Snorri Sturluson

Erzähler der Götter- und Heldensagen

Snorri Sturluson Skalde (Dichter), Historiker und Autor der Snorra-Edda
Snorri Sturluson
Skalde (Dichter), Historiker und Autor der Snorra-Edda

 Snorri Sturluson wurde im Jahre 1179 in Hvammur geboren. Seine Eltern Sturla Thórdarson, ein westisländischer Gutsherr, und Gudny Bödvarsdóttir gelten als Gründer des Geschlechtes der Sturlungar.

In jungen Jahren wurde Snorri zu dem Goden Jón Loptsson nach Oddi geschickt, einem Bildungszentrum in Südisland und Sitz der Familiensippe der Oddverjar. Dort lernte er nicht nur das Lesen und Schreiben, sondern wurde auch in Latein, Theologie, Geografie und isländischem Recht unterrichtet. Die weltoffene Atmosphäre dieses nationalen Bildungszentrums sowie die für damalige Verhältnisse umfassende Ausbildung haben ohne Zweifel großen Einfluss auf den jungen Snorri gehabt und sein weiteres Leben maßgeblich bstimmt.

In Snorri vereinigten sich zwei deutlich ausgeprägte Charakterzüge. Zum einen gierte er nach Macht und Reichtum, zum andern prägte sein Wissensdurst und sein engagiertes Interesse für die Dichtkunst sein Leben nachhaltig.

Nach seiner Rückkehr heiratete er 1199 Herdis, die Tochter des wohlhabenden Goden Bersi, kam damit zu großem Besitz und Reichtum und erbte nach dem Tod seines Schwiegervaters dessen Godentitel. Bereits 1206 trennte Snorri sich von seiner Ehefrau und zog nach Reykholt, wo er 1224 seine zweite Frau Hallveig Ormsdatterden heiratete und für den Rest seines Lebens seinen Wohnsitz hatte. Überreste seines Hofes und vor allem das von einer heißen Quelle gespeiste Bad mit seinem unterirdischem Gang sind dort heute noch zu besichtigen. Snorri soll dem weiblichen Geschlecht sehr zugetan gewesen sein und eine große Zahl Kinder gehabt haben.

Sein ganzes Leben war durch das Bestreben gekennzeichnet, seine Macht und seinen Einfluss zu steigern. Dieser Ehrgeiz, geschickt ausgehandelte Verträge und die beiden gezielten, politisch motivierten Ehen machten ihn zu einem sehr einflussreichen Mann mit großen Besitztümern. Bereits 1215 wurde ihm das einflussreiche Amt als Gesetzessprecher des isländischen Althing übertragen und er genoss hohes Ansehen beim norwegischen Königshof. Doch dieser politische Ehrgeiz und sein Machtstreben führten schließlich zu Snorris Sturz, der sich schon früh abzeichnete.
Im Sommer 1218 reiste er nach Norwegen, um den Jarl Skùli Bàrdarson, der stellvertretend für König Håkon Håkonarson das Land regierte, zu besuchen. Snorri versprach dem Jarl für den Schutz der norwegischen Händler in Island zu sorgen, wurde königlicher Gefolgsmann und blieb zwei Jahre in Norwegen. Nach seiner Rückkehr übernahm er erneut das Amt des Gesetzessprechers.
Von 1237 bis 1239 hielt Snorri sich erneut in Norwegen auf. In dieser Zeit jedoch verwickelte Jarl Skùli sich in einen fatalen Machtkampf gegen seinen Schwiegervater König Håkon. Der König schlug diesen Aufstand nieder und ließ den Jarl 1240 in Bjørgvin (dem heutigen Bergen) töten.

Während Snorris Abwesenheit verschärften sich die kriegerischen Auseinandersetzungen im fragilen Machtgefüge der isländischen Clans und seiner Familie. Sein Neffe Sturla Thordarson unterlag 1238 in der entscheidenden Schlacht von Örlygsstaðir dem Goden und König Håkons Vertrauten Gissurr Thorvaldsson, der – obwohl einer Tochter Snorris verheiratet – ein erbitterter Gegner der Familie war.
Snorri, der von dem Niedergang der Sturlungar in jener Schlacht erfahren hatte und um seine Macht fürchtete, verließ trotz eines königlichen Ausreiseverbotes im Frühjahr 1239 Norwegen und kehrte nach Island zurück. König Håkon ging jedoch wegen dieser verbotenen Abreise davon aus, dass Snorri in dem Aufstand verwickelt gewesen sei und befahl Gissurr Thorvaldsson, Snorri entweder zur Rückkehr nach Norwegen zu bewegen oder ihn zu töten. Gissur sah mit diesem Befehl die Gelegenheit gekommen, das letzte Mitglied der einst so mächtigen Sturlungar aus dem Weg zu räumen, sammelte einige Männer um sich und tötete Snorri und einige seiner Söhne am 23. September 1241 daheim in Reykholt. Direkt nach der Tat übernahm der königstreue Thorgils Skardi die Position des mächtigsten Mannes Islands. Später ernannte König Håkon den gedungenen Mörder Gissurr zum neuen Jarl auf Island.
Eine Ironie der Geschichte – ausgerechnet ein norwegischer König war für den Tod des Mannes verantwortlich, der mit der Heimskringla die Geschichte der norwegischen Monarchie für die Nachwelt erhielt.

Weitaus bekannter ist das Vermächtnis des Skalden und Historikers Snorri Sturluson.
Zu seinen Werken gehören die Heimskringla, die Geschichte der norwegischen Könige, und die Snorra-Edda (auch Prosa-Edda genannt). Ebenfalls wird ihm die Egilssaga, eine der bekanntesten isländischen Sagas, zugeschrieben, was aber umstritten ist. Innerhalb der Geschichte des norwegischen Königshofes ist insbesondere die Geschichte von König Olaf dem Heiligen (Óláfs saga helga) hervorzuheben, die wie keine andere Snorris brillante Erzählkunst bezeugt. Snorri Sturluson unterscheidet sich in seiner realistischen und objektiven Behandlung des Quellenmaterials von anderen zeitgenössischen Historikern. Bewusst vermeidet er jegliche Übertreibung und Interpretation.

Das bekannteste Werk von Snorri Sturluson ist die Edda, die bedeutendste Quelle der nordischen Mythologie und heidnischer Bräuche. Sein Name wird schon in der ältesten Edda-Handschrift, dem Codex Upsaliensis, erwähnt, die kurz nach 1300, nur gut 50 Jahre nach seinem Tod, niedergeschrieben worden war. Das Werk ist in vier Kapitel unterteilt:

  • Prologus, Snorris Vorwort,
  • Gylfaginning, Gylfis Verblendung,
  • Skáldskaparmál, die Sprache der Dichtkunst,
  • und Háttatal, eine Sammlung altnordischer Versformen, die Snorri für den norwegischen König Hakon dichtete.

Aufbau und Stil entsprechen dem Zeitgeist jener Epoche. Getreu der zeitgenössischen Vorstellung von der göttlichen Abstammung der Könige entwirft er einen Stammbaum des Königshauses, der seinen Ursprung bei den Asen hat. Deutlicher als jeder andere Zeitgenosse zeichnet er ein Weltbild der heidnischen Ahnen. Snorris Begabung, lebendig zu erzählen, wissenschaftlich zu informieren und gleichzeitig unterhaltsam zu schreiben, kommt in der oft heiteren Beschreibung der nordischen Götterwelt besonders zur Geltung. Die Götter sind menschlich und nicht frei von Fehlern; trotzdem verlieren sie in Snorris Beschreibung niemals ihre Würde. Snorri schrieb seine Edda als ein Handbuch für angehende Skalden.

In Skáldskaparmál erläutert er die Skaldenkunst, die Verwendung mythischer Umschreibungen (kenningar) sowie Metaphorik.
Das Háttatal ist eine Sammlung von 102 skaldischen Preisliedern, die Snorri für den norwegischen König Hakon gedichtet und kommentiert hat.
Im Dichter Snorri Sturluson vereinigen sich der Gelehrte, der in der europäischen Bildung und den Traditionen seiner Zeit bewandert ist, und der Volksdichter, der ein Gespür dafür hat, wie man unterhaltsame Geschichten schreibt. Seine Beschreibung der Götter ist für den Leser ein reines Vergnügen. Seine Werke basieren auf altnordischen Literaturtraditionen und stellen eine einzigartige Mischung aus Historie und Fiktion dar. Auch wenn Snorri seine Werke in Island verfasst hat, ist sein Blickwinkel immer international. Das Thema seiner Werke ist die gemeinsame geistige und kulturelle Tradition Skandinaviens und damit ein wichtiger Beitrag zum europäischen Kulturerbe. Die Snorra-Edda erschließt uns in einzigartiger Weise Weltbild und Leben der Wikinger.

Autor: Germanenherz

Ich bin kein Christ "in dem heutigen Sinne", kein Zionist, kein Moslem oder sonst was. Ich bin auch kein Weißer, Grüner, Brauner oder Schwarzer. Kein Linker, kein Rechter und kein Befürworter einer erfundenen Richtung. Jeder soll als Person respektiert und keiner vergöttert Sein. Ich bin nicht auf dieser Erde, um zu sein, wie andere mich gerne hätten.

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