisen Kastiliens das blau durchschimmernde(Die Heldengestalt rassisch bedingt) Blut unter heller, also nordischer Haut als Zeichen vornehmer Abstammung gelten*.

Die Konturen des „griechischen“ Silens entsprechen der Zeichnung des „spanischen“ Sancho und den „spanischen“ Zwergen. Darüber hinaus finden wir die Träger des gleichen stumpfen seelischen Wesens in ganz Europa ähnlich gestaltet.

Die Völker des Abendlandes sind eine Folge rassischer Mischungen und politischer Zuchtsysteme, jedoch hat jedes von ihnen das Wesentliche staatlicher Formkräfte von der nordischen Schicht erhalten und zugleich damit die formenden Kräfte der gesamten Gesittung. Mit dieser Tatsache aufs engste verknüpft ist auch das bestimmende nordische Schönheitsideal, das sich manchmal selbst noch in Gegenden auswirkt, wo das nordische Blut heute vollkommen ausgetilgt ist. Die Heldenvorstellung des gesamten Europa ist gleichzustellen mit einer hohen schlanken Gestalt, mit blitzenden hellen Augen, hoher Stirn, mit kraftvoller, aber nicht übermäßiger Muskulatur. Eine Heldenvorstellung, verbunden mit einem untersetzten, breitschultrigen, säbelbeinigen, dicknackigen und flachstirnigen Menschen gehört selbst dort zur Unmöglichkeit, wo Typen wie die Eberts an die Oberfläche des Lebens geschwemmt worden sind. Man sehe sich nur die Köpfe der Stauferkönige an, das Denkmal in Magdeburg, den Kopf Heinrichs II.; man beachte, wie zum Beispiel Rethel sich

* Unter des Westgoten Pelayos Befehl begann der asturische Freiheitskampf gegen die Mauren. Der Eid ist germanisch wie nur je ein fränkischer Roland. Enrique, Alfonso usw. sind nichts als abgeänderte deutsche Namen; Katalonien heißt Gotalonien, Gotenland; Andalusien hat seinen Namen von den Vandalen: Vandalitia. Noch im 11. Jahrhundert war die Liturgie in den Kirchen Spaniens westgotisch. Blauäugig war Isabella von Kastilien, blond war die Schönheit der Frauen des Cervantes.(Schiller über griechische Kunst) selbst das Gesicht Karls des Großen vorstellt, wie auch dessen Gegner Widukind gezeichnet wird; man lese, was Alt-Frankreich über Roland berichtet, was Wolfram über Parzival erzählt, um zu wissen, daß hier Inneres und Äußeres ein enges, seelisch-rassisches Geflecht ergibt, wie es sich – in tausend Formen zwar – immer wieder zeigt, wo das auftritt, was wir als große Kunst empfinden. Der St. Georg des Donatello zeigt in seiner Ruhe das gleiche Schönheitsideal wie der Gattamelata, ja selbst wie der wilde, im Gesichtsausdruck verzerrte Colleoni; der Herzog von Wellington und Gustav Adolf sind von Moltke fast nur durch eine andere Haartracht und Bartmode verschieden. Eine Veränderung in bezug auf früher ist jedoch festzustellen: früher führte der Held und Feldherr persönlich sein Volk in die Schlacht, die ganze Person wurde hierbei Symbol. Heute besteht eine mehr innere Dynamik: der Wille und das Hirn leiten von einem Zentrum aus Millionen. Demgemäß wird weniger die ganze Gestalt als der Kopf allein in die Darstellung einbezogen. seine Zeichnung ermöglicht eine bedeutend stärkere Konzentration auf das für uns Wesentliche. Stirn, Nase, Augen, Mund, Kinn werden zu Trägern eines Willens, einer Gedankenrichtung. Der Weg vom statischen Zum Dynamischen ist auch hier erkennbar. An dieser stelle trennt sich nordisch-abendländische Kunst vom griechischen Ideal.

Schiller schrieb einst bei der Betrachtung der Juno Ludovisi: „Um es herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt . . . „

„Längst schon lebte und wirkte dieser Satz in der Kunst und in dem Gefühl der Griechen, ihrer vornehmsten Geister . . . sowohl der materielle Zwang der Naturgesetze, als der geistige Zwang der Sittengesetze verlor sich in (Statik und Dynamik in der Kunst) ihrem höheren Begriff von Notwendigkeit, der beide Welten zugleich umfaßte, und aus der Einheit jener beiden Notwendigkeiten ging ihnen erst die wahre Freiheit hervor. Beseelt von diesem Geiste, löschten sie aus den Gesichtszügen ihres Ideals zugleich mit der Neigung auch alle spuren des Willens aus … in sich selbst ruht die Gestalt, eine völlig geschlossene Schöpfung und als wenn sie jenseits des Raumes wäre ohne Nachgeben, ohne Widerstand.“

Das artbedingte Schöne als äußere Statik der nordischen Rasse, das ist Griechentum, das arteigen Schöne als innere Dynamik, das ist nordisches Abendland. Das Gesicht des Perikles und der Kopf Friedrichs des Großen sind zwei Symbole für die Spannweite einer Rassen-Seele und eines rassisch ursprünglich gleichen Schönheitsideals.

Es ist beschämend und doch Tatsache, daß, während es unzählige „Ästhetiken“ gibt, die unerläßliche Voraussetzung einer Aesthetik überhaupt: die Darstellung der Entwicklung der rassischen Schönheitsideale, bis auf heute nicht geschrieben ist*. Mit geschlossenen Augen gehen Laien, Kunstgelehrte, ja die Künstler selbst durch die Galerien, lesen europäische und chinesische Gedichte, ohne echtes Wesen und das wirkliche Gestaltungsgesetz zu erblicken. Dabei drängt sich die formende nordische Seele geradezu auf. Man werfe nur einen Blick auf eines der ehrwürdigsten Werke europäischer Malerei: auf das Eycksche Triptychon mit den singenden Kindern. Die Eycks wiederholen immer wieder das gleiche Idealbild des nordischen Menschen, technisch-zeichnerisch nicht restlos auf der Höhe der späteren, an innerem Formgefühl jedoch jedem ebenbürtig. Der jugendliche Kopf auf dem (vom Beschauer) linken

* Ansätze dazu sind bisher nur in Günthers „Rassenkunde“ und bei Schultze-Naumburg: „Kunst und Rasse“ zu finden. (Das Schönheitsideal eine Seelenrettung) Flügel, wie er sich im Profil vom Hintergrunde abhebt, ist von reinster Rasseschönheit und findet sein männlichdurchfurchtes Gegenstück im Gottesgesicht oben in der Mitte. Ähnlichen Geist atmen die Köpfe der Eycks im Berliner Museum. Und um gleich ganz tief zu greifen: jener Gott, durch den Michelangelo den Adam erweckt, zeigt denselben Typus, wie der Kopf Gottes im van Eyckschen Werk, sicher ohne daß Michelangelo auch nur eine Ahnung vom Dasein der Eyckschen Schöpfung hatte. Der selbe Kopf aber erscheint (wenn auch durch seelische Spannung verändert) auf der Gestalt des vor Zorn bebenden Moses. Die gewaltige Hoheit darzustellen war sowohl dem Niederländer wie dem Italiener nur in einer typischen Weise möglich. Weder Jan van Eyck noch Michelangelo konnten ihr Ideal von Hoheit, Kraft und Würde durch ein jüdisches Rassenantlitz verkörpern. Man stelle sich bloß ein Gesicht mit krummer Nase, hängender Lippe, stechenden schwarzen Augen und Wollhaaren vor, um sogleich die plastische Unmöglichkeit der Verkörperung des europäischen Gottes durch einen jüdischen Kopf (geschweige denn durch eine jüdische „Gestalt“) zu empfinden. Diese eine Erkenntnis allein aber müßte schon genügen, auch die innere Gottesvorstellung des Judentums, welche mit dem jüdischen Äußeren ein Wesen bildet, restlos abzulehnen. Hier ist unsere Seele aber jüdisch verseucht worden; das Mittel dazu waren die Bibel und die Kirche Roms. Mit ihrer Hilfe wurde der Wüstendämon der „Gott“ Europas. Wer ihn nicht wollte, wurde verbrannt oder vergiftet. Der abendländische Mensch rettete sich nur durch die Kunst und schuf sich in Bild und aus Stein seine Gottheit, trotz des tragischen Kampfes, den es kostete, in Farben und Marmor seine innere Schönheit zu verwirklichen und diesen ganzen Reichtum in den Dienst eines Geistes zu stellen, den als (Der nordische Dante) Gott, ja nur als Schönheit zu verkörpern sich keine einzige europäische Künstlerhand gefunden hat. Man sehe sich nun noch Michelangelos Sibyllen, seinen Jeremias, seine Sklaven, seinen Petersburger Knaben, seinen Lorenzo an, um immer erneut ein seelisch-rassisches Bekenntnis bestimmter Art anzutreffen.

Fast das gleiche Schönheitsideal leitete Tizian sein ganzes Leben hindurch. Die „himmlische und irdische Liebe“, seine Venus (Berlin), schenkte uns einen Frauentyp, wie ihn uns die Weiber des Parthenongiebels zeigen, wie auch die Frauen waren, die einst mit den germanischen Eroberern über die Alpen gezogen kamen. Tizians Flora, seine Hlg-Familie (München) wiederholen dieselbe Sprache, während Giorgione, als gleicher Venezianer, in seiner Venus ein geradezu klassisches Werk nordischer Weibesschönheit schuf und Palma Vecchio, abermals ein Venezianer, überhaupt an nichts anderem Gefallen fand als an blonden, blauäugigen, großen Frauen (z. B. seine drei Schwestern in Dresden). Dieses Schönheitsideal war sogar so stark ausgeprägt, daß die dunklen Frauen sich ihr Haar entfärben ließen, um schön, d. h. blond zu erscheinen.

Und noch eines großen nordischen Italieners muß hier gedacht werden: Dantes. Auch sein Schönheitsideal ist germanisch bedingt und kommt vielleicht nirgends unmittelbarer zum Ausdruck wie in seinen Steinkanzonen:

Ach! warum schreit sie nicht
Nach mir, wie ich in heißer Kluft nach ihr?
Ich riefe gleich: „Zu Hilfe komm’ ich Dir!“
Und tat’ es nur zu gern, denn mit der Rechten
Pack’ ich die b l o n d e n F l e c h t e n,
Die Amor kraus und g o l d i g, mich zu höhnen,
Gemacht, und wollte meiner Lust dann fröhnen!
. . . . . . . . . . . . . . .
Hätt’ ich dann so gepackt die blonden Strähnen,
Die Rute sind und Geißel für mein Herz …

[296] Rembrandts Schönheitsdarstellung

Und als Dante im Purgatorium (3. Gesang) König Manfred trifft, schreibt er:

Ich wandte mich und sah’ ihm grad’ ins Antlitz.
Blond war er, schön und edel von Erscheinung,..

Von hier ist nur ein schritt zu Rubens. Er übertreibt zwar das Fleischliche, trotzdem ist die Struktur seiner Frauen durchaus von dem nordischen Rassetypus bestimmt, der – ähnlich wie einst in Griechenland – dem kurzen, stiernackigen, breitstirnigen, rundköpfigen Faun gegenübergestellt wird.

Rembrandt war ein guter Bibelkundiger (richtiger gesagt, wird er die Bibel selbst wenig gelesen haben, dafür aber das niederländische Volksbuch „Trouringh“ des Jacob Cats, da er sich fast überall an dessen Schilderungen gehalten hat), glaubte sich verpflichtet, viele Judenköpfe zu malen, um die biblischen Geschichten auch,, richtig“ darzustellen. Den ertappten Joseph schildert er denn auch, wie er, mit den Händen redend, dem Mann der attackierten Frau Potiphar seine „Unschuld“ beteuert (Berlin), aber sobald Rembrandt ernste Dinge behandelt, muß er das Amsterdamer Ghetto verlassen. Der Vater des „Verlorenen Sohnes“ (Petersburg) ist aller jüdischen Attribute entkleidet: eine hohe nordische Greisengestalt mit geistigen, gütigen Händen. Die Regelmäßigkeit nordisch-italienischer Künstler war Rembrandt fremd, er suchte nicht so sehr Linie als Atmosphäre, tonige Farbensymphonien, Mystik. Trotzdem ist sein Christus in Emmas (Paris) ebenso nordisch empfunden, wie die Bildnisse seiner Mutter (Petersburg), und die Prachtgestalt der Danae (Petersburg) zeigt, daß auch Rembrandt echte Schönheit nicht anders darstellen konnte, als sie der Seele Giorgiones vorschwebte. Eines der zartesten Bilder Rembrandts heißt die „Jüdische Braut“, und es ist geradezu zwingend, selbst hier jedes Fehlen jüdischer „Schönheit“, dafür derb-zartes nordisches Fühlen feststellen zu müssen (Schönheitsideal der Sixtina) Auch Raffaels Menschen sind nicht nur „männlich schöne, kraftvolle Gestalten“, wie es uns unsere Kunstphilosophen bis zum Überdruß versichert haben, sondern sind Verkörperungen der gleichen nordischen Rassenseele, wie sie auch aus dem jugendlichen Selbstbildnis des Raffel spricht. Ein feiner Beobachter hat richtig erklärt, das Jesuskind der Sixtinischen Madonna sei in Blick und Haltung „geradezu heroisch“ (Wölfflin). Das ist treffend ausgedrückt, nur fehlt die wesentliche Begründung dafür, warum die angebliche jüdische Familie heroisch wirkt. Hier sind nicht nur Komposition und Farbenverteilung, nicht „Innigkeit“ und „Hingabe“ maßgebend, sondern, als Voraussetzung des Gelingens eines Formwillens, wiederum das rassische Schönheitsideal. An stelle des dunkelblondlockigen, hellen Jesuskindes ein schwarzblau wollhaariger, brauner Judenjunge wäre ebenso eine Unmöglichkeit, wie eine ähnliche „Gottesmutter“ nebst Heiligem, selbst wenn dieser das „Edelgesicht“ eines Offenbach oder Disraeli trüge. Das Medium unserer Seelenäußerung ist also stets das nordisch-rassische Schönheitsideal gewesen; die Möglichkeit, (ich hier zu äußern, hat die sog. „christlichen“ Kirchen erst lebendig gemacht. Wohlgemerkt, auch hier ist alles Große gegen das alt-biblische Wesen verwirklicht worden. Eine Befolgung des alt-biblischen Geistes durch bildhafte Verkörperung hätte nur Abscheu und verächtliches Lachen erweckt… Genau so schön wie Raffaels Frauen sind die poetischen Gestalten des Botticelli, die Madonna Holbeins in Darmstadt…

Man verfolge diese Andeutungen durch die gesamte abendländische Kunst. sicher oft vermischt mit anderen (westisch-mittelmeerländischen, ostisch-alpinen und dinarischen) Typen taucht als groß und beherrschend immer wieder die nordische Rassenschöheit als Ideal und Leitstern auf. Kaum einer von tausend unter den Lebenden ist ganz diesem Ideal gemäß gestaltet, das Erscheinungs-(Das Rassenchaos der Weltstadt) bild vieler stimmt nicht oft mit dem Erbbild überein, die Sehnsucht jedoch, welche schuf und gestaltete, suchte stets erneut nach der gleichen Richtung. Man blicke auf den Kopf Leonardos, auf das Selbstporträt Tintorettos (Paris), auf das jugendliche Selbstbildnis Dürers…, es ist die gleiche Seele, die aus ihnen uns entgegenblickt.

Das 19. Jahrhundert zeigt wie in allen Dingen so auch hier eine gewisse Unterbrechung, da andere Probleme (die Landschaft usw.) in den Vordergrund traten. In Deutschland versuchten Uhde und Gebhard einen Anlauf im Sinne Verwirklichung nordischer Schönheit, aber sie blieben in der Anekdote stecken, ihnen fehlte die Stoßkraft des Genies und – eine ähnlich suchende Umgebung. Marees war bemüht, sich an griechischer Form aufzurichten und quälte sich sein ganzes Leben lang um „Schönheit“; er Zerbricht (er war übrigens Halbjude). Feuerbach wanderte nach dem Süden, wurde kühl-formal, trotz tragischer Stoffe…

Die Weltstadt begann ihre rassenvernichtende Arbeit. Die Nachtkaffees des Asphaltmenschen wurden zu Ateliers, theoretische, bastardische Dialektik wurde zum Begleitgebet immer neuer „Richtungen“. Das Rassenchaos aus Deutschen, Juden, naturentfremdeten Straßengeschlechtern ging um. Die Folge war Mestizen „Kunst“.

Vincent van Gogh, ein sehnsuchtsvoller, aber gebrochener Mann, wanderte hinaus, um zu malen. Heim zur Scholle wollte er: die „Bauerngestalt in ihrer Arbeit“ sei das eigentlich Moderne, das „Herz der modernen Kunst, das, was weder die Renaissance noch die holländische Schule noch die Griechen getan haben“. Er quälte sich um dieses Ideal und gestand: hätte er früher die Kraft besessen, so hätte er „heilige Gestalten“ gemalt; es wären Menschen wie die ersten Christen geworden. „später“ wolle er den Kampf doch noch aufnehmen. Heute gehe er bei diesen Gedanken zugrunde. Nur malen, nicht (Van Gogh, Gauguin, Picasso) denken, malen, was es auch sei, Kohl, Salat, um sich zu beruhigen…“ Und Vincent malte Apfelbäume, Kohl und Straßensteine. Bis er verrückt wurde.

Gauguin suchte ein Schönheitsideal in der Südsee. Er zeichnete die Rasse seiner schwarzen Freundinnen, melancholische Natur, farbenreiche Blätter und Meere. Auch er war innerlich morsch und zerrissen, wie sie alle, die die ganze Welt nach einer verlorengegangenen Schönheit absuchten, ob sie nun Böcklin, Feuerbach, van Gogh oder Gauguin hießen. Bis dieses Geschlecht auch dieses Suchens müde wurde und sich dem Chaos ergab.

Picasso kopierte einst mit größter Sorgfalt alte Meister, malte dazwischen starke Bilder (eines davon hängt bei Schtschukin in Moskau), um schließlich seine Theorie-Illustrationen in lehmig, hell-dunklen Quadraten dem richtungslosen Publikum als neue Kunst zu empfehlen. Und das schreibende Schmarotzertum ergriff voller Gier die neueste Sensation und schwärmte von einer neuen Epoche in der Kunst. Was Picasso aber noch schamhaft hinter geometrischen Kunststücken verschwieg, trat nach dem Weltkrieg offen und frech hervor: das Mestizentum erhob den Anspruch, seine bastardischen Ausgeburten, erzeugt von geistiger Syphilis und malerischem Infantilismus, als „Seelenausdruck“ darstellen zu dürfen. Man sehe einmal lange und aufmerksam etwa die „Selbstbildnisse“ eines Kokoschka an, um angesichts dieser Idiotenkunst das grauenhafte Innere halbwegs zu begreifen… Hanns Heinz Ewers erzählt in einer Novelle von einem Kinde, das so widernatürlich veranlagt war, an Elephantiasis-Kranken ein besonderes Wohlgefallen zu finden. In gleichem Zustande befindet sich heute unsere „europäische Geistigkeit“, welche durch jüdische Federn die Kokoschkas, Chagalls, Pechsteins usw. als die Führer der Malerei der Zukunft anbetet. Wo darüber hinaus sich Form hervorwagt, trägt auch sie die mestizenhaft-jüdischen Züge, wie (Arnold Böcklin) etwa bei Schwalbach, der bereits Jesus als plattfüßig und krummbeinig darzustellen wagt. Eine gewisse Robustheit zeigte Lovis Corinth, doch zerging auch dieser Schlächtermeister des Pinsels im lehmig-Ieichenfarbigen Bastardtum des syrisch gewordenen Berlins.

Der Impressionismus, ursprünglich von starken Malertalenten getragen, war einst zum Schlachtruf des allzersetzenden Intellektualismus geworden. Die atomistische Weltbetrachtung atomisierte auch die Farbe; die plattverstandesmäßige Naturwissenschaft ergab in den Praktikern und Theoretikern des Impressionismus ihren NiederschIag. Die mythenlose Welt schuf sich auch eine mythenlose Sinnlichkeitskunst. Menschen, die innerlich aus dieser Öde hinauswollten, zerbrachen. Van Gogh ist ein tragisches Beispiel für wahnsinnig gewordene, unbefriedigte Sehnsucht Gauguin ist ein anderes Gleichnis für die Versuche, sich vom Intellektualismus freizumachen. Nur die Paul Signacs pinselten hemmungslos darauf los und klebten unbekümmert ihre Farbstücke nebeneinander.

Diese Männer standen hilflos in ihrer Gegenwart. Ihre Bekämpfer ebenso ahnungslos mit dem Rücken zur Zukunft. Das homerische Schicksal, welches man einst Böcklin zusagte, hat sich bereits entschieden. Die Toteninsel heute noch an die Wand zu hängen, ist innere Unmöglichkeit geworden. Das Spiel der Nymphen in den Wellen drängt uns einen Stoff auf, den wir einfach nicht mehr vertragen können. Die Frauen mit griechisch-blauen Gewändern unter den Pappeln am dunklen Fluß; die durchs Feld schreitende Flora; die Harfenspielerin auf grüner Erde, das alles sind Dinge, die für uns einen künstlerischen Widersinn bedeuten und Böcklins starke Ursprünglichkeit, wie sie in anderen Werken ewig hervorbricht, immer wieder verfälschen. Ein Geschlecht der Eklektiker aber, das, von der Atomistik des 19. Jahrhunderts angewidert, ins 16. zurückstarrte, empfand Böcklin gerade in seinen schwächen (Renaissancenachahmungen und Expressionismus) als Hort der deutschen Phantasie. Die Bemühungen, uns auch diese Seite seines Wesens zu erhalten, sind von rührender Treue gewesen Die starke Phantasie aber hatte in größtem Maße nicht das Leben gemeistert, sondern Schemen des Altertums – wenn auch mit starker Kraft – galvanisiert und sich im Mittel der Darstellung vergriffen. Am gewaltigsten ist denn auch Böcklin da, wo er auf Allegorien verzichtet. Wir denken heute mit gleicher wehmütiger VerständnisIosigkeit an viele klassizistische Versuche, wie wir uns über Jakob Burckhardt verwundern, der allen Ernstes kunstwertende Betrachtungen anläßlich damaliger Nachahmungen von Renaissancebauten anstellte. Die Männer, die sich mit Möbeln und Bildern der „großen Zeit“ umgaben, welche in bezaubernder Weise die „Geburt des modernen Menschen“ in der Renaissancekultur darstellten, hatten keinen echten großen Antrieb mehr für die Notwendigkeit einer Neugeburt des Menschen aus dem 19. Jahrhundert hinweg. Und wenn sie diese ahnten, so fürchteten sie die positive Auseinandersetzung mit dem impressionistischen Zeitgeist. Sie zogen sich von dem Leben zurück und übten ihr Talent am untauglichen Objekt.

Die ganze Tragik einer mythenlosen Zeit zeigt sich auch in den folgenden Jahrzehnten. Man wollte keinen Intellektualismus mehr, man begann die endlosen Farbenzerlegungen zu hassen, man verachtete die braune Galeriefarbe und die Tiziankopien. Man suchte im richtigen Gefühl nach Erlösung, Ausdruck und Kraft. Und die Folge dieser starken Spannung war – die Spottgeburt des Expressionismus. Ein ganzes Geschlecht schrie nach Ausdruck und hatte nichts mehr, was es hätte ausdrücken können. Es rief nach Schönheit und hatte kein Schönheitsideal mehr. Es wollte neuschöpferisch ins Leben greifen und hatte jede echte Gestaltungskraft verloren. so wurde Ausdruck Manier; so wurde, anstatt eine neue stilbildende Kraft zu zeugen, die Atomisierung erneut weitergeführt. („Reue Sachlichkeit“ – das Ende) Innerlich haltlos, verschlang man „primitive Kunst“, überschlug sich in Lob von Japan und China und begann allen Ernstes, europäisch-nordische Kunst auf – Asien zurückzuführen (Burger)*.

Starke Kräfte wie Cezanne und Holder unterliegen in ihrem Kampf um einen neuen Stil, trotz aller Versuche ihrer Gefolgschaft, sich an diese beiden als an die Bannerträger eines neuen Wollens zu klammern und trotz aller philosophisch-literarischen Bemühungen, diesem sehnen intellektuelle Krücken unterzuschieben.

So wechselte eine Kaschemmenmystik mit Zerebrismus, Kubismus, mit linearem Chaos ab, bis man auch dies alles satt bekam und es heute wieder – umsonst – mit „neuer Sachlichkeit“ versucht.

Das Wesen dieser ganzen chaotischen Entwicklung liegt u.a. im Verlust desjenigen Schönheitsideals, welches in noch so vielen Formen und Trachten doch der tragende Untergrund alles europäischen Kunstschaffens gewesen war. Die demokratische, rassenverpestende Lehre, die volkvernichtende Weltstadt vereinigten sich mit der planmäßigen jüdischen Zersetzungstätigkeit. Das Ergebnis war, daß nicht nur Weltanschauungen und Staatsgedanken zerbrachen, sondern auch die Kunst des nordischen Abendlandes.

Hier sind wir an einem der tiefsten Kriterien jeder Kunstbetrachtung angelangt, welches aber bei allen zünftigen Aesthetikern stets übersehen, ja kaum geahnt worden ist.

* Man lese z.B. nachstehenden Gallimathias des vielgepriesenen Aesthetikers: „Der Kosmopolitismus und Internationalismus wird von der Idee eines Universalismus abgelöst, der die Natur und Liebesgemeinschaft des Geistigen im Organismus des Kosmos sucht. Europa entdeckte sich selbst, die Enge seines kulturellen Geistes und die Mutter der Zivilisation und stößt auf die asiatische Wurzel ihrer Kultur“ („Einführung in die moderne Kunst“, s. 38). (Problem des „aesthetischen Gemeinsinnes“)

Die Ästhetik hat es u.a. mit Geschmacksurteilen zu tun, d.h. sie fordert, daß ein Kunstwerk nicht nur einem Menschen gefalle, sondern „allgemein“ Anerkennung finde. Das Suchen nach diesem „allgemeinen“ Gesetz des Geschmacks hat die Köpfe seit Jahrzehnten erhitzt. Dabei ist eine Vorbedingung aller Polemik mißachtet worden:“gefallen“ kann ein Kunstwerk nur, wenn es sich im Rahmen eines organisch umgrenzten Schönheitsideals bewegt! Kant definierte: „Schönheit ist Form der Zweckmäßigkeit eines Gegenstandes, sofern sie ohne Vorstellung eines Zweckes an ihm wahrgenommen wird.“* Hier hatte Kant ein tiefes Wort ausgesprochen, aus dem er jedoch nur die Folgerung sog, man müsse einen „aesthetischen Gemeinsinn“ annehmen**, welcher auf einer rein menschlichen Stimmung der Erkenntniskräfte, d. i. des Gemütszustandes ruhend, allgemein mittelbar sei. Damit hat Kant das Suchen am kritischen Punkt in verhängnisvoller Richtung abgebogen. Unbewußt zweckmäßig wirkt auf uns die Schönheit der Venus von Giorgione; so wirkt aber auch jede andere echte rassisch, d. h. organisch-seelisch bedingte Schönheit. Aus der Kantschen ersten Erkenntnis ergibt sich für uns heute als Schlußfolgerung: der Anspruch auf „Allgemeingültigkeit“ eines Geschmacksurteils folgt nur aus einem rassisch-völkischen Schönheitsideal und erstreckt sich auch nur auf jene Kreise, die, bewußt oder unbewußt, die gleiche Idee von Schönheit im Herzen tragen.

Mit dieser grundlegenden Erkenntnis ist allen bisherigen „allgemeinen“ Ästhetiken ein für allemal der Boden entzogen und der organisch-seelischen Weltauffassung gegen die abstrakt universaIistische oder atomistisch – individuelle* Kritik der Urteilskraft § 17.** a.a. 0. § 20. (Der Gehalt als Formproblem) auch in der Kunst der Weg geschlagen, der ins Freie führt. Diese Erkenntnis aber fordert noch wichtige andere Einsichten.

In dem Bemühen, den aesthetischen Gegenstand von allen außeraesthetischen Elementen zu trennen, ist u. a. stets auch der Gehalt von der Form geschieden worden. Durchaus mit Recht, um der ewigen Vermengung etwa von Moralpredigten und Aesthetik vorzubeugen. Diese methodisch notwendige Scheidung hat aber das Wichtigste dabei zu betonen vergessen: daß der Gehalt im Falle der nordisch-abendländischen Kunst außer seinem Inhalt zugleich auch ein Formproblem darstellt. Die Wahl oder die Ausscheidung gewisser Elemente des Gehaltes ist für u n s bereits ein formender, durchaus künstlerischer Vorgang. Da dies aber angesichts der einseitigen Verherrlichung der – dazu noch falsch ausgelegten – griechischen Kunst vergessen wurde, hat man einen wesentlichen Bestandteil abendländischen Kunstschaffens einfach abseits liegen lassen und darf sich nicht wundern, wenn dann der Durchschnittsbürger sich aus diesem Liegengelassenen eine „moralische Kunst“ zurechtmacht.

Dieses Ergebnis trat ein, weil die unverwandt auf hellenische Plastik starrenden deutschen Ästhetiker erklärten, eine Ästhetik habe es nur mit Schönheit zu tun, d. h. mit dem Zustand der leichten Freiheit von sittlichen Nötigungen, mechanischem Druck und geistiger Anspannung. Diese Schönheit Griechenlands war aber nun ein, vielleicht das statische Element hellenischen Lebens. Man mag darüber streiten, ob die Baukunst, die Skulptur, das Epos oder die Tragödie das Größte ist, was uns Hellas hinterließ, zweifellos ist jedenfalls, daß innere und äußere Plastik Anfang und Ende jeder griechischen Kunstbetätigung (Der Grieche als PIastiker) gewesen ist. selbst in der Sophokleischen Tragödie bleibt diese plastische Statik erhalten, selbst in der Schrecklichkeit der Werke des Euripides tritt das Schicksal weniger als innere Bedingung und Entwicklung denn als Verflechtung unbegreiflicher Zustände und äußerer vernichtender Ereignisse auf.

Griechische Schönheit ist also stets ein statisches, nicht dynamisches Wesen Diese gleiche Schönheit aber in der Kunst des Abendlandes zu suchen und sie allein in den Kreis der aesthetischen Betrachtungen zuzulassen, war eine Versündigung am Geist Europas: denn unsere Kunst war von allem Anfang an, trotz des ähnlichen Schönheitsideals, nicht auf plastisch ruhende Schönheit eingestellt, sondern auf seelische Bewegung: das heißt, nicht der äußere Zustand wurde Form, sondern der seelische Wert in seinem Kampf mit anderen Werten oder Gegenkräften. Durch die Wahl eines das Kunstwerk treibenden, es in seiner Form notwendig bedingenden Gehalts ist nordische Kunst bedeutend mehr auf die Persönlichkeit, ihre Verklärung, Stärkung, Durchsetzung eingestellt als die hellenische. Das höchste Kunstwerk des Abendlandes ist deshalb nicht ein „schönes“, sondern das Werk, welches das Äußere mit seelischer Stoßkraft durchsetzt, es von innen heraus über sich selbst erhebt. Die Mächtigkeit des inneren Hochtriebes ist jenes Moment, welches in eine griechische Ästhetik nicht hineingehört, in eine über das nordische Abendland aber unbedingt als ein Formproblem, dabei gleichfalls ohne rein verstandesmäßigen oder sittlichen Beigeschmack, einzugliedern ist.

Wie in vielen Fällen, so hat auch hier Schiller aus seinem Instinkt heraus und gegen seine anerzogenen hellenistischen Vorurteile richtig gesehen, jedoch nicht die Folgerungen zu ziehen vermocht. Er schrieb: „Wieviel mehr wir in aesthekischen Urteilen auf die Kraft als auf die Richtung der Kraft, wieviel mehr auf Freiheit als auf Gesetzmäßigkeit sehen, wird schon daraus hinlänglich offenbar, (Willensgestaltung im Nibelungenlied) daß wir Kraft und Freiheit lieber auf Kosten der Gesetzmäßigkeit geäußert, als die Gesetzmäßigkeit auf Kosten der Kraft und Freiheit beobachtet sehen. Das aesthetische Urteil enthält hierin mehr Wahres, als man gewöhnlich glaubt. Offenbar kündigen Laster, welche von Willensstärke Zeugen, eine größere Anlage zur wahrhaften moralischen Freiheit an, als Tugenden, die eine stütze von der Neigung entlehnen, weil es dem konsequenten Bösewicht nur einen einzigen Sieg über sich selbst kostet, um die ganze Konsequenz und Willensfestigkeit, die er an das Böse verschwendet, dem Guten zuzuwenden.“

Diese Worte künden bereits unverhohlen eine Seite der Erklärung an, warum etwa Gestalten wie Richard III. und Jago auf uns aesthetisch wirken können. sie wirken so wie sie sind, kraft eines ihnen innewohnenden inneren Gesetzes, ohne daß wir hierbei versucht werden, moralisierende Urteile abzugeben. Es ist zum Teil ihre Lebenskraft, welche uns mit allem aussöhnt. Das war aber nicht erst seit Shakespeare so, sondern steht gleich am Anfang der deutschen Kunst. Das Lied der Nibelungen ist der vielleicht mächtigste NiederschIag des willenhaften abendländischen Kunstschaffens, und zwar ist es gleich hier der Höchstwert der nordischen Rasse selbst, welcher Problem wird, die Seelen treibt und sogar im Verräter größten Stils seine künstlerisch vollendete Verwirklichung erlebt.

Ich weiß, daß man gegen den Vergleich des Nibelungenliedes mit der Ilias einwenden wird, daß sie in Anbetracht der geschichtlichen Entwicklung des griechischen und deutschen Volkes nicht „gleichzeitig“ seien. Trotzdem ist ein Vergleich möglich, wenn man die inneren Formgesetze verfolgt, die stets die gleichen blieben. Wenn das Lied der Nibelungen für groß genug erachtet wird, um es als anders geartetes, aber gleichwertiges künstlerisches Gegenstück einer Ilias gegenüberzustellen, befinden wir uns auch mit Goethe im Widerspruch, der beteuerte, man dürfe sich die Freude am [307] (Ilias und Nibelungenlied) deutschen Epos nicht dadurch vermindern, daß man es mit dem griechischen vergleiche: man bringe von Homer „einen zu großen Maßstab“ mit.

Ilias und Nibelungenlied sind ja oft genug miteinander verglichen worden, und nach längerem Abwägen seitens der Germanisten und nach schnell gefaßter Meinung unserer Hellenisten war das Ergebnis solcher Gegenüberstellungen immer, die Ilias stehe in künstlerischer Beziehung weit über der deutschen Dichtung, diese führe uns aber gewaltigere Charaktere vor Augen.

Diesen Anschauungen, welche aus der Voraussetzung der Allgemeingültigkeit griechischer Kunstgebote heraus geboren wurden, gilt es heute zu entsagen Denn einem Kunstwerk zugestehen, daß es starke Persönlichkeiten vorführt, heißt doch eine gleichwertige gestaltende Schöpferkraft anerkennen, die sie geschaffen. Sie ist anders geartet als die hellenische, aber ihr gerade in künstlerischer Beziehung ebenbürtig.

Wenn wir uns den Reichtum und die lebendige Plastik der Ilias vorstellen (die mannigfachen Arten z. B., wie Agamemnon seine Heerführer zum streite aufstachelte, die immer neuartigen Schilderungen einzelner Kämpfe), so wird das deutsche Heldenlied nicht gut dabei abschneiden. Die Technik ist nicht selten unbeholfen, die Beschreibungen wiederholen sich hier und da (offenbar spätere Spielmannbearbeitungen), ohne formal abgerundet zu sein. Aber dafür leben die Nibelungen ein innerlich viel lebendigeres Leben, ihre Taten fließen aus dem Willen innerer Mächte und Konflikte heraus, sie wirken nach einer inneren Folgerichtigkeit und nach einer bestimmten Seeleneinstellung. Die Verflechtung der aus dem persönlichen Innern heraus geborenen Handlungen schürzt erst den tragischen Gegensatz, der zur Katastrophe führt.

Von vornherein ist natürlich gegen die Mißdeutung Verwahrung einzulegen, Homer als Schöpfer verkleinern ZU wollen. Er hat dem Volk der Griechen seine Götterwelt (Homer und die Helena-Gestalt) gestaltet, die den bildenden Künstlern jahrhundertelang die Form vorgezeichnet hat. Aber Homers künstlerische Einstellung war eine andere als es unserem Wesen entspricht. Seine Gestalten bewegen sich in der mittleren Sphäre des Menschlichen, sie versinken nicht in geheimnisvollen seelischen Abgründen, sie zeigen keine Sehnsucht nach höchsten Höhen, die Handlungen entspringen weniger als Folgen einer inneren ehernen Notwendigkeit, erscheinen nicht als Äußerungen dämonischer oder göttlicher Willensmächte des Menschen selbst, sondern sind Ergebnis äußerer Einwirkungen.

Man könnte dieser Bemerkung entgegenhalten, gerade minder großartig hervortretende Eigenschaften seien weit schwieriger künstlerisch zu gestalten, als die außergewöhnlichen Ausbrüche des menschlichen Gemütes. Aber darum handelt es hier natürlich nicht.

Als nach zehnjährigem Kampfe Troja endlich gefallen ist, da wird auch die Ursache dieses Völkerringens befreit: Helena tritt in den Kreis der Kämpfer. Homer schildert ihre Schönheit nicht, aber wohl ihren Eindruck auf ihre ganze Umgebung. Die Krieger, welche Freunde und Brüder verloren, tausend Entbehrungen erlitten hatten, sie fanden alle, es sei der Mühe wert gewesen, für diese Frau, für diese Schönheit Ströme von Blut vergossen zu haben. Das ist Griechentum! Ob Helena innerlich dessen wert gewesen ist, derart in den Mittelpunkt eines Völkerdramas gestellt zu werden, spielt keine Rolle. Es ist sogar wahrscheinlich, das Weibchen habe sich bei Paris ebenso wohl gefühlt, wie im Bett des Königs von Sparta. Irgendwelcher Jammer über ihr Los findet sich jedenfalls nicht.

Eine schöne Buhlin ist die Ursache eines Völkerringens und wird als groß genug dafür angesehen. Mag ähnliches in der Geschichte hundertfach der Fall gewesen sein: baut sich aber ein Dichter diese Tatsache als Grundlage zu einem gewaltigen Werke aus, so beweist er in der Auswahl (Natur und Kunstform) des Gehaltes schon ein die Form kennzeichnendes schaffen, das unserem Wesen durchaus andersartig gegenübersteht. Das innere bewegende Dämonium fehlt oder wird bewußt Zur Seite geschoben; die Form, die Schönheit tritt an seine Stelle.

Wie die Kleinheit und Abgeschlossenheit der griechischen Polis auch dem gewöhnlichen Bürger eine klare Übersicht über die sein Leben bestimmenden Verhältnisse gestatteten, seine Urteilsfähigkeit mit den gestellten Anforderungen nicht täglich außer Gleichgewicht setzten, so zeigt sich auch der griechische Geist in der Kunst von klarer Umgrenzungsfähigkeit. Er spricht in dieser künstlerischen Zielsicherheit ebenso aus Iktinos und Kallikrates wie aus Phidias und Homer und PIaton Es bleibt bei ihm nichts ohne klaren Umriß, nur wenig ist unausgesprochen, sondern alles gestaltet sich – wenn man so sagen darf – zur geballten Form und geklärten und verklärenden Sachlichkeit.

Ist dieses einmal restlos befriedigend gelungen, so wird der Grieche nicht müde, das gefundene Grundthema auf die mannigfachste Art um- und umzuwandeln, eine Eigentümlichkeit, die Goethe Eckermann gegenüber mehrfach bewundernd gepriesen hat.

Es gibt kaum etwas Herrlicheres als die Art, wie Homer die Natur zur Kunstform erhebt. Wir begegnen keinen langen Naturschilderungen, sondern einem oft in ein Wort gepreßten Stimmungsgehalt des vorliegenden Stoffes. Diese wunderbar knappe Form Homers ist jener Zauber gewesen, mit dem er Jahrhunderte und Jahrtausende immer wieder in seinen Bann geschlagen hat; sie waltet über seinem ganzen Werke, sie lebt in allen Einzelheiten desselben. sie ist von ewiger Jugend und allgegenwärtiger Unsterblichkeit.

Ihre eigenartige Wirkung liegt in der schöpferischen Kraft, von Schilderungen der Natur absehen zu können, (Die Schlacht auf dem Wülpensande) sie sofort zu vermenschlichen, sie uns durch ein bildstarkes Gleichnis näher zu bringen, indem ihre mannigfachen Zustände auf einen Eindruck gebracht werden. – Die Achäer selbst kennzeichnet Homer stets als die „erzumschienten“, Achilles durchzieht das Werk als der „hurtige Läufer“, Hektor schreitet als der „helmbuschschüttelnde“ vor die Tore Trojas, Here umwirbt den Zeus als die „farrenäugige“ Göttin. Die Fahrzeuge der Griechen werden mit nur zwei Worten erschöpfend geschildert:,, dunkel und wölbig“. Es wirkt dies alles wie der Pinselstrich eines großen Malers, welcher mit einer Bewegung Farbe und Linie eines Wesens auf die Leinwand zwingt. Das ist die Form in ihrer höchsten Vollendung, die griechische frohe Botschaft. Wenn Goethe sein Heideröslein „morgenschön“ nennt (er hat diese Form ein einziges Mal gebraucht, sie gehört allein dem Heideröschen) so Zeigt sich hier das gleiche künstlerische Gesetz wie es für Hellas die geistige Atemluft seines Lebens bildete.

Anders wählte und gestaltete der germanische Dichter. Der Gehalt, der geformt wird, ist nicht die Person (Schönheit), sondern die Persönlichkeit (willenhafte Entwicklung). Das äußere Geschehen ist nur Anlaß zur Äußerung und Auswirkung eines Charakters (nicht Ursache), oder ganz unmittelbare Verkörperung innerer menschlicher Willensrichtungen. Ehre und Treue in allen ihren Schattierungen erscheinen gleich am Anfang der nordischen Kunst als die bewegenden Kräfte. Gudrun wird gleich der Helena geraubt, aber sie ergibt sich nicht. sie zieht den Dienst einer Magd dem Leben in Unehre vor, obgleich Hartmut in seiner Männlichkeit und Ritterlichkeit einen ungleich größeren und auch künstlerisch begründeteren Anlaß zur Ergebung darstellt als der jammervolle Paris. Die Schönheit aber, und vor allem der stolz und die Treue der Königstochter geben für uns allein das auch künstlerisch befriedigende Motiv ab, die blutige Schlacht auf dem Wülpensande (Siegfried und Kriemhilde) schlagen zu lassen. Genau auf dieser inneren Berechtigung, auf der Anerkennung innerer Charakterwerte fußt die Tragödie der Nibelungen. Wäre Siegfried als Persönlichkeit ein Taugenichts von der Sorte des Paris gewesen, keinem von uns wäre die Gattenliebe Kriemhildens verständlich, keinem diese dämonische Frauentreue wahrscheinlich; niemand von uns könnte den Verrat nicht nur an den Brüdern, sondern an allen Burgunden begreiflich, menschlich sowohl als künstlerisch ausreichend begründet finden, wenn nicht die Gestalt Siegfrieds in ewigleuchtender Herrlichkeit dargestellt worden wäre. Mag man Siegfried nun als den sterbenden Frühlingsgott, als einen Mond- oder Sonnengott hinstellen (Siecke), in dem Augenblick, da er als Persönlichkeit in einer Dichtung auftritt, wird er zu einem zu gestaltenden Gehalt. Wenn irgendwo vollkommene Genialität verkörpert worden ist, so hier. Wo Siegfried auftritt, liegen ihm alle Herzen zu; wo er helfen kann, stellt er sich unbedenklich, selbstlos und vertrauend in den Dienst der erwählten Freunde. Durch die Liebe ladet er – in der Art der Werbung mit Günther um Brünnhilde – eine Schuld auf sich. Und an dieser Schuld geht er zugrunde.

Sein Gegenspieler, Hagen, ist ein Gemisch von Habgier und unbedingter Mannestreue, eine Gestalt, die in ihrem schematisch riesenhaften Umriß das künstlerisch stärkste Gegenstück zum lichten Siegfried darstellt. Ein Typus von unbedingter Tapferkeit, der uns zum Schluß dank seiner Folgerichtigkeit bis zum Tode mit vielem versöhnt, was er verbrochen. Die Begegnung Kriemhildens mit Hagen und Volker am Hofe Etzels ist eines der dramatischsten dichterischen Bilder, die sich vorstellen lassen; die Nachtwache der beiden Gefährten, der Sang des Spielmanns, sind von mannhaft herrlicher Poesie.

In der tragischen Notwendigkeit, mit der verschiedene willenhafte Naturen aufeinanderstoßen, wie Schuld und (Der Markgraf Rüdiger) Sühne neue Schuld gebären, wie Ehre gegen Ehre, Treue gegen Treue kämpft und sich in Menschencharakteren gleichnisbildend verkörpert, das ist die gewaltige Schöpfung nordisch-germanischen Wesens, wie sie von allem Anfang in der deutschen Kunstgestaltung überlebensgroß auftritt.

Diese sich liebenden oder bekämpfenden Kräfte sind der Stoff, den eine große dichterische Zusammenschau gebändigt hat und es ist ganz müßig, darüber zu streiten, wieviel Hände am Nibelungenlied gearbeitet haben, denn die vielen Volksgesänge sind ein Werk geworden.

Die neuesten Forscher behaupten, die Gestalt des Rüdiger sei eine letzte Zutat (eines fünften Dichters) gewesen. Sei’s drum. Dann war auch dieser fünfte ein großer Künstler. Denn in der ganzen Weltliteratur wird man vergebens nach einer Persönlichkeit von solcher schlichten inneren Größe suchen, wie sie im Markgrafen Rüdiger verkörpert ist. Man gebe darauf acht, wie seelenkundig sein die Kräfte verteilt sind, die um ihn ringen. An der Spitze steht die Eidestreue zu seiner Königin, die Verpfändung seiner Mannesehre, die über alle anderen Mächte siegen muß. Er sieht sich aber alten Freunden gegenüber, Gästen, die er selbst ins Land geleitet und denen er Schutz zugesichert hat, ja, sogar dem Verlobten seiner einzigen Tochter. so nimmt Rüdiger in eherner Folgerichtigkeit den Tod bewußt auf sich, obgleich durch die Wehrlosigkeit Etzels und Kriemhildens noch eine starke Versuchung erwächst, das Manneswort zu brechen Die Idee der Ehre wird zu der all sein Tun bewegenden Kraft. Man denke hierbei etwa an die Gestalt des Achilles, eine der leuchtendsten Heldenverkörperungen aller Zeiten, der aber einer persönlichen Kränkung wegen sein ganzes Volk ohne Führer läßt, und dann an den Markgrafen Rüdiger, der vor seinem Todeskampfe noch seinen Schild einem Gegner schenkt, um ihn in voller Wehr gegenüberzusehen, so wird man die Kluft ermessen, welche hier zwischen Gestalt und Gehalt (Gegen grassierende Ästhetik) besteht, zugleich aber auch die sehr verschiedene Art des dichterischen Formens erfassen*.

Es sind zwei andersgeartete Völkerseelen am Werke, um die Natur in Kunst zu verwandeln. Die eine läßt den Menschen auch weinen und lachen, lieben, hassen und heldenhafte Taten vollbringen, aber sie macht das Innere nicht Zur alles bewegenden Kraft, sie läßt die Persönlichkeit als ein zu gestaltendes Phänomen beiseite, wendet alle Liebe auf die Außenwelt und schafft sich mit Wort und Meißel eine wunderbare Waffe, die Schönheit zu erzwingen; die andere taucht sofort in die tiefsten Tiefen des menschlichen Innern und bändigt alle Seelenkräfte zu einem innerlich künstlerisch bedingten Ganzen, ohne der formalen Schönheit das ausschlaggebende Gewicht zuzuerkennen.

Selbst das größte Werk des Menschen zeigt eine schwache Stelle; so auch das Lied der Nibelungen. Das Verhältnis Siegfrieds zu Brünnhild ist hier nicht so restlos begründet wie in den alten Überlieferungen. Dieses Verhältnis hat in der Edda die letzte Deutung gefunden: das „Lied von Siegfrieds Tod“ ist eine der größten Offenbarungen germanischen Wesens, das Lied von Liebe, Treue, Haß und Rache.

Man höre endlich auf, die Sänger unserer Vorzeit als harmlose, unbeholfene Versemacher anzusehen, wie es bei aller gönnerhaften Anerkennung der „großen Charaktere“ in ihren Liedern doch immer noch im Unterbewußtsein unserer gräzisierenden Aesthetiker der Fall zu sein pflegt.

Ein menschlich und künstlerisch wunderschönes Gegenstück Zum Rüdiger-Gernot findet sich im 6. Gesang der Ilias. Dort erkennen sich Glaukos und Diomedes als durch Väterfreundschaft und alte Gastlichkeit verbundene Genossen. sie wechseln im (Gedenken an diese frühere Verbundenheit ihre Rüstungen und – kämpfen n i ch t miteinander, sondern machen ab, sich im Felde auszuweichen. Gewiß eine bezeichnende Lösung des gegebenen Konfliktstoffes. (Die gewaltige Schöpfung des deutschen Epos)

Vielmehr haben wir sie in die Reihe der größten schöpferischen Künstler einzureihen. Charaktere schafft nur ein Charakter, lebendige Persönlichkeiten, also Gestalten, die durch Jahrhunderte hindurch zeitlose Gleichnisse unseres Wesens geblieben sind, können nur das Ergebnis künstlerischer Genialität und Formkraft sein.

Kein edlerer Held wird jemals auf Erden
Im Sonnenschein stehn als du, Siegfried, allein.

Wir verstehen Goethe, wenn er sagt:,, Homer zeichnet mit einer Reinheit, vor der man erschrickt“ (eine Bemerkung übrigens, die Goethes sonstige Bekenntnisse über Harmonie Lügen straft) und wir glauben auch eine Würdigung der künstlerischen Selbstbeherrschung und epischen Größe Homers zu besitzen, aber wir müssen ebenfalls bekennen: wir erschrecken auch, wenn wir an die gewaltige und gerade in künstlerischer Beziehung gewaltige Schöpfung des Liedes der Nibelungen denken. Hat man Homer als einen der größten Künstler aller Zeiten und Völker anerkannt, so ist es an der Zeit, auch unsere Dichter ins rechte Licht zu rücken und sich bewußt zu werden, daß die Mängel und Fehler technischer und formal-künstlerischer Natur sind, daß aber die formende geniale Schöpferkraft ihresgleichen sucht*.

* Wie sehr in allen germanischen Liedern die Idee der Ehre schicksalsbestimmend auftritt, ist früher ausgeführt worden. Über die rein künstlerische Kraft aber, die z.B. im Hildebrandslied alles antreibt und bedingt, hat L. Wolff („Die Helden der Völkerwanderungszeit“, s. 148) sehr schön geschrieben: „Das Leiden, sonst das Wesen ‚unserer‘ Dramen ist nicht Ziel der Dichtung, sondern nur Ausgangspunkt. Je erdrückender die dunkle Macht, desto größer reckt sich vor ihr das Heldentum empor. Unwissentlich geht der Sohn gegen den totgeglaubten Vater. Er lobt ihn über alle Helden und beschimpft den vor ihm stehenden Unbekannten, der doch gerade dieser Verherrlichte ist. Er preist Hildebrands Treue und Tapferkeit und wirft ihm zugleich Tücke und Feigheit vor. Er spricht von der Kampfeslust des Alten und dieser muß sich lange beherrschen, um den Sohn nicht zu züchtigen. Das ganze Lied ist künstlerisch ungeheuer zielsicher komponiert, durch Gegensätze von höchster Dramatik und – da von einem Wert geleitet – organisch wie die Gesetze der wallenden Meeresflut.“

 Der aesthetische Wille

So stehen sich die beiden Epen als völkische Kunstgleichnisse gegenüber; das eine wendet sich nach der inneren Geburt mehr der klaren Form zu, das andere ringt aus seelischem Kampf sich hindurch zum tragischen Epos. Homer meistert den Stoff, die Dichter des Nibelungenliedes – und die Schöpfer aller germanischen Gesänge – den Gehalt. Durch diese verschiedenen, durch Temperament und Überlegung bedingten Ziele entstehen Kunstwerke, die man, gleich groß, nicht mit ein- und demselben Maßstab messen kann und für die man deshalb eine andere Ästhetik braucht, um jeder Wesensart gerecht zu werden. Wie man an Michelangelo nicht mit dem Maßstab herantreten kann, den man bei Phidias gewonnen hat, so auch nicht angesichts des hellenischen Epos an das deutsche.

Auf einzelnes wird später eingegangen werden. Die bisherigen Überlegungen führen nun aber zu einer dritten Tatsache, die zwar von den Ästhetikern nicht nur fast allgemein übersehen, sondern glatt geleugnet worden ist: dem aestyetischen Willen. Die Leugnung dieses Willens ist vielleicht das beschämendste Kapitel der deutschen Ästhetik. Tausendfach sind die Zeugnisse vom Ringen der europäischen Künstler um Gehalt und Form: die Kunstprofessoren aber sind darüber hinweggegangen. Zwangsglaubenssatz war, daß die Kunst es nur mit „Scheingefühlen“ zu tun hätte, gleichsam unberührt vom Leben als „freie Schönheit“ über den Staubwolken der Gelehrtenstuben schwebe. Der Wille war für die Moral mit Beschlag belegt worden und durfte aus der Aktenmappe, die diese Aufschrift trug, nicht hervorgeholt werden … (Tat – der entladene Wille)

Richard Wagner schrieb an Mathilde Wesendonck: „Sie wissen, daß unser Einer nicht rechts noch links, nicht vorwärts noch rückwärts sieht, Zeit und Welt uns gleichgültig ist, und nur Eines uns bestimmt, die Not der Entladung unseres eigenen Inneren.“ Balzac bekannte („Cousine Bette“): „Die ständige Arbeit ist das Gesetz der Kunst wie das des Lebens; denn Kunst, das ist die idealisierte Schöpfung. Die großen Künstler, die vollkommenen Dichter erwarten nicht Befehle noch Anfeuerungen; sie gebären heute, morgen, immer. Daraus folgt die Gewohnheit der Arbeit, diese ständige Kenntnis der Schwierigkeiten, die sie in ständigem Konkubinat mit der Muse, mit den schöpferischen Kräften erhält.“

Derartige Bekenntnisse sind nicht an die Ohren unserer Päpste der Ästhetik gelangt. Es ist hohe Zeit, das Vorhandensein des schöpferischen aesthetischen Willens beim Künstler – folglich auch beim „Genießer“ – endlich einmal festzustellen. Im Inne werden der Gehaltwahl und in der Sehnsucht der willenhaften Entladung zeigt sich der nordisch-abendländische Schönheitsbegriff gleichsam von innen als das ihm eigentliche Wesen, das durch Biologie allein nicht mehr faßbar, sondern nur andeutbar ist.

Das Wesen des menschlichen Daseins ist leiblich und seelisch ein immer wieder erneutes Aneignen und Verarbeiten des von außen eindringenden Stoffes und des inneren Erlebens. Der Formwille und der Geist ergreifen gestaltend Besitz von der Umwelt und Innenwelt. Dieses Formen ist, so sehr die Erkenntnis auch mitbestimmen mag, eine Willenstat, mag dieser Wille nun zum Heiligen, Forscher, Denker, Staatsmann oder Künstler führen. Jede Gestalt ist Tat, jede Tat ist wesentlich (Der Seelen-Antrieb Beethovens) entladener Wille. Unsere Erforscher der Seelenkunde der Kunst gehen bei ihren Betrachtungen meist vom genießenden Kunstbeschauer aus. Von ihrem Standpunkt aus mit Recht. Zu Unrecht, wenn rassisch-persönliches Künstlerwollen aufgedeckt werden soll. Ehe über motorisch-sensorische, emotionelle und intellektualistische Einwirkungen eines Kunstwerks gesprochen werden darf, muß deshalb der Ausgangspunkt des schöpferischen klargelegt werden.

Das Gesetz von der ewig fortwirkenden Kraft gilt nicht nur auf physikalischem, sondern auch auf seelischem Gebiet. Es erscheint uns selbstverständlich, daß der heroische Wille weiter schwingt und weiter Willen zeugt. Mit besonderer Vorliebe sogar mühen sich unsere Gelehrten ab, die Ausgangsenergie einer religiösen oder politischen Erscheinung zu entdecken. Dicke Bände werden geschrieben, um die Gedankengefüge unserer Zeit mit bestimmten Denkern der Vergangenheit zu verbinden. Diese Tätigkeit der Philosophieprofessoren wird manchmal sogar selbst als Philosophie betrachtet, so wichtig erscheint sie. Auch die Systeme der Ästhetik sind genau erforscht und aktenmäßig gebucht. Kunst und Künstler aber sind dabei fast restlos vergessen worden; für sie hat man sich eine besondere Ästhetik zurechtgezimmert, welche dem nordischen Abendlande den Rücken kehrte, nach Südosten oder in die Wolken starrt, um den dort angeblich entdeckten Wertmesser auch der europäischen Kunst gegenüber anzuwenden.

Was war es aber, das einen Beethoven antrieb, bei Sturm und Wetter um Wien zu rasen, plötzlich stehen zu bleiben und, weltvergessen, mit den Fäusten einen Rhythmus zu schlagen? Was war es, das einen Rembrandt zwang, in tiefer Armut aber auch alles Äußere zu verachten und bis zum Verfall der Kräfte an der Leinwand zu stehen? Was veranlaßte Leonardo, die Geheimnisse der menschlichen

Gestalt zu erforschen? Was trieb Ulrich von Ensingen zu seinen Kirchenplänen? Das alles war doch nichts (Willenhafter Schöpfungsakt) anderes als das Sichverkörpern eines künstlerischen (aesthetischen) Willens, einer Kraft, die neben dem heroischen und sittlichen als ein Urrätsel endlich anerkannt werden muß, wenn wir über unsere Oberlehrer-Aesthetik endlich hinausgelangen wollen. Das um so mehr, als nirgends das Aufbrausend-Willenhafte in der Kunst so deutlich hervorgetreten ist, wie im nordischen Abendland. Das nicht mit aller Deutlichkeit hervorgehoben zu haben, gehört zu den größten Unterlassungssünden des 19. Jahrhunderts.

Auch der Grieche war zuinnerst willenhaft in der Geburtsstunde seiner Kunst. Es ist eine g r i e c h i s c h e Sage, die uns über einen Künstler berichtet, der sein Werk so glühend liebte, daß seine Liebe den toten Stein zum blutvollen Leben verwandelte. Auch in diesem Mythus ist das Bekenntnis eines allformenden aesthetischen Willens niedergelegt. Auch die wilde Malerei auf dem Parthenon, der griechische Tanz und die verloren gegangene griechische Musik (von der alle anderen „Musen“ ihren Namen haben) werden dieses Rauschen des Willens früher hörbarer gemacht haben, als es heute erscheint. Immerhin aber setzt beim Hellenen nach dem willenhaften Schöpfungsakt eine geistige Bändigung der Form ein, wie sie für das Griechentum bezeichnend wurde. Diese Selbstbeherrschung löste in dem abendländischen Betrachter eine „kontemplative“ Stimmung aus, auf welcher er dann die Ästhetik überhaupt erbaute.

Aesthetisches Empfinden bedeutet ein Lustgefühl; aesthetische Stimmung, das ist wunschIose Anschauung, in der sich das reine Subjekt des Erkennens zu schlackenloser Objektivität erhebt. so lautet die Lehre der Aesthetik von Kant und Schopenhauer. so schrieben neunundneunzig von hundert Kunstphilosophen nachher. Auch diesem Urteil lag der genannte Zwangsglaubenssatz zugrunde, welcher unsere gesamte Ästhetik zur Unfruchtbarkeit verurteilt hat: die höchst merkwürdige Behauptung, als gebe es (Der verfälschte Humanismus) keinen aesthetischen Willen. In dieser Behauptung finden sich auch sonst erbitterte Gegner zusammen Die Tatsache überhaupt, daß hinter jedem Kunstwerk genau so wie hinter einem religiösen Bekenntnis eine Kraft steht, ist – übersehen worden. Deshalb bezog sich unsere Ästhetik auf die Anschauung, auf Ideen, auf Begriffe, nur auf Zergliederungen des Schönheitsempfindens und nicht auf die Tatsache, daß jeder Kunstschöpfung ein gestaltender Wille zugrunde liegt, sich im Werk znsammenballt und sich notwendigerweise auch wieder das Ziel setzt, eine Tatgewalt der Seele zu wecken, soll nicht das ganze Bemühen umsonst gewesen sein.

Auf dem Gebiete der Kunst erleben wir die Parallelerscheinung zu den religiös weltanschaulichen Entwicklungen. Ein rassisch-seelischer Impuls schafft Werke genial unbefangener Art, ergreift kindlichgroß seine gegenwärtige Umgebung, alte überkommen Formen, ändert selbstherrlich ihre Kraftlinien. Bis mit der weltanschaulichen Überfremdung, erzwungen und erhalten durch eine politische Macht, sich auch fremde Rechtsbegriffe über die innergesetzlich gewachsenen Sitten lagern und mit allem zusammen auch eine neue „Kunstlehre“ Eingang gewinnt. Als Wotan im sterben lag und unsere Seele neue Formen suchte, trat Rom auf; als die Gotik ihre Lebenslinie abgeschlossen hatte, erschienen römisches Recht und humanistische Kunstpfaffen, welche uns von oben herab durch Anwendung neuer Wertmesser zu verkrüppeln suchten. Mit dem ausgegrabenen PIaton und Aristoteles, mit den ersten Entdeckungen hellenischer Kunstwerke ergriff der nordische Geist einer suchenden Zeit die neuentdeckten Schönheiten, mit ihnen aber auch ihre spätrömische Verfälschung. Niemand wird bestrebten, daß das altgriechische Schönheitsideal dem nordischen entsprach, war es doch überwiegend Blut von seinem Blut; immerhin aber war diese griechische Schönheit eben doch ein Zeugnis einer abgeschlossenen (Dogma der „willenlosen Kontemplation“) Eigengesittung, sie war inmitten des zerrissenen, individualistischen Griechenvolkes die statische Seite desselben, sein typenbildender Mythus. Die äußere Schönheit ist aber nie der Höchstwert des nordisch-abendländischen Wesens gewesen, sondern der gestaltete Wille, der sich Zeigt als Ehre und Pflicht (Friedrich und Bismarck), als Seelendrama (Beethoven, Shakespeare), als geballte Atmosphäre (Leonardo, Rembrandt). Diesem kraftstrotzenden Kunstwillen wurde im 15. Jahrhundert ein aesthetischer, aus ganz anderer Umgebung stammender Wertmesser geschenkt. Die Renaissance zeigt das Ringen zwischen Instinkt und der neuen Idee in künstlerischer, ebenso wie die Reformation in religiöser Beziehung. Nach dem lebensdurchpulsten 16. Jahrhundert in Norditalien und der Eindringlichkeit des Barocks gewinnt der angeblich griechische Höchstwert immer mehr an Geltung. Die Ergebnisse der Erforschung griechischer Überreste (Gemmen, Vasen, etlicher Malereien und Bildnisse) werden zur Grundlage einer „allgemeinen“ Ästhetik gemacht, griechische Formen als „rein menschlich“ gewertet. Es entsteht dann der Lehrsatz von der „willenlosen Kontemplation“, gefolgt von der Leugnung des aesthetischen Willens. Der griechische Mythus der Harmonie und gewollten Ruhe überschattete den germanischen Instinkt, den Anlauf zum kraftvollen Selbstbekenntnis und auch künstlerischer Willensentladung. Der Zwiespalt zieht sich bis auf heute hin und nur schüchtern tauchen ab und zu neue Anschauungen auf.

Obgleich unsere Ästhetik ihre Maßstäbe nachweislich aus Hellas bezogen hatte, glaubte sie stolz annehmen zu dürfen, ihre Grundzüge seien „rein menschlich“, universalistisch. Wie im Staatsleben, so wurden auch in der Kunst rein professoraI zwei Bautypen des Kulturlebens angenommen: der Individualismus und der Universalismus, d.h. eine Seelenrichtung, die das Ich und seine Interessen zum Ausgangs- und Endpunkt des Denkens (Individualismus und Universalismus) und Handelns erklärte, und eine andere, die dieses Ich unter die Gesetze der „Allgemeinheit“ eingliedern wollte. Das Gefährliche an dieser scheinbar einleuchtenden Typenbezeichnung bestand nun darin, dieses „Allgemeine“ sich im Unendlichen verflüchtigen zu lassen Der nur scheinbar großherzige Universalismus führte einst zur internationalen „Welt-Kirche“, zum „Weltstaat“, später zur marxistischen „Internationale“ und der demokratischen „Menschheit“ von heute. Der Universalismus als Baugrundsatz des Lebens ist also ebenso uferlos wie der Individualismus; das Ende im Falle des Sieges einer der beiden Weltanschauungen muß notwendigerweise jedes Mal das Chaos sein. Weshalb sich der Individualismus gern in das universalistische Mäntelchen hüllt, das sich gut und sittlich gibt und ungefährlich ist. Ganz anders stellt sich die Sache dar, wenn sowohl Individualismus als auch Universalismus gemeinsam auf einen anderen, wuchshaft bedingten Mittelpunkt bezogen werden. Für das Ich sind Rasse und Volk die Voraussetzung seines Daseins, aber bedeuten auch zugleich die einzige Möglichkeit seiner Steigerung. Gleichzeitig aber fällt das „Allgemeine“ mit Rasse und Volk zusammen, findet hier also seine organische Begrenzung. Individualismus und Universalismus für sich find gerade Linien in die Unendlichkeit; auf Rasse und Volk bezogen, sind sie sich rhythmisch ablösende hin- und zurückflutende, im Dienste der Rassengebote stehende, Schöpfung ermöglichende Kräfte. Diese allgemeine dynamische Lebensauffassung muß auch in der Betrachtung der Kunst des Abendlandes ihr Gegenstück finden.

In der Kunst sind es also drei organische Voraussetzungen dieser Betrachtung, auf denen künftig jede echte Aesthetik Europas ruhen muß, will sie ein dienendes Glied im Leben des erwachenden nordischen Abendlandes sein: das nordisch-rassische Schönheitsideal, die innere Dynamik europäischer Kunst, somit der Gehalt als ein (Schopenhauer) Problem der Form, und die Anerkennung des aesthetischen Willens.

Diese letzten Behauptungen führen uns nun notgedrungen zu Auseinandersetzungen über die Folgen der inneren Einstellung zum Problem der Kunst und mit dem volkstümlich gewordenen Willensbegriff Schopenhauers. Ehe dieser nicht überwunden ist, kann von einer Klärung – und nicht nur in Dingen der Kunst – keine Rede sein und das Wesen des aesthetischen Zustandes weder instinktiv noch bewußt begriffen werden.


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Der Mythus des 20. Jahrhunderts Zweites Buch: Das Wesen der germanischen Kunst II. Wille und Trieb

Der Mythus des 20. Jahrhunderts

II. Wille und Trieb

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 Mit dem leider so trivial gewordenen Worte Kants, daß der bestirnte Himmel über uns und das moralische Gesetz in uns unser Dasein ausmachten, ohne im Verhältnis von Ursache und Wirkung zueinander zu stehen, ist doch ein tiefes Bekenntnis zur polaren Weltbetrachtung und zum dynamischen Lebensgefühl ausgesprochen. In Wirklichkeit hat auch kein echter Europäer außerhalb dieser seiner Lebensbedingung als Schöpfer bestehen können, obgleich in manchen von ihnen die Sehnsucht nach der Aufhebung der Gegensätze, nach Ruhe, nach Statik und Monismus ungeheuer stark gewesen ist. Nichts ist für diese Sehnsucht typischer, nichts beweist aber die Unmöglichkeit eines Monismus für uns deutlicher als der Fall Artur Schopenhauer, jenes Romantikers, der die blutvolle Dynamik seines Wesens mit dem „Binsenschwert der Vernunft“ glaubte meistern zu können – und daran zerbrach. Allein schon die auf das Wollen bezogene Welterklärung entrückt ihn dem indischen Denken, das er als das seine glaubte deuten zu können, wo doch der Inder die Erlösung nicht in einen Willens-, sondern in einen Erkenntnisakt verlegt. Der gewaltsame monistische Versuch von Schopenhauers Weltdarstellung als Wille und Vorstellung aber deckt einen Vorgang auf, dessen Kenntnis und Wertung grundlegend ist für unsere Weltanschauung, aber nicht minder für die Erfassung des Wesens unserer Kunst.

Objekt und Subjekt sind voneinander nicht lösbare Korrelata. Das ist der Punkt, die Erkenntnis einer Polarität, (Objekt und Subjekt) von der Schopenhauer ausgeht. Von hier wendet er sich einerseits gegen den Idealismus, welcher den Satz von der Kausalität nicht als eine den Menschen zugehörige Vorstellung, sondern als eine dem Ding an sich wesentliche Eigenschaft, welches das Objekt hervorbringe, ansieht, und andererseits gegen den dogmatischen Materialismus, welcher die Tätigkeit des Vorstellens seitens des Subjekts als das Ergebnis der Formen und Wirkungen der Materie hinzustellen bemüht ist. Denn das Erkennen, welches erklärt, materiell erklärt werden soll, wird hier von vornherein vorausgesetzt, und wir haben „mit dem Erkennen zwar die Materie uns eingebildet, in der Tat aber nichts anderes als das die Materie vorstellende Subjekt, das sie sehende Auge, die fühlende Hand, den sie erkennenden Verstand gedacht.“

Es ist der Fehler des Materialismus, vom Objektiven auszugehen, da doch dasselbe schon durch das Subjekt und dessen Anschauungsformen bedingt, also nicht ein Absolutes ist; ebensogut könnte man die Materie als Modifikation des Erkennens des Subjektes auffassen so stellt sich Schopenhauer zwischen den dogmatischen Realismus und den dogmatischen Idealismus; er nimmt weder vom Subjekt noch vom Objekt allein seinen Ausgang, sondern von der „Vorstellung als erster Tat des Bewußtseins“.

Er stimmt mit Kant überein in der Lehre von der Idealität von Raum, Zeit und Kausalität, als reinen, d. h- nicht empirischen Anschauungen, die Erfahrung erst möglich machen, und sein ganzes Bestreben im ersten Buche seines Hauptwerkes läuft gerade darauf hinaus, dieses nachzuweisen, zu erläutern, daß, wenn man die Materie als Ding an sich betrachte und das Subjekt daraus zu erklären sich bemühe, so ergebe sich ein platter Materialismus. sehe man dagegen das Subjekt als ein Absolutes an, so entstehe der Spiritualismus. Trenne man dogmatisch Objekt und Subjekt, so (Die Funktionen von Verstand und Vernunft) habe man den Dualismus. Behaupte man, beide seien ein- und dasselbe, so ergebe sich der Spinozismus. Alles dieses seien dogmatische Anschauungen, wogegen wir nur Objekt und Subjekt als zwei Korrelata kennen, Objektsein – Vorstellung des Subjekts.

Wir besitzen zwei Intellekte: den Verstand, das Vermögen des Erkennens des kausalen Zusammenhanges (welches wir mit den Tieren gemeinsam haben), und die Vernunft, das Vermögen der Abstraktion (welches uns allein gegeben ist). Die Funktion des Verstandes besteht im Bilden der Anschauungen, die Tätigkeit der Vernunft im Bilden der Begriffe, woraus erst unsere Sprache, Wissenschaft, überhaupt unsere ganze Kultur herauswächst. Diese Vernunft nun ist „weiblicher Natur: sie kann nur geben, nachdem sie empfangen hat.“ Damit ist das Grunddogma der Schopenhauerschen Anschauung ausgesprochen. Die Vernunft – eine Funktion des Gehirns; die Welt entpuppt sich somit als ein „Gehirnphänomen“. Das Denken seinerseits ist ein Absonderungsprozeß, ähnlich der Bildung des Speichelsekrets.

Die Arbeit der Vernunft besteht darin, Wissen zu schaffen, d. h. abstrakte Urteile; „Wissen heißt: solche Urteile in der Gewalt seines Geistes zur willkürlichen Reproduktion haben, welche in irgend etwas außer ihnen ihren zureichenden Erkenntnisgrund haben, d. h. wahr sind.“

Das Objekt ist aIso Vorstellung, es erscheint uns in den reinen Anschauungsformen von Zeit, Raum und Kausalität. Alles ist in ihnen und alles ist durch sie. Damit ist die Weltanschauung streng geschlossen und es scheint nirgends ein Schlupfloch übrig geblieben zu sein, um zu einem Urgrund hinauf- oder hinabzusteigen. Schopenhauer aber findet noch eine „andere Seite“ der Welt. Unsere Vernunft, Vergangenheit und Zukunft überschauend, den sicheren Tod im Bewußtsein, muß die Frage nach dem Woher und Wohin des Menschen, nach dem (Wille nur intuitiv erkennbar) Wesen der Welt und des Ich aufwerfen. Und Schopenhauer, der vorher versicherte, die ganze Welt sei „durch und durch“ Vorstellung, durchbricht seine selbst gesetzten Schranken. „Was aber uns zum Forschen antreibt, ist eben, daß es uns nicht genügt, zu wissen, daß wir Vorstellungen haben, daß sie solche und solche sind, und nach diesen und jenen Gesetzen, deren allgemeiner Ausdruck allemal der Satz vom Grunde ist, zusammenhängen. Wir wollen die Bedeutung jener Vorstellungen wissen: wir fragen, ob diese Welt nichts weiter als Vorstellungen sei, in welchem Falle sie wie ein wesenIoser Traum an uns vorüberziehen müßte, nicht unserer Beachtung wert; oder ob sie noch etwas anderes, noch etwas außerdem ist, und was sodann dieses sei!“ Niemand hat bis jetzt mehr als eine rein negative Antwort darauf geben können, eine Antwort, die ganz abstrakt, inhaltslos und nur begrenzend war. – Der Nus des Anaxagoras, der Atman der Inder, das Ding an sich des Kant. Schopenhauer entschleiert nun dieses Ding an sich als das uns aufs „intimste“ bekannte innere Wesen, als den Willen. Zu ihm kann man von der Vorstellung aus nicht gelangen, vielmehr ist er ein ihren Gesetzen und ihren Formen völlig fremdes Wesen. Der Wille ist nur intuitiv erkennbar. Der Mensch würde die Bewegungen und Aktionen seines Körpers ebenso ansehen, wie die Veränderung anderer Objekte in bezug auf Ursache, Reize und Motive. Er würde ihren Einfluß aber nur verstehen als die Verbindung jeder anderen ihm erscheinenden Wirkung mit ihrer Ursache. Diesem ist aber nicht so, denn das Wort Wille gibt ihm „den Schlüssel zu seiner eigenen Erscheinung, offenbart ihm die Bedeutung, zeigt ihm das innere Getriebe seines Wesens, seines Tuns, seiner Bewegungen.“

Dem Subjekt ist also sein Leib auf zweierlei Art gegeben: einmal als Vorstellung, als Objekt unter Objekten, und deren Gesetzen unterworfen, sodann auf andere Weise (Objektivationen des Willens) durch das,, jedem unmittelbar Bekannte, welches das Wort Wille bezeichnet“. „Jeder Willensakt ist zugleich Bewegungsakt seines Leibes, nicht als ob der eine Ursache, der andere Wirkung sei, sondern sie sind ein und derselbe auf verschiedene Weise zum Bewußtsein gebracht.“ „Die Aktion des Leibes ist nichts anderes als der objektivierte, d. h. in die Anschauung getretene Akt des Willens.“

Ich erkenne den Willen nicht als etwas Ganzes und Vollkommenes, sondern nur in einzelnen Akten der Zeitl; ich kann also den Willen mir nicht vorstellen; er ist raum-und zeitlos. Als unabhängig von der Vorstellung ist der Wille dem Satze vom Grunde nicht unterworfen, grundlos; er ist in allen Erscheinungen dasselbe Wesen. Nach Kant kommt das alles nur dem Ding an sich zu, folglich ist der Wille das Ding an sich. Als solches ist er frei, als Erscheinung ist er unfrei, vorausbestimmt (determiniert). Die Freiheit liegt also gleichsam hinter uns, kommt im Handeln nie zu Tage. Daraus folgt, daß unser empirischer Charakter, wie er uns in unseren Handlungen entgegentritt, unfrei und unveränderlich ist, daß er jedoch die Objektivation des freien intelligiblen darstellt; der empirische Charakter verhält sich zum intelligiblen wie die Erscheinung zum Ding an sich. Am vollkommensten, gleichsam im Brennpunkt, objektiviert sich der Wille im Geschlechtstriebe, im unbedingten Willen zum Leben. Er ist ein ewiges Wünschen und streben, welches nach kurzer Befriedigung immer von neuem von Begierde getrieben diesem dämonischen Wesenszuge ohne Rast und Ruhe folgt.

Aber nicht nur im Menschen tritt uns dieser Wille als Ding an sich entgegen, vielmehr ist er in der ganzen Natur das hinter der Erscheinung stehende treibende Moment. Zwar objektiviert er sich am vollkommensten im Menschen, aber wenn wir den gewaltigen unaufhaltsamen Drang sehen, mit dem „die Gewässer der Tiefe zueilen, die (Vielheit ohne ein Prinzip der Vielheit) Beharrlichkeit, mit welcher der Magnet sich immer wieder Zum Nordpol wendet, die Heftigkeit, mit welcher die Pole der Elektrizität zur Wiedervereinigung streben, und welche gerade wie die der menschlichen Wünsche durch Hindernisse gesteigert wird, wenn wir den Kristall schnell und plötzlich aufschießen sehen nsw., so wird es uns – nach Schopenhauer – keine große Anstrengung der Einbildungskraft kosten, selbst aus großer Entfernung unseres eigenes Wesen zwar dumpf und unausgesprochen, aber nicht minder einleuchtend zu erkennen, „so gut wie die erste Morgendämmerung mit den strahlen des vollen Mittags den Namen des Sonnenlichtes teilt“; dieses ist der Wille. Demgemäß gibt es verschiedene stufen der Objektivation des Willens, das sind die platonischen Ideen. sie sind jene Mittelglieder, welche zwischen die beiden auseinanderklaffenden Welten: Vorstellung und Wille, eingeschoben werden und somit die sonst auf keine Weise zu verstehende gegenseitige Beziehung herstellen. Also eine Vielheit ohne ein Prinzip der Vielheit! Als die niedrigste stufe stellen sich die allgemeinen Kräfte der Natur dar, schwere, Undurchdringlichkeit, Starrheit, Elastizität, Elektrizität, Magnetismus usw. Auch sie sind, wie unser eigener Wille, grundlos, und wie dieser sind nur ihre einzelnen Erscheinungen dem Satze vom Grunde unterworfen. sie sind „Qualitas occulta“. Auf höherer Stufe der Objektivation des Willens sehen wir das Individuelle bei Mensch und Tier, hauptsächlich bei jenem, immer mehr hervortreten und hier ist es, wo sich insbesondere das Wesen des Weltalls zeigt, der Kampf für sein Dasein den Willen manifestiert.

Der allgemeine Kampf in der Natur tritt in der Tierwelt am sichtbarsten zutage, „welche die Pflanzenwelt zu ihrer Nahrung hat und in welcher selbst wieder jedes Tier die Beute und Nahrung eines anderen wird, d. h. die Materie, in welcher seine Idee sich darstellt, zur Darstellung einer anderen abtreten muß, indem jedes Tier sein Dasein (Erkenntnis als „klarer Spiegel der Welt“) nur durch die beständige Aufhebung eines fremden erhalten kann; so daß der Wille zum Leben durchgängig an sich selbst zehrt… bis zuletzt das Menschengeschlecht die Natur für ein Fabrikat zu seinem Gebrauch ansieht“. Fürchterlich und unsinnig ist diese Macht, welche durch soviel Mannigfaltigkeit und Aufwand an Kraft, Klugheit und Tätigkeit nur ein ephemeres und flüchtiges Glücksgefühl in der Begattung und Hungerbefriedigung als Gegengewicht zu bieten vermag; die Mühe und der Lohn stehen in keinem Verhältnis zueinander. Überall sieht Schopenhauer „allgemeine Not, rastloses Mühen, beständiges Drängen, endlosen Kampf…“, bestenfalls Langeweile.

Nur ein blinder Wille konnte sich selbst in die Lage versetzen. In der anorganischen Natur geht der ganze Kampf nach dem unabänderlichen Gesetze von Ursache und Wirkung vor sich, im Pflanzenreiche folgen Bewegungen auf Reize, d. h. Ursachen rufen Wirkungen, die denselben nicht gleich sind, hervor; endlich treten Motive und Erkenntnis als Leiter unserer tierischen Handlungen auf. Alles dieses geschieht gesetzmäßig, für Freiheit der Vernunft und ihre Ideen ist kein Platz gelassen, sie ist „ein untergeordnetes Organ“.

Die Erkenntnis, anschauliche sowohl als vernünftige, geht nun zwar aus dem Willen auf seinen höheren stufen der Objektivation hervor, da der Mensch notwendig anderer Fähigkeiten bedarf, als die anorganische Natur, die Pflanzen- und Tierwelt; sie ist aIso ursprünglich ganz in den Dienst des Willens gestellt, doch vermögen es einzelne ganz große Menschen, sich diesem Joch zu entziehen. Die Erkenntnis steht dann da als bloßer „klarer Spiegel der Welt.“

So ist die Welt als Vorstellung doch aus dem Willen entsprungen! Trotz der anfänglichen Verwahrung Schopenhauers, hier einen ursächlichen Zusammenhang zu (Die Illusion der Welt) behaupten, tritt die Kausalität, wenn auch verkappt, auf. Es ergibt sich deshalb als Konsequenz folgendes: die Vernunft ist nur Reflexion, d. h, sie ist ein ganz und gar „weibliches Vermögen“; sie ist bedingt durch den durch die Anschauung notwendig bestimmten Begriff; sie ist aIso unschöpferisch. Wir sind unfrei: denn unser Handeln ist notwendig bestimmt durch Motive, ob nun tatsächliche oder imaginäre; der gleichsam hinter den Menschen wirkende „intelligible Charakter“, der außerhalb der Notwendigkeit liegt, erscheint im Leben als angeboren und unveränderlich, unterliegt also auch dem Satze vom Grunde.

Von diesen Fesseln des dämonischen „Willens“ vermag aber gerade diese geknebelte Vernunft durch einen „Überschuß von Intelligenz“ sich zur willenlosen Betrachtung zu erheben, als reines “ Subjekt des Erkennens“ die fürchterliche Macht des Willens, seine Grundlosigkeit und Unvernünftigkeit als „reines Weltauge“ zu durchschauen und zu überwinden. Das geschieht durch das Genie des Künstlers, der, vom Willen befreit, nun die Natur rein und objektiv darzustellen vermag; es geschieht aber vor allem im Phänomen der Heiligkeit, wo es der Vernunft gelingt, die vorübergehende aesthetische Vergessenheit in eine dauernde wunschlose Kontemplation zu verwandeln, die Illusion der Welt zu durchschauen und den Willen zum Leben zu verneinen.

Das Ende ist das Nichts, in das der Mensch nach aller MühsaI und Qual hineinblickt. „Vor uns bleibt allerdings das Nichts. Aber das, was sich gegen dieses Zerfließen ins Nichts sträubt, unsere Natur, ist ja nur der Wille zum Leben, der wir selbst sind wie er unsere Welt ist… Wenden wir aber den Blick von unserer eigenen Dürftigkeit und Befangenheit auf diejenigen, die die Welt überwanden, in denen der Wille, zur vollen Selbsterkenntnis gelangt, sich in allem wiederfand, und dann sich selbst (Schopenhauers Zentralbegriff) frei verneinte, so zeigt sich uns statt des steten Überganges von Wunsch zur Furcht, statt der nie befriedigten Hoffnung … jener Friede, der höher ist als alle Vernunft, jene gänzliche Meeresstille des Gemüts, wie sie Raffael und Correggio dargestellt haben, nur die Erkenntnis ist geblieben, der Wille ist verschwunden. „Wir aber blicken dann mit tiefer und schmerzlicher Sehnsucht auf diesen Zustand, neben welchem das Jammervolle und Heillose unseres eigenen, durch den Kontrast, in vollem Licht erscheint. Dennoch ist diese Betrachtung die einzige, welche uns dauernd trösten kann, wenn wir einerseits unheilbares Leid und endIosen Jammer als der Erscheinung des Willens, der Welt, wesentlich erkannt haben und andererseits, bei aufgehobenem Willen, die Welt zerfließen sehen und nur das leere Nichts vor uns behalten… Wir bekennen es frei: was nach gänzlicher Aufhebung des Willens übrig bleibt, ist für alle die, die noch des Willens voll sind, allerdings ein Nichts. Aber auch umgekehrt ist denen, in welchen der Wille sich gewendet und verneint hat, diese unsere so reale Welt mit allen ihren sonnen und Milchstraßen – Nichts.“

Es kann nicht im Rahmen dieses Buches liegen, die ganze Lehre Schopenhauers zu besprechen, sondern nur jene punkte hervorzuheben, die zur Beurteilung unserer Lebensgesetze und ihrer Äußerungen in Weltanschauung, Wissenschaft und Kunst behilflich sein können.

Hier ist nun zu allererst der zentrale Begriff der Schopeuhauerschen Philosophie, der Wille, herauszugreifen. Wir sahen ihn hingestellt als das uns allen unmittelbar Bekannte und Gegebene. Wird nun aber das Wort Wille ausgesprochen, so tritt wohl jedem Unbefangenen, noch nicht von Schopenhauer Hypnotisierten, das (Der Wille und die Welt als Vorstellung) nicht weiter zu deutende und tatsächlich „aufs intimste“ bekannte Prinzip ins Bewußtsein, welches allem angeborenen Egoismus zum Trotz gar oft in uns spricht und manchmal in der Geschichte der Völker unbegreiflich wuchtige Gestalten gezeugt hat. Uns wird vielleicht die Seelengewalt der deutschen Mystiker, eines Luther, die Lebenshingabe vieler für eine Idee kämpfender Männer vors Gemüt treten, die Gestalt des Weltüberwinders aus Nazareth, kurz, alle die Persönlichkeiten, die den freien Willen allen Gewalten entgegen im Leben dargestellt haben. Daran etwa würden wir denken, wenn wir aufgefordert werden, nach dem Wesen in uns zu suchen, welches mit dem Wort Wille bezeichnet wird und uns „aufs intimste“ bekannt sein soll. Je mehr wir aber in Schopenhauer weiter lesen, um so mehr stellt sich heraus, daß diese Auffassung vom Willen falsch und kindlich sein soll. Vielmehr ist der Wille zwar von aller Erscheinung verschieden, grundlos und geheimnisvoll, jedoch ein gewaltsamer und zielloser, von Begierde zu Begierde taumelnder dämonischer Drang. Er lebt im Menschen und im Tier, er tritt in der Pflanze und im Stein zutage. Er macht, daß die Wasser rauschend die Felsen herabstürzen, daß der Magnet das Eisen anzieht, daß die Pflanze hochstrebt, daß das Männlein zum Weiblein geht, daß ein Geschöpf das andere vertilgt…

Dieser Wille nun, der, wie versichert wird, eine Einheit ist, zerschlägt sich durch Vermittlung der Ideen in eine vielheitliche Körperwelt, ruft sich seine Objektivationen hervor und „zündet sich“ auf seiner höchsten stufe „ein Licht“ an, – den Intellekt. Dieser ist ganz von ihm abhängig und zu seinen Diensten geboren. Er schaut nach allen Richtungen auf Beute aus, um seinem tyrannischen Herrn stets Gefolgschaft zu leisten. Er entwirft die Welt als Vorstellung, und wir erleben die sonderbare Tatsache, daß das Gehirn, welches doch die polare Vorbedingung (Die Kraft des „tertiären Organs“) Zur Vorstellung von Zeit und Raum ist, selbst in Zeit und Raum entsteht, daß es zugleich Vorstellungssubjekt und Vorstellungsobjekt ist. Das erinnert an die alte Geschichte, wonach zuerst die Henne aus dem Ei, das Ei aber doch zuerst aus der Henne schlüpfte.

Schopenhauer hatte seine Philosophie eigentlich schon im ersten Buche seines Hauptwerkes abgeschlossen. El hatte gezeigt, daß alles „durch und durch“ Vorstellung sei, daß alles Zeit, Raum und Kausalität zur bedingenden Voraussetzung habe, daß wir durchaus unfrei seien. Er hatte der Vernunft, diesem untergeordneten Organ, keine Hintertür offen gelassen und ihr gesamtes Vermögen auf die Vorstellung beschränkt. Daraus folgen alle späteren Ungeheuerlichkeiten über diese.

Der Wille aber, der sonst überall so zweckmäßig (warum, bleibt ein ewiges Geheimnis) sich seine Objektivationen hervorrief, hatte eine Unvorsichtigkeit begangen (die um so weniger begreiflich ist, da ausdrücklich versichert wird, die Funktionen des Leibes seien dem Willen durchaus und überall angemessen), und das Gehirn mit einem „Überschuß“ an Intellekt ausgestattet. Einige Männer rebellieren plötzlich, verzichten, indem sie den unheilvollen Willen durchschauen, auf dieses Ding an sich und stehen da als reines Subjekt des Erkennens, schaffen ewige Kunstwerke und werden Heilige. Woher diese Kraft des tertiären Organs, des Intellektes, plötzlich seinem unbezwingbaren Tyrannen einfach den Gehorsam kündigen zu können? Wir wissen es nicht, aber ohne diese Behauptung stimmt die schopenhauersche Architektonik vom unbedingten einen Willen, den Ideen, den Objektivationen, dem aesthetischen Zustande usw. nicht. Und sie stimmt auch in anderer Form nicht.

Was not tut, ist vor allem die Einsicht, daß der Schein, das Natürliche und Metaphysische in ein einheitliches monistisches System gebunden zu haben, hier mit einem spielen (Wille und Trieb) von zwei ganz verschiedenen Auffassungen dessen, was unter Willen zu verstehen sei, ermöglicht worden ist. Ich habe dies nirgends genügend scharf durchgeführt gefunden. Zwar verwirft Rudolf Haym in seiner Arbeit über Schopenhauer sehr energisch den Willen als ein Prinzip der Naturerklärung; zwar erläutert J. Volkelt den Zwiespalt in der Willensauffassung, will das Prinzip aber aufrechterhalten; K. Fischer spricht so gut wie gar nicht über den Willen; H- St. Chamberlain weist (ins andere Extrem verfallend) die Willenslehre ganz im allgemeinen ab, doch scheint mir überall zu wenig Gewicht auf die doppelte Anwendung des Begriffes gelegt worden zu sein.

Einige Jahre vor Herausgabe seines Hauptwerkes hatte Schopenhauer den Willen als etwas Großes und Heiliges empfunden. Er sagt darüber: „Mein Wille ist absolut, steht über aller Körperlichkeit und Natur, ist ursprünglich heilig und seine Heiligkeit ohne Schranken.“ Dann aber nahm diese Vorstellung des als metaphysische Kraft erkannten Willens schillernde Farben an und als ein solches Chamäleon durchzieht sie fortan das ganze Werk Schopenhauers.

Schopenhauer meint z. B., daß es das Wollen sei, wofür wir uns allein verantwortlich fühlen und wofür wir auch allein verantwortlich gemacht werden könnten, da der Intellekt ein Geschenk der Götter und der Natur sei; dieses zeige, daß man instinktiv den Willen als das Wesen der Menschen ansehe. Ganz recht, nur wird hier der Wille in der Bedeutung gebraucht, die dem Willen Schopenhauers, der ein zielloser und unabänderlicher egoistischer Trieb ist, gerade zuwiderläuft.

Oder, wenn Schopenhauer die Welt als ein zweckmäßiges Ganzes hinstellt, in dem alles in einer „unbegreiflichen Harmonie“ zueinander stehe, so reimt auch das sich nicht mit einem blinden Willen zusammen Der Notbehelf aber, der Wille sei zwar unvernünftig,(Schopenhauer als Dichter) handle jedoch so, „als ob“ er vernünftig wäre, ist gar zu dürftig.

Wenn weiter die Ideen stärkere und schwächere Objektivationen des Willens darstellen sollen, so wird wieder einem ziellosen Wesen ein zielbewußtes Maßvermögen zugesprochen, insofern nämlich, je stärker er sich objektiviere, um so differenzierter werde er.

Weiter fällt die ganze teleologische Naturauffassung aus Schopenhauers System heraus. Eine menschliche Handlung erfasse ich als solche nur dann, wenn ich ihren Zweck einsehe, d. h. wenn ich einen schaffenden, zielstrebigen Willen voraussetze. sehe ich die Natur aber als zielstrebig an, aIso als unbewußte Zweckmäßigkeit, so setze ich ein ordnendes Prinzip, ganz gleich wie beschaffen, nur keinen wahnsinnigen, blinden, ziellosen Willen voraus.

Eins muß also deutlich erfaßt werden: daß mit dem einen Wort Wille zwei grundverschiedene Begriffe bezeichnet werden. Der eine deutet auf ein der ganzen Natur mit ihrem einzig und allein auf Selbsterhaltung gerichteten streben entgegengesetztes Prinzip, der andere kennzeichnet das Wesen des Egoismus. Kurz, wir müssen Wille und Trieb unterscheiden. Wille ist immer der Gegensatz des Triebes und nicht mit ihm identisch, wie es Schopenhauer aus seiner monistischen Dogmatik heraus lehrte. Der Unterschied zwischen Wille und Trieb und Anziehungskraft ist kein quantitativer, sondern ein qualitativer. Fühle ich in mir, hier hat Schopenhauer recht, eine tierische, ganz auf das sinnliche gerichtete, unterbewußte oder in den Kreis des Bewußtseins tretende Begierde unbezwingbar herrschen und ihren ganzen Zweck eben in ihrem Dasein und in ihrem Sichdurchsetzen offenbaren, so kann ich, wenn ich Dichter bin, mir einen ähnlichen Trieb auch im Pflanzenreiche und im Mineralreiche denken. Ich kann aber diese dichterische Analogie nicht zur Grundlage einer philosophischen (Polare Richtungen des Wollens) Weltanschauung machen. Ich kann dies um so weniger, da ich dann mit der Erklärung der Vernunft in einen Zirkel gerate, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Ich bin gezwungen, anzunehmen, daß der andere Faktor, welcher der Begierde entgegenwirkt, auch ein anderes Prinzip verkörpert; daß auch die Vernunft (die diesem Prinzip beigeordnet ist, mit seiner Hilfe das Joch des blinden Triebes, sei es zeitweise oder auf immer, überwinden kann) zwar durch das Gehirn bedingt, aber nicht durch dasselbe erzeugt ist, denn die Funktion eines Organes kann dasselbe nicht vorstellen.

Ich bin gezwungen, festzustellen, daß mein ganzes wollendes Wesen ein polares, in zwei Teile geteilt ist: in ein sinnlich-triebhaftes und in ein übersinnlich-willenhaftes; daß die zwei Seelen, die Faust in seiner Brust fühlte, tatsächlich zwei Prinzipien sind, die nur ein blinder Dogmatismus als ein und dasselbe hinzustellen vermag. Hörte Goethe „ganz leise, ganz vernehmlich“ eine Stimme, die ihm sagte, was „zu tun sei“, und was „zu fliehn“, so riß ihn oft Leidenschaft nach der anderen Richtung. Die moralische Seite des Menschen beruht demnach darauf, daß der Mensch ein kategorisches Sittengesetz in sich walten weiß, und auch die Möglichkeit in sich spürt, diesem Folge zu leisten. sonst wären alle Moralgebote nur Lächerlichkeiten und Christus und Kant müßten reichlich dumme Menschen gewesen sein. sollen und Können setzen einander voraus: ohne Freiheit kein Verantwortungsgefühl, keine Moral, keine Seelenkultur.

Und zum Schluß hebt denn auch Schopenhauer sich selbst aus dem Sattel. Wenn der Trieb, der so gewaltig dahinbraust, von der tertiären Vernunft erkannt, plötzlich sanft säuselt und lieblich zu schnurren beginnen soll, so ist das eine Konsequenz, die selbst dem von seiner Idee besessenen Schopenhauer bisweilen Kopfschmerzen gemacht hat. (Schopenhauers ungewollte Willensbejahung) Das „Binsenschwert der Vernunft“ (Deussen) kann durch Erkenntnis allein keinen Weltkonflikt lbsen, woraus sich zwei Folgerungen ergeben: entweder geht man vom Tatsächlichen aus, und, Beispiele erhabenster Art sich vor Augen haltend, erkennt man die Möglichkeit des Sieges des Willens über den Trieb an; oder man macht einen Gewaltstreich und erklärt die ganze Welt für unfrei, gibt damit jede Läuterungsmöglichkeit auf. Auf jenem Standpunkt standen Christus, Leonardo, Kant, Goethe, auf diesem die Inder und Schopenhauer. Aber ein einzigesmal erlaubt der letzte plötzlich ein In-die-Welttreten der Freiheit, einmal, als „einzige Ausnahme“. Das sollen nämlich, über welches sonst die Lauge des Spottes ausgegossen wird tritt zum Schluß als deus ex machina auf; dem chaotischen ziellosen Trieb wohnt nun plötzlich eine moralische Kraft inne, und die sittliche Weltordnung, auf die Schopenhauer mit Recht viel Gewicht legt, ist gerettet. sonst kennt der ursprüngliche Wille Schopenhauers nur das Physische, nicht das Moralische; jetzt erscheint er als das Gegenteil.

Also auch Schopenhauer wenn er die Verneinung des Willens lehrt, meint die Verneinung des Triebes und Bejahung des Willens. –

Aber dieses ist eine Inkonsequenz des ganzen Systems und hebt es vollständig aus den Angeln. Was Schopenhauer sein ganzes Leben über mit so viel Eifer und Energie verfochten hat, war die Behauptung, daß der Trieb das Wesen des Weltalls und des Menschen ausmache und mit dem Willen identisch sei; was er, erfreulicherweise zwar, aber unvereinbar mit seinem System, Zugibt, ist, daß dieser Wille zu gleicher Zeit ein moralischer, erlösender, ist, daß der Mensch außer Trieb und tertiärem Verstand noch etwas ganz anderes darstellt. Der moralische Wille, wie er im letzten Buche von „Die Welt als Wille und Vorstellung“ hervortritt, verneint die ganze (Naturalistischer Monismus) Lehre seiner ersten Bücher und Schopenhauer gesteht später in einem Brief, bedrängt von lästigen Fragern, daß „die Sache allerdings eine Art Wunder sei“…

Diese erzwungen monistische Weltanschauung klafft weit auseinander und keine Zeit vermag sie mehr zusammenzufügen. Was Schopenhauer später über die im Ding an sich eingebettete Individualität und ihre Unvergänglichkeit sagt, ist schön und macht seiner gelegentlichen Selbstüberwindung alle Ehre, reimt sich aber ebenfalls nicht mit dem immerwährenden Spott über diese zusammen Er sagt: „… Es folgt, daß die Individualität nicht allein auf dem principio individuationis beruht und daher nicht durch und durch bloße Erscheinung ist; sondern daß sie im Ding an sich, im Willen des Einzelnen wurzelt; denn sein Charakter selbst ist individuell. Wie tief nun aber die Wurzeln gehen, gehört zu den Fragen, deren Beantwortung ich nicht übernehme.“* Das schreibt der Mann, welcher sein Leben lang behauptete, das Einheitsprinzip der Welt, den Stein der Weisen gefunden zu haben und alle schmähte, die dieses so unbedingt nicht wollten gelten lassen.

Soll der als Wille verschleierte Trieb durchaus ein „Einheits“prinzip darstellen, so ist es nicht die Einheit des ganzen Menschen, sondern nur die Zusammenfassung einer Seite desselben, der natürlichen. Dieses hat Schopenhauer in glänzender Weise durchzuführen unternommen. Indem er den Trieb als das mehr oder weniger hervortretende Prinzip entzifferte, ist seine Lehre zwar kein materialistischer, wohl aber naturalistischer Monismus. Da Schopenhauer aber nicht ein blutloses Schemen, sondern eine mächtige Persönlichkeit gewesen ist, so noch einige Worte über ihn, da Schopenhauer-Naturen im deutschen Volke nicht selten sind.

Brief vom l. März 1858. Schopenhauer als Charakter

Es sind oft Vergleiche zwischen Mensch und Werk angestellt und einerseits auf die klaffenden Gegensätze, andererseits aber auf das Zusammentreffen vieler Lehren mit der Persönlichkeit hingewiesen worden. Und es ist wahr: der Mann, welcher sich allen Ernstes als einen Religionsstifter betrachtete und Weltverneinung predigte, lebt ein recht sorgloses Leben als gut gestellter Patrizier und ist mit einer geradezu grotesk anmutenden Ängstlichkeit um sein Wohlergehen bekümmert. Er verläßt eines bösen Traumes wegen und aus Angst vor der Cholera Berlin; er lebt in Frankfurt im Erdgeschoß, um sich bei Feuersgefahr schnell retten zu können; er führt bei allen Besuchen einen Becher mit sich, um sich nicht einer Ansteckungsgefahr durch Trinken aus möglicherweise unsauberen Gläsern auszusetzen… Hier tritt sein „Wille“ mit einer bis zur Krankhaftigkeit gesteigerten Macht in Erscheinung.

Schopenhauer war besessen von einem geradezu dämonischen Angstgefühl vor dem Tode; er war besessen von einem brutalen Egoismus und war von einer unsagbaren Wut gegen alle erfüllt, die etwas gegen ihn einzuwenden hakten. Er war aber zugleich ein weltumfassender Intellekt, an dessen genialen Einsichten und Geistesblitzen noch Tausende seelische Aufschlüsse empfangen werden, der in manche Fragen wunderbar hineinleuchtete und ein Deutsch schrieb von einer Pracht, Farbigkeit und Klarheit, wie nur ganz Wenige unter den Größten.

Die „leise, vernehmliche“ Stimme dagegen, von der Goethe und Kant berichteten, hat er nur selten gespürt; sie trat bloß als unbestimmte Sehnsucht auf. Er konnte die Feinheit Schleiermachers und die Großheit Fichtes nicht fassen; er war erdrückt und erstickt von der Krankheit einer weitgehenden Selbstüberhebung und sprach nur mit Schadenfreude von Schwächen jener, denen er im Leben begegnete.

Widersprüche als inneres Erlebnis

Das Wort vom Menschen, der kein ausgeklügelt Buch, sondern ein Naturgebild mit „seinem Widerspruch“ sei, paßt auf keinen besser aIs auf Artur Schopenhauer; selten klaffte wohl der Widerspruch zwischen Trieb, Einsicht und Willen so mächtig in einem Herzen. Im zunehmenden Alter fühlte er mit Behagen den sinnlichen Trieb weichen und von da an ebben die Ruhmessprüche zugunsten des grundsätzlichen Pessimismus (im Sinne von Verbitterung) merklich ab. Als 70jähriger Greis schreibt er: „Daß das alte Testament an zwei Stellen 70 bis 80 Jahre setzt, würde mich wenig scheren, aber dasselbe sagt Herodol auch an zwei Stellen: dies hat mehr auf sich. Allein der Heilige Upanishad sagt an zwei Stellen: 100 Jahre ist das Menschenleben… Das ist ein Trost.“*

Früher hat Schopenhauer jedoch den inneren Kampf Zweier Naturen entschieden tief gefühlt; sein Hauptwerk ist auch nicht, wie manche oberflächliche Philosophen (Fischer) behaupten, von einem Zuschauer angesichts des Theaters des Lebens geschrieben worden, sondern von einem vom Dämon ergriffenen Mitspieler. Er hätte sonst als Intellekt doch leicht die auseinanderklaffenden Stücke seines Werkes gesehen, so aber waren sie die Widerspiegelung eines wirklichen Erlebnisses. Wie Schopenhauer selbst sich unter einem großen Triebe winden fühlte, so schien ihm auch die ihn umgebende Welt demselben unentrinnbar preisgegeben. Wie er selbst seinen Intellekt sich weiten sah, so ließ er ihn auch in seinem Werk das Joch des Triebes theoretisch ganz abstreifen. Und wie er selbst nur ein ohnmächtiges Ahnungsgefühl des freien Willens besaß, so tritt die moralische Weltordnung auch am Schlusse nur ganz verschämt zutage. Daß die Erkenntnis des Triebes allein ihn überwinden könnte, hat Schopenhauer als Sehnsucht gepredigt, er hat es selbst aber, trotz* Parerga II, 8. Kap. § 116. (Mensch und Werk) aller Einsicht, nicht verwirklichen können. Und wenn eine s o l c h e Intelligenz es nicht zustande brachte, dann richtet sich dieses grandiose Selbstbekenntnis, und ein solches ist „Die Welt als Wille und Vorstellung“, von selbst. Schopenhauer hatte nicht sehen, oder aus krankhaftem Festhalten an einer dogmatischen Anschauung nicht zugeben wollen, daß nicht eine theoretisch gelehrte philosophische Einsicht allein helfen kann, sondern das Auftreten eines Faktors, über den alle wahrhaft Großen verfügt haben: des den Trieb meisternden oder überwindenden Willens. Wenn Buddha den Trieb als Leiden erkennt, so ist das nur die eine Seite seines Wesens; wenn er ihn aber durch die gelebte Tat zurücksetzt, so ist das die willenhafte andere. Wenn Christus gegen das “ Otterngezücht“ auftritt, wenn er einer Idee wegen den Tod auf sich nimmt, so ist dieses die Wirkung eines dem Triebe zum Leben entgegengesetzten Prinzips der Freiheit, welches keine Disputation aus der Welt zu schaffen vermag und das nicht auf Einsicht allein gegründet ist.

„Das selbständige Gewissen“, wie es Goethe verstand, tritt als „Sonne des Sittentages“ in die Erscheinung, als ein Prinzip, das Schopenhauer überwunden zu haben glaubte, indem er es in den Trieb hineinschmuggelte, um dann beides durcheinanderschillern zu lassen.

Die Philosophie Artur Schopenhauers ist ein mit vielen Köstlichkeiten gefülltes, durch das eiserne Band seiner robusten Individualität gehaltenes Gefäß. Nun dies Band gefallen ist, liegen alle Teile, so schön sie als solche sind, durcheinander. Die Persönlichkeit reichte nicht aus für ein vollendetes, abgerundetes Werk, und Schopenhauers Philosophie war ein tragischer Traum eines verzweifelten Suchers. Der Wille, in dessen zersplitterten Äußerungen und auf dessen Zufällen der,, geniale Weltgeist seine sinnvollen Melodien spielt“, kann nur ein genialer Wille sein. Der Wille aber, der nur grundloser, zielloser, blinder (Schopenhauers tragischer Kampf) Drang ist, ist ein rein tierischer Trieb. Jener ist ein werteschaffendes, dieser ein unschöpferisches, niederziehendes Prinzip. Jener offenbart uns die Würde im Menschenwesen, dieser die nichtige Seite desselben. Alle großen Künstler und Heiligen sind vom ersten erfüllt, sie haben ihn in den Taten als Kunstwerk und als Leben geformt; sie haben durch ihn und durch die ideenbildende Vernunft den Trieb in Bahnen gelenkt, wo er als Material ihres Schaffens seinen angemessenen Platz fand. Artur Schopenhauer wollte auch darauf hinaus, und versagte, weil ihm zum Intellekt der Wille fehlte. Dieses ist die Tragik seines Lebens und seines Werkes. Und als eine solche Tragik wird Schopenhauer unserer Ehrfurcht stets gewiß sein, als das Beispiel eines heroischen – und in seiner Gewaltigkeit echt abendländischen – Kampfes um das Wesen dieser Welt; ein Mensch hat hier alles auf eine Karte gesetzt, und diese hat fehl geschlagen. Die verzweifelten Aufraffungen zur Höhe enden immer mit einem Zurückfallen ins Nichts. Aber auch der doch ganz unindische Schopenhauer bekannte, das Höchste, was ein Mensch erreichen könne, sei ein „heroischer Lebenslauf“. Das ist ein nordisches Bekenntnis, wie es schöner nicht gefunden werden kann. Und deshalb ist auch Arthur Schopenhauer – unser.

Für das, was ich in diesem Buche sagen möchte, scheint mir die vorhergehende Auseinandersetzung mit der Philosophie Schopenhauers besonders wichtig. seine Schriften liegen heute nicht nur auf den Tischen des Professors, sondern ebenso auf denen des Geschäftsmannes und haben dank ihres glänzenden Stils und bestechender Überredungskunst ihren Weg in weiteste Kreise gefunden. Der Begriff des „Willens“ ist somit allerorts geläufig und wird wohl jetzt meist im sinne Schopenhauers als ein blinder Drang (Fünf Formgebiete des Willens) aufgefaßt, auch wenn eine andere Anschauung halb unbewußt immer nebenher geht. Diesen Willensbegriff galt es einer kurzen Untersuchung auszusetzen und seinen Widerspruch in sich selbst aufzuzeigen, bzw. ihn als Trieb und nichts anderes zu deuten. Der Wille muß in seiner alten Reinheit, als ein dem egoistischen Triebe entgegenwirkendes Prinzip aus dem Reiche der Freiheit, wie Kant und Fichte es meinten, aufgefaßt werden, will man sich eine Grundlage für nordisches Lebensgefühl wieder freimachen. Diese Auseinandersetzung ist aber auch für das Begreifen der abendländischen Kunst und ihrer seelischen Einwirkung von grundlegender Bedeutung. Wenn ich von einer nicht willenlosen aesthetischen Kunstauffassung spreche, so will ich nicht etwa die unmögliche Behauptung aufstellen, daß die Kunst auf den Trieb, den „Willen“ Schopenhauers wirken soll, sondern daß sich Kunstwerke, und besonders eine bestimmte Gruppe von ihnen, nicht allein, oder überhaupt nicht an das in kontemplative Stimmung versenkte Subjekt des Erkennens wenden, sondern eben auf die Erweckung einer seelischen Aktivität, eines Willens abzielen.

Eine der wichtigsten Einsichten in das Wesen alles Menschlichen, ist die Anerkennung der Tatsache, daß er ein formendes Geschöpf ist. Aller seiner seelischen und vernünftigen Tätigkeit liegt das streben nach Umwandlung Zugrunde; nur auf diese Weise kann er sich der umliegenden Welt bemächtigen, sie als Einheit fassen so formt er sich aber auch mit seinen Kräften sein eigenes Innere und projiziert diese Tat hinaus als Religion, Moral, Kunst, Idee der Wissenschaft, Philosophie. Fünf Tendenzen leben im Menschen; jede fordert eine Antwort. In der Kunst sucht er nach äußerer und innerer Form; in der Wissenschaft die Wahrheit im Zusammentreffen von Urteil und Naturphänomen; von der Religion verlangt er ein eindringliches Symbol des Übersinnlichen; in der Philosophie fordert er die Übereinstimmung von Wollen und (Farbigkeit der Kulturen) Erkennen, von Religion und Wissenschaft. In der Moral schafft er sich die notwendigen Leitsätze des Handelns.

Jedesmal, wenn der Mensch eines dieser fünf Gebiete betritt, spricht ein andersgerichtetes Formen, ein anderstätiger Wille. Dies Streben des Wollens und Erkennens ist aus der ganzen Natur nicht zu deuten, es sind Tendenzen, die dem Triebe und seiner Befriedigung entweder gleichgültig (Wissenschaft, Philosophie) oder kampfbereit gegenüberstehen (Moral, Religion), oder beide in das Bereich ihrer Gestaltung ziehen (Kunst). Eine Unterscheidung dieser verschiedenen Einstellung der seelischen Kräfte, die auf Wille und Vernunft zurückgehen und sich in der Seele, in der Persönlichkeit vereinigen, bedeutet die erste Voraussetzung einer echten Kultur. Ihre einheitliche Lebensformung den Mythus einer Rasse. Die Unterscheidung kann naiv-unbewußt oder philosophisch-bewußt vollzogen werden; in welcher Art und Farbigkeit der Betonung der einzelnen Tendenz dies aber vor sich geht, auch davon hängt die Mannigfachheit, der Beziehungsreichtum einer Kultur ab als Ausdruck einer seelisch bestimmten Rasse.


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 Der Raum ist ein Zugleich, das Wesen der Zeit ein Nacheinander; der Raum ist nur als Ruhe verstellbar, die Zeit nur an der Bewegung meßbar. Eine künstlerisch-statische Seele wird deshalb stets die Raumkünste bevorzugen und auch in den anderen mehr ein seelisches Nebeneinander, als ein Nach- und Auseinander betonen. Eine künstIerisch-dynamische Schöpferkraft wiederum wird alle Qualitäten der äußeren und inneren Bewegung in ihrer Kunst zu verwirklichen suchen, d. h. sich besonders der Künste der Zeit (Musik, Drama) bemächtigen und auch in den Künsten des Raumes Entwicklung, Werden darstellen; sie wird sich bemühen, selbst im Zugleich des Raumes Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einen Augenblick zusammenzupressen. Deshalb ist z. B. die Malerei des Abendlandes in erster Linie Bildniskunst. Das besagt: in einer notwendig räumlichen Form eines Zugleich muß höchste innere Bewegung hineingezaubert werden: die Dynamik eines ganzen Lebens in einem Augenblick erlebt. so war die Kunst Rembrandts, Leonardos, Michelangelos geartet. Dynamik aber ist stets Willensentladung. Auch in der Kunst.

Diese Überlegungen sind grundlegend, um das Wesen der Antike und des Abendlandes zu erfassen, wenn man nämlich eingesehen hat, daß Hellas künstlerisch-statisch war, Europa künstlerisch-dynamisch-willenhaft veranlagt ist. Die Folge dieser verschiedenen seelischen Einstellung waren zwei (Die Zwiefachheit des Schaffens) Stiltypen, die ich Sachlichkeits- und Persönlichkeitsstil nennen möchte.

Jeder ernste Erforscher künstlerischer Gesetzmäßigkeit hat sich gezwungen gesehen , zum mindesten eine Zwiefachheit des Schaffens anzuerkennen Wie bei Besprechung des Schopenhauerschen Willensbegriffes festgestellt wurde, scheiterte dessen metaphysischer Lehrsatz an einer unnatürlichen Vermischung zweier Tendenzen des Wollens. Trieb und Wille stehen in gemeinsamer Front zum Intellekt, sind Zwar beide ein Wollen, aber nach auseinanderstrebenden Richtungen. Kunstschaffen als solches ist nun zwar immer ein freies Formen, aber auch hier teilt sich dieser ursprüngliche Formwille in mindestens zwei Kraftströme. Dies ist, wie gesagt, keine neue Entdeckung. Man nannte z. B. die eine Art von Kunstwerken apollinisch, die andere dionysisch und wollte damit sowohl Gemütsunterschiede wie verschiedene Stile des Kunstschaffens bezeichnen. Diese Prägung Nietzsches hat im Rahmen griechischer Kunst ihre Berechtigung. Aber grundfalsch war es, diese mit dem Geist des Hellenentums untrennbar verbundenen Begriffe auf die Kunst anderer Völker zu übertragen. Nordisch-abendländische Kunst ist nie apollinisch, d. h. heiter, abgewogen, harmonisch-formal und nie dionysisch, d. h- sinnlich allein erregt, ekstatisch. Man kann die deutschen Worte sogar nicht finden, um den Hauch hellenischer Kunst richtig aufzufangen. Man muß Kallikrates, Phidias, Praxiteles, Homer und Aeschylos vor Augen haben, griechischen Ahnenkult und Bacchusspiele, Grabmäler und Unsterblichkeitsglauben, um zu begreifen, was apollinisch und dionysisch besagen soll. Diesen anderen Seelenausdruck auf deutsche Kunst zu übertragen, ist unmöglich gewesen und hat nur Verwirrung gestiftet.

Schiller hatte seinerseits die Zwiefachheit des Kunstschaffens (nur auf die Dichtung beschränkt) als naiv und sentimentalisch zu deuten versucht. Er ist dadurch in manche (Durch die Natur hindurch) Sackgasse geraten, so sah er sich z.B. gezwungen, sowohl Homer als auch Shakespeare als naive Dichter zu bezeichnen. Sein scharfer Verstand hat ihn zum Schluß aber immer wieder aus jeder Enge gerettet. Und wenn er auch am Zwangslehrsatz der aesthenischen Kontemplation festhält, so steckt in jeder seiner Abhandlungen doch eine so große Menge tiefer, unser Wesen aufschließender Beobachtungen, daß jeder Deutsche seine „Aesthetischen Briefe“, „Über naive und sentimentalische Dichtkunst“, „Über Anmut und Würde“, „Über das pathetische“, „Gedanken über den Gebrauch des Gemeinen und Niedrigen in der Kunst“ usw. kennen müßte.

Die weitere gebräuchliche Einteilung in einen idealistischen und naturalistischen Stil ist weder formal aufklärend noch sonstwie ergiebig. Denn germanische Kunst ist immer beides zusammen gewesen Ein Leonardo, der seinen Schülern empfiehlt, auch die Schmutzflecken an der Wand zu studieren, und welcher zugleich den Christuskopf Zeichnete; ein Dürer, der mit mikroskopischer Treue ein Häschen oder einen Vogelflügel malt, „Ritter, Tod und Teufel“ und die „Kleine Passion“ schuf, waren „Idealisten“ und „Naturalisten“ zugleich. Ein Rembrandt schreckt vor keiner Schilderung auch des tierischen Menschen zurück und ist doch Schöpfer des „Verlorenen Sohnes“. Ein Grünewald erspart uns keine Darstellung körperlicher Martern und malt daneben die Auferstehung; ein Goethe dichtet den BIocksbergsabbath und den Chorus mysticus in einem Werk.

Europäische Kunst war nie ein „Idealisieren“ in dem uns geläufigen süßlichen sinne, nie ein ängstliches Vermeiden oder Besänftigen der Natur. Durch die Natur hindurch ging vielmehr der Weg der Formung abendländischer Künstler. Ehe die Natur überwunden wurde, war sie unerbittlich zum Ausdruck gebracht worden.

Es war nicht ein Harmonie-Schönheitsideal im Sinne (Die Formung der Seele) der Antike, das Europa beherrschte, sondern das Ideal eines sich rücksichtslos verkörpernden neuen aesthetischen Willens.

Darum kann man, um das Wesen unserer Kunst zu offenbaren, nicht eine Philosophie des – stets statisch – Schönen und des Harmonischen schreiben, also den aus der Antike gewonnenen Maßstab anwenden. Der Begriff des schönen muß – um überhaupt brauchbar werden zu können – einen erweiterten Sinn erhalten Als „schön“ kann dann neben dem nordischen Rassenideal für uns nur die durch die Stofflichkeit hindurchdrängende innere Ausstrahlung eines bedeutenden Willens gelten.

Die Schönheit der Neunten Symphonie ist eine wesentlich andere als die Schönheit eines griechischen Tempels; Rembrandt Tituskopf in Petersburg ist eine andere schöne Seele als der Apoll des Praxiteles.

Griechische Schönheit ist das Formen des Körpers, germanische Schönheit ist die Formung der Seele. Das eine bedeutet äußeres Gleichgewicht, das andere inneres Gesetz. Das eine ist als Ergebnis sachlicher, das andere persönlicher Stil.

Auch die Bezeichnung: typisierender und individualisierender Stil ist öfters gebraucht worden. Und da gewöhnlich nicht weiter und tiefergehend geforscht wird, so meint man, der typisierende Künstler sehe mehr von Zufälligkeiten ab und suche nur die großen Züge des Charakters zu gestalten, der individualisierende hingegen liebe gerade diese Willkürlichkeiten und Eigenwilligkeiten. Durch eine derartige Betrachtungsweise wird das Stilproblem nur als eine Methode und nicht als künstlerische Notwendigkeit erfaßt. Man kann dann seitenlang lesen, wie der eine Künstler sich bald den, bald jenen Stil herausgesucht habe, um „in seinem Geist“ zu arbeiten. Daß es sich um innere Vorgänge handelt, wird meist außer acht gelassen, und so kommen Hochgelehrte sogar zu dem Schluß, Faust sei (Methoden und Wesensgesetze) im ersten Teil das Ergebnis des individualisierenden, im Zweiten des typisierenden Stils.

Das innere Werden der Persönlichkeit kann auf diese Weise natürlich nicht erfaßt werden. Denn werden Persönlichkeit, Individualität und Subjektivität als ein und dasselbe hingestellt, so ist eine Verwirrung nach der anderen die notwendige Folge.

Der typisierende und der individualisierende Stil sind nicht zwei Methoden, die die Männer aus allen Völkern je nach Bedarf anwandten, sondern Sachlichkeit- und Persönlichkeitsstil sind Wesensgesetze des künstlerischen Schaffens bestimmter Völker, dann, im engeren sinne, auch einzelner Künstler selbst.

Gleiche Worte sind nie wie gleichwertige Münzen. Je nach Umgebung vermitteln sie verschiedene Begriffsschattierungen. Immerhin muß man sich aber über den vorwiegenden Sinn einer Bezeichnung einigen und für andere Schattierungen möglichst andere Worte wählen. Persönlichkeit (Wille plus Vernunft) ist die dem Stoff entgegengesetzte, das Metaphysische im Menschen darstellende Macht, im engeren sinne die innere und rastlos wirkende Tatkraft [Aktivität] des inneren Wesens, das Urrätsel (Urphänomen) der germanischen Seele, Person (Trieb plus Verstand) ist der Leib des Menschen und seine Interessen Individualität bedeutet die hier auf Erden untrennbare Vereinigung von Person und Persönlichkeit. „Individuelle“ Behandlung bezieht sich auf diese Einheit, „persönliche Behandlung“ auf Persönlichkeit, subjektive Darstellung auf die aus der Person verständlichen Triebfedern.

Der Gegenstand (das Objekt) ist immer die Welt. Darunter auch der Mensch als Person. Die stärke der Sachlichkeit (Objektivität) der Kunst hängt von der stärke und Verschiedenheit dieser Einstellungen ab. Alle die bisher zwischen objektiver und subjektiver (Persönlichkeit und Gesetzmäßigkeit) Richtung des Schaffens Wesensunterschiede fanden, sahen sich durch diese nicht weiter verfolgten Untersuchungen veranlaßt, der Objektivität nur Subjektivität, d. h. Willkür bzw. dem Gegenstandswert entgegengesetzte Stimmungsgefühle ohne stilbildende Kraft gegenüberzustellen. Daher sie auch alle – um die großen Künstler vor dieser Ausdeutung zu schützen – die „kristallklare Objektivität“ als ihr Wesen und als den alleinigen Maßstab höchster Kunst kennzeichneten. Einer zu schnell abgeschlossenen Zergliederung folgte eine fehlerhafte, zum mindesten einseitige Zusammenschau, ein geistiger Kurzschluß. Diese Zwangslehre von der Allgemeingültigkeit des Maßstabes der „Objektivität“ gilt es abzustreifen.

Goethe hat einmal ein sehr merkwürdiges Wort gesprochen. Er meinte, jedem persönlichen Willen entspreche etwas Objektives in der Natur, d. h. jedes persönliche künstlerische Wollen könne in ein Sachlich-Gesetzmäßiges, in ein Organisch-Gesetzliches umgewandelt werden, bzw. es finde dort sein Gegenstück. Diese ganz bestimmte, persönliche Einstellung zur Welt des Stoffes hat nun tatsächlich zu den innerlich wuchshaften Großtaten der „Romanik“ und Gotik geführt, die in ihrer inneren Einheitlichkeit einzig dastehen. Das Gefühl dieses selbstverständlichen den Kathedralen von Reims, Ulm, Straßburg gegenüber hat uns lange übersehen Iassen, welche Gewalt in diesen Werken dem Steine angetan worden ist. Wir haben nicht darauf geachtet, welche große, formende Eindringlichkeit, welche stärkste innere künstlerische Kraft dazu gehört haben muß, um den spröden Stoff einer Idee dienstbar zu machen, die ihm offensichtlich entgegenwirkte. Denn man mache sich klar: aus Stein durchsichtige Spitzenmuster schlagen und Türme damit bauen, war in dieser Weise noch keinem Volke eingefallen. Der Steinblock, das Relief, die massige Skulptur bedeuteten früher Denkmals-Bildhauer-Kunst. Hier in der Gotik war ein neuer Geist (Der Subjektivismus) aufgetreten. Und doch: der Straßburger Dom ist, er steht da, wie aus dem Boden gewachsen, er wirkt objektiv, d. h. sachlich-gesetzmäßig.

Hier zeigt sich ein bemerkenswertes, zu tiefstem Forschen auf allen Gebieten anregendes Verhältnis: die wuchtigste künstlerische Persönlichkeit trägt überall als Schwerkraft Gestalt, d. h. lebendige Gesetzmäßigkeit mit Sicht Hat sie, nach einigen gewaltsamen Versuchen, sich die den Stoff beherrschenden Mittel angeeignet, so ist das Kunstwerk am Ende eine organisch wirkende Schöpfung. Echte Persönlichkeit steht anfänglich dem zu bezwingenden Gegenstand feindlich gegenüber, dann wird dieser gezwungen, auf einen formenden Willen zu antworten, und wenn dies geschieht, ist Persönlichkeitsstil die Folge.

Der Subjektivist ist nicht von einer Willensrichtung beherrscht (auch beim einzelnen Werk nicht), sondern von inneren und äußeren Zufälligkeiten. Der Subjektivismus bedeutet in jeder Hinsicht und auf jedem Gebiete die Vergewaltigung sowohl der Persönlichkeit wie des Objekts, der „Sache“; er ist manchmal liebliches Spiel, oder abstoßende Ungestalt (von der Seite der Form), dann wieder sinnliche Neckerei, tollhäuslerische Anarchie oder hemmungslose Begierde (als Gefühl), doch das eine wie das andere ohne innere noch äußere Gesetzmäßigkeit, ohne innere Gestalt noch äußere Form. Der Subjektivismus als philosophisches sowohl als auch als rein künstlerisches Problem ist das Ergebnis einer inneren Unfruchtbarkeit (der rassischen Zerkreuzung) eines Volkes, einer Individualität, einer ganzen Zeitepoche oder überhaupt – als Ende – das Gleichnis eines seelisch-rassischen Zusammenbruchs.

Nirgends stehen sich künstlerische Statik und künstlerische Dynamik so klar gegenüber, wie in der (Griechischer Tempel und gotische Kathedrale) griechischen und gotischen Baukunst. Innerhalb aller nordischen Architektur bilden diese Schöpfungen die denkbar schärfsten gegensätzlichen Äußerungen des formenden Willens.

Die Gotik bedeutet den nur einmal im Ernst versuchten und auch nur einmal in der ganzen Geschichte der Baukunst gelegenen Versuch, eine Raumkunst aus einem metaphysischen Zeitgefühl heraus zu gestalten. Das Wesen der Zeit ist bedingt durch eine Richtung, im Gegensatz zu den drei Dimensionen des Raumes. Die Gotik kennt auch nur ein Nacheinander der Formen, ein streben nur nach einer Richtung. sie steht deshalb im Kampf sowohl mit dem Stoff, mit dem Steinblock, mit waagerechter Last und senkrechter Stütze, wie mit den raumfordernden Mitteln, der Wandfläche, der Decke. Gotik ist deshalb die Erfüllung einer Sehnsucht, die auch nur ein Vorwärts kennt, sie ist die erste steinerne Verkörperung der dynamisch-abendländischen Seele, wie sie später die Malerei wieder zu verkörpern suchte, die sich aber dann erst in der Musik – zum Teil auch im Drama – restlos verwirklichen konnte. schon aus diesem allgemeinen Gesichtspunkt heraus ist die Gotik etwas im höchsten Grade persönliches: das ewige Übervernunftvolle (Irrationale), Willenhafte des Abendlandes in der zeitlich bestimmten Form einer ihrer rhythmisch wiederkehrenden Schwingungen.

Selbstverständlich war auch der griechische Tempel der Ausdruck eines Volksempfindens und somit im gewissen Sinne der Ausdruck einer Persönlichkeit. Verstehen wir aber (und das soll jetzt immer geschehen) unter Persönlichkeit stets einen Gegensatz zum Stoff, ein angreifend tätiges und unermüdliches Bestreben, den Stoff zum Gleichnis für innerstes Wollen und künstlerische Formkräfte umzugestalten, so werben wir im griechischen Tempel von diesem Willen nur wenig verspüren: der griechische Tempel wurde zwar einem Gott zu Ehren gebaut, beherbergte auch ein Standbild dieses Gottes, trotzdem aber war nicht dieser (Struktur der dorischen Baukunst) doch dadurch geheiligte Innenraum das Wesentliche, sondern die äußere Gesamtgestalt. Der ganze Bau wird also von vornherein als ein Stück Plastik empfunden, und zwar als eine in sich ruhende tubische Raum-Gestaltung. Der griechische Tempel steht vereinzelt, weist keine notwendigen Beziehungen zu seiner Umgebung auf, soll, trotz einer Hauptfassade, allseitig betrachtet werden. Der klassische dorische Bau ist die vollendetste, in sich ruhende Rhythmisierung des Raumes. In den Maßstäben der Einzelteile verbergen sich die Maßstäbe des Ganzen; keine Linie, kein Schmuck, der über die Tempelform selbst hinausweist. Alles ist geläuterte, anschaulich faßbare, oder doch erlebte Funktion; Last und stütze sind auf die klarste Weise zum Ausdruck gebracht und stehen in vollkommenem Gleichgewicht zueinander.

Der ganze Bau ist dreischichtig: das lastende Dach mit Fries und Architrav, die tragende Säulenreihe, die breit auslaufende Stufenunterlage. Weil das g e s a m t e Werk als ein Stück aufgefaßt wird, z.B. die klassische dorische Säule ohne Basis. Hätte der Grieche auf das Einzelne gesehen oder sehen müssen, so wäre die Basisverwendung sofort eingetreten (wie später zur Zeit der lonik und der Renaissance). In dorischer Zeit jedoch bildete der ganze Unterbau die Basis für die ganze Säulenreihe und die durch diese übermittelte Last. Die Last des Daches wird an einzelnen punkten von den Säulen erfaßt. Gleichsam als Polster schiebt sich hier das dorische Kapital ein, das in seinem Umriß der mathematischen Kraftlinie folgt und bis in seine letzte Linienführung die genialste Schöpfung eines auf Sachlichkeit ausgehenden Stilwillens darstellt. Der Charakter des Entgegenstemmens der Säule wird durch eine kleine Anschwellung des Schaftes angedeutet. Das Waagerechte der Last ist durch die Dreiteilung des Architravs nochmals betont, während das Überhängende des Karniesvorsprungs durch die Tropfen versinnbildlicht (Technische Voraussetzungen der Gotik) wird. Darüber ragt die freie Endigung des Kymation mit leichtem Schwunge in die Luft. Auf den Giebelecken und an der Giebelspitze stehen die Akroterien als Ruhepunkte. Aus statischen und bildformalen Gründen sind die Ecksäulen etwas verstärkt und nach innen gebeugt, aus perspektivischen Erfahrungen die stufen nicht streng horizontal gelegt. Wir finden also überall einen nach dem Ausdruck des Objektiven und zugleich mit formaler Genialität strebenden Künstlerwillen. Die Schwankungen in den Verhältnissen der Säulenordnungen, die Einführung reicheren schmuckes in den Giebelfeldern, auf den Friesen, die leichter werdende Ionik, dies alles hat das griechische Leitmotiv nicht im wesentlichen verändert. Über ein halbes Jahrtausend hindurch hat dieser klare und freie griechische Genius immer wieder das als vollendet anerkannte Grundgesetz umgestaltet und unverkennbare Spuren überall da hinterlassen, wo er wirken konnte.

Es ist kein immer wieder spürbares inneres Drängen, kaum ein in unserem Sinne Persönliches, was da aus den Steinen spricht. Es ist auch so gut wie nichts subjektives, sinnliches Ausdrückendes dabei: es ist der nur einmal in der Welt in dieser Vollendung geborene Geist künstlerischer Sachlichkeit.

Auch die Gotik anerkennt natürlich sachliche Voraussetzungen: das technisch klare Baugesetz (Konstruktion). Man hat ja sogar versucht, sie aus rein ingenieurmäßigen Erwägungen heraus zu „erklären“. Aber dem germanischen Geist (die Gotik gehört zur germanischen Epoche des nordischen Abendlandes, im Unterschied zur deutschen, die bewußt im 18. Jahrhundert begann, aber erst heute zum hellen Bewußtsein erwacht), waren die neuen technischen Erfindungen, wie Spitzbogen, Strebewerk, Rippengewölbe doch nur Mittel zum Zweck, um ein neues Wollen zu verwirklichen, nicht Ziel. Dieser neue Wille ergriff selbstherrlich die vorliegenden Formen und es ist begreiflich, wenn (Gotischer Rhythmus) gräzisierende Künstler, Philosophen und Aesthetiker über „rohe Vergewaltigung griechischer Schönheit“ zeterten. In Wirklichkeit erhalten alle vorliegenden Formelemente nur eine andere Wirksamkeit (Funktion) als früher. Die einzelne Säule, früher eine gedrungene stütze, verliert als Einzelglied ihre Selbständigkeit. sie wird mit anderen zu einem Pfeilerbündel znsammengetan und möglichst in die Höhe gereckt. Das Kapital dieses Bündels ist nicht als ein Polster zur Übernahme einer Last aufzufassen, sondern bedeutet nur einen Taktschlag im Linienfluß: es wird wesentlich die Betonung des Ansatzes des reich gezeichneten Spitzbogens. Aus einer rein statischen Aufgabe wird hier aIso eine dynamische Wirksamkeit.

Alle technischen Vorzüge der neuen Bauweise werden dabei klar erkannt und ausgenutzt. Die Möglichkeit, bei gleicher Bogenhöhe ungleich große Räume zu überspannen, den Gewölbedruck durch Rippengewölbe an nur wenigen Punkten anzusetzen, diesen dann durch Strebebogen auffangen zu lauen und den starken Widerlagern zu vermitteln …

Dieses ganz neue Spiel der Kräfte schafft andere baugesetzliche Unterlagen und fordert Lösungen, die nur aus der seelisch-technischen Eigenart heraus, nicht durch griechische Maßstäbe getrübt, beurteilt werden können. Wenn z. B. Schopenhauer behauptet, das Wesen der Baukunst bestehe darin, das gegenseitige Verhältnis zwischen Last und Stütze möglichst klar zum Ausdruck zu bringen, dies wiederum geschehe am besten durch die Waagerechte und die Senkrechte, so steht er vollkommen unter griechischem Einfluß. Das Spiel von Druck und Gegendruck ist in der Gotik viel lebendiger und mannigfacher als im griechischen Tempelbau. Von hier aus gesehen ist die griechische Lösung dürftig und begrenzt, mehr statisch als dynamisch, Beharrungszustand, weniger flutender Linienfluß. Dazu gesellt sich bei den gotischen Baukünstlern ein bewußtes Durchführen von harmonischem, fühlbarem, aber unaufdringlichem (Das Streben nach oben) Rhythmus. so z. B. bilden die Verbindungslinien zwischen Scheitel und Ansatzpunkt des Bogens des Mittelschiffes und die Linien, die von einer Basis zum Kapital des nebenstehenden Pfeilerbündels führen, stets Parallelen. Die erstgenannte Linie trifft bei ihrer Verlängerung in den Fuß der Säule des Seitenschiffes. Dieselben Überlegungen finden beim Entwerfen der Seitenfassaden und des ganzen Außenbaues statt. Es ist also nicht zu bezweifeln, daß das rein sachliche des Aufbaus nie vernachlässigt wurde; wie hätten sich denn auch die Türme in die Lüfte recken können! Aber trotzdem: dies alles war nur Mittel zum Zweck. Denn aller Stoff ordnete sich einem bestimmten Willen unter. Dieser Wille entstrebte der Erde, er wollte nichts mehr vom Druck der waagerechten Last wissen, er wollte alle Erdenschwere überwinden, er wollte keinen Funktionsbau des Stoffes, sondern das Wirken einer ganz bestimmten Seelenbewegtheit ausdrücken. Er suchte nicht nach Vorbildern, er nahm selbstherrlich vorliegendes Material, prüfte es und drückte ihm dann seinen Stempel auf: er war Persönlichkeit. Durch die schräge Kraftübertragung war die erste Möglichkeit gegeben, diese Idee zu verwirklichen.

Aus gegliederten Widerlagern strebt ein durchbrochener, reichgezeichneter Bogen hinauf; dessen aufsteigende Linie wird vom spitzen Dach weitergeführt und schließlich vom Turm übernommen, der, durch feinste, immer neue und nach oben leichter werdende Muster sich in der Luft verflüchtigt. Den letzten Eindruck einer Last rufen noch die Flächen des Turmhelms hervor. Deshalb geht hier alles Bemühen dahin, ihn so leicht als möglich zu gestalten; dazu werden dem Profil Kreuzblumen aufgesetzt, um auch noch diese an Last gemahnende Linie zu unterbrechen. Die Fläche selbst wird durchbrochen, oder restlos durch senkrecht gestellte Verflüchtigungen ersetzt, wie in der Kathedrale von Antwerpen. Was hier an zähem, der Erde Last unter sich lassendem Willen verwirklicht worden ist, kann selbst (Französische und deutsche Gotik) unsere Zeit noch nicht ermessen, die heute an den gotischen Wunderwerken verständnislos vorübergeht. Nur wenige Menschen stehen andachtsvoll vor den Zeugen eines großen Geistes, des Geistes des mächtigen, so verleumdeten, aber in vielen Dingen doch echt germanischen „Mittelalters“. Wenn wieder ein großer echter Glaube in unsere Herzen einziehen sollte, dann wird auch in neuer Form die “ gotische Seele“ wieder erwachen. Jetzt schwärmt sie noch in anderen Zonen.

Der Streit um das Wesen der Gotik ist beendet. Ihre Grundlagen entstanden im nordischen Frankreich. Damals waren die Ahnen der Hugenotten noch nicht vertrieben, damals hatte die Guillotine noch nicht kostbarstes nordisches Blut vergossen. Damals herrschte noch ein abendländischer Rhythmus im Reich der Franken. Langsam aber wurden die Elemente des,, romanischen“ mittelmeerländischen und alpinrassischen Südostens vorgeschoben, die sich später mit dem germanischen mischten und den Franzosen schufen, der seine Höhe im 17. und 18. Jahrhundert erreichte. Einzelne Große schauen noch heute sehnsuchtsvoll in die versunkene Vergangenheit zurück; es sind Männer eines untergehenden Blutes.

Aber wenn auch das Frankreich des Nordens im,, Mittelalter“ noch fast ganz germanisch war, gewisse Unterschiede Zwischen französischer und deutscher Gotik bildeten sich doch schon damals heraus. Mächtig strebten zwar Notre-Dame Zu Paris in die Höhe, die Reimser Kathedrale, die zu Amiens, zu Rouen empor. Aber alle sind nach einem und demselben Grundtypus gebaut; sie sind dreischiffig, mit dem sechseckigen Chor und dem malerischen Chorumgang; sie haben alle zwei Türme. Alle Bauten behalten ferner in ihrer Hauptfassade die Dreiteilung bei: Portale, Fensterrose, Königsgalerie nebst waagerechten Trennungslinien. Die gotische Idee gelangt nicht ganz zum Durchbruch. In Deutschland sehen wir von vornherein größte (Der Innenbau der gotischen Baukunst) Mannigfaltigkeit. Der Chor wird bald sechseckig, bald vierseitig gebaut, die Verhältnisse weichen stark voneinander ab, es treten Hallenkirchen auf (gleichhohe Schiffe), wie die schöne Elisabethkirche zu Marburg; Ulrich von Ensingen baut seine fünfschiffige Kathedrale und versieht sie mit nur einem Turme (Ulm). schneller als in Frankreich wird der Bogen immer spitzer, die Wand verschwindet fast ganz, das Portal wird durch immer leichtere Wimperge gehoben, an der Fassade wird die waagerechte Linie entfernt, der Mittelbau Zwischen den Türmen wird eingeengt. Es bleibt schließlich nichts übrig, als ein überall wiederholtes streben nach oben. Die Profile sprechen davon, die angesetzten Skulpturen folgen der baukünstlerischen Linie, ein aller schwere hohnsprechendes Spitzenwerk aus Stein spannt sich an den Mauern empor. Und einer mächtigen Symphonie gleich, fluten die Lichter in die Hallen. Ihr unwirkliches Blinken läßt den letzten Rest Welt verschwinden*.

Im Innenbau erreicht die Gotik, im Unterschied zum griechischen Tempel, ihren Höhepunkt. Die großen Fenster mit den Glasmalereien, welche die einengenden Wände bewußt verdrängen, lösen durch ihre Farben und Lichtwirkungen das Gefühl enger Begrenzung auf. Bewußt wird

* Während meiner Arbeit an dieser Schrift kam mir das Büchlein von K. Scheffler in die Hand: „Der Geist der Gotik“. Scheffler streift hie und da das Richtige. Da er aber nicht scharf, sondern nur einmal unterscheidet, verbindet er wieder falsch und ergeht sich in recht oberflächlichen Verallgemeinerungen. Das, was wir als gotischen Geist empfinden, hat es weder bei Ägyptern noch Griechen noch vorgeschichtlichen Völkern gegeben, ja sogar was die indische Poesie anbetrifft, muß man vorsichtig sein, einen solchen hineinzudichten. Scheffler hat Persönliches und Subjektives nicht geschieden, dazu eine Vermischung des Geistes der Rassen vorgenommen, die ganz unzulässig ist. So kommt es, daß er sogar folgendes schreibt: „… Wie man denn wohl sagen darf, daß die semitische Rasse ihrer ganzen Anlage nach der heftigen Form zuneigt. Ihr ist die spekulative Inbrunst eigen, die Schonungslosigkeit gegen sich selbst und jenes Genie des Leidens, die Voraussetzungen einer gotischen Geistesanlage sind“ (s. 68). Dieser Satz strotzt von Ungeheuerlichkeiten. „Heftige Form“ und gotischer Geist sind noch lange nicht dasselbe; spekulativ-philosophisch ist der Semit nie gewesen; Schonungslos war er weniger gegen sich als gegen seine Feinde. Und was das „Genie des Leidens“ anbetrifft, so ist das keine Gotik, sondern russische Problematik. Gewiß ist ein Leidensgefühl vorhanden, es aber formen, und das heißt ja Kunst schaffen, dazu braucht es einer Tat, d. h. einer angreifenden Kraft. Diese hat einen anderen Ursprung als das Leiden. – Scheffler machte den umgekehrten Fehler wie die Nachfolger Nietzsches. Diese übertrugen hellenische Seelenausdrücke auf germanische Kunst, Scheffler überträgt germanische Persönlichkeit auf Lappen, Chinesen, auf die ganze „Menschheit“. Ein heutzutage unverzeihliches Unterfangen. (Germanisches Naturgefühl) auch hier Bewegung in die Ruhe des Raumes getragen, also das Zeitgefühl in eine Raumkunst. Das Sonnenspiel durch bunte Scheiben ist in seiner Beweglichkeit das Gegenteil der Farbenwirksamkeit etwa des Parthenon, wo die Farbe nichts als getönte Fläche war, die von einer anderen räumlich abstach. Man hat dieses Weltgefühl des gotischen Baues auf die Waldsehnsucht der Germanen zurückgeführt (Chateaubriand sah hierin sogar den „Geist des Christentums“, obgleich dieses doch der erbittertste Feind des germanischen Naturgefühls war und ist), die Säulen die Baumstämme, die Spitzbogenmuster das Laub, die Fenster die Durchblicke des Himmels; unzweifelhaft liegt in dieser Deutung etwas Wahres, nur wird hier Ursache und Wirkung verwechselt. Die Säulen nsw. sind nicht Neuverwirklichungen des Waldes, sondern deuten auf das gleiche irrationale Wesen, welches einst die wogenden dunklen Wälder und Durchblicke auf unendliche Weiten aufsuchte, dieses Wesen schuf sich aus dem gleichen Weltgefühl heraus die gotischen Strebepfeiler und die mystischen Farbenspiele.

So ward selbst der Innenraum des gotischen Domes (Die „Freilegung“ gotischer Kathedralen) Wechsel und Beziehung, nicht in sich zurückkehrende Linien und Raumgestaltung. Das gleiche gilt vom Außenbau.

War der griechische Tempel eine allseitig zu betrachtende Plastik, stand er in sich abgeschlossen kühl und unabhängig, so wand sich die gotische Kathedrale aus einem Gewimmel spitzer kleiner Häuser hervor. sie brauchte diese als Maßstab ihrer Größe und die Häuschen und ihre Bewohner lehnten sich an die gemeinsame Schöpfung ihrer Seele. Mag darüber lachen wer will, für mich spricht sich hier schon das Wesen zweier Seelen aus: Harmonie des Äußeren (Vereinzelung) und inneres Streben der (dynamischen) Persönlichkeit (Beziehung). Deshalb war es eine Roheit, die Dome von Köln, Ulm nsw. freizulegen, um sie „besser betrachten“ zu können. Wieder war man hier vom griechischen Geiste ausgegangen, wieder hatte man eine Sünde gegen sich selbst begangen, sich selbst nicht verstanden. Nach vollbrachter Tat freilich gingen den Schändern die Augen über. Jetzt wollen sie neue Häuschen bauen…

Der persönliche und doch typenbildende Geist des 13. bis 15. Jahrhundert sprach in Dichtkunst, in Stein und in Holz. An Betten, schränken, Truhen, Treppengeländern kommt er zum Vorschein. Immer wieder versucht er intim und mannigfach zu sein, immer zeigt er Abscheu vor der allerorts erprobten Form. Es ist ein Hymnus der Individualität auch im Bürgerlichen. Und unterdes singt Walther von der Vogelweide seine unbändigen Freiheitslieder. Wolfram von Eschenbach und Meister Gottfried dichten deutsche Weisen und dann wird ein anderes Mittel zum Ausdruck deutscher Seele: der Griffel und der Pinsel, die später ihrerseits von der Orgel und dem Orchester abgelöst werden.

Hellenisches Wesen gipfelt in der Plastik, auch die Baukunst ist ein Teil davon. Dem plastischen Gesichtspunkt ordnet sich alles unter. Griechische Bildhauerei wendet sich fast ausschließlich auf die Person des Menschen. Der Mensch (Kunst der Ephebie) als Körper ist das jahrhundertelange Motiv, das in Tausenden von Werken in höchster Vollendung zur Durchführung gelangte.

Auch hier waltete der sachliche Stilwille. Alles Eigenwillige wird unterdrückt, alles Irrationale wird auf einfache Verhältnisse zurückgeführt, alle Falten und Runzeln werden geglättet, alle Übertreibungen ausgemerzt. Der griechische Jugendbund, die Ephebie, schuf sich hier seine Kunst. so stehen die Werke in langer Reihe da bis auf Phidias, Skopas und Praxiteles*, in voller linearer Harmonie und Gleichgewicht mit abgewogenem körperlichen Schwerpunkt. selbst die Bewegung ist in Ruhe verwandelt, selbst der Ringkampf abgewogene Gleichgewichtsstellung. Das ist fast ein gänzliches Aussondern der Persönlichkeit. Man hat oft das Gefühl, daß diese Form und überlegene Selbstbeherrschung einem gewissen Furchtgefühl entspringt. Denn die vielgepriesene Heiterkeit griechischer Kunst erschöpft ihr Wesen nicht. Es ging ein unterirdischer Zug von Schwermut durch die griechische Seele; er war aber – in diesem Fall zum Glück – nicht stark genug, um das Kunstschaffen zu beeinflussen. Wo griechisches Gleichmaß durchbrochen wurde, da geschah es als „dionysisches“ Bacchanal und der Person galt die ganze Aufmerksamkeit im Badehause, beim Gelage, in der Kunst. Daher ist der Phallus das offen zur schau gestellte Symbol spät-griechischen“, sich zerfetzenden Lebens. Des Griechen Wille war so weit in der Bekämpfung des Triebes aufgebraucht, daß bei der Schöpfung der Kunst die überlegende Vernunft die Führerrolle übernahm. Daher die Sachlichkeit

* Auch in seinen subjektivsten Ausläufern (Pompeji) bleibt das Griechentum formal intakt. Diese Formsicherheit ist des Griechen stärke und schwäche. stärke insofern, als die Hellenen von manchem Irrwege bewahrt blieben; schwäche, da es ein Zeugnis von Mangel an innerer Willenhaftigkeit ist. (Der religiöse Untergrund) des Hellenentums. Daher auch unsere Zwangslehre von der willenlosen aesthetischen Stimmung.

Gemeinsam war griechischer und gotischer Hochkunst der religiöse Untergrund. In der religiösen Gemütsstimmung, selbst wenn sie auch oft nur unausgesprochen vorhanden ist, offenbart sich die ganze Atmospähre einer Volksseele. Das Lösen stofflicher Bindungen und das Tasten nach etwas Ewigem (das Kennzeichen dieser Stimmung) ist für uns ein Zeichen, daß die seelische, allein schöpferische Urkraft des Menschen wirklich lebendig ist. Aus dieser Stimmung geht der Heilige hervor, der große Erforscher der Natur, der Philosoph, der Prediger eines sittlichen Wertes, der große Künstler. Fehlt einem Menschen oder einem Volke diese noch formIose aber einzig geburtsfähige Stimmung, so fehlt ihm auch die Voraussetzung zu einer großen, wahrhaftigen Kunst. sein irrlichterndes Subjektives wird dann notwendigerweise die Oberhand behalten. Den Göttern zu Ehren schufen Phidias und Kallikrates; zu Ehren Gottes arbeiteten Volksseelen ganze Jahrhunderte am Dom zu Köln, an den Felsentempeln Indiens, an Statuen des ewig stillen Buddha. Das Urelement wird Form durch eine künstlerische Neugeburt. Und wenn dieses Göttliche auch keinen Namen trägt, so weht sein Hauch doch auch in einem Selbstbildnis Rembrandts, in einer Ballade Goethes.

Dieser echt religiöse Urgrund fehlt bis auf geringe Reste der Rasse der Semiten und ihren bastardierten Halbbrüdern, den Juden.

Die weltabgeschiedene Gemütsstimmung, zum Religionsglauben herangereift, wird, auch wenn sie notgedrungen irdische Vorstellungen beibehalten maß, doch stets bestrebt sein, den letzten Erdenrest abzustreifen, oder sich ganz in schweigen zu hüllen. Dies kann bei dem unstofflich erfühlten Unsterblichkeitsglauben nicht anders sein.

(Jüdischer „Unsterblichkeitsglaube“)

Im ganzen sogen Alten Testament finden wir den Unsterblichkeitsglauben bekanntlich nicht, es sei denn der NiederschIag der nachweislichen äußeren Einwirkung der Perser auf die Juden in der „Verbannung“. Die Schaffung eines „Paradieses“ auf Erden ist das jüdische Ziel. Zu dem Zwecke werden, wie es in den späteren „heiligen Büchern“ heißt, die Gerechten (d. h. die Juden) aus ihren Gräbern in allen Ländern durch eigens für sie von unbekannten Kräften gebohrte Löcher durch die Erde zum gelobten Lande kriechen. Die Targum, die Midraschim, der Talmud, schildern diesen herrlichen Zustand des zu erwartenden Paradieses mit breitestem Behagen. Das auserwählte Volk herrscht dann über die erneuerte Welt. Alle anderen Völker sind seine Sklaven, sterben, werden wieder geboren, um erneut zur Hölle zu fahren. Die Juden jedoch werden nicht von hinnen gehen und führen ein seliges Leben auf der Erde. Jerusalem ist auf das prächtigste neu erbaut, die Sabbatgrenzen sind mit Edelsteinen und perlen eingefaßt. Hat jemand schulden zu zahlen, so bricht er sich eine perle aus dem Gehege und ist aller Verpflichtungen ledig. Obst reift jeden Monat, Trauben werden so groß wie ein ganzes Zimmer, Getreide wächst von selbst, der Wind weht das Korn zusammen, die Juden brauchen nur das Mehl aufzuschaufeln. Achthundert Arten von Rosen wachsen in den Gärten, ströme von Milch, BaIsam, Honig und Wein fließen durch Palästina. Jeder Jude besitzt ein Zelt, über dem ein goldener Weinstock wächst, an welchem dreißig perlen hängen; unter jedem Stock steht ein Tisch mit Edelsteinen. Im Paradiese blühen 800 Arten von Blumen, in deren Mitte der Baum des Lebens steht. Dieser besitzt 500.000 Arten von Geruch und Geschmack. Sieben Wolken lagern über dem Baum und die Juden schlagen von vier Seiten an seine Äste, damit sein herrlicher Duft von einem Ende der Welt bis zum anderen wehe usw.

(Triebhaftigkeit jüdischer Kunst)

Das Schlaraffenland ist religiöser Ernst geworden und feierte im jüdischen Marxismus und seinem herrlichen „Zukunftsstaat“ seine Wiederauferstehung. Aus dieser Seelenstimmung erklärt sich bis auf heute die Gier des jüdischen Volkes, zugleich auch sein fast vollständiger Mangel an echter seelischer und künstlerischer Schöpferkraft. Das religiöse Urelement fehlt, der äußerliche Unsterblichkeitsglaube ist nur oberflächliche Angleichung an fremde Anschauungen, nie eine innerlich bestimmte Triebkraft gewesen Deshalb wird jüdische „Kunst“ niemals persönlicher aber auch niemals wirklich sachlicher Stil sein, sondern bloß technische Geschicklichkeit und subjektive, auf äußerliche Wirkung ausgehende Mache verraten; meistens mit grobsinnlichen Einschlägen verbunden, wenn nicht ganz und gar auf Unsittlichkeit eingestellt. In jüdischer „Kunst“ haben wir fast das einzige Beispiel, wo eine alte Menschengruppe (Volk kann man nicht sagen), die an vielen großen Kulturen teilgehabt hat, sich dem Triebe nicht hat entringen können; jüdische „Kunst“ ist deshalb auch fast die einzige, die sich an den Trieb wendet. sie weckt aIso weder aesthetische Selbstvergessenheit, noch wendet sie sich an den Willen, sondern bloß (im besten Fall) an das technische Urteil oder an subjektive Gefühlserregung.

Man sehe sich darauf die jüdischen Künstler an. Angefangen von den bald in Furcht klappernden, bald „in Angst jauchzenden“, bald rachegierig schnaubenden Psalmgesängen (die nur dank Luthers Umdichtung oft so schön klingen), über den stöhnenden Gebirol, den lüsternen David ben Selomo bis zum niederträchtigen Heinrich Heine. Man achte auf den den Mammon vergötternden Kellermann, den sinnlichen Effektmacher Schnitzler. Felix Mendelssohn wurde von Zelter in jahrelanger Mühsal zu Bach geführt – für den der Jude dann Propaganda machte. Das Beste seines Schaffens Technisch-Formales. Man sehe selbst auf den entschieden Anlauf zum Hohen nehmenden (Subjektivismus des Islams) Mahler, der doch schließlich „jüdeln“ mußte (Louis) und von einem tausendstimmigen Orchester das Letzte erwartete. Man schaue auf das Massenhaft-Übertriebene des Theaterzirkus Reinhardt-Goldmann, man prüfe die jüdischen Wunderkinder am Klavier, an der Geige, auf den Brettern: Talmi, Technik, Mache, Effekt, Quantität, Virtuosität, alles was man will, nur keine Genialität, keine Schöpferkraft.

Und in ursprünglicher Fremdheit europäischen Wesens machte sich das gesamte Judentum zum Förderer der Nigger „kunst“ auf allen Gebieten.

Daß das Verbot, sich keine Götter zu machen, auf die vollkommene Unfähigkeit für bildende Kunst zurückzuführen ist, wurde bereits von Dühring nachgewiesen; ebenso ist dies die Ursache, warum es Jahrtausende wirksam sein konnte. Die heutigen verzweifelten Versuche jüdischer bildender Künstler, durch Futurismus, Expressionismus, „neue Sachlichkeit“ ihre Begabung zu beweisen, sind ein lebendiges Zeugnis für diese alte Tatsache. Einzelne Ansätze zu höherem streben sollen nicht geleugnet werden (Juda Halevy), aber es fehlte beim Judentum, als ganzes betrachtet, das Fluidum, aus dem wirklich große Werke geboren werden.

Wenn wie in unserer Zeit die jüdischen „Künstler“ einen hervorragenden PIatz in unserem Kunstleben einnahmen, so ist es ein untrügliches Zeichen dafür, daß wir vom rechten Wege abgeirrt waren, daß uns – nur zeitweilig hoffentlich – eine nicht zu missende Seelenkraft verschüttet worden ist.

Die Kunst des Islams ist als fast rein subjektiv zu deuten. All das Gesäuselt der plätschernden, malerisch erbauten Springbrunnen, all die lauschigen Schatten, all die Buntheit der schillernden Farben, all die vieltausendkerzige Beleuchtung der AIhambra, all das verwirrende Linienspiel des Wandschmuckes der Paläste kann über die innere seelische Armut (Entstehung des Hufeisenbogens) nicht hinwegtäuschen. Das meiste Große aber, welches der Islam auf seinem Gang durch die Welt uns hinterlassen hat – die mächtigen Kuppeln der Kalifengräber, die Übermittlung griechischer Weisheit, die Märchen voller Phantasie – erkennen wir heute als Entlehnungen aus fremdem Geiste, er stamme nun aus Griechenland, Iran oder Indien. Ein System, das keine metaphysische Religion hatte, konnte nicht wirklich schöpferisch sein, selbst wenn das arabische Jenseits keinen Ort auf der Welt festsetzte, wie es die Juden taten, so ist doch der Vorstellungsgehalt wesentlich der gleiche. Daß diese Unfruchtbarkeit der Seele mit einem unbeugsamen Glauben gepaart ist, ändert nichts an den Tatsachen. Als eigenartigen Charakter werden wir den Araber stets anerkennen, nur nicht als schöpferischen Menschen.

An diesem Gegenstücke zeigt sich uns die Sehnsucht der meisten anderen Völker als untereinander verwandt. Ein Lao-tse rückt von hier aus gesehen, eng an Jajnavalkya, Christus, an die Großen Europas, so verschieden sie alle auch sind. Hier zeigen sich Mächte am Werke, die räumlich nahe, innerlich doch weltverschieden voneinander ihr Dasein führen.

Dem Islam liegt sowohl das Sachlich- wie das Persönlich-Gesetzmäßige fern. Wie er weder ein großes Epos noch eine große Musik gezeugt hat, so hat er auch keine eigene Baukunst geschaffen. Er hat alle architektonischen Gedanken den arischen Persern entlehnt, er hat dem vorgefundenen Stoff keine wirklich gesetzmäßigen neuen Formen als echten Seelenausdruck aufgezwungen, sondern hat fast nur dekorative willkürliche Spielerei getrieben.

Durch eine solche Subjektivität entstand z. B. der Hufeisenbogen. Der waagerechte, die Verschalung zum Setzen des gewöhnlichen Bogens tragende Balken ruhte auf den Vorsprüngen der Säule oder des Pfeilers. Nach seiner Entfernung ergab sich ein sehr bemerkbarer (Die Arabeske) Vorsprung, welcher nun einfach mit Mörtel ausgefüllt wurde. Dadurch erhielt der Bogen eine durch keinerlei statische Notwendigkeit bedingte Form; andererseits war diese auch nicht der Ausdruck eines inneren Formwillens. Es war unkünstlerische Willkür. Diese Form wurde aber dann auf der Bogenlinie nochmals wiederholt, es entstanden der Kleeblattbogen, Bogen mit hervorspringenden Steinzungen usw. Man sehe sich nun die verschiedenen Spielarten an. sei es an der Moschee zu Cordova, von El Ashar, vom Minarett Kait-Bai, der Moschee Barkuk zu Kairo, der Meschkehmeh Moschee in Bulak, an der Klosterkirche in Segovia… Dazu kommt noch, daß bei manchen Gebäuden ein Bogenansatz auf den Scheitelpunkt des anderen stößt, die unmöglichsten Gewölbespielereien, Bienenstöcke (Saal der Abbenzerragen) nsw. Die manchmal reich verschlungenen, oft strengen „islamischen“ Ornamente, Gewandmuster und Gitterwerke kamen fast alle aus Persien. Altiranische Gewebemuster und die mit Zeichnungen versehenen Handschriften haben hier die Vorbilder abgegeben.

War die basislose dorische Säule streng bautechnisch und baukünstlerisch bedingt, so ist dieser Grundsatz in dem Saal der berühmten Alhambra durchaus unangebracht. Ganz abgesehen davon, daß die Säulen meist aus anderen Gebäuden zusammengeschleppt worden sind und durch Kämpfer von verschiedener Stärke in der Höhe ausgeglichen werden mußten, türmen sich die Bogen doppelt übereinander. Die Säulen scheinen kaum den Druck tragen zu können und stoßen in den Boden geradezu Löcher.

Das Wesen islamitischen Bauwesens enthüllt sich in der vielgepriesenen Arabeske. Tatsächlich ist sie das schönste, was die Araber geschaffen haben. Aber auch sie ist nicht ein Stück Baukunst, sondern bloßer schmuck. Der Geist der Willkür zeigt sich gerade hier: das Ornament bedeckt die ganze Wand, es ist richtungslos; es kann nach allen Seiten hin verlängert oder willkürlich abgeschlossen werben. War (Fremde Lehrer der Araber) griechischer Schmuck in einem bestimmten Raum beschlossen, in eine bestimmte Flächenumgrenzung hineinkomponiert, ordnete sich im gotischen Werk alles der erdentstrebenden, senkrechten Richtung unter und entstand dadurch in jedem Fall eine äußere Gesetzmäßigkeit als Folge einer inneren Zielstrebigkeit, so herrscht in der Arabeske die Unmäßigkeit ohne Ausdruck. Den besten Instinkt für den Wert islamischer „Architektur“ haben die Kulissenmaler der Operetten- und Spezialitätentheater gezeigt. Hierher paßte dekorative Spielerei, richtungsloses Ausleben.

Es ist notwendig, dieses fremde Wesen klar herauszuheben. Wir können es heute mit Recht tun, denn durch genaue Betrachtung der rein technischen Baumethoden erhalten wir ein Mittel in die Hand, auch andere Äußerungen des islamischen Stils zu beurteilen. Unsere „Philosophen“ sollten aufhören, in der Arabeske eine „magische Seele“ zu suchen, in ihr so etwas wie das ins Unendliche strebende faustische Wesen wiederzufinden. Manches, was der Islam uns hinterlassen hat, ist sicher besser, als eben geschildert wurde, aber dann zeigt es sich auch, in den meisten Fällen sogar urkundlich nachweisbar, daß die wirklichen Schöpfer dieser Hinterlassenschaft keine Araber waren. Wie die „arabische“ Wissenschaft, die Pflege griechischer Philosophie nicht in Händen der Araber lag, sondern fast ausschließlich von arabisch sprechenden Persern betrieben wurde, so wurde z. B. auch die Moschee des Propheten zu Medina von fremden Werkleuten errichtet; EI Walid mußte nach Byzanz schicken, um in Jerusalem bauen zu können. Griechen errichteten „das Weltwunder“ zu Damaskus. In Ägypten fanden die Araber eine reiche koptische Baukunst vor; die schöne Konstruktion vieler dortiger Bauten stammt von koptischen Ingenieuren. so baute ein koptischer Künstler die Moschee Ibn-Tulun. Er war es, der auch zum erstenmal mit Bewußtsein den Spitzbogen gebrauchte. Das Vorbild dazu jedoch bot das (Der individuelle Stil) Marmortor (Quartier Nayassin), das früher an einer normannischen Kirche gestanden hatte (St. Jean d’Acre, Akkon). Alles dieses muß man beachten, um einen richtigen Einblick in die verschiedenen Einflüsse zu gewinnen: Sassaniden, Kopten. Griechen boten die Grundlage. Dann wirkte sich darauf arabische Willkür mit ihrer dekorativen Übersättigung aus.

Man wird jetzt verstehen, daß die Nachahmung dieser arabischen Elemente (Kleeblattbogen. Kielbogen, Arabeske nsw.) nie und nimmer bei uns Platz greifen dürfen. sie sind uns fremd und sollen auf immer von uns geschieden bleiben als Zeugnis einer fremden Seele, auf die weder der Begriff Persönlichkeitskunst noch Sachlichkeitsstil anzuwenden ist.

Zwischen dem richtungslosen künstlerischen Subjektivismus und dem innerlich organischen und doch den Stoff selbstherrlich meisternden Stil der Persönlichkeit bewegt sich natürlich eine ganze Stufenleiter von Künstlern und Kunstrichtungen. Viele Künstler sind mit Ansätzen zum Höheren begabt, ohne jedoch diese Sehnsucht zur künstlerisch abgerundeten Vollendung führen zu können; die anderen greifen unbekümmert ins gewöhnliche Leben hinein, schildern, malen,, stilisieren es, aus reiner Freude am Formen. Die Individualität – als die hier auf Erden gegebene Vereinigung von Person und Persönlichkeit – nimmt von uns Besitz.

Zwischen Subjektivismus und Persönlichkeitskunst müssen wir also eine Zwischenstufe feststellen: den Übergang von der Willkür zum inneren Gesetz; nennen wir die Gebiete den individuellen Stil, womit etwas Wuchshaftes (Organisches) betont, aber auch eine Beschränkung aufgezeigt wird. Solche Bezeichnungen (das soll ausdrücklich unterstrichen werden) sind methodisch notwendig, um das immer im (Peter Paul Rubens) Fluß befindliche Leben zu erfassen. Wir können nur etwas erkennen, wenn wir es als Gestalt erblicken, auch wenn die Umrißlinien nicht starr, sondern plastisch beweglich sind.

Die Liebe zum Individuellen ist ein so ausgezeichnetes Kennzeichen Europas und namentlich seines Herzens, Deutschlands, daß wir nur einen flüchtigen Blick auf Dichtung, Baukunst, Bildhauerei und Malerei zu werfen brauchen, um die Bestätigung dieser Ansicht zu finden. Die gotischen Steinhauer und Holzschnitzer, die Landschaftsmaler aller Gaue, die Zeichner der Klosterbibeln, die Erfinder der krausen Buchstaben, die Erzähler absonderlicher Historien …, in allen ihnen ist das streben nach Ausdruck und zwar nach sehr energischem Ausdruck, durch tausend Hände Gestalt geworden. In den Hunderten von Malern Hollands lebt derselbe Geist, auch noch in allen Künsten des alten Frankreichs ist er lebendig und findet in einzelnen Individualitäten auch heute noch seine Neuprägung.

In dieses Gebiet gehört als einer der ersten größten Peter Paul Rubens.

Keiner bezweifelt, daß in ihm große schätze an kraftstrotzender Phantasie das Licht der Welt erblickt haben, aber wie er mit ihr schaltete, welchem Stoff, welchem Gehalt sie sich zuwandte, wie die Richtung ihrer Behandlung bestimmt war, das zeigt uns diesen Künstler fast genau in der Mitte zwischen Subjekt und Persönlichkeit stehend. Sein ganzes Formen bezieht sich auf die sinnliche Natur mit ihren tausend Farben und Formen, mit ihren Leidenschaften, Freuden und Ängsten. Wir finden die ganze Stufenleiter unserer sterblichen Individualität ausgedrückt von der feinen Zärtlichkeit seines Bildnisses mit Isabella Brandt bis zur Brunstbesessenheit der großen Kirmes; von der sinnlichen Lebenslust der wollüstigen Nymphen und des trunkenen Silens bis zum Jammerschrei des Fleisches im Höllensturz der Verdammten. Die Vorwürfe sind (Rembrandts Weltüberwindung) immer neu und lebendig, die Komposition vollendet und bei allem Bacchanal der sinne von einer zielbewußten künstlerischen Sachlichkeit. Aber nirgends gelingt Rubens eine Schöpfung, welche diese ganze Erdenlust oder Erdentrauer als Gleichnis zu durchleuchten vermag, welche Kunde gibt vom Gelingen einer großen, echten, inneren, überweltlichen Schau. Rubens hat es versucht, oft sogar! Aber seine Riesenleinwand des in den Himmel auffahrenden Christus, welcher, auf der Weltkugel stehend, der Schlange den Kopf zertritt, die apokalyptischen Drachen und andere Ungeheuer, die geballten Wolken, die jauchzenden Engel und die flatternden, schillernden Gewänder, das alles bedeutet einen Stoff- und einen Phantasieaufwand ohnegleichen; aber es sind doch nur mißlungene Versuche. Je größer der Umfang seiner Werke wurde, um so geringer ihre seelische Stoßkraft. Und Rubens Höllenfahrten – Meisterwerke an Leben, Bewegung, Komposition – zeigen doch nur äußerlichen Überschwang und sind Überredungskunststücke, um eine unheimliche überweltliche Macht durch äußeren Kraftaufwand glaubhaft zu machen.

Ein Rembrandt nimmt vom Diesseits mit Werken Abschied, in denen bald eine lächelnde Weltüberwindung, bald eine erschütternde Verzweiflung den Pinsel geführt haben. Rubens’ letztes Werk ist er selbst als der den Drachen erschlagende St. Georg in blinkender Rüstung. Rubens lebt als Mensch ein reiches Dasein, ist als Künstler von einer ganzen Welt verehrt und wirkt der unbekümmerten Verfeinerung der Individualität. Rembrandt zieht sich ganz auf sich sich zurück und betrachtet die ganze Welt – unsentimental, aber voll tiefster Ahnungen – als einen Stoff, der zu überwinden ist. Rubens Werk ist eine gewaltige Symphonie des Lebens in all seinen Gestalten, die Macht dieses Daseins ist sein Inhalt. Als sein größtes Werk erscheint denn auch dasjenige, in dem alle gesuchten Sinnbilder aus griechischem Sagenschatz, die er an Maria (Hals und Bernini) Medici verschwendete, alle apokalyptischen Gleichnisse beiseite geschoben werden und das tolle Leben seiner Umwelt die Grundlage abgab: die Kirmes im Louvre. Wer einmal vor diesem Werk gestanden hat, erschaut in einem Augenblick, wozu ein Schopenhauer ein ganzes Leben brauchte, um es zu schildern: die Macht des blinden Triebes. Ohne jedes Gleichnis ist hier das Leben selbst Zu einem solchen geworden. Die Fresser und Säufer, die Dirnen und brünstigen Burschen, die Sänger und trunkenen Tänzerinnen wiederholen ein und dasselbe Lied des zügellosen Tieres. Die künstlerische Macht, die dies gleichsam mit einem Ruck auf die Leinwand schleuderte, ist in ihrer Weise einzigartig. Die Person in all ihren Zügellosigkeiten, das ist der Gehalt und die Kunstform des Rubens gewesen.

Ähnlich, nur minder gewaltig zeigt sich Franz Hals, der lachend und spöttisch mit breitem Pinsel das Leben auf die Leinwand strich; vom gleichen Geist beseelt, doch mit ungleich dramatischerem Drang erfüllt, ist der zu früh verstorbene Adrian Brouwer. Dessen Schilderungen des Individuell – Triebhaften gemahnen oft an Rubens Kirmes und lassen einen Künstler vermuten, der sich – bei längerem Leben – doch vielleicht durch den Stoff hindurchgerungen und aus holländischer Genremalerei innerlich dramatisches Leben geformt hätte.

Ein weiterer, dessen Werke wir unbedenklich als solche des individuellen Stils bezeichnen können, ist Lorenzo Bernini. Den Erbauer der Kolonnaden des Peterplatzes, den großen Bildhauer verehrte ein ganzes Geschlecht als eines der größten künstlerischen Genies. Auch wir werden ihn oft bewundern müssen, aber seine Mätzchen bei der Erbauung des Aufgangs zur Sixtina, seine merkbar sinnliche Note z. B. bei dem Amor und der Psyche, sein übertriebenes Verwenden bestechenden Stoffes sind für uns doch Zeichen der Anpassung an den Geschmack (Das Wesen des Barocks) der breiten Masse, oder bedeuten zum mindesten ein Verfälschen der innersten Schöpferkraft. Gleich Rubens ein Mann von größter Phantasie und Stoffbeherrschung, ein Meister in der Ausnutzung aller malerischen und perspektivischen Mittel und Kunststücke, fehlt ihm doch jene Seelengröße, und der geheimnisvolle Zauber, der von den Werken eines Leonardo oder Rembrandt oder von der des Meisters Erwin ausgeht.

Noch ein Wort über die Zeit und den Begriff „Barock“.

Unsere Kunstgeschichten sprechen über die „Meister des Barockzeitalters“ als von Vertretern einer einzigen Kunst-und Geistesrichtung. Die Wahrheit, die darin liegt, wird aber zur irreführenden Behauptung, wenn nicht dargetan wird, worin das Wesen des Begriffes Barock besteht. Man sagt: im Gegensatz zum Grundsatz der Renaissance, nur Harmonie zu erstreben, ringe der Barock nach Kraft des Ausdrucks. Abgesehen davon, daß dies gerade für die Größten der Renaissance (Leonardo, Donatello, Masaccio) nicht stimmt, muß man die Zergliederung auch bei der zweiten Behauptung weiter führen, um sich nicht bei einer leeren Redensart zu beruhigen. Denn was soll es heißen, wenn man sagt, daß sowohl Michelangelo barock sei als auch Velazquez, Shakespeare, Rembrandt, und Zugleich Rubens und Hals, der,, Verlorene Sohn“ und „il Gesu“ zu Rom? Hier erscheinen denn doch ganz gewaltige Unterschiede, die nicht mit einem Wort umfaßt werden können, wenn nicht über klare Unterscheidungen über die von einem Begriff umfaßte Vielheit vorher grundsätzliche Einigkeit erzielt worden ist.

Die Gotik sehen wir aus ungleich größerer Entfernung als die Zeit des „Barock“, erfassen ihre einheitliche Zielstrebigkeit klarer, als es hier möglich ist. Trotzdem sind schon bei ihrer Wertung sehr verschiedene Nebenelemente und Äußerungen zu verzeichnen. Der,, Barock“ ist nun (Das „Eingeisten“ der Natur) eine neue Geisteswelle, die nicht nur in ihrer zeitlichen Länge, Schwingungsdauer und Mächtigkeit zu schätzen ist, sondern besonders in ihrer wertetragenden Oberfläche und Tiefe. Und gerade hier wird sich der aus dem Wesen unserer Kunst geschöpfte Maßstab fruchtbar erweisen, den wir schon bei der Gotik sich ergeben sahen: die stärke der Wirkung künstlerischer Persönlichkeit, der Individualität, des Subjektivismus.

In Michelangelo erblickt man mit Recht den Künstler, welcher am sichtbarsten mit allen aesthetischen Lehrsätzen Griechenlands gebrochen hat: keine Beschwichtigung vorhandener Leidenschaften durch eine abgewogene Form, sondern Sprengung derselben durch eigene Gesetzlichkeit, durch einen persönlichen Künstlerwillen. Wie in einem wilden und bewußten Protest gegen Hellas stehen die Arbeiten des Mannes vor uns, der weder griechisch noch lateinisch sprach, der die Sklaven, den Moses, die Mediceergräber schuf und dessen Sibyllen und Propheten von einem solchen Seelenreichtum Kunde geben, daß Goethe sagen konnte, nach Michelangelo gefalle ihm selbst die Natur nicht mehr, da er sie doch nicht mit so großem Auge anschauen könne, wie dieser. Michelangelo schuf sich selbst das Gesetz, dem er allein folgte, durch das allein er den Stoff zu überwinden vermochte. Genau so persönlich ging Rembrandt zu Werke, ebenso groß Shakespeare.

In dem Lebenswerk dieser Männer finden wir die Stufenleiter vom kraß Individuellen bis zum vollkommenen „Eingeisten“. Rembrandts „Mönch im Kornfeld“, seine Judenköpfe, seine Radierungen verwahrloster Winkel und Menschen sind Werke, die sich des Lebens in all seinen Höhen und Tiefen bemächtigen und reichen vom „Pärchen im Bett“ bis zum „Hundertguldenblatt“. Die Nachfolger und kleinen Zeitgenossen blieben in der individuellen Sphäre stehen. Die Kraft des Zufammenballens, die sich im Grundriß und Aufbau des St. Peter von (Der Jesuitenstil) Michelangelo zeigte, wurde später zu einem mehr äußerlichen Energieaufwand; seine alle baugesetzlichen Schranken verachtende Vorhalle zur vatikanischen Bibliothek mit den durchbrochenen Pilastern und wilden Linienführungen war ein einmaliger subjektiver Ausbruch, der aber bei vielen anderen zum stehenden Grundsatz wurde. Jetzt häufen sich die Säulensammlungen, geschwungene Karniese treten auf, malerische Nischen werden in die Wände geschlagen, Giebel durchbrochen und mit Kartouchen gefüllt. Türme und Fassaden werden mit runden Formen profiliert und mächtige Voluten streben zum Zentrum des Gebäudes. Il Gesu, Maria della Salute und aberhundert andere Bauten geben Zeugnis von großen Kraftäußerungen, aber auch von einem nur malerisch-individuell bestimmten Stilwillen. Dieser wurde noch tiefer in die Sphäre des Subjektivismus hinabgedrückt; die jesuitische Gegenreformation sah in dem die Masse blendenden Aufwand an Blechstrahlen, Flittern aus Papier, mit Goldfarbe überzogenen Gipsgirlanden und anderen Albernheiten ein Mittel, durch die „Kunst“ die durch die Reformation verloren gegangenen Gemüter wieder zu erobern. Hatten einzelne Päpste der großen Kunst zu ihrer eigenen und der Verherrlichung Roms, z. T. auch aus wirklicher Schöpferfreude, Hilfsdienste geleistet, so entstand jetzt ein fast nur auf das sinnliche wirkendes Gemisch von machtvoll malerischem Wollen und vollkommener künstlerischer Verwilderung, der sogen. Jesuitenstil.

Die „sitzenden Säulen“, die Papp- und Stuckkulissen eines Pozzo, S.J., sind klassische Vorbilder für jene künstlerischen Verbrechen, die noch heute in ganz Europa herumstehen. Der Hochflug der Gotik war dahin, das triumphierende rasselose Rom hatte über nordischen Geist wenigstens in der Baukunst gesiegt. Der Protestantismus wiederum ließ, in den Gegensatz verfallend, eine Ärmlichkeit in seine Gotteshäuser einziehen, die das Gemüt ebenso (Wesensverwandtschaft von Gotik und Barock) abkältete, wie es in den Jesuitenkirchen durch Gold, Blech und Weihrauch sinnlich überhitzt wurde.

In seinen größten Vertretern ist das Zeitalter des Barock gleichzusetzen mit dem innersten Wollen der Schöpfer der Münster zu Ulm, Straßburg, Reims, Laon, Compiegne, Köln, nur hat dieser Geist sich diesesmal anderer Mittel bedient. War im 13. und 14. Jahrhundert die Baukunst das alles beherrschende und das tiefste sehnen verkörpernde Mittel, so im 16. und 17. die Bildhauerei, besonders aber die Malerei (getragen vom musikalischen Geist); an die stelle von Zirkel und Winkelmaß traten Meißel und Pinsel. Konnte man im 13. Jahrhundert mit Recht von einer recht einheitlich gerichteten persönlichen abendländischen Seele sprechen, so jetzt außerdem noch genauer von einzelnen Persönlichkeiten, die ja auch bei einem Bilde mehr hervortreten konnten, als beim langjährigen, viele Hände bewegenden Bau einer Kathedrale.

Wie sich die Gotik zuletzt in spielerischen Gewölbekunststücken und Fischblasenmustern aushauchte, so der Barock in den unfähigen Nachahmern Michelangelos. Das Lebensgefühl trug Meister Erwin und Rembrandt auf die höchsten Höhen, während unten das sehnen Tausender nicht stark genug war, ihnen zu folgen.

Das Wesentliche: die selbstherrliche Überwindung und Stoffbeherrschung liegt der Gotik wie dem Barock zugrunde. Während die eine Zeit aber himmelstürmende Pläne ausführte, war die andere seelische Zusammenballung. Ein weiterer schritt geschah dahin, als Dichtkunst und Musik in einer neuen, „gotisch barocken“ Welle dem nordischen und deutschen Wesen zu seinen tiefsten Äußerungen verhalfen …

Jetzt schält sich das, was germanische (oder nordisch-abendländische) Kunst zu nennen ist, in dem inneren Bau heraus. Ihr Ziel ist Verkörperung höchster seelischer Tatkraft mit immer neuen Mitteln in immer neuer Form. (Der heftige Lebenspuls Europas) Aus subjektiven Einstellungen und individuellen Schöpfungen [d. h. Einheiten] wächst eine neue Durchgeistigung der Welt als Blüte heraus, um – nachdem sie ihre Pracht entfaltet – ins Gestaltlose zum Umgießen zurückzusinken.

Dreimal haben wir es erlebt: zur Zeit der Gotik, des Barock, zur Zeit Goethes, deren subjektive Nachwehen eben vor sich gehen. Es ist dies der Lebenspuls Europas, der schneller und dramatischer schlägt, als derjenige anderer Völker. Höchst bedenklich ist das Unkengestöhn, das sich heute bei uns breit macht und den kulturellen Untergang des Abendlandes verkündet, indem man nicht auf den Rhythmus achtet, sondern nur an ein einziges großes Atemholen zu glauben vorgibt. Wenn andere Völker diesen Rhythmus nicht zu besitzen scheinen, sondern eine einzige große Lebenslinie hinterlassen haben, so bedeutet dies für uns durchaus kein Lebensgesetz, und Männer, die mit Vorliebe das Beispiel der blühenden und vergehenden Pflanze gebrauchen, sollten es etwas weiter führen, damit es für uns anwendbar wird. Durch unsere heutige Kulturwelt weht ein sengender Herbstwind. Wer sich als Greis fühlt, findet viele Gründe, den kommenden Winter als den letzten darzustellen. Wer den Glauben verloren hat, für den ist der kalte Verstand Gebieter und Gestalter zugleich. Wer aber nicht das vieltausendjährige Atemholen Chinas, sondern den heftigen Pulsschlag Europas als eine nur ihm gehörende Eigenart und nur ihm eigenes Lebensgefühl erkannt hat, der schaut mit einem anderen Blicke sowohl in die Vergangenheit wie in die Zukunft, als ein Verkünder unseres „schicksalhaften Untergangs“! Die Gotik endete in dem ödesten Zunftwesen, die Meistersingerei in trockenster Nüchternheit, der Barock überschlug sich in tausend Tollhauskunststücken. Heute sehen wir nach einer ungeheuerlich ziellosen Verwendung alter Formen die ebenso richtungslose Anarchie sich austoben. Wir sind vielleicht noch nicht zuunterst der Ebbe angekommen. Aber (Verfall der Baukunst im 19. Jahrhundert) wie schon dreimal, so wird auch Europa zum viertenmal weit Atem holen. Welche Mittel zur erneuten Verinnerlichung unseres Lebens die rechten sein werden, das weiß noch niemand. Aber jedenfalls werden es solche sein, die an das Ewige und seine Richtung anknüpfen, um die Geburt einer echten neuen Form zu erleben.

Aus der Gegenüberstellung der wesentlich zeitlich bedingten Stilgesetze ergibt sich auch die grundsätzliche Lösung einer Frage, um die in den letzten Jahrzehnten heftig gestritten worden ist und die gerade heute wieder eine überragende praktische Bedeutung in der Baukunst besitzt; über die Zulässigkeit der Anwendung alter Stilformen.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war auch, was die Baukunst und das Kunstgewerbe anbetrifft, die Zeit eines noch nie dagewesenen formlosen Znsammensuchens aller Formen. Autoritäten aller Zeiten, Mustervorlagen aus allen Jahrhunderten und Bilder der Werke aller Völker zierten die Werkstatt des Baukünstlers und es schien damals selbstverständlich, sie alle nachahmen zu dürfen. Die technische Entwicklung war mit einer nie geahnten Schnelligkeit vorwärts geschritten, sie erforderte immer neue Fabriken, Bahnhöfe, Kraftanlagen usw., so daß für die künstlerische Durchdringung der neuen Anforderungen keine Zeit blieb. Man konnte sich nicht mehr unbefangen der neuen Fragen bemächtigen und trieb richtungslos im alten Fahrwasser weiter. Es begann jenes Erbauen furchtbarer Bahnhöfe, Fabriken, Speicher, mit gegossenen griechischen Kapitalen, Akanthusblättern, Nachahmungen maurischer, gotischer, chinesischer Formen, verbunden mit rohester Eisenkonstruktion. Ganz Europa ist noch heute überzogen mit diesen Erzeugnissen eines nie dagewesenen künstlerischen Niederganges. Und als ein neues Geschlecht gewaltsam „persönlich“ werden wollte, entstand der berüchtigte „Jugendstil“, dessen kunstgewerbliche Verbrechen man von Paris bis Moskau und Budapest anstaunen (Der Baurhythmus unserer Zeit) kann. Er wütet noch heute vielerorts ungehemmt weiter. Die Schöpferkraft war gebrochen, weil sie weltanschaulich und künstlerisch an einem fremden Maßstab verunstaltet worden und so den neuen Anforderungen des Lebens nicht mehr gewachsen war.

Die neue Begeisterung für die Gotik, die wir um die Wende des 20. Jahrhunderts erlebten, hatte zur Folge, daß neue „gotische“ Kirchen und Rathäuser entstanden. Hier zeigt sich, daß es unmöglich ist, gotische Formen für das schaffen der Gegenwart zu gebrauchen. Unser heutiges Weltgefühl ist nicht mehr senkrecht-weltentstrebend, es will Kraft und Ausdruck, aber nicht mehr in der Form des altgotischen Willens. Denn der gotische persönliche Stil, wenn auch dem germanischen Urcharakter entstiegen, spiegelt doch nur die bestimmte Art eines nur damals herrschenden Fühlens wider. Für Monumentalbauten muß unsere Zeit Bauklötze auf Bauklötze türmen, für Wassertürme braucht sie gewaltige geschlossene Formen, für Kornsilos einfache, gigantische Massen. Wuchtig müssen unsere Fabriken daliegen; zerstreute Geschäftsgebäude werden zu Riesenhäusern der Arbeit zusammengefaßt; breitgegliederte Elektrizitätswerke lagern sich über die Erde. Die früher zufällig zusammengewürfelten Bauten einer großen Fabrik rücken organisch zu einer inneren Gemeinsamkeit zusammen; aus dem Innern der modernen Dampfer verschwinden die pompejanischen Schwimmbäder und Salons im Stile des Louis XVI, die heute nicht einmal mehr gut genug für gewöhnlichste Emporkömmlinge sind. Die Hotels entledigen sich ihres Talmi-Schmuckes, die „maurischen“ Bahnhöfe werden niedergelegt, in neuen Rhythmen wird ein klingendes Lied von Eisen und Stein gesungen. Und wenn auch Enttäuschung auf Enttäuschung folgte: es ging doch bereits auch echte Schöpferfreude durch die Welt, als ein ehrlich werdendes BaukünstlergeschIecht die neuen Fragen des Lebens zu (Die Architektur in New-York) begreifen begann und nach wesens- und zeitgemäßem Ausdruck rang. Die in den anderen Künsten noch mögliche Zügellosigkeit fand in der Architektur ihr regelndes Gesetz durch den Nutzen als Endzweck und die wirtschaftliche Berechnung. Wie Wahrheit meist auf die Dauer die beste Politik ist, so ist tektonische Zweckmäßigkeit die beste Voraussetzung einer jeden Baukunst. Die gotische Form erweist sich als für immer überwunden, die gotische Seele ringt aber bereits für jeden Nichtblinden sichtbar um eine neue Verwirklichung. Und aus ihr eine neue Rhythmik aus Stein heraus. Diese nahm ihren Ausgang zwar in Amerika, das in seiner Kulturlosigkeit aber bisher versagte; in Deutschland beginnt man jedoch bereits, uns neuen Lösungen des modernen Bauproblems entgegenzuführen: des Hochhauses. Das Abschreckende der amerikanischen Emporkömmlingskunst mit ihren Wolkenkratzern im Renaissancestil oder mit gotischen Giebeln, mit Barockmustern oder ödester Ingenieurtechnik (die selbst in Amerika ihrem Ende entgegengeht) hat uns übersehen lassen, daß hier eine auch unserem Leben innewohnende Fragestellung eine Antwort heischte. Ein Steinkoloß nach dem anderen zwängte die alten Häuser Amerikas ein, die Kirchen, früher die höchsten Gebäude, liegen in grotesker Verkümmerung inmitten eines riesigen Steinhaufens. New York wurde gebaut ohne einen inneren Wertmesser und organischen Maßstab. Der gotische Baukünstler wußte sehr gut, daß er etwa Kirche und Rathausturm nicht nebeneinanderstellen durfte. Die Größe des einen Baues hätte die Größe des anderen vernichtet, der Höhe ihren notwendigen Maßstab geraubt. Die amerikanische Hast und Not war frei von diesen Überlegungen. Die dort gemachten Erfahrungen aber ergeben für Europa Forderungen unumgänglichster Art.

Überall beginnt sich beim Problem eines Baues mit breiterer Grundlage das Bestreben geltend zu machen, (Der sachlich-tektonische Griechenstil) aus der waagerechten Lagerung noch außerdem ein wuchtiges Massiv hinaufzuführen, welches mit den eigenen Nebenflügeln als Maßstab seiner Größe ein Bausystem für sich bildet. Deshalb fordert ein elementares Gesetz in uns, daß in der Umgebung dieses Hochbaues kein neuer errichtet werden darf. Das gleiche gilt erst recht für einen Bau, der auf geringer Grundfläche in die Höhe strebt. Nur auf diese Weise kann sich räumlicher Rhythmus und innere Kraft verwirklichen.

Es ergibt sich aIso das interessante Verhältnis, daß gotische äußere Formen zu gebrauchen eine innere Unmöglichkeit bedeutet, daß der gotische innere Wille und sein Baugesetz aber wieder neu erlebt werden muß*, soll eine echte Baukunst der Zukunft erstehen.

Umgekehrt liegt das Verhältnis gegenüber den griechischen Bauformen. sie sind, wie dargelegt, objektiv wirksamer Natur. Ein griechisches Kymation ist das ABC jeder freien Karniesendigung. Es kann schwungvoller im Umriß als beim Parthenon sein, die Grundform bleibt doch die aus zwei Viertelkreisen gebildete Linie. Ist eine waagerechte Last durch eine Steinsäule aufzunehmen, so gibt das dorische Kapital, der dorische Säulenschaft mit seiner Kannelierung, seiner sanften Anschwellung den Verlauf

*Auf einzelnes kann hier nicht eingegangen werden. Ich verweise auf die allgemein bekannten New-Yorker Wolkenkratzer, dann auf den fürchterlichen Entwurf der Tribüne Tower (Chicago)von den Architekten Howells und Hood und den viel echter gefühlten, wenn auch noch lange und nicht endgültig befriedigenden Entwurf des Finnen Saarinen. Ferner auf die Versuche von Russel und CroselI, aus der Baumasse selbst ihre Gliederung zu erzielen, auf die städtebaulichen Entwürfe von Hugh Ferris und Dudok; auf das sicher kolossal wirkende Gebäude der New-Yorker Telephon-Gesellschaft. In Deutschland sind beachtlich die Vorschläge von Wilhelm Kreis, die Entwürfe von Arthur Sokoph für ein Hochhaus des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes, Hamburg, das Chilehaus usw. (Etruskerbau und nordischer Rechteckbau) der Kraftlinie fast mechanisch getreu wieder. Auch die Form des Abakus wird nur wenigen Veränderungen zugänglich sein. Diese Formen des griechischen Stils sind ewig-sachlich und haben mit Recht Anspruch auf Verwendung erhoben; wenn man nämlich diese zartgefühlten Übergänge zwischen Last und Stütze überhaupt zum Ausdruck bringen will! Die Renaissance glaubte das tun zu müssen, der Klassizismus des 19. Jahrhunderts erst recht. Auch hier hat sich im Verlaufe der letzten Jahre eine innere Ab- und Umkehr vollzogen. Man verschmäht t heute diese Mittelglieder ebenso wie man die senkrechte Richtung der Gotik ablehnte. Die sich überschneidenden Linien stoßen klar und deutlich auf einander; auch hier herrscht keine gedämpfte Harmonie, sondern offener Richtungswechsel. Rauh und hart wie die Fäuste, die Stein auf Stein türmten. Das suchen des modernen „Gotikers“ strebt nicht durch die Wolken empor, sondern geht auf wuchtende Arbeit aus. Gleich Faust legt er Sümpfe trocken, und nachdem er scheinbar selbst rettungslos im Sumpfe von Klassizismus und Anarchie versunken schien, merken wir immer deutlicher, was er heute will: Veredelung, Durchgeistigung, Durchseelung der rauhesten Arbeit.

Und noch ein Letztes ist es, was uns die Berechtigung gibt, die Grundformen der altgriechischen Baukunst als immer wieder verwendbar anzusprechen, etwas was in vorgeschichtliche Zeiten zurückgeht und Sachlichkeit mit Naturwüchsigkeit und Rassisch-Persönlichem verbindet. Überall nämlich, wo die Kultur der Mittelmeerrassen herrschte, können wir als ihren Bautypus den Rundbau feststellen. Das ist der Grundtypus des etruskischen Hauses, der vornordischen Burgen auf Sardinien, das ist auch der Typus der Urburg von Tiryns. Im Norden aber entstand organisch durch Verwendung von Langholz der Rechteckbau. schon aus den Zeiten der Megalithkultur sind heute Bauten nachweisbar mit rechteckigem (Das basilikale Bauprinzip) Grundriß nebst Vorhalle und Pfosten: der Urtypus des späteren attischen Hauses, des griechischen Tempelbaues. Die Häusertypen von Haldorf, Neuruppin, in Brandenburg, Häuser der Steinzeit sind die Urbilder, welche von den nordischen Stämmen weitergetragen wurden ins Donautal, nach Mähren, nach Italien, nach Griechenland, vor allem aber die Megaronformen der Burgen in Baalshebbel. Aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. tritt uns dann dieses germanisch – griechische Haus entgegen, auf dem Schutt der alten runden Burg des vorindogermanischen Tiryns entstand der nordische Rechteckbau; nach diesem Grundsatz gebaut wurden die Königshäuser in Mykene, in Troja, überall dort, wo der nordische Mensch erobernd und zeugend auftrat. Der „blonde Menelaos“, von dem Homer berichtet, gehört zur Burg des Alkinoos, die Odysseus „mit Pfosten gebaut“ (Odyssee 7) erblickt, die archäischen Großkönige Atarisias (Atreus) und Genossen, die ihre Hand nach den Küsten Kleinasiens ausstreckten, das sind die Erbauer der trojanischen Paläste, die ihren Grundriß bis auf die spätesten Zeiten, bis auf Halikarnaß übertrugen. Die Ausbildung und der Grundgedanke griechischer Baukunst sind aIso eines Wesens mit germanischem Gefühl. Diesen Gedanken – unabhängig von der zeitlich gebundenen Form – sind nun auch der „romanische“ (in Wirklichkeit durchaus germanische) und gotische Dom treugeblieben. Das basilikale Prinzip, welches beiden Formen zugrundeliegt, bedeutet das Wesen nordischer Raumauffassung. In Italien, wo die nordische Flut, wenn sie auch das ganze Land überzog wie in Griechenland, so doch etruskische Zentren vielfach nur umspülte, diese somit nicht selten unangetastet blieben, da erleben wir den Gegenkampf gegen die rechteckige Gestaltung besonders deutlich. sie geht aus vom runden Etruskerhaus über den Hufeisenbau bis zu den Grundrissen der Römervillen von Pompeji. Dieser Rundbau geht zwar(Der Rundbau) scheinbar auch auf rein Technisches zurück, doch reicht diese Herkunft tief in uralt Mythisches hinein. Die ursprüngliche Frauenherrschaft der vornordischen Mittelmeervölker wurde durch den Sumpf bzw. die Sumpfpflanzen und Sumpftiere symbolisiert, die Zeichen eines verbreiteten allgemeinen Geschlechtsverkehrs. Als im Sumpfröhricht sitzend, wird Isis, die Mutter-Natur, abgebildet, Artemis und Aphrodite werden „in Schilf und Sumpf“ verehrt. Aus diesem gleichen symbolischen Schilf ist aber auch das ursprüngliche Etrusker-Haus entstanden, indem die Schilfhalme im Kreis in den Boden gesteckt und die Rohre oben zusammengefaßt wurden. Diese Form wurde dann in Stein nachgebildet. Der erste Kult des Muttertums, der Sumpfkult, hat aIso die gleiche Symbolik wie die Wohnhütte des mutterverehrenden „italienischen“ Urvolkes. Der Kampf zeigt sich vor allem aber später in den Auseinandersetzungen zwischen dem zentralen und basilikalen Prinzip des Kirchenbaues. Der große Kuppelbau des ursprünglichen St. Peter (der später basilikaI verändert wurde) zeigt diese Idee des alten Rundhausgedankens ebenso, wie St. Stefano Rotondo oder Maria della Salute. Zwar hat sich nordische Formkraft später auch dieses Prinzips oft bemächtigt, jedoch ist es uns immer innerlich fremd geblieben. Der Rundbau begrenzt allseitig den Blick, er ist richtungslos, er ist im Grunde zugleich auch frei nach allen Seiten; im tiefsten Sinn des dreidimensionalen Raumbegriffes kann ein Rundbau ein wirkliches Raumgefühl überhaupt nicht vermitteln und sei er von noch so starker Künstlerhand gestaltet.

Im Gegensatz zu den Mittelmeervölkern mit ihren tierisch-gemischten Götterbildern trug der nordische Grieche (an dem wir unser Wesen oft besser ablesen können als an den durch die Mönche fast ganz zerstörten germanischen Altertümern) ein freies, dämonenloses Götterbild im Herzen.

(Nordische Götterberge)

Wie Karl Schuchhardt* schön bemerkt, ließ sich die Gottheit dort nieder, wo der erste Sonnenstrahl einen Gipfel erleuchtete. Überall dort, wo es nach Osten freie Gipfel gab, versetzte der nordische Mensch seinen Gott: so auf den Athos, den Olymp, den Parnaß, den Helikon, im Norden auf die Wodans- und Donarberge. Dort, wo es keine Berge gab, traten die hohen Waldesgipfel an ihre Stelle: die Zeuseiche, die heiligen Eichen der Germanen, die von dem Bonifazius niedergeschlagen werden. Aber – so fügen wir hinzu – an die Stelle dieser ermordeten Eichen traten die „romanischen“ Glocken-, die gotischen Kirchtürme. sie fingen nun in schwindelnder Höhe die ersten strahlen der göttlichen sonne auf; der Türmer wird zu ihrem Diener und Deuter, und wenn die Kreuzblumen rot erglühen, dann weckt d i e s e s Leuchten jene gleichen Gefühle der Erhabenheit, wie damals, als das Volk Homers zum Olymp hinaufschaute oder Altgermanien sich bei Sonnenaufgang im hohen Eichenhain versammelte.

So sind Gotik und Hellas wieder innerlich enge zusammengerückt in unserem seelischen und künstlerischen Erleben. Wir denken nicht daran, sich ergebende neue Möglichkeiten ungenutzt liegen zu lassen, oder uns für ewig an zeitgebundene Formen und Technik zu binden, bejahen im Gegenteil den Fluß des Lebens, die Mannigfaltigkeit der Seelenzustände und Zeiten. Darüber hinweg aber noch empfinden wir beseligend die uns geheimnisvoll verbindenden Gewässer des Lebens, und in diesem Falle besonders das eine: das Raumgefühl, das die gleichen, für uns urewigen Darstellungsformen zur Voraussetzung seiner Verwirklichung besitzt.

Die Wendung von stoffanbetender Technik zu einem echten Stilgefühl ist heute vollzogen. Die noch ungebrochene* „Vorgeschichte von Deutschland“, München 1928. (Ehrlichwerden der Baukunst) abendländische Persönlichkeit wird nicht in ewiger Sehnsucht der Erde zu entstreben versuchen, sondern wird die Erde achten, gestalten und sie „eingeisten“. sie wird im Endlichen ein Gleichnis für Unendliches sehen, sie wird Kraft mit Seele durchdringen. Die Baukunst ist (trotz der Dessauer Bauschule) heute die erste Kunst, die auf dem Wege ist, zunächst einmal wieder ehrlich zu werden. Ihrer harrt die große Aufgabe, die Technik durch Technik und Neuschöpfung zu überwinden. Wer Augen hat, um zu sehen, der erblickt das sich bewußtwerdende suchen, dem neuen Formwillen unseres Lebens eine innerlich wahrhaftige Gestalt zu schaffen, am Werke in den Kornsilos Kaliforniens, auf einem Dampfer des Norddeutschen Lloyds, auf den Brücken der Tauernbahn… Es wird die Zeit kommen, da aus diesem neuen Wahrheitssuchen auch Theater, Rathäuser und Sakralbauten entstehen werden; mitleidig und mit Scham blickt ein moderner Architekt heute die Berliner Friedrichstraße hinunter, auf das Münchener Rathaus, auf die fürchterliche neue Kathedrale in Barcelona und tausend andere Zeugnisse einer innerlich unwahrhaftigen Kunst und eines weltanschaulichen Chaos.

Persönlichkeits- und Sachlichkeitsstil sind unterschieden worden. Ich gestehe, daß es mißlich ist, heute über „Persönlichkeit“ zu sprechen, wo jeder Unreife diesen Begriff unbekümmert auf sich anwendet und jeder Führende heute für die Zukunft des Volkes und Staates doch in erster Linie einen Typus und eine Typenzucht fordert. Trotzdem ist klar, daß auch die kommende Form unseres Daseins auf allen Gebieten ihren Ausgang, wie immer so auch jetzt, von den großen Einzelmenschen nehmen wird. Die Furcht, für geschmacklos und für einen Feuilletonisten gehalten zu werden, hat viele ernste Menschen veranlaßt, das Wort Persönlichkeit nicht mehr in den Mund zu (Aufkommender Universalismus) nehmen, trotzdem muß es getan werden. Bei Vermeiden des Begriffes und des Wortes Persönlichkeit besteht die Gefahr einer Verflüchtigung der Gedankengänge und der Sprache ins WesenIose und Unfaßbare; in das „Unendlichkeitsgefühl“ ohne Grenzen z. B., wie es heute modern gerworden ist, sich auszudrücken.

In dem Ich liegen Individualismus und Universalismus beschlossen. Die individualistische Epoche, wie sie heute in gefährlichen Krämpfen vergeht, hat die universalistische Lehre wieder erstarken lauen. Diese bereits gestreiften, naturfremden Gedanken zeugen notwendigerweise lebenswidrige Formen, gegen die der Individualismus sich dann erneut aufbäumt, und die er sich, wenn nötig, gewaltsam unterjocht. Der rücksichtslose Individualismus und der unbeschränkte Universalismus bedingen sich gegenseitig. Erst durch den Begriff des Volks- und Rassentums als Ausdruck – oder, wenn man will, als Parallelerscheinung – eines bestimmten Seelentums erhält sowohl der eine wie der andere Grundsatz eine Begrenzung auch organisch -physischer Natur. Ein klare Seelentum und ein Bewußtsein eines stets tätigen geistigwillenhaften Wesens bedeutet aber gerade Persönlichkeit. Dies ist und bleibt das tiefste Erlebnis des Abendlandes und keine falsche Scham darf die Behandlung dieser Frage – ohne die letzten Endes nichts auf seinen Grund zurückgeführt ist – verhindern.

Wie man Staat und Wirtschaft heute nach dem zusammenbrechenden Wirtschaftsindividualismus von universalistischen Gedanken aus aufzubauen bemüht ist (wogegen der nationalistisch-sozialistische als organische und fruchttragende Zukunftsschau allerdings bereits mitgeboren erscheint), so bedeutet die Erklärung der abendländischen Seele und Kunst als das ewige Bemühen, dem Einsamkeit- und Unendlichkeitsgefühl Ausdruck zu verleihen, ein gleichlaufendes streben von Volk und Persönlichkeit (Einsamkeitsgefühl von Tristan und Sachs) hinweg ins Gestalt- und Uferlose. Der Unendlichkeitssinn wird gefunden in der Gotik, in der sich verflüchtigenden Musik, in den endIosen Gartenperspektiven Lenotres, im Helldunkel Rembrandts, in der Infinitesimalrechnung. Sicher ist auch das Einsamkeit- und Unendlichkeitsgefühl ein Kennzeichen abendländischen Wesens. Man sehe sich im Theater den Hinweis darauf im Tristan des III. Aktes an – dann schließe man die Augen und versetze sich in der Phantasie in die Lage des Einsamen. Hoch oben auf einer Felsenklippe, über sich eine blaue Unendlichkeit voller Qual, der Zeitlosigkeit nahe. Tristans Seele sehnt sich nach etwas unendlich Fernem, einer Idee, die hier auf Erden für ihn Isolde heißt. Inmitten dieser Verlassenheit ertönt von irgendwo ein Ton, einige Töne einer Hirtenflöte in einem eigenwillig weltabgeschiedenen Rhythmus, gerade das ausdrückend, was in keine aus der Vernunft geborenen Worte zu kleiden ist.

Wagner arbeitete am Tristan in Venedig, allein, bewußt abgeschlossen, getrennt von Mathilde, Selbstmordgedanken im Herzen.

Ein anderes Bild. Inmitten größter Spießbürgerlichkeit lebt Hans Sachs. Zu Anfang des III. Aktes wächst auch er hinaus in die Einsamkeit. Nicht allein ist er da. Rings um ihn Taufende von Menschen in höchster Festfreude, eine malerische Stadt, glückliche Liebespaare, darunter sein der eigenen Person abgekämpfter Schützling. All das jubelt „unserem großen Sachs“ zu. Heilrufe zu seinen Ehren erklingen. Und inmitten dieses Getriebes steht er lächelnd, reich und doch einsam, verlassen und spricht Worte über das Ewige der Kunst; vielen unverständlich, Worte von „deutschen Meistern“. Wieder das Unendlichkeitsgefühl und doch ganz anders zum Ausdruck gebracht als im Tristan. Bei Tristan schuf Wagner in (Die unvergängliche Persönlichkeit) Übereinstimmung des Äußern und Innern, bei Hans Sachs Kontrast.

Was ist es nun aber, was dieses Gefühl der Unendlichkeit, Verlassenheit und Einsamkeit hervorruft, ein Gefühl, welches wir in keiner der uns bekannten Rassen- und Kulturseelen derart ausgeprägt anzutreffen vermögen? Auf die mannigfaltigen Unterschiede der Völkerseelen hat man genügend hingewiesen, auch auf das ewige Streben der Faustnaturen und auf ihr Unendlichkeitsgefühl, doch Zum echten Bewußtsein erhoben worden ist es noch nicht. Auch der Inder hatte ein Ewigkeitsgefühl, dies ist altarisches Eigentum. Aber der Inder verschwamm im All, seine Sehnsucht ging nach restloser Auflösung, seine Unendlichkeit war die Erkenntnis der Gleichheit aller Erscheinungen, von Ich und Weltseele Einsamkeit in unserem Sinne kann er nicht gefühlt haben: er erblickte ja überall sich selbst!

Der faustische Mensch dringt nicht nur ins Unendliche und ins Tiefste, sondern er ist wirklich einsam . Das ist aber nur möglich, weil er innerlich ein nur ihm allein Eigenartig-Unsterbliches erlebt, weil er auch nicht nur als Person sich von einer Umgebung abhebt, sondern weil er Persönlichkeit ist, d. h. eine unsterbliche, nur einmal erscheinende Seele, eine ewigtätige, beherrschende, suchende, Zeit- und raumlose, von aller Erdgebundenheit gelöste Kraft von Einzigartigkeit fühlt. – Das ist das Geheimnis der germanisch-nordischen Seele, das Urphänomen, wie Goethe es nennen würde, hinter dem wir nichts mehr suchen, erkennen, erklären können und dürfen, das wir nur verehren sollen, um es auch in uns wirken zu lassen.

Die Idee der unvergänglichen Persönlichkeit ist die stärkste Kampfansage an diese Welt der Erscheinungen. Der Inder, nachdem er zwischen Welt und Seele geschieden hatte, verwarf jene als Lug und Schein, schrieb nur dieser echte Wirklichkeit zu. Die Seele, der Atman, das (Indiens philosophischer Monismus) Selbst war nach ihm das Einzig-Eine. Der Atman war voll und ganz im Wassertropfen, im Tier, im Menschen enthalten, er war unterschiedslos in allen Geschöpfen dieser Welt als etwas „alterloses, junges“, als „vorzeitig Wunder“. Aus diesem ins Unendliche verschwimmenden Allgefühl heraus wurden die Unterschiede auch der Menschenrassen und -geister übersehen, alle erdgebundenen Verschiedenheiten als Täuschungen betrachtet, mit größter seelischer Macht als nicht vorhanden erklärt. „Alles bist auch Du“, das ist indische Seelenlehre; es war die auf noch nie dagewesene philosophische Zusammenziehung (Intension) folgende grenzenlose Ausweitung (Expansion).

Die philosophierende Vernunft dringt jederzeit darauf, das Mannigfache dieser Welt zur Einheit zu binden, aus Wahrnehmungen Erfahrungen, aus Vielerlei Einheit Zu formen. Indien war überwiegend philosophisch gerichtet, d. h. es verlegte die Erlösung nicht in eine religiöse, willenhafte Umwandlung, sondern in einen Erkenntnisakt. Wer den Schein dieser Welt durchschaute, war erlöst. Dieser philosophischen Grundstimmung entspricht es ebenfalls, daß eine Vielheit der Seelen, ein Gedanke, wie er in späterer Zeit im Samkhyam-System auftaucht, auf ihn wie eine Verlästerung des philosophischen Sinnes wirkt. Als eine solche wird sie auch jedem nur der Erkenntnis hingeneigten Philosophen erscheinen; die Vernunftphilosophie als solche wird stets auf einen indischen oder stoffanbetenden Monismus hinzielen.

Dieser Anschauung tritt die Religionsseele des Abendlandes entgegen, diesmal in Übereinstimmung mit der Lehre Jesu: die Behauptung der ewigen Persönlichkeit einer ganzen Welt gegenüber. sie kommt in ihrer einzelnen Verkörperung (Manifestation) aus einem Unbekannten, das nur in manchen stunden innerster Erhebung wie der Schatten einer Erinnerung in uns auftaucht; sie hat hier auf Erden eine unbekannte Aufgabe zu vollbringen, sich (Persönlichkeitswürde des Abendlandes) zu entladen und zu ihrem ureigenen Wesen wieder zurückzukehren. Jede Persönlichkeit ist eine Einheit ohne Ende; das ist der religiöse Wille im Gegensatz zum philosophischen Monismus. Die Monade steht allein im Weltall, sie kehrt heim zu dem, was sie in der Sprache der Religion „den Vater“ nennt. Was philosophisch Widerstand erweckt, ist religiöses Erlebnis.

Deshalb bedeutet Jesus trotz aller christlichen Kirchen einen Angelpunkt unserer Geschichte. Deshalb wurde er der Gott der Europäer, wenn auch bis auf heute in nicht selten abstoßender Verzerrung. Könnte dies geballt vorhandene Gefühl der Persönlichkeit, das gotische Dome baute, das ein Bildnis Rembrandts schuf, deutlicher in das Bewußtsein der Allgemeinheit dringen, es hübe eine neue Welle unserer gesamten Gesittung an. Die Voraussetzung dazu ist aber die Überwindung der bisherigen Werksetzungen der „christlichen“ Kirchen.

Die Persönlichkeitswürde hat mit Person nichts zu schaffen, sonst müßten die weltgierigsten Menschen den Glauben an persönliche Unsterblichkeit am stärksten verkörpern. Aber diese verlangen nur die Verlängerung ihrer Tierheit ins Unendliche. Man überschätzt z. B. die Größe Ägyptens. Die Pyramiden und die Mumifizierung sind nicht der Ausdruck eines überweltlichen Ewigkeitsgefühls, sondern einer krassen Daseinsbehauptung. Deshalb ist Ägypten so unbegreiflich starr gewesen, weil alles in den Dienst dieser Welt gestellt bzw. gezwungen wurde, ein Beamten- und Schreiberstaat. Auch das hat feine Größe, nur eine ganz andere, als wie persönlich veranlagte Romantiker ihr unterzulegen bemüht sind.

Genau betrachtet, liegt in der altindischen Lehre doch schon der Begriff der persönlichen Unsterblichkeit mit eingeschlossen – trotz aller Verwahrungen dagegen. Denn wenn ich als Pflanze, Tier oder Mensch doch immer ein Ich bin, das wiedergeboren wird, so wird aIso ein (Das unlösbare Unsterblichkeitsproblern) Unveränderliches angenommen, an dem sich etwas verändert. Der Begriff des Karma, der mit vielen Geheimnissen der buddhistischen Philosophie umgeben ist, klärt hier nicht auf. Das bekannte Gleichnis von Werk und Wagen ist kraß stofflich und beruht auf falschen Ähnlichkeitsschlüssen. Des „Herzens Herz“ ist es (Novalis), das nach unserem Glauben wiedergeboren wird. Die Lehre von der Seelenwanderung ist deshalb, als Gleichnis verstanden, die glaubwürdigste Antwort auf eine Frage, die man überhaupt nicht stellen dürfte in der Absicht, eine positive Antwort darauf zu erhalten. Erkenne ich, daß ich hier an Anschauungsformen gebunden bin, ohne die mir einfach nichts wirklich vorstellbar ist (Zeit, Raum, Kausalität), so würde ich auch die wahrste Antwort nicht begreifen können, denn sie setzt ganz andere Anschauungsformen – oder überhaupt keine – voraus. Wenn ich über persönliche Unsterblichkeit spreche, und vor die Schlußfolgerung gestellt werde, im „Jenseits“ eine immer größer werdende Masse von Persönlichkeiten anzunehmen, daß alle unsterblichen Persönlichkeiten sich aIso vermehren könnten (ein haarsträubender Gedanke), oder daß eine ganz bestimmte Zahl unsterblicher Persönlichkeiten bestehen, die in ewiger Wiederkunft sich verwirklichen, so ist darauf zu antworten, daß hier Gebiete und Vorstellungen vermischt werden, die unter anderen Voraussetzungen in uns entstehen.

Von den Gesetzen des „jenseitigen“ Gebietes wissen wir nichts! Gesetze, die hier Geltung haben (auch die Vorstellung „hier“ und „dort“ ist zu verwerfen, zeigt aber, daß wir nicht umhin können, sie zu verwenden), sind in dem „anderen“ Zustand nicht anwendbar.

In der Idee der Persönlichkeit verdichtet sich gleichsam das metaphysische Problem in einem punkte. Jeder Mensch fühlt eine Menge plastischer Möglichkeiten in sich, weiß, daß manche Anlage verkümmert, daß sich andere Fähigkeiten entfaltet haben oder entfalten können Und (Unfreiheit bedingt Freiheit) doch erkennt er in jeder neuen Tat sich selbst wieder. Er weiß, daß die Baulinien seines Wesens die gleichen bleiben, er sieht sich scheinbar einem unbedingten Gesetz gegenüber. Diese Unentrinnbarkeit vor sich selbst und doch wiederum die Gewißheit, ein Selbst zu sein, ist die Ursache, warum die Anerkennung der Freiheit des Willens und die Anerkennung des unbeugsamen Gesetzes in einem Menschen beisammen häufen Jesus meinte, eine Distel könne keine Feigen tragen, also auch kein böser Mensch gute Werke tun. Trotzdem forderte er innere Umkehr. Luther schrieb ein Buch über die Unfreiheit des Willens und eins von der Freiheit des Christenmenschen; Goethe sprach seine „Urworte“, Kant entwickelte die Tatsache der Antinomien; Schopenhauer leugnet den freien Willen, er führt aber die moralische Weltordnung wieder ein.

Für alle Europäer ist im Persönlichkeitsbegriff das letzte Geheimnis eingeschlossen, zugleich aber ist der Widerstreit zwischen Freiheit und Unfreiheit für uns ein nur bedingter. sehen wir von den rein mechanischen Einwirkungen von außen ab, die auf uns als Naturgeschöpfe einwirken (diese Einwirkung wird ganz fälschlicherweise mit in die Behandlung des Problems der Persönlichkeit hineingeschmuggelt), so liegt der Grund des Widerstreites darin, daß wir uns selbst in verschiedenen Lagen von verschiedenen Gesichtspunkten beurteilen. Fühlen wir die „Unfreiheit“ unseres Wesens, den unbedingten Drang, so und nicht anders handeln zu können, so zerspalten wir unbewußt unser Ich in zwei Teile und fühlen den einen auf uns lasten, anstatt uns zu sagen, daß wir uns, als Persönlichkeit, selbst so wollen, daß dieses Auswirken ein sich durch die Zeit äußerlich-erfahrungsmäßig entwickelndes Innere ist. Das Gesetz hat jeder sich selbst geschaffen. Daß er dieses Gesetz schuf, ist die Freiheit seiner Persönlichkeit. Diese Erkenntnis trifft genau mit der Lehre des Meisters Eckehart überein.

(Zielstrebigkeit Wesen des Lebens)

Es ist aIso nicht so, wie Schopenhauer lehrt, daß der empirische und der intelligible Charakter zwei Phänomene von gleichsam zwei Planeten sind, die außerhalb der Einzelpersönlichkeit, als allgemein empirische und sittliche Weltordnung bestehen und durch zufälliges Zusammentreffen einen Menschen ausmachen, wie auch die indische Karma-Lehre behauptet. Ob der deutsche Volksmund kündet, daß jeder seines Glückes Schmied sei, ob Goethe von der Schöpferkraft eines Genies spricht, oder Eckehart fordert, man müsse „eins mit sich selbst“ werden, sagt im Wesentlichen dasselbe. Es ist die besondere germanische Einstellung Zum uralten Menschheitsproblem.

Die Idee der unsterblichen Persönlichkeit ist eine Seelendichtung, aber sie ist ein religiöser Hochflug, der mit der strengsten Erkenntniskritik nicht in Widerspruch gerät, ja dem man – mit Vorsicht allerdings – selbst von der stofflichen Seite des Lebens nahen kann. Dem Anorganischen gegenüber ist die Frage nach dem Warum, nach dem Zweck, sinnlos. Das Leben aber kann anders überhaupt nicht erfaßt werden; überall ist eine Verwirklichung von etwas, immer sind Verwandlungen durch ein Ziel bedingt. Leben ist also Zielstrebigkeit, d. h. unbewußte Zwecktätigkeit. Jedes Wesen erhält Instinkte, Strebungen mit auf seinen Weg, die dieser Zielstrebigkeit, aIso der Erreichung eines Zieles dienen. Ist es nun ein ganz absurder Gedanke, wenn wir hier eine Ähnlichkeit auch für den Menschen, enger gesprochen, für den nordischen Menschen in Anspruch nehmen und sagen: die Tatsache, daß der Glaube an eine Unsterblichkeit immer wieder hervorbricht und uns innerlich leitet, zeigt, daß er eine uns beigegebene Kraft ist, die unsere Unsterblichkeit bereits darstellt? Ein großer Naturforscher und großer Denker zugleich, Karl Ernst von Baer, erklärt auf die Frage nach dem Wesen des Lebens: „Da die Selbstbildung nicht gleichmäßig in der Erreichung einer bestimmten (Die Lehre von der Vorherbestimmung) Form besteht, sondern die Organe für den künftigen Gebrauch vorbereitet und die Stoffe immerfort für die Selbstbildung umgeändert werden, so scheint mir der allgemeinste Charakter des Lebensprozesses die Zielstrebigkeit zu sein.“* „Wir werden erkennen, daß das Wesen des Lebens nur der Lebens-Prozeß selbst oder der Verlauf des Lebens sein kann. Wir werden dann nicht nach dem räumlichen sitze des Lebens suchen, da der Lebens-Prozeß nur in der Anschauung der Zeit verlaufen kann.“ „Zu erfassen, wie in Zielstrebigem Notwendigkeiten und notwendig verfolgten Zielen das Naturleben besteht, scheint mir die wahre Aufgabe der Naturforschung.“** Hier erwächst uns nun eine Charakterprobe: sind wir imstande, rassisch-blutvolles Leben und seine Gesetze als Gleichnis eines Ewigen zu deuten oder nicht? Können wir unseren Unsterblichkeitswillen als ein zielstrebiges Mittel erleben? Erfühlen, daß, wie das Leben hier den Raum bereits ausschaltet, auch schon über der gewöhnlichen Ursächlichkeit liegt, es nach Abstreifen auch der Zeit noch andauert?

Ein das Verhältnis noch deutlicher klärendes paralleles Beispiel zeigt die Lehre von der Vorherbestimmung (Prädestination). sie besagt in der abendländischen Gedankenwelt nichts weiter, als daß der „Gott im Busen“, der nicht der Gegensatz des Ich, sondern das selbst ist, das Ziel durch die Wesensart bestimmt. In der jüdisch-syrisch-römischen Gedankenwelt aber, welche Persönlichkeit und Gott auseinanderreißt und feindlich gegenüberstellt, wurde die Idee der „Vorherbestimmung“ zu einer wahnwitzigen Anschauung, die den Menschen zum geborenen Sklaven herabdemütigte.

Das eine „Geschöpf“ aus dem Nichts war für immer * „Über Zielstrebigkeit in den organischen Körpern.“ ** „Über Zweckmäßigkeit und Zielstrebigkeit überhaupt“, 1866. (Einheit von Persönlichkeit und Gott) erwählt vom willkürlichen Schöpfergeist, das andere auf ewig verdammt. Das Warum blieb Geheimnis des lehrenden Zauberers. Hier erleben wir erneut das Unheil, wenn ganz bestimmt geartete Ideengefüge von einer fremden Deckungsart „assimiliert“ werden; geistige und seelische Bastardierung ist dann die unausbleibliche Folge. Die angeborene Hochachtung der germanischen Persönlichkeit vor anderer Art hat die plastischen Möglichkeiten unseres Wesens nach einer Richtung hin beschäftigt, die vieles verkümmern ließ, was arteigen hätte erblühen können. Gott sei Dank hat die ungeheuerliche Prädestinationslehre des Augustinus keinen wirklichen dauernden Einfluß ausgeübt, ein Zeichen unbewußter Abkehr, die das Letzte auch dem „Ewigen Rom“ nicht preisgab.

Nur im streng jüdisch-kirchlichen „Christentum“ lebt noch die vollkommene Trennung Persönlichkeit-Gott weiter, obgleich die Gestalt Jesu gerade diese Einheit in einem Maße fordert, wie sie in der Geschichte selten zu dieser bezaubernden Größe herangewachsen ist: die absolute Persönlichkeit, die ist, d. h, frei ihrem eigenen Gesetz nach lebt, als Herr über die Person Es bedeutet dies jedoch den denkbar stärksten Gegensatz zum sog. „Ausleben der Persönlichkeit“, wie unsere Modesprache sagt. Denn das erste ist Beherrschung, das andere Ohnmacht. Fügt man hinzu, daß diese Freiheit durch Rasse und Volk organisch umgrenzt ist, so haben wir vor uns die ewige Voraussetzung einer jeden arteigenen Kulturepoche des Abendlandes.

Die Idee der eigengesetzlichen Persönlichkeit und die Lehre von der Vorherbestimmung sind nun eng verknüpft mit dem Schicksalsbegriff.

Hier stehen sich zunächst zwei unvereinbare Weltanschauungstypen gegenüber: die altindische und die vorderasiatische. Der Inder als Seelenaristokrat schreibt sein ErdenschicksaI nur sich selber zu. Fragt man einen (Germanischer Schicksalsbegriff) Blindgeborenen, warum er wohl glaube, diese strafe erleiden zu müssen, so wird er antworten: weil er in einem früheren Leben Übles getan habe. Folglich müsse er jetzt seinen Taten gemäß ein Unheil dulden. Dieser durchaus folgerichtige Gedanke schaltet das Äußere vollkommen aus, verneint ganz selbstherrlich gerade das, was wir im kirchlichen Wirkungskreis Aufgewachsene als „unerbittliches Schicksal“ zu kennzeichnen pflegen. Dieses Betonen des Äußeren ist die unselige Erbschaft, die wir der bisherigen Form des Christentums zu verdanken haben, welches die vorderasiatische Gedankenwelt mit sich nach Europa brachte. Während noch die homerische Zeit voller Vertrauen auf sich und das

All ihr Leben lebte, wurde durch spätere schwere äußere Erschütterungen auch das innere griechische Leben ins Wanken gebracht. In der Tragödie erscheinen deshalb Persönlichkeit und Schicksal in durchaus dualistischer Weise. Unschuldig-schuldig erliegen die Menschen hereinbrechenden äußeren Gewalten (Oedipus). Aus dieser Verzweiflung ergab sich für die zerspaltene Seele dann der weitere Schritt: die Unterwerfung unter einen diese Seele beherrschenden Zauberer, welcher die Persönlichkeit ganz aufsaugte, sich selbst als das Schicksal, für den „Stellvertreter Gottes“ ausgab und den Menschen in ewiger unterwürfiger Demut zu erhalten bestrebt war.

Wiederum erscheint diesen beiden Typen gegenüber das Germanentum in doppelter Gegensätzlichkeit. Es maßt sich nicht an, das körperliche Weltall und feine Gesetze als nicht vorhanden zu erklären, es weiß aber auch nichts von semitischem Fatalismus oder syrisch „schicksalhaftem“ Zauberwahn. Sondern es verknüpft Ich und Schicksal als zugleich bestehende Tatsachen, ohne nach der Ursächlichkeit beider Teile zu fragen.

Das Verhältnis der Germanen zum Schicksalsbegriff ist ganz das gleiche, wie die spätere Darstellung Luthers vom Zusammenbestehen von Naturgesetzen und (Auf den katalaunischen Feldern) persönlicher Freiheit. Seine seelische Haltung dem Weltall gegenüber trifft genau zusammen mit den erkenntniskritischen Untersuchungen Immanuel Kants über ein Reich, in dem Freiheit ist, und ein Reich der Naturnotwendigkeit*.

Nirgends vielleicht zeigt sich diese wesenhafte Übereinstimmung alles Nordisch-Deutschen klarer als in der Gegenüberstellung urältester germanischer Sagen und Lieder mit jener höchsten Erhebung Kantischen Denkens, aber auch mit dem Hymnus Hölderlins, daß nie des Herzens Woge so schön emporschäumen könne, wenn nicht als stummer Fels ihr das Schicksal entgegenstände. Auf den katalaunischen Feldern treffen Germanen auf Germanen, beide Teile im Glauben, für ihre Freiheit und Ehre kämpfen zu müssen Und der germanische Sänger schließt seinen Schicksalsgesang:

Fluch traf uns, Bruder, töten sollt ich dich.
Das bleibt ewig unvergessen, hart ist der Spruch der Nornen.

Hier erscheinen die leidenschaftslos wirkenden Nornen als das Gleichnis einer unerforschlichen und doch erfühlten

* Es darf hier eingefügt werden, daß das Vertrauen des schlichtgläubigen Menschen auf „Gott, den Vater“ wesensgleich ist mit dem hier gezeichneten Schicksalsbegriff. Die Idee des „Vaters“ ist die notwendige Verpersönlichung, die der religiöse Mensch im Unterschied zum philosophischen vornimmt, wobei die Werte des Charakters genau die gleichen sind. Darum könnte sich ein germanischer Denker mit einem nordischen Bauern, der aufrecht und pflichtbewußt seine Lebenspflicht erfüllt, leicht verständigen, wenn die syrisch vergifteten Kirchen das gerade Vertrauen nicht durch Sündenlehren, Gnadenversprechungen, Fegefeuer, ewige Verdammnis vergifteten und verwirrten. Es ist schon so, wer Vertrauen in seine Art hat, hat auch Vertrauen zu „Gott“. Eins bedingt das andere. Deshalb brauchen die heutigen Kirchen und ihre Vertreter Zweifelnde zerspaltene, verzweifelnde Menschen, um herrschen zu können. (Das Hildebrandlied) kosmisch-gesetzlichen Notwendigkeit. Die ringenden Germanen nehmen nun im Dienst für die von ihnen freiwillig anerkannten inneren Werte dieses Schicksal bewußt auf sich und führen es ohne zu jammern als freie Männer aus. Die Nordlandssöhne Hamdir und Sörli reiten, von ihrer Mutter aufgestachelt, gen Süden allein an den Hof des Gotenkönigs Ermanerich, um den Tod ihrer Schwester zu rächen. sie wissen, daß auch sie dem Tode entgegenreiten, aber sie beugen sich bewußt und frei dem Dienst für die Sippenehre, kämpfen bis zum letzten Blutstropfen und Sörlis letzte Worte:

Gut haben wir gekämpft, wir stehen auf den Leichen der Goten,
und waffengefällten, wie Adler auf den Zweigen.
Gute Ehre ist unser, wenn heute das Ende kommt:
die Nacht erlebt niemand, wenn die Norne gesprochen.

sind von einer heroisch unsentimentalen Selbstverständlichkeit, die ihresgleichen an großzügiger Heldengesinnung nur in den anderen germanischen Liedern findet. Vor allem im H i l d e b r a n d l i e d e. Vater und Sohn stehen sich gegenüber, der erste als heimkehrender Krieger, der Zweite als Schützer seiner Erde. Der Vater erkennt den Sohn, dieser erblickt jedoch in dessen bewillkommenden Worten nur eine Kriegstücke und reizt mit Spottreden den alten Helden. Dieser hält aus, bis sein Sohn ihm ehrlose Gesinnung vorwirft. Da ruft Hildebrand:

„Wehe nun, waltender Gott, WehschicksaI wird!“
„Der müßte der feigste doch sein, der von Osten Kommenden,
der dir den Kampf nun verwehrte, da dich’s so sehr danach lüstet.“

In der Erfüllung der selbst erzeugten Gesetze der Ehre erblickt der alte Hildebrand zugleich das waltende Schicksal, eine Auffassung, die an die tiefste germanische Mystik reicht, welche die „unerschaffene Seele“ als Gott, eigenes Schicksal empfindet. Aber zugleich lehrt die heroische Lösung des Seelenkonflikt zwischen Liebe und Ehre) Hildebrandliedes das, was Kant auf höchster Höhe philosophischer Besonnenheit das Reich der Freiheit und das Reich der Natur nannte, die überall geschieden seien, denen der Mensch aber zugleich angehöre. An dieser Stelle entsteht dann das, was Kant die Erhabenheit der menschlichen Natur nannte: das Bewußtsein des Persönlichkeitswertes gegenüber einer äußeren furchtbaren Macht. Und L. Wolff weist ganz richtig darauf hin*, daß der von Hildebrand angerufene Gott nicht der Gott des Christentums ist, welcher über allen Gläubigen angeblich seine mildschützende Hand hält. Durch diesen christlichen Gott ist die Schicksalsauffassung einerseits individualistisch-ichsüchtig geworden, andererseits mußte sie stets, folgerichtig durchdacht, wie ausgeführt, zur Prädestinationslehre führen. Das alte Hildebrandlied ist – als Motiv – später bei allen Völkern aufgetaucht und zwar in Verfälschungen, die das Wesentliche des ganzen Dramas unterschlagen: in diesen Liedern erfährt der Vater erst nach geschehener Tat, daß er seinen Sohn erschlagen hat, oder aber er erkennt ihn und reitet nach kurzem Turnier friedlich heim zu seiner Frau Ute. Hier sind christliche, den Gedanken der Ehre ausschaltende Einflüsse bereits mit Händen greifbar.

Und noch eines zeigten diese germanischen Gesänge (gleich der alten Fassung des Walthariliedes, der Erzählung von Albwin und Thurisind und alle anderen), daß die Ehre keine Konflikte hervorruft, sondern daß sie im Kampf auf Erden die Konflikte löst. Problematisch wurde das germanische Leben erst dann, als die neuen Werte gleichberechtigt wurden mit den höchsten germanischen Werten von Ehre, Freiheit, Stolz und Mut. Dieser das Herz Europas zerreißende Konflikt ist bis auf heute die tiefste Ursache unseres Mangels* „Die Helden der Völkerwanderungszeit“, Jena 1928, s. 146. (Tristan – ein Drama der Ehre) an Seelenstil, Volkskultur, Nationalstaat. Die Liebe und das Christentum haben nicht der „germanischen Selbstzerfleischung“ Einhalt getan, sondern den Kampf aller gegen alle erst recht entbrennen lassen. Denn schon in der Zeit der Völkerwanderung empfanden die auseinandergerissenen germanischen Stämme mit Trauer ihre Gegnerschaft: „Fluch traf uns, Bruder, töten sollt ich dich“, singt bereits der altgotische Sänger… Theodorichs Reich schien dann nochmals eine germanische Einheit zu verbürgen, wenn die verrömerten Franken nicht alles wieder zerschlagen hätten. So geht der tragische Konflikt weiter, die Möglichkeit, die Idee der persönlichen Ehre, der Sippenehre, der Stammesehre zu steigern zum allgemein germanischen Ehrbewußtsein wurde – dank dem römischen Christentum – verpaßt. Auch dann, als aus dem Krieger der Völkerwanderungszeit der seßhafte Ritter geworden war.

Schicksal und Persönlichkeit stehen also nach germanischer Auffassung in steter Wechselwirkung und jedes wahrhaft nordische Drama wird in irgendeiner Form äußeres Geschehen und innere Charakterwerte miteinander verbinden, nie unverknüpft nebeneinander laufen lassen Etwas, was vom Nibelungenliede ebenso gilt wie vom Faust und vom Tristan. Eine süßliche Aesthetik hat auch dieses große Drama mißverstanden und es lediglich vom Standpunkt der verzückten Isolde betrachtet. Dabei ist dieses vielleicht größte Werk Wagners kein Drama der Liebe, sondern ein Drama der Ehre. Weil Tristan seine unüberwindliche Liebe zur Braut seines Königs und Freundes als ehrlos empfindet, deshalb hält er sich fern von ihr, deshalb will er dann den Todestrank trinken, als er die Unmöglichkeit erkennt, seiner Liebe Herr zu werden. Wie nun der „Treueste der Treuen“ diesen Ehrbegriff, der sein ganzes Leben ausmacht, von sich wirft und sich seiner Leidenschaft ergibt, das ist das unerklärlich-ungelöste Rätsel, welches („Ökonomisches Schicksal“) durch den Minnetrank symbolisiert wird. Der innere Höhepunkt des Dramas ist der Augenblick, da Marke und Tristan sich gegenüberstehen (nicht der Liebestod, der einen Ausklang bedeutet). Und während der König den „Treuesten der Treuen“ sinnend fragt:

Wohin nun Ehr’
und echte Art,
da aller Ehren Hort,
da Tristan sie verlor?
Den unerforschlich
furchtbar tief
geheimnisvollen Grund,
wer macht der Welt ihn kund?

dringen aus dem Orchester jene gramvoll ins Metaphysische tastenden Klänge, als fragten sie nach der tiefsten Frage des germanischen Wesens: wie der „aller Ehren Höchster“ „ehrlos“ werden konnte. Etwas, was unmöglich ist und doch scheinbar als unwiderruflich nachgewiesen erschien. Diese letzte Frage bleibt trotz der symbolischen Deutung ohne Antwort, Tristan stirbt an seiner Tat, bewußt nimmt er den Tod auf sich und reißt seinen Verband von den blutenden Wunden. Er stirbt an der äußeren Verletzung eines ihm Unverletzlichen, Isolde aus Schicksalsverbundenheit mit ihm. Tristan stirbt an einem Ehrenkonflikt, Isolde an Liebesgram.

Das ist germanisches „Schicksal“ und germanische Lebensüberwindung durch die Kunst. Das alles aber zu gestalten, bedeutet die höchste Höhe der Persönlichkeitskunst.

Außerhalb der Kirchen entstand im 19. Jahrhundert in Anknüpfung an die Naturphilosophen des 18. eine Weltanschauung, welche, nach jeder Seite hin unkritisch, sich bemühte, den ganzen Menschen in die mechanische Naturgesetzlichkeit einzureihen. Dieser plumpe, darwinistisch-marxistische Versuch, eine unentrinnbare „ökonomische (Spenglers Kulturkreislehre) Gesetzlichkeit“ zu verkünden, ist heute als überwunden zu betrachten. Dafür ist aber (namentlich durch Spengler) eine andere Anschauung aufgetreten in bezauberndem Gewände, dargestellt am „faustischen Menschen“, mit beträchtlicher Überredungskunst begabt: die sogenannte morphologische Geschichtsbetrachtung. Diese Lehrer der Geschichtsgestalten stellen ganz richtig Kausalität und Schicksal als zwei nicht zusammenfallende Ideen hin. sie entsagen ferner – ebenfalls mit germanischem Wesen übereinstimmend – laut und offen dem semitischen Fatalismus, der alles Geschehen als unabänderlich anerkennt. sie verlegen nun aber die Schicksalsidee in sogenannte Kulturkreise, die sicher geschichtlich nachweisbar sind, ohne jedoch – und hier entsteht der gefährliche Irrten – die rassisch-organische Entstehung dieser Kulturkreise und ihres Vergehens zu prüfen. Aus nebelhafter Ferne senkt sich, nach Spengler, solch ein Kulturkreis wie der heilige Geist auf ein Stück Erde; seine ihm Zugehörigen erleben Heroenzeit, geistige Kulturhöhe, zivilisatorische Zersetzung, Niedergang. Und aus diesen Erzählungen werden dann unsere Zukunft verkündende Schlüsse gezogen*. Hinzu kommt, daß als Wesen dieses „neuen“ Schicksalsbegriffs seine Nichtumkehrbarkeit hin-* Dr. H. Günther hat in der 12. Auflage seiner „Rassenkunde des deutschen Volles“ hier Spengler eine furchtbare Abfuhr zuteil werden lassen. Spengler phantasiert über ein „Symbol ersten Ranges und ohne Beispiel in der Kunstgeschichte“, daß die Griechen der Vorzeit „plötzlich“ vom Steinbau zum Holzbau „zurückkehren“. Und übersteht dabei, daß die nordisch-rassische Welle diesen Holzbau mit sich brachte, daß also eine neue Seele sich meldet, nicht die gleiche am Werke war, wie Spengler uns dies anzudichten beliebt. Weiter stellt Spengler die plötzliche Änderung der Bestattungsart in vedischer und homerischer Zeit fest. Und Günther muß ihn auch hier aufmerksam machen, daß wiederum das nordische Blut die Feuerbestattungmit sich brachte. Wie hier, so fallen überall Spenglers Phantasien in Nichts znsammen, so schön einzelne Teile seines Werkes auch sind und so vieles Wahre sie auch enthalten. (Spenglers verkappte Kausalität) gestellt wird, und am Ende stehen wir vor der unerwarteten Tatsache, daß Spengler das Kunststück gelungen ist, sowohl den naturalistisch-marxistischen, wie den magisch-vorderasiatischen Begriff unter Faustens Deckmantel einzuführen. Die Lehre von der Pflanzenhaftigkeit des menschlichen Geschehens reiht uns alle wieder in die Kausalitätsreihe ein und die Lehre von der Nichtumkehrbarkeit soll uns einem Fatum unterwerfen. Das wirklich Faustische,, Allein ich will!“ kennt Spengler nicht, er sieht nicht rassisch-seelische Gewalten Welten gestalten, sondern erdichtet abstrakte Schemen, denen wir uns nun als dem „Schickal“ zu unterwerfen haben. Folgerichtig zu Ende gedacht, verneint diese glänzend dargestellte Lehre Rasse, Persönlichkeit, Eigenwert, jeden wirklich kulturfördernden Impuls, mit einem Wort des,, Herzens Herz“ des germanischen Menschen.

Trotzdem war Spenglers Werk groß und gut. Es schlug ein wie ein Gewitterregen, knickte morsche Zweige, befruchtete aber auch eine sehnende, fruchtbare Erde. Ist er wirklich groß, so sollte er sich dessen freuen: denn fruchtbar machen (sei es auch durch Irrtum) ist das Höchste, was man erreichen kann. Jetzt aber ist das rassisch-seelische Erwachen weit über die „Gestaltenlehre“ hinausgewachsen, hat heimgefunden zu den urewigen Werten und grüßt über Epochen der Verwirrung hinweg Menschen und Kunst vergangener Zeiten als lebendige Gegenwart.


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Der Mythus des 20. Jahrhunderts Zweites Buch: Das Wesen der germanischen Kunst IV. Der aesthetische Wille

Der Mythus des 20. Jahrhunderts

IV. Der aesthetische Wille

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 Diese scheinbare Abschweifung war notwendig, weil sie verständlich macht, daß nicht das „Ewigkeits- und Unendlichkeitsgefühl“ das Wesentliche, sondern die Persönlichkeit innerhalb ähnlich bedingter Persönlichkeiten das letzte Urphänomen auch allen Kunstschaffens darstellt. Die Unenblichkeitsperfpektiven Lenotres und das geheimnisvolle Helldunkel Rernbrandts sind nicht ein ins Unendliche Verschwimmendes, sondern eine Seelenspannung unter anderen. Es ist merkwürdig, wie wenig die Systematiker auf den Rhythmus achten, dem alle großen Künstler Europas bald bewußt, halb aus Instinkt folgen. Ihre Kunst verläuft nicht in einer Linie vom stofflichen in die Unendlichkeit, sondern schlägt wieder auf das Ich zurück, verdichtet gleichsam immer von neuem die seelischen Kräfte, um sie wieder neu hinauszuschleudern. In dem Augenblick, wo Beethoven in den höchsten Höhen, dem Verflüchtigen nahe, Tonbilder formt, da bricht plötzlich ein jauchzendes Scherzo dazwischen. Inmitten von weltentsagenden Motiven klingt ein herrischer Kampfeswille hindurch. Das sind nicht Hemmungen, sondern Lebensrhythmen der abendländischen Kunst. Das Scherzo eines Beethoven, die abschließende Lebenstat des hundertjährigen Faust, die heldische Größe des Wagnerschen Siegfried, die lächelnde Überwindung der Tragik und Schrankensetzung des Hans Sachs, die Mystik Meister Eckeharts und sein reiches tätiges Leben sind nur dann zu verstehen, wenn man jedem starren Monismus (Durchbruch der Seele als Kunstformung) entsagt. Die Verflüchtigung ins Grenzenlose als „abendländische Seele“ 311 deuten, ist der grundsätzliche Versuch, nebelhafte syrische Magie in die Kultur Europas hineinzudichten.

Die Musik Bachs und Beethovens ist nicht die höchste erreichbare Stufe der Verflüchtigung der Seele, sondern bebeutet gerade den Durchbruch einer Seelenkraft ohnegleichen, die nicht bloß stoffliche Fesseln abstreift (das ist nur die negative Seite), sondern etwas ganz Bestimmtes ausspricht, wenn dies auch nicht immer gleich schwarz auf weiß nach Hause getragen werden kann. Die germanische Weltüberwindung ist nicht uferlose Ausweitung (was „Verflüchtigung“ wäre), sondern gesteigerte Eindringlichkeit (d. h. willenhafte Tat), der „süße heilige Akkord“, dem Schubert die Allmacht zuschrieb.

Der Wille ist Seelenprägung für eine zielbewußte Energie, gehört also in die zielsetzende (finale) Betrachtungsweise, während der Trieb mit der ursachenerforschenden (kausalen) Denkweise verbunden ist. Noch heute wird innerhalb des willenhaften, jede Zweckmäßigkeit einschließenden Ich der aesthetische Wille geleugnet. Dabei ist gerade er, wenn nicht der stärkste, so doch sicher der umfassendste Ausdruck des menschlichen Willens überhaupt. Denn künstlerisches Schaffen ist das bewußte Umwandeln des Stoffes und des Gehaltes durch eine in jeder Kunst durch bestimmte Formen gebundene Einheit. Haben die anderen Richtungen des Willens nur einen Charakterzug, einen Stoff, so nimmt die Kunst sämtlichen Stoff und Gehalt, sowohl sinnlichen, wie übersinnlichen, als ihr Material in Anspruch. Im weitesten Sinne ist unsere gesamte geformte Aneignung von Welt und Ich eine willenhaft-künstlerische Tätigkeit. Das mythische Bild des im Donnerwagen durch die Lüfte fahrenden Gottes und die marmorne Pallas Athene sind beide im Wesen Folgen der gleichen formenden Tätigkeit. sogar die Idee des Äthers (Rembrandts „Verlorener Sohn“) und das Gesetz von der Erhaltung der Kraft setzen ähnliche formende Seelenmächte voraus.

Ein Beispiel: der „Verlorene Sohn“. Es ist dies ein Bild aus Rembrandts vorletztem Lebensjahr; er hat es gemalt im Zustande der tiefsten Armut und Verzweiflung. Man fand es nach seinem Tode unter altem Gerümpel. Wir sehen hier vergangenes Leiden in einem Augenblick Zusammengeballt, in der rücksichtslos naturalistischen Darstellung des knieenden Sünders dargestellt. Zugleich geht von dieser zerlumpten Gestalt ein Sieg über alles schreckliche beruhigend und verklärend aus. Unendliche Liebe spricht aus dem Antlitz des sich niederbeugenden Vaters. Hier stehen sich unerbittlicher Naturalismus mit allen seinen Zufälligkeiten und individuellen Äußerungen und vollkommene Überwindung der Natur gegenüber, wie in wenigen Bildern der gesamten Malerei. Rein formal, Zeichnerisch sowohl als malerisch, läuft alles aus unbestimmtem Dunkel auf den mit weichem Licht überfluteten Greis, sein Antlitz und seine Arme hin, die ganze Tonleiter vom tiefsten Braun, Rot und Gelb findet hier ihren lichtvollen Höhepunkt. Die Richtungen der Augen der zuschauenden Personen laufen ebenfalls dort zusammen Und zugleich ist hier die höchste Steigerung der seelischen Stufenleiter: von der zusehenden Teilnahmslosigkeit, Neugierde, von tiefster Ergebenheit zur befreienden, erhebenden Erlösung …

Die formende seelische Tätigkeit, die in Rembrandt vor sich gegangen war, ist restlos hinübergetragen in die Seelen der beiden Menschen, des Sohnes und des Vaters. Er hat hier die gelungene Umformung von Affekt zu freiem Handeln gezeigt. Die sittliche Freiheit hat eine künstlerische Ausdrucksweise erfahren; aus einem moralisierenden Gleichnis wurde ein künstlerisches Erlebnis. Denn es wird uns hier nicht gelehrt, daß es sündhaft sei, so zu handeln, wie der Sohn es tat, es wird uns keine Demut gepredigt und (Der Kampf um Dostojewski) kein Verzeihen anbefohlen, sondern uns wird die freie erlösende Tat eines Menschen vorgeführt, und mit allen Mitteln formender Eindringlichkeit zu lebendigstem Bewußtsein gebracht, wie die alten Mythen es mit der Natur getan haben. Aus dem gleichen Seelenzustände heraus, in dem sich Rembrandt damals befand, hätte ein Schopenhauer die tiefsten Gedanken über die Nichtigkeit der Welt niedergelegt, hätte Christus Verzeihung aller uns Übelgesinnten gelehrt, Shakespeare hätte ein erschütterndes Drama geschrieben – ein Rembrandt konnte nur mit dem Pinsel reden. Es war eine seelische Nötigung in einer ganz bestimmten Richtung; sie war nicht philosophischer, nicht sittlicher Natur, sondern künstlerischer.

Seit Jahrzehnten steht das Werk Dostojewskis inmitten schärfster Streitigkeiten. Zarte, gräzisierende Literaten hatten die Unerbittlichkeit der Schilderungen des Grauens, des Lasters verurteilt, tadelten die beängstigende Wirkung der nichts erIassenden Seelenzustände. Andererseits fanden nikotin- und absinthkranke Leute ein wollüstiges Vergnügen daran, sich als Raskolnikows, Myschtins oder Karamasows zu bewundern. Die einen tadelten die „unausgeglichene Form“, das Kaskadenhafte der Darstellung, dann wieder das unendlich Einzelhafte, andere lobten die Gestalten Dostojewskis als Propheten einer neuen Religion. Einige erblickten den einzigen Wertmesser im angeblich Menschlich-Bedeutungsvollen, andere in dem unerbittlichen Naturalismus.

Soweit die Dostojewskischen Menschen russische Typen sind, oder gar Anspruch darauf erheben, als Vorbilder eines neuen Seelentums zu gelten, ist die schärfste Abwehr gegen dieses Ansinnen voll berechtigt. Es geht aber nicht an, wenn Aesthetiker, die angeblich ängstlich bemüht sind, den „aesthetischen Gegenstand“ vom Außeraesthetischen streng zu trennen, darüber klagen, daß man sich beim Lesen des Raskolnikow „in allen Fasern zerweicht und (Moralische und aesthetische Urteile) zerrieben, zerquetscht“ vorkomme und in die Klage ausbrechen: „Woher soll dann der Grad von Freiheit und Gleichgewicht kommen, der für das aesthetische Betrachten das Lebenselement bildet?“ (Volkelt). Hier wird offensichtlich das heroische und moralische Objekt mit dem aesthetischen verwechselt. Dies hat seinen Grund in der Tatsache, daß rein psychische Wirkungen des moralischen Menschen untersucht werden, die Formkraft, der aesthetische Wille des Dichters aber unbeachtet bleibt. Folgerichtigerweise müßte dann auch die Kreuzigung Grünewalds als unheilvoll verworfen werden, weil Frauen vor ihr in Ohnmacht fielen. Denn auch hier wird uns nichts an Schrecklichem erspart und das altgeheiligte „aesthetische Gleichgewicht“ wird rücksichtslos durch dies größte Werk altdeutscher Malerei angegriffen. Wir sollen aber nicht die einzelnen Helden oder Opfer, sondern die Kraft empfinden, die sie schuf!

Man kann auch Dostojewskis Werk weder mit menschlichmoralischem Maßstabe, noch mit dem Maßstabe sog. objektiver Form messen, sondern muß sich endlich entschließen, seine ganze Kunstaesthetik durch eine andere Betrachtungsweise zu vervollständigen, wie es hier versucht wird. Es ist dies die Erkenntnis eines tief inneren willenhaften Zusammenschweißens. Worte von moralischer Ausgeglichenheit, formaler Beherrschung usw. sind hier nicht mehr am Platz.

Es war überhaupt die schuld von 99 unter 100 Kunstaesthetikern, daß sie bei Betrachtung der Charaktere eines Dramas, eines Bildes, ihre kleinen Gefühle und Ängste in den Vordergrund dieser Betrachtung schoben und nicht die künstlerische Kraft, welche die Werke geschaffen. Leben die Figuren, sie seien nun krüppelig oder gerade, gut oder böse; anerkennen wir die innere Notwendigkeit ihres Seins, so ist es ja gerade diese Gestaltungskraft, die uns packt, wenn wir uns vom Stofflichen lösen. Das Unter- (Fürst Myschkin – Thomas Buddenbrook) drücken sowohl der Begierden wie der edlen Willensregungen geschieht für die europäische Kunst nicht, um dem „Spieltrieb“ Platz zu machen, sondern in einer viel tieferen Auffassung künstlerischen Wollens. Ich soll nicht spielerisch und im Gleichgewicht aller seelischen Kräfte ein Kunstwerk genießen, sondern ich soll eine schöpferische Formkraft gewahr werden. Und meine Befriedigung besteht nicht darin, S c h e i n gesehen, sondern Wesen am Werke erlebt zu haben, selbst dieses durch den Schein wirkende Wesen in mir aufgerufen zu fühlen.

Nicht Aljoscha, Dimitri oder Iwan Karamasow interessieren mich in dem Maße wie die Kraft, nicht die Absicht, die jeden einzelnen von ihnen in seinen vielverschlungenen Bahnen bewegt, sondern die organische Schöpfung, die durch das menschliche Dichterwesen sichtbar wird, um so den Weg in unser Herz zu nehmen. Ob ich die Gestalten als Lebensideale betrachten soll, steht auf einem ganz anderen Blatt. Wenn wir das kritische Maß ansetzen, so müssen wir nicht feststellen wollen, wie stark unsere „aesthetische Freiheit“ gewahrt geblieben ist, auch nicht, ob die Charaktere gesund oder faul, sondern ob sie sich notwendig auswirken, d. h. ob sie, so wie sie sich bewegen, aus einem inneren einheitlichen Kern geboren worden sind. Hier liegt der Knoten, den man sich lange umsonst zu lösen bemüht hat. Hier setzen aber auch neue aesthetische Unterschiede ein, und während wir hinter dem als sittliche Einheit jämmerlichen Fürsten Myschkin eine unerbittlich schaffende Gewalt fühlen, sehen wir hinter Thomas Buddenbrook nur einen federhalterkauenden Aestheten bei Lampenlicht sich das Gehirn nach nervenreizenden Problemen abmartern. Der epileptische Anfall Myschkins ist ein innerer Ausbruch, der unheilvolle Zahnverlust des armen Buddenbrook ein Pech, mühsam vorbereitet, aber doch nur ein Pech. Und während der wahnsinnige Idiot an der Leiche seiner Geliebten einen seelisch notwendigen (Shylock als aesthetisches Problem) Zusammenbruch bedeutet, berührt uns der von Thomas Mann hingerichtete Thomas Buddenbrook auf den Pflastersteinen ebenso unangenehm wie komisch.

Das Beispiel Dostojewskis führt nun zu einer anderen, bereits flüchtig gestreiften Frage: wie kommt es, daß abstoßende,j a faule Charaktere aesthetisch wirken können? Wie kommt es also, daß Kunstwerke, die eine äußere Form behandeln, welche in keiner Weise dem Schönheitsideal des Volkes, des Künstlers entspricht und auch keine Worte lehren, wie wir sie von der moralischen Seite aus fordern würden, doch oft einen starken aesthetischen Eindruck erwecken? Schillers Antwort, daß wir instinktiv mehr auf die Kraft als auf die Gesetzmäßigkeit achten, rührt an das Wesen, aber deutet es nicht aus. Denn was uns ergreift, ist gerade die Eigengesetzlichkeit des aesthetischen Gegenstandes, auch wenn er – sagen wir – einen Lehnwert (Adoptivwert) oder gar einen feindlichen Wert darstellt.

Die Gestalt des Shylock kann uns als solche nicht „gefallen“, auch ihr Denken widerspricht unseren Seelengeboten in allen stücken. Und trotzdem ergreift selten eine Schöpfung in dem Maße wie diese Gestalt: weil sie in sich rassisch-seelisch vollendet ist. Äußerlich bedingt ist sie durch alle jüdischen Rassenzüge von den Felsbildern Ägyptens bis zu Trotzki, seelisch zeigt Shylock das Wesen vom alttestamentlichen Ideal, über Talmud, Schulchan-Aruch bis zum modernen Bankier der Wallstreet. Dieses jahrtausendalte Wesen wurde im Shylock Neuschöpfung des Jüdischen – wie der Markgraf Rüdiger und der Faust die Schöpfung des nordischen Wesens. Shylock handelt wie er muß; einmal hingestellt, wirkt er sich notwendig aus als ein weiteres Zeugnis für den aesthetischen Künstlerwillen. Die Vermutung Schillers, beim großen Verbrecher imponiere uns die Kraft, welche durch ihre Größe die (Die Passion Christi als Kunstproblem) Möglichkeit einer plötzlichen Umstellung offenbare, geht hier also fehl. Shylock kann sich nie und nimmer umstellen, sein Körper folgt einem Gebot, das in der Unabänderlichkeit seines Wesens ähnlich wirkt wie das Gesetz, das den Sternen ihren Kreislauf vorschreibt. Shylock ist aIso sowohl Einzelmensch wie Typus, e i n Jude sowohl wie das Judentum. Das Gleiche gilt vom Mephistopheles, dessen aesthetischer Eindruck gleichfalls weder auf Schönheit noch auf Kraft beruht, sondern auf seiner inneren Notwendigkeit, d. h. auf dem künstlerischen Akt, der ihn schuf. Rein persönlich, ohne zu Typen zu werden, sind Richard III., Jago, Franz Moor . . . Während sich der Künstler mit den von Rüdiger oder Faust vertretenen heroischen Werten offenbar gleichstellte, steht er den anderen als reine geistigwillenhafte Form gegenüber. Gerade diese Gestalten – auch die Hille Bobbe, Pere Grandet, Tartüff – aber beweisen uns, wo wir letzten Endes die Wurzeln sowohl der aesthetischen Schöpfung wie des aesthetischen Erlebnisses zu sagen haben.

Eine Mittelstellung etwa zwischen Siegfried und Shylock nehmen die Werke ein, in denen der Künstler nicht den eigenen Höchstwert im Kampf gegen andere Mächte formt, auch keine anderen innerlich ganz fremden Kräfte in den Mittelpunkt eines Werkes stellt, in denen er aber offenbar versucht hat, ein entlehntes Seelentum bis zu den letzten Folgerungen zum Ausdruck zu bringen. Hier ist das erschütterndste Problem der abendländischen Kunstgeschichte offenbar geworben: die Leiden Christi mit dem Höhepunkt der Kreuzigung.

Mit der kirchlichen Lehre, daß Jesus sich bewußt für die ganze Menschheit geopfert habe, wurden zugleich seine Marterungen genau beschrieben, um die Kraft der Hingabe möglichst anschaulich zu machen. Der Opfertod erhob die Idee der Demut zum Höchstwert, d.h. die unterwürfige, sich selbst willenlos hingebende Liebe. Die Anerkennung (Der Isenheimer Altar) dieses Wertes war das Kennzeichen des kirchlichen Mittelalters, er wurde somit Lehnwert auch des abendländischen Künstlers, der sich in seinem schaffen mit ihm in Übereinstimmung zu setzen versuchte. Als Zeichen besonderer Frömmigkeit entstehen Tausende von Kreuzigungen, welche die Gestalt Christi der Demutslehre unterordnen. Aus dem lächelnden blonden Kind, das oft „geradezu heroisch“ in die Welt blickte, wird eine schmerzgequälte, zusammengebrochene Gestalt mit verzerrten Zügen und eiternden Wunden. Das Gefühl des völligen Niederbruchs, der Verzweiflung, des Todopfers wurde das mittelalterliche Gegenstück zur heldischen Selbstverständlichkeit eines Rüdiger, Hildebrand, Dietrich und Siegfried. Das größte Werk dieser Art, das diesen kirchlichen Lehnwert zum Gleichnis erhebt, ist der Isenheimer Altar. Dieses Werk ist die folgerichtigste Durchführung des Demutsideals, verkörpert durch einen Künstlerwillen, der an aufbrausender Kraft seinesgleichen in der Weltgeschichte sucht. Diese Kreuzigung grenzt geradezu an krankhafte Überspannung sowohl des stofflichen wie der willenhaft künstlerischen Eindringlichkeit. Die vielen Stichwunden am Körper des Gemarterten, die wie in einem hypnotischen Schlaf hinsinkende Maria stellen den Höhepunkt der „christlichen Kunst“ dar. Zugleich offenbart das Gesamtwert aber den gleichen aesthetischen Willen in der Auferstehung, wobei eine merkwürdige erneute Verwandlung vor sich geht,’ aus dem dunklen Jesus am Kreuz wird plötzlich wieder ein lichter, schlanker, blonder, auferstehender Christus. In einem mystischen Farbenkreis hebt er sich aetherisch empor, wieder unvergleichlich wie die Versinnbildlichung des willenlos geworbenen Zustandes des Zusammenbruchs.

Seit dieser Höchstleistung verliert dieser entliehene Wert des Abendlandes immer mehr an Stoßkraft. Kreuzigung und Auferstehung werden fast zu rein dekorativen Vorwürfen, zu Anlässen schöner Farbenwirkungen und (Das Ende des Lehnwertes) Lichteffekte. Rembrandt versucht sich zwar noch oft an dem Motiv, die Kraft Grünewalds aber hat niemand mehr erreicht. Das Thema ist ausgeschöpft, der innere Antrieb zur Gestaltung der Kreuzigung fehlt dem heutigen Welt-und Formgefühl. Eine Kreuzigung in dem echten Sinne, wie sie Grünewald malte (als Kunstwerk und Bekenntnis), kann heute weder gemalt noch gemeißelt noch vertont noch gedichtet werden. Auch der Lehnwert ist aufgegeben. Ein altneues Thema aber ist hierbei aufgetreten: Jesus der Held. Nicht der Zerschundene, nicht der magisch Entschwundene der s p ä t e n Gotik, sondern die einmalige herbe Persönlichkeit. Die Schöpfung dieses neuen Jesusbildes ist noch nicht vollendet: in Rüdiger, im Meister Eckehart aber liegt es vorgezeichnet.

Die klassisch deutsche Aesthetik von Winckelmann bis Schopenhauer ging von dem Kunstwerk – wenn auch nur vom spätgriechischen – aus. Aber diese Vernachlässigung des wirklichen Lebens konnte auf die Dauer doch nicht genügen; die neuen Aesthetiker verlegten deshalb die Aesthetik, dem ganzen Zug der Zeit folgend, immer mehr allein auf die Gefühle des Kunst e m p f ä n g e r s und je nach Temperament entdeckte jeder von ihnen andere Erlebnisse bei sich, auf denen er dann eine neue, aber wieder „allgemeine Ästhetik“ erbaute. so wurde die Ästhetik immer mehr zu einem Teil der sogenannten Psychologie, der Seelenkunde. Der Sensualismus eroberte sich nebenbei Schritt für Schritt den Boden, was angesichts der allgemein stoffanbetenden Anschauungen der letzten Jahrzehnte ebenfalls nicht verwundern kann. Die Kunst wurde zu einem Gegenstück der rein wirtschaftlichen Betrachtungsweise, da, wie man sagte, ihre Formen das Bestreben hatten, „einen möglichst reichen Gehalt bei einem Minimum von Kraftaufwand zu vermitteln“ (Aesthetische Theorien) (Müller-Freienfels). Das Luftempfinden der Kunst erschien somit als eine Erleichterung der Gehirntätigkeit. Das Unbewußt-Irrationale wurde als „Lückenbüßer“ abgetan: aesthetisches Empfinden beruhe auf innerer Nachahmung, auf motorischem Mitempfinden. Zuletzt finden Müller und seine Anhänger im Kunstgenuß eine allgemeine Erhöhung des lebenfördernden Gefühls. Hier rückt er also schon ganz nahe an die wesentlichen Erkenntnisse heran, bleibt aber immer wieder in bloßer Psychologie befangen, die ihn das objektiv im Kunstwerk Gegebene übersehen läßt. Den gleichen Weg ging Groos. Eine genaue Untersuchung der angleichenden (assoziativen) Werte verdanken wir Külpe; er lenkt trotz Beibehaltung der psychologischen Betrachtungsweise doch wieder auf das Kunstwerk zurück und fordert die Zerlegung des schönen in seine Bestandteile, fordert (ähnlich wie Volkelt) Normen der Kunst, „nach denen man sich zu richten hat, wenn anders man aesthetisch gefällige Wirkungen hervorbringen will“. Auf die Ergründung der Schönheit als idealer Eigenschaft künstlerischer Objekte steuern andere Aesthetiker los. Ein gotischer Dom bestehe aus Steinen, eine Melodie aus Tönen. Weder Steine noch Töne seien das schöne, sondern ihre gesetzliche Gemeinsamkeit. Die Schönheit hafte am Stoff, ohne mit den sinnen wahrgenommen werden zu können. Das Schöne bestehe aber auch nicht in der summe der einzelnen Teileigenschaften, sondern sei darüber hinaus noch ein bestimmtes Etwas. Es sei geradezu unabhängig von den Teilen, wie schon jeder musikalische Dreiklang beweise. Dieses vom sachlichen Losgelöste, der aesthetische Schein, bedeute das Wesen des aesthetischen Objekts, welches Phantasiegefühle von zweierlei Art errege: Einfühlungs- und Anteilsgefühle. Damit ist Witasek auf dem Weg zu einer Kunstauffassung, die eine große Verbreitung gefunden hatte: der sogenannten Einfühlungsaesthetik, die namentlich von Lipps eingehend begründet wurde. Nach ihm ist („Einfühlungs“lehren) der aesthetische Zustand ein Lustgefühl, das auf die Bequemlichkeit der Seele zurückzuführen ist, in dem sinne, daß die Seele alles leicht erfasse, was ihr genehm erscheine. Das schöne bedeute Lebensbetätigung, Häßlichkeit sei Lebensverneinung; deshalb erwecke das erste Luft-, das andere Unlustgefühle. Hier liege bereits eine „Einfühlung“ vor, die sich steigere durch eine Freude mit dem sich Freuenden und eine Trauer mit dem Trauernden. Die Einfühlungsmöglichkeit sei abhängig von der Möglichkeit der Billigung seitens des Kunstgenießers. Unsere eigene Kraft oder Sehnsucht müsse im Kunstwerk ihr Gegenstück finden. später verlegt Lipps seinen Schwerpunkt der aesthetischen Untersuchung immer mehr auf das Subjekt und erklärt, jeder wahrgenommene Ausdruck bestehe nur im Beschauer selber: „Alles dies ist Einfühlung, Versetzung seiner selbst ins andere. Die fremden Individuen, von denen ich weiß, sind objektivierte . . . Vervielfältigungen meiner selbst, Vervielfältigungen des eigenen Ichs, kurz Produkte der Einfühlung.“*

Der aesthetische Genuß erweist sich also als seelische Selbstbefriedigung. Dadurch wird ein fallender Stein zu einem „strebenden“, ebenso „strebt“ der Berg nur deshalb „kühn“ zum Himmel, weil wir in ihm diese Beseelung hineinlegen (daß Berge sich auch „lagern“, übersieht Lipps). Passivität und Aktivität des Materials werden zu Gefühlerlebnissen; Schwere, Härte usw. verlieren ihre Objektivität und erhalten lyrische Eigenschaften des Ichs hineingefühlt: „Die Notwendigkeit in den Gegenständen… ist in sie eingefühlt und ist ihrem Ursprunge nach nichts anderes als die in uns erlebte Notwendigkeit unseres Urteilens… Nicht die Gegenstände sind . •. nötigend oder genötigt, nur ich bin dies.“

Damit sind die Verhältnisse allen Ernstes auf den Kopf* „Kultur der Gegenwart“, s. 359–360. (Die stofflose Musik) gestellt worden. Die Versuche, die psychologistische Einfühlungstheorie zu vervollkommnen, zu ergänzen, mit der klassischen Aesthetik zu verschmelzen, sind zahlreich gewesen (Meumann, Dessoir, Volkelt usw.), nirgends aber ist die Erkenntnis klar und offen ausgesprochen, daß die dogmatische Verneinung des völkisch -rassisch- bedingten aesthetischen Willens die Grundursache fast aller Meinungsverschiedenheiten ausmacht. Diese Erkenntnis allein schlägt die Brücke vom Objekt zum Subjekt, vom Formwillen des Künstlers (als höchster Kraftäußerung) zum Formwillen des Kunstempfängers (als niederer Stufe).

Nirgends ist diese Tatsache klarer nachweisbar als in der Musik. Diese Kunst ist stofflos, sie hat nur Gehalt und Form. Ihre Darstellungsmittel sind Rhythmen der Zeit, ihre Gesetzlichkeit Architektonik der Zeit. In seiner, als eine der tiefsten Abhandlungen geltenden Betrachtung über das Wesen der Musik erklärt Schopenhauer, die Wirkung dieser Kunst sei deshalb so einzigartig, weil sie sich unmittelbar an das Innerste, an den Willen richte. Hier hat Schopenhauer richtig gesehen, jedoch ohne zu merken, daß er dadurch sowohl sein philosophisches System als auch sein aesthetisches Bekenntnis vernichtet. Denn, erstens, wird der „blinde Wille“ hier wieder als Gegensatz zu sich selbst, als heiligste Seelenregung hingestellt, da ja jeder Kunstgenuß Überwindung alles Triebhaften bedeutet. Zweitens wird die Einwirkung der Musik auf den Willen als das größte künstlerische Erlebnis hingestellt, von einem Denker, der mit geradezu hypnotisierender Beredsamkeit das Wesen des aesthetischen Zustandes gerade als Kontemplation geschildert hatte.

Echte Musik hören, heißt nicht in Beschaulichkeit versinken, auch nicht in süßliche Träume, sondern durch das stoffIose Medium der Tongestalten einen Formwillen und eine Formalarchitektonik erleben. Das heißt aber noch weiter: die im Hörer schlummernden, dem Künstler ähnlichen (Kreislauf des „aesthetischen Gefühls“) Formkräfte erwachsen fühlen. Die Musik – und mit ihr jede andere Kunst – ist eine Umdeutung der „Welt“, eine Aneignung, eine Darstellung der Seele von der stillsten Stille eines Fra Angelico und Raabe bis zur Wildheit eines Michelangelo und Beethoven. Der Künstler geht von innen nach außen, der Empfänger von außen – vom geschaffenen Werk – nach innen, um zum Erlebnis zu gelangen, das den Künstler bei der Urschöpfung des Werkes erfüllte. Das ist der einzige echte Kreislauf des „aesthetischen Gefühls“, und des Kunstwerks höchste Aufgabe ist, die formende Tatkraft unserer Seele zu steigern, ihre Freiheit der Welt gegenüber zu festigen, ja diese zu überwinden.

Denn was soll das heißen, wenn gesagt wird, ein Mensch habe nach Besuch einer Gemäldegalerie die Natur aesthetisch angeschaut? Besagt das nicht, daß in diesem Menschen eine auch in ihm schlummernde Kraft geweckt worden ist, die in der Richtung des Kunstschaffens nicht genügend stark zur Selbstbetätigung war? Und woher kommt es, daß wir wochen-, monate-, ja jahrelang nach Beschauen eines Werkes oder nach Anhören eines Musikstückes uns dasselbe noch in der Einbildungskraft mit solcher Stärke Zurückrufen können, daß der damalige seelische Zustand wiederum eintritt? Ja, vielen Menschen kommt dieses seelische Erlebnis oft erst nach Verlassen des Kunstwertes, d. h. nach der Ausschaltung stofflicher, oft störender Begleiterscheinungen. Und was soll damit gesagt sein, wenn man behauptet, ein Künstler habe auf einen anderen gewirkt? Heißt das etwas anderes, als daß ein Formwille wachgerufen wurde, der bis dahin schlummerte, und erst durch einen Anstoß besonderer Art geweckt werden mußte? (Ich spreche hier natürlich nicht vom Nachahmen der Technik.) Unser ganzes Erinnerungsvermögen könnte in diese Betrachtung miteinbezogen werden. Man kann z. B. feststellen, daß, wenn ein besonderer Klang oder ein (Schönheit und Erhabenheit) Geräusch eine innere Erschütterung hervorgerufen hat, wie z. B. eine Granatenentladung, die einen Soldaten verschüttete und einen Nervenschock zeitigte, ein ähnlicher Klang noch viele Jahre später die gleiche seelische und physische Wirkung hervorruft. Hier liegt offenbar eine Formkraft vor, die im Zusammenhang mit Philosophie und Aesthetik einmal gründlich behandelt zu werden verdient.

Das führt uns zum Gegenpol des schönen. Neben der Untersuchung über dieses zieht Kant auch das Gefühl des Erhabenen heran. Es gibt danach noch eine andere Erscheinung, die eine „uninteressierte Betrachtungsweise“ weckt, und die doch nicht schön ist, die erhabene. Diese Betrachtungsweise ist keine ruhige oder spielende, sondern bewegte; das Gleichgewicht, die Harmonie der Gemütskräfte tritt erst durch und nach einem Konflikt ein. Wenn wir uns vor ein schlechthin Großes gestellt sehen, ein Unbegrenztes und Formloses, so ist unsere Einbildungskraft außerstande, dieses als ein Ganzes anzusehen. Wir fühlen uns als Sinnenwesen klein und zu gleicher Zeit gerade durch dieses Gefühl steigt ein anderes in uns empor, welches besagt, daß wir unendlich mehr als bloß Sinnenwesen sind, denn wir sind es ja, welche dasselbe als klein empfinden.

Kühne, überhängende Felsen, Donnerwolken, Orkane, der aufgewühlte Ozean sind Mächte der Natur, denen gegenüber unsere physische Widerstandskraft als unendlich klein erscheinen muß. Aber wenn wir uns in die Betrachtung dieser gewaltigen Erscheinungen vertiefen, so erleben wir eine Erhebung unserer Seelenkräfte und entdecken in uns ein ganz anderes Vermögen zu widerstehen, welches uns den Mut macht, uns mit der scheinbar allgewaltigen Natur messen zu können. „AIso ist das Gefühl (Kants Lehre über das Erhabene) des Erhabenen in der Natur Achtung für unsere eigene Bestimmung“*. (Man verfolge die sich hieraus ergebenden religiösen Vorstellungen, die zur Ehre und Ehrfurcht führen müssen, zu einer Religion, wie sie Eckehart bekannte.) Dieses Gefühl des Erhabenen wird aIso hervorgerufen durch eine Unlust, welche unsere Sinnennerven als nichtig erscheinend empfindet, um dann im Bewußtwerden der menschlichen Überlegenheit in ein Gefühl der Lust überzugehen und in der ruhigen uninteressierten Betrachtung zu enden. Es tritt also auch hier zum Schluß ein Gleichgewicht unserer Gemütskräfte ein, nicht nur zwischen Einbildungskraft und Verstand, sondern zwischen Einbildungskraft und Vernunft. „Erhabenheit ist das, was durch Widerstand gegen das Interesse der sinne unmittelbar gefällt“**.

Das Erhabene entsteht durch eine gewisse Subreption (Unterschiebung), indem wir das Gefühl, welches uns die Vernunft erweckt, auf das Objekt übertragen. Während aIso das schöne die Vorstellung einer gewissen Qualität des Objektes erfordert, so besteht das Erhabene dagegen „bloß in der Relation, worin das Sinnliche in der Vorstellung der Natur für einen möglichen übersinnlichen Gebrauch desselben als tauglich beurteilt wird.“

In der Kunst kann, nach Kant, demnach das Erhabene nur im Kampf des moralischen Wollens gegen das sinnliche hervortreten. Da nun aber der sittliche Wille als solcher leidenschaftslos sei, nur die gute Gesinnung bedeute, so dürfe sein Hervortreten die Form des Affektes annehmen.

Tritt die Idee des Guten mit Affekt in die Erscheinung, so ist sie Enthusiasmus; dieser Enthusiasmus ist nicht moralisch, doch erhaben. „so treten die Idealmenschen * Kritik der Urteilskraft, § 27.** a. a. 0. § 29.(„Harmonie der Gemütskräfte“) als Träger dieses Gefühls in der Kunst auf und sind die eigentlichen Helden des tragischen Dramas, welche als Freiheitshelden und Märtyrer dahin wirken, das Erhabene, welches jederzeit Beziehung auf die Denkungsart hat, dem Intellektuellen und den Vernunftsideen über die Sinnlichkeit Oberhand verschaffen.“

Diese Bemerkungen klären die Anschauungen Kants über zwei Gemütszustände, welche, als vom Triebhaften geschieden, uns zum Schluße einer Harmonie unserer inneren Lebenskräfte empfinden lassen, uns in einen Zustand der willenlosen Anschauung, der Kontemplation versetzen sollen.

Was nun die Ableitung der aesthetischen Urteile (d. h. Berechtigung ihrer Anschauungen) betrifft, so kann hier nicht dabei verweilt werden, doch sei als wichtig bemerkt, daß Kant solche nur für das schöne gelten läßt, „indem man der Natur gegenüber dasselbe in der Form gewahr wird, und verschiedene Fragen in Ansehung desselben aufwerfen könne. Dagegen wird das Erhabene in der Natur nun uneigentlich so genannt und ist nur eine Grundlage der Denkungsart der menschlichen Natur. Dieser sich bewußt zu werden, gibt die Auffassung eines sonst formlosen und unzweckmäßigen Gegenstandes bloß die Veranlassung, welcher auf solche Weise subjektiv zweckmäßig gebraucht, aber nicht als ein solcher für sich und seiner Form wegen beurteilt wird.“*

Diese Ausführungen zeigen uns in Kant den gleichen Kampf wie bei Schiller: er kann die Ergriffenheit gegenüber den großen Gestalten des Dramas nicht leugnen, will aber mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit immer wieder zum Schluß auf die „Harmonie der Gemütskräfte“ zurück, anstatt das willenhaft-geistige Erlebnis und das Wecken der seelischen Tatkraft als das Wesen des aesthetischen Zustandes anzuerkennen. Nur zögernd wollten unsere Denker * a.a.O. § 30. (Bekenntnisse von Berlioz) überhaupt Erhabenheit in der Kunst gelten lassen, sie nahmen ihre Beispiele fast nur aus der Natur, weil sie das Gefühl der Erhabenheit bloß als Reaktion empfanden. Aber stellen wir uns doch einer gotischen Kathedrale gegenüber: auch hier die wuchtige, erdrückende Größe, das Ängstigen der Person und doch das Erlebnis der Persönlichkeit, des Erhabenen. Diese Kathedrale aber ist ja doch eine Aktion, eine menschliche Kunstschöpfung gewaltigster Art, die künstlerische Darstellung eben eines erhabenen Gefühls. Hier geht also Schöpfung und Ergriffenheit auf eine Quelle zurück; was mich zur Ehrfurcht zwingt, ist letzten Endes das Einswissen mit der Persönlichkeit, des Volkes, des Menschen, der Formkraft, die sich hier offenbart.

Es ist verlockend, hier einen langen Exkurs über Künstlerbekenntnisse, über Schaffen und Erleben einzufügen, da es für die zünftige Aesthetik bezeichnend ist, diese übersehen zu haben, obgleich sie doch die wesentliche Grundlage für alle Betrachtungen über Kunst abgeben müßten. Das würde den Umfang dieses Kapitels aber zu sehr erweitern, deshalb nur einige Hinweise.

In seinem Briefwechsel erleben wir z. B. Hector Berlioz als einen durch alle Höhen und Tiefen schreitenden Künstler, der überall Tat, Erleben ist. Nach Anhörung einer eigenen Komposition erzählt er seinem Freund Ferrand, er hätte hinausschreien mögen, wie kolossaI und schrecklich sie auf ihn gewirkt hätte und er bemerkt von einem Zuhörer befriedigt, er sei ganz blaß wie der Tod vor Ergriffenheit gewesen. Aus Lyon schreibt Berlioz voller Sehnsucht: „Ich glaube, ich werde verrückt, wenn ich wieder wirkliche Musik hören werde.“ An R. Kreutzer schreibt er in Ekstase: „O Genie! Was soll ich denn tun, wenn ich eines Tages Leidenschaften schildern will? Man wird mich nicht verstehen, denn sie haben ja den Autor des herrlichsten Werkes nicht einmal mit Kränzen begrüßt, ihn nicht mit Triumph herumgetragen, sich nicht vor ihm (Flaubert und Nietzsche) ins Knie geworfen.“ Theodor Ritter mahnt er 1856:,, Behalten sie den 12. Januar im Gedächtnis! Das ist der Tag, an welchem sie zum ersten Male an die Wunder der großen dramatischen Musik herangetreten sind, an welchem sie von der Erhabenheit Glucks die erste Ahnung bekommen haben.“ „Ich werde nie vergessen, daß Ihr künstlerischer Instinkt ohne zu zaudern mit Entzücken diesem Genie gehuldigt hat, das Ihnen bisher noch unbekannt war. Ja, ja, seien sie überzeugt, was auch immer die Leute sagen, die nur halbe Leidenschaft, ein halbes Herz und nur eine Gehirnhälfte besitzen, es gibt zwei große, höhere Gottheiten unserer Kunst: Beethoven und Gluck“.

Berlioz wird man nun vielleicht überpathetisch nennen; aber wie sehr alle Willenskräfte zur Schöpfung aufgebraucht werden, hat uns der scheinbar nüchterne Flaubert ebenfalls berichtet: „Für einen Künstler“ schreibt er an Maupassant – „gibt es nur eins: alles der Kunst opfern! Ich arbeite seit 14 Jahren wie ein Maultier. Ich habe mein ganzes Leben in diesem Eigensinn des Monomanen gelebt, unter Ausschluß meiner anderen Leidenschaften, die ich in Käfige einschloß und die ich zuweilen allein besichtigen ging.“

„Ihr seid glücklich, ihr Lyriker, ihr habt einen Abfluß in euren Versen Wenn euch etwas quält, spuckt ihr ein Sonett aus, und das erleichtert euch das Herz. Aber wir armen Teufel, wir Prosaisten, denen jede Persönlichkeit untersagt ist (und vor allem mir) denken noch an all die Bitterkeiten, die uns auf die Seele zurückfallen, an all den moralischen Schleim, der uns an der Kehle packt.“

Das ist jene Stimmung des Gemüts, von der Nietzsche sagte:

„Wer viel einst zu verkünden hat, schweigt viel in sich hinein.
Wer einst den Blitz zu zünden hat, Muß lange – Wolke sein.“

Lenau und Beethoven

Kaum jemand hat die Geburtsstunde eines großen Werkes so schön geschildert wie Nietzsche: „Hat jemand Ende des neunzehnten Jahrhunderts einen deutlichen Begriff davon, was Dichter starker Zeitalter Inspiration nannten? – Offenbarung in dem Sinn, daß plötzlich mit unsäglicher Sicherheit und Freiheit etwas sichtbar wird, hörbar wird, Etwas, das Einen im Tiefsten erschüttert und umwirft… Man hört, man sucht nicht; man nimmt man fragt nicht, wer da gibt; wie ein Blitz leuchtet ein Gedanke auf, mit Notwendigkeit, in der Form ohne Zögern, – ich habe nie eine Wahl gehabt. Eine Entzückung, deren ungeheure Spannung sich mitunter in einen Tränenstrom auslöst, bei der der Schritt unwillkürlich bald stürmt, bald langsam wird; ein vollkommenes Außer-sich-sein. . . eine Glückstiefe, in der das Schmerzlichste und Düsterste nicht als Gegensatz wirkt, sondern als bedingt, als herausgefordert, als eine notwendige Farbe innerhalb eines solchen Lichtüberflusses … Alles geschieht im höchsten Grade unfreiwillig, aber wie in einem Sturme von Freiheitsgefühl, von Unbedingtheit, von Göttlichkeit.“

Ist das nicht in Ursprung und Auslösung das gleiche Wesen, welches einen Lenau nach einer Fidelioaufführung bekennen läßt: „Da war ich wieder von einem Sturme der Empfindungen ergriffen und auf zwei Stunden ganz gewiß der Glücklichste auf Erden. . . Wenn ich an solche Genüsse Zurückdenke, so vergeht mir der Mut, mit dem Schicksal zu rechten!“

Und B e e t h o v e n selbst, der Mann, der durch seine Werke die Grundlagen aller auf „Kontemplation“ und „Harmonie“ hinausstrebenden Aesthetik endgültig erschüttert hat? Er äußerte zum jungen Musiker Louis Schlösser: „Sie werden mich fragen, woher ich meine Ideen nehme? Das vermag ich mit Zuverlässigkeit nicht zu sagen; sie kommen ungerufen, mittelbar, unmittelbar, ich könnte sie mit Händen greifen, in der freien Natur, im Walde, auf (Hölderlin, Deutschlands gtößter Sänger) Spaziergängen, in der stille der Nacht, am frühen Morgen, angeregt durch Stimmungen, die sich bei dem Dichter in Worte, bei mir in Tönen umsetzen, klingen, brausen, stürmen, bis sie endlich in Noten vor mir stehen.“ Nach einem Zuhören der Kavatine in Es aus dem B-dur-Quartett op. 130 äußerte Beethoven zu Holz: „Nie hat meine eigene Musik einen solchen Eindruck auf mich hervorgebracht; selbst das Zurückempfinden dieses Stückes kostet mich immer eine Träne.“ Um dann doch gegen alle Sentimentalität und triebhafte Rührseligkeit zu protestieren, indem er am 15. August 1812 an Bettina von Arnim schreibt: „Dem Goethe habe ich meine Meinung gesagt, wie der Beifall auf unser einen wirkt, und daß man von seinesgleichen mit dem Verstand gehört sein will; Rührung paßt nur für Frauenzimmer, dem Manne muß die Musik Feuer aus dem Geist schlagen.“

Das war ein Zeugnis des siegenden germanischen Wesens in einem Manne, an dem manche unheimlichen rassisch-seelischen Kräfte der unteren menschlichen Ebene nagten und Zerrten und die bei Beethoven ab und zu hervorragen wie die fremden Grotesken am gotischen Dom.

Und endlich: was würde wohl der größte Sänger unter den Deutschen und zarteste Künder ihrer Seele zu dem Versuch sagen, den Auftrieb des Herzens dadurch vernichten zu wollen, daß man Kunsterleben zu einen zerrinnenden Nichts herabwürdigt? Hatte nicht Hölderlin an diesen Menschen schon zu einer Zeit gelitten, als sie noch nicht als allmächtige Bürger unseres Lebens walteten, damals schon, da Hyperion auf der Suche nach großen Seelen feststellen mußte, daß sie durch Fleiß, Wissenschaft, ja selbst durch ihre Religion nur barbarisch geworden waren: Handwerker, Denker, Priester, Titelträger fand Hyperion, aber keine Menschen, Stückwerk ohne Einheit der Seele, ohne inneren Auftrieb, ohne Lebensganzheit. (Das göttliche Fernweh) so erschienen Hölderlin selbst die Tugenden als ein glänzendes Übel und als erschütterndste Entdeckung fühlte er, daß diese Menschen gar ihre Enge des Gemüts zum Gesetz fürs Ganze erheben wollten. Was hätte Hölderlin in einer späteren Zeit empfunden, da die Kunst von der Höhe der noch theoretisch zugestandenen „Kontemplationsauslösung“ auf neutralem Gebiet hinunterglitt auf die Stufe der Verdauungsförderung, der Hebung des Fremdenverkehrs, des Bacchanals der Geräuschtechnik! Einst wollte er seiner Diotima den Genius Griechenlands schenken und konnte nur ein Klagelied des verwundeten Genies gebären; heute wäre sein Werk ein einziger schrei der Verzweiflung – oder des Angriffs gewesen, sein Lied noch mehr der Ausfluß innerster glühender Willensqual. Die Schönheit aber, die Hölderlin als Religion empfand, war nicht die „kontemplative“ Sattheit unserer philosophierenden Doktoren, sondern höchstgesteigerte Lebensganzheit, ein zum kürzen Augenblick zusammengeschnürtes Bündel aller Erhebungen der Seele, aller Sehnsüchte des Herzens, aller Sehnenstränge des Willens. Und Hölderlins Gesänge! Ein einziger, strahlender Aufstieg steilster Lebenswerte und göttlichen Fernwehs, ein Anruf an das „Riesenherz“ der Welt, und er wußte, was er sagte, als er über die „klugen Ratgeber“ schrieb:

„Jetzt blüht die neue Kunst, das Herz zu morden,
Zum Todesdolch in meuchlerischer Hand
Ist nun der Rat des klugen Manns geworden …“

Man kann auf diese Weise sehnen und schaffen und Erleben aller echten Künstler des Abendlandes durchgehen, überall steht am Anfang der geballte künstlerische Wille, bereit, sich einer großen schau zu bemächtigen, sie ZU kneten, zu gestalten, eine neue Schöpfung hervorzubringen und dann in dieser Auslösung des aesthetischen Willens – im Zusammenklang mit dem Gesamtwollen sich seine Beseligung zu bereiten.

Das „amoralische Genie“

Gerade diese zu tiefst willenhafte Künstlerschaft steht auch einer Behauptung feindlich gegenüber, die gleichfalls von unserer modernen Aesthetik mit Vorliebe immer wieder vorgetragen wird: als gebe es ein un- bzw. amoralisches Genie. Diese Anschauung, die offenbar rein intellektualistilcher Natur ist, geht zurück auf die versuchte LosIösung des Künstlertums vom wollenden Wesen überhaupt.

Man geht nicht fehl, hier einen Zug unreiner Mittelmeerrasse zu erblicken, der besonders von der jüdischen Literatengilde verbreitet worden ist. Nordisch-germanische Kunst straft von ihrem Anfang an diese Behauptung Lügen, schon allein durch die Wahl des Gehalts. Man lese Wagners Briefe an Liszt, um zu ermessen, wie tief sich hier echte Rasse vom Asphalt-Intellektualismus scheidet. Man merke sich auch Beethovens Worte: „Händel ist der größte Komponist, der je gelebt hat. – Ich würde mein Haupt entblößen und auf seinem Grabe knien.“ „Mozart größtes Werk bleibt die „Zauberflöte“; denn hier erst zeigt er sich als deutscher Meister. Don Juan hat noch ganz den italienischen Zuschnitt, und überdies sollte die heilige Kunst nie zur Folie eines so skandalösen Sujets sich entwürdigen lassen.“

Nur von diesem Charakter getragen, sind die großen Schöpfungen des germanischen Abendlandes entstanden: die Dome wie die Dramen und Symphonien.

Der größte bewußte Versuch, mit allen Mitteln des Auges und Ohres diese Erhabenheit des Willens zu wecken, ist Wagners Musikdrama Wagner erklärte Tanz, Musik und Dichtung als eine Kunst und führte die Zerrissenheit und Zeugungsunfähigkeit seinerzeit auf die Tatsache zurück, daß jede der drei Künste, vereinzelt, an den letzten Grenzen ihrer Ausdrucksfähigkeit angelangt sei und sich verzerrt habe. Beethovens absolute Musik führte den Meister in dieser Erkenntnis in der IX. Symphonie zur menschlichen Stimme zurück. Wie der Rhythmus das (Wagners Schöpfung) Gebein, so sei die menschliche stimme das Fleisch des Tones. Der Musik allein aber fehle der „moralische Wille“, ihre Vereinzelung bedeute Chaos oder öde Programm-Musik. Das der Musik und dem Tanz entfremdete Drama, die vollendetste Gestaltung der Lyrik, aber lande nach durchgeführter Loslösung von den „andern“ Künsten notwendigerweise beim nur geschriebenen Trauerspiel, das nie dargestellt werden könne. so scheiterte Goethe, so scheiterten um so mehr seine Nachfolger. Der Tanz, ursprünglich nur echt und blutvoll als Nationaltanz, in Verbindung mit Volksmusik und mit dem Liede, wurde dank dieser Loslösung ein naturentfremdetes Bewegen der Beine, ohne Gehalt und echten Rhythmus. Das Kunstwerk der Zukunft erblickte Wagner deshalb in der Vereinigung der drei Künste, die nur eine Kunst ausmachten: im Wort-Ton-Drama.

Wagner kämpfte gegen eine ganze verpöbelte Welt und siegte; das Kulturwerk Bayreuths steht für ewig außer Frage. Aber nichtsdestoweniger beginnt heute eine Abkehr von der Grundlehre Wagners, als müßten Tanz, Musik und Dichtkunst auf immer und in der von ihm gelösten Weise gebunden werden; als sei Bayreuth tatsächtich die nicht mehr wandelbare „Vollendung des arischen Mysteriums“.

Wagner hat streng die Bedingungen geschieden, unter denen das Wort das unbedingte Übergewicht inne hat, von jenen, wo die Musik die Führung ergreifen muß, um die äußere Handlung durch die innere abzulösen Und doch zeigen uns zwei Tatsachen, daß die Form des Wagnerschen Musikdramas auch ihm nicht immer restlos gelungen ist (so wie in „Tristan und Isolde“, in den „Meistersingern“),daß auch er ein Drama schuf, welches so hoch hinausgriff, daß ein Theater hier ebenso versagen mußte, wie beim Faust II. („Ring des Nibelungen“) und (Wort, Ton, Tanz) die andererseits beweisen, daß oft gerade durch die Verbindung von Wort und Musik der Tanz in seiner allgemeinen Form als dramatische Gebärde vergewaltigt wird.

Das Wort ist trotz seiner ihm angeborenen Musikalität stets der Träger eines Gedankens oder Gefühls. so sehr man die gedankentragende Sprache als „außeraesthetisches“ Element betrachten möchte, so ist sie doch die Vorbedingung eines jeden echten Dramas. Ihre Klarheit und Verständnismöglichkeit bestimmt Höhe und Weite des Hörsaals, die Sprachtechnik galt als Voraussetzung eines jeden großen Darstellers. Nur durch das Mittel der Sprache ging der Formwille des Dichters. solange nun das Wort einen menschlichen Konflikt schildert, eine Begebenheit erzählt oder einen Gedankengang vermittelt, wird es durch die Musik nicht gefördert, sondern gestört. Die begleitende Musik vernichtet geradezu das Medium der Willens- und Gedankenübertragung. Das zeigt sich u. a. in der Erzählung Trist ans im l. Akt, in Wotans Zwiesprache mit Brünnhilde, in Alberichs Fluch, im Gesang der Nornen im Vorspiel der Götterdämmerung. Überall, wo ein Gedankengebilde vermittelt werden soll, tritt das Orchester hindernd in den Weg. Das gleiche gilt von fast allen Massenszenen. Im stark anschwellenden Tonbild gehen die Äußerungen des Volkes vollkommen unter; das Publikum hört nur unartikulierte laute Ausrufe, sieht nur scheinbar unbegründet erhobene Hände. Das führt nicht zur Gestaltung, sondern zum Chaos. Man vergleiche z.B. nur den Beginn des Egmont mit Brünnhildens Ankunft im Schloß zu Burgund. Goethes Volksszene zeigt größte plastische Lebendigkeit, einige Worte von links und von rechts zeichnen Gedanken und Stimmung ganzer Menschenschichten Die Gemeinsamkeit in bezug auf Egmont gibt diesem Individuellen dann die echte eindringliche Kraft. Eine Musikbegleitung während (Ein Dogma im Musikdrama) dieser Massenszene würde ihr jeden Takt und Charakter rauben*.

Abgesehen von der Zumutung, daß Brünnhild ihre Seelengeheimnisse vor versammeltem Volk preisgibt, ist uns dessen Gebaren – von Musik begleitet – im Wort-Ton-Drama zu einer hemmenden Szene geworden, die nur aus Begeisterung zum Wollen Wagners nicht kritisiert wird. Hier hat der Ton das Wort erschlagen.

Dies geschah, weil der Zwangslehrsatz aufrechterhalten wurde, als dürfe während des Musikdramas die Musik keinen Augenblick aussetzen. so sehr sie berechtigt ist, bei Beginn des Rheingolds, im 2. und 3. Akt des Tristan, im 3. Akt der Meistersinger, die alleinige Führung zu übernehmen, so sehr steht sie bei der Hinführung des Menschen in die Seele Tristans, Markes, Hans Sachs’, dem Wort im Wege. Beethovens Musik zum „Egmont“ ist das allertiefste Musikdrama. Diese Musik würde aber nicht in dieser Weise ergreifen, wenn auch die

* Der verehrungswürdige H. St. Chamberlain darf wohl als der bewußteste Verfechter der Idee des Wagnerschen Wort’ Ton’Dramas angesehen werden. Zugleich verteidigt er leidenschaftlich Goethes Anschauung, daß zwischen echter Dichtkunst, d. h. der „Kunst des Wahnes“ und allen anderen Künsten eine Kluft gähne, daß hier überhaupt keine Angrenzung stattfände. Die Wahnkunst habe es nur mit Vorstellungen zu tun, alle anderen Künste seien in irgendeiner Hinsicht „wirklich“, Sinnenkünste. Hier liegt offenbar ein „plastischer Widerspruch“ vor, wie Chamberlain ähnliches bei Wagner selbst feststellte. Mir will scheinen, daß Goethes Abgrenzung richtiger ist:es sind alles verschiedene Künste, die sich gegenseitig befruchten, steigern können, nicht die wiedergewonnene „Eine Kunst“; die Vermählung von Wort und Ton im Liede läßt sich nicht einfach als Programm auf ein großes Drama anwenden. Es ergibt sich aIso ein neuer Weg, ein neuartiges Zusammengehen zwischen Wort und Ton und Mimik, das manche nachwagnerischen Verirrungen vielleicht wieder gutmachen könnte (Der motorische Faktor) Auseinandersetzung zwischen Egmont und Oranien, oder zwischen Egmont und Alba vom Orchester begleitet würden.

Neben dem Tanz ist das Drama die einzige Kunst, in der der lebende Mensch selbst auch Darftellungsmittel ist. Er hat die Aufgabe, nicht nur in der Zeit dramatisch Zu wirken, sondern auch räumlich durch Gebärden. Die Bewegung ist eine Funktion aus Raum und Zeit; die eine Form unseres Anschauungsvermögens steht im bestimmten Verhältnis zur anderen. Der in Worten ausgedrückte Affekt fordert unbedingt auch eine starke äußere: Bewegung des ganzen Menschen. Dem Tempo des inneren Erlebens entspricht die Schnelligkeit der Veränderung im Raum. Im Wortdrama ist es möglich, diese raum-zeitlichen Beziehungen hemmungslos herzustellen und somit im Zuhörer und Zuschauer den auch ihm innewohnenden Rhythmus, aber auch den sogen. motorischen Faktor wachzurufen.

Eine Zeitlang hat man die Wichtigkeit dieses motorischen Faktors übertrieben: als nämlich die sensualistisch-psychologische Aesthetik das Feld beherrschte; der „klassische“ Rückschlag hat ihn aber wieder viel zu sehr in den Hintergrund gedrängt. Ohne Zweifel ist jedoch dieses motorische Erwachen des Menschen das äußere Bild eines willenhaften Hochtriebes. Die Clairons, die zur Attacke blasen, der Hohenfriedberger Marsch, unter dessen Klängen Millionen in den Tod gezogen sind, zeigen, wie sehr der heldische schmetternde Klang einen Willen zu erzeugen vermag, der sich motorisch in höchste leibliche Energiespannungen umsetzt. Hierzu gehört der Rhythmus des echt nationalen Tanzes, auf dessen Klänge das betreffende Volk seelisch und motorisch antwortet. Auch hier stehen Zeit und Raum in einem bestimmten Verhältnis, welches durch keine dritten Faktoren gehemmt wird. Tritt aber zum Wortdrama die Musik und zur Tanz-Musik das Wort hinzu und zwar nicht während kürzerer Zeitfolgen, (Die drei Künste – eine Kunst?) sondern dauernd, so ist es unvermeidlich, daß künstlerische Unstimmigkeiten entstehen. Man hat sich zwar über die alte Oper lustig gemacht, in der ein Held seine Flucht verkündet und noch zehn Minuten lang stehen bleibt, aber auch in Wagners Dramen wird die innere Übereinstimmung zwischen Wortgehalt und Gebärde durch die Musik nicht selten verhindert. Als z. B. Brünnhild plötzlich Siegfried an Günthers Hof erblickt und leidenschaftlich auf ihn zugeht, hemmt ihr gesungenes Wort den Ablauf der Bewegung.

Und Siegfried muß, umgekehrt, eine abwehrende Gebärde gleichsam unter der Zeitlupe vollziehen. Das gleiche gilt von den meisten Auftritten im „Rheingold“ Zwischen den Göttern und den Riesen.

Stört in diesen Fällen die Musik, als an die physische Singmöglichkeit gebunden, den Ablauf eines seelischmotorischen Prozesses, so kann in anderen Fällen das Wort der Schnelligkeit des Tanzes nicht folgen; auch dieser muß sich also hier eine Verfälschung gefallen lassen, ein Fall allerdings, der im Musik-Drama wohl selten eintritt.

Diese Betrachtungen bedeuten keine Kritik an unwichtigen Dingen, sondern zielen auf ein Wesen hin, welches auch Wagner und jeder Opernsänger sicherlich schmerzlich empfunden haben; sie besagen, daß die drei Künste auf die Dauer gleichzeitig nicht zu vereinigen sind, sondern, ganz gleich, wie sie in früheren Zeiten einmal zueinander gestanden haben mögen, die vorhandene Eigengesetzlichkeit keiner von ihnen ohne künstlerischen Schaden mißachtet werden kann. sie sind eben nicht eine Kunst. Der Versuch, dies gewaltsam durchzuführen, zerstört den seelischen Rhyrhmus und hindert den motorischen Ausdruck und Eindruck. Hier steht Wagner, dessen ganzes Kunstwerk nichts anderes ist als eine einzige ungeheure Willensentladung, sich manchmal selbst im Wege. Die Voraussetzung seiner Größe war auch die Bedingung einiger schwächen. Unbewußt empfinden es die meisten (Wagner – der Lebenerzeuger) Empfänger des Wagnerschen Musikdramas, ohne sich dies Mißbehagen erklären zu können; dann überwiegt aber auch der unvergleichliche Eindruck mystisch-heldenhafter Stellen und entschädigt für das vorher dunkel empfundene Mißverhältnis zwischen Raum und Zeit (Waldweben, Trauermarsch)*.

In keiner Weise wird durch diese Bemerkungen Wagners Tat irgendwie verkleinert. sie hat Leben gezeugt und das ist entscheidend. Es war auch sicher von Segen, daß die ganz vereinzelten Künste wieder zusammengeführt worden sind. Sie haben sich dabei gegenseitig befruchtet. Vielleicht kommt einmal ein anderer Großer, der mitten hineingreift in das heutige Leben und mit Rücksicht auf die neuerlebte Eigengesetzlichkeit der drei Künste uns eine neue Form des Wort-Ton-Dramas schenkt mit „Egmont“ und „Tristan“ als Vorbildern.

Das Wesentliche aller Kunst des Abendlandes ist aber in Richard Wagner offenbar geworden: daß die nordische Seele nicht kontemplativ ist, daß sie sich auch nicht in individuelle Psychologie verliert, sondern kosmisch-seelische Gesetze willenhaft erlebt und geistig-architektonisch gestaltet. Richard Wagner ist einer derjenigen Künstler, bei denen jene drei Faktoren Zusammenfallen, die jeder für sich einen Teil unseres

* Als Anmerkung gebe ich meiner Überzeugung Ausdruck, daß Wagner im „Ring“ an Menschen und Theater derartige Anforderungen stellt, daß diese seinen großen Bestrebungen einfach nicht folgen können. Außerdem treten neben dem symbolischen Effekte auf (Ring, Parzival), die zu technisch wirken. Ebenso wie man auf die Wiedergabe der klassischen Walpurgisnacht verzichtet hat, wird man auch die Verkörperung „des Rings nie befriedigend durchführen können. Während Tristan und Hans Sachs ewiges Leben haben, wird der Ring entweder von einer gleichgenialen Hand umgestaltet werden müssen oder nach und nach vom Theater verschwinden. (Die ewige Sehnsucht) gesamten künstlerischen Lebens ausmachen: das nordische Schönheitsideal, wie es äußerlich im Lohengrin und Siegfried hervortritt, gebunden an tiefstes Naturgefühl, die innere Willenhaftigkeit des Menschen in „Tristan und Isolde“ und das Ringen um den Höchstwert des nordisch-abendländischen Menschen, Heldenehre, verbunden mit innerer Wahrhaftigkeit. Dieses innere Schönheitsideal ist verwirklicht im Wotan, im König Marke und im Hans Sachs (Parzival ist eine stark kirchlich betonte Abschwächung Zugunsten eines Lehnwertes).

Hier trifft das Seelenleben Wagners mit dem tiefsten Unterton aller europäischen Großen zusammen. Ich will ihre Namen nicht mehr aufzählen. „Das Höchste ist ein heroischer Lebenslauf“, bekannte selbst Schopenhauer. Diese Kraft des Heroisch-Willenhaften ist das geheimnisvolle Medium, welches unsere Denker, Forscher und Künstler alle gelenkt hat. sie ist in den größten Werken des Abendlandes Gehalt und Sehnsucht vom Grafen Rüdiger bis Zur „Eroica“, zum Faust und zum Hans Sachs. sie ist die Gewalt, die alles formt. Ihre Erweckung im Empfänger ist auch das letzte Ziel abendländischen Kunstschaffens.

Diese Erkenntnis steht gleich fern der Lebensfremdheit unseres Klassizismus wie der flachen Sinnlichkeitskunst und dem Formalismus von heute. sie umfaßt beide und geht mit ihnen in die Tiefe, wo sie alles das findet, was aus dem Wesen der nordisch-abendländischen Seele geschaffen wurde.

Was sich an Willensentladung bei den Größten zeigt, ist auch Wesensgebiet bei allen anderen echten Künstlern des Abendlandes, also auch bei denen, deren seelische Stoßkraft nicht von gleich starkem, wenn auch gleich gerichtetem Formwillen Kunde gibt. Das Ergebnis ist auch hier durchaus eigenartig. Wir nennen es (Fernweh und Ruhe) das Gemütige, das Intime, das Humorvolle. Ich wüßte nicht, daß sich Erzeugnisse anderer Rassen, ja sogar verwandter Völkergruppen mit diesen Worten bezeichnen ließen: die kleinen gotischen spitzgiebeligen Häuser mit ihren Luken und kleinscheibigen Fenstern, die hervorgeschobenen Erker, die geschnitzten Türen, die beschlagenen Truhen und die bemalten Holzverschalungen, die niedrigen Zimmer mit dem Ausblick in des Nachbars Stube. Weiter gesellen sich hierzu die Erzählungen Gottfried Kellers, die Gedichte des Pfarrers Mörike, der die Vögel so liebte, und im engen Zimmer alle seine Sachen beisammen haben wollte; die Dichtungen Raabes, die Kunst eines Dickens, die Malerei eines Cranach, überall finden wir die stiller wirkende germanische Persönlichkeit in ihrem Wesen als gemütig wieder. Raabe hat dieses Wesen in einem Vers ausgesprochen:

„Im engsten Ringe
Weltweite Dinge.“

Die Stille dieser Künstler ist aber auch hier nicht die „klassische Ruhe“. Gewiß liegt allem Germanischen auch eine tiefe Sehnsucht nach der,, Meeresstille des Gemütes“ Zugrunde; seit Hunderten von Jahren wandern nordische Menschen über die Alpen; nach Hellas sind die Augen unzähliger Geschlechter gerichtet gewesen Aber nichts ist oberflächlicher, als zu sagen, der Deutsche suche sein verloren gegangenes Wesen, verloren gegangene, vorbildliche Haltung und Harmonie. Oh nein! Die Sehnsucht nach Rhythmus, der Ausdruck einer starken seelischen Willenhaftigkeit liegt hier zugrunde, der auch dieses Suchen als Sehnsucht nicht nur nach Enthüllung des eigenen Wesens, sondern auch als suchen nach dessen komplementärer Ergänzung sein Gepräge erweist. Der ewig forschende und tätige nordische Mensch sucht die Ruhe, ist manchmal geneigt, sie höher als alles andere zu schätzen. Hat er sie aber errungen, so halt es ihn nicht lange, er sucht, forscht und (Dickens, Raabe, Keller) formt weiter. („Nichts von Ruhe!“, schreibt Beethoven 1801 an Wegeler, „ich weiß von keiner anderen Ruhe als dem schlaf, und wehe genug tut es mir, daß ich ihm jetzt mehr schenken muß als sonst.“) Und wenn er „still“ ist, so brodelt es doch in den Tiefen weiter, stets bereit, in tätige Erscheinung sich umzusetzen. Germanische Kunst ist Tat, d.h. geformter Wille. D i c k e n s vergoldet mit ewiger, aber ganz und gar ungriechischer Schönheit Welt und Menschen. Diese seine innere Schönheit ist ein Willensspiel, bald dunkler, bald heller getönt, immer aber mitsprudelnder Bewegung verbunden. „Bleak Haus“ ist vielleicht die köstlichste Frucht dieser Kunst, von noch eindringlicherer Atmosphäre als „David Copperfield“. Auch unter dem gütigen Gesicht R a a b e s gärt im „Abu Telfan“ eine aktiv wirkende Sehnsucht, die in „Die Innerste“ zu dramatischen Akkorden anschwillt. Nicht ganz so tief, trotz stärkerem Pathos, dichtet C. F. Meyer aus gleicher Seelenüberlieferung die „Richterin“, die „Hochzeit des Mönchs“, „Jürg Jenatsch“, während K e l l e r wie ein gotischer Holzschnitzer seine absonderlichen Gestalten zurechthobelt, ihnen merkwürdige Falten ins Gesicht schneidet und sie dann, so wie sie sind, in die unsentimentale Welt hinausschickt. Eine Riesenfülle von Leben ist es, die von der germanischen Seele gezeugt ist bis zu einem Hermann Löns, der die Seele der Erde in sich pochen hörte. Diese naturhaft-mystische Seite ist es, die aus aller durchaus “ klaren“ Gegenständlichkeit bei Löns ebenso fühlbar ist wie in Goethes „Über allen Wipfeln ist Ruh. . .“ und „Dämm’rung senkte sich von oben“. In der knappsten Schilderung liegt ewiges Wollen, ewige Bewegung verborgen und die “ Wehrwölfe“ handeln ebenso nach ihrem innersten seelisch-rassischen Freiheitswillen wie Faust, der die ganze Welt erforschen möchte. Nochmals: der in äußerer Stille dahinlebende Raabe war ein echter „Hungerpastor“, hungrig nach Weisheit und Weltenschau.

 Der nordische Humorist

„Sieh hinauf zu den Sternen!“ lehrt er. „Hab’ acht auf die Gassen!“, tont es wieder. Er erblickt die echte Harmonie nicht nur in der Meeresstille, sondern auch im wilden Sturm, der den Menschen mitreißt, und gibt seinem Helden Robert Wolf die Losung auf den Lebensweg: „Auch in Ketten vorwärts!“ Durch Gottfried Kellers Dichtungen, die doch scheinbar so klar und umgrenzt in der warmen sonne liegen, flutet ebenfalls der fühlbare Unterstrom eines selbstverständlichen Heroismus. „Julia und Romeo auf dem Dorf“ ist solch ein Stück unverweichlichter Größe wie die „Frau Regula Amrain“ ein Beispiel inneren Stolzes. Das Mädchen, welches sich sinnend sein Hochzeitsleinen webt und dichtend seine Liebe mit hineinflicht, singt doch wieder: und sollte der Mann fürs Vaterland nicht streiten wollen, dann möge das Hochzeitslinnen zum Grabgewand werden. Und der Hirte, der hoch oben auf den Bergen immer neu seine durch Lawinen zerstörte Hütte erbaut und duldend anschaut, erklärt: „Wenn in meines Laubes Bann der Knechtschaft verheerende Löwin fällt, dann zünd’ ich selber die Heimstatt an und ziehe hinaus in die weite Welt.“

Der nordische Mensch im Bürgerkleide ist Humorist. Er grollt und trauert zwar in seinen Tiefen, aber das Brodeln wird von bewußter Selbstbeherrschung gebändigt und durch menschliches Verstehen übergoldet. Ein Goethe konnte deshalb ebensowenig Humorist sein wie ein Leonardo oder ein Shakespeare. selbst Cervantes ist kein Humorist, wie manche noch glauben. Tiefe Humoristen aber wie Gottfried Keller, Wilhelm Busch, Wilhelm Raabe, auch Charles Dickens und Spitzweg gehören doch hinein in das Rauschen des europäischen Wesens, sie sind heitere Ruhepunkte, aber auf dunklem Grunde. Der Wald ist mehr als eine bestimmte Anzahl von Bäumen, das Volk mehr als die Gesamtheit seiner Angehörigen, der Staat mehr als die summe seiner Gesetze. Der Wald (Knut Hamsun) ist dazu noch Bewegung, rauschender Rhythmus, Licht-und Schattenspiel, klare Linienführung und dunkles Geheimnis; das Volk ist als Volkheit Ringen, siegen, Unterliegen, Lachen und Trauern, sein Leben geht hin in Kaskaden oder fließt in breitem Strom. Und doch ist es ein Wasser, das den Charakter spiegelt. so gehört die „Stille“ Storms und Raabes und Kellers neben die Großheit Goethes und Wagners, die lächelnde Tragik Buschs neben das in großen Schritten schreitende Pathos Schillers. Ein dunkler Unterstrom des Blutes und der Seele verbindet sie alle und auch in dem „stillsten“ klingt das ewige deutsche Lied vom ewigen Werden und Kämpfen um sein Sein.

Von keinem lebenden Künstler ist der mystisch-naturhafte, willenhafte Zug großartiger gestaltet worden als von Knut Hamsun. Man weiß nicht, warum der Bauer Isak in gottverlassener Gegend mühsam ein Stück Land nach dem anderen aufrodet, warum seine Frau sich zu ihm gesellt hat und Menschen gebiert. Aber Isak folgt einem unerklärlichen Gesetz, tut aus mystischem Urwillen eine fruchttragende Arbeit und sieht am Ende seines Daseins sicher selbst erstaunt zurück auf die Ernte seines Tuns. Der „Segen der Erde“ ist das heutige große Epos des nordischen Willens in seiner ewigen Urform, heldisch auch hinterm Holzpflug, fruchtbringend in jeder Muskelregung, gradlinig bis ans unbekannte Ende. Aber genau so unerklärlich-selbstverständlich ist der Benoni, der Kaufmann Mack, ist die Baronin Edvarda, ist der Jäger Glan. Jede Persönlichkeit hat ein inneres Gesetz von Anfang an eingehaucht erhalten. Und handelt danach. sie tut scheinbar unvereinbare Dinge – und diese sind doch selbstverständlich. Man braucht sie gar nicht zu erklären, „psychologisch“ zu ergründen; ihr Äußeres selbst ist ihr innerer Wille. Das Mitschwingen unseres Willens aber mit der Kraft, die sie alle schuf, ist das eigentliche „aesthetische Erlebnis“.

Hölderlins Gesang

Als Gegenstück zu dieser Gesetzlichkeit des in der Erde versenkten Wesens des Isak treten die „Landstreicher“ auf. Am gleichen Medium schildert hier Hamsun in geheimnisvoll natursichtiger Weise Gesetze des Alls und der Seele. Wieder sind es Bauern, Fischer, Kaufleute, in denen sich eine Welt spiegelt. Sie verlieren durch Reisen, unbefriedigte Sehnsüchte den Zusammenhang mit der Mutter Erde, deren Segen dann auch nicht mehr auf ihnen ruht. Sie ziehen unstät von Ort zu Ort, wechseln Tätigkeit und Lieben: da die Wurzeln aus der kraftspendenden Erde gerissen, sterben auch die Blüten. so leben sie denn hin, der Edevart, der August, die Lovise Margrete, und wissen nicht, warum und wozu. sie sind Untergang, besten Falls Übergang, Versuchsstücke der Menschheit, um zu neuen Formen und Typen zu gelangen, Werte zu schaffen, neue Ehre zu gewinnen. sie leben wie der Dichter sie hingestellt hat, selbstverständlich und geheimnisvoll. Wie weit rücken von diesem Standpunkt aus gesehen doch alle Hauptmanns, selbst Ibsen, in den Hintergrund. Auch durch Hamsun wurde die Welt wieder einmal überwunden.

Und schließlich die S e h n s u c h t! sie ist es doch, die ein Künstlerherz genau so zu Schöpfungen antreibt wie sie den Forscher auf Entdeckungen entsendet. Die ganze deutsche Romantik ist ohne die Sehnsucht ebenso undenkbar wie einst die Gotik. Hölderlin ist der größte unter den Künstlern der Sehnsucht unserer Zeit, immer bricht dieses Urelement seines Wesens durch, gleich ob er das Traumbild von Hellas in der Diotima erblickt oder das Lied an die Deutschen singt. Ein Hölderlin würde es gar nicht begreifen, wenn man ihm gegenüber von Kontemplation reden würde, nichts hätten wir von ihm verstanden, wenn wir nicht das aesthetisch-willenhafte Sehnsuchtselement seines Schaffens miterleben in höchst gesteigerter Totalität unserer eigenlebendigen Sehnsucht. Und dieser Urtrieb ist es auch, der zwei Erzeugnissen der (Grimm und Kolbenheyer) deutschen Gegenwart einen Teil Ewigkeitswert verleiht: Hans Grimms „Volk ohne Raum“ und Erwin Kolbenheyer „Paracelsus“. Die Glocken, die aus dem Dorfe an der Weser erklingen und den Cornelius Friebott durch die Welt begleiten, sind Ausdruck der Sehnsucht nach Raum, nach Acker, nach Verwendung eingeborener Schöpferkräfte. Diese Sehnsuchtsglocken aus Lippoldsberg läuten auch über den durch die Hand irregeleiteter Volksgenossen herbeigeführten Tod des Suchers hinaus als Weckruf an alle Deutschen auf dem großen Erdenrund. Mag formaltechnisch einiges an „Volk ohne Raum“ zu bemängeln sein, mag es in der Zeichnung mancher Menschen, in der Kraft der Charakterisierung etwa hinter Sigrid Undsets „Kristin Lavranstochter“ zurückstehen (deren Darstellung z.B. des Erlend Nikulaussohn ein Meisterwerk ist), der Norwegerin fehlt diese Ursehnsucht, die uns aus allen Seiten des Grimrnschen Wesens entgegenweht. Je mehr ihre Personen über Glauben und Theologie sprechen, um so kühler wird der Leser, weil er hier Absichten fühlt und Versuche der Übertragungen von Gedanken ins Innere von Gestalten, die gar nicht als Träger derartiger Lebensgefühle erscheinen. Und hier ist es, wo der ebenfalls ins Mittelalter zurückkehrende Kolbenheyer eng an Grimm heranrückt. „Es ist kein Volk wie dieses, das keine Götter hat und ewig danach verlangt, den Gott zu schauen“, läßt Kolbenheyer den ewigen Wanderer zum Kreuzesgott sagen. Jener nimmt den müden Christus, der bettelnd am Wege liegt, auf seine starken Arme und trägt ihn durch die deutschen Gaue. Und die armselige zerquälte Gestalt Christi sangt den starken Odem dieses deutschen Ingeniums auf und wird stärker und kraftvoller. Bis der große Einäugige spricht über die Deutschen: „sie bekennen mich nicht mehr, denn sie haben nur mehr Zungenlaut für ihre ewigen Götter, die das Siegel des Todes tragen, alles andere scheint ihnen klein. Aber (Die Vision des Paracelsus) sie leben mich. Daß dieses Volkes Blut noch soviel Urquell durch die Adern führt! so müssen sie die sehnsüchtigen sein unter den Menschen …“ Aus dieser Weltenvision entsteigt dem Dichter der große Sucher Paracelsus, auf der schwelle zweier großer Epochen stehend, über beide hinausschauend mit der Sehnsucht nach einer Zeit, da nicht mehr Wort wider Wort, Altar wider Altar stehen, sondern dies alles eingefügt sein wird in die Urgesetze des Lebens…

Glaubt jemand etwa, ein Kolbenheyer hätte sein großes Werk aus artistischem Wohlgefallen heraus geschrieben und nicht, weil er selber ein einsamer sehnsüchtiger ist? Und glaubt jemand, sein Werk zu verstehen, wenn er nicht die Kraft der Sehnsucht in sich wachsen gefühlt hat? Wer das glaubt, hat nicht nur diesen „Roman“ nicht erfaßt, er hat germanische Kunst in ihrem Wesen überhaupt auch nicht von ferne geahnt, weder den Ulrich von Ensingen und den Meister Erwin, noch den Dichter des „Faust“ und den Schöpfer des „Hyperion“. Und sie alle wollten aus diesem Gefühl nicht, daß das Ergebnis ihres Schaffens „Kontemplation“ sei, auch nicht, daß es zur Erkenntnis der,, platonischen Ideen“ führe, wie Schopenhauer meinte (was rein intellektualistisch gedacht war), sondern daß sie Sehnsucht weckten, d. h. eine willenhafte Seite unseres Wesens aus der Dumpfheit eines Allgemeingefühls nach einer Richtung hin spannten, hochhielten und in dieser Kraftzeugung tätiges seelisches Lebenschafften.

Es ist eine weltgeschichtlich bedeutsame Tatsache: so religiös der Europäer früherer Zeiten war, so lehr auch heute wieder, zwar noch verborgen für viele, aber doch vielerorts ein tiefes religiöses suchen vor sich geht, so (Europas Religionssuchen vergiftet) viele Mystiker und fromme Männer das Abendland auch gezeugt hat: absolute religiöse Genies, d. h. vollkommen eigengesetzliche Verkörperungen des Göttlichen in einem Menschen hat Europa noch nicht besessen. So reich begabt, so gewaltig im Formen und Überwinden es war: eine unser würdige Religionsform haben wir dadurch bis auf heute nicht schaffen können: weder ein Franz von Assisi noch ein Luther noch ein Goethe noch ein Dostojewski bedeuten für uns Religionsgründer. Weder ein Jajnavalkya noch ein Zarathustra noch ein Lao-tse noch ein Buddha noch ein Jesus ist Europa entstiegen.

Europas Religionssuchen wurde durch eine artfremde Form an der Quelle vergiftet, als seine erste mythologische Epoche ihrem Ende entgegenging. Der abendländische Mensch konnte nicht mehr in arteigenen Formen denken, fühlen, beten. Nach mißlungener gewaltsamer Abwehr ergriff er den ihm aufgezwungenen Glaubensersatz der Kirche. Ein reicher Legendenschatz erblühte auf dem steinigen Boden des jüdisch-römischen Dogmas; prachtvolle Gestalten durchleuchteten in der Ahnung oder Umformung des wahren Jesus die syrischen starren Äußerlichkeiten mit ihrer Inbrunst; Helden fanden sich, um für diesen Lehnglauben zu streiten und zu sterben. Trotzdem bedeutet die Tat des reichen Kaufmannssohnes von Assisi keine Schöpfung, keine aristokratische Weltüberwindung wie die Tat des Inders, der sich lächelnd in das selbstgeschaufelte Grab legte, sondern eine bloße Verneinung. Verzicht auf sein Selbst, das ist das tragische Lied aller europäischen Heiligen, eine rein verneinende Seite abendländischen religiösen Lebens, weil der Europäer arteigen positiv nicht wirken durfte. Dort, wo er es versuchte, wie in der Gestalt des „seligen Meisters“ Eckehart, verschwanden und zerrannen alle kirchlichen Werte, da stieg plötzlich ein erst heute in seiner ganzen Größe sichtbares neues Seelengebäude empor, das sich an die Stelle der fremden Kirche (Kunst als Medium der Weltüberwindung) setzte – und doch in ihrem Banne wirken mußte. so starb dieser Apostel der Deutschen, ehe er dem Volk die ihm gemäße religiöse Weltüberwindung vollbewußt lehren und in diesem Sinne leben konnte.

So ging denn Europa hin und unterjochte sich physisch Welt und Weltall. Das seelische Suchen aber, das nicht religiös, sondern nur römisch-jüdisch sein durfte, verlegte das Schwergewicht vom religiösen auf den künstlerischen Willen. Indiens Hymnen des Altertums sind weniger Kunsterzeugnisse als religiös-philosophische Bekenntnisse, Chinas Götterbildnisse bleiben bei fratzenhafter Verzerrung der Natur stehen oder erheben sich bis zu ihrer Stilisierung und Formalisierung, Ägyptens Malereien sind zeichnerische Kompositionen, Griechenland wurde für uns abstrakte Form. In Europa ganz allein wurde die Kunst ein echtes Medium der Weltüberwindung, eine Religion an sich. Die Kreuzigung Grünewalds, ein gotischer Dom, ein Selbstbildnis Rembrandts, eine Fuge Bachs, die „Eroica“, der Chorus Mysticus sind Gleichnisse einer ganz neuen Seele, einer stetig aktiven Seele, wie sie einzig Europa geboren hat.

Wagner sehnte sich nach Volksgunst als Symbol. Die Gemeinsamkeit des Urquells der getrennten Künste erscheint ihm als Kündung einer neuen Epoche. Diese „Religion der Zukunft“ vermögen wir zunächst nicht zu schaffen, „weil wir doch nur Einzelne, Einsame“ sind:“Das Kunstwerk ist die lebendig dargestellte Religion; Religionen aber erfindet nicht der Künstler, die entstehen nur aus dem Volke*.“

Eine Kunst als Religion, das wollte einst Wagner. Er rang neben Lagarde als einziger gegen die ganze bürgerlich-kapitalisierte Welt der Alberiche und fühlte * Das Kunstwerk der Zukunft. (Der Bayreuther Gedanke) neben einer Gabe auch eine Aufgabe im Dienste für sein Volk. Er sagte nicht zusammengebrochen: „Ich verstehe die Welt nicht mehr“, sondern er wollte eine andere Welt erschaffen und ahnte das Morgenrot eines neuen wiedererstehenden Lebens. Ihm standen entgegen eine gekaufte Weltpresse, ein sattes Spießbürgertum, ein ganzes ideenloses Zeitalter. Und ob viele in unserer Zeit den Formen des Bayreuther Gedankens fremd oder mitempfindend gegenüberstehen: für das damalige Geschlecht ist dieser Gedanke der echte Lebensquell inmitten einer sich bestialisierenden Zeit gewesen. In allen Staaten, wo es Menschen gab, die nicht nur durch Aesthetentum und unschöpferischen Protest sich mit dem Leben auseinandersetzten, fand Bayreuth mitklingende Seelen, und während die einst bejubelten,, sozialen Dichter“ heute nur ein kümmerliches Dasein fristen, ragt der innere Wert Bayreuths immer noch lebenspendend in unsere Zeit hinein, über sie hinaus in die Zukunft des kommenden Deutschen Reiches. Ein Gerhart Hauptmann nagte doch bloß an den morschen Wurzeln des Bürgertums des 19. Jahrhunderts, konstruierte Theaterstücke nach Zeitungsmeldungen, „bildete“ sich dann, verließ die ringende soziale Bewegung, aesthetisierte sich im galizischen Dunstkreis des „Berliner Tageblatts“, mimte vor dem Photographen die Haltung Goethes und ließ sich dann 1918 nach dem Siege der Börse von ihrer Presse dem deutschen Volk als dessen „größter Dichter“ vorsetzen. Innerlich wertelos, sind Hauptmann und sein Kreis unfruchtbare Zersetzer einer Zeit, zu der sie selbst innerlich gehören. In keinem von ihnen, weder in den Sudermanns noch Wedekinds, erst recht nicht in dem späteren Schwarm (Mann, Kaiser, Werfel, Hasenclever, Sternheim) loderte ein echter Protest im Herzen, nein: ebenso wie der marxistische Sozialismus politisch versagte, so wurde die sehnsüchtig auch nach künstlerischem Ausdruck ringende Erneuerungsbewegung (Die Internationale der Intellektuellen) durch diese anmaßende „deutsche“ und hebräische Literaturgilde verraten, verfälscht. Alle diese Arbeiterdichter erstarben innerlich vor der Macht des Geldes und seiner Knechte, die sie angeblich bekämpften. sie alle sind geistige Emporkömmlinge, die behäbig und „human“ werden, sobald sie am Tische der Fürsten des Goldes mitessen dürfen. Der große echte revolutionäre Zug der „Räuber“, der „Kabale und Liebe“, ja selbst des „Wilhelm Tell“ ist nirgends im 19. Jahrhundert zu spüren. Die Schöpfung der Dirne Lulu ist das Höchste, wozu sich die „Dichter“ emporringen konnten. Und um auch das sich hervorwagende Echte und Ringende zu unterdrücken, schlossen die Geldfürsten ein Kartell mit den jüdischen Theaterdirektoren und Pressemenschen Diese lobten alles Freche, Nagende, Gekünstelte, Impotente, Verkrüppelte hoch und kämpften noch weit geschlossener und bewußter gegen jede echte Erneuerung der Welt als einst gegen Richard Wagner. Denn sie wußten: das Große bebeutet den Tod des Kleinen, ein neuer Wert, einmal anerkannt, zerbricht dem Wertlosen das Genick. In diesem größten Ringen stehen wir heute mehr denn je. Wir können nicht mehr weltvergessen wie Raabe oder Keller uns abschließen vom flutenden Leben und wir wollen es auch nicht mehr, trotzdem wir wissen, daß eine ganze Internationale an der Spitze eines Mestizenheeres von „Künstlern“ dem neuen Wert der erwachenden Rassenseele bis in den Tod hinein feindlich gegenüber steht. Oder gerade: deswegen.

Die Barbusse, Sinclair, Unamuno, Ibanez, Maurois, Shaw und ihre Verleger stehen mit den Manns, Kaisers, Fuldas und deren Zeitungsclique in engster Zusammenarbeite. Sie sorgen für gegenseitiges Lob, Übersetzung, Aufführung. Der eine veröffentlicht Unterredungen mit dem andern. Die ganze Weltpresse erfährt drei Monate früher das große Ereignis, daß Thomas Mann eine Novelle schreibt. Jeder berichtet durch den Mund des anderen dem staunenden (Verfaulende Demokratie) Erdball: was er zu denken geruht, wie er arbeitet: im geschlossenen Raum oder im Freien, morgens oder abends . . . Dieses schreibende Spießbürgertum von heute verfault jedoch trotz aller Hymnensänger inmitten der jüdischen Reklame bei lebendigem Leibe: es lallt noch etwas von Menschheit, Völkerfrieden, Gerechtigkeit und hat doch selbst kein Gramm blutvollen echten Menschentums zu vergeben; hat Frieden mit den Mächten gemacht, die den Weltkrieg als ihr Geschäft betrachteten, und schreibt in Zeitungen, die das echte Recht des Volkes auf arteigenen Ausdruck seines Wesens Tag für Tag verhöhnen. Faul wie die politische Demokratie selbst sind auch ihre PsaImisten alle, ob sie nun Shaw heißen und Jahr für Jahr nichts weiter tun, als Leichenfraß betreiben und dabei nicht einmal wissen, ob das schmackhaft ist oder nicht, oder Heinrich Mann und einem nicht durch s i e Gestürzten einen Eselstritt versetzen . . .

Für das 19. Jahrhundert gibt es noch einen Milderungsgrund: daß seine Menschen inmitten einer reißenden Strömung des erwachenden Industrialismus standen und wie viele andere auch vom Neuen überrumpelt worden waren. sie fühlten zwar alte Werte wanken, wer wollte aber den Stab darüber brechen, wenn sie keinen Sonnenaufgang erblickten, sondern verendeten? Aber der Beginn des 20. Jahrhunderts zeigte bereits Menschen, die anmaßend genug waren, als Verkünder eines neuen Systems aufzutreten. Und heute sehen wir, daß alles, was sie verkündeten, aufgeblasener Moder war, an dessen aufstrebende Kraft sie selbst nicht glauben. Ibsen und Strindberg rangen noch ehrlich bis zum Tode: die heutigen letzten Sänger der Demokratie und des Marxismus haben weder Glauben an andere, noch tragen sie Eigenwerte in sich selbst. sie graben jetzt in chinesischer, griechischer, indischer Literatur nach Gestalten (Klabund, Hoffmannsthal, Hasenclever, Reinhardt), putzen diese auf oder holen sich Nigger (Die mißleitete Arbeiterbewegung) aus Timbuktu, um ihrem auserwählten Publi