Germanenherz

Germanenherz_Toto_Haas
Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt, verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit, seine Kultur und sich selbst. Wir sind und werden gezwungen, unseren eigenen speziellen Charakter und unseren Lebensstil zu verbergen und zu Verachten, um nicht als Nazi oder Antisemit verspottet und ausgegrenzt zu werden. Kein größerer Schaden kann einer Nation zugefügt werden, als wenn man ihr den Nationalcharakter, die Eigenheiten ihres Geistes und ihre Sprache nimmt. Wenn eine fremde Macht ein Volk ermahnt, die eigene Nationalität zu vergessen, so ist das kein Ausfluss von Internationalismus, sondern dient nur dem Zweck, die jüdische Fremdherrschaft zu verewigen.

Wir Deutschen haben uns für unsere Vergangenheit und unsere Ahnen nicht zu schämen, ganz im Gegenteil, wir müssen sie unbedingt neu entdecken. Es ist unsere Pflicht uns mit der Germanistik auseinanderzusetzen. Wir Deutschen haben eine wahre Kultur. Wir Deutschen gehören zu dem Ursprung einer westlich zivilisierten und autarken Welt ohne das wir eine kulturelle Identität künstlich erzeugen müssen indem wir andere Kulturen vernichten! Wir sind mehr als das was uns seit Dekaden eingeredet wird, wir haben eine Geschichte die es wert ist sich zu entwickeln, denn unsere Vorfahren haben ihr Leben gegeben damit wir heute in Freiheit leben sollten.
In  Wahrheit baute  die germanische Weltanschauung auf die Gleichstellung von Menschen und dem Respekt gegenüber der Natur.  Gewalt, Naturzerstörung, egoistischer Intellekt waren verpönt, der Sinn für das Gemeinwohl (Natur inkl. Mensch) war vordergründig. Nichts wurde getan, ohne die Ahnen und die beseelte Natur zu fragen. Das alte Wissen war allen zugänglich und wurde nicht von elitären Herrenmenschen für ihre eigenen Zwecke missbraucht und der Masse vorenthalten worden!

Das alles ist ein wesentlicher Teil der deutschen Historie, welche jedoch immer mehr in das Vergessen gedrängt wird. Wir sind inmitten eines kulturellen Bewusstseins der Selbstaufgabe und des ewigen Schuldkult, ohne sich auf das zu besinnen was wir sind und andere Völker als selbstverständlich erachten. Den Deutschen hat man die Geschichte abtrainiert. Bei den einen reicht das Gedächtnis nur bis zur letzten Fußball-WM, bei den anderen nur auf 1933.1945. Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern will, wird dazu genötigt, sie im weniger Positiven bzw. die negativen Eigenschaften zu wiederholen.

Wer sich aber mit den alten germanischen Mythen auseinandersetzt, wird schnell merken, dass uns die Judeachristen unsere fundamentalen Lebensgrundlagen und Lebensweisheiten gestohlen haben!. Die drei großen patriarchalen Religionen (Christentum, Islam, Judaismus) sind für rasendes Massenmorden, rücksichtslose Industrialisierung, Sklavenarbeit, Ungerechtigkeit, Plünderung der natürlichen Ressourcen verantwortlich! Sie haben uns den Zugang zu unseren Seelen geklaut, uns von ihren (Schulen, Banken, Medien) abhängig gemacht!
***Es ist an der Zeit, dass Odin zurückkommt***
.odin geist
Allvaters Anrufung
Der Du einst im Waldesrauschen
Deinem Volke Dich genaht,
Dass sein Herz in brunst’gem Lauschen
Sich entzündete zur Tat,

Der Du standest an Deutschlands Seite
Immerdar und allerorts,
Kraftverleiher warst im Streite,
Spender tiefen Weisheitsworts,

Wir, von Deinem Blut geboren,
Gott der Deutschen, nahen Dir,
Wir, in fremdem Volk verloren,
Dich, Allvater, rufen wir.

Hast es manches Mal gesehen,
Jenes Schauspiel voller Gram:
Sahst aus Deutschland Deutsche gehen,
Deren keiner wiederkam,

Die in Angst vor fremden Spöttern
Sich des Vaterlands geschämt,
Opfer brachten fremden Göttern,
Sich mit fremdem Putz verbrämt;

Hör’ uns rufen, hör’ uns schwören:
Wir sind treu, und wir sind Dein,
Unser Land soll uns gehören,
Uns’res Landes woll’n wir sein!

Sieh’, der Fremdling will’s verhindern,
Altes Recht, er schreibt es neu —
Vater, bleibe Deinen Kindern,
Gott der Deutschen, bleib’ uns treu!

Schüttle Deine heil’gen Locken,
Necke die allmächt’ge Hand,
Dass der Eindringling erschrocken
Weiche aus dem deutschen Land;

Dass er zagen lerne, zittern
Vor urew’ger Majestät,
Wenn in heil’gen Ungewittern
Deutsche Gottheit aufersteht;

Dass das Herz uns mutig werde,
Stark in neuer Zuversicht:
Vatergott und Vatererde
Raubt uns Macht der Menschen nicht!


Viking_Toto_Germanenherz
Vom Hohen Norden wird er kommen mit seinen Streitwagen, und seine Macht wird unbezwingbar sein. Eine Schar Aufrechter wird um Ihn sein, ihnen wird er das Licht geben, und sie werden der Welt leuchten, Und die Stunde des Lichtes wird heimkehren über die Erdenwelt.
Geduld ist das Vertrauen, dass alles kommt, wenn die Zeit dafür reif ist. Man sei sich der Gegenkräfte gewahr und schließe nicht die Augen vor ihnen. Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen. Zum Leben gehört auch der Mut zum Konflikt. Hindernisse sind dazu da, furchtlos, aber umsichtig überwunden zu werden. Man vertraue seinem Willen und seinem innerem Impuls. Man diene mit diesen Kräften der Schöpfung. Man tue, was zu tun ist. WENN DIE ZEIT REIF IST
toto_haas_lichtbringer*** Die Zeit ist nun reif ***
*** Mein Volk Erwache ***
Nur der Wache (Sehende) erkennt schnell die Lüge! Was keiner wagt, das sollt ihr wagen. Was keiner sagt, das sagt heraus. Was keiner denkt, das wagt zu denken. Was keiner anfängt, das führt aus. Wenn keiner ja sagt, sollt ihr’s sagen, wenn keiner nein sagt, sagt doch nein. Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben. Wenn alle mittun, steht allein. Wo alle loben, habt Bedenken, Wo alle spotten, spottet nicht. Wo alle geizen, wagt zu schenken. Wo alles dunkel ist, macht Licht. 

Wodan Ruprecht (Hruodpercht) Wodanstag

Ruprecht Wodanstag

Die deutsche Weihnacht ist eine Verschmelzung des christlichen Jesusglaubens mit der germanischen Tradition (Nordlands Art!), da durch die Zwangs-Christianisierung Germaniens das Julfest abgelöst werden sollte. Die Jul-Tradition war derart tief in der völkischen Kultur der Germanen verwurzelt, daß die römische Kirche, wie auch beim Ostara-Fest, eine zuerst beabsichtige Auslöschung verwarf und daraufhin die Julzeit umdeutete und anpaßte. So wurde aus dem germanischen Julfest das christliche Weihnachtsfest

(Dezember= Julmond – Sonarblot)
6ter.Jul Wodanstag
Mit dem 6ten Jul (Dezember) beginnt die eigentliche Vorbereitungszeit auf das Julfest.
Wodan zieht durch die Orte und bringt den Kindern Geschenke, um die Wartezeit auf das Wiederkommen des Lichtes zu vertreiben. Jedoch bekommen nur die Kinder Geschenke die alte Äpfel für sein Pferd vor die Tür stellen.
Sicher finden einige das Unvorstellbar, dass Wodan der in der wilden Jagt, die Armee aus Toten anführt, plötzlich Kinder beschenkt. Aber man sollte daran denken, dass Wotan zwei Seiten hat, die eine wütende brausende des Totengottes. Aber er ist auch Gott der Dichtkunst und der Herr über die Runen. Er schenkte denn Menschen ja auch die Runen und dass er nun einmal im Jahr die Kinder beschenkt, soll daran erinnern wie er einst denn Menschen die Rune schenkte.
Wenn ein Kind geboren wird, so soll es zu seiner Namensgebung einen Julteller erhalten. Das soll ein alter Zinnteller, ein Holzteller oder ein irgend ein Teller mit Lebensbaum und Umschrift sein. Jedes Mitglied der Familie stellt diesen Julteller als Gabenteller am Wodanstage, vor den Kamin. Außerdem sollte man, wie schon erwähnt, für Sleipnir alte Äpfel vor die Tür legen.

Die Kirche setzte, da sie die jährliche Einkehr des Göttervaters mit dem weißen Barte, mit dem Einauge und dem Pelzmantel nicht hindern konnte, bald einen ihrer Heiligen, nämlich den Nikolaus an seine Stelle.

Aber in vielen Gegenden Deutschlands ist er doch der Schimmelreiter oder der Ruprecht (Hruodpercht) = der von Ruhm Strahlende, Beiname Wodans) geblieben.

Hier noch einige Argumente dafür, dass das Nikolausfest schon vor dem Christlichen Fest, als Wodansfest gefeiert wurde
Viele Symbole von Nikolaus und Wodan gleichen sich:
– Das weiße Roß
– Der Mantel
– Der lange Bart
– der Stab (Odin hält einen Speer)
– das Reiten durch die Luft
– die Geschenke, die durch den Schornstein kommen (Wodan bringt Wärme und Licht ins Haus)
– Das Buch der Weisheit (Wodan gilt als allwissend)
– die Nüsse. Diese gelten als eine Frucht Wotans.

Wodan

Als unbestritten höchster Gott der Germanen galt lange Zeit Wodan, und noch heute ist die landläufige Meinung, daß er von Anfang an die führende Stelle unter den deutschen Göttern eingenommen habe. Wenn aber der sächsische Täufling um 790 dem Thunaer, Wöden und Saxnöte abschwören muß, wenn es mit derselben Reihenfolge in einem Gedichte des Paulus Diaconus heißt, „Thonar und Waten werden nicht helfen“, so stimmt die Stelle, die Wodan hier einnimmt, gewiß nicht zu der Bedeutung, die Tacitus ihm zuschreibt „von den Göttern verehren sie am meisten den Wodau“ (Germ. 9). Zwar hat sich Wodan in der Tat zum Hauptgott aufgeschwungen, aber erst nachdem er den alten Himmelsgott Tius von seinem Throne verdrängt hatte. Der düstere, finstere Gott, dem der Mensch scheu aus dem Wege geht, wenn er mit tief in die Stirn gedrücktem Hut im nächtlichen Sturme hoch zu Roß dahinjagt, der Grimme, in dessen Gefolge die Seelen der Toten fahren, der erbarmungslos holden Frauen nach jagt und sie quer über den Sattel seines Rosses bindet, ist so grundverschieden von dem erhabenen Götterkönige, der gleich Helios im leuchtenden Himmelssaale sitzt und mit Frea die Geschicke der Menschen lenkt, daß nur besondere Umstände diese Gegensätze erklären können. Es darf angenommen werden, daß im allgemeinen die Volksüberlieferung das ältere, -dunklere Bild bewahrt hat. Eine Entwickelung vom natürlichen zum geistigen Wesen Gottes liegt gewissermaßen bereits in seinem Namen. Wodan, hd. Wuotan, as. Wodan, bei den Langobarden durch Vortritt eines G Gwödan, ags. Vöden, an. Odinn, Ot>enn, ndrd. Waud, Wod, bayer. Wütan gehört zur idg. Wurzel vä „wehen“ und ist durch zwei Suffixe gebildet; germ. *votha, = rasend, besessen, wütend ist verwandt mit lat. vates, skr. vätas (geistig erregt) und bezeichnet nicht nur die stürmische Bewegung der Luft, sondern weist bereits auf das innerliche, geistige Wesen hin (ags. vöd = Ruf, Schall, Rede, Gedicht, an. ö^r = Geist, Sang, Gedicht). Wodan ist die Fortbildung vermittelst des SuffLxes-ano, urgerm. *Wdtanaz, altgerm. *Wödanaz, und auch diese StammerWeiterung ist bezeichnend für die veränderte Stellung, die der „Wüter“ oder „Stürmer“ im Laufe der Zeiten errang. Noch im 11. Jhd. wird der Name des Gottes als Wut übersetzt (Wodan id est Juror, Adam. Brem.).

Anders steht der Nomade, anders der Ackerbauer den Himmelserscheinungen gegenüber. Dem Hirten ist die glühende Sonnenhitze Feind und Widersacher, der nächtliche Himmel Freund und Beschützer. Der Hirte freut sich, wenn die sengende Sonne unterliegt, der Ackerbauer begrüßt jubelnd die erwärmenden Strahlen, die das Wachstum des Feldes fördern, und läßt sie gern über den finstern, nächtlichen Himmel triumphieren. Der Hirt berechnet die Zeit nach Nächten, der Ackerbauer macht die Sonne zum Maßstabe seiner Zeiteinteilung. Die Nachtseite Wodans hat der Volksglaube mit erstaunlicher Zähigkeit bis in die Gegenwart bewahrt.

Über ganz Deutschland ist die Vorstellung des Nachtjägers verbreitet, der mit dem wütenden Heer (Wodans oder Wuotaus Heer), der wilden Fahre (der wilden Schar), durch die nächtlichen Lüfte stürmt und eine Frau oder Tiere, wie Eber und Hirsch,, verfolgt oder tötet. Er ist auch der Führer der abgeschiedenen, in den Lüften umherziehenden Seelen, der Totengott, der bei Windstille in seinem unterirdischen Reiche, dem Innern der Berge, haust. Aber der grimme Gott der Nacht, des Todes und der Unterwelt beschützt das Gedeihen der Pflanzen, der Ernte und der Herden. Der Wind führt den ersehnten Regen herbei und reinigt die Luft, Krankheiten verscheuchend, darum ist Wodan heil- und zauberkundig. Er ist selbst ein unermüdlicher Wanderer, wie ihn zwei Inschriften bezeichnen (Mercurius viator), und der göttliche Geleiter der Wanderer und Reisenden, der Schirmherr des Verkehres, der Verleiher des Glückes und Reichtums, mächtig geheimer Weisheit und kundig der Dichtkunst. Diese Züge Wodans sind vielleicht altgermanisch. Seine Fortbildung zum Sieges-, Kultur- und Himmelsgotte geht von den Istwäonen aus, die unter dem Zeichen des nächtlichen Sturmgottes siegreich bis an den Rhein vorgedrungen waren und zuerst mit der keltischen Kultur in Berührung kamen.

Als das älteste Zeugnis für die nächtliche Seite Wodans darf vielleicht Tacitus gelten (Germ. 43): „Die Harii steigern die innewohnende Wildheit noch durch Kunst und klug berechnete Wahl der Angriffszeit; schwarz sind die Schilde und bemalt die Leiber, für die Schlachten wählen sic dunkle Nächte, und schon durch die schaudererregende und schattenhafte Erscheinung des Totenheeres flößen sie Schrecken ein, so daß kein Feind den schauerlichen und gleichsam höllischen Anblick aushält“ Diese Ilarier haben niemals als Volksstamm existiert, dessen Wohnsitze an der oberen Oder gelegen seien, es ist unmöglich, daß ihre Feinde sich mit ihnen nur auf nächtliche Kämpfe eingelassen haben sollen; mochten ihre geschwärzten Schilde und Leiber das erstemal Entsetzen einflössen, das nächste Mal werden sie ihre grausige Wirkung verfehlt haben. Der Kern der Schilderung bleibt unangefochten der, daß es im germanischen Glauben eine Vorstellung von gespenstischen Kriegern gab, die des Nachts aus der Unterwelt heraufstiegen und Grauen und Entsetzen verbreiteten. Der germanische Berichterstatter, von dem den Römern die Schilderung der Harier zukam* hatte treuherzig erzählt, daß hinter den hohen Gipfeln und tiefen Wäldern des suebischen Bergrückens sich die Wege zum Geisterreiche öffneten, wo die Ellusii ihr Unwesen trieben (S. 145), woher die Gespensterheere emporstiegen, die Harii. Und wenn der Gewährsmann diese Ellusii, Etiones (S. 157), Harii als gleich wirkliche Wesen ansah und ihren Wohnsitz als gleich wirkliche Gegenden schilderte, wie die Stämme und Landstriche vor der Bergscheide, so faßte der römische Forscher diese mythischen Völker als wirkliche Germanenstämme auf und machte ihren höllischen Anblick zu einer Art Tättowierung und ihr nächtliches Auftreten zu einer Kriegslist. Germ. *Harjaz, hari ist das Heer, die nächliche Gespensterschar, die des Nachts ihren Umzug durch die Lüfte hält, das Wutensheer, Heer des Gottes Wuotan, entstellt zu „wütendes Heer“, schwäbisch „s Muotes her“ (alem. m = w). Im# Münchener Nachtsegen stehen Wütan und Wütanes her nebeneinander, und die Begleiter, mit denen er erscheint, kennzeichnen ihn deutlich als nächtlichen Stürmer.

Die finstere Seite des Gottes bezeichnen in Norddeutschland die Namen Helljäger, Nachtjäger, der wilde Jäger, in Süddeutschland ist der wilde Jäger Führer der wilden Jagd. In Mecklenburg wie im Algäu braust der Schimmelreiter unter wildem Toben durch die Luft, daß die Bäume unruhig werden, wie wenn der stärkste Sturmwind ginge, und man glaubt ihn über das Dach der Hütte dahindonnern zu hören. In einem Felsen sieht man ihn mit seinem Pferde verschwinden, denn aus den Bergen bricht der Wind hervor, in die Berge kehrt er zurück. Der Jägerhansl im Algäu hat einen großen breit-krämpigen Hut auf, der ihm bis zu den Achseln herabhängt, und reitet gewöhnlich auf einem Schimmel. Wenn er der Jagd obliegt, so rauscht und tobt es, wie wenn der stärkste Sturm wüte, und man hört weithin mit gellender, wilder Stimme rufen: hio! hol hio! ho! In den Tannen beginnt ein fürchterliches Krachen und Prasseln, als wollte der Sturm alles niederreißen, wenn auch sonst kein Lüftchen weht. Wildes Hundegebell und die Lockrufe des wilden Jägers lassen sich näher und näher vernehmen, zuletzt beginnt es zu wetterleuchten, zu blitzen und zu donnern. — Die Jagd war von altersher die Lieblingbeschäftigung des kriegerischen Germanen, und das wilde, lärmende Treiben des irdischen Jagdzuges wurde auf den himmlischen übertragen. Darum begleiten den Gott die leichengierigen Totenvögel, die Raben, und kläffend stürzen große und kleine Hunde hinter dem Wode her. Im klaren Lichte des Mondscheines waren Holzdiebe in den Wald geschlichen. Da erhob sich plötzlich ein fürchterliches Getöse, der Mond verfinsterte sich, der Wind fing an zu rauschen und immer mächtiger zu schwellen, die Zäune sanken krachend zusammen, die Bäume brachen. Aus der Luft stürzte auf seinem weißen Rosse, von vielen Hunden umgeben, der Wode und rief: „Was sucht ihr hier? die Nacht ist mein und der Tag ist euer!“ Ein aargauisches Kätsel setzt den Gott getadezu mit dem nächtlichen Himmel gleich:

Der Muot mit dem Breithut

Hat mehr Gäste als der Wald Tannenäste (Auflösung: Sternenhimmel).

Noch heute singt man in Ottenhöfen (Achem, Baden) vom Winde:

Der Wind isch e altes Männle Und het e schlappigs Hüetle uf.

Ein im 16. Jhd. erwähntes giftiges Kraut heißt Woden dungel, Wuotanes zunkal, as. Wödanes, Wodansstem; Wodesteme als Pflanzenname findet sich auch sonst. In der Altmark wie in Hannover sprengt der Helljäger über das Hellhaus hinweg, oder jagt im Hellgrunde. Im Oberharz, im Göttingischen, Braunschweigischen und in Westfalen jagt Hackeiberend, Hackelberg mit seinen Hunden: es ist der Mantelträger, ein Beiname des nächtlichen Sturmgottes (got. hakuls, ahd. hachul = Mantel, die Hekla auf Island heißt jiach ihrer Schneedecke „Mantel“). In Norddeutschland und in Schwaben jagt der Weltjäger in der ganzen Welt herum. Scheint doch der Wind immer unterwegs zu sein, und wie der Mensch sich beim Unwetter in den Mantel hüllt und den Hut ins Gesicht drückt, so legte der Glaube dem rastlos zu Fuße wandernden oder auf dem Donner- und Wolkenrosse dahinjagenden Gotte Mantel und Hut bei. Germanische Söldner weihten in Gallia Narbonensis dem nächtlich wandernden Sturmgotte Wodan zwei Inschriften und nannten ihn Mercurins veator und viator. Selbst den Namen Wodan hat man zu ahd. wadalön = umherschweifen, wallen gestellt und als den „Wanderer“ gedeutet. Bei heftigem nächtlichen Sturme sagt man in Pommern, Mecklenburg und Holstein „der Wode jagt“, im Osnabrückischen „der Wodejäger“, im oldenburgischen Saterland ,’der Wöinjäger zieht um“. Der Zug bewegt sich zwischen Himmel und Erde, bald über die Erde allein. Nur wer mitten im Wege bleibt, dem tut er nichts; darum ruft Wod dem Begegnenden zu: „midden in den Weg!“ Wie der Weg fest bestimmt ist, den Wodans Jagd einschlägt, so fallen auch die Umzüge in bestimmte Zeiten, meist in den Anfang und Schluß des Winters, in Schwaben in den Herbst und Frühling oder zu Weihnachten, in Schwerin hält der wilde Jäger. Wod seinen Einzug im Herbste, seinen Umzug in den Zwölften, seinen Auszug zur Frühlingszeit, namentlich in der Mainacht.

Nicht nur auf schwarzem, öfters auch auf weißem Wolkenrosse stürmt Wodan an der Spitze der wilden Jagd durch die Luft, oft dröhnt durch das Geheul der Hunde das Rollen des nach fahrenden Wagens. Wie der Wind die nächtlichen Wolken jagt, so scheucht er die schwarzen Gewitterwolken vor sich her, und das dumpfe Grollen des Donners erklingt wie das Dröhnen eines dahinrollenden Wagens. Die Sagen von Wodan, Frau Holle und Berchta berühren sich hier aufs engste: im tobenden Gewittersturme wird der zerbrochene Wagen verkeilt, und die goldgelben Blitze sind die herabfallenden Späne. Der Wind- und Wolkengott tritt in Verbindung mit dem Gewitter.

In der Nacht umkreist das Gespann des Himmelsgottes, der Irminswagen, den Pol, nach seinem Stande bestimmte man die nächtliche Stunde, sein Weg, die Milchstraße, hieß gleichfalls nach dem obersten Gotte die Iringsstraße (S. 214). Aber in Oldenburg und in Westfalen fährt der Woinsjäger um das Siebengestirn; noch im 15. Jhd. heißt das Siebengestirn im Niederländischen Woenswaghen, und im Harz ist das Sternbild des Wagens Hackelbergs Gespann.

Zahlreiche Sagen berichten, daß der Gott bei seinem Umzuge den Leuten eine Pferde-, Reh- oder Rinderkeule herabgeworfen habe, die ihn anriefen. Wer spottend und höhnend in das Hallo der wilden Jagd einstimmt, dem schreit der Wode aus den Wolken zu:

Hast du helfen jagen,

Sollst du auch helfen tragen (knagen),

und aus der Höhe stürzt ein Roßschenkel herab, der dem Spottenden am Rücken . klebt, durch seinen Geruch eine ab-

scheuliche Last wird und zauberhaft an ihm bleibt, daß er sie nicht los werden kann. Geschieht aber der Huf aus einfältigem Herzen, oder hat sich der Mensch dem Gotte willfährig erwiesen, dann verwandelt sich die Keule, oder was er sonst wirft, in funkelndes Gold.

Großartig und altertümlich klingt folgende Sage aus Mecklenburg. So gewaltig und furchtbar die Erscheinung des Gottes ist, seinem Verkehrer erweist er sich hilfreich, und wenn er einen Ebenbürtigen findet, einen Menschen, der seinem Wesen verwandt ist, kraftvoll und klug, so» belohnt er ihn freigebig:

Ein Bauer kam in der Nacht von der Stadt; sein Weg führte ihn durch einen Wald, da hörte er die wilde Jagd und das Getümmel der Hunde und den Zuruf des Jägers in hoher Luft. „Midden in den Weg! Midden in den Weg!“ ruft eine Stimme, allein erachtet ihrer nicht. Plötzlich stürzt aus den Wolken, nahe vor ihm hin, ein langer Mann auf einem Schimmel. „Hast Kräfte?“ spricht er, „wir wollen uns beide versuchen, hier die Kette, fasse sie an, wer kann am stärksten ziehen?“ Der Bauer faßte beherzt die schwere Kette, und hoch auf schwang sich der wilde Jäger. Der Bauer hatte sie um eine nahe Eiche geschlungen, und vergeblich zerrte der Jäger. „Hast gewiß das Ende um die Eiche geschlungen?“ fragte der herabsteigende Wod. „Nein“ versetzte der Bauer, der sie eiligst losgewickelt, „sieh, so halt‘ ich’s in meinen Händen.“ „Nun so bist du mein in den Wolken“, rief der Jäger und schwang sich empor. Wieder schürzte schnell der Bauer die Kette um die Eiche, und es gelang dem Wod nicht. „Hast doch die Kette um die Eiche geschlungen!“ sprach der niederstürzende Wod. „Nein“, erwiderte der Bauer, der sie wieder schon in den Händen hielt, „sieh, so halt‘ ich sie in meinen Händen.“ „Und wärst du schwerer als Blei, so mußt du hinauf zu mir in die Wolken.“ Blitzschnell ritt er hinauf in die Wolken, aber der Bauer half sich auf die alte Weise. Die Hunde hollen, die Wagen rollten, die Rosse wieherten dort oben, die Eiche krachte an den Wurzeln und schien sich zu drehen. Dem Bauer bangte, aber die Eiche stand. „Hast brav gezogen“, sprach der Jäger, „mein wurden schon viele Männer, du bist der erste, der mir widerstand! Ich werde dir’s lohnen.“ Laut ging die Jagd an: Hallo! Hallo! Wod! Wod! Der Bauer schlich seines Weges, da stürzt aus ungesehenen Höhen ein Hirsch ächzend vor ihn hin, und Wod ist da, springt vom weißen Rosse und zerlegt das Wild. „Du sollst von dem Blute und ein Hinterviertel haben“, sagte er. „Ich habe keinen Eimer und keinen Topf“, sagte der Bauer. „So zieh deinen Stiefel aus“, sagte der Wod. Der Bauer tat, wie ihm geheißen, und trug Fleisch und Blut des Hiraches im Stiefel weiter. Die Last wurde ihm immer schwerer, und nur mit Mühe erreichte er sein Haus. Wie er nachsah, war der Stiefel roll Gold und das Hinterstück ein lederner Beutel voll Silber.

Es ist der hoch oben in den Wolken dahinfahrende Sturmgott, der aus der Höhe herniederstürzt und alles zu sich emporreißen will, daß die Erde bebt und die Eichen an den Wurzeln krachen. Die Kette, an der Wodan den Wanderer seine Kraft versuchen läßt, erinnert an die Stelle der Ilias (820 ff.), wo Zeus die Götter auffordert, eine Kette von Gold vom Himmel herunter zu lassen, sich unten insgesamt daran zuhängen und ihre Kraft zu erproben.

In der Erscheinung Wodans ist der natürliche Hintergrund noch zu erkennen. Bald ist er als der Windgott der unermüdliche himmlische Wanderer, bald ein im Sturm und im rollenden oder nachhallenden Donner zu Roß oder zu Wagen dahintosender Jäger, bald ist er der dunkle Nachtgott (S. 232). Durchweg überwiegt die finstere Seite. Ein weiter, wallender Mantel fliegt um seine Schultern, in dem man leicht das nächtliche wölken bezogene Himmelsgewölbe wieder erkennt, tief in die Stirn ist sein breitkrämpiger Schlapphut gedrückt, der Wolken- oder Nebelhut; Hunde, die Windstöße, umbellen ihn, und Raben umflattern ihn; das schwarze oder weiße Roß ist ein Bild der dunklen Wetterwolke oder des flüchtigen Nebels. Goldene Rüstung und kriegerischer Schmuck fehlen noch völlig. Nur den Speer, womit der Hirt den Wolf oder Bär verscheucht, führt die Hand des Gottes: aus dem Jahre 843 ist der Name Kcrans belegt, der wie Ansgar-Oskar den Speergott Wodan bedeutet (S. 192). Es ist der Blitz, den der Gott aus der dunklen Wolke hervorschleudert. Aber frühzeitig ward diese Waffe Symbol des Toten- und Schlachtengottes. Wie der Gott den vernichtenden Blitz entsendet und damit die gewaltige Gewitterscblacht eröffnet, so ward der Speerwurf das Symbol der Ankündigung des Krieges. Aus dem Fluge des Speeres ergab sich ein Anzeichen über den Ausgang des Kampfes. Durch seine Entsendung ward das gesamte feindliche Heer dem Walgotte Wodan geweiht (Ann. 1357). Hatte der Gott gnädig den Sieg verliehen, so ward das durch ihn eroberte Land unter seinem Schutze eingenommen: der Speer ward das Zeichen der Besitzergreifung.

Vor der großen Hunnenschlacht auf den katalaunischen Feldern feuert Attila, wie ein germanischer Heerkönig, das Heer durch eine Rede an und schließt mit den Worten: „Als Erster schleudere ich den Speer gegen die Feinde!“ (Jord. Get. 539). Der Langobardenkönig Authari reitet bei Regium in das Meer und berührt eine dortstehende Säule mit der Lanze: „Bis hierher soll das Gebiet der Langobarden reichen!“ Kaiser Otto wirft vor seinem Rückzuge aus Dänemark seinen Speer in die See, die davon den Namen Odensund trägt; dasselbe wird von Karl d. Gr. berichtet. Als die Bayern den Römern Tirol abgewannen, stieß ihr Führer Herzog Adalger am Haselbrunnen unweit Brixen seine Lanze ins Erdreich: „Das Land hab ich gewonnen den Bayern zu Ehren!“ (Kaiserchronik).

Wie die wilde Jagd den Menschen emporreißt, so hebt der Windgott seine Lieblinge zu sich auf sein Pferd, rettet sie vör Gefahren und führt sie im Zauberfluge an den gewünschten Ort. Einem Manne begegnet ein Reiter auf hohem Rosse, faßt ihn und hebt ihn zu sich. Das Pferd stiebt mit ihm durch die Luft, daß ihm Hören und Sehen vergeht; endlich wird er hart an einer Stadt bei der Brücke zur Erde geworfen. In einem Lübecker Schwerttanzspiele des 16. Jhd. ruft Starkader aus, auf den alle eindringen:

Heilige Wode, nü len mi dln perd.

Lät mi henriden! ik bün’t wol werd!

Als er plötzlich verschwunden ist, wie die scenische Anmerkung sagt, ruft einer der Mitspieler:

Het em de düvel halt? üt is dat spil.

Wodans Einäugigkeit ist zwar nicht direkt bezeugt, darf aber als altgermanische Vorstellung gelten. Nur darf man sie nicht aus dem Tageshimmel, sondern eher aus dem nächtlichen Himmel erklären; denn Wodau als Sonnengott ist jüngere Vorstellung. Der unter den Wolken hervorzuckende Blitzstrahl erinnerte an das Leuchten eines von einer Wolke als einem Hute beschatteten Auges. Andere Erklärer denken an das Ochsen- oder Sturmauge (engl, bullseye, frz. oeil-de-boeuf), die runde Öffnung einer sturmverkündenden Wolke. Bei schwerem Wetter zeigt sich oft eine lichte Öffnung in den Wolken; meistens kommt der Wind aus der Richtung, wo sich das Auge im Wolkenhimmel öffnet; diesen weißlichen, von Finsternis umgebenen Raum nennen die Seeleute noch heute Sturmauge.

Den auf weißem Rosse stürmenden Reiter Wodan, der, von den Winden umheult, den zündenden Wetterstrahl aus finsterm Gewölke schleudert, kennt noch der allgemein geltende Volksglaube vom wilden Jäger. Nacht und Nebel, Wolken und Wetter jagt der nächtliche Gott über den Himmel dahin, daß die Sonne verlischt, und Finsternis ihre Schwingen breitet, und von dieser allgemeinen Vorstellung hebt sich die Jagd auf ein einzelnes Tier, einen Eber, einen Hirsch (D. S. Nr. 308), auch wohl eine Kuh oder ein oder mehrere weibliche Wesen ab. In Norddeutschland ist die Sage von Wodan-Hackel bereud zu Hause, der stets einen Schimmel reitet (D. S. Nr. 310):

Er war Oberjägermeister und ein gewaltiger Weidmann. Eines Nachts hatte er auf der Harzburg einen schweren Traum; es däuchte ihm, als ob er mit einem furchtbaren Eber kämpfe, der ihn nach langem Streite zuletzt besiegte. Diesen Traum konnte er gar nicht aus den Gedanken wieder los werden. Einige Zeit danach stieß er im Vorharz wirklich auf einen Eber, den im Traume gesehenen ähnlich. Er griff ihn an; der Kampf blieb lang unentschieden; endlich gewann er und streckte den Feind zu Boden nieder. Froh, als er ihn so zu seinen Füßen erblickte, stieß er mit dem Fuß nach den schrecklichen Hauern des Ebers und rief aus: ,Du sollst es mir noch nicht tun!“ Aber er hatte mit solcher Gewalt gestossen, daß der scharfe Zahn den Stiefel durchdrang und den Fuß verwundete. Erst achtete er die Wunde nicht und setzte die Jagd fort. Bei seiner Zurückkunft aber war der Fuß schon so geschwollen, daß der Stiefel vom Bein getrennt werden mußte, und bald starb er.

Man braucht die verfolgten und getöten Tiere nicht als Sonnentiere aufzufassen, sondern es sind die in Deutschland üblichen Jagdtiere. Die naturmythische Deutung erklärt diese Jagd so: wohl erlegt der nächtliche Sturmgott sie und zerreißt sie, aber sie werden immer wieder lebendig, und die Nachtjagd beginnt immer von neuem: denn die Sonne wird jeden Morgen neu geboren.

Wie die Nordwindsöhne Zetes (dia-d^njs der Sturmwind) und Kalais die „raffenden“ Sturmgöttinnen verfolgen, die Harpyien Sturmfuß (Okypete), Fußschneil (Podarge) und Schnellfliegerin (Aello), so jagt in Deutschland Wodan im Sturmgebraus der Windsbraut und den Holzfräulein nach. Seit alter Zeit heißt der einem Gewitter vorausgehende Wirbelwind Windsbraut, Windis prüt oder das ,.fahrende Weib“; als man die mythische Beziehung (Gemahlin des Windgottes) nicht mehr verstand, brachte man den zweiten Teil mit sprießen, Sproß, spritzen, zusammen, weiterhin auch mit Spreu, sprühen. Aber im Altertume bezeichnete Windsbraut nicht den Sprühwind, sondern den Wirbelwind, die Buhle, die der im Tosen und Heulen des Sturmes dahinjagende Gott verfolgt. Zahlreiche Sagen erzählen, wie der wilde Jäger einem gespenstischen Weibe (Wetterhexe mit roten fliegenden Haaren, weißes Weib), der Buhle, fahrenden Mutter oder einer ganzen Schar wilder Frauen nachsetzt. Jemand sieht ein Weib ängstlich vorüberlaufen, bald darauf stürzt ein Reiter, der wilde Jäger mit seinen Hunden, ihr nach, und es dauert nicht lauge, so kehrt er wieder und hat die nackte Frau quer vor sich auf dem Pferde liegen. Wie der Sturmriese Vasolt und der Wunderer mit laut schallendem Home und wütend bellenden Hunden eine Jungfrau verfolgen (S. 167), so jagt der wilde Jäger bei Saalfeld unsichtbar mit seinen Hunden die Moosleute (D. S. Nr. 48), der Nachtjäger in Schlesien die mit Moos bekleideten Rüttelweiber (D. S. 270), die Lohjungfern, die Holzweibchen oder Holzfräulein (S. 147). Bald fällt der halbe Leib eines dieser Wesen, bald ein Fuß mit grünem Schuh bekleidet dem nachrufenden Spötter gleichsam als sein Jagdanteil aus den Wolken herab.

Auch bei der Verfolgung eines einzelnen Weibes durch den wilden Jäger wird man eher an eine stürmische Werbung des Gottes um eine Frau zu denken haben, als an die Tötung. Das Wort „Brautlauf“ für Hochzeit zeigt, daß bei den Deutschen alter Zeit die Sitte bestand, die Braut zu entführen. Solches Erjagen der Braut steckt auch hinter dem Mythus von der Windsbraut, die allnächtlich von ihm erlegt werde, aber immer wieder auflebe.

In Nortbamptonshire jagt der wilde Jäger mit seinen wilden Hunden ewig eine Jungfrau, seine Geliebte, um deren willen er sich den Tod gab; täglich tötet er sie, und täglich lebt sie auf, um aufs neue vor ihm herzufliehen.

Dieser englischen Sage entspricht eine deutsche, die von Hans Sachs und Joh. Pauli (16. Jhd.; Schimpf und Ernst, Nr. 210) bearbeitet ist.

Ein Köhler wacht bei seinem Meiler, da erscheint ein nacktes Weib in vollem Laufe, will um die Kohlengrube wenden, wird aber von ihrem Verfolger, einem Reiter auf schwarzem Rosse, ergriffen, mit dem Schwerte durchbohrt und ins Feuer geworfen; nachdem sie ganz schwarz gebrannt ist, zieht er sie hervor, setzt sie vor sich aufs Pferd und sprengt davon. Mehrere Nächte hintereinander wiederholt sich die Erscheinung. — Zu einem Pferdehirten, der des Nachts draußen in der Koppel bei den Pferden war, die gerade an einem Kreuzwege lag, kam eilig eine Frau gelaufen und bat ihn, sie über den Weg zu bringen. Da sie ihn so flehentlich bat, fand er sich endlich bereit dazu und brachte sie hinüber. Sogleich lief sie, so schnell sie nur konnte, weiter, ward aber in wunderbarer Weise immer kleiner und kleiner, bis sie zuletzt nur noch auf den Knien zu laufen schien. Gleich darauf stürzte ein Reiter, der wilde Jäger, mit seinen Hunden, herbei und verlangte ebenfalls, über den Kreuzweg gebracht zu werden: seit sieben Jahren jage er schon nach jener Frau, und wenn er sie in dieser Nacht nicht bekäme, so sei sie erlöst. Da brachte ihn der Hirt samt seinen Hunden hinüber, und cs dauerte nicht lange, so kam der wilde Jäger zurück und hatte die nackte Frau quer vor sich liegen.

Aus dem 13. Jhd. wird eine solche Sage berichtet (Cäs. v. Heisterbach 1210):

Einem Ritter begegnet bei Nacht ein Weib, das vor einem blasenden Jäger und seinen bellenden Hunden herläuft und um Hilfe ruft. Er springt vom Pferde, zieht mit dem Schwerte einen Kreis um sich (S. 29), in den er die Verfolgte aufnimmt, und schlingt deren Haarflechten um seinen linken Arm, während er in der Rechten das bloße Schwert hält. Als aber der Jäger näher kommt, schreit das Weib: «Laß mich, laß mich los, da ist er!‘ Sie reißt so gewaltig, daß ihm die Haare in der Hand bleiben und läuft davon. Der Jäger hinterdrein, erreicht sie bald und legt sie quer vor sich aufs Roß, daß das Haupt hüben, die Beine drüben herunterhängen.

Nachdem Wodan die Gemahlin des alten Himmelsgottes Frija au sich gerissen hatte, stürmt er mit ihr zusammen durch die nächtlichen Lüfte. In Mecklenburg fährt ein Mann in grünem Jägerrock und einem dreitimpigen Hut bei der wilden Jagd mit Fru Gauden einher. Auch Hackeiberend und Frau Holle jagen gemeinsam an der Spitze des wütenden Heeres.

Bei dem Kultus des nächtlichen Sturmgottes ist von der niedrigsten Stufe der geistigen Entwickelung auszugehen. Der Kärnthner Bauer stellt eine hölzerne Schale mit verschiedenen Speisen auf einen Baum vor dem Hause oder wirft Heu in die Luft: dann tut der Wind keinen Schaden. Dieses Füttern der Windes, woraus sich das Opfer für den persönlich aufgefaßten Windgott entwickelte, erinnert an das Bemühen Etzels, den gefräßigen Wunderer durch Vorsetzen von Speise zu besänftigen (S. 166). Bei heftigem Sturme wirft man in Schwaben, Tirol und Opferpfalz einen Löffel oder eine Hand voll Mehl in die Luft für den „Wind und sein Kind“, in der Opferpfalz mit den Worten: „Da, Wind, hast du Mehl für dein Kind, aber aufhören mußt du“. Im nieder-österreichischen Gebirge wird am 29. Dezember Mehl uud Salz unter einander gemischt und auf einem Brett zum Dachfirste hinausgestellt. Verführt es der Wind, so sind im nächsten Jahre keine Stürme zu fürchten. — Auch Wodans Hunde erhalten Opfer. Sie dringen in die Backkammer, fallen über den Teig und schlürfen, wie wenn sie bei der Tranktonne seien. Läßt man die Tür auf, so zieht der Wode hindurch, und seine Hunde verzehren alles, was im Hause ist, sonderlich den Brotteig, wenn gerade gebacken wird. — Auch Wodans Pferd erhielt Opfer. Wenn die Bauern in Schleswig ein Stück Land mit Hafer besät hatten,, Hessen sie einen Sack voll Korn auf den nahen Berg bringen und dort stehen. Nachts kam dann „jemand“ und brauchte den Hafer für sein Pferd. In Mecklenburg ließ man, nach einem Rostocker Berichte des 16. Jhds., bei der Roggenernte am Ende eines jeden Feldes einen Streifen Getreide unge-mäht, flocht es mit den Ähren zusammen und besprengte es mit Bier. Die Arbeitsleute traten darauf um den Getreidebusch, nahmen ihre Hüte ab, richteten ihre Sensen in die Höhe und riefen Wodan dreimal mit folgenden Worten an:

Wode, hole deinem Roß nun Futter!

Nun Distel und Dorn,

Aufs andre Jahr besser Korn!

Noch im Anfänge des vorigen Jahrhunderts ließ mau in der •Gegend von Hagenow in einer Ecke des Feldes einige Halme stehen, damit ,,de Waur“ Futter für sein Pferd fände. Am Wodenstage soll man keinen Lein jäten, „damit Wodans Pferd den Samen nicht pertrete“. Aber auch der Windgott selbst, der der Spender des Erntereichtums ist, empfing Gaben, und zwar Mehl und Brot. Ein Bauer hatte spät abends die Tür offen gelassen. Da kam der wilde Jäger durch sie ge ritten und nahm ein Brot vom Brotschragen herab. Darauf sprengte er wieder fort und rief dem Bauern zu: „Weil ich dies Brot in deinem Hause bekommen habe, soll es in deinem Hause nimmer daran fehlen!“ Er hielt auch Wort, und nie hatte der Bauer Brotmangel. Eine Erinnerung an das Opfer für den Sturmgott und die Windsbraut ist ein Gebrauch der Oberpfalz. Dort wrarf man drei Hände voll Mehl in den Wind und rief: „Wind und Windin, hier geh ich dir das Deine! laß mir das Meine!“

Der Wind- und Totengott ruht, wenn die Stürme nicht verheerend durch das Land brausen, in seinem unterirdischen Reiche, das als Berghöhle gedacht ist. Über ganz Deutschland, England wie über den Norden sind Wodansberge verbreitet. Hackelbergsgräber finden sich in Norddeutschland zahlreich, er sitzt in einem Berge, und von Bergen nimmt der wilde Jäger wie das wütende Heer seinen Auszug. Vom Odenberg (Glücksberg? einsamer, öder Berg?) beim Gudensberg in Hessen, [noch 1154, 1170 Wuodenesberg,j stürmt Karl der Große mit seinem rasselnden Reiterheer hervor, tränkt die Rosse in dem Quell Glisborn, den der Huf seines Pferdes aus der Erde gestampft hat, und liefert eine blutige Schlacht. In einer Walkenrieder Urkunde von Jahre 1277 wird ein Berg erwähnt, „qui Wodansberg vocatur“, den man auf den „Hutberg“ Kyffhäuser bezieht (ahd. chuppha mhd. kupfe = Hut; oder ahd. chupisi Zelt = zeltförmiger Hügel). Die Vorstellungen vom Aufenthaltsorte der Seelen im Berge, von einer mythischen letzten Schlacht am Ende aller Dinge verschmolzen hier, etwa im 15. oder 16. Jhd., mit der deutschen Kaisersage, die nicht im germ. Heidentum, sondern in den altchristlichen Vorstellungen von der dem jüngsten Gerichte vorangehenden dämonischen Herrschaft des Antichristes ihre Wurzel haben; und da Tilleda unter dem Kyffhäuser Kaiserpfalz war, wurde aus dem im Berge ruhenden Gott ein bergentrückter Kaiser. Wie Karl der Große beim Gudinsberg, trat Kaiser Friedrich II. an Wodans Stelle, und die Gestalt des apokalyptischen Kaisers wurde mit volkstümlichen und mythologischen Elementen ausgeschmückt. Nicht zu beweisen ist, daß Wodans Himmelsschloß Walhall im Kvffhäuser lokalisiert sei, und daß die zechenden und Kampfspiele übenden Ritter den nordischen Einherjem entsprächen; bei den Raben aber, die um den Berg fliegen, kann man vielleicht an Wodans heilige Vögel denken. Andere Wodansberge sind: der Godesberg bei Bonn (947, 973 Wodenesberg), Godenesberg (1133), jetzt Utzberg in Weimar, Wunstorp bei Hannover (früher Wodens-torp). Schon 973 wird ein Wodenesweg im Magdeburgischen erwähnt, entweder als der Weg zu verstehen, den der nächtliche Stürmer einschlägt, oder wäg ist = Wand, Mauer (got. waddjus, ags. wäg, an. veggr) oder als Wodans Heiligtum (ahd. wih = Tempel). In Thüringen gibt es ein Wudanes-huseu (jetzt Gutmannshausen bei Weimar) in Oldenburg, ein Wodensholt, (jetzt Godensholt), in England Wodnesbeorg, Wodnesfeld.

In dem Heere oder Jagdumzuge des nächtlichen Sturmgottes befinden sich die Seelen der Verstorbenen. Das Wuotes Heer heißt auch Totenvolk, Totenschar. Wodan ist nicht nur der Nacht- und Sturmgott, sondern in gemeingerm. Zeit bereits der Totengott. In seinem unterirdischen Reiche, dem Innern der Berge, herrscht er über die Winde, hier sammelt er auch die Toten in sein nächtliches Heer. Als der Stürmer der Lüfte sich zum kampfwütigen Kriegsgotte erhoben hatte, bildeten vor allem die Männer und Krieger sein Gefolge; sie entbot er zu sich durch seine göttlichen Dienerinnen, die Walküren. Wer im Dienste des Gottes gefallen war, hatte die frohe Hoffnung, nach seinem Tode bei Wodan weiter zu leben. Schon die Germanen des Ariovist waren im Kampfe deswegen so mutig und verachteten den Tod, weil sie an ein Wiederaufleben glaubten (Appian. Celt. I3), und diese Zuversicht (einig dvaßiojaeüjg) hat nur dann einen Sinn, wenn sie sich auf ein Fortleben im Reiche des Kriegs- und Totengottes bezog. Auch die Kimbern jauchzten, wenn sie in den Schlachtentod gingen, und jammerten nur, wenn sie auf dem Krankenbette sterben sollten (Valerius Maximus II, 6,n). Mochten ursprünglich alle Toten dem Gotte angehören, später kamen nur die Kämpfer in Betracht; sie waren von ihm dem Tode im voraus bestimmt: „da sterbent wan die veigen“, da sterben nur, die sterben sollen, heißt es noch im 13. Jhd. sprichwörtlich. Freudig des Glaubens, daß der Gott ihn erkoren, wenn er die Todeswunde empfing, stürmte der Germane, leicht gekleidet, ohne Rüstung, mit leichten Waffen in das Wetter der Speere. Aus seinem Blute entsprang sein Recht, ein Gefolgsmann des großen Gottes fortab zu sein und teil zu haben an seiner Herrlichkeit. Darum konnte ahd. urheizzo = der Geweihte (Glosse für suspensus zum Opfer aufgehängt, der ..Verheißene*) im as. und ags. die Bedeutung Kämpfer annehmen.

Die Kimbern- und Teutonenkriege erklären das Aufsteigen Wodans, vielleicht aber thronte er damals schon in den hellen Lufträumen, bei ihm seine Gemahlin und die gefallenen Helden. Hier bewohnte er nach der langob. Stammsage mit Frea einen Saal, der natürlich in einer Burg gelegen haben muß, und von hier pflegte er des Morgens durch das Fenster gen Osten auszublicken. Im Norden heißt diese Halle Walhall (Totenhalle), aber für das deutsche Altertum läßt sich dieser Name nicht belegen.

Verräter und Überläufer hängten die Germanen an Bäumen auf (Germ. 12); mit einem weidenen Ringe wurde ihnen die Kehle zugeschnürt, so daß ihnen der Atem, die Seele, gleichsam der Wind, ausgepreßt wurde; sie verfiel dann dem Wind-und Totengotte. Wer einen Gehängten vom Galgen nahm, beging nach fränkischer Anschauung noch in christlicher Zeit eine Missetat gegeu den Kultus; denn man entzog dem finstern Gotte sein Opfer. Todesstrafe setzt die Lex Salica (ca. 500v aus demselben heidnisch-religiösen Grunde, wenn jemand den gebundenen Verbrecher dem Richter entreißt und dadurch der drohenden Bestrafung entzieht. Weil Wodan die Toten bei sich aufnimmt, wie dem Hermes xlwxoTiofmdg die Seelen der Verstorbenen übergeben werden, umschrieben ihn die Römer mit Mercurius. Ein Altar, der im Jahre 1874 im oberen Ahrtale gefunden wurde, trägt die Inschrift: Mercuri Chatmini.

Mercurius Channini soll aus *Chanjini entstanden sein, Nom. sing. *hanjC\ as. ags. *henno, ags. fries. *hetma; ahd. hqno, hano sei der Vernichter, der Tod, der Gott der Vernichtung, der Todesgott (idg. ken = stechen, schlagen, vernichten, xaivio). Der mhd. Ausruf iä henne soll soviel bedeuten wie „fürwahr, bei Wodan“; in Niederhessen findet sich entsprechend „Gott Henne“, und christlich entstellt „Henne der Teufel“. Auch „Freund Hein“, wie wir noch heute den Tod bezeichnen, wird nicht als eine Erfindung des Matthias Claudius oder als ein Witz auf einen Hamburger Arzt anzusehen sein, sondern als eine verderbte Form für den tötenden Wodan (S. 17). Der Hain, das Waldheiligtum, wo die alten Germanen ihre Toten begruben, hat sicher nichts mit Freund Hein zu tun.

Das symbolische Tier der unterirdischen Mächte ist die Schlange. Sie ist auch das Symbol des nächtlichen, unterirdischen Totengottes Wodan, und wie die Langobarden einst von ihm Namen und Sieg empfingen, so verehrten sie auch die goldene Schlange als sein heiliges Tier.

Zur Zeit, da Grimoald König der Langobarden war, lebte der treffliche Priester Barbatus zu Benevent (602—83). Obwohl sie bereits das Wasserbad der heiligen Taufe empfangen hatten, hielten sie doch noch an dem alten Brauche des Heidentums und beugten sich vor dem Bilde einer Schlange. Barbatus bekommt es in seine Hände, schmilzt es ein und läßt Schüsseln und Kelche daraus schmieden. Als das ruchbar wurde, sagte einer der Umstehenden: „Wenn mein Weib das getan hätte, würde ich ihr ohne Verzug den Kopf abschlagen“ (V. Barbati). An einer anderen Stelle heißt es: Sie verehrten eine goldene Schlange als das Symbol ihres höchsten Gottes, und ein ganzer Stadtteil von Benevent soll davon den Namen Vipera getragen haben.

Nicht nur die himmlischen oberen Gottheiten, auch die Götter der Unterwelt sind Urheber des Wachstums der Pflanzen und der Ernte. Den heißen Strahlen der Tagessonne‘ muß die Kühle der Nacht folgen, der Wind jagt die Wolken, bis sie ihr segnendes Naß spenden, der Wind führt den männlichen Blütenstaub befruchtend den weiblichen Blüten zu. Darum gilt der Landstrich im kommenden Sommer als ganz besonders fruchtbar, über den die wilde Jagd gezogenist. Wenn das Guetis Heer schön singt, gibt es im Aargau ein fruchtbares Jahr. Der schwäbische Bauer, der nur um Sonnenschein, nicht auch um Wind bittet, bekommt kein Korn. ..Ohne Wind verscheinet das Korn“, sagt ein Sprichwort, und eine alte Bauernregel lautet „Viel Wind, viel Obst“. Darum ist der nächtliche Sturmgott auch der Spender der Fruchtbarkeit und des Erntesegens, und darum wurde er vor allem mit Erntedankopfern verehrt. Fast in ganz Deutschland ließen die Schnitter bei der Ernte auf dem Acker einen Busch Ähren für Wodan stehen, damit er ihn als Futter für sein Fferd gebrauchte. Erntewöd hieß diese letzte Garbe, die Ernte in Bayern bis zum 18. Jahrhundert die Waudlsmähe (Waude — Woude — Wuote); das Opfer für seine Hunde hieß von Passau bis Preßburg Waudfutter. Dann traten die Schnitter mit entblößtem Haupte um die blumengeschmückte Wode in einen Kreis und riefen unter dem Schwingen der Hüte und dem weithin schallenden Streichen der Sicheln zu dreien Malen mit überlauter Stimme den Gott im Gebet an. Man bat Wodan, die geringe Gabe gnädig anzunehmen und sie als Futter für sein Roß zu holen; an ihrer Kleinheit und Wertlosigkeit sei nur die heurige schlechte Ernte schuld; würde sie im nächsten Jahre besser ausfallen, so solle er auch reichlicher von ihnen bedacht werden: Wode, hole deinem Roß nun Futter . . . (S. 240). Unterbleibt diese Feierlichkeit, so gerät im folgenden Jahre weder Korn noch Obst. Zuweilen wird auch ein Feuer angezündet, und die Burschen rufen, wenn die Flamme lodert, unter Hutschwenken: Wauden! Wauden! Wauden! Der heilige Columban (f 615) traf auf seiner Reise heidnische Schwaben oder Alemannen gerade im Begriff ihrem Gotte Wodan, den andere Mercur nennen, ein Opfer darzubringen. In ihrer Mitte stand eine Kufe, die 26 Maß Bier, etwas mehr oder weniger, enthielt.

Bei der Frühlings- und Maifeier, sowie beim Erntedankfeste fielen Wodan Rosse und Rinder zum Opfer. Die Knochen der Opfertiere galten als heilkräftige Talismane; noch im 16. Jhd. wurden vier Roßköpfe auf den vier Ackerenden angebracht, um die Saat vor dem Winde zu sichern. Wodan behütete auch den herbstlichen Heimtrieb der Herde. In einem christlich überarbeiteten Segen, dem sog. Wiener Hundesegen, wird er zum Schutze der Rinder und Schafe, auch der Hunde an gerufen vor Wolf und Wölfin, sowie vor Dieben, wenn das Vieh zu Holz uud zu Felde, zu Wasser und Weide geht.

Alle deutschen Stämme scheinen Wodan bereits als Gott desZaubers verehrt zu haben. Ihm schrieb man vielleicht die Erfindung der „Vorrunen“ zu, d. h. der im Orakelwesen üblichen Zeichen, und des Runenzaubers. Auf istwäon. Boden wurde er dann zum Träger der geheimnisvollen Schriftrunen, die die heimischen heiligen Zeichen mit den aus der Fremde eingewanderten Buchstaben vereinten. „Sage mir, wer zuerst Buchstaben setzte?“, lautet ein ags. Gespräch. „Ich sage dir, Mercurius (Wodan), de)‘ Biese“ Eine wunderbare Macht schrieb der Germane diesem Runenzauber zu, besonders dem dazu gemurmelten Liede oder Spruche. Runenweisheit und Dichtkunst gehören zusammen. Darum gilt Wodan den Angelsachsen als Gott aller List, nach christlicher Auffassung des Truges und der Diebereien. Wodan allein vermag Balders Roß den verrenkten Fuß zu heilen, er spricht den Genesung bringenden Zauberspruch: weder Balder selbst noch die vier Göttinnen vermögen in seiner Gegenwart etwas auszurichten. Als wundertätiger Arzt und Heilgott erscheint Wodan auch in einem ags. Zaubersegen, in dem die neun heilkrätigsten Kräuter der Erde genannt werden, die alle Krankheiten und alles Gift bannen:

„Eine Schlange kam gekrochen, zerschlitzte den Menschen.

Da nahm Wodan die neun Kraftkräuter,

Schlug damit die Natter, daß in neun Stücke sic flog.“

Bei den spanischen Sueben nahm daher Wodan die oberste Stelle ein, die ungebildeten Landleute daselbst verehrten im 6. Jhd. den Juppiter als Zauberer (Magus) (Mart, v. Brac. K. 7); doch ist die Beziehung auf Wodan recht zweifelhaft.

Nächtliche und himmlische Züge vereinigt das Gesamtbild Wodans, wie es in geschichtlicher Zeit erscheint. Viel Wind bedeutet noch heute Krieg, und als Gott der geistigen Begabung muß Wodan schon in alter Zeit die Kriegskunst verstanden und geleitet haben. Das Wort Sturm ist schon im Altertum von dem Kampfe der Lüfte auf den Kampf der Männer übertragen; Wetter der Speere, Sturm der Lanzen, Regen der Schwerter sind alte Bezeichnungen des Schlachtengetümmels: sie erklären, wie der Herr der Stürme zum Gebieter des Kampfes werden konnte. Folchans (Gott des Kriegsvolkes) hieß daher der Gott des „furor germanicus*, der germanischen Kampfeswut, und als Siegesgott lehrte er die Germanen selbst die Schlachtordnung des Fußvolkes, den „Eberrüssel“. Die äußerste Spitze des Keiles bildeten nur wenige oder ein einzelner Mann, der König oder die Edlen mit ihrem Gefolge, sofern sie nicht zu Roß kämpften; fochten mehrere Völkerschaften zusammen, so bildete jede für sich einen Keil. Ein solcher Angriffsstoß war von furchtbarer Kraft, unwiderstehlich schob er sich in die feindlichen Reihen ein. Bei den Germanen des Ariovist tritt, soviel wir wissen, uns zum ersten Male die keilförmige Schlachtordnung entgegen (Caes. b. g. 152). Tacitus hebt ausdrücklich hervor, daß die Schlacht aus Keilen zusammengesetzt wurde (Germ. 6; Hist. 416, 420, o16). Die Alemannen schlossen sich bei Straßburg gegen .Julian in einen Keil zusammen. Bei den Franken war noch im 9. Jhd. die keilförmige Aufstellung in ihrer ganzen ursprünglichen Eigentümlichkeit erhalten, auch bei den Angelsachsen war in der verhängnisvollen Schlacht bei Hastings der dichtgeschlossene, tiefgegliederte Keil allgemein. Wodan galt als Erfinder dieser Angriffsform, die wir vom Jahre 58 vor Christus bis ins 11. Jhd. verfolgen können. So trat er dicht neben Tius, und bereits zur Zeit des Tacitus muß er bei dem Volke, von dem der Römer seine Nachrichten über das Opferwesen bezog, also bei den Istwäonen, über Tius und Donar gestanden haben.

Denn „sie verehren von den Göttern am meisten den Mercurius (Wodan), dem sie an bestimmten Tagen auch Menschenopfei• zu bringen für Recht halten“ (Germ. 9). .Vis die Hermunduren im Jahre 58 mit den Chatten um den salzhaltigen Grenzfluß stritten, gelobten sie Tius und Wodan das feindliche Heer zum Opfer (Ann. 1357). (’hlodowechs Gemahlin sucht ihren Gatten von der Ohnmacht der heidnischen Götter zu überzeugen im Gegensätze zur Allmacht des Christengottes und fragt ihn, wie weit denn die Macht seines Tius (Mars) und Wodan reiche (S. 211). Noch im 6. Jhd. gelten also diese beiden als die angesehensten Götter der istw. Franken. Als Hengist und Horsa mit den Sachsen nach England kommen, werden sie gefragt, was für Götter sie anbeten. Die Antwort ist: „Unter Führung des Mercurius überschritten wir die Meere und suchten das fremde Reich auf. Den Mercurius verehren wir besonders, den wir in unserer Sprache Wodan nennen. Ihm weihten unsere Altvorderen den vierten Wochentag, der bis heute noch seinen Namen, den Wodenes dai, erhalten hat.“ Eine Chronik des 10. Jhd. sagt von Hengist und Hors^: sie waren die Enkel eines Barbarenkönigs Woddan, den die Heiden wie einen Gott verehrten, und dem sie Opfer darbrachten um Sieg oder Heldentum. Wie in der sächsischen Abschwörungsformel der Täufling Thunaer, Woden und Saxnot entsagt und an den Christengott zu glauben verspricht (S. 190), so wird in einem ags. Denk-sprucliG Wodan als Hauptgott der Heiden dem christlichen Gott gegenübergestellt:

„ Wodan wirkte Irrlehre, der allwallende Gott die weiten Himmel.“

Von Wodan, dem Kriegs- und Siegesgotte, leiteten also alle ags. Könige ihren Stammbaum ab, und noch König Heinrich II. von England, der Zeitgenosse Friedrich Barbarossas, fühlte sich als Nachkomme Wodans. In Altsachsen und in den sächsischen Besiedelungsländern Mecklenburg, Pommern, Altmark und Priegnitz haften bis heute Sagen und Gebräuche von Wodan. Und wie noch heute in den alten Wohnsitzen der Langobarden Frau Gode, Gode fortleben, so berichtet bereits Paulus Diaconus, daß die Langobarden den Wodan unter der Form Gwodan verehrt hätten. (I8. Prolog zum Edikt K. Rotharis; D. S. Nr. 389). Den lateinischen Quellen liegt ein altes stabreimendes Lied zugrunde, und die Alliteration läßt sich noch erkennen:

Es gibt im Norden eine Insel Scadanan, wo viele Völker wohnen, unter ihnen auch ein kleiner Stamm, die Winniler (die Kampfrüstigen). Und es war bei ihnen eine [weise] Frau, Namens Garabara (die Scharfblickende, Kluge), und sie hatte zwei Söhne, der Name des einen war Ybor (Eber) und der des andern Agio (=mhd. Ecke, der Schrecker). Diese hatten mit ihrer Mutter Gambara die Herrschaft über die Winniler. Es erhoben sich nun die Herzoge der Wandalen, Ambri (der Unermüdliche) und Assi mit ihrem Heere, und sie sagten zu den Winnilern: „ Entweder zahlt uns Zins oder rüstet euch zur Schlacht und kämpft mit uns.* Da antworteten Ybor und Agio mit ihrer Mutter Gambara: „Besser ist es für uns, uns zur Schlacht zu rüsten als den Wandalen Zins zu zahlen.“ Da beteten Ambri und Assi, die Herzöge der Wandalen, zu Wodan, daß er ihnen Uber die Winniler Sieg verliehe. Wodan antwortete und sprach: „Die ich bei Sonnenaufgang zuerst sehe, denen will ich den Sieg geben.“ In gleicher Zeit traten Gambara und ihre Söhne zu Frea, Wodans Gemahlin, und flehten um Sieg für die Winniler. Da gab Frea den Kat: die Frauen der Winniler sollten ihre Haare auflösen und um das Gesicht nach Art eines Bartes binden, dann aber frühmorgens mit ihren Männern auf dem Platze sein und sich zusammen da aufstellen, wo Wodan sie sehen müßte, wenn er wie gewöhnlich aus dem Fenster gen Morgen blickte. Als es nun dämmerte und die Sonne aufgehen wollte, drehte Frea, die Gattin Wodans, das Bett, worin ihr Mann lag, richtete sein Antlitz gen Morgen und weckte ihn. Und als er hinaussah, erblickte er die Winniler und ihre Frauen, die das aufgelöste Haar um das Gesicht geschlungen hatten, und er sprach: „Wer sind jene Langbärte?“ Da sagte Frea zu Wodan: „Wie du ihnen den Namen gegeben hast, so gib ihnen auch den Sieg“ (denn es war altgerm. Sitte, daß der Namengebung ein Geschenk folgen mußte; daher stammen unsere Patengeschenke). Und Wodan gab den Winnilem den Sieg, so daß sie sich nach seinem Ratschlüsse wehrten und den Sieg errangen. Von jener Zeit an wurden die Winniler Langobarden, die Langbftrtigen genannt.

Als Kriegsgott erregt Wodan Kampf zwischen Winnilern und Wandalen; beide Völker, also auch die ostgerm. Wandalen, rufen ihn um Sieg an. Er thront im Himmel und hat hier einen Saal (S 243), wie Zeus auf dem Ida sitzt und den Sterblichen zuschaut, wie Helios alles überblickt und vernimmt (II. 3277); von hier aus lenkt er das Geschick der Völker. Er hat die Macht und das Reich des alten Him-melsgottes Tius, und auch Erija, die ursprüngliche Gemahlin des Tius, sitzt ihm zur Seite. Gemütvoller Humor selbst den Himmlischen gegenüber ist deutsche Charakteranlage, es sei an Wodans Begegnung mit dem Mecklenburger Bauern erinnert (S. 234) und an die Schwänke, in denen Gott, Christus und Petrus auftreten. Auf keinen Fall ist deswegen auf junges Alter der Sage zu schliessen. Auch Hera und Athene besteigen gegen den Willen des Zeus den flammenden Wagen, um die zu bekämpfen, denen der Olympier den Sieg verleihen will; aber ganz anders erhebt Zeus seine Stimme (11. 8382 ff).

So wenig wie der heitere Ton, in dem das durch dramatischen Dialog ausgezeichnete Lied verfaßt ist, und die frohe Stimmung, die in Wodans himmlischem Reiche herrscht, gegen hohes Alter der Sage sprechen, darf die etymologische Deutung des Namens der Langobarden dagegen angeführt werden. Die Langobarden sind nicht die „alten Krieger“, noch die mit langen Barten Bewaffneten; diese sind keineswegs eine charakteristische Waffe für sie, denn beim Thing erscheinen die Langobarden mit dem Gere, und als Symbol der Wehrhaftmachung diente ihnen der Pfeil. Der Name des Volkes steht vielmehr zum Wodanskult in engster Beziehung, sie nannten sich nach dem langbärtigen Gotte Wodan. Daß sie sich ihren höchsten Gott auch so vorstellten, beweist der schöne langob. Name „Ansegranus“, der mit dem Götterbarte.

Daß die Langobarden Wodan als chthonischen Gott verehrten, zeigt sein Symbol, die goldene Schlange (S. 244). Für seine Verehrung als Wetter- und Kriegsgott spricht auch folgender Kult; Im Jahre 579 waren die Langobarden teilweise noch Heiden. Bei einer Siegesfeier, bei der 400 Gefangene niedergemacht wurden (zu Ehren des Kriegsgottes Wodan), brachten sie dem Teufel ein Opfer dar. Dieses bestand in dem Haupte einer Ziege, das sie im Kreise umtanzten und mit einem ,,verabscheuungswürdigen“ Liede dem Gotte weihten. Nachdem sie es selbst mit gebeugtem Rücken angebetet hatten, wollten sie dazu auch die Gefangenen zwingen; da diese aber schon Christen waren, zogen sie den Märtyrertod vor (Gregor. Dial. 328). Daß dieses Bocksopfer und der Opferleich dem Wodan galten, lehrt ein anderes Zeugnis (Miracula Apollinaris):

Deutsche Heiden — Alemannen oder Wandalen — fielen in Burgund ein und wollten eine Kirche zerstören, die dem Märtyrer Apollinaris von Chlodwigs Gemahlin gebaut war. Als alle Bemühungen, sie in Brand zu stecken, sich als vergeblich erwiesen, riefen sie ihre Priester zusammen und trieben sie an, nach alter Sitte ihrem Gotte Wodan Ziegen zu opfern und ihn (als Sturmgott) zu bitten, dem Feuer Kräfte zu geben, um den Tempel des Gottes eines fremden Volkes zu verbrennen. Jene brachten auch sogleich ihre unheiligen, törichten Opfer dar und riefen alle einstimmig ihren Wodan an. Aber während sie damit beschäftigt waren, erlosch das Feuer abermals, das an das Gotteshaus gelegt war. Als das die Anführer sahen, stürzten sie über die Diener ihrer Heiligtümer her und wüteten gegen sie mit grausem Mord.

Mit seinem Reiche hatte der leuchtende Gott Tius auch seine Gemahlin an Wodan abtreten müssen (S. 239). Nach der langob. Sage thront Frea neben Wodan im Himmel. Die älteste Vorstellung aber war, daß der Windgott im Sturmge-brause seine Buhle, die vom Winde gepeitschte Wolke, verfolgte; wenn dann der Gott die Verfolgte eingeholt hat, feiert er mit ihr das Fest der Vermählung.

WodanDiese Jagd auf die verfolgte Frau, als eine rohe und altertümliche Form des Brautraubes aufgefaßt, erklärt den Anteil, den der kriegerische Windgott an der deutschen Hochzeitsfeier hat. Dem Brautlaufe liegt der Gedanke zugrunde, daß die Frau durch Kraft und Geschicklichkeit ersiegt werden muß. Durch ungestümes Vorwärtseilen errang sich der Bräutigam beim Wettlaufe die Braut; von dem Gotte, der als der Schnellste und Siegreichste galt, dem unwiderstehlich dahinstürmenden Windgotte Wodan, erhoffte und erflehte er dabei Beistand und Hilfe. Darum ward Wodan als siegreicher Schützer des Brautlaufes und der Hochzeit angerufen, während man die eigentliche Weihe dem hammerbewehrten Donar zuschrieb. Braut- und Liebes-leute wandten sich an Wodan in feierlichem Hochzeitswunsche, und auf Gescheuken, die sie einander verehrten, ritzten sie wohl einen Segenswunsch ein: wie der Gott seine himmlische Gemahlin mit Eile und Ungestüm ersiegt habe, so möge er seinem irdischen Vertreter den eilenden Fuß beflügeln. Ein solcher alter Hochzeitswunsch ist uns auf der •sogenannten Nordendorfer Spange erhalten (Abb. 10, 11). Im Jahre 1843 stießen die Arbeiter beim Bau der Eisenbahn von Augsburg nach Donauwörth in der Nähe von Nordendorf auf menschliche Gebeine und mannigfache Schmuckgegenstände aus dem 6. oder 7. Jhd. Man hatte einen alten Kirchhof aufgefuuden: die Köpfe waren nach Westen, die Fußenden nach Osten zu gekehrt. Die Reste der Vergangenheit werden uns zu Zeugen des Glaubens und Lebens unserer Vorfahren.

Auf dieser Nordendorfer Spange stehen die Runen: RunenEine Gewandspange mit einem feierlichen Hochzeitswunsche darf als ein passendes Hochzeitsgeschenk angesehen werden, das die Braut dem Geliebten überreichte. In dem Spruche: Loga l>ore Wodan, wigi Thonar = ,,die Heirat ersiege, Wodan; weihe, Donar!“ sind Wodan und wigi, £>ore und ponar durch gleichen Anlaut gebunden: es ist ein aus zwei Kurzzeilen bestehender Langvers. Auch die Namen des alemannischen Liebespaares sind erhalten; von einer anderen Hand ist der Inschrift ein zweiter Teil zugefügt: „Awa hat die Spange dem Leubwini geschenkt.“ Und wie in den Zwölfnächten Wodan als Sankt Nikolaus mit breitkrämpigem Hute, oder als Schimmel oder Schimmelreiter erschien, für dessen Pferd die Kinder Heu und Hafer in ihre Schuhe steckten, die Alten eine Sache ins Freie stellten, so erschien im vorigen Jahrhundert in der Nacht zur Hochzeit „eine wodanähnliche Figur, ein Schimmelreiter mit rotem Mantel und breitkrämpigem Hut“

Aber Wodan blieb nicht mehr bloßer Naturgott, sondern er entwickelte sich zu einem Kulturgott im höchsten Sinne des Wortes. Bereits in historischer Zeit ist er bei den Istwäonen unter dem Einflüsse der von Süden und Norden her eindringenden Kultur zum Spender alles Segens, Gott des Rechtes, der Gewandtheit und der Erfindung, der Wissenschaft und der Dichtkunst geworden. Alles Schöne und Edle wird auf ihn übertragen, alles Hohe und Herrliche stammt von ihm, jeder Wunsch wird von ihm gewährt. Wie auf germanischen Denksteinen Tius mit der Victoria erscheint, so werden dem Wodan (Mercurius) und der Felicitas oder Fortuna von den Gardereitern Inschriften geweiht. War Wodans Speer ursprünglich der aus der nächtlichen Wolke geschleuderte Blitz, dann das Symbol des Schlachtengottes, so erhielt der Speerwurf jetzt auch rechtliche Bedeutung (S. 235). Regelmäßige Stöcke oder Pfähle wurden zur Landmessung in die Erde gestoßen und das abgesteckte Gebiet dem Schutze Wodans empfohlen; darum war Yönstoc (Vödenstoc, Wodans Stock oder Pfahl) im ags. ein Grenzmal, und wenn in den Niederlanden ein gewisses Handmaß oder die Spanne Woenslett (Woedensglied) heißt, so erscheint auch in dieser Anwendung Wodan als Gott des Maßes.

Er wird selbst als König der Götter angerufen: ein Bataver Blesio weiht dem Mercurius rex (dem Könige Wodan) einen Stein, der am Ufer der Waal gefunden ist, und auf einer anderen, bei Aachen gefundenen Inschrift wird Wodan Mercurius \Leudisio genanut, Herrscher über alles und alle.

Vom Rhein aus erobert sieh Wodan seine Macht und Stellung, ursprünglich dem Himmelsgotte Tius untergeordnet, dann mit ihm sich in die Herrschaft teilend und endlich unbestritten der alleinige Gebieter der Götter und Menschen. Tacitus versichert, daß die Deutschen vorzüglich den Mercurius, Hercules (Donar) und Mars (Tius) verehrten. Aus den allgemeinen Andeutungen geht hervor, daß Wodan wie Tius dem Kriege Vorstand. Die vornehmsten Opfer waren Menschenopfer, und diese fielen dem Mercurius (Germ. 9, Ann. 1357). Die Anwendung klassischer Namen auf deutsche Götter, die interpretatio Roniana, verbreitete sich allgemein und wurde von den lateinischen Schriftstellern der folgenden Jahrhunderte mit genauer Übereinstimmung beibehalten. Paulus Diaconus sagt: Wodan, den sie mit vorgeschlagenem Buchstaben GWodan nennen, ist derselbe, der bei den Römern Mercurius heißt. Die Alemannen opferten ihrem Wodan, den andere Mercur nennen (Jon. v. Bobbio); Mars und Mercur sind die Götter, zu denen Chlodovech betet (S. 211). Hengist und Horsa verehren besonders den Mercur, der in der heimischen Sprache Wodan heiße. Die Deutschen nannten den vierten Wochentag, den Tag des Mercur (frz. Mercredi) nach ihrem Gotte Wodan: noch heute heißt der Mittwoch ndd. Gudenstag, engl. Wednesday, ags. Vödenes däg, holländ. Woensdag. Wenn die Römer Wodan mit Mercur Wiedergaben, so mag Tacitus immerhin die Stelle Casars vorgeschwebt haben, daß die Gallier eine an Mercur gemahnende Gottheit verehrt hätten (b. g. 617), und ihre Kenntnis des gallischen Mercur (keltisch Lug) mag bei ihrer Verdolmetschung mitgewirkt haben, aber als tatsächlicher Bestand bleibt doch, daß Wodan eine Gottheit war ähnlich dem aus Hermes entwickelten Mercur, geistig rührig, überall in das Leben eingreifend, ein Förderer des Verkehrs, gewandt in Rede und Wort. Hermes und Wodan sind Windgötter, Schnelligkeit und Kraft sind beiden gemeinsam. Wie Wodan seine Lieblinge auf sein Götterroß hebt, so trägt Hermes den Ganymed in den Himmel empor. Beide wehren Krankheiten ab, schützen die Flur und die Herde und sind Führer des Totenheeres. Dem wilden Jäger entspricht Hermes diäxioQos (dtdwco* wegtreiben, jagen). Beiden sind Berge heilig, und auch Hermes ist in einer Gebirgshöhle verborgen. Wie dem Hermes das erste und beste Los heilig ist, so gilt Wodan als Erfinder der Losrunen und Glücksspiele. Wie Hermes trägt Wodan den breitrandigen Hut und den wallenden Mantel.

Tacitus hat bei seiner Schilderung der Deutschen vorzüglich die rheinischen Völker im Auge. Am untern Rheine waren die Germanen zuerst mit der keltischen und dann mit der römischen Kultur in Berührung getreten. Noch als Nomaden waren die Istwäonen mit ihren Herden iu das zur Weidewirtschaft geeignete Keltenland hinabgestiegen und hatten sich in den Häusern und geschlossenen Einzelhöfen der Kelten festgesetzt. Während sonst das germanische Dorf mit seinen Häusern und Gäßchen, den ringsumgebenden Ackerfluren, dem umfangreichen Wiesen-, Weide-und Waldland den Siegeszug der Deutschen bis in das Herz Galliens begleitet, sind die Einzelhöfe keltischen Ursprunges. Als die Istwäonen in das keltische Gebiet eindrangen, wurden die bisherigen Besitzer, soweit sie nicht entflohen oder umkamen, ihre Sklaven oder Liten. Diese keltisch-germanische Mischkultur der Istwäonen trat in der Zeit zwischen Cäsar und Tacitus durch die Feldzüge des Drusus, Tiberius, Varus und Germa-nicus mit der noch höher entwickelten römischen Kultur in Beziehung. In Krieg und Frieden, Rechtspflege und Handelsverkehr waren Berührungen zwischen Germanen und Römern unvermeidlich; acht römische Legionen lagen zur Zeit des Tiberius am Rhein. So ward dem Lande und seiner Kultur vornehmlich ein militärischer Charakter gegeben, aber auch die Namen der Wochentage, der Monate, das Alphabet drangen von Rom aus an den Rhein. Als Tiwaz Istwaz bei den Rheinländern von Wodan verdrängt wurde, ward Wodan der Träger dieser höheren Kultur. Ausbildung der Kriegskunst und bessere Bewaffnung, Beredsamkeit und höheres Wissen, Gewandtheit und Erfindungsgabe verdankte man ihm. Der Gott selbst zeigt jetzt kriegerisches, ritterliches Gepräge: er führt den Speer oder das Schwert, sprengt auf mutigem Roh einher, die Brust bedeckt mit goldener Brünne. Waren die istw. Marsen noch zur Zeit des Germanicus (14 u. Chr.). Pfleger des Heiligtums des Tius und der Tanfana, so wurden die gleichfalls istw. Ansiwaren, nördlich der Sieg, die Wahrer und Hüter des istw. Ans- oder Wodandienstes und errangen unter den Istwäonen die führende Stellung. Schon Tacitus deutet an, daß sie ein gewisses Stammesansehen genossen, Adel und Königsgeschlecht der ripuarischen Franken sind ansiwarisch, anscheinend auch die Familie der Pippiniden. Julian muß gegen die Franken, die „auch Ansiwari heißen^, über den Rhein zu Felde ziehen, die Nachricht des Tacitus von ihrer Vernichtung ist also ein Irrtum (Ann. 1356; D. S. 366); von ihrem Lande nördlich der Sieg begründeten die Ansiwari die Macht des ripuarischen Frankenreiches.

Von den istw. Stämmen rückt der Haupt- und Kulturgott Wodan zu den andern deutschen Stämmen vor und nimmt auch bei ihnen die Stelle des Tius ein. Charakteristisch für Wodans Vordringen ist die Geschichte seines Stammes. Während die got. Amelungensage die Macht und Herrlichkeit der Treue preist, zeigt die rheinische Nibelungensage das zerstörende Wirken der Untreue. „Den Franken ist es erb und eigen, lachend das Treuwort zu brechen“ (Vopiscus): keine Hindernisse schrecken das merovingische Königsgeschlecht von seinem Ziele, der Alleinherrschaft, zurück, in blutigen, rücksichtslosen Kämpfen wird das Königs- und Adelsgeschlecht ausgerottet, auch nach Einführung des Christentums wuchern Verrat und Mord in unerhörten Greueltaten fort, aber ein deutsches Land nach dem andern unterwirft sich dem salischen Eroberungstriebe, dessen unersättlicher Vertreter Chlodovech ist, bis sich in ungeahntem Glanze das fränkische Reich erhebt. So erobert der Götterkönig Wodan einen Stamm nach dem andern in unvergleichlichem Siegeszuge, die Ingwäonen wie die Erminonen, und drückt seinen Namen und sein Gepräge so unauslöschlich fest auf die deutsche Geistesbildung, daß Wodan als die Verkörperung des deutschen Glaubens gelten darf. Der dichterische, fürstliche, siegreiche Wodan, der unbestrittene Göttervater und Götterherrscher dringt nach Norddeutschland zu den Sachsen und Langobarden und zu den Nordgermanen; hier ist er in seinem vollen Glanze erhalten. Noch bevor die Langobarden .ihre alten Wohnsitze an der untern Elbe verließen, muß Wodan ihr Hauptgott gewesen sein. Aber auch bei den ost-germ. Vandalen muß er damals schon seinen Siegeseinzug gehalten haben. Mindestens gleichzeitig, wenn nicht schon früher, haben ihn auch die Sachsen verehrt. Wie fest hier seine Verehrung wurzelt, bezeugen die ags. Königsgenealogien, die ins 5. Jhd. zurückreichen, die Abschwürungsformel noch aus dem 8. Jhd., und das Verzeichnis heidnischer und abergläubischer Gebräuche und Meinungen aus der Zeit Karls des Großen. Wodansopfer und Wodansheiligtümer werden in ihm verboten, sowie Wochentage (den Mittwoch) ihm zu Ehren vor den übrigen auszuzeichuen (Indiculus Nr. 8; 20). Eine Musterpredigt aus derselben Zeit verbietet Opfer, die dem Donar und Wodan über Felsen, an Quellen, an Bäumen dargebracht werden, und die heidnische Mittwochfeier. Den Nordfriesen heißt der Mittwoch noch heute Winjsday, Winsday = Wodanstag. In Mitteldeutschland verehren ihn die Thüringer als den höchsten zauber- und heilkundigen Gott, in Hessen und Thüringen findet sich ein Wodensberg. Selbst den suebischen Bauern in Spanien galt im 6. Jhd. der Mittwoch als Wodanstag für besonders heilig, an dem man nicht arbeiten dürfte (Mart. v. Bracara, S. 247). Es fällt daher nicht allzuschwer ins Gewicht, daß auf süddeutschem Boden ein Wuotanestac nicht belegt ist (S. 184). Denn die Nordendorfer Spange, der Eigenname Wuotan, der 17mal im 9. Jhd. vorkommt, die Glosse wötandyrannus, das Zeugnis des Jonas von Bobbio und der Miracula Apollinaris (S. 251) beweisen, daß Wodan in Oberdeutschland keineswegs bloßer Nacht- und Windgott wie im Münchener Nachtsegen öder gar nur ein Dämon war. Die Angabe des Langobarden Paulus Diaconus wäre unbegreiflich, wenn gerade die nächsten Grenznachbarn seines Stammes, Alemannen und Bayern, eine so auffällige Ausnahme gebildet hätten. Paulus Diaconus wird mit Recht für die Zeit vor der Bekehrung behaupten: Wodan wird von allen Stämmen Germaniens als Gott verehrt.

Germanenherz aus dem Buch: Deutsche mythologie in gemeinverständlicher darstellung (Paul Herrmann 1906).

ergänzende Beiträge

Julfesten

Germanenherz Julfesten

Wenn durchs Land der Herbstwind pfeift, sind schon Berg und Tal bereift,
dann wendet sich mit frohem Sinn, unser Herz zur Julzeit hin:
Herbststürme brausen, grau das Himmelszelt,
wir harren und hausen in unsrer dunklen Welt.
Kein Wettersturm ist uns zu hart; wir sind von Nordlands Art!

Hat der Julmond Schnee gebracht, freuen wir uns dieser Pracht.
Hei, frisch die Schneeschuh angeschnallt, uns ist kein Schnee zu kalt;
Schneestürme brausen über Wald und Feld,
wir schlittern und sausen durch unsre weiße Welt.
Kein Aufwärts ist zu steil, zu hart, wir sind von Nordlands Art!

Hat die Zeit uns wohlgetan, sehnen wir das Fest heran,
die Sonnenwend mit neuem Licht, das hell ins Finstre bricht:
Lichter erhellen jedes deutsche Haus, wo wir uns gesellen,
bei Wetter, Sturm und Braus, ums heilge Feuer froh geschart,
wir sind von Nordlands Art!

Das Julfest ist ein nordeuropäisches Fest der Wintersonnenwende. Es ist eines der 8 Jahreskreisfeste der alten Germanen. Wintersonnenwende – Das große germanische Fest Rauch von Holz und Harz liegt in der Luft ich atme ein den verlockenden Duft Yulezeit ist da,… Weiterlesen

Wintersonnenwende – Das große germanische Fest

Rauch von Holz und Harz liegt in der Luft ich atme ein den verlockenden Duft Yulezeit ist da, Yulezeit ist da Im tiefsten Winter, so einsam die Nacht die Sonne wendet und Balder erwacht Stellt das Sonnenrad auf, stellt das Sonnenrad auf … Weiterlesen

Der himmlische Lichtbaum der Indogermanen in Sage und Kultus.

IrminsulWenn die prähistorische Archäologie allmählich immer mehr einen gewissen homogenen Zustand der in Europa sich ausbreitenden und dasselbe eigentümlich kolonisierenden indogermanischen oder arischen Stämme in Bezug auf das häusliche Leben und die Anfänge gewerblicher Thätigkeit aufdeckt, so entsprechen dem auch die Besultate der Untersuchungen über den mythologisch-religiösen Entwickelungsstandpunkt derselben. Neben den überall bei den betreffenden Völkern auftauchenden analogen Naturanschauungen, als Grundlage ihrer Mythologie, erscheint aber schon eine gemeinsame Phase in der Entwickelung der auf jenen hin sich entfaltenden religiösen Vorstellungen und Gebräuche. Die gleichsam noch flüssigen Elemente fangen schon an eine gewisse Consolidierung zu zeigen. Unter anderem tritt uns eine solche höchst bezeichnend in dem sogenannten Baumkultus und den sich daran schließenden mythisch-religiösen Vorstellungen entgegen, welche nicht, wie man bisher gemeint und namentlich Boetticher und Mannhardt in neuerer Zeit mit großer Gelehrsamkeit auszu-fiihren sich bemüht, aus dem Waldleben der Urzeit unmittelbar hervorgegangen, sondern ursprünglich auf Vorstellungen von einem wunderbaren Welt- oder Himmelsbaum zurückzuführen sind, als dessen Abbilder nur gleichsam gewisse irdische Bäume dann eingetreten. Mit diesem Himmelsbaum stehen wir aber im Mittelpunkt einer eigentümlichen, höchst primitiven Welt- resp. Himmelsanschauung überhaupt, welche zu ihrer Zeit die betreffenden Kreise ebenso beherrschte und für andere Vorstellungen als Anlehnung diente, wie später in den historischen Zeiten innerhalb der klassischen und christlichen Welt selbst noch auf dem Gebiete wissenschaftlicher Forschung der Glaube an die angeblich um die Erde als ihren Mittelpunkt sich drehenden Himmelskörper maßgebend war, bis auch diese Vorstellung wieder einem neuen, nämlich dem kopernikanischen Systeme weichen mußte.

Unter den vielen prähistorischen Vorstellungen von der Sonne, oder sagen wir gleich besser, vom Sonnenlicht, wie es mit der Morgenröte sich in den Wolken zu verzweigen beginnt, tritt uns nämlich bei den Indogermanen und, wie ich gleich hinzufügen will, auch bei den Semiten und überhaupt im Orient die Ansicht entgegen, daß man meinte, es sei ein wunderbarer »lichter« Baum, der sich da über den Himmel ausbreite, wie auch Bück er t noch dies Bild eines solchen Sonnenbaumes reproduziert, wenn er singt:

Streife nicht am Boden, schwebe

Dort hinan im Siegeslauf,

Wo im Blauen unbegrenzet

Blüht der Sonne goldner Baum;

oder in volkstümlicher Form ein kleinrussisches Volksrätsel dieselbe Anschauung zeigt, wenn es heißt:

»Es steht ein Baum mitten im Dorfe,

in jeder Hütte ist er sichtbar«

, und die Auflösung dann ist: »die Sonne und ihr Licht.«

Ich habe die betreffende Vorstellung in dieser Weise in Mythe und Kultus zuerst in einem Aufsatz der Berliner Ethnologischen Zeitschrift (v. J. 1874) über den Sonnenphallus, dann in meiner Schrift vom Ursprung der Stamm- und Gründungssage Borns (v. J. 1878) auf das mannigfachste begründet und verfolgt, nachdem ich früher im »Ursprung der Mythologie« p. 130 ff. mit Kuhn nur eigentümliche Wolkenbildungen als Ausgangspunkt für die betreffende Vorstellung, z. B. für die Weltesche Yggdrasil, angenommen hatte, indem wir bei unseren Wanderungen (s. Kuhn und Schwärtz, Norddeutsche Sagen u. s. w. G. 412. 428) für gewisse derartige Wolkenformationen noch die volkstümlichen Bezeichnungen: Abrahams- oder Adams- oder kurzweg Wetterbaum vorgefunden hatten. Da aber die in den erwähnten Abhandlungen von mir gegebenen allgemeinen neuen Ausführungen z. T. anderen Zwecken dienten, so schien es mir bei der Bedeutsamkeit der Sache an sich, namentlich auch in Bezug auf den oben angedeuteten Standpunkt als einer eigentümlichen Religionsphase der in Europa sich ausbreitenden Indogermanen, wohl wert, die betreffende Kultusvorstellung von diesem Standpunkt aus einmal selbständig, wenigstens in den Hauptmomenten zu erörtern.

Mit einigen Bemerkungen greife ich jedoch, des allseitigen Verständnisses halber, auf meine Untersuchungen erst zurück. Das aufsteigende Licht erschien, wie ich speziell daselbst ausgeführt, (im Gegensatz zu einer Rauchsäule als Lichtsäule oder unter dem Reflex eines Baumes als Stamm; die in den Wolken sich verästelnden Sonnenstrahlen als Aeste und Zweige, die Wolken als Blätter u. s. w. Die Sonne selbst (in ihrer kugelartigen Gestalt galt zunächst dabei als eine Art Accidens, welches dann erst allmählich die verschiedensten Nebenvorstellungen weckte, z. B. vereint mit der Vorstellung vom Mond und namentlich den Sternen als zauberhaften Erüchten an jenem (goldenen) Himmelsbaum, u. a. die von einem himmlischen Apfel- oder Feigenbaum.

In dem angedeuteten Sinne spricht, wie ich nachträglich zur Bestätigung meiner Ansicht anführen konnte, der Talmud noch ganz gewöhnlich von der Säule der Morgenröte oder vergleicht das aufsteigende Sonnenlicht mit seinen seitlich hindurchbrechenden Lichtstreifen mit einer aufsteigenden und sich verästelnden Palme, und eine indische Sage führt das Bild noch weiter aus, wenn sie berichtet:

»In der Mitte der Welt ist der Baum Udetaba, der Baum der Sonne, welcher mit Sonnenaufgang aus der Erde hervorsproßt und in dem Maße, wie die Sonne steigt, in die Höhe wächst und sie mit seinem Gipfel berühret, wenn sie im Mittag steht; worauf er wieder mit dem Tage abnimmt und sich beim Sonnenuntergang in die Erde zurückzieht.«

Wenn es mir aber gelungen war, in den Mythen der alten Welt von zauberhaften Bäumen das betreffende Bild als die Urvorstellung zu eruieren, so war damit auch der Ursprung des weitverbreiteten Säulen- und Baumkultus nachgewiesen. Wie meistenteils wurde nämlich das himmlische Bild in einem irdischen Abbilde nachgeahmt. Eine Säule, ein aufgerichteter Stamm vertrat die himmlische Lichtsäule als ihr irdisches Substitut, und allmählich reihte sich daran eine Art Kultus, wie wir ihn noch jetzt z. B. bei rohen Stämmen Indiens in der primitivsten Weise als Mittelpunkt ihrer Religion wiederfinden, wenn sie einen solchen Stamm mit Ocker bemalt und meist noch mit einem ungeheuren Ungarn versehen, in ihren Niederlassungen aufrichten, — eine Symbolik, die dann in den verschiedensten Variationen, mehr oder minder reich entwickelt, bei den Völkern der alten Welt noch mannigfach hindurchbricht, bei den Deutschen speziell sich in der Irmensäule erhalten hat Ebenso fand der Naturmensch, als jener Wunderbaum, von jenem natürlichen Urbild am Himmel sich gleichsam allmählich loslösend, in der Tradition selbständige Gestalt und Wurzel faßte, in alten, viele Generationen von Menschen überdauernden Exemplaren von Bäumen, die in ihrer Gewaltigkeit ihm imponierten und selbst der Vorzeit anzugehören schienen, Anknüpfung zu irdischer Lokalisierung und einer Substituierung in ähnlicher Art im Kultus1). Nicht bloß im Himmel, auch auf Erden finden wir nun den alten Lichtbaum unter den verschiedensten Formen in der Sage wieder; was sie aber von ihm erzählt, bestätigt überall den behaupteten Ursprung der Vorstellung, denn es stammt meist alles von dem himmlischen Urbilde her. Die Tradition hat eben den wunderbaren Stoff in der Hauptsache mit der Phantasie festgehalten und ihn nur zum Teil im Fortschritt der Zeiten verschiedenartig gestaltet, so daß nur die Wissenschaft hinter den individuellen Bildern den Analogen Hintergrund herausfindet. Denn sonst gilt auch hier der Grundsatz, den ich zuerst in meiner Schrift vom »Heutigen Volksglauben« u. s. w., Berlin 1850 (2. Aufl. 1862) aussprach, daß die Tradition, namentlich in ihrer äußeren Gestaltung, dem Leben der Völker nachgeht und danach sich vielfach wandelt.

Tritt nun jene Vorstellung des betreffenden Himmelsbaumes, wie Kuhn in seinem Buche »Über die Herabkunft des Feuers und Göttertrankes« s. Z. nachgewiesen, bei Indem wie Persern charakteristisch hervor, obgleich, wie ich sofort hervorheben will, echt phantastisch-orientalisch ausgemalt, so sehen wir in den mythologischen Massen der europäischen Arier das betreffende mythische Element des himmlischen Sonnenbaumes mehr in einer gewissen plastischen Einfachheit gefaßt, daneben aber doch in voller Naturwüchsigkeit sich geltend machend und überall gleichsam mit stets neuen Schößlingen in Mythe, Sage, Märchen und Kultus immer wieder Wurzel treibend und zu neuen Gebilden sich gestaltend. Wenn die so historisch entstandene Mannigfaltigkeit in den einzelnen lokalen Gestaltungen bisher jenen einheitlichen Hintergrund hat verkennen lassen, so legt nach unserm Standpunkt dies nur dafür Zeugnis ab, daß die betreffende Anschauung noch lebendig inmitten einer um sie sich immer reicher entfaltenden und in den verschiedenen Stammes- und Lokalkreisen sich mannigfach gestaltenden Naturbetrachtung und mythischen Produktion stand. Die Phantasie brachte nämlich hier und dort in der verschiedensten Weise die anderen, gleichfalls im Himmel um den Weltenbaum auftretenden atmosphärischen Erscheinungen, wie Sturm, Blitz und Donner, kurz das ganze Treiben am Himmel mit ihm in fernere oder nähere Beziehung, so daß, je nachdem die Tradition dies religiös oder historisch, poetisch oder in einem die geglaubte Scenerie nachahmenden Gebrauch verwertete, die mannigfachsten Spielarten jeder Gattung und die oft anscheinend heterogensten Stoffe daraus wurden, während der eigentliche Mittelpunkt, um den sie sich wie Krystalle angesetzt, derselbe ist

Um diesen Entwickelungsprozeß zu verstehen, um den behaupteten einheitlichen Ausgangspunkt des betreffenden Baumkultus, wie er auch bei Griechen und Römern, Nord- und Südgermanen, ja auch Kelten in Sage und Kultus uns entgegentritt, zu erkennen, muß man vor allem die erwähnten Acci-dentien der übrigen Himmelserscheinungen in ihren mannigfachen Formen und daran sich knüpfenden verschiedenen Gestaltungen von dem gemeinsamen Hintergrund erst gleichsam loslösen und in ihrer Besonderheit fixieren, weil sie vor allem es sind, welche den Bildern das bunte Kolorit verleihen, welches den ursprünglich analogen Einschlag des Gewebes zunächst verdeckt und so verkennen lässt, daß es ursprünglich dasselbe Material ist, welches nur in verschiedenen Orten und anderen Zeiten anders verwendet worden ist.

Die hauptsächlichsten mythischen Elemente, welche sich nun im Anschluß an die verschiedenen atmosphärischen Erscheinungen um den Sonnenbaum in den Sagen gruppieren, sind zunächst folgende:

I. In theriomorphischer Auffassung der Wolken galt:

A) Die drohend hängende Gewitterwolke, (die pen-dentia vellera lanae des Lncrez) als ein Fell, eine Art Aegis und erschien am Sonnenbaum so u. a. aufgehängt. Poet. Kat II. p. 1 ff. u. 35 ff.

B) Dahinschwebende Wolken, (die volantes nubes des Lucrez) erschienen daneben als Vögel verschiedener Art, die helleren, lichteren besonders als Schwäne1), z. T. auch als Tauben.2) ürspr. d. Myth. 155. 161. 194. 199. 205. 215. 218. 270. 275. Poet. Kat. I. 21. 28. 115—119. 173. 188. 190. Die grosse dunkle Gewitterwolke galt von diesem Standpunkt aus speziell als ein schwarzer Aar ((ff. aquilo und aquila, sowie den Adler als Blitzträger des Zeus u. dergl.). Schwartz, »Der heutige Volksglaube und das alte Heidentum«, Berlin, II. Aufl. 1862 p. 67 ff. Urspr. d. Myth. p. 199 ff. Poet. Kat L 16 f. 108. H. 34.

II. Der sich schlängelnde Blitz erschien als Schlange oder Brache. Urspr. d. Myth. 1—159. Poet Nat. n. 83 ff.

III. Der Zickzackblitz leuchtete als Gehörn eines himmlischen Hirsches oder galt als „springende Geiß“, wie .der nordische Thor auch mit Böcken fährt Poet Nat I. 42 1 75. H. 93 ff. cf. Urspr. d. Myth. 219 ff.

Da haben wir beispielsweise schon den Keim verschiedener, um den himmlischen Lichtbaum sich gruppierender, bekannter mythischer Bilder.

No. LA. und No. II. Vließ und Drachen zeigen uns sofort in Verbindung mit dem Sonnenbaum im östlichen Sonnenlande der griechischen Mythe den heiligen Baum der Argonautensage, an dessen Zweigen das goldene Vließ hängt, bewacht von einem gewaltigen Drachen. Im Westen entspricht ihm, — denn Ost und West gelten in mythischer Hinsicht oft in gleicher Weise als Sonnenlokalitäten, — der hesperidische Wunder-Apfelbaum (s. oben), dem der hütende Drache nicht fehlt. Nach dem einen zieht Jason, nach dem andern Herakles.

Gehört beides mehr der in der Feme am Weltrande sich lokalisierenden Sage oder, fast möchte ich in diesem Falle sagen, dem »Märchen« an, so vergleicht Boetticher schon mit Recht hiermit und führt auf dasselbe mythische Element die Sage zurück, nach der es zu Athen hieß: Athene habe eigenhändig den schlangengestaltigen Heros Erichthonios zum Wächter ihres heiligen Baumes auf die athenäische Burg getragen (p. 19 cf. 206). Die Richtigkeit der behaupteten Beziehung tritt um so schlagender hervor, als Boetticher die weitere Verbreitung des betreffenden Bildes nachweist (wenngleich er nach dem bisherigen vulgären Standpunkt irrtümlich dabei an irdische Bäume und an die Schlange als Dämon der Erde (!) denkt). »Nicht nur heilige Bäume, die aus der Sage berühmt sind«, sagt er p. 205, »haben diesen ihren Schutzheros (den Schlangendämon), — eine Menge Bildwerke, auf denen sich die Baumschlange schützend um den heiligen Baum windet, zeigen die Verbreitung dieses Gedankens in der alten Welt«, d. h. wie ich meine, die ursprünglich am Himmel angeblich gefundene Be-ziehungvom Sonnenbaume und der Blitz esschlange(resp. des Gewitterdrachens) und ihre mannigfache irdische Lokalisierung.
veder_yggdrasil In ähnlicher Weise zeigt No. I. B. verbunden mit Nö. II. und HI. (d. h. das mythische Vogelelement mit Schlange, Hirsch, Geiß um den Sonnenbaum sich gruppierend) auf die nordische, durch alle Welt sich ausbreitende Esche Yggdrasil hin, den hohen immergrünen d. h. ewigen Baum, den »weißer Nebel« netzt, wo nach der Edda in Urds Brunnen zwei Schwäne sich nähren, »von denen das Vogelgeschlecht dieses Namens kommt«, während oben auf dem Baum ein kluger Adler sitzt, am Fuß aber nicht bloß die mythische Schlange (namentlich dieNidhöggr), sondern auch nochHirsch und Ziege bedeutsam auftreten. Wenn dieser Hirsch dann in weiterer Beziehung zur Sonne gebracht wird und als sogenannter Sonnenhirsch in den Sagen eine besondere Rolle spielt und bedeutsam wird, so charakterisiert ihn in dem angedeuteten Gewitterkreise zunächst noch höchst bezeichnend der Umstand, daß es von seinem Geweih bei der Esche Yggdrasil nach Hrwergelmir, dem Brunnen Niflheims, tropft, wovon alle Ströme kommen. Geht dies auf die Regenwasser die beim Erscheinen, d. h. dem Heraufkommen des dunklen Nebelreichs am Himmel,3) von dem kolossal zu denkenden Gewittertier zu triefen schienen, so bezieht es sich auf die weißlichen Wolken, die ursprünglich als eine Art himmlischer Milch gedacht wurden, wenn von den Eutern der Himmelsziege Heidrun, der nordischen Amaltheia, so viel Milch fließt, daß die Einherier in Odhins Halle vollauf davon zu trinken haben.

Zur Esche Yggdrasil stellt sich nun weiter als Dublette, auch auf dem Boden der nordischen Mythologie, der auch über alle Lande gehende Baum Mimameidr, wie ich Urspr. d. M. 206 ff. ausgeführt, besonders da auf seiner Höhe auch ein Yogel und zwar ein Hahn (Auer- oder Birkhahn?) sitzt, schwarz und goldig zugleich, was an Lenau’s Yerse von der Gewitternacht erinnert, wenn er sagt:

Als wie ein schwarzer Aar, des Flügel Feuer fingen,

So schlägt die schwarze Nacht die feuervollen Schwingen.

Wir werden nachher in der dodonäischen Eiche noch in anderen Beziehungen mannigfacher Art ein irdisch lokalisiertes Abbild unseres himmlischen Lichtbaumes auf griechischem Boden wiederfinden, hier mag genügen, darauf hinzuweisen, daß nicht bloß bei der Esche Yggdrasil und dem Baum Mimameidr, ebenso wie bei den indischen und persischen Sonnenbäumen göttliche oder zauberhafte Vögel eine Rolle spielen (Urspr. d. röm. Stammsage 15 f.), sondern auch auf der dodonäischen Eiche, bei der alle Mythen, wie wir sehen werden, mit der weissagenden Kraft des Himmelsbaumes in Verbindung gebracht werden, nach Herodot (2,55) ein schwarzer, zauberhafter Yogel, nämlich eine schwarze Taube (a&Uta (tikacva) sich gezeigt haben sollte, die mit menschlicher Stimme verkündete, daß dort ein Orakel des Zeus sein solle. Aber nicht dies allein, auch sonst verbindet die Sage die Peleiaden dort mit dem Dienst des Zeus mannigfach und höchst charakteristisch, indem es, wie Perthes ebenso fein als ausführlich dargelegt hat, oft kaum zu unterscheiden ist, ob damit weissagende Nymphen oder Tauben gemeint, weshalb er sie auch den Schwanjungfrauen der deutschen Sagen vergleichen möchte. Nichts aber beweist mehr die ursprüngliche Wolkennatur der dodo-näischen Peleiaden, als dieser Umstand, daß sie in der Ueber-lieferung bald als Frauen, bald als Vögel erscheinen, und daß zugleich, wie eben erwähnt, keine dieser beiden Gestalten bei einer genaueren Prüfung Stich hält. Diese Doppelnatur teilen sie mit den deutschen Schwanjungfrauen, die in kühler Flut badend am Ufer den Schwanring oder das Schwanhemd ab-legen und der Gewalt dessen verfallen, der ihnen dies raubt, sowie mit den drei Tauben, die in einer deutschen Dichtung zu einer Quelle fliegen und als sie die Erde berühren, zu Jungfrauen werden, denen dann Wieland die Kleider entwendet und nicht eher wiedererstattet bis sich eine derselben bereit erklärt, ihn zum Manne zu nehmen, und endlich mit den drei weissagenden Meerweibern, denen in dem Nibelungenlied Hagen das Gewand weggenommen hatte und die vor ihm »wie Vögel aus der Flut aufschwebten.« Wenn Perthes dabei Grimm D. M.’p. 399 citiert, so füge ich aus der letzten Stelle noch hinzu, daß Grimm die letzteren Wesen unbedenklich auch speziell als Schwanenjungfrauen faßt, und mache in betreff der alten weiten Verbreitung und mannigfachen Nüan-cierung des betreffenden Zuges noch darauf aufmerksam, daß auch Aeneas bei Virgil von einer der oft auch in der Dreizahl auftretenden Harpyien, nämlich der Keläno, nachdem er sie im Kampf gestellt, eine Weissagung empfängt, ebenso wie Hagen, und daß die Harpyien recht eigentlich in drastischer Weise, wie ich nachgewiesen, die Gewittervögel repräsentieren, s. Urspr. d. M. im Index unter Harpyien.

Kurz, wenn wir hinzunehmen, daß auch Tauben nach Homer täglich dem Zeus den Göttertrank bringen, — ein Moment, auf das wir übrigens nachher noch einmal bei den am Himmelsbaum auftretenden Quellen und Tränken zurückkommen müssen, — so stellen sich die Tauben mit samt den Peleiaden zu Dodona ganz zu den nordischen Schwanjungfrauen nicht bloß in analoger Gestaltung, sondern auch charakteristischer Thätigkeit, denn auch die Schwanjungfrauen reichen den Göttern und Einheriern den himmlischen Trank und berühren sich mit den weissagenden Nomen, wie schon Grimm M. p. 397 ausführt Ja unter dem Reflex der angeführten Momente werden wir auch jetzt in den oben bei der Esche Yggdrasil erwähnten, im Nornenbrunnen schwimmenden Schwänen eine Bestätigung und Beziehung dafür finden. Während sonst Peleiaden und Schwanjungfrauen in gleicher Weise zwischen Nymphen und Yögeln schwanken1), hätte dann hier an der Esche Yggdrasil nur eine direkte Sonderung in Nomen und Schwäne stattgefunden: beides, sowohl das Schwanken zwischen verschiedenen Gestalten, sowie die Aussonderung und Ausbildung dann zu verschiedenen Bildern sind Entwickelungsphasen, wie sie oft die alten Mythen nebeneinander zeigen.

Daß der Ficus Ruminalis der römischen Stamm- und Gründungssage mit dem ihn umfliegenden und die göttlichen Zwillinge (Romulus und Remus) ätzenden Specht auch hierher gehört, habe ich ausführlich in der Schrift: »Der Ursprung der römischen Stamm- und Gründungssage« u. s. w. Jena 1878 dargethan, cf. Praehist Studien p. 416 ff.

IV. Tritt zum Sonnenbaum der Regenquell (Urspr. d. M. 60. 166. 256) und erklärt, warum bei allen heiligen, überhaupt mythischen Bäumen der Indogermanen ein Quelle fast nie fehlt und an den sich bei jenen entwickelnden mythischen Bezügen in der Sage Anteil erhält, mit dem Baum z. B. die Quelle resp. die Quellennymphen weissageriseh werden.

V. Neben die oben erwähnten tiergestaltigen Wesen treten bei weiterer mythischer Entwickelung menschenähnliche, neben Wolken- und Sturmesgeister besonders Wolkenwasserfrauen und lichte, strahlende Sonnen-, überhaupt Eimmelswesen (männlich und weiblich); sie erscheinen dann anf, unter, überhaupt hei dem heiligen Baum.

VI. Schließen sich an dies letztere die Epiphanien, so knüpft sich an diese, wie an den Baum selbst, in den verschiedensten Formen, wie schon angedeutet, eine alte Art Weissagung. Der Stnrm näihlich und der murmelnde Donner, die zu allen Zeiten als himmlische Stimmen galten, schienen von dem Baum oder seiner Umgebung, z. B. aus dem himmlischen Quell (dem Regenquell) auszugehen und ließen alles daselbst (Baum wie Quell) als weissagerisch erscheinen.

Verfolgen wir zuerst die nach No. IV. durch den Regenquell erweiterte himmlische resp. irdische Scenerie, so treten uns alle drei Momente: Drache, Himmelsbaum und Quelle bedeutsam zunächst noch in den Schilderungen der Drachenkämpfe hervor. Die Quelle ist fast typisch überall, der Baum ist auch noch hinlänglich gekennzeichnet Von den Beziehungen des Gewitterdrachen zu den himmlischen Wassern habe ich zunächst Urspr. d. M. p. 58 ff. des ausführlichen gehandelt. Mit Recht sagt schon, wie ich daselbst anführte, Rochholz:

»Alle Drachensagen spielen an Gewässer und Sumpf, die Winkelrieds-Sage am Bache des Rozloches und am Oedwiler-sumpfe, die Sintram- und Betramsage an der Giesenau der Burgdorfer Emme, der Beatusdrache am Beatenfall des Thuner Sees, der Pilatusdrache am Pilatussee und im Kriensbache.«

»In der älteren Sage zeigt sich dasselbe Verhältnis. Der Beowulfedrache wohnt an der Meeresklippe, der Siegfriedsdrache an der hohlen Wand am Ehein, König Frotho erschlägt den Drachen, der von der Tränke auf der Insel zurückkommt, und sein Sohn Eridler tötet den andern, der eben aus dem Gewässer auftaucht«.

Ich vervollständige jetzt die Scenerie, indem ich auf die dabei typisch auftretenden Bäume hinweise, und lasse zunächst wieder Boetticher für mich sprechen, der gerade jene Scene vom Drachenkampf des Apollo ergänzt Er sagt p. 116:

»Ist aber die sakrale Verehrung von solchen Bäumen, welche in den Mythos einer Gottheit oder die Vorgeschichte eines Stammes und Ortes eng verwebt sind, nicht immer geradezu bemerkt, so schimmert sie gleichwohl sehr deutlich durch die Vorgänge hindurch, bei welchen sie erwähnt wird und als deren Zeuge sie dasteht Der heilige Lorbeer Apollos auf der Burg zu Megara zeigt dies recht deutlich.«–

»Weiter giebt die Platane zu Delphi hiervon einen Beweis. Diese Platane stand neben dem Strudel der Kastalia in der delphischen Thalschlucht, an sie knüpfte die berühmteste Sage des delphischen Heiligtums an. Unter ihren Zweigen lag nämlich der heilige Stein, auf welchen sich Leto mit ihren Kindem rettete – als sie vom Python angefallen wurde«.

Hier entwickelte sich also dann der Drachenkampf gerade wie auch in der entsprechenden Sage vom Kampf des Herakles mit der Hydra eine Platane neben den Quellen der Amymone ausdrücklich erwähnt wird1), im Kampf des Kadmos mit dem Drachen die Aresquelle in dem Hain, »den noch nie ein Beil verletzet«, bekannt ist, Siegfried den Drachen nach dem Nibelungenliede auch unter einer Linde tötet, auf deren Zweigen wohl auch die wahrsagenden Vögel sitzend zu denken sind und dergl. mehr1). Alles dies sind nach unserer Deutung nur Niederschläge resp. Localisierungen derselben himmlischen Scenerie. Im Lande des himmlischen Lichtbaums und des Regenquells wurde ursprünglich der Kampf ausgefochten, in welchem der Sturmes- und Jagdgott Apollo, mit Regenbogen und Blitzpfeil ausgestattet, den Gewitterdrachen besiegt oder seine heroischen Analoga, die Herakles, Kadmos, Siegfried u. s. w., den Streit ausgefochten haben sollten.

Entsprechend diesen Scenerieen der Drachenkämpfe kehren auch in den Kopien des betreffenden HimmelsterTains unter Bildern mehr friedlicherer Art dieselben Elemente wieder. Wie Boetticher an der oben angeführten Stelle schon von dem allgemein verbreiteten Auftreten der sogenannten Baumschlange bei den heiligen Bäumen als eines Schutzdämons gesprochen, sagt er auch von dem Vorkommen einer Quelle p. 47, »daß nur ausnahmsweise den heiligen Bäumen bei den Griechen der Weihequell fehle, ja auch in Bildwerken er sich angedeutet finde.«

Das Zusammentreffen dieser beiden Elemente geht, wie die ganze der Sache zu Grunde liegende Uranschauung, weit über die indogermanischen Kreise hinaus. So sagt z. B. auch Movers, Die Phönizier. Bonn 1841. p. 580, indem er natürlich von seinem Standpunkt aus nur an irdische Verhältnisse denkt, doch aber damit realiter meine Behauptung unterstützt:

»Man sieht aus diesen Stellen, daß ein Mschgrünender oder dicht belaubter Baum, darum die ewig grüne Terebinthe, die stark- und dicklaubige Eiche oder ein Baum, der, an einer Quelle, an einem Bache gepflanzt, wie die Pappel oder Bach weide, auch im heißesten Sommer nicht entblättert wird, zu dieser Baumverehrung wesentlich gehört.«

Ihrem Ursprung nach gehörten eben schon einfach Baum- und Quellenkultus zusammen. Wir werden für diese Verbindung und für den ursprünglichen Hintergrund der betreffenden Quellen bei der Scenerie von Dodona und bei der von der Esche Yggdrasil, sowie bei der Schilderung des Kultus, der sich an Bäume und Quellen knüpfte, noch besondere Momente charakteristisch zur Bestätigung unserer Ansicht eintreten sehen; zunächst möge das Folgende die lokale Verbreitung der Sache selbst etwas ausführen.

Die Kastalia-Quelle zu Delphi bei der dortigen Platane ist schon erwähnt worden, ebenso stand die heilige Palme zu Delos nach Hom.  Desgleichen wird bei der berühmten Platane zu Gortyna auf Kreta, die dem Zeus heilig und wunderbarer Weise »ewig grün« gewesen sein und auch im Winter nicht ihre Blätter verloren haben sollte, eine Quelle erwähnt; auf derselben Insel stand auch eine andere heilige Platane bei Knossos ebenfalls am WasseT, nämlich am Flusse Theren. Die heilige Weide der Hera zu Samos war am Flusse Imbrasos; bei der Platane in der Nähe von Kaphyä, welche Menelaos gepflanzt haben sollte und die man nach ihm nannte, befand sich nach Pausanias eine Quelle gleichen Namens. Am Kallichorosbrunnen bei Eleusis stand der heilige Oelbaum, an welchen sich die Begrüßung der Demeter durch die Töchter des Keleos knüpfte. Daß auf der Akropolis bei dem Oelbaum der Athene eine Quelle war, ist bekannt, und wenn Poseidon sie durch seinen Dreizack hervorgerufen haben sollte, so zeigt dies auch auf den Himmel, nämlich auf das trisulcum fulmen hin, welches den Regenquell weckt1). Das wären so die bekanntesten, in der Litteratur besonders erwähnten Stätten der Art in Griechenland außer der berühmten, sagenumrauschten Eiche von Dodona und ihrem Quell. Für den letzteren speziell und seine Charakteristik möge Perthes eintreten. Indem er a. a. 0. sich meiner Erklärung über den Ursprung der dortigen Weissagung anschließt, daß es nämlich das Sausen des Sturms und das Tönen des Donners war, was zu Dodona als himmlische Stimmen gefaßt den physischen Hintergrund der dort herrschenden religiösen Anschauung ursprünglich bildete, welche bei irdischer Lokalisierung der Scenerie dann die entsprechende weissagende Stimme (des Gottes) aus dem Bauschen des im Winde bewegten Bfcumes und dem Schall der ehernen Becken — auch einer Nachahmung des Donners z. B. in der Saimoneussage — wahrzunehmen wähnte1); sagt er p. 35 zum Schluß seiner Auseinandersetzung:

»Noch deutlicher als die betreffenden, eben erwähnten Schallapparate aber weisen die Eigenschaften, welche man der wunderbaren dodonäischen Quelle beilegte, auf die Erscheinungen des Gewitterhimmels hin. Servius berichtet, daß unter den Wurzeln der Eiche eine Quelle hervorsprudelte, die durch ihr Murmeln auf Antrieb der Götter Orakel gab; dieses Gemurmel habe eine Alte, mit Namen Pelias, den Menschen gedeutet. Schon der Name Pelias, griechisch nskuaq, führt uns auf das Naturgebiet, welchem, wie sich zeigte, die Peleiaden zugewiesen werden mußten.«

»Von der höchsten Bedeutung aber ist weiter eine Notiz des Plinius über eine andere angebliche Eigenschaft der dodonäischen Quelle, daß sie nämlich, obgleich sie kalt sei und eingetauchte Packeln erlöschen lasse, ausgelöschte, die hineingesenkt würden, entzünde.«

»Diese Angabe ist so auffallend, daß sie wohl von jedem Naturforscher in das Beich der Fabeln verwiesen werden wird. Es ist daher einleuchtend, daß mit den Fackeln, die sich in der Quelle von selbst entzündeten, nur die in der Gewitterwolke (immer wieder auf-) zuckenden Blitze gemeint sein können. Wer erinnert sich nicht des (schon oben erwähnten) Salmoneus, der mit Kesseln den Donner, durch Fackeln aber des Zeus Blitze nachahmen will? Wie naheliegend diese Vorstellung ist, zeigt die Stelle aus einer modernen Schilderung des Gewitters, welche Schwartz (im Ursp. d. M.) zum Beweise für seine Deutung der Fackel der Hekate anftihrt: »Die Fackel des Blitzes ist ausgelöscht, und die zornige Stimme des Donners verstummt.« — »Das griechische Wort dcdog, an welches ebenfalls Schwartz erinnert, bezeichnet sogar geradezu die Fackel sowie den Blitz«.

— So Perthes, dem ich nicht nötig habe, irgend weiteres für unseren Zweck hier hinzuzusetzen.

Während so der Dodona-Baum und seine Quelle deutlich ein irdisches Substitut des himmlischen Baumes und der Regenquelle mit allen ihren Wundem ist, spielt auch die Esche Yggdrasil, wenn sie sich gleich mit ihren drei Wurzeln durch alle Welten verzweigt haben sollte, worüber ich Poet. Nat. I, 51 gehandelt habe, doch recht eigentlich mitsamt ihren Quellen, zumal an ihr die Götter noch stetig verkehren, ursprünglich deutlich am Himmel.

Mannhardt hat die Beziehung der Quellen derselben zu den himmlischen Wassern in seinen Germ. Myth. v. J. 1859 p. 543 ff. schon des ausführlicheren dargelegt, auch einzelne andere Momente schon im ähnlichen Sinne, wie ich sie hier deute, zu fassen sich geneigt gezeigt, so daß es doppelt auffallend ist, daß er auch hier gerade bei der Esche Yggdrasil in seinen späteren Schriften, wie schon oben angedeutet, sich von Kuhns und meinen Forschungen »loszulösen«, wie er sich ausdrückt, veranlaßt gesehen hat, indem er sich hier mehr Sim-rock anschließt.2) Wenn Mannhardt z. B. in seinem »Baumkultus« v. J. 1875 p. 56 Nyerups Hypothese, »daß der vor dem Göttertempel in Upsala an einer Quelle stehende, Sommer und Winter grünende Baum ein irdisches Abbild von Yggdrasil mit dem Urdharbrunnen war, verwirft und sagt: »Nyerups Hypothese ist umzukehren. Solche Bäume waren nicht Nachbildungen, sondern Yorbilder des in norwegischen und isländischen Liedern des 10. und 11. Jahrhunderts uns entgegentretenden Weltbaumes «, so schließe ich mich, dem und den weiteren Konsequenzen, die er daraus über die Entwickelung des ganzen Baumkultus zieht, gegenüber, hierseinenfrüheren, Kuhns und meinen Forschungen homogeneren Auseinandersetzungen an und denke diese unsere Auffassung jetzt noch durch einzelne interessante neue Momente weiter auszuführen und dem ganzen von mir behaupteten Hintergrund des alten Baumkultus entsprechend zu entwickeln.

Mannhardt sagte also s. Z.in den Germ. Myth.p. 543: »Der Urdharbrunnen ist ein himmlischer. Gylfag. 15 sagt ausdrücklich: »Die dritte Wurzel der Esche erhebt sich im Himmel. Dahin reiten die übrigen Äsen zu ihrer neben dem Urdharbrunnen an der Esche Yggdrasil gelegenen Gerichtsstatt über die Brücke Bifröst, d. h. den Begenbogen hinauf, Thor aber  watet, um eben dahin zu gelangen, durch die Gewittergüsse .« —

»Wenn es heißt, daß das Wasser des Urdharbrunnens so heilig ist, daß es alles verjüngt und verklärt, so ist das deutlich dieselbe Eigenschaft, welche dem Jungbrunnen der Idhun zusteht.«

— p. 545 heißt es dann:

»Der Brunnen Mimirs, welcher unter der zweiten Wurzel der Esche Yggdrasil liegt, ist wiederum nichts anderes, als ein Bild dos himmlischen Wolkengewässers (wenn Thor zu den Biesen reisen sollte, so sind diese ursprünglich als böse Wolken dämonen auch nämlich am Himmel zu suchen (cf. p. 546).« — p. 548 »Auch der dritte Brunnen, Hvergelmir (in der Nebelwelt Niflheim) ist ursprünglich mit den beiden anderen identisch und nur eine weitere Differenzierung.«

»Ueber Niflheim erhebt sich nämlich die dritte Wurzel des Baumes Yggdrasil, und an ihr nagt beständig der Drache Nidhöggur. Diesen Drachen lernten wir aber bereits als den Gift wurm kennen, der in Niflheims Wasserhölle (Nättrönd) die Leichname der Meineidigen und hinterlistigen Mörder aussaugt.«

»Wir haben (aber) schon oben gezeigt, daß die Wasserhölle ursprünglich ein coe-lestischer Aufenthalt war.«

— So Mannhardt, was wir vollständig acceptieren und unserer Darstellung einfügen. Es stimmt auch ganz zu dem oben über Niflheim, sowie über den Drachen als dem ursprünglichen Gewitterdrachen Gesagten, wie ich ja auch schon im Ursp. d. Myth. s. Z. behauptet habe, daß die ganze Hölle der verschiedenen Yölker (auch die chthonischen Götter der Griechen) ursprünglich am Himmel zu suchen sei; wie es auch speziell zu der von mir Poet. Nat. I, 51 ff. entwickelten Ansicht über die Lage der drei Wurzeln stimmt u. s. w. Die drei Quellen, wie die drei Wurzeln, sind eben überhaupt nur, mit Mannhardt zu reden, Differenzierungen je nach den verschiedenen mythischen Beziehungen des Himmelsbaumes.

An der einen Quelle walten also die den prophetischen Peleiaden von Dodona entsprechenden Schicksal verkündenden Schwanjungfrauen, wie wir oben gesehen; nur daß eben der ethische Charakter der letzteren als Nomen sich mehr im Laufe der Zeiten herausgebildet und dem gegenüber den sonstigen natürlichen Hintergrund des Baumes überhaupt in der nordischen Scenerie immer mehr hat zurücktreten lassen.

Die zweite Quelle ist des weisen Mimir Brunnen, aus dem er jeden Morgen trinkt und so der weiseste und klügste Mann ist. Die prophetische Kraft tritt aber noch in besonders eigentümlicher Weise hier hervor, wenn, als die Yanen dem Mimir das Haupt abgeschlagen, dies an seine Stelle tritt und Odhin Gespräche mit ihm hielt, so oft er Rats bedurfte. Charakteristisch heißt es besonders in der Yöluspa:

Odhin murmelt

Mit Mimirs Haupt.

Ich muß hierauf etwas näher eingehen. Schon Simrock dachte (p. 533) bei dem weissagenden Haupte Mimirs an das redende Roßhaupt der Fallada im Kindermärchen, Kuhn verglich von anderer Seite damit das singende Haupt des Orpheus, sowie die blasenden Häupter der Winde und das wehende Johannishaupt. Eine indische Sage, welche er dann anfiihrt, vom Dadhyanc und von dessen zauberhaftem Haupte, — das im Gewitter eine Rolle spielt und bald menschlich, bald aber auch tierisch und zwar als ein Roßhaupt geschildert wird, dann in den verschiedensten Versionen bald die geheimnisvolle Kunde, welche Indra dem Dadhyanc erteilt, ausplaudernd und deshalb von jenem abgehauen gedacht wird, bald von Indra wieder im Kampf mit dem Asuren gesucht und dann auch wirklich ihm Hülfe leistend erscheint,— führte mich zu weiteren Resultaten, indem ich hier, wie auch sonst, bei den wunderbaren himmlischen Häuptern an die Anschauung meinte anknüpfen zu können, welche der norddeutsche Bauer noch aufweist, wenn er von gewissen dicken, der Gewitterbildung vorangehenden Wolkenbildungen den Ausdruck Grummel- oder Gewitterkopf gebraucht, s. Kuhn und Schwartz, Nordd. S. Geb. 429. »Dieser grummelnde oder murmelnde Gewitterkopf ist«, schloß ich die Untersuchung (Poet Nat. I, 127), »das plastische Substrat vom singenden oder redenden Haupte des Orpheus oder Mimir, des wilden Jägers, wie der blasenden Windgötter, ebenso wie vom Haupte des Zeus, aus dem, wenn es im Gewitter vom Hephäst mit dem Donnerhammer gespalten wird, Athene mit der Blitzlanze hervorspringt; das ist endlich auch das von den Blitzesschlangen umflatterte Haupt der Gorgo, welches ihr im Gewitter abgeschlagen wird. Wie aber aus dem abgeschlagenen Haupt der Gorgo das Donnerroß Pegasos entspringt, konnte jenes Wolkenhaupt auch selbst schon als das beim Beginn des Gewitters sichtbar werdende Haupt des im Gewitter dann deutlicher noch auftretenden Donnerrosses gelten. Das wäre dann auch das Pferdehaupt des Dadhyanc, welches im murmelnden Donner die Geheimnisse des Himmels ausschwatzt.«

Wenn nun dieses Haupt Indra dann, wie erwähnt, in dem Kampf mit den Asuren sucht, »da es fort war in den Bergen«, und es sich dann im See Kuruxetra fand, so erinnert dies auch wieder in anderer Weise an die obige Scenerie, wo Odhin, wie er sonst zu Mimirs Brunnen gegangen, bei dem letzten Weltkampf, der alle seine Bilder von dem Gewitterkampf entlehnt, seine Zuflucht zu Mimirs Haupt nimmt und es eben heißt: »Odhin murmelt mit Mimirs Haupt«. Führt uns doch auch schon das kurz Vorhergehende noch ausdrücklich in die Gewitterscenerie, wenn es heißt:

»Der Mittelstamm (Yggdrasils) entzündet sich

Beim gellenden Ruf Des Giallarhorns.

Ins erhabene Horn

Bläst Heimdall laut;«

und eben daran sich dann reiht: Odhin murmelt u. s. w.

Denn daß das Giallarhorn das Donnerhorn ist, haben Kuhn und Mannhardt schon (Germ. Myth. p. 550 f.) richtig erkannt. Vergl. auch Poet. Nat. II. p. 142 f.

Hatte Mimirs prophetisches Haupt aber auch selbst, wie wahrscheinlich, entsprechend dem Haupt des Dadhyanc seine Stätte in den himmlischen Wassern, eben sowie dem Mimirsbrunnen überhaupt ja das Weissagerische innewohnte, so erinnert uns das wieder noch speziell an die analoge Quelle bei der dodonäischen Eiche, von der oben geredet, die nach Servius durch ihr Murmeln auf Antrieb der Götter Orakel gab, welche dann eine Alte, mit Namen Pelias, den Menschen gedeutet habe. In beiden Fällen ist der murmelnde Donner die prophetische Stimme, dort tönte er aus dem Grummelkopf, dem Haupt des Dadhyanc u. s. w. an oder in den himmlischen Wassern, hier aus den Wassern selbst!

Wie dies aber auch sei, jedenfalls malt auch die Mimir-Quelle mit der sich an sie knüpfenden, eben geschilderten Umgebung ebenso wie die erste und die über Niflheim liegende Quelle mit dem Gewitterdrachen in verschiedener Weise nur wieder die Scenerife um den dort oben ewig blühenden Lichtbaum aus, dessen Wanken erst beim Weitende eintritt:

(Wenn) Glutwirbel umwühlen

Den allnährenden Weltbaum

(Und) Die heiße Lohe

Den Himmel bedeckt.

Aber neben diesen drei Quellen trieft es ja auch sonst bei der Esche Yggdrasil nicht bloß von Wasser, sondern auch von Milch und Honig, welche letzteren Momente wieder recht eigentlich auf den Himmel hinweisen. Yon dem Wasser, d. h. also auch hier dem Segen, von dem die Ströme Niflheims in weiterer Entwickelung der Sage dann kommen und der von dem himmlischen Hirsch trieft (wie der Tau von den Wolkenrossen der Valkyrien, sowie von der Wolkenmilch, die von der Ziege stammt, ist schon oben geredet; es genügt hier daran zu erinnern, und es bleibt nur noch übrig, als auf ein neues, aber höchst charakteristisches Moment darauf hinzuweisen, daß von unserm Baum auch bienenernährender Tau auf die Erde trieft, wie die Edda sagt, den man hünangsfall (Honigfall) nennt Gemahnt dies schon an die Yorstellung der klassischen Yölker, welche noch selbst ein Aristoteles und Plinius teilen, dass der Honig vom Himmel oder den Sternen triefe und nur von den Bienen eingesammelt werde, so daß es nicht weiter befremden kann, ihn hier von dem himmlischen Lichtbaum triefen zu sehen, so habe ich Poet. Nat I. p. 48—89 schon des ausführlicheren dies mythische Element behandelt und nachgewiesen, daß eine alte, mannigfach verzweigte indogermanische Naturanschauung hier eingreift, nach welcher einmal die Sterne als ein goldiger Bienenschwarm dort oben gefaßt wurden, woran noch jene erwähnte Ansicht des Aristoteles und Plinius über die Herkunft des Honigs von den Sternen erinnert, # dann aber auch Mond-und Sonnenlicht überhaupt als eine goldige Flüssigkeit und schließlich als der »Trank der Himmlischen«, der sie ewig verjünge, und ihr Born als eine Art Jugend-brunnen angesehen wurde. Ich kann unmöglich auch nur das Hauptsächlichste aus diesem Vorstellungskreise, den ich a. a. 0. aufs eingehendste behandelt habe, hier anführen; ich will nur darauf hinweisen, daß bei modernen Dichtem oft Anklänge an jene Anschauungen auftauchen (s. namentlich Poet. Nat. I. p. 29, 33 und XX), dann aber einzelne besonders bezeichnende Momente hervorheben, die speziell wieder eine Brücke schlagen zwischen der nordischen Yggdrasil und der Sagenreichen Eiche zu Dodona. Den triefenden Honigfall der Esche Yggdrasil vergleicht schon Kuhn, Herabk. des Feuers u. s. w. p. 131 (und nach ihm auch Mannhardt) mit dem indischen soma und dem iranischen hom, den Göttertränken, von denen der letztere, der hom, ebenfalls von einem sagenhaften Baum, dem Ilpa-Baum, trieft, und sagt dann: »Der Honig ist aber der hauptsächlichste Bestandteil des Mets, und wie unten dargethan werden soll, wird der Soma ebenfalls madhu genannt, was zugleich auch Honig bezeichnet. Beides, Honig und Met, sind also auch hier identisch u. s. w.« Dieselben flüssigen Elemente Wasser, Milch und Honig aber, welche bei der Esche Yggdrasil so charakteristisch auf-treten und auch in griechischen Mythen und Gebräuchen bekanntlich in entsprechender Verbindung mannigfach sich zeigen, kehren nun auch in den an Dodona und seine Eiche sich schließenden Sagen in ähnlicher Weise wieder und zwar hier ausgesprochenermaßen wieder als Nahrung der Himmlischen. Die Hyaden oder dodonäischen Nymphen, wie sie Hygin nennt, d. h. die himmlischen Wolkenwasserfrauen (die ob des Todes ihres durch eine Schlange (!) getöteten Bruders weinen), sollten dort den Bacchus, wie nach anderer Version das Zeus-Kind groß gezogen haben. Sie gelten aber nicht bloß u. a. als die Töchter des Melis-seus (des Bienenmanns), sondern Milch und Honig wird ausdrücklich als die erste Nahrung der betreffenden Götterkinder angeführt und zwar nach der kretischen Yersion der Sage beim Zeus die Milch der Ziege Amaltheia, welche wir oben mit der den himmlischen Einheriern Milch spendenden Ziege unter der Esche Yggdrasil verglichen haben (Poet Nat. H. 48). Und wenn nun weiter dann zu Dodona als Schwestern der Hyaden die Peleiaden auftreten, bald als Wolkenfrauen wie jene, bald in Taubengestalt (s. oben), so wird jener Gedanke nach all den Parallelen doch nur in anderer Form in betreff des Honigs weiter gesponnen, wenn, wie ich schon oben angedeutet, Tauben bei Homer überhaupt dem Zeus Ambrosia bringen, d. h. den himmlischen Honigtrank. Ueberall klingen dieselben Elemente an, nur immer anders gewandt. Und da mag noch ein anderer Gedanke sich Bahn brechen. Wenn Urdhs Brunnen verjüngt, sein Wasser also, wie Simrock, M. p. 40 sagt, dieselbe Kraft hat, die auch den Aepfeln Idhuns beiwohnt, ebensowie dem Begeisterungstrank der Äsen, der Odhrärir hieß, und nun weiter auch Odhrärir, ebenso wie die betreffenden Personen, mit jenem Brunnen verwechselt wird, dann auch Mimirs Quelle »Weisheit« verleiht und deshalb Mimir täglich mit dem Giallarhom (als Trinkhorn gewandt) aus ihm trinkt und Odhin auch deshalb dahin wallfahrtet, — so sehen wir nach alledem doch auch hier eigentlich immer nur analoge Elemente in verschiedenen Ansätzen und Entwickelungen, die auch den ursprünglichen himmlischen Licht- und Regenquellen allmählich andere Bedeutung verleihen. Heißt es doch in der Yöluspa dann auch wieder speziell in betreff Mimirs kurzweg:

Met trinkt Mimir allmorgentlich

Aus Walvaters Pfand!

Gerade derartige Verschiedenheiten und Unbestimmtheiten sind der volkstümlichen Sage eigentümlich, nur der einzelne Erzähler oder Dichter strebt nach einheitlicher, möglichst konsequenter Gestaltung des Stoffes; das gilt hier wie überall.

Ehe ich die Esche Yggdrasil aber verlasse, will ich doch darauf hinweisen, daß die nordische Mythe, wenn auch die Yggdrasil am berühmtesten geworden, doch noch mehrere Spielarten derartiger mythischer Bäume mit den Ansätzen ähnlicher Umgebung aufweist und namentlich bei einem unter höchst charakteristischem Hineinspielen wieder des Wassers. Yom Mimameidr habe ich schon gesprochen. In denselben Kreis gehört aber auch der Ebereschen- oder Vogelbeerbaum, Thors heiliger Baum (björg Thörs), von dessen mythischer Bedeutung bei den Ariern Kuhn und nach ihm Mannhardt schon des ausführlicheren gehandelt haben. Auf der Fahrt nach Geirrödhsgard kommt Thor nämlich in Wassernot. Giaip, Geir-rödhs Tochter, stand quer über dem Strom und verursachte dessen Wachsen. Da warf er mit einem Steine nach ihr und sprach: >Bei der Quelle muß man den Strom stauen!« Als er dem Ufer nahe war, ergriff er einen Vogelbeerstrauch und stieg aus dem Flusse. Daher das Sprüchwort: Der Vogelbeerstrauch sei Thors Rettung (Simrock M. 1878. p. 258). Wir haben in dieser Sage offenbar einen Gewitterkampf, wie in den meisten Kämpfen Thors, und da brauche ich wohl nicht erst an den durch die Gewittergüsse zur Yggdrasil watenden Thor zu erinnern, um in der obigen Scenerie den angeschwollenen Gewitterstrom, vor dem er sich kaum retten kann, und den Himmelsbaum, an dem er sich herauszieht, wiederzufinden.

Ebenso wie bei griechischen und germanischen heiligen Bäumen fehlt übrigens auch in Rom beim Ficus Ruminalis das Wasser nicht, ja die Scenerie, wie bei einer angeblichen Ueberschwemmung des Tiber an diesen Baum die Wanne mit den Götterkindern herantrieb und diese so gerettet wurden (s. meine Schrift über den Ursprung der Stamm- und Gründungss. Roms), gemahnt noch speziell im Kern an die zuletzt geschilderte Scenerie von der Rettung des Thor aus Wassersnot durch den heiligen Vogelbeerbaum.

Nachdem wir diese Verbindung des Himmelsbaums mit den Regenquellen in einzelnen charakteristischen Bildern verfolgt haben, möge noch ein kurzer Nachweis einer ähnlichen Erscheinung im Kultus folgen, der sich eng an jene Vorstellungen anschließt und im einfachen Abbilde das wiederspiegelt, was dort die Mythe mit sagenhaftem Schmuck reich umrankt zeigte.

Auf griechischem Boden haben wir diese Verbindung schon ganz allgemein oben nachgewiesen, ebenso ist erwähnt worden, daß in Upsala neben dem heiligen Baum eine Quelle war. Desgl. fand Bischof Otto von Bamberg im Jahre 1124, als er auf seiner Missionsreise nach Stettin kam, neben einem der zu gottesdienstlichem Gebrauche dienenden Gebäude einen heiligen Baute mit einer Quelle (Mannh. Baumk. p. 57). Der Baumkultus tritt nämlich in seinen Urelementen auch bei den slavischen Völkern, ja auch innerhalb des preußischen, finnischen und keltischen Heidentums in gleicher Weise auf, wie Grimm M. 1844. I. 66 bemerkt. Die Verbindung von Baum und Wasser erhellt aber am charakteristischsten in ihrer allgemeinen Verbindung bei den Germanen aus all den Kapi-tularbeschlüssen, welche dem Heidentum entgegentraten und die besonders die auguria lucorum sive arborum vel fontium als unchristliches Heidenwerk verdammen. Alle, welche diese Zeiten behandeln, von Keysler bis Pfannenschmidt, heben diesen Umstand bedeutsam hervor. Die Haupt-kapitularbeschlüsse finden sich bei Keysler und Grimm zusammengestellt, desgl. in W. Müllers Altd. Religion p. 59, wo er sagt:

»Noch mehr aber (als Haine) werden als solche Stätten des heidnischen Gottesdienstes Bäume und Quellen genannt, entweder so, daß abgöttische Gebräuche bei denselben anzustellen verboten wird, oder daß sie geradezu als Gegenstände der Verehrung bezeichnet werden.«

— Weit in das Christentum hinein zieht sich die Sitte, teils unter christlichen Formen, teils als mehr unschuldige Volkssitte gewohnheitsgemäß festgehalten. Hier nur ein paar Beispiele aus Pfannenschmidt »Das Weihwasser« Hannover 1869. Nachdem er ein Zeugnis für die Verehrung von Quellen aus der ums J. 347 verfaßten Katechesis des Cyrillus, Bischofs von Jerusalem, angeführt, wo es heißt: Cultus est diaboli, illae quae in idolis fiunt supplicationes et quaecunque in honorem idolorum per-aguntur, ut incendere lucernas et ad fontes et fluvios adolere cet, fahrt er fort:

»Wie sehr nun auch die Kirche sich bemüht hatte, den alten Glauben an die heilige Kraft des Wassers, die Verehrung der Flüsse und Quellen auszurotten, so ist ihr dies kaum bis heute ganz gelungen. So wurden noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts bei der Kirmes und auch in der Maiennacht im Oberbergischen (Rheinprovinz) nach altheidnischem Gebrauche sowohl Buchen als Linden oft mitten im Walde, besonders an den Quellen mit Kränzen geschmückt, auf welchen Kerzlein befestigt waren, die man abends anzündete.«

Aehnliche Gebräuche bringt Mannhardt in seinem »Baumkultus« in Menge bei.

Auch lokalisiert in christlichen Kultusstätten erscheint noch Baum und Quelle zahlreich nebeneinander wie zur Heidenzeit, namentlich bei Marienkulten. So sagt Vernaleken in seinen »Mythen und Bräuchen^ des Volkes in Oesterreich«, Wien 1859: »In katholischen Ländern treffen wir eine Menge Volksüberlieferungen, die sich auf die Erscheinung eines Marienbildes an einem Baume beziehen, wie wir denn häufig solche Bilder an Bäumen befestigt finden (auch Stöber in seinen Elsässischen Sagen. St Gallen 1852. p. 32 f. hebt dies hervor): »Ein Brunnen steht immer damit in Verbindung; wir erinnern nur an die Legenden, die über das an Mariae Geburt von vielen Tausenden besuchte Maria-Brunn (bei Wien) im Umlauf sind, an die Entstehung vieler Wallfahrtsorte« u. s. w.« (vergl. was Panzer in seinen bairischen Sagen über ähnliche Kultusstätten »der Mutter Gottes an der schönen Tanne«, »der Maria auf dem Baumstock in der Prauenau« und ähnl. sagt.

Ich hebe über die »Art« des Kultus der Bäume resp. Quellen aus dem reichen Material, welches Grimm und Mannhardt beigebracht, besonders noch folgende Momente hervor, indem ich sie meinem Standpunkt anpasse. Als Einleitung zunächst von den Bäumen:

1) Wie es in dem zu Anfang citierten kleinrussischen Rätsel vom Sonnenbaum hieß, er stehe mitten im Dorfe, in jeder Hütte sei er sichtbar, so fand sich auch meist bei Griechen, Römern und Deutschen in den einzelnen Niederlassungen ein irdisches Substitut desselben, das, je älter der betreffende Baum wurde und je mehr Generationen er überdauerte, nur an Bedeutsamkeit und Verehrung für die folgenden Geschlechter gewann. Die mannigfachsten Beziehungen knüpften sich daran, namentlich wurde er leicht zu einer Art Lebensbaum des einzelnen, der Familie, sowie des ganzen Stammes, in dem die Existenz wechselseitig eng verknüpft schien. Dies ist die allgemeinste und primitivste Form neben solchen reicher entwickelten, wie wir sie oben verfolgt Hierher gehört, was Plinius über das klassische Altertum sagt, wenn es im XIII. Buche zu Anfang heißt: Haec (arbores) fuere numinum templa, priscoque ritu simplicia rura etiam nunc Deo prae-cellentem arborem dicant. Das ist der Yärdtr&d, der (dann nach späterer Auffassung) vom Schutzgeist bewohnte Schicksalsbaum hinter dem Hofe in Schweden, Dänemark sowie in den Alpen, der in allerhand sympathische Beziehungen zum Hause tritt, den u. a. Schwangere in ihrer Not umfassen, um leichtere Entbindung zu erhalten, wovon nachher noch im besonderen die Rede sein wird (Mannhardt Baumk. p. 51 ff). Daß auch neben der Gründung von Kultusstätten eine solche von Städten und Burgen sich an Bäumen vollzog, hat Boetticher für Griechenland gleichfalls nachgewiesen (p. 241) , aber auch sonst schließen sich die Anfänge der Kultur an solche Bäume, vergl. auch meine Schrift »Ueber die Stamm- und Gründungssage Roms.«

2) Eine weitere Entwickelung des Kultus ist, daß man  Beutestücke der Jagd, namentlich die Felle der erlegten Tiere, dann auch ihre Köpfe und Hörner an dem heiligen Baum auf-hängte, woran sich mit der Zeit weitere Ausschmückung des Baumes als der heiligen Kultusstätte — ehe man Tempel baute — reihte. Boetticher hat auch hiervon p. 69 des ausführlicheren gehandelt. Er ist geneigt, darin ein Weihopfer zu finden, wie man es auch gewöhnlich faßt. Allerdings hat die spätere, polytheistische Zeit es so gefaßt, ursprünglich dürfte aber auch hier, wie in den meisten ähnlichen Fällen, eine einfache mechanische Nachahmung eines angeblich analogen himmlischen Vorgangs die erste Triebfeder dieser dann religiös ausgebauten Gewohnheit gewesen sein. Im II. Teil der Poet. Nat. 1 ff. u. 38 habe ich die mannigfache und weite Verzweigung des mythischen Elements der Wolke als eines Felles oder Schlauches behandelt und auch schon oben Gelegenheit gehabt darauf hinzuweisen. Das Widderfell am heiligen Baum im Sonnenlande am Phasis, der geschundene, pfeifende Windgott Marsyas an der Fichte Ast aufgehängt, ebenso wie der an der Esche Yggdrasil hängende Wolken- und Sturmesgott Odhin, — alle derartigen Bilder führten, in Analogie zu der vom Zeus nach Homer aufgehängten Hera, auf die am Himmel, event. am Lichtbaum dort oben, aufgehängten Wolken, es waren die pendentia vellera lanae des Lucrez, nur eben mythisch im einzelnen nach der ganzen Scenerie gefaßt und gewandt1). Gerade das Schweben der Wolken, die Frage, welche Macht resp. Kraft sie dort oben aufhänge, beschäftigte ja noch selbst bis in die Neuzeit, wie ich am oben angeführten Orte nachgewiesen, selbst die Gelehrten, so daß es doppelt erklärlich ist, wenn es in der Urzeit in den Bereich mythischer Vorstellungen gezogen wurde. Dafür aber, daß meine Deutung richtig, kann ich zur Bestätigung noch anführen, daß, wie ich nachträglich sehe, Mannhardt beim hängenden Odhin an einer Stelle seiner Germ. Mythen, abweichend von der von jnir in den Poet. An. H, 38 von ihm citierten Stelle, auch schon an die Wolke denkt1), dann aber bei den Südseeinsulanem auch dieselbe Vorstellung wiederkehrt, indem die Sage den Donnergott, als er von den Früchten des Himmelsbaumes gestohlen, ins Dach gehängt werden läßt, um echt tahitisch langsam zu Tode geräuchert zu werden, aus welcher Lage er sich dann durch eine List befreit.

Hält man nun zu jener Vorstellung von am Himmel aufgehängten Wolken eine andere arische, nämlich die uralte einer am Himmel im Gewitter hintosenden Jagd, so liegt nach anderen Analogien die Vorstellung nicht allzufem, daß einzelne, nach dem Gewitter am Himmel übrig bleibende und dort schwebende Wolken für am himmlischen Lichtbaum aufgehängte Felle gehalten worden wären, die von den in der himmlischen Jagd gejagten Tieren als Trophäen herrührten, und daß man diesen Gebrauch dann hier auf Erden nachgeahmt hätte. Spielte doch die Sage weiter mit diesen Fellen. Ich erinnere an die Felle der im Gewitterfeuer geschlachteten Sonnenrinder in der homerischen Sage, welche noch dahinkriechen und brüllen sollten, ferner an das angebliche Wiederbeleben der Bocksfelle von seiten Thors in der nordischen und ähnliche Züge in deutscher Sage, mythische Bilder, zu denen doch selbst das oben erwähnte Aufhängen des Odhin (Yggs) und sein Wiederbeleben als eine Art Analogon zu fassen; ebenso wie schließlich das Wiederholen des Gewitterfells des goldenen Vließes (wie das des im Winter geraubten Donnerhammers Thors) ursprünglich nur als modifizierte Erweiterungen derselben Grundanschauung vom Erscheinen und Verschwinden und Wiederauftauchen des Donnergewölks zu den verschiedenen Jahreszeiten anzusehen sind, wie es in ähnlicher Weise im Element schon der oben erwähnten tahitischen Sage zu Grunde liegt.

Der Gebrauch der an heiligen Bäumen aufgehängten Felle entwickelt sich nämlich noch weiter in eigentümlicher, bisher unerklärter Weise, die aber in der oben angedeuteten Weise doch ihre Lösung finden dürfte. Zur Sache lasse ich zunächst Grimm M. p. 615 sprechen. »Bei den Longobarden«, sagt er, »kommt die Verehrung des sogen. Blutbaums oder heiligen Baumes vor. Genaueres davon meldet die vita Sancti Barbati in den Actis Sanctor, vom 19. Febr. p. 193. Der Heilige (geb. 602, gest um 683) lebte zu Benevent unter den Königen Grimoald und Bomuald, das longobardische Volk war getauft, hing aber noch an abergläubischen Gebräuchen: quin etiam non longe a Beneventi moenibus devotissime sacri-legam colebant arborem, in qua suspenso corio cuncti  qui aderant terga verteiltes arbori celerius equitabant, calcaribus cruentantes equos, ut unus alterum posset praeire, atque in eodem cursu retroversis manibus in corium jaculabantur sicque particulam modicam ex eo comedendam snperstitione accipiebant. — Ich habe p. 159 (Grimm M.) nachgewiesen, daß von Osseten und Circassiem Stangen mit Tierhäuten zu Ehren göttlicher Wesen aufgerichtet wurden, nach Jomandes bei den Goten dem Mars exuviae, truncis suspensae, daß überhaupt Tiere an Opferbäumen hingen; vermutlich war auch dieser Baum einem Gotte durch Opfer heilig, d. h. durch Votivopfer Einzelner; der ganze Ort hieß davon »ad votum«. Welche Bedeutung der Speerwurf durch die hängende Haut hatte, ist noch nicht klar; auch im Norden pflegte man durch aufgehängte rohe Ochsenhäute zu schießen (Forum. sog. 3, 18. 4, 61), es war ein Zeichen von Kunst und Stärke. Daß es rückwärts geschah, erhöhte die Schwierigkeit und ist ganz altertümlich*« So Grimm a. a. 0.

Hält man zu den oben entwickelten Vorstellungen von dem am Sonnenbaum aufgehängten Widderfell u. s. w. eine andere, nach welcher im Gewitter ein Wettschießen stattfand, ich erinnere nur an Odysseus’ Bbgenkampf, sowie das Schießen auf Baldur (s. TJrspr. d. Myth. und weiter unten die betr. Untersuchungen), so hätte man in dem obigen Speerwerfen durch eine am heiligen Baum aufgehängte Haut vielleicht eine Nachahmung eines entsprechenden Naturbildes, wie man es ähnlich dort oben am Himmel im Gewitter im Schleudern der Blitzspeere nach der Wolke vor sich gehend wähnte. Das Wettreiten dabei entspräche dem analog zu fassenden Wettfahren in einer Sage, wie die von der Werbung um die (Sonnen-)Jungfrau Hippodameia oder Ata-lante, welche in dieser Hinsicht der Brunhild entsprechen. Ist diese Deutung richtig, dann wäre auch erklärt, warum Odhin nach dem Hävamäl an der Esche Yggdrasil »vom Speer verwundet« hing; es wäre wie bei jenem Gebrauch an den Blitzspeer zu denken, den ja sonst auch Odhin führt.

Doch ich kehre nach dieser Hinweisung zum Kultus der B&ume und Quellen zurück, und da zeigt sich:

3) als gemeinsamer Gebrauch der europäischen Arier das Anzünden von Fackeln und Lichtern an denselben und, was ich gleich betonen will, zum Zweck von allerhand Augurien. Yon den Fackeln zu Dodona, welche von selbst sich wieder im heiligen Quell entzünden sollten, habe ich schon geredet und dieselben mit Perthes auf des Blitzes Fackel bezogen. Knüpfen sich hier dieselben an das Substitut des Regenquells, so schließen sie sich in einer andern Sage noch in ähnlich mythischer Form an den Baum selbst Wir werden nachher eingehender davon handeln, daß speziell zur Zeit der Bonnwendfeste man Repräsentanten des himmlischen Lichtbaums festlich ausschmückte und vor und in den Häusern aufstellte. Was da der Gebrauch festgehalten, knüpft in Island, der Schatzkammer nordischer Tradition, die Mythe in einem Bilde an den Ebereschen- oder Vogelbeerbaum, Thors heiligen Baum, den wir schon vorhin in einer Sage als Substitut unseres Lichtbaums kennen gelernt Maurer berichtet nämlich in seinen Isländischen Sagen, p. 178: »Man nennt ihn (den Vogelbeerbaum) wohl den heiligen Baum, und erzählt, daß man früher in der Weihnachtsnacht (d. h. also zur Wintersonnenwende) alle seine Zweige mit brennenden Lichtern besetzt gefunden habe, welche nicht erloschen seien, mochte der Wind auch noch so stark wehen; derselbe erscheint (setzt Maurer hinzu) also geradezu als ein Vorbild des Christbaums, den wir künstlich erst auszuputzen pflegen.« Nach der obigen Analogie dürften auch unter diesen Windlichtern — deren Substitute wir überall in den betr. Kulten wiederfinden, — ursprünglich die himmlischen Fackeln und Windlichter des Blitzes zu verstehen sein, so daß wir ebenso wie bei der obigen Ausstattung des dodonäischen Regen-Quells, welchen feurige Fackeln zu durchfurchen schienen, hier vor einer Anschauung ständen, derzufolge der himmlische Lichtbaum im Gewitter mit Lichtern besteckt oder umgeben war, was dann wieder in Gebräuchen entsprechend nachgeahmt wurde .

Nicht also bloß, »um den Schauer der Anbetung zu erhöhen«, wie Grimm M. p. 550 bei der Besprechung des Gebrauchs ad fontes sive arbores luminaria facere, candelam deferre meint, zündete man an Bäumen und Quellen Fackeln und Kerzen an, sondern zunächst in Nachahmung der himmlischen Scenerie, wie auch wieder, derselben entsprechend, allerhand Augurien sich auch an dieses Moment reihten, wie sie sich an das Wasser knüpften.

Auch über den Orient wie über das Abendland finden wir übrigens derartige Gebräuche verbreitet. Nachdem Boetticher p. 49 als nächstliegendes Beispiel, wie er sagt, die Verehrung der Terebinthe zu Mamre angeführt, bei der Hieronymus ausdrücklich die Entzündung von Lichtern erwähne, giebt er weiter Beispiele ähnlicher Art aus dem griechischen wie römischen Altertum. Grimm, Mannhardt und Pfannenschmidt verfolgen die entsprechenden Gebräuche, namentlich auch das Anzünden von Lichtern an Quellen und Flüssen, welches sich bis in die neuesten Zeiten erhalten hat, und worin slavischer Gebrauch mit deutschem übereinstimmt, nur daß jener das sog. Lichterschwimmenlassen zur Sommer-, dieser mehr zur Wintersonnenwende ausübt. Grimm führt schon a. a. 0. an, daß man zu Weihnachten noch jetzt mit Lichtern in den Brunnen schaue, ebenso erkundet man durch das erwähnte Lichterschwimmenlassen noch jetzt die Lebensdauer, sieht, wer zuerst stirbt, oder welche sich verheiraten u. dergl. mehr. Auch hier zeigt sich nämlich, worauf ich schon in meiner Schrift: »Der heutige Volksglauben und das alte Heidentum« u. s. w. H. Aufl. p. 6 f. aufinerksam gemacht habe, daß, wenn auch das Heidentum aus dem öffentlichen Leben mit Einführung des Christentums verschwunden, der mit jenem verknüpfte Aberglaube sich noch gerade in und an den einfachsten Lebensverhältnissen, wie Hochzeit und Tod u. dergl., vielfach erhalten hat. Daß aber die an Bäumen und Quellen sich schließenden Wahrsagungsarten auch bei den Deutschen, ebenso wie zu Dodona, weiteren Spielraum gehabt, mag für viele Stellen eine zeigen, wo der Papst durch Bonifacius die Deutschen ermahnt, solch heidnisches Wesen zu lassen. Divinos autem et sortilegos vel sacrificia mortuorum seu lucorumvel fontium auguria vel phylacteria et incantatores et veneficos et maleficos et observationes sacrilegas, quae in vestris finibus fieri solebant, omnino respuentes atque abjicientes, tota mentis intentione ad Deum convertimini etc. Es dürfte in betreff der Ausdehnung der betr. auguria zwischen heut und einst dasselbe Verhältnis stattfinden, wie man heutzutage das sogen. Siebdrehen auch nur noch höchstens zur Ermittelung eines Diebes anwendet, während es früher ein allgemeines, auch den Griechen bekanntes Weissagemittel war.

Diesem Wasser- und Feuerkultus schließen sich aber nun noch eine Fülle von Gebräuchen anderer Art im Ursprung an. Hierher gehören die Wasser- und Feuerlustrationen, die Wasserspenden sowie das Anzünden von feurigen Bädern und überhaupt von Feuern, namentlich zur Zeit der verschiedenen Sonnwendfeste, namentlich die Johannis-, Martins- und Weihnachtsfeuer, von deren Beziehung zu den metereo-logischen Himmelserscheinungen ich schon in den Poet. Natur-ansch. I. gehandelt habe und wofür ein reiches Material Pfannenschmidt sowohl in seinem »Weihwasser« (Hannover 1869), als auch in seinen »Germanischen Erntefesten« (Hannover 1878) beigebracht hat Letzterer nähert sich auch schon p. 491 ff. unserer Auffassung, nur daß er das Ganze noch mit Mannhardt (p. 494) zu spiritualistisch in eine wenig für die Urzeiten passende Form kleiden möchte. Höchst interessant ist bei ihm übrigens noch der Nachweis, daß gleichfalls viele Wallfahrten und Prozessionen mit brennenden Lichtern  u. s. w. zu heiligen Bäumen und Stätten, Flurprozessionen und Grenzbezüge u. dergL eben hierher ihrem Ursprung nach gehören und aus der Heidenzeit sich in christlichen Formen selbst bis auf unsere Tage erhalten haben. Und da will ich denn auch darauf hinweisen, daß auch die Hydrophorien und die Fackelläufe bei den Griechen desselben Ursprungs gewesen sein dürften. Diese Gebräuche sind offenbar zuerst sämtlich auch nur einfache Nachahmungen angebl. entsprechender Himmelserscheinungen gewesen, wie ich es schon im ersten Teile der Poet Nat. von den Johannisfeuern u. s. w. nachgewiesen, in betreff bestimmter Umzüge aber es außer im Urspr. d. Myth. auch im H. Teil der Poet Nat unter der Überschrift »Gewitter zieht herum« p. 159 cfr. No. 5 »Gewitter als himmlisches Gekessel« gefaßt habe. Indem sich diese Gebräuche dann besonders an die Sonnenwende sowie die Tag- und Nachtgleichen schlossen, bildete sich in der Urzeit gleichsam schon ein heiliger kalendarischer Jahrescyklus, dem sich später dann noch bestimmte Festspiele anschlossen, — z. B. im Demeterkult das Suchen der Kore, entsprechend dem des Adonis, — so daß auf heidnischem Boden sich hierin schon eine ähnliche Entwickelung zeigt, wie in dem christlichen Kirchenjahre mit seinen Festspielen, wie sie noch jetzt z. B. im Ober-Ammergau gefeiert werden. Tritt dies in Griechenland uns schon in voller Entwickelung entgegen, so erscheint es in den Anfängen bereits auch auf deutschem Boden. Immer sind es hier vor allem die erwähnten Sonnenwendzeiten, und so reihten sich auch den entsprechenden Wasser- und Feuerfesten entsprechende Baumfeste an, in denen man Bäume, namentlich Tannen, festlich einholte, schmückte, mit Lichtern besteckte u. s. w. ursprünglich als Repräsentanten »des himmlischen Lichtbaumes«, der »mitten in jedem Dorfe, in jeder Hütte sichtbar«1). Daß auch der Weihnachtsbaum speziell hierher gehört als Symbol des zur Wintersonnenwende wieder erstehenden Lichtbaums, daran malmte schon oben die isländische Mythe von dem heiligen Ebereschenbaum, der zur selbigen Zeit mit seinen Lichtern erglänzt haben soll, wie ich auch anderweitig schon in zwei Gelegenheitsartikeln diesen Gedanken besonders ausgeführt habe.

Bei der Eiche zu Dodona wie bei der Esche Yggdrasil haben wir schon gelegentlich die daselbst das Schicksal kündenden Wolkenwasserfrauen, Schwan- und Taubenjungfrauen kennen gelernt; die Hauptepiphanien am himmlischen Tagesbaum scheinen sich aber an die Sonne resp. an das im Blitz angeblich leuchtende und aus dem oberen Wolkenhimmel. zur Erde dann hinabsteigende Gewitterwesen angeschlossen zu haben, wobei man vielleicht, entsprechend den griechischen Philosophen, welche die Blitze von der Sonne ableiteten, auch das in den Blitzen scheinbar näher kommende, herabsteigende Wesen mit der Sonne identisch faßte, worauf mich im »Heutigen Volksglauben« p. 103—113 (vergl. »Urspr. d. Myth.« Alttestamentarische Parallelen p. 280) gewisse Parallelen zwischen der weißen, todverkündenden Frau und dem (todbringenden) Engel des Herrn in der Bibel geführt haben.

Doch dies zunächst dahingestellt, gehen wir den überhaupt hierher schlagenden Epiphanien auf und an dem himmlischen Baum etwas eingehender nach, wobei wir uns auch zunächst an Boetticher anschließen können.

Er sagt p. 33:

»Was endlich die Epiphanie der Götter unter Bäumen anbetrifft,—so findet sie sich nicht allein bei den Hellenen und Römern, sondern die ältesten heiligen Sagen des Orients kennen sie, weil sie gleicherweise mit dem Baumkultus beginnen und ihn als bestehend voraussetzen; dies gilt so für die Israeliten, wie für die übrigen Völker des Orients, die ja insgesamt Träger des Baumkultus sind.«

— Weiter heißt es dann p. 518: »Die heilige Sage in der Genesis knüpft, wie schon oben (p. 507) bemerkt ist, das Schicksal der Stammeitem des Menschengeschlechts gleichnisweise an zwei von Jehovah selbst im Paradiese als Schicksalsbäume gepflanzte Bäume, an den Baum der Erkenntnis der Dinge und an den Baum der Unsterblichkeit2). Aber diese Sage  des alten Testaments hätte unmöglich ein solches Gleichnis machen können, wenn es nicht in der lebendig geübten Verehrung des Baumes sein volles und bedeutsames Verständnis beim Volke fand; aber eben weil diese Baumverehrung ein ursprüngliches Kultuselement bei den gesamten Volksstämmen des Orients war, muß sie ohne weiteres auch bei Abraham und seinem Geschlechte vorausgesetzt werden.« — Boetticher geht dann die Epiphanien, welche in der Bibel auftreten, durch, unter welchen die dem Gideon erschienene die bedeutsamste für uns ist, da in ihr die Beziehung zu dem Baume am bestimmtesten hervortritt. »Da kam«, heißt es Richter VI., 11 »der Engel des Herrn und setzte sich unter die Terebinthe zu Ophra —, während Gideon Weizen an der Kelter ausklopfte, um es vor Midian in Sicherheit zu bringen.« »Es ist«, setzt Boetticher hinzu, »die Geschichte von der Erwählung Gideons zum streitbaren Helden und Richter in Israel ganz verwandt der Erscheinung des Herrn unter der Terebinthe bei Abraham«, und fahrt dann fort: »Gideon aber kennt ihn nicht, er mißtraut den Worten und will prüfen, ob die Erscheinung keine trügliche sei; deswegen verlangt er ein Wunder von ihr, und zwar jenes nur den Himmlischen mögliche Wunder, daß das Opfer, welches er bieten will, von selbst entzündet und verzehrt werde. Hinweggehend und ein Böcklein schlachtend legt er die Opferstücke des Fleisches mit ungesäuertem Brot auf einen Opferkorb, trägt es nach der erhaltenen Anweisung auf den Stein unter dem Baum und gießt darauf das Trankopfer aus. Da berührt der Bote des Herrn das Opfer mit seinem Stabe, Feuer fahrt aus dem Steine und verzehrt dasselbe, der Engel selbst aber wird darauf unsichtbar.« So Boetticher. — Nach dem weiteren Ausbau der Scenerie werden wir hier, wie schon oben angedeutet, in dem Boten des Herrn mit dem zündenden Blitzstab den Engel des Herrn wiedererkennen, dessen Anblick auch sonst sogar tötet, d. h. eben die leuchtende Blitzerscheinung, als Botschaft des höchsten Gottes1); die Bedeutung der Terebinthe tritt aber auch sonst charakteristisch noch genug hervor, wie Boetticher weiter ausführt, so zu Sichern, »als das väterliche Heiligtum der heidnischen Familie des Lot und ihres Götzen Tempel«:–bei welchem Baum auch später Josua die Kinder Israel berief und unter welchem er ihnen des Herrn Gesetz verkündete; — wovon der Baum genannt wurde »die Terebinthe zum Heiligtum des Herrn.« (S. Boetticher p. 522 i)

Wie durch die Geschichte Israels, ziehen sich Epiphanien unter den verschiedensten Formen auch durch das ganze griechische Altertum (Nägelsbach, »Nachhom. Theologie« u. s. w. Nürnberg 1857. p. 2.). Wenn es aber auch bei den Griechen als gefährlich galt, die Götter leibhaftig zu schauen , so dürfte auch hier ein ähnlicher, natürlicher Hintergrund anzunehmen sein, wie nach dem Glauben der Semiten. Dem sei aber wie ihm wolle, uns kommt es jetzt nur auf Erscheinungen der Götter bei Bäumen an. Auf eine ist schon oben gelegentlich hingedeutet worden, wo Demeter den Töchtern des Keleos beim Oelbaum am Kallichorosbrunnen bei Eleusis erscheint. Auf eine andere weist Nägelsbach, p. 3, hin, wenn er sagt:

»In der Schlacht bei Stenyklaros sitzen die Dioskuren auf einem Baume und werden vom Propheten Theokies gesehen, Paus. IV. 16, 2, wie Apollo und Athene bei der Buche vom Propheten Helenos. Hom. 11. VH. 20—45.«

Die Epiphanie auf dem Baume ist speziell charakteristisch, wie wir auch oben schon nach Boetticher sie besonders erwähnt, und dieser sie noch des weiteren p. 140 ff. behandelt, indem er als ihre Substitute Götterbilder »auf einem dazu abgeglichenen Aste des Baumes oder in den Zweigen seiner Krone« erwähnt Diese Form wird deshalb namentlich wichtig, weil sie höchst bedeutsam dann auf deutschem Boden wird und diese Seite der Epiphanie schließlich in besonderer Weise klar legt Wir haben schon oben erwähnt, daß Bilder der Jungfrau Maria sich namentlich so auf Bäumen finden und dieselbe gewöhnlich der Volksüberlieferung nach ebenso erschienen sein soll. Die Sagenforscher, die dies anführen, wie Panzer, Stöber u. s. w. finden mit Recht darin einen heidnischen Hintergrund, und J. Grimm macht, als er p. 66 von dem Hausen geisterhafter Wesen auf Bäumen spricht, eine Bemerkung, die uns weiter führen soll. Er sagt in der Anmerkung:

»Es verdient Aufmerksamkeit, daß auch in christliche Legenden die heidnische Idee von Götterbildern auf Bäumen eingegangen ist; so tief wurzelte .im Wolke der Baumkultus. Ich verweise auf die Erzählung von dem Tiroler Gnadenbild, das in einem Baum des Waldes aufwuchs. (Deutsche Sagen. No. 348.) In Kärnten sieht man Muttergottesbilder an Bäumen schauerlicher Haine befestigt (Sartoris Reise 2, 165). Nicht unverwandt scheint die Vorstellung von wunderbaren Jungfrauen, die in hohlen Bäumen oder auf Bäumen im Walde sitzen. (Marienkind. Hausmärchen No. 3. Romance de la infantina. p. 259.)«

So Grimm; ich habe nun inzwischen in diesen wunderbaren Jungfrauen, die nach Erlösung verlangen, auf einem Baume sitzen, in ihre goldnen Haare sich fast zu hüllen imstande sind, eine Anschauung der Sonnenjungfrau als einer einsamen, dort oben hin verwünschten Jungfrau in den »Poet. Naturansch.« L 202 f. *) nachgewiesen. Das paßt nun wieder ganz vorzüglich zu der jetzt durchgeführten Bedeutung des mythischen Baumes als des himmlischen Lichtbaumes; beide Vorstellungen tragen sich gegenseitig.

Daß aber diese Deutung richtig, wird jetzt nach unserer Entwickelung der Weltesche Yggdrasil als des himmlischen Lichtbaums noch in besonderer Weise durch die Edda selbst bestätigt. Denn es dürfte nach allem keinem Zweifel unterliegen, daß, wenn nach der Völuspa Idhun oder Urdh oben auf der Esche thront und dann zur großen Sorge der Götter zu Nörwis Töchtern d. h. »zur Nacht« zeitweis hinabsinkt, wir es nicht, wie Uhland und Simrock wollen, in Idhun mit dem Blütenschmuck oder, wie Mannhardt will, mit der Wolke, sondern mit einem Sonnenwesen zu thun haben, welches, unter verschiedener und doch in der Sache analoger Vorstellung, als die Hüterin bald des ewige Jugend verleihenden Lichtbronnens, bald der Unsterblichkeit verleihenden Himmelsäpfel erscheint. Wie sie sich in einer gewissen Parallele zur Despoina-Persephone stellt, in der ich auch die Sonne nachgewiesen und mit der sie auch W. Müller und Mannhardt vergleichen, ist die andere Form, die Sage von ihrer Entführung durch den winterlichen Sturmesriesen, nur eine Version des erwähnten mythischen Zuges von ihrem zeitweisen Herabsinken von der Esche Yggdrasil »aus heiterer Wohnung«, wie die Edda sagt, »zur finsteren Nacht.«

Ein Moment, auf das ich neuerdings auftnerksam geworden bin, erhärtet aber noch in anderer Weise die Altertümlichkeit und einstige weite Verbreitung der Vorstellung von der dort oben ev. auf dem himmlischen Lichtbaum thronenden und zeitweise herabsinkenden resp. herabsteigenden Sonnengöttin. Verschiedentlich habe ich schon in der Thetis und dem Achill die Sonnenfrau und den Sonnensohn nachgewiesen, namentlich die Wandlungen der Thetis in eine Schlange, Peuer, Wasser u. s. w. auf die bekannten mythischen Elemente des Gewitters bei dem angeblichen Werben in demselben um die Sonnenfrau bezogen1). Nim erzählt Bemh. Schmidt in seinem »Neugriech. Volksl.«, Leipzig 1871, in einer Sage von einer kretischen Nereide (die als himmlische Wasserfrau sich zu einer andern Seite der mythischen Gestalt der Thetis stellt), ganz ähnliches. Gegenüber dem Burschen (dem bäurischen Substituten des Peleus also) wandelt sie sich bald in einen Hund, bald in eine Schlange, Feuer u. s. w. Aber er hält sie bis zum Hahnekrähen an den Haaren fest und vermählt sich mit ihr. Aber niemals, heißt es weiter, wechselte sie mit ihrem Manne auch nur ein einziges Wort Dieses seltsame und unerträgliche Schweigen von ihrer Seite nötigte ihn, sich abermals an jene Alte (die ihm schon den Rat gegeben, wie er die Nereide fangen könne,) zu wenden und ihr seine Betrübnis auszusprechen. Die Alte riet ihm, er möge den Backofen tüchtig heizen und, ihr Knäblein in die Hände nehmend, zur Nereide sagen:

»Du willst nicht mit mir reden? Nun, so verbrenne ich dein Kind!«

und bei diesen „Worten solle er sich stellen, als wolle er den Säugling in den Backofen werfen. Der Mann that, wie ihm die Alte voigeschrieben. Da schrie die Nereide:

»Laß ab von meinem Kinde, Hund!«

riß das Knäblein hastig an sich und verschwand vor seinen Augen. — Nicht bloß in der ersten Partie, sondern auch im Schluß finde ich ein Analogon zur Thetis-Sage. Das projektierte Schieben des Kindes in den brennenden Backofen d. h. in das Feuer, sowie der Aufschrei der Mutter haben ja auch ihre Parallele in jener, nur daß wir hier es eben mit einer bäurischen Scenerie zu thun haben, während der betr. Stoff dort der Gestalt der Sage und der göttlichen Umgebung entsprechend gewandt ist, so daß Thetis im Feuer das Kind unsterblich machen will und Peleus darüber aufschreit.

Nun macht in Bezug auf die schweigsame Nereide Schmidt folgende Anmerkung.

»Wie hat man es übrigens zu verstehen, wenn Sophokles im Troilos (bei Schol. Pind. Nem. 4, 62 £) die Ehe des Peleus mit der Thetis nennt? Ln Hinblick auf die sonstigen auffälligen Ueberein-stimmungen möchte man sich fast versucht fühlen anzunehmen, der Mythos, welchem der Dichter folgte, habe berichtet, daß Thetis in der Ehe mit ihrem Gatten, gleich der Nereide der kretischen Sage, beharrlich Schweigen beobachtet habe.«

So Schmidt Mannhardt schließt sich in seiner interessanten Behandlung der Peleus-Thetis-Sage als einer thessalischen Volkssage (in seinen »Antiken Wald- und Feldk.« p. 60) dem an und sagt bei Erwähnung der Schmidtschen Bemerkung, auch dieser Zug des Schweigens ist echt und alt »Nach einer englischen Sage, welche Walter Map, der Freund König Heinrich H., in seiner zwischen 1180—1193 verfaßten Schrift »nugae curialium« von dem berühmten angelsächsischen Ritter Ediic dem Wilden erzählt, hat derselbe im Walde tanzende Waldfrauen belauscht, eine derselben ergriffen und nach langem Kampfe siegreich mit sich fortgeschleppt. Drei Tage ist sie ihm völlig zu Willen, spricht aber kein Wort, am vierten öffnet sie den Mund, um ihn mit holdseliger Bede zu grüßen und ihm Glück zu verheißen, so lange er sie nicht schelte. Als er dies in Übereilung thut, ist sie verschwunden.« So Mannhardt.

Führten nun schon alle anderen charakteristischen Momente des betr. mythischen Wesens auf die Sonne, so wird diese Beziehung auch noch in der eigentümlichsten Weise bestätigt durch den durchgehenden Zug der zeitweisen Schweigsamkeit des betr. Wesens. In den »Poet. Naturansch.« 1.1864, p. 26 f. habe ich nämlich schon auf die Vorstellungen hingewiesen, die Tegnör von der Sonne entwickelt als einer himmlischen goldhaarigen Maid, die, dort oben hingebannt, still dahinwandle, bis sie erlöst werde, oder die als goldbefiederter Schwan im himmlischen Meer dahintreibe u. s. w. Unter den verschiedenen daran sich schließenden ähnlichen Ansichten von der Sonne, daß z. B. Helios schlafend auf einem Nachen einherfahre, fand sich ferner auch die durch altertümliche Volksrätsel belegte einer Jungfer Mundelos. Damals sprach ich es schon p. 70 und 202 aus, daß hieran anzuschließen sei das oben erwähnte goldhaarige Mädchen der Sage, welches stumm auf einem Baume im Wald spinnend sitze und des Erlösers harre wie Dornröschen, Brunhild oder die in einer Höhle, einem Berge (dem Wolkenberge), von ihrer Mutter verschlossene, spinnende Persephone (zu der Zeus dann als Blitzesschlange schlüpft, wie Odhin zur Gunlöd). Nun tritt bei der Idhun, die sonst auf der Esche Yggdrasil thront, in der ich aber nicht, wie schon oben angedeutet, mit Simrock den abstrakten »Frühling« oder »den grünen Blätterschmuck« hier finde, sondern mehr im Anschluß an Eoch-holz, wie ich weiter unten noch des ausführlicheren belegen werde, die Hüterin der himmlischen Sonnenäpfel, also auch‘ eine Sonnenmaid, höchst bedeutsam auch ein eigentümliches Verstummen mit ihrem Herabsinken von der Esche Yggdrasil verbunden hervor1). Die Edda sagt nämlich von ihr in Hrafhagaldr Odhins (als die Götter sie ratsuchend beschicken), wie sie zur Tochter Nörwis, d. h. der Nacht, herabgesunken:

Sie mochte nicht reden,

Könnt’ es nicht melden,

Wie begierig sie fragten,

Sie gab keinen Laut–

Wie schlafbetäubt

Erschien den Göttern

Die harmvolle,

Die des Worts sich enthielt

Je mehr sie sich weigerte,

Je mehr sie drängten;

Doch mit allem Forschen Erfragten sie nichts.

Allerdings knüpft die Mythe ihre Schweigsamkeit nur an eine Art ihres Zustandes, das ist aber in den obigen Sagen ebenso und die Mannigfaltigkeit der Anwendung dieses Zuges zeigt gerade, wie so oft, daß es nur verschiedene Formen für eine in der Natur der betr. Wesen angeblich überhaupt liegende Eigenschaft ist.

Ist aber Idhun auf der Esche Yggdrasil recht eigentlich nach allem die Sonnenfrau, so bestätigen dies auch noch endlich analoge deutsche Mythen, die von einem ähnlichen Yersinien der »weißen Frau« reden und selbständig schon s. Z. in, dem »Heutigen Volksglauben« u. s. w. H. AufL von mir auf das in der Gewitternacht vom Himmel herab sinkende Lichtwesen gedeutet sind. (cf. das. p. 111 ff.)

VII. Von dem Treiben der himmlischen Sonnen-, Wolken-, Sturmeswesen u. s. w. (cf. No. Y.) schienen sich unter dem himmlischen Lichtbaum, der Sage nach, besonders zweiMomenteabzuspielen, welche sich an verschiedene Auffassungen des Gewitters anschließen.

A) Wie ich aus vielfachen Mythen nämlich entwickelt habe, faßte man dasselbe u. a. als eine Vermählung des in der Gewitternaeht auftretenden, resp. am Horizont herauf kommenden Wesens mit der Sonne. Unter den verschiedenen Com-binationen, die dabei möglich schienen, hat sich bei den arischen Völkern Europas besonders reich die entwickelt, nach welcher der Sturm-resp. Gewittergott um die Sonnenjungfrau wirbt und mit ihr direkt buhlt. In einzelnen Sagen tritt nun die Beziehung zu dem uns bekannten himmlischen Terrain noch bestimmt hervor, wenngleich bei weiterer Entwicklung der Mythen in fortschreitender Kultur dies Bild weniger paßte, ebensowenig wie mit der Zeit eine auf dem Baum thronende Göttin. Es erschien dann die Form opportuner, nach welcher die Vermählung »in einer Grotte« (d. h. im Wolkenberg. S. »Poet Natur.« II. unter »Wolke«) vor sich gegangen sein sollte, cf. weiter unten p. 54 f.

»Unter der heiligen Platane bei Knossos auf Kreta am Flusse Theren sollten z. B. Zeus und Hera ihre Vermählung vollzogen haben; hier feierten die Kreter alljährlich diese heilige Hochzeit durch Nachahmung aller der Ceremonien, wie sie nach Ueberlieferung bei der Hochzeit beider Götter ehemals vollzogen waren. Ebenso sollte unter dem Laubdache einer anderen heiligen Platane auf derselben Insel zu Gortyna, wo auch ein Quell daneben aufsprudelte, Zeus sich der Europa in Liebe gesellt haben (auch nur eine Differenzierung desselben Mythos innerhalb der göttlichen und heroischen Sagenkreise). — Münzen von Gortyna zeigen diese Platane, in deren Zweigen das Bild der Europa sitzt1),« s. Boetticher p. 32.

Die Nachahmung  der betr. Götter kommt auch anderweitig vor und in Hermione erzählte man speziell noch charakteristische Accidentien. Zeus, der schon lange vergeblich um Hera gefreit, erregt einen heftigen Sturm mit Platzregen und nähert sich ihr in der Gestalt eines Kuckucks. Kann die Vogelgestalt nach dem ganzen Sagenkreis, mit dem wir es zu thun haben, an und für sich nicht auffallen, so bemerkt Welcker »Gr. M.« I. p. 365 in betreff gerade des Kuckucks noch dazu:

»Wenn dieser Vogel zuerst kuckuckt, dann regnet es, wie Hesiod in den Werken und Tagen lehrt, drei Tage in eins fort; tägliche Gewitter bezeichnen in bergumschlossenen Gründen, wie z. B. in Florenz, den Uebergang zum Frühling.«

— Gemahnt dies an die Frühlingszeit, wo in den Gewittern, wie u. a. in der Brunhild-Sage, die Vermählung der Himmlischen besonders vor sich zu gehen schien, so erinnert ebenso wieder an die im Wolkenbaum ursprünglich, wie wir oben gesehen haben, sitzende Göttin, wenn zu Samos man behauptete, das Bild der Göttin einst im Keuschlamm oder unter Weiden versteckt gefunden zu haben und dann alljährlich ein solches ebenso verbarg, suchte und wiederfand.

Wenn Tyrrhener und Karer dabei im Spiele gewesen sein sollten, die es geraubt und verbargen, so ist das nur der späteren Form der Sage angepaßt; ursprünglich geht das Verbergen u. s. w. auf die Göttin selbst, wie in andern ähnlichen Gebräuchen, war doch daneben auch die Sage, die Göttin solle daselbst unter dem Weidenbaum im Heraion geboren sein. Über die Sache cf. weiter Welcker, »Gr. M.« L 368 und Boetticher, p. 29 Anm.

Sind dies nur einfache Localisierungen, so haben wir in der nordischen Mythe noch eine direkte großartige Ausführung der Scenerie im Fiölsvinnsmäl, wo im Mittelpunkt derselben der uns bekannte Baum Mimameidr steht, »dem weder Schwert noch Feuer schadet«, auf dessen Gipfel ein gold-ner Hahn thront, im übrigen aber Menglada, ein Analogon der Brunhild, von dem in den Frühlingsstürmen unerkannt ihr (als Bettler) nahenden Swipdagr, der wiederum dem Siegfried entspricht, daselbst umworben wird, und beide sich dann für ewig einen.

Ich habe diesen Mythos »Urspr. d. M.« p. 266 ff. mit allen Einzelheiten ausführlich schon in diesem Sinne behandelt, so daß ich darauf verweisen kann. Ebendaselbst habe ich auch als an etwas Verwandtes erinnert, wenn bei Homer Zeus und Hera im Wolkenblumenbett hoch oben über der Erde ruhen, dann auch auf das bekannte Wahrzeichen des (gleichfalls als Bettler) unerkannt zur Penelope heimkehrenden Odysseus hingewiesen, von welchem Wahrzeichen Od. XXHI. berichtet wird und durch dessen Kenntnis sich Odysseus erst als den legitimen Gemahl erweist, daß nämlich nicht, wie Penelope ihn versuchend anordnen wollte, sein Bett sich versetzen lasse, »sondern er selber »um einen gewaltigen Oelbaum« das Gemach sich gebaut und in demselben sich einst das Brautbett bereitet.« Auch Simrock hat sich der letzten Parallele p. 568 angeschlossen und zieht dann noch als vorzügliches Gegenbild die schon oben nach der Völsunga-Sage angeführte ähnliche Scenerie in Sigmunds Halle heran. Überall brechen analoge Bilder in der überraschendsten Weise hindurch.

Nach diesen Parallelen will ich nicht unterlassen, auch noch zu bemerken, daß, an die Hochzeit des Zeus und der Hera sich auch die Sage von dem goldenen Apfelbaum der Hesperiden schließt, der als Hochzeitsgeschenk dabei erwähnt wird. Habe ich ihn oben zunächst als Correlat zu dem heiligen Baum im östlichen Sonnenlande am Phasis erwähnt, so kann ich jetzt, nachdem ich das Herab sinken der Idhun von der Esche Yggdrasil in Analogie zu ihrem Geraubtwerden durch Thiassi auf das Versinken der Sonne u. s. w. in der Gewitternacht bezogen habe, noch einen Schritt weiter gehen. Der Raub der Idhun mit ihren zauberhaften Äpfeln und ihr Wiedergewinnen durch Loki ist hiernach eine der bekannten Gewittermythen, denen zufolge ein Palladium der Lichtgötter, hier also die Früchte des himmlischen Iichtbaums, der Sonnenapfel u. s. w., im Unwetter entführt und dann dem Wesen, das sie in der Gewitternacht geraubt, wieder abgenommen werden. Wie nun in der nordischen Mythe ausgesponnen wird, daß Loki auszieht und unter allerhand Fährnissen (d. h. den Gewitterkämpfen) dies ermöglicht, so stellt sich hiernach des Herakles Zug nach den (3) goldenen Äpfeln der Hesperiden, die auch u. a. Töchter der Nacht genannt werden, als ein märchenhafter, nur verblaßter Nachklang einer ähnlichen Anschauung hin, der nur in dem Mythenkreise, dem er eingewachsen, eine etwas fremdartigere Gestalt erhalten hat

Auch in den Gebräuchen übrigens, die sich an gewöhnliche Hochzeiten knüpfen, brechen noch gelegentlich einzelne an unser bekanntes Terrain erinnernde Momente hindurch, und es ergänzt sich dabei gewissermaßen griechische und deutsche Sitte. Vom Apfel resp. der Granate als Hochzeitssymbol im Anschluß an den obigen Apfelbaum bei der Vermählung der Hera spricht schon des ausführlicheren Boetticher, »Ideen der Kunstmyth.« H 249. Er erinnert u. a. daran, daß Zeus der bräutlichen Hera einen Granatapfel zu kosten gegeben, wie es in der bekannten Sage Hades auch mit der Despoina gemacht und wie er diese dadurch zeitweise an sich gefesselt haben sollte; ebenso wie auch Zeus als Bräutigam und entsprechend auch Hera mit einem Granatapfel in der Hand dargestellt werde, was man dann mystisch gedeutet, wie auch Pausanias letzteres H. 17 erwähne.

Boetticher erinnert weiter dann an den »der Schönstem gewidmeten Apfel‘ der Eris, »an den Apfel der Atalanta«, »qnae zonam solvit diu ligatam« bei CatolL H 5; »an den Apfel des Acontius« in Ovids Heroiden XX., sowie an das  in den alten Bukolikern und Erotikern und daran, daß es auch später zu den Hochzeitsgebräuchen gehörte, der Braut einen Apfel darzureichen. »Deutlich ist der Apfel«, fährt er fort, (il pomo di zizzä nennen ihn die Sicüianer) »in dem von Bartoli in den Admirandis No. 55 abgebildeten Relief, die Hochzeit der Creusa mit dem Jason vorstellend, zu sehen. Da hielt ihn die sitzende Creusa, der die Brautgeschenke gebracht werden, in der Hand.« — Auf diese Ausführung nimmt Stark (K. P. Herrmann) »Griech. Privataltert.« Heidelberg 1870. § 31 No. 29 Bezug, wo er des Solon Gesetz anführt, nach welchem die Braut vor dem Empfange des Bräutigams im Brautgemach einen Quittenapfel pijXov xvScaviov zu verzehren habe Es ist eben jene Bestimmung entschieden nur eine Fixierung der alten Volkssitte.

Daß aber der Apfel im obigen Sinne als Liebesapfel im himmlischen Haushalt auch bei den nordischen Yölkem galt, wir es hier also mit einer gemeinsamen Urreminiscenz zu thun haben, das zeigt im Anschluß an die vorhin behandelten Mythen das eddische Lied Skimisför. Skimir zieht aus, um für Freyr um Gerda zu werben, und wendet sich u. a. mit folgender Ansprache an sie:

Der Äpfel eilf

Hab ich allgolden,

Die will ich, Gerda, dir geben,

Deine Liebe zu kaufen,

Daß du Freyrn bekennst,

Daß dir keiner lieber lebe.

Es liegt auf der Hand, daß hier nur die Äpfel gemeint sein können, die sonst Idhun hütet, und wenn sie als Morgengabe für die gesuchte Vermählung geboten werden, so haben wir eben hierin eine direkte Variante der Rolle, welche dem Hesperidenbaum bei der Vermählung des Zeus zufallt.

Aber nicht blos der Apfel spielte, wie wir oben gesehen, noch in historischer Zeit bei den Griechen in die Ehegebräuche hinein, sondern auch wieder die heilige Quelle und Fackel. Wie Juno sich vor und nach der Hochzeit nach Aelian hist an. Tritt von den erwähnten Elementen bei den Griechen mehr das Bad hervor, so spielt im Norden dagegen der Baum in vielen deutschen, slavischen und lettischen Landschaften nach Mannhardt »Baumkultus« p. 46 eine bezeichnende Rolle bei der Hochzeit (auch die Lichter fehlen nicht). Unter seinen Schutz wird gleichsam die Ehe nach der entsprechenden himmlischen Scenerie, von der wir oben gemeldet, gestellt. »Dem jungen Paare werden bei der Hochzeit«, sagt Mannhardt, der hier den Baum seinem Standpunkt gemäß als Lebensbaum fassen möchte, »grüne Bäume vorangetragen, ein grüner Baum prangt auf dem Wagen, der die Aussteuer der Braut in die neue Heimat führt, auf dem Dach oder vor der Thür des Hochzeitshauses. Im Drömling tragen die Braut- oder Bräutigamsjungfem auf dem Wege zur Kirche dem Brautpaar brennende Lichter auf jungen Tannen oder mit Buchsbaum umwundenen Gestellen voran. Im hannoverschen Wendlande tragen die Kranzjungfem während der Ehrentänze der Brautführer und des jungen Ehemanns mit der Neuvermählten mit brennenden Lichtern besteckte grüne Tannenbäumchen vorauf. In den wendischen Dörfern bei Katzeburg dagegen hatte ein grüner Baum auf dem Brautwagen Platz. In der Oberpfalz steckte ebenso vom auf der äußersten Spitze des Kammerwagens, der die Aussteuer der Braut trägt, ein verziertes Fichtenstämmchen u. s. w. In Schweden nimmt man wenigstens noch als Brautstuhl, auf dem das Hochzeitspaar während der Trauung sitzt, einen Chorstuhl, pflanzt zwei Tannen mit Blumen und Goldpapier vor dessen Thüren u. s. w.« Stellenweise ist der Brauch auch so gewandt, daß das Brautpaar zwei junge Bäume im Gemeindeeigentum pflanzen mußte; die Kommune bemächtigte sich gleichsam des alten Gebrauchs, der bei der Hochzeit einen Baum verlangte, und wandte die Sache in ihrem Interesse.

B) Nach einer anderen Anschauung meinte man, der Himmel kreise im Gewitter, und wähnte die gewitterschwangere Wolke unter den Wirbel-stöfien und dem Stöhnen des Sturmes und Donners in Geburtswehen begriffen und, nachdem die alten Lichtwesen im Unwetter untergegangen, neue Lichtwesen so wieder geboren zu sehen. (Asklepios vom Blitzglanz umflossen. Dionysos’ Feuergeburt Achill aus dem Feuer gerettet, cf. die Geburt des Caeculus und Servius Tullius). — Hierher reflektieren auch die Mythen von der Geburt eines oder zweier göttlicher Sinder beim himmlischen Lichtbauin, resp. des Sonnen-Sohnes oder der Sonnen-Tochter allein, oder der Sonne und Morgenröte oder der Sonne und des Mondes), die in den Gefahren des Gewitters verfolgt zu werden schienen u. dergL mehr.

Ich habe über die betr. Vorstellungen verschiedentlich im »Urspr. d. Myth.«, den »Poet Natur an.« L und namentlich in der Schrift »Der Ursprung der Stamm- und Gründungs-Sage Borns« gehandelt; über die zuletzt angedeuteten Combinationen der Lichtwesen vergL auch M. Müller, »D. Wissenschaft d. Sprache.« Leipzig 1866 IL p. 451 ff.

Die oben angedeutete Beziehung zweier himmlischer (goldiger) Lichtkinder zum Lichtbaum tritt äußerlich schon hervor in dem Märchen von den beiden Goldkindern, die von einem bösen Weibe (der Stiefmutter) verfolgt resp. ermordet werden, wenn aus ihrem Grabe dann zwei Bäume entstehen, die goldene Äpfel’ tragen u. s. w. Die weitere Bedeutung dieser Goldkinder ergab sich nun damals mir zunächst an einer Parallele mit dem Helios und Selene als »Kindern«, die auch durch die Mißgunst böser Anverwandten nach einer uns von Diodor erhaltenen Sage im Gewitter verfolgt werden.

Ein solches himmlisches Zwillingspaar haben wir nun auch in Hera und Zeus, welche auch vor den Nachstellungen des Kronos verborgen gehalten werden. Im Mythos finden in betreff beider freilich hierin Differenzierungen statt, insofern Zeus als zukünftiger Überwältiger des Kronos und Götterkönig besonders geheim gehalten wird und mit einem eigenen Sagenkreis umgeben erscheint, wenn er auf Kreta in einer Höhle groß gezogen sein soll, während die Geburt und das Großziehen der Hera sich auf der ihr besonders heiligen Insel Samos lokalisiert hat und dann dort unter der heiligen Weide vor sich gegangen sein sollte (Boetticher p. 29). Geht letzteres aber auf den Wolkenbaum, so ist in ersterer Sage, wie schon oben bei Erwähnung der betr. Vermählungen angedeutet worden, nur die Grotte d. L (in mythischer Bedeutung) die hüllende Wolke an ihre Stelle getreten. — Der Baum tritt aber wieder hervor, wenn von den dodonäischen Nymphen (s. über dieselben oben), das Bacchus – Kind hei der Eiche zu Dodona sollte groß gezogen sein.

Von dem ganzen Mythos-Terrain, der schwimmenden Wolkeninsel, denn so berichtet die Sage ursprünglich von Delos, der (im Kreise) umherirrenden Leto, d. h. der am Horizont in allen Himmelsgegenden herumziehenden gewitterschwangeren Wolke u. s. w. habe ich schon im »Urspr. d. M.« gehandelt. Was hier nämlich in der Mythe sich erhalten, tritt zur Ergänzung und Bestätigung des behaupteten Ursprungs der betr. Vorstellung höchst charakteristisch im abergläubischen Gebrauch in Schweden hervor. Vom Värdträd, den Mannhardt, »Baumkultus« u. s. w. p. 51, behandelt hat, ist in unserm Sinne schon als irdischem Substitut des Lichtbaums die Bede gewesen. Nun berichtet Mannhardt von ihm:

»Schwangere umfaßten in ihrer Noth den Värdträd beim Hause, um eine leichte Entbindung zu erzielen,«

also genau dieselbe Scene hier bei den Nordariem im Gebrauch, wie bei den Südariem in Griechenland im Mythos. Daß nämlich auch dort in Schweden eine mythische Beziehung auf das himmlische Terrain ursprünglich zu Grunde liegt, beweist das andere, gleichfalls von Mannhardt schon herangezogene Faktum, daß es von dem Baume Mimameidr ausdrücklich in der Edda heißt:

Mit seinen Früchten Soll man feuern,

Wenn Weiber nicht wollen gebären.

Aus ihnen geht dann,

Was innen bliebe:

So mag er Menschen frommen.

Dazu kommt noch als höchst bedeutsam nach unserer Auseinandersetzung, daß das oben erwähnte Substitut des Lichtbaumes, in dem auch, wie wir sahen, das Ehebett der Himmlischen stand, in der Yöluspa geradezu JOnderstamm hieß. Diese Bezüge mehren sich, wenn wir nicht bloß an den alten Glauben denken, daß die Menschen von den Bäumen stammen sollten, sondern auch dazu halten, daß die Kinder aus dem Brunnen der Holla kommen, den auch Simrock p. 35 mit dem himmlischen Brunnen der Urdh vergleicht Suchen wir aber nach einer Anschauung, welche die Kinder aus dem Lichtbaum und seiner Umgebung hervorkpmmen zu lassen schien, so dürfte vielleicht folgende Anknüpfung die richtige sein. Kuhn und ich haben öfter Sagen gehört, daß die Zwerge unter einem Baum hervorkommen. Der Eingang zu ihrer Wohnung ist bald unter einer Rüster, bald am Spring in der Ellernkühle, bald auf dem Hofe unter einem Apfelbaum (cf. Kuhn undSchwartz »Nordd. Sagen«). Wenn es noch zweifelhaft wäre, daß auch diese Bäume Substitute des himmlischen Lichtbaums sind, wie der oben erwähnte Värdträd, so wird man noch speziell an das himmlische Terrain erinnert, wenn das Mädchen, welches zu den Zwergen in einer jener Sagen hinabsteigt, aus dem schönen Garten daselbst zum Lohn sich Äpfel pflückt, die dann zu Gold werden. Wie ich früher  nun vielfach auch die Beziehung der Zwerge zu den Sternen mit ihren Wolkennebelkappen u. s. w. im »Urspr. d. M.« nachgewiesen, habe ich im I. Teil der »Poet. Nat.« verschiedentlich Anschauungskreise behandelt, denen zufolge nach deutschem Glauben die Sterne als die kleinen Himmelskinder gegenüber der Mutter (Sonne) oder dem Mond gefaßt wurden1). Es würden sich also hiernach die beiden Vorstellungen decken und in gleicher Weise auf das Hervorkommen der Sterne am Abendhimmel gehen, wenn einmal die Zwerge unter dem himmlischen Lichtbaum hervorkämen, dann dieser überhaupt der Kinder stamm wäre, aus welchem, wie aus dem Brunnen, resp. dem Spring dabei, die himmlischen — und dann auch die irdischen — Kinder hervoigingen; denn eine Übertragung der letzteren Art ist ja ganz gewöhnlich. Kommt doch auch hier ausdrücklich wieder noch eine andere Beziehung hinzu, von der wir in Brodewin (Nordd. Sagen Abergl. 422) eine prägnante Form hörten, wenn es daselbst hieß: »Jeder Mensch hat sein Licht am Himmel, und wenn er stirbt, so geht’s aus; es kommen statt der alten aber sogleich wieder neue zum Vorschein, da immer wieder Menschen geboren werden,« zu welcher Vorstellung römische und griechische Sage paßt.

Daß dieser Gedankengang richtig, dürfte der Umstand bestätigen, daß auch die Vorstellung des sog. Lebenslichtes sich dem anschlösse und auf dasselbe Naturterrain hinwiese. Beziehe ich gleich das dem Meleager von dem Moiren gegebene brennende Holzscheit, sowie die dem Nomagest von der Nome gebotene Leuchte zunächst auf die Blitzfackel, so stimme ich doch im übrigen Simrock bei, wenn er »M.« p. 597, sich auf die »Nordd. S. Gebr.« 431 berufend, damit das sog. Lebenslicht in eine Parallele bringt und sagt:

»Es ist noch jetzt Sitte, den Kindern bei jedem Geburtstag einen Kuchen zu schenken und darauf so viel Lichter zu stellen, als sie Jahre zählen. Diese Lichter darf man nicht auslöschen, sondern muß sie zu Ende brennen lassen«

; worauf dann Simrock an Nor nagest u. s. w. erinnert.

Doch nehmen wir den Faden unserer obigen Untersuchung nach dieser Abschweifung wieder auf. Daß sich die Scenerie der römischen Stammsage mit der Wanne, als Wiege der Mars-Kinder am ficus Buminalis bei einer Ueber-schwemmung des Tiber angetrieben, den oben besprochenen Bildern von der Geburt himmlischer Kinder unter dem Lichtbaum anreiht, habe ich in der sie behandelnden Schrift noch durch andere bedeutsame Acddentien, wie den Specht, der sie füttert, u. s. w. unterstützt Es sind ursprünglich die himmlischen Zwillinge, die dann in die Stammsage verknüpft, zu Heroen geworden sind, wo, was an ihnen noch Mythisches haften geblieben, anders gewandt ist.

Bei Besprechung derselben habe ich auch eine deutsche, überhaupt nordeuropäische Sage herangezogen, nach der ein Erlöser, Erretter, Stammvater eines neuen Geschlechts nach einer Überschwemmung von einer (goldenen) Wiege kommen sollte, die aus einem bestimmten Baum dereinst gezimmert. Die mythologischen Bezüge ließen sich auch hier nachweisen. Nun kehrt derselbe Zug mit der Wiege höchst bezeichnend wieder bei der Erlösung der versinkenden weißen Frau resp. der Hebung des mit ihr verbundenen Schatzes (des alten Horts u. 8. w. der Nibelungen- und Amelungensage).

Ich lasse zunächst Grimm reden;

»M.« p. 920 heißt es: »(Der betr. Erlöser) muß als Kind in der Wiege geschaukelt werden, die aus dem Holz des Baumes gezimmert war, der (jetzt) erst als schwaches Beis aus der Mauer eines Turmes sprießt: verdorrt das Bäumchen oder wird es abgehauen, so verschiebt sich die Hoffnung des Erlösers, bis es von neuem ausschlägt und wieder wächst Das steigern noch hinzugefügte Bedingungen; den Kirschkern, aus welchem der Sproß schießen wird, hat ein Yöglein in die Mauerritze zu tragen u. s. w. In allen diesen Sagen knüpft sich der Eintritt des künftigen lichte nach den Jahren ist natürlich eine Erweiterung des ursprünglichen Gebrauchs, um, als man den alten Hintergrund des einen Lebenslichtes nicht mehr verstand, einen neuen Gedanken damit su verknüpfen. Ereignisses an einen keimenden Baum, gerade wie der Welt-kampf durch den Schößling der Esche oder den im Laub ausschlagenden dürren Baum bedingt war.«

Schon vorher hatte Grimm die Sagen von dem erwähnten Mythus des letzten Weltkampfs und dem Erwachen des bergentrückten Helden unter ähnlicher Perspektive besprochen, dieselbe aber nur mehr zur Diskussion gestellt als ausgebeutet. Er sagte, indem er sich mit denen auseinandersetzt, die christliche Vorstellung im Anschluß an die Apokalypse darin suchen wollen: »Alter (als die Zeit der Kreuzzüge) ist die Bestimmung, daß mit ihrem (der bergentrückten Helden) Aufwachen die große Weltschlacht und der jüngste Tag anbrechen soll; daran läßt die Erwähnung des Antichrists keinen Zweifel. Hier ist Zusammenhang mit dem Mythus vom Weltuntergänge p. 771—773. Der aufgehangene Schild kann den nahenden Richter bedeuten (R. A. 851); aber das Zeichen des neugrünenden Baumes scheint mir eher heidnisch als christlich. Zwar ließe es sich auf Matth. 24, 28, Luc. 21, 29, 30 (Hel. 132, 14) ziehen, wo die Kunst des Welttages dem ausschlagenden Feigbaum, als Zeichen des nahenden Sommers, verglichen wird, die Anwendung des Gleichnisses auf den jüngsten Tag wäre aber ein Mißgriff. Eher denke ich an die nach dem Muspilli neugrünende Erde (Saem. 9b) oder an einen verdorrten, minder sprießenden Weltbaum, die Esche (s. 756—60).–«

Nach unsem Untersuchungen dürfte es keinem Zweifel mehr unterliegen, dass auch die Vorstellung des geheimnisvoll keimenden, immer wieder ausschlagenden Baumes auf den Lichtbaum geht, wie ich auch im »Urspr. d. röm. Stamms.« schon den Schild auf die Sonne gedeutet; nicht der Richter, sondern der Sonnenheld ruft durch Wiederaufhängen seines Schildes am himmlischen Lichtbaum die Geister der Gewitternacht u. s. w. zum Kampf auf, ebenso wie die Erlösung der Sonnenjungfrau und des Sonnenschatzes sich an die Geburt des Gewitterhelden, des neuen Sonnensohnes (s. Poet Nat H.) knüpft, der in leuchtender Wolke vom Sturm »gewiegt« wird.

Auf dem Gipfel des Lichtbaumes thront, wie wir oben gesehen, die (goldhaarige) schweigsame Sonnenmaid, wenn sie nicht in der Gewittemacht versinkt, auf dem Gipfel des Lichtbaums wird auch der Sonnenheld immer wieder geboren werden, der, wenn alles in des Winters Nacht schließlich untergegangen scheint, alles wieder erlösen wird in den Frühlings wettern. Nicht Nachklänge des nordischen Mythus von der Götterdämmerung, sondern volkstümliche Ansätze ähnlicher Torstellungen, wie sie dann die Edda, in ideeller Weise ausgebildet, ans Ende der Tage gerückt hat, zeigen uns die deutschen Sagen vom Untergang und der Erlösung der himmlischen Lichtwesen, sowie die vom letzten Weltkampf, indem sie so an ihrem Teil auch wieder meine alte Behauptung bestätigen, daß die große nationale Mythologie überall auf einer niederen Mythologie, wie ich sie im »Heutigen Volksglauben« 1850, p. 4, bezeichnet, d. h. der in unendlich vielen Spielarten auseinandergehenden volkstümlichen, erwachsen ist.

Indem ich den Kreis dieser Untersuchungen schließe, will ich ein paar allgemeine Bemerkungen nicht zurückhalten.

Wir haben eine def historischen Zeit ganz fremde Uranschauung von den himmlischen Lichterscheinungen als eines täglich wachsenden und schwindenden Lichtbaums als Basis und Ausgangspunkt einer Fülle mythischer und religiöser Vorstellungen erkannt und verfolgt Um ihn gruppieren sich die andern Himmelserscheinungen wie Accidentien, der Regenquell als himmlischer Bronnen u. dergl. mehr. Neben tierähnlichen Wesen fangen in fortschreitender Entwickelung auch menschenähnliche an, unter dem Weltenbaum ihr Wesen zu treiben. Neben Wolken- und Sturmesgeistern sowie feurigen Elementen tritt ein strahlendes Sonnenwesen, die schöne Frühlingssonne als Sonnentochter oder Sonnensohn, die himmlischen Schätze hütend oder mit dem Sonnenschild zum Kampf ausziehend oder als Schwan auf den himmlischen Wassern treibend u. s. w. Doch nicht allein, daß manches Rätsel so der griechischen Mythologie wie der Edda, gelöst wurde, es trat uns dabei überhaupt eine gemeinsame Glaubensphase der Urzeit innerhalb des Kreises der europäischen Arier in vielfach gegliederter und doch wieder zu einander in gewissem Sinne harmonierender Ausbildung entgegen, die nicht bloß in ihrem primitiven, volkstümlichen Charakter für die Entwickelungsgeschichte des mythisch-religiösen Glaubens der Menschheit im allgemeinen lehrreich, sondern auch im einzelnen stellenweise neue Perspektiven eröffnen dürfte, so z. B. in betreff der jüngst von M. Müller neu angeregten Frage über den sogen. Fetischglauben.

Nicht als Sitz eines Geistes oder einer Seele übt der heilige Baum oder sein Substitut seine ursprünglichen Kräfte und wird demgemäß angegangen und schließlich verehrt, – — setzt doch schon der Begriff »Seele« eine gewisse bedeutsame abstrakte Kulturentwickelung voraus, — ebensowenig ist er aber auch als lebloses Ding oder toter Gegenstand von den Menschen aufgefaßt und ein Objekt religiöser Beziehungen geworden. Wie jedes Kind noch alles um sich als lebendige Wesen derselben Art behandelt, in welcher es selbst sich zu fühlen anfängt, den Stuhl z. B., über den es gefallen, als ein böses Ding schilt, etwas anderes, was ihm Vergnügen macht, z. B. ein Mädchen seine Puppe als ein liebes Wesen herzt und küßt, ja mit Schmeichelnamen beilegt, so war dem Naturmenschen auch alles, was er auf Erden wie am Himmel sah oder was er fühlte, z. B. in letzterer Hinsicht der Sturm, ebenso aber auch eine Krankheit lebendige Bealität, die ihm eben religiös berücksichtigungswert wurde, insofern sie seine Sinne oder sein Interesse besonders affizierte und namentlich einen geheimnisvollen oder wenigstens wunderbaren Einfluß, d. h. einen solchen, den er mit seinen Sinnen nicht faßte, unmittelbar oder mi‘ telbar auf ihn auszuüben schien. Namentlich galt dies, wie auch Forschung zeigt, je länger je mehr von den Himmelsphänoiuenen, je wunderbarer und wirkungsvoller sie allmählich dem Menschen gegenüber zu treten und auf sein und der Natur Leben dauernden Einfluß auszuüben schienen. Die zauberartige Macht haftete ursprünglich in seinen Augen ebenso an den betr. Dingen wie an den Wesen, welche allmählich eine weiter sich entwickelnde Vorstellung mit ihnen verband. Der Lichtbaum sowie sein Substitut, der himmlische wie irdische Quell, das Feuer u. s. w. hatten ursprünglich an sich ebenso weissagende Kraft, wie dann bei vollerer Entfaltung der mythischen Vorstellungen der angeblich von dem heiligen Baum herab redende Wolkenvogel, die Schwan- resp. Taubenjungfrau, die Norne oder Peleiade u. s. w., bis alles nur im Dienst der göttlichen Wesen, an die man zu glauben angefangen, sich zu vollziehen und zu dokumentieren schien. Nur das Ueberviegen sachlicher oder menschlicher gedachter Gestaltung giebt dem einen den Charakter des Fetischartigen und reiht das andere dem Polytheismus ein. Und wie vor Jahrtausenden, so begleiten noch heut ganze Massen des alten Fetischismus die Menschen unbewußt in ähnlicher Weise, nicht bloß in den niederen Volksschichten, sondern oft genug auch auf der Höhe idealen Lebens, sobald eben das persönliche Interesse oder die persönliche Teilnahme ins Spiel kommt und die Unerforschlichkeit des Schicksals dem Gemüt und dem Herzen des einzelnen in gleicherweise wie einst dem Naturmaischen entgegentritt. Diese Seite des menschlichen Empfindens bleibt sich nämlich stets gleich, und wie einst die Sage an Meleagers oder Nomagests Lebenslicht sein Leben gebannt wähnte, sieht noch heutzutage eine Mutter, welche ihrem Kinde zum Geburtstag ein Licht anzündet und dies der Tradition nach Lebenslicht nennt, es ebensowenig gleichgültig von selbst verlöschen, wie wenn es beim Lichterschwimmen zu Weihnachten in auffallender Weise geschieht und das Kind etwa besonders kränklich und sein Leben gefährdet erscheint.

Außer dem Obigen noch zum Schluß folgende Bemerkung. Habe ich gleich hier die Ursprünge des Baumkultus im Anschluß an den himmlischen Lichtbaum zunächst bei den West-ariem verfolgt, so treten uns doch in eigentümlicher Weise analoge Erscheinungen bei den Ostariem, Semiten, ja auch in ihren Anfängen in Amerika, wie Afrika und Australien entgegen. Ich habe bei allen sonstigen Analogien in den Anschauungen der Völker stets die Möglichkeit paralleler, selbständiger Entwicklung betont; in den Formen, die sich dem Baumkultus anschließen, aber scheinen fast die Spuren auch eines realen Zusammenhanges hindurchzuschimmern, so daß es sich schon lohnte, einmal von diesem Standpunkt aus das betr. Kulturgebiet zu durchmessen. Denn fast gewinnt es den Anschein, als ständen wir mit den primitiven, an den Baumkultus sich anschließenden Anschauungen, — die nur eben die kulturbefähigten Völker »phantasievoll« weiter beobachtend, reicher ansgestattet und ausgebildet haben, — vor einer gemeinsamen, alten Urvorstellung der Menschheit, wie auch dasselbe überall, bis auf Australien, von dem Glauben an den im Blitz und Unwetter angeblich sich bekundenden himmlischen Schlangen und Drachen, sowie von dem elementaren Zauberglauben, namentlich dem sogen. Anhexen von Krankheiten an Mensch und Vieh durch unsichtbare Wesen, besonders von den Windgeistem, dem Blitzdrachen und ähnlichen Ungetümen gelten möchte.

Germanenherz aus dem Buch: Indogermanischer Volksglaube: Ein Beitrag zur Religionsgeschichte der Urzeit (Friedrich Leberecht Wilhelm Schwartz 1885)

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Germanische Mythologie

  EINLEITUNG Es läßt sich mit großer Wahrscheinlichkeit voraussetzen, daß die Stammväter der Germanen, nachdem sie sich von den anderen Ariern getrennt hatten und in zwei Strömen die Ebenen Mitteleuropas und den hohen Norden unseres Kontinents überfluteten, die alten religiösen … Weiterlesen

Julfesten

Das Julfest ist ein nordeuropäisches Fest der Wintersonnenwende.
Es ist eines der 8 Jahreskreisfeste der alten Germanen.
Germanenherz Julfesten

Wintersonnenwende – Das große germanische Fest


Rauch von Holz und Harz liegt in der Luft
ich atme ein den verlockenden Duft
Yulezeit ist da, Yulezeit ist da
Im tiefsten Winter, so einsam die Nacht
die Sonne wendet und Balder erwacht
Stellt das Sonnenrad auf, stellt das Sonnenrad auf

Der Tannenbaum in seiner Pracht
Der Yuleast lodert hell durch die Nacht
Stimmungsvolle Ruh, stimmungsvolle Ruh

Das Licht am Himmel die Hoffnung bringt
und Thor wild seinen Hammer schwingt
Kraft fürs kommende Jahr, Kraft fürs kommende Jahr

Frey und Freyas Sinnlichkeit
Bringt Liebe, Lust und Fruchtbarkeit
Leben wird weitergehn, Leben wird weitergehn

Oh, Wintersonne das Fest für sie
Med, Korn und das Blut unsere Gaben an sie
Auf ewige Wiederkehr, auf ewige Wiederkehr

In den skandinavischen Sprachen heißt Weihnachten heute noch Jul, im Englischen besteht der Begriff Yule und im Nordfriesischen heißt es Jül.
Schon lange, bevor es das Christentum gab, spielte die Zeit rund um den 24. Dezember eine wichtige Rolle bei vielen keltischen und germanischen Völkern. Zur Zeit der Wintersonnenwende, also am 21. Dezember, feierte man dem germanischen Allvater Odin zu Ehren – das Julfest. Um den heidnischen Völkern den Übergang zum Christentum zu erleichtern, war es durchaus üblich, wichtige Feiertage in der Nähe der heidnischen Feiertage anzusiedeln. Ähnlich wie beim Osterfest wurde Weihnachten also gezielt auf das Julfest gelegt.

Vor allem in Skandinavien sind viele der mittelalterlichen Bräuche erhalten geblieben und werden heute beim allgemeinen christlichen Weihnachten, was dort auch immer noch „Jul“ heißt, gepflegt. Man wünscht sich „God Jul“. Auch ist dort der Julbock erhalten geblieben, der meist unter dem Weihnachtsbaum aufgestellt wird und die Geschenke trägt.

Der eigentliche Mittelpunkt am Weihnachtsabend ist das gemeinsame Essen. Nach dem Nachtisch werden die „Julklapp“-Päckchen aus den Verstecken geholt. Beim Brauch des Julklapp wird ein in vielen Hüllen gepacktes Geschenk in den Raum geworfen und dabei „Julklapp! Julklapp!“ gerufen. Bei diesen Geschenken ist weniger der materielle Wert von Bedeutung als die Kleinigkeit oder der Vers, der immer in positiver oder negativer Hinsicht auf die Person des Beschenkten ausgerichtet ist. Keiner darf auspacken, ohne das Verschen vorzulesen. Wenn sich das Gelächter über diese Reimchen gelegt hat, wenn die Geschenke begutachtet und bewundert worden sind, dann wird um den Weihnachtsbaum getanzt.

Hohe Nacht der klaren Sterne


Hohe Nacht der klaren Sterne,
Die wie weite Brücken stehn
Über einer tiefen Ferne,
D’rüber unsre Herzen geh’n

Hohe Nacht mit großen Feuern,
Die auf allen Bergen sind,
Heut‘ muß sich die Erd‘ erneuern,
Wie ein junggeboren Kind!

Mütter, euch sind alle Feuer,
Alle Sterne aufgestellt;
Mütter, tief in euren Herzen
Schlägt das Herz der weiten Welt!

Am ersten Weihnachtstag geht es zur Kirche, dabei säumen brennende Kerzen in den Fenstern der Landgemeinden den Weg. Dieser Tag ist im Gegensatz zu den vorherigen eher ruhig und beschaulich. Die Nachbarn und Bekannten besuchen einander, die Kinder beschäftigen sich mit den neuen Spielsachen oder ziehen von Haus zu Haus und wünschen „God Jul“

JUL ist ein Fest des Lichtes, der Freude und der Hoffnung – es bildet den Höhepunkt der dunklen Zeit, und in dieser längsten Nacht des Jahres erfüllt sich das Versprechen der Wiedergeburt.

Die Umwelt erscheint leblos, Wasser ist zu Eis gefroren, Schnee bedeckt die Landschaft, die Bäume sind kahl. Doch in dieser Nacht steigt das Licht wieder auf und alles wird wiedergeboren. Die Nächte werden kürzer und was tot und regungslos erscheint wird wieder erwachen.

Das Julfest vereinigt Sonnen- , Toten- und Fruchtbarkeitsriten und symbolische Handlungen zur Neuaktivierung menschlicher und natürlicher Kräfte.

Die ursprüngliche Bedeutung hat nichts mit dem Geburtstag Herrn Christus in Betlehem zutun, sondern geht zurück auf den archaischen Sonnenkult der Urvölker.

Bereits Jahrhunderte vor der Ausbreitung des Christentums war das Weihnachtsfest in allen indogermanischen Regionen und auch anderorts verbreitet. Die Griechen feierten die Geburt des Lichtgottes „Soter“, die Phrygier nannten ihren Sonnengott „Artis“, die Sryrer „Thamuz“, und die Iraner feierten wie die alten Römer die Ankunft ihres Licht– und Sonnengottes „Mithras“. Die Römer drückten mit ihrem „Sol invictus“, was „unbesiegter Sonnengott“ bedeutet, besonders eindruckvoll ihre Ehrerbietung für das Starke und Kräftige aus. Bei den Germanen und Kelten war dieses Fest unter den Namen „Jul“ bzw. „Yule“ bekannt, wobei konkret hier in Mitteleuropa der Begriff „Wintersonnenwende“ gebräuchlich war.

germanenwalkerFür die Nordgermanen hatte die Wiederkehr des Lichts jedoch eine ganz andere eindringlichere Bedeutung als für Mitteleuropäer. Bereits mit Samhain, der Nacht der Toten beginnt zu Ende Oktober die Dunkle Zeit des Jahres. Bedingt durch das raue, harte Klima und die strengen Winter bedeutete das Ende des Winters nichts anderes als das Überleben der Menschen im hohen Norden zu sichern. Denn die Vorräte gingen langsam zu Ende und ohne Sonnenlicht, lag der Ackerbau und Viehzucht, also die Lebensgrundlage der Nordmänner brach. Der bekannteste römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtete im ersten Jahrhundert nach der Zeitenwende, dass die Germanen die Weihnachtszeit für ein großes Festmahl mit allerlei Spielen nutzen. Der griechische Geschichtsschreiber Prokop berichtete dazu, dass im 6.Jahrhundert die Nordleute zu dieser Zeit Boten auf die höchsten Berge schickten, um nach der wiederkehrenden Sonne Ausschau zu halten. Am 21.Dezember hat die Nacht den Höhepunkt des Jahres erreicht, denn ab jetzt nimmt das Sonnenlicht wieder zu. Die Wiederkehr der Sonne wurde dann mit Julfeuern und brennenden Räder gefeiert, von denen letztere ins Tal gerollt wurden.

Das heidnische Jahr, dass sich an Mond und Sonne orientierte hat jeweils 4 Hoch– und 4 Jahresfeste, wobei zwei davon immer, im Abstand von ungefähr einem halben Jahr zusammengehören. So entspricht die Wintersonnenwende, die bedingt durch den Stand der Gestirne traditionell auf den 21.Dezember fällt, der Sommersonnenwende am 21.Juni. Auch ist hier schon in der heidnischem Monatsbezeichnung „Julmond“ für Dezember, die immense Bedeutung des Lichtfestes für den germanischen Menschen erkennbar.

Der Begriff „Weihnachten“ weist in dieser From bereits auf seine Mehrzahl hin und besitzt Assoziationen zum altdeutschen Begriff „wjh“, was „heilig“ bedeutet. Daher erfolgte auch die Ableitung zur „Heiligen Nacht“. Weihnachten umfasst einen Zeitraum von genau 11 Tagen und 12 Nächten. Diese „Stille Zeit“ liegt zwischen dem alten Mondjahr und dem neuen Sonnenjahr. Erklären läßt sich das astronomisch folgendermaßen: ca. 365 mal dreht sich die Erde um ihre eigene Achse, während sie die Sonne umkreist. Auch der Mond dreht sich um sich selbst, jedoch rascher als unser Heimatplanet. So braucht der Mond exakt 29,5 Tage für seine Umkreisung der Erde. Nun ergibt sich rein rechnerisch ein Unterschied zwischen Mond- und Sonnenjahr. Denn 12mal 29,5 Tage ergeben 354 Tage anstatt 365. Deshalb wird die Zeit zwischen 21.Dezember und 1.Januar weder zum alten noch zum neuen Jahr hinzugerechnet, sondern stellt eine Art Zwischenstadium da. In dieser „Toten Zeit“ soll die Arbeit ruhen, die Menschen sich besinnen und im Kreise der Familie und Sippe die Wiederkehr des Lichts feiern.


Diese „Zwölften“ wurden auch die Rauhnächte genannt, in denen sich z.B. die Mythen und Märchen der „Frau Holle“ und „die wilde Jagd Wotan – Odins“ abspielen. Aus dieser „Frau Holle“ wurde mit der Zeit die Totengöttin „Hel“, „Hella“ bzw. „Percht“, da Kälte und Winter mit dem Tod in Verbindung gebracht wurden. Wobei diese Verbindung nicht nur eine negative Seite hatte sondern auch eine äußerst positive, da so der Weg frei für neues Leben wurde. Hel ist somit nicht nur Toten– sondern auch Schutzgöttin, doch woran wir bei ihr sind, bleibt uns verborgen, verhehlt.

images (13)Das Märchen „Frau Holle“ von den Gebrüdern Grimm handelt von den Personen Goldmarie und Pechmarie. Die fleißige Spinnerin Goldmarie wird für ihre Taten belohnt, wobei im Gegenzug Pechmarie für ihre bequeme und oberflächliche Wesensart bestraft wird. Ab dem 10. Jahrhundert wurde dann das Wort „Hel“ zu einer synonymen Bezeichnung für die Unterwelt, wobei dieser Begriff nicht negativ missverstanden werden darf. Erst die Kirche deutete diese Welt zum Qualort um und formte daraus die grausame Hölle für die „Sünder“. Durch das massive Kirchengeläut zu dieser Jahreszeit sollten die „bösen heidnischen Geister“ vertrieben werden. Im Gegenzug kann jeder klar erkennen, dass die Opfergaben unserer Vorfahren in Form von Äpfel, Nüsse und Honig wohl kaum geeignet gewesen wären zur Dämonenaustreibung.

sleipnirBei der wilden Jagd reitet der einäugige Sturm– und Kriegsgott des Göttergeschlechts der Asen auf seinen weißen achtfüßigen Schlachtross Sleipnir durch die Lüfte auf der Jagd nach dem Wild, vorzugsweise einem Eber. Begleitet wird er hierbei von seinen Raben Mugin und Munin („der Gedanke und die Erinnerung“) und seinen beiden Wölfen Geri und Freki („der Gierige und der Gefräßige“). Auf dieser ewigen Jagd, die sich jedes Jahr wiederholt, benutzt er vorzugsweise seinen Speer Gungnir, der niemals sein Ziel verfehlt und wird sowohl von den gefallenen Krieger die in Walhalla residieren begleitet, genannt die Einherier, als auch von einigen wenigen auserwählten sterblichen Helden. Odins Wilde Jagd besitzt äußert vielseitige Züge auf die hier leider aus Gründen der besseren Übersichtlichkeit und Lesbarkeit nicht ausführlicher eingegangen werden kann. Generell ist die Jagd jedoch als ein Sinnbild für die Toten– und Ahnenverehrung zu verstehen, die aber selbstverständlich auch den Fruchtbarkeitskult in Form von Streben nach Wachstum miteinschließt. Ebenfalls wurde zur Feier des Anlasses ein eignes Julbier für diese Jahrzeit hergestellt sowie mit reichlich Kerzen– und Lichterschmuck, Symbolgebäck, warmen Met und einem Festtagsschmaus (z.B. „Julgalt“ (Weihnachtseber) und „Jultupp“ (Weihnachtshahn) die Rückkehr der Sonne herbeigesehnt.

Ich habe mein am 07.12 schon aufgestellt,.
Ich habe mein schon aufgestellt,

Nicht zu vergessen ist natürlich auch der obligatorische Weihnachtsbaum. Unsere Vorfahren hatten sei jeher große Bewunderung für die einzigartige Baum– und Pflanzenwelt. So wurden in heiligen Hainen Feiern abgehalten, dem Donner– und Fruchtbarkeitsgott Thor die Eiche geweiht und die großen Versammlungen – Things genannt – unter einem großen Baum abgehalten. Auch in der nordischen Mythologie stellt der Baum als wunderbares Sinnbild für die Einzigartigkeit der Natur den Beginn des Menschengeschlechtes dar. Besondere Bedeutung fällt hier auch der Esche zu, denn der germanische Weltenbaum Yggdrasil stellt die Basis der nordischen Kosmologie da. Somit war es eigentlich nur logisch, auch zu solch einen bedeutenden Fest wie Jul, den Baumkult beizubehalten. Auch der Lichterkranz (bzw. Adventkranz) ist in seiner ursprünglichen Form ein heidnischer Kultgegenstand. Er ist in seiner Funktion vergleichbar mit einem Grabkranz und diente somit ebenfalls der Toten– und Ahnenverehrung. Auch die Vorgehensweise war eine andere: Heute wird am 1.Advent eine Kerze angezündet und dies gesteigert bis zum 4.Advent, wo dann alle vier Kerzen brennen. Früher war es jedoch genau anders herum: Es wurde mit 4 Kerzen begonnen und mit zunehmender Abnahme des Lichts erlosch jeweils eine weitere Kerze, um so die zunehmende Macht der Dunkelheit passend untermalen zu können, bevor dann an Jul, die Wiederkehr des Lichts in allen möglichen Formen gefeiert werden konnte.
Zurück zu der Beziehung zum Christentum: Wie kam es dann eigentlich dazu, dass heute Weihnachten für ein christliches Fest gehalten wird? Ganz einfach: Die hohen Würdenträger der Kirche machten sich Gedanken, wie man die ungläubigen Heiden doch am besten zum Christentum hin bekehren könne. Da kam ihnen die Wintersonnwendfeier, welche ja im ganzen Abendland verbreitet war, gerade recht. Entstehungsgeschichtlich wurde dann zum ersten mal im Jahre 325 Weihnachten im christlichen Festverzeichnis erwähnt. Papst Julius, welcher in den Jahren 337 bis 354 die Macht inne hat, legte den Geburtstag des Zimmermanns dann willkürlich auf den 25. Dezember. Willkürlich deshalb, da in den ältesten Urkunden der Christenheit, ganz andere Monate bzw. Tage in Erwähnung gezogen wurden. Also wieso nicht gleich „zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, dachte sich dann wohl auch die Kirche…

Viele der obigen Mythen, Bräuchen und Geschichten sind nicht immer leicht zu verstehen. Um hier mit einem Zitat von Björn Ulbrich aus „Die geweihten Nächte“ zu schließen: «Wie nähern uns ehrfürchtig in Bildern von magischer, übersinnlicher Faszination. Übersinnlich bedeutet: mit den Sinn nicht vollständig zu erfassen. Das heißt nicht „übernatürlich“, denn es gibt nichts außerhalb der Natur. Die Natur ist allumfassend, ewig, göttlich.» Quellen: – Björn Ulbrich, Holger Gerwin, aus „Die Geweihten Nächte“ und hier  http://totoweise.wordpress.com/2012/12/21/wintersonnenwende-das-grose-germanische-fest/ und hier http://totoweise.wordpress.com/2011/12/23/besinnliches-weihnachts-julfest-2011/

Ich wünsche allen “God Jul” euer Geist der Zeit, Toto / Germanenherz / Totoweise

ergänzend

Magische Nächte. Die 12 Rauhnächte

Die 12 Rauhnächte Die zwölf Nächte am Ende des Jahres und die mit ihnen verknüpften Mysterien gehen bis in die Antike zurück. Sie haben sowohl römische als auch germanische und sogar indische, japanische und chinesische Wurzeln, und auch heute noch … Weiterlesen

Sommersonnenwende

Ewig dreht das Rad des Lebens
Ewig kreisen Zeit und Erde
Ewig neut sich so des Jahres
und des Menschen „Stirb und Werde“.
Ursprung und Bedeutung
sommersonnenwende

Zu Zeiten der Sommersonnenwende am 21.Tage des Brachmondes hat die Sonne den Höhepunkt ihrer Kraft und Einwirkung auf die Natur und damit auch den Menschen erreicht. Während dieser Zeit ruht die Arbeit auf den Feldern und die Frucht reift still vor sich hin. Eine Gelegenheit für die ländliche Bevölkerung ein ausgelassenes Fest zu feiern und sich von den Mühen der vergangenen Monate zu erholen, um frisch gestärkt der Ernte entgegenzusehen.

Wie allen indogermanischen Völkern war auch den Germanen der Lauf des Jahres bestimmend für Arbeit und Feier. Während die keltischen Völker nach der Zweiteilung ihres Jahreslaufes nur Feiern zur Maien- und Herbstzeit kannten, lagen bei den Germanen, die drei Jahreszeiten unterschieden, die bedeutendsten Festzeiten in unmittelbarer Nähe der Tag- und Nachtgleichen, bzw. der beiden Sonnenwenden. Galt die Mittwinterzeit, die Wiederkehr des lebenspendenden Lichtes, als höchste Festzeit, an der überall Julfrieden herrschte, so waren das Frühlings- oder Osterfest, die Sommersonnenwende und die Totengedenktage die festliegenden Tage des ungebotenen Things, der grossen Rats- und Gerichtsversammlungen aller freien 20 Männer eines Volksstammes.
Alle Jahreslauffeste sind von den gleichen Sinnbildern begleitet: Feuer, Lebensbaum und Lebenswasser, obwohl doch die Natur zu den verschiedenen Jahreszeiten ein ganz unterschiedliches Bild bietet.
Jahrhundertelang hat der eindringende Christianismus versucht, diese alten Volksbräuche auszurotten, und erst, als dies trotz strenger Strafen gegen Zuwiderhandelnde nicht gelang, begann man die Bräuche zu verfälschen und ihnen einen christlichen „Sinngehalt“ unterzuschieben. So wurde das höchste Fest unserer nordischen Ahnen, die Feier der Wiederkehr des Lichtes, zum Geburtstag des Jesus von Nazareth erklärt, das kräfteweckende, lebenspendende Maiengrün der Weidenzweige fand als „Palmbuschen“ Eingang in das kirchliche Osterbrauchtum und die Dank- und Freudenfeuer der Mittsommerzeit wurden Johannes dem Täufer geweiht. Kranz und Rad, seit Urzeiten im Norden Sinnbild der Unendlichkeit des Lebens in seiner ewigen Wiederkehr, lebten weiter in den „Osterrädern“, dem „Kirmesbaum“ und dem „Adventkranz“.

Im heutigen Brauchtum der Julzeit tritt das im Freien abgebrannte Feuer gegenüber dem ewig grünenden Lebensbaum zurück und findet nun seine Darstellung im Licht der Kerzen und dem noch in einzelnen Landschaften gebräuchlichen kultischen Neuentfachen des Herdfeuers. Herd und Altar waren bei den indogermanischen Völkern ein- und dasselbe und galten als heilig. Demgegenüber haben sich zur Mittsommerzeit vor allem die Feuerbräuche erhalten, während das Lebensbaum-Brauchtum dieser Zeit oft mit den Frühlingsbräuchen verschmilzt oder sich nach „Hohe Maien“, der christlichen „Pfingstzeit“, verlagert. In vielen deutschen Gauen setzt man auch heute noch feierlich den „Maibaum“, einen mit bunten Bändern und meist 3 Kränzen geschmückten hohen Baum, oder man steckt Sträusse, die oft aus siebenerlei Kräutern gebunden sind, an die Ecken der Felder. In manchen Gegenden Thüringens gibt es buntgeschmückte „Eierbäume“, sowohl zu Ostern und Hohe Maien als auch zur Sommersonnenwende und sie werden genau so im Reigen umtanzt, wie es bei den eiergeschmückten Bäumen in den Vogesen zur Neujahrsnacht Brauch ist.
Hängt beim Maibaum der grüne Kranz immer waagerecht, so finden wir ihn zur Sonnwendzeit oft senkrecht auf hohen Stangen befestigt, sei es bei den schwedischen Mittsommerstangen, dem Mimosquost in Nordschleswig oder der Queste und dem Ouestenbaum im Harz und in Thüringen. Im Salzburgischen trägt man Prangstangen über die Felder, während in der Heidelberger Gegend und im Odenwald beim „Sommertagumzug“ Haselgerten mitgetragen werden, die mit immergrünen Pflanzen, Äpfeln und Brezeln geschmückt sind. Eier und Äpfel zählen seit altersher zu den Sinnbildern der Fruchtbarkeit und Brezel und Kranz verkörpern die Unendlichkeit.
Es gibt aber auch Umzüge, bei denen Gestalten mitgeführt werden, die in grünes Laub – seltener in Stroh – gewickelt sind. Die Gestalt trägt verschiedene Namen: in den Alpenländern nennt man sie meist „Pfingstlümmel“, in der Saarpfalz „Pfingstquak“ und vom Augsburger Umland bis tief hinein ins Schwäbische „Wasservogel“. Der letztgenannte Brauch stellt schon die Verbindung zu den verschiedenen Wasserbräuchen her, die vielfach zu Ostern, zu Pfingsten oder zur Sonnwendzeit überliefert sind. Quellen und Brunnen waren für unsere Vorfahren verehrungswürdige Stellen, wohl in Erinnerung an den Urdbrunnen, aus dem alles Leben stammte. Auch heute noch ist es in verschiedenen deutschen Landschaften üblich, Brunnen und Quellen zur Festzeit mit Blumen zu umkränzen oder in ernstem Schweigen ihr segenbringendes Wasser nach Hause zu tragen. In vielen süddeutschen Orten, von den Ardennen bis nach Oberkrain, lässt man zur Mittsommerzeit bei einbrechender Nacht brennende Lichter die Bäche und Flüsse hinabschwimmen, während man am Kurischen Haff brennende Teertonnen ins Meer treiben lässt.

So, wie beim Tode berühmter germanischer Helden ihre Grabhügel umritten wurden, fanden auch in den Nächten der grossen Stammesfeier Ritte um Hügel und Brunnen statt. Aus der Freude aller indogermanischer Völker am Wettkampf entwickelten sich hieraus später Kampf- und Reiterspiele. Die Rennbahnen in der Nähe der berühmten Sonnenheiligtümer von Stonehenge und den Externsteinen geben hiervon noch genau so Zeugnis wie jene über Jahrhunderte überlieferten Reiterspiele wie das Ringelstechen oder das Vogelschiessen, die heute noch mancherorts am Nachmittag des Sonnwendtages gebräuchlich sind.

Die eigentlichen Feuerbräuche sind aber am weitesten verbreitet und gleichen sich in ihrem Ablauf von Lichtmess, Fasnacht, Ostern und Walpurgisnacht bis zur Sommersonnenwende. Die Biikenfeuer in Nordfriesland werden am 22. Hornungs in der Nähe alter Grabhügel abgebrannt und zeigen damit noch sehr gut die altnordische Sitte, die verstorbenen Vorfahren am Leben und Feiern der Sippengefährten teilnehmen zu lassen. Im schwäbisch-alemannischen Siedlungsraum sind die Höhenfeuer vor allem zur Fasnachtszeit gebräuchlich, was in den Ausdrücken Fasnetfunken und Funkensonntag seinen Niederschlag findet. Sie gehen vielleicht ebenso wie die irischen Feuer am Fasnachtsdienstag auf die alte keltische Jahresteilung zurück. Jakob Grimm ist in seiner „Deutschen Mythologie“ noch der Ansicht, die Osterfeuer wären mehr im Norden, die „Johannisfeuer“ mehr im Süden Deutschlands gebräuchlich, doch hat die neuere Volkskundeforschung diese Annahme nicht bestätigen können.

Osterfeuer sind auch im Sauerland, im Harz und in Tirol nachgewiesen. Im Klagenfurter Becken ist zu Ostern ein Fackeltanz üblich und des Osteräderrollen in Lügde in Westfalen gleicht genau jenem, das schon 1576 von dem Donauwörther Humanisten Sebastian Frank erwähnt wird. Diese Feuerräder kennt man aber auch zur Sonnwendzeit in vielen Orten in Luxemburg, im Moselland und in der Eifel, im Elsass und in der Rhön, im Odenwald, in Nassau, in Bayern und Schwaben, in der Schweiz und in Schlesien. Es sind grosse, hölzerne Räder, die mit viel Stroh oder Werg umwickelt sind und brennend von den Höhen ins Tal gerollt werden. In anderen Gegenden werden kleinere hölzerne Scheiben auf eine Stange gesteckt und brennend ins Tal geschleudert. Von den Burschen werden dazu gereimte Liebeswünsche gerufen oder altüberlieferte Sprüche für Flursegen und Erntedank.

Die Feuerstösse selbst sind meist kunstvoll aufgebaut, oft ragt in ihrer Mitte ein hoher, mit Blumen oder Kränzen geschmückter Stamm empor. In manchen Gegenden ist es der Maibaum, der vorher wochenlang mitten im Dorf stand. Aus Frankreich ist der Brauch bekannt, am 1. Mai einen Baum zu fällen und so kunstvoll zu keilen, dass er rautenförmig auftreibt. Er wird dann zur Sonnenwende auf einem Hügel abgebrannt. So, wie oft der Maibaum im Reigen umtanzt wird, geschieht es auch mit dem Feuer, nicht nur bei uns, sondern auch in England, Dänemark und Norwegen.

Überall ist der Glaube verbreitet, dass das heilige Sonnwendfeuer Segen bringe, sei es für die Fluren, über die die Räder rollen oder die Scheiben fliegen, sei es für das Vieh, das durch das fast herabgebrannte Feuer getrieben wird, wie vor Jahrhunderten bei Seuchengefahr durch das kultisch entfachte „Notfyr“. Auch die Menschen sollen dieser läuternden Kraft der Flammen teilhaftig werden. Deshalb springen sie übers Feuer, Bursch und Mädel gemeinsam, wenn sie in Zukunft auch gemeinsam den Lebensweg mit einer Fackel oder einem Span heimgetragen, um das vorher sorgfältig gelöschte Feuer neu zu entfachen und bis zum nächsten Sonnwendfeuer zu bewahren.

Vielfach gerieten jedoch die alten Bräuche gegen Ende des vorigen Jahrhunderts in Vergessenheit als Industrialisierung und Verstädterung die alten bäuerlichen Lebensformen zu verflachen begannen. Im Brennpunkt des Volkstumskampfes jedoch, im Grenzgebiet z.B. Deutsch-Österreichs, lebten die alten Formen weiter und in den Jahren der deutschen Not wurden die ursprünglichen Freudenfeuer mehr und mehr zu vaterIändischen Mahnfeuern. Vom Wandervogel und der Bündischen Jugend wurde diese Form aufgegriffen und in ganz Deutschland verbreitet, sodass für uns heute die Feier der Sonnenwende auch das Bekenntnis zu Volk und Vaterland einschliesst, auch wenn wir uns in den Formen möglichst an altüberliefertes Brauchtum halten wollen.

Mythologie

Das Fest der Sommersonnenwende ist mir dem Tode Baldurs durch die Hand seines Bruders Hödur verknüpft. Es steht im Jahreslauf gegenüber der Wintersonnenwende. So wie wir zur Wintersonnenwende uns mit Baldur und seinem Vater Odin verbinden, sind wir nun eins mit ihm und seiner Mutter Frigga. Dieses Fest soll uns an den ewigen Kreislauf von Entstehen und Vergehen erinnern. Ähnlich wie die Sonne ab diesem Tage langsam stirbt, verkörpert diese Zeit unser Leben im Übergang zwischen Jugend und Erwachsensein. Ein Zeitpunkt an dem auch unser eigener Körper die höchste Kraft erreicht hat und von nun an langsam durch das Alter geschwächt wird.

Nun die Sonne soll vollenden
Ihre längste, schönste Bahn,
Wie sie zögert, sich zu wenden
Nach dem stillen Ozean!
Ihrer Göttin Jugendneige
Fühlt die ahnende Natur,
Und mir dünkt, bedeutsam schweige
Rings die abendliche Flur.

Nur die Wachtel, die sonst immer
Frühe schmälend weckt den Tag,
Schlägt dem überwachten Schimmer
Jetzt noch einen Weckeschlag;
Und die Lerche steigt im Singen
Hochauf aus dem duft´gen Tal,
Einen Blick noch zu erschwingen
In den schon versunknen Strahl.”
Ludwig Uhland (1787-1862), „Sonnenwende”

Die Nacht zum 21. Juni ist die kürzeste Nacht des Jahres und markiert den Beginn des Sommers, vielerorts finden Feiern statt, die den Sommer und die Sonne, die nun ihren höchsten Stand erreicht hat, mit Feuern begrüßen. Solche Feste waren in Europa bei Kelten, Germanen und Slawen bekannt.

Die Sonnenwendfeiern finden nicht unbedingt zum astronomischen Zeitpunkt statt, vielfach sind sie mit den Feierlichkeiten der Johannisnacht zum 24. Juni, dem Festtag Johannes des Täufers, verbunden. Symbol des Johannistages ist eine teilweise geschälte, mit Blumen bekränzte Fichte. Um diesen Johannisbaum werden Reigen getanzt, immer linksherum, dem Lauf der Sonne entsprechend.
Andere Bräuche sind aus Eichenlaub geflochtene Johanniskronen an Türen und Dächer gebunden, ein Anklang an den Gott Donar (Thor), dem die Eiche heilig ist und der als Gewittergott das so geschmückte Bauwerk verschonen sollte. Weiteres Brauchtum siehe weiter unten und unter Johannes.

Die Sonnenwende markiert im Mythos einen Höhe- und Wendepunkt. Die germanische Sage weiß von Siegfried zu berichten, der von Hagen zur Sonnenwende getötet wird. Siegfried ist der strahlende Sonnenheld, der tagsüber unüberwindlich ist. Mit der Sonnenwende verliert er Macht und Leben.

Damit ist aber kein Tod im eigentlichen Sinne gemeint, vielmehr darf auf eine Wiederkehr gehofft werden und tatsächlich zeigt der Jahreslauf, daß dem Absterben im Herbst und der toten Zeit des Winters im Frühjahr neue Fruchtbarkeit folgt, die sich im Sommer zur ganzen Pracht entfaltet und der Zyklus weitergeht.

Es ist dies die Vermählung der Erdgöttin in Heiliger Hochzeit mit dem Sonnenheros, wie es in Mythen vielfach überliefert ist, z. B. die Isis und der sterbende Osiris.

GRIMM führt die Mutmaßung an, an Stelle des nordischen Gottes Baldur, dem die Mittsommerzeit heilig war, könne in christlicher Zeit der Johannes getreten sein, die Johannesfeuer könnten an Baldurs Leichenbrand erinnern (Deut. Myth., III, S. 78).
Brauchtum und Aberglaube zur Sommernachtgleiche

„wer eines montags drei stunden nach sonnenaufgang zur zeit der sommernachtgleiche geboren ist, kann mit geistern umgehen.” (GRIMM, Dt. Myth., III., A. 810, S. 463)

Brauchtum und Aberglaube zur Johannisnacht

Am Johannistag pflücken Jungfern stillschweigend in der Stunde nach Mittag neunerlei Blumen, darunter Storchschnabel, Weide und Feldraute. Mit einem zu gleicher Stunde gesponnenen Faden wird daraus ein Kranz gebunden und rückwärts in einen Baum geworfen. Soviele Würfe es bedarf, ehe der Kranz im Baum hängenbleibt, soviele Jahre wird es dauern, bis die Jungfer heiraten wird.

Mancherorts werden in der Johannisnacht brennende Räder einen Hang herabgerollt, verbreitet sind auch Fackelumzüge und der Tanz um das Johannisfeuer.

Ein Sprung über das Johannisfeuer soll das Jahr über vor Fieber bewahren (GRIMM, 1992, Bd. III, S. 468, Nr. 918), von Sünden reinigen und Schwangeren die Niederkunft erleichtern (WEHR, 1991, 135).

Die Asche des Johannisfeuers wird aufgehoben und unter der Türschwelle vergraben, da ihr noch lange Zeit magische Kraft innewohne (WEHR, 1991, 135).

Aus Eiern sollen Hexen in der Johannisnacht die Zukunft vorausgesagt haben. Der Zeitpunkt wird auch gern für einen Hexensabbat genutzt.

Wird beim Kräutersammeln in der Johannisnacht versehentlich ein Johanniskraut zertreten, so ist zu befürchten, daß plötzlich ein Pferd aus dem Boden steigt und den Unachtsamen in rasendem Ritt davonträgt.

Allgemein soll dieser Zeitpunkt für das Sammeln von Kräutern besonders günstig sein (Holunder, Johanniskraut).

Mädchen sollen in der Johannisnacht ihren Zukünftigen sehen, wenn sie zwischen 11 und 12 Uhr einen Kranz aus neunerlei Blumen winden — so jedenfalls der im „Sechsten und siebenten Buch Mosis” enthaltene „Magisch-sympathetische Hausschatz” (n. BAUER, 1996, S. 135). An gleicher Stelle heißt es, wenn das Mädchen einen Kranz aus Klebkraut windet und dabei dreimal ums Haus geht, wobei es spricht: „Klebekranz ich winde dich, Schätzchen, empfinde mich”, dann erscheine ihr der Zukünftige im Traum. Wird der Kranz während der Umgänge allerdings nicht fertig, so droht dem Mädchen Krankheit.

Wird eine Frau in der Johannisnacht schwanger, so soll das Kind später die Gabe des Bösen Blicks haben — vielleicht kirchliche Propaganda gegen allzu ausgelassene heidnische Festgebräuche.

Menhir – Sonnenwende

Thorsmoor Süderbrarup

Süderbrarup, Kulturpfeiler der Germanen

 Opferplatz, der vor 2000 Jahren einer der größten und bedeutendsten der Landschaft war. Das Zentralheiligtum von Germanen. Die Kultstätte war dem Gott Thor geweiht. Hier wurden über 500 Jahre wertvolle Opfergaben deponiert. Auch war hier eines der ältesten Runendenkmäler der germanischen Welt zu finden – versteckt angebracht – hinter Schild und Schwert.

Um 1850 herum wurde am Fuße des Thorsberges, im Norden des Ortes Süderbrarup (Schleswig-Holstein), in einem heute größtenteils trockengelegten Moorbecken, einer der bedeutendsten, geschichtlichen Funde Nord- und Mitteleuropas gemacht. Das früher „Thorsmoor“ genannte Moor, war Jahrhunderte lang Kultplatz eines größeren Siedlungsgebietes der Germanen. Siedlungsreste und mehrere Gräberfelder, die bei der 100 Meter vom Moor entferntliegenden „Heiligen Quelle“ gefunden wurden, beweisen, daß dort schon von 200 vor- bis 500 nach der Zeitwende ein kultureller Sammelpunkt war. 

 

 Vermutlich der Thingplatz der Angeln, vor ihrer Auswanderung nach England, denn noch zu Beginn der Neuzeit tagte dort das Thing Südangelns. Heutzutage wird in Süderbrarup der größte Markt Schleswig-Holsteins abgehalten, welcher wie überliefert wurde schon hunderte von Jahren dort statt findet, und an die Zeit der letzten Funde anknüpfen soll. Der eigentliche, wenige hundert Quadratmeter messende, Opferplatz liegt 10-20 Meter vom östlichen Moorufer entfernt, und war über einen Holzsteg zu erreichen. Von 1858 – 1861 machte der Lehrer der Flensburger Schule, und spätere Professor in Kopenhagen, Conrad Engelhardt dort planmäßige Ausgrabungen. Die fundführende Moorschicht war 1,5-1,8 Meter dick, und enthielt Opfergaben aus mindestens sieben Jahrhunderten. Jedoch vermutet man, daß schon davor, in älterer Stein- und Bronzezeit dort geopfert wurde. 

Die ältesten, bestimmbaren Gaben, Tongefäße deren Inhalt leider nichtmehr zu ermitteln war, stammen von ungefähr 400 vor derZeitwende. Die Blütezeit dieser älteren Funde reicht von 100 vor- bis 100 nach der Zeitwende. Viele der Tongefäße aus dieser Epoche enthielten Speisereste, auch wurden Reste von Tieropfern und Rinderhörnern gefunden, was auf eine überwiegend bäuerliche Bevölkerung schließen läßt. Ab 100 n.d.Zw. wurden dieseOpfergaben mehr und mehr durch metallene Gegenstände ersetzt, nur selten noch wurden Opfer nach den alten Gebräuchen verrichtet. Ringe aus reinem Gold wurden, wie durch andere Fundstellen bewiesen, noch bis ins sechste Jahrhundert hinein anstelle der Speise und Tieropfer von den Bauern dargebracht. Die weiteren Funde zeigen an, daß in dieser Zeit der sippenadelige, kriegerische Anteil der Bevölkerung zunahm. Es wurden hauptsächlich Waffen und Teile der Reiterausrüstung geopfert, auch römisches Einfuhr- und Beutegut sowie Münzen. 

Einige der römischen Stücke sind nach germanischem Zeitgeschmack umgearbeitet (ein römischer Reiterhelm wurde zum leichten Prunkhelm umgestaltet, zwei runde Schmuckplatten des römischen Meisters Saciro aus Köln mit aufgenieteten Tierfiguren und Tierfriesen bereichert) Aus dieser Zeit stammen auch einige prachtvolle Schmuckstücke ganz aus Gold. Am Ende des dritten Jahrhunderts nehmen die Opfergaben ab, bis sie schließlich ganz aufhören. Leider sind die meisten Stücke vor dem Opfer beschädigt worden; Warum ist ungewiß, jedoch vermutet man, daß dies geschah um die Opfergaben für Diebe unbrauchbar zu machen. Dem Namen des Moores und den dort gefundenen Gaben nach war der Hauptgott des Kultplatzes Donar/Thor, doch auch Gaben an die Götter Tyr/Ziu, Ullr und Frey/Fro sind dort nachgewiesen. Süderbrarup gibt uns Aufschluß über viele Lebensbereiche unserer Vorfahren. Die erhalten gebliebenen Kleidungsstücke (Hosen, Kittel und Mäntel) geben uns ein vollständiges Bild der Männertracht aus dieser Zeit. Die Materialien zeigen die Fortschritte in Spinn-, Web- und Färbeverfahren. Die meisten Stücke sind aus Schafwolle, was uns zeigt, daß Schafzucht eine der wichtigsten bäuerlichen Einnahmequellen gewesen sein muß. Gefundene Eggen, Harken und Karrenräder geben uns nicht nur Aufschluß über das Bauernleben, sondern beweisen auch die handwerkliche Geschicklichkeit der Germanen. Rinderhörner, Sattel- und Riemenzeug sagen uns, daß neben der Schafzucht auch Rinder- und Pferdezucht eine bedeutende Rolle spielten. Die Waffen und Schmuckstücke zeugen von hervorragender Schmiede und Goldschmiedekunst. Auf den Waffen aus dem Thorsmoor fand man auch die ältesten noch vorhandenen Runenritzungen. Insgesammt gesehen gibt uns dieser Fund ein sehr anschauliches und eindrucksvolles Bild über das tägliche Leben unserer Vorfahren.

Zeitgenössisches Heidentum – Tradition, Kontinuität und Rekonstruktion

wilnort-heidentumZu Beginn des 21. Jahrhunderts stehen irgendwo in Deutschlands geographischem Herzen etwa 30 junge Menschen beisammen und schweigen. Hier auf einer Waldlichtung sind der Schein der Fackeln und das prasselnde Feuer in der Mitte des Gemeinschaftskreises das einzige Licht, das die ernsten Gesichter der Anwesenden zaghaft erhellt. Zum Fest der Tagundnachtgleiche im Frühling haben sie sich zusammengefunden und begehen es, wie schon die Jahre davor. Der Kultleiter führt die Versammelten durch diese Feier, Sinnsprüche ertönen, Gaben werden als Opfer an die Göttern dem Feuer übergeben, Gedichte werden vorgetragen und ein gemeinschaftliches Mahl abgehalten. Man könnte meinen, daß unsere Altvorderen ihre kultischen Feste in etwa genauso begingen. Schließlich werden dieselben Götter angerufen, dieselben Runen beschwört und selbst der vergossene Met ist augenscheinlich „nach alter germanischer Rezeptur“ hergestellt. Traditionspflege ist angesagt.

Tradition. Welch hehrer Begriff! Welch mißverstandener Begriff! Wie viele Menschen, die sich in irgendeiner Form mit dem mythologischen und realhistorischen Wert des Germanentums auseinandersetzen, haben den Begriff der Tradition in bezug auf das germanische Heidentum wirklich verstanden? Gibt es eine Tradition des germanischen Heidentums bis in die heutige Zeit? Gibt es die Tradition? Kann man diesen Begriff wissenschaftlich absichern und mit ihm sowohl für als aber auch gegen das „Neuheidentum“ Position beziehen? Im folgenden soll die Problematik, welche die Erklärungsgrundlagen des „Neuheidentums“ betrifft, aus undogmatischer, nicht-streng-wissenschaftlicher, aber keinesfalls allzu verklärender Sicht heraus umrissen werden.

Oben beschriebenes Szenario ist zeitgenössische Realität. Dutzende mehr oder weniger klar organisierter Gruppen, die sich der Wiederbelebung des germanischen Heidentums verschrieben haben, finden sich mehrmals im Jahr zusammen, um die Feste der Sonne und des Mondes zu feiern. Wodurch ist nun der Drang zu erklären, sich von der Institution der Kirche und ihrem dogmatischen Glauben zu lösen und sich einer „Glaubensrichtung“ zuzuwenden, die als vermeintlich „überwunden“ galt?

 

olshansky-night-of-a-warrior Die Antwort gibt uns im Prinzip die Jetztzeit. Diese zeichnet sich aus durch eine fortschreitende Auflösung und Nicht-Beachtung gemeinschaftlicher Werte und Institutionen im Kleinen, wie auch im Großen, was vorwiegend negativ zu bewerten ist. Grober Materialismus, Konsumgeilheit, Vortäuschung vermeintlicher Freiheit, die letztlich nur das totale Ausleben triebhafter Ich-Bezogenheit mit sich bringt, Auflösung der Familien- und Gemeinschaftsstruktur zugunsten des Single-Daseins, Abkapselung vom Gedanken an die Heiligkeit der Natur und so vieles mehr sind die Symptome einer Atomisierung der Gesellschaft. Der identitätslose Großstadtbürger in seinem grenzenlosen Fortschrittswahn, kosmopolitisch erzogen und ohne Bindung zu spirituellen Werten ist nicht etwa nur ein polemisches Postulat rechtsradikaler Vergangenheitsverklärer. Er ist soziale Realität.

Daß dieser Menschentypus in zunehmendem Maße abstoßend wirken kann, beweist die Suche vieler Menschen nach einem spirituellen Ersatz, nach einem Gegenpol zum Materialismus, nach religiöser Bindung. Diese Zeit erlebt sowohl den Niedergang der Kirchen als gemeinschaftsförderndes Element als auch das Emporsteigen vermeintlich spiritualitätsspendender Weltanschauungen und Gruppierungen. Nur allzu typisch für diese Zeit der Entwurzelung ist allerdings das Wesen dieser mehr oder weniger neuen Heilslehren: New-Age-Esoterik, fernöstliche Weisheiten und judäo-christliche Erlösungsgedanken bieten – oft genug in den verworrensten Verquickungen – dem sinnentleerten Mensch der Großstadt eine Möglichkeit, seine Sehnsucht nach Spiritualität zu stillen, obwohl sie nüchtern betrachtet kaum etwas mit dem Menschen des Abendlandes zu tun haben. Was verstehen gestreßte deutsche Manager aus Frankfurt a. M. von Jahrtausende alter japanischer Shinto-Tradition? Was haben fehlgeleitete britische Bürokauffrauen aus London mit indischen Yoga-Praktiken zu tun? Was finden verzogene Wohlstandsjugendliche in der oberflächlichen Beschäftigung mit einer Kombination aus den spirituellen Werten der Hopi-Indianer und der Kultur der australischen Aborigines? Vielleicht haben diese Menschen schon den ersten Schritt in die richtige Richtung getan, vielleicht haben sie ansatzweise erkannt, daß das Anbeten des Götzen Mammon nicht das einzige sein kann, das dem Dasein seinen Inhalt zu geben vermag. Doch wohin schweifen diese Geister? Der – meist kommerziell orientierte – Markt der Esoterik bietet alles an, was exotisch und geheimnisvoll klingt und befriedigt damit das beim modernen Menschen latent vorhandene, durch eine möglichst kosmopolitische Erziehung geförderte Verlangen nach fremden Geistes-, ja Kulturwerten. Wir sehen: auch in den Bereich des Glaubens hielten Stofflichkeit (Konsumorientierung) und der den Menschen in seiner völkisch-artgemäßen Persönlichkeitsentfaltung gefährdende Geistes-Internationalismus Einzug. Der Mensch scheint den Kräften der Jetztzeit, des dunklen zersetzenden Zeitalters in allen Belangen ausgeliefert zu sein.

Was bleibt an Alternativen? Der christliche Glaube – oberflächlich betrachtet traditionell abendländisch – verliert in Mitteleuropa an Strahlungskraft, Frische und Anziehungsvermögen. Für die meisten Menschen ist er zu einem bloßen Relikt in Form der verstaubten, dogmenbeladenen Amtskirche verkommen und allenfalls ein politisch instrumentalisierter Werteträger, weil er „ja eigentlich schon immer da war“. Wirklich tief empfundene Religiosität und Gottschau läßt sich in Hinsicht auf die Masse mit dem Begriff des Christentums heutzutage, zumindest in Deutschland, kaum noch verbinden. Jenseits des Atlantiks findet sich ein alttestamentarischer Auserwähltheitswahn in Kombination mit puritanischer Diesseitsverachtung und panzerkapitalistischer bzw. –imperialistischer Weltverbesserungsethik in einer unsäglichen und gefährlichen Weltsicht wieder. Der Rest der christlichen Herde, vornehmlich in Süd- und Osteuropa, mag an dieser Stelle nicht von Belang für das vorliegende Thema sein und kann getrost mit einem Begriff charakterisiert werden: Sklavenmoral. Neben dem etablierten Christentum buhlen noch zahlreiche Freikirchen und christliche Sekten, sowie der nicht minder universalistische, d.h. kosmopolitische Islam um die nach Transzendenz bettelnden Seelen der weißen Menschen.[Christentum und Islam speisen sich aus ein und derselben vorderasiatischen Quelle. Das sollte klar sein. Doch ist es erstaunlich, wie viele religiöse Motive sich diese beiden Weltreligionen vom Beginn ihrer Entstehung an und im Laufe ihrer Genese von uralten indogermanischen Glaubensmodellen entliehen haben. Überall, wo besonders das Christentum auf ein Volk (einen Stamm etc.) stieß, formte die völkisch-gebundene „Volksseele“ sich den neuen Glauben, in diesem Fall das Christentum, zu einem arteigenen Religionsempfinden um, und zwangsläufig verbanden sich vorchristliche heidnische Einflüsse mit den neuen Ansätzen zu einer stets von Volk zu Volk unterschiedlichen Volksreligion und Volksfrömmigkeit. Das stil- und charakterprägende völkische Prinzip ist also selbst im Christentum von höchster, ja absoluter Wichtigkeit. Diese kurze Erörterung ist für den weiteren Verlauf nicht unwichtig.] Ob für diese Menschen jedoch die in ihrer Konsequenz aggressiven, ihre absolute Alleingültigkeit verteidigenden Fremdlehren vom Sinai der richtige, besser: vernünftige Weg sind, um ihrem Dasein religiöse Ordnung zu verleihen, soll hier nur als rhetorische Frage im Raum stehen bleiben. Die Antwort ist für den freiheitsliebenden, undogmatischen Menschen klar…

Wir haben bisher versucht aufzuzeigen, daß innerhalb des Spektrums der verschiedenen, von der heutigen Gesellschaft akzeptierten Religionen oder „spirituellen“ Lehren keine einzige religiöse Weltsicht vorhanden ist, die den Kern eines deutschen Menschen, sein Wesen und seine Art wirklich anspricht. Keine der genannten Religionsformen ist blutgebunden, keine ist auf den germanischen Menschen zugeschnitten. [Der Artikel bezieht sich auf die Situation in vorwiegend germanisch bestimmten Ländern. „Germanisch“ soll in diesem Zusammenhang in erster Linie als sprachwissenschaftlicher und religionsgeschichtlicher Begriff verstanden werden. Um dem Begriff „germanisch“ eine biologische Bedeutung zu verleihen – was an dieser Stelle bewußt der Fall sein soll-, muß man zuerst verstehen, daß es keine „germanische Rasse“ gibt. Jedoch gibt es den „Nordischen Rassetypus“, der als Träger germanischer Kulturwerte (im sprach- und religionsgeschichtlichen Sinne) gilt und durch sein wanderungsbedingtes Auftreten im Blut der europäischen Menschen (natürlich stärker ausgeprägt in Nord- und Mitteleuropas) diesen Kontinent unvergleichlich stark prägt. So ist der Anteil „nordischen Blutes“ in Ländern wie Deutschland, Holland, Dänemark oder Schweden besonders hoch und erklärt somit das Vorherrschen germanischer Kultur in diesen Ländern, im Gegensatz zu „romanisch“ bestimmten Ländern oder Völkern im Süden bzw. Osten Europas. Vgl. hierzu Hans F.K. Günther: Der nordische Gedanke unter den Deutschen, München 1927.] Warum sollten da junge Menschen, die sich den Auswüchsen dieser Verfallszeit nicht beugen wollen, nicht den direkten, ehrlichen Weg wählen und sich mit den eigenen Wurzeln auseinandersetzen?

Die Auseinandersetzung mit den schriftlichen Überlieferungen germanischen Heiden- und Heldentums, wie sie beispielsweise in den eddischen Schriften, in den nordskandinavischen Sagas oder im Nibelungenlied [Das in mittelalterlicher, christlicher Zeit niedergeschriebene Nibelungenlied weist natürlich etliche christliche Motive auf, zeugt jedoch – wie auch das Hildebrandslied – über  weite Strecken von germanischer Geisteshaltung. Einwände, die den christlichen Charakter solcher Schriften (dazu zählt auch die jüngere und ältere Edda) wegen ihrer mittelalterlichen Aufzeichnungszeit überbetonen, zählen wenig. Der Kern dieser Werke bleibt ethisch und philosophisch betrachtet stets germanisch. Von vorderasiatisch judäo-christlichem Ethos ist in ihnen nichts zu spüren.] zu finden sind, führen den Suchenden erst einmal heran an den Kosmos germanischer Ethik. Ein Siegfried von Xanten und ein Hagen von Tronje vermögen junge Menschen doch wohl eher zu einer wertvollen Charakterbildung hin zu inspirieren als ein Jesus von Nazareth. Der Mut Siegfrieds und die Treue Hagens wirken positiver auf gedeihende junge Seelen ein als das Bild eines am Kreuze leidenden, uns in seiner Stammeszugehörigkeit fremden und in seiner widernatürlichen Passivität feindlichen Vorderasiaten. Ist dann die Grundlage geschaffen, die man braucht, um germanisches Wesen in früherer Zeit zu begreifen, steht einer Vertiefung in den mythologischen Stoff der germanischen Religion nichts mehr im Wege. In dieser Mythologie, die schließlich von Menschen unserer Wesensart geschaffen wurde, spiegelt sich das Jahrtausende alte Wissen um die Geheimnisse des Lebens, ja der kosmischen Ordnung – in die herrlichsten Sinnbilder und Geschichten verpackt – wieder. So wie die charakterlichen Eigenschaften unserer Ahnen beschaffen waren, so wurden auch die Götter von denen, die sie verehrten, mit Eigenschaften bedacht, ohne daß die Archetypen, die von den Götter repräsentiert wurden, verfälscht wurden. Die Beziehung zwischen Menschen und Göttern war lebendig. Die Beziehung zwischen den Menschen und der Natur (deren Kräfte die Götter ebenfalls symbolisieren) war lebendig. Die Weltsicht des germanischen Menschen war – auf den Punkt gebracht – lebendig! Was aber Jahrtausende gewachsen ist, kann nicht mit einem Male verschwinden. Das Christentum lagerte sich nur oberflächlich auf den Geist des germanischen Menschen. In ihm schlummerte, was früher lebendig war und was nie gänzlich verleugnet werden konnte. Und so verwundert es niemanden, daß in den letzten 250 Jahren das Bewußtsein um das Versagen des unmenschlichen, weil lebensverneinenden Christentums zunahm und freie, große Geister wie Goethe, Nietzsche oder Hegel eben diesem Christentum – jenseitsverliebt, rechthaberisch und mit dem Makel der Inquisition und anderer Verbrechen versehen – im innersten abschworen.

Wenden wir uns dem Vorwurf der blutarmen und verwerflichen Rekonstruktion germanischen Heidentums zu, der vor allem von den Vertretern der Amtskirche, von Geisteswissenschaftlern und Medienleuten oft genug ins Feld geführt wird. Ihre Argumentation stützt sich auf der Annahme, daß ein vermeintlich „überwundenes, totes Heidentum ohne Kontinuität“ nicht wiederbelebt werden dürfe, da sich ja das Christentum als die stärkere Religionsform erwies und erst die kulturelle Entwicklung des Abendlandes, ja gar der ganzen Welt vorantrieb, so daß der christliche Glaube nun für immer als der einzige in (zumindest) Europa zu gelten hat. Ferner ließen sich urgermanische Rituale nicht rekonstruieren und damals benutzte Symbole nicht mehr mit Sinn füllen, da die entsprechenden schriftlichen Quellen aus damaliger Zeit fehlen. Des weiteren wird die Hinwendung eines jungen Menschen zum germanisch-heidnischen Glauben schon deshalb lächerlich gemacht, argwöhnisch beäugt und somit in Frage gestellt, weil diese Hinwendung, oder besser: dieses Wiedererkennen ja nur aus einer wie auch immer gearteten „Verirrung“ heraus geschieht, aus „jugendlicher Ziellosigkeit“ und aus Gründen „subkulturellen Modeerscheinungen“. Letzten Endes sind es eine Vielzahl von Argumenten, denen sich die (vor allem jungen) Menschen heidnischer Lebenssicht ausgesetzt sehen müssen. Sicherlich ist eine gewisse „Verirrung“ der Grund für das Wiederaufkeimen heidnisch-germanischer Weltanschauung. Doch diese Verirrung ist ganz allein das Resultat einer krassen Fehlentwicklung Europas, die in Form geistiger Versklavung und Verdörrung der Völker erst durch das Christentum, dann durch diverse politische und wirtschaftliche Philosophien wie den Liberalismus, den Kapitalismus, den Kommunismus, kurz: den groben Materialismus des Geistes eintrat. Ja, der heutige Mensch ist „verirrt“. Er ist entwurzelt, zerrissen und abgenabelt…von seinem Ich, von der Natur! Analog dazu sind die Kerneinheiten Familie und Volk innerlich im Begriff, sich aufzulösen. Und da wundern sich die Autoritäten, wenn der germanisch-heidnische Glaube eine Renaissance erlebt? Und diese Renaissance ist nicht blutarm! Sie wird gespeist durch die Zuversicht und die Energie junger Menschen. Wir Heiden von heute haben das Recht und die Pflicht etwas weiterzuführen, was einmal blutvoll glühte! Der germanische Glaube lebt mit den Menschen, die ihn in sich tragen und bei aller Zustimmung zum Postulat des „ständigen Wandels aller Dinge“ behaupten wir, daß eine religiöse Tradition niemals tot, sondern nur verdrängt sein kann, weswegen wir ja nichts anderes tun, als ein religiöses System in ein neues Jahrhundert zu führen und mit Leben zu füllen. Das bedeutet aber auch, daß wir als Menschen des 21. Jahrhunderts natürlich andere Vorraussetzungen und Möglichkeiten haben, unser Heidentum zu leben. Wir leben in einer technisch hoch stehenden Zivilisation und warum sollten wir uns nicht die technischen Errungenschaften zu nutze machen? Wir benutzen Autos, das Weltnetz und Mobiltelefone, doch haben diese Dinge nichts mit einer gewissen heidnischen Grundeinstellung zu tun, solange alles in Maßen benutzt wird und sowohl die Natur als auch unser Körper und Geist nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Achtung und Wahrung der zuletzt genannten wesentlichen Elemente unseres Lebens ist echtes Heidentum! Ihre Nicht-Achtung und Nicht-Wahrung ist Verfall, ist lebensfeindlich! Wir jedenfalls haben unser Heidentum in unseren Alltag integriert, so wie dieses religiöse Empfinden auch sozialer Alltag unser Ahnen war. Die verschiedensten Aspekte der religiösen Weltsicht unserer Altvorderen wurden von diesen auf ihre Art interpretiert, und so interpretieren wir dieselben Aspekte auf unsere Art und Weise, ohne daß beide Möglichkeiten der Interpretation zu stark voneinander abweichen. Was im Blut, im Wesen unserer Ahnen schon diese spezielle, nordische, germanische Art und Weise der Reflektion aller Dinge, ja des Lebens an sich bedingte, kann in unserem Blut und unserem Wesen nicht völlig erloschen sein!

 

yavolod-reichsburg-trifels Ein Beispiel: Für die vorchristlichen germanischen Stämme mit ihrer agrarisch bestimmten Lebensrealität war die Sonne von immenser Bedeutung für ihr Überleben, weil sie als Licht- und Wärmespenderin das Wachsen der Vegetation und somit die Sicherung der Nahrungsgrundlagen der Menschen garantierte. So genoß das höchste Gestirn eine entsprechende kultische Verehrung und verschiedene, auf die Sonne bezogene Symbole wurden ersonnen. Wir in der heutigen Zeit sind zwar auch noch von der Kraft der Sonne abhängig, doch ist die direkte Verbindung Sonne – Acker – Nahrung für die meisten von uns nicht mehr bestimmend. Jedoch erschließen sich uns in Hinsicht auf die Sonne durch die Beschäftigung mit der Weltsicht der (indo-)germanischen Tradition [Wir merken hier explizit an, daß das germanische Heidentum ein wesentlicher Bestandteil der indo-germanischen Tradition ist, um dem unbedarften zu verdeutlichen, daß es ein gewisses weltanschauliches Band gibt, das unsere germanische Weltsicht mit beispielsweise der alten hellenischen, persischen oder keltischen verbindet, was uns wiederum neue (eigentlich ja alte), wertvolle, religiös-philosophische Erkenntnisse für die Gegenwart und Zukunft verschafft.], also mit unserer traditionalen Geistesgeschichte, neue philosophische und esoterische  Bedeutungshorizonte. Das Symbol der Sonne und somit auch die Sonne an sich bedeuten uns „Dynamik“, „Leben“, „Männlichkeit“, „Zentrum“ etc. und stehen den alten, vermeintlich primitiveren Vorstellungen von der Sonne definitiv nicht konträr gegenüber. Weil wir uns weiterentwickeln, wird sich auch der heidnisch-germanische Glaube weiterentwickeln ohne den Grundton zu verlieren, der unsere Seelen erklingen läßt, denn unser Götterglaube ist ein lebendiger Glaube, ein lebendiges Wissen um das Leben an sich! Wir tragen das Erbe der Vorväter einer Fackel gleich und führen es weiter und weiter, weil wir begriffen haben, daß wir ein Glied in einer (biologischen) Kette sind und Vergangenheit und Zukunft miteinander verbinden. Das ist unsere Pflicht! Wir „Neu-Heiden“ rekonstruieren das germanische Heidentum nicht, wir konstruieren es nach unserer Art, nach unserem Wesen. Das ist unsere Antwort auf den Vorwurf der bloßen Rekonstruktion. Dieses Konstruieren oder Neu-Erkennen umschließt natürlich ebenso die Art und Weise, wie wir unsere Kultfeiern gestalten oder wie wir die Gestalten unserer Götter begreifen: Das rituelle Feuer und das Miteinbeziehen höherer Kräfte waren beispielsweise Elemente, die den Sonnenfesten der Altvorderen zu eigen waren, und auch wir beziehen sie mit in unsere frei gestalteten Feiern ein, doch wollen wir keine „Germanenfeierei“ „nachäffen“, sondern nehmen uns das Recht heraus, unsere in uns ruhende germanische Schöpferkraft zu verwenden und aus dieser heraus eigene Feierabläufe zu kreieren. Was die Betrachtung unserer Götter betrifft, so sind wir sicherlich den Schilderungen der Eigenschaften dieser Götter in den eddischen Schriften hauptsächlich unterworfen, weil sie unser Bild von Wotan, Donar, Frigga oder Loki stark prägen. Nichtsdestotrotz erhalten wir durch die Beschäftigung mit unserer (indo-)germanischen Tradition, mit der Lektüre religionsgeschichtlicher Fachliteratur und psychologischen Werken verschiedenste Anregungen, um die Göttergestalten mit unserem erworbenen, „modernen“ Wissen zu interpretieren. [Beispielsweise wird uns der Wandel der Gestalt Odin-Wotans vom Toten- und Sturmgott hin zum Wanderer und Dichtergott erst durch wichtigen Religionswissenschaftler und Germanisten wie De Vries, Golther, Dumeziel oder Neckel vor Augen geführt, was unsere Sicht auf die Götter genauso beeinflußt wie die Archetypenlehre von C.G. Jung.] Dabei ist es von absoluter Bedeutung, daß wir uns bei allen Betrachtungen und bei allen Versuchen der Weiterbildung (die ja nur das Fundament unserer Weltsicht sein kann) hinsichtlich der Geschichte unserer (indo-)germanischen Tradition auf verläßliche Quellen berufen können. Das soll heißen, daß eine archäologisch oder philologisch abgesicherte Quelle uns das nötige Wissen um unsere Vorzeit liefert, während eine eher spekulative Schrift uns nur zu inspirieren vermag. [Ohne die Leistung hinsichtlich der Verbreitung germanischer Ethik schmälern zu wollen, seien diesbezüglich vor allem jene Werke genannt, die den Bereich der reinen Esoterik und/oder persönlichen Deutung – mit dem Anspruch nach Unfehlbarkeit versehen – oftmals nicht verlassen. Beispiele sind zahlreiche Schriften von Marby, v. List, Tiede, Lanz v. Liebenfels, Aswynn oder Gorsleben.] Um etwaigen Mißverständnissen vorzubeugen: Diejenigen Geisteswissenschaftler, die durchaus bemüht sind, die Quellen des vorchristlichen Germanentums freizulegen und uns damit, wie gesagt, helfen, sind zumeist auch die, – das erwähnte ich  ebenfalls – deren Anliegen es ist, uns den Rekonstruktions-Vorwurf entgegenzuhalten. Zumindest die Geisteswissenschaftler moderner Prägung (die 68er-Generation läßt grüßen) sind alles andere als germanophil wenn es darum geht, den Wert des vorchristlich-germanischen Kulturschaffens und dessen Quellen für unser heutiges Volkstum zu erkennen. [Doch sollte dies allerdings nicht die tatsächliche wissenschaftliche Leistung dieser Leute, von der wir profitieren, in Frage stellen.] Erkannt haben dies die längst verstorbenen Forscher der älteren Generation, und damit sind wir an einem Aspekt angelangt, der uns hinsichtlich germanischer Kulturwerte immer wieder abgesprochen wird: der Kontinuität. Grob gesprochen ist die moderne Auffassung von Kontinuität innerhalb der zeitgenössischen Geisteswissenschaft folgende: Liegen zeitlich zwischen dem quellenmäßig abgesicherten Erscheinen eines Kulturmusters (in heidnischer Zeit beispielsweise) und dem selben, durch den Wandel der Zeit nur gering veränderten Muster nicht mindestens ein Dutzend schriftlich fixierte Aufzeichnungen über dieses Muster vor, so kann unmöglich von einer Kontinuität gesprochen werden. Das ist eine moderne Kontinuitätsauffassung. Das ist eine Zeitgeist-unterworfene, also ideologische Auffassung und somit eine Anschauung, die darauf zielt – der Zeitgeist will es so – uns von unseren Wurzeln komplett zu scheiden! Natürlich verändern alle Kulturwerte und –muster ihre Gestalt, doch lassen sich in beinahe jedem Fest, in jedem Sinnzeichen, in jedem Brauch und jeder volksreligiösen Handlung noch Reste germanischer Frömmigkeit erblicken, auch wenn sich die christliche Ascheschicht und die Kraft der Zeit über diese Muster gelegt und dieses modifiziert haben. [Ein Paradebeispiel ist das Osterfest. Die christliche Liturgie sieht allein die vermeintliche Auferstehung Christi und das jüdische Passah-Fest als die Grundlagen dieses Festes an, ohne zuzugeben, daß vorchristliche Fruchtbarkeits- und Frühjahrskulte den Ursprung für das hiesige feiern von Ostern bieten. Sicherlich sind an schriftlichen Aussagen über Fruchtbarkeitsgöttinnen nur die von Tacitus und Beda Venerabilis überliefert. Dennoch verweist allein schon die Etymologie (Wortherkunft) der von Beda für den angelsächsischen Raum erwähnten Ostara/Eostre auf ein Fest zu Ehren einer Fruchtbarkeitsgöttin hin, da die indogermanische Tradition verschiedene, etymologisch mit Ostara/Eostre verwandte Frühjahrs- und Fruchtbarkeitsgöttinnen kennt, wie z.B. Eos oder Astarte.] Wir sagen: Wie ein roter Faden ist germanisch-deutsches Wesen in das Groß unsere Feste, Sitten, Sagen und Bräuche eingewoben. Es gibt eine Kontinuität, auch wenn diese sich nicht an zig verschiedenen Schriftquellen festmacht, sondern sie sich erahnen, erfühlen, erschließen läßt. Diese Auffassung steht im übrigen nicht widersprüchlich zu der oben getroffenen Feststellung, daß wir auf wissenschaftlich fundierte Quellen zur Altgermanischen Religionsgeschichte zurückgreifen sollten, um selbige besser verstehen zu können und daß wir nicht allzu leichtgläubig irgendwelche Deutungen oder Vermutungen in uns aufnehmen sollten. Im Gegenteil: Je mehr Quellen zu unserer Kulturgeschichte, um so besser! Doch lassen wir uns nicht einreden, daß es keine Reste germanischer Kultur mehr gibt und jegliche Kultur sowieso aus dem mediterranen Raum oder dem Morgenland kommt. Wir sind nicht blind und erkennen den germanischen Fruchtbarkeitsbrauch im heutigen Questenfest, die Göttin Holda im Märchen von Frau Holle, die germanische, zur Wintersonnenwende gelebte Sonnenverehrung im sog. „Johannisfeuer“ oder die Gebo-Rune in der Sitte, das Besteck gekreuzt auf den Teller zu legen, wenn man Nachschlag erwartet. Wo germanisches Wesen in Kulturmustern vorhanden ist, erkennen wir es auch und verteidigen es gegen die Widrigkeiten dieser zersetzenden, weil „kosmopolitischen“, Zeit. Das ist unsere Kontinuität, das ist unser Traditionsbewußtsein!

Heide zu sein, bedeutet, Altes zu wahren und Neues zu schaffen; sein Wesen und seine Wurzeln zu (er)kennen und getreu diesen Grundlagen zu denken, fühlen und handeln. Es bedeutet, dem Geist dieser Zeit abzuschwören und die technischen Errungenschaften der Moderne kritisch zu prüfen, ohne jedoch diesen von vornherein abzusagen. Wir sind keine „Neuheiden“, weil wir als Menschen nie „Christen“ waren und darum nicht „neu“ vom Christen zum Heiden mutierten. Der germanische Mensch ist von Natur aus ein Heide, ein freier Mensch. Er wird erst durch fremde Lehren zum „Christen“ umfunktioniert. Wir sind auch deshalb schon keine „Neuheiden“ im historischen Sinne, weil es immer Heiden gegeben hat! Wo immer germanische Menschen sich ihre Frömmigkeit dem heiligen, dem Leben gegenüber bewahrt haben, wo immer germanische Menschen die Erde und den Kosmos erforschen wollten, wo immer germanische Menschen sich’s trauten, die tiefsten Geheimnissen des Lebens auf den Grund zu gehen, wo immer germanische Menschen für die Freiheit ihrer Sippe, ihres Volkes kämpften und starben, wo immer germanische Menschen hart arbeiteten und das Diesseits bejahten… überall da waren Heiden zu finden. Sie waren Ketzer gegenüber der christlichen, todesverehrenden Lehre vom „irdischen Jammertal“, von dem es nur Erlösung für den Schwachen und Sündigen durch den am Kreuze verendeten Vorderasiaten Jesus von Nazareth gibt. Wir können uns nur selbst erlösen und das durch den Beweis unserer Tat- und Schöpferkraft in diesem Leben unter Wahrung der heiligen Natur. Vom kleinsten Bauern bis zum größten Geiste haben das die meisten germanisch bestimmten Menschen Europas erkannt oder erfühlt und somit – ob bewußt oder unbewußt – das christliche Büßergewand abgeworfen und sich als das herausgestellt, was sie von Geburt an eigentlich waren: Heiden im besten Sinne! An uns liegt es nun, mit dem klaren Bewußtsein, ein von indogermanischer Tradition geprägter freier Mensch zu sein, dies auch in die Welt zu tragen und eine Festung germanischer Ethik darzustellen, die dem Ungeist der jetzigen Zeit trotzt und Inspiration für die uns umgebenden Menschen spendet.

Schwarze Sonne

Schwarze Sonne„Schwarze Sonne“ Im Inneren von uns leuchtend Du schenkst die Kraft der Erkenntnis Besinnend des Reiches von Atland Das hoch bei der Himmelssäule lag Ehe des Meeres Wut es verschlang Besinnend der klugen Riesen, Die jenseits von Thule kamen und lehrten“

Der Begriff „Schwarze Sonne“ fand schon bei den Erbauern der Pyramiden seine erste Erwähnung. Die Errichtung der Pyramiden schreibt man einer früheren, untergegangenen Hochkultur zu, die in allen Wissensbereichen und in ihrer sozialen und kulturellen Ausprägung weit über dem heutigen Niveau anzusiedeln war. Den Inschriften und mystischen Versen zufolge, sind die Schöpfer dieser Hochkultur, die Atlanter, die Arier der Insel Atlantis, die durch eine Umweltkatastrophe unterging und seitdem nur noch in Sagen und Mythen weiterexistierte. Die untergegangene, sagenumwobene Insel Atlantis (Hyperborea?) vermuten Wissenschaftler in der Nordsee, also im germanischen Siedlungs- und Kulturraum, was viele alte Inschriften auch mehrfach bestätigen. Aus den alten Überlieferungen von Babilu geht hervor, dass im Reich von Atlantis eine „weiße Sonne“ scheint, die über der Welt Erde strahlt und des Tages Licht gibt (die uns bekannte Sonne) und dort über dem Mitternachtsberg eine schwarze Sonne im Inneren von uns leuchtet, die der Kraft Erkenntnis schenkt. Dass heißt, die „Schwarze Sonne“ ist zwar nicht sichtbar, aber eine esoterische Metapher für das Licht des eigenen Inneren, der Seele der Menschen von Atlantis, den Ariern, welche die Weisheit alles Wissens von Anfang und Ende der Zeit in sich birgt und anderen davon kündet. Das Zeichen der „Schwarzen Sonne“ führten die Wissenden als Geheimzeichen. Die „Schwarze Sonne“ gilt somit als die arische Gotterkenntnis, die Erleuchtung und das absolute Wissen über die Zusammenhänge des gesamten Lebens aus einem arteigenen, germanischen Denken und Gefühlslebens heraus. Die ursprüngliche Farbe der „Schwarzen Sonne“ ist ein tiefes Dunkelrot oder ein tiefdunkles Purpur, sie wurde jedoch – um sie als Kontrast zur „Weißen Sonne“ des Tageslichtes gegenüberzustellen, als eine schwarze Sonne dargestellt, was ihr auch letztendlich den Namen gab.

Der Kraft der „Schwarzen Sonne“ konnten sich auch andere Geheimgesellschaften nie ganz entziehen. Die Alchemisten und die Ritter des Templer-Ordens strebten nach den Erkenntnissen des alten Wissens und sahen die „Schwarze Sonne“ stets als ein Heilszeichen der allumfassenden Weisheit an, die dem Heute verloren ging. Das tiefe Geheimnis und das Wissen (VRIL), welche seit je her mit dem Symbol der „Schwarzen Sonne“ verbunden wird, ist bis heute leider nicht vollständig erklärt. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man der Meinung folgt, dass vor unserer heutigen „Zivilisation“ bereits eine viel weiterentwickelte Kultur existierte, die daher nach heutigen „niedrigen“ Maßstäben auch in ihrer Vollkommenheit gar nicht erkannt werden kann – vieles spricht dafür! Die „Schwarze Sonne“ galt bei den Germanen auch als die Vollstreckung des göttlichen, arteigenen Willens und der germanischen Gesetze gegen die anmaßende Macht des Goldes und deren Diener. Die „Schwarze Sonne“ ist somit, vereinfacht gesagt, die Hüterin unserer uralten eigenen germanischen Werte und gilt als Widerstandszeichen gegen die heute in Deutschland herrschende internationalistische und völkerzerstörende Kraft des uns vom innersten her fremden und aufgezwungenen Materialismus. Wer heute die „Schwarze Sonne“ trägt, zeigt mit diesem Symbol die Verbundenheit mit der eigenen Art und mit den uns arteigenen Wertvorstellungen. Gleichzeitig ist es ein Bekenntnis gegen die herrschenden, zerstörerischen Kräfte des Mammons und der zunehmenden Dekadenz.

ergänzend

Die Schwarze Sonne von Tashi Lhunpo

Die Welt kurz, nach der Jahrtausendwende – der Chef der Europäischen Zentralbank wird ermordet, auf seiner Stirn prangt ein eigenartiges Brandzeichen. Der Journalist Hans Weigert stößt im Zuge seiner Recherchen in ein Schattenreich, das er zunächst nicht begreifen kann. Der … Weiterlesen

Die Irminsul

Germanenherz

Ehre die Ahnen!

Halgadom, aus den Stücken Runenkraft und Wotans Krieger
Kennst du die alte Kunde vom germanischen Heiligtum,
verborgen in Teutoburgs Wäldern,
den göttlichen Mächten zum Ruhm?
Dort an den Externsteinen die Irminsäule stand.
So lange man sie ehrte, war Einigkeit im Land.
Da kamen die fränkischen Heere, vergiftet vom Geist der Zeit,
die hieben die Säule nieder. Seitdem herrscht Hader und Streit.
Verwirrt in Glaubenskriegen irrt unser Volk umher,
es hat noch manche Blätter, doch keine Wurzeln mehr.
Wir brauchen wieder Hüter für unsres Volkes Gedeihn.
Willst du ein Hüter des Volkes – der Irminsäule sein?

Die Bedeutung des ältesten Sinnzeichens europäischer Religiosität

Wie wir den Überlieferungen entnehmen können, sind die beiden höchsten Sinnbilder der nordischen Atlanter die Sonne und die Weltensäule, die der Germanen die Sonne und die Irminsul (All-Säule) bzw. die Yggdrasil (Weltesche, Weltenbaum, Sonnenbahn-Dreh-Säule), wobei sich die Germanen ihre heilige Säule vorwiegend als Baum (Lebensbaum) vorstellten. Die Baumverehrung der Germanen gilt jedoch grundsätzlich demselben kosmischen Prinzip wie die Verehrung der Weltensäule bei den Atlantern, nämlich der Weltenachse bzw. Weltenseele. Auch die Obelisken in Ägypten, die Totempfähle der nordamerikanischen Indianer, der Weltenbaum der Maya, der Lebensbaum der Kabbala, der griechische Säulenkult, der im Deutschen Kulturraum weitverbreitete Maibaum und auch der in vielen Teilen der Welt verbreitete Weihnachtsbaum gehen alle auf den gleichen Kultus zurück und stehen symbolisch für das Prinzip der Weltensäule, die auch als Himmelssäule, Himmelsstütze, Weltenachse oder Weltenseele bezeichnet wird.
Doch welche grundsätzliche Idee steckt hinter der Verehrung der Weltenseele/Weltensäule?
Der Säulenkult resultiert aus der Verehrung der Weltenachse, die als verlängerte Erdachse in den verschiedenen Zeitaltern auf den jeweiligen Himmelspol bzw. Polarstern am Himmelszelt zeigt. Die Weltenachse bzw. Weltensäule wurde auch als Weltenseele verehrt, welche die irdische Welt mit dem weiten, heiligen Kosmos des Sternenhimmels und der Welt der Ahnen verbindet. Nicht ohne Grund besitzen die „Säule“ und die „Seele“, engl. „soul“, die gleichen Sprachwurzeln. Säulen- bzw. Menhirsetzungen galten somit auch als Orte der Ahnenverehrung. Wie die Sonne nach der Wintersonnenwende wieder nach oben steigt, so geschieht das auch mit der Seele des Verstorbenen – und von neuem geht sie im Körper des Nachkommens auf. Die Weltenachse war den sternenkundigen und seefahrenden Nordmeer- bzw. Seevölkern, wie die Atlanter in verschiedensten Überlieferungen der Antike bezeichnet werden, schon aus einem ganz praktischen Nutzen heilig, denn da durch sie der Himmelspol bestimmt wurde, ermöglichte sie ihnen die Orientierung auf den Weltmeeren. Der Himmelspol, um den sich die ganze Welt dreht, bringt als der ruhende Pol im Universum Ordnung und Berechenbarkeit in das Sternenmeer, was zur Orientierung auf die Verhältnisse der Erde übertragen werden kann.
Die Weltenachse war den Atlantern aber vor allem in religiöser Hinsicht heilig. Sie wurde im kulturellen Einflußbereich der Megalithkultur auch als „Himmels- bzw. Weltensäule“ oder als „Himmelsstütze“ bzw. „Säule des Himmels“ bezeichnet, da man von der Vorstellung ausging, daß auf ihr das Himmelszelt ruht und dieses durch sie gestützt werden müsse.
Sehr wahrscheinlich aufgrund von Erfahrungen aus verschiedenen Naturkatastrophen, die als göttliche Strafen betrachtet wurden, befürchteten die Menschen der Antike, daß ihnen der Himmel auf den Kopf fällt, wenn dieser nicht gestützt wird. Von der Himmelssäule, um deren Spitze das Himmelsgewölbe mit den zirkumpolaren Sternbildern sichtbar kreist, hing der Bestand der Welt ab, ihr Sturz bedeutete das Weltende. In allen Kulturen auf der nördlichen Halbkugel war diese Vorstellung verbreitet, sie kann aber nur im hohen Norden entstanden und von dort in südlichere Bereiche gelangt sein.
Aus philosophisch-religiöser Sicht steht die Weltensäule (Weltenseele) für die Verbindungsachse zwischen den beiden gegensätzlichen Polen Himmel (Geist) und Erde (Materie), sie ist das Symbol der Einheit von spiritueller und materieller Welt – der Einheit von Mensch und Natur mit Gott. Die Weltenseele stellt das kosmische Spannungsfeld dar, das sich zwischen den beiden antagonistischen Polen der Wirklichkeit, Himmel-Erde- bzw. Geist und Materie (Geist-Materie-Polarität), und damit über das gesamte Wirklichkeitsspektrum der Schöpfung erstreckt. Die Weltenseele ist daher für jegliche tiefergehenden ganzheitlich-philosophischen Betrachtungen als ontologische Leitvorstellung grundlegend! (ganzheitlich = auch die spirituellen Welten und kosmischen bzw. geistigen Gesetzmäßigkeiten mit einbeziehend).Die gesamte Schöpfung in ihrer unendlichen Vielfalt ist aus dem absoluten Urprinzip der Beziehung von Geist und Materie hervorgegangen, sie ist ein Prozeß von Involution und Evolution, von Materialisierung und Vergeistigung, welcher innerhalb der Geist-Materie- olarität abläuft und nach den universalen Gesetzmäßigkeiten geschieht, die in diesem grundlegenden Polaritätsprinzip immanent enthalten sind und aus diesem abgeleitet werden können, wie z.B. das Gesetz von Ursache und Wirkung, das Gesetz des Rhythmus, das Gesetz der Resonanz, des Karmas, der Reinkarnation usw. Dieses polare Prinzip spiegelt sich in allen Dingen der Schöpfung wider, denn, da alles, was existiert, aus diesem Urprinzip entstanden ist, ist es auch in allem enthalten.
Die nordische Weltensäule bzw. Weltenseele (Irminsul), seit vielen Jahrtausenden das höchste urnordische Heiligtum, stellt das die gesamte Schöpfung durchdringende, die geistige und materielle Welt zu einer Einheit verbindende, universelle Weltenseelenprinzip dar.
Die IRMINSUL symbolisiert auf einfache Weise die ganzheitlich-spirituelle Gottesvorstellung und Weltanschauung des dreigegliederten Kosmos unserer atlantisch-germanischen Vorfahren, sie ist das Sinnbild des absoluten Geistes (Gottes) und steht für das dreieinige Allvater/Allmutter/HeiligerGeist- Prinzip (heilig = ganzheitlich), die grundsätzliche Dreieinheit von Geist, Körper und Seele. Die Weltensäule ist somit auch das Symbol für die Göttlichkeit des Menschen und aller Schöpfung.
DIE DEUTUNG DES SYMBOLS IM EINZELNEN:
Irminsul Der obere Bereich der Weltensäulendarstellung (Irminsul) steht für das raum- und zeitlose kosmische Allbewußtsein des Allvaters (geistige Polarität der Schöpfung – transzendenter Gottesaspekt), der untere Bereich für die Körperlichkeit der Schöpfung, die Natur, die Physis, die Materie (Allmutter; materielle Polarität der Schöpfung – immanenter Gottesaspekt). Beide gegensätzlichen Pole der Schöpfung, Geist und Materie, werden durch ein drittes Element, die Seele, miteinander verbunden, mit der sie zusammen das universelle Weltenseelenprinzip ausmachen, in dem sich Geist, Materie und Seele gegenseitig bedingen und zusammen eine untrennbare Dreieinheit ausmachen.
Die Funktion der Seele (zwischen unten und oben der mittlere Teil der Weltensäulendarstellung) ist es, eine Wechselbeziehung zwischen den beiden gegensätzlichen Polen zu ermöglichen, wodurch die Prozesse von Involution und Evolution, welche zusammen den Schöpfungsprozeß ausmachen, erst ermöglicht werden. Das heißt: Die Seelenfunktion ermöglicht es einerseits, daß das jeweilige spirituelle Potential, das der Allvater in der materiellen Welt (Allmutter) durch die Erscheinungen der Schöpfung zur Verwirklichung bringen will, involieren kann (z.B. wie der geistige Plan für einen Eichenbaum in eine Eichel), und andererseits, daß sich diese Erscheinungen der Schöpfung nach ihrer kosmischen Bestimmung entwickeln, d.h. ihre innere göttliche Blaupause (Bestimmung) zur Entfaltung bringen können – also die Seele den Informationsfluß ermöglicht, der für die Ent-wickel-ung des geistigen Plans des Heranwachsens zu einem prächtigen Eichenbaum (Evolution) nötig ist. Die Darstellung des Weltensäulenprinzips (Irminsul) stellt in einfacher Form die dreieinigen kosmischen Archetypen (Urprinzipien) mit denen aus ihnen hervorgegangenen kosmischen Wahrnehmungsqualitäten bzw. Bewußtseinskräften dar, wodurch die essentiellen Urprinzipien der Schöpfung aufgezeigt und somit die nordische Gottesvorstellung bzw. die nordische Vorstellung vom Schöpfungsprozeß durch nur ein einziges Symbol dargestellt und auf den Punkt gebracht wird.
Die geistige Polarität der Schöpfung (das kosmische Allbewußtsein; Allvater; 9. Bewußtseinsdimension) enthält das gesamte Spektrum des Bewußtseins, das durch die drei archetypischen Bewußtseinskräfte des geistigen Kosmos gegliedert ist. Diese drei Ur-Kräfte sind als strukturelle Komponenten integrale Bestandteile des kosmischen Allbewußtseins sind und werden in der Weltensäulendarstellung durch die beiden oberen Volutenarme und das dazwischen angeordnete Symbol der „Schwarzen Sonne“ dargestellt. Die beiden oberen Volutenarme (links u. rechts) der Weltensäule bzw. Irminsul stellen die polaren archetypischen – männlichen und weiblichen – Bewußtseinskräfte des geistigen Kosmos dar (werden nachfolgend erklärt) und die zwischen den beiden Volutenarmen über der Weltensäule ruhende „Schwarze Sonne“ steht für den spirituellen Ur-Quell allen Seins, über die alle Seelen miteinander verbunden sind. Die „Schwarze Sonne“* ist die allbewußte Quelle der spirituell ganzheitlich ausgewogenen, vollkommenen kosmischen Bewußtseinskraft (in der Irminsul-Darstellung die rote, mittlere und nach unten flammende Kraft – die „Heilige Flamme“), welche in der gesamten Schöpfung als heiliges gestaltbildendes kosmisches Lichtprinzip wirkt, die Einheit der gegensätzlichen Pole ermöglicht und den Naturerscheinungen ihre Schönheit und Perfektion verleiht.
(*Anmerkung: Die „Schwarze Sonne“ ist das Symbol für die innere, transzendente Sonne, die das kosmische Allbewußtsein, der Allvater ist, woraus das innere geistige Licht, die Gestaltung aller Schöpfung und sämtliche individuellen Seelen hervorgehen. Tatsächlich ist die Farbe der Schwarzen Sonne – wie die alten Überlieferungen sagen – purpurrot.)
Dem Menschen stehen jederzeit bei allem, was er tut, die beiden polaren archetypischen Bewußtseinskräfte als die männlichen (solaren; Yang) und die weiblichen (lunaren; Yin) Bewußtseinskräfte bzw. Wahrnehmungsqualitäten zur Verfügung („zwei Seelen in meiner Brust“ – Goethe). Diese einseitigen und gegensätzlichen kosmischen Geisteskräfte hat der Tiefenpsychologe C.G.
Jung bei seinen Forschungen als die Archetypen „Animus“ und „Anima“ erkannt, welche in der Psyche des Menschen wirken.
Der linke Volutenarm (blau) steht für die patriarchale, auf die Materie ausgerichtete, vom Intellekt, von Opportunismus und Materialismus beherrschte, die gegenständliche (objektive) Außenwelt analysierende und fokussierende („Tunnelblick“) männliche Wahrnehmungskraft (Yang; Ahriman-Kraft).
Der rechte Volutenarm (gelb) steht für die matriarchale, die jeweilige subjektive geistige Innenwelt, das jeweils vorhandene Erfahrungs-, Weisheits- bzw. Vernunftpotential des Menschen instinktiv als Ganzes wahrnehmende („Blick fürs Ganze“), d.h. die jeweiligen subjektiven Idealvorstellungen anstrebende, zu Idealismus bis zur Schwärmerei neigende weibliche Wahrnehmungskraft (Yin; Luzifer-Kraft).
Die mittlere, aus der inneren, transzendenten („schwarzen“) Sonne – dem Kern des kosmischen Allbewußtseins (Allvater) – hervorschießende spirituell ganzheitlich ausgewogene, zwischen Innen- und Außenweltwahrnehmung die Einheit herstellende Wahrnehmungskraft ist die durch göttliche Eingebung (Intuition) höhere Erkenntnis und Heil bringende, d.h. Teilhabe an vollkommener göttlicher Wahrnehmung ermöglichende Bewußtseinskraft. Diese heilige Wahrnehmungskraft ist die innere göttliche Stimme, die den Menschen seine kosmische Bestimmung erkennen und danach handeln läßt, welche im menschlichen Bewußtsein als unmittelbare göttliche Intuition, in Form einer genialen, erlösenden bzw. heilbringenden Idee, oder als die Stimme des Gewissens in Erscheinung tritt. Diese lichte kosmische Bewußtseinskraft, die wir als Baldur- bzw. Christus-Kraft bezeichnen, ist die authentische, die Wahrheit zum Ausdruck bringende Kraft des wahren, tiefsten ICHs des Menschen (das Kosmische Selbst, Allvater, „Schwarze Sonne“).
Diese drei archetypischen Bewußtseinskräfte des geistigen Kosmos (Luzifer, Christus, Ahriman) strukturieren und durchdringen alles geistig-seelische und materielle Dasein, durch sie gestaltet sich die gesamte Wirklichkeit, sie lassen sich in allen Erscheinungen der Schöpfung entdecken. In den Naturprozessen der materiellen Welt spiegeln sich die beiden seitlichen Volutenarme bzw. geistigen Kräfte z.B. in der Doppelhelix der DNS wieder, welche in der Weltensäulendarstellung durch die unteren, kleineren Volutenarme symbolisiert wird, wobei der untere linke Spiralstrang den männlichen bzw. geistig/kosmischen Pol (Allvater) und der untere rechte Spiralstrang den weiblichen bzw. materiell/irdischen Pol (Allmutter) der DNS symbolisiert. Und die aus der inneren, transzendenten Sonne – dem Kern des kosmischen Allbewußtseins (Allvater) – unmittelbar hervorschießende, spirituell ganzheitlich ausgewogene (kohärente) kosmische Lichtkraft (Baldur- bzw. Christus-Kraft) ist in der biologischen Welt die Biophotonenstrahlung, die zwischen den Spiralsträngen der DNS erzeugt wird – nach der Biophotonenlehre von F.A. Popp ist die DNS die Quelle der Biophotonenstrahlung.
In verschiedenen von der nordischen Sonnen- und Säulenreligion abstammenden Religionen wurden bzw. werden diese drei archetypischen spirituellen Wahrnehmungsqualitäten (Archetypen) als dreieinige Götterwelten verehrt, dort wird den Vater-Gottheiten die kosmische „Zerstörer“-Kraft (ständige Veränderung, ewiger Wandel = Hagal), den Mutter-Gottheiten die irdische Schöpfer-Kraft (Fruchtbarkeit, Weisheit, Kreativität) und dem ausgleichenden dritten Prinzip die Erhalter-Kraft zugeordnet. Die 9. Dimension (All-Vater; kosmisches Allbewußtsein) galt in der atlantisch-germanischen Kultur als das himmlische Asgard.
Die IRMINSUL, das Symbol der Weltensäule, ist Ausdruck der Verbunden- und Durchdrungenheit des Menschen und aller Schöpfung mit den göttlichen Kräften des Kosmos und für die Orientierung an den ewig gültigen kosmischen Gesetzmäßigkeiten. Es ist die Pflicht aller reichstreuen deutschen Patrioten, sich mit dem Weistumsfundus um dieses heiligste Sinnzeichen unserer atlantisch-germanischdeutschen Kultur auseinanderzusetzen und dieses heilige ganzheitlich-spirituelle Wissen in der Welt wieder zur Verbreitung zu bringen.
Die der atlantischen Weltensäule bzw. der germanischen Irminsul zugrundeliegende dreieinige Ordnung des universellen Weltenseelenprinzips, die 1996 vom deutschen Philosophen Chyren erstmals umfassend ontologisch entschlüsselt wurde und in Wissenschaft und Philosophie auch als Ontologische Achse bezeichnet wird, bildet das idealstmögliche geistig-kulturelle, weltanschauliche Fundament, auf dem die europäischen Völker im Rahmen der Reichsidee in Form von mehreren souveränen Teilreichen vereint werden können. Die Vision ist, das Heilige Atlantische Reich Europäischer Völker zu errichten, in dem das Deutsche Reich das geistig-sittlich impulsgebende Kernreich bildet.
Die Ontologische Achse (das aufgeschlüsselte universelle Weltenseelenprinzip) ist das alles Sein und alle Menschen mit der höchsten kosmischen Bewußtseinsebene, dem kosmischen Allvater, und somit auch miteinander spirituell vereinende heilige Band (Seelenband). Mit ihrer Entdeckung und der damit verbundenen Entschlüsselung der höchsten kosmischen Ordnung erhalten wir Deutsche und Europäer das höchste spirituelle Heiligtum unserer atlantisch-germanischen Vorfahren – die heilige Weltensäule bzw. Irminsul – in zeitgemäßer Form zurück. Diese entschlüsselte dreieinige kosmische Ordnung repräsentiert den Kernbereich der neuen europäischen Religion und ist als die Teutonische Lanze die stärkste geistige Waffe im Befreiungskampf der europäischen Völker und das wahre Zepter deutscher Reichsherrlichkeit.
Die Erkenntnisse um die Entschlüsselung des universellen Weltenseelenprinzips und die damit verbundenen revolutionierenden kulturhistorischen Entdeckungen (zum Thema Erdkrustenverrutschung, „Eiszeit“, Atlantis in Europa usw.) ermöglichen eine Renaissance der ursprünglichen nordischatlantischen Sonnenreligion in einer zeitgemäßen Form. Diese ganzheitlich-spirituelle Weltanschauung, in der Wissenschaft, Philosophie und Religion zur Synthese geführt werden und atlantisch-germanisches Heidentum, die Gesetzeslehre des Hermes Trismegistos (Hermetik), die Kerninhalte der wahren, ursprünglichen Lehre Jesu (kosmisches Christentum) und Deutsche Idealistische
Philosophie zu einer Einheit verschmelzen, nennen wir KOSMOTERIK bzw. SONNENCHRISTENTUM.
(Anmerkung: Der hier verwendete Begriff des Christentums hat nichts, aber auch gar nichts, mit dem zu tun, was uns in Form der großen, sog. christlichen Kirchen und der verschiedensten christlichen Sekten als das paulinistische Christentum gegenüber tritt [von Paulus kreiert]; lediglich die historische Person des Jesus als Wanderphilosoph und Heidenführer, der seinerzeit einen entscheidende Impuls nordischer Geistigkeit gebracht und versucht hat, den Judaismus zu überwinden [„Ihr habt den Satan zum Vater“], wird anerkannt. Dieser Impuls, hin zu einer ganzheitlich-spirituellen Weltanschauung, welche gerade für die nordische Kultur charakteristisch ist, rechtfertigt u.a. die weitere Verwendung des Christentumbegriffs.
Die KOSMOTERIK ist eine ganzheitlich-spirituelle, wissenschaftlich fundierte Naturphilosophie und Urprinzipienlehre, welche auf die Erforschung der kosmischen Urprinzipien und Gesetzmäßigkeiten des Lebens ausgerichtet und in die jegliche weiteren Wahrheitserkenntnisse integriert werden können. Sie ist eine dem Leben abgeschaute, leichtverständliche Erkenntnisphilosophie, die auf dem Grundgedanken des dreigegliederten Kosmos, der Dreieinigkeit bzw. des dialektischen Dreischritts basiert und in allen wesentlichen Erscheinungen der geistigen und materiellen Schöpfung die dreieinigen Urprinzipien bzw. Archetypen von Geist/Körper/Seele, Wille/Weisheit/Liebe, Allvater/Allmutter/Heiliger-Geist, Vater/Mutter/Kind, Ahriman/Luzifer/Christus, These/Antithese/Synthese usw. erkennt, welche sich durch analoges Denken überall entdecken lassen. Mit der KOSMOTERIK lassen sich jegliche Formen des die Welt in Gut und Böse spaltenden Dualismus überwinden. Jeder normal-intelligente Mensch, der bis drei (3) zählen kann, ist imstande, die kosmoterische Weltanschauung – die Urprinzipienlehre der dreieinigen kosmischen Archetypen – zu verstehen und nachzuvollziehen, wenn er sich einmal ernsthaft damit auseinandergesetzt hat. Die KOSMOTERIK ist die Weltanschauung, die den Charakter und die Wahrnehmungsqualität der deutschen und europäischen Geistigkeit in reinster Form zum Ausdruck bringt, sie ist die dem deutschen und europäischen Wesen Identität gebende und Kultur tragende Weltanschauung. In der kosmoterischen Weltanschauung wird Religion denkend! – in der KOSMOTERIK offenbaren sich die „Hermetischen Gesetze“ und das nordische Urweistum von Atlantis in einer faszinierend klaren Form, hier offenbart sich kosmische Wahrheit, und diese Wahrheit ist einfach, klar und gerecht und von wissenschaftlich-philosophischer Logik durchdrungen. Die KOSMOTERIK bzw. das SONNENCHRISTENTUM ist die europäische Weltanschauung bzw. Religion des Wassermannzeitalters, auf die so viele nach sinnerfüllter Spiritualität suchende Menschen gewartet haben.
Diese kosmischen Gesetze – die in der KOSMOTERIK Gegenstand der Forschung sind – spiegeln sich ebenfalls in der HAGAL-Rune wieder, die auch das Symbol des Eis-Kristalls ist und quasi das kosmische Gerüst darstellt, auf dem alles Sein und Leben aufbaut. „Krist“ ist dabei der altgermanische Begriff für Gerüst, und das Krist-All (Hagalrune) ist das kosmische Gerüst, das in allen Dingen enthalten ist und alles mit allem verbindet, in dem sich das männliche Prinzip (Man-Rune) und das weibliche Prinzip (Yr-Rune) durchdringen. Letztlich ist jegliche Materie kristallisierter Geist. Der „Krist“ ist nichts anderes als das Krist-all-isationsgesetz der kosmischen Allnatur, das geistige Gerüst der Schöpfung und der ihr zugrundeliegende heilige Schöpfungsgedanke. Der „Christ“ ist die alles Sein durchdringende ganzheitlich-spirituelle Urkraft, der dritte, heilbringende kosmische Sexus, der im Bewußtsein des Menschen die Einheit der Gegensätze von männlicher und weiblicher Wahrnehmung und somit kosmisches Lichtbewußtsein ermöglicht. Aus der Verbindung des Inneren (Esoterik) mit dem Äußeren (Exoterik) entsteht so die neue Wissenschaft der KOSMOTERIK, welche kosmische Philosophie und kosmische Religion zugleich ist. Und aus der gleichen Erkenntnis über die Bedeutung des Krist-Alls lebt die Sonnenreligion unserer Altvorderen heute in der neuen Religion des SONNENCHRISTENTUMS in einer zeitgemäßen und für den nordisch-europäischen Menschen wesenskonformen Art wieder auf. Und kann es Zufall sein, daß eben das sogenannte Christus-Monogramm in der Christlichen Kirche (eine Kombination der griechischen Anfangsbuchstaben von Christus, XPIΣΤΟΣ – Christós => X und P übereinandergelegt) der HAGAL-Rune extrem ähnelt?!
Das Wissen um die wahre religiöse und philosophische Bedeutung des Weltensäulensymbols bzw. der Irminsul und damit des dreieinigen Weltenseelenprinzips ging einst verloren. Über viele Jahrhunderte blieb es so selbst in Heidenkreisen weitgehend unbekannt und dieses altehrwürdige Heiligtum wurde mehr oder weniger unbewußt nur folkloristisch verehrt. Kaum jemand weiß, daß die atlantische Weltensäule bzw. die Irminsul (und somit das universelle Weltenseelenprinzip) im germanisch beeinflußten Kulturraum als Maibaum, als heiliges Zepter, als Hermes-Stab, als Weihnachtsbaum und in vielen anderen Erscheinungsformen noch bis in unsere heutige Zeit symbolisch verehrt wird. Dies geschieht zwar (noch) unbewußt, aber nicht zu unrecht, denn hierin ist der Kern der ureigensten europäischen Kulturweltanschauung und der wahren Reichsidee zu finden!

Germanische Mythologie

 

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EINLEITUNG

Es läßt sich mit großer Wahrscheinlichkeit voraussetzen, daß die Stammväter der Germanen, nachdem sie sich von den anderen Ariern getrennt hatten und in zwei Strömen die Ebenen Mitteleuropas und den hohen Norden unseres Kontinents überfluteten, die alten religiösen Anschauungen der Urheimat noch treu bewahrten und vorzugsweise die lichten Mächte des Himmels verehrten. Darauf deuten schon die bei den alten Skandinaviern erhaltenen Namen der Götter TIWAS, d. h. die Himmlischen, und WANEIS, WANEN, d. h. die Strahlenden, hin. Demgemäß werden TYR oder ZlO, der Himmelsvater. und THUNAR, der Blitzgott, den Vorrang behauptet haben.

So sagt denn auch Caesar über die religiösen Vorstellungen der Krieger Ariovists aus eigener Erfahrung:

„Die Germanen rechnen zur Zahl der Götter nur die, welche sie sehen und durch deren Segnungen sie offenbar gefördert werden, die SONNE, den MOND) und den FEUERGOTT. Von den übrigen haben sie nicht einmal durch Hörensagen vernommen.“ Der Lichtkultus schloß also noch die Vermenschlichung der Götter aus.

Und so war es noch 150 Jahre später. Daß man sich auch da noch nicht die Götter plastisch gestaltete und verbildlichte, bezeugt Tacitus, wenn er schreibt:

„Die Götter in Tempelwände einzuschließen oder der Menschengestalt irgend ähnlich zu bilden, dies halten sie für unverträglich mit der Größe der Himmlischen. Wälder und Haine weihen sie ihnen, und mit dem Namen der Gottheit bezeichnen sie jenes Geheimnis, das sie nur im Glauben schauen.“

Dennoch scheinen schon damals durch die Berührung und Reibung mit dem Kulturvolk der Römer mehr diejenigen Gottheiten in den Vordergrund getreten zu sein, welche einen Bezug auf die jetzt vorherrschend kriegerische Richtung des Volksgeistes besaßen, an ihrer Spitze der Sturmgott WODAN (nord. ODIN), den namentlich die späteren Sachsen und Franken zu ihrem Obergott erhoben.

Die Bekleidung der Götter mit menschlichen Formen und Gestalten vollzog sich nun rasch, und man bezeichnete die neuen Herrscher der Welt als ANSEN (nord. ASEN), d. h. als die Träger des Weltgebäudes und der sittlichen Ordnung desselben. Doch war dieser Übergang keineswegs ein friedlicher, sondern, wie die olympischen Götter in der griechischen Mythologie, mußten auch die Asen erst einen gewaltigen Strauß mit den WANEN bestehen, der die ganze Welt mit Verwüstung bedrohte und endlich nur so beendigt konnte, daß die beiden Götterstämme sich gegenseitig Geiseln stellten, worauf die Wanen mit Ausnahme weniger allmählich in Vergessenheit sanken. Die Erinnerung an den Kindheitsglauben des Volkes und die fortschreitende Mythenbildung wurde bei den südgermanischen Stämmen durch den Eintritt des Christentums unterdrückt und gehemmt.

Desto fester blieb der Besitz derselben den Skandinaviern, von denen erst im zehnten Jahrhundert die Dänen, zu Anfang des elften die Norweger und Isländer, in der zweiten Hälfte des elften die Schweden gänzlich bekehrt wurden. Namentlich waren in diesem Zeitalter von bedeutendem Einfluß auf das Wachstum der an die Mythologie sich anschließenden Heroensage einerseits die NORMANNEN- oder WIKINGERFAHRTEN, welche eine Masse neuer Anschauungen im Volke weckten und der Phantasie reiche Nahrung zuführten, anderseits die Sänger der Königshöfe oder die SKALDEN, welche die Großtaten der Asen priesen, dieselben noch mehr vermenschlichten und die Götterwelt endlich in ein geschlossenes System brachten.

Da die isländischen Normannen am zähesten an den Überlieferungen der alten Heimat festhielten, so zog sich auch die Kenntnis der Skaldenlieder im neunten und zehnten Jahrhundert fast ganz auf jene Insel zurück. Diese Poesien waren bereits zu Ende des elften Jahrhunderts gesammelt und hundert Jahre später durch eine neue Sammlung vermehrt, sind aber erst im siebzehnten Jahrhundert aufgefunden worden und bilden den Inhalt der sogenannten EDDA, d. h. Urgroßmutter.

Der Charakter der Mythen und Sagen entspricht der sonnenarmen, wild erhabenen Natur des Nordens, wie dem stürmisch bewegten Leben der trotzigen Helden. Sie sind düster und von phantastischer Rauheit, aber voll tiefer Empfindung und sittlichen Emstes.

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Die Nornen unter der Weltesche

DIE WELTSCHÖPFUNG

Die Entstehung der Welt dachten sich unsere Ahnen in folgender Weise. Aus dem CHAOS oder >>der gähnenden Kluft<<, nahmen sie an, daß zunächst zwei Welten hervorgegangen seien, nach Norden ZU NIFFILHEIM (Nehelheim), nach Süden zu sein Gegensatz, MUSPELHEIM (Feuerheim). Mitten in Nifelheim öffnete sich aber der Brunnen HWERGELMIR, aus dessen gärenden Kessel zwölf Ströme mit eisigem Wasser stürzten. Ihr Wasser gefror zu Schollen, und diese bewegten sich der Kluft zu und füllten dieselbe allmählich aus.

Allein von Muspelheim her wehte ein Glutwind und schmolz das Eis. Dadurch entstand Leben im Starren, und es wuchs aus demselben empor der entsetzliche Riese YMIR oder OERGELMIR, von dem die Frostriesen oder HRIMTHURSEN abstammen. Im auftauenden Gewässer entstand auch die Kuh AUDUMBLA (die Vollsaftige).

Von der Milch ihres Euters nährte sich Ymir und sein Geschlecht. Sie selbst beleckte aus Mangel an Weide die salzigen Eisblöcke, und siehe, unter ihrer Zunge kam nach und nach ein schöner Mann namens BURI zum Vorschein. Ein Sohn von ihm hieß BÖR, und dieser nahm die Riesentochter BESTLA zur Gefährtin, welche ihm drei Söhne schenkte, ODIN (Geist), WILI (Wille) und WE (Heiligtum). Dies waren die ersten ASEN, welche sich sofort gegen den Urriesen wandten und ihn erschlugen, worauf in der Sintflut seine alle Frostriesen ertranken bis auf BERGELMIR, der Stammvater eines zweiten Riesengeschlechts wurde.

Des Riesen Ymir Leib wurde hierauf von den Asen zu weiteren Schöpfungen benutzt. Aus seinem Fleisch schufen sie die Erde, aus seinen Knochen die Felsen, aus seinen Haaren die Bäume, aus seinem Blut das Meer, aus seiner Hirnschale den Himmel. Aus den Augenbrauen bildeten sie mitten auf der Erdscheibe die Wohnung der Menschenkinder, MIDGARD).

Noch gab es aber weder Sonne noch Mond, noch Gestirne am Himmelsgewölbe; nur irrende Feuerfunken aus Muspelheim sprühten darüber hin. Da wandelten die Asen jene Funken in Sterne um und gaben diesen ihre feste Stätte. Sonne und Mond aber kamen auf folgende Art in die Welt. Die Mutter NACHT, eine Riesentochter, hatte von ihrem dritten Gatten DELLINGER (Dämmerung) einen Sohn, den TAG, und beide wurden vom Allvater zum Himmel emporgehoben, wo die Nacht zu ihrer Fahrt über den Himmel das schwarze Roß HRIMFAXI ( Reifmäher), der Tag den weißen Renner SKINFAXI (Lichtmäher) empfing. Die Asen raubten dann dem seiner Kinder sich übermütig rühmenden Erdensohn MUNDILFÖRI (Achsenschwinger) die liebliche SOL und den schönen MANI. Jener erbauten sie aus den Funkenregen Muspelheims den Sonnenwagen und bespannten ihn mit den Hengsten ARWAKER (Frühaufl und ALSWIDER (Allgeschwind). Mit diesen umkreist Sol den Himmel, bewehrt mit dem Schild SWALIN, der Himmel und Erde vor dem Sonnenbrand schützt. Mani aber lenkt den Mondwagen hinter der Nacht und hat die beiden Kinder BIL (die Schwindende) und HJUKI (den Belebten), d. h. den abnehmenden und wachsenden Mond, bei sich, die er einst zu sich emporhob, weil er sah, wie sie ihre schweren Wassereimer nicht weiter zu tragen imstande waren. Die Flecken im Mond erklärt sich das Altertum bald als einen Mann, der am Sonntag Holz stahl und mit einem Reisigbündel oder einer Axt im Mond steht, bald als ein Mädchen, das im Mondschein gesponnen hat und mit ihrer Spindel oben sitzt. Zwei grimmige Wölfe jagen hinter Sol und Mani her, SKÖLL und HATI, und wenn sie den Himmlischen nahe kommen, erbleichen dieselben, und die Sterblichen nennen dies Sonnen- und Mondfinsternis.

Nach Schöpfung der Gestirne waren auch die Vorbedingungen gegeben zur Entstehung des Menschengeschlechts. Als die Asen ODIN, HÖNIR und LOTHUR einst am Seegestade wandelten, sahen sie zwei Bäume daliegen, eine Esche und eine Erle. Aus jener schufen sie den Mann ASK, aus dieser das Weib EMBLA; Odin gab ihnen Seele und Leben, Hönir Verstand, Lothur Blut und blühende Farbe. Von Ask und Embla, Esche und Erle, stammen alle Menschengeschlechter ab.

Aus den kleinen Würmern, die in des Urriesen Ymir Fleisch sich tummelten, schufen die Asen das Völkchen der ZWERGE oder ALFEN. Diese zerfielen wieder in zwei Klassen, die SCHWARZALFEN, die im Dunkel der Erde nach Erzen wühlten, Metalle hämmerten und den Menschen durch Spuk und Tücke schreckten und neckten, und die LICHTALFEN, gute und schöne Wesen, die sich den Sterblichen hold gesinnt zeigten, verwandt den Elfen der Märchenwelt.

Am nördlichen Ende des Himmels sitzt der ungeheure Riese HRASWELGER (Leichenschwelger) in Gestalt eines Adlers und rührt seine gewaltigen Fittiche, um als verheerender Sturmwind über die Erde dahinzufahren. Nicht weniger grimmig ist der Riese WINDSWALER (Windkühler), der Frost und Schnee in seinem Gebiet hat und Vater des Winters ist. Doch wechselt seine Herrschaft jährlich mit der des milden SWASUDER (Sanftsüd), dessen Sproß der blütenreiche Sommer ist. Über die ganze Welt breitet sich die Esche YGGDRASIL (Schreckensträgerin) aus und hält sie zusammen. Ihre eine mächtige Wurzel reicht bis NIFELHEIM, und unter ihr breitet sich das finstere Reich der Schattenkönigin HEL aus, die zweite bis JÖTUNHEIM, dem Sitz der Riesen (SÖTUNE oder IÖTEN, d. h. Fresser), die dritte bis MIDGARD, wo die Menschenkinder wohnen. Unter jeder Wurzel der mit ihrem Wipfel in den Himmel hineinragenden Weltesche sprudelt ein bedeutsamer Brunnen hervor. Unter Nifelheim ist es der zu Anfang erwähnte HWERGELMIR. Unter Jötunheim befindet sich der vom Riesen MIMIR bewachte Brunnen, dessen Wasser Aufklärung über das Werden der Dinge verleiht. In MIDGARD endlich quillt das heilige Wasser des Brunnens URD, in welchem alle Weisheit verschlossen ruht, auf dessen stillem Spiegel zwei schneeweiße Schwäne ihre Kreise ziehen. Am Brunnen aber sitzen in ernstem Schweigen die drei NORNEN:

URD (Gewordene), WERDANDA (Werdende) und SKULD (Sollende = Zukünftige), die Schicksalsschwestern, welche die unzerreißbaren Fäden des Lebens den Neugeborenen spinnen, die Todeslose werfen und mit ihren Augen alle Ausdehnungen der Zeit durchdringen. Wegen der Reinheit und Heiligkeit der Stätte versammeln sich die Asen daselbst und halten unter dem Schatten der Weltesche Gericht. Allein der heilige Baum leidet vielen Schaden durch allerlei Getier, das ihn bevölkert. In ASGARD, der himmlischen Wohnung der Asen, weidet an seinem Gipfel die Ziege HEIDRUN, die aus ihren Eutern den Göttern und ihren Gästen Met spendet. An den Blättern und Sprossen des Baumes zehren die fünf Hirsche EIKTHYRNER, DAIN, DWALIN, DUNNEIER und DURATHROR.

In seinem Wipfel haust ein Adler, an seiner Wurzel aber nagt der Drache NIDHÖGGER mit unzähligem anderen Gewürm. Auf und ah endlich an der riesigen Esche klettert das Eichhorn RATATÖSKER, als Bote der Zankworte, welche der Aar und der Lindwurm miteinander tauschen. Trotz der Unbill, die Yggdrasil zu leiden hat, dörrt und fault sie nicht, denn die Nornen schöpfen täglich Wasser aus dem Brunnen Urd und begießen ihre Wurzeln damit.

Nehmen wir noch einmal die einzelnen Teile des Alls zusammen, so beschattet die Weltesche eigentlich neun besondere Welten. In der Mitte dachte man sich die Menschenwelt, MIDGARD oder MANNHEIM. Unter diesem liegt SCHWARZALFENHEIM und noch tiefer das Totenreich HELHEIM. Dann befinden sich zur Seite NIFELHEIM, MUSPELHEIM, JOTUNHEIM und WANAHEIM, der Wohnsitz der oben erwähnten WANEN. Hoch über den anderen Welten gründeten sich die Asen eine herrliche, von Gold und Edelstein strahlende Heimat, ASGARD oder ASENHEIM, in welchem, wie auf dem hellenischen Olymp, die einzelnen Götter wieder besondere Paläste bewohnen, wie THOR das 540 Stockwerke hohe Haus BILSKIRNIR. Asgard und Midgard standen in Verbindung durch die aus drei Farben gezimmerte starke Brücke BIFROST, den Regenbogen. In Asgard stand auch WALHALLA, der Saal der seligen Helden mit seinen 500 Toren. Der Wohnsitz der Göttinnen hieß WINGOLF (Freudenwohnung). Wie in der griechischen Mythologie die Titanen und Giganten der neuen Weltordnung, die durch die Olympier geschaffen worden war, widerstrebten und gegen deren Herrschaft sich auflehnten, so dachten sich die Germanen auch Feindschaft zwischen den hehren Asen und dem Geschlecht der Riesen. Diese brüteten immer Rache wegen des an ihrem Stammvater Ymir begangenen Mordes. Zu ihnen hatte sich LOKI gesellt, früher selbst eine Ase und Dämon des wohltätigen Feuers, jetzt aber vermählt mit dem abscheulichen Jötenweib ANGURBODA (Angstbringerin), die ihn zum Vater von drei grausigen Sprößlingen gemacht hatte, dem Wolf FENRIR, der Schlange JORMUNGANDAR und der entsetzlichen HEL.

goell-frigg-frau-gode
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Frigg, als Frau Gode dem Weidwerk obliegend

WODAN, NORDISCH ODIN

WODAN oder WUOTAN (der stürmisch Schreitende) war der vornehmste aller Asen und heißt als Beherrscher der Unsterblichen und Sterblichen >>der Allvater<<. Auf seinem hohen Sitz HLIDSKIALF in WALHALLA (der Halle der Auserwählten), die in dem Gehöft (GLALDSHEIM (Glanzheim) lag, thronte er an der Spitze der zwölf über alles richtenden Asen und übersah von dort aus die neun Welten und was in denselben vorging. Das ganze Gebäude schillert von Gold; sein Dach besteht aus blinkenden Schilden und Speerschäften, und Waffenglanz erhellt rings den weiten Saal. In demselben schmausen, zechen und würfeln in Gemeinschaft der Asen die EINHERIER (einzige Herren), die im Einzelkampf gefallenen Helden. Odin selbst genießt nichts von dem sich täglich erneuernden Fleisch des Ebers, sondern nährt sich einzig von rotem Wein. Die Speisen gibt er stets seinen beiden Wölfen GERI (Gierige) und FREKl (Gefräßige), die ihn wie Hunde umschmeicheln. Neben seinem Haupt aber sitzen die beiden Raben HUGIN (Gedanke) und MUNIN (Erinnerung), welche ihm die auf ihrem Flug erlauschten Geheimnisse zuraunen. Odin trägt einen goldenen Helm auf dem Haupt und hält in seiner Rechten den nie irrenden Speer GUNGNIR.

Erscheint Wodan in dieser Gestalt als Regent der Welt, so ist sein Auftreten ein ganz anderes, wenn er seiner ursprünglichen Naturbedeutung gemäß als Gott des WINDES und STURMES einherfährt. Dann sprengt er auf dem achtfüßigen Schimmel SLEIPNIR (Gleitende) in weiten Mantel gehüllt, mit breitem Schlapphut, umgeben von den Geistern der Verstorbenen, hoch in der Luft über die Wälder und Fluren hinweg. Darum heißt er noch heute in der norddeutschen Volkssage >>der wilde Jäger<<, während im Süden der Glaube an >>das wütende Heer<< dasselbe besagt. Unter Blitz, Sturm und Regen glaubt man noch das Hundegebell, den Hörnerklang, das Hallorufen der willen Gesellen zu hören, wie sie hinter Ebern oder Rossen herstürmen.

Doch war ja bald die rohere Naturbedeutung Wodans als Sturmgottes übergegangen in die des Himmelsgottes im allgemeinen, und als solcher waltete er mild segnend und fruchtspendend und bekämpfte nun seinerseits den im Bilde des Ebers gedachten Wirbelwind. Im Winter macht er einem falschen Odin Platz, der Schneestürme über die Erde sendet, oder er liegt in einem Zauberschlaf und träumt dem Tag entgegen. Dieser Mythos ist vom Volk auf die Gestalten seiner Lieblingshelden übertragen worden. Am bekanntesten in dieser Beziehung ist der im Kyfferhäuserberg bei Tilleda schlafende FRIEDRICH BARBAROSSA. Dort sitzt der Hohenstaufe mit seinen Rittern und Knappen um einen großen Tisch, durch den sein Bart gewachsen ist. Kostbarer Wein ist an den Wänden der Höhle aufgestapelt, alles strahlt von Gold und Edelsteinen, wie am lichten Tag. Einst gelangte ein Hirt in den Berg. Den fragte der auf einen Augenblick erwachende Kaiser: „Fliegen die RABEN noch um den Berg?“ Als der Hirt dies bejahte, erwiderte Barbarossa: „So muß ich noch hundert Jahre länger schlafen!“ Wenn aber sein Bart nicht nur durch den Tisch, sondern auch zum dritten Mal um denselben herumgewachsen ist, dann wird er mit allen seinen Mannen aus dem Berg hervorbrechen und Deutschland aus Not und Bedrängnis erlösen.

In weiterer Auffassung erscheint Wodan als wilder Gott der Schlachten, als HEER- und SIEGVATER. Dann begleiten ihn seine Raben und die WALKÜREN, die Todeswählerinnen, welche sonst als Schenkmädchen die Helden in Walhalla bedienen, aber auf den Kampfgefilden, mit Helm und Schild auf weißen Wolkenrossen einherjagend, die sterbenden Einherier mit dem Todeskuß weihen und sie emporgeleiten zum Freudenmahl in Gladsheim. Dieser religiöse Glaube entzündete hei den Normannen, jenen fanatischen Kampfesmut, der bis zu einer Art Wahnsinn steigerte und sie mit lächelnden Lippen dem Tode entgegengehen ließ. Daher der Zusammenhang der BERSERKIR (Panzerlose) mit der >>Berserkerwut<<. Der Dienst Wodans war blutig, und nicht bloß Rosse, sondern auch Menschen wurden an seinen Altären geschlachtet.

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Odin empfängt in Walhalla die durch Bragi eingeführten Einherier

Daher fand Germanicus auf dem Schlachtfeld des Varus im Teutoburger Wald an die Baumstämme genagelt die Schädel der geopferten Tribunen und Centurionen. Neben solcher Härte trifft man auch auf Züge von großer Güte und Menschenfreundlichkeit. So ruderten einst der achtjährige GEIRRÖD und der zehnjährige AGNAR, Söhne des Königs HRAUDUNG auf einem Boot ins Meer hinaus und wurden vom Wind immer weiter in die Wogen fortgetrieben, bis sie in dunkler Nacht an einem fremden Strand scheiterten. Hüttenbewohner die sie dort fanden, empfingen sie freundlich und behielten sie den Winter über bei sich; die Frau nahm sich des älteren, der Mann des jüngeren Knaben an. Es waren aber Odin und seine Frau Frigg, die den beiden Knaben Schule und Erziehung angedeihen ließen.

Von Wodans großem Drang nach Weisheit zeugte schon, daß er sein eines Auge dem Riesen MIMIR für einen Trunk aus dem Brunnen der Erkenntnis dahingab. Namentlich übte er große Macht durch den Besitz der geheimnisvollen Runenstäbe, deren Zeichen den Anlaut des bedeutungsvollsten Wortes im Zauberliede bildete; ja, er hatte die Runen selbst erfunden. Sie gewährten ihm Macht über alle seine Widersacher, die Kenntnis aller Schätze der Erde und Hilfe im Streit und in allen Sorgen; so versinnlichen und priesen die alten Skalden die Kraft des Gesanges und der Dichtkunst!

Einst hörte Wodan von dem Riesen WAFTHRUDNIR (dem Zungenfertigen), es sei bei ihm die größte Kenntnis der vorweltlichen Dinge vorhanden. Da gelüstete es ihn, sich mit demselben zu messen, und er wanderte als armer Pilger zu dessen Halle, um gastliche Aufnahme bittend. Der Riese antwortete ihm, wenn er etwa gekommen wäre, um seine Weisheit zu erproben, so möchte er sich hüten, denn nimmer würde er heimkehren, wenn es ihm nicht gelänge, in kluger Rede zu obsiegen. Darauf fragte er den Gast nach den Rossen des, Tages und der Nacht, nach dem Fluß, der Asgard von Jötunheim trennt, und nach dem Feld, wo einst die letzte Schlacht geschlagen werden soll. Als Wodan ihm keine Antwort schuldig blieb, bot ihm Wafthrudnir einen Sitz neben sich an, ihn auffordernd, seine Fragen an ihn zu richten.

Über die Entstehung der Welt, der Riesen und Götter, auch über den Untergang alles Geschaffenen wußte der kluge Jöte Bescheid. Als aber der mächtige Gott ihn fragte: „Was sagte Odin seinem Sohn Balder ins Ohr, da ihn der Scheiterhaufen empfing?“ da erblaßte er und rief: „Mit Odin stritt ich vermessen in Weisheit; doch er wird ewig der Weiseste bleiben!“ Ob hierauf Odin des Riesen Haupt nahm, läßt die Sage ungelöst; hinter dem Geheimnis Odins aber vermutet man die Verheißung einer seligen Auferstehung.

Odins erste Gemahlin, JORD (Erde), eine Tochter der Nacht, gebar ihm den starken THOR (Donnerer), die zweite Frau, FRIGG (Frau, Herrin), den BALDER (Fürst). Außerdem gelten als seine Söhne: HODER (Kämpfer), TYR (Helfer), HEIMDAL (Weltglänzer) oder RIGER, WALI (Auserwählter), BRAGI (Sänger), HERMODER (Heermutiger).

FRIGG, die Tochter Fiorgyns, waltet neben Odin über die Schicksale der Menschen und steht ihm mit ihrem klugen Rat zur Seite. Auch galt sie als segnende Göttin des Eheglücks. Sie bewohnt in Asgard den Palast FENSAL (Meersaal). Dort spinnt sie an goldenem Rocken, den die Alten im Gürtel Orions erkennen wollten und denselben deshalb Friggsrocken nannten. Ihre Dienerinnen waren FULLA (Fülle), ihre vertraute Geschmeidebewahrerin, GNA (Hochfahrende), ihre Botin, die auf windschnellem Roß Kundschaft brach Befehle ausrichtete, und HLIN, die Empfängerin der Bitten von Seiten der Schützlinge Friggs.

Übrigens scheint die Asenkönigin Frigg EINES Wesens mit der Wanengöttin FREYA oder FREA gewesen zu sein und sich erst später im skandinavischen Norden von dieser losgespalten zu haben. Auch die rätselhafte Göttin der Erde, NERTHUS, die von Tacitus genannt wird, muß verwandter Natur mit Freya sein und deutet dem Namen nach auf NJÖRDER (Wasserhälter), den Vater der Freya, hin. Frigg erscheint auch noch unter anderen Namen in der Volkssage, und zwar in Mecklenburg als GODE (weibl. Form aus Godan = Wodan), Thüringen und Hessen als Frau HOLDA oder HULDA, im übrigen Oberdeutschland als BERTA oder BERCHTA. Eine verwandte Göttin war endlich die Göttin des Frühlings OSTARA, an die noch heute nicht nur das ihren Namen führende christliche Fest erinnert, sondern auch das Osterei, als Symbol des keimenden Lebens, und der Hase, der es im Glauben des Kindes legt!

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Ostara

THUNAR, NORDISCH THOR

THOR, der älteste Sohn Wodans, wurde nicht von seiner Mutter Jörd erzogen, sondern wuchs bei den Pflegeeltern WINGNIR (Beschwingter) und HLORA (Glut) auf. Sein Gehöft in Asgard hieß THRUDHEIM (Kraftheimat); von seinem Palast BILSKIRNIR ist bereits die Rede gewesen. Zur Frau nahm er SIF (Sippe). Die goldhaarige Göttin bringt einen Sohn in die Ehe mit, den Bogenschützen ULLER; aber auch Thunar hat schon vorher zwei Söhne von der Riesin JARNSARA (Eisenstein): MAGNI (Stärke) und MODI (Mut). Sif beschenkte ihn dann noch mit der THRUD (Kraft).

Thunars Gestalt ist groß und von gewaltiger Kraft. Rotes Haar umwallt sein Haupt; ein enges, kurzes Gewand umschließt seinen Körper und in der mit Eisen behandschuhten Rechten schwingt er den glühenden Blitzhammer MJOLNIR (Malmer), der nach den weitesten Würfen stets wieder in die Hand des Gottes zurückkehrt. So fährt er auf einem von zwei Böcken gezogenen Wagen durch die Wolken, und die Rader rasseln mit Donnerhall.

Das Ansehen Thunars bei den Germanen war sehr groß. Noch im 8. Jahrhundert mußten die Sachsen bei der Taufe schwören, entsagen zu wollen dem Wodan, Thunar und Saxnot. Lange vorher schon war wegen der Verwechslung Thunars mit dem römischen Jupiter der fünfte Wochentag mit dem Namen des Donnerers belegt worden. Geheiligt waren ihm der Vogelbeerbaum, die Haselstaude und die Eiche. Es war im Jahre 725 n. Chr., als der Heidenapostel Bonifatius Thunars Rieseneiche zu Geismar bei Fritzlar in Hessen mit eigener Hand fällte. Wehklagen füllten die Luft und Verwünschungen drohten dem Frevler mit des Gottes Rache. Aber der gewaltige Stamm senkte sich nach wenigen Schlägen und an seiner Stelle erhob sich bald eine Kirche des Petrus. Viele Gebräuche und Sagen erinnern noch heute an den Blitzgott. Die aus der Haselstaude geschnittene Wünschelrute hebt die Erdschätze, wie der Gewittergott die Wolkenschätze und das Sonnengold flüssig macht. Das auf den Tag Johannis, des Täufers, verlegte Sonnwendfest mit seinen Freudenfeuern gilt seiner Person, und noch im fünfzehnten Jahrhundert beteiligten sich deutsche Fürsten an den Rundtänzen um die brennenden Holzstöße. Übrigens glich Thunars Wesen dem seines Vaters wenig. Er war ein wirklicher Kulturgott, der der Erde Gedeihen gab und Menschen und Vieh vor Unglück behütete, der überhaupt seine gewaltige Kraft nicht braucht, um die Erde zu verwüsten, sondern um die verderblichen Naturmächte, die Geschlechter der dem Chaos entsprossenen Riesen in ewigem Kampf zu verfolgen. Es ist also nicht zu verwundern, daß die Skalden den Thor als „Bauerngott“ dem kriegerischen Odin nachstellten.

Einst machte sich Thor auf, um in Jötunheim die Hrimthursen zu züchtigen. Der tückische Loki hatte sich ihm beigesellt. Gegen Abend gelangten sie an eine Bauernhütte, wo sie wohl Unterkommen, aber nichts zu essen fanden. Thor schlachtete deshalb seine Böcke, bereitete sie zur Speise, befahl aber den Wirtsleuten, nach dem Mahl sorgfältig die Knochen in die Felle der Tiere zu sammeln. Dies geschah auch; nur zerbrach auf Lokis Rat des Bauern Sohn das Schenkelbein eines Bockes, um zum Mark zu gelangen. Am Morgen weihte Thor die Felle mit seinem Hammer, und lustig sprangen die Böcke empor. Doch einer lahmte am Hinterfuß.

Thor merkte wohl, was geschehen war. Als er aber die Furcht der Leute über seinen Grimm sah, verzieh er ihnen unter der Bedingung, daß ihre beiden Kinder in seinen Dienst träten. Von da setzten sie die Reise zu Fuß fort und gelangten über das Meer in das Riesenland. Dort fanden sie am Abend eine Hütte, woran die Tür so hoch war wie das ganze Gebäude. Sie übernachteten in dem leeren Haus. Aber um Mitternacht entstand ein Dröhnen und Brausen, daß die ganze Hütte zitterte und sich die Gefährten Thors in eine Nebenkammer flüchteten, während er selbst vor der Türe Wache hielt. Als der Tag anbrach, erblickte Thor die lebendige Ursache des nächtlichen Erdbebens, einen ungeheuren Riesen namens SKRYMIR (Prahler). Dieser erkannte ihn sofort und ließ ihn an seinem Frühstück teilnehmen. Als er aber nach seinem Handschuh fragte, stellte es sich heraus, daß die Reisenden denselben für ein Haus angesehen und schließlich im Däumling geschlafen hatten. Skrymir warf nun den Eßkorb über die Schulter und wanderte mit ihnen den ganzen Tag über umher. Am Abend legte er sich sofort zum Schlafe nieder und überließ die Speise den Gefährten. Diese konnten jedoch den festgeschnürten Riemen des Bündels nicht lösen, und Thor ergrimmte endlich und versetzte dem Riesen einen gewaltigen Schlag mit dem Hammer auf den Schädel. Skrymir erwachte und fragte, ob nicht ein Blatt vom Baum ihm auf den Kopf gefallen wäre. Thor schlug den schnell wieder Einschlafenden noch mehrmals auf das Haupt, daß endlich das Eisen tief eindrang. Aber stets klagte der Riese nur darüber, daß die herabfallenden Eicheln ihn im Schlafe störten! Am Morgen schied er von ihnen und warnte sie vor UTGARD (Außengehege), da dort noch größere Riesen existierten, als er selber.

Allein sie ließen sich nicht beirren und gelangten mittags zur Königsburg, die so hoch war, daß ihre Augen die Dachspitze nicht erreichten. Sie betraten die Halle, wo der König UTGARDLOKI mit seinen Kriegern und Hofleuten saß und die Gäste sofort nach ihren Geschicklichkeiten fragte, ohne die niemand auf seinem Hof einen Sitz bekommen könnte. Da rühmte sich Loki seines hurtigen Essens, der Bauernsohn Thialfi seines schnellen Laufens und Thor seines mächtigen Durstes. Zuerst wurde Loki dem Thursensohn LOGI gegenübergestellt. Ein langer Trog voll Fleisch wurde herbeigebracht, und die Wettenden sollten jeder von einer Seite zu schlingen beginnen. In der Mitte begegneten sie sich, aber dennoch hatte Loki verloren, weil sein Gegner auch die Knochen samt dem Gefäß verzehrt hatte! Auch THIALFI unterlag trotz seiner außerordentlichen Schnellfüßigkeit seinem Gegner HUGIN. Endlich wurde für Thor selbst das Horn herbeigebracht, welches, mit Met gefüllt, an Utgardlokis Tafel zu kreisen pflegte, und dieser belehrte ihn, daß niemand unter den Hofleuten mehr als drei Züge brauche, um es zu leeren. Trotz seines geringen Durstes tat Thor drei lange Züge; aber erst beim dritten war eine kleine Abnahme des Getränkes bemerkbar. Unmutig gab er das Horn ab und verlangte, seine Stärke auf die Probe zu stellen. Da forderte ihn der Riese auf, nur seine graue Katze vom Boden aufzuheben, was seine jungen Burschen oft im Spaß täten. Thor versuchte es, aber das Tier streckte sich immer länger, und wenn er sich auch noch so sehr anstrengte, so blieben doch immer die Pfoten auf dem Boden stehen. „Ich dachte es schon“, höhnte nun Utgardloki, „daß die Katze für einen so kleinen Mann zu groß sein würde.“ Da entbrannte der Zorn Thors und er forderte alle Riesen zum Ringkampf heraus. Aber wieder wollte der Riese niemand zu solchem Kinderspiel hergeben, als seine uralte Amme ELLI. Das Riesenweib trat herein und der Kampf begann. Allein so sehr auch Thor alle seine Kraft aufbot, er strauchelte endlich und sank auf die Knie. Da sprang der Riesenfürst dazwischen und führte seine Gäste zur Tafel, wo sie sich bis Mittemacht labten. Am anderen Morgen geleitete er sie bis an die Grenze und sagte dann: „Weil Du nun meine Burg verlassen hast, die Du nie wieder betreten darfst, will ich Dir bekennen, daß ich Dich durch Zauberkünste täuschte. Ich selbst war der Riese Skrymir. Der Eßkorb war mit eisernen Bändern zugeschnürt; mit dem Hammer hättest Du mich sicher erschlagen, wenn ich Dir nicht schnell einen Felsen in den Weg geschoben hätte. Der große Fresser Loki war das Wildfeuer, der Läufer Hugin aber mein Gedanke. Das Ende des Hornes, aus dem Du trankst, lag in der See, und Du hast so viel daraus getrunken, daß die Ebbe auf der Erde davon entstanden ist. Die Katze ferner war die Midgardsschlange, und Du hast sie zu unserem Entsetzen so hoch gehoben, daß sie beinahe den Himmel berührte. Die Alte endlich, mit der Du gerungen hast, war das Greisenalter, dem jeder unterliegen muß.“ Wütend schwang Thor den Hammer, um sich am Jöten zu rächen. Dieser war aber verschwunden, und Thor mußte mit seinen Genossen den Rückweg antreten.

Liegt diesem Mythos der Gedanke zugrunde, daß der große Ase in der Außenwelt, d. h. in dem Schnee des Urgebirges, keinen Erfolg erringen und der Kultur keine Bahn eröffnen kann, so zeigt uns die Sage vom Riesen HRUNGNIR (Rauschender) Thors milde Gewittermacht im Kampf gegen das verwüstende Unwetter im Gebirge. Als einmal Thor ausgezogen war, um seine Pflüger gegen Unholde zu schützen, machte sich auch Odin auf und kehrte beim Bergriesen Hrungnir ein. Dort kamen sie im Laufe der Unterhaltung auf die Vorzüge des Rosses Sleipnir, und der Jöte behauptete, sein Pferd GULLFAXI (Goldmähne) mache doch noch weitere Sprünge. Da schwang sich Odin auf und forderte Hrungnir auf, mit ihm um die Wette zu reiten. Zornig jagte der Riese ihm nach, und beide kamen fast gleichzeitig in Asgard an. Die Asen laden den Gast freundlich ein, sich an Thors Platz zu setzen, und die schöne Freya schenkt ihm die gewaltigen Schalen des Donnerers voll starken Biers. Unmutsvoll leerte er sie, forderte immer mehr von dem Getränk und begann endlich im Rausch trotzig zu prahlen, er werden Walhalla auf dem Rücken nach Jötunheim tragen, ganz Asgard in den Abgrund versenken, alle Asen erschlagen, Freya und Sif aber mit sich in das Riesenland entfuhren. Ängstlich riefen die Asen nach Thor, und kaum war sein Name genannt, als derselbe mit zornblitzenden Augen in der Halle stand und Mjölnir schwingend ausrief: „Wer erlaubt dem Thursen, in Asgard zu sitzen und sich von der Schenkin der Asen den Pokal kredenzen zu lassen?

Das soll den Unverschämten gereuen!“ Hrungnir beruft sich ernüchtert auf Odins Einladung und gelobt, sich ihm an der Grenzscheide der Länder im ehrlichen Zweikampf stellen zu wollen. Am bestimmten Tage fand sich der Jöte zuerst auf dem Platz ein, bewaffnet mit einem riesigen Schleifstein und einem ungeheuren steinernen Schild, während die Riesen einen neun Meilen hohen Schildknappen aus Lehm neben ihm aufgepflanzt hatten.

Vor Thor erschien dessen Diener Thialfi und rief dem Riesen zu, sein Herr wolle ihn von unten angreifen und der Schild werde ihm dann nichts helfen. Da warf Hrungnir die Steinscheibe auf den Boden und stellte sich darauf, und als gleich hinterdrein der Donnerer angebraust kam und beide Gegner in demselben Augenblick ihre Waffen schleuderten, zerschellte die Keule des Jöten, vom Hammer getroffen in der Luft, dieser aber fuhr tief in Hrungnirs Schädel.

Grimmiger Zorn erfaßte aber den Blitzgott, als er einst in der Nacht erwachte und merkte, daß sein göttlicher Hammer entwendet sei. Er zog Loki in das Geheimnis, und dieser lieh von Freya das Falkengewand, um der Riesenwelt einen Besuch abzustatten. Dort traf er den Thursenfürst THRYM, der sich in ein Gespräch mit ihm einließ und gar kein Hehl daraus machte, daß er selbst den Hammer gestohlen habe und acht Meilen tief unter der Erde verborgen halte. Nur wer ihm Freya als Braut zuführe, solle denselben erhalten. Thor wagte es zwar, nach Lokis Zurückkunft der schönen Wanin den Antrag des Riesen vorzutragen, wurde aber schnöde abgewiesen. Nun war guter Rat teuer, denn Mjölnir war ja die Stütze Asgards gegen die Riesen. In der Versammlung der Götter und Göttinnen macht endlich HEIMDAL, der Wächter Asenheims, der so weise war, daß er das Gras und die Wolle der Schafe wachsen hörte, den Vorschlag, Thor selbst solle, in Freyas bräutliches Linnen gehüllt und mit blitzendem Goldschmuck geziert, den Riesen zugeführt werden. Nach einigem Sträuben verstand sich Thor dazu und nahm Loki als Magd mit.

Thrym sah das Gespann der Mädchen von seiner Warte aus sich nähern und traf in größter Eile Zurüstungen zum Hochzeitsfest. Züchtig in ihren Schleier gehüllt, sitzt die hohe Braut beim Mahle und ißt einen ganzen Ochsen, acht Lachse und alles Naschwerk, ja, sie trinkt drei Kufen Met dazu aus! Verwundert schaut der Bräutigam diesen gesunden Appetit; aber die Zofe flüstert ihm zu, aus Sehnsucht nach Jötunheim habe die Braut acht Tage gefastet. Endlich hebt der ungeduldige Liebhaber ein Ende des Schleiers, fährt aber erschrocken zurück vor den feuersprühenden Augen der Jungfrau. Doch wiederum beschwichtigt ihn der schlaue Loki: „Acht Nächte hat die Braut vor Sehnsucht nicht geschlafen; wie sollten ihre Augen nicht glühen!“ Erfreut läßt nun Thrym den Hammer des Donnerers herbeibringen und ihn der Braut in den Schoß legen, um den Ehebund nach der Sitte zu weihen; in Thors Brust lachte das Herz, als er seinen Hammer vor sich sah. Rasch faßte er zu, warf die Hülle ab und wetterte den Riesen samt allen Hochzeitsgästen nieder. Über diese Mythe schreibt MANNHARDT: „Sie besagt, wie Thrym, der Riese des winterlichen Sturmes, dem Himmel den befruchtenden sommerlichen Wetterstrahl raubt und während der acht Wintermonate des Nordens in der Tiefe begräbt. Er sucht die Göttin der Sonne und lichten Wolke, Freya, gänzlich in seine Gewalt zu bringen. Thor verhüllt sich selber in das Kleid der Wolkenfrau und gewinnt so im Frühling den Hammer wieder, den er aus dem Schoß der Wolken hervorwetternd schwingt.“

Endlich war auch Loki beteiligt an der Fahrt Thors zur Behausung des Thursen GEIRRÖD (Speerröter). Den weithin qualmenden Schlot desselben entdeckte er nämlich in der Ferne, als er sich im erwähnten Falkengewand in den Lüften schaukelte, und ließ sich aus Neugierde auf den Fenstersims nieder. Da bannte ihn der Riese fest und weil der Vogel auf alle Fragen stumm blieb, sperrte er ihn ein und ließ ihn drei Monate ohne Nahrung. Dieses Mittel wirkte. Loki gestand, wer er wäre, und der erfreute Geirröd schenkte ihm bloß unter der Bedingung die Freiheit, daß er mit heiligem Eidschwur versprach, Thor, den Hauptfeind des Riesengeschlechts, ihm zum Faustkampf stellen zu wollen, aber ohne den gefürchteten Hammer. Der schlaueste aller Asen suchte hierauf Thor zu einem friedlichen Besuch bei Geirröd zu bereden, indem er ihm vorlog, wie freundlich er selbst von demselben aufgenommen worden sei und wie der Riese lediglich aus Bewunderung sich nach der Bekanntschaft mit dem ältesten Sohn Wodans sehne.

Thor folgte dem Versucher, erfuhr aber schon nach der ersten Tagereise bei der Riesin GRID), der Mutter seines Stiefbruders WIDAR, die Wahrheit und wurde von ihm mit ihren Eisenhandschuhen, ihrem Stab und Stärkegürtel versehen. Eine Tochter Geirröds staute mit ihrem Leib einen den Wanderern im Wege liegenden großen Strom an, mußte aber den Steinwürfen Thors weichen. Als sie endlich das Gehöft des Thursen erreicht hatten und Thor sich müde auf einen Stuhl niederließ, merkte er plötzlich, wie sich derselbe nach und nach immer höher der Decke zu emporhob. Schnell stemmte er seinen Stab gegen die Wölbung und drückte sich dann mit aller Kraft nieder. Entsetzliches Jammergeschrei, unter dem Stuhl hervortönend, belehrte ihn, daß die beiden Töchter des Wirtes, GIALP und GREIP, ihre List mit dem Tode zu bezahlen hatten. Von Geirröd dann zum Kampf aufgefordert, bemerkte Thor kaum die rings an den Wänden der Halle emporlodernden Feuerflammen, als ihm auch schon der Riese einen glühenden Eisenkeil entgegenschleuderte. Jetzt taten die eisernen Handschuhe treffliche Dienste; der Ase fing das Geschoß auf und warf es mit solcher Gewalt gegen die Säule, hinter welcher sich der Feind versteckt hielt, daß es das Bollwerk samt der Brust Geirröds durchbohrte. Dieser wurde in einen Stein verwandelt. – Der Kampf erinnert an den Streit des wohltätigen Sommergottes mit dem Dämon des verderblichen Unwetters, oder, wie andere wollen, mit den Gewalten des vulkanischen Feuers.

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Thunar oder Thor

TYR, ALTHOCHDEUTSCH ZIO

Daß ZlO der älteste aller germanischen Götter ist und zwar in seiner Bedeutung dem griechischen Zeus vollkommen gleich, ist schon in der Einleitung erwähnt worden. Der lichte Himmelsgott war aber bereits zu Tacitus‘ Zeit zu einem Schwert- und Kriegsgott geworden. Es ist ihm also ähnlich gegangen wie dem römischen Mars, und der diesem gewidmete dritte Wochentag erhielt auch in Deutschland den Namen von Tyr. Darum war auch der Pfeil und später wohl das Schwert sein Symbol. Die Brut Lokis war von Wodan weit aus seinen Augen verbannt worden. Hel war nach Nifelheim hinabgeschleudert, die Schlange Jörmungandar in das tiefe Weltmeer versenkt, welches Midgard umschließt. Nur FENRIR, der Wolf, war vor der Hand unter Tyrs Hut geblieben, der ihn täglich mit Futter versorgte. Aber bald wuchs er so riesenhaft heran und gewann solche Stärke, daß man sich in Asgard selbst vor ihm zu fürchten begann und auf Mittel dachte, ihn unschädlich zu machen. Die Asen schmiedeten also zwei Eisenfesseln, Leuthing und Droma, und brachten den Wolf durch Zureden so weit, daß er sich geduldig die Bänder anlegen ließ. Aber als er seine gewaltigen Glieder reckte, flogen die Ringe klirrend auseinander. Die Sorge der Himmlischen mehrte sich, denn täglich wuchs die Stärke Fenrirs. Da sandte Odin seinen treuen Diener SKIRNIR (Glänzer) nach Schwarzalfenheim und ließ die Zwerge um eine dauerhafte Fessel bitten.

Diese verfertigten aus dem Bart der Weiber, den Sehnen der Bären, dem Schall der Katzentritte, dem Speichel der Vögel, der Stimme der Fische und den Wurzeln der Berge eine Fessel namens GLEIPNIR, so dünn wie ein Seidenband. Die Götter ließen hierauf den Wolf kommen und forderten ihn auf, seine Kraft an dem neu en Kunstwerk zu probieren. Aber Fenrir witterte unter dem schwachen Gewebe Zaubertrug und weigerte sich, eher die Fesseln sich anlegen zu lassen, als einer der Asen zum Unterpfand die Rechte in seinen Rachen legen würde. Tyr tat dies unverzagt. Das Band aber, von dem die Alfen gesagt hatten, es werde den Gebundenen immer fester zusammenschnüren, je mehr er sich bemühe, es zu zerreißen, bewährte sich besser als die stärkste Eisenkette. Die Götter zogen es durch tief eingerammte Felsen hindurch und streckten dem wütenden Untier ein Schwert zwischen die Kiefer. Tyr hatte freilich den meisten Schaden; denn ihm hatte der Wolf, als er die List merkte, die Hand abgebissen.

Es ist unschwer, in dem Wolf Fenrir ebenso einen Dämon der Finsternis zu erkennen, wie in den Wölfen Skoll und Hati. Tyr ist also ihm gegenüber noch der alte Gott des Himmels, der das Licht dem finsteren Rachen entreißt. Daß er dabei die Hand einbüßt, stimmt merkwürdigerweise ganz mit der indischen Legende vom Sonnengott SAWITAR; nur daß dieser sich die Hand beim Opfer abgeschlagen hat. Möglich, daß man dabei an die Einbuße der Hälfte gedacht hat, die der Tag durch die Nacht erleidet; möglich auch, daß das Attribut der goldenen Hand allmählich zur Annahme einer künstlichen Goldhand geführt hat.

Von seinem späteren Wirken als Kriegsgott scheint Tyr bei den Germanen südlich von der Ostsee als SAXNOT, d. h. „der des Schwertes (Sax) waltende Gott“, verehrt worden zu sein. Namentlich wissen wir dies von den Sachsen.

Bei anderen Stämmen kommt auch der Name CHERU oder HERU vor, und da dies auch das Schwert bedeutet, so mag wohl auch hier kein Unterschied obwalten, und die Cherusker waren sonach die Mannen oder Abkömmlinge des Heru oder Tyr.

Mehr nach Thor als nach Tyr sieht endlich der von den Sachsen verehrte Gott IRMIN aus, dessen hölzerne Säule (Irmensäule) im Osning bei Detmold Karl der Große 772 zerstört hat.

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Tyr

BRAGI UND IDUN

BRAGI, der sangreiche und redebegabte Sohn Wodans, hatte zur Gattin IDUN (Erneuende), die Tochter des Zwergenvaters Iwaldi. Sie, „die schmerzheilende Maid, die des Gotteralters Heilung kennt“, bewahrte dem Odin die Kufe ODRORIR (Geistererzeuger), die den Dichtermet barg. Mit diesem aber hatte es folgende Bewandtnis. Nach einem Krieg zwischen den Asen und Wanen war der Friede dadurch besiegelt worden, daß beide Parteien ihren Speichel in ein Gefäß laufen ließen und daraus den weisen Mann KWASIR (Redner) schufen. Auf seinen Reisen war dieser in Schwarzalfenheim von zwei Zwergen FIALAR und GALAR ermordet worden, und die Kobolde hatten dann sein Blut mit Honig gemischt und einen zum Dichten begeisternden Met daraus gebraut. Den Wundertrank mußten aber die Erfinder später dem Riesen SUTTUNG als Sühne für den an seinem Oheim verübten Totschlag überlassen, der ihn von seiner Tochter GUNLÖD bewachen ließ. Odin war in die Felsenhöhle gelangt, indem er durch den überlisteten Riesen BAUGI den Berg durchbohren ließ, hatte den Kessel mit dem Met geleert und auf diese Weise den letzteren nach Asgard gebracht.

Außer dem Dichtertrank bewachte aber Idun noch elf goldene Äpfel, deren Genuß den Asen ewige Jugendschöne gewährte. Nun geschah es, daß Odin, Hönir und Loki durch eine gebirgige und öde Gegend wanderten, wo weder Obdach noch Speise zu finden war. Endlich trafen sie in einem Tal eine Rinderherde, schlachteten ein Stück davon und brieten es. Aber das Fleisch wollte immer nicht gar werden, und sie fragten verwundert einander, WER wohl daran Schuld sein möchte. Da antwortete ihnen plötzlich eine Stimme aus dem Baum über ihnen, und ein großer Adler versprach ihnen, den Braten genießbar zu machen, wenn sie ihn am Mahl teilnehmen ließen. Die Asen willigten ein; da aber der Vogel gleich die beiden Lenden und das Vorderteil des Ochsen für sich nahm, ergrimmte Loki und stieß jenem eine große Stange in den Leib. Der Adler schwang sich hierauf mit derselben, an der plötzlich durch Zauber Lokis Hände festklebten, empor, flog aber so niedrig, daß Lokis Füße Steine und Gehölz streiften. Er konnte die Qual nicht ertragen und bat flehentlich den Adler um Frieden. „Wohlan“, sprach derselbe, „versprich mit heiligem Eid, daß du mir Idun mit den goldenen Äpfeln verschaffen willst, so will ich dich frei geben!“ Loki gab die Zusage, und als er nach Asgard zurückgekommen war, lockte er Idun in einen Wald unter dem Vorwand, daß er dort einen Baum mit herrlichen Äpfeln entdeckt hätte; sofort stellte sich der Adler ein und entführte die erschrockene Göttin nach Jötunheim. Der gewaltige Vogel war der Thurse THIASSI (Stürmende). Die Asen befanden sich nach Iduns Verschwinden in übler Verfassung; denn sie alterten schnell und wurden grauhaarig. Endlich lenkte sich ihr Verdacht auf den Verräter Loki, der zuletzt mit der Verlorenen gesehen worden war. Mit dem Tode bedroht versprach er, Idun aufzusuchen, wenn ihm Freya ihr Falkengewand leihen wollte. So gelangte er glücklich zu der Behausung des Riesen, fand die Göttin allein, verwandelte sie in eine Nuß und flog mit der leichten Beute davon. Thiassi, der auf dem Meer gerudert hatte, kam aber bald nach Hause, bemerkte gleich den Raub und setzte im Adlerkleid den Fliehenden nach.

In Asgard sah man den Falken und hinter ihm den Adler herfliegen. Die Asen häuften daher um die Mauer herum Holzspäne auf und zündeten sie an, sobald der Falke die Burg erreicht hatte. Der Adler aber achtete in seiner Hast der aufschlagenden Lohe nicht, verbrannte sich das Gefieder und stürzte in Asgard zu Boden, wo die herbeieilenden Götter ihn erschlugen.

So erscheint hier Idun als Göttin des vegetativen Lebens, die im Winter in der Gewalt des nordischen Sturmriesen ist, im Lenz aber von Loki wiedergeholt wird. Thiassi aber hinterließ eine Tochter, die schöne und mutige SKADI (Strafe). Diese wappnete sich auf die Nachricht vom Tode ihres Vaters und sprengte nach Asgard, um blutige Rache zu nehmen an dem Schuldigen. Die Asen erfreute die Keckheit und Holdseligkeit der Jungfrau. Thor warf die Augen ihres Vaters gen Himmel, wo sie als leuchtende Sterne glänzen, und Allvater erlaubte ihr, sich unter den Asen einen Gemahl auszusuchen. Allein Skadi in ihrem Schmerz wollte nichts von gütlichem Ausgleich wissen. Da schaffte wieder der listige Loki Rat. Er band sich einen Ziegenbock an den Fuß und begann nun meckernd mit dem Tier die possierlichsten Sprünge und Grimassen zu machen. Als er endlich vor Skadi einen Fußfall tat, konnte sich diese nicht länger halten und brach in volles Lachen aus.

Nun zeigte sie sich auch willig, sich durch Heirat mit dem Asengeschlecht zu verbinden; doch durfte sie bei der Wahl nicht mehr als die Füße der Götter sehen. So kam es, daß sie sich irrte; denn indem sie glaubte, den herrlichen Balder vor sich zu haben, wählte sie NJÖRDER. Dies war ein Wane und nach dem Krieg zwischen seinem Geschlecht und den Asen als Geisel in Asgard zurückgeblieben. Sein Name (Wasserhälter) sowie sein Schloß NOATUN (Schiffsstätte) kennzeichnen ihn als Beherrscher der Meerflut. Seine Ehe mit Skadi wurde dadurch getrübt, daß dieser das Brausen des Meeres und das Kreischen der Möwen nicht gefiel, während ihm wieder die öden Bergklüfte und das Wolfsgeheul in den Wäldern Jötunheims unausstehlich vorkamen. Sie wechselten einander zuliebe den Aufenthaltsort alle neun Tage. Endlich aber trennten sie sich ganz, und die Jägerin Skadi reichte später dem mehr zu ihr passenden, im Asengehöft YDALIR (Eibental) wohnenden Bogenschützen und Wintergott ULLER ihre Hand.

FREYA (Frau, Freundliche) und ihr Bruder FREYER (Herr, Frohe) sind Kinder NJÖRDERS aus seiner ersten Ehe mit NJÖD. Freyer war besonders in Skandinavien verehrt als ein über Regen und Sonnenschein gebietender Gott, der seinen Sitz in Lichtalfenheim hatte. Ihm diente als treuer Begleiter SKIRNIR (Glänzer). Zu seinen Ausflügen aber benutzte er den Eber GULLINBURSTI (Goldborstiger) und das Schiff SKIDBLADNIR (geflügeltes Holz), das stets günstigen Fahrwind hatte und sich nach dem Gebrauch zusammenlegen und in die Tasche stecken ließ (wohl die Sonne und die Wolke). Auch ein sich von selbst schwingendes Schwert besaß er; dies opferte er jedoch auf bei der Werbung um die Riesentochter GERD. Seine Schwester FREYA ist die Göttin der Natur, die blütenreiche Mutter der Erde. Im Kultus dagegen ist sie die Beschützerin der Liebenden, die auch nach dem Tode hoffen, in ihrem Palast FOLKWANG (Volkanger) in ihrem lichten Saal SESSRUMNIR (Sitzraum) Aufnahme und Wiedervereinigung zu finden.

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Bragi und Heimdal empfangen die Krieger in Walhalla

FREYA UND FREYER

Freya ist nicht bloß Mundschenkin in Walhalla, sondern auch Führerin der Walküren auf dem Schlachtfeld. An dem ihr geheiligten Freitag wurden die meisten Ehen geschlossen, und erst die christlichen Priester erklärten diesen Tag als den Kreuzigungstag Christ für eine unglückliche Zeit. Zuletzt beim Mahl trank man Freya MINNE, d. h. man weihte ihr den Becher der Liebe und Erinnerung zu Abschied, was später auf Maria überging. Freya trug den von den Zwergen geschmiedeten köstlichen Halsschmuck BRINSINGAMEN (Feuerkette) und fuhr auf einem mit Katzen bespannten Wagen. Einst bekam Wodan selbst Lust nach dem Kleinod Brinsingamen und befahl Loki, der ihm davon erzählt hatte, ihm dasselbe entweder zu verschaffen oder nie wieder vor seine Augen zu kommen. Sehr ungern übernahm Loki den heiklen Auftrag und schlich sich nach Folkwang. Die Wanin ruhte in ihrer verschlossenen Kammer, und Loki verwandelte sich in eine Fliege, um hineinzukommen, dann aber in einen Floh, um Freya, die mit der Brust auf der Kette lag, zum Umdrehen zu bestimmen. Alles gelang nach Wunsch, und der Dieb huschte mit seinem Raub ins Freie, als ein Stärkerer über ihn kam. Der wackere Heimdal, der treue Wacht an der Brücke BIFROST hielt, hatte den Raub beobachtet und eilte Loki nach. Dieser stürzte sich als Robbe ins Meer, aber Heimdal tat dasselbe, und in dem nun entbrannten Kampf siegte er und nahm dem Räuber das Kleinod ab. Idun heilte dann des Siegers Wunden und brachte den Halsschmuck der weinenden Freya zurück.

Gewöhnlich wird Freya als Jungfrau gedacht. Nach einem Mythos war sie jedoch mit ODUR (Geist) vermählt. Als sie ihm jedoch eine Tochter, HNOSS (Kleinod), geschenkt hatte, verließ er sie treulos und zog auf ferne Wege. Freyas Tränen flossen darob unablässig und wurden zu rotem Gold. Nach einer Sage kam Odur dann als fremder Wanderer nach Folkwang zurück und erzählte nach der Wiedererkennung, daß er auf windkalten Wegen hergekommen wäre, und daß ihn der Nornen unabänderlicher Spruch in die Ferne und wieder zurückgeführt hätte. Nach einer anderen Legende sucht ihn Freya in allen Ländern und findet ihn zu ihrer Freude endlich auf grüner Matte. Aber Odur bleibt dennoch nicht bei ihr und verläßt sie in jedem Jahr nach der Herbsttagundnachtgleiche.

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Freya

Freyer

BALDER

Der lichte, strahlende Sohn Friggs, BALDER, ein Symbol der kurzlebigen Sommerherrlichkeit, war der beste aller Asen und von allen wegen seiner Unschuld und Milde geliebt. In seinem Gehöft BREIDABLICK (breiter Gang) wurde nichts Unreines geduldet. Dort wohnte Balder, auch VOL genannt, mit seiner geliebten Gattin NANNA und seinem Sohn FORSETI (Vorsitzender), der seines Vaters gute Eigenschaften erbte und später in der mit Silber gedeckten, auf Goldsäulen ruhenden Halle GLITNIR (Gleißende) immerwährend zu Gericht saß.

Der frühe Tod Balders sollte über die Asen bitteres Leid bringen. Ein böses Vorzeichen hatte nach dem Entschwinden des Goldalters den Asgard in große Unruhe versetzt. Die liebliche Idun war in einer Nacht von den Zweigen der Weltesche Yggdrasil, in denen sie sich gewiegt hatte, hinabgesunken in das Nachtreich Hels, und am nächsten Tag drohte Mimirs Brunnen zu vertrocknen. Da schickte Odin seinen Raben Hugin aus, und dieser flog eilig zu den Zwergen DAIN und THRAIN, die der Zukunft kundig waren. Allein dort war wenig zu erfahren, denn die Zwerge lagen in wirren Träumen. Odin sandte also Heimdal, Loki und Bragi hin unter zu Hel selbst, um Idun auszuforschen. Auf düsteren Pfaden stiegen sie hinab nach Nifelheim, gelangten zu der mit festem Eisengitter und loderndem Feuer umgebenen Burg Hels und gingen hinein, ohne sich um das Heulen des blutbesudelten Höllenhundes MANAGARM (Mondhund) zu kümmern. Bald erspähten sie die Göttin der Jugend und fanden sie blaß, abgehärmt und stumm. Nur Tränen rannen unaufhörlich über ihre Wangen, und keine Antwort über das Schicksal der Asen und der Welt kam über ihre Lippen. So zogen die Boten wieder ab. Aber Bragi, der liebende Gatte, blieb bei Idun zurück. Ratlos hörten die Götter den Bericht Heimdals und Lokis und mußten ihre Entschlüsse vertagen.

Am nächsten Morgen schwang sich Odin auf Sleipnirs Rücken, um selbst die Reise nach Nifelheim anzutreten; denn in der Nacht hatte Balder geträumt, Hel sei ihm erschienen und habe ihm gewinkt. Er reitet bei Hels Behausung vorüber nach Osten, wo der Seherin WALA (oder Wöla) Grabhügel stand. Dort sprach er die Beschwörungsformel und weckte die Tote mit mächtigem Bann.

Und als sie ihn nach seinem Begehr fragte, gab er sich für WEGTAM (Weggewöhnte) aus und erkundigte sich, für wen bei Hel die Betten mit Gold geschmückt und die Sitze mit Reifen belegt wären. Da antwortete Wala: „Für Balder, den Guten, wird der Empfang bereitet und köstlicher Met gebraut den Asen zum Gram.“ Und als er weiter wissen wollte, wer Balder zu Hel senden und wer den Mord rächen würde, so sagte sie ihm, wie es kommen sollte. Als er aber noch fragte, wie hieße, daß Balders Tod nicht beweinen werde, da erkannte ihn Wala voll Entsetzen und bat ihn, heimzureiten; Niemand werde sie weiter Rede stehen, bis Lokis Bande rissen und der Götter Verderben hereinbräche. Unterdessen hatten auch die übrigen Asen nicht gerastet. Sie beschlossen allen lebenden Kreaturen und selbst den leblosen Dingen einen heiligen Eid abzufordern, daß sie Balders Leib und Leben Balder und Nanna nicht schädigen wollten. Die besorgte Frigg selbst war ausgefahren in alle Lande, und es hatten ihr geschworen die Thursen, die Menschen, die Alfen, die Bäume und Sträucher, die Steine und Erze, selbst die Gifte und Krankheiten. Nun herrschte große Heiterkeit in Walhalla. Die Asen scherzten und lachten und zielten mit allerlei Wurfzeug und Geschoß nach Balder, um zu sehen, wie jede Waffe den gefeiten Leib vermied. Nur Loki fand kein Gefallen an dem Wunder, verwandelte sich in ein altes Weib und humpelte nach Fensal zu Frigg, um sich Aufklärung zu verschaffen. Gutmütig erzählte ihm Balders Mutter, was sie alles getan habe, um das Unglück vom lieben Sohn fern zu halten; ja, sie vertraute ihm endlich, daß alle Gewächse auf Erden ihr den verlangten Eid geleistet hätten, mit Ausnahme eines kleinen Mistelstrauches, den sie für zu unbedeutend gehalten hätte. Der Verräter eilte zur Mistel, riß sie herunter und formte einen Ger daraus. Dann ging er in den Kreis der heiter scherzenden Asen zurück. Dort fand er den starken, aber des Augenlichts beraubten HÖDER in einer Ecke stehen, teilnahmslos bei der Kurzweil der übrigen. Er fragte ihn, warum er nicht auch zu Balders Ehre seine Kraft im Werfen versuchte, und als der Blinde erwiderte, er habe ja weder Waffen noch Augen, drückte er ihm den Mistelgeer in die Hand und richtete denselben auf Balder. Höder schleuderte mit voller Kraft den Speer, und der Bruder sank mit durchbohrter Brust entseelt zu Boden!

Da verfinsterte sich die Erde; sprachlos und entsetzt standen die Götter um die Leiche des Vielgeliebten. Dann aber wandten sich alle gegen den Mörder, und am liebsten hätten sie sogleich Rache an ihm genommen – Loki hatte sich natürlich weggeschlichen – wenn nicht Asgards Heiligkeit ihn geschützt hätte. Frigg, durch das laute Jammern erschreckt, eilte auch herbei und klammerte sich an die Hoffnung, die schreckliche Hel möchte sich vielleicht erbitten lassen, den geliebten Sohn wieder frei zu geben. Sofort war Balders zweiter Bruder, HERMODER, bereit, das Schattenreich aufzusuchen, und bestieg den eben erst von dort zurückgekehrten Sleipnir.

Die Asen aber machten sich daran, die teure Hülle mit den letzten Ehren zu beschenken. Sie geleiteten dieselbe an den Strand des Meeres, wo Balders Schiff HRINGHORN (Ringhörnige) lag. Auf diesem wurde der Scheiterhaufen errichtet. Aber als die Leiche hinaufgelegt werden sollte, brach der holden Nanna das Herz vor Jammer, und die Götter gesellten sie dem Geliebten bei. Auch dessen edles Roß mußte ihm im Tod folgen, und Wodan steckte dem Sohn noch den Wunderring DRAUPNIR (Traufende) an die Hand, der in jeder neunten Nacht sich verachtfachte. Sodann weihte Thor mit seinem Hammer die Scheiter, und die Flamme prasselte in die Höhe. Aber niemand vermochte nun das Fahrzeug mit seiner Last von der Stelle zu rücken und ins Meer hinabzuschieben. Die anwesenden Riesen erboten sich, ein starkes Weib aus Jötunheim namens HYRROKIN (Feuerräucherige) herbeizuholen, die Berge zu verrücken imstand wäre. Es geschah, und die Alte kam sturmschnell auf einem riesigen Wolf angeritten, der mit einer Natter gezäumt war. Mit einem einzigen Stoß schob sie das Schiff in die Wellen. Thor aber ergrimmte über der Riesin rohe Weise und hätte ihr gern mit Mjölnir das Lebenslicht ausgeblasen, wenn nicht die übrigen Asen, auf das freie Geleit Hyrrokins hinweisend, ihn abgehalten hätten. So ließ er seine Wut am Zwerg LIT (Farbe) aus, der ihm unter die Füße kam, und warf ihn ins Feuer.

Während dies geschah, war Hermoder nach neuntägigem Ritt an den Fluß GJOLL (Gellende) gelangt, der Hels Reich von den anderen Welten scheidet, und von der Brückenwächterin MÖDGUD (Seelenkampf) nach Hels Wohnsitz gewiesen, erreichte er denselben bald und setzte mit Sleipnir über das verschlossene Gitter in das Totengebiet. Bald gelang es ihm, Balder und Nanna zu finden. Sie saßen auf einem Ehrenplatz, aber traurig und ohne die goldenen Pokale zu berühren. Hermoder wandte sich aber sogleich an die grauenhafte Hel und richtete seinen Auftrag aus; er hob her vor, daß alle Wesen der Welt über Balders Tod trauerten. Da erwiderte ihm Hel: „Weint alles Lebendige und Tote um Balder, wohl, so mag er zurückkehren ans Licht; bleibt aber ein einziges Auge trocken und tränenlos, so muß er ewig in meinem Saal weilen.“ Den Göttern in Asgard dünkte dieser Bescheid nicht ungünstig, und sogleich wurden Boten nach allen Seiten ausgesendet, welche alle Wesen und Dinge auffordern sollten, dem entschwundenen Balder Tränen zu weihen. Da rieselten allen lebenden Geschöpfen die Zähren über die Wangen; die Blätter und Blumenkelche füllten sich mit Tauperlen, und selbst von den Steinen troff das geweinte Naß herab. Als aber die Boten zurückkehrten, fanden sie auf dem Weg vor ihrer Höhle die Riesin THOKK (Dunkel), welche trotz aller Bitten den Tränenzoll verweigerte. „Was soll ich weinen um Balder?“ sprach sie. „Er hat mir weder im Leben noch im Tod Nutzen geschafft. Mag Hel behalten, was sie hat! „ So blieb Balder der Oberwelt verloren. Das „tückische Weih“ aber war niemand anders als der Schurke Loki.

Nun hatte die Seherin Wala zuletzt auch Odin geweissagt, der Rächer Balders, der die von Pflicht und Gesetz gebotene Blutrache am Mörder vollziehen werde, müßte seinem eigenen Blut entstammen und der Königstochter RINDA (Rinde, Erdkruste) Sohn sein. Nachdem also alle Hoffnung auf Balders Wiederkehr geschwunden war, begab sich Odin in das Land der Ruthenen, zu BILLING, Rindas Vater. Er trat dort als Kriegsmann auf, bot dem König seine Dienste an und verrichtete solche Heldentaten, daß ihn Billing zum Feldherrn machte und ihm die Hand seiner schönen Tochter versprach. Allein diese wies die Werbung schroff ab und schlug sogar dem zudringlichen Freier ins Gesicht.

Hierauf spielte Odin die Rolle eines reichen Goldschmieds, wurde aber schließlich gerade so abgefertigt. Er erschien dann noch als stolzer Ritter bei dem königlichen Hoffest, erhielt aber, als er um einen Kuß bat, von der spröden Rinda einen solchen Stoß, daß er in die Knie sank. Endlich nahm er Mädchengestalt an, diente der Prinzessin treulich und versetzte sie mit seinem Zauberstab in schwere Krankheit, übernahm dann als Arzt die Heilung und errang so die Hand der dankbaren Rinda. Ihr Sohn WALI wuchs in wenigen Stunden zum kräftigen Jüngling heran und verstand sich auf die Führung des Bogens wie Uller. Ungekämmt und ungewaschen erscheint er am nächsten Tag in Walhalla und erlegt mit seinen Pfeilen den das Licht des Tages meidenden Höder, worauf ihm die Asen zum Dank die Halle WALASKJALF erbauten, deren Dach aus glänzendem Silber bestand.

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Uller

Rindas, der Erdkruste, Sohn WALI, auch Bul oder Bous (Bauer) genannt, ist der Lenz, welcher den Gott der düsteren Jahreshälfte, Höder, tötet und so des sommerlichen Balders Tod rächt. Der ganze Mythos ist in der Edda mit dem Weltuntergang verflochten und gewinnt durch Lokis Dazwischentreten und die Unschuld Höders einen hochtragischen Anstrich. Die dänische Sage hat die ursprüngliche Naturanschauung besser bewahrt. Bei ihr befinden sich nämlich Balder und Höder in einem sich wiederholenden Kampf um die von beiden geliebte Nanna, und Höder trägt den Sieg davon. Übrigens klingt die Baldermythe in der Nibelungensage nach, in welcher der lichte Sonnenheld Siegfrid (Sigurd) von dem falschen Hagen erschlagen wird.

GERD, Freyers Gemahlin, war die Tochter des Riesen OEGIR (Schrecken), der zugleich Heimdals Großvater und Beherrscher der stürmischen Meeresflut war. Nach der Verheiratung Gerds machte er in Asgard den Asen einen Besuch und freute sich der ihm zuteilgewordenen Aufnahme so, daß er die Götter alle zu sich auf die Zeit der Leinernte einlud. Die Gäste stellten sich alle zur genannten Zeit auf seinem Eiland ein. Aber obgleich Oegir alles aufgeboten hatte, um die Asen zu befriedigen, kam er doch bald in große Verlegenheit. Es fehlte ihm der Met, weil er keinen Braukessel besaß, und der durstige Thor zog ein schiefes Gesicht. Da erinnerte sich Thor, daß sein Stiefvater, der im fernsten Osten wohnende Riese HYMIR (Schläfrige), einen Kessel, eine Meile tief, besaß. Diesen erbot er sich herbeizuschaffen, wenn Thor in begleiten wolle. Des Blitzgottes Böcke trugen sie schnell zur Stelle, wo sie von Tyrs goldgelockter Ahne willkommen geheißen wurden, aber vor der neunhundertköpfigen Alten zurückbebten. Bald kehrte der auf der Jagd beschäftigte Hymir zurück, und die Gaste versteckten sich hinter einer Säule, da ihnen erzählt worden war, daß der Riese im ganzen den Fremden abhold wäre. Hymir sprengte mit seinem Zornesblick die Säule; doch scheute er sich vor Thors Hammer und befahl drei Stiere zuzurichten. Thor verzehrte allein zwei davon, und der Riese meinte, er werde am anderen Morgen auf den Fischfang ausfahren, damit die Fremden nicht seiner Herde ein Ende machten. Thor bot sich ihm als Begleiter an und fand sich in der Frühe beim Boot ein. Hymir spottete aber des kleinen Mannes und meinte, derselbe würde wohl bald frieren und der Heimkehr begehren. Als hierauf Thor einen Köder für seine Angelrute verlangte, fuhr er ihn an: „Suche Dir selbst einen!“ Aber wie erschrak er, als der Fremde einem seiner dunklen Stiere ohne weiteres den Kopf abriß und ins Boot sprang! Nun begann die Fahrt weit und immer weiter hinaus in die hohe See. Dort warf Hymir seine Angelrute aus und fing zwei Wale. Aber auch Thor senkte den Stierkopf in die Tiefe. Bald zuckte die Schnur und mit solcher Heftigkeit, daß Thor beim Anziehen auf die Schiffswand fiel. Schon lachte der Riese. Aber der Ase geriet in Wut, trat den Boden durch und zog, auf dem Meeresboden stehend, bis endlich die See hoch aufschäumte und die scheußliche Midgardschlange emporstieg und dem Gott ihren Rachen zeigte. Dieser schwang den Hammer und wollte dem Wurm den Schädel einschlagen, als Hymir herzuspringend die Angelschnur durchschnitt. Jörrmungandar entging so ihrem Schicksal, aber den Riesen belohnte ein Faustschlag, der ihn über Bord stürzte. Am Ufer angelangt, bat Hymir kleinlaut, Thor möchte entweder das Schiff an den Strand ziehen oder die Fische nach Hause tragen. Thor tat beides, forderte aber dann zur Belohnung den größten Braukessel. „Der Kessel“, sagte Hymir, „kann nur dem Mann zuteil werden, welcher meinen Trinkbecher zu zerbrechen vermag.“ Der Ase schleuderte hierauf das Gefäß mit solcher Macht an die Säule, daß das Gemäuer zerbrach, aber der Becher blieb unverletzt. „Hymirs Schädel ist härter als Stein“, raunte die Ahne ihm zu. Thor verstand den Wink und warf den Kelch dem Riesen an die Stirn, daß er in tausend Scherben zerschellte. Hierauf nahm Thor den Kessel, stülpte ihn über den Kopf und schritt aus der Halle. Hinterdrein aber stürmte Hymir mit einer Anzahl vielköpfiger Thursen, um ihm den Rückzug abzuschneiden. Dies gelang ihnen jedoch nicht.

Mjölnir tat seine Schuldigkeit, und die Unholde wurden teils vernichtet, teils nach Nifelheim verscheucht. Nun herrschte laute Fröhlichkeit in Oegirs Halle. Der schäumende Met kreiste, und die Asen suchten ihren Harm über Balders Tod zu vergessen. FUNAFENG (Feuerfänger) und ELDIR (Zünder), die flinken Diener des Wirts, warteten emsig ihres Amtes. Loki kam zuletzt auch noch zum Gelage, und da ihn Funafeng schnöde an der Tür zurückwies, so erschlug er ihn und entwich in den Wald. Doch bald schlich er sich wieder herbei, und als er von Eldir hörte, daß die Asen von ihren Taten sprächen und nur von ihm selbst kein gutes Wort wüßten, trat er frech in den Saal und begann die sämtlichen Asen mit unerhörten Lästerungen und Schmähungen zu überschütten. Ja, endlich rühmte er sich Frigg gegenüber ganz offen, daß er es gewesen, der Balder zu Hel gesendet hätte. Da erschien Thor, und vor seinem Hammer wich der Frevler, nachdem er dem ganzen Göttergeschlecht den Untergang prophezeit hatte. Tief im Gebirge baute er sich neben einem Wasserfall eine Wohnung mit vier Türen und war täglich vor seinen Verfolgern auf der Hut. Auch erfand er in seiner langen Mußezeit das Fischernetz. Odin ersah aber doch endlich von seinem hohen Sitz aus des Bösewichts Versteck und zog mit der ganzen Asenschar gegen ihn zu Felde. Sie kamen zur windigen Hütte, fanden aber Loki nirgends. Doch entdeckten sie in der glimmenden Asche des Herdes das halbverbrannte Netz, welches der Verfolgte beim Nahen der Fein de dem Feuer überliefert hatte, und nun war es ihnen klar, wo der selbe sich verborgen hatte. Rasch verfertigten sie nach dem Rest des Geflechtes ein neues großes Netz und beginnen damit den Wasserfall zu durchsuchen. Schon beim ersten Zug merken sie, daß etwas Lebendiges unter dem Netz weggeschlüpft sei. Sie beschweren daher dasselbe mit Steinen und beginnen den Fischfang von neuem. Da sprang plötzlich ein großer Lachs über das Netz hinweg und schwamm den Strom hinauf; als er aber rückwärts denselben Versuch wagte, fing ihn Thor, der mitten im Wasser watete, am Schwanz, und es entpuppte sich zum Jubel der Götter Loki in Person! SYGIN, Lokis Weib, eilte nun mit ihren Söhnen WALI und NARWI herbei, um Loki Beistand zu leisten.

Allein die grausamen Asen verzauberten Wali in einen Wolf, der sofort den Bruder zerriß. Dann schnürten sie den Vater auf drei scharfkantige Felsen fest, und SKADI nahm noch besonders Rache für den Tod ihres Vaters Thiassi, den Loki hauptsächlich auf dem Gewissen hatte, indem sie eine giftige Natter über des Gerichteten Haupt aufhängte, deren beißender Geifer demselben das Antlitz beträufeln sollte. Die treue Sygin wich jedoch nicht von Lokis Seite und fing das Gift in einer Schale auf. Nur wenn sie gezwungen war, das volle Gefäß auszugießen, näßte das Gift die Wangen des Unglücklichen, und er heulte dann laut auf vor Wut und Schmerz. Immer näher unterdessen rückte die Zeit heran, wo die alte Weltordnung zerfallen und das Unheil des Weltuntergangs, RAGNAROK (Götterdämmerung), hereinbrechen sollte über Götter und Menschen.

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Balder und Nanna

RAGNAROK

Kurz vorher bildeten Eigennutz und Habgier die einzigen Triebfedern der Handlungen, und Mord und blutige Kriege nahmen in schrecklicher Weise überhand. Die Erde verödete und verlor ihre schöpferische Kraft, die Sonne trübte sich und endlich folgten sich drei schreckliche FIMBULWINTER (ungeheure Winter) ohne dazwischenliegende Sommer. Alle Gewächse auf Erden erstarrten unter dem unaufhörlichen Schneegestöber, und die Menschen starben vor Kälte und Hunger. Dann ereilten die Riesenwölfe Sköll und Hati den Mond und die Sonne und verschlangen sie.

Die Sterne fallen vom Himmelsgewölbe, die Grundfesten aller Welten wanken und die Banden und Ketten aller Ungeheuer der Tiefe brechen. Die Midgardschlange erhebt sich aus dem Abgrund der Meerflut, der Wolf Fenrir reißt sich los, der Höllenhund Managarm steigt an die Oberwelt, der Feuerriese Surtur mit den Muspelsöhnen sowie die Hrimthursen sammeln sich zum Kampf. Auch Loki sprengt seine Fesseln und besteigt mit seinen Sippen das Schiff NAGELFARI, gezimmert aus den Nägeln der Toten. Auf dem Kriegsfeld WIGRID ordnet Loki seine Scharen, während die Asen samt den Einheriem heranreiten. Ein entsetzlicher Vernichtungskampf hebt an. Allvater wird vom Fenrirwolf verschlungen, Heimdal und Loki durchbohren sich gleichzeitig; Thor erschlägt die Midgardschlange Jörmungandar, wird aber selbst durch ihren giftigen Hauch getötet. Freyer, dem seine Wunderwaffe fehlt, unterliegt dem Flammenschwert Surturs; Tyr erwürgt den Höllenhund, fällt aber dann selbst, zu Tode verwundet. Odins Tod rächt sein Sohn, „der schweigsame Ase“ WIDAR. Er stößt dem Fenrirwolf die dicke Sohle seines Fußes in den Rachen und reißt ihm die Kiefern auseinander. Nach diesen Kämpfen der Mächte, die über Licht und Finsternis gebieten und die lebhaft an die Genossen der iranischen Todfeinde Ahriman und Ormuzd erinnern, gewinnt Surtur mit seiner Lohe freies Walten. Er verbrennt die Weltesche Yggdrasil und schleudert seinen Brand über Himmel und Erde. Dennoch führte im Glauben unserer Väter der Weltbrand nicht zum Urzustand des chaotischen Nichts zurück, sondern es folgte ihm im Laufe der Zeit eine Erneuerung alles Geschaffenen. Eine frische Sonne stieg am Himmel empor, und aus der Tiefe er hob sich eine neue Erde, die sich bald mit Gras und Kräutern schmückte. Und siehe, aus dem Wald HODDMIMIR tauchten auch zwei Menschenkinder auf, die dort schlummernd den Untergang der Welt überlebt hatten, eine Frau LIF (Leben) und ein Mann LIFTHRASIR (Lebenslieber)! Sie wurden die Stammeltern von einem um vieles besseren Menschengeschlecht. Von den Asen leben noch Widar und Wali; zu diesen gesellen sich Magni und Höder, jetzt in Liebe vereint, stellen sich ein und durchwandeln Arm in Arm das IDAFELD (erneute Feld), die Stätte des einstigen Asgard: das GOLDALTER der Welt ist zurückgekehrt.

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Schwerter schmiedende Zwerge