Thema Mythologie und Sagenhaftes aus dem hohen Norden

Die Mythologie (von altgr. μυθολογια mythologia; zusammengesetzt aus μυθοι mythoi „Geschichten“ und λέγειν legein „erzählen“) bezeichnet die Lehre der gesamten Mythen eines Volkes und behandelt als ihren eigentlichen Gegenstand die aus der vorgeschichtlichen, d. h. vorliterarischen Zeit überlieferten Erzählungen, in die sich die Vorstellungen von dem Entstehen, dem Leben und den Handlungen der Götter im Verhältnis zueinander und zu den Menschen eingekleidet haben, sie bildet einen Hauptgrund der Götterlehre und damit der Religionsgeschichte. Im weiteren Sinn umfaßt die Mythologie auch die in vorchristlicher Zeit entsprungenen Sagen von den Helden der Vorzeit, insofern diese teils ursprünglich Göttergestalten sind, teils als über den gewöhnlichen Menschen und den Göttern näherstehende Wesen galten.

Mythologie bedeutet in diesem Zusammenhang nicht zuletzt auch die systematische Beschäftigung mit Mythen und damit verbundenen Sagen oder deren systematische Darlegung in literarischer, wissenschaftlicher oder religiöser Form.

Das Wort „Mythologie“ erscheint erstmals 1712 in dem Buch Die teutsche Mythologie oder Beschreibung heidnischer Götter.

Ein einzelner Strang der europäischen Aufklärung hat die Auffassung vertreten, Mythos und Logos ständen in unauflösbar widersprüchlichem Verhältnis zueinander und der weitere Geschichtsverlauf werde Mythologien zugunsten wissenschaftsorientierter Sichtweisen vollständig verdrängen. Der tatsächliche Geschichtsverlauf – gerade auch der europäischen Geschichte selber – hat diese theoretische Erwartung jedoch nicht bestätigt.

Vielmehr ist im 20. Jahrhundert der mythologische Charakter technologischer Heilsversprechen (die letzte Seuche ausrotten, die Armut abschaffen, die Wirtschaftsentwicklung vernünftig planen und dergleichen Fehlerwartungen mehr) immer deutlicher zutage getreten. Auch die mit jenem Logos-Begriff oftmals verbundene Erwartung, Religion sei ein absterbendes Kulturphänomen (→ Karl Marx, → Bertrand Russell), hat sich keineswegs bestätigt, sondern das glatte Gegenteil – ein epochaler Aufschwung der religiösen Besinnung – bestimmt heute den Geschichtsverlauf erkennbar mit.

Wie es religiöse Dogmen und Mythen gibt, so gibt es eben auch wissenschaftsgläubige Dogmen und Mythen. Die Nützlichkeit oder Schädlichkeit formal festgelegter Anschauungen kann nicht ein für alle Male bestimmt werden. Insbesondere die Vorstellung, eine rasche Beschleunigung technischer Innovationen sei das beste Mittel gegen „rückständige“ und „unaufgeklärte“ Denkweisen, hat statt dessen eine besinnungslose Technisierung (mit schwersten Vergiftungen des Lebensraumes) und pauschale Traditionsvernichtung auf diversen Gebieten begünstigt.

Der Rückgriff auf mythologisches Erbe ist heute vielfach verschüttet. Andererseits ist Modernismus kein lebensfähiges Zivilisationsmodell, sondern ein Zerstörungsmodus, und wird – in dieser oder jener Weise – auch gemäß mythologischem Geist abgelöst werden.

Germanische Mythologie.goell-walkuere

EINLEITUNG
Es läßt sich mit großer Wahrscheinlichkeit voraussetzen, daß die Stammväter der Germanen, nachdem sie sich von den anderen Ariern getrennt hatten und in zwei Strömen die Ebenen Mitteleuropas und den hohen Norden unseres Kontinents überfluteten, die alten religiösen Anschauungen der Urheimat noch treu bewahrten und vorzugsweise die lichten Mächte des Himmels verehrten. Darauf deuten schon die bei den alten Skandinaviern erhaltenen Namen der Götter TIWAS, d. h. die Himmlischen, und WANEIS, WANEN, d. h. die Strahlenden, hin. Demgemäß werden TYR oder ZlO, der Himmelsvater. und THUNAR, der Blitzgott, den Vorrang behauptet haben.

So sagt denn auch Caesar über die religiösen Vorstellungen der Krieger Ariovists aus eigener Erfahrung: „Die Germanen rechnen zur Zahl der Götter nur die, welche sie sehen und durch deren Segnungen sie offenbar gefördert werden, die SONNE, den MOND) und den FEUERGOTT. Von den übrigen haben sie nicht einmal durch Hörensagen vernommen.“ Der Lichtkultus schloß also noch die Vermenschlichung der Götter aus. Und so war es noch 150 Jahre später. Daß man sich auch da noch nicht die Götter plastisch gestaltete und verbildlichte, bezeugt Tacitus, wenn er schreibt:..weiterlesen

Nordische Mythologie und Sagenhaftes aus dem hohen Norden
Vorab des ArtikelsDie Wilden Götter – Sagenhaftes aus dem hohen Norden“ Fragen und Antworten von Tor Åge Bringsværd
Am Anfang waren Kälte und Hitze
Der Weg nach Norden ­ Norway, Norwegen, Norge ­ wurde immer als schwer zu finden betrachtet, beschwerlich zu gehen und gepflastert mit unsäglichen Gefahren. Für die Schriftsteller der Antike war Norwegen ein Märchenland ­ Ultima Thule, bevölkert von wilden Barbaren und voll von merkwürdigen und phantastischen Wesen.

Der Grieche Pytheas erzählt (im 4. Jahrhundert v.Chr.) von einem Ort, an dem die Naturgesetze nicht zu gelten scheinen, wo Erde und Wasser sich vermischen, und wo alles frei herumzuschweben scheint. Und der berühmte Historiker Herodot klagt, es sei eigentlich gänzlich unmöglich, irgendetwas von diesen nördlichen Gegenden zu beschreiben, weil man ganz einfach seine Hand nicht vor Augen sehe. Das liege an all den weißen Federn, die einem ununterbrochen ins Gesicht flögen, sagt er; die Luft sei voll von solchen weißen Federn, und sie lägen wie ein dichter Teppich auf dem Erdboden. Vermutlich müssen wir diese Aussage als den ein wenig mißglückten Versuch eines Südländers deuten, einen Schneesturm zu schildern… Es stimmt jedoch: Norwegen hat immer schon mehr als genug Eis und Schnee gehabt. Ein großer Teil des Landes liegt nördlich des Polarkreises. Und obwohl sich das Eis schon vor langer Zeit aus unseren Gegenden zurückgezogen hat, dauerte die Eiszeit in Norwegen länger als an den meisten anderen Orten der Welt.

Auch das sogenannte „Heidentum“ hielt sich hier im Norden länger als andernorts. Während das übrige Europa bereits seit tausend Jahren christianisiert war, beteten wir hier oben weiterhin unsere alten „heidnischen“ Götter an.

Wikinger wurden sie genannt, die alten Norweger, die um das Jahr 1000 Europas Küsten unsicher machten und Schrecken und Grauen bis nach London und Paris und weit ins Mittelmeergebiet verbreiteten, die wilden und gnadenlosen „Barbaren“, die nicht gerade einen großen Bogen machten, um Kirchen und Klöster zu plündern… War ihnen denn nichts heilig? Was glaubten sie selbst, diese blonden Seeräuber?

In diesem kurzen Artikel wird versucht, einen Umriß von der alten nordischen Mythologie zu zeichnen ­ so wie wir sie aus der Lieder-Edda kennen ­ der mächtigen Götterdichtung, die vor tausend Jahren entstand (niemand weiß, von wem), und die in isländischen Pergamenthandschriften aus dem 13. Jahrhundert erhalten ist...weiterlesen

Mythologie der Germanen – Der Seelenglaube
mythologie-der-germanen-elard-hugo-1837-1908Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen von Meyer Elard Hugo.
Mythologie ist uralte religiöse Naturpoesie, die die Menschheit mit einer zaubervollen Märchenwelt umgab. Die Mythen wurden nicht wie unsre Kinder- und Hausmärchen nur von den Kindern geglaubt oder daheim zur Unterhaltung erzählt, sondern vom ganzen Volke wie etwas Wirkliches geschaut und empfunden und in Furcht und Hoffnung heilig gehalten. Denn sie waren aus seinem innersten Eigen geboren, geistige Spiegelbilder gewisser Naturvorgänge, sei es des engeren Menschenlebens, sei es der weiten Welt ringsum, in denen ein geheimnisvolles übermenschliches Wesen zu leben und zu weben schien.

So verflochten sich bereits mit diesen ältesten traumhaften Vorstellungen jene ältesten religiösen Gefühle der Furcht und der Hoffnung und somit der Abhängigkeit von etwas Übermenschlichem. Sie trieben den Menschen dazu, diesen Phantasiegebilden Ehren zu erweisen, ihnen zu opfern, auch ihr Tun und Treiben im Kultus dramatisch darzustellen. Die daraus entsprungenen Riten wurden dann zum Teil wieder in die Erzählung des Mythus aufgenommen und gestalteten sie oft eigenartig um. Doch finden wir im germanischen Mythus kaum sichere Spuren davon. Dagegen mit der Hebung der Kultur, dem wachsenden Schwung der Phantasie, der Verfeinerung des Gemütes und der Schärfung des Verstandes flössen reichere, freiere, sinnvollere Mythen zu, welche Kulturzustände oder geistige Tätigkeiten personifizierten und eine Erklärung der mancherlei Rätsel des Lebens und der Welt zu geben suchten. Diese schwollen, mit den alten vereint, je nach Schicksal, Begabung und Richtung der Völker zu mehr oder minder breiten, trüberen oder helleren Strömen, zu ganzen Mythologieen an, bis sie teilweise in das umfassendere Gedankenmeer einer monotheistischen Religion mündeten....weiterlesen

Mythologie der Germanen – Der Alpglaube.
mythologie-der-germanen-elard-hugo-1837-1908Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen von Meyer Elard Hugo. Das Sterbelager und das Grab waren die Geburtsstätten des reichen Seelenglaubens, und schon dort war unter andern Erlebnissen und Eindrücken auch der Traum bei der Mythengeburt tätig. Das Traumbild des Toten aber, so wirksam es sich zeigte, war nicht die leitende Macht jenes Glaubensgebietes. Dagegen wenn der Traum sich krankhaft bis zum Alpdruck steigerte, wurde er allerdings die Haupttriebfeder einer anderen Vorstellungsmasse, des Alp- oder Mahrenglaubens. Auch dieser ist uralt.

Das Alpdrücken erklärte schon ein Hofmann Kaiser Ottos IV. für eine aus Verdickung der Säfte entstandene krankhafte Phantasie. Es wird durch eine akute Luftvergiftung oder, laienhafter gesagt, durch schwere Atemnot des Schlafenden hervorgerufen, wie sie etwa nach einer überreichlichen Mahlzeit namentlich in einem dumpfen Schlafraum aus der Verengerung oder dem Verschluß der Luftzugänge der Nase und des Mundes entsteht. Vom Fußende des Bettes fühlt der Schläfer eine unbehagliche Beklemmung allmählich auf den Leib, die Brust, den Hals, ja sogar den Mund vorrücken. Verwandelt sie sich also mehr und mehr in einen Erstickungsvorgang, so befreit sich der Betroffene endlich durch einen raschen Ruck, der auch die geschlossenen Lippen öffnet, oder häufiger noch durch ein Stöhnen oder einen Aufschrei der Angst und des Hilfsbedürfnisses, der ihm die erlösende Luft wieder zuführt. Er erwacht mit Herzklopfen und Schweiß. Nicht nur die Pein des Drucks ist es, die seine Nerven stark erregt, sondern auch die wilden Visionen, die gerade diese Traumart mit den durch betäubende Getränke erzeugten Hallucinationen teilt. Beim höchsten Grade des Alpfiebers reißt ein Taumel den Geplagten über Meere und Länder, von den höchsten Spitzen in die tiefsten Abgründe; feurige Kugeln umschwirren ihn, Flammen umlodern ihn, bis ein furchtbarer Knall die Irrfahrt urplötzlich abbricht….weiterlesen

Mythologie der Germanen – Die Elfen.
mythologie-der-germanen-elard-hugo-1837-1908Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen von Meyer Elard Hugo. Das Seelen– und das Marenreich liegen hinter uns; wir betreten eine neue Welt, das Naturgeisterreich. Nicht nur am Sterbebett und am Grabe des Angehörigen und auf dem Lager des eigenen vom Alp gepeinigten Leibes erfuhr die Phantasie tiefe mythenbildende Eindrücke.

Die freie Natur mit ihren wechselnden Reizen und Schrecken, Segnungen und Gefahren wurde nun die ergiebigste Fundstätte der Einbildungskraft. Den weiten Luftraum gestaltete sie zu einem erdenhaften und doch überirdischen Wunderlande um, aus den Erscheinungen des Wetters, das auch heute noch die stärksten und weisesten Kulturmenschen in seiner Gewalt hat, aus all seinen zahllosen Formen, Tönen, Farben, Lichtem und seinen oft so auffälligen Wirkungen schuf sie zauberische Tiere und Hunderte von menschgestaltigen Geistern und Göttern, die jenes Wunderland bevölkerten. Aber auch die Erde war ihr Tummelplatz, denn die Licht- und Wettergewalten griffen ja fortwährend in die Berge, Gewässer, Wälder und Felder ein, und so entstand, um einen Ausdruck Goethes zu gebrauchen, ein reges…..weiterlesen

Mythologie der Germanen – Die höheren Dämonen.
mythologie-der-germanen-elard-hugo-1837-1908Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen von Meyer Elard Hugo. Die Germanen gehörten zu denjenigen Naturvölkern, die zwar lange Zeiten hindurch nomadenhaft ihre Wohnsitze immer wieder wechselten, aber in der Regel mit diesem Wechsel einen höheren Kulturstand erreichten. Das zeigt auch ihr Übergang von der niederen zu einer höheren Mythologie. Sie gaben zwar keineswegs den Glauben an Gespenster und Maren, Elfen und Riesen auf — er bildete vielmehr den dauernden Untergrund ihrer Religion bis in die neuere Zeit hinein —, aber er allein genügte nicht mehr. Diese Wesen alle waren trotz ihrer mannigfachen Zauberkräfte doch nicht viel mehr als ihresgleichen. Im Umschwung der großen Schicksale, der die germanischen Stämme aus dem Osten zuerst nach Mitteleuropa und dann weiter nach Süd- und Westeuropa warf, bei der wachsenden Erkenntnis ihrer höheren Lebenszwecke bedurfte es für sie anderer stärkerer Mächte, als jene niederen Dämonen waren, um ein festes Vertrauen zu ihnen und das noch fehlende tiefste religiöse Gefühl, die Andacht, zu erwecken. Wie in der Sprache der alte Wortschatz einen allmählichen Bedeutungswandel erfuhr, indem man der Bezeichnung nicht bloß äußerlicher Dinge und Vorgänge, sondern auch innerer Eigenschaften Herr zu werden suchte, so bildete sich im Glauben der alte Mythenschatz um, indem seinem mehr sinnlichen Gehalt mehr und mehr geistige, sittliche und aesthetische Motive eingeflößt wurden. Die alten Figuren wurden umgeformt und vergeistigt, ihr Kultus gereinigt und vertieft. Aus dem sinnlichen Mythenstoff keimten immer kräftiger die Empfindungen des Unterschiedes von Schön und Häßlich, von Gut und Böse, von Vergangenheit und Zukunft empor. Über das Urgestein schob sich eine neue, in vielen Stücken wertvollere Schicht, die aber weder die Mächtigkeit der ältesten, noch die der späteren hatte. Mit andern Worten: der Glaube erstieg eine höhere Stufe, die der höheren Dämonen, die eine Zwischenstufe von der niederen Mythologie zu der Göttermythologie bildet...weiterlesen

Mythologie der Germanen – Die Riesen.
mythologie-der-germanen-elard-hugo-1837-1908Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen von Meyer Elard Hugo. Die niedere Mythologie pflegt sich nicht mit einer einzigen Art der Naturpersonifizierung zu begnügen, sondern sie schafft sich noch eine zweite, davon geschiedene: zu den Elfen die Riesen.

Und nicht so sehr hat ein sittlicher Gesichtspunkt, der auf eine Scheidung von Gut und Böse Bedacht genommen hätte, diese Zweiteilung veranlaßt, sondern der Eindruck der bloß äußerlichen Größen- und Machtunterschiede der Naturgewalten. So erheben sich hinter den Elfen deren kolossale Gegenbilder, die Riesen, die dieselben Naturmächte wie jene verkörpern, aber in ihrem wilden Aufruhr, in ihrem verwüstenden Übermaß und in ihrer alles Andere überragenden Massenhaftigkeit oder gar in ihrer schrankenlosen Ausdehnung. Gewitter-, Sturm und Wolkendämonen sind auch sie wie die Elfen, aber vom allerheftigsten Temperament. Selbst die hohen starren Berge und das unabsehbare Meer werden zu Riesen, der alles hüllende und füllende Nebel, die tiefe undurchdringliche Finsternis und endlich die ewige Nacht der Unterwelt. Doch kommen einzelne Riesen auch in sanfteren Winden herbei, und im schneeweißen Gewölk strecken schöne Riesinnen ihre Glieder…weiterlesen

Mythologie der Germanen – Das Götterleben und der Götterdienst.
mythologie-der-germanen-elard-hugo-1837-1908Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen von Meyer Elard Hugo. Nächst dem Aufkeimen des Glaubens an übermenschliche Wesen überhaupt ist die Wendung eines Volkes vom niederen Seelen– und Geisterglauben zum höheren Götterglauben das denkwürdigste Ereignis seiner Mythengeschichte. Durch hundert Fasern hängt dieser neue Glaube mit dem alten zusammen; am tiefsten wurzelt er im Naturgeisterreich.

Denn die auf einzelne Menschen angewiesenen Seelen und Maren fügten sich ihrer ganzen Art nach schwer zu einer höheren geschlossenen Körperschaft zusammen. Ungezählt und zerstreut lebten sie weiter und gestatteten nur eine schwache Idealisierung über ihr Dämonentum hinaus. Das Reich der Naturgeister aber, unter denen schon Könige erstanden und aus denen schon, gleichsam als Versuche der Vergöttlichung, die meisten höheren Dämonen hervorgegangen waren, wurde bei der wachsenden Naturerkerintnis, beim Bestreben, die zersplitterten Naturkräfte einheitlicher zu fassen und das Naturleben gleich dem Menschenleben besser zu ordnen, und bei dem mit der Kultur steigenden Bewußtsein von dem Dasein auch sittlicher Mächte, äußerlich und innerlich umgeschaffen. Man schritt von Einzelvorstellungen zu höheren und umfassenderen Begriffen fort, und der Name einer bedeutenderen Naturgeistergruppe z. B. der Holden und Berchten wurde zum Eigennamen einer einzelnen Göttin, zu Holda oder Berchta, oder es wurde ein neuer Name dem neuen Vertreter einer hervorragenden Naturgewalt z. B. Donar beigelegt. So finden wir denn all die alten dämonisierten Naturgewalten, außer dem Donner auch den Wind und die Wolke, das Himmelslicht und die sprossende Erde, in den neuen Göttergestalten wieder. Aber alle Eigenschaften, Kräfte und Ehren der Vielen, die bisher Herren dieser oder jener Naturkräfte waren, wurden nun einem Donnergott, einem Windgott u. s. w. zugeschrieben, der wie ein unumschränkter König in seiner Machtsphäre herrschte. Höchstens wurde dieser von den älteren Naturgeistem als Dienerschaft und Troß umgeben oder auch mit Kindern und anderer Verwandtschaft ausgestattet. Während jene älteren Naturgeister nicht nur die Luft, sondern auch die Erde bewohnten, wurden die Götter, abgesehen von der Mutter Erde, als durchweg vornehme Himmelsbewohner gedacht, die nur ausnahmsweise die Erde mit ihrem Besuch beehrten…weiterlesen

Mythologie der Germanen – Das Christentum in der nordischen Mythologie.
mythologie-der-germanen-elard-hugo-1837-1908Germanenherz aus dem Buch: Mythologie der Germanen von Meyer Elard Hugo. Der germanische Mythenbau steht jetzt vor uns, freilich durch weit klaffende Lücken entstellt, aus verschiedenartigem, bald nordischem, bald deutschem Gestein zusammengesetzt und in den Stilen verschiedener Zeiten und Stände aufgeführt.

So lückenhaft ist die heimische heidnische Überlieferung, daß man sagen darf, sie beginne erst in dem Zeitpunkte, wo das germanische Heidentum zu bestehen aufhört. Nur landfremde Römer und glaubensfremde Mönche wissen schon früher davon zu berichten. Die heimische Überlieferung aber zerfällt in zwei große Hauptmassen, eine überwiegend skaldische nordische und eine überwiegend volkstümliche gemeingermanische. Darin spiegelt sich der scharfe Gegensatz der Stände wieder, der die germanische Staatsverfassung und Gesellschaft beherrscht. Es gab eine Bauernmythologie und eine Adelsmythologie…weiterlesen

Deutsche Mythologie – Der Götterglaube und Ort der GötterverehrungDeutsche-Mythologie-Buchdeckel

Der Götterglaube
Wie bei den Dämonen ist bei den Naturgöttern der Zusammenhang mit den zugrunde liegenden Naturerscheinungen gelockert, ja oft aufgelöst; der Glaube, daß es die großen Naturmächte sind, von denen Wohl und Wehe des menschlichen Daseins abhängt, ist mehr und mehr zurückgetreten. Die Götter sind zu wunderbarer Größe und Herrlichkeit gesteigerte Menschen, Idealbilder von Königen und Fürsten, von erstaunlicher Kraft und Weisheit. Wie Zeus, Hera, Apollo idealisierte Hellenen sind, so sind Wodan, Frija, Donar ideale Germanen. Eine bestimmte Rangordnung unter den Göttern gab es ursprünglich nicht; jeder war in gewissen Lebenslagen der Höchste, der Donnerer, wenn das Gewitter tobte, der Windgott, wenn es stürmte. Solch ein „Augenblicksgott“ ist ferner die Gottheit, die eine einzelne bestimmte Ernte schützt oder eine einzelne bestimmte Waffe zum Siege lenkt und eben in der Garbe, in der Lanze selbst wohnt. Sie entwickelt sich zu einer „Sondergottheit“, die nunmehr ein für allemal der Ernte, dem Kriege vorsteht, und wird schliesslich zu einem „persönlichen Gott“, der immer reicher und idealer ausgestattet wird und alle zusammen gehörenden „Sondergötter“ in sich vereinigt, Darum haften auch ethische Elemente den Götter anfangs nur locker und äußerlich an; *der Gewittergott ist wohl ein gewaltiger, kriegerischer Held und nur wenig von dem Gescblochte der Riesen unterschieden, aber leuchtende Reinheit und Erhabenheit einer höchsten sittlichen Kraft hat er ursprünglich nicht…weiterlesen

Deutsche Mythologie – Seelenglaube und Naturverehrung

Deutsche-Mythologie-BuchdeckelWährend man früher einseitig glaubte, daß alle heidnische Religion sich aus der Naturbetrachtung entwickelt habe, nimmt man heute oft ebenso einseitig an, daß alles religiöse Denken aus dem Seelenglauben abzuleiten sei. Die Religion hat viele Quellen, und jeder Versuch, alle Erscheinungen der Religion auf eine Quelle zurückzuführen, muß gezwungen und unnatürlich erscheinen. Man könnte ebensogut den Ozean von einem Flusse, wie die Religion von einer Quelle ableiten. Zwei Schichten von mythischen Vorstellungen lassen sich mit Sicherheit bei den Indogermanen bloßlegen, Seelenverehrung und Naturverehrung; beide berühren sich oft auf das engste und verschmelzen zu einem Gebilde, so daß sie nicht scharf auseinander zu halten sind. Die großen, mächtigen Götter, die Repräsentanten von Naturmächten, sind von einem Gewimmel niedriger, mißgestalteter Wesen umgeben, die an der Schwelle des Hauses nisten und durch die Luft schwirren. Neben den feierlichen Opfern und Gebräuchen des höheren Kultus findet sich, nicht in getrenntem Nebeneinander, sondern unlöslich verwachsen mit ihnen, der niedere Kultus der Beschwörungen und des Zauberns, die abergläubische Beobachtung der kleinlichsten Vorschriften. Die moderne Ethnologie eröffnet einen Blick in die fernste vorgeschichtliche Zeit, wo von einer Ausprägung indogermanischen Wesens noch nicht die Rede sein kann, und zeigt uns, daß auch hier eine fortschreitende Entwickelung vom Rohsten zum Höchsten stattgefunden hat. Seelenverehrung und Naturverehrung mußten in ihrem letzten Ziele zu der Vorstellung führen, daß die ganze Natur belebt sei...weiterlesen

Deutsche Mythologie – Der Kultus und Götterdienst

Deutsche-Mythologie-BuchdeckelDas Christentum schlug den heidnischen Germanen gegenüber ein doppeltes Verfahren ein. Das unduldsame Wort des Bischofs Remigius von Rheims bei der Taufe des Frankenkönigs Chlodoveeh (496): „Beuge dein Haupt in Demut, stolzer Sigamber, und verehre von nun an, was du bisher verbranntest, und verbrenne, was du bisher verehrtest!“, darf als vorbildlich für die spätere Zeit gelten, in der die heidnischen Götter sämtlich für teuflische Mächte erklärt wurden, und die christlichen Missionare sich beeif erteil, die Heiligtümer zu vem ich teil und den heimischen Glauben und Brauch auszurotten. Zwar leugnete die Kirche die persönliche Existenz der für Götter gehaltenen Wesen durchaus nicht, aber auf Grund biblischer Stellen (wie Psalm 965, I. Kor. 102l_g2) wurden sie als Dämonen bezeichnet. Ihre Verehrung wurde Teufelsdienst; die deutschen Götter wurden direkt als böse Geister bezeichnet. „Entsagst du den Unholden?“ fragt das ostfränkische Taufgelöbnis des 7. Jhds., und der Täufling anwortet: „ich entsage“. Die Opfer, die er seinen Göttern gebracht hatte, mußte er aufgeben; aber ihre Namen nennt die Taufformel nicht, sie wären eine Entweihung: sie sind nicht den Menschen hold, sondern unhold. In der sächsischen Taufformel von ca. 790 wird allen Werken und Worten des Teufels entsagt, dem Donar, Wodan und Saxnot und allen den Unholden, die ihre Genossen sind. So ist die Gestalt des Teufels, wie sie im Volksglauben lebt, reich an Zügen enstellten deutschen Heidentums. Namentlich in Xorddeutsehland ist die Kirche mit furchtbarer Rücksichtslosigkeit vorgegangen….weiterlesen

Deutsche Mythologie – Das Priesterwesen

Deutsche-Mythologie-BuchdeckelKeine der deutschen oder nordischen Benennungen für Priester ist mit einem gleichbedeutenden Worte der anderen idg. Sprachen verwandt, jede ist etymologisch leicht zu erkennen, mithin kann der gesonderte Begriff für Priester, für ein deutlich von anderen Ständen geschiedenes Priestertum nicht allzuweit in die Urzeit zurück reichen. Wie der Hausvater für die Sippe das Gebet verrichtete, opferte und weissagte, eo war für die Heiligtümer der Dorfgemeinde, des Gaues, des Stammes, der Angesehenste, der Häuptling, der König, Leiter der gottesdienstlichen Handlungen. Ganz richtig bemerkt Cäsar (b. g. 68l), daß es bei den Deutschen eine Priesterkaste nach Art der gallischen Druiden nicht gebe. Die Deutschen kannten keinen besonderen, erblichen Stand, der allein den Zutritt zu den himmlischen Mächten gewähren konnte. Wenn somit auch niemand, der den Göttern nahen wollte, eines Mittlers bedurfte, so war doch bei größeren Festen ein Priesterstand notwendig, d. h. man bedurfte Mftuner, die mit der Verwaltung der heiligen Bräuche vertraut waren. Der König, der seinen Ursprung von den Göttern ableitete, war der oberste Priester des Landes, er war Hüter und Pfleger des Heiligtums. Auch bei der kleineren Vereinigung der Gemeinde oder des Gaues war der leitende Beamte zugleich der Priester. Das in Thing und Heer versammelte Volk befehligte und weihte im Namen des obersten Befehlshabers, des machtvollen Tius, der König oder Häuptling. Wie eine ahd. Glosse lehrt, war die Bezeichnung cotinc (tribunus), die auf die Stellung des Priesters zu den Göttern geht (gud; minister deornm sagt Tacitus, Germ. 10), ganz zur Bezeichnung einer weltlichen Würde geworden. Während einige von den Häuptlingen den Heerbann in die Schlacht führten, mußten andere den Göttern für den Sieg opfern, die heiligen Feldzeichen hüten, deren Gegenwart das Dasein der Gottheit und damit den heiligen Frieden bezeugte, der über den bewaffneten Scharen ruhte, und jede Verletzung der religiösen Weihe durch Handhabung der Kriegszucht ahnden. Die Behörden, die nach Cäsar (b. g. 623) gewählt werden, mag ein Stamm angreifen oder sich verteidigen, in deren Händen die Leitung des Krieges steht, und die Gewalt über Leben und Tod haben, können nur Priester sein…weiterlesen

Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt (Die Schöpfungsgeschichte)

Deutsche-Mythologie-BuchdeckelDie mythenbildende Kraft der Völker umspannt die ganze Welt, von ihrer nächsten Umgebung an bis hinauf zum Sternenzelte. Besonders zwei Gruppen dieser mythologischen Naturauffassung lassen sich unterscheiden, kosmo-gonische Sagen, die sich mit dem Entstehen der Welt, des Himmels und der Erde beschäftigen, und theogonische, die den Ursprung und die Entwickelung der Götter behandeln. Auf diesem volkstümlichen Grunde kann die Naturphilosophie der Denker und Weisen auf bauen; die Antwort aber, die das Volk suchte, konnte es nur auf religiöspoetischem Wege durch Mythen geben. Die Fragen über die in der Natur wirkenden Kräfte, nach dem Grunde der Bewegung der Himmelskörper, des Wechsels von Licht und Finsternis, Tag und Nacht, Sommer und Winter, über die Entstehung der Welt, der Götter und Menschen kehren bei allen Völkern wieder. Auch die Deustchen haben eine Kosmogonie gehabt oder wenigstens einzelne kosmogonische Gedanken entwickelt; aber ein kunstvoll zusammengesetztes System läßt sich bei ihnen nicht nach weisen…weiterlesen

Das Erforschen der Zukunft

Deutsche-Mythologie-BuchdeckelAls Mittel zur Erforschung des göttlichen Willens bei den Deutschen nennt Cäsar „Losorakel und Prophezeiungen (sortes et vaticinationes; b. g. 150), Tacitus „Götterzeichen und LosorakeV1 (auspicia et sortes, Germ. 10). Beim Los wurde die Gottheit nach ihrem Willen gefragt, im anderen Falle erfuhr man ihn aus gewissen Vorzeichen. Die Wahrsagekunst scheint mehr Aufgabe der Frauen gewesen zu sein, Los und Weissagung stand jedem freien Manne zu; nur bei Angelegenheiten, die den Staat betrafen, lagen sie in der Hand des Priesters. Im häuslichen wie im öffentlichen Leben aber waren sie mit Gebet und Opfer verbunden. Los (ahd. kluz, got. hlauts) ist das, mit dessen Hilfe geweissagt wird, -das Opferblut; Losen (ahd. hliozan) bedeutet aus Zeichen oder durch Werfen bezeichneter Gegenstände und deren Fallen weissagen oder bestimmen, und dann überhaupt das Schicksal befragen.

Tacitus beschreibt das Verfahren beim Losen folgendermaßen (Germ. 10): „ Man zerlegt die Zweige eines -fruchttragenden Baumes (Erle und Buche mit ihren Eckern, Hasel, Hollunder und Wachholder) in kleine Stäbchen, die durch getvisse Zeichen unterschieden sind und streut sie aufs Geratewohl und wie es der Zufall fügt, über ein weißes Laken. Alsdann nimmt, wenn in öffentlicher Angelegenheit das Los beß’agt wei’dcn soll, der Ewart der Gemeinde, wenn in häuslicher, bloß das Haupt der Familie nach einem Gebet an die Götter*, den Blick gegen Himmel gelichtet, dreimal je ein Stäbchen auf und deutet aus den vorher eingeschnittenen Zeichen nach den Hegeln der Weissagekunst und infolge übernatürlicher Eingebung den durch die Lose ausgespi’ochenen göttlichen Willen. Wenn die Zeichen dawider sind, so findet über dieselbe Sache ßir denselben Tag keine Befragung mehr statt: gestatten sie es aber, so ist noch die Bestätigung durch Götterzeichen erforderlich“…weiterlesen

Die Indogermanen Germanenherz aus dem Buch: Die Indogermanen – Ihre Verbreitung, ihre Urheimat und ihre Kultur (1905)

Die Indogermanen – Ihre Verbreitung, ihre Urheimat und ihre Kultur (1905)

.(PDF-Dateien: Band 1, Band 2)

Vorwort

In diesem Buche habe ich beabsichtigt, eine knappe Übersicht über die Urheimat und Kultur der Indogermanen zu geben. Um die Urheimat zu bestimmen, mussten die Sprachen Europas betrachtet und die Wanderungen der einzelnen Stämme kurz dargestellt werden. Die Kultur der Indogermanen aber ist die des prähistorischen Europas überhaupt, da sich auf diesem Gebiet Grenzen zwischen ihnen und den übrigen Völkern nicht ziehen lassen. Mein Plan war von allem Anfang an darauf gerichtet, ein allgemein verständliches Buch zu schreiben. Ich habe daher in der Darstellung alle Anmerkungen vermieden und diese an den Schluss des Werkes in einen dritten Teil verwiesen. In diesem wird der Leser die Literatur, die ihn weiter führen kann, das sprachliche Material, soweit es wirklich beweiskräftig ist, und zahlreiche Zeugnisse angeführt finden. Auch einige ausführliche Erörterungen sollen dort ihren Platz erhalten. Da die Fülle des Stoffes schliesslich nicht in einem Band vereinigt werden konnte, so ist eine voraussichtlich gleichmässige Teilung vorgenommen. Doch wird der zweite Band so eingerichtet werden, dass man die Anmerkungen besonders binden lassen und dann bequem neben dem Texte benutzen kann.

Den Plan zu diesem Buche habe ich im Jahre 1891 gefasst und seitdem nie aus dem Auge verloren. Eine ganze Reihe kleinerer Aufsätze, die ich seit dieser Zeit veröffentlicht habe, waren die Frucht der dauernden Beschäftigung mit den behandelten Problemen. Die erste, nicht vollendete Ausarbeitung stammt aus dem Jahre 1897. Ich musste diese aus äussern Gründen abbrechen und bin erst vor zwei Jahren wieder dazu gekommen, die endgültige Fassung zu beginnen. Die Grundgedanken, von denen dieses Buch beherrscht ist, dass die Heimat der Indogermanen in der grossen nord-ostdeutschen Tiefebene zu suchen ist, und dass ihre Kultur bei weitem höher war, als man jetzt anzunehmen pflegt, stehen mir seit langem lest, und icli habe sie schon wiederholt ausgesprochen. Kbenso habe ich betont, dass sich mit Hilfe der Sprachwissen-schalt allein über die Kultur wenig ermitteln lassen wird. Die Sprache stellt daher nur im ersten Teil im Vordergrund, bür die Bestimmung der Wanderungen und der Verteilung der Völker ist sie unsere beste Führerin, für die Krschliessung der Kultur kann sie nur als Hilfswissenschaft in Betracht kommen….weiterlesen

Der Jahreskreis und Jahreskreisfeste Entstehung und Hintergrund des Jahreskreis und Jahreskreisfeste Das imponierende Schauspiel der Natur, das sich im Muster der Jahreszeiten wiederholt, hat immer eine große Auswirkung auf das Leben. In der Antike und im frühen Mittelalter, als die Menschen in Mittel- und … Weiterlesen

Der himmlische Lichtbaum der Indogermanen in Sage und Kultus. IrminsulWenn die prähistorische Archäologie allmählich immer mehr einen gewissen homogenen Zustand der in Europa sich ausbreitenden und dasselbe eigentümlich kolonisierenden indogermanischen oder arischen Stämme in Bezug auf das häusliche Leben und die Anfänge gewerblicher Thätigkeit aufdeckt, so entsprechen dem auch die Besultate der Untersuchungen über den mythologisch-religiösen Entwickelungsstandpunkt derselben. Neben den überall bei den betreffenden Völkern auftauchenden analogen Naturanschauungen, als Grundlage ihrer Mythologie, erscheint aber schon eine gemeinsame Phase in der Entwickelung der auf jenen hin sich entfaltenden religiösen Vorstellungen und Gebräuche. Die gleichsam noch flüssigen Elemente fangen schon an eine gewisse Consolidierung zu zeigen. Unter anderem tritt uns eine solche höchst bezeichnend in dem sogenannten Baumkultus und den sich daran schließenden mythisch-religiösen Vorstellungen entgegen, welche nicht, wie man bisher gemeint und namentlich Boetticher und Mannhardt in neuerer Zeit mit großer Gelehrsamkeit auszu-fiihren sich bemüht, aus dem Waldleben der Urzeit unmittelbar hervorgegangen, sondern ursprünglich auf Vorstellungen von einem wunderbaren Welt- oder Himmelsbaum zurückzuführen sind, als dessen Abbilder nur gleichsam gewisse irdische Bäume dann eingetreten. Mit diesem Himmelsbaum stehen wir aber im Mittelpunkt einer eigentümlichen, höchst primitiven Welt- resp. Himmelsanschauung überhaupt, welche zu ihrer Zeit die betreffenden Kreise ebenso beherrschte und für andere Vorstellungen als Anlehnung diente, wie später in den historischen Zeiten innerhalb der klassischen und christlichen Welt selbst noch auf dem Gebiete wissenschaftlicher Forschung der Glaube an die angeblich um die Erde als ihren Mittelpunkt sich drehenden Himmelskörper maßgebend war, bis auch diese Vorstellung wieder einem neuen, nämlich dem kopernikanischen Systeme weichen mußte…weiterlesen

Wald- und Feldkulte: Der Baumkultus der Germanen und Ihrer Nachbarstämme
Mythologische Untersuchungen
Vorwort. 
Wald- und FeldkulteDas vorliegende Buch, welchem demnächst ein zweiter Band „griechische und römische Agrarkulte aus nordeuropäischen Ueberlieferungen erläutert“ folgen wird, beginnt die Veröffentlichung einer Reihe von Vorarbeiten, die sieh dem Verfasser als erforderlich ergeben hatten, um zur Klarheit und Sicherheit über das Fachwerk zu gelangen, in welches die einzelnen Stücke der von ihm unternommenen „ Sammlung der Ackergebräuche“ einzuordnen seien. Es ist hier der Versuch gemacht worden, die wichtigsten Sagen, Frühlings- und Sommergebräuche, welche zu den Erntegebräuchen in unverkennbarer Analogie stehen, einzig und allein aus sich selbst heraus einer methodischen Untersuchung auf ihren Inhalt und dessen Bedeutung zu unterwerfen, soweit es der Hauptsache nach auf Grund des in der Literatur vorhandenen Materiales schon jetzt geschehen konnte. Doch sind an vielen Orten bisher ungedruckte Ueberlieferungen eingestreut. In größerem Umfange ist dies bei Gelegenheit des Erntemai geschehen; die rheinländischen Sitten und die zu Kuhns Aufzeichnungen hinzugekommenen westfälischen verdanke ich schriftlichen Mittheilungen, so auch alle übrigen, dagegen sind die S. 203 ff. verzeichneten französischen einer größeren Sammlung entnommen, welche mir im Jahre 1870 persönlich aus der Unterhaltung mit Kriegsgefangenen zu schöpfen vergönnnt war.

Den mannigfachen neuen Stoff, welchen ich in dem Abschnitte über die schwedischen Waldgeister verwenden konnte, schulde ich dem gütigen und liebreichen Entgegenkommen der Herren D. D. Hildebrand (Vater und Sohn) in Stockholm, Propst E. Rietz in Tygelsjö bei Malmö (inzwischen verstorben), und Baron Djurklou auf Sörby bei Örebro, welche bei meinem ersten Aufenthalt in Schweden im Herbste 1867 mir die im Besitze des Reichsanti-quaritims, des Schonischen Altertnmsvereins und ihrer selbst befindlichen handschriftlichen Aufzeichnungen von Volksüberlieferungen mit außerordentlicher Liberalität zugänglich machten und deren Benutzung erleichterten. Meinem verehrten Freunde Professor H. Weiß, Custos des Kupferstichkabinets in Berlin, bin ich für den Nachweis mehrerer der auf S. 339—340 erwähnten Kunstwerke, den Vorständen und Beamten der königlichen und Universitätsbibliothek zu Berlin für freundlichen, unermüdlichen Beistand verpflichtet. Vor allem aber fühle ich mich gedrungen, dem hohen Unterrichtsministerium meinen ehrerbietigsten Dank für die fortgesetzte hochgeneigte Förderung und Unterstützung meiner Bestrebungen auszusprechen. Eine eingehendere Erörterung über die Grundsätze, das Rüstzeug und die Methode, sowie über die allgemeinen Ergebnisse meiner Arbeit wird den zweiten Band einleiten, der durch treffende Belege die Wahrheit der aufgestellten Sätze zu bestärken Gelegenheit giebt. Im übrigen bilden die in diesem Bande vereinigten Untersuchungen ein abgeschlossenes Ganzes für sich. Mögen sie sich Freunde erwerben und als ein nicht unbrauchbarer Beitrag zur Lösung der großen Aufgaben erfunden -werden, welche der Kulturgeschichte heutzutage im Zusammenwirken der Wissenschaften zugefallen sind….weiterlesen

Nordische Vorfahren ist ein inspirierendes oder motivierendes Video. Es besteht aus Zitaten aus der Wikingerzeit (Hávamál) und Wölfen, die eine starke Verbindung zu unseren nordischen Vorfahren darstellten. „Wir haben jetzt Wolfszeit.
Wir stehen mitten in einem gigantischen Ringen zwischen den sterbenden Fischen und dem kommenden Wassermann, dem Ende einer alten und dem Beginn einer neuen Ära.
Der irdische Kreislauf in dem kosmischen Gesetz ist stärker als die Pläne der Schwarzmagier. Das Klammern an eine vergehende Macht allen kosmischen Gesetzen zum Trotz und der Kampf um die Formen einer neuen sind ungeachtet einer mittlerweile eingetretenen Waffenruhe noch voll im Gange, sie geht sogar noch einem Höhepunkt zu. Eine von Menschen getragene Macht unterliegt keinesfalls den Launen der Geschichte, sondern sie ist stets das Ergebnis eines ständigen Widerstreites zwischen Gut und Böse durch einen gezielt angesetzten Geist und seine Ideenkraft. Und hier begegnen sich der manipulierte Geist mit dem höheren des Guten. Die Macht der Schwarzmagier ist unrein, sie will die Natur betrügen und überlisten, ihr Ziel ist Selbstzweck.
Sie kann daher nur befristet über dem Guten und Höheren stehen.“
Wolfszeit um Thule

Viking inspirierte Motivations- / Inspirationsrede für alle Menschen in Midgard.
Erhebe dich jetzt, Leute von Midgard, mit trostlosen Augen werdet wach.
Erhebe dich zum Horn von Heimdal, jetzt ist es an der Zeit, aufrecht zu stehen.
Fürchte dich nicht vor dem Tod für die Stunde deines Untergangs und niemand kann ihm entkommen. In der Stunde der Dunkelheit
Wo sind die alten Götter? Lass mich sie klar fühlen und sehen!
– Sie sind wie die Sonne hinter den Bergen in die Schatten gegangen. Aber sie sind hier, überall um uns herum. Ich bitte dich aufzustehen! – und folge dem Weg der alten Zeit! Alte Geschichten, an die ich mich vor langer Zeit von Männern erinnere.
Ohne Angst befleckten unsere Vorfahren ihre Speere mit blutigen Schilden. Das Zeitalter des Nordens ist da, jetzt hör dem mächtigen Aesir zu. Es ist Zeit für den Sieg, es ist Zeit, Ihre Sehnsucht und Ihren Durst zu beanspruchen.
Setze dein Herz in Flammen, mit dem unaufhaltsamen Feuer in deinen Adern. Lass die Erde zittern, lass die Götter es mit Mut wissen,

An diesem Tag kämpfe ich !!

odin geistergänzend

Walhall, Ragnarök: Ende und Neubeginn Walhalla – das Ziel aller tapferen Krieger Walhall (oder Valhall, im Volksmund oftmals auch Walhalla genannt) bezeichnet in der nordischen Mythologie das Ziel aller gefallenen Krieger, die sich als tapfer erwiesen hatten und in der Schlacht ihr Leben gelassen hatten. … Weiterlesen

Wir werden wohl durch den Tod gehen müßen, um richtig Leben zu können Welcome to Hell Ein Schriftsatz in meinem Impressum deutet auf. Ich wurde von Gott aus Liebe erschaffen. Aber vom Teufel erzogen.!!! Als meine Flügel abfielen, wuchsen mir Hörner . Mit mir spielt man nicht ungestraft. Denn wer den Teufel in … Weiterlesen

Mein Freund, der Wolf Am Donnerstag, 22. November, legte das Bundesamt für Naturschutz (BfN) das „Wolfsmonitoring 11/2018“ vor. Und dieses zeigt, die Zahl der Wolfsterritorien in Deutschland. 73 Rudel, 30 Paare und drei territoriale Einzeltiere – das sind die vom BfN offiziell vorgestellten Bestandszahlen … Weiterlesen

Der frühe Norden Mit dem Einsetzen der geschichtlichen Nachrichten erscheint Skandinavien als die vagina gentium: ein Volk nach dem anderen drängt über die Ostsee oder aus Jütland südwärts, zuerst die Kimbern und Teutonen (aus Himmerland und Ty), dann Ariovists Sueben und Haruden (Schwabstedt … Weiterlesen

Haithabu Lage von Haithabu/Hedeby an der Südgrenze des wikingerzeitlichen Nordgermanenlandes. Haithabu (altnordisch Heiðabýr, aus heiðr = Heide, und býr = Hof; dänisch Hedeby, lateinisch Heidiba) war eine bedeutende Siedlung dänischer Wikinger. Der Ort gilt als erste mittelalterliche Stadt in Nordeuropa und … Weiterlesen

Dannevirke – Die Wikingermauer in DänemarkIn der Norddeutschen und dänischen Kultur gibt es einen Mythos darüber, warum und wie Dannevirke gebaut wurde. Irgendwann Mitte des 9. Jahrhunderts wollte Otto der Große, der König von Ostfranken, die Dänen unter seinen Daumen bekommen, damit er Steuern von … Weiterlesen

Germanische Mythologie EINLEITUNG Es läßt sich mit großer Wahrscheinlichkeit voraussetzen, daß die Stammväter der Germanen, nachdem sie sich von den anderen Ariern getrennt hatten und in zwei Strömen die Ebenen Mitteleuropas und den hohen Norden unseres Kontinents überfluteten, die alten religiösen Anschauungen der Urheimat noch treu bewahrten und vorzugsweise die lichten Mächte des Himmels verehrten. Darauf … Weiterlesen

Yggdrasil Der Weltenbaum der germanischen Mythologie ist eine der schönsten Schilderungen der verschiedenen Sphären der Existenz.Die Zweige der Esche breiten sich über die ganze Welt und reichen hinauf bis über den Himmel. Drei Wurzeln halten ihn aufrecht, eine reicht zu der … Weiterlesen

Kulturbringer Odin, Allvater, Wotan Einsam sind die tapferen und die Gerechten. Doch mit ihnen ist die Gottheit. Odin, Allvater, Wotan. Gar viele Namen hat Allvater, stetig wacht der Vater aller Götter. Sei Dir bewusst, dass der absolut unkriegerische, große Fragende und Reisende Gott der Germanen absolut friedlich war. Er war kein Missionar, kein Besetzer, kein Besserwisser! Er war bescheidener Suchender … Weiterlesen

Huginn und Muninn und Odins Rabenzauber (Hrafnagaldr Odins) Huginn und Muninn In der nordischen Mythologie sind Huginn und Muninn Odins zwei Raben . Huginn ist das altnordische Wort für „Denken“ und Muninn ist das altnordische Wort für „Erinnerung“. Jeden Morgen bei Sonnenaufgang schickt er sie los, um durch … Weiterlesen

Snorri Sturluson Erzähler der Götter- und Heldensagen Snorri Sturluson wurde im Jahre 1179 in Hvammur geboren. Seine Eltern Sturla Thórdarson, ein westisländischer Gutsherr, und Gudny Bödvarsdóttir gelten als Gründer des Geschlechtes der Sturlungar. In jungen Jahren wurde Snorri zu dem Goden Jón Loptsson nach Oddi geschickt, einem Bildungszentrum in Südisland und Sitz der Familiensippe der Oddverjar. Dort … Weiterlesen

Skaldendichtung Im wikingerzeitlichen Norden stand die Dichtkunst in hohem Ansehen. Die Bezeichnung für Dichter war “Skalde” (altnordisch singular skáld). Der früheste bekannte Skalde war Bragi Boddason der Alte, von dem die sogenannte Ragnarsdrápa überliefert ist, ein Gedicht, in dem er mythologische, auf einem Schild dargestellte Szenen schildert. Wahrscheinlich ist er mit dem Bragi, der später als … Weiterlesen

Der himmlische Lichtbaum der Indogermanen in Sage und Kultus. Wenn die prähistorische Archäologie allmählich immer mehr einen gewissen homogenen Zustand der in Europa sich ausbreitenden und dasselbe eigentümlich kolonisierenden indogermanischen oder arischen Stämme in Bezug auf das häusliche Leben und die Anfänge gewerblicher Thätigkeit aufdeckt, so entsprechen dem auch die Besultate der Untersuchungen über den mythologisch-religiösen Entwickelungsstandpunkt derselben. Neben den überall bei den betreffenden … Weiterlesen

Frömmigkeit nordischer Artung Ein Querschnitt durch das Indogermanentum von Benares bis Reykjavik7. Auflage, 1989, Verlag Hohe Warte • Franz von Bebenburg • KG Hans F.K. Günther zeigt zunächst einmal, was nordische Frömmigkeit nicht ist, beispielsweise die Herabwürdigung des Leibes, die Abhängigkeit der Frömmigkeit von dem Tode, die Wertung des diesseitigen Lebens als Jammertal. Er zeigt darüber hinaus die … Weiterlesen

Das Hildebrandslied lasst uns niemals unsere Wurzeln und die Ideale unserer Ahnen vergessen. Heil dir Wotan/Odin Das Hildebrandslied ist das einzige überlieferte Beispiel für den altdeutschen Heldengesang. Dargestellt ist eine Episode aus dem Sagenkreis um Dietrich von Bern, eine Zweikampf-Situation zwischen Hildebrand … Weiterlesen

Metherstellung Was ist Met? Die Geschichte des Mets Warum Alkohol? An Getränken gehörten Fruchtgetränke und Milch immer zur Ernährung des Mittelalters dazu. Aber bereits die Völker der Antike begannen Alkohol herzustellen. Der Hauptgrund dafür war jedoch weniger der, sich zu berauschen, … Weiterlesen

Magic Runes by Germanenherz
Den Einstig und Beginn zum Thema Runen, findest du auf meinen Germanenherz Blog´s. Doch die Bedeutung für dich, die findest du nur in dir selbst. Mache dich auf und folge dem Ruf der Runen, sie werden dich zu neuen Erkenntnissen über dich selbst und deine Umwelt bringen. Vielleicht begreifst du erst dann, was dein Weg durch die Zeit ist und wie du ihn gehen sollst.
Runen Rad Runen Rat
Ich weiß, dass ich hing am windigen Baum neun lange Nächte, vom Speer verwundet, dem Odin geweiht, ich selber mir selbst, am Ast des Baumes, von dem niemand weiß, aus welcher Wurzel er wuchs.Sie boten mir nicht Brot noch Met … Weiterlesen

Runen 24er futhark Fehu Uruz Thurisaz Ansuz Raidho Kenaz   F U TH A R K Das Wort Rune hat unterschiedliche Herkünfte: * gothischer Wortstamm “runa” = Geheimnis * * altnordisches “runar” = Mysterien * * walisisches “rhin” = magischer Zauber. Die Kraft der Runen wuchs mit der Erfahrung des … Weiterlesen

Thema Runen: Mittelalterliche Geheimrunen und ein paar Ergänzungen Vorab: Ich habe ein großes Problem damit, wenn weisungsgebundene Juristen historische Fragen zum Thema Runen, mit Nationalsozialistische Ideologien vergleichen und mit ihren rechtsbeugenden Verurteilungen gegen meiner Person, mir mein restliches Leben versaut haben. Und im gleichen Moment, mit samt der … Weiterlesen

Thema Runen und die wissenschaftliche Evolutionsforschung Eine wissenschaftliche Betrachtung über die Kraft von Mythen, Riten und Runen Vorab: Ich habe ein großes Problem damit, wenn weisungsgebundene Juristen historische Fragen zum Thema Runen, mit Nationalsozialistische Ideologien vergleichen und mit ihren rechtsbeugenden Verurteilungen gegen meiner Person, mir mein … Weiterlesen

Odins Runen – unsere Schrift Was irgendwie ist, was irgendwie ein „Sein“ hat, das hat auch ein bestimmtes Gerüst. Ein Gerüst besteht aus BALKEN. Wie ein jedes Haus in seinen Balken und Trägern ein Gerüst hat, wie der Bau des menschlichen Körpers ein Gerüst in … Weiterlesen

Odins Runenlied In der Edda ist der Verlauf der höchsten Einweihung im Hávamál zu finden.  Demzufolge hing Odin, vom Speer verwundet, neun Tage und Nächte am Weltenbaum  und erlitt die schlimmsten Qualen. Nach dieser Zeit des Leidens erhielt er  als Belohnung die … Weiterlesen

Deutung der Namensrunen Deine persönliche Namensrune Keiner weiß, ob die Bestimmung der Namensrune schon damals gebräuchlich war, oder ob dies aufgrund der Esoterikwelle entstanden ist. Auf jeden Fall gibt es aber hier die Möglichkeit seine persönliche Namensrune zu bestimmen und deren Bedeutung zu … Weiterlesen

Der kosmische Ursprung der Runen Das dem Hag-All verwandte, ja ihm durchaus entsprechende Sinnmal ist der Sechsstern, der eigentlich und ursprünglich zwei mit den Spitzen ineinandergeschobene Pyramiden darstellt. Und zwar muß die Verschränkung der Körper, wenn das Sinnmal vollkommen sein soll, im Verhältnis des goldenen … Weiterlesen

Kleine Runenkunde Runen sind die ältesten Schriftzeichen der Germanen. Sie waren vor allem zwischen dem 2. und dem 12. Jahrhundert für geritzte und gravierte Inschriften auf Gegenständen und Steindenkmälern in Gebrauch. Ihre Verbreitung zeigt von Anfang an einen deutlichen Schwerpunkt in Südskandinavien. … Weiterlesen

Wielandsage im Runenkästchen von Auzon Das Runenkästchen von Auzon, wie es nach seinem Fundort in Frankreich heißt, stammt aus dem späten 7. oder frühen 8. Jahrhundert. Es besteht aus geschnitzten Walfischknochenplatten, in die bildliche Darstellungen und Runen gefügt sind. Einen Ausschnitt davon soll hier näher … Weiterlesen

Runen Talismane und Amulette Das dritte Gebiet der Runenmagie ist die Talismantik. Talismane und Amulette sind Gegenstände, die zur Erlangung bestimmter Ziele magisch aufgeladen werden. Es wird sozusagen ein aktiver „Zauber“ darin gespeichert. Ein Großteil der erhaltenen Runendokumente früherer Zeiten sind ebendiese Talismane und … Weiterlesen

Der Runenkalender Heute ist Montag, der 31.12.2012. Zur Zeit herrscht der Einfluß der Dämmerungs-Rune Dagaz  vom28.12.12 bis zum 10.01.13. Die Dämmerungsrune begleitet im Idealfall das Perchtentreiben, das Vertreiben der Winter- und Dunkelheitsdämonen, aus dem auch der spätere Karneval entstand. Dagaz symbolisiert als Dämmerung … Weiterlesen

Die Runenlehren Was Du aufdeckst, offenbart sich . „Runen wollen gelebt werden, belebt sind sie schon“. „Die Erlösung kann nicht verdient, nur empfangen werden, darum ist sie die Erlösung“. „Es ist alles Illusion, was nicht aus mir selber spricht, denn es ist ein Zusatz, … Weiterlesen

Runen selbst herstellen Kaufen oder Selbermachen Wenn sie die Runen kennenlernen wollen, sollten sie unbedingt selbst einen Satz Runen anfertigen, anstatt fertige Runen zu kaufen. Das kostet zwar einige Mühe und Zeit, aber es vertieft ihre Beziehung zu den Runen Runensteine gibt es … Weiterlesen

Die theoretische Magie als Grundlage der Runenmagie
Die Runenmagie wird wohl am ehesten von den verschiedenen magischen Richtungen mit der Alten Sitte in Verbindung gebracht und wohl auch von nicht wenigen Menschen betrieben. Runenmagie kann verschiedene Formen haben. Grundsätzlich soll sie so funktionieren, daß die Kraft der Rune (also das Energieprinzip, das die Rune verkörpert) angewandt wird. Runische Magie ist Zeichenmagie, das Zeichen, die Rune, wird ihrem Sinngehalt und ihrem magischen Potential entsprechend verwendet. Man kann sich das vielleicht so vorstellen, daß die Menschen früher die Energien, die sie wahrnahmen, mit Symbolen bezeichnet haben. In diesem Sinne stehen die Runen für bestimmte Energien, zu denen man einen Kanal öffnen und mit denen man arbeiten kann.
Fliegenpilze
Als einfachste Form magischer Runenanwendung ist wohl die Visualisierung zu nennen. Dabei wird die Rune mit ihren Kräften vor dem inneren Auge vorgestellt und sie kann dann auch projiziert werden, was bedeutet, daß man die visualisierte Kräfte auf ein Ziel hin aussendet. Wirksam ist hierbei die Form der Rune, wie sie als Bild erscheint, und gerade in bezug auf die Aussendung in Verbindung mit der gewünschten Wirkung der Rune, die man ebenfalls visualisieren kann. Man kann dies auch sehr gut dadurch unterstützen, daß man die Stellung (Stadha) der Rune einnimmt oder die Rune mit den Händen bildet. Als Beispiel für diese Anwendung könnte man die Heilung nennen.

Runen können aber auch gesprochen oder gesungen werden. Wirksam ist hier der Laut der Rune (was durch Stöður und Visualisierung unterstützt werden kann). Zaubergesänge allgemein werden als seið-læti bezeichnet, die Wortmagie in einem zeremoniellen, runischen Sinn als galdr; es existiert sogar ein eigenes Versmaß dafür, das galdralag. Durch Wiederholung der Worte / Strophen kann eine Verstärkung erreicht werden. Man verwendet hier entweder nur den Runennamen, den man intoniert, bzw. die Runenreihe, die man komplett singt, oder aber richtige Verse, in denen die Wirksamkeit der Runen sich manifestieren soll. Eine Galdr-Verfluchung wird als alög bezeichnet. Golther glaubt, daß „runo“ das Raunen oder Murmeln eines Zauberspruches bezeichnet, wohingegen galdr der eigentliche „Zaubergesang“ sei (also eine Form von Seiðr).

Die skeptische Frage, ob es Magie überhaupt gibt, ist äußerst unpräzise, so wie auch Glaube oder Nichtglaube an Magie weder richtig noch falsch sind. Es kommt dabei darauf an, was man eigentlich unter Magie versteht, und schon hier laufen die … Weiterlesen   https://germanenherz.files.wordpress.com/2019/09/germanenherz-runablack.jpg
Magie der Runen
Ein wenig Magie in dieser vernünftigen rationalen Zeit schadet nicht, wenn sie mit guten Vorsätzen und Wünschen ausgeführt wird. Sie ist kein Allheilmittel, kann aber den Alltag bereichern und uns durch Konzentration auf unsere Probleme dazu verhelfen, klarer zu sehen. … Weiterlesen

Runenorakel Grundsätzliches zur Runendivination Von Wahrsagerei und simplen Zukunftsvorhersagen halte ich gar nichts, zumal die Zeit sich jeglicher Magie entzieht. Eine Divination ist daher auch eher eine Wiederspiegelung der Gegenwart, welche dem Suchenden aus einer anderen Perspektive gezeigt wird, damit er … Weiterlesen

Runische Heilungsmagie
Ein weiteres großes Kapitel der Runenmagie ist die Heilungsmagie. Abgesehen vom Gebrauch von Runentalismanen und -amuletten zur Heilung und Abwehr von Krankheiten kann man mit den Runen auch unmittelbar therapeutisch arbeiten. Dies ist sowohl allein als auch mit einem Patienten … Weiterlesen

Runische Schutzmagie
Ein wichtiger Teil der Runenmagie ist Schutzmagie. Magischer Schutz bedeutet, einer magischen Einflußnahme von außen widerstehen zu können und nicht zum Spielball der Kräfte anderer zu werden. Doch nicht nur Personen, auch Gegenstände und Vorhaben können magisch vor widrigen Einflüssen … Weiterlesen

Germanenherz Runenkreis Um einen Runenkreis zu beschwören solltest Du vorher kurz überlegen, auf welche Weise dies geschenen soll. Zunächst einmal gibt es die Möglichkeit, den Kreis tatsächlich abzuschreiten oder ihn zu Visualisieren. Ich bevorzuge ein tatsächliches Abschreiten, da Du dann einfach direkter … Weiterlesen

Zauberei und Hexerei
In meinem neuen Titelbild könnt ihr es sehen. Meine Othala Rune symbolisiert, den Sündenbock des heiligen Bartholomäus (Astaroth) in seiner Niederlage, fixiert in meinem Runenkreis
 Die alten Deutschen kannten Zauber mit Tat und Wort; den ersteren verbietet Nr. 10 des Indiculus (de phy-lacteriis et Ugaturis), den zweiten Nr. 12 (de incantationibus). Das Wort Zauber (ahd. zoubar) selbst bedeutet eigentlich „Mennig“, die rote Farbe, mit der … Weiterlesen

Die Geschichte der Magie Ursprung und Antike „Magier“ ist ursprünglich der Name eines Stammes der Meder, dem die Ausübung der heiligen Gebräuche und die Erhaltung der gelehrten Kenntnisse anvertraut war (ähnlich wie der Stamm Levi bei den Israeliten). Herodot beschrieb sie im 5. Jahrhundert … Weiterlesen

Magische Nächte. Die 12 Rauhnächte
Die 12 Rauhnächte Die zwölf Nächte am Ende des Jahres und die mit ihnen verknüpften Mysterien gehen bis in die Antike zurück. Sie haben sowohl römische als auch germanische und sogar indische, japanische und chinesische Wurzeln, und auch heute noch finden sie vielerorts im Brauchtum Beachtung. Nach uralten Überlieferungen suchen zu dieser Zeit die Seelen … Weiterlesen

Die weisen Frauen Hagedisen – Hexen
Die erfolgreiche Vorgehensweise und die überzeugenden Ergebnisse der heilkundigen Frauen stellten eine große Bedrohung für das aufkommende Christentum, sprich die Kirche dar. Denn diese Frauen verließen sich mit ihren außergewöhnlichen Begabungen eher auf ihre Sinne und Erfahrungen als auf die Gebote des Glaubens. Versuch und Jrrtum lehrte sie Ursache und Wirkung zu erkennen. Sie Forschten … Weiterlesen

Das Erforschen der Zukunft
Als Mittel zur Erforschung des göttlichen Willens bei den Deutschen nennt Cäsar „Losorakel und Prophezeiungen (sortes et vaticinationes; b. g. 150), Tacitus „Götterzeichen und LosorakeV1 (auspicia et sortes, Germ. 10). Beim Los wurde die Gottheit nach ihrem Willen gefragt, im anderen Falle erfuhr man ihn aus gewissen Vorzeichen. Die Wahrsagekunst scheint mehr Aufgabe der Frauen … Weiterlesen

Die Entdeckung Amerikas durch die Nordgermanen Der 400jährige Gedenktag der Entdeckung Amerikas hat allerorten diesseits und jenseits des Oceans Schriften hervorgerufen, in denen die Heldentat des Kolumbus und die Bedeutung der neuen Welt für die Kulturentwicklung der alten gefeiert wird. Bei solcher Gelegenheit wird auch zugleich … Weiterlesen

Wikinger Die Volkskraft des Nordens Die Geschichte der Wikingerzeit Das 7. und 8. Jh. bedeutet eine Festigung der germanischen Macht in den Teilen Europas, in denen die Oberschicht stark genug war. Alle die Gebiete, in denen wir nur eine dünne germanische Herrenschicht kennen, gehen damals … Weiterlesen

Atlantis, Edda und Bibel – 200 000 Jahre Germanischer Weltkultur
Die Edda, das Buch der Götter und Heldensagen!
edda-bannerDas Buch der Götter und Heldensagen, die Edda wird als Überlieferung des alten Nordischen Heidnischen Glaubens gehandelt. Sollte man sich für dieses Thema interessieren ist es unumgänglich die Edda wenigstens einmal gelesen zu haben. Wobei man jetzt schon aus persönlicher Sicht schreiben kann, das einmal lesen nicht ausreichen wird. Die Edda kann man als ein Buch bezeichnen was in Reimen geschrieben ist zumindestens im ersten Teil als „Die Göttersagen“. Im zweiten Teil geht es um „Die Heldensagen“. Für den ein oder anderen wird es nicht im Ansatz zu verstehen sein oder gar einen Sinn ergeben, oder er sieht schlicht und einfach eine Kopie der Christlichen Bibel stellenweise vor sich. Oder andere machen sich wahrlich Gedanken über das was dort überliefert worden ist. Man sollte seinen Instinkten dort vielleicht ein wenig folgen und sich eine Anzahl an Lesestoff zu Gemüte führen was viele vor einem darüber geschrieben haben. Denn man sollte auch wissen das aus den verschiedenen Verlagen die, die Edda herausgebracht haben auch im Vorwort eine eigene Interpretation der Edda zu lesen ist.

Daher dürfte eine Edda nicht ausreichen um sich dort ein weitreichendes Bild zu machen. Ich persönlich werde hier keine Edda jemanden empfehlen, ( außer die Edda die ich hier angebe als PDF Datei zum reinschauen ) da dieses Buch auch nach gut über 800 Jahren nach seiner ersten Abschrift um ca 1200  unserer Zeitrechnung von Snorri Sturluson immer wieder Unklarheiten aufzeigt wie man was sehen könnte. Da jeder Suchender im Leben ist und seine persönlichen Wahrheiten für sich vertritt wäre es auch eine Diskussion, die zu weit führen würde. Da die Edda in der Vergangenheit sowie Zukunft zu deuten sein könnte. Mit Sicherheit ist in den Worten und Reimen der Edda mehr zu erkennen. Wem die Edda seine Aufmerksamkeit erweckt hat wird da auch weiter in die Thematik vordringen und vielleicht auch mehr das nordische Heidentum von einer Seite sehen die bis dato vielleicht noch unbekannt war.

Es wäre vielleicht noch darauf zu achten ob es die Erst Übersetzung in die deutsche Sprache von Karl Simrock ist und diese bis heute in den Nachdrucken von Karl Simrock erhalten ist. Zum anderen gibt es noch die Übersetzung von  Felix Genzmer die sich darin unterscheiden soll das Karl Simrock versucht hat vom Skandinavischen ins Deutsche sich an den genauen Wortlaut zu halten. In der Übersetzung von Felix Genzmer soll die Edda in einem Wortlaut zu lesen sein den man heute mehr verstehen würde. Was aber nicht heißt das, das so richtig sein muss und ist. Man sollte auch dazu schreiben, das man vor über 1000 Jahren eine völlig andere Sprache hatte sowie eine völlig andere Ausdrucksweise und Bedeutung, daher dürfte das dem ein oder anderen schwer fallen das gleich sofort alles richtige zu deuten und zu verstehen.

Wie schon vorher angedeutet, darauf achten aus welchem Verlag die Edda ist, da auch dort im Vorwort der Eddas eine eigene Darstellung der Gesichtspunkte steht wie man dort dem Leser vermittelt wie die Edda zu sehen ist oder zu sehen sein könnte. Will man sich unabhängig davon machen sollte man erst die Edda lesen danach das Vorwort so kann man seine eigenen Gedanken darüber ordnen und sich Anregung darüber hinaus holen. Das als kleiner Tipp von mir dazu…Weiterlesen

Thema Spiritualität, Esoterik und Magie und pdf Bücher zum Thema Magic Runes by Germanenherz Den Einstig und Beginn zum Thema Runen, findest du auf meinen Germanenherz Blog´s. Doch die Bedeutung für dich, die findest du nur in dir selbst. Mache dich auf und folge dem Ruf der Runen, sie werden dich … Weiterlesen
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21.12 – 06.01 Julfestzeit und magische Rauhnächte

. Germanenherz wünscht allen Beseelten, friedliche und besinnliche Festtage.
Gledelig Jul und erkenntnisreiche,  magische 12 Rauhnächte. Ein gesundes neues Jahr und uns allen eine bessere Zeit!. In diesem Sinne, Heil und Segen auf all unseren Wegen.

 

 

Wir sind von Nordlands Art !

jul-2016Wenn durchs Land der Herbstwind pfeift, sind schon Berg und Tal bereift, dann wendet sich mit frohem Sinn, unser Herz zur Julzeit hin:
Herbststürme brausen, grau das Himmelszelt, wir harren und hausen in unsrer dunklen Welt.
Kein Wettersturm ist uns zu hart; wir sind von Nordlands Art!

Hat der Julmond Schnee gebracht, freuen wir uns dieser Pracht.
Hei, frisch die Schneeschuh angeschnallt, uns ist kein Schnee zu kalt;
Schneestürme brausen über Wald und Feld,
wir schlittern und sausen durch unsre weiße Welt.
Kein Aufwärts ist zu steil, zu hart, wir sind von Nordlands Art!

Hat die Zeit uns wohlgetan, sehnen wir das Fest heran,
die Sonnenwend mit neuem Licht, das hell ins Finstre bricht:
Lichter erhellen jedes deutsche Haus, wo wir uns gesellen,
bei Wetter, Sturm und Braus, ums heilge Feuer froh geschart,
wir sind von Nordlands Art!

Mehr zum Thema in den folgenden Links

Julfesten

Julfesten Das Julfest ist ein nordeuropäisches Fest der Wintersonnenwende. Es ist eines der 8 Jahreskreisfeste der alten Germanen. Wintersonnenwende – Das große germanische Fest Rauch von Holz und Harz liegt in der Luft ich atme ein den verlockenden Duft Yulezeit ist da, Yulezeit ist da Im tiefsten Winter, so einsam die Nacht die Sonne wendet und Balder … Weiterlesen

Wodan Ruprecht (Hruodpercht) Wodanstag

Die deutsche Weihnacht ist eine Verschmelzung des christlichen Jesusglaubens mit der germanischen Tradition (Nordlands Art!), da durch die Zwangs-Christianisierung Germaniens das Julfest abgelöst werden sollte. Die Jul-Tradition war derart tief in der völkischen Kultur der Germanen verwurzelt, daß die römische Kirche, wie auch beim Ostara-Fest, eine zuerst beabsichtige Auslöschung verwarf und daraufhin die Julzeit umdeutete … Weiterlesen

Magische Nächte. Die 12 Rauhnächte

Die 12 Rauhnächte Die zwölf Nächte am Ende des Jahres und die mit ihnen verknüpften Mysterien gehen bis in die Antike zurück. Sie haben sowohl römische als auch germanische und sogar indische, japanische und chinesische Wurzeln, und auch heute noch finden sie vielerorts im Brauchtum Beachtung. Nach uralten Überlieferungen suchen zu dieser Zeit die Seelen … Weiterlesen

Zauberei und Hexerei

Die alten Deutschen kannten Zauber mit Tat und Wort; den ersteren verbietet Nr. 10 des Indiculus (de phy-lacteriis et Ugaturis), den zweiten Nr. 12 (de incantationibus). Das Wort Zauber (ahd. zoubar) selbst bedeutet eigentlich „Mennig“, die rote Farbe, mit der die Runen in die Lostäfelchen eingetragen wurden. Das Zauberlied ist die älteste nachweisbare Dichtungsart der … Weiterlesen

Die weisen Frauen Hagedisen – Hexen

Die erfolgreiche Vorgehensweise und die überzeugenden Ergebnisse der heilkundigen Frauen stellten eine große Bedrohung für das aufkommende Christentum, sprich die Kirche dar. Denn diese Frauen verließen sich mit ihren außergewöhnlichen Begabungen eher auf ihre Sinne und Erfahrungen als auf die Gebote des Glaubens. Versuch und Jrrtum lehrte sie Ursache und Wirkung zu erkennen. Sie Forschten … Weiterlesen

Das Erforschen der Zukunft

Als Mittel zur Erforschung des göttlichen Willens bei den Deutschen nennt Cäsar „Losorakel und Prophezeiungen (sortes et vaticinationes; b. g. 150), Tacitus „Götterzeichen und LosorakeV1 (auspicia et sortes, Germ. 10). Beim Los wurde die Gottheit nach ihrem Willen gefragt, im anderen Falle erfuhr man ihn aus gewissen Vorzeichen. Die Wahrsagekunst scheint mehr Aufgabe der Frauen … Weiterlesen

Die Indogermanen

Germanenherz aus dem Buch: Die Indogermanen – Ihre Verbreitung, ihre Urheimat und ihre Kultur (1905) Vorwort In diesem Buche habe ich beabsichtigt, eine knappe Übersicht über die Urheimat und Kultur der Indogermanen zu geben. Um die Urheimat zu bestimmen, mussten die Sprachen Europas betrachtet und die Wanderungen der einzelnen Stämme kurz dargestellt werden. Die Kultur … Weiterlesen

Der himmlische Lichtbaum der Indogermanen in Sage und Kultus.

Wenn die prähistorische Archäologie allmählich immer mehr einen gewissen homogenen Zustand der in Europa sich ausbreitenden und dasselbe eigentümlich kolonisierenden indogermanischen oder arischen Stämme in Bezug auf das häusliche Leben und die Anfänge gewerblicher Thätigkeit aufdeckt, so entsprechen dem auch die Besultate der Untersuchungen über den mythologisch-religiösen Entwickelungsstandpunkt derselben. Neben den überall bei den betreffenden … Weiterlesen

Deutsche Mythologie – Das Priesterwesen

Keine der deutschen oder nordischen Benennungen für Priester ist mit einem gleichbedeutenden Worte der anderen idg. Sprachen verwandt, jede ist etymologisch leicht zu erkennen, mithin kann der gesonderte Begriff für Priester, für ein deutlich von anderen Ständen geschiedenes Priestertum nicht allzuweit in die Urzeit zurück reichen. Wie der Hausvater für die Sippe das Gebet verrichtete, … Weiterlesen

Wald- und Feldkulte: Der Baumkultus der Germanen und Ihrer Nachbarstämme

Mythologische Untersuchungen Vorwort. Das vorliegende Buch, welchem demnächst ein zweiter Band „griechische und römische Agrarkulte aus nordeuropäischen Ueberlieferungen erläutert“ folgen wird, beginnt die Veröffentlichung einer Reihe von Vorarbeiten, die sieh dem Verfasser als erforderlich ergeben hatten, um zur Klarheit und Sicherheit über das Fachwerk zu gelangen, in welches die einzelnen Stücke der von ihm unternommenen … Weiterlesen

Magische Nächte. Die 12 Rauhnächte

Die 12 RauhnächteGermanenherz-Toto-Haas-Banner-klein
Die zwölf Nächte am Ende des Jahres und die mit ihnen verknüpften Mysterien gehen bis in die Antike zurück. Sie haben sowohl römische als auch germanische und sogar indische, japanische und chinesische Wurzeln, und auch heute noch finden sie vielerorts im Brauchtum Beachtung. Nach uralten Überlieferungen suchen zu dieser Zeit die Seelen der Toten die Lebenden auf. Die Rauhnächte sind eine Zeit der Wiederkehr der Seelen und des Erscheinens von Geistern.

In der mithräisch-phrygischen Religion der Antike (u.a. in Rom) gab es nachweislich eine Festzeit von zwölf Tagen oder Nächten, die auch den Iranern heilig waren. Es wird auch berichtet, daß Mithras mit den Seelen seiner Glaubenskrieger in dieser Zeit in wildem Zuge über die Erde jage, womit einmal mehr eine Parallele zur altgermanischen Tradition festgestellt wäre.

Zustandegekommen sind die Rauhnächte aufgrund der Diskrepanz zwischen dem Sonnenjahr und dem Mondjahr. Ein Mondmonat, also die Mondphasen von Neumond zu Neumond dauert ca. 29,5 Tage. 12 Mondmonate ergeben somit genau 354 Tage für das Mondjahr. Das Sonnenjahr von Wintersonnenwende zu Wintersonnenwende dauert aber bekanntermaßen ca. 365,25 Tage. Es verbleibt eine Differenz von 11 Tagen und damit 12 Nächten.

Es überrascht kaum, daß mehrere indogermanische Völker das lunare Jahr dem solaren vorzogen, denn schließlich hatte der Mond ursprünglich zur Zwölfteilung des Jahres Anlaß gegeben. Weil sich Germanen, Kelten und Inder eben am Mondkalender orientierten, war diese „Ausgleichszeit“ zwischen Sonnen- und Mondjahr eine irgendwie „zeitlose Zeit“. Sie kam im Anschluß an die Wintersonnenwende und lag somit „zwischen den Jahren“, ein Ausdruck, der auch heute noch geläufig ist.

Die Rauhnächte gelten als eine magische, bedrohliche und besonders wilde Zeit. Auch hier ist die „Weltendecke“ wieder dünn, und allerlei Dämonen und Geister treiben sich herum. Odin und sein Gefolge rauschen als „wilde Jagd“ durch die Lüfte. Dem Geschehen in diesen Nächten kommt größere Bedeutung zu, und vielerorts gilt es als Orakel für das kommende Jahr, denn jede Nacht steht symbolisch für einen Monat des Folgejahres. Erst nach den Rauhnächten begann für viele Germanen das neue Jahr, welches in der Nacht der Wintersonnenwende endete, wahrlich eine „zeitlose Zeit“.

Es gibt unterschiedliche Auffassungen über Beginn und Ende der Rauhnächte. Welcher man folgt, ist wohl Geschmackssache, allerdings könnten dann die Monatsorakel ein wenig verschoben sein. Die altgermanische Auffassung geht davon aus, daß die Rauhnächte mit der Nacht nach dem Julfest (Wintersonnenwende) beginnen. Jul ist die Nacht vom 21. auf den 22. Dezember, demnach wäre die erste Rauhnacht vom 22. auf den 23. Dezember und die zwölfte in der Nacht vom 2. auf den 3. Januar.

Die christliche Auffassung läßt die Rauhnächte weitgehend natürlich erst nach dem heiligen Abend beginnen. Dieser ist bekanntlich die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember, danach wäre die erste Rauhnacht die Nacht vom 25. auf den 26. Dezember und die zwölfte vom 5. auf den 6. Januar, den Dreikönigstag.

Eine neugermanische Auffassung verlängert, vermutlich an das Christentum angelehnt, einfach das Julfest auf vier Nächte vom 21. auf den 25. Dezember und zieht somit, was die Daten der Rauhnächte angeht, mit dem Christentum gleich.

Diese neugermanische Auffassung ist heute zwar sehr häufig anzutreffen und findet sich in vielen Bräuchen datumsmäßig wieder, entspricht in dieser christianisierten Form aber wohl nicht mehr dem ursprünglichen Sinngehalt. Sie stimmt auch nicht mehr mit dem Mondkalender überein, denn der 21. Dezember (Jul) ist der 355. Tag im gregorianischen Kalender, im germanischen fängt das neue Jahr aber nach den Rauhnächten am 3. Januar an, also wäre es hier der 353. Tag, beziehungsweise 354. Tag in einem Schaltjahr, was genau dem Mondkalender entspräche. Bei der neugermanischen Auffassung kommt dies nicht hin, dort wäre Jul am 350. beziehungsweise 351 Tag nach Jahresbeginn.

Schon diese Berechnung widerlegt die Behauptung, daß die Festzeit der Rauhnächte aus dem Abstand zwischen Weihnachten und Dreikönig hervorgegangen sei. Dazu kommt, daß die gleiche altgermanische Festfrist bei anderen indogermanischen Völkern, bei Indern, Iranern, Griechen und Römern, mit ähnlichem Gehalt aus vorchristlicher Zeit bezeugt ist.
Rauhnächte: Fest: 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12.
altgerman.: Jul 21./22. 22./23. 23./24. 24./25. 25./26. 26./27. 27./28. 28./29. 29./30. 30./31. 31./01. 01./02. 02./03.
christlich:. Weihnachten 24./25. 25./26. 26./27. 27./28. 28./29. 29./30. 30./31. 31./01. 01./02. 02./03. 03./04. 04./05. 05./06.
neugerman.: Jul 21. – 25. 25./26. 26./27. 27./28. 28./29. 29./30. 30./31. 31./01. 01./02. 02./03. 03./04. 04./05. 05./06.
Die namentliche Bedeutung der Rauhnächte soll einer Theorie zufolge von „rauh“ kommen und auf das althochdeutsche „ruh“ (rauh, grob, haarig, ungezähmt) zurückgehen, welches mit den verbreiteten wilden, pelzverhüllten Masken der Perchten zusammenhänge. Für wahrscheinlicher als dies und auch als den Bezug auf Rauhreif halten Etymologen allerdings, daß sich das Wort von „Rauch“ (althochdeutsch: Rauh) ableitet. Das läßt sich dadurch belegen, daß es in diesen „Rauchnächten“ eben Brauch war, Haus und Ställe zu beräuchern, um diese zu reinigen und Geister und Dämonen fernzuhalten.

Nach anderer Auslegung, insbesondere in der Alpenregion, hat der christliche Volksglaube die Rauhnächte auf vier reduziert, nämlich am 21. Dezember (Thomasnacht), 24. Dezember (Heiligabend), 31. Dezember (Silvester) und 5. Januar (Perchtennacht). Dabei gelten diese abwechselnd als magere und fette Rauhnächte. Ein altes regionales Sprichwort besagte: „Rauhnacht san vier, zwoa foast und zwoa dürr.“ Die Thomasnacht und die Silvesternacht galten als die mageren Rauhnächte (dürr) mit bösen Geistern und die Weihnachts- und Dreikönigsnacht als die fetten (foasten) mit guten Geistern.

Um die Rauhnächte hat sich im Volk allerlei Aberglauben angesammelt. Man glaubte, Tiere könnten reden. Wäsche durfte nicht über Nacht hängen bleiben. Dem Geschehen in diesen Nächten kam größte Bedeutung zu, denn ihnen wurde eine geheimnisvolle Bedeutung für die Zukunft zugewiesen. In Los- und Orakelbräuchen dachte man, in die Zukunft zu blicken, so sollte jede der 12 Nächte etwas über den entsprechenden Monat des nächsten Jahres verraten können, besonders die Träume in diesen Nächten. Der Glaube, daß das Wetter dieser 12 Nächte ein Abbild der folgenden 12 Monate sei, findet meteorologisch allerdings keine Stütze.

In den zwölf Nächten wurde kein Garn gesponnen, weil man glaubte, daß sonst Hel (Frau Holle) käme und das Garn verunreinige oder weil man Zank und Ungeziefer in das Haus zu spinnen meinte. Aus alter Zeit wird berichtet, daß die Mädchen bedacht waren, bis dahin allen Flachs vom Rocken abzuspinnen und die Stuben in Ordnung zu bringen. War ein Rocken nicht abgesponnen, so verwirrte die Perchta allen Flachs. Traf sie aber gar um diese Zeit die Spinnerinnen bei der Arbeit an, so gab es eine harte Strafe.

Man sollte in den Rauhnächten nicht dreschen, sonst verdürbe das Getreide, so weit man den Schall hörte. Man sollte außerdem nicht aus einem unverdeckten Brunnen trinken. Auch fürchtete man, daß die Hühner das ganze Jahr über keine Eier legen würden.

An diesem letzten Abend im Jahre sollte selbst Putzen und Fegen unterbleiben wie auch das Backen, damit alles Unheil von Haus und Hof, sowie allen Bewohnern fernblieb. In manchen Gegenden hütete man sich davor, Hülsenfrüchte zu essen, weil man sonst Geschwüre zu bekommen glaubte. Mancherorts war es Sitte, in den zwölf Nächten in den Garten zu gehen, an allen Obstbäumen zu rütteln und ihnen zuzurufen: „Bäumchen, schlaf nicht, Frau Hel (oder Holle) kommt!“

Persönliche Orakel wurden befragt, ein Brauch, der sich im Bleigießen zu Silvester erhalten hat. Spenden an Heischende (zum Beispiel Sternsinger und Müllabfuhr) sollten das Glück bewahren. Durch Räuchern und durch geweihte „Maulgaben“ für das Vieh sollte Unheil von Haus und Hof abgewehrt werden. Die erscheinenden wiederkehrenden Seelen und Geister (Überbleibsel der „wilden Jagd“) wurden bewirtet oder durch Räuchern, Lärmen oder Kreuzeszeichen abgewehrt.

An diesen Abenden durchräucherte ein Priester oder der Hausherr oder die Hausfrau nach dem Abendläuten alle Räume des Hauses und die Ställe mit geweihten Kräutern oder Weihrauch und besprengte sie mit Weihwasser. Durch diese Segnung glaubte man, Geister und Dämonen abzuwehren.

Dieses Räuchern war früher in weiten Teilen Süddeutschlands und Tirols üblich, ist heute jedoch nur noch einzeln bekannt. In eine Pfanne oder einem anderen Behälter wird Glut aus dem Herd gegeben. Auf die Glut legt man Weihrauch, Teile des am Palmsonntag geweihten Palmbesens oder andere geweihte Kräuter. Unter Gebet zog man mit der Pfanne durch das Haus. Hinter dem Vorbeter mit der Rauchpfanne segnet eine zweite Person mit Weihwasser jedes Zimmer. Es bedeutet Unglück oder den Tod, wenn ein Familienmitglied beim Räuchern fehlt. Die Glutreste werden üblicherweise ins Feuer geworfen.

In manchen Gegenden von Süd- und Osttirol wird über den Rauch eine Kopfbedeckung (Hut, Mütze Kopftuch) gehalten und dann aufgesetzt. Man glaubt, daß man dadurch unterm Jahr vor Kopfschmerzen sicher sei.

In den Rauhnächten bleibt für die Heiden das Jahresrad stehen. Auch für die Germanen stand die Sonne in der Zeit nach der Wintersonnenwende zwölf Tage lang still. Altes ist noch nicht ganz gegangen, das Neue ist noch nicht stark genug. Die Kräfte, die das Rad des Jahres antreiben, manifestieren sich in dieser Zeit. Alles wird durcheinander gewirbelt. Jetzt sind die Nächte am längsten, hoch im Norden herrscht gar die Polarnacht mit völliger Dunkelheit. Dies ist die Wolfszeit der Edda, in der die Sonne schwarz wird. Daher der Volksglaube, man dürfe in den „Zwölften“ den „Wolf“ nicht beim Namen nennen.

Die Nächte galten als Los- und Orakelnächte, über denen ein geheimnisvoller Zauber liegt, eine Zeit der runenlauschenden und orakelforschenden Nächte, in der zugleich ein heftiger Kampf zwischen den todbringenden Mächten der Finsternis und den belebenden Kräften des Lichtes tobt. Auch die Menschen sind in dieser Zeit besonders empfindsam, genau wie das kleine Lichtfünklein, das sich gerade erst entfaltet hat und noch besonderen Schutz benötigt.

Es sind die Nächte Odins, der obersten Gottheit, die erfüllt waren vom Brausen des Sturmwindes, vom Bellen der Hunde, Wiehern der Rösser und Wehklagen der Walküren, eine Zeit, in der jede Tätigkeit ruhen mußte. Es durfte kein Recht gesprochen, kein Wasser aus dem Brunnen geholt und keine Kuh gemolken werden. Mit dem Verabreichen des Gildebrotes (Gilde von altgermanisch „gield“ oder „gildi“, was opferbereite Brüderschaft bedeutet) versuchte man, die himmlischen Mächte zu versöhnen und die Angst zu überwinden, weiterhin der Kälte und Finsternis ausgeliefert zu sein.

Man glaubte, daß Odin in dieser Zeit allen Totenseelen, bösen Geistern und Dämonen Ausgang gewährte. Mit Weihrauch mußten diese wieder aus den Häusern vertrieben werden. Vielerorts wurden und werden in dieser Jahreszeit lärmende Umzüge mit fratzenhaften Masken veranstaltet, womit man den Dämonen das Fürchten lernen will. Ein Überbleibsel davon sind die Perchtennacht (siehe Perchtenfest) und der Karneval.

Die Wilde Jagd oder das Wilde Heer entspringt dem germanischen Glauben, daß der einäugige Odin beziehungsweise Wotan mit seinem geisterhaften Gefolge zwischen den Jahren durch die Lüfte reitet. Er wird manchmal von seiner Gattin Frigg beleitet. Frigg wurde auch Frick, im Harz Frau Harke, in Thüringen Frau Holle und in Süddeutschland Frau Berchta genannt, obwohl die letzten beiden mit Hel und nicht mit Frigg identifiziert werden.

Die Wilde Jagd wird auch von zahlreichen Tieren begleitet, unter anderem auch Odins Wölfe und Raben, aber auch die anderen Geister besitzen allerlei Tierfüße. Als angeblicher Beweis dient die sogenannte „Kuhtrittmuschel“. Diese bis zu 20 Zentimeter große Muschel aus dem späten Erdaltertum, welche u.a. auf dem Dachstein-Plateau in Österreich häufig gefunden wird, hat einen herzförmigen Querschnitt und erinnert an die Trittspuren von Rindern.

Als eine weitere Form des Fußabdruckes von Alben, Druden, Kobolden und anderen Geistern galt der fünfzackige Drudenfuß. Dieser ist auf versteinerte Stachelhäuter (Seeigel, Seesterne usw.) zurückzuführen. Das Skelett dieser Tiere ist fünfstrahlig symmetrisch, und das ist so ungewöhnlich, daß ihnen magische Bedeutung zugemessen wurde. Deshalb hat man fossile Seeigel schon in der Bronzezeit als magische Grabbeigaben verwendet.

Eine seltene muschelähnliche Tiergruppe, die Brachiopoden, erinnern in ihrer Form an Vögel. Man nannte sie früher auch „Heilig-Geist-Steine“. Die Ammoniten waren mit den heutigen Tintenfischen verwandt. Sie trugen schneckenähnliche Schalen und sind vor ca. 65 Millionen Jahren gleichzeitig mit den Sauriern ausgestorben. Man hielt sie lange Zeit für versteinerte Schlangen. Da manche fossile Überreste ungewöhnlich groß waren, wucherten in der Folge allerlei Drachengeschichten. So wurden Ammoniten, versteinerte Korallen sowie Knochen des Höhlenbären mit Drachen in Verbindung gebracht. Fossile Haizähne galten als Drachenzähne oder Drachenzungen.

Die Seelen der Verstorbenen, ferner Schweine, Hasen und andere Tiere sollen in diesen zwölf Tagen das Gefolge der wilden Horde bilden. Dem Heer von 432.000 Geistern eilen 24 schwarze Hunde bellend voraus. Das Geisterheer braust nachts mit Jagdrufen und Hundegebell durch die Luft.

Als Anführer des Totenheeres rast Odin als wilder Jäger (hier auch Woutan, Wode, Heiljäger, Hackelbernt, Herne etc. genannt) mit bedrohlicher Wildheit und Aggressivität auf seinem Schimmel Sleipnir durch die Lüfte. Meistens zeigt er sich bei dieser Gelegenheit zu Pferde in Hut und Mantel. Nur wer sich auf die Erde wirft und sich festklammert, wird von der Gewalt des wütenden Heeres nicht mitgerissen. Vermutlich haben deshalb die alten Germanen die Gräber ihrer Toten mit schweren Steinen bedeckt, damit die Seelen der Verstorbenen ihre Ruhe finden und von der wilden Hatz des Totenheeres nicht mitgerissen werden können. Sobald der Sturm vorüber ist, zieht sich der Sage nach das Wütende Heer zum Gelage in die Berge zurück.

Frau Holle, die mit Freyja, Frigga oder am wahrscheinlichsten mit Perchta oder Hel identifiziert werden kann, ist Schutzpatronin dieser Tage. Sie mag es normalerweise nicht, wenn jemand faul oder unnütz in den Tag hinein lebt, sie ist sehr streng und achtet darauf, daß jeder seiner Bestimmung gemäß lebt und sich entwickelt. Nur in diesen zwölf Tagen erlaubt Frau Holle, daß man sich ausruht und ganz auf sein Inneres und Wesentliches besinnt. Sie schätzt es auch durchaus, wenn man ihr kleine Geschenke oder Aufmerksamkeiten macht. Vielleicht erweist sie sich dann im kommenden Jahr gnädig und erfüllt so manchen tief ersehnten Wunsch.

Um diese Zeit sollten die Menschen ja nicht den Unwillen der Geister erregen. Die Arbeit hatte jetzt zu ruhen, und die Menschen sollten Rückschau halten auf das vergangene Jahr und sich auf das neue vorbereiten, um es würdig zu empfangen.

Das Räuchern in den Rauhnächten ist ein uralter Brauch, der sich bis heute in vielen Gebieten erhalten hat. In eine Pfanne oder einem anderen Behälter wird Glut aus dem Herd gegeben. Auf die Glut legt man Weihrauch und geweihte Kräuter. In manchen Gegenden (Süd- und Osttirol) wird über den Rauch eine Kopfbedeckung (Hut, Mütze) gehalten und dann aufgesetzt. Man glaubt, daß man dadurch im kommenden Jahr vor Kopfschmerzen sicher sei. Unter Gebet zieht man mit der Pfanne durch das Haus. Hinter dem Vorbeter mit der Rauchpfanne segnet eine zweite Person mit Weihwasser jedes Zimmer. Es bedeutet Unglück oder den Tod, wenn ein Familienmitglied beim Räuchern fehlt. Die Glutreste werden üblicherweise ins Feuer geworfen.

In den Rauhnächten entscheidet sich nach germanischem Mythos das Geschick allen Lebens auf Erden, darum boten die Menschen alles auf, um dem werdenden Licht zu Hilfe zu kommen. Mit auserlesenen Räucherkräutern, Fichtenharz und Weihrauch sollte alles Böse vertrieben werden. Der alte Volksglaube hielt überhaupt daran fest, daß es in den 12 Nächten „umgeht“, daß böse Geister und ganz allgemein die „Mächte der Finsternis“ in dieser lichtarmen und darum gefährlichen Zeit ihr Unwesen treiben.

Zu Jul beziehungsweise Weihnachten läßt man alles hinter sich, was nicht mehr zu einem gehört. In den Rauhnächten beziehungsweise zu Silvester werden gute Vorsätze für das nächste Jahr gemacht. Symbolisch nehmen die „Geister“ der Rauhnächte alles mit, was die Menschen „über Bord“ geworfen haben.  Germanenherz wünscht allen Beseelten, friedliche und besinnliche Festtage. God Jul und magische Rauhnächte.

ergänzend

Kulturbringer Odin, Allvater, Wotan

Einsam sind die tapferen und die Gerechten. Doch mit ihnen ist die Gottheit. Odin, Allvater, Wotan. Gar viele Namen hat Allvater, stetig wacht der Vater aller Götter. Sei Dir bewusst, dass der absolut unkriegerische, große Fragende und Reisende Gott der … Weiterlesen

Odins Runenlied

In der Edda ist der Verlauf der höchsten Einweihung im Hávamál zu finden.  Demzufolge hing Odin, vom Speer verwundet, neun Tage und Nächte am Weltenbaum  und erlitt die schlimmsten Qualen. Nach dieser Zeit des Leidens erhielt er  als Belohnung die … Weiterlesen

06.12 Wodan Ruprecht (Hruodpercht) Wodanstag

Die deutsche Weihnacht ist eine Verschmelzung des christlichen Jesusglaubens mit der germanischen Tradition (Nordlands Art!), da durch die Zwangs-Christianisierung Germaniens das Julfest abgelöst werden sollte. Die Jul-Tradition war derart tief in der völkischen Kultur der Germanen verwurzelt, daß die römische Kirche, wie auch beim Ostara-Fest, eine zuerst beabsichtige Auslöschung verwarf und daraufhin die Julzeit umdeutete … Weiterlesen

Runen Rad Runen Rat

https://germanenherz.files.wordpress.com/2017/01/runen-rad.gifRunen sind nicht einfach nur Schriftzeichen. Es sind Symbole, die Kraft beinhalten und diese auch übertragen können. Jeder Rune sind bestimmte Eigenschaften zugeordnet, die man durch die Darstellung des jeweiligen Symbols in Schrift oder Klang oder Körperhaltung freisetzen kann. Runen sind wie Schlüssel zu bestimmten Energien… wenn du weist wie du Energie lenken und kanalisieren kannst, dann musst du eigentlich nur den Schlüssel betätigen (durch die fuer dich passendste Methode) , dir Zugang zu dem Energie-Feld „hinter“ der Rune verschaffen. weiterlesen

Runen 24er futhark

Die theoretische Magie als Grundlage der Runenmagie

Die Runenmagie wird wohl am ehesten von den verschiedenen magischen Richtungen mit der Alten Sitte in Verbindung gebracht und wohl auch von nicht wenigen Menschen betrieben. Runenmagie kann verschiedene Formen haben. Grundsätzlich soll sie so funktionieren, daß die Kraft der Rune (also das Energieprinzip, das die Rune verkörpert) angewandt wird. Runische Magie ist Zeichenmagie, das Zeichen, die Rune, wird ihrem Sinngehalt und ihrem magischen Potential entsprechend verwendet. Man kann sich das vielleicht so vorstellen, daß die Menschen früher die Energien, die sie wahrnahmen, mit Symbolen bezeichnet haben. In diesem Sinne stehen die Runen für bestimmte Energien, zu denen man einen Kanal öffnen und mit denen man arbeiten kann.
Fliegenpilze

Als einfachste Form magischer Runenanwendung ist wohl die Visualisierung zu nennen. Dabei wird die Rune mit ihren Kräften vor dem inneren Auge vorgestellt und sie kann dann auch projiziert werden, was bedeutet, daß man die visualisierte Kräfte auf ein Ziel hin aussendet. Wirksam ist hierbei die Form der Rune, wie sie als Bild erscheint, und gerade in bezug auf die Aussendung in Verbindung mit der gewünschten Wirkung der Rune, die man ebenfalls visualisieren kann. Man kann dies auch sehr gut dadurch unterstützen, daß man die Stellung (Stadha) der Rune einnimmt oder die Rune mit den Händen bildet. Als Beispiel für diese Anwendung könnte man die Heilung nennen.

Runen können aber auch gesprochen oder gesungen werden. Wirksam ist hier der Laut der Rune (was durch Stöður und Visualisierung unterstützt werden kann). Zaubergesänge allgemein werden als seið-læti bezeichnet, die Wortmagie in einem zeremoniellen, runischen Sinn als galdr; es existiert sogar ein eigenes Versmaß dafür, das galdralag. Durch Wiederholung der Worte / Strophen kann eine Verstärkung erreicht werden. Man verwendet hier entweder nur den Runennamen, den man intoniert, bzw. die Runenreihe, die man komplett singt, oder aber richtige Verse, in denen die Wirksamkeit der Runen sich manifestieren soll. Eine Galdr-Verfluchung wird als alög bezeichnet. Golther glaubt, daß „runo“ das Raunen oder Murmeln eines Zauberspruches bezeichnet, wohingegen galdr der eigentliche „Zaubergesang“ sei (also eine Form von Seiðr).

Die skeptische Frage, ob es Magie überhaupt gibt, ist äußerst unpräzise, so wie auch Glaube oder Nichtglaube an Magie weder richtig noch falsch sind. Es kommt dabei darauf an, was man eigentlich unter Magie versteht, und schon hier laufen die … Weiterlesen 

Julfesten

Germanenherz Julfesten

Das Julfest ist ein nordeuropäisches Fest der Wintersonnenwende. Es ist eines der 8 Jahreskreisfeste der alten Germanen. Wintersonnenwende – Das große germanische Fest Rauch von Holz und Harz liegt in der Luft ich atme ein den verlockenden Duft Yulezeit ist da,… Weiterlesen

Wodan Ruprecht (Hruodpercht) Wodanstag

Ruprecht Wodanstag

Die deutsche Weihnacht ist eine Verschmelzung des christlichen Jesusglaubens mit der germanischen Tradition (Nordlands Art!), da durch die Zwangs-Christianisierung Germaniens das Julfest abgelöst werden sollte. Die Jul-Tradition war derart tief in der völkischen Kultur der Germanen verwurzelt, daß die römische Kirche, wie auch beim Ostara-Fest, eine zuerst beabsichtige Auslöschung verwarf und daraufhin die Julzeit umdeutete und anpaßte. So wurde aus dem germanischen Julfest das christliche Weihnachtsfest

(Dezember= Julmond – Sonarblot)
6ter.Jul Wodanstag
Mit dem 6ten Jul (Dezember) beginnt die eigentliche Vorbereitungszeit auf das Julfest.
Wodan zieht durch die Orte und bringt den Kindern Geschenke, um die Wartezeit auf das Wiederkommen des Lichtes zu vertreiben. Jedoch bekommen nur die Kinder Geschenke die alte Äpfel für sein Pferd vor die Tür stellen.
Sicher finden einige das Unvorstellbar, dass Wodan der in der wilden Jagt, die Armee aus Toten anführt, plötzlich Kinder beschenkt. Aber man sollte daran denken, dass Wotan zwei Seiten hat, die eine wütende brausende des Totengottes. Aber er ist auch Gott der Dichtkunst und der Herr über die Runen. Er schenkte denn Menschen ja auch die Runen und dass er nun einmal im Jahr die Kinder beschenkt, soll daran erinnern wie er einst denn Menschen die Rune schenkte.
Wenn ein Kind geboren wird, so soll es zu seiner Namensgebung einen Julteller erhalten. Das soll ein alter Zinnteller, ein Holzteller oder ein irgend ein Teller mit Lebensbaum und Umschrift sein. Jedes Mitglied der Familie stellt diesen Julteller als Gabenteller am Wodanstage, vor den Kamin. Außerdem sollte man, wie schon erwähnt, für Sleipnir alte Äpfel vor die Tür legen.

Die Kirche setzte, da sie die jährliche Einkehr des Göttervaters mit dem weißen Barte, mit dem Einauge und dem Pelzmantel nicht hindern konnte, bald einen ihrer Heiligen, nämlich den Nikolaus an seine Stelle.

Aber in vielen Gegenden Deutschlands ist er doch der Schimmelreiter oder der Ruprecht (Hruodpercht) = der von Ruhm Strahlende, Beiname Wodans) geblieben.

Hier noch einige Argumente dafür, dass das Nikolausfest schon vor dem Christlichen Fest, als Wodansfest gefeiert wurde
Viele Symbole von Nikolaus und Wodan gleichen sich:
– Das weiße Roß
– Der Mantel
– Der lange Bart
– der Stab (Odin hält einen Speer)
– das Reiten durch die Luft
– die Geschenke, die durch den Schornstein kommen (Wodan bringt Wärme und Licht ins Haus)
– Das Buch der Weisheit (Wodan gilt als allwissend)
– die Nüsse. Diese gelten als eine Frucht Wotans.

Wodan

Als unbestritten höchster Gott der Germanen galt lange Zeit Wodan, und noch heute ist die landläufige Meinung, daß er von Anfang an die führende Stelle unter den deutschen Göttern eingenommen habe. Wenn aber der sächsische Täufling um 790 dem Thunaer, Wöden und Saxnöte abschwören muß, wenn es mit derselben Reihenfolge in einem Gedichte des Paulus Diaconus heißt, „Thonar und Waten werden nicht helfen“, so stimmt die Stelle, die Wodan hier einnimmt, gewiß nicht zu der Bedeutung, die Tacitus ihm zuschreibt „von den Göttern verehren sie am meisten den Wodau“ (Germ. 9). Zwar hat sich Wodan in der Tat zum Hauptgott aufgeschwungen, aber erst nachdem er den alten Himmelsgott Tius von seinem Throne verdrängt hatte. Der düstere, finstere Gott, dem der Mensch scheu aus dem Wege geht, wenn er mit tief in die Stirn gedrücktem Hut im nächtlichen Sturme hoch zu Roß dahinjagt, der Grimme, in dessen Gefolge die Seelen der Toten fahren, der erbarmungslos holden Frauen nach jagt und sie quer über den Sattel seines Rosses bindet, ist so grundverschieden von dem erhabenen Götterkönige, der gleich Helios im leuchtenden Himmelssaale sitzt und mit Frea die Geschicke der Menschen lenkt, daß nur besondere Umstände diese Gegensätze erklären können. Es darf angenommen werden, daß im allgemeinen die Volksüberlieferung das ältere, -dunklere Bild bewahrt hat. Eine Entwickelung vom natürlichen zum geistigen Wesen Gottes liegt gewissermaßen bereits in seinem Namen. Wodan, hd. Wuotan, as. Wodan, bei den Langobarden durch Vortritt eines G Gwödan, ags. Vöden, an. Odinn, Ot>enn, ndrd. Waud, Wod, bayer. Wütan gehört zur idg. Wurzel vä „wehen“ und ist durch zwei Suffixe gebildet; germ. *votha, = rasend, besessen, wütend ist verwandt mit lat. vates, skr. vätas (geistig erregt) und bezeichnet nicht nur die stürmische Bewegung der Luft, sondern weist bereits auf das innerliche, geistige Wesen hin (ags. vöd = Ruf, Schall, Rede, Gedicht, an. ö^r = Geist, Sang, Gedicht). Wodan ist die Fortbildung vermittelst des SuffLxes-ano, urgerm. *Wdtanaz, altgerm. *Wödanaz, und auch diese StammerWeiterung ist bezeichnend für die veränderte Stellung, die der „Wüter“ oder „Stürmer“ im Laufe der Zeiten errang. Noch im 11. Jhd. wird der Name des Gottes als Wut übersetzt (Wodan id est Juror, Adam. Brem.).

Anders steht der Nomade, anders der Ackerbauer den Himmelserscheinungen gegenüber. Dem Hirten ist die glühende Sonnenhitze Feind und Widersacher, der nächtliche Himmel Freund und Beschützer. Der Hirte freut sich, wenn die sengende Sonne unterliegt, der Ackerbauer begrüßt jubelnd die erwärmenden Strahlen, die das Wachstum des Feldes fördern, und läßt sie gern über den finstern, nächtlichen Himmel triumphieren. Der Hirt berechnet die Zeit nach Nächten, der Ackerbauer macht die Sonne zum Maßstabe seiner Zeiteinteilung. Die Nachtseite Wodans hat der Volksglaube mit erstaunlicher Zähigkeit bis in die Gegenwart bewahrt.

Über ganz Deutschland ist die Vorstellung des Nachtjägers verbreitet, der mit dem wütenden Heer (Wodans oder Wuotaus Heer), der wilden Fahre (der wilden Schar), durch die nächtlichen Lüfte stürmt und eine Frau oder Tiere, wie Eber und Hirsch,, verfolgt oder tötet. Er ist auch der Führer der abgeschiedenen, in den Lüften umherziehenden Seelen, der Totengott, der bei Windstille in seinem unterirdischen Reiche, dem Innern der Berge, haust. Aber der grimme Gott der Nacht, des Todes und der Unterwelt beschützt das Gedeihen der Pflanzen, der Ernte und der Herden. Der Wind führt den ersehnten Regen herbei und reinigt die Luft, Krankheiten verscheuchend, darum ist Wodan heil- und zauberkundig. Er ist selbst ein unermüdlicher Wanderer, wie ihn zwei Inschriften bezeichnen (Mercurius viator), und der göttliche Geleiter der Wanderer und Reisenden, der Schirmherr des Verkehres, der Verleiher des Glückes und Reichtums, mächtig geheimer Weisheit und kundig der Dichtkunst. Diese Züge Wodans sind vielleicht altgermanisch. Seine Fortbildung zum Sieges-, Kultur- und Himmelsgotte geht von den Istwäonen aus, die unter dem Zeichen des nächtlichen Sturmgottes siegreich bis an den Rhein vorgedrungen waren und zuerst mit der keltischen Kultur in Berührung kamen.

Als das älteste Zeugnis für die nächtliche Seite Wodans darf vielleicht Tacitus gelten (Germ. 43): „Die Harii steigern die innewohnende Wildheit noch durch Kunst und klug berechnete Wahl der Angriffszeit; schwarz sind die Schilde und bemalt die Leiber, für die Schlachten wählen sic dunkle Nächte, und schon durch die schaudererregende und schattenhafte Erscheinung des Totenheeres flößen sie Schrecken ein, so daß kein Feind den schauerlichen und gleichsam höllischen Anblick aushält“ Diese Ilarier haben niemals als Volksstamm existiert, dessen Wohnsitze an der oberen Oder gelegen seien, es ist unmöglich, daß ihre Feinde sich mit ihnen nur auf nächtliche Kämpfe eingelassen haben sollen; mochten ihre geschwärzten Schilde und Leiber das erstemal Entsetzen einflössen, das nächste Mal werden sie ihre grausige Wirkung verfehlt haben. Der Kern der Schilderung bleibt unangefochten der, daß es im germanischen Glauben eine Vorstellung von gespenstischen Kriegern gab, die des Nachts aus der Unterwelt heraufstiegen und Grauen und Entsetzen verbreiteten. Der germanische Berichterstatter, von dem den Römern die Schilderung der Harier zukam* hatte treuherzig erzählt, daß hinter den hohen Gipfeln und tiefen Wäldern des suebischen Bergrückens sich die Wege zum Geisterreiche öffneten, wo die Ellusii ihr Unwesen trieben (S. 145), woher die Gespensterheere emporstiegen, die Harii. Und wenn der Gewährsmann diese Ellusii, Etiones (S. 157), Harii als gleich wirkliche Wesen ansah und ihren Wohnsitz als gleich wirkliche Gegenden schilderte, wie die Stämme und Landstriche vor der Bergscheide, so faßte der römische Forscher diese mythischen Völker als wirkliche Germanenstämme auf und machte ihren höllischen Anblick zu einer Art Tättowierung und ihr nächtliches Auftreten zu einer Kriegslist. Germ. *Harjaz, hari ist das Heer, die nächliche Gespensterschar, die des Nachts ihren Umzug durch die Lüfte hält, das Wutensheer, Heer des Gottes Wuotan, entstellt zu „wütendes Heer“, schwäbisch „s Muotes her“ (alem. m = w). Im# Münchener Nachtsegen stehen Wütan und Wütanes her nebeneinander, und die Begleiter, mit denen er erscheint, kennzeichnen ihn deutlich als nächtlichen Stürmer.

Die finstere Seite des Gottes bezeichnen in Norddeutschland die Namen Helljäger, Nachtjäger, der wilde Jäger, in Süddeutschland ist der wilde Jäger Führer der wilden Jagd. In Mecklenburg wie im Algäu braust der Schimmelreiter unter wildem Toben durch die Luft, daß die Bäume unruhig werden, wie wenn der stärkste Sturmwind ginge, und man glaubt ihn über das Dach der Hütte dahindonnern zu hören. In einem Felsen sieht man ihn mit seinem Pferde verschwinden, denn aus den Bergen bricht der Wind hervor, in die Berge kehrt er zurück. Der Jägerhansl im Algäu hat einen großen breit-krämpigen Hut auf, der ihm bis zu den Achseln herabhängt, und reitet gewöhnlich auf einem Schimmel. Wenn er der Jagd obliegt, so rauscht und tobt es, wie wenn der stärkste Sturm wüte, und man hört weithin mit gellender, wilder Stimme rufen: hio! hol hio! ho! In den Tannen beginnt ein fürchterliches Krachen und Prasseln, als wollte der Sturm alles niederreißen, wenn auch sonst kein Lüftchen weht. Wildes Hundegebell und die Lockrufe des wilden Jägers lassen sich näher und näher vernehmen, zuletzt beginnt es zu wetterleuchten, zu blitzen und zu donnern. — Die Jagd war von altersher die Lieblingbeschäftigung des kriegerischen Germanen, und das wilde, lärmende Treiben des irdischen Jagdzuges wurde auf den himmlischen übertragen. Darum begleiten den Gott die leichengierigen Totenvögel, die Raben, und kläffend stürzen große und kleine Hunde hinter dem Wode her. Im klaren Lichte des Mondscheines waren Holzdiebe in den Wald geschlichen. Da erhob sich plötzlich ein fürchterliches Getöse, der Mond verfinsterte sich, der Wind fing an zu rauschen und immer mächtiger zu schwellen, die Zäune sanken krachend zusammen, die Bäume brachen. Aus der Luft stürzte auf seinem weißen Rosse, von vielen Hunden umgeben, der Wode und rief: „Was sucht ihr hier? die Nacht ist mein und der Tag ist euer!“ Ein aargauisches Kätsel setzt den Gott getadezu mit dem nächtlichen Himmel gleich:

Der Muot mit dem Breithut

Hat mehr Gäste als der Wald Tannenäste (Auflösung: Sternenhimmel).

Noch heute singt man in Ottenhöfen (Achem, Baden) vom Winde:

Der Wind isch e altes Männle Und het e schlappigs Hüetle uf.

Ein im 16. Jhd. erwähntes giftiges Kraut heißt Woden dungel, Wuotanes zunkal, as. Wödanes, Wodansstem; Wodesteme als Pflanzenname findet sich auch sonst. In der Altmark wie in Hannover sprengt der Helljäger über das Hellhaus hinweg, oder jagt im Hellgrunde. Im Oberharz, im Göttingischen, Braunschweigischen und in Westfalen jagt Hackeiberend, Hackelberg mit seinen Hunden: es ist der Mantelträger, ein Beiname des nächtlichen Sturmgottes (got. hakuls, ahd. hachul = Mantel, die Hekla auf Island heißt jiach ihrer Schneedecke „Mantel“). In Norddeutschland und in Schwaben jagt der Weltjäger in der ganzen Welt herum. Scheint doch der Wind immer unterwegs zu sein, und wie der Mensch sich beim Unwetter in den Mantel hüllt und den Hut ins Gesicht drückt, so legte der Glaube dem rastlos zu Fuße wandernden oder auf dem Donner- und Wolkenrosse dahinjagenden Gotte Mantel und Hut bei. Germanische Söldner weihten in Gallia Narbonensis dem nächtlich wandernden Sturmgotte Wodan zwei Inschriften und nannten ihn Mercurins veator und viator. Selbst den Namen Wodan hat man zu ahd. wadalön = umherschweifen, wallen gestellt und als den „Wanderer“ gedeutet. Bei heftigem nächtlichen Sturme sagt man in Pommern, Mecklenburg und Holstein „der Wode jagt“, im Osnabrückischen „der Wodejäger“, im oldenburgischen Saterland ,’der Wöinjäger zieht um“. Der Zug bewegt sich zwischen Himmel und Erde, bald über die Erde allein. Nur wer mitten im Wege bleibt, dem tut er nichts; darum ruft Wod dem Begegnenden zu: „midden in den Weg!“ Wie der Weg fest bestimmt ist, den Wodans Jagd einschlägt, so fallen auch die Umzüge in bestimmte Zeiten, meist in den Anfang und Schluß des Winters, in Schwaben in den Herbst und Frühling oder zu Weihnachten, in Schwerin hält der wilde Jäger. Wod seinen Einzug im Herbste, seinen Umzug in den Zwölften, seinen Auszug zur Frühlingszeit, namentlich in der Mainacht.

Nicht nur auf schwarzem, öfters auch auf weißem Wolkenrosse stürmt Wodan an der Spitze der wilden Jagd durch die Luft, oft dröhnt durch das Geheul der Hunde das Rollen des nach fahrenden Wagens. Wie der Wind die nächtlichen Wolken jagt, so scheucht er die schwarzen Gewitterwolken vor sich her, und das dumpfe Grollen des Donners erklingt wie das Dröhnen eines dahinrollenden Wagens. Die Sagen von Wodan, Frau Holle und Berchta berühren sich hier aufs engste: im tobenden Gewittersturme wird der zerbrochene Wagen verkeilt, und die goldgelben Blitze sind die herabfallenden Späne. Der Wind- und Wolkengott tritt in Verbindung mit dem Gewitter.

In der Nacht umkreist das Gespann des Himmelsgottes, der Irminswagen, den Pol, nach seinem Stande bestimmte man die nächtliche Stunde, sein Weg, die Milchstraße, hieß gleichfalls nach dem obersten Gotte die Iringsstraße (S. 214). Aber in Oldenburg und in Westfalen fährt der Woinsjäger um das Siebengestirn; noch im 15. Jhd. heißt das Siebengestirn im Niederländischen Woenswaghen, und im Harz ist das Sternbild des Wagens Hackelbergs Gespann.

Zahlreiche Sagen berichten, daß der Gott bei seinem Umzuge den Leuten eine Pferde-, Reh- oder Rinderkeule herabgeworfen habe, die ihn anriefen. Wer spottend und höhnend in das Hallo der wilden Jagd einstimmt, dem schreit der Wode aus den Wolken zu:

Hast du helfen jagen,

Sollst du auch helfen tragen (knagen),

und aus der Höhe stürzt ein Roßschenkel herab, der dem Spottenden am Rücken . klebt, durch seinen Geruch eine ab-

scheuliche Last wird und zauberhaft an ihm bleibt, daß er sie nicht los werden kann. Geschieht aber der Huf aus einfältigem Herzen, oder hat sich der Mensch dem Gotte willfährig erwiesen, dann verwandelt sich die Keule, oder was er sonst wirft, in funkelndes Gold.

Großartig und altertümlich klingt folgende Sage aus Mecklenburg. So gewaltig und furchtbar die Erscheinung des Gottes ist, seinem Verkehrer erweist er sich hilfreich, und wenn er einen Ebenbürtigen findet, einen Menschen, der seinem Wesen verwandt ist, kraftvoll und klug, so» belohnt er ihn freigebig:

Ein Bauer kam in der Nacht von der Stadt; sein Weg führte ihn durch einen Wald, da hörte er die wilde Jagd und das Getümmel der Hunde und den Zuruf des Jägers in hoher Luft. „Midden in den Weg! Midden in den Weg!“ ruft eine Stimme, allein erachtet ihrer nicht. Plötzlich stürzt aus den Wolken, nahe vor ihm hin, ein langer Mann auf einem Schimmel. „Hast Kräfte?“ spricht er, „wir wollen uns beide versuchen, hier die Kette, fasse sie an, wer kann am stärksten ziehen?“ Der Bauer faßte beherzt die schwere Kette, und hoch auf schwang sich der wilde Jäger. Der Bauer hatte sie um eine nahe Eiche geschlungen, und vergeblich zerrte der Jäger. „Hast gewiß das Ende um die Eiche geschlungen?“ fragte der herabsteigende Wod. „Nein“ versetzte der Bauer, der sie eiligst losgewickelt, „sieh, so halt‘ ich’s in meinen Händen.“ „Nun so bist du mein in den Wolken“, rief der Jäger und schwang sich empor. Wieder schürzte schnell der Bauer die Kette um die Eiche, und es gelang dem Wod nicht. „Hast doch die Kette um die Eiche geschlungen!“ sprach der niederstürzende Wod. „Nein“, erwiderte der Bauer, der sie wieder schon in den Händen hielt, „sieh, so halt‘ ich sie in meinen Händen.“ „Und wärst du schwerer als Blei, so mußt du hinauf zu mir in die Wolken.“ Blitzschnell ritt er hinauf in die Wolken, aber der Bauer half sich auf die alte Weise. Die Hunde hollen, die Wagen rollten, die Rosse wieherten dort oben, die Eiche krachte an den Wurzeln und schien sich zu drehen. Dem Bauer bangte, aber die Eiche stand. „Hast brav gezogen“, sprach der Jäger, „mein wurden schon viele Männer, du bist der erste, der mir widerstand! Ich werde dir’s lohnen.“ Laut ging die Jagd an: Hallo! Hallo! Wod! Wod! Der Bauer schlich seines Weges, da stürzt aus ungesehenen Höhen ein Hirsch ächzend vor ihn hin, und Wod ist da, springt vom weißen Rosse und zerlegt das Wild. „Du sollst von dem Blute und ein Hinterviertel haben“, sagte er. „Ich habe keinen Eimer und keinen Topf“, sagte der Bauer. „So zieh deinen Stiefel aus“, sagte der Wod. Der Bauer tat, wie ihm geheißen, und trug Fleisch und Blut des Hiraches im Stiefel weiter. Die Last wurde ihm immer schwerer, und nur mit Mühe erreichte er sein Haus. Wie er nachsah, war der Stiefel roll Gold und das Hinterstück ein lederner Beutel voll Silber.

Es ist der hoch oben in den Wolken dahinfahrende Sturmgott, der aus der Höhe herniederstürzt und alles zu sich emporreißen will, daß die Erde bebt und die Eichen an den Wurzeln krachen. Die Kette, an der Wodan den Wanderer seine Kraft versuchen läßt, erinnert an die Stelle der Ilias (820 ff.), wo Zeus die Götter auffordert, eine Kette von Gold vom Himmel herunter zu lassen, sich unten insgesamt daran zuhängen und ihre Kraft zu erproben.

In der Erscheinung Wodans ist der natürliche Hintergrund noch zu erkennen. Bald ist er als der Windgott der unermüdliche himmlische Wanderer, bald ein im Sturm und im rollenden oder nachhallenden Donner zu Roß oder zu Wagen dahintosender Jäger, bald ist er der dunkle Nachtgott (S. 232). Durchweg überwiegt die finstere Seite. Ein weiter, wallender Mantel fliegt um seine Schultern, in dem man leicht das nächtliche wölken bezogene Himmelsgewölbe wieder erkennt, tief in die Stirn ist sein breitkrämpiger Schlapphut gedrückt, der Wolken- oder Nebelhut; Hunde, die Windstöße, umbellen ihn, und Raben umflattern ihn; das schwarze oder weiße Roß ist ein Bild der dunklen Wetterwolke oder des flüchtigen Nebels. Goldene Rüstung und kriegerischer Schmuck fehlen noch völlig. Nur den Speer, womit der Hirt den Wolf oder Bär verscheucht, führt die Hand des Gottes: aus dem Jahre 843 ist der Name Kcrans belegt, der wie Ansgar-Oskar den Speergott Wodan bedeutet (S. 192). Es ist der Blitz, den der Gott aus der dunklen Wolke hervorschleudert. Aber frühzeitig ward diese Waffe Symbol des Toten- und Schlachtengottes. Wie der Gott den vernichtenden Blitz entsendet und damit die gewaltige Gewitterscblacht eröffnet, so ward der Speerwurf das Symbol der Ankündigung des Krieges. Aus dem Fluge des Speeres ergab sich ein Anzeichen über den Ausgang des Kampfes. Durch seine Entsendung ward das gesamte feindliche Heer dem Walgotte Wodan geweiht (Ann. 1357). Hatte der Gott gnädig den Sieg verliehen, so ward das durch ihn eroberte Land unter seinem Schutze eingenommen: der Speer ward das Zeichen der Besitzergreifung.

Vor der großen Hunnenschlacht auf den katalaunischen Feldern feuert Attila, wie ein germanischer Heerkönig, das Heer durch eine Rede an und schließt mit den Worten: „Als Erster schleudere ich den Speer gegen die Feinde!“ (Jord. Get. 539). Der Langobardenkönig Authari reitet bei Regium in das Meer und berührt eine dortstehende Säule mit der Lanze: „Bis hierher soll das Gebiet der Langobarden reichen!“ Kaiser Otto wirft vor seinem Rückzuge aus Dänemark seinen Speer in die See, die davon den Namen Odensund trägt; dasselbe wird von Karl d. Gr. berichtet. Als die Bayern den Römern Tirol abgewannen, stieß ihr Führer Herzog Adalger am Haselbrunnen unweit Brixen seine Lanze ins Erdreich: „Das Land hab ich gewonnen den Bayern zu Ehren!“ (Kaiserchronik).

Wie die wilde Jagd den Menschen emporreißt, so hebt der Windgott seine Lieblinge zu sich auf sein Pferd, rettet sie vör Gefahren und führt sie im Zauberfluge an den gewünschten Ort. Einem Manne begegnet ein Reiter auf hohem Rosse, faßt ihn und hebt ihn zu sich. Das Pferd stiebt mit ihm durch die Luft, daß ihm Hören und Sehen vergeht; endlich wird er hart an einer Stadt bei der Brücke zur Erde geworfen. In einem Lübecker Schwerttanzspiele des 16. Jhd. ruft Starkader aus, auf den alle eindringen:

Heilige Wode, nü len mi dln perd.

Lät mi henriden! ik bün’t wol werd!

Als er plötzlich verschwunden ist, wie die scenische Anmerkung sagt, ruft einer der Mitspieler:

Het em de düvel halt? üt is dat spil.

Wodans Einäugigkeit ist zwar nicht direkt bezeugt, darf aber als altgermanische Vorstellung gelten. Nur darf man sie nicht aus dem Tageshimmel, sondern eher aus dem nächtlichen Himmel erklären; denn Wodau als Sonnengott ist jüngere Vorstellung. Der unter den Wolken hervorzuckende Blitzstrahl erinnerte an das Leuchten eines von einer Wolke als einem Hute beschatteten Auges. Andere Erklärer denken an das Ochsen- oder Sturmauge (engl, bullseye, frz. oeil-de-boeuf), die runde Öffnung einer sturmverkündenden Wolke. Bei schwerem Wetter zeigt sich oft eine lichte Öffnung in den Wolken; meistens kommt der Wind aus der Richtung, wo sich das Auge im Wolkenhimmel öffnet; diesen weißlichen, von Finsternis umgebenen Raum nennen die Seeleute noch heute Sturmauge.

Den auf weißem Rosse stürmenden Reiter Wodan, der, von den Winden umheult, den zündenden Wetterstrahl aus finsterm Gewölke schleudert, kennt noch der allgemein geltende Volksglaube vom wilden Jäger. Nacht und Nebel, Wolken und Wetter jagt der nächtliche Gott über den Himmel dahin, daß die Sonne verlischt, und Finsternis ihre Schwingen breitet, und von dieser allgemeinen Vorstellung hebt sich die Jagd auf ein einzelnes Tier, einen Eber, einen Hirsch (D. S. Nr. 308), auch wohl eine Kuh oder ein oder mehrere weibliche Wesen ab. In Norddeutschland ist die Sage von Wodan-Hackel bereud zu Hause, der stets einen Schimmel reitet (D. S. Nr. 310):

Er war Oberjägermeister und ein gewaltiger Weidmann. Eines Nachts hatte er auf der Harzburg einen schweren Traum; es däuchte ihm, als ob er mit einem furchtbaren Eber kämpfe, der ihn nach langem Streite zuletzt besiegte. Diesen Traum konnte er gar nicht aus den Gedanken wieder los werden. Einige Zeit danach stieß er im Vorharz wirklich auf einen Eber, den im Traume gesehenen ähnlich. Er griff ihn an; der Kampf blieb lang unentschieden; endlich gewann er und streckte den Feind zu Boden nieder. Froh, als er ihn so zu seinen Füßen erblickte, stieß er mit dem Fuß nach den schrecklichen Hauern des Ebers und rief aus: ,Du sollst es mir noch nicht tun!“ Aber er hatte mit solcher Gewalt gestossen, daß der scharfe Zahn den Stiefel durchdrang und den Fuß verwundete. Erst achtete er die Wunde nicht und setzte die Jagd fort. Bei seiner Zurückkunft aber war der Fuß schon so geschwollen, daß der Stiefel vom Bein getrennt werden mußte, und bald starb er.

Man braucht die verfolgten und getöten Tiere nicht als Sonnentiere aufzufassen, sondern es sind die in Deutschland üblichen Jagdtiere. Die naturmythische Deutung erklärt diese Jagd so: wohl erlegt der nächtliche Sturmgott sie und zerreißt sie, aber sie werden immer wieder lebendig, und die Nachtjagd beginnt immer von neuem: denn die Sonne wird jeden Morgen neu geboren.

Wie die Nordwindsöhne Zetes (dia-d^njs der Sturmwind) und Kalais die „raffenden“ Sturmgöttinnen verfolgen, die Harpyien Sturmfuß (Okypete), Fußschneil (Podarge) und Schnellfliegerin (Aello), so jagt in Deutschland Wodan im Sturmgebraus der Windsbraut und den Holzfräulein nach. Seit alter Zeit heißt der einem Gewitter vorausgehende Wirbelwind Windsbraut, Windis prüt oder das ,.fahrende Weib“; als man die mythische Beziehung (Gemahlin des Windgottes) nicht mehr verstand, brachte man den zweiten Teil mit sprießen, Sproß, spritzen, zusammen, weiterhin auch mit Spreu, sprühen. Aber im Altertume bezeichnete Windsbraut nicht den Sprühwind, sondern den Wirbelwind, die Buhle, die der im Tosen und Heulen des Sturmes dahinjagende Gott verfolgt. Zahlreiche Sagen erzählen, wie der wilde Jäger einem gespenstischen Weibe (Wetterhexe mit roten fliegenden Haaren, weißes Weib), der Buhle, fahrenden Mutter oder einer ganzen Schar wilder Frauen nachsetzt. Jemand sieht ein Weib ängstlich vorüberlaufen, bald darauf stürzt ein Reiter, der wilde Jäger mit seinen Hunden, ihr nach, und es dauert nicht lauge, so kehrt er wieder und hat die nackte Frau quer vor sich auf dem Pferde liegen. Wie der Sturmriese Vasolt und der Wunderer mit laut schallendem Home und wütend bellenden Hunden eine Jungfrau verfolgen (S. 167), so jagt der wilde Jäger bei Saalfeld unsichtbar mit seinen Hunden die Moosleute (D. S. Nr. 48), der Nachtjäger in Schlesien die mit Moos bekleideten Rüttelweiber (D. S. 270), die Lohjungfern, die Holzweibchen oder Holzfräulein (S. 147). Bald fällt der halbe Leib eines dieser Wesen, bald ein Fuß mit grünem Schuh bekleidet dem nachrufenden Spötter gleichsam als sein Jagdanteil aus den Wolken herab.

Auch bei der Verfolgung eines einzelnen Weibes durch den wilden Jäger wird man eher an eine stürmische Werbung des Gottes um eine Frau zu denken haben, als an die Tötung. Das Wort „Brautlauf“ für Hochzeit zeigt, daß bei den Deutschen alter Zeit die Sitte bestand, die Braut zu entführen. Solches Erjagen der Braut steckt auch hinter dem Mythus von der Windsbraut, die allnächtlich von ihm erlegt werde, aber immer wieder auflebe.

In Nortbamptonshire jagt der wilde Jäger mit seinen wilden Hunden ewig eine Jungfrau, seine Geliebte, um deren willen er sich den Tod gab; täglich tötet er sie, und täglich lebt sie auf, um aufs neue vor ihm herzufliehen.

Dieser englischen Sage entspricht eine deutsche, die von Hans Sachs und Joh. Pauli (16. Jhd.; Schimpf und Ernst, Nr. 210) bearbeitet ist.

Ein Köhler wacht bei seinem Meiler, da erscheint ein nacktes Weib in vollem Laufe, will um die Kohlengrube wenden, wird aber von ihrem Verfolger, einem Reiter auf schwarzem Rosse, ergriffen, mit dem Schwerte durchbohrt und ins Feuer geworfen; nachdem sie ganz schwarz gebrannt ist, zieht er sie hervor, setzt sie vor sich aufs Pferd und sprengt davon. Mehrere Nächte hintereinander wiederholt sich die Erscheinung. — Zu einem Pferdehirten, der des Nachts draußen in der Koppel bei den Pferden war, die gerade an einem Kreuzwege lag, kam eilig eine Frau gelaufen und bat ihn, sie über den Weg zu bringen. Da sie ihn so flehentlich bat, fand er sich endlich bereit dazu und brachte sie hinüber. Sogleich lief sie, so schnell sie nur konnte, weiter, ward aber in wunderbarer Weise immer kleiner und kleiner, bis sie zuletzt nur noch auf den Knien zu laufen schien. Gleich darauf stürzte ein Reiter, der wilde Jäger, mit seinen Hunden, herbei und verlangte ebenfalls, über den Kreuzweg gebracht zu werden: seit sieben Jahren jage er schon nach jener Frau, und wenn er sie in dieser Nacht nicht bekäme, so sei sie erlöst. Da brachte ihn der Hirt samt seinen Hunden hinüber, und cs dauerte nicht lange, so kam der wilde Jäger zurück und hatte die nackte Frau quer vor sich liegen.

Aus dem 13. Jhd. wird eine solche Sage berichtet (Cäs. v. Heisterbach 1210):

Einem Ritter begegnet bei Nacht ein Weib, das vor einem blasenden Jäger und seinen bellenden Hunden herläuft und um Hilfe ruft. Er springt vom Pferde, zieht mit dem Schwerte einen Kreis um sich (S. 29), in den er die Verfolgte aufnimmt, und schlingt deren Haarflechten um seinen linken Arm, während er in der Rechten das bloße Schwert hält. Als aber der Jäger näher kommt, schreit das Weib: «Laß mich, laß mich los, da ist er!‘ Sie reißt so gewaltig, daß ihm die Haare in der Hand bleiben und läuft davon. Der Jäger hinterdrein, erreicht sie bald und legt sie quer vor sich aufs Roß, daß das Haupt hüben, die Beine drüben herunterhängen.

Nachdem Wodan die Gemahlin des alten Himmelsgottes Frija au sich gerissen hatte, stürmt er mit ihr zusammen durch die nächtlichen Lüfte. In Mecklenburg fährt ein Mann in grünem Jägerrock und einem dreitimpigen Hut bei der wilden Jagd mit Fru Gauden einher. Auch Hackeiberend und Frau Holle jagen gemeinsam an der Spitze des wütenden Heeres.

Bei dem Kultus des nächtlichen Sturmgottes ist von der niedrigsten Stufe der geistigen Entwickelung auszugehen. Der Kärnthner Bauer stellt eine hölzerne Schale mit verschiedenen Speisen auf einen Baum vor dem Hause oder wirft Heu in die Luft: dann tut der Wind keinen Schaden. Dieses Füttern der Windes, woraus sich das Opfer für den persönlich aufgefaßten Windgott entwickelte, erinnert an das Bemühen Etzels, den gefräßigen Wunderer durch Vorsetzen von Speise zu besänftigen (S. 166). Bei heftigem Sturme wirft man in Schwaben, Tirol und Opferpfalz einen Löffel oder eine Hand voll Mehl in die Luft für den „Wind und sein Kind“, in der Opferpfalz mit den Worten: „Da, Wind, hast du Mehl für dein Kind, aber aufhören mußt du“. Im nieder-österreichischen Gebirge wird am 29. Dezember Mehl uud Salz unter einander gemischt und auf einem Brett zum Dachfirste hinausgestellt. Verführt es der Wind, so sind im nächsten Jahre keine Stürme zu fürchten. — Auch Wodans Hunde erhalten Opfer. Sie dringen in die Backkammer, fallen über den Teig und schlürfen, wie wenn sie bei der Tranktonne seien. Läßt man die Tür auf, so zieht der Wode hindurch, und seine Hunde verzehren alles, was im Hause ist, sonderlich den Brotteig, wenn gerade gebacken wird. — Auch Wodans Pferd erhielt Opfer. Wenn die Bauern in Schleswig ein Stück Land mit Hafer besät hatten,, Hessen sie einen Sack voll Korn auf den nahen Berg bringen und dort stehen. Nachts kam dann „jemand“ und brauchte den Hafer für sein Pferd. In Mecklenburg ließ man, nach einem Rostocker Berichte des 16. Jhds., bei der Roggenernte am Ende eines jeden Feldes einen Streifen Getreide unge-mäht, flocht es mit den Ähren zusammen und besprengte es mit Bier. Die Arbeitsleute traten darauf um den Getreidebusch, nahmen ihre Hüte ab, richteten ihre Sensen in die Höhe und riefen Wodan dreimal mit folgenden Worten an:

Wode, hole deinem Roß nun Futter!

Nun Distel und Dorn,

Aufs andre Jahr besser Korn!

Noch im Anfänge des vorigen Jahrhunderts ließ mau in der •Gegend von Hagenow in einer Ecke des Feldes einige Halme stehen, damit ,,de Waur“ Futter für sein Pferd fände. Am Wodenstage soll man keinen Lein jäten, „damit Wodans Pferd den Samen nicht pertrete“. Aber auch der Windgott selbst, der der Spender des Erntereichtums ist, empfing Gaben, und zwar Mehl und Brot. Ein Bauer hatte spät abends die Tür offen gelassen. Da kam der wilde Jäger durch sie ge ritten und nahm ein Brot vom Brotschragen herab. Darauf sprengte er wieder fort und rief dem Bauern zu: „Weil ich dies Brot in deinem Hause bekommen habe, soll es in deinem Hause nimmer daran fehlen!“ Er hielt auch Wort, und nie hatte der Bauer Brotmangel. Eine Erinnerung an das Opfer für den Sturmgott und die Windsbraut ist ein Gebrauch der Oberpfalz. Dort wrarf man drei Hände voll Mehl in den Wind und rief: „Wind und Windin, hier geh ich dir das Deine! laß mir das Meine!“

Der Wind- und Totengott ruht, wenn die Stürme nicht verheerend durch das Land brausen, in seinem unterirdischen Reiche, das als Berghöhle gedacht ist. Über ganz Deutschland, England wie über den Norden sind Wodansberge verbreitet. Hackelbergsgräber finden sich in Norddeutschland zahlreich, er sitzt in einem Berge, und von Bergen nimmt der wilde Jäger wie das wütende Heer seinen Auszug. Vom Odenberg (Glücksberg? einsamer, öder Berg?) beim Gudensberg in Hessen, [noch 1154, 1170 Wuodenesberg,j stürmt Karl der Große mit seinem rasselnden Reiterheer hervor, tränkt die Rosse in dem Quell Glisborn, den der Huf seines Pferdes aus der Erde gestampft hat, und liefert eine blutige Schlacht. In einer Walkenrieder Urkunde von Jahre 1277 wird ein Berg erwähnt, „qui Wodansberg vocatur“, den man auf den „Hutberg“ Kyffhäuser bezieht (ahd. chuppha mhd. kupfe = Hut; oder ahd. chupisi Zelt = zeltförmiger Hügel). Die Vorstellungen vom Aufenthaltsorte der Seelen im Berge, von einer mythischen letzten Schlacht am Ende aller Dinge verschmolzen hier, etwa im 15. oder 16. Jhd., mit der deutschen Kaisersage, die nicht im germ. Heidentum, sondern in den altchristlichen Vorstellungen von der dem jüngsten Gerichte vorangehenden dämonischen Herrschaft des Antichristes ihre Wurzel haben; und da Tilleda unter dem Kyffhäuser Kaiserpfalz war, wurde aus dem im Berge ruhenden Gott ein bergentrückter Kaiser. Wie Karl der Große beim Gudinsberg, trat Kaiser Friedrich II. an Wodans Stelle, und die Gestalt des apokalyptischen Kaisers wurde mit volkstümlichen und mythologischen Elementen ausgeschmückt. Nicht zu beweisen ist, daß Wodans Himmelsschloß Walhall im Kvffhäuser lokalisiert sei, und daß die zechenden und Kampfspiele übenden Ritter den nordischen Einherjem entsprächen; bei den Raben aber, die um den Berg fliegen, kann man vielleicht an Wodans heilige Vögel denken. Andere Wodansberge sind: der Godesberg bei Bonn (947, 973 Wodenesberg), Godenesberg (1133), jetzt Utzberg in Weimar, Wunstorp bei Hannover (früher Wodens-torp). Schon 973 wird ein Wodenesweg im Magdeburgischen erwähnt, entweder als der Weg zu verstehen, den der nächtliche Stürmer einschlägt, oder wäg ist = Wand, Mauer (got. waddjus, ags. wäg, an. veggr) oder als Wodans Heiligtum (ahd. wih = Tempel). In Thüringen gibt es ein Wudanes-huseu (jetzt Gutmannshausen bei Weimar) in Oldenburg, ein Wodensholt, (jetzt Godensholt), in England Wodnesbeorg, Wodnesfeld.

In dem Heere oder Jagdumzuge des nächtlichen Sturmgottes befinden sich die Seelen der Verstorbenen. Das Wuotes Heer heißt auch Totenvolk, Totenschar. Wodan ist nicht nur der Nacht- und Sturmgott, sondern in gemeingerm. Zeit bereits der Totengott. In seinem unterirdischen Reiche, dem Innern der Berge, herrscht er über die Winde, hier sammelt er auch die Toten in sein nächtliches Heer. Als der Stürmer der Lüfte sich zum kampfwütigen Kriegsgotte erhoben hatte, bildeten vor allem die Männer und Krieger sein Gefolge; sie entbot er zu sich durch seine göttlichen Dienerinnen, die Walküren. Wer im Dienste des Gottes gefallen war, hatte die frohe Hoffnung, nach seinem Tode bei Wodan weiter zu leben. Schon die Germanen des Ariovist waren im Kampfe deswegen so mutig und verachteten den Tod, weil sie an ein Wiederaufleben glaubten (Appian. Celt. I3), und diese Zuversicht (einig dvaßiojaeüjg) hat nur dann einen Sinn, wenn sie sich auf ein Fortleben im Reiche des Kriegs- und Totengottes bezog. Auch die Kimbern jauchzten, wenn sie in den Schlachtentod gingen, und jammerten nur, wenn sie auf dem Krankenbette sterben sollten (Valerius Maximus II, 6,n). Mochten ursprünglich alle Toten dem Gotte angehören, später kamen nur die Kämpfer in Betracht; sie waren von ihm dem Tode im voraus bestimmt: „da sterbent wan die veigen“, da sterben nur, die sterben sollen, heißt es noch im 13. Jhd. sprichwörtlich. Freudig des Glaubens, daß der Gott ihn erkoren, wenn er die Todeswunde empfing, stürmte der Germane, leicht gekleidet, ohne Rüstung, mit leichten Waffen in das Wetter der Speere. Aus seinem Blute entsprang sein Recht, ein Gefolgsmann des großen Gottes fortab zu sein und teil zu haben an seiner Herrlichkeit. Darum konnte ahd. urheizzo = der Geweihte (Glosse für suspensus zum Opfer aufgehängt, der ..Verheißene*) im as. und ags. die Bedeutung Kämpfer annehmen.

Die Kimbern- und Teutonenkriege erklären das Aufsteigen Wodans, vielleicht aber thronte er damals schon in den hellen Lufträumen, bei ihm seine Gemahlin und die gefallenen Helden. Hier bewohnte er nach der langob. Stammsage mit Frea einen Saal, der natürlich in einer Burg gelegen haben muß, und von hier pflegte er des Morgens durch das Fenster gen Osten auszublicken. Im Norden heißt diese Halle Walhall (Totenhalle), aber für das deutsche Altertum läßt sich dieser Name nicht belegen.

Verräter und Überläufer hängten die Germanen an Bäumen auf (Germ. 12); mit einem weidenen Ringe wurde ihnen die Kehle zugeschnürt, so daß ihnen der Atem, die Seele, gleichsam der Wind, ausgepreßt wurde; sie verfiel dann dem Wind-und Totengotte. Wer einen Gehängten vom Galgen nahm, beging nach fränkischer Anschauung noch in christlicher Zeit eine Missetat gegeu den Kultus; denn man entzog dem finstern Gotte sein Opfer. Todesstrafe setzt die Lex Salica (ca. 500v aus demselben heidnisch-religiösen Grunde, wenn jemand den gebundenen Verbrecher dem Richter entreißt und dadurch der drohenden Bestrafung entzieht. Weil Wodan die Toten bei sich aufnimmt, wie dem Hermes xlwxoTiofmdg die Seelen der Verstorbenen übergeben werden, umschrieben ihn die Römer mit Mercurius. Ein Altar, der im Jahre 1874 im oberen Ahrtale gefunden wurde, trägt die Inschrift: Mercuri Chatmini.

Mercurius Channini soll aus *Chanjini entstanden sein, Nom. sing. *hanjC\ as. ags. *henno, ags. fries. *hetma; ahd. hqno, hano sei der Vernichter, der Tod, der Gott der Vernichtung, der Todesgott (idg. ken = stechen, schlagen, vernichten, xaivio). Der mhd. Ausruf iä henne soll soviel bedeuten wie „fürwahr, bei Wodan“; in Niederhessen findet sich entsprechend „Gott Henne“, und christlich entstellt „Henne der Teufel“. Auch „Freund Hein“, wie wir noch heute den Tod bezeichnen, wird nicht als eine Erfindung des Matthias Claudius oder als ein Witz auf einen Hamburger Arzt anzusehen sein, sondern als eine verderbte Form für den tötenden Wodan (S. 17). Der Hain, das Waldheiligtum, wo die alten Germanen ihre Toten begruben, hat sicher nichts mit Freund Hein zu tun.

Das symbolische Tier der unterirdischen Mächte ist die Schlange. Sie ist auch das Symbol des nächtlichen, unterirdischen Totengottes Wodan, und wie die Langobarden einst von ihm Namen und Sieg empfingen, so verehrten sie auch die goldene Schlange als sein heiliges Tier.

Zur Zeit, da Grimoald König der Langobarden war, lebte der treffliche Priester Barbatus zu Benevent (602—83). Obwohl sie bereits das Wasserbad der heiligen Taufe empfangen hatten, hielten sie doch noch an dem alten Brauche des Heidentums und beugten sich vor dem Bilde einer Schlange. Barbatus bekommt es in seine Hände, schmilzt es ein und läßt Schüsseln und Kelche daraus schmieden. Als das ruchbar wurde, sagte einer der Umstehenden: „Wenn mein Weib das getan hätte, würde ich ihr ohne Verzug den Kopf abschlagen“ (V. Barbati). An einer anderen Stelle heißt es: Sie verehrten eine goldene Schlange als das Symbol ihres höchsten Gottes, und ein ganzer Stadtteil von Benevent soll davon den Namen Vipera getragen haben.

Nicht nur die himmlischen oberen Gottheiten, auch die Götter der Unterwelt sind Urheber des Wachstums der Pflanzen und der Ernte. Den heißen Strahlen der Tagessonne‘ muß die Kühle der Nacht folgen, der Wind jagt die Wolken, bis sie ihr segnendes Naß spenden, der Wind führt den männlichen Blütenstaub befruchtend den weiblichen Blüten zu. Darum gilt der Landstrich im kommenden Sommer als ganz besonders fruchtbar, über den die wilde Jagd gezogenist. Wenn das Guetis Heer schön singt, gibt es im Aargau ein fruchtbares Jahr. Der schwäbische Bauer, der nur um Sonnenschein, nicht auch um Wind bittet, bekommt kein Korn. ..Ohne Wind verscheinet das Korn“, sagt ein Sprichwort, und eine alte Bauernregel lautet „Viel Wind, viel Obst“. Darum ist der nächtliche Sturmgott auch der Spender der Fruchtbarkeit und des Erntesegens, und darum wurde er vor allem mit Erntedankopfern verehrt. Fast in ganz Deutschland ließen die Schnitter bei der Ernte auf dem Acker einen Busch Ähren für Wodan stehen, damit er ihn als Futter für sein Fferd gebrauchte. Erntewöd hieß diese letzte Garbe, die Ernte in Bayern bis zum 18. Jahrhundert die Waudlsmähe (Waude — Woude — Wuote); das Opfer für seine Hunde hieß von Passau bis Preßburg Waudfutter. Dann traten die Schnitter mit entblößtem Haupte um die blumengeschmückte Wode in einen Kreis und riefen unter dem Schwingen der Hüte und dem weithin schallenden Streichen der Sicheln zu dreien Malen mit überlauter Stimme den Gott im Gebet an. Man bat Wodan, die geringe Gabe gnädig anzunehmen und sie als Futter für sein Roß zu holen; an ihrer Kleinheit und Wertlosigkeit sei nur die heurige schlechte Ernte schuld; würde sie im nächsten Jahre besser ausfallen, so solle er auch reichlicher von ihnen bedacht werden: Wode, hole deinem Roß nun Futter . . . (S. 240). Unterbleibt diese Feierlichkeit, so gerät im folgenden Jahre weder Korn noch Obst. Zuweilen wird auch ein Feuer angezündet, und die Burschen rufen, wenn die Flamme lodert, unter Hutschwenken: Wauden! Wauden! Wauden! Der heilige Columban (f 615) traf auf seiner Reise heidnische Schwaben oder Alemannen gerade im Begriff ihrem Gotte Wodan, den andere Mercur nennen, ein Opfer darzubringen. In ihrer Mitte stand eine Kufe, die 26 Maß Bier, etwas mehr oder weniger, enthielt.

Bei der Frühlings- und Maifeier, sowie beim Erntedankfeste fielen Wodan Rosse und Rinder zum Opfer. Die Knochen der Opfertiere galten als heilkräftige Talismane; noch im 16. Jhd. wurden vier Roßköpfe auf den vier Ackerenden angebracht, um die Saat vor dem Winde zu sichern. Wodan behütete auch den herbstlichen Heimtrieb der Herde. In einem christlich überarbeiteten Segen, dem sog. Wiener Hundesegen, wird er zum Schutze der Rinder und Schafe, auch der Hunde an gerufen vor Wolf und Wölfin, sowie vor Dieben, wenn das Vieh zu Holz uud zu Felde, zu Wasser und Weide geht.

Alle deutschen Stämme scheinen Wodan bereits als Gott desZaubers verehrt zu haben. Ihm schrieb man vielleicht die Erfindung der „Vorrunen“ zu, d. h. der im Orakelwesen üblichen Zeichen, und des Runenzaubers. Auf istwäon. Boden wurde er dann zum Träger der geheimnisvollen Schriftrunen, die die heimischen heiligen Zeichen mit den aus der Fremde eingewanderten Buchstaben vereinten. „Sage mir, wer zuerst Buchstaben setzte?“, lautet ein ags. Gespräch. „Ich sage dir, Mercurius (Wodan), de)‘ Biese“ Eine wunderbare Macht schrieb der Germane diesem Runenzauber zu, besonders dem dazu gemurmelten Liede oder Spruche. Runenweisheit und Dichtkunst gehören zusammen. Darum gilt Wodan den Angelsachsen als Gott aller List, nach christlicher Auffassung des Truges und der Diebereien. Wodan allein vermag Balders Roß den verrenkten Fuß zu heilen, er spricht den Genesung bringenden Zauberspruch: weder Balder selbst noch die vier Göttinnen vermögen in seiner Gegenwart etwas auszurichten. Als wundertätiger Arzt und Heilgott erscheint Wodan auch in einem ags. Zaubersegen, in dem die neun heilkrätigsten Kräuter der Erde genannt werden, die alle Krankheiten und alles Gift bannen:

„Eine Schlange kam gekrochen, zerschlitzte den Menschen.

Da nahm Wodan die neun Kraftkräuter,

Schlug damit die Natter, daß in neun Stücke sic flog.“

Bei den spanischen Sueben nahm daher Wodan die oberste Stelle ein, die ungebildeten Landleute daselbst verehrten im 6. Jhd. den Juppiter als Zauberer (Magus) (Mart, v. Brac. K. 7); doch ist die Beziehung auf Wodan recht zweifelhaft.

Nächtliche und himmlische Züge vereinigt das Gesamtbild Wodans, wie es in geschichtlicher Zeit erscheint. Viel Wind bedeutet noch heute Krieg, und als Gott der geistigen Begabung muß Wodan schon in alter Zeit die Kriegskunst verstanden und geleitet haben. Das Wort Sturm ist schon im Altertum von dem Kampfe der Lüfte auf den Kampf der Männer übertragen; Wetter der Speere, Sturm der Lanzen, Regen der Schwerter sind alte Bezeichnungen des Schlachtengetümmels: sie erklären, wie der Herr der Stürme zum Gebieter des Kampfes werden konnte. Folchans (Gott des Kriegsvolkes) hieß daher der Gott des „furor germanicus*, der germanischen Kampfeswut, und als Siegesgott lehrte er die Germanen selbst die Schlachtordnung des Fußvolkes, den „Eberrüssel“. Die äußerste Spitze des Keiles bildeten nur wenige oder ein einzelner Mann, der König oder die Edlen mit ihrem Gefolge, sofern sie nicht zu Roß kämpften; fochten mehrere Völkerschaften zusammen, so bildete jede für sich einen Keil. Ein solcher Angriffsstoß war von furchtbarer Kraft, unwiderstehlich schob er sich in die feindlichen Reihen ein. Bei den Germanen des Ariovist tritt, soviel wir wissen, uns zum ersten Male die keilförmige Schlachtordnung entgegen (Caes. b. g. 152). Tacitus hebt ausdrücklich hervor, daß die Schlacht aus Keilen zusammengesetzt wurde (Germ. 6; Hist. 416, 420, o16). Die Alemannen schlossen sich bei Straßburg gegen .Julian in einen Keil zusammen. Bei den Franken war noch im 9. Jhd. die keilförmige Aufstellung in ihrer ganzen ursprünglichen Eigentümlichkeit erhalten, auch bei den Angelsachsen war in der verhängnisvollen Schlacht bei Hastings der dichtgeschlossene, tiefgegliederte Keil allgemein. Wodan galt als Erfinder dieser Angriffsform, die wir vom Jahre 58 vor Christus bis ins 11. Jhd. verfolgen können. So trat er dicht neben Tius, und bereits zur Zeit des Tacitus muß er bei dem Volke, von dem der Römer seine Nachrichten über das Opferwesen bezog, also bei den Istwäonen, über Tius und Donar gestanden haben.

Denn „sie verehren von den Göttern am meisten den Mercurius (Wodan), dem sie an bestimmten Tagen auch Menschenopfei• zu bringen für Recht halten“ (Germ. 9). .Vis die Hermunduren im Jahre 58 mit den Chatten um den salzhaltigen Grenzfluß stritten, gelobten sie Tius und Wodan das feindliche Heer zum Opfer (Ann. 1357). (’hlodowechs Gemahlin sucht ihren Gatten von der Ohnmacht der heidnischen Götter zu überzeugen im Gegensätze zur Allmacht des Christengottes und fragt ihn, wie weit denn die Macht seines Tius (Mars) und Wodan reiche (S. 211). Noch im 6. Jhd. gelten also diese beiden als die angesehensten Götter der istw. Franken. Als Hengist und Horsa mit den Sachsen nach England kommen, werden sie gefragt, was für Götter sie anbeten. Die Antwort ist: „Unter Führung des Mercurius überschritten wir die Meere und suchten das fremde Reich auf. Den Mercurius verehren wir besonders, den wir in unserer Sprache Wodan nennen. Ihm weihten unsere Altvorderen den vierten Wochentag, der bis heute noch seinen Namen, den Wodenes dai, erhalten hat.“ Eine Chronik des 10. Jhd. sagt von Hengist und Hors^: sie waren die Enkel eines Barbarenkönigs Woddan, den die Heiden wie einen Gott verehrten, und dem sie Opfer darbrachten um Sieg oder Heldentum. Wie in der sächsischen Abschwörungsformel der Täufling Thunaer, Woden und Saxnot entsagt und an den Christengott zu glauben verspricht (S. 190), so wird in einem ags. Denk-sprucliG Wodan als Hauptgott der Heiden dem christlichen Gott gegenübergestellt:

„ Wodan wirkte Irrlehre, der allwallende Gott die weiten Himmel.“

Von Wodan, dem Kriegs- und Siegesgotte, leiteten also alle ags. Könige ihren Stammbaum ab, und noch König Heinrich II. von England, der Zeitgenosse Friedrich Barbarossas, fühlte sich als Nachkomme Wodans. In Altsachsen und in den sächsischen Besiedelungsländern Mecklenburg, Pommern, Altmark und Priegnitz haften bis heute Sagen und Gebräuche von Wodan. Und wie noch heute in den alten Wohnsitzen der Langobarden Frau Gode, Gode fortleben, so berichtet bereits Paulus Diaconus, daß die Langobarden den Wodan unter der Form Gwodan verehrt hätten. (I8. Prolog zum Edikt K. Rotharis; D. S. Nr. 389). Den lateinischen Quellen liegt ein altes stabreimendes Lied zugrunde, und die Alliteration läßt sich noch erkennen:

Es gibt im Norden eine Insel Scadanan, wo viele Völker wohnen, unter ihnen auch ein kleiner Stamm, die Winniler (die Kampfrüstigen). Und es war bei ihnen eine [weise] Frau, Namens Garabara (die Scharfblickende, Kluge), und sie hatte zwei Söhne, der Name des einen war Ybor (Eber) und der des andern Agio (=mhd. Ecke, der Schrecker). Diese hatten mit ihrer Mutter Gambara die Herrschaft über die Winniler. Es erhoben sich nun die Herzoge der Wandalen, Ambri (der Unermüdliche) und Assi mit ihrem Heere, und sie sagten zu den Winnilern: „ Entweder zahlt uns Zins oder rüstet euch zur Schlacht und kämpft mit uns.* Da antworteten Ybor und Agio mit ihrer Mutter Gambara: „Besser ist es für uns, uns zur Schlacht zu rüsten als den Wandalen Zins zu zahlen.“ Da beteten Ambri und Assi, die Herzöge der Wandalen, zu Wodan, daß er ihnen Uber die Winniler Sieg verliehe. Wodan antwortete und sprach: „Die ich bei Sonnenaufgang zuerst sehe, denen will ich den Sieg geben.“ In gleicher Zeit traten Gambara und ihre Söhne zu Frea, Wodans Gemahlin, und flehten um Sieg für die Winniler. Da gab Frea den Kat: die Frauen der Winniler sollten ihre Haare auflösen und um das Gesicht nach Art eines Bartes binden, dann aber frühmorgens mit ihren Männern auf dem Platze sein und sich zusammen da aufstellen, wo Wodan sie sehen müßte, wenn er wie gewöhnlich aus dem Fenster gen Morgen blickte. Als es nun dämmerte und die Sonne aufgehen wollte, drehte Frea, die Gattin Wodans, das Bett, worin ihr Mann lag, richtete sein Antlitz gen Morgen und weckte ihn. Und als er hinaussah, erblickte er die Winniler und ihre Frauen, die das aufgelöste Haar um das Gesicht geschlungen hatten, und er sprach: „Wer sind jene Langbärte?“ Da sagte Frea zu Wodan: „Wie du ihnen den Namen gegeben hast, so gib ihnen auch den Sieg“ (denn es war altgerm. Sitte, daß der Namengebung ein Geschenk folgen mußte; daher stammen unsere Patengeschenke). Und Wodan gab den Winnilem den Sieg, so daß sie sich nach seinem Ratschlüsse wehrten und den Sieg errangen. Von jener Zeit an wurden die Winniler Langobarden, die Langbftrtigen genannt.

Als Kriegsgott erregt Wodan Kampf zwischen Winnilern und Wandalen; beide Völker, also auch die ostgerm. Wandalen, rufen ihn um Sieg an. Er thront im Himmel und hat hier einen Saal (S 243), wie Zeus auf dem Ida sitzt und den Sterblichen zuschaut, wie Helios alles überblickt und vernimmt (II. 3277); von hier aus lenkt er das Geschick der Völker. Er hat die Macht und das Reich des alten Him-melsgottes Tius, und auch Erija, die ursprüngliche Gemahlin des Tius, sitzt ihm zur Seite. Gemütvoller Humor selbst den Himmlischen gegenüber ist deutsche Charakteranlage, es sei an Wodans Begegnung mit dem Mecklenburger Bauern erinnert (S. 234) und an die Schwänke, in denen Gott, Christus und Petrus auftreten. Auf keinen Fall ist deswegen auf junges Alter der Sage zu schliessen. Auch Hera und Athene besteigen gegen den Willen des Zeus den flammenden Wagen, um die zu bekämpfen, denen der Olympier den Sieg verleihen will; aber ganz anders erhebt Zeus seine Stimme (11. 8382 ff).

So wenig wie der heitere Ton, in dem das durch dramatischen Dialog ausgezeichnete Lied verfaßt ist, und die frohe Stimmung, die in Wodans himmlischem Reiche herrscht, gegen hohes Alter der Sage sprechen, darf die etymologische Deutung des Namens der Langobarden dagegen angeführt werden. Die Langobarden sind nicht die „alten Krieger“, noch die mit langen Barten Bewaffneten; diese sind keineswegs eine charakteristische Waffe für sie, denn beim Thing erscheinen die Langobarden mit dem Gere, und als Symbol der Wehrhaftmachung diente ihnen der Pfeil. Der Name des Volkes steht vielmehr zum Wodanskult in engster Beziehung, sie nannten sich nach dem langbärtigen Gotte Wodan. Daß sie sich ihren höchsten Gott auch so vorstellten, beweist der schöne langob. Name „Ansegranus“, der mit dem Götterbarte.

Daß die Langobarden Wodan als chthonischen Gott verehrten, zeigt sein Symbol, die goldene Schlange (S. 244). Für seine Verehrung als Wetter- und Kriegsgott spricht auch folgender Kult; Im Jahre 579 waren die Langobarden teilweise noch Heiden. Bei einer Siegesfeier, bei der 400 Gefangene niedergemacht wurden (zu Ehren des Kriegsgottes Wodan), brachten sie dem Teufel ein Opfer dar. Dieses bestand in dem Haupte einer Ziege, das sie im Kreise umtanzten und mit einem ,,verabscheuungswürdigen“ Liede dem Gotte weihten. Nachdem sie es selbst mit gebeugtem Rücken angebetet hatten, wollten sie dazu auch die Gefangenen zwingen; da diese aber schon Christen waren, zogen sie den Märtyrertod vor (Gregor. Dial. 328). Daß dieses Bocksopfer und der Opferleich dem Wodan galten, lehrt ein anderes Zeugnis (Miracula Apollinaris):

Deutsche Heiden — Alemannen oder Wandalen — fielen in Burgund ein und wollten eine Kirche zerstören, die dem Märtyrer Apollinaris von Chlodwigs Gemahlin gebaut war. Als alle Bemühungen, sie in Brand zu stecken, sich als vergeblich erwiesen, riefen sie ihre Priester zusammen und trieben sie an, nach alter Sitte ihrem Gotte Wodan Ziegen zu opfern und ihn (als Sturmgott) zu bitten, dem Feuer Kräfte zu geben, um den Tempel des Gottes eines fremden Volkes zu verbrennen. Jene brachten auch sogleich ihre unheiligen, törichten Opfer dar und riefen alle einstimmig ihren Wodan an. Aber während sie damit beschäftigt waren, erlosch das Feuer abermals, das an das Gotteshaus gelegt war. Als das die Anführer sahen, stürzten sie über die Diener ihrer Heiligtümer her und wüteten gegen sie mit grausem Mord.

Mit seinem Reiche hatte der leuchtende Gott Tius auch seine Gemahlin an Wodan abtreten müssen (S. 239). Nach der langob. Sage thront Frea neben Wodan im Himmel. Die älteste Vorstellung aber war, daß der Windgott im Sturmge-brause seine Buhle, die vom Winde gepeitschte Wolke, verfolgte; wenn dann der Gott die Verfolgte eingeholt hat, feiert er mit ihr das Fest der Vermählung.

WodanDiese Jagd auf die verfolgte Frau, als eine rohe und altertümliche Form des Brautraubes aufgefaßt, erklärt den Anteil, den der kriegerische Windgott an der deutschen Hochzeitsfeier hat. Dem Brautlaufe liegt der Gedanke zugrunde, daß die Frau durch Kraft und Geschicklichkeit ersiegt werden muß. Durch ungestümes Vorwärtseilen errang sich der Bräutigam beim Wettlaufe die Braut; von dem Gotte, der als der Schnellste und Siegreichste galt, dem unwiderstehlich dahinstürmenden Windgotte Wodan, erhoffte und erflehte er dabei Beistand und Hilfe. Darum ward Wodan als siegreicher Schützer des Brautlaufes und der Hochzeit angerufen, während man die eigentliche Weihe dem hammerbewehrten Donar zuschrieb. Braut- und Liebes-leute wandten sich an Wodan in feierlichem Hochzeitswunsche, und auf Gescheuken, die sie einander verehrten, ritzten sie wohl einen Segenswunsch ein: wie der Gott seine himmlische Gemahlin mit Eile und Ungestüm ersiegt habe, so möge er seinem irdischen Vertreter den eilenden Fuß beflügeln. Ein solcher alter Hochzeitswunsch ist uns auf der •sogenannten Nordendorfer Spange erhalten (Abb. 10, 11). Im Jahre 1843 stießen die Arbeiter beim Bau der Eisenbahn von Augsburg nach Donauwörth in der Nähe von Nordendorf auf menschliche Gebeine und mannigfache Schmuckgegenstände aus dem 6. oder 7. Jhd. Man hatte einen alten Kirchhof aufgefuuden: die Köpfe waren nach Westen, die Fußenden nach Osten zu gekehrt. Die Reste der Vergangenheit werden uns zu Zeugen des Glaubens und Lebens unserer Vorfahren.

Auf dieser Nordendorfer Spange stehen die Runen: RunenEine Gewandspange mit einem feierlichen Hochzeitswunsche darf als ein passendes Hochzeitsgeschenk angesehen werden, das die Braut dem Geliebten überreichte. In dem Spruche: Loga l>ore Wodan, wigi Thonar = ,,die Heirat ersiege, Wodan; weihe, Donar!“ sind Wodan und wigi, £>ore und ponar durch gleichen Anlaut gebunden: es ist ein aus zwei Kurzzeilen bestehender Langvers. Auch die Namen des alemannischen Liebespaares sind erhalten; von einer anderen Hand ist der Inschrift ein zweiter Teil zugefügt: „Awa hat die Spange dem Leubwini geschenkt.“ Und wie in den Zwölfnächten Wodan als Sankt Nikolaus mit breitkrämpigem Hute, oder als Schimmel oder Schimmelreiter erschien, für dessen Pferd die Kinder Heu und Hafer in ihre Schuhe steckten, die Alten eine Sache ins Freie stellten, so erschien im vorigen Jahrhundert in der Nacht zur Hochzeit „eine wodanähnliche Figur, ein Schimmelreiter mit rotem Mantel und breitkrämpigem Hut“

Aber Wodan blieb nicht mehr bloßer Naturgott, sondern er entwickelte sich zu einem Kulturgott im höchsten Sinne des Wortes. Bereits in historischer Zeit ist er bei den Istwäonen unter dem Einflüsse der von Süden und Norden her eindringenden Kultur zum Spender alles Segens, Gott des Rechtes, der Gewandtheit und der Erfindung, der Wissenschaft und der Dichtkunst geworden. Alles Schöne und Edle wird auf ihn übertragen, alles Hohe und Herrliche stammt von ihm, jeder Wunsch wird von ihm gewährt. Wie auf germanischen Denksteinen Tius mit der Victoria erscheint, so werden dem Wodan (Mercurius) und der Felicitas oder Fortuna von den Gardereitern Inschriften geweiht. War Wodans Speer ursprünglich der aus der nächtlichen Wolke geschleuderte Blitz, dann das Symbol des Schlachtengottes, so erhielt der Speerwurf jetzt auch rechtliche Bedeutung (S. 235). Regelmäßige Stöcke oder Pfähle wurden zur Landmessung in die Erde gestoßen und das abgesteckte Gebiet dem Schutze Wodans empfohlen; darum war Yönstoc (Vödenstoc, Wodans Stock oder Pfahl) im ags. ein Grenzmal, und wenn in den Niederlanden ein gewisses Handmaß oder die Spanne Woenslett (Woedensglied) heißt, so erscheint auch in dieser Anwendung Wodan als Gott des Maßes.

Er wird selbst als König der Götter angerufen: ein Bataver Blesio weiht dem Mercurius rex (dem Könige Wodan) einen Stein, der am Ufer der Waal gefunden ist, und auf einer anderen, bei Aachen gefundenen Inschrift wird Wodan Mercurius \Leudisio genanut, Herrscher über alles und alle.

Vom Rhein aus erobert sieh Wodan seine Macht und Stellung, ursprünglich dem Himmelsgotte Tius untergeordnet, dann mit ihm sich in die Herrschaft teilend und endlich unbestritten der alleinige Gebieter der Götter und Menschen. Tacitus versichert, daß die Deutschen vorzüglich den Mercurius, Hercules (Donar) und Mars (Tius) verehrten. Aus den allgemeinen Andeutungen geht hervor, daß Wodan wie Tius dem Kriege Vorstand. Die vornehmsten Opfer waren Menschenopfer, und diese fielen dem Mercurius (Germ. 9, Ann. 1357). Die Anwendung klassischer Namen auf deutsche Götter, die interpretatio Roniana, verbreitete sich allgemein und wurde von den lateinischen Schriftstellern der folgenden Jahrhunderte mit genauer Übereinstimmung beibehalten. Paulus Diaconus sagt: Wodan, den sie mit vorgeschlagenem Buchstaben GWodan nennen, ist derselbe, der bei den Römern Mercurius heißt. Die Alemannen opferten ihrem Wodan, den andere Mercur nennen (Jon. v. Bobbio); Mars und Mercur sind die Götter, zu denen Chlodovech betet (S. 211). Hengist und Horsa verehren besonders den Mercur, der in der heimischen Sprache Wodan heiße. Die Deutschen nannten den vierten Wochentag, den Tag des Mercur (frz. Mercredi) nach ihrem Gotte Wodan: noch heute heißt der Mittwoch ndd. Gudenstag, engl. Wednesday, ags. Vödenes däg, holländ. Woensdag. Wenn die Römer Wodan mit Mercur Wiedergaben, so mag Tacitus immerhin die Stelle Casars vorgeschwebt haben, daß die Gallier eine an Mercur gemahnende Gottheit verehrt hätten (b. g. 617), und ihre Kenntnis des gallischen Mercur (keltisch Lug) mag bei ihrer Verdolmetschung mitgewirkt haben, aber als tatsächlicher Bestand bleibt doch, daß Wodan eine Gottheit war ähnlich dem aus Hermes entwickelten Mercur, geistig rührig, überall in das Leben eingreifend, ein Förderer des Verkehrs, gewandt in Rede und Wort. Hermes und Wodan sind Windgötter, Schnelligkeit und Kraft sind beiden gemeinsam. Wie Wodan seine Lieblinge auf sein Götterroß hebt, so trägt Hermes den Ganymed in den Himmel empor. Beide wehren Krankheiten ab, schützen die Flur und die Herde und sind Führer des Totenheeres. Dem wilden Jäger entspricht Hermes diäxioQos (dtdwco* wegtreiben, jagen). Beiden sind Berge heilig, und auch Hermes ist in einer Gebirgshöhle verborgen. Wie dem Hermes das erste und beste Los heilig ist, so gilt Wodan als Erfinder der Losrunen und Glücksspiele. Wie Hermes trägt Wodan den breitrandigen Hut und den wallenden Mantel.

Tacitus hat bei seiner Schilderung der Deutschen vorzüglich die rheinischen Völker im Auge. Am untern Rheine waren die Germanen zuerst mit der keltischen und dann mit der römischen Kultur in Berührung getreten. Noch als Nomaden waren die Istwäonen mit ihren Herden iu das zur Weidewirtschaft geeignete Keltenland hinabgestiegen und hatten sich in den Häusern und geschlossenen Einzelhöfen der Kelten festgesetzt. Während sonst das germanische Dorf mit seinen Häusern und Gäßchen, den ringsumgebenden Ackerfluren, dem umfangreichen Wiesen-, Weide-und Waldland den Siegeszug der Deutschen bis in das Herz Galliens begleitet, sind die Einzelhöfe keltischen Ursprunges. Als die Istwäonen in das keltische Gebiet eindrangen, wurden die bisherigen Besitzer, soweit sie nicht entflohen oder umkamen, ihre Sklaven oder Liten. Diese keltisch-germanische Mischkultur der Istwäonen trat in der Zeit zwischen Cäsar und Tacitus durch die Feldzüge des Drusus, Tiberius, Varus und Germa-nicus mit der noch höher entwickelten römischen Kultur in Beziehung. In Krieg und Frieden, Rechtspflege und Handelsverkehr waren Berührungen zwischen Germanen und Römern unvermeidlich; acht römische Legionen lagen zur Zeit des Tiberius am Rhein. So ward dem Lande und seiner Kultur vornehmlich ein militärischer Charakter gegeben, aber auch die Namen der Wochentage, der Monate, das Alphabet drangen von Rom aus an den Rhein. Als Tiwaz Istwaz bei den Rheinländern von Wodan verdrängt wurde, ward Wodan der Träger dieser höheren Kultur. Ausbildung der Kriegskunst und bessere Bewaffnung, Beredsamkeit und höheres Wissen, Gewandtheit und Erfindungsgabe verdankte man ihm. Der Gott selbst zeigt jetzt kriegerisches, ritterliches Gepräge: er führt den Speer oder das Schwert, sprengt auf mutigem Roh einher, die Brust bedeckt mit goldener Brünne. Waren die istw. Marsen noch zur Zeit des Germanicus (14 u. Chr.). Pfleger des Heiligtums des Tius und der Tanfana, so wurden die gleichfalls istw. Ansiwaren, nördlich der Sieg, die Wahrer und Hüter des istw. Ans- oder Wodandienstes und errangen unter den Istwäonen die führende Stellung. Schon Tacitus deutet an, daß sie ein gewisses Stammesansehen genossen, Adel und Königsgeschlecht der ripuarischen Franken sind ansiwarisch, anscheinend auch die Familie der Pippiniden. Julian muß gegen die Franken, die „auch Ansiwari heißen^, über den Rhein zu Felde ziehen, die Nachricht des Tacitus von ihrer Vernichtung ist also ein Irrtum (Ann. 1356; D. S. 366); von ihrem Lande nördlich der Sieg begründeten die Ansiwari die Macht des ripuarischen Frankenreiches.

Von den istw. Stämmen rückt der Haupt- und Kulturgott Wodan zu den andern deutschen Stämmen vor und nimmt auch bei ihnen die Stelle des Tius ein. Charakteristisch für Wodans Vordringen ist die Geschichte seines Stammes. Während die got. Amelungensage die Macht und Herrlichkeit der Treue preist, zeigt die rheinische Nibelungensage das zerstörende Wirken der Untreue. „Den Franken ist es erb und eigen, lachend das Treuwort zu brechen“ (Vopiscus): keine Hindernisse schrecken das merovingische Königsgeschlecht von seinem Ziele, der Alleinherrschaft, zurück, in blutigen, rücksichtslosen Kämpfen wird das Königs- und Adelsgeschlecht ausgerottet, auch nach Einführung des Christentums wuchern Verrat und Mord in unerhörten Greueltaten fort, aber ein deutsches Land nach dem andern unterwirft sich dem salischen Eroberungstriebe, dessen unersättlicher Vertreter Chlodovech ist, bis sich in ungeahntem Glanze das fränkische Reich erhebt. So erobert der Götterkönig Wodan einen Stamm nach dem andern in unvergleichlichem Siegeszuge, die Ingwäonen wie die Erminonen, und drückt seinen Namen und sein Gepräge so unauslöschlich fest auf die deutsche Geistesbildung, daß Wodan als die Verkörperung des deutschen Glaubens gelten darf. Der dichterische, fürstliche, siegreiche Wodan, der unbestrittene Göttervater und Götterherrscher dringt nach Norddeutschland zu den Sachsen und Langobarden und zu den Nordgermanen; hier ist er in seinem vollen Glanze erhalten. Noch bevor die Langobarden .ihre alten Wohnsitze an der untern Elbe verließen, muß Wodan ihr Hauptgott gewesen sein. Aber auch bei den ost-germ. Vandalen muß er damals schon seinen Siegeseinzug gehalten haben. Mindestens gleichzeitig, wenn nicht schon früher, haben ihn auch die Sachsen verehrt. Wie fest hier seine Verehrung wurzelt, bezeugen die ags. Königsgenealogien, die ins 5. Jhd. zurückreichen, die Abschwürungsformel noch aus dem 8. Jhd., und das Verzeichnis heidnischer und abergläubischer Gebräuche und Meinungen aus der Zeit Karls des Großen. Wodansopfer und Wodansheiligtümer werden in ihm verboten, sowie Wochentage (den Mittwoch) ihm zu Ehren vor den übrigen auszuzeichuen (Indiculus Nr. 8; 20). Eine Musterpredigt aus derselben Zeit verbietet Opfer, die dem Donar und Wodan über Felsen, an Quellen, an Bäumen dargebracht werden, und die heidnische Mittwochfeier. Den Nordfriesen heißt der Mittwoch noch heute Winjsday, Winsday = Wodanstag. In Mitteldeutschland verehren ihn die Thüringer als den höchsten zauber- und heilkundigen Gott, in Hessen und Thüringen findet sich ein Wodensberg. Selbst den suebischen Bauern in Spanien galt im 6. Jhd. der Mittwoch als Wodanstag für besonders heilig, an dem man nicht arbeiten dürfte (Mart. v. Bracara, S. 247). Es fällt daher nicht allzuschwer ins Gewicht, daß auf süddeutschem Boden ein Wuotanestac nicht belegt ist (S. 184). Denn die Nordendorfer Spange, der Eigenname Wuotan, der 17mal im 9. Jhd. vorkommt, die Glosse wötandyrannus, das Zeugnis des Jonas von Bobbio und der Miracula Apollinaris (S. 251) beweisen, daß Wodan in Oberdeutschland keineswegs bloßer Nacht- und Windgott wie im Münchener Nachtsegen öder gar nur ein Dämon war. Die Angabe des Langobarden Paulus Diaconus wäre unbegreiflich, wenn gerade die nächsten Grenznachbarn seines Stammes, Alemannen und Bayern, eine so auffällige Ausnahme gebildet hätten. Paulus Diaconus wird mit Recht für die Zeit vor der Bekehrung behaupten: Wodan wird von allen Stämmen Germaniens als Gott verehrt.

Germanenherz aus dem Buch: Deutsche mythologie in gemeinverständlicher darstellung (Paul Herrmann 1906).

ergänzende Beiträge

Julfesten

Germanenherz Julfesten

Wenn durchs Land der Herbstwind pfeift, sind schon Berg und Tal bereift,
dann wendet sich mit frohem Sinn, unser Herz zur Julzeit hin:
Herbststürme brausen, grau das Himmelszelt,
wir harren und hausen in unsrer dunklen Welt.
Kein Wettersturm ist uns zu hart; wir sind von Nordlands Art!

Hat der Julmond Schnee gebracht, freuen wir uns dieser Pracht.
Hei, frisch die Schneeschuh angeschnallt, uns ist kein Schnee zu kalt;
Schneestürme brausen über Wald und Feld,
wir schlittern und sausen durch unsre weiße Welt.
Kein Aufwärts ist zu steil, zu hart, wir sind von Nordlands Art!

Hat die Zeit uns wohlgetan, sehnen wir das Fest heran,
die Sonnenwend mit neuem Licht, das hell ins Finstre bricht:
Lichter erhellen jedes deutsche Haus, wo wir uns gesellen,
bei Wetter, Sturm und Braus, ums heilge Feuer froh geschart,
wir sind von Nordlands Art!

Das Julfest ist ein nordeuropäisches Fest der Wintersonnenwende. Es ist eines der 8 Jahreskreisfeste der alten Germanen. Wintersonnenwende – Das große germanische Fest Rauch von Holz und Harz liegt in der Luft ich atme ein den verlockenden Duft Yulezeit ist da,… Weiterlesen

Wintersonnenwende – Das große germanische Fest

Rauch von Holz und Harz liegt in der Luft ich atme ein den verlockenden Duft Yulezeit ist da, Yulezeit ist da Im tiefsten Winter, so einsam die Nacht die Sonne wendet und Balder erwacht Stellt das Sonnenrad auf, stellt das Sonnenrad auf … Weiterlesen

Julfesten

Das Julfest ist ein nordeuropäisches Fest der Wintersonnenwende.
Es ist eines der 8 Jahreskreisfeste der alten Germanen.
Germanenherz Julfesten

Wintersonnenwende – Das große germanische Fest

Rauch von Holz und Harz liegt in der Luft
ich atme ein den verlockenden Duft
Yulezeit ist da, Yulezeit ist da
Im tiefsten Winter, so einsam die Nacht
die Sonne wendet und Balder erwacht
Stellt das Sonnenrad auf, stellt das Sonnenrad auf

Der Tannenbaum in seiner Pracht
Der Yuleast lodert hell durch die Nacht
Stimmungsvolle Ruh, stimmungsvolle Ruh

Das Licht am Himmel die Hoffnung bringt
und Thor wild seinen Hammer schwingt
Kraft fürs kommende Jahr, Kraft fürs kommende Jahr

Frey und Freyas Sinnlichkeit
Bringt Liebe, Lust und Fruchtbarkeit
Leben wird weitergehn, Leben wird weitergehn

Oh, Wintersonne das Fest für sie
Med, Korn und das Blut unsere Gaben an sie
Auf ewige Wiederkehr, auf ewige Wiederkehr

In den skandinavischen Sprachen heißt Weihnachten heute noch Jul, im Englischen besteht der Begriff Yule und im Nordfriesischen heißt es Jül.
Schon lange, bevor es das Christentum gab, spielte die Zeit rund um den 24. Dezember eine wichtige Rolle bei vielen keltischen und germanischen Völkern. Zur Zeit der Wintersonnenwende, also am 21. Dezember, feierte man dem germanischen Allvater Odin zu Ehren – das Julfest. Um den heidnischen Völkern den Übergang zum Christentum zu erleichtern, war es durchaus üblich, wichtige Feiertage in der Nähe der heidnischen Feiertage anzusiedeln. Ähnlich wie beim Osterfest wurde Weihnachten also gezielt auf das Julfest gelegt.

Vor allem in Skandinavien sind viele der mittelalterlichen Bräuche erhalten geblieben und werden heute beim allgemeinen christlichen Weihnachten, was dort auch immer noch „Jul“ heißt, gepflegt. Man wünscht sich „God Jul“. Auch ist dort der Julbock erhalten geblieben, der meist unter dem Weihnachtsbaum aufgestellt wird und die Geschenke trägt.

Der eigentliche Mittelpunkt am Weihnachtsabend ist das gemeinsame Essen. Nach dem Nachtisch werden die „Julklapp“-Päckchen aus den Verstecken geholt. Beim Brauch des Julklapp wird ein in vielen Hüllen gepacktes Geschenk in den Raum geworfen und dabei „Julklapp! Julklapp!“ gerufen. Bei diesen Geschenken ist weniger der materielle Wert von Bedeutung als die Kleinigkeit oder der Vers, der immer in positiver oder negativer Hinsicht auf die Person des Beschenkten ausgerichtet ist. Keiner darf auspacken, ohne das Verschen vorzulesen. Wenn sich das Gelächter über diese Reimchen gelegt hat, wenn die Geschenke begutachtet und bewundert worden sind, dann wird um den Weihnachtsbaum getanzt.

Hohe Nacht der klaren Sterne

Hohe Nacht der klaren Sterne,
Die wie weite Brücken stehn
Über einer tiefen Ferne,
D’rüber unsre Herzen geh’n

Hohe Nacht mit großen Feuern,
Die auf allen Bergen sind,
Heut‘ muß sich die Erd‘ erneuern,
Wie ein junggeboren Kind!

Mütter, euch sind alle Feuer,
Alle Sterne aufgestellt;
Mütter, tief in euren Herzen
Schlägt das Herz der weiten Welt!

Am ersten Weihnachtstag geht es zur Kirche, dabei säumen brennende Kerzen in den Fenstern der Landgemeinden den Weg. Dieser Tag ist im Gegensatz zu den vorherigen eher ruhig und beschaulich. Die Nachbarn und Bekannten besuchen einander, die Kinder beschäftigen sich mit den neuen Spielsachen oder ziehen von Haus zu Haus und wünschen „God Jul“

JUL ist ein Fest des Lichtes, der Freude und der Hoffnung – es bildet den Höhepunkt der dunklen Zeit, und in dieser längsten Nacht des Jahres erfüllt sich das Versprechen der Wiedergeburt.

Die Umwelt erscheint leblos, Wasser ist zu Eis gefroren, Schnee bedeckt die Landschaft, die Bäume sind kahl. Doch in dieser Nacht steigt das Licht wieder auf und alles wird wiedergeboren. Die Nächte werden kürzer und was tot und regungslos erscheint wird wieder erwachen.

Das Julfest vereinigt Sonnen- , Toten- und Fruchtbarkeitsriten und symbolische Handlungen zur Neuaktivierung menschlicher und natürlicher Kräfte.

Die ursprüngliche Bedeutung hat nichts mit dem Geburtstag Herrn Christus in Betlehem zutun, sondern geht zurück auf den archaischen Sonnenkult der Urvölker.

Bereits Jahrhunderte vor der Ausbreitung des Christentums war das Weihnachtsfest in allen indogermanischen Regionen und auch anderorts verbreitet. Die Griechen feierten die Geburt des Lichtgottes „Soter“, die Phrygier nannten ihren Sonnengott „Artis“, die Sryrer „Thamuz“, und die Iraner feierten wie die alten Römer die Ankunft ihres Licht– und Sonnengottes „Mithras“. Die Römer drückten mit ihrem „Sol invictus“, was „unbesiegter Sonnengott“ bedeutet, besonders eindruckvoll ihre Ehrerbietung für das Starke und Kräftige aus. Bei den Germanen und Kelten war dieses Fest unter den Namen „Jul“ bzw. „Yule“ bekannt, wobei konkret hier in Mitteleuropa der Begriff „Wintersonnenwende“ gebräuchlich war.

germanenwalkerFür die Nordgermanen hatte die Wiederkehr des Lichts jedoch eine ganz andere eindringlichere Bedeutung als für Mitteleuropäer. Bereits mit Samhain, der Nacht der Toten beginnt zu Ende Oktober die Dunkle Zeit des Jahres. Bedingt durch das raue, harte Klima und die strengen Winter bedeutete das Ende des Winters nichts anderes als das Überleben der Menschen im hohen Norden zu sichern. Denn die Vorräte gingen langsam zu Ende und ohne Sonnenlicht, lag der Ackerbau und Viehzucht, also die Lebensgrundlage der Nordmänner brach. Der bekannteste römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtete im ersten Jahrhundert nach der Zeitenwende, dass die Germanen die Weihnachtszeit für ein großes Festmahl mit allerlei Spielen nutzen. Der griechische Geschichtsschreiber Prokop berichtete dazu, dass im 6.Jahrhundert die Nordleute zu dieser Zeit Boten auf die höchsten Berge schickten, um nach der wiederkehrenden Sonne Ausschau zu halten. Am 21.Dezember hat die Nacht den Höhepunkt des Jahres erreicht, denn ab jetzt nimmt das Sonnenlicht wieder zu. Die Wiederkehr der Sonne wurde dann mit Julfeuern und brennenden Räder gefeiert, von denen letztere ins Tal gerollt wurden.

Das heidnische Jahr, dass sich an Mond und Sonne orientierte hat jeweils 4 Hoch– und 4 Jahresfeste, wobei zwei davon immer, im Abstand von ungefähr einem halben Jahr zusammengehören. So entspricht die Wintersonnenwende, die bedingt durch den Stand der Gestirne traditionell auf den 21.Dezember fällt, der Sommersonnenwende am 21.Juni. Auch ist hier schon in der heidnischem Monatsbezeichnung „Julmond“ für Dezember, die immense Bedeutung des Lichtfestes für den germanischen Menschen erkennbar.

Der Begriff „Weihnachten“ weist in dieser From bereits auf seine Mehrzahl hin und besitzt Assoziationen zum altdeutschen Begriff „wjh“, was „heilig“ bedeutet. Daher erfolgte auch die Ableitung zur „Heiligen Nacht“. Weihnachten umfasst einen Zeitraum von genau 11 Tagen und 12 Nächten. Diese „Stille Zeit“ liegt zwischen dem alten Mondjahr und dem neuen Sonnenjahr. Erklären läßt sich das astronomisch folgendermaßen: ca. 365 mal dreht sich die Erde um ihre eigene Achse, während sie die Sonne umkreist. Auch der Mond dreht sich um sich selbst, jedoch rascher als unser Heimatplanet. So braucht der Mond exakt 29,5 Tage für seine Umkreisung der Erde. Nun ergibt sich rein rechnerisch ein Unterschied zwischen Mond- und Sonnenjahr. Denn 12mal 29,5 Tage ergeben 354 Tage anstatt 365. Deshalb wird die Zeit zwischen 21.Dezember und 1.Januar weder zum alten noch zum neuen Jahr hinzugerechnet, sondern stellt eine Art Zwischenstadium da. In dieser „Toten Zeit“ soll die Arbeit ruhen, die Menschen sich besinnen und im Kreise der Familie und Sippe die Wiederkehr des Lichts feiern.

Diese „Zwölften“ wurden auch die Rauhnächte genannt, in denen sich z.B. die Mythen und Märchen der „Frau Holle“ und „die wilde Jagd Wotan – Odins“ abspielen. Aus dieser „Frau Holle“ wurde mit der Zeit die Totengöttin „Hel“, „Hella“ bzw. „Percht“, da Kälte und Winter mit dem Tod in Verbindung gebracht wurden. Wobei diese Verbindung nicht nur eine negative Seite hatte sondern auch eine äußerst positive, da so der Weg frei für neues Leben wurde. Hel ist somit nicht nur Toten– sondern auch Schutzgöttin, doch woran wir bei ihr sind, bleibt uns verborgen, verhehlt.

images (13)Das Märchen „Frau Holle“ von den Gebrüdern Grimm handelt von den Personen Goldmarie und Pechmarie. Die fleißige Spinnerin Goldmarie wird für ihre Taten belohnt, wobei im Gegenzug Pechmarie für ihre bequeme und oberflächliche Wesensart bestraft wird. Ab dem 10. Jahrhundert wurde dann das Wort „Hel“ zu einer synonymen Bezeichnung für die Unterwelt, wobei dieser Begriff nicht negativ missverstanden werden darf. Erst die Kirche deutete diese Welt zum Qualort um und formte daraus die grausame Hölle für die „Sünder“. Durch das massive Kirchengeläut zu dieser Jahreszeit sollten die „bösen heidnischen Geister“ vertrieben werden. Im Gegenzug kann jeder klar erkennen, dass die Opfergaben unserer Vorfahren in Form von Äpfel, Nüsse und Honig wohl kaum geeignet gewesen wären zur Dämonenaustreibung.

sleipnirBei der wilden Jagd reitet der einäugige Sturm– und Kriegsgott des Göttergeschlechts der Asen auf seinen weißen achtfüßigen Schlachtross Sleipnir durch die Lüfte auf der Jagd nach dem Wild, vorzugsweise einem Eber. Begleitet wird er hierbei von seinen Raben Mugin und Munin („der Gedanke und die Erinnerung“) und seinen beiden Wölfen Geri und Freki („der Gierige und der Gefräßige“). Auf dieser ewigen Jagd, die sich jedes Jahr wiederholt, benutzt er vorzugsweise seinen Speer Gungnir, der niemals sein Ziel verfehlt und wird sowohl von den gefallenen Krieger die in Walhalla residieren begleitet, genannt die Einherier, als auch von einigen wenigen auserwählten sterblichen Helden. Odins Wilde Jagd besitzt äußert vielseitige Züge auf die hier leider aus Gründen der besseren Übersichtlichkeit und Lesbarkeit nicht ausführlicher eingegangen werden kann. Generell ist die Jagd jedoch als ein Sinnbild für die Toten– und Ahnenverehrung zu verstehen, die aber selbstverständlich auch den Fruchtbarkeitskult in Form von Streben nach Wachstum miteinschließt. Ebenfalls wurde zur Feier des Anlasses ein eignes Julbier für diese Jahrzeit hergestellt sowie mit reichlich Kerzen– und Lichterschmuck, Symbolgebäck, warmen Met und einem Festtagsschmaus (z.B. „Julgalt“ (Weihnachtseber) und „Jultupp“ (Weihnachtshahn) die Rückkehr der Sonne herbeigesehnt.

Ich habe mein am 07.12 schon aufgestellt,.

Ich habe mein schon aufgestellt,

Nicht zu vergessen ist natürlich auch der obligatorische Weihnachtsbaum. Unsere Vorfahren hatten sei jeher große Bewunderung für die einzigartige Baum– und Pflanzenwelt. So wurden in heiligen Hainen Feiern abgehalten, dem Donner– und Fruchtbarkeitsgott Thor die Eiche geweiht und die großen Versammlungen – Things genannt – unter einem großen Baum abgehalten. Auch in der nordischen Mythologie stellt der Baum als wunderbares Sinnbild für die Einzigartigkeit der Natur den Beginn des Menschengeschlechtes dar. Besondere Bedeutung fällt hier auch der Esche zu, denn der germanische Weltenbaum Yggdrasil stellt die Basis der nordischen Kosmologie da. Somit war es eigentlich nur logisch, auch zu solch einen bedeutenden Fest wie Jul, den Baumkult beizubehalten. Auch der Lichterkranz (bzw. Adventkranz) ist in seiner ursprünglichen Form ein heidnischer Kultgegenstand. Er ist in seiner Funktion vergleichbar mit einem Grabkranz und diente somit ebenfalls der Toten– und Ahnenverehrung. Auch die Vorgehensweise war eine andere: Heute wird am 1.Advent eine Kerze angezündet und dies gesteigert bis zum 4.Advent, wo dann alle vier Kerzen brennen. Früher war es jedoch genau anders herum: Es wurde mit 4 Kerzen begonnen und mit zunehmender Abnahme des Lichts erlosch jeweils eine weitere Kerze, um so die zunehmende Macht der Dunkelheit passend untermalen zu können, bevor dann an Jul, die Wiederkehr des Lichts in allen möglichen Formen gefeiert werden konnte.
Zurück zu der Beziehung zum Christentum: Wie kam es dann eigentlich dazu, dass heute Weihnachten für ein christliches Fest gehalten wird? Ganz einfach: Die hohen Würdenträger der Kirche machten sich Gedanken, wie man die ungläubigen Heiden doch am besten zum Christentum hin bekehren könne. Da kam ihnen die Wintersonnwendfeier, welche ja im ganzen Abendland verbreitet war, gerade recht. Entstehungsgeschichtlich wurde dann zum ersten mal im Jahre 325 Weihnachten im christlichen Festverzeichnis erwähnt. Papst Julius, welcher in den Jahren 337 bis 354 die Macht inne hat, legte den Geburtstag des Zimmermanns dann willkürlich auf den 25. Dezember. Willkürlich deshalb, da in den ältesten Urkunden der Christenheit, ganz andere Monate bzw. Tage in Erwähnung gezogen wurden. Also wieso nicht gleich „zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, dachte sich dann wohl auch die Kirche…

Viele der obigen Mythen, Bräuchen und Geschichten sind nicht immer leicht zu verstehen. Um hier mit einem Zitat von Björn Ulbrich aus „Die geweihten Nächte“ zu schließen: «Wie nähern uns ehrfürchtig in Bildern von magischer, übersinnlicher Faszination. Übersinnlich bedeutet: mit den Sinn nicht vollständig zu erfassen. Das heißt nicht „übernatürlich“, denn es gibt nichts außerhalb der Natur. Die Natur ist allumfassend, ewig, göttlich.» Quellen: – Björn Ulbrich, Holger Gerwin, aus „Die Geweihten Nächte“ und hier  http://totoweise.wordpress.com/2012/12/21/wintersonnenwende-das-grose-germanische-fest/ und hier http://totoweise.wordpress.com/2011/12/23/besinnliches-weihnachts-julfest-2011/

Ich wünsche allen “God Jul” euer Geist der Zeit, Toto / Germanenherz / Totoweise

ergänzend

06.12 Wodan Ruprecht (Hruodpercht) Wodanstag

Die deutsche Weihnacht ist eine Verschmelzung des christlichen Jesusglaubens mit der germanischen Tradition (Nordlands Art!), da durch die Zwangs-Christianisierung Germaniens das Julfest abgelöst werden sollte. Die Jul-Tradition war derart tief in der völkischen Kultur der Germanen verwurzelt, daß die römische Kirche, wie auch beim Ostara-Fest, eine zuerst beabsichtige Auslöschung verwarf und daraufhin die Julzeit umdeutete … Weiterlesen

Magische Nächte. Die 12 Rauhnächte

Die 12 Rauhnächte Die zwölf Nächte am Ende des Jahres und die mit ihnen verknüpften Mysterien gehen bis in die Antike zurück. Sie haben sowohl römische als auch germanische und sogar indische, japanische und chinesische Wurzeln, und auch heute noch finden sie vielerorts im Brauchtum Beachtung. Nach uralten Überlieferungen suchen zu dieser Zeit die Seelen … Weiterlesen

Runen Rad Runen Rat

https://germanenherz.files.wordpress.com/2017/01/runen-rad.gifRunen sind nicht einfach nur Schriftzeichen. Es sind Symbole, die Kraft beinhalten und diese auch übertragen können. Jeder Rune sind bestimmte Eigenschaften zugeordnet, die man durch die Darstellung des jeweiligen Symbols in Schrift oder Klang oder Körperhaltung freisetzen kann. Runen sind wie Schlüssel zu bestimmten Energien… wenn du weist wie du Energie lenken und kanalisieren kannst, dann musst du eigentlich nur den Schlüssel betätigen (durch die fuer dich passendste Methode) , dir Zugang zu dem Energie-Feld „hinter“ der Rune verschaffen. weiterlesen

Runen 24er futhark

Die theoretische Magie als Grundlage der Runenmagie

Die Runenmagie wird wohl am ehesten von den verschiedenen magischen Richtungen mit der Alten Sitte in Verbindung gebracht und wohl auch von nicht wenigen Menschen betrieben. Runenmagie kann verschiedene Formen haben. Grundsätzlich soll sie so funktionieren, daß die Kraft der Rune (also das Energieprinzip, das die Rune verkörpert) angewandt wird. Runische Magie ist Zeichenmagie, das Zeichen, die Rune, wird ihrem Sinngehalt und ihrem magischen Potential entsprechend verwendet. Man kann sich das vielleicht so vorstellen, daß die Menschen früher die Energien, die sie wahrnahmen, mit Symbolen bezeichnet haben. In diesem Sinne stehen die Runen für bestimmte Energien, zu denen man einen Kanal öffnen und mit denen man arbeiten kann.
Fliegenpilze

Als einfachste Form magischer Runenanwendung ist wohl die Visualisierung zu nennen. Dabei wird die Rune mit ihren Kräften vor dem inneren Auge vorgestellt und sie kann dann auch projiziert werden, was bedeutet, daß man die visualisierte Kräfte auf ein Ziel hin aussendet. Wirksam ist hierbei die Form der Rune, wie sie als Bild erscheint, und gerade in bezug auf die Aussendung in Verbindung mit der gewünschten Wirkung der Rune, die man ebenfalls visualisieren kann. Man kann dies auch sehr gut dadurch unterstützen, daß man die Stellung (Stadha) der Rune einnimmt oder die Rune mit den Händen bildet. Als Beispiel für diese Anwendung könnte man die Heilung nennen.

Runen können aber auch gesprochen oder gesungen werden. Wirksam ist hier der Laut der Rune (was durch Stöður und Visualisierung unterstützt werden kann). Zaubergesänge allgemein werden als seið-læti bezeichnet, die Wortmagie in einem zeremoniellen, runischen Sinn als galdr; es existiert sogar ein eigenes Versmaß dafür, das galdralag. Durch Wiederholung der Worte / Strophen kann eine Verstärkung erreicht werden. Man verwendet hier entweder nur den Runennamen, den man intoniert, bzw. die Runenreihe, die man komplett singt, oder aber richtige Verse, in denen die Wirksamkeit der Runen sich manifestieren soll. Eine Galdr-Verfluchung wird als alög bezeichnet. Golther glaubt, daß „runo“ das Raunen oder Murmeln eines Zauberspruches bezeichnet, wohingegen galdr der eigentliche „Zaubergesang“ sei (also eine Form von Seiðr).

Die skeptische Frage, ob es Magie überhaupt gibt, ist äußerst unpräzise, so wie auch Glaube oder Nichtglaube an Magie weder richtig noch falsch sind. Es kommt dabei darauf an, was man eigentlich unter Magie versteht, und schon hier laufen die … Weiterlesen 

Der Jahreskreis und Jahreskreisfeste

Entstehung und Hintergrund des Jahreskreis und Jahreskreisfeste

Das Jahresrad mit je vier Sonnen- und Mondfesten

Das imponierende Schauspiel der Natur, das sich im Muster der Jahreszeiten wiederholt, hat immer eine große Auswirkung auf das Leben. In der Antike und im frühen Mittelalter, als die Menschen in Mittel- und Nordeuropa der Natur noch näher standen, fast alle Landwirtschaft betrieben und nur für ihr Überleben arbeiteten, waren sie sehr stark vom Jahreslauf abhängig, welcher ihr Leben prägte.

Die Jahreszeitenfeste waren die wichtigsten Ereignisse im bäuerlichen Jahresablauf. Sie bestimmten unter anderem die Zeitpunkte für Aussaat, Ernte und Viehtrieb, was für die landwirtschaftlich orientierte Gesellschaft lebenswichtig war. Deshalb genoß die Kraft dieses Musters allerhöchste Anerkennung. Rituale und Feste entwickelten sich, welche den heidnischen Glauben prägten, aber auch von ihm geprägt wurden. Wandel der Jahreszeiten

Dem Jahreszeitenzyklus war jede Tätigkeit auf dem Bauernhof (bishin zum Geschichtenerzählen) untergeordnet. Daraus resultierte die Beschaffung von Nahrung, Wärme, Kleidung, Vorräten und allem, was man zum Überleben brauchte. Das Zusammentreffen der jungen Leute, Werbung, Hochzeit und Familiengründung war ebenfalls saisonbedingt. Die glanzvollen Versammlungen zu den Jahreszeitenfesten mit ihren religiösen, politischen, sportlichen und künstlerischen Veranstaltungen und den Gelegenheiten zu Handel und Vergnügen belebten das Zugehörigkeitsgefühl und erneuerten periodisch den Zusammenhalt eines ganzen Volkes.

Diese Feste, welche den Wechsel und den Höhepunkt der Jahreszeiten feierten, waren so tief im Glauben der Heiden verwurzelt, daß sogar die christliche Kirche nicht anders konnte, als sie sich zu eigen zu machen, obwohl das ursprüngliche Christentum überhaupt keine Feiertage hatte und diese auch nicht wollte. Aber die christianisierten Menschen wollten an ihren heidnischen Bräuchen und Festen festhalten, die ihnen so viel Freude bereiteten.

Also blieb der Kirche nichts anderes übrig, als sich diese heidnischen Dinge zu eigen zu machen und mit einem christlichen Deckmantel zu verbrämen. Deshalb ähneln viele christliche Feiertage den heidnischen Jahresfesten in Zeitpunkt und Bräuchen sehr auffällig. Aber es ist im Grunde alles nur geklaut, um den „missionierten“ Menschen, welche ihre geliebten Traditionen nicht aufgeben wollten, bei ihren Feiern einen christlichen Hintergrund aufzuzwingen.

Durch den Vorwurf der Teufelsanbetung versuchte man die Menschen vergeblich von den magischen Riten und traditionellen Bräuchen abzubringen, die aber in Wahrheit natürlich nichts mit dem Teufel zu tun hatten und nicht nur wesentlich älter als das Christentum waren, sondern selbstverständlich auch keinerlei Bezüge zu irgendwelchen von Christen erfundenen Kunstfiguren wie Gott oder Teufel hatten.

Es sind auch keine Parodien auf christliche Feste, denn sie sind viel älter, und man muß sich vor Augen halten, daß die Kirche von den Heiden abgeschaut hat und nicht umgekehrt. Außerdem würde ein solches Ansinnen einer „Schwarzen Messe“ gleichkommen, und so etwas ist nicht Sinn der heidnischen Jahresfeste, die mit der naturfeindlichen Religion des Christentums nichts zu tun haben und auch nichts zu tun haben wollen.

Sonnen- und Mondfeste

Das sich ewige Jahresrad dreht sich mit dem Lauf der Sonne. Im Winter (der „Jahresnacht“) wird sie nach heidnischem Glauben zur Sonnenwende neu geboren, wächst im Frühling (dem „Jahremorgen“) heran, erreicht im Sommer (dem „Jahresmittag“) mit der Sonnenwende ihren Höhepunkt, um im Herbst (dem „Jahresabend“) langsam zu vergehen, am Herbstende zu sterben und im Winter wiedergeborgen zu werden, ein ewiger Kreislauf. Die Drehung des Jahresrades ist zeitlos und endet nie.

Die acht große Jahresfeste, Hainfeste oder Sabbate unterteilen das Jahresrad in acht „Speichen“. Vier davon sind Sonnenfeste und werden als Nebenfeste angesehen. Sie werden an den astronomischen Eckdaten der Wende- und Höhepunkte der Sonnenumlaufbahn gefeiert und fallen daher auf ein festes Datum. Sonnenwenden (Solstitien) finden im Winter (21. Dezember) und im Sommer (21. Juni) und Tagundnachtgleichen (Äquinoktien) im Frühling (21. März) und im Herbst (23. September) statt. Tatsächlich mag das astronomische Sonnenereignis um ein oder zwei Tage von diesen Fixdaten abweichen, was an der kalendarischen Verschiebung durch die Schaltjahre liegt, da sie sich aber im Schnitt immer um die kalendarischen Fixdaten einpendeln, sollen diese Daten mythisch zum Feiern genügen.

Sonne Die vier Sonnenfeste stellen den Beginn und die materielle Manifestation der vier Hauptjahreszeiten dar. Sie machen den Anfang der Jahreszeiten als astronomisches Ereignis auf materieller Ebene wahrnehmbar. Auch im modernen Kalender kennzeichnen sie den Beginn der Jahreszeiten. Die Sonnenfeste sind germanischen Ursprungs.

Vollmond Neumond Die anderen vier Feiertage sind die Hauptfeste, und als Mondfeste, die immer zu einem bestimmten Voll- oder Neumond im Jahr begangen werden, sind sie entsprechend der jeweiligen Mondphasen bewegliche Feiertage, die jedes Jahr auf ein anderes Datum fallen, ähnlich wie heute Ostern. Die Mondfeste sind zwischen den Sonnenfesten angeordnet und wechseln sich mit diesen ab.

Sie kennzeichnen die Mitte, beziehungsweise den Höhepunkt einer Jahreszeit und haben landwirtschaftliche und mythologische Bedeutung, zum Beispiel die spirituelle Vorbereitung auf die nächste Jahreszeit. Die Mondfeste sind keltischen Ursprungs und wurden anfangs nur von den Kelten gefeiert. Wo sich keltische und germanische Kultur vermischten, wurden sie aber auch von den Germanen übernommen und gehören hier, auch wenn ihre geläufigen Namen aus Irland kommen, zur einheimischen heidnischen Tradition.

Ob und wann sich die germanische und die keltische Tradition durch Einwanderungen verband, ist nicht mehr feststellbar. Der Zyklus der acht Jahresfeste ist eigentlich ein relativ modernes Kunstprodukt aus den vier keltischen Mondfesten und den vier germanischen Sonnenfesten und wird erst seit ca. 150 Jahren von Okkultisten in dieser Kombination gefeiert. Aber er ist sehr kraftvoll. Die Gegenüberstellung des Mondes, der mit Attributen wie weiblich, Spiritualität, Emotion, Gefühl, Intuition und Passivität in Zusammenhang gebracht wird, mit der Sonne, die als männlich gilt, und der Materialität, Rationalität, Logik, Verstand und Aktivität zugeschrieben werden, stellt eine Polarität dar, im Jahresrad ein ewiger Wechsel und doch gleichzeitig eine untrennbare Einheit.

Die acht großen Jahresfeste sind im einzelnen:
Festname: Bedeutung: Datum:
Samhain Totenfest, Neumondfest um den 31. Oktober
Jul Mittwinter, Wintersonnenwendfest 21. Dezember
Imbolc Lichterfest, Vollmondfest um den 1. Februar
Ostara Frühlingsfest, Vogelfest, Frühlings-Äquinoktium (Sonnenfest) 21. März
Beltane Feuerfest, Vollmondfest um den 30. April
Litha Eichenfest, Mittsommer, Sommersonnenwendfest 21. Juni
Lughnasad Kornfest, Schnitterfest, Erntefest, Vollmondfest um den 31. Juli
Mabonad Herbstfest, Weinfest, Erntefest, Herbst-Äquinoktium (Sonnenfest) 23. September
Diese Feste werden im weiteren Verlauf noch detailliert beschrieben.

Zwischen jedem der einzelnen Feste liegt ein variabler Abstand von ungefähr sechseinhalb Wochen. Allgemein halten sich viele Kulturen daran, daß die Feiertage bei Sonnenuntergang anfangen und erst mit dem nächsten Sonnenuntergang enden. Daher beginnt zum Beispiel Jul am Abend des 21. Dezembers und läuft durch den Tag des 22. Dezembers bis zum Sonnenuntergang.

Die Ursprünge dessen sind bei den Germanen zu finden, denn bei ihnen begann jeder Zyklus mit Dunkelheit, und deshalb begann auch jeder neue Tag mit Einbruch der Nacht, also bei Sonnenuntergang, des vorherigen Tages und endete am Abend. So ist auch im Frankenland mitunter noch heute der Begriff „vürnächt“ für „vorgestern“ bekannt.

Ebenso begann der Mondmonat mit dem dunklen Neumond. Auch das Jahr begann nach demselben Prinzip mit der dunklen Hälfte, dem Winter, denn man glaubte, daß das Dunkel das Licht in die Welt setzt, der Tag aus der Nacht entsteht und, analog dazu, das Leben aus dem Tod. In keltischer Zeitrechnung begann das Jahr zu Samhain (um den 31. Oktober), in germanischer Tradition nach den Rauhnächten (3. Januar).

Die heutige Bedeutung heidnischer Feste

Ein Grundgedanke der heidnischen Jahresfeste ist der Einklang mit den Kreisläufen der Natur, deren wichtigster Zyklus der Kreis der Jahreszeiten ist. Spätestens seit der Zeit der Megalithenkultur, deren Bauten nach exakten astronomischen Berechnungen errichtet wurden (zum Beispiel Stonehenge), ist das heidnische Jahr ein Sonnenjahr, das durch die Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen gegliedert ist. Die Anfänge (Sonnenfeste) und Höhepunkte (Mondfeste) der vier Jahreszeiten gliedern das Jahr in acht Teile. Sie sind die „acht Speichen am Rad des Jahres“.

Doch welche Bedeutung haben die alten Jahreszeitenfeste mit ihren Natur- und Fruchtbarkeitsriten heute für einen modernen Menschen in einer technisierten Welt? Viele Menschen feiern heutzutage doch ganz andere Feste, zum Beispiel Weihnachten und Ostern, genießen den l. Mai als zusätzlichen Feiertag, und manche begehen außerdem kirchliche Feste wie Allerheiligen, Lichtmeß, Johannisnacht oder Erntedankfest. Was also hat man noch mit Sonnen- und Mondfesten zu tun, welche die Vegetationszyklen feiern?

All die eben aufgeführten Beispiele von Feiertagen sind in Wahrheit alte Jahreszeitenfeste germanischen und keltischen Ursprungs. Es waren tatsächlich heidnische Feiertage, welche von der Kirche zuerst bekämpft und verteufelt und dann, weil im Volk nicht ausrottbar, von dieser übernommen und mit einem christlichen Hintergrund versehen wurden. Aber viele der alten Bräuche haben die Zeiten überdauert.

Also schön, wenn man diese Feste ohnehin feiert, wenn vielleicht auch in anderer Form, dann ist ja alles in Ordnung – sollte man meinen. Außerdem erscheinen bäuerliche Fruchtbarkeitsriten als Relikte einer lang vergessenen Zeit und gehören nicht mehr in eine moderne Welt, in welcher alles jederzeit zur Verfügung steht, die Fruchtbarkeit der Erde durch Kunstdünger gelöst zu sein scheint und die Fruchtbarkeit des eigenen Körpers gar nicht immer erwünscht ist.

Es gibt aber Menschen, die sehen das ganz anders. Viele Anhänger des Heidentums, des Paganismus, des Asatru, des Wicca, des Hexentums und anderer heidnischen Strömungen betrachten die Jahresfeste als Ausdruck der Verbundenheit mit ihren Ahnen und deren keltisch-germanischer Tradition und mit der Natur und ihren Kräften und ihrem Kreislauf. Da sich nach dem magischen Grundsatz „wie oben, so unten“ der Makrokosmos Natur im Mikrokosmos Mensch widerspiegelt, kann der bewußtere Umgang mit der Natur eben auch etwas im Menschen selbst bewegen und seine eigenen Kräfte mobilisieren. Die heidnischen Jahresfeste sind eine schöne Möglichkeit dazu.

Was das Ganze nun mit den von der Kirche so verteufelten Fruchtbarkeitsriten zu tun hat, wird klar, wenn man sich vergegenwärtigt, was diese Riten den Menschen von damals oder den heute noch naturverbundenen Menschen bedeutet haben mögen. Die Theorie, daß die Riten und die Magie in einer Zeit oder Kulturstufe, in der die Menschen die wissenschaftlichen Zusammenhänge der Welt noch nicht durchschauen konnten, eine Form der vorwissenschaftlichen Weltbewältigung waren, kann man als längst überholt betrachten, auch wenn sie im 20. Jahrhundert in der populärwissenschaftlichen Literatur noch weit verbreitet war.

Einer wesentlich plausibleren, aber nicht endgültig zufriedenstellenden Theorie zufolge, versuchten die Menschen durch Sympathiemagie, die Fruchtbarkeit der Erde anzuregen und den Lauf der Gestirne in der Regel zu halten. Sympathiemagie findet dort statt, wo der Vollzug einer Handlung (Ritual) geschieht, um einen anderen ähnlich strukturierten Vorgang zu erzeugen oder zu verstärken, ohne kausal mit ihm verbunden zu sein. Ein Beispiel wäre, wenn Hexen auf Stecken oder Besen um ein Feld „reiten“ und dabei versuchen, möglichst hoch zu springen, damit das Korn ebenso hoch wachsen soll.

Der bisher wohl tiefgehendste Erklärungsversuch ist von neueren Ethnologen (Völkerkundlern) gemacht worden und geht davon aus, daß im Fest, im Kult, im Ritual für die Vollziehenden die gängige Realitätsauffassung und -erklärung außer Kraft gesetzt wird, daß der Mensch darin (und nicht nur darin) seine andere, seine unzivilisierte, unkonditionierte Seite erfahren kann und nur aus dieser Erfahrung heraus sich wirklich als „zivilisiert“, als ein in die Stammkultur integriertes Wesen erfahren kann.

Damit eng zusammen hängt auch die in Festen häufig auftretende Aufhebung aller oder doch vieler Tabus, wovon ein kümmerliches Relikt noch im heutigen Karneval zu finden ist. Das Tabu wird aber nicht zur persönlichen, ungehemmten Vergnügung der Einzelnen aufgehoben, wie oft unterstellt wird. Richtig zelebriert besteht der Einzelne nicht mehr im Zustand eines abgesondertes Bewußtsein, das sich „vergnügen“ könnte, sondern ist aufgelöst in den mythischen Zustand des Außer-der-Zeit-Seins, integriert in ein Gruppenbewußtsein.

So wertvoll dieser Versuch des Verstehens auch sein mag, so würde sich ein Mensch der damaligen Zeit in diesen Theorien wohl kaum selbst wiedererkennen. Das soll nicht bedeuten, daß die Theorien falsch seien, doch der in den Riten lebende Mensch hat eine mythische Denk-, Fühl-, und Erfahrungsweise, die durch theoretische Hilfskonstruktionen eben nur teilweise nachvollziehbar ist.

Doch können diese Theorien zumindest zeigen, daß der moderne Mensch, wie überlegen er sich auch fühlen mag, auf diesem Gebiet der Erfahrung seiner eigenen Ganzheit noch ein Neuling ist. Er hat sehr lange Reifeprozesse nachzuholen, denn seine magische Persönlichkeit, das Unbewußte, muß den weit davongelaufenen, vereinsamten Intellekt wieder einholen, sich mit ihm wieder zur voll integrierten Person vereinigen.

Damit soll natürlich die Wichtigkeit und Großartigkeit der intellektuellen Entwicklung nicht in Frage gestellt, sondern lediglich auf ihre Einseitigkeit hingewiesen werden. Die Frage ist nur, wie eine solche Ganzheit zu bewerkstelligen ist. Man kann ja nicht einfach beschließen, ab sofort wieder mythisch zu denken, und die Menschheit kann und sollte auch nicht wieder dahin zurück, wo sie (möglicherweise) vor über tausend Jahren war.

Den neuen Mythos wird den Menschen niemand schenken, und man kann ihn auch nicht einfach nachlesen. Man muß ihn sich selbst erarbeiten, ihn erfahren und erleben. Diese Arbeit kann einem niemand abnehmen, und man wird sie sich schon selbst machen müssen – wenn man es will.

Was Jahresfeste mit Magie zu tun habenhttps://germanenherz.files.wordpress.com/2019/09/germanenherz-runablack.jpg

Hinsichtlich Jahresfesten und damit verbundenen magischen Ritualen kommen sehr häufig zwei Irrtümer vor. Der erste ist die Behauptung, daß der moderne Mensch den Jahreskreis und das Erntejahr eigentlich gar nicht richtig nachvollziehen könne, schließlich arbeitet er ja nicht mehr unbedingt auf dem Feld und bezieht statt dessen seine Lebensmittel aus dem Supermarkt.

Sicherlich vergißt man dadurch häufig, wo das Essen wirklich herstammt, aber auch in früheren Zeiten gab es schon genügend Menschen, die keine Felder mehr bestellten, weil sie Handwerker, Soldaten, Priester oder an Adelshöfen tätig waren und somit ihre Nahrung nicht direkt durch ihre Arbeit erlangten. Diese haben die Feste jedoch auch schon mitgefeiert – allerdings muß man zugestehen, daß oftmals der Grund dafür der war, daß man außer Arbeit so gut wie keine Freizeit hatte, und man wenigstens zu den Festen andere Menschen treffen konnte, um Erfahrungen und Neuigkeiten auszutauschen oder jemanden kennenzulernen.

Der zweite Irrtum besteht in der Annahme, alle Menschen, die Jahresfeste feierten, hätten auch Rituale durchgeführt. Dies war aber – damals wie heute – eher den spirituell lebenden Menschen vorbehalten, nicht der breiten Masse. Schon immer übernahmen dies die Priester stellvertretend für die Allgemeinheit, oder die Magier verfolgten damit ihre eigenen Ziele. Auch diese Personen hatten meist mit dem eigentlichem Jahreslauf der bäuerlichen Ernte nur wenig zu tun.

Festrituale sind durchaus magische Rituale, aber sie unterscheiden sich von gewöhnlichen magischen Ritualen dadurch, daß sie nicht an einen übergeordnete Zweck gebunden sind. Ein magisches Ritual, bei dem ein Zauber gewirkt werden soll, dient immer dem Zweck der magischen Operation und ist daher auf diesen ausgerichtet. Bei einem Festritual ist dagegen das Ritual selbst der Zweck, und es werden auch magische Kräfte angerufen, aber es wird in der Regel kein konkreter Zauber im eigentlichen Sinne gewirkt.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, und man kann beides miteinander verbinden, aber normalerweise ist der Sinn eines Festes eben der, es zu feiern und der Zweck des Festrituals die Verbundenheit. Daher eignen sich Festrituale natürlich auch zum „Üben“ von Ritualen für den Anfänger, der sich vielleicht nicht gleich an „richtige“ magische Operationen heranwagen mag.

Das weitgehende Fehlen der Zweckgebundenheit an irgendwelche dahinter- oder darüberstehenden Ziele erschwert natürlich auch die Deutungsversuche überlieferter Traditionen, denn deuten kann man eben dann am besten, wenn irgendwelche über das Konkrete hinausgehende Zwecke unterstellt werden.

Wenn man die damaligen Menschen nach dem Grund ihrer Riten gefragt hätte, dann wären sicherlich manche Antworten gewesen, daß die Götter es so wollten oder daß auch die Vorväter jener Menschen das schon immer so gemacht haben etc. Dieser Haltung mag natürlich zum Teil auch mangelnde Reflexion zugrunde liegen, doch gibt sie ebenso wieder, daß solche Riten eben keinem Zweck mehr unterliegen, der über sie selbst hinausgeht.

Wie zum Beispiel ein Spiel keinen weiteren Zwecken unterworfen ist, so ist es auch das Festritual nicht. Und wer meint, ein Spiel wäre nur ein „Einüben der lebenswichtigen Verhaltensweisen der Erwachsenen“, der hat eben noch nie richtig gespielt. Im Ritual kann man in den völligen Freiraum der Seele gelangen, sozusagen „zwischen die Welten“, in einer eigentümlichen Wachheit eines veränderten Bewußtseins, welche die Magier als gnostische Trance bezeichnen.

Und in diesem Freiraum kann dann das Archetypische des Menschen erscheinen, kann eine tiefe innere Verbindung und Einbindung des Menschen in den universalen Rhythmus der Natur stattfinden, für manche auch zu den Göttern, die auch nur archetypische Charakterzüge des Menschen selbst verkörpern.

Eben durch das Fehlen eines übergeordneten Zweckes befreit sich der Mensch von seinen persönlichen Ansprüchen und Zielen und macht sich offen und bereit für ein Mitschwingen im großen Reigen der Natur, in dem er einfach so sein darf, wie er wirklich ist. Und es ist großartig, dieses bewußte Erleben mit Gleichgesinnten teilen zu können und gemeinsam zu feiern und sich daran zu erfreuen.

In diesem Zustand, der von außen besehen ein anderer Zustand des Bewußtseins sein mag, von „innen“ aber ein anderer Zustand der Welt ist, hat der Mensch die magische Einheit mit der Natur erreicht, und in dieser magischen Welt kann im gegenseitigen Mitschwingen auch der Natur ein anderer Impuls gegeben werden, so wie man eine riesige Glocke mit einem kleinen Stab zum Schwingen bringen kann, indem man sie im rechten Rhythmus immer wieder antippt.

So ist das Eintauchen in den Rhythmus der Natur auch ein Eintauchen in den Rhythmus der eigenen Seele und umgekehrt. Und daher sind die Jahresfeste nur sinnvoll in ihrer Geschlossenheit zu feiern. Ob man das eine oder andere Fest mehr oder weniger betont, ob man einen Zyklus von 4, 6 oder 8 Festen hat, ist dafür irrelevant.

Wichtig ist, daß ein Zyklus besteht, in dem nach Möglichkeit auch durchgehende rituelle Motive in ihren jeweiligen Veränderungen erhalten bleiben. Ein buntes Potpourri aus verschiedenen Traditionen tut es da langfristig nicht, denn der Organismus, die Natur und die Seele sind Ganzheiten, aus denen man nicht einfach Teile fort- oder unberücksichtigt lassen kann.

Durch den Lauf der Jahre kann dann auch der zyklische Lauf allen Seins erfahren werden, wird das gegenseitige Sich-Bedingen von Tod und Leben deutlich. Wenn aus den scheinbar abgestorbenen, dürren Ästen im Frühling wieder das leuchtende, frische Leben sprießt und im Herbst in seiner voll erblühten Fülle wieder in den sterbenden Moder des Waldbodens zurücksinkt, so ist dies ein Gleichnis, das keiner weiteren Erläuterung bedarf. So erfüllt sich die menschliche Sehnsucht nach Ewigkeit nicht im Warten auf eine ferne, nicht endende Zeit, sondern im völligen Eintauchen in den mythischen, zeitlosen Augenblick.

Die meisten modernen Menschen sind allem Rituellen und Zeremoniellen weitgehend entfremdet (worden). Die Jahresfeste sind ihrer ursprünglichen Inhalte überwiegend entkleidet und nur in wenigen Gegenden noch wirklich intakt. Zur Neubelebung muß man zunächst einmal darauf achten, daß man nicht einfach irgendwelche (angeblich) alten Riten nachzuahmen versucht, nur weil sie so schön alt sind und – vielleicht – von Kelten oder Germanen stammen oder von noch älteren Kulturen. Außerdem ist auch viel Unsinn darüber im Umlauf.

Ein schlichtes, selbstgemachtes Ritual, das einen wirklich innerlich berührt, ist viel sinnvoller als ein großartiges Theater, für dessen Verständnis man erst jahrelang üben muß. Nicht, daß es nicht darauf ankäme, wie ein Ritual aufgebaut und durchgeführt wird, aber die eigene Ergriffenheit ist es, die einen über die inneren Grenzen hinausträgt, nicht die geheimnisvollen Worte anderer.

So sollen auch die hier angebotenen Informationen nur als Anregungen dienen, auf die jeder seine eigenen Festrituale aufbauen kann. Solche Riten stellen dann auch eine willkommene Gelegenheit dar, die eigene Kreativität wieder zu beleben, und es spricht auch nichts gegen ziemlich ungeplante Rituale, in denen man sich ganz auf die eigene Spontaneität und Eingebung verläßt, wenn man in solchen Handlungen schon etwas zu Hause ist. Es ist immer gut, mit Symbolen sparsam umzugehen, nichts zu überladen – was man nicht versteht, lenkt nur vom Wichtigen ab. Und wenn möglich, sollte man auch Symbole und Handlungen benutzen, mit denen man wirklich etwas verbindet…..weiterlesen

Die acht Jahresfeste

Die im Folgenden aufgeführten Deutungsversuche der acht Jahresfeste und ihrer Riten basieren auf Überlieferungen, historischen Quellen, Interpretation heutiger traditioneller Bräuche, deren Auslegung durch verschiedene heidnische Strömungen und meiner eigenen Einschätzung ihrer Plausibilität. Die Ausführungen erheben also keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder gar Wissenschaftlichkeit.

Es sei jedem selbst überlassen, eine völlig andere Auffassung von seinen eigenen Festen und Ritualen zu haben und zu behalten. Die hier angesprochenen Aspekte sind nur als Anregungen für Möglichkeiten der Interpretation und des Begehens dieser Feste gedacht. Fertige Zeremonien werden hier ebensowenig vorgegeben wie vorgekaute Rituale. Geliefert wird lediglich ein mögliches Gerüst, das es selbst mit Inhalten zu füllen gilt.

Nach heidnischem Glauben ist der Jahreskreis mit dem Sonnenlauf verbunden, wobei für manche Heiden die Sonne den gehörnten Gott (männlich) und die Erde durch die Göttin (weiblich) repräsentiert wird. Im Wicca heißen der Gott Cerunnos und die Göttin Cerydwen, bei den Germanen sind es Balder oder Odin und Frigg. Diese Götter sind für die meisten aber eben nur Symbole, und für die atheistischen Heiden eben einfach Sonne und Erde.

Im Symbolismus des Jahresrades wird die Sonne zu Jul (Wintersonnenwende am 21. Dezember) in der dunkelsten Nacht des Jahres wiedergeboren. Ihre Kraft ist gering, und der Sonnengott noch ein Baby, das langsam heranwächst und von der Erde (der Göttin) mit der in ihr verbliebenen Sonnenkraft es alten Jahres genährt wird. Die Erde befindet sich als Göttin noch symbolisch in der sogenannten schwarzen Phase, wo sie als alte Frau dargestellt wird, die noch um die verstorbene Sonne trauert.

Zu Imbolc (um den 1. Februar) ist die Sonne merklich größer geworden, der Gott zum Knaben herangewachsen. Die Erde tritt als Göttin symbolisch in die sogenannte weiße Phase ein, in der sie als junges Mädchen dargestellt wird.

Zu Ostara (Tagundnachtgleiche am 21. März) ist die Sonne schon genauso stark wie die Dunkelheit. Der Gott ist zum Krieger herangereift, bekommt seine Waffen, und sein Kampf gegen die Dunkelheit beginnt sich zu seinen Gunsten zu wenden, wie man am überall sprießenden Grün des beginnenden Frühlings sieht. Zum ersten Mal begegnen sich Gott und Göttin in einem harmlosen, scheuen Werben.

Zu Beltane (um den 30. April) ist die Sonne der Dunkelheit überlegen, und der Sonnengott zum Mann ausgewachsen. Auch die Erde tritt als Göttin symbolisch in die sogenannte rote Phase ein, in der sie in der Gestalt einer fruchtbaren Frau dargestellt wird. Beide heiraten zu Beltane, vereinigen sich und zeugen eine neue Sonne (der Sonnengott zeugt sich sozusagen selbst, beziehungsweise seine nächste Inkarnation), die im Leib der Erde heranwächst.

Zu Litha (Sommersonnenwende am 21. Juni) ist die Sonne auf dem Höhepunkt ihrer Kraft und der Gott ausgewachsen. An diesem längsten Tag des Jahres triumphiert der Sonnengott über die Dunkelheit, aber er weiß, daß seine Tage gezählt sind, und indem er der Erde sein Kraft für die Ernte und das Kind gibt, wird sein Leben fortan langsam schwinden.

Zu Lughnasad (um den 31. Juli) beginnt die Erntezeit, und die Sonne brennt in dieser heißesten Zeit des Jahres für eine gute Ernte auf das Land. Der Sonnengott opfert seine Kraft und sich selbst der Erde und der Ernte und damit für die Menschen, damit diese mit der Sonnenkraft in der Erde, die in die Ernte übergeht, die dunkle Zeit des Winters überstehen können. Aber auch das im Leib der Göttin heranwachsende Sonnenkind erhält diese Kraft.

Zu Mabonad (Tagundnachtgleiche am 23. September) beginnt die Kraft der Sonne nachzulassen, und ab jetzt zeichnet sich der Sieg der Dunkelheit ab, denn die Nächte werden wieder länger als die Tage. Der Sonnengott opfert seine letzten Kräfte und sich selbst der Erde und der Ernte und bereitet sich langsam bis zum Spätherbst auf das Sterben vor. Derweil reift in der Erde (im Leib der Göttin) seine nächste Inkarnation heran und nährt sich ebenfalls von der nachlassenden Sonnenkraft.

Zu Samhain (um den 31. Oktober) stirbt die Sonne (der Sonnengott), und die dunkle Jahreshälfte beginnt. Die Erde tritt als Göttin in die sogenannte schwarze Phase ein und wird als alte Frau dargestellt, die um ihren verlorenen Sohn trauert. Damit hat sich der Jahreskreis geschlossen, und der Zyklus beginnt von Neuem, während die Sonne auf ihre Wiedergeburt zu Jul wartet.

Man kann sich darüber streiten, welches Fest das erste im Jahresrad sein soll. Allgemein geht die keltische Auffassung davon aus, daß zu Samhain das neue Jahr beginnt, daher ist es bei den Kelten auch das erste Fest. Bei den Germanen ist teilweise Jul der erste Festtag, da nun die Sonne wiedergeboren wird, teilweise aber auch erst Imbolc, da Jul noch zum alten Jahr gehört und das neue Jahr erst nach den Rauhnächten anfängt. Daß auf dieser Seite mit Samhain begonnen wird, ist nicht Ausdruck der Nähe zur keltischen Tradition, sondern liegt einfach daran, daß sich diese Zählweise einfach am häufigsten in Heidenkreisen wiederfindet. Das kann aber jeder so halten, wie er mag.

 Ostara Segen und ein paar Worte zu Ostern / OstaraOstara Segen und ein paar Worte zu Ostern / Ostara Aus Winters Gewalt erwacht die Erde, Erhebt sich in Herrlichkeit Hunderter Arten, Grünend im Glanz der jungen Göttin, Die aufsteht von Ostara. Gewähre Wachstum und Wohlgedeihen, Kraft deinen Kindern und klares … Weiterlesen

Imbolc (Lichterfest) Namen: Imbolc, Imbolg, Kerzenfest, Lichterfest, Lichtmeß, Disenopfer, Disenblod, Disablod, Fröblót Kategorie: Vollmondfest Hauptfest, Mondfest zu Vollmond, keltisch Datum: beweglicher Feiertag am 2. Jahresvollmond (um den 1. Februar) Astrologischer Zeitpunkt: Sonne ca. 15° (Mitte) im Wassermann Bedeutung im Jahresrad: Wintermitte, Beginn … Weiterlesen

Beltanefest Wahl-Burg-Nacht – “Walpurgis-Nacht” Namen: Beltane, Feuerfest, Blumenfest, Beltaine, Walpurgis, Walpurgisnacht, Hohe Maien Kategorie: Vollmondfest Hauptfest, Mondfest zu Vollmond, keltisch Datum: beweglicher Feiertag am 5. Jahresvollmond (um den 30. April, die Nacht zum 1. Mai) Astrologischer Zeitpunkt: Sonne ca. 15° (Mitte) im Stier Bedeutung … Weiterlesen

Lughnasad (Schnitterfest) Namen: Lughnasad, Erntefest, Schnitterfest, Kornfest, Lughnasadh, Lammas, Haustblót Kategorie: Hauptfest, Mondfest zu Vollmond, keltisch Datum: beweglicher Feiertag am 8. Jahresvollmond (um den 31. Juli) Astrologischer Zeitpunkt: Sonne ca. 15° (Mitte) im Löwen Bedeutung im Jahresrad: Mitte des Sommers, Christliche Entsprechung: … Weiterlesen

Sommersonnenwende Litha (Mittsommer) Litha Namen: Litha, Eichenfest, Mittsommer, Sommersonnenwende, Alban Heruin, Lilith Kategorie: Sonnenfest Nebenfest, Sonnenfest zur Sommersonnenwende, germanisch Datum: 21. Juni (kalendarische Schwankungen zwischen 20. und 22. sind möglich) Astrologischer Zeitpunkt: Sonne 0° (Anfang) im Krebs Bedeutung im Jahresrad: Beginn … Weiterlesen

Mabonad (Herbstfest) Namen: Mabonad, Mabonadh, Mabon, Herbstfest, Weinfest, Erntefest, Herbst-Tagundnachtgleiche, Alban Elued Kategorie: Sonnenfest Nebenfest, Sonnenfest zum Herbstäquinoktium, germanisch Datum: 23. September (kalendarische Schwankungen zwischen 22. und 24. sind möglich) Astrologischer Zeitpunkt: Sonne 0° (Anfang) in der Waage Bedeutung im Jahresrad: Herbstanfang … Weiterlesen

Samhain (Totenfest) Namen: Samhain, Totenfest, Ahnenfest, Ahnen- und Asenblod, Mittherbst, Third Harvest Kategorie: Neumondfest Hauptfest, Mondfest zu Neumond, keltisch Datum: beweglicher Feiertag am 11. Jahresneumond (um den 31. Oktober) Astrologischer Zeitpunkt: Sonne ca. 15° (Mitte) im Skorpion Bedeutung im Jahresrad: Herbstmitte, Beginn … Weiterlesen

21.12 – 06.01 Julfestzeit und magische Rauhnächte Julfesten Germanenherz wünscht allen Beseelten, friedliche und besinnliche Festtage. Gledelig Jul und erkenntnisreiche, magische 12 Rauhnächte. Ein gesundes neues Jahr und uns allen eine bessere Zeit!. In diesem Sinne, Heil und Segen auf all unseren Wegen. Ach ja, bevor Ich es … Weiterlesen

06.12 Wodan Ruprecht (Hruodpercht) Wodanstag Achtung Heute Nacht – Bärtiger alter Mann in auffälliger roter Kleidung versucht unschuldigen Menschen etwas in die Schuhe zu schieben!

Mit dem 6ten Jul (Dezember) beginnt die eigentliche Vorbereitungszeit auf das Julfest.
Wodan zieht durch die Orte und bringt den Kindern Geschenke, um die Wartezeit auf das Wiederkommen des Lichtes zu vertreiben. Jedoch bekommen nur die Kinder Geschenke die alte Äpfel für sein Pferd vor die Tür stellen.
Sicher finden einige das Unvorstellbar, dass Wodan der in der wilden Jagt, die Armee aus Toten anführt, plötzlich Kinder beschenkt. Aber man sollte daran denken, dass Wotan zwei Seiten hat, die eine wütende brausende des Totengottes. Aber er ist auch Gott der Dichtkunst und der Herr über die Runen. Er schenkte denn Menschen ja auch die Runen und dass er nun einmal im Jahr die Kinder beschenkt, soll daran erinnern wie er einst denn Menschen die Rune schenkte.
Wenn ein Kind geboren wird, so soll es zu seiner Namensgebung einen Julteller erhalten. Das soll ein alter Zinnteller, ein Holzteller oder ein irgend ein Teller mit Lebensbaum und Umschrift sein. Jedes Mitglied der Familie stellt diesen Julteller als Gabenteller am Wodanstage, vor den Kamin. Außerdem sollte man, wie schon erwähnt, für Sleipnir alte Äpfel vor die Tür legen.

Die Kirche setzte, da sie die jährliche Einkehr des Göttervaters mit dem weißen Barte, mit dem Einauge und dem Pelzmantel nicht hindern konnte, bald einen ihrer Heiligen, nämlich den Nikolaus an seine Stelle.

Aber in vielen Gegenden Deutschlands ist er doch der Schimmelreiter oder der Ruprecht (Hruodpercht) = der von Ruhm Strahlende, Beiname Wodans) geblieben.

Hier noch einige Argumente dafür, dass das Nikolausfest schon vor dem Christlichen Fest, als Wodansfest gefeiert wurde
Viele Symbole von Nikolaus und Wodan gleichen sich:
– Das weiße Roß
– Der Mantel
– Der lange Bart
– der Stab (Odin hält einen Speer)
– das Reiten durch die Luft
– die Geschenke, die durch den Schornstein kommen (Wodan bringt Wärme und Licht ins Haus)
– Das Buch der Weisheit (Wodan gilt als allwissend)
– die Nüsse. Diese gelten als eine Frucht Wotans. … Weiterlesen

Wintersonnenwende – Das große germanische Fest Von meinem Totoweise Blog Veröffentlicht am 21. Dezember 2012 Rauch von Holz und Harz liegt in der Luft ich atme ein den verlockenden Duft Yulezeit ist da, Yulezeit ist da Im tiefsten Winter, so einsam die Nacht die Sonne wendet und … Weiterlesen

Heidnische Ursprünge anderer Festbräuche
Die AdventszeitDie Adventszeit ist die Zeit, in der man Tag für Tag dem kürzesten Tag und der längsten Nacht des Jahres näherkommt. Die Abende sind länger, oft hat man das Gefühl, die helle Zeit des Tages gar nicht richtig wahrgenommen zu haben. Draußen ist es kalt, stürmisch und oft schon verschneit. Der Aufenthalt im Freien kostet mehr Kraft als in der restlichen Zeit des Jahres. Der Körper und auch die Psyche nähren sich von den Reserven, die man während der Zeit der Fülle angehäuft hat.

Gleichzeitig aber zählt man die Tage bis zum Julfest, der Wiedergeburt des Lichtes. In der heutigen Zeit hat die christliche Kultur dazu das Ritual des Adventskalenders geschaffen, mit dem man die Tage bis Weihnachten zählt. In früheren Zeiten zündeten die Menschen schon vor dem Julfest nach jeder Woche eine Kerze mehr an, um sich die kalte und dunkle Zeit zu versüßen, ein kleines Stück Licht schon vorher genießen zu können und um die verbleibende Zeit bis zum Fest zu messen. Aus diesem Brauch ist später der christliche Adventskranz entstanden.

Der Nikolaus
Der christliche Nikolaus war ein gleichnamiger Bischof aus Myra im Lande Lykien, an der Südküste von Kleinasien, mit dem 6. Dezember als Todes- und Namenstag. Um ihn spann die Kirche wieder ihr altes Konzept, auf dem ihre ganze unnatürliche Weltanschauung beruht, nämlich die „Gehorsam-Guten“ zu belohnen (hier mit materialistischen Geschenken) und die „bösen Sünder“ zu bestrafen (hier mit der Rute durch Knecht Ruprecht).

Ruprecht ist aber ein verballhornter Name des ursprünglichen Hruodhpercht, Hruodprecht oder Hruod Percht (altnordisch: Ruhmglänzender, ruhmreicher Percht), und das ist niemand geringerer als Odin beziehungsweise Wotan selbst. Er galt als der Lenker der Schlachten, des Schicksals, der Fruchtbarkeit und der Winde.

Odin schritt als Wanderer über die Erde zur Julzeit (Weihnachtszeit) und brauste mit seinem Gefolge durch den Himmel. Er kam mit seinem achtbeinigen Schimmel Sleipnir zu den Menschen, und nach alter Sitte stellte man ihm Stiefel mit Hafer für sein Pferd vor die Tür. Er belohnte die Menschen dann mit Nüssen und verjüngenden Äpfeln von Iduna (Göttin des Lebens, des Frühlings und der Fruchtbarkeit) als Zeichen für Leben und Fruchtbarkeit.

Hruodhpercht hatte auch immer den Lebenszweig (Haselnußrute) mit Runen bei sich, und schlug damit leicht auf die Menschen und Vieh, um ihnen Fruchtbarkeit und neugeborenes Leben zu schenken. Der Lebens-Zweig Odins wurde zur Rute Knecht Ruprechts („Knecht“ ist schon ein Witz für sich; der Göttervater Odin in einer einem christlichen Bischof untergeordneten Stellung?) und wurde zum Werkzeug zur Bestrafung der Sündigen umfunktioniert und somit durch die Christen vollkommen seinem Sinn entfremdet.

Die Christen redeten den durch Feuer und Schwert, Zwang und Mord abwehrarm gemachten Völkern ein, Odin wäre ein böser Geist, der heimatlos durch die Berge und Wälder schweife. Sie versuchten, an Odins Stelle den Reiter Sankt Martin zu setzen, und als dies nicht fruchtete, begannen sie ihn durch den Nikolaus zu ersetzen.

Je mehr im Volk die Erinnerung an den Himmelsalten, an Odin, verblaßte, um so sichtbarer trat der „gute Nikolaus“ als Kinderfreund in Erscheinung. Zur Erinnerung an die bösen Geister aus der „wilden Jagd“ wird der christliche Nikolaus oft von „Knecht Ruprecht“ oder „Krampus“ begleitet. Mit dem guten Klaus, der einst in der Schweiz den Weihnachtsbaum brachte, zieht der böse Klaus oder Schmutzli, geschwärzt und lärmend. Wie in Kärnten der christliche Nikolaus von der Habergeiß begleitet wird, zog in Pommern mit dem Ruprecht der Klapperbock und in Schweden mit den Sternknaben der Julbock.

Im Brauchtum der Ahnen war Odin jedoch nie der „schwarze Mann“ (und erst recht kein Knecht), sondern ein Helfer der Eltern, welcher den Kindern Geschenke und mit dem symbolischen Schlag mit der Lebensrute Heil für das kommende Jahr brachte. Odin wurde in diesem Zusammenhang auch Jolmir genannt, im Bezug auf Jul. Desweiteren ist überliefert, daß er in seinem Sack die toten Seelen sammelte und zu Hel in die Unterwelt brachte.

Magische Nächte. Die 12 Rauhnächte Die Rauhnächte – Die 12 Rauhnächte oder Zwölfnächte am Ende des Jahres und die mit ihnen verknüpften Mysterien gehen bis in die Antike zurück. Sie haben sowohl römische als auch germanische und sogar indische, japanische und chinesische Wurzeln, und auch heute noch finden sie vielerorts im Brauchtum Beachtung. Nach uralten Überlieferungen suchen zu dieser Zeit die Seelen der Toten die Lebenden auf. Die Rauhnächte sind eine Zeit der Wiederkehr der Seelen und des Erscheinens von Geistern.

In der mithräisch-phrygischen Religion der Antike (u.a. in Rom) gab es nachweislich eine Festzeit von zwölf Tagen oder Nächten, die auch den Iranern heilig waren. Es wird auch berichtet, daß Mithras mit den Seelen seiner Glaubenskrieger in dieser Zeit in wildem Zuge über die Erde jage, womit einmal mehr eine Parallele zur altgermanischen Tradition festgestellt wäre.

Zustandegekommen sind die Rauhnächte aufgrund der Diskrepanz zwischen dem Sonnenjahr und dem Mondjahr. Ein Mondmonat, also die Mondphasen von Neumond zu Neumond dauert ca. 29,5 Tage. 12 Mondmonate ergeben somit genau 354 Tage für das Mondjahr. Das Sonnenjahr von Wintersonnenwende zu Wintersonnenwende dauert aber bekanntermaßen ca. 365,25 Tage. Es verbleibt eine Differenz von 11 Tagen und damit 12 Nächten.

Es überrascht kaum, daß mehrere indogermanische Völker das lunare Jahr dem solaren vorzogen, denn schließlich hatte der Mond ursprünglich zur Zwölfteilung des Jahres Anlaß gegeben. Weil sich Germanen, Kelten und Inder eben am Mondkalender orientierten, war diese „Ausgleichszeit“ zwischen Sonnen- und Mondjahr eine irgendwie „zeitlose Zeit“. Sie kam im Anschluß an die Wintersonnenwende und lag somit „zwischen den Jahren“, ein Ausdruck, der auch heute noch geläufig ist.

Die Rauhnächte gelten als eine magische, bedrohliche und besonders wilde Zeit. Auch hier ist die „Weltendecke“ wieder dünn, und allerlei Dämonen und Geister treiben sich herum. Odin und sein Gefolge rauschen als „wilde Jagd“ durch die Lüfte. Dem Geschehen in diesen Nächten kommt größere Bedeutung zu, und vielerorts gilt es als Orakel für das kommende Jahr, denn jede Nacht steht symbolisch für einen Monat des Folgejahres. Erst nach den Rauhnächten begann für viele Germanen das neue Jahr, welches in der Nacht der Wintersonnenwende endete, wahrlich eine „zeitlose Zeit“.

Es gibt unterschiedliche Auffassungen über Beginn und Ende der Rauhnächte. Welcher man folgt, ist wohl Geschmackssache, allerdings könnten dann die Monatsorakel ein wenig verschoben sein. Die altgermanische Auffassung geht davon aus, daß die Rauhnächte mit der Nacht nach dem Julfest (Wintersonnenwende) beginnen. Jul ist die Nacht vom 21. auf den 22. Dezember, demnach wäre die erste Rauhnacht vom 22. auf den 23. Dezember und die zwölfte in der Nacht vom 2. auf den 3. Januar.

Die christliche Auffassung läßt die Rauhnächte weitgehend natürlich erst nach dem heiligen Abend beginnen. Dieser ist bekanntlich die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember, danach wäre die erste Rauhnacht die Nacht vom 25. auf den 26. Dezember und die zwölfte vom 5. auf den 6. Januar, den Dreikönigstag.

Eine neugermanische Auffassung verlängert, vermutlich an das Christentum angelehnt, einfach das Julfest auf vier Nächte vom 21. auf den 25. Dezember und zieht somit, was die Daten der Rauhnächte angeht, mit dem Christentum gleich.

Diese neugermanische Auffassung ist heute zwar sehr häufig anzutreffen und findet sich in vielen Bräuchen datumsmäßig wieder, entspricht in dieser christianisierten Form aber wohl nicht mehr dem ursprünglichen Sinngehalt. Sie stimmt auch nicht mehr mit dem Mondkalender überein, denn der 21. Dezember (Jul) ist der 355. Tag im gregorianischen Kalender, im germanischen fängt das neue Jahr aber nach den Rauhnächten am 3. Januar an, also wäre es hier der 353. Tag, beziehungsweise 354. Tag in einem Schaltjahr, was genau dem Mondkalender entspräche. Bei der neugermanischen Auffassung kommt dies nicht hin, dort wäre Jul am 350. beziehungsweise 351 Tag nach Jahresbeginn.

Schon diese Berechnung widerlegt die Behauptung, daß die Festzeit der Rauhnächte aus dem Abstand zwischen Weihnachten und Dreikönig hervorgegangen sei. Dazu kommt, daß die gleiche altgermanische Festfrist bei anderen indogermanischen Völkern, bei Indern, Iranern, Griechen und Römern, mit ähnlichem Gehalt aus vorchristlicher Zeit bezeugt ist

Rauhnächte: Fest: 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12.
altgerman.: Jul 21./22. 22./23. 23./24. 24./25. 25./26. 26./27. 27./28. 28./29. 29./30. 30./31. 31./01. 01./02. 02./03.
christlich:. Weihnachten 24./25. 25./26. 26./27. 27./28. 28./29. 29./30. 30./31. 31./01. 01./02. 02./03. 03./04. 04./05. 05./06.
neugerman.: Jul 21. – 25. 25./26. 26./27. 27./28. 28./29. 29./30. 30./31. 31./01. 01./02. 02./03. 03./04. 04./05. 05./06.

Die namentliche Bedeutung der Rauhnächte soll einer Theorie zufolge von „rauh“ kommen und auf das althochdeutsche „ruh“ (rauh, grob, haarig, ungezähmt) zurückgehen, welches mit den verbreiteten wilden, pelzverhüllten Masken der Perchten zusammenhänge. Für wahrscheinlicher als dies und auch als den Bezug auf Rauhreif halten Etymologen allerdings, daß sich das Wort von „Rauch“ (althochdeutsch: Rauh) ableitet. Das läßt sich dadurch belegen, daß es in diesen „Rauchnächten“ eben Brauch war, Haus und Ställe zu beräuchern, um diese zu reinigen und Geister und Dämonen fernzuhalten.

Nach anderer Auslegung, insbesondere in der Alpenregion, hat der christliche Volksglaube die Rauhnächte auf vier reduziert, nämlich am 21. Dezember (Thomasnacht), 24. Dezember (Heiligabend), 31. Dezember (Silvester) und 5. Januar (Perchtennacht). Dabei gelten diese abwechselnd als magere und fette Rauhnächte. Ein altes regionales Sprichwort besagte: „Rauhnacht san vier, zwoa foast und zwoa dürr.“ Die Thomasnacht und die Silvesternacht galten als die mageren Rauhnächte (dürr) mit bösen Geistern und die Weihnachts- und Dreikönigsnacht als die fetten (foasten) mit guten Geistern.

Um die Rauhnächte hat sich im Volk allerlei Aberglauben angesammelt. Man glaubte, Tiere könnten reden. Wäsche durfte nicht über Nacht hängen bleiben. Dem Geschehen in diesen Nächten kam größte Bedeutung zu, denn ihnen wurde eine geheimnisvolle Bedeutung für die Zukunft zugewiesen. In Los- und Orakelbräuchen dachte man, in die Zukunft zu blicken, so sollte jede der 12 Nächte etwas über den entsprechenden Monat des nächsten Jahres verraten können, besonders die Träume in diesen Nächten. Der Glaube, daß das Wetter dieser 12 Nächte ein Abbild der folgenden 12 Monate sei, findet meteorologisch allerdings keine Stütze.

In den zwölf Nächten wurde kein Garn gesponnen, weil man glaubte, daß sonst Hel (Frau Holle) käme und das Garn verunreinige oder weil man Zank und Ungeziefer in das Haus zu spinnen meinte. Aus alter Zeit wird berichtet, daß die Mädchen bedacht waren, bis dahin allen Flachs vom Rocken abzuspinnen und die Stuben in Ordnung zu bringen. War ein Rocken nicht abgesponnen, so verwirrte die Perchta allen Flachs. Traf sie aber gar um diese Zeit die Spinnerinnen bei der Arbeit an, so gab es eine harte Strafe.

Man sollte in den Rauhnächten nicht dreschen, sonst verdürbe das Getreide, so weit man den Schall hörte. Man sollte außerdem nicht aus einem unverdeckten Brunnen trinken. Auch fürchtete man, daß die Hühner das ganze Jahr über keine Eier legen würden.

An diesem letzten Abend im Jahre sollte selbst Putzen und Fegen unterbleiben wie auch das Backen, damit alles Unheil von Haus und Hof, sowie allen Bewohnern fernblieb. In manchen Gegenden hütete man sich davor, Hülsenfrüchte zu essen, weil man sonst Geschwüre zu bekommen glaubte. Mancherorts war es Sitte, in den zwölf Nächten in den Garten zu gehen, an allen Obstbäumen zu rütteln und ihnen zuzurufen: „Bäumchen, schlaf nicht, Frau Hel (oder Holle) kommt!“

Persönliche Orakel wurden befragt, ein Brauch, der sich im Bleigießen zu Silvester erhalten hat. Spenden an Heischende (zum Beispiel Sternsinger und Müllabfuhr) sollten das Glück bewahren. Durch Räuchern und durch geweihte „Maulgaben“ für das Vieh sollte Unheil von Haus und Hof abgewehrt werden. Die erscheinenden wiederkehrenden Seelen und Geister (Überbleibsel der „wilden Jagd“) wurden bewirtet oder durch Räuchern, Lärmen oder Kreuzeszeichen abgewehrt.

An diesen Abenden durchräucherte ein Priester oder der Hausherr oder die Hausfrau nach dem Abendläuten alle Räume des Hauses und die Ställe mit geweihten Kräutern oder Weihrauch und besprengte sie mit Weihwasser. Durch diese Segnung glaubte man, Geister und Dämonen abzuwehren.

Dieses Räuchern war früher in weiten Teilen Süddeutschlands und Tirols üblich, ist heute jedoch nur noch einzeln bekannt. In eine Pfanne oder einem anderen Behälter wird Glut aus dem Herd gegeben. Auf die Glut legt man Weihrauch, Teile des am Palmsonntag geweihten Palmbesens oder andere geweihte Kräuter. Unter Gebet zog man mit der Pfanne durch das Haus. Hinter dem Vorbeter mit der Rauchpfanne segnet eine zweite Person mit Weihwasser jedes Zimmer. Es bedeutet Unglück oder den Tod, wenn ein Familienmitglied beim Räuchern fehlt. Die Glutreste werden üblicherweise ins Feuer geworfen.

In manchen Gegenden von Süd- und Osttirol wird über den Rauch eine Kopfbedeckung (Hut, Mütze Kopftuch) gehalten und dann aufgesetzt. Man glaubt, daß man dadurch unterm Jahr vor Kopfschmerzen sicher sei.

In den Rauhnächten bleibt für die Heiden das Jahresrad stehen. Auch für die Germanen stand die Sonne in der Zeit nach der Wintersonnenwende zwölf Tage lang still. Altes ist noch nicht ganz gegangen, das Neue ist noch nicht stark genug. Die Kräfte, die das Rad des Jahres antreiben, manifestieren sich in dieser Zeit. Alles wird durcheinander gewirbelt. Jetzt sind die Nächte am längsten, hoch im Norden herrscht gar die Polarnacht mit völliger Dunkelheit. Dies ist die Wolfszeit der Edda, in der die Sonne schwarz wird. Daher der Volksglaube, man dürfe in den „Zwölften“ den „Wolf“ nicht beim Namen nennen.

Die Nächte galten als Los- und Orakelnächte, über denen ein geheimnisvoller Zauber liegt, eine Zeit der runenlauschenden und orakelforschenden Nächte, in der zugleich ein heftiger Kampf zwischen den todbringenden Mächten der Finsternis und den belebenden Kräften des Lichtes tobt. Auch die Menschen sind in dieser Zeit besonders empfindsam, genau wie das kleine Lichtfünklein, das sich gerade erst entfaltet hat und noch besonderen Schutz benötigt.

Es sind die Nächte Odins, der obersten Gottheit, die erfüllt waren vom Brausen des Sturmwindes, vom Bellen der Hunde, Wiehern der Rösser und Wehklagen der Walküren, eine Zeit, in der jede Tätigkeit ruhen mußte. Es durfte kein Recht gesprochen, kein Wasser aus dem Brunnen geholt und keine Kuh gemolken werden. Mit dem Verabreichen des Gildebrotes (Gilde von altgermanisch „gield“ oder „gildi“, was opferbereite Brüderschaft bedeutet) versuchte man, die himmlischen Mächte zu versöhnen und die Angst zu überwinden, weiterhin der Kälte und Finsternis ausgeliefert zu sein.

Man glaubte, daß Odin in dieser Zeit allen Totenseelen, bösen Geistern und Dämonen Ausgang gewährte. Mit Weihrauch mußten diese wieder aus den Häusern vertrieben werden. Vielerorts wurden und werden in dieser Jahreszeit lärmende Umzüge mit fratzenhaften Masken veranstaltet, womit man den Dämonen das Fürchten lernen will. Ein Überbleibsel davon sind die Perchtennacht (siehe Perchtenfest) und der Karneval.

Die Wilde Jagd oder das Wilde Heer entspringt dem germanischen Glauben, daß der einäugige Odin beziehungsweise Wotan mit seinem geisterhaften Gefolge zwischen den Jahren durch die Lüfte reitet. Er wird manchmal von seiner Gattin Frigg beleitet. Frigg wurde auch Frick, im Harz Frau Harke, in Thüringen Frau Holle und in Süddeutschland Frau Berchta genannt, obwohl die letzten beiden mit Hel und nicht mit Frigg identifiziert werden.

Die Wilde Jagd wird auch von zahlreichen Tieren begleitet, unter anderem auch Odins Wölfe und Raben, aber auch die anderen Geister besitzen allerlei Tierfüße. Als angeblicher Beweis dient die sogenannte „Kuhtrittmuschel“. Diese bis zu 20 Zentimeter große Muschel aus dem späten Erdaltertum, welche u.a. auf dem Dachstein-Plateau in Österreich häufig gefunden wird, hat einen herzförmigen Querschnitt und erinnert an die Trittspuren von Rindern.

Als eine weitere Form des Fußabdruckes von Alben, Druden, Kobolden und anderen Geistern galt der fünfzackige Drudenfuß. Dieser ist auf versteinerte Stachelhäuter (Seeigel, Seesterne usw.) zurückzuführen. Das Skelett dieser Tiere ist fünfstrahlig symmetrisch, und das ist so ungewöhnlich, daß ihnen magische Bedeutung zugemessen wurde. Deshalb hat man fossile Seeigel schon in der Bronzezeit als magische Grabbeigaben verwendet.

Eine seltene muschelähnliche Tiergruppe, die Brachiopoden, erinnern in ihrer Form an Vögel. Man nannte sie früher auch „Heilig-Geist-Steine“. Die Ammoniten waren mit den heutigen Tintenfischen verwandt. Sie trugen schneckenähnliche Schalen und sind vor ca. 65 Millionen Jahren gleichzeitig mit den Sauriern ausgestorben. Man hielt sie lange Zeit für versteinerte Schlangen. Da manche fossile Überreste ungewöhnlich groß waren, wucherten in der Folge allerlei Drachengeschichten. So wurden Ammoniten, versteinerte Korallen sowie Knochen des Höhlenbären mit Drachen in Verbindung gebracht. Fossile Haizähne galten als Drachenzähne oder Drachenzungen.

Die Seelen der Verstorbenen, ferner Schweine, Hasen und andere Tiere sollen in diesen zwölf Tagen das Gefolge der wilden Horde bilden. Dem Heer von 432.000 Geistern eilen 24 schwarze Hunde bellend voraus. Das Geisterheer braust nachts mit Jagdrufen und Hundegebell durch die Luft.

Als Anführer des Totenheeres rast Odin als wilder Jäger (hier auch Woutan, Wode, Heiljäger, Hackelbernt, Herne etc. genannt) mit bedrohlicher Wildheit und Aggressivität auf seinem Schimmel Sleipnir durch die Lüfte. Meistens zeigt er sich bei dieser Gelegenheit zu Pferde in Hut und Mantel. Nur wer sich auf die Erde wirft und sich festklammert, wird von der Gewalt des wütenden Heeres nicht mitgerissen. Vermutlich haben deshalb die alten Germanen die Gräber ihrer Toten mit schweren Steinen bedeckt, damit die Seelen der Verstorbenen ihre Ruhe finden und von der wilden Hatz des Totenheeres nicht mitgerissen werden können. Sobald der Sturm vorüber ist, zieht sich der Sage nach das Wütende Heer zum Gelage in die Berge zurück.

Frau Holle, die mit Freyja, Frigga oder am wahrscheinlichsten mit Perchta oder Hel identifiziert werden kann, ist Schutzpatronin dieser Tage. Sie mag es normalerweise nicht, wenn jemand faul oder unnütz in den Tag hinein lebt, sie ist sehr streng und achtet darauf, daß jeder seiner Bestimmung gemäß lebt und sich entwickelt. Nur in diesen zwölf Tagen erlaubt Frau Holle, daß man sich ausruht und ganz auf sein Inneres und Wesentliches besinnt. Sie schätzt es auch durchaus, wenn man ihr kleine Geschenke oder Aufmerksamkeiten macht. Vielleicht erweist sie sich dann im kommenden Jahr gnädig und erfüllt so manchen tief ersehnten Wunsch.

Um diese Zeit sollten die Menschen ja nicht den Unwillen der Geister erregen. Die Arbeit hatte jetzt zu ruhen, und die Menschen sollten Rückschau halten auf das vergangene Jahr und sich auf das neue vorbereiten, um es würdig zu empfangen.

Das Räuchern in den Rauhnächten ist ein uralter Brauch, der sich bis heute in vielen Gebieten erhalten hat. In eine Pfanne oder einem anderen Behälter wird Glut aus dem Herd gegeben. Auf die Glut legt man Weihrauch und geweihte Kräuter. In manchen Gegenden (Süd- und Osttirol) wird über den Rauch eine Kopfbedeckung (Hut, Mütze) gehalten und dann aufgesetzt. Man glaubt, daß man dadurch im kommenden Jahr vor Kopfschmerzen sicher sei. Unter Gebet zieht man mit der Pfanne durch das Haus. Hinter dem Vorbeter mit der Rauchpfanne segnet eine zweite Person mit Weihwasser jedes Zimmer. Es bedeutet Unglück oder den Tod, wenn ein Familienmitglied beim Räuchern fehlt. Die Glutreste werden üblicherweise ins Feuer geworfen.

In den Rauhnächten entscheidet sich nach germanischem Mythos das Geschick allen Lebens auf Erden, darum boten die Menschen alles auf, um dem werdenden Licht zu Hilfe zu kommen. Mit auserlesenen Räucherkräutern, Fichtenharz und Weihrauch sollte alles Böse vertrieben werden. Der alte Volksglaube hielt überhaupt daran fest, daß es in den 12 Nächten „umgeht“, daß böse Geister und ganz allgemein die „Mächte der Finsternis“ in dieser lichtarmen und darum gefährlichen Zeit ihr Unwesen treiben.

Zu Jul beziehungsweise Weihnachten läßt man alles hinter sich, was nicht mehr zu einem gehört. In den Rauhnächten beziehungsweise zu Silvester werden gute Vorsätze für das nächste Jahr gemacht. Symbolisch nehmen die „Geister“ der Rauhnächte alles mit, was die Menschen „über Bord“ geworfen haben.  Weiterlesen

Am 31. Dezember feiert ihr Papst Silvester seinen Gedenktag.Silvester – Silvester ist der 31. Dezember. Es ist der christliche Festtag und Todestag des heiliggesprochenen, gleichnamigen Papstes Silvester I. (314 bis 335), der in Süd- und Ost-Tirol als Viehheiliger gilt (deshalb auch lokale Wall- und Schlittenfahrten). Der Name „Silvester“ bedeutet „der Waldbewohner“, vom lateinischen Adjektiv „silvestris“ (bewaldet), abgelöeitet von „silva“ (Wald).

Silvester bildet durch die Silvester- oder Neujahrsnacht mit Neujahr weitgehend eine Einheit und wird nach dem gregorianischen Kalender durch die „Zeitenwende“ vom alten zum neuen Jahr bestimmt.

Dieser Abend spielt als eine der Rauhnächte (auch nach der Auffassung von nur vier Rauhnächten) für Orakel- und zukunftsweisende Bräuche als Lostag eine wichtige Rolle. Mitternächtliches Bleigießen sowie Glück- und Segenswünsche verweisen auf das kommende Jahr. Der Brauch des Bleigießens ist ein Überbleibsel der vielfältigen Rauhnachtorakel, herabgewürdigt zu einem belustigenden Zeitfüller für die Silvesternacht.

Von den Alemannen im 8. Jahrhundert und von den Westgermanen sogar noch im 11. Jahrhundert heißt es, daß sie in der Neujahrsnacht, umgürtet mit einem Schwert, auf die Dächer stiegen, um zu erkunden, was das kommende Jahr bringen werde.

Mit jedem Tag, an dem die Sonne wieder ihr Licht und ihre schützende Wärme verbreitet, beginnt auch der Mensch, sich auf das Neue vorzubereiten. Aus diesem Gefühl heraus sind auch die Silvesterbräuche entstanden, bei denen man sich so viel Neues für die nächste Zeit vornimmt und gute Vorsätze formuliert. Es ist ein Neubeginn, denn ein neuer Lichtzyklus beginnt.

Ein gutes „Neues Jahr“ verheißen zudem die kleinen, oft eßbaren Glücksbringer, die man sich schenkt, sowie bestimmte Speisen aus Schweinefleisch. Silvester besitzt eine ausgeprägte Festtradition. Das Feuerwerk ist ursprünglich der geistervertreibende Brauch des Perchtenfestes, wurde aber irgendwann auf den letzten Tag im gregorianischen Kalender vorverlegt.

Kirchlicherseits ist ein Erlaß überliefert, demzufolge die Priester angewiesen wurden, bei der Beichte die Frage zu stellen, ob in der Neujahrsnacht etwa nach heidnischer Sitte der Holda oder Holle ein Opfertisch angerichtet worden sei, oder ob man die Weiber geheißen habe, aus einem Feuer die Zukunft zu ergründen.

Übrigens ist die Schreibweise „Sylvester“ für den 31. Dezember falsch – egal ob nach alter oder neuer Rechtschreibreform. Mit „Y“ werden nur Personennamen geschrieben (beispielsweise Sylvester Stallone oder Sylvester und Tweety). … Weiterlesen

Das Perchtenfestimages (13)
Die Perchten, von „peraht“ (althochdeutsch: hell, glänzend), sind im Brauchtum weibliche Masken- und Sagengestalten, die am Ende der Rauhnächte in verschiedenen Regionen in Erscheinung treten. Die Percht gilt als Schicksalsfrau und als Seelenbegleiterin, sie übt Kontrolle aus, achtet auf Ordnung und straft. In dieser Funktion erscheint sie zum Jahreswechsel bereits in der Antike. Die Perchta oder Berchta ist eigentlich Frau Holle und damit die germanische Göttin Hel, trägt aber auch Züge der germanischen Göttinnen Freyja und Frigg. Neben Frau Holle kennt man sie außerdem noch als Frau Harke, Frau Stampa, Frau Gode oder Frau Wode.

Ebenso ist sie die aus der Ostmark und anderen Gebieten bekannte Gaben bringende „Budelmutter“ oder „Lutzelfrau“, die allein, oft aber auch in Begleitung gegensätzlicher Gestalten, die Menschen aufsucht. In Franken kennt man die Eisenberta. Auch die heilige Barbara bringt an ihrem Kalendertag den Kindern Geschenke. Sie ist an die Stelle einer der drei Perchten getreten, wie die Luzia, auf die der Name „Lutzelfrau“ hinweist.

Das Mittelalter sieht in der „domina berchta“ (lat.: Herrin Berchta) eine Allegorie der Sünde (Prunksucht). Das Perchtenlaufen und -springen wurde zum folkloristischen Schaubrauch. Dabei werden geschnitzte groteske Masken getragen, die zum Vertreiben dämonischer Mächte erforderlich sind. Dies soll dazu dienen, um die Erde zum Leben zu erwecken, damit sie fruchtbar und ertragreich sei.

Das Perchtenfest findet am Abend des 2. Januar statt. Man feiert das Ende der Rauhnächte und die Vertreibung des Winters. Bei den Germanen war es der Beginn des neuen Jahres (Neujahr war der 3. Januar, doch ein Tag begann bei ihnen immer mit dem Vorabend). Festsymbole sind Fackeln, Rasseln, Trommeln und Masken. Die christliche Entsprechung ist neben Silvester hauptsächlich Heilige Drei Könige beziehungsweise die Nacht vom 5. auf den 6. Januar, wohin dieser Festtermin durch die christliche Verschiebung der Rauhnächte verlegt worden ist.

Dieses Fest gehört nicht direkt zu den heidnischen Festen des Jahresrades, ist aber dennoch ein Feiertag. Es ist das Ende der Mittwinterfeste und damit auch die letzte und das Ende der Rauhnächte. Die als Hexen maskierten Perchten laufen durch die Nacht und machen Lärm, um die letzten Reste des Winters zu vertreiben. Man begrüßt das neue Jahr und den hereinbrechenden Frühling.

Der letzte Julschmuck wird abgeräumt, die Zeit des Feierns ist vorbei, und die Arbeit wird wieder aufgenommen. Das junge Mädchen beziehungsweise der Knabe erhalten nach altem keltischen Brauch im Alter zwischen 12 und 14 Jahren ihren Erwachsenenstatus. Auch die junge Sonne (als Sonnengott) erhält nun ihren magischen Namen, ihre Waffen, sowie ihren Auftrag in der Welt.

In der Perchtennacht wird die Macht der Rauhnächte, der wilden Jagd und des Winters gebrochen. Es ist die Nacht, in denen man das Böse und die Unholde endgültig ausräuchert und schließlich mit geweihter Kerze bannt. Darum geht der Bauer mit der Bäuerin in der Perchtennacht (heute in der Nacht vor den Heiligen drei Königen) in Süddeutschland und Österreich nochmals räuchernd und geweihte Kerzen brennend durch das Haus.

Der Perchtenabend wird in manchen Gegenden mit Maskenumzügen begangen, den bekannten oberbayerischen Perchtenläufen, die aus heidnischer Tradition stammen und eine volkstümliche Darstellung der „wilden Jagd“ sind. Dieses auch heute bedeutendste Rauhnachtsbrauchtum findet meist in der letzten Rauhnacht, am „Öberschten“, statt. „Öberscht“ (der Oberste) bezeichnet dabei in der verchristlichten Rauhnachtszeit die Nacht vom 5. auf den 6. Januar, während bei den Germanen natürlich der Abend des 2. Januar als Perchtenfest galt.

Dabei ziehen 12 häßliche (das alte Jahr) und 12 schöne (das neue Jahr) Perchten mit. Am Vorabend zum „Öberschten“ nun ziehen die „schiachen“ (häßlichen) Perchten durch Dorf und Flur. Ursprünglich handelte es sich dabei um zwölf Burschen, die in dunkle Felle und Vermummungen gekleidet waren und altüberlieferte, kunstvoll geschnitzte Holzmasken trugen. Eine Anzahl vermummter Gestalten folgte ihnen im geisterhaft flackernden Licht von Fackeln und Windlichtern, während Trommeln und Kuhglocken dröhnten und Peitschen knallten.

Offensichtlich versinnbildlichte das Perchtenlaufen das ewige Naturgeschehen der Ablösung des alten Jahres durch das neue, zumal anderntags die „schönen“ Perchten, im Gefolge häufig die gefesselten „schiachen“ Perchten der vergangenen Nacht, durch die Dörfer zogen. Die vielen und mannigfaltigen Volksgebräuche, besonders die Maskentänze, die verschiedenen Vermummungen, die Austreibungen von Tier- und Teufelsgestalten bedeuteten ursprünglich nichts anderes als den Sieg der Lichtkräfte, denen das Dämonenheer weichen muß.

Durch Lärmen und Rufen suchte man dies zu erreichen. Noch heute erinnern in manchen ländlichen Gegenden Umzüge mit Peitschenknallen und Böllerschießen oder das sogenannte Schreckläuten der Kirchenglocken an diesen alten Glauben vom Nutzen des „Heidenlärms“. Auch der Brauch des Silvesterfeuerwerks rührt hier her.

Die christliche Tradition ersetzte das Perchtenlaufen durch Beweihräucherung oder Weihwasserbesprengung, um die Erde zum Leben zu erwecken und sie fruchtbar und ertragreich werden zu lassen. Den lärmenden Perchtenläufen setzte das Christentum im Mittelalter auch die Dreikönigsaufzüge entgegen und in neuerer Zeit kam das Dreikönigssingen hinzu. Allerdings sind die Heiligen Dreikönige in Europa auch heidnischen Ursprungs, denn damit waren früher die drei Schöpfungsgötter Odin, Hönir und Loki gemeint, welche von der Kirche mit den drei Weisen aus dem Morgenland übertüncht wurden.

Das süddeutsche „Christkindl“, das durch ein erwachsenes Mädchen dargestellt wird und in weiblicher Gewandung umherzieht, wirkt auf den ersten Blick befremdend. Diese nach dem christlichen Dogma völlig unerklärliche Gestalt versteht man sofort als christlich verbrämtes Gegenstück der Frau Perchta.

Wie im Elsaß das weibliche Christkind, so bringt in Schweden Luzia am 13. Dezember mit einem Kranz brennender Kerzen im Haar allerlei Gaben, was sehr an die Brigid des Imbolc-Festes erinnert. Dies hat seinen Ursprung in der germanischen Auffassung von der Frau als Lichtträgerin, als Gebärerin des neuen Lebens. Der Begleiter des Lichtkindes ist in Schweden Hans Trapp, in ein Fell gekleidet und mit Rute und klirrender Kette ausgerüstet. Luzia selbst trat in Deutschböhmen als Ziege auf („Eisenberta“) und in Mittelfranken als Kuh.

Am 4. Dezember verteilt die eilige Barbara Geschenke an die Kinder. Auch sie ist eine Verchristlichung der Berchta. Katharina, Barbara und Luzia sind als „die drei heiligen Frauen“ in der Volksmeinung an die Stelle der drei Perchten getreten, und man hat sogar nach dem alten germanischen, ja indogermanischen Mondkalender, welcher der Sonnenrechnung vorausging, ihre Tage festgelegt. Der Tag der heiligen Katharina ist der 25. November. Neun Tage später folgte der Tag der heiligen Barbara, und nach abermals neun Tagen der der Luzia.

Auch das am Weihnachtstage erscheinende „Christkind“ ist eine der schwedischen Luzia ähnelnde Erscheinung. Es steckt die Lichter am Weihnachtsbaum an und bringt die Geschenke. Diese weibliche Gestalt kann nicht mit Jesus Christus in Einklang gebracht werden. Es ist darin vielmehr die weibliche Göttergestalt aus germanischer Zeit zu sehen, die man Berchta (Berta), d.h. „die Leuchtende“ nannte. Der Name Luzia ist aber nichts anderes als die lateinische Übersetzung für „die Leuchtende“. Das zeitlich verschiedene Auftreten der beiden Gestalten ist lediglich in der Verschiedenheit der Zeitrechnung begründet. Im Mittelalter war in Schweden der 13. Dezember der Wintersonnenwendtag, der Brauch ist also ein Sonnwendbrauch.

Während in Bayern einst drei Perchten auf ihrer nächtlichen Wanderung in jedem Hofe Gaben empfingen, gesellt sich in Kärnten zu den drei schönen Perchten eine vierte, „schiache“ (häßliche). Der Mondkalender umfasst drei Wochen von je neun Nächten und danach die drei dunklen Nächte der Neumondzeit, daher ist den drei Wochen je eine schöne Perchta, der dunklen Zeit des Mondlaufs aber eine vierte, häßliche und böse Perchta zugeordnet. Eine von den drei Schönen kehrt in jedem Hause den Boden. Man findet sie in einem schlesischen Weihnachtsspiel als dort unverstandenes „Kehrweibel“ in Gesellschaft eines abermals weiblichen „Christkindes“ wieder.

An Stelle des Schimmelreiters (ursprünglich Odin mit Sleipnir), der oftmals die Gaben bringt, und für dessen Roß die Kinder Hafer auslegen, wird hier und da nur der weiße Schimmel als Spender der Geschenke erwartet, in Nordböhmen das goldene Rößlein, manches Mal auch der goldene Wagen.

Thema Mythologie und Sagenhaftes aus dem hohen NordenDie Mythologie (von altgr. μυθολογια mythologia; zusammengesetzt aus μυθοι mythoi „Geschichten“ und λέγειν legein „erzählen“) bezeichnet die Lehre der gesamten Mythen eines Volkes und behandelt als ihren eigentlichen Gegenstand die aus der vorgeschichtlichen, d. h. vorliterarischen Zeit überlieferten Erzählungen, in … Weiterlesen

Wintersonnenwende – Das große germanische Fest

Von meinem Totoweise Blog Veröffentlicht am

Rauch von Holz und Harz liegt in der Luft
ich atme ein den verlockenden Duft
Yulezeit ist da, Yulezeit ist da
Im tiefsten Winter, so einsam die Nacht
die Sonne wendet und Balder erwacht
Stellt das Sonnenrad auf, stellt das Sonnenrad auf

Der Tannenbaum in seiner Pracht
Der Yuleast lodert hell durch die Nacht
Stimmungsvolle Ruh, stimmungsvolle Ruh

Das Licht am Himmel die Hoffnung bringt
und Thor wild seinen Hammer schwingt
Kraft fürs kommende Jahr, Kraft fürs kommende Jahr

Frey und Freyas Sinnlichkeit
Bringt Liebe, Lust und Fruchtbarkeit
Leben wird weitergehn, Leben wird weitergehn

Oh, Wintersonne das Fest für sie
Med, Korn und das Blut unsere Gaben an sie
Auf ewige Wiederkehr, auf ewige Wiederkehr

„Nicht was passierte ist die Realität,
sondern der Inhalt Deiner Gedanken.
Was passierte prägt Deine Gedanken,
deshalb irrst Du über die Realität.
Die Macht Deiner Sinne ist stark,
doch alles beugt sich der Kraft Deines Willens.“

Namen: Jul, Mittwinter, Wintersonnenwende, Alban Arthuan, Yule, Sonarblod
Kategorie: Sonnenfest Nebenfest, Sonnenfest zur Wintersonnenwende, germanisch
Datum: 21. Dezember (kalendarische Schwankungen zwischen 20. und 22. sind möglich)
Astrologischer Zeitpunkt: Sonne 0° (Anfang) im Steinbock
Bedeutung im Jahresrad: Wintersonnenwende (Solstituum), längste Nacht des Jahres, Winteranfang, als Wendepunkt Beginn der Reinigungszeit
Christliche Entsprechung: Weihnachten
Art des Feiertages: Julfest, Mittwinter, Wintersonnenwende, Fest der Wiedergeburt der Sonne
Symbole: Mistel, Tanne und Hirschgeweih

Bedeutung:
Jul ist das Fest der Wintersonnenwende. Es ist die längste Nacht des Jahres, nach der die Tage dann wieder länger werden. Damit ist es ein wichtiger Wendepunkt des Jahres und gilt gleichzeitig als dessen Ende (gefolgt von den 12 Rauhnächten, die zwar noch zum alten Jahr gehören aber irgendwie auch eine jahreslose Zeit darstellen). Zustande kommt die Wintersonnenwende dadurch, daß nun die Nordhalbkugel der Erde am weitesten von der Sonne entfernt ist und sich nun wieder anzunähern beginnt.

Gleichzeitig ist die Wintersonnenwende der Beginn des Winters. Man mag sich fragen, warum die kälteste Jahreszeit erst nach dem kürzesten Tag des Jahres beginnt und nicht hier bereits ihren Höhepunkt hat? Man müßte ja meinen, daß es dann am kältesten sein müsse, wenn man am weitesten von der Sonne entfernt ist. Aber das ist nicht so, denn der im Mittel kälteste Monat des Jahres in Mitteleuropa ist der Januar. Die mittlere jährliche Temperaturkurve erreicht dabei etwa um den 15. Januar herum ihren Tiefpunkt. Die Verschiebung um drei bis vier Wochen kommt durch die Wärmekapazität des Erdbodens und vor allem des Meerwassers zustande. Die von der Sonne empfangene Strahlung wird hierin gespeichert und zeitlich verzögert wieder an die Atmosphäre abgegeben. Derselbe Prozeß mit anderen Vorzeichen kommt auch im Sommer zum Tragen.

Das Julfest ist ein Wendepunkt, eine Umkehr, ein Anfang, und an diesem Tag feiert man die Rückkehr von Licht und Leben. Jul ist der (Wieder-) Geburtstag der Sonne, der Tag des Triumphes des Lichts über die Dunkelheit. In der dunkelsten und längsten Nacht der Wintersonnenwende vollzieht sich eine Wendung, denn die Nächte werden von nun an immer kürzer, die Tage wieder länger. Es ist ein Freudenfest, bei dem die Rückkehr oder die symbolische Wiedergeburt der Sonne gefeiert wird.

Die Menschen früherer Zeiten maßten der Wintersonnenwende als Rückkehr des Lichts besondere Bedeutung bei, denn ihr Schicksal war eng mit den wärmenden Strahlen der Sonne verbunden. Ohne Sonne gibt es kein Wachstum, ohne Wachstum reift keine Frucht und ohne Frucht ist keine menschliche Existenz möglich.

Gleichzeitig ist diese Zeit in den nördlichen Breiten die Zeit der Kälte und der Winterstürme. Mit etwas Phantasie sieht man im nächtlichen Sturm die Götter, die in wilder Jagd durch die Lüfte rauschen, und oft mögen diese eisigen Stürme damals zum tödlichen Verhängnis geworden sein. Alle diese Umstände waren Grund genug, sich mit einem Fest über die neu geborene Natur zu freuen. Sicherlich war die Wintersonnenwende auch wichtig, um den Zeitpunkt der Saatausbringung zu bestimmen.

etymologisch:
Der altgermanische Festname Jul bedeutet im Nordischen „Rad des Lebens“ und ist als Jahresrad im Sonnenlauf zu verstehen. Er ist ein Pluralwort, denn er bezeichnet sowohl das eigentliche Mittwinterfest als auch die folgenden Tage, die mit ihm verbunden sind. Auch das englische Yule kommt vom angelsächsischen Wort Yula, was „Kreis des Jahres“ bedeutet.

Die sprachliche Verwandtschaft zeigen auch das altnordische jòl oder jùl, das nordische hvel, das altenglische geòl, das angelsächsische hveol, das französische yule und das englische wheel. Der keltische Name Alban Arthuan bedeutet dagegen „das Licht des Arthur“ und spielt auf die keltische Artussage an.

Der Name Weihnachten ist ebenfalls heidnischen Ursprungs. Er ist genau wie das ursprünglich mittelhochdeutsche „zeihen nechten“ eigentlich ein Pluralwort, welches „Weihenächte“ bedeutet. Die Pluralform zeigt, daß das Fest sich ehemals über eine längere Zeit erstreckte, und nicht die Tage werden genannt, sondern die weihevollen Nächte, da der Name noch aus einer Zeit stammt, in der die Germanen nach Nächten rechneten. Das germanische Wort Sonarblod bedeutet Sonnenopfer.

Zeitpunkt:
Die Wintersonnenwende (Winter-Solstituum) am 21. Dezember, die den Winterbeginn markiert, ist die längste Nacht des Jahres. Die Sonne steht an ihrem niedrigsten Punkt, 23° unterhalb der Ekliptik. Sie hat den südlichen Wendekreis erreicht und kehrt nach dem Norden zurück.

Das „Mitt“ in Mittwinter bedeutet hier nicht die tatsächliche Mitte des Winters, sondern einen der beiden Wendepunkte im Jahreslauf der Sonne, die an diesem Tag den Tiefpunkt ihrer Kraft und Einwirkung hat, im Gegensatz zum Höhepunkt Mittsommer.

Jahresrad:
Die Wintersonnenwende ist die längste Nacht beziehungsweise der kürzeste Tag des Jahres. Als Wendepunkt ist nun die immer dunkler werdende Zeit überstanden, die Tage werden weder länger und das neugeborene Licht (die Sonne) kehrt allmählich zurück. Bei den Germanen endete das Jahr mit dem Julfest.

Das Julfest dauert eigentlich mehrere Tage, nämlich alle zwölf Nächte von der Wintersonnenwende bis zum Beginn des germanischen Jahres. Dieses zählt zwölf Mond-Monate (354 Tage), die durch die Zwölfnächte oder Rauhnächte, die Zeit zwischen den Jahren, mit dem Sonnenjahr harmonisiert werden.

Natur:
Von Litha (Sommersonnenwende) bis Jul schwindet das Licht langsam und jeden Tag gewinnt die Dunkelheit an Macht. Die Natur wird immer kälter und steht scheinbar starr im kalten Wind und dem Schnee des Winters. Für die Menschen damals war der Winter eine sehr harte Zeit der Herrschaft der Eisriesen über die Welt, in der man mehr als sonst ums Überleben kämpfen mußte.

Noch ist die Natur im Winterschlaf und ringsherum augenscheinlich tot und regungslos. Die Bäume sind kahl und das Wasser zu Eis erstarrt. Der Schnee bedeckt alles wie ein Leichentuch. Alles erscheint tot und leblos. Doch das Leben hat sich nur zurückgezogen, denn obwohl nun die Tage wieder länger werden, und das Licht nun wieder zunimmt, steht die kälteste Zeit im Jahr noch bevor.

Heiden:
In der dunkelsten Nacht des Jahres wird die neue Sonne (wieder-) geboren, um den Menschen dieser Welt das segenspendende Licht und die Hoffnung zurückzubringen. Die Erde (die Göttin) gebiert die Sonne (den gehörnten Gott), der sich zuvor bei Beltane (um den 30. April) selbst gezeugt hat, weil er seinen Tod zu Samhain (um den 31. Oktober) voraussah. Noch immer trägt die Göttin Schwarz, weil sie um ihren Sohn und Gatten trauert, und sie wird als alte Frau dargestellt.

Germanen:
Als naturverwachsene Menschen haben die Germanen gewußt, daß es ohne die segnende und lebensspendende Kraft der Sonne kein Wachsen, Reifen und Ernten gibt. Sie sahen den „güldenen Wagen“ am Himmel als Offenbarung des göttlichen Wirkens im All an, der den immerwährenden Kreislauf von Frühling, Sommer, Herbst und Winter hervorruft. Jenes ewige „Stirb und Werde“, das nicht nur ihren persönlichen Lebensrhythmus bestimmt hat, sondern von dem alles Leben und Wachstum abhängig ist.

In diesem Geist ist auch das Fest der Neugeburt des Lichts gefeiert worden. Sinnbildlich hat man diese neuerstehende Sonne mit einem neugeborenen Kind verglichen, das von Tag zu Tag größer und stärker wird, und als Kennzeichen den Strahlenglanz des Lichtgestirns um sich trägt. Weil dieses Bild auch gut mit dem langsamen Erwachen und Wachsen der Natur zusammenpaßt, haben die bäuerlichen Germanen das Sonnwendmysterium in der längsten und dunkelsten Nacht des Jahres gleichzeitig als Ende des alten Jahres gefeiert. Das neue Jahr begann dann nach den 12 Rauhnächten, die mit Jul verbunden waren. Für die Germanen war Jul das höchste Fest des Jahres.

Sie feierten die Wiedergeburt des Lichtes, und so wie die Sonne wiedergeboren wird, kehren auch die Götter in die Welt zurück. Zur Wintersonnenwende endet das zu Samhain (um den 31. Oktober) beginnende Ragnarök, die Götterdämmerung, in der die Götter sterben. Ragnarök ist ein Synonym für den Tod des Menschen, der alle Götter als Archetypen in sich vereinigt. Diese Zeit ist gekennzeichnet durch den Übergang der sterblichen Hülle in einen Zustand des ewigen Lichtes, der Seele und der Gedanken und Erinnerung, Attribute die dem Göttervater Odin durch seine beiden Raben Hugin (Gedanke) und Munin (Erinnerung) gegeben sind.

Im Kampf gegen die Riesen verloren im Ragnarök außer Vidar und Vali alle Götter ihr Leben. Diese rächten ihren Vater (Odin) und zeugten einen neuen Gott, der als Reinkarnation von Odin beziehungsweise Balder angesehen wird. Das Licht siegt über die Dunkelheit und neues Leben wird entstehen. Die Gewißheit des ewigen Kommens und Gehens symbolisiert zur Zeit der neuen Sonne der Lichtgott Balder mit seiner Geburt. Dadurch gibt er dem Lauf der Natur zwischen Entstehen und Vergehen neue Kraft und neue Hoffnung.

Der Mistelzweig, der Balder den Tod brachte (nur eine Mistel konnte ihn verwunden, weil man vergessen hatte, ihr zu erzählen, daß er unverwundbar ist) wird zum Heilssymbol. Mistelzweige, eine noch heute beliebte Weihnachtsdekoration, galten früher schon als Fruchtbarkeitssymbol zu Ehren der Göttin Freyja.

Der in Skandinavien übliche Julbock (zum Beispiel ein strohgeschmückter Eichen- oder Eschenholzklotz) ist ein Symbol der kommenden Fruchtbarkeit und des Schutzes durch Thor, dessen heiliges Tier er ist. Vor Jul wurde im Wald feierlich ein Baum gefällt, dessen Stamm drei oder noch öfter zwölf Nächte hindurch, also die ganze Festzeit, langsam verbrannt wurde, zu Ehren des heiligen Herdfeuers (Ingwi-Agni) des Gottes Freyr. In dieser Zeit durfte man das Feuer nicht erneuern, höchstens vom Nachbarn Glut holen, wenn es ausging. Mit dem Anzünden und Verbrennen des Blockes verbanden sich Lieder, in denen Glück und Fruchtbarkeit für das kommende Jahr verheißen wurden.

Auch mit dem glimmenden Julbock war die Vorstellung von der Erneuerung des Lebens verbunden. So durfte er in Schweden nicht gänzlich verbrannt werden, weil man glaubte, daß in ihm der Kuckuck verborgen sei, der die Fruchtbarkeit des Jahres gewährleiste, und daß bei vollständigem Verbrennen die Ernte geschädigt würde. Das letzte Stück wurde im Kornspeicher aufbewahrt. Mit ihm entzündete man zum nächsten Julfest den neuen Stamm. Der Sippenälteste hatte die Aufgabe den neuen Julblock zu entzünden und ihn zum Herd zu tragen. Mit dem Verschwinden des offenen Herdfeuers geriet der Julblock langsam in Vergessenheit. Der Julbock wurde manchmal auch im Julfeuer verbrannt.

Zur Zeit der Besiedlung Islands wurde noch der Juleber durch das Haus getrieben und symbolisch für Gullinborsti geopfert, Freyrs Reiteber mit den güldenen Borsten. Dieser Eber stellt die Fruchtbarkeit und das Sonnenlicht dar. Nach dem Eberopfer (heute evtl. ein einfaches Schweinefleischgericht) nennt man auch die Sonnenwende Sonarblod und der Juleber ist der Sonargöttr (Leiteber). Mit dessen Borsten wurde orakelt, ein Überbleibsel davon ist heute das Glücksschwein aus Marzipan, mit dem man sich alles Gute wünscht.

In Schweden und Dänemark hat der Brauch dergestalt überlebt, daß aus dem Korn der letzten Ernte im Winter ein schweineförmiges Brot gebacken wird, das ebenfalls Juleber genannt wird, die ganze Julzeit über auf dem Tisch steht und dann im Frühling von dem Pflüger und seinem Vieh gegessen wird. Er soll die Kraft des Korns wieder auf die Aussaat übertragen, ebenfalls eine Form des Wiedergeburtsmythos.

Das Orakel spiegelt sich jedoch weiterhin in den heutigen Silvesterbräuchen (zum Beispiel Bleigießen). Auf den Juleber oder den Schwurring wurden nun Schwüre abgelegt, heute die guten Vorsätze für das neue Jahr. Danach wurde als Besiegelung der Bragibecher (Bragi ist der Sänger- und Dichtergott) mit Julbier oder Met getrunken. Damals wie heute schaffen erzählte Geschichten und gemeinsames Musizieren eine Atmosphäre der Geborgenheit und der Zusammengehörigkeit.

Weil Jul das Familienfest ist, bei dem auch die Ahnen dabei sind, derer man dabei gedenkt und die in der Überlieferung als Wilde Jagd mit Odin durch die Rauhnächte reiten, gehört Jul zu den wichtigsten germanischen Festen. Zu diesem Zeitpunkt mußte alle Arbeit für dieses Jahr getan sein. Anschließend wurde 12 Nächte durchgefeiert, wobei jede Nacht für einen Monat stand.

Es war ein Fest der Einheit von Sonne und Erde, der Einheit von Mensch und Natur, ein Fest der Versöhnung der Menschen untereinander. Den wilden Tieren in Feld und Wald wurde Futter gebracht. Streitereien und Kämpfe wurden ausgesetzt – eine Verhaltensweise, die Julfrieden genannt wurde.

Der Ablauf war von der Nordseeküsten bis in den Alpenraum hinein im wesentlichen gleich. Den Kern der Feierlichkeiten bildete das Abbrennen von Sonnwendfeuern durch die Sippen- und Dorfgemeinschaften, ein Brauch, der sich mancherorts noch bis in unsere Zeit erhalten hat. Allerdings ist vielen der heutigen Teilnehmer der eigentliche Sinn dieser Handlung verlorengegangen, welcher darin bestand, daß das Feuer für die Menschen in dem rauhen nördlichen Klima damals ein wesensgleicher Abkömmling der Sonne war. Es leuchtete und wärmte wie der goldene Himmelswagen.

Darum war den Germanen das Feuer mitsamt der Herdstatt, auf der es gehütet wurde, heilig. Am Herdfeuer, sozusagen in Gegenwart der göttlichen Urkraft, ruhte jeder Streit. Das Gemeinschaftsleben spielte sich in einem großen Haus ab, ohne Trennwände, somit also eine verschworene Sippe. Das Feuer zu hüten und dauernd zu unterhalten, war ein Vorrecht und eine kultische Pflicht der Sippenältesten.

Der Sippenälteste bewachte das ganze Jahr das Herdfeuer, da es niemals ausgehen durfte. Doch zu Jul wurde es gelöscht, die alte Asche wird auf die Felder gestreut und den Tieren unter das Futter gemischt, als Schutz vor Seuchen und Krankheit. Und zur Wende wurde das neue Licht geboren und der neue Julbock entzündet. Das Abbrennen des Sonnwendfeuers war mit gemeinschaftlichen Gesang und Tanz eng verbunden.

Kelten:
Auch bei den Kelten war Jul in Form von Alban Arthuan ein Fest der Wiedergeburt, auch die der Sonne. Bei den Kelten gab es den Brauch, daß die Frauen zu Jul in riesige Gräber hineingingen und auf den ersten Sonnenstrahl warteten. Durch den Bau der Gräber konnte der Sonnenstrahl direkt ins Innere gelangen. Damit hatte symbolisch das Licht die Dunkelheit beseitigt und das Leben den Tod besiegt.

Während der Zeit der Wintersonnenwende (kelt.: Heulsaf Y Gaeaf) sammelten die Druiden am 6. Tag des Mondzyklus in den Wäldern die heilige Mistelpflanze. Die Kraft der Mistel wurde mit dem Vollmond in Verbindung gebracht, der nun nach den kurzen Wintertagen die langen kalten Nächte regiert. Bei den Kelten bestimmte der Gott Cernussos dieses Fest, zu dem Weißwein und Kuchen gereicht wurden und man sich unter dem Mistelzweig küßte. Von diesem Ritus ist heutzutage noch der Brauch übriggeblieben, sich zu Weihnachten unter einem Mistelzweig zu küssen.

Christen:
Bereits im frühen Mittelalter wurde heidnische Julfest mit allen Einzelheiten in das heutige Weihnachtsfest integriert. Die Christen haben den Gedanken der Geburt des Sonnengottes zu Jul beibehalten und haben aus diesem Fest ihr Weihnachten gemacht, den Tag, an dem ihr „Sonnengott“ Jesus Christus geboren wird.

Das ist um so beachtlicher, als die Kirche zunächst gar nicht daran dachte, die Geburt ihres Heilands zu feiern, sondern seine Taufe im Jordan, die Johannes vollzog, als seine eigentliche Geburt als Messias, als seine Berufung und Erscheinung hervorhob. Dieses Ereignis wurde schon Ende des 3. Jahrhunderts in Ägypten und Kleinasien festlich begangen, und zwar am 6. Januar. Auch in Rom feierte man die „Geburt“ Christi bis zum Jahre 353 am 6. Januar in diesem geistig übertragenen Sinn.

Noch im dritten Jahrhundert war die „Feier der Geburt Christi“ als heidnische Unsitte bekämpft worden, nachdem sie vorübergehend im März, April und November abgehalten wurde. Das Christentum besaß als späte Religionsform ursprünglich keine Feste, und bei einer ins Jenseits gerichteten Einstellung sah es auch keinen Grund, eine irdische Geburt zu feiern.

Allerdings waren bodenständige Volksanschauungen und heidnische Bräuche nicht auszurotten. Der mit dem Christentum konkurrierende Mithraskult hatte sich im Volk verbreitet, und seit dem dritten Jahrhundert feierte man in Rom nach dem alten julianischen Kalender den 25. Dezember, den der römische Kaiser Aurelianus mit seiner persönlicher Affinität zur Sonne als Geburtstag der Sonne festlegte, als „Sol invictus“ (unbesiegter Sol), der als Gegner des stiertötenden Mithras galt. Wahrscheinlich ließ er sich dabei von dem griechischen Sonnenfest der Helia und den Ägyptern inspirieren, bei denen der 24. Dezember als Wiedergeburtstag des Gottes Osiris galt. Damals rangen das Christentum und der Mithraskult noch um die Vorherrschaft bei den Römern.

So sah sich das Christentum dann doch genötigt, sich Feste zu schaffen und sich an den Mithraskult anzugleichen, wobei ihnen gemeinsame Züge beider Religionen entgegenkamen, wie die Geburtslegende, die Verehrung durch die Hirten, die Lehre von der Auferstehung des Fleisches. Als geschickte Angleichung an den Mithraskult definierten die Christen im Jahre 354 n.Z. den Geburtstag Jesu Christi auf den 25. Dezember und rissen somit diesen Festtermin an sich, indem sie die Geburt ihres Erlösers völlig willkürlich auf diesen Termin verlegten. Wie historisch belegt, wäre Jesus Christus, sofern es ihn denn gegeben hat, jedoch nicht im Winter, sondern an einem Tag im Frühling geboren worden.

Dennoch war es schwer, sich vom Mithraskult abzugrenzen, und wenige Jahre später mußte der Kirchenvater Augustinus erklären: „Wir feiern den 25. Dezember nicht wegen der Geburt der Sonne, wie die Ungläubigen, sondern wegen der Geburt dessen, der die Sonne erschaffen hat.“

Natürlich kam es den Christen noch später sehr gelegen, daß dieses Fest in die Zeit der heidnisch-germanischen Mittwinterfeste fiel, welche sie ebenfalls für sich assimilierten. Unter dem Druck der christlichen Eiferer, die sich im Gefolge Karls des Großen die Macht anmaßten, mußte jeder bei der Taufe den Glauben an die Weihenächte abschwören.

Nur drei Tage vor dem Weihnachtsfest des Jahres 1993 gab Papst Johannes Paul II. zu, daß das Fest nicht biblisch begründet ist. Was den 25. Dezember betrifft, räumte der Papst ein: „In heidnischer Vorzeit wurde an jenem Tag, dem Tag Wintersonnenwende, der Geburtstag der ‚unbesiegbaren Sonne‘ gefeiert. Den Christen erschien es logisch und naheliegend, dieses Fest durch die Feier zu Ehren der einzigen und wahren Sonne, Jesus Christus, zu ersetzen.“

Die Kirche hat den germanischen Brauch des Herdfeuers in den Brauch des „ewigen Lichts“ übernommen. Viele Lieder, die zur Sonnwende beziehungsweise Weihnachten gesungen werden, gehen auch heute noch auf uralte vorchristliche Sitten und Bräuche des Mittwinterfestes zurück. Trotz der jahrhundertelangen christlichen Durchmischung und Überprägung lassen sich somit auch noch heute sehr gut die eigentlichen Wurzeln des Brauchtums zur Wintersonnenwende erkennen. Ein neuer Tag begann bei den Germanen am Abend, und so wird auch heute noch das Weihnachtsfest mit dem „heiligen Abend“ begonnen.

historisch:
Das Julfest ist auf das skandinavische Wintersonnenwendfest zurückzuführen. Im Jahre 1643 verbot das englische Parlament Weihnachten wegen des heidnischen Hintergrundes, doch später wurde es wiedereingesetzt. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung ist der Weihnachtsbaum in Form der im Haus aufgestellten Tanne, der allgemein oft mit heidnischen Bräuchen zur Weihnachtszeit verknüpft wird, eine Erfindung des beginnenden Bürgertums im späten 18. Jahrhundert und breitete sich vom Elsaß her aus.

Brauchtum:
Versetzt man sich in frühe Zeiten zurück, so kann man sich leicht vorstellen, daß Jul aufgrund der jahreszeitlich bedingten, lebensfeindlichen Wetterverhältnisse zuhause im engsten Kreis der Familie und der Bediensteten des Hofes gefeiert wurde. Gemeinsam rückte man nahe an das wärmende Feuer und ging nach Möglichkeit während der zwölf Rauhnächte nicht in die unwirtliche Umgebung hinaus. Die Bedeutung des Festessens dürfte in einer Zeit häufiger Hungersnöte höher als im heutigen Überfluß gewesen sein. Damals wie heute erquicken in dieser dunklen Jahreszeit Kerzen Geist und Seele.

Als Wendepunkt des Jahres ist es das Fest, an dem alles Licht endet und neu beginnt. Daher werden bei der Julfeier als Symbol der Wiedergeburt der Sonne alle Feuer und Lichter gelöscht und neu entzündet. Licht und Wärme, die nun kommen werden, feiert man durch ein Feuer oder durch viel Kerzenlicht. Das Feuer des Julfestes, ist als Ausdruck der Sonne, der zentrale Punkt und zeigt die kosmische Entstehung auf. Haus und Hof wurden mit Räucherwerk gereinigt und mit immergrünen Zweigen, Misteln, roten Beeren der Stechpalme und vielleicht mit einem Lichterbaum dekoriert.

In der alten Tradition wurden ein Strohrad angefertigt und kleine Schiffchen gebastelt, auf denen Kerzen befestigt wurden. In der Nacht der Wintersonnenwende versammelte sich das ganze Dorf an einem Feuer, zündete das Strohrad an und rollte es den Berg herunter, damit alle Welt sehen konnte, daß sie die Dunkelheit überstanden haben und das Licht gesiegt hat. Anschließend wurden die Kerzenschiffchen angezündet und im Bach ausgesetzt als Gruß an alle anderen Lebewesen, denen diese Schiffchen auf ihrem Weg begegneten.

Man glaubte, daß alle Pflanzen und auch die Bäume eine Seele haben, die nun in der dunklen Zeit besonders tief schlief. Um ihnen nun auch mitzuteilen, daß das Licht neu geboren wurde, ging man hinaus und klopfte ganz sanft an die Stämme der Bäume, befreite sie von Eis und Schnee und brachte ihnen Segenssprüche, um den Schutz gegen das rauhe Wetter zu verstärken. Dann wurden kleine Säckchen mit Gebäck, Salz und Brot an die Bäume gehängt, um die Baumgeister zu erfreuen, ihnen die Verbundenheit zu bekunden und gleichzeitig um eine gute Ernte im nächsten Jahr zu bitten.

Ebenfalls wurde ein Julbaum mit Sternen, aus dem Stroh der letzten Ernte gefertigt, geschmückt, als Erinnerung an die Unsterblichkeit der Natur und als Bitte für eine gute Feldernte im nächsten Jahr. Dies geschah allerdings draußen, der Baum wurde nicht etwa gefällt und ins Haus geschleppt. Immergrüne Pflanzen wie die Nadelbäume, die Mistel oder der die Stechpalme wurden in der dunklen Jahreszeit zum Hoffnungsträger als Zeichen, daß nicht alles in der Natur stirbt, sondern daß es Pflanzen gab, die stark genug waren, ihre Farbenpracht auch über die dunkle Zeit hinaus zu tragen.

Lichterbäume, Efeu, Kiefernzweige und Stechpalmen versinnbildlichen mit ihrem Grün, das wiederkehrende Leben mit jedem neuen Zyklus. Das Grün in den Häusern erinnert an das Überleben der Natur unter der Schneedecke des Winters. Es symbolisiert den Keim des neuen Anfangs. Wenn man unter einem Mistelzweig stand, durfte man sich küssen. Es galt der Glaube, daß ein Mann, der eine Frau unter einem Mistelzweig küßt, diese Frau im nächsten Frühjahr zu seiner Braut machen würde.

Inmitten der kahlen Jahreszeit hoffte man mit all dem Grün, daß der Frühling bald wieder Einkehr hält. Nun wußte man, daß die kalte, nahrungsarme Zeit bald zu Ende gehen würde, und in Vorfreude auf die Fülle des Sommers holte man das Beste der gelagerten Vorräte aus dem Schrank. Rundtänze wurden aufgeführt, Lieder gesungen und Geschichten erzählt. Es war eine Zeit der Geschenke, der Feierlichkeiten und der Freude. Die Sonne war zurückgekehrt, das Leben konnte weitergehen.

Der Bezug zu den Ahnen macht Jul zum bedeutendsten Familienfest, das mit einem Festmahl gefeiert wird, bei dem auch die Ahnen symbolisch mit am Tisch sitzen. Dies verdeutlicht man am besten durch den nordischen Brauch des jóladrekka (Jultrinkgelage) mit Trinksprüchen auf die Ahnen. Traditionell gehört dazu das jólaöl (Julbier) ursprünglich Ale, im vom Lagerbier beherrschten Mitteleuropa meist Bockbier, oder Met.

Statt eines Julfeuers oder Julbocks wurden ab dem späten 18. Jahrhundert die Kerzen des Julbaumes entzündet, der dann tatsächlich im Haus aufgestellt wurde. Das Fällen und Schmücken des Weihnachtsbaumes leitet sich noch vom Julbock ab. Als moderner Heide kann man sich dieses Brauchtum aneignen und den Baum mit roten Kugeln oder Äpfeln als Sinnbild für das Leben und mit goldenen Kugeln als Sinnbild für das neugeborene Licht schmücken. Ein Stern in der Spitze des Baumes erinnert an die Sonne, die Kerzen an die Bedeutung des Lichtes für die Natur. Schöner ist es natürlich, kein Baumleben zu opfern und statt dessen, so wie ganz früher, einen lebenden Baum draußen zu schmücken.

Der Lichterbaum ist der immergrüne Weltbaum Yggdrassil, der nun erstrahlt. Er ist die harmonische Vereinigung von lebendigem Grün und Licht, die Verbindung des Grüns der Vegetation mit dem hellen Glanz des Sonnenlichts. Der Baum ragt zum Himmel, nach oben, zum Licht, zur Sonne. Seine Wurzeln sind im Erdreich, in der Tiefe, im Finstern verankert. Beides gehört wesentlich zum Baum dazu. Das sinnlich Wahrnehmbare des Baumes ist nur ein Teil, die Wurzeln müssen verborgen sein, soll der Baum nicht verdorren. Diese ökologischen Zusammenhänge schwingen in der Sitte des Julbaumes mit. Der Julbaum ist durch bronzezeitliche Felszeichnungen von Tannen oder Fichten bei Sonnenfesten belegt.

Der Weihnachtsbaum ist selbst heute in seiner geläufigen Gestalt nicht überall üblich. Im Mölltal (Kärnten) steht der Baum nicht in der Stube, aber zu beiden Seiten des Haustores steht ein Fichtenbaum, dessen bändergeschmückter Wipfel bis über den First reicht. Sehr oft stellt der Kärntner Bauer ein einfaches, ungeschmücktes Fichtenbäumchen in die Ecke des Gehöftes oder zwischen Wohnhaus und Stall, vielfach auch auf den Brunnen oder auf den Düngerhaufen, dem der Baum nach der Volksanschauung besondere Kraft verleiht.

An der gleichen Stelle stand der Baum einst auch im skandinavischen Norden, denn dort errichtete man zu Weihnachten die „Julrönn“. Ein Ebereschenzweig wurde mit seinen gabeligen Enden zusammengebunden und in diesem Kreisrund geschmückt. Wie in Kärnten die „Weihnachtsachsen“ zu beiden Seiten des Tores stehen, so bringt der schwedische Bauer links und rechts vom Gartentor auf einer hohen Stange Tannenwipfel an, auf die Garben für die Vögel gebunden werden. Die einstige schwedische Sitte, zwei Tannenbäume vor dem Hauseingang zu kreuzen, ist schon durch skandinavische Runenkalender bezeugt, die damit den Beginn der Weihnachtszeit anzeigen.

Aber auch die Kärntner Sitte, den Brunnen in den Rauhnächten mit einem Baum zu schmücken, kehrt in anderen Landschaften wieder. Im Elsaß richten die Mädchen am Neujahrstag am Brunnen eine Tanne auf und schmücken sie mit Eiern und Bändern. Am Abend wird der Schnee weggekehrt, und die Jugend tanzt unter Gesang um den Baum. Auch hier wird also das Sinnbild des neuen Lebens mit einem besonderen Tanze umkreist. Ebenso tanzt man im Mai und zur Sonnwende um den geschmückten Brunnen, der manches Mal auch mit Lichtern geziert wird.

Im Gegensatz zu den anderen Festen des Jahres, wo Festbaum und Blüten im Freien stehen, bringt man sie zu Weihnachten meistens in die Stube. In Schweden wurde früher einfach eine Eberesche ohne jeglichen Schmuck ins Haus gestellt. In Thüringen brachte man schon am 30. November Zweige dieses Baumes in die Stube, die dann am Weihnachtsabend geschmückt wurden. Von den Laubbäumen wurde die Eberesche wohl wegen der roten Früchte zum winterlichen Festbaum. Meist wählt man dafür immergrüne Bäume und Sträucher, so in Salzburg Eiben- und Wacholderzweige für die Perchtelboschen (Perchtenbüschel).

An die Stelle des immergrünen Zweiges, der häufig mit Früchten geschmückt wird, tritt oft der blühende Zweig. Zweige eines Obstbaumes werden gepflückt und bis Weihnachten in Wasser oder feuchten Sand gestellt. Am häufigsten wählt man Kirschen- und Weichselzweige, zuweilen aber auch Linde und Flieder, die dann geschmückt werden.

Bis ins neunzehnte Jahrhundert war es üblich, selbst einen großen Baum ins Zimmer zu pflanzen, damit er zu Weihnachten grüne und blühe. In die Zweige wurden überdies Kerzen gesteckt. Zu diesen vielfältigen Formen gesellen sich noch künstliche Bäume aus Zweigen, Stämmen und Früchten, aufgebaut wie das ostfriesische Weihnachtsgestell, die Weihnachtspyramide und der Klausenbaum.

spirituell:
Man feiert Jul als freudiges, aber besinnliches Fest. Wie Weihnachten auch ist Jul unter anderem ein Fest der Versöhnung, des Friedens und der Freude. Jul ist ein guter Zeitpunkt, um planerisch in die Zukunft zu schauen. Manchmal versucht man auch vorauszusagen, was der Frühling bringen wird, und es werden Traditionen aufrechterhalten.

Es ist ratsam, sich der kommerziellen Hektik des Weihnachtsfestes zu entziehen und nach den Wurzeln der alten Bräuche zu suchen. Was einem davon gefällt, kann man in seine Variante des Festes einflechten. Man sollte sich über seine Wünsche, Hoffnungen und Sehnsüchte für das neue Jahr klar werden. Es ist natürlich auch nichts gegen Geschenke einzuwenden – solange diese einen Sinn und Nutzen haben.

magisch:
In Ritualen ehrt man die Erde beziehungsweise Natur als Mutter und heißt ihren neugeborenen Sohn, die Sonne, willkommen. Es ist eine gute Zeit, um das Haus durch ein reinigendes Räucherungsritual von allen negativen Einflüssen zu befreien. Traditionell werden alle Lichter gelöscht, damit man die Dunkelheit noch einmal richtig spürt, und dann feierlich neu entzündet.

Wer mag (und genügend geschickt ist), kann das Feuer auch kultisch entzünden, indem er einen Hartholzstab (Eiche) im Loch eines Weichholzscheites (Ulme) schnell dreht. Dazu kann man einen Bogen zu Hilfe nehmen. Der Stab steht dabei für das männlich-aktiv-phallische, die Öffnung für das weiblich-passiv-empfangende Prinzip, welches den Zeugungsakt versinnbildlicht, aus dem das Licht wiedergeboren wird. Die entstehende Glut wird mit Zunder und vorsichtigem Anblasen zum Entzünden gebracht. Hiermit wird das eigentliche Feuer, das sogenannte Notfeuer, in Brand gesetzt. Die Flammen werden mit Jubel begrüßt und damit ist die Kraft der Sonne auf die Erde geholt. Von diesem Feuer zündet man Kerzen, Fackeln etc. an, die man mit nach Hause nimmt und damit dort symbolisch das Herdfeuer anzündet.

Ein weiteres schönes Jul-Ritual besteht darin, sich am Morgen des 22. Dezembers zum Zeitpunkt des Aufgangs der neu geborenen Sonne Kraft für ein neues Projekt zu wünschen, das im Laufe des Jahres mit der zunehmenden Sonnenkraft wachsen soll. Thema Mythologie und Sagenhaftes aus dem hohen Norden Die Mythologie (von altgr. μυθολογια mythologia; zusammengesetzt aus μυθοι mythoi „Geschichten“ und λέγειν legein „erzählen“) bezeichnet die Lehre der gesamten Mythen eines Volkes und behandelt als ihren eigentlichen Gegenstand die aus der vorgeschichtlichen, d. h. vorliterarischen Zeit überlieferten Erzählungen, in … Weiterlesen

Mit heidnischen Grüssen