Germanenherz

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Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt, verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit, seine Kultur und sich selbst. Wir sind und werden gezwungen, unseren eigenen speziellen Charakter und unseren Lebensstil zu verbergen und zu Verachten, um nicht als Nazi oder Antisemit verspottet und ausgegrenzt zu werden. Kein größerer Schaden kann einer Nation zugefügt werden, als wenn man ihr den Nationalcharakter, die Eigenheiten ihres Geistes und ihre Sprache nimmt. Wenn eine fremde Macht ein Volk ermahnt, die eigene Nationalität zu vergessen, so ist das kein Ausfluss von Internationalismus, sondern dient nur dem Zweck, die jüdische Fremdherrschaft zu verewigen.

Wir Deutschen haben uns für unsere Vergangenheit und unsere Ahnen nicht zu schämen, ganz im Gegenteil, wir müssen sie unbedingt neu entdecken. Es ist unsere Pflicht uns mit der Germanistik auseinanderzusetzen. Wir Deutschen haben eine wahre Kultur. Wir Deutschen gehören zu dem Ursprung einer westlich zivilisierten und autarken Welt ohne das wir eine kulturelle Identität künstlich erzeugen müssen indem wir andere Kulturen vernichten! Wir sind mehr als das was uns seit Dekaden eingeredet wird, wir haben eine Geschichte die es wert ist sich zu entwickeln, denn unsere Vorfahren haben ihr Leben gegeben damit wir heute in Freiheit leben sollten.

In  Wahrheit baute  die germanische Weltanschauung auf die Gleichstellung von Menschen und dem Respekt gegenüber der Natur.  Gewalt, Naturzerstörung, egoistischer Intellekt waren verpönt, der Sinn für das Gemeinwohl (Natur inkl. Mensch) war vordergründig. Nichts wurde getan, ohne die Ahnen und die beseelte Natur zu fragen. Das alte Wissen war allen zugänglich und wurde nicht von elitären Herrenmenschen für ihre eigenen Zwecke missbraucht und der Masse vorenthalten worden!

Das alles ist ein wesentlicher Teil der deutschen Historie, welche jedoch immer mehr in das Vergessen gedrängt wird. Wir sind inmitten eines kulturellen Bewusstseins der Selbstaufgabe und des ewigen Schuldkult, ohne sich auf das zu besinnen was wir sind und andere Völker als selbstverständlich erachten. Den Deutschen hat man die Geschichte abtrainiert. Bei den einen reicht das Gedächtnis nur bis zur letzten Fußball-WM, bei den anderen nur auf 1933.1945. Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern will, wird dazu genötigt, sie im weniger Positiven bzw. die negativen Eigenschaften zu wiederholen.

Wer sich aber mit den alten germanischen Mythen auseinandersetzt, wird schnell merken, dass uns die Judeachristen unsere fundamentalen Lebensgrundlagen und Lebensweisheiten gestohlen haben!. Die drei großen patriarchalen Religionen (Christentum, Islam, Judaismus) sind für rasendes Massenmorden, rücksichtslose Industrialisierung, Sklavenarbeit, Ungerechtigkeit, Plünderung der natürlichen Ressourcen verantwortlich! Sie haben uns den Zugang zu unseren Seelen geklaut, uns von ihren (Schulen, Banken, Medien) abhängig gemacht!
***Es ist an der Zeit, dass Odin zurückkommt***
.odin geist
Allvaters Anrufung
Der Du einst im Waldesrauschen
Deinem Volke Dich genaht,
Dass sein Herz in brunst’gem Lauschen
Sich entzündete zur Tat,

Der Du standest an Deutschlands Seite
Immerdar und allerorts,
Kraftverleiher warst im Streite,
Spender tiefen Weisheitsworts,

Wir, von Deinem Blut geboren,
Gott der Deutschen, nahen Dir,
Wir, in fremdem Volk verloren,
Dich, Allvater, rufen wir.

Hast es manches Mal gesehen,
Jenes Schauspiel voller Gram:
Sahst aus Deutschland Deutsche gehen,
Deren keiner wiederkam,

Die in Angst vor fremden Spöttern
Sich des Vaterlands geschämt,
Opfer brachten fremden Göttern,
Sich mit fremdem Putz verbrämt;

Hör’ uns rufen, hör’ uns schwören:
Wir sind treu, und wir sind Dein,
Unser Land soll uns gehören,
Uns’res Landes woll’n wir sein!

Sieh’, der Fremdling will’s verhindern,
Altes Recht, er schreibt es neu —
Vater, bleibe Deinen Kindern,
Gott der Deutschen, bleib’ uns treu!

Schüttle Deine heil’gen Locken,
Necke die allmächt’ge Hand,
Dass der Eindringling erschrocken
Weiche aus dem deutschen Land;

Dass er zagen lerne, zittern
Vor urew’ger Majestät,
Wenn in heil’gen Ungewittern
Deutsche Gottheit aufersteht;

Dass das Herz uns mutig werde,
Stark in neuer Zuversicht:
Vatergott und Vatererde
Raubt uns Macht der Menschen nicht!


Viking_Toto_Germanenherz
Vom Hohen Norden wird er kommen mit seinen Streitwagen, und seine Macht wird unbezwingbar sein. Eine Schar Aufrechter wird um Ihn sein, ihnen wird er das Licht geben, und sie werden der Welt leuchten, Und die Stunde des Lichtes wird heimkehren über die Erdenwelt.
Geduld ist das Vertrauen, dass alles kommt, wenn die Zeit dafür reif ist. Man sei sich der Gegenkräfte gewahr und schließe nicht die Augen vor ihnen. Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen. Zum Leben gehört auch der Mut zum Konflikt. Hindernisse sind dazu da, furchtlos, aber umsichtig überwunden zu werden. Man vertraue seinem Willen und seinem innerem Impuls. Man diene mit diesen Kräften der Schöpfung. Man tue, was zu tun ist. WENN DIE ZEIT REIF IST
toto_haas_lichtbringer*** Die Zeit ist nun reif ***
*** Mein Volk Erwache ***
Nur der Wache (Sehende) erkennt schnell die Lüge! Was keiner wagt, das sollt ihr wagen. Was keiner sagt, das sagt heraus. Was keiner denkt, das wagt zu denken. Was keiner anfängt, das führt aus. Wenn keiner ja sagt, sollt ihr’s sagen, wenn keiner nein sagt, sagt doch nein. Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben. Wenn alle mittun, steht allein. Wo alle loben, habt Bedenken, Wo alle spotten, spottet nicht. Wo alle geizen, wagt zu schenken. Wo alles dunkel ist, macht Licht. 

Es tobt die Schlacht zwischen der Rothschild-Kazaren-Mafia (RKM-Todesreligion) und der interkosmischen Vril-Religion

Der „Oberteufel“, der gegen alle lichten Kräfte kämpft

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Der größte Teil dieses Beitrags erschien bei: http://www.veteranstoday.com Von Dr. Preston James, Mike Harris und Oliver Konstantin
Endkampf: Vril gegen RKM
Endkampf: Vril gegen RKM

Bevor die Menschheit den Einfluss der Rothschild-Kazaren-Mafia [1] (RKM) eliminieren kann, muss ein Großteil unserer Mitmenschen die verborgene, unglaublich satanische Geschichte kennen, die hinter ihrem Wirken steht.

Wir müssen wissen, dass die RKM nach den Grundsätzen eines geheimen Todeskultes operiert, wie dem Babilonischen Talmud (Kabalismus, Satanismus, Sabbatismus, Frankismus usw.). Nur wenn wir um den finsteren Urglauben des RKM-Systems wissen, verstehen wir, warum die RKM sich dem Ziel der Verhöllisierung der Welt durch systematische Infiltration und Vernichtung jeder Nation auf der Erde verschrieben hat.

Was wir wissen ist, dass die RKM die Ausrottung von mehr als 90 Prozent der Menschheit zur Leitlinie ihres Programms erhoben hat. Mehr noch, die RKM hat diesen unheimlichen Todeskult mit einer Gravur in die sogenannten „Guide Stones“ (Leitlinien-Steine) im US-Bundesstaat Georgia verewigt. Niemand weiß, wer den Auftrag zur Errichtung der „Guide Stones“ gab, aber sie sind vorhanden und erklären, dass die Menschheit auf eine Anzahl von 500 Millionen reduziert werden soll. Insbesondere auf hebräisch steht in den Steinen eingraviert: „Haltet die Menschheit stets unter 500.000.000 im Einklang mit der Natur“. Die Menschenausrottung soll offenbar in erster Linie über die genmanipulierten landwirtschaftlichen Erzeugnisse erfolgen. Gerade in der BRD tobt sich dahingehend der jüdische Giftkonzern „Monsanto“ mit seinen landwirtschaftlichen Großanbaugebieten aus. Im Zuge der BRD-Verschuldung sollen beim EU-Zusammenbruch alle landwirtschaftlichen Anbauflächen auf deutschem Boden von der Lobby sozusagen „gepfändet“ und „Monsanto“ übereignet werden. Auch Todesbakterien werden gerade neu getestet wie die WELT vom 28.05.2015 berichtet: „US-Armee versendet versehentlich Anthrax-Proben. …. Die USA hatten den tödlichen Milzbrand-Erreger Bacillus anthracis in der Vergangenheit für ein Biowaffenprogramm verwendet.“

Die Menschheit muss wissen, dass die Rothschild-Kazarische-Mafia den größten parasitären Organismus darstellt, der jemals die Welt heimgesucht hat und das Lebensblut aus jedem seiner Wirtsnationen heraussaugt bis der Massentod der jeweiligen Einwohner erreicht wird.

Wenn dieser von der RKM eingeleitete Prozess unvermindert anhält, wird der Menschheits-Parasit jede Wirtsnation zerstören, die er befallen hat. Am Ende wird er die ganze Welt vernichten. [2]

Da sich die Wahrheit über die RKM durch das Internet und von Mund zu Mund über die Welt verbreitet, wird die Menschheit schon bald verstehen, dass ein großer, globaler Krieg gegen die RKM erklärt und geführt werden muss. Die Menschheit wird begreifen, dass die Rothschild-Kazarische-Mafia das Ziel verfolgt, jede Kultur, jede Nation und jede Gesellschaft zu befallen, um diese zu zerstören.

Da immer mehr Menschen von dem RKM-Übel erfahren, werden sich sogar unterschiedliche Kulturen und Nationen zusammenschließen, um nur ein einziges gemeinsames Ziel zu verfolgen: Die RKM-Infiltration auszumerzen, die fast jede Nation der Erde gekapert hat und kontrolliert.

Um dem Vernichtungsgriff, mit der die RKM-Führung die Welt umkrallt, zu sprengen, müssen wir der RKM den Kopf abschlagen, nämlich die RKM-Führung von ihrem elastischen, grenzenlosen Fiat-Falschgeld, von ihrem „funny money“ (Lustgeld), dem auf Schulden gegründeten Papier, trennen.

Wir wissen mit Sicherheit, dass wir, um dieses Ziel wirkungsvoll und schnellstmöglich erreichen zu können, den RKM-Kopf vom organisatorischen Rumpf abschlagen müssen, damit der endlos produzierte Zufluss von Betrugsgeld gestoppt wird. Das heißt, dass das verfassungswidrige System der „Federal Reserve“ (sogenannte US-Notenbank) eliminiert und ein neues Bankensystem vom amerikanischen Finanzministerium geschaffen werden muss. Und dieses Ziel kann erst dann erreicht werden, wenn die Amerikaner ihren Kongress wieder zurückerobert und all jene ausgetrieben haben, die sich der AIPAC und Israel verschrieben haben.

Jeder AIPAC-israelische Einfluss, der im Kongress das Volk verhökert, muss kalt gestoppt werden und alle Kongressmitglieder, die sich diesem Verrat angeschlossen haben, müssen abgewählt und dann wegen Spionage vor Gericht gestellt werden.

Die ehemalige Krongressabgeordnete Cynthia McKinney berichtete gegenüber verschiedenen Quellen, dass alle neu gewählten Kongressmitglieder im Rahmen ihrer AIPAC-Mitgliedschaft einen Treueeid auf Israel ablegen müssen. Wer sich weigert, dem wird ein mit allen Finanzmitteln ausgestatteter Gegner im Wahlkampf gegenübergestellt. McKinney weigerte sich, den Israel-Eid abzulegen und verlor die Wiederwahl.

Wenn wir, das Volk, den Kopf der RKM, also den endlosen, elastischen Geldzufluss, produziert in ihrem privaten „Federal Reserve System“, abschlagen können, dann wird es für das Bankstersystem unmöglich sein, den Menschen RKM-Schulden-Geldscheine zu menschenfeindlichen Zinsen zu verleihen und die Menschen mit betrügerischen Finanzwetten zu versklaven. Damit wird der RKM sofort die Machtbasis entzogen.

Sobald die vollkommen illegalen Steuern wie Mehrwertsteuer, Einkommensteuer abgeschafft und ein ehrliches Geldsystem des Volkes etabliert ist, steigt die Kaufkraft um etwa 40 Prozent an, da dieser Prozentsatz als Tribut vom Fiat-Lustgeld verlangt wird.

Machen wir uns nichts vor, kein geistig zurechnungsfähiger Mensch würde einem ausländischen Bankster für Falschgeld auch noch menschenrechtswidrige Zinsen bezahlen. Unser derzeitiges Geld wird durch keine realen Werte, sondern allein durch Taschenspielertricks geschaffen.

Sobald man versteht, dass alle Preise um etwa 40 Prozent wegen des RKM-Systems (Wucher) aufgebläht sind, obwohl dieses Geld uns gehört, wird sich bei den Menschen Wut einstellen. Wenn wir begreifen, dass wir allesamt vom RKM-System in den USA seit 1913 betrogen und finanziell ausgeraubt werden, wird sich massiver Widerstand formieren.

Um die RKM kalt zu erwischen, endgültig auszuschalten, müssen sich die Völker der Welt zu einem globalen Krieg gegen die RKM, gegen diesen mächtigsten Todeskult der Welt zusammenschließen. Die RKM ist die unheimlichste Organisation, die fast alle Nationen infiltriert hat und ihre Arme reichen in fast alle Regierungen der Welt. Viele Staatsführer sind gekauft, werden kompromittiert oder erpresst. Jene, die sich weigern der RKM zu dienen, werden auf geheimen Wegen ermordet. Dieser Todeskult, dieser antimenschliche Parasit, saugt uns das Leben aus unserem Dasein.

Wir wissen, das die RKM in 25 amerikanischen Städten und in jeder großen europäischen Hauptstadt gestohlene Atomwaffen stationiert hat (die Samson-Option), mit denen sie den Vasallenregierungen drohen. Mit dieser Drohung werden die Staatsführer unter Kontrolle gehalten, was oft auch die „Israelische nukleare Erpressung“ genannt wird.

Wir müssen verstehen, dass sich die RKM-Führungspersönlichkeiten von normalen Menschen unterscheiden.

RKM-Führungspersönlichkeiten wurden entweder ohne menschliche Seele geboren, oder sie haben ihre Seele im Laufe der Zeit verkauft. Normale Menschen, es sei denn, sie sind menschlich total verkommen, haben eine soziale Ader und ein Gewissen. Sie schämen sich, wenn sie anderen etwas Böses tun. Die RKM-Führer hingegen schämen sich niemals, wenn sie anderen Böses tun, vielmehr bereitet es ihnen Freude. Sie nutzen die Beschaffenheit des Normalmenschen aus, der sich für schlechte Taten schämt. Sie konzentrieren sich auf die Politik, um Scham bei jenen zu erzeugen, die sie unterdrücken und ausrauben. Sie haben es verstanden, das Volk mit Hollywood und ihren Massenmedien zum Begehen von Übeltaten abzurichten. Mit der Massenbeeinflussung durch ihre Massenmedien zerstören sie den Charakter und die moralische Stärke der Menschen, wodurch es ein Leichtes wird, zu kontrollieren und zu korrumpieren.

Somit findet man RKM-Führer unausweichlich damit beschäftigt, extreme Formen der Perversion und der Pornographie über die Menschheit zu bringen, was Normalmenschen Unbehagen bereiten würde. Diese Gruppe führt einen Kulturkrieg gegen die Amerikaner und gegen die Menschheit. Sie rauben den Menschen ihren Charakter und manipulieren sie derart, dass sie auch ihre Rechtschaffenheit verlieren.

Es ist offenkundig, dass die Vereinigten Staaten von Amerika 1913 von der RKM infiltriert wurden, als das verfassungswidrige „Federal Reserve System“ einen Brückenkopf in Amerika etablierte.

Sobald der Brückenkopf für die Geldproduktion und –Verteilung in Amerika 1913 eingerichtet war, ging die RKM mit aller Energie daran, jede einzelne amerikanische Institution zu infiltrieren und zu kapern. Eine Institution nach der anderen, manchmal mehrere gleichzeitig, wurden vereinnahmt.

Das rechtswidrige Gesetz (Federal Reserve Act) wurde 1913 verabschiedet, indem Mitglieder des US-Kongress‘ bestochen wurden, damit am Tag vor Heiligabend des Jahres 1913 abgestimmt werden konnte, wohl wissend, dass die Mehrheit der Kongressmitglieder bereits ihren Weihnachtsurlaub angetreten hatten und noch nicht einmal die nötige Anzahl von Abgeordneten für ein Quorum anwesend waren. Dieses kriminelle Gesetz wurde von einem kompromittierten Präsidenten, Woodrow Wilson, willfährig für die Bankster unterzeichnet.

Sobald die RKM ihre betrügerische Geldproduktion und Geldverteilung aufgenommen hatte, dieses weltgrößte Falschgeldsystem, begannen diese kriminellen Bankster fast jeden einzelnen Kongressabgeordneten und jeden Regierungsbeamten zu kaufen und zu bestechen. Auch das Justizsystem sowie die Militärführung wurden gekauft. Das wurde im Jahre 2015 erneut von dem amerikanischen Juden, Buchautor und Journalisten Thomas L. Friedman eindrucksvoll bestätigt. „Unsere jetzige Demokratie ist die beste Demokratie, die man kaufen kann.“ [3]

Während die RKM ihr elastisches Scheckbuch ihres Falschgeldes nutzte, um die amerikanische Politik zu kapern, ließen sie geldgierige Amerikaner wegen Wucher anklagen, aber nur deshalb, um diese Leute als Wucherkonkurrenz auszuschalten.

Natürlich hätte das Massenmedien-Kartell im Rahmen der Anti-Kartellgesetze schon lange aufgebrochen werden können, da aber der US-Kongress, die Regierung, das Justizministerium und die Gerichte sich sozusagen im Besitz der RKM befinden, ist das unmöglich geworden.

Durch die totale Kontrolle der Massenmedien setzte die RKM eine Propagandamaschine mit beispielloser Wucht gegen die Amerikaner ein, damit manipulierte sie die Gedanken der Menschen und setzt somit jede gewünschte Politik durch.

Die RKM schaffte es, die Fakten über ihren Beginn der Macht aus den öffentlichen Bibliotheken zu entfernen. Sie konnten nicht riskieren, dass herauskommen würde, dass sie mit ihrer Propaganda für die Vergewaltigungen, Folterungen, Massenmorden und Kriegen verantwortlich sind.

Die RKM hat es geschafft, dass der amerikanische Normalbürger keinen Zugang zu Informationen erhält, woher die RMK stammt und was ihr tödliches Programm ist. Die Masse darf nicht wissen, wie sie ausgeraubt, tyrannisiert und entwaffnet wird, um Amerika in ein großes GAZA II, also in das größte Freilicht-Gefängnis der Welt zu transformieren. Ein Gebiet, auf dem Amerikaner massengemordet werden können, wie die Palästinenser. Das geheime Ziel der RKM ist es, eine RKM-Apartheid gegen das Volk zu schaffen.

Was die RKM den Russen im Zuge der „Bolschewistischen Revolution“ zufügte, war weniger eine Revolution, als ein Akt der Folter, des Massenmordes und des Raubes des russischen Vermögens. Am besten eignen sich für die Taten die Begriffe „internationales Piratentum“ und „Parasitentum“. Mike Harris schilderte die Geschichte darüber sehr eindrucksvoll als einen rachedurstigen Massenmord, weil Russland die Kazarenführsten im Jahr 1200 aus Kazarien vertrieben hatte. Wir wissen heute, dass die RKM hinter den scheußlichen Massenvergewaltigungen und hinter dem Völkermord an den Armeniern 1915-1917 stand. Rache durch Ausrottung, egal wie lange es auch dauert, ist immer das Motiv Nummer eins für die RKM

Wir müssen wissen, dass die Hauptmotivation, von der die RKM getrieben wird, Hass [4] und Rache ist. Das wird am Beispiel des bolschewistischen Terrors von Folter, Massenvergewaltigungen und Massenmord an 22 Millionen unschuldigen Russen zwischen 1917 und 1920 sowie an den Massenmorden und Massenvergewaltigungen der von Ehrenburg aufgehetzten Sowjetsoldateska an den wehrlosen deutschen Frauen und Kindern 1945 verdeutlicht.

Aber nichts fürchtet die RKM mehr, als Vergeltung durch die Welt, sollte die Öffentlichkeit herausfinden, wer sie sind und was sie tun. Das ist der Grund, warum die RKM ihre Bestechung der Offiziellen, die Kompromittierungen, die Kinderschändungen geheim hält. Ihre schlimmen Taten schieben sie anderen in die Schuhe und agieren als Beschützer der von ihnen terrorisierten Massen.

Die Bevölkerungen haben keinen Zugang zu den kontrollierten Massenmedien, sondern sind darauf angewiesen, was sie von anderen oder über das Internet über den Todeskult erfahren. Bis noch vor kurzem galten die alternativen Medien als Sammelbecken von Verrückten oder Verschwörern, heute gelten sie schon in weiten Bereichen als die einzigen echten Wissensquellen. Das lässt hoffen. Heute, Dank des weltweiten Internets, Dank der Gutenberg Presse, kommt die Wahrheit weltweit zunehmend an die Öffentlichkeit.

Selbstverständlich läuten deshalb bei der RKM alle Alarmglocken. Sie geraten in Panik. Um diese Wahrheitsverbreitung zu stoppen, etablierte die RKM zahlreiche Lock-Webseiten. Sie versuchen, die ganze Leserschaft zu diesen Seiten herüberzuziehen. Aber um anzulocken, müssen sie einen begrenzten Faktenlauf gestatten. In der Hoffnung, mit 60 bis 80 Prozent Wahrheit die Leser einzufangen, werden die Gutgläubigen dann mit Lügen in eine andere Richtung gedrängt, weg von der Wahrheit.

Die Desinformationen durch RKM-Hilfswillige im Internet benutzen bekannte Wahrheiten, an die dann Lügen angeheftet werden, um die Richtung zu ändern. Aber neuerdings geht diese Taktik nicht mehr so richtig auf, da die Internetnutzer sehr aufmerksam geworden sind und die Wahrheitsstückchen von der Lüge unterscheiden können. Sie stellen die Verbindung zur Wahrheit meistens selbst her, ignorieren die kunstvoll verpackten Lügen. Die aufgeweckten Internetleser setzen das Puzzle von Wahrheit selbst zusammen, indem sie die falschen Bestandteile der Meldungen einfach unbeachtet lassen.

Da die Wahrheit überall in der Welt durchbricht, erschrecken die Führer der RKM vielfach bereits in sichtbarer Weise. Sobald die Verbrechen der RKM in Amerika in allen Einzelheiten erklärt wurden, so dass alles leicht verständlich wird, kann der Plan, offiziell den Krieg gegen diesen Feind Amerikas und der Menschheit zu erklären, formuliert werden. [5]

DIE RELIGION DES INTERKOSMOS

Die Heimsuchung der Erde und der Menschheit durch die RKM stützt sich auf die sogenannte jüdische Religion sowie auf die seit 180 vom hohen Rabbinat gekaufte Christenkirche Roms.

Sowohl die jüdische Religion wie auch die falsche Christenreligion des Vatikan nehmen für sich in Anspruch, „Universalreligionen“ zu sein. Keine von beiden, wie quasi alle anderen Religionen auch nicht, hat aber ein Anrecht auf einen solchen Anspruch. Selbst der Anspruch „Weltreligion“ – also eingegrenzt auf die Welt Erde – erscheint fragwürdig, zumal auch das Wort Weltreligion letztlich wieder Universalreligion bedeuten soll; denn dass es auch noch andere, womöglich bedeutendere Welten geben könnte als die irdische – im Diesseits und im Jenseits – befindet sich außerhalb des geistigen Horizonts der Verfechter jener „universellen Religionen“.

Die Anhänger der Thule- und Vril-Gesellschaften gewannen auf diesem Gebiet allerdings einen höheren Erkenntnisstand und eine weiterreichende Sicht als die üblichen Religionsvertreter. Die Religion von Thule, die Religion des Vril, steht auf einer unvergleichlich höheren Stufe als sämtliche sogenannte Weltreligionen mit all ihren Ansprüchen an Universalität; die Religion von Thule, die Religion des Vril, sprengt die Grenzen irdisch diesseitiger Enge.

Die alten Kulturvölker der Erde beanspruchten nicht, „universelle Religionen“ zu besitzen. Ihre Götter, richtiger: Schutzpatrone, waren Nationalgötter, gewissermaßen Schutzheilige für einen jeweils bestimmten Raum. Die meisten von Ihnen kannten außerdem eine über allem stehende Obergottheit, wie sie im germanischen ALLVATER (Alfadur) besonders klar in Erscheinung tritt. Kein Volk aber erhob Anspruch darauf, dass sein Nationalgott zugleich Universalgott sei, bis die Hebräer mit einer solchen Ideologie die Geschichte zu manipulieren versuchten. Aber natürlich ist auch der Judengott kein universeller Gott.

Das Universum ist größer als die Erde – und der Interkosmos ist größer als unser Universum. Umfassende religiöse Erkenntnis kann allein dort gedeihen, wo das Bewusstsein dieser größeren Maßstäbe zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Die heutzutage auf der Erde noch vorherrschenden sogenannten „Weltreligionen“ haben sich geistig um keinen Millimeter aus jener Zeit fortbewegt, als sie noch behaupteten, die Erde müsse sei eine Scheibe. Sie stecken tief in der Nichterkenntnis, eingemauert in die Kerker ihrer auf Irrtum und Fälschung beruhenden „heiligen“ Schriften. Die angeblich universellen Weltreligionen der Erde sind in Wahrheit so fern von Gotterkenntnis wie die Höhle des Neandertalers vom Frankfurter Messeturm. Es fehlt ihnen jeder Blick in die Weite, die Unbegrenztheit, die wahre Freiheit. Und im Wesentlichen ist irdische Religion zum Mittel weltlichen Zwecks geworden – womit sich, sinnbildlich gesprochen, das Neandertalertum in die Lebensformen der Gegenwart einmengt.

Aus begrenzten Räumen erwachsene Nationalreligionen in die Übernationalität erhoben, das musste zu Unheil führen, sollten doch nun Generalmaßstäbe für die ganze Welt angelegt werden, die tatsächlich aus einem begrenzten Kulturkreis kamen und also mit anderen Kulturkreisen unmöglich harmonieren konnten.

Die wahrhaft universelle Religion muss über jeder Enge stehen, die wahre Religion ist „interkosmisch“, sie steht über allen Dingen, sie lässt den einzelnen Völkern die ihnen jeweils gemäßen Gottheiten und Schutzpatrone – und schafft übergeordnete Glaubensgewissheit im überschauenden Großen, ohne Gleichmacherei im Einzelnen.

Denn die wahre Gottheit ist die Gottheit vieler Welten und Dimensionen, ihr Einheitsmaßstäbe unterstellen zu wollen, ist ganz einfach lächerlich. Alle Wesen sind ungleich, kein Mensch ist wie der andere, verschieden sind die Völker – und völlig unterscheiden sich die Rassen voneinander. Welche Absurdität, welche Anmaßung, beispielsweise dem Schwarzen in Afrika die Maßstäbe der christlichen Kirche aufdrängen zu wollen – oder auch die des Demokratismus. Jedes Volk hat seine eigenen Maßstäbe, und so lange man ihm diese belässt, lebt es in Einklang mit sich und der Natur. Als ob, wiederum zum Beispiel, die Schwarzen in Afrika, nicht ihre eigenen Religionen gehabt hätten, die ihnen und ihrer Lebensart gemäß waren! Erst das Aufpressen fremder Maßstäbe rief Elend und Hunger hervor

Alle Religionen und selbsternannten „Heilslehren“, die sich universell geben, bringen Unheil über die Menschen; insbesondere über jene Menschen, die nicht dem Ursprungskulturkreis der jeweiligen Religion oder Heilslehre (z.B. Marxismus, Demokratismus, Globalismus, Geldherrschaft) angehören.

Wer trägt also die Hauptschuld am Unglück der Völker der sogenannten Dritten Welt? – Wo liegen die Ursprünge dieses Unheils – außer im Kolonialismus, der wiederum durch universelle Ansprüche jedweder Art motiviert wurde?

Wäre es nach den angeblich so „bösen Rassisten“ der Thule-Gesellschaft gegangen, so lebten die Völker der Dritten Welt heute nicht in Armut und Elend, bedroht von millionenfachem Hungertod, sondern ihrer Art gemäß in ihrer ureigensten Kultur, in Unabhängigkeit und relativem Wohlstand. Denn ohne Vermischung und Infiltration fremder Maßstäbe wären die Völker der Dritten Welt niemals ins Elend geraten, nie hätten sich die naturverbundenen, hoch anständigen Völker vieler sogenannter Drittweltländer von selber ins Elend gestürzt, wäre ihnen nicht der „westliche Lebensstil“ aufgepfropft worden – der zu ihnen dort ebensowenig passte wie in jenen Ländern zu ihnen passte, in die man sie als Sklaven oder „Immigranten“ brachte. – Respekt vor der Unterschiedlichkeit, Achtung gegenüber der Verschiedenheit, Anerkennung der eigenen Art eines jeden Wesens: Das ist wahre Gotterkenntnis.

Die interkosmische Religion von Thule, die Religion des Vril, ist wahre Gotterkenntnis. Denn sie anerkennt die Verschiedenheit, sie weiß, dass es Wesen auf anderen Welten gibt, Wesen auf anderen Planeten in unserem Kosmos und Wesen in Welten des Jenseits, die alle ihre Eigenart besitzen und allein dann in Harmonie und Wohlbefinden leben können, wenn man sie jeweils in ihrer Mitwelt und unter sich belässt. Dieser „Rassismus“ ist in Wahrheit Gotterkenntnis, ist die einzige Grundlage des Wohlergehens für alle Wesen, die in Achtung vor einander sich selbst bewahren und jede Vermengung, die den Kern des Unheils darstellt, vermeidet. Wenn die Welt Erde vom Unheil der Universalität beanspruchenden Religionen und politischen Heilslehren befreit und von dem durch sie Hervorgerufenen genesen soll, so kann dies allein durch die Ideale des Vril und von Thule geschehen. Denn alle Menschen haben das gleiche Anrecht auf ein artgemäßes Dasein; und alle Völker und Rassen besitzen genug Fähigkeiten aufgrund ihrer eigenen Natur, um das Leben meistern zu können und keiner braucht einen fremden Vormund.

Die Religion des Vril, der Glaube von Thule, achtet einen jeden in seiner Art. Wer weiß, dass in den Fernen des Weltenalls womöglich Lebewesen von solcher Andersartigkeit sind, dass wir sie uns nicht einmal vorstellen können. Der erleuchtete Mensch begreift, dass es ein höheres Gesetz als jedes von Menschen in Verfassungen niedergeschriebenes Gesetz gibt, das lautet:

Alle Wesen sind ungleich, Vermischung ist widergöttlich und die Ursache allen Unheils.

Die „Religion des Interkosmos“, das „Vril von Thule“, (allumspannende Weisheit des Lebens), geboren aus dem Wissen um die Offenbarungen des „ILU“ in Verbindung mit der transmedialen Kommunikation, ist die Erfahrung, dass zwei 68 Lichtjahre voneinander entfernte Welten ein und dieselbe Grundmaßstäbe kennen. Es sind die Lehren, die aus dem überlegenen Wissen einer weit überlegenen Kultur gezogen werden konnten. Und es ist die Glaubensgewissheit aufgrund göttlicher Botschaften.

Die Religion des VRIL erkennt die höchste übergeordnete Gottheit, die allem und jedem gleichermaßen gilt und über allem steht. Und sie anerkennt die Verschiedenheit im Kleinen, wie sie das übergeordnete Große versteht.

Einen „universellen Erdengott“ gibt es nicht.

Atlantis, Edda und Bibel
Um die Weltläufe zu verstehen, muss man diese Bücher kennen!

Jedes Volk hat seine eigenen jenseitigen Bezugswesen – „Götter“ -, die auf das irdische Geschehen in begrenztem Ausmaß einwirken können. Es gibt einen Weltwidersacher, einen „Oberteufel“, der gegen alle lichten Kräfte kämpft und sich als Widersacher der Obergottheit versteht, welche jedoch unendlich hoch über ihm steht.

Das deutsche Volk, als Kernvolk des Germanentums, ist mit dem aldebaranischen Volk der Sumi-Er direkt verwandt. Deshalb ist dessen Gott-Schutzpatron auch für das deutsche Volk bedeutsam (in der Jesaias-Off. kommt dies bereits zum Ausdruck), nämlich durch die Begriffe Molok, Malok, Moloch. In der Edda: „Mörnir“)

Die Thule-Religion des VRIL ist aber vor allem eine Religion des Wissens um das wahre ewige Leben, um den Sinn des Erdendaseins und den Weg nach dem irdischen Sterben zu begreifen.

Die interkosmische Religion trägt diese Bezeichnung, weil sie über das diesseitige Erdenleben hinaus Gültigkeit hat, weil ihre Lehre und ihr Wissen weit über die Schwelle des Irdischen in das Jenseitige hinüberreicht.

Wir könnten wahrscheinlich ganz einfach sagen: VRIL ist die Religion der lichten Gottmenschen von Aldebaran, unserer Ur-Vorfahren – also unsere Religion, die Glaubensgewissheit der ewigen göttlichen Wahrheit.

Der Gott MALOK ist aller Wahrscheinlichkeit nach weitgehend identisch mit dem babylonischen MARDUK und dem germanischen ODIN, bzw. WOTAN. Der Widersacher unserer Gottheit, der Oberteufel, ist der Gott der RKM, genannt Jahwe. Von dem Verkünder des Lichts und der interkosmischen Religion, von Jesus selbst formuliert. Jesus sagte zu den Juden: „Ihr seid die Kinder des Teufels, der ein Lügner und Menschenmörder von Anbeginn war.“
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1) Chasaren (auch Khasaren, hebräisch Kuzarim)Das jüdische Königreich der Khasaren
2) Adolf Hitler schreibt in MEIN KAMPF: „Siegt der Jude mit Hilfe seines marxistischen Glaubensbekentnisses über die Völker dieser Welt, dann wird seine Krone der Totentanz der Menschheit sein, dann wird dieser Planet wieder wie einst vor Jahrmillionen menschenleer durch den Äther ziehen.“
3) Welt.de, 01.05.2015
4) „Juden verstehen zu hassen.“ (sagte Ariel Sharon, ex Premierminister Israels, Los Angeles Times, 02.02.2002, S. B3)
5) Im englischen Original-Artikel ist der Plan formuliert: http://www.veteranstoday.com/2015/05/08/proposed-declaration-of-war-against-the-rothschild-khazarian-mafia/
6) globalfire.tv
Zionistische Weltregierung ein Griff nach der Macht
Die Protokolle der Weisen von Zion:
Ashkenazis
Es war einmal ein Opfervolk
Die verborgene Weltdiktatur des Rothschild-Imperiums
Tödliches Wissen Das große Menschenmorden im Namen der Lüge
Israel / Palästina Analysen
Elite plante 1871 3 Weltkriege
Die Georgia Guidestones

Hier sind die Worte des jüdischen Philosophen Rabbi Marcus Eli Ravage, veröffentlicht im einem Artikel in The Century Magazine, Vol. 115, Januar 1928, Nr. 3:

“Wenn Ihr es wirklich ernst meint, wenn Ihr über jüdische Verschwörungen redet, darf ich dann eure Aufmerksamkeit auf eine lenken über die es sich zu reden lohnt? Warum Worte wegen der angeblichen Kontrolle eurer öffentlichen Meinung durch jüdische Finanziers, Zeitungsbesitzer und Filmmagnaten verschwenden, wenn Ihr uns statt dessen, mit gutem Recht, der bewiesenen Manipulation eurer gesamten Zivilisation durch das jüdische Evangelium anklagen könnt?Ihr habt noch nicht einmal angefangen, die wirkliche Tiefe unserer Schuld zu begreifen? Wir sind Eindringlinge. Wir sind Störer. Wir sind Zerrüttler. Wir haben eure natürliche Welt, eure Ideale, euer Schicksal genommen und zerstört. Wir waren nicht nur die Ursache des letzten Krieges sondern nahezu all eurer Kriege, nicht nur der Russischen sondern nahezu aller Eurer großen Revolutionen. Wir haben Zwist und Verwirrung und Frustration in euer persönliches und öffentliches Leben gebracht. Und wir tun das immer noch…”

Kampf der Kulturen – Kampf der Religionen

Rieger-Juergen
Vorsitzender der völkisch-neuheidnischen Artgemeinschaft. Jürgen Hans Paul Rieger 11. Mai 1946 gestorben wurde er am† 29. Oktober 2009

von Rechtsanwalt Jürgen Hans Paul Rieger

TEIL I

In Heft 4/3801 der „Nordischen Zeitung“ habe ich in dem Beitrag „Amerikas Kreuzzug in den Dritten Weltkrieg“ vor einem Krieg in Afghanistan gewarnt, und davor, daß dies zu einem weltweiten Religionskrieg zwischen Moslems und Christen führen könne. Ich habe ferner dargelegt, daß Osama bin Laden nur ein Vorwand ist, daß es tatsächlich um den Bau einer Ölpipeline durch Afghanistan geht, um Öl und Erdgas der kaukasischen Republiken direkt für die Amerikaner verfügbar zu machen. Mein Aufsatz wurde zwar geschrieben, als die ersten Luftangriffe schon gewesen waren. Die Empörung über zivile Opfer, besonders bei den Moslems, nahm aber noch zu, als Freudentänze und Geknalle bei einer Hochzeit dazu führten, daß die Amerikaner ein gesamtes Dorf nebst Hochzeitsgesellschaft auslöschten mit weit über 100 Toten.

Afghanistan beinhaltet mehrere Völker in seinen Grenzen, und die Amerikaner verbündeten sich mit den Stämmen der „Nordallianz“, die mit dem Mehrheitsvolk der Paschtunen bereits seit Jahrhunderten auf Kriegsfuß stehen. So konnten sie zwar Kabul einnehmen, haben dort aber dieselbe Stellung gehabt wie die Sowjets, die zwar die Hauptstadt beherrschten, das gesamte Land trotz Einsatz von 250 000 Soldaten bis auf einige feste Plätze aber nicht kontrollieren konnten. Afghanistan ist viel zu zerklüftet und unwegsam, als daß es durch eine Besatzungstruppe kontrolliert werden könnte; das hätten die Amerikaner schon vorher wissen können, haben es dann aber selbst erfahren. Mit anderen Worten: Selbst wenn die Pipeline fertig gebaut würde, würde sie jeden Tag an zehn Stellen durch Sprengstoffexplosionen unterbrochen werden, so daß kein Tropfen Erdöl zum Golf von Oman fließen würde. Nachdem die Amerikaner dies erkannt hatten, zogen sie sich aus Afghanistan zurück, ließen Verbündete die Kosten einer symbolischen Truppe von einigen tausend Mann (bei 20 Mio. Einwohnern) tragen, und erklärten – welch Wunder! –, daß sie die Suche nach Osama bin Laden offiziell einstellten; die Strafexpedition zum Fangen oder Ermorden (der amerikanische Präsident hatte ausdrücklich einen Auftrag gegeben, Osama bin Laden wenn nötig zu fangen oder zu töten – ohne Gerichtsverfahren), immerhin der Person, die die Amerikaner für den 11. September 2001 verantwortlich machen, wurde abgeblasen. Damit hätte eigentlich dem letzten nichtamerikanischen Politiker deutlich werden müssen, daß es beim Afghanistankrieg um andere Dinge als um die Bekämpfung des Terrors ging.

Gleichwohl fanden dann auch beim nächsten Krieg der USA diese willige Verbündete in Europa, nämlich in Blair (der offensichtlich britische Weltmachtsillusionen noch durch das „Mitsiegen“ mit den Amerikanern aufrechterhalten will), und im spanischen, italienischen und polnischen Regierungschef. Die von den Geheimdiensten – auch dem britischen – als absurd eingestufte Behauptung, Saddam Hussein habe das Al-Qaida Netzwerk von Osama bin Laden unterstützt, wurde von Bush und Blair wider besseren Wissens ihren Völkern vorerzählt, und es wurde so getan, als ob Saddam Hussein hinter den Anschlägen vom 11. September stünde (dies glauben 2/3 der amerikanischen Bevölkerung noch heute, entsprechend verdummt durch ihre zionistisch beeinflußten Massenmedien). Weiterhin wurde wider besseren Wissens behauptet, daß Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen habe oder jedenfalls unmittelbar vor der Fertigstellung habe; zu diesem Zwecke wurden Beweismittel gefälscht, die dann vom UNO-Chefinspekteur Blix sehr schnell als Fälschungen widerlegt werden konnten. Trotz dieser Tatsache wurde der Irak-Krieg geführt, und zwar als völkerrechtswidriger Krieg ohne Zustimmung der UNO, und auch hier ging es um Öl wie beim Afghanistan-Krieg: die USA wollten die irakischen Ölquellen in die Hand bekommen.

Die Bodentruppen setzten sich nicht zunächst in Richtung Bagdad in Marsch, sondern besetzten die Ölquellen, um diese vor einer Zerstörung zu schützen, und in den Nachrichtensendern waren dann anschließend Amerikaner zu sehen, die neue Arbeitsverträge mit den Arbeitern der Ölquellen abschlossen; mit anderen Worten: Die Ölquellen waren von den Amerikanern übernommen worden, obwohl sie dem irakischen Staat ebenso wie die Förderanlagen und Pipelines gehört hatten. Zum Schutz der Museen allerdings fühlten sich die Amerikaner nicht verpflichtet; die konnten ruhig geplündert werden. Auch hier zeigte sich aber dasselbe wie in Afghanistan: Es reicht nicht, ein Land zu besiegen; befrieden kann man es nur, wenn man es insgesamt gesehen beherrscht, und dies können die Amerikaner nicht. Ihre Stützpunkte sind wie Festungen ausgebaut, und sie vermeiden Konvois zwischen diesen Festungen, weil diese immer wieder von Irakern angegriffen werden. Hinzu kommt, daß die Amerikaner sich vor dem Krieg nicht klargemacht haben, was nach dem Krieg werden soll. Saddam Hussein ist Sunnit, und diese haben den Irak seit vielen Jahrhunderten beherrscht, obwohl er eine schiitische Mehrheit (65 %) hat.

Bei beiden muslimischen Richtungen handelt es sich um Gegner, wenn sie keine äußeren Feinde haben; sie stehen aber zusammen im Kampf gegen die Fremdherrschaft durch Vertreter einer anderen Religion. Drittes bedeutendes Bevölkerungselement im Irak sind die Kurden. Falls es demokratische Wahlen im Irak gibt, werden die Schiiten die Mehrheit haben und werden dann einen „Gottesstaat“ wie im Iran errichten. Dies wird von den Sunniten nicht hingenommen werden, und auch nicht von den Kurden, so daß dies zu einem Bürgerkrieg führen wird. Falls man den Irak aufteilt in drei verschiedene Staaten, ginge dies am problemlosesten hinsichtlich des kurdischen Siedlungsgebietes, was relativ geschlossen ist; die Türkei hat aber schon angekündigt, daß sie einen selbständigen kurdischen Staat nicht dulden würde, sondern dann in den Irak einmarschieren würde. Es droht dann da dasselbe Völkermorden, wie es die Türkei gegenüber den Armeniern im ersten Weltkrieg durchgeführt hat. Die Kurden werden sich aber die Unterdrückung nicht gefallen lassen, so wie schon jetzt die Kurden in der Türkei einen Freiheitskampf führen. Dadurch wird dann ein Kriegsschauplatz mehr auf der Welt eröffnet. Schiiten und Sunniten sind ferner in einer Reihe von Städten (beispielsweise Bagdad) miteinander verzahnt, so daß eine konfliktlose Trennung in verschiedene Herrschaftsgebiete auch Schwierigkeiten bereitet. Mit dem Sturz von Saddam fangen die Probleme also erst an. Ob die Amerikaner tatsächlich – was sie wollen – die Ölquellen ausbeuten können, ist deshalb mehr als zweifelhaft; bislang jedenfalls ist die Produktion noch niedriger als vor dem Krieg. Damit sie die Ölquellen weitgehend alleine, lediglich unter geringer Beteiligung der Briten, ausbeuten können, und nicht durch Gläubiger, die aus der Ölförderung Rückzahlung von Schulden verlangen können, gehindert werden, haben sie die Gläubigerstaaten des Irak aufgefordert, auf ihre Forderungen zu verzichten; die bundesdeutsche Regierung hat dazu schon ihre Bereitschaft erklärt.

Unabhängig von diesen finanziellen Folgen des Irakkrieges sind aber auch hier die religiösen Folgen viel bedeutsamer. Der Angriff auf den Irak erfolgte nicht nur zwecks Raub der irakischen Ölreserven, sondern auch, um die bereits vom Vater von Bush im ersten Irakkrieg beabsichtigte Schwächung des stärksten arabischen Staates neben Israel fortzuführen mit seiner totalen Entmachtung. Zwischenzeitlich ist durch eine Reihe von Veröffentlichungen deutlich geworden, daß schon vor dem 11. September 2001 eine Reihe von „Neokonservativen“ nicht nur einen zweiten Krieg gegen den Irak gefordert hatten, sondern ebenso Kriege gegen Syrien und den Iran. Der Begriff „Neokonservative“ wird von diesen Personen selbst verwendet, offensichtlich deswegen, um von ihren eigenen Bestrebungen abzulenken. Tatsächlich handelt es sich um jüdisch-zionistische Vordenker in den USA, wie Perle und Wolfowitz, die als Redakteure in maßgeblichen Zeitschriften sitzen, ferner im Außenministerium und im Kriegsministerium.

Sie wollen Amerika auf Kriegskurs bringen, und da die Konservativen in den USA durchaus nicht immer Beherrschung der Welt durch die USA als erstrebenswert angesehen haben, bezeichnen sie sich als „neokonservativ“, da ihr Ziel die imperialistische Ausdehnung der Herrschaft der USA über die ganze Welt, das heißt die Weltherrschaft der USA und der sie bestimmenden Kräfte, ist. Unter Clinton konnten sie sich nicht durchsetzen, so daß die von ihnen geforderten Kriege damals noch nicht geführt wurden; Bush jedoch ist christlicher Fundamentalist, betet jeden Morgen eine halbe Stunde, und ist natürlich mit dem Alten Testament vertraut, wonach der Gott der Bibel, der ja sowohl der Gott der Juden wie der Christen ist, den Juden als heiligem Volk nicht nur ganz Palästina, sondern auch große Teile Jordaniens, des Iraks und Syriens als Siedlungsgebiet versprochen hat. Deswegen unterstützen die USA nach wie vor mit Milliarden Dollar jedes Jahr Israel, obwohl diese Dollars dazu verwendet werden, israelische Siedlungen im vor fast vierzig Jahren besetzten Palästinenserland zu errichten; diese „ethnischen Säuberungen“ sowie die von der israelischen Regierung angeordneten Morde an Palästinensern und ihren Führern werden von den USA nicht verurteilt, Resolutionen der UNO dagegen regelmäßig durch das Veto der USA im Sicherheitsrat blockiert.

Die bekennenden Christen der USA ziehen sich damit nicht nur den Haß aller Araber zu, die über ihre Fernsehsender das tagtägliche Morden von Israelis gegen Araber sehen, sondern den Haß der Moslems der ganzen Welt. Da die USA eine überwältigende Militärmacht haben, ebenso das von ihnen unterstützte Israel, können sie nicht durch einen „normalen Krieg“ bekämpft werden. Die Araber greifen zu dem Mittel, was unterdrückte Völker schon immer verwendet haben: den Feind dort anzugreifen, wo er nicht geschützt ist, und wo mit möglichst geringen eigenen Verlusten eine höchstmögliche Zahl von Toten beim anderen erzielt werden kann. Als die afrikanischen Völker ihre Selbständigkeit haben wollten, sind die dazu gebildeten Organisationen vom Westen nicht als Terrororganisationen bezeichnet worden, sondern als Freiheitsbewegungen, sei es in Kenia, Rhodesien, Südafrika, Algerien oder Südwestafrika. Sie haben genau das getan, was nunmehr vom Westen als „Terrorismus“ verurteilt wird, nämlich weiße Zivilisten umgebracht. Der Weltkirchenrat und auch die westdeutschen Kirchen haben beispielsweise die Swapo unterstützt, die deutsche Farmerfamilien in dem früheren Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) ermordeten, und zwar mit Millionenbeträgen. Dabei ist es den Einwohnern in den früheren Kolonialgebieten unter weißer Herrschaft sehr viel besser gegangen, als es ihnen heute „befreit“ geht, oder als es den Palästinensern unter jüdischer Herrschaft heute geht. Die afrikanischen Terrororganisationen haben keinerlei Selbstmordattentate gemacht, weil sie nicht so verzweifelt in die Enge getrieben waren, wie dies heute die Palästinenser sind. Gleichwohl werden die palästinensischen Attentäter als Terroristen bezeichnet, nicht als Freiheitskämpfer. Warum? Weil hier natürlich das auserwählte Volk der Bibel betroffen ist, und alle Kirchen der Welt hier eine besondere Beziehung sehen; das Volk Gottes kann und darf man nicht kritisieren. Alles, was dieses Volk tut, ist durch Gott gerechtfertigt; die Palästinenser haben ihre Vertreibung, Ausbeutung, Entrechtung und Ermordung mithin hinzunehmen, da schon im Alten Testament ihnen dieses prophezeit worden sei.

Diese einseitige Sicht der Christen im Westen führt dazu, daß der primär gegen Israel und die Juden gerichtete Haß sich auf die jüdisch-christlich geführten USA mit ihrer Kreuzzugsmentalität überträgt, ferner weiter auf alle, die dem jüdisch-christlichen Weltherrschaftsstreben Vorschub leisten und dieses unterstützen. Die lautstarke Unterstützung des spanischen Ministerpräsidenten Aznar für den Irakkrieg und die Entsendung spanischer Truppen als Besatzungstruppen führte deshalb zu den Bombenanschlägen auf Züge in Spanien, und wenn Deutschland in vergleichbarem Maße jüdisch-amerikanische Weltherrschaftsbestrebungen und Unterdrückungen von Arabern unterstützt, wird dies genauso zu Anschlägen in Deutschland führen.

Wir müssen uns nur immer darüber im Klaren sein, daß die Terroristen des einen die Freiheitskämpfer des anderen sind, daß es eine Verhinderung des Terrors nicht gibt, außer wenn die Wurzeln des Terrors beseitigt werden. Die Wurzeln des Terrors liegen nicht bei Al-Qaida, Hamas oder anderen Gruppierungen; selbst wenn sie vollständig ausgerottet würden, würden andere Organisationen nachwachsen. Der Terror entsteht wegen der zionistischen Unterdrückung, Vertreibung und Entrechtung der Palästinenser und anderer Araber, und wegen des amerikanischen Weltherrschaftsstrebens. Genauso, wie vom „deutschen Überfall auf Polen“ 1939 gesprochen wurde, obwohl vorher zahlreiche Volksdeutsche durch Polen ermordet, vertrieben und drangsaliert wurden, mithin die Vorgeschichte des deutsch-polnischen Krieges ausgeblendet wurde, wird heute die Vorgeschichte der Attentate, sei es in Israel, sei es in den USA oder Spanien, ausgeblendet.

Wenn die USA nicht jeden Mord und jede Gewalttat Israels gedeckt hätten, wozu Israel nur deswegen in der Lage war, weil es von den USA jährlich Milliarden-Subventionen und Militärhilfe im allergrößten Umfang erhält, wäre es nicht zum 11. September gekommen. Die Amerikaner blenden dies oftmals aus (die Medien berichten natürlich nicht darüber), genauso wie sie nicht wissen, daß es nicht zu Pearl Harbour gekommen wäre, wenn Roosevelt nicht die japanischen Guthaben in den USA beschlagnahmt hätte, Rohstofflieferungen an Japan unterbunden hätten, Sanktionen und Blockaden sowie „Entschuldigungen“ von der stolzen japanischen Nation verlangt hätte. Ereignisse dürfen nicht punktuell gesehen werden; sie müssen in ihrer Entwicklung und in ihrer Vorgeschichte gesehen werden. Dann allein kommt man zu einer objektiven Beurteilung. Wie verhaßt die US-Amerikaner inzwischen weltweit sind, ist daraus zu ersehen, daß auch die Schiiten im Irak, die ihren Einfluß letztlich der anglo-amerikanischen Invasion verdanken, den möglichst raschen Abzug der Amerikaner fordern. Hier wird schon ersichtlich, daß – unabhängig von primärpolitischen Fragen – der Einfluß von Nichtmuslimen nicht geduldet wird.

Wenn Bush – was er nach eigenem Bekunden so gut wie gar nicht tut – Bücher lesen würde, hätte er vor seinem Irakkrieg das Buch seines Landsmannes Samuel (trotz des Vornamens kein Jude) P. Huntington: „The Clash of Civilizations“, was 1996 herausgekommen ist, gelesen, der darlegt, daß die Kernmacht eines Kulturkreises tunlichst nicht im Zentrum anderer Kulturkreise eingreifen soll. Die deutsche Übersetzung ist unter dem Namen „Kampf der Kulturen“ erschienen. Aber wenn man das Buch liest, wird sehr deutlich, daß es letztlich nicht um Kampf der Kulturen geht, sondern um Kampf der Religionen; ausführlich wird beispielsweise der Jugoslawien-Konflikt behandelt: Serben und Kroaten haben dieselbe Kultur, auch eine sehr ähnliche Sprache; sie unterscheiden sich aber in ihrer Religion, die einen sind katholisch, die anderen orthodox, und deshalb hassen sie sich. Auch sonst laufen die Bruch- und Konfliktlinien oftmals an religiösen Grenzen: Huntington selbst erwähnt auf Seite 52 eine Mitteilung der Athener an die Spartaner, sie würden mit den Persern keine gemeinsame Sache machen, wobei sie als Grund „die Bluts- und Sprachgemeinschaft mit den anderen Hellenen, die Gemeinsamkeit der Heiligtümer, der Opferfeste und Lebensweise“ anführten. Huntington selbst fährt dann fort: „Blut, Sprache, Religion, Lebensweise waren das, was die Griechen gemeinsam hatten, und was sie von den Persern und anderen Nichtgriechen unterschied.

Von allen objektiven Elementen, die eine Kultur definieren, ist jedoch das wichtigste für gewöhnlich die Religion, wie die Athener betonten. In ganz hohem Maße identifiziert man die großen Kulturen der Menschheitsgeschichte mit den großen Religionen der Welt; und Menschen, die Ethnizität und Sprache miteinander teilen, sind fähig – so im Libanon, im früheren Jugoslawien und auch dem indischen Subkontinent –, einander abzuschlachten, weil sie an verschiedene Götter glauben“. Huntington scheute sich aber offensichtlich, noch Öl ins Feuer zu gießen, was durch einen Titel des Buches „Kampf der Religionen“ geschehen wäre; letztendlich läuft es aber darauf hinaus. Insgesamt muß sein Werk als für einen Amerikaner erstaunlich kenntnisreich und vorurteilsfrei bezeichnet werden.

Er zitiert zwar nicht den deutschen Professor Carl Schmitt, der als das Wesen des Politischen das Erkennen des Freund-Feind-Verhältnisses darstellt, aber zustimmend aus einem Roman über die Venezianer: „Ohne wahre Feinde keine wahren Freunde! Wenn wir nicht hassen, was wir nicht sind, können wir nicht lieben, was wir sind. Das sind die alten Wahrheiten, die wir heute, nach dem sentimentalen Gesülze von 100 Jahren, unter Schmerzen wieder entdecken. Wer diese Wahrheiten leugnet, der verleugnet seine Familie, sein Erbe, seine Kultur, sein Geburtsrecht, sein ganzes Ich!“ Seine zentralen Aussagen sind, daß die Modernisierung keine universale Kultur irgendeiner Art oder die Verwestlichung nichtwestlicher Gesellschaften erzeugen wird. Ferner wird das Machtgleichgewicht zwischen den Kulturkreisen sich verschieben; der Westen verliert an relativem Einfluß, asiatische Kulturen verstärken ihre wirtschaftliche, militärische und politische Macht, und der Islam erlebt eine Bevölkerungsexplosion, wobei die nichtwestlichen Kulturen selbstbewußt den Wert ihrer eigenen Grundsätze betonen. Gesellschaften, die durch „kulturelle Affinitäten“ verbunden seien, würden miteinander kooperieren; Bemühungen, eine Gesellschaft von einem Kulturkreis in einen anderen zu verschieben, seien erfolglos.

Die universalistischen Ansprüche des Westens würden ihn zunehmend in Konflikt mit anderen Kulturkreisen bringen, am schwerwiegendsten mit dem Islam und mit China. Bruchlinienkriege, im wesentlichen zwischen Muslimen und Nichtmuslimen, würden die Gefahr einer breiteren Eskalation und damit Bemühungen von Kernstaaten um Eindämmung und Unterbindung dieser Kriege bringen. Das Überleben des Westens hänge davon ab, daß die Amerikaner ihre westliche Identität bekräftigten und die Westler sich damit abfänden, daß ihre Kultur einzigartig, aber nicht universal sei, und sich einigten, diese Kultur vor der Herausforderung durch nichtwestliche Gesellschaften zu schützen. Ein weltweiter Kampf der Kulturen könne nur vermieden werden, wenn die Mächtigen dieser Welt eine Politik akzeptierten und aufrecht erhielten, die unterschiedliche kulturelle Wertvorstellungen berücksichtigten.
Was jedem, der das nationale Erwachen in Asien, Afrika, der Sowjetunion mit offenen Augen miterlebt hat, bewußt ist, was aber die EU-versessenen bundesrepublikanischen Politiker nicht wahrhaben wollen, ist seine Erkenntnis: „Nationalstaaten bleiben die Hauptakteure des Weltgeschehens.“ (S. 21).

Die Nachkriegszeit, die durch die Zweiteilung der Welt in Kommunismus und Antikommunismus bestimmt war, wobei die Staaten der dritten Welt von beiden Lagern umworben wurden, ist vorbei. Gesellschaften, die durch Ideologie oder historische Umstände geeint waren, aber kulturell vielfältig waren, fallen entweder auseinander, wie die Sowjetunion, Jugoslawien und Bosnien, oder sind starken Erschütterungen ausgesetzt, wie die Ukraine, Nigeria, der Sudan, Indien, Sri Lanka und viele andere. Soweit es zu Kriegen kommt, gibt es das Bemühen, diese zu begrenzen, so daß sich der Kampf der Stämme Ruandas nur auf Uganda, Zaire und Burundi auswirkte, aber nicht auf weitere afrikanische Staaten. Huntington setzt sich mit der These von Fukujama vom „Ende der Geschichte“ auseinander, wonach sich die westlich-liberale Demokratie als „definitive Regierungsform des Menschen“ überall durchsetzen werde. Diese Harmonieerwartung sei aber illusionär. Vom ersten Weltkrieg sei schon behauptet worden, daß dies „der Krieg zur Beendigung aller Kriege“ sei, und zum zweiten Weltkrieg sagte Franklin Roosevelt, daß hieraus eine „dauerhafte Struktur des Friedens“ hervorgehen würde. Unabhängig davon, ob die Behaupter dieser Phrasen daran selbst geglaubt haben, haben sich jedenfalls diese Voraussagen als völlig irrig erwiesen, wie die zahlreichen Kriege und Konflikte nach dem ersten und nach dem zweiten Weltkrieg gezeigt haben.

Die Kolonialkriege früherer Zeiten sind abgelöst worden von blutigen Kriegen der zwischenzeitlich in die Selbständigkeit entlassenen Völker. Huntington glaubt nicht an einen Krieg der armen Ländern gegen die reichen Länder, weil den armen Ländern der dritten Welt dazu die militärischen Voraussetzungen fehlten. Eine kulturelle Zweiteilung in „westlich – nichtwestlich“ sei abwegig, weil die japanische, chinesische, hinduistische, arabische und afrikanische Kultur wenig Verbindendes hätten, was Religion, Gesellschaftsstruktur, Institutionen, herrschende Werte betreffe. Huntington ist der Auffassung, daß Staaten mit ähnlicher Kultur und ähnlichen Institutionen ein gemeinsames Interesse sehen würden; allerdings berücksichtigt er dabei nicht (und kann es als Amerikaner vielleicht auch nicht), daß die USA in ihrem imperialistischen Weltherrschaftsstreben nicht darauf abstellen, wer ihre Verbündeten sind und wer nicht. Der pakistanische Diktator ist ein guter Freund, weil Pakistan die Al-Qaida bekämpft, der saudische König ebenfalls, obwohl es dort keine Demokratie gibt; andererseits ist die Bundesrepublik unter Schröder schon fast in die „Achse des Bösen“ eingereiht worden, da Bush erklärt hatte, wer nicht für ihn sei, sei gegen ihn. Daß nach dem Ende des „kalten Krieges“ die Zeit der Konflikte vorbei sei, widerlegt Huntington damit, daß 1993 auf der ganzen Welt schätzungsweise 48 „ethnische Kriege“ geführt wurden; auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion gab es 164 „territorial-ethnische Forderungen und Grenzkonflikte“, von denen 30 in irgendeiner Form bewaffnete Konflikte waren (S. 41).

Der Druck in Richtung Integration sei in der Welt vorhanden; genau dieser Druck sei es aber auch, der den Gegendruck der kulturellen Selbstbehauptung und des kulturellen Bewußtseins wecke. Hierzu mag eingeschoben werden eine Übersicht aus der „Wirtschaftswoche“ vom 16.01.2003, wo eine Umfrage aus verschiedenen Staaten abgedruckt ist, ob die Verbreitung amerikanischer Ideen und Gebräuche gut oder schlecht sei. Nachfolgend werden die Zahlen derjenigen, die das als „gut“ bzw. als „schlecht“ bezeichnen, wie folgt angegeben: Pakistan (2:81), Türkei (11:78), Mexiko (22:65), Indien (24:54), Frankreich (25:71), Deutschland (28:67), Südkorea (30:62), Großbritannien (39:50). Am meisten Zustimmung fanden erstaunlicherweise die amerikanischen Ideen und Gebräuche in Japan; nur dort gab es mit 49 % mehr Zustimmung als mit 45 % Ablehnung. Dadurch wird Huntingtons Ausführung dazu, daß durch Warenverkehr entgegen mancher Meinung kein Kultureinfluß ausgeübt werde, insbesondere nicht das Schätzen bestimmter kultureller Dinge, nachhaltig gestützt. Er legt dar, daß Hollywood auf dem Musikmarkt zwar dominiert, und 88 % der weltweit meistbesuchten Filme 1993 aus den USA kamen; zwei amerikanische und zwei europäische Nachrichtenagenturen beherrschten weltweit die Sammlung und Verbreitung von Nachrichten.

Gleichwohl habe dies nicht zu einem Abbau der Abneigung nichtwestlicher Gesellschaften gegen westliche Werte geführt. Der Westen habe auch in der Vergangenheit die Welt nicht durch die Überlegenheit seiner Ideen oder Werte oder seiner Religion erobert, sondern durch die Überlegenheit bei der Anwendung von organisierter Gewalt. „Oftmals vergessen Westler diese Tatsache; Nichtwestler vergessen sie niemals.“ (S. 68). Auch internationaler Handel habe Konflikte nicht vermindert; um 1910 habe es mehr Handel zwischen den Ländern gegeben als jemals davor oder danach, wobei der Handel insgesamt 33 % des globalen Sozialproduktes ausgemacht habe. Gleichwohl habe dies nicht den ersten Weltkrieg verhindert. Seit der französischen Revolution seien die Konfliktlinien hauptsächlich zwischen Nationen, nicht zwischen Fürsten (wie vorher) verlaufen. Das zwanzigste Jahrhundert habe einen tiefgreifenden Wandel gebracht. Die Weltkarte von 1990 habe wenig Ähnlichkeit mit der Weltkarte von 1920. Das Gewicht der militärischen und ökonomischen Macht habe sich gravierend verschoben. Der Westen habe politische Ideologien erzeugt (Liberalismus, Sozialismus, Anarchismus, Kooperatismus, Marxismus, Kommunismus, Sozialdemokratie, Konservatismus, Nationalismus, Faschismus, christliche Demokratie).

Keine andere Kultur habe eine bedeutsame politische Ideologie hervorgebracht, wohingegen der Westen andererseits „niemals eine große Religion hervorgebracht“ habe; die Religionen der westlichen Welt seien ausnahmslos in nichtwestlichen Kulturen entstanden und den meisten Fällen älter als die westliche Kultur (S. 71). Die Ideologien verfielen heute; sie hätten die Bedeutung der Religion im zwanzigsten Jahrhundert zunächst zurückgedrängt, seit den 60er Jahren sei die Bedeutung der Religion zu Lasten der Ideologien zunehmend gestiegen. Der Begriff „freie Welt“ sei schon in den 80er Jahren immer seltener verwendet worden. Spengler habe den Blick dafür geöffnet, daß die im Westen vorherrschende, kurzsichtige Auffassung der Geschichte mit ihrer säuberlichen Einteilung in Antike, Mittelalter und Neuzeit falsch sei, sondern jede Kultur ihre eigene Bedeutung, ihren Aufstieg und Abstieg habe, und keine Kultur eine bevorzugte Stellung in der Geschichte einnehmen könne. Auch Toynbee hat die „egozentrischen Illusionen“ des Westens gegeißelt, daß die Welt sich um ihn drehe, und daß der „Fortschritt“ unausweichlich sei. Jede Kultur sehe sich selbst als Mittelpunkt der Welt und schreibe ihre Geschichte als zentrales Drama der Menschheitsgeschichte. Realistisch sei aber, jede Kultur in ihrer Bedingtheit zu sehen.

Daß bestimmte Intellektuelle in anderen Kulturkreisen als den westlichen Ideen anhängen, sei nicht anders zu bewerten, als daß beispielsweise in früheren Jahrhunderten in der westlichen Welt in regelmäßigen Abständen Begeisterungen für verschiedene Aspekte der chinesischen oder hinduistischen Kultur aufgetreten seien (S. 79). Irgendwo im nahen Osten könne es sehr wohl ein paar junge Männer in Jeans geben, die Coca Cola trinken und Rap hören, aber zwischen Verbeugungen in Richtung Mekka eine Bombe basteln, um ein amerikanisches Flugzeug in die Luft zu jagen.

Er verweist auf die großen Unterschiede in der Geburtenrate. Der Anteil der Weltbevölkerung, die die großen westlichen Sprachen sprechen, sei in der letzten Hälfte des Jahrhunderts laufend gesunken. Doppelt so viele Menschen sprechen Mandarin wie Englisch (1992), das nur von 7,6 % der Weltbevölkerung gesprochen werde. Eine Sprache, die 92 % der Menschen fremd sei, könne nicht eine Weltsprache sein. Allerdings sei sie die Sprache, die Menschen verschiedener Sprachgruppen und Kulturen benutzten, um miteinander zu verkehren. Dies habe es auch in der Vergangenheit gegeben: Latein in der klassischen und mittelalterlichen Welt, französisch jahrhundertelang danach, womit zwar sprachliche und kulturelle Unterschiede überwunden würden; dies sei aber „nicht eine Methode, um sie zu beseitigen“ (S. 84).

Eine „lingua franca“ werde generell nur dann akzeptiert, wenn sie nicht einer bestimmten ethnischen Gruppe, Religion oder Ideologie zugeordnet werden könne (S. 85). Dazu ist dann die Anmerkung zu machen, daß der imperialistische Kurs der US-Regierung dazu führen wird, daß das Englische zunehmend als Sprache der Unterdrücker gesehen wird, so daß es an Bedeutung verlieren wird. Die meistverbreiteten Sprachen seien die Sprachen imperialer Staaten gewesen, die aktiv den Gebrauch ihrer Sprache durch andere Völker förderten. Verschiebungen in der Machtverteilung bewirkten Verschiebungen im Gebrauch der Sprachen. Wirtschaftliche Macht Japans hat Nichtjapaner zum Erlernen des Japanischen veranlaßt, und die wirtschaftliche Macht Chinas wird einen ähnlichen Zug beim Chinesischen bewirken.

Chinesisch habe das Englische als vorherrschende Sprache in Hongkong bereits verdrängt und sei angesichts der Rolle der Auslandschinesen in Südostasien die Sprache geworden, in der ein guter Teil der internationalen Geschäfte in der Region abgewickelt werde. In dem Maße, wie die Macht des Westens im Verhältnis zu der Macht anderer Kulturkreise schwinde, werde auch der Gebrauch des Englischen und anderer westlicher Sprachen in anderen Gesellschaften langsam zurückgehen. Wenn China „in ferner Zukunft“ den Westen als herrschende Kultur der Welt abgelöst habe, werde Englisch dem Mandarin als „lingua franca“ der Welt weichen. Nun, daß Chinas Aufstieg zur Weltmacht erst „in fernster Zukunft“ liege, glaube ich angesichts der jährlichen Zuwachsraten beim Bruttosozialprodukt von 8 % nicht. Richtig ist jedenfalls Huntingtons Bemerkung, daß zur Kolonialzeit die Gebildeten in den Kolonien sich vom „einfachen Volk“ durch den Gebrauch der Kolonialsprache abheben wollten, durch die Einführung demokratischer Institutionen und die stärkere Beteiligung von Menschen am politischen System bei diesen Völkern aber der Gebrauch westlicher Sprachen zurückgehen, und die einheimischen Sprachen zunehmend an Bedeutung gewinnen mußten. Auch in den meisten der früheren Sowjetrepubliken sind große Anstrengungen unternommen worden, die traditionelle Sprache zu neuem Leben zu erwecken. Estnisch, lettisch, litauisch, ukrainisch, georgisch und armenisch sind heute Amtssprachen unabhängiger Staaten. Aserbaidschan, Kirgisistan, Turkmenistan und Usbekistan sind von der kyrillischen Schrift ihrer früheren russischen Herren zur westlichen Schrift ihrer türkischen Verwandten übergegangen, während das persischsprachige Tadschikistan die arabische Schrift eingeführt hat (S. 89). Die Serben sind von der westlichen Schrift ihrer katholischen Feinde zur kyrillischen Schrift ihrer russischen Verwandten übergegangen. Kroaten reinigen ihre Sprache von türkischen und anderen Fremdwörtern, wohingegen in Bosnien gerade diese türkischen und arabischen Lehnwörter wieder groß in Mode gekommen sind.

Ebensowenig also, wie die einzelnen Nationalsprachen an Bedeutung verloren haben, sondern hingegen gewonnen haben, sind wir auf dem Wege zu einer Einheitsreligion. In den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts erzielten sowohl der Islam als auch das Christentum Zugewinne in Afrika. Muslime haben in hundert Jahren ihren Anteil von 1900 auf 2000 von 12,4 auf 19,2 % der Weltbevölkerung erhöht: „Auf lange Sicht gesehen wird jedoch Mohammed das Rennen machen. Das Christentum breitet sich in erster Linie durch Bekehrung aus, der Islam durch Bekehrung und Reproduktion. Der Anteil der Christen an der Weltbevölkerung erreichte in den 80er Jahren mit 30% seinen Höchststand, hielt dieses Niveau eine Zeit lang, geht heute zurück und wird wahrscheinlich um das Jahr 2025 bei 25 % der Weltbevölkerung liegen.“ (S. 92). Andererseits werden die Muslime wahrscheinlich spätestens im Jahr 2025 auf 30 % der Weltbevölkerung angestiegen sein. „In der modernen Welt ist Religion eine zentrale, vielleicht sogar die zentrale Kraft, welche die Menschen motiviert und mobilisiert. Es ist reine Überheblichkeit zu glauben, daß der Westen, nur weil der Sowjetkommunismus zusammengebrochen ist, die Welt für alle Zeiten erobert hat und daß Muslime, Chinesen, Inder und alle anderen nun nichts Eiligeres zu tun haben, als den westlichen Liberalismus als einzige Alternative zu übernehmen.“ (S. 93).

Der Westen würde von einem Konzept der universalen Kultur ausgehen, um seine Dominanz über andere Gesellschaften und die Notwendigkeit der Nachahmung westlicher Praktiken und Institutionen durch andere Gesellschaften zu rechtfertigen. „Die Nichtwestler betrachten als westlich, was der Westen als universal betrachtet. Was Westler als segensreiche globale Integration anpreisen, z. B. die Ausbreitung weltweiter Medien, brandmarken Nichtwestler als ruchlosen westlichen Imperialismus.“ (S. 93).

Kulturexport befriedet also nicht. Auch der Handel befriedet – entgegen gängiger Klischees – nicht. Handel kann sogar ein „stark polarisierender Faktor“ sein (S. 94). Hierzu ist anzumerken, daß England Deutschland zu Beginn des ersten im wesentlichen und zu Beginn des zweiten Weltkrieges nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen den Krieg erklärt hat, weil Deutschland als Handelsnation zu stark wurde und England von verschiedenen Märkten zu verdrängen drohte bzw. schon verdrängt hatte (1939 beispielsweise vom Balkan). Populär war die durch viele Zeitungen vor dem ersten Weltkrieg in England ausgedrückte Meinung, daß es jedem Engländer wirtschaftlich besser gehen würde, wenn Deutschland vernichtet werde. Das „Made in Germany“ hatte englische Waren in vielen Bereichen verdrängt, was England nicht hinzunehmen bereit war. In regelmäßigen Abständen wird auch immer wieder vom „Handelskrieg“ zwischen der Europäischen Union und den USA gesprochen, angefangen vom „Hähnchenkrieg“, weil die Amerikaner für freien Handel sind, wenn es ihnen nützt, und Schutzzölle einführen (beispielsweise bei Stahl), wenn dies in ihrem Interesse liegt. Zu wirklichen Kriegen weiten sich diese „Handelskriege“ deswegen nicht aus, weil die USA derzeit die einzige Weltmacht sind. Daß Handel aber zu einer friedlichen Welt führe, ist als Vorurteil dadurch erwiesen.
Auch daß sich Menschen zunehmend mehr auf Reisen, in ihren Berufen, durch Wanderbewegungen kennenlernen, fördert nicht ihr Einvernehmen – so Huntington. In einer zunehmend globalisierten Welt „verschärft sich das kulturelle, gesamtgesellschaftliche und ethnische Bewußtsein“. (S. 96). Durch die Einwanderung anderer Volksgruppen, insbesondere solcher religiös verschiedener Art, kommt es zu Feindseligkeit; die Franzosen beispielsweise haben auf die Einwanderung von muslimischen Nordafrikanern mit der Förderung der Einwanderung katholischer Polen reagiert.

Huntington versucht dann, den modernen Westen zu beschreiben, und kennzeichnet ihn erst einmal damit, daß er durch das „klassische Erbe“ (das antike Griechenland und Rom) beeinflußt sei. Das westliche Christentum sei das wichtigste Charakteristikum der westlichen Kultur: das „christliche Abendland“ sei durch „Katholizismus und Protestantismus“ geprägt. Dies ist eine gewisse Inkonsequenz, da er Rußland und die christlich-orthodox bestimmten Völker einem gesonderten Kulturkreis zuordnen will. Das derzeitige Bemühen um einen „interkonfessionellen Dialog“, die „Ökumene“ zwischen Katholiken und Protestanten, die besonders von Protestanten ausgeht, ist aber erst wenige Jahre alt; noch vor zwei Jahren wurde beispielsweise ein katholischer Priester gemaßregelt, weil er an einem ökumenischen Gottesdienst teilnahm, und bis zur Wahl John F. Kennedys war es in den USA undenkbar, daß ein Katholik Präsident wurde, da sie durch die „Wasp“ („White anglo saxon protestants“) beherrscht werden sollten. Der Konflikt in Nordirland zwischen Protestanten und Katholiken wirft immer noch blutige Spuren, und der Katholik Adenauer wollte lieber mit dem katholischen Frankreich zusammengehen, als mit dem „heidnischen Osten“, den Protestanten der DDR. Dementsprechend hat Kohl beispielsweise Hilfspäckchen in das katholische Polen portofrei gestellt und der polnischen Post sogar viele Millionen DM zwecks Beförderung dieser Hilfspakete erstattet, Päckchen in die DDR aber nicht portofrei gestellt. Der Unterschied zwischen Katholizismus und Protestantismus wird von Huntington also nicht hinreichend gewürdigt, und auch innerhalb des Protestantismus gibt es erhebliche Unterschiede, was ich noch zeigen werde. Es gibt kein einheitliches westliches Christentum.

Als weiterhin westlich bezeichnet er die „Trennung von geistlicher und weltlicher Macht“. Dies ist nur erklärlich aus seiner US-Geschichte. Im Mittelalter hat der Papst dahin gestrebt, die weltliche Macht zu beherrschen, und es hat viele Jahrhunderte gebraucht, um sich hiervon zu befreien. Richtig ist allerdings, daß es zwischen Kirche und Staat, geistlicher Autorität und weltlicher Autorität einen durchgängigen Dualismus in der westlichen Kultur gegeben hat. Er verweist darauf, daß nur in der hinduistischen Kultur Religion und Politik so klar getrennt gewesen seien; im Islam sei Gott der Kaiser, in China und Japan der Kaiser Gott gewesen. Beim orthodoxen Christentum sei Gott des Kaisers Juniorpartner gewesen. Die Trennung und die immer neuen Konflikte von Kirche und Staat, die für die westliche Kultur typisch gewesen seien, habe es in keiner anderen Kultur gegeben. Wenn Huntington aber schreibt: „Diese Teilung der Herrschaft hat unermeßlich viel zur Entwicklung der Freiheit im Westen beigetragen“, so muß dem widersprochen werden. Es hat „unermeßlich viel“ zur Ausrottung der besten Kräfte unserer Völker beigetragen; unsere Völker ständen ganz anders in der Welt da, wenn es nicht den ständigen Konflikt zwischen Kaiser und Papst im Mittelalter gegeben hätte, den verheerenden Dreißigjährigen Krieg, die Verbrennung von Hexen und Ketzern usw. Denn wir haben diese Konflikte deswegen gehabt, weil uns eine orientalische Religion aufgezwungen wurde; im Germanentum spielte die Religion im wesentlichen nur im häuslichen Bereich eine Rolle, nicht auf Stammes- oder Staatsebene. Der König vermittelte das Heil von den Göttern auf sein Volk. Es gab keine Konflikte zwischen ihm und den Goden, die sich nicht religiöse Allmacht anmaßten. Wenn sich die germanische Religion aus eigenen Wurzeln hätte weiterentwickeln können, hätte es keinerlei Auseinandersetzung zwischen geistlicher und weltlicher Macht gegeben, und die Freiheit war im heidnischen Germanien auch nie angetastet.

Zutreffend hat Huntington dann wieder die Rechtstaatlichkeit als kennzeichnend für den Westen genommen. Soweit er allerdings meint, daß dies von den Römern übernommen worden sei, ist dies unzutreffend; vor der Übernahme des römischen Rechts mit seinen verschiedenen – zum Teil spitzfindigen – Bestimmungen hat es germanische Volksrechte gegeben, die die Rechte der Einzelnen sicherten. Dort gab es sehr viel mehr Rechtstaatlichkeit, als im Mittelalter im christlichen Abendland. Im übrigen ist anzumerken, daß es selbstverständlich auch in China, im Islam – allerdings nicht in Afrika – verbindliche Rechtsvorstellungen gegeben hat.

Huntington findet weiter für die westliche Gesellschaft den „gesellschaftlichen Pluralismus“ kennzeichnend. Er erwähnt dazu die Klöster, Orden und Zünfte, Adel, Bauernschaft, Handwerker sowie Kaufleute und Händler. Es habe insoweit sehr viel mehr Pluralismus als in Rußland, China und in osmanischen Ländern gegeben. Allerdings ist hierzu anzumerken, daß im Hinduismus mit seinen zahlreichen Kasten noch eine viel größere Vielfalt schon vor vielen Jahrhunderten bestanden hat. Soweit er Repräsentativorgane als bezeichnend ansieht, wird dies durch eine Reihe geschichtlicher Epochen im Westen widerlegt.
Mehr Gewicht hat seine Aussage, daß der Individualismus für den Westen bedeutsam sei. Insbesondere die Germanen sind immer sehr freiheitsliebend gewesen und von daher die geborenen Individualisten. Er erwähnt allerdings auch, daß diese Charakteristika nicht immer anzutreffen gewesen seien.

Huntington zeigt dann anhand der Türkei und anderer Staaten, daß die Modernisierung zu einer vermehrten ökonomischen, militärischen und politischen Macht einerseits führt, andererseits zu einer Entfremdung und zu einer Identitätskrise. Über die vermehrte Macht und ebenso über eine Sehnsucht nach der kulturellen Eigenart komme es dann aber nahezu unvermeidlich zu einem kulturellen und religiösen Wiedererwachen. Bemerkenswerterweise finden sich unter den religiösen Fundamentalisten im Islam häufig naturwissenschaftlich ausgebildete Menschen, nicht etwa Personen, die sich in irgendeine Klause zum Koranstudium zurückgezogen hätten. Huntington betont: „Nichtwestliche Gesellschaften können sich modernisieren und haben sich modernisiert, ohne ihre eigene Kultur aufzugeben und pauschal westliche Werte, Institutionen und Praktiken zu übernehmen.“ (S. 113). Die Welt sei „insgesamt dabei, moderner und weniger westlich zu werden.“ (S. 114).

Er legt dann dar, daß zwar der Westen die Weltwirtschaft beherrsche und militärisch-technologisch weit überlegen sei, auch die Kapitalmärkte und Schiffahrtsstraßen beherrsche, aber daß die Macht des Westens sich – je länger, je mehr – verringern werde, und zwar aus verschiedenen Gründen. Einmal habe der Westen zunehmend mehr innere Probleme (geringes Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit, Staatsdefizite, niedrige Arbeitsmoral, Drogen, Kriminalität). Die Rassenspannungen durch Einwanderer erwähnt er nicht, müßten aber hinzugefügt werden. Er spricht lediglich von „sozialer Desintegration“ (S. 118).

Die Macht werde einerseits auf andere Mächte, z. B. Indien und China, übergehen, andererseits auf multinationale Unternehmen. Der Niedergang des Westens stecke noch in der ersten langsamen Phase, könne sich aber in irgendeinem Punkt dramatisch beschleunigen. Ab 1900 sei die europäische Komponente der westlichen Zivilisation niedergegangen, besonders auffällig mit der Auflösung der Kolonialreiche nach dem zweiten Weltkrieg. Im Jahr 1920 habe der Westen etwa 66 Mio. km2 oder etwa die Hälfte der Landoberfläche der Erde kontrolliert, wobei dies bis 1993 auf die Hälfte heruntergegangen sei. Das Territorium unabhängiger islamischer Gesellschaften sei in dieser Zeit von 4,7 Mio. km2 auf 28,5 Mio. km2 gestiegen. 1920 beherrschten die westlichen Staaten 48 % der Weltbevölkerung, wohingegen sie selbst 1993 nur 13% ausmachten, bis zum Jahre 2025 auf 10 % zurückgehen werden. Wie dramatisch sich die Verhältnisse wandeln, ist daraus zu ersehen, daß 1960 China 4% zum Weltbruttosozialprodukt beigetragen hat, die USA 37 %, wohingegen 30 Jahre später beide 24 % beitrugen. Nach Huntingtons Meinung ist spätestens 2050 die westliche Vorherrschaft durch China abgelöst (nach meiner Meinung schon in zwei Jahrzehnten). Schon im Jahre 2020 werden vier der fünf größten Volkswirtschaften der Erde in Asien liegen. Dieser rasche Erfolg wird von den Asiaten auch ihrer eigenen Kultur und deren Werte zugeschrieben: Ordnung, harte Arbeit, Gruppeninteresse vor Einzelinteresse, Familienzusammenhalt, Disziplin; die Gemeinschaft wird wichtiger als das Individuum gesehen.

Außerhalb Afrikas sei um 1990 praktisch die gesamte Altersgruppe mit Grundschulunterricht in der ganzen Welt versorgt worden. Während das Durchschnittsalter von Westlern, Japanern und Russen stetig steige, so daß die nicht mehr im Erwerbsleben stehenden Menschen zunehmend zu einer wirtschaftlichen Belastung werden, werden die anderen Kulturen durch riesige Zahlen von Kindern wirtschaftlich belastet: „Kinder aber sind künftige  Arbeiter und Soldaten“ (S. 126). 1928 erzeugte der Westen 84 % der Weltindustrieproduktion. 1992 gehörten bereits vier der sieben größten Volkswirtschaften der Welt zu nichtwestlichen Nationen (Japan, China, Rußland und Indien). Zwar habe die USA eine überwältigende militärische Macht; Kernwaffen und die Systeme zu ihrem Einsatz sowie chemische und biologische Waffen sind aber nach Huntington das Mittel, „wodurch Staaten, die den USA und dem Westen an konventioneller militärischer Stärke weit unterlegen sind, mit relativ geringen Kosten gleichziehen können.“

Aus diesem Grunde versuchten die USA mit allen Mitteln die Ausbreitung von Kernwaffen zu verhindern. Militärische Macht führe zu Selbstzweifeln bei den anderen und dazu, daß die Kultur der starken Macht attraktiv sei; dies habe die Anziehung der Sowjetunion in den ersten Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg ausgemacht. In dem Maße, wie die Macht des Westens schwindet, schwinde auch das Vermögen des Westens, anderen Zivilisationen westliche Vorstellungen von Menschenrechten, Liberalismus und Demokratie aufzuzwingen, und schwinde auch die Attraktivität dieser Werte für andere Zivilisationen. Menschen Ostasiens schreiben heute ihre wirtschaftliche Entwicklung nicht einem Import der westlichen Kultur zu, sondern vielmehr ihrem Festhalten an der eigenen. Der Islam erstarke; in Algerien hätte eine islamistische Partei 1992 die Macht übernommen, wenn es nicht einen Militärputsch (von den USA unterstützt) gegeben hätte. „Zunehmende Macht beschert zunehmendes kulturelles Selbstbewußtsein.“ Deswegen erstarkten auch wieder in vielen Bereichen die einheimischen Religionen. Im Westen erzogene Atheisten wurden, zurückgekehrt nach Pakistan, glühende Apostel des Islam. Der anglisierte Lee lernte Mandarin und wurde ein entschiedener Verfechter des Konfuzianismus. Der Christ Bandaranaike bekehrte sich zum Buddhismus und appellierte an den singhalesischen Nationalismus.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts habe die geistige Elite angenommen, daß wegen der Modernisierung die Religion verkümmern werde. Mitte der 70er Jahre kehrte sich aber die Tendenz zur Säkularisierung um. Christentum, Islam, Judentum, Hinduismus, Buddhismus und Orthodoxie erlebten alle einen neuen Aufschwung, fundamentalistische Bewegungen entstanden, und in manchen Ländern ist diese Entwicklung besonders auffällig. 1994 gaben 30% der Russen unter 25 Jahren an, sie seien vom Atheismus zum Glauben an Gott umgeschwenkt. Als erstes wurden in den verfallenen Städten die Kirchen nach dem Zusammenbruch des Kommunismus restauriert und prächtig ausgestattet. Ebenso gab es ein religiöses Erwachen in Zentralasien, wo es 1989 160 Moscheen gab, Anfang 1993 etwa 10000. Huntington meint, daß der stärkste Grund für den weltweiten Aufschwung der Religionen derjenige sei, der eigentlich den Tod der Religionen habe bewirken sollen: nämlich die soziale, wirtschaftliche und kulturelle Modernisierung.

Weil althergebrachte Identitätsquellen und Herrschaftssysteme zerborsten sind, die Menschen vom Land in die Stadt ziehen, ihren Kontakt zu den Wurzeln verlieren und neue Berufe ergreifen oder arbeitslos sind, mithin vielfach neuartigen Beziehungssystemen ausgesetzt sind, brauchen sie neue Formen einer stabilen Gemeinschaft und neue moralische Anhaltspunkte, die ihnen ein Gefühl von Sinn und Zweck vermitteln. Die Religion befriedigt diese Bedürfnisse. Die Religionen bieten auf die Frage: „Wer bin ich? Wohin gehöre ich?“ Antworten, und religiöse Gruppen bilden kleine soziale Gemeinschaften, die die früheren dörflichen Gemeinschaften – die bei der Verstädterung verloren gehen – ersetzen. Ob in Indien die Erstarkung des Hinduismus und des Islam (mit entsprechenden Konflikten zwischen beiden), ob das Erwachen des Islam – überall befriedigen religiöse Gruppen die sozialen Bedürfnisse, die die Staatsbürokratien vernachlässigt hatten. Durch die Umbrüche kommt es teilweise auch zu neuer religiösen Orientierung.

Als Korea ein reiner Agrarstaat war, waren die Menschen buddhistisch. Als es sich technisch stark entwickelte und verstädterte, die dörflichen Gemeinschaften zerschlagen wurden, bot das Christentum mit seiner Botschaft der persönlichen Erlösung einen Ausweg, so daß die Zahl der Christen von rund 2 % auf 30 % in der südkoreanischen Bevölkerung anstieg. Vergleichbar führte die Verstädterung und Technisierung in Südamerika zum Abwenden vom Katholizismus und Hinwenden zum Protestantismus. Beispielsweise gehen heute in Brasilien mehr Protestanten in die Kirchen als Katholiken, ganz anders als in der Bundesrepublik. (Allerdings wird bei diesen Dingen von Huntington nicht genügend beachtet, daß religiöse Neuorientierungen im Zusammenhang mit der Modernisierung genauso, wie er dies vorher bezüglich der kulturellen Werte geschrieben hat, zu einem Rückschlag führen kann, nachdem ein entsprechendes Selbstbewußtsein gewonnen worden ist, so daß dann die ursprünglichen Werte wiederentdeckt werden.) Was die religiöse Neuorientierung häufig fördert, sei es Fundamentalismus, sei es Übergang zu anderen Glaubensformen, ist oftmals die Tatsache, daß auch fundamentalistische Bewegungen geschickt moderne Massenkommunikationsmittel und Organisationstechniken zur Verbreitung ihrer Botschaft einsetzen.

In Mittelamerika hat beispielsweise die protestantische Fernseh-Missionierung großen Erfolg. Gerade die jüngsten Großstadtwanderer bedürfen in der Regel gefühlsmäßiger, sozialer und finanzieller Unterstützungen, die religiöse Gruppen mehr als alle anderen Gruppen bieten können. Hier sei Religion nicht Opium fürs Volk, sondern Vitamin für die Schwachen. Ferner findet sich bei Islamisten unter den Fundamentalisten die neue Mittelschicht, oft die erste Generation ihrer Familie, die eine Universität oder technische Hochschule besucht hat; bei den Muslimen sind die Jungen religiös, die Eltern säkular. Ähnlich ist es im Hinduismus. Gemeinsam ist ihnen die stolze Feststellung: „Wir werden modern sein, aber wir werden nicht wie Ihr sein.“
Hier ist einzuwerfen, daß auf die Probleme des Westens, die uns bedrohen (Überfremdung, Instabilisierung durch Arbeitslosigkeit, mehrere Berufswechsel im Laufe eines Lebens, Vergreisung der Gesellschaft) die hier traditionellen Religionen Protestantismus und Katholizismus auch keine Antwort haben, so daß nach etwas neuem gesucht wird. Das ist schließlich der Hintergrund des Erstarkens verschiedener Sekten und außereuropäischer Religionsformen hier bei uns. Letztlich ist dies aber auch die Chance, die wir als germanische Heiden haben, in dem im Untergang und Umbruch befindlichen Abendland erheblichen Zulauf für unsere germanisch-fundamentalistischen Vorstellungen zu gewinnen.

Während im asiatischen Bereich Selbstbewußtsein und Rückbesinnung auf die Religion besonders aus dem wirtschaftlichen und technologischen Wachstum gezogen werden, ergibt sich der Aufstieg des Islam besonders wegen des großen Geburtenüberschusses seit einigen Jahrzehnten. Junge Menschen sind weniger geneigt, sich bestehenden Verhältnissen anzupassen, als ältere; sie fordern und kämpfen. Besonders konfliktträchtig wird es nach Huntington dann, wenn die 15 bis 24-jährigen mehr als 20 % der Bevölkerung stellen. So ist es in vielen islamischen Staaten heute, und Huntington zufolge sollen 1995 Moslems an 26 von 50 Konflikten beteiligt gewesen sein. Die zunehmende Bedeutung des Islam wird auch daraus ersichtlich, daß beim ersten Krieg gegen den Irak die arabische Liga weit überwiegend zunächst auf amerikanischer Seite stand, dann die Regierungen auf Druck der Bevölkerungen aber umschwenkten, und der zweite Irakkrieg geschlossen sowohl von der Bevölkerung wie von den arabischen Regierungen verurteilt wurde. Alle islamischen Staaten (mit Ausnahme des Irans), auch die Türkei, sind in den letzten Jahren immer islamischer geworden. In China, und zwar sowohl in Taiwan wie in Festlandchina, auch in Singapur, findet eine Rückbesinnung auf die Werte des Konfuzianismus statt; ausländische Importe wie die westliche Demokratie oder der Marxismus – Leninismus werden zunehmend abgelehnt. Nur Japan hat den 1945 erlittenen Schock noch nicht überwunden.

Nachdem Huntington dargelegt hat, daß sich die Welt im Umbruch befindet, behandelt er die kommende Neugestaltung. „Was bei der Bewältigung einer Identitätskrise für die Menschen zählt, sind Blut und Überzeugung, Glaube und Familie. Menschen gesellen sich zu anderen, die dieselbe Herkunft, Religion und Sprache, dieselben Werte und Institutionen haben, und distanzieren sich von denen, die das nicht haben.“ (S. 194). Jemand kann sich mit seinem Clan, seiner ethnischen Gruppe, seiner Nationalität, seiner Religion, seiner Zivilisation identifizieren. Auf jeder dieser Ebenen kann man sich laut Huntington selbst nur in bezug auf ein „Anderes“, eine andere Person, Sippe, Rasse oder Zivilisation definieren. (S. 200). Immer in der Menschheitsgeschichte galt für das Verhalten gegenüber denen, die „wie wir“ sind, ein anderer Code als gegenüber den „Barbaren“, die es nicht sind. Gegenüber anderen gibt es Überlegenheitsgefühle, manchmal auch Minderwertigkeitsgefühle, Furcht und mangelndes Vertrauen, mangelnde Vertrautheit mit den Annahmen, Motivationen, sozialen Beziehungen und sozialen Praktiken anderer Menschen, und die Kommunikation mit ihnen ist erschwert. Konflikte sind allgegenwärtig. „Hassen ist menschlich. Die Menschen brauchen Feinde zu ihrer Selbstdefinition und Motivation: Konkurrenten in der Wirtschaft, Gegner in der Politik. Von Natur aus mißtrauen sie und fühlen sich bedroht von jenen, die anders sind und die Fähigkeit haben, ihnen zu schaden… In der zeitgenössischen Welt handelt es sich bei den „sie“ mit immer größerer Wahrscheinlichkeit um Menschen einer anderen Zivilisation. Das Ende des Kalten Krieges hat den Konflikt nicht beendet, sondern neue, kulturell verwurzelte Identitäten gestiftet und neue Muster des Konflikts zwischen Gruppen aus verschiedenen Kulturen entstehen lassen, die auf allgemeinster Ebene Zivilisationen sind.“ (S. 202).

Länder, die nicht zu ihrer eigenen kulturellen Vergangenheit stehen, bezeichnet Huntington als „zerrissene Länder“. Hierzu zählt er die Türkei, die durch Atatürk zwangsweise verwestlicht wurde, ebenso Rußland seit Peter dem Großen, wobei es seitdem die Auseinandersetzung zwischen den Westlern und den Slawophilen gibt, Mexiko und Australien. Seit den 90er Jahren versucht die Labour-Regierung Australien von einem westlichen Staat in einen asiatischen Staat umzuwandeln; asiatische Einwanderung wird gefördert, und die entsprechenden Beziehungen zu Asiaten sollen – allerdings mit vielem Mißtrauen von seiten der asiatischen Staaten – verstärkt werden. Die Australier sind hinsichtlich dieses Kurses gespalten, und Huntington erklärt, daß hier – ebenso wie bei den anderen zerrissenen Staaten – „das kurzsichtige Resultat einer Überbewertung wirtschaftlicher Faktoren“ vorliegt, „die die Kultur des Landes nicht erneuert, sondern ignoriert“ (S. 243). Er verweist darauf, daß Anfang des nächsten Jahrhunderts die Historiker diese Entscheidung als „einen bedeutsamen Schritt auf dem Weg in den „Untergang des Abendlandes“ erblicken“ werden. Durch diese Option werde aber nicht das westliche Erbe Australiens beseitigt, sondern es werde ein auf Dauer zerrissenes Land die Folge sein. Ergänzen können wir, daß dasselbe natürlich auch für die Schaffung „multikultureller Gesellschaften“ in Europa gilt.

Huntington betont: „Die Welt wird auf der Grundlage von Kulturkreisen geordnet werden, oder sie wird gar nicht geordnet werden“. (S. 247). In diesen Kulturkreisen nehmen „Kernstaaten“, das heißt die herausragenden Staaten eines solchen Kulturkreises, Ordnungsfunktionen ein, und können auf Länder ihres Kulturkreises friedenstiftend einwirken, weil sie von diesen anerkannt werden (nach ihm Rußland im christlich-orthodoxen Kulturkreis, China im asiatischen, USA im westlichen). Das Problem bei den islamischen Ländern ist, daß – anders als im Westen, wo der Nationalstaat die höchste Loyalität genießt – im Islam der Staat oder das Volk nicht die entscheidende Rolle spielt, sondern die Bindung an Allah, so daß es dort keinen Kernstaat gibt.

Welche Kulturkreise gibt es nun laut Huntington? Einmal den afrikanischen und den südamerikanischen, die nach Huntington beide in der Zukunft aber keine machtpolitische Rolle spielen werden, wobei Huntington die Gründe nicht näher erwähnt; hinsichtlich Afrika dürfte dies darauf zurückzuführen sein, daß wegen der intellektuellen Kapazität der Bevölkerung Schwarze nie irgendeine machtpolitische Rolle in der Geschichte haben spielen können, bei Südamerika, daß wegen der vielfach gemischten Bevölkerung sich das Interesse nur auf die eigene Familie bezieht, nicht auf Volk oder Staat, und deswegen Korruption, Vetternwirtschaft usw. jegliche Machtentfaltung verhindern.

Stärkste Bedeutung für die Zukunft wird China und der von ihm beherrschte oder beeinflußte asiatische Bereich haben. Hierzu gehören einmal die Staaten mit großen chinesischen Bevölkerungsanteilen in Asien, dann aber auch die kleineren umliegenden Staaten. In Asien hat Tradition, sich einem Stärkeren anzupassen, nicht in Konfrontationskurs zu gehen (wie es Großbritannien gegen das Aufsteigen Deutschlands zur Großmacht gemacht hat, und ebenso die USA; den gängigen Klischees hier bei uns, daß die Weltkriege zur Beseitigung des Kaisers oder des Nationalsozialismus geführt worden seien, wird von Huntington als zu abwegig nicht einmal diskutiert). Er erklärt nur kühl: „Mehr als zwei Jahrhunderte lang haben die USA den Versuch unternommen, das Entstehen einer dominierenden Macht in Europa zu verhindern. 100 Jahre lang, seit der Politik der „offenen Tür“ gegenüber China, haben sie das gleiche in Asien versucht. Zur Erreichung dieser Ziele haben die USA zwei Weltkriege und einen kalten Krieg gegen das kaiserliche Deutschland, Nazi-Deutschland, das kaiserliche Japan, die Sowjetunion und das kommunistische China geführt. Dieses amerikanische Interesse besteht fort und wurde von den Präsidenten Reagan und Bush bekräftigt.

Die Entwicklung Chinas zur dominierenden Regionalmacht in Ostasien stellt, wenn sie andauert, dieses zentralamerikanische Interesse in Frage. Die eigentliche Ursache des Konflikts zwischen Amerika und China ist die grundlegende Meinungsverschiedenheit darüber, wie das künftige Machtgleichgewicht in Ostasien aussehen soll.“ (S. 369). Zu ergänzen wäre hier nur, an die Adresse der „Gutmenschen“ in Deutschland, die ihre eigene moralische Einstellung bei den Angelsachsen für deren politisches Handeln unterstellen, daß Churchill vom zweiten Weltkrieg als dem „Dreißigjährigen Krieg“ gegen Deutschland sprach, der 1914 begonnen habe, und erklärte, auch wenn ein Jesuitenpater an der Spitze Deutschlands stünde, sei es sein Ziel, Deutschland zu vernichten, weil dies im britischen Interesse liege. Huntington zeichnet aus, daß er völlig von den „Hand aufs Herz – himmelwärts“ gerichteten Blicken der amerikanischen Präsidenten und ihrem Geschwafel von weltweiter Demokratie, weltweitem Frieden, weltweiten Menschenrechten absieht, und die Politik als das darstellt, was sie überall auf der Welt (mit Ausnahme Deutschlands) ist: Machtpolitik zur Durchsetzung der eigenen Interessen. Wenn jemand Huntington sagen würde, die USA seien 1941 in den Krieg eingetreten, um irgendein Land zu befreien oder die Demokratie irgendwo einzuführen, würde er vermutlich einen Lachkrampf bekommen. In unseren Schulen ist dies aber „Bildungsziel“.

Machtpolitischen Einfluß hat der hinduistische Kulturkreis Indien mit einer Milliarde Menschen. Mit China hat es insoweit Grenzkonflikte gegeben, und allein schon wegen der Größe der Menschen und der sich entwickelnden Wirtschaft gibt es hier eine Konkurrenzsituation. China hat deshalb das islamische Pakistan als Gegengewicht zu Indien immer unterstützt, und unterhält auch hervorragende Beziehungen zu den anderen islamischen Staaten der Region. Indien selbst hat aus seiner Gegnerschaft gegen Pakistan und China sich zu Zeiten, als die Sowjetunion und China sich im kalten Krieg befanden, immer Anlehnung an die Sowjetunion gesucht, ebenso an die USA, die China einzudämmen suchen. Im Völkerleben gilt: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund.“

Mit zwischenzeitlich 1,3 Milliarden Menschen stellt der Islam ein erhebliches Machtpotential dar, besonders deswegen, weil ein Großteil der Erdölreserven und Erdgasreserven der Welt in islamischen Ländern liegen. Arabisch als die heilige Sprache des Korans stellt in diesem Bereich – so sehr über die Welt verbreitet die islamischen Länder auch sind – die sprachliche Verbindung her. Die islamischen Länder stehen gegen Israel wegen Unterdrückung, Entrechtung und Ermordung von Palästinensern und gegen Christen, weil christliche Länder – insbesondere die USA – die Verfolgung der Muslime durch Israel finanziell und mit Waffen unterstützen, ferner wegen der schlechten Erfahrungen mit den Kreuzfahrern und der Unterdrückung arabischer Staaten zu Zeiten des britischen und französischen Kolonialreiches. Derzeit konzentriert sich der Haß der Muslime aber besonders auf Israel und die USA, weil die USA mit ihrem Veto im Sicherheitsrat jegliche Verurteilung Israels – gleichgültig, welche Taten von der israelischen Führung begangen werden – durch die UNO blockieren.

Während ich Huntington bei Darstellung der anderen Kulturkreise folgen kann, überzeugen mich seine Ausführungen zum westlichen Kulturkreis nicht.
Konsequent ist insoweit seine Auffassung, daß wegen des Erstarkens der Religionen das christlich-orthodoxe Rußland sich als Schutzmacht aller orthodoxen Länder versteht. Demzufolge hat Rußland immer Serbien unterstützt. Beim Zerfall Jugoslawiens und den nachfolgenden Auseinandersetzungen wurde dies deutlich. Ebenso – und auch da folge ich Huntington noch – hat sich das katholische Kroatien immer des besonderen Wohlwollens des Westens erfreut, insbesondere der katholisch beeinflußten Länder, und nicht zufällig hat die Bundesrepublik Deutschland unter dem katholischen Kanzler Kohl als erstes Land der Welt Kroatien als selbständigen Staat anerkannt. Beim Konflikt in Bosnien, wo die muslimischen Bosniaken von Serben und Kroaten verfolgt wurden, haben andererseits nicht nur die islamische Türkei Hilfe angeboten, sondern insbesondere finanzielle Hilfe auch so weit entfernte muslimische Länder wie Saudi-Arabien und Malaysia geleistet. Beim Krieg der NATO gegen Serbien wegen der Unterdrückung der Kosovo-Albaner hat das christlich-orthodoxe Griechenland – trotz NATO-Zugehörigkeit – dem orthodoxen Serbien Hilfe geleistet.

Huntington bezeichnete die Kriege beim Zerfall von Jugoslawien als die typischen „Bruchlinienkriege“, und zwar nicht nur zwischen zwei Kulturkreisen, sondern zwischen drei, wo die jeweiligen Kulturkreise Völkern am Rande ihres Kulturkreises Hilfe brachten – mit einer Ausnahme: den USA im Falle der Bosniaken. Der Grund dafür war, daß die USA Bosnien nicht zwischen Kroaten, Serben und Muslimen aufgeteilt sehen wollten, sondern diesen Staat als Beispiel für das Funktionieren von Multikultur erhalten sehen wollten, gegen den Willen der drei Volksgruppen, so daß sie deshalb die Muslime dort unterstützten, ferner mit Rücksicht auf ihr gutes Verhältnis zur Türkei, das sie als Macht zur Eindämmung der Russen sehen.

Die Türkei hat eine Bildungsoffensive bei den asiatischen muslimischen Turkvölkern gemacht. Allerdings ist die türkische Haltung nicht eindeutig, und zwar wegen der jahrhundertealten Gegnerschaft zu Rußland, weshalb die Türkei enge Verbindung zu den USA gesucht hat, und wegen des Kurden-Problems und einer eigenen Einflußnahme in dem Irak, um dort einen eigenständigen Kurdenstaat zu verhindern. Dies und der israelische Einfluß in den USA hat die Türkei dazu gebracht, eine intensive Zusammenarbeit mit Israel einzugehen. Ob dies aber auf Dauer halten wird, bleibt zweifelhaft; die türkische Regierung wollte sich am zweiten Irakkrieg beteiligen, was aber vom türkischen Parlament untersagt wurde, so daß die USA ihren Aufmarsch nicht über die Türkei vornehmen konnten. Daraufhin strich Amerika sofort erhebliche Hilfsgelder für die Türkei.

Während Huntington die orthodoxe christliche Richtung als Abgrenzungsmerkmal sieht, macht er dies inkonsequenterweise nicht für Protestantismus und Katholizismus, wobei hinsichtlich des Protestantismus noch verschiedene Richtungen unterschieden werden müßten. Für ihn sind das nichtorthodoxe christliche Europa und das christliche Nordamerika der westliche Kulturkreis.

Dabei wird zu wenig die Auseinandersetzung zwischen Protestanten und Katholiken (nicht nur im Dreißigjährigen Krieg und heute in Irland) gesehen. Das ganze deutsche Volk hatte sich zum Protestantismus bekannt und ist dann nur blutig in der Gegenreformation in der südlichen Hälfte zum Katholizismus zurückgezwungen worden. Daraus ergaben sich zahlreiche Konflikte, bis hin zu Bismarcks Bekämpfung durch das katholische Zentrum, Adenauers Verhinderung der Wiedervereinigung 1955. Von einer protestantisch-katholischen Ökumene sind wir nach wie vor weit entfernt.

Der Westen ist also keine Einheit; ein romanisch-katholischer Bereich ist nach meiner Meinung hier als eine Untergruppe zu sehen, wobei es Aufgabe einer deutschbewußten Politik sein muß, die Bedeutung des Katholizismus zurückzudrängen, damit die Katholiken hier nicht zu Agenten romanischer Länder werden. Auch der protestantische Bereich ist aber keine Einheit. Von den sonstigen Protestanten ist die puritanisch-kalvinistische Richtung zu unterscheiden. Sie ist der Auffassung, daß sich die Gnade Gottes für einen Menschen nicht erst im Jenseits zeige, sondern bereits im Diesseits, und zwar dadurch, daß er geschäftlichen Erfolg habe. Geschäftlicher Erfolg – mit welchen Mitteln auch immer errungen – zeigt also die Auserwähltheit durch Gott. Überhaupt spielt die Auserwähltheit eine große Rolle; viele Briten sind der Auffassung, sie seien der verlorene „13. Stamm Israels“, und auch viele Amerikaner sehen die USA als „Gods own country“. Diesem angelsächsischen egoistisch-persönlichen Geldverdienen-Protestantismus steht der deutsch-lutherische (und skandinavische) Protestantismus gegenüber, der maßgeblich durch den Begriff der Pflicht gegenüber der Gemeinschaft, dem Staat, geprägt ist und in Preußen zur höchsten Blüte gekommen ist. Auch aus rein sprachlichen Gründen, nicht nur wegen dieser religiösen Sonderprägung des Protestantismus, ist ein britisch-nordamerikanischer Kulturkreis (mit Ausnahme der kanadischen Provinz Quebec, wo die französisch sprechenden Kanadier nichts mit ihren angelsächsischen Landsleuten zu tun haben wollen) als eigenständiger Kulturkreis zu sehen.

Daß nicht der gesamte Westen als Einheit gesehen werden kann, ist schon daraus ersichtlich, daß die USA beispielsweise als „Kernstaat“ von Frankreich nie anerkannt worden sind, sich Frankreich hingegen als Kernstaat, d. h. vorherrschende Macht Westeuropas, gesehen hat, in neuerer Zeit (so bei der Neugestaltung und Erweiterung der EU, dem Widerstand gegen den zweiten Irakkrieg) im Schulterschluß mit Deutschland. Angesichts der zurecht von Bundeskanzler Schröder „abenteuerlich“ genannten Politik der USA, die ihren Willen letztlich allen Ländern aufzwingen wollen und dabei zuweilen massiv europäische Interessen verletzen, ist auch nicht anzunehmen, daß mit dem zunehmenden Erstarken Asiens und des Islam ein Zusammenrücken der westlichen Nationen erfolgen wird. Hinzu kommt, daß zumindest in Deutschland die aus machtpolitischen Gründen vollständige Prinzipienlosigkeit und Heuchelei der USA nicht nachvollziehbar sind. Huntington verweist auf den Schlagwortcharakter bei der Argumentation der Regierung: Demokratie weltweit halten die USA für gut, aber nicht, wenn es Fundamentalisten an die Macht bringt (z. B. in Algerien, Iran). Kernwaffenverbreitung muß verhindert werden, z. B. beim Irak und Iran (Libyen und Nordkorea) – das gilt aber nicht für Israel. Die Weltwirtschaft soll frei handeln können – aber nicht, wenn es die US-Landwirtschaft schädigt. Menschenrechte haben eine große Bedeutung – aber nicht, wenn es Verbündete der USA, z. B. Saudi-Arabien, die Türkei oder Pakistan, angeht.

Probleme ergeben sich auch daraus, daß (so Huntington S. 374) der Westen gegen aufstrebende Mächte immer gegengehalten hat; das gilt meines Erachtens aber nur für Großbritannien und die USA, nicht im selben Maße für andere westliche Mächte. Laut Huntington ergeben sich die größten Probleme der Zukunft aus der westlichen Arroganz, der islamischen Unduldsamkeit, dem chinesischen Auftrumpfen. Insbesondere durch den Zusammenbruch des Kommunismus sei die westliche Arroganz verstärkt worden. Dadurch habe man die eigenen Probleme weitgehend verdrängt, nämlich die Zunahme von Kriminalität, Drogen und Gewalt in den eigenen Ländern, den Zerfall der Familien, den Rückgang der Mitgliedschaft in Vereinen (was zunehmenden Zerfall deutlich mache), das Nachlassen der Arbeitsethik, das Abnehmen von Bildungsinteressen und das Absinken der akademischen Leistungen. Hinzu komme die Zuwanderung Fremder. In Westeuropa lebten ca. 15,5 Mio. Einwanderer, wobei die meisten aus anderen Kulturkreisen kamen. Huntington verweist darauf, daß 10 % der Geburten in Westeuropa von Muslimen gestellt werden, und Araber bereits 50 % der Geburten in Brüssel stellen (S. 319). In Kalifornien wird ein Viertel der Bevölkerung bereits von Mexikanern gestellt. Huntington übt scharfe Kritik an denjenigen, die ihr kulturelles Erbe verleugnen und die Identität ihres Landes von der einen Kultur zu einer anderen zu verschieben versuchen. „Bis heute haben sie damit in keinem einzigen Fall Erfolg gehabt, vielmehr haben sie schizophrene, zerrissene Länder geschaffen.

Die Multikulturalisten in Amerika verwerfen auf ähnliche Weise das kulturelle Erbe ihres Landes. Anstatt jedoch zu versuchen, die USA mit einer anderen Kultur zu identifizieren, möchten sie ein Land der vielen Kulturen schaffen, will sagen ein Land, daß zu keiner Kultur gehört und eines kulturellen Kerns ermangelt. Die Geschichte lehrt, daß ein so beschaffenes Land sich nicht lange als kohärente Gesellschaft halten kann.“ (S. 503). Dasselbe könnte natürlich auch unseren Politikern entgegengehalten werden. „Die Ablehnung des Credos und der westlichen Kultur bedeutet das Ende der Vereinigten Staaten von Amerika, wie wir sie gekannt haben. Sie bedeutet praktisch auch das Ende der westlichen Kultur. Wenn die USA entwestlicht werden, reduziert sich der Westen auf Europa und ein paar gering bevölkerte europäische Siedlungsgebiete in Übersee. Ohne die USA wird der Westen zu einem winzigen, weiter schrumpfenden Teil der Weltbevölkerung auf einer kleinen, unwichtigen Halbinsel am Rande der eurasischen Landmasse.“ (S. 504). (Hierzu ist aber anzumerken, daß das gegenwärtige Rußland nebst Weißrußland und Ukraine eine sehr viel europäischere und auch nordischere Bevölkerung hat als die USA). Er zitiert zustimmend den japanischen Philosophen Umehara, der erklärt hat: „Weit davon entfernt, als die Alternative zum Marxismus und als die herrschende Ideologie dieses Jahrhunderts dazustehen, wird der Liberalismus der nächste Dominostein sein, der fällt.“

Die USA mit ihrer aggressiven imperialistischen Politik führen durch ihr unkluges Verhalten noch eine Beschleunigung ihres Niedergangs herbei. Sie bringen nämlich die anderen Kulturkreise zusammen. Der libysche Staatspräsident Gaddafi hat im März 1994 erklärt: „Die neue Weltordnung bedeutet, daß Juden und Christen die Muslime kontrollieren, und wenn sie können, werden sie anschließend den Konfuzianismus und andere Religionen in Indien, China und Japan kontrollieren… Was die Christen und Juden heute sagen, ist: Wir waren entschlossen, den Kommunismus zu zerschlagen, und jetzt muß der Westen den Islam und den Konfuzianismus zerschlagen. Heute erleben wir hoffentlich eine Konfrontation zwischen China, das das konfuzianische Lager anführt, und Amerika, das das Lager der christlichen Kreuzfahrer anführt. Wir haben keinerlei Grund, nicht gegen die Kreuzfahrer eingestellt zu sein. Wir stehen auf der Seite des Konfuzianismus, und indem wir uns mit ihm verbünden und in einer einzigen internationalen Front an seiner Seite kämpfen, werden wir unseren gemeinsamen Gegner vernichten. Darum unterstützen wir als Muslime China in seinem Kampf gegen unseren gemeinsamen Feind. Wir wünschen China den Sieg…“ (S. 388 f).

TEIL II

Huntington hält weder die westliche oder amerikanische Lage für gesichert, noch ist er der Auffassung, daß der Niedergang unvermeidlich sei. Seine Forderung kann in dem Satz zusammengefaßt werden: „Im Kampf der Kulturen werden Europa und Amerika vereint marschieren müssen oder sie werden getrennt geschlagen.“ (S. 531).

Ich bin da anderer Ansicht, will meine Meinung aber erst darstellen, wenn ich zwei weitere Bücher besprochen habe, die gegensätzlicher nicht sein können. Das eine ist das Buch von Zbigniew Brzezinski, des polnisch-amerikanischen Sicherheitsberaters unter Präsident Carter: „Die einzige Weltmacht“ (1997). Das andere ist das Buch des französischen Autors Emmanuel Todd: „Weltmacht USA – ein Nachruf“, 2002 in Frankreich erschienen, 2003 in deutscher Übersetzung. Huntington hat das Buch von Brzezinski mit den Worten gelobt: „Das ist geostrategisches Denken in der großen Tradition Bismarcks“. Der langjährige deutsche Außenminister Genscher hat ein Vorwort dazu geschrieben. Gleichwohl sieht Brzezinski nach meiner Auffassung die Umstände, die die USA sehr schnell vom Rang einer Supermacht verstoßen werden, nicht hinreichend. Zutreffend erkennt Brzezinski, daß das europäische Zeitalter der Weltgeschichte während des zweiten Weltkriegs zu Ende ging, etwas, was Adolf Hitler vorausgesagt hatte, was die britische Führungsschicht aber nicht erkennen wollte, die mit der Kriegserklärung am 3. September 1939 an Deutschland ihr Weltreich verspielt hatte. (Der britische Premierminister Chamberlain zögerte denn auch, den Krieg zu erklären, und bekundete: „Amerika und das Weltjudentum haben England in den Krieg getrieben“).

Anschließend war jahrzehntelang die Welt durch den sowjetisch-amerikanischen Gegensatz beherrscht. Soweit allerdings Brzezinski schreibt, der sowjetische Einmarsch in Afghanistan habe „eine zweigleisige Reaktion“ der USA heraufbeschworen, nämlich direkte Unterstützung des afghanischen Widerstands vor Ort (Osama bin Laden wurde bekanntlich durch die USA dort mit Waffen versorgt), und eine Steigerung der amerikanischen Militärpräsenz im persischen Golf als Abschreckungsmaßnahme, ist dies nicht richtig; die Amerikaner hatten sich bereits vorher in Afghanistan festgesetzt und dort Einfluß genommen, weswegen die Russen – erst nach sehr großem Zögern – zur Stützung ihrer Position dort einmarschiert sind. Es ging dabei nämlich – ebenso wie bei dem Krieg der USA gegen Afghanistan – um die Kontrolle von Erdöl und Erdgas in der Region, wie auf S. 212 dadurch deutlich wird, daß „der Westen“ (sprich USA) in Aserbaidschan eine Summe von mehr als 13 Milliarden Dollar in die Erdöl- und Erdgasförderung investiert hatte, in Kasachstan weit über 20 Milliarden Dollar (Stand 1996). Ebenso unterstützen die USA die Tschetschenen, damit die Russen die Kontrolle über die Erdöl-Pipelines verlieren. Brzezinski erkennt, daß Weltreiche von Natur aus politisch instabil sind, weil die untergeordneten Einheiten fast immer nach größerer Autonomie streben (S. 25) und deshalb auseinanderfallen.

Weltreiche gründeten ihre Macht auf eine Hierarchie von Vasallenstaaten, tributpflichtigen Provinzen, Protektoraten und Kolonien. Erfrischend zu hören, (was die ständigen CDU-Freundschaftsbeteuerungen ad absurdum führt,) sein Satz auf Seite 92: „Tatsache ist schlicht und einfach, daß Westeuropa und zunehmend auch Mitteleuropa weitgehend ein amerikanisches Protektorat bleiben, dessen alliierte Staaten an Vasallen und Tributpflichtige von einst erinnern.“ Bemerkenswert ist die Karte auf Seite 42, woraus sich nicht nur die Überlegenheit der USA auf den Weltmeeren ergibt, sondern als „Einflußsphäre der USA“ nicht nur die Ukraine, sondern auch Georgien, Armenien, Aserbaidschan, Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisien gesehen werden, also Staaten der ehemaligen Sowjetunion, die von der Geschichte her ganz klar in die russische Einflußsphäre gehören.

Er behauptet, es sei ein Segen für die Welt, daß die USA den Ton angebe, weil ohne die Vorherrschaft der USA es auf der Welt mehr Gewalt und Unordnung und weniger Demokratie und wirtschaftliches Wachstum geben würde. Zum Glück für Amerika sei Eurasien zu groß, um eine politische Einheit zu bilden.
Nachdem Brzezinski dargelegt hat, daß nahezu 75 % der Weltbevölkerung in Eurasien leben, und in seinem Boden der größte Teil des natürlichen Reichtums der Welt stecke, erklärt er: „Eurasien ist mithin das Schachbrett, auf dem der Kampf um globale Vorherrschaft auch in Zukunft ausgetragen wird.“ (S.57).

Die USA versuchten, daß die rußlandbeherrschte mittlere Region immer stärker in den Einflußbereich des Westens gezogen werden könne, die südliche (islamische) Region nicht unter die Herrschaft eines einzigen Akteurs gerate. Wenn eine eventuelle Vereinigung der Länder in Fernost um China herum nicht die Vertreibung Amerikas von seinen Seebasen vor der ostasiatischen Küste nach sich ziehe, dürften die USA sich behaupten können. Wenn die Staaten im mittleren Raum dem Westen eine Abfuhr erteilen und sich zu einer politischen Einheit zusammenschließen, die Kontrolle über den Süden erlangten oder mit dem „östlichen Gegenspieler“ (d. h. China) ein Bündnis eingehen, schwinde Amerikas Vorrangstellung in Eurasien dramatisch. Die Größe und Vielfalt Eurasiens wie auch die Macht einiger seiner Staaten setzten dem amerikanischen Einfluß und dem Umfang der Kontrolle über den Gang der Dinge Grenzen. Deswegen verlange die Sachlage „geostrategisches Geschick“, will heißen: Ausspielen des Einen gegen den Anderen. Hier darf angemerkt werden, daß genau dies die USA tun. Sie fördern die islamischen Nachbarn der Sowjetunion massiv militärisch, um dadurch zwischen Rußland und den islamischen Staaten Feindschaft aufzubauen, ebenso wie in den in der russischen Einflußsphäre liegenden baltischen Länder sowie Rumänien und Bulgarien. Damit soll natürlich der gesamte Westen – die NATO-Staaten – in Front gegen Rußland gebracht werden, und Konflikte und Auseinandersetzungen dort sollen sofort auf das westeuropäisch-russische Verhältnis negativ durchschlagen.

Als problematisch bezeichnet Brzezinski, daß die Staatsform Demokratie einer „imperialen Mobilmachung abträglich“ sei, und zwar wegen der mangelnden Aufopferungsbereitschaft im Falle eines Krieges. Auch er ist wie Huntington der Auffassung: „Nationalstaaten werden auch weiterhin die Bausteine der Weltordnung sein.“ (S. 62). Da Amerika mit Rücksicht auf seine demokratische Struktur sich Zurückhaltung angedeihen lassen müsse, soll für sie eurasische Geostrategie den „taktisch klugen und entschlossenen Umgang mit geostrategisch dynamischen Staaten“ bedeuten. (S. 65). Die drei großen Imperative in imperialer Geostrategie lauteten: „Absprachen zwischen den Vasallen zu verhindern und ihre Abhängigkeit in Fragen der Sicherheit zu bewahren, die tributpflichtigen Staaten fügsam zu halten und zu schützen und dafür zu sorgen, daß die „Barbaren“-Völker sich nicht zusammenschließen.“ (S. 65 f). Nach Brzezinskis Meinung sind in Eurasien Hauptakteure Frankreich, Deutschland, Rußland, China und Indien, wogegen Großbritannien, Japan und Indonesien – obwohl ebenfalls sehr wichtige Länder – die Bedingungen dafür nicht erfüllten. Dreh- und Angelpunkte auf der eurasischen Drehschreibe seien die Ukraine, Aserbaidschan, Südkorea, die Türkei und der Iran. Frankreich wie Deutschland seien mächtig genug, um innerhalb eines größeren regionalen Wirkungsbereiches ihren Einfluß geltend zu machen. Beide fühlten sich auch dazu berufen, die europäischen Interessen in ihren Beziehungen mit Rußland zu vertreten. Großbritannien sei hingegen wegen seines „relativen Niedergangs“ nicht mehr in der Lage, wie früher die Rolle eines Schiedsrichters in Europa zu spielen. London habe sich weitgehend aus dem europäischen Spiel verabschiedet.

Es sei hingegen die wichtigste Stütze der USA, ein sehr loyaler Verbündeter, eine unerläßliche Militärbasis und ein enger Partner bei heiklen Geheimdienstaktivitäten. „Seine Freundschaft muß gepflegt werden, doch seine Politik fordert keine dauernde Aufmerksamkeit. Es ist ein aus dem aktiven Dienst ausgeschiedener geostrategischer Akteur, der sich auf seinem prächtigen Lorbeer ausruht und sich aus dem großen europäischen Abenteuer weitgehend heraushält, bei dem Frankreich und Deutschland die Fäden ziehen.“ Trotz seiner gegenwärtigen Schwäche bleibe Rußland ein geostrategischer Hauptakteur. Dies sei unstreitig auch China, das sich für den Mittelpunkt der Welt halte. Japan könnte enorme politische Macht ausüben, wolle dies aber trotz seiner wirtschaftlichen Stärke nicht. Dies liege sicherlich auch daran, daß viele asiatische Staaten nach dem zweiten Weltkrieg eine japanische Vorherrschaft fürchteten. Japan bedürfe besonderer Aufmerksamkeit durch die USA. Brzezinski erklärt, daß ohne die Ukraine Rußland kein eurasisches Reich mehr sei, und ebenso wie im Fall der Ukraine auch die Zukunft Aserbaidschans und Zentralasiens „für das Wohl und Wehe Rußlands bestimmend“ sei. (S. 74). Um so bemerkenswerter ist, daß er diese Länder in seiner Karte als amerikanische Einflußzone einzeichnet. Südkorea diene dazu, „ohne anmaßende Präsenz im Land selbst Japan abzuwehren und daran zu hindern, sich zu einer unabhängigen und größeren Militärmacht aufzuschwingen.“ (S. 76).

Von den USA sei zwar seit Kennedy „gebetsmühlenhaft gleichberechtigte Partnerschaft“ beschworen worden, die es aber tatsächlich kaum gegeben habe. Die Haltung gegenüber Iran und Irak „wurden von den USA nicht als eine strittige Angelegenheit zwischen gleichgestellten Partnern, sondern als ein Fall von Insubordination behandelt.“ (S. 79). Wegen Frankreichs Sonderwegen haben die USA eine deutsche Vorherrschaft in Europa (man muß ergänzen: bis Schröder) vorgezogen, weshalb die Franzosen als Gegengewicht eine Verbindung zu Engländern und Moskau aufzubauen suchten. Wenn ein wirkliches vereintes Europa entstanden sei, würde dies „unweigerlich die Vormachtstellung der USA innerhalb des Bündnisses schwächen“ (S. 80). Mit anderen Worten: Es kann nicht im amerikanischen Interesse sein, daß die Europäer enger zusammenarbeiten.

Brzezinski sieht, daß es sowohl im Gürtel der von der Sowjetunion unabhängig gewordenen Staaten Georgien bis Kirgistan zu Konflikten und Kriegen kommen kann, ebenso mit Rücksicht auf den arabisch-israelischen Konflikt im Nahen Osten. Diese Konflikte könnten durch Stärkung des islamischen Fundamentalismus einige prowestliche Regierungen im Nahen Osten unterminieren und schließlich amerikanische Interessen in der Region, besonders am Persischen Golf, gefährden. „Ohne politischen Zusammenhalt und ohne die Rückendeckung eines wirklich mächtigen islamischen Staates fehlt es dem islamischen Fundamentalismus an einem geopolitischen Kern, deshalb würde die von ihm ausgehende Kampfansage sich wahrscheinlich eher in diffuser Gewalt Bahn brechen.“ (S. 85).

Als geostrategisch „grundlegendes Problem“ wird Chinas Aufstieg zur Großmacht bezeichnet. Soll Amerika bereit sein, die Einbindung Chinas in die Weltpolitik zu akzeptieren? Welche Koalitionen könnten sich bilden, um die amerikanische Vormacht herauszufordern? „Das gefährlichste Szenario wäre möglicherweise eine große Koalition zwischen China, Rußland und vielleicht dem Iran, ein nicht durch Ideologie, sondern durch die tiefsitzende Unzufriedenheit aller Beteiligten geeintes antihegemoniales Bündnis. Ein solches Bündnis würde in Größenordnung und Reichweite an die Herausforderung erinnern, die einst von dem chinesisch-sowjetischen Block ausging, obgleich diesmal wahrscheinlich China die Führung übernehmen und Rußland sich dieser anschlösse.“ (S. 87). Eine noch folgenreichere Herausforderung könnte eine chinesisch-japanische Achse bedeuten; eine weitblickende amerikanische Politik in Fernost solle allerdings „sehr gut in der Lage sein, das Eintreten eines solchen Falles zu verhindern.“ (S. 87) Nicht völlig auszuschließen sei auch eine europäische Neuorientierung, die auch eine deutsch-russische Absprache oder eine französisch-russische Entente zur Folge hätte. Für beide gäbe es in der Geschichte eindeutige Präzedenzfälle, und zu einer von beiden könnte es kommen, wenn die europäische Einigung ins Stocken geriete und sich die Beziehungen zwischen Europa und Amerika ernsthaft verschlechtern sollten.

Europa wird von Brzezinski als Amerikas natürlicher Verbündeter bezeichnet, weil es dieselben Werte teile und im wesentlichen dasselbe religiöse Erbe habe; dazu habe ich oben schon Ausführungen gemacht. Es sei demokratischen Prinzipien verpflichtet und die ursprüngliche Heimat der großen Mehrzahl der Amerikaner. Eine erfolgreich verlaufene politische Vereinigung würde etwa 400 Mio. Menschen unter einem Dach zusammenschließen, weshalb ein solches Europa „zwangsläufig eine Weltmacht werden“ würde.
Dies ist sicherlich falsch; anders als die USA, die durch eine einheitliche Sprache geprägt werden, sind schon jetzt die Reibungsverluste so groß, und wird das EU-Europa durch zu viele wirtschaftlich arme Staaten belastet, so daß ein vereintes Europa zum Niedergang aller Staaten, Zugrunderichten der Wirtschaft der noch jetzt wirtschaftlich starken Staaten und nachfolgend deren politischen Machtlosigkeit führen wird.
Bezeichnend ist, daß Europa als „Amerikas unverzichtbarer geopolitischer Brückenkopf auf dem eurasischen Kontinent“ bezeichnet wird (S. 91). Dadurch werde der politische Einfluß und die politische Macht Amerikas „unmittelbar auf dem eurasischen Festland“ verankert.

Hinsichtlich Europa sagt Brzezinski: „Frankreich erhofft sich durch Europa seine Wiedergeburt, Deutschland seine Erlösung.“ (S. 94). Frankreich glaube, in Europa die Führung übernehmen zu können; noch 1995 gab es spontanen Beifall für die Worte des französischen Premierministers in der Nationalversammlung, daß Frankreich „seinen Ruf als Weltmacht behaupten kann und muß“. Er fährt fort: „Wenn jedoch Frankreich Europas Zukunft gestalten soll, muß es Deutschland mit einbeziehen, zugleich aber an die Kette legen, während es Washington seine politische Führungsrolle in europäischen Angelegenheiten Schritt für Schritt abzunehmen sucht.“ (S. 98). Deutschland hingegen kenne die wahren Grenzen französischer Macht; Frankreich sei wirtschaftlich viel schwächer als Deutschland, und sein Militärapparat nicht sehr leistungsfähig. „Frankreich ist nicht mehr und nicht weniger als eine europäische Macht mittleren Kalibers.“ Durch die Wiedervereinigung sei Deutschland „automatisch die unbestreitbar erste Macht in Westeuropa“ geworden und eine Weltmacht (Anmerkung: eine merkwürdige Interpretation!) „vor allem wegen seiner beträchtlichen Beitragszahlungen zur Unterstützung der wichtigsten internationalen Institutionen“. Hierzu wird darauf verwiesen, daß Deutschland am Gesamtbudget von der EU 28,5 % trägt, von der NATO 22,8 %, von der UNO 8,93 %. Die Weltbank und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung werden hauptsächlich von Deutschland finanziert. Deswegen sei Frankreich auch wieder in die NATO zurückgekommen. (Anmerkung: wie der erste Oberkommandierende der NATO erklärt hatte, ist ja das Ziel der NATO, die Amerikaner drinnen, die Russen draußen und die Deutschen unten zu halten.) Bemerkenswert ist die Ausführung im Buch, daß das wiedervereinigte Deutschland „gedrängt von den USA“ die Oder-Neiße-Linie als endgültige Grenze zu Polen anerkannt habe (S. 106). Bemerkenswert ist auch, daß Brzezinski den USA rät, die Bemühungen um die europäische Einigung zu unterstützen, weil sonst „Rußland oder Deutschland“ Anlässe fänden, ihrem geopolitischen Geltungsdrang freien Lauf zu lassen: „In solch einem Fall würde zumindest Deutschland vermutlich seine nationalen Interessen bestimmter und deutlicher geltend machen.“ (S. 112).

Wenn Deutschland – wie im gesamten Mittelalter –in Europa stärkste Ordnungsmacht sei, verlöre Europa seine Funktion als „eurasischer Brückenkopf für amerikanische Macht und als mögliches Sprungbrett für eine Ausdehnung des demokratischen Globalsystems in den eurasischen Kontinent hinein.“ (S. 113). Die Gefahr bestünde zwar, daß eine mächtige Europäische Union irgendwann einmal der politische Nebenbuhler der Vereinigten Staaten werden könne, und auf wirtschaftlich-technologischem Gebiet ein schwieriger Konkurrent. Aber: „Bei einer Stagnation der europäischen Einigung wird Deutschlands Selbstidentifikation mit Europa nahezu zwangsläufig schwinden und das deutsche Staatsinteresse folglich eine nationalere Handschrift tragen.“ (S. 114).

Mit anderen Worten: Deutschland soll in Europa eingebunden werden, damit es dort und anderswo sein Volksvermögen verschwendet und nicht auf die Idee kommt, seine nationalen Interessen zu vertreten. Auch Polen soll in die NATO aufgenommen werden, um zusammen mit Frankreich „die Führung Deutschlands in Europa etwas auszubalancieren“ (S. 118). Die USA müßten sich von Frankreich einiges gefallen lassen, weil Frankreich „ein maßgebender Partner bei der grundlegenden Aufgabe ist, ein demokratisches Deutschland auf Dauer fest in Europa einzubinden“ (S. 119).

Da Frankreich nicht stark genug sei, Amerika in den geostrategischen Grundlagen seiner Europapolitik zu behindern, könne man seine Eigenheiten und sogar Ausfälle tolerieren. Die beherrschende Position Deutschlands lasse sich zwar nicht bestreiten. Aber: „Ein von Berlin aus errichtetes und geführtes Europa ist schlechterdings undenkbar.“ (S. 120). Die Gestaltung Europas dürfe nicht den Einwänden Moskaus untergeordnet werden. Amerikas langjährige Rolle in Europa stünde auf dem Spiel. Deshalb sei die Erweiterung der NATO von entscheidender Bedeutung (Anmerkung: die zwischenzeitlich vollzogen ist). Die Ukraine solle in ein Sonderverhältnis zwischen Frankreich, Deutschland und Polen eingebunden werden. Es gehe darum, „zu einem Versailler Europa zu kommen“ (S. 129: Anmerkung: Das Versailler Diktat mit der Knechtung, Entrechtung und Ausplünderung Deutschlands, das zu 6 Mio. Arbeitslosen führte, ist uns noch in guter Erinnerung!)

Er legt dann dar, daß die Auflösung der Sowjetunion zu einer entscheidenden Schwächung Rußlands geführt hat, insbesondere hinsichtlich der Ukraine und der im Süden gelegenen Republiken, die nunmehr auch einen „Zustrom geschäftstüchtiger Ölinvestoren aus dem Westen“ (S. 138) erlebten. Für die Russen sei das Gespenst eines möglichen Konflikts mit den islamischen Staaten entlang der gesamten Südflanke Rußlands (die zusammen mit der Türkei, dem Iran und Pakistan mehr als 300 Mio. Menschen aufbieten) Anlaß zu ernster Besorgnis. In Asien drücke China auf Rußlands Grenzen. Vollständig verunsichert, setzte zunächst eine Führungsschicht um Jelzin auf ein amerikanisch-russisches Kondominat, weil die Amerikaner das Schlagwort von der vollentwickelten strategischen Partnerschaft zwischen Washington und Moskau in die Welt gesetzt hatten. Dazu sagt Brzezinski nur kühl: „Die Vorstellung von einer vollentwickelten strategischen Partnerschaft war ebenso schmeichelhaft wie irreführend. Amerika verspürte keinerlei Neigung, seine Weltmacht mit Rußland zu teilen, es wäre auch völlig unrealistisch gewesen…

Überdies gingen in einigen der für die Vereinigten Staaten aus nationalem Interesse zentralen geostrategischen Fragen – in Europa, dem Nahen Osten und in Fernost – die amerikanischen und russischen Bestrebungen keineswegs in die gleiche Richtung.“ (S. 148). In Rußland habe sich daraufhin immer mehr der Eindruck verstärkt, als sei diese Formel bewußt dazu bestimmt gewesen, Rußland hinters Licht zu führen, und hat – dies als meine Anmerkung – dazu geführt, daß die Vertreter dieser Richtung (gleichbedeutend mit Freihandel pp.) nicht einmal 5 % bei den letzten Duma-Wahlen erhalten haben. Verstärkt wurden diese Bedenken durch die NATO-Osterweiterung. Brzezinski verweist darauf, daß beim Militär und im Außenministerium manche an den Überzeugungen festgehalten hätten, „daß Amerika in Eurasien nichts zu suchen habe und die NATO-Erweiterung weitgehend auf den Wunsch der Amerikaner zurückgehe, ihre Einflußsphäre zu vergrößern.“ (Deswegen die Russen zu kritisieren – so meine Anmerkung – ist allerdings gerade von amerikanischer Seite aus absurd: Die Amerikaner haben die Monroe-Doktrin aufgestellt, wonach weder in Nord- noch in Südamerika irgendeine andere Macht außer den USA entscheidenden Einfluß haben dürfte. Für die russische Einflußzone und sogar für die Staaten, die auf früher sowjetischem Territorium gelegen haben, wird eine vergleichbare russische Einstellung von den USA aber angegriffen.) Spätestens 1994 zeigte sich eine zunehmende Tendenz der USA, den amerikanisch-ukrainischen Beziehungen höchste Priorität beizumessen, und es fanden sogar gemeinsame Militärübungen von ukrainischen und amerikanischen Truppen statt. Hinzu kommt, was selbst Brzezinski zugibt, daß in der Sowjetunion schließlich ein gemeinsamer Wirtschaftsraum bestanden hatte, der nach der Auflösung der Sowjetunion in viele Einzelstaaten weiterbestand.

Deswegen liegt natürlich in diesem Raum das russische Interesse. Da eine engere Zusammenarbeit in der GUS nicht vorankam, näherte sich Rußland China an, und unterstütze auch den Iran. Als Neuentwicklung ist hierzu nachzutragen, daß Putin dann unverhohlen im deutschen Bundestag die Deutschen aufgefordert hat, aus ihrer passiven und auf die Vergangenheit fixierte Büßerrolle herauszutreten, und eine eigenständige an nationalen Interessen orientierte Politik zu treiben. Leider ist diese Ermunterung ohne Antwort geblieben bis zum zweiten Irakkrieg, wo sich eine Achse – angestoßen von Deutschland, das sich als erstes Land gegen diesen Krieg aussprach – von Paris, Berlin, Moskau bis Peking bildete, mithin den gesamten eurasischen Kontinent umspannend. Als die Amerikaner nach dem erfolgreichen Test einer Raketenabwehr-Rakete einseitig den Vertrag, der ihnen und den Russen den Aufbau eines solchen Systems untersagte, für gekündigt erklärten (sie hatten heimlich immer weiter daran gearbeitet), wurde dieser Vertragsbruch nicht nur von Rußland, sondern auch von China schärfstes mißbilligt. Worum es bei der Schwächung Rußlands geht, kommt in Brzezinskis Buch in Sätzen zum Ausdruck wie: „Ein unabhängiges Aserbaidschan kann dem Westen den Zugang zu dem an Ölquellen reichen kaspischen Becken und Zentralasien eröffnen.“ (S. 177; statt „Westen“ ist hier „USA“ zu setzen). Zur starken nationalistischen Haltung der usbekischen Führung, die sogar russische Kindergärten schließt, wird erklärt: „Für die Vereinigten Staaten, die in Asien eine Politik der Schwächung Rußlands verfolgen, ist diese Position ungemein attraktiv.“ (S. 211).

Da die muslimischen Staaten in der früheren Sowjetunion eine reguläre Verfolgung der Slawen durchgesetzt haben, unterstütze Rußland die christlichen Armenier in ihrem Konflikt mit den muslimen Aserbaidschanern über die Enklave Berg-Karabach (mit überwiegend armenischer Bevölkerung), ein Krieg, der als Religionskrieg geführt wurde. Während in den muslimischen zentralasiatischen Staaten nach der Selbständigkeit ca. 9,5 Mio. Russen unter fremde Herrschaft gekommen sind, leben in Rußland selbst 20 Mio. Muslime, die mithin etwa 13 % der russischen Bevölkerung ausmachen, und zu Störfaktoren (siehe Tschetschenien) werden. Sie sind sehr geburtenreich, so daß sich ihr prozentualer Anteil laufend zulasten der Russen erhöht.

Die Türkei ist sich über ihre Rolle uneinig. Die Modernisten sähen ihr Land gerne als europäischen Staat und blicken nach Westen, die Islamisten tendieren in Richtung Naher Osten und muslimischer Gemeinschaften und schauen nach Süden, die historisch denkenden Nationalisten entdecken in den Turkvölkern des Kaspischen Beckens und Zentralasiens ein neues Missionsgebiet für eine in der Region dominierende Türkei und sehen deshalb nach Osten. (S. 195).

Ganz unverhohlen erklärt Brzezinski, daß im nachsowjetischen Eurasien sich die USA in „drohendem Hintergrund“ bereithielten, weil sie „nicht allein an der Förderung der Bodenschätze in der Region interessiert“ seien, sondern auch verhindern wollten, daß Rußland diesen geopolitischen Raum allein beherrsche. „Neben seinen weiterreichenden geostrategischen Zielen in Eurasien vertritt Amerika auch ein eigenes wachsendes ökonomisches Interesse… an einem unbehinderten Zugang zu dieser dem Westen bisher verschlossenen Region.“ (S. 203) Es gehe also darum, wer „den geopolitischen und ökonomischen Gewinn einheimst.“ (S. 203). Amerika sei zu mächtig, bei diesem Teil Eurasiens „unbeteiligt zuzusehen“ (S. 215). Sein Interesse müsse folglich sein, daß „keine einzelne Macht die Kontrolle über das Gebiet erlangt“ (S. 215). (Anmerkung: was würden wohl die USA sagen, wenn Rußland erklären würde, die USA sei nicht berechtigt, die Kontrolle über Südamerika alleine zu haben?) „Somit kann das Bemühen Rußlands, allein über den Zugang zu bestimmen, nicht hingenommen werden…“ (S. 216).

Zu China sagt Brzezinski zurecht, daß seit undenklichen Zeiten China mit seiner riesigen Bevölkerung eine eigenständige und stolze Zivilisation ganz besonderer Art gewesen sei, die auf vielen Gebieten hoch entwickelt sei. Die Demütigung der letzten 150 Jahre sei für jeden Chinesen eine persönliche Beleidigung, die getilgt werden müsse. An dieser Demütigung waren zunächst Großbritannien mit dem zur Einfuhr von Opium geführten Krieges und der daraus folgenden schmachvollen Erniedrigung Chinas beteiligt, Japan und Rußland wegen Raubkriegen und Übergriffen auf chinesisches Territorium, und schließlich Amerika, das Taiwan unterstütze und China überall in den Weg trat. Großbritannien und Rußland seien bestraft; ungeklärt sei das Verhältnis zu den anderen beiden. China könne innerhalb von zwei Jahrzehnten zu einer Weltmacht aufsteigen, etwa gleichauf mit den Vereinigten Staaten. Dazu bedürfe es aber einer erfolgreichen Staatsführung, Ruhe im Land, sozialer Disziplin, hoher Sparzuwächse, eines weiteren starken Zustroms ausländischer Investitionen und regionaler Stabilität. Brzezinski erklärt, daß eine anhaltende Verbindung dieser positiven Faktoren mehr als fraglich sei; (in den sieben Jahren, die seit der Niederschrift des Buches vergangen sind, hat sich aber die chinesische Erfolgsgeschichte fortgesetzt.) China will einen beherrschenden Aufstieg von Japan verhindern, wozu Brzezinski schreibt: „Deutschland sind durch seine militärische Integration in die NATO die Hände gebunden, während Japan von seinen eigenen (obzwar die Handschrift Amerikas aufweisenden) Verfassungsvorbehalten und dem amerikanisch-japanischen Sicherheitsabkommen in Schranken gehalten wird. Beide sind Wirtschafts- und Finanzriesen, regional bestimmend und rangieren ganz oben auf der globalen Skala. Beide kann man als Quasi-Weltmächte bezeichnen, und beide verstimmt es, daß man ihnen die mit einem dauerhaften Sitz im UN-Sicherheitsrat verbundene Anerkennung verweigert.“ (S. 252). Japan sei aber in der Region politisch isoliert, anders als Deutschland. Chinas Aufstieg werde Japan einmal vor die Wahl stellen, entweder mit Amerika gemeinsame Sache gegen China zu machen oder ohne Amerika und mit China verbündet zu sein.

Faszinierend an diesem Buch ist, wie er darstellt, daß weltweit die eigenen Interessen vertreten werden (mit Ausnahme Deutschlands), und zwar von allen Staaten. Der Verfasser glaubt, daß Amerika „das Amt des Weltpolizisten“ (S. 279) wird weiter ausüben können, daß es für mehr als eine Generation als führende Weltmacht wohl von keinem Herausforderer angefochten werden könnte und Amerika deshalb die für die Welt „unentbehrliche Nation“ (Präsident Clinton) sei. Allerdings könne es unvorhersehbare Ereignisse geben, worunter er beispielsweise auch zählt, daß dann, wenn Massenarbeitslosigkeit in erfolgreichen europäischen Staaten andauere, dies „ausländerfeindliche Reaktionen, die in der deutschen oder französischen Politik einen plötzlichen Rechtsruck und chauvinistische Tendenzen herbeiführen könnten“, geben könne. Um das zu verhindern, müßten die Vereinigten Staaten Europas Einigungsbemühungen nachhaltig ermuntern (S. 280). Zum ersten Mal in der Geschichte sei ein einzelner Staat die wirkliche Weltmacht, und zum ersten Mal werde der zentrale Schauplatz der Welt, Eurasien, von einer außereurasischen Macht dominiert. Kurzfristig sei es in Amerikas Interesse, den „Pluralismus auf der Landkarte Eurasiens zu festigen“, „damit keine gegnerische Koalition zustande kommt, die schließlich Amerikas Vorrangstellung in Frage stellen könnte.“ (S. 283). Die Aufgabe bestehe darin sicherzustellen, daß kein Staat oder keine Gruppe von Staaten die Fähigkeit erlange, die Vereinigten Staaten aus Eurasien zu vertreiben oder auch nur deren Schiedsrichterrolle entscheidend zu beeinträchtigen. (S. 283). Europa solle sich zwar mehr zusammenschließen, dürfe aber nicht so geschlossen sein, daß es den Vereinigten Staaten in für sie bedeutsamen geopolitischen Belangen anderswo, insbesondere im Nahen Osten, herausfordern könnte (S. 284).

Durch die Blume zielt die amerikanische Politik offensichtlich auf eine Aufteilung Rußlands, wie aus den Ausführungen auf S. 288 hervorgeht, daß ein „dezentralisiertes Rußland“ weniger anfällig für imperialistische Propaganda sei, und einem lockeren konföderierten Rußland – „bestehend aus einem europäischen Rußland, einer sibirischen Republik und einer fernöstlichen Republik“ es leichter fiele, engere Wirtschaftsbeziehungen mit Europa, den neuen Staaten Zentralasiens und dem Osten zu pflegen. (Das Land, das einen ganzen Kontinent vom Osten zum Westen hin beharrlich sich unterwarf, das 1861 bis 1865 den bis heute für es verlustreichsten Krieg führte, um die Unabhängigkeit der konföderierten Staaten zu verhindern, empfiehlt Rußland nunmehr also die Aufteilung!). Ein gutes Verhältnis Amerikas zu Rußland sei gleichgültig; entscheidend sei die Unterstützung unabhängiger Schlüsselstaaten in amerikanischem Interesse, der Aufbau engerer Beziehungen, um sie „dem Weltmarkt zu öffnen“. (S. 290). Europa dürfe die Türkei nicht vor den Kopf stoßen, damit Amerika seinen Einfluß dort behalten könne. „Demgemäß sollte Amerika seinen Einfluß in Europa für einen Beitritt der Türkei geltend machen, und darauf achten, daß die Türkei als europäischer Staat behandelt wird – immer vorausgesetzt, die türkische Innenpolitik nimmt keine dramatische Wendung in die islamistische Richtung.“ (S. 291).

Hierzu angemerkt: Genauso hat es die amerikanische Politik auch gemacht. Und wie sehr es den USA nur um ihre eigene Macht geht, hat die Tatsache gezeigt, daß Frankreich und Deutschland, die den zweiten Irakkrieg ablehnten, abschätzig als zum „alten Europa“ von Rumsfeld abqualifiziert wurden, und er sogar die Stirn hatte, zu behaupten, die USA würden allgemein unterstützt mit Ausnahme von einigen Staaten wie Kuba, Libyen und Deutschland. Der Staat, der – auch laut Brzezinski – seit 1949 verlängerter Arm der USA in Europa war, der noch 1991 mit 17 Milliarden Dollar den 1. Irakkrieg finanzierte, wurde nur deswegen, weil er in einem Punkt eine andere politische Meinung als die US-Führung hatte, in einem Atemzug in die „Achse des Bösen“, zu der Kuba und Libyen gehören, eingereiht! Die bundesdeutschen demokratischen Institutionen, Christentum oder westliche Kultur zählen für die USA also offensichtlich weniger als die bedingungslose Unterordnung unter den imperialen Herrschaftswillen der USA. Die Politiker in der CDU, die die Erhaltung der „amerikanischen Freundschaft“ für unverzichtbar erachten, hätten dort eigentlich aufwachen müssen, aber sie bejammerten gleich die Abweichung und betonten, einen „deutschen Sonderweg“ dürfe es nie mehr geben! – China müsse bei „etwaigen Auswüchsen seines Machtgebahrens“ entgegengetreten werden (S. 296).

Abschließend sagt Brzezinski, daß Amerika zwar die erste und einzige echte Supermacht sei, aber sich ihr konstruktives Wirken möglicherweise aus innenpolitischen wie auch außenpolitischen Gründen als relativ kurz erweisen werde. „Da Amerikas Gesellschaft in steigendem Maße multikulturelle Züge annimmt, dürfte, außer in Fällen einer wirklich massiven und unmittelbaren Bedrohung von außen, ein Konsens über außenpolitische Fragen zunehmend schwerer herbeizuführen sein.“ (S. 300). Die Ausübung der Macht „erfordert ein hohes Maß an weltanschaulicher Motivation, intellektuellem Einsatz und patriotischer Begeisterung. Doch das kulturelle Leben steht mehr und mehr im Zeichen der Massenunterhaltung, in der persönlicher Hedonismus und gesellschaftlicher Eskapismus die Themen bestimmen. Aus all diesen Gründen wird es immer schwieriger, den notwendigen politischen Konsens über eine andauernde und gelegentlich auch kostspielige Führungsrolle der USA im Ausland herzustellen. Tonangebend in der Meinungsbildung sind die Massenmedien, die auf jeden noch so vorsichtigen Einsatz von Gewalt, selbst wenn er mit geringen Verlusten verbunden ist, mit Abscheu und Empörung reagieren.“ (S. 301 f). Hierzu ist anzumerken, daß dann, wenn israelische Interessen im Spiele sind, die Massenmedien durchaus zur Kriegsbegeisterung aufputschen, wie beim Irakkrieg, wo eine unmittelbare atomare Bedrohung der USA und Bestrafung der von Saddam Hussein ausgehenden Anschläge vom 11. September (was totaler Quatsch war) der dummen Masse vorgegaukelt wurden.

Ferner erklärt er, daß sowohl Amerika wie Westeuropa Mühe hätten, mit dem „dramatischen Werteverfall in der Gesellschaft fertigzuwerden“. „Die daraus resultierende kulturelle Krise ist durch die Verbreitung von Drogen und, vor allem in den USA, die Verknüpfung mit der Rassenproblematik noch verschärft worden.“ Ferner mache sich in einsichtigen Kreisen der westlichen Gesellschaft „eine gewisse Zukunftsangst, vielleicht auch Pessimismus“ breit. Bei wohlhabenden Nationen sei der Krieg zu einem „Luxus“ geworden. „Jene 2/3 der Menschheit, die in Armut leben, werden sich wohl auf absehbare Zeit nicht von der Zurückhaltung der Privilegierten leiten lassen.“ (S. 303). Ferner wachse die Wahrscheinlichkeit, daß von Terrorgruppen auch Waffen mit großer Vernichtungskraft eingesetzt werden könnten. Gleichwohl erklärt Brzezinski abschließend: „Kurz, die Politik der USA muß unverdrossen und ohne Wenn und Aber ein doppeltes Ziel verfolgen: Die beherrschende Stellung Amerikas für noch mindestens eine Generation und vorzugsweise länger zu bewahren und einen geopolitischen Rahmen zu schaffen, der die mit sozialen und politischen Veränderungen unvermeidlich einhergehenden Erschütterungen und Belastungen dämpfen und sich zum geopolitischen Zentrum gemeinsamer Verantwortung für eine friedliche Weltherrschaft entwickeln kann.“ (S. 306).

Anders als Brzezinski sieht Todd die USA bereits im Niedergang. Den Erfolg seines Buches macht es vermutlich aus, daß er eine etwas differenziertere Haltung einnimmt, als die von vielen Linksintellektuellen vertretene „Amerika-ist-böse“-Haltung. Er kritisiert beispielsweise Noam Chomsky, der auch ein starker Kritiker der amerikanischen Politik ist, der aber eine Kontinuität in der amerikanischen Politik sieht, die immer militaristisch gewesen sei und eine Liberalität vorgespielt habe, die es nie gegeben habe. Todd ist dagegen der Meinung, daß Amerika lediglich in den letzten Jahren imperialistisch gewesen sei; seine These ist, daß Demokratien grundsätzlich keine anderen Demokratien angreifen. Wir sollten uns zur Beruhigung ins Gedächtnis rufen, „daß Amerika doch immerhin eine Demokratie ist und daß Demokratien untereinander keine Kriege führen.“ (S. 31). (Anmerkung: dies ist natürlich kompletter Unsinn, gerade bei den USA, die zahlreiche Staaten, angefangen von Mexiko, angegriffen haben, wobei es ihnen völlig egal war, welche Regierungsform dort herrschte. Sie haben durch Putsche von ihnen finanzierter Söldner demokratisch gewählte Regierungen absetzen lassen, wenn ihnen deren Richtung nicht paßte.

Wie auch seriöse Zeitgeschichtler zugeben, hat eine überwältigende Mehrheit von Deutschen, mehr als 90 %, 1939 hinter Adolf Hitler gestanden; trotzdem haben die USA Druck auf Großbritannien ausgeübt, Deutschland den Krieg zu erklären, sofort unter Bruch der Neutralität und verschiedener amerikanischer Neutralitätsgesetze in großem Umfange Kriegsmaterial an England und später an Rußland geliefert, und pikanterweise fast auf den Tag genau 60 Jahre vor dem 11.09.2001, nämlich am 12.09.1941 hat Roosevelt ohne Kriegserklärung den Krieg mit Deutschland begonnen, indem er seiner Flotte den Befehl gab, jedes deutsche Kriegsschiff zu versenken, was den Chef der amerikanischen Flotte dazu bewegte, zu erklären, Amerika sei in den Krieg eingetreten, bloß die Nation wisse es noch nicht. Ihn interessierte überhaupt nicht, ob Hitler demokratisch legitimiert war oder nicht; es ging hier um die Zerschlagung Deutschlands, das die Golddeckung seiner Währung abgeschafft hatte und mit Rücksicht darauf innerhalb von vier Jahren 6 Mio. Arbeitslose von den Straßen bekommen hatte, wohingegen Roosevelts „New Deal“ keinerlei positive Auswirkungen hatte, und Roosevelt unbedingt einen Krieg zwecks Ausweitung der Rüstungsindustrie brauchte, um seine 13 Mio. Arbeitslosen von der Straße zu bringen. Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson, der selbst mit heuchlerischen Phrasen dem Deutschen Reich 1917 den Krieg erklärt hat, sagte am 05.09.1919: „Gibt es einen Mann oder eine Frau – ja laßt mich sagen, gibt es ein Kind –, das nicht weiß, daß der Samen des Krieges in der modernen Welt der industrielle und wirtschaftliche Wettbewerb zwischen den Nationen ist?…. Dieses war ein Industrie- und Handelskrieg.“).

Wenn Todd schreibt: „Im Laufe der Geschichte ist es Amerikas weltpolitische Rolle geworden, das demokratische Prinzip zu verteidigen, wenn es bedroht erschien: Durch den deutschen Nationalsozialismus, den japanischen Militarismus, den russischen und chinesischen Kommunismus“, dann ist dies ganz einfach Unsinn. (Die Amerikaner haben, genauso wie die Briten bei der Errichtung ihres Weltreiches vorher, ihre Absichten immer mit schönen Phrasen getarnt: In Afghanistan ging es nicht um eine Ölpipeline, sondern um die Bekämpfung des Terrors, im Irak ging es um die Verhinderung des Einsatzes von Massenvernichtungswaffen usw.) Todd hat die Auffassung von Doyle übernommen, daß Demokratien keinen Krieg anfingen, und hat dies mit Fukujamas These vom „Ende der Geschichte“ verknüpft, wonach der Zerfall der kommunistischen Systeme nur eine Etappe auf dem Weg zur Freiheit aller Menschen sei, mithin in einigen Jahren wir einen Planeten haben werden, auf dem der ewige Frieden gesichert sei (S. 26). Er korrigiert lediglich Doyles These, indem er sagt, daß Demokratien zwar durchaus Kriege führen, aber nicht mit anderen Demokratien, sondern gegen andere politische Systeme. Dazu klittert er die Geschichte, indem er erklärt, der erste Weltkrieg sei von Österreich-Ungarn und Deutschland vom Zaun gebrochen worden, in denen die Regierung dem Parlament nicht wirklich verantwortlich gewesen sei (S. 25).

In beiden Ländern herrschte aber eine konstitutionelle Monarchie, nicht anders als beispielsweise in Großbritannien, das bekanntlich Deutschland im ersten Weltkrieg den Krieg erklärt hat. Im übrigen ist die seriöse Geschichtsforschung auch in den USA der Auffassung, daß Deutschland allenfalls an fünfter Stelle der Kriegsschuldigen des ersten Weltkrieges genannt werden muß: Französische Revanchegelüste, um Elsaß-Lothringen sich einzuverleiben, britische Bestrebungen, den deutschen Wirtschaftskonkurrenten auf dem Weltmarkt auszuschalten, russische panslawistische Bestrebungen zur Zerschlagung Österreich-Ungarns und „Befreiung der slawischen Brüder“ und serbische Freimaurerhörigkeit hatten sehr viel größere Bedeutung für den Ausbruch dieses Krieges.

Um nun die gegenwärtige Kriegspolitik der USA zu erklären, behauptet er einen „Niedergang der amerikanischen Demokratie“, weswegen es heute auch bei den USA nicht mehr undenkbar sei, daß sie gegen Demokratien Kriege führen würden. Diesen Niedergang begründet er mit dem Entstehen einer neuen Klasse, einer Oligarchie, die sich aus 20 % der Bevölkerung zusammensetze, die 50 % der Wirtschaftskraft kontrollierten. Auch hier ist von ihm schlecht recherchiert worden; 50 % der Wirtschaftskraft werden von viel weniger Prozent der Bevölkerung kontrolliert, und schon nach dem ersten Weltkrieg galt das Wort von Rathenau, daß 300 Personen Europa beherrschen, von denen jeder jeden kennt.

Seine Behauptung, daß eine Demokratie an sich friedlich sein müsse, hat sich oft – und gerade auch bei den USA – als falsch erwiesen. Abgesehen davon, daß durch Neutralitätsbrüche ein anderes Land zum Zurückschlagen provoziert werden kann, wie es hinsichtlich Japans und Deutschlands im zweiten Weltkrieg durch Roosevelt provoziert wurde, können durch Massenmedien Leidenschaften aufgeputscht werden, wie beispielsweise zum ersten Irakkrieg durch die Lüge, daß irakische Soldaten angeblich Babys aus Brutkästen in Kuwaiter Krankenhäusern herausgerissen und auf die Straße geworfen hätten, die eine Kriegsbegeisterung in den USA anfachten. Genauso war es früher schon durch erfundene Übergriffe Mexikos gegenüber den USA oder angebliche Greuel deutscher Soldaten im 1. Weltkrieg, die angeblich belgischen Jungens die Hände abhackten, damit diese später nicht Soldaten würden. Die liberale Demokratie bedeutet Herrschaft der Massenmedien, weil diese Sachverhalte oft falsch oder einseitig darstellen und Meinungen erzeugen, ferner Kandidaten sympathisch oder unsympathisch zeigen, und die Massenmedien wiederum stehen unter Kontrolle der wirtschaftlich Mächtigen, so daß eine liberale Demokratie heutzutage eine Oligarchie ist, was Todd nicht erkannt hat.

Im übrigen sind verschiedene seiner Ausführungen auch widersprüchlich. Richtig sagt er beispielsweise (S. 37): „Das fundamentale strategische Ziel der Vereinigten Staaten ist die weltweite politische Kontrolle über die Ressourcen des Planeten.“ Es sei Amerika dazu zu schwach; seine Kraft reiche nur aus, um vergleichbar kleine Staaten wie den Irak anzugreifen. Damit werde der Anspruch als Supermacht unterstrichen, stärke die Macht Amerikas und verzögere bei den großen Mächten die Erkenntnis, daß sie aufgerufen seien, die Weltherrschaft mit den Vereinigten Staaten zu teilen. Richtig sagt er weiter, daß durch freien Handel alle Länder der Welt zueinander in Konkurrenz treten mit der Folge, daß die Löhne sinken. Dies führt zu einer Verarmung in den reichen Ländern, macht in den Entwicklungsländern aber auch nur eine Minderheit reich. Als Allheilmittel für die – auch von ihm gesehenen – zahlreichen Religions- und Stammeskriege in der Welt sieht er folgendes Modell: Überall verbreitet sich Lesen und Schreiben. Die Alphabetisierung der Frauen führe zur Geburtenkontrolle, damit einem Sinken der Geburtenzahl und auch deshalb mehr Aussicht für Frieden – so Todd. Er begründet dies damit, daß mit Vermehrung von Kenntnissen sich der Wunsch nach Demokratie und Freiheit einstelle. Dies allerdings stimmt, wie Huntington nachweist, nicht; allerdings sieht Huntington bei einer sehr hohen Geburtenrate bei Gesellschaften mit über 20 % 15 bis 24-jährigen die größten Umbrüche und Konflikte (ganz einfach deswegen, weil genug Männer in diesem Alter sich nicht anzupassen bereit sind). Dazu ist aber anzumerken, daß Großbritannien oder Frankreich Deutschland den Krieg erklärt haben, obwohl ihre Geburtenrate nicht sehr hoch war. Auch die USA haben in den letzten 50 Jahren zahlreiche Kriege geführt, obwohl ihre Geburtenrate nicht überdurchschnittlich hoch ist.

Andererseits können Todd zufolge durch die Alphabetisierung auch die Arbeiter in den Dritte Welt-Ländern ausgebeutet werden, weil dadurch erst die Globalisierung mit Verlagerung von Arbeitsstätten möglich werde. Um seine These, daß die Alphabetisierung zu Demokratisierung und zum Frieden führe, zu halten, muß er nicht in seine Theorie passende Dinge verbiegen. Beispielsweise behauptet er, daß sich der islamistische Eifer der Heilsfront erschöpft habe, und in der Türkei zwar religiöse Parteien an Stärke gewonnen hätten, aber keine Bedrohung für den laizistischen Staat darstellten (in der Türkei ist jetzt schließlich ein Ministerpräsident an die Macht gekommen, dessen früher favorisierte Partei gerade aus diesen Gründen verboten worden war!). Daß der Islamismus sich in einem „weltweiten Niedergang“ befände, wird zwar unter Verweis auf ein Buch von Kepel „Schwarzbuch des Dschihad“ behauptet, aber nicht begründet.

Auch sonst ist er von Wunschdenken geprägt, so, wenn er (S. 66) behauptet: „Die Kosten, die es verursacht, wenn Menschen mit einem bestimmten Grad von Bewußtheit autoritär regiert werden sollen, sind so hoch, daß die betreffende Gesellschaft ökonomisch nicht mehr konkurrenzfähig ist.“ Soweit er die deutsch-französische Freundschaft als Beispiel dafür anführt, „daß aus einem langjährigen Kriegszustand etwas werden kann, das sehr nah an den ewigen Frieden herankommt“, ist angesichts der schlagartig negativen Umfragewerte zu Deutschland im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung, den Bemühungen des französischen Staatspräsidenten, die DDR durch Milliardenzahlungen zu stützen und von einer Wiedervereinigung abzubringen, und die bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion geltende französische Militärdoktrin, daß im Falle eines sowjetischen Angriffs auf Westdeutschland die gesamte rheinische Tiefebene mit Atomwaffen atomar verseucht werden müsse, wohl nicht ernsthaft von einer schon erprobten Freundschaft auszugehen. Kein geringerer als de Gaulle hat gesagt, es sei gute französische Politik seit tausend Jahren gewesen, Deutschland geteilt zu halten. Frankreich erklärte seine Zustimmung zur Wiedervereinigung erst, als Deutschland sich bereiterklärte, auf die weltweit seit 1949 erfolgreichste Währung, die D-Mark, zugunsten des Euro zu verzichten, was eine französische Zeitung mit „Ein Versailler Vertrag ohne Krieg“ kommentierte. Bemerkenswert Todds Erklärung: „Hinter der Währungsunion… steckt in Wahrheit die Absicht, einem möglichen deutschen Vormachtsstreben die Zügel anzulegen.“ (S. 234).

Das alles passierte, als in Tischreden tagtäglich die deutsch-französische Freundschaft gepriesen wurde. Auch sonst gibt es bei Todd abenteuerliche Thesen. Daß in Großbritannien und Frankreich die Geburtenraten bei 1,7 und 1,9 Kindern pro Frau liegen, in Deutschland und Italien bei 1,3 Kindern und bei 1,2 Kindern in Spanien, wird darauf zurückgeführt, daß in den letzteren Ländern Diktaturen früher die Macht ergriffen hätten. „Den Gesellschaften mit individualistischer Tradition wie Amerika, Frankreich und England scheint die Entscheidung für Kinder leichter zu fallen. In den Ländern mit einer eher autoritären Vergangenheit hat sich in demografischer Hinsicht eine passivere Einstellung zum Leben gehalten. Die Entscheidung für die Fruchtbarkeit, die aktiv getroffen werden muß, scheint den Menschen in diesen Ländern schwerer zu fallen.“

Hier sind gleich mehrere Fehler. Deutschland hatte eine niedrige Geburtenrate in der Weimarer Republik, die aber immer noch höher war als im demokratischen Frankreich zu der Zeit. Im autoritären Dritten Reich ging die Geburtenrate um mehr als 1/3 in die Höhe. Als die Wertevorstellungen des Nationalsozialismus noch nachwirkten, war zunächst auch in den 50er und Anfang der 60er Jahre in Deutschland die Geburtenrate noch hoch. In Westdeutschland sank sie dann durch einen Wertewandel in Richtung Individualismus, keine Verantwortung für andere übernehmen zu wollen pp. In der autoritär regierten DDR war bis zu deren Ende die Geburtenrate um 1/3 höher als in Westdeutschland und ist anschließend rasch gesunken.
Die höheren Geburtenraten in England und Frankreich und auch in den USA mit 1,8 Kindern pro Frau sind – was Todd verschweigt – im wesentlichen in Frankreich auf die 5 Mio. Muslime zurückzuführen, in England auf die farbige Bevölkerung, in den USA auf Mexikaner, Puertoricaner und schwarze Amerikaner. Sie haben also nichts mit irgendeiner „individualistischen Tradition“ dieser Länder zu tun. Die 1 % der französischen Familien mit 10 und mehr Kindern stellen 25 % der nächsten Generation, und es handelt sich dabei meist um Moslems.

Der Realitätsverlust von Todd geht zuweilen soweit, daß er tatsächlich erklärt: „Das Amerika der Jahre 1950 bis 1965, das Land der Massendemokratie, der Meinungsfreiheit, der Ausweitung der sozialen Rechte, des Kampfes um die Bürgerrechte – dieses Amerika war das Reich des Guten.“ (S. 154).

Richtig hingegen ist seine Beschreibung der wirtschaftlichen Anfälligkeit der USA. Die Amerikaner haben Jahr für Jahr mehr als 300 Milliarden Defizit in ihrer Handelsbilanz, was zeigt, daß sie vom ständigen Zufluß ausländischen Kapitals abhängig sind. Wenn Amerika sein Handelsbilanzdefizit ausgleichen wollte, würde dies für die amerikanische Bevölkerung eine Senkung des Lebensstandards um 15 bis 20 % bedeuten (S. 249). Dies wäre weder für Demokraten noch Republikaner ohne Revolution machbar, so daß die Militärausgaben enorm gesenkt werden müßten, um den Rückgang des Lebensstandards nicht zu hoch ausfallen zu lassen. Auch bei ihrer früheren Domäne, den technischen Produkten, haben sie 2002 mehr eingeführt als ausgeführt. Die Stromversorgung bricht zeitweilig zusammen, wie wir das sonst nur vom Ostblock gekannt haben. Die Einkommen der Arbeitnehmer stagnierten, und die 5 % der reichsten Amerikaner erhalten einen immer größeren Prozentsatz des Volkseinkommens.

Die amerikanischen Truppen sind langsam, bürokratisch und ineffektiv; unbestreitbar sei nur die amerikanische Überlegenheit in der Luft und zur See. Traditionell habe aber Amerika eine Schwäche bei der Bodenkriegsführung, schon im zweiten Weltkrieg, und heute ebenso. Die Opferbereitschaft der Russen war und ist (siehe Afghanistan) viel höher als in den USA. Die USA haben ein enormes Haushaltsdefizit, das es auf Dauer verbietet, im bisherigen Umfang die Rüstung auszuweiten. 1990 lag die Börsenkapitalisierung in den Vereinigten Staaten bei 359 Milliarden Dollar, 1998 bei 13 451 Milliarden. Diese Steigerung stand in keinem Verhältnis zum realen Wachstum der amerikanischen Volkswirtschaft. Dies bedeutete nur, daß ein wichtiger Teil der weltweit anfallenden Profite an den amerikanischen Börsen investiert wurde. Jeder Firmenzusammenbruch in Amerika bedeutet deshalb für die europäischen und japanischen Banken (und Anleger) erhebliche Verluste. Irgendwann wird es wahrscheinlich zu einer Panik an den Börsen von unvorstellbarem Ausmaß kommen, gefolgt von einem tiefen Sturz des Dollars. (Ergänzend ist hierzu zu sagen, daß die nachgewiesenen Bilanzfälschungen bei großen amerikanischen Konzernen, um Gewinne und Umsätze vorzutäuschen, die es gar nicht gab, zu einer entsprechende Zurückhaltung zur Investierung in amerikanische Aktien auch beitragen werden).

Die Amerikaner seien dabei, den Reichtum der gesamten Welt an sich zu reißen, um ihn im eigenen Land zu verbrauchen. So sei es schon in Rom gewesen; Amerika habe aber nicht die militärische Macht des antiken Roms. (Ergänzend kann gesagt werden: Länder kann man durch Abdrosselung der Zufuhr mit Flotten und durch Bomben zerstören; ausbeuten kann man sie aber nur, wenn man eine schlagkräftige Armee hat, und die haben die Amerikaner nicht).

In anderen Fällen macht sich wieder die ideologische Voreingenommenheit des Verfassers bemerkbar. Den Universalismus, d. h. die Einbeziehung eroberter Völker und Menschen in den Kern des Machtbereichs der Eroberervölker, sieht er als positiv und als Begründung für die Herrschaft. Hierzu bezieht er sich auf das römische Reich, wo Kaiser Caracalla 212 n. d. ü. Ztr. allen frei geborenen Einwohnern des Imperium Romanum das römische Bürgerrecht gegeben hatte, wonach die Mehrzahl der römischen Kaiser aus den Provinzen stammten. Zu dem Zeitpunkt war Rom aber nicht mehr stark und hatte längst – was in den Germanenkriegen 200 Jahre vorher deutlich geworden war – seinen Höhepunkt überschritten. Die Briten waren weit davon entfernt, die eroberten Völker zur Herrschaft in ihrem Empire zuzulassen, und konnten jahrhundertelang ihr Weltreich behaupten, bis sie sich im zweiten Weltkrieg selbst zugrunde richteten. Die USA verschmolzen zwar aus Einwanderern verschiedener Völker Europas; Todd verschweigt aber, daß dies nur so lange klappte, solange zu 90 % Einwanderer aus den germanischen Völkern kamen. Indianer und Schwarze wurden nicht integriert, und sind es bis heute nicht. Der Großteil der Einwanderer heutzutage wird von Mexikanern, Asiaten und Puertoricanern gestellt; diese wollen sich nicht integrieren.

Das nichtuniversalistische Dritte Reich war so erfolgreich, daß es nur durch eine Koalition der stärksten Mächte der Welt in einem sechsjährigen Krieg niedergeworfen werden konnte. Universalismus kann – wenn die zu verschmelzenden Elemente sehr ähnlich sind oder nur in geringer Zahl vorhanden sind – machtstärkend wirken; ansonsten führt es (wie in Babylon schon in der Bibel als abschreckendes Beispiel geschildert, und in Ägypten, Griechenland, Rom u. a. zum Untergang von Völkern und Reichen geführt hat) zur Auflösung des Staatsvolkes in verschiedene Interessengruppen, damit Schwächung des Staates und Machtverlust. Dies hat Todd nicht erkannt. Auch der kommunistische Universalismus hat die aus vielen Völkern bestehende Sowjetunion nicht zusammenhalten können, ebensowenig wie es in Jugoslawien oder vorher in Österreich-Ungarn (wo ganz bewußt keine Germanisierung durchgeführt wurde) gelungen ist.

Auch die Araber – anders als die Juden, die sich inzwischen zur Hälfte mit Nichtjuden in den USA ehelich verbinden – sind in den USA von der Integration ausgenommen. Erstaunlicherweise schreibt Todd: „Die Treue Amerikas zu Israel ist für die Spezialisten der strategischen Analyse ein großes Rätsel.“ (S. 146). Er wundert sich, warum Brzezinski Israel überhaupt nicht erwähnt, obwohl diese Bindung an Israel doch dazu führe, daß die Vereinigten Staaten eine gegnerische Beziehung zur arabischen Welt und zur muslimischen Welt insgesamt aufgebaut haben (S. 146). Dies erscheine um so verwunderlicher, als das Unrecht, „das den Palästinensern tagtäglich angetan wird durch die israelische Besetzung ihrer Gebiete“, ein „täglicher Verstoß gegen das Prinzip der Gleichheit, das doch zur Basis der Demokratie gehört“, sei. (S. 146). Nun, ein Geheimnis ist dies nicht, wenn wir auf das unten erwähnte Scharon-Zitat abstellen. Die jüdische Eigentümerschaft bei maßgeblichen Zeitungen wie Washington Post und New York Times, den jüdischen Besitz von Nachrichtensendern usw. verharmlosend sagt Todd: „Alle Deutungen, die auf die Rolle der Juden in den Vereinigten Staaten abheben und betonen, daß sie großen Einfluß auf den Ausgang der Wahlen hätten, enthalten ein Körnchen Wahrheit. Das ist die Theorie von der „jüdischen Lobby“ (S. 147).

Sie enthalten nicht nur ein „Körnchen Wahrheit“, sondern die ganze Wahrheit, weil es für die USA – die ansonsten lediglich egoistisch handeln – ein geopolitischer Wahnsinn ist, sich 1,3 Milliarden Menschen dieser Erde zum Feind zu machen, obwohl Israel keinerlei geopolitische oder ökonomische (Bodenschätze) Bedeutung hat. Als weiteren Grund gibt Todd zurecht den christlichen Fundamentalismus, der hinter Bush steht, an, der geradezu ein „Herz für den Staat Israel entdeckt“ habe, als Gegenstück zu „ihrem Haß auf den Islam und die arabische Welt“. (S. 148). Dies sei desto verwunderlicher, weil 3/4 der amerikanischen Juden nach wie vor politisch links stünden, die Demokraten wählten und die christlichen Fundamentalisten fürchteten. Inzwischen merkten aber viele Juden: „Ein Protestant mit einem einigermaßen wortwörtlichen Verständnis der Bibel identifiziert sich mit dem Volk Israel.“ (S. 151). Obwohl selbst Jude, wundert er sich, daß die Juden sich in den USA nicht über ihre gelungene Integration freuen: „Diese privilegierte Bevölkerungsgruppe pflegt einen beunruhigenden, um nicht zu sagen neurotischen Kult um den Holocaust. Unermüdlich gedenken die Juden in Amerika des Mordens, dem sie entgangen sind. Unaufhörlich kritisieren sie den wachsenden Antisemitismus weltweit, und sie machen sich um alle Gemeinden in der Diaspora, vor allem in Frankreich, mehr Sorgen als die Gemeinden selbst… Die fortbestehende Angst der Juden in Amerika, dem Land mit der angeblich „allmächtigen jüdischen Lobby“, hat etwas Paradoxes.“ (S. 152).

Todd wirft der amerikanischen Diplomatie „katastrophale Fehler“ vor, indem es zwar konsequent Rußland zu destabilisieren suche, aber gleichzeitig die europäischen Bündnispartner demütige und vernachlässige, Japan mit Herablassung begegne, unermüdlich China provoziere und Iran zur angeblichen Achse des Bösen zähle. Dies ist aber nicht als „Tolpatschigkeit“ oder als „Logik“ (S. 167 f) zu sehen, weil – wie Todd meint – das wahre Amerika so schwach sei, daß es nur mit militärischen Zwergen eine Konfrontation suchen könne. Was die Amerikaner immer gehabt haben, ist ein ungebrochenes Selbstbewußtsein, das in vielen Fällen mit der Realität nicht übereinstimmte. Sie halten sich tatsächlich – ohne es zu sagen – für eine Macht, die den ganzen Erdball beherrschen könne, so wie es ein Präsident selbstbewußt sagte: „Was wir wollen, das passiert.“ Aus dieser Arroganz heraus sind sie nicht in der Lage – und insoweit ist Todds Vergleich der „Politik“ Wilhelm II. mit der amerikanischen Politik durchaus zuzustimmen –, die Kräfteverhältnisse richtig wahrzunehmen. Deswegen meinen die USA auch, überall Kriege führen zu können, und trotz der völligen Aussichtslosigkeit einer Besiegung Chinas wird allen Ernstes bei amerikanischen Politikern angedacht, ob man nicht einen Präventivkrieg gegen China führen solle, bevor es zu stark werde.

Falls Amerika durch ein funktionierendes Raketenabwehrsystem in der Lage sein sollte, andere Länder durch Raketen atomar zu verwüsten, ohne von deren Raketen einen Gegenschlag befürchten zu müssen, ist die Gefahr der Zerstörung Rußlands oder Chinas durch einen atomaren Erstschlag seitens der USA erheblich, wobei sich irgendein Grund für die Amerikaner noch immer hat finden lassen, wenn sie Krieg führen wollten. Dies auch deswegen, weil bei der gegenwärtigen Förderquote für Erdöl in den USA ihre Reserven bis zum Jahr 2010 erschöpft sein werden, und schon 1999 erheblich mehr Erdöl importiert wurde, als im eigenen Land gefördert wurde.

Todd begrüßt das Erstarken Rußlands unter Putin, der stabile Strukturen herstellt, da Rußland als Gegengewicht gegen die USA dringend gebraucht werde. Rußland könne wegen seiner Bodenschätze als von der Außenwelt von Natur aus unabhängig gesehen werden, so daß es eine viel unangreifbare Stellung als die USA habe, denn Rußland ist nicht auf Energiezufuhr aus der andere Welt angewiesen, anders als die USA, so daß die Russen prinzipiell friedlich sein könnten.

Soweit sich Todd hinsichtlich Deutschland über den „Gehorsam der Führung im wichtigsten Protektorat im Westen“ wundert, wobei er den Grund darin sieht, daß die Demonstration militärischer Übermacht durch das Zerstören der deutschen Städte zwischen 1943 und 1945 der Grund sei, ist dies nicht so; zunächst war es die am eigenen Leib erlebte sowjetische Bedrohung, später die Folge der Umerziehung nach 1945, die diese Vasallenhaltung hervorrief. Erst Schröder, der zur 68er Generation gehört und in seiner Jugend gegen den Vietnamkrieg demonstriert hatte, vertrat eine andere Politik, sofort konterkariert von der in den alten Gangschienen handelnden CDU unter Merkel.

Damit Europa sich gänzlich aus der Abhängigkeit der USA befreien kann, fordert Todd einen Aufbau der nuklearen Schlagkraft in Europa. Dann könnten die USA nicht mehr von Europa schmarotzen. Während in Europa Einverständnis für ausgewogene Wirtschaftsweisen vorhanden sei, sei dies bei den Amerikanern nicht gegeben, die ein jungfräuliches, an Bodenschätzen reiches und fruchtbares Land besiedelt hätten. „Von jeher verlief Amerikas Wirtschaftsentwicklung über die Auslaugung seiner Böden, die Verschwendung seines Öls und die Rekrutierung neuer Arbeitskräfte im Ausland.“ (S. 221). Die amerikanische Mobilität (17,5 % der Einwohner wechseln beispielsweise gegen 9,5 % in Japan ihren Wohnsitz) wird als Beweis für wirtschaftliche Dynamik gepriesen; die Japaner produzieren pro Kopf aber doppelt so viel. Todd proklamiert mehr europäische Eigenständigkeit, und – für einen Juden bemerkenswert – erklärt er: „Allerdings kann Europa die Unruhe, welche die Vereinigten Staaten mit Israel in der arabischen Welt stiften, nicht auf Dauer hinnehmen. Die wirtschaftliche Realität legt nahe, daß der arabische Raum in eine Sphäre der Kooperation eintreten muß, die sich um Europa zentriert und die USA weitgehend ausschließt. Die Türkei und der Iran haben vollkommen begriffen, wo ihre wirtschaftliche Zukunft liegt… Mit Blick auf den Islam werden die USA zu einem immer konkreteren Störfaktor. Die islamische Welt versorgt Europa zu einem bedeutenden Anteil mit Zuwanderern: Pakistaner in Großbritannien, Nordafrikaner in Frankreich, Türken in Deutschland, um nur die wichtigsten Gruppen zu nennen. Die Kinder dieser Einwanderer sind Staatsbürger ihrer Gastländer, neuerdings auch in Deutschland, wo ein neues Zuwanderungsgesetz die Einbürgerung erleichtern soll. Friedliche und einvernehmliche Beziehungen sind für Europa so nicht nur wegen der geographischen Nähe zu islamischen Ländern, sondern auch zur Sicherung des inneren Friedens notwendig. Die Vereinigten Staaten treten hier als innere und internationale Unruhestifter auf.“ (S. 232 f).

Die Ausführungen von Huntington und Brzezinski wurden deshalb so breit dargestellt, um deutlich zu machen, wo wir als Deutsche künftig zu stehen haben. Huntington hat ja die westliche Wertegemeinschaft beschworen, Religionskriege vorausgesagt und behauptet, die Europäer seien auf Gedeih und Verderb mit den USA verbunden. Nun – die Nibelungentreue zum verwandten, aber als Vielvölkerstaat konfliktbehafteten Österreich-Ungarn hat den Sturz des zweiten Deutschen Reiches bewirkt und sollte uns Warnung sein. Rußland ist eine sehr viel „weißere“ Nation als die USA, so daß man uns auch nicht mit dem Argument, bei der Unterstützung der USA müßten die Weißen zusammenhalten, kommen möge; die USA betreiben konstant eine den Russen feindliche Politik seit etlichen Jahrzehnten. Der Wille Amerikas, seine Weltherrschaft aufrechtzuerhalten und wirtschaftlich die ganze Welt auszubeuten, muß zu einer Vielzahl von Konflikten und Kriegen führen.

Die amerikanische Unterstützung Israels und Bekämpfung der islamischen Staaten, deren Erdölreserven sich die USA unter den Nagel reißen wollen, hat zu einem tiefsitzenden Haß gegen die USA und alle ihre Verbündeten (siehe die Bombenanschläge in den Bahnen in Spanien) bei den Muslimen geführt. Die bisherigen Terrorakte sind sicherlich der Vorbote von weiteren. Terror kann man nicht dadurch bekämpfen, daß man Sicherungsmaßnahmen verstärkt; der Terrorist kann jederzeit und überall zuschlagen, so daß selbst in dem total militarisierten Israel so etwas nicht zu verhindern ist, obwohl Israel so viele Subventionen aus dem Ausland erhält, wie es kein europäischer Staat und auch nicht die USA bekommen würden, um ihre Sicherheitsstrukturen zu verbessern. Israelis versuchen überall in der Welt Deutschlands Ansehen zu untergraben; Israels Unterstützung liegt daher nicht in unserem nationalen Interesse, und der religiöse Auserwähltheitswahn kollidiert mit unserem heidnischen Selbstbewußtsein. Um die auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion liegenden Rohstoffe auszubeuten, unterstützt Amerika nachhaltig eine Schädigung Rußlands, wohingegen es in deutschem Interesse ist, schon wegen der Besetzung ostdeutscher Gebiete durch Polen und Tschechien und Polens chauvinistischem Größenwahn auf weitere Gebiete von Mitteldeutschland bis nach Schleswig-Holstein hinein, ein gutes Verhältnis zu Rußland zu bekommen.

Die Deutschen sind – weil wir in unserer chinesischen kleinen Kolonialecke in der kurzen Zeit sehr viel mehr aufgebaut haben als wir an Erzeugnissen aus dem Lande entnommen haben, ferner 1937 viele Chinesen durch einen deutschen Konsul vor dem Abschlachten durch die Japaner gerettet wurden – in China außerordentlich beliebt, und man wird in der chinesischen Presse – anders als über England, Frankreich, die USA oder Rußland – kein schlechtes Wort über Deutschland finden, anders als in der israelischen oder angelsächsischen Presse. Es kann deshalb nicht in unserem Interesse liegen, diese freundschaftlichen Beziehungen durch eine Unterstützung der amerikanischen „Eindämmungspolitik“ gegen China zu gefährden. Hinzu kommt, daß in Israel ein unversöhnlicher Haß gegen Deutschland gepredigt wird, der sich in den US-Medien ebenso wie in Großbritannien ungehindert austobt, gemacht von den Glaubensgenossen der Israelis in den angelsächsischen Ländern. Kein Geringerer als Ariel Scharon hat am 3. Oktober 2001 im israelischen Rundfunk den Kritikern seiner auf die Entrechtung und Vertreibung der Palästinenser ausgerichteten Politik entgegen gerufen: „Ich möchte Ihnen etwas sehr klares sagen: Fürchten Sie keinen amerikanischen Druck auf Israel. Wir, das jüdische Volk, kontrollieren Amerika, und die Amerikaner wissen das.“ („We the Jewish people, control America, and the Americans know it.“).

Die christliche Kreuzfahrermentalität im Nahen Osten – so jedenfalls Brzezinski verschleiernd, indem er erklärte, Amerika müsse verhindern, daß  Europa dort eine andere Politik betreibe – wird also anhalten und zu weiterem Haß, weiteren Kriegen, weiteren Bombenangriffen gegen „Schurkenstaaten“ (und als Gegenschlag Attentaten) führen. Die sogenannten Neokonservativen haben nicht nur Syrien und den Iran im Visier, sondern weisen darauf hin, daß das Al-Kaida-Netzwerk in Saudi-Arabien gegründet sei, weswegen man vielleicht besser das saudische Königshaus absetzen und eine eigene Herrschaft dort übernehmen solle. Es geht letztlich darum, sämtliche arabischen Anrainerstaaten um Israel herum durch amerikanische Truppen besetzen zu lassen, damit diese dann den Schutz nach außen für Israel übernehmen können, wohingegen Israel sich darauf konzentrieren kann, die Palästinenser zu vertreiben, zu dezimieren und zu liquidieren, wie es tagtäglich geschieht. Der einzige Verdienst Schröders in seiner so erfolglosen Kanzlerschaft war die klare Absage an eine militärische und finanzielle Unterstützung des Irak-Krieges; das hat Deutschland viele Sympathien, die im arabischen und muslimischen Bereich insgesamt durch eine langjährige deutsche Unterstützung Israels verloren waren, wieder gewonnen. Da nicht nur die jüdischen „Neokonservativen“ in den USA eine antiarabische Politik betreiben, sondern die christlichen Fundamentalisten um Bush wegen der Ausführungen im Alten Testament, daß die Juden berechtigt seien, die Palästinenser auszurotten und zu vertreiben, keinen Widerstand gegen dergleichen Pläne leisten, da dies ja von Gott so gewollt sei, sondern dies sogar noch unterstützen, ist ein dauerhafter Konflikt vorprogrammiert, der – wie bei Schwachen ganz natürlich – sich im Gegenterror äußern wird.

Die Selbstmordattentäter aus Palästina opfern ihr eigenes Leben, und dies zeigt, wie verzweifelt sie die Situation ihres Landes, das seit fast vier Jahrzehnten von Israel nach einem kriegerischen Einmarsch besetzt worden ist, und trotz etlicher UNO-Resolutionen nicht geräumt wird, sehen. Bei solcher Verzweiflung, wo selbst Frauen sich opfern, können die Attentate nicht mit Sicherheitsmaßnahmen bekämpft werden, sondern nur dadurch, daß die verzweifelte politische Lage der Menschen verbessert wird, mithin, daß Palästina ein eigener selbständiger Staat ohne israelische Besatzung wird, und die 400 000 israelische Siedler, die von Israel mit amerikanischen Geldern in Palästina in den letzten 35 Jahren angesiedelt worden sind, nach Israel zurückzukehren haben. Anders kann es keinen Frieden im Nahen Osten geben, und wenn es diesen Frieden nicht gibt, wird es Bomben, vielleicht sogar noch viel schlimmere Anschläge mit viel größeren Auswirkungen in den Ländern geben, die die jüdisch-amerikanischen Pläne zur Ausmerzung der Palästinenser unterstützen. Wir dürfen uns keinesfalls hinter diese christlichen Kreuzfahrerbemühungen Amerikas stellen, und wir müssen jegliche Konfrontation mit den Muslimen in dieser Frage vermeiden! Wir als deutsche Heiden sollten deutlich machen, daß für uns die Bibel mit den Ausrottungsaufforderungen an die Juden zwecks Vertilgung aller Nachbarvölker keine heilige Schrift ist, daß wir das Alte Testament als ein zum Völkermord aufforderndes Buch ansehen, daß wir den christlichen Fundamentalismus als eine Gefahr für den Weltfrieden sehen, so wie schon heute mehr als 2/3 der Europäer in Israel die größte Gefahr für den Weltfrieden sehen, und an zweiter Stelle die USA gesetzt haben. Wir haben nicht die Macht, die Amerikaner an der Führung ihrer Kriege, Bombardierungen, CIA-Aufstandsfinanzierungen und dergleichen zu hindern; es liegt aber weder im deutschen noch im heidnischen Interesse, dies in irgendeiner Art und Weise zu unterstützen.

Wir müssen deutlich machen, daß wir für die Wahrung unseres germanischen Kulturerbes hier in Deutschland eintreten, daß in islamischen Staaten aber selbstverständlich die Bevölkerung das Recht hat, sich so wie von ihnen gewünscht islamisch auszurichten und die Scharia zu praktizieren, christliche Mission zu erschweren, das Tragen von Kreuzen in der Öffentlichkeit zu verbieten und dergleichen. Dies erregt immer wieder christliche Fundamentalisten im Westen, kann und muß uns aber gleichgültig lassen, weil wir keine fremden Völker missionieren wollen. Genauso ist es, wenn in China halbchristliche Sekten, die mit dem Geist des Konfuzianismus nicht übereinstimmen, verfolgt werden; auch dies ist chinesische Angelegenheit und hat nicht zu Protesten unserer Regierung wegen angeblicher oder tatsächlicher Menschenrechtsverletzungen zu führen. Deutschland ist in zwei Weltkriegen nahezu ausgeblutet; wir können uns nicht leisten, in neue blutige Weltkriege verwickelt zu werden. England hat sein Weltreich verloren, „Great Britain“ ist zu „Little Britain“ geworden, weil es sich 1939 zur Kriegserklärung gegen Deutschland drängen ließ. Wir dürfen einem solchen Druck unserer „Freunde“ nicht nachgeben! Wir haben den Amerikanern auch nicht dankbar für irgend etwas zu sein.

Wir sind 1945 nicht befreit worden, sondern besiegt, Deutschland ist zerstückelt und aufgeteilt worden, rein deutsche Gebiete sind abgetrennt worden, die Amerikaner und die Briten haben zugestimmt, daß ein Viertel von Deutschland unter fremde Herrschaft gestellt und die Bevölkerung unter blutigsten Umständen vertrieben wird, große Teile der deutschen Industrie wurden von Amerika und England abmontiert, das deutsche Auslandsvermögen wurde einkassiert, die deutschen Patente im Wert von über 20 Milliarden Mark eigneten sich die Amerikaner an. Die etwas über eine Milliarde Dollar Marshallplan-Mittel, die Deutschland erhielt, waren Kredite, mit denen wir dann in den USA Waren kaufen „durften“, weil die amerikanische Kriegswirtschaft auf Frieden umschalten mußte, um die Arbeitslosigkeit dort nicht zu sehr hochschnellen zu lassen. Die Kredite haben wir zurückgezahlt, und das war im amerikanischen Interesse, genauso wie die Luftbrücke nach Berlin, die im übrigen gar nicht nötig gewesen wäre, wenn nicht die USA mit ihren massiven Hilfslieferungen sofort nach Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges den Zusammenbruch der Sowjetunion verhindert hätten. Die Care-Pakete, die von Amerika-Deutschen ins Mutterland geschickt wurden, verpflichten uns auch nicht zur Dankbarkeit gegenüber den USA, die zusammen mit den Briten mit ihren Flächenbombardements über eine halbe Million Frauen und Kinder in deutschen Wohngebieten umgebracht haben und eine Million deutscher Kriegsgefangener in Lagern nach Kriegsende haben verhungern lassen. Wir brauchen den Amerikanern also nicht dankbar zu sein, wir schulden ihnen keine Nibelungentreue, und es liegt in unserem Interesse, genauso wie beim letzten Irakkrieg uns aus jedem weiteren Krieg der Amerikaner herauszuhalten, notfalls unter Austritt aus der NATO, um unser Land nicht terroristischen Repressalien (gegen die uns die USA nicht schützen können) auszusetzen.

Huntingtons Sirenenklänge von der „westlichen Kultur- und Wertegemeinschaft“ hören wir wohl; wir müssen uns aber die Ohren verstopfen. Amerika wird an seinen inneren Rassenspannungen, seinem Multikulturalismus und seiner wirtschaftlichen Unfähigkeit (ohne den ständigen Zustrom von Milliarden und Abermilliarden an Kapital sowie Technikern, Wissenschaftlern und Forschern wären die USA längst zusammengebrochen) schneller seine Weltmachtrolle verlieren, als wir uns heute noch vorstellen können. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, uns an dem sinkenden Schiff festzubinden. Es liegt im Interesse der deutschen Heiden, daß hier eine eigenständige, an den Interessen unseres Landes ausgerichtete Politik getrieben wird, die für eine stabile Friedensordnung in diesem Raume sorgt. Amerika mit seinen „kulturellen Errungenschaften“ Fastfood, Popmusik, Fernseh-Seifenoperserien und Multikulturalismus hat nichts, was nachahmenswert wäre. Je schneller die Macht Amerikas sinkt, desto friedlicher kann die Welt leben. Ob durch Sendungen in tschetschenischer Sprache auf Radio Free Europe, durch Entsendung von Militärberatern nach Georgien oder durch die Einrichtungen von Militärbasen im ehemals sowjetischen Mittelasien: Immer versuchen die Vereinigten Staaten, Konflikte zu schüren. Die USA könnten ganz einfach durch Einstellung jeglicher Zahlung und Militärhilfe für Israel einen Friedensprozeß im Nahen Osten in Gang bringen, weil die „Groß-Israel-Politik“ für keine israelische Regierung mehr finanzierbar wäre. Die USA lassen es sich viel Geld kosten, um zunehmend mehr Kriege auf der Welt entstehen zu lassen. Es ist ein Treppenwitz der Weltgeschichte, daß gerade eine sozialdemokratische Regierung die Bundeswehr umbaut, so daß sie nicht mehr zur Verteidigung des eigenen Landes, sondern als Eingreiftruppe überall in der Welt dient, um künftig Hiwis für die Amerikaner zu spielen.

Je schneller die Nordamerikaner lernen, daß sie schon in einigen Jahren keine Weltmacht mehr sein werden, und daß sie deswegen mit ihren Kräften haushalten müssen, desto besser ist es für den Frieden der Welt.
Im übrigen ist nach meiner Auffassung „der Westen“ kein Abgrenzungskriterium. Was Huntington nicht erwähnt, was aber in den Debatten der letzten 20 Jahren immer wieder eine Rolle gespielt hat, sind Formulierungen wie „Aufstand der Dritten Welt“, oder aber „Entwicklungsländer gegen entwickelte Länder“ oder aber „Nord-Süd-Konflikt“. Der Begriff „Dritte Welt“ ist zwischenzeitlich auch überholt, weil mehrere früher dazu gerechnete Länder wie Indien oder China zwischenzeitlich Großmachtstatus sowohl wirtschaftlich wie militärisch erreicht haben. Bei dem Begriff „Entwicklungsländer“ ist nicht hinreichend unterschieden worden zwischen solchen Ländern, die die geistigen und willensmäßigen Voraussetzungen zu einer Entwicklung haben, und solchen Ländern, die dauerhaft keinen wirtschaftlichen Aufschwung nehmen können. Aus dem Begriff „Nord-Süd-Konflikt“ wird schon deutlich, daß bei künftigen Auseinandersetzungen auch Rassenfragen eine Rolle spielen können. Allerdings wäre es falsch, nun zu glauben, mit Rücksicht auf den Zustrom von Farbigen nach Europa und in die USA würde aus gemeinsamer Solidarität heraus ein Einvernehmen zwischen allen weißen Völkern oder Staaten entstehen.

Wir haben schon gesehen, daß Huntington den von Rußland dominierten weiß-orthodoxen Bereich ausklammert bei seiner Forderung nach Solidarität. Nicht nur Adolf Hitler, sondern auch zahlreiche Bevölkerungswissenschaftler haben vor einem zweiten Weltkrieg, der Selbstzerfleischung Europas und den negativen Folgen gewarnt; das hat blindwütige Hasser wie Churchill, Vansittart, Hoare u. a. nicht daran gehindert, genau diesen Krieg für wünschenswert zu halten und darauf hinzuarbeiten. Die Engstirnigkeit, mit der Frau Thatcher u. a. Briten und Franzosen sowie italienische Staatsmänner die deutsche Wiedervereinigung zu verhindern suchten, zeigt weiterhin, daß von irgendeinem Umdenken in den anderen Völkern keine Rede sein kann. Genausowenig ist zu erwarten, daß in den USA eine Sicht, die von der reinen Beschauung des Bauchnabels abgeht und über den Tellerrand guckt, entstehen wird. Wir Deutschen haben immer den Fehler gehabt, aus einem Verantwortungsbewußtsein heraus auch für andere Völker zu denken und deren Interessen wahrzunehmen (z. B. Herder, Kant usw., auch Hitler, der die britische Festlandsarmee entkommen ließ, um das britische Weltreich nicht zu gefährden). Wir haben daraus immer die größten Nachteile gehabt, so daß nunmehr die anderen Völker und Staaten vorzuleisten haben, statt von uns wieder „Zurückstecken der eigenen Interessen für das große Ganze“ zu verlangen. Hinzu kommt, daß eine Abgrenzung der Sympathien oder Antipathien nach solchen Begriffen wie „Weiße, Schwarze, Gelbe“ nicht möglich ist. Die Anthropologie unterscheidet drei Großrassenkreise, die Europiden, die Mongoliden und die Negriden. Typologisch gehören zu den Europiden auch der allergrößte Teil der indischen Bevölkerung, ferner fast alle Muslime.

Diese stellen aber eigene Kulturkreise dar, wie Huntington richtig erkannt hat. Recht hat Huntington damit, daß es sinnvoll ist, wenn es einen Kernstaat in einem Kulturkreis gibt, weil sich dann Konflikte entschärfen lassen. Seine Aufteilung der „Weißen Welt“ ist so aber nicht brauchbar. Die USA können realistisch in 20 oder 30 Jahren nur noch die Kernmacht eines angelsächsischen Kulturkreises sein, der aus England, Kanada und Australien sowie Neuseeland besteht. Rußland ist und wird bleiben die Kernmacht des slawisch-orthodoxen Teiles des Kontinents. Frankreich ist die Kernmacht des romanisch-katholischen Europas. Deutschland ist Kernmacht des germanischen Teils Europas (mit Ausnahme Englands). Natürliche Verbündete auf dem Kontinent, weil es dort nie Territorialstreitigkeiten gegeben hat, wären für uns Rußland, Weißrußland und die Ukraine. Wir dürfen auch nicht vergessen, daß Großbritannien, Frankreich, Polen und Italien gegen die Wiedervereinigung waren, diese teilweise sogar aktiv zu verhindern suchten, wohingegen Rußland sie ermöglicht hat. Mitgespielt hat dabei sicherlich auch, daß es – anders als zwischen Deutschland und Großbritannien, Frankreich oder den USA – keinerlei handels- und industriepolitischen Gegensatz zwischen Deutschland und den großen slawischen Nationen in Vergangenheit oder Gegenwart gegeben hat.

Nordamerika, England und Australien werden in hundert Jahren – wenn dort nicht ein politischer Umsturz erfolgt – dasselbe Bevölkerungsbild bieten wie heute Südamerika und dann dieselbe finanzielle, wirtschaftliche und militärische „Leistungsfähigkeit“ wie die südamerikanischen Staaten besitzen. Teile der USA und Kanadas könnten nur überleben, wenn sie sich selbständig machen würden, was aber (vgl. den amerikanischen Bürgerkrieg) mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden sein dürfte. Jedenfalls kann es nicht in Frage kommen, daß wir Deutsche Fahnenträger der „westlichen Welt“ werden und mit ihr in den Untergang gerissen werden. Alle USA-Minister werden voraussichtlich in hundert Jahren nicht mehr wie Rumsfeld aussehen, sondern wie Powell oder die Sicherheitsberaterin Rice, und ihre Generäle wie der Chef der US-Truppen im Irak Sanchez. Im russischen Kabinett wird es aber auch in hundert Jahren – ohne daß es ein rassisches Erwachen und eine an Rassenfragen ausgerichtete Politik geben müßte – voraussichtlich nur Minister geben, die – wie Putin – uns auf Anhieb als Verwandte sympathisch vorkommen. Wir dürfen uns nicht als „Bannerträger der westlichen Wertegemeinschaft“ für die US-Interessen verheizen lassen. Nicht nur den anderen Kulturkreisen mit europäischer Herkunftsbevölkerung gegenüber, sondern auch bei unseren Beziehungen zu anderen Kulturkreisen (besonders dem chinesischen, dem hinduistischen und dem islamischen) haben wir uns einzig und allein von unseren eigenen Interessen leiten zu lassen.

Gerechtigkeitshalber muß gesagt werden, daß Huntington nicht der erste gewesen ist, der die selbstgefällige Attitüde der US-Amerikaner: „Wir sind die Größten, uns kann nichts passieren!“ in Frage gestellt hat. Ihre Gefährdung, insbesondere wegen Veränderung der inneren Struktur – haben vor ihm James Burnham („The Suicide Of The West“ – 1964) und – unter Darlegung der Gründe für den Verfall – insbesondere William Gayley Simpson („Which Way Western Man?“ – 1978), nach ihm Patrick J. Buchanan („Der Tod des Westens – Geburtenschwund und Masseneinwanderung bedrohen unsere Zivilisation“ – 2002) dargelegt. Solange sie Rufer in der Wüste bleiben, besteht keine Veranlassung, unsere Haltung zu überdenken. Es waren die USA, die durch ihren Eintritt uns zwei Weltkriege verlieren ließen. Die Teilnahme an einem Dritten Weltkrieg der USA würde unser Volk auslöschen.

Was ist für unsere Wirtschaft und Finanzen besser: Die Freundschaft der muslimischen Welt oder die alljährlichen immer wieder erneuerten Forderungen und Zahlungen von Milliarden Euro wegen „Wiedergutmachung“ an immer neuen Holocaust-Fonds? Was ist für unser Selbstbewußtsein schädlicher, die Pflichtlektüre des Tagebuchs der Anne Frank in den Schulen, oder eine muslimische Schülerin mit Kopftuch? Hat die Sterilisierung des gesamten deutschen Volkes ein muslimischer Geistlicher gefordert, oder war dies Nathan Kaufman von der amerikanischen „Friedens-Liga“? Wer stellt die deutschen Soldaten als dumme Schlächter dar, die islamische Filmproduktion oder Hollywood-Regisseure? Wer hat die Wiedervereinigung zu verhindern versucht, der Rat der islamischen Staaten oder der jüdische Weltkongreß? Wer war für die Ermordung von einer halben Million deutscher Zivilisten durch Bombenterror auf die deutschen Städte verantwortlich, ein Kalif oder der aus rassischen Gründen aus Deutschland emigrierte britische Unterstaatssekretär Lindemann? Wer wollte die Zerstückelung Deutschlands und den Hungertod von 20 Millionen, der Großmufti von Jerusalem oder Henry Morgenthau? Wer stand am 14.02.3804 in Dresden beim Trauerzug zum Gedenken an die Bombenopfer am Straßenrand mit jüdischen und amerikanischen Fahnen und den Transparenten: „Bomber Harris, do it again“ und „Oma und Opa waren Täter, keine Opfer“, islamische oder jüdische Einwanderer? Und wer würde sich am meisten freuen, wenn die im zweiten Weltkrieg noch zusammenwirkenden Araber und Deutschen sich in einem erneuten Kreuzzug gegenseitig umbringen würden? Lassen wir uns nicht als Kanonenfutter in einen christlichen Kreuzzug gegen die Muslime hetzen! Vor der muslimischen Zuwanderung nach Deutschland wird von manchen CDU-Politikern gewarnt und deren laufende Erhöhung angeprangert; aber dieselben Herrschaften erlaubten und ermöglichten, daß sich seit 1990 die Zahl der Juden durch Zuwanderung russischer Juden in Deutschland verachtfacht hat (von 33000 auf jetzt 270000 laut Mitteilung der evangelischen Nachrichtenagentur idea). Die Muslime haben sich in Deutschland jedenfalls in den letzten 14 Jahren nicht verachtfacht. Es muß unsere Aufgabe als deutsche Heiden sein, jeglichem Übergreifen des jüdisch-christlichen Fundamentalismus auf Deutschland entgegenzutreten, um unser Volk aus den Religionskriegen der Zukunft herauszuhalten!

Bevor die Friesen Christen wurden

Wer denkt schon bei Sylt an eine „Insel der Toten“, wer bei Helgoland an einen Göttersitz oder beim Anblick nordfriesischer Inselkirchen an „Heilige Linien“ Michael Engler spürt die oft rätselhaften Kulte vorchristlicher Zeit auf und lädt zu einer Entdeckungsreise durch die Inselwelt zwischen Helgoland und Sylt ein von den steinzeitlichen Monumenten eines längst verschollenen Glaubens bis zu mittelalterlichen Sakralbauten über uralten Tempelorten. Da wird von großräumig in Landschaften angelegten Kalendarien berichtet, von geheimnisvollen Ringwällen und von jahrtausendealten exakten Berechnungen für astronomische Beobachtungen oder von ganzen Dörfern für die Götter. Das heute noch praktizierte — und als touristische Attraktion genutzte — Biekebrennen macht deutlich, dass manch ein „heidnischer“ Brauch die Jahrhunderte überlebt hat, auch wenn der ursprüngliche Sinn längst verloren ging. Ein spezielles Licht- und Aufnahmeverfahren hebt die Kultstätten aus ihrem natürlichen Umfeld hervor und verwandelt auf den ersten Blick kaum wahrnehmbare Spuren in wieder vorstellbare Räume. Legenden und Chroniken — mit nordfriesischen Landschaftsbildern in Szenen gesetzt — versetzen den Zuschauer in jene Zeit, bevor die Friesen Christen wurden.


Das Lied der freien Friesen

Wy eddlen fryen  Fresen
wy syndt nhu also freigh,
denn unser Blut und Wesen
haßt jede Tyrannei.
Tributh woll’n wy nich geven,
ein freigh volck woll’n wy syn.
Wy laten unser leven
für Worstenlandts Gedeihn!
Wir edlen freien Friesen
wir sind nun also frei,
denn unser Blut und Wesen
hasst jede Tyrannei.
Tribut wollen wir nicht geben
ein freies Volk wollen wir sein.
Wir lassen unser Leben
für Wurstenlands Gedeihn!
Aus:  Kurt Heimart-Holscher – Feinde des  Volkes
Die Geschichte der  Wurstfriesen (Westfriesland), die von Römlingen 1557 ihrer Freiheit beraubt  wurden. Der Fremdglaube und der Verrat der Eignen hatte sie besiegt. ergänzend:

Der Friesenaufstand im Jahr 28

Der germanische Stamm der Friesen war von Drusus während seiner Germanienzüge unterworfen worden und mußten wegen ihrer Armut aber nur niedrigen Tribut in Form von Rinderfellen zahlen. Im Jahre 28 nach Christus erschien der römische Tribun Olennius im Gebiet der an der Nordseeküste zwischen Zuidersee und Weser siedelnden Friesen, um mit den Stammesfürsten zu verhandeln. Friesland stand zum römischen Impe­rium in einem beiderseitigen Vertragsverhältnis. Für militärischen Schutz römischer Legionen zahlten die Friesen mit Kriegsdiensten und einem jährlichen Tribut. Der Tribut bestand aus einer bestimmten Menge Ochsenhäuten. Olennius, ein alter Soldat, aber kein Verwaltungsfachmann, befahl, daß die zu liefernden Häute in Zukunft der Größe von Auerochsen entsprechen müßten. Das war eine mehr als harte Forderung. Die wilden Auerochsen waren wesentlich größer als die auf den Weiden gra­senden Ochsen, die einem kleinen, ziemlich unansehnlichen Schlag entstammten. Nach und nach mußten die Friesen ihren gesamten Viehbestand opfern, denn es war unmöglich, so viele Auerochsen zu erlegen.
Das Kastell Flevum lag an der Nordsee, dem damaligen Germanischen Meer ,weit jenseits der offiziellen römischen Reichsgrenze am Rhein. Es zeigt aber auch auf, wie groß der römische Machtbereich in das rechtsrheinische Germanien war

Da die Forderung auch damit nicht erfüllt war, gaben sie ihre Äcker und Wiesen in Zah­lung. Olennius aber sprach immer noch sein erbarmungsloses «Es genügt nicht!«.
Eine Delegation, die ihm vorhielt, daß die Friesen einmal die römische Flotte vor dem Untergang gerettet, sich auch nicht am Aufstand unter Arminius beteiligt und überhaupt ihre Freundschaft zu Rom oft bewiesen hätten, entließ er mit barschen Worten und Drohungen.
Seine Soldaten wies er an, den Zins unter Anwendung brutalster Mittel einzutreiben. Was die Friesen nun tun, scheint unfaßbar: Sie empören sich nicht, stehen nicht auf wie ein Mann, um die Römer zu ver­treiben – sie ziehen mit ihren Frauen und Kindern zur näch­sten Handelsniederlassung und verkaufen sie in die Sklave­rei. Der Erlös soll endlich die Norm erfüllen, die man ihnen gesetzt hat. Und erst jetzt, nachdem die Römer sich noch im­mer nicht zufrieden zeigen, kommt es zum Aufstand. Die Friesen ließen alle tributeintreibenden Soldaten aufhängten und ans Kreuz nageln. Tribun Olennius floh in das Kastell Flevum an der Nordseeküste.
Daraufhin zogen niedergermanische Legionen unter Legat Apronius mit obergermanischer Verstärkung gegen die Friesen, erlitt aber aufgrund schlechter Angriffstaktik große Verluste. Die südlich siedelnden unter römischer Oberheit stehenden Bataver beteiligten sich dabei nicht an dem Feldzug.
„clarum inde inter Germanos Frisium nomen, dissimulante Tiberio damna, ne cui bellum permitteret“ (Tacticus ann. 4,74,1). Als Tiberius von diesem schlecht verlaufenden Feldzug hörte ,verzichtete er auf einen weiteren Vergeltungsfeldzug, wodurch die Friesen für fast 20 Jahre von der römischen Besatzung befreit waren. Das Römische Reich gab dazu noch das rechtsrheinische Friesengebiet auf.
Ein Grund für die ungewöhnliche Nachsicht der Römer waren die in diesen Jahren weit stärkeren inneren Probleme des Reiches, auch weil Tiberius sich aus der Regierung fast völlig zurückgezogen hatte und der eigentliche Machthaber in Rom der Prätorianerpräfekt Seianus war.

Die Legende vom christlichen Abendland

hexenhammer_wasserprobe Mit nur wenigen anderen Begriffen ist seit Jahrhunderten so oft und so gern Politik gemacht worden, wie mit dem des „christlichen Abendlandes“. Dabei gab (und gibt es noch) vielfältige Variationen des Themas: Da ist die Rede von der „christlich-abendländischen Kultur“, die es zu verteidigen gelte, vom „christlichen Erbe unseres Kontinents“ und schliesslich von der „christlichen Zivilisation“, deren weltweite Ausbreitung auch Indern, Indianern, Papuas und Buschmännern, Chinesen und Eskimos Glück und Segen bringen solle. Die Folgen dieser christlich-abendländischen Propaganda sind allgemein bekannt: Blutige Kriege wurden von ihr angeheizt, in denen christliche Priester beider Konfessionen die Waffen für den Kampf gegen sogenannte „Ungläubige“ segneten.

Ganze Völker überall in der Welt wurden unterworfen und zwangsweise zum Kreuz bekehrt, ihre jahrtausendealten eigenen Kulturen und Religionen brutal unterdrückt. Und in Europa selbst loderten jahrhundertelang die Scheiterhaufen der Hexen-, Ketzer- und Bücherverbrennungen, und wurden zahllose Menschen um Haus, Hof und Heimat gebracht, um der seltsamen Konstruktion einer christlich-abendländischen Kultur zur Durchsetzung zu verhelfen.

Europa, das „Abendland“, wurde als „christlich“ definiert und getreu dem Satz, das nicht sein kann, was nicht sein darf, musste alles beseitigt werden, was der Gleichsetzung von Abendland und Christentum widersprach.

Und es widersprach so vieles!

Heute, in einer Zeit, in der die Macht der Institution Kirche angeschlagen, und unser Wissen um die geschichtliche Wirklichkeit gewachsen ist, stellt sich das „christliche Abendland“ zunehmend mehr als eine Fiktion, ein propagandistisches Konstrukt, eine Legende mit schlimmen Folgen dar, nach deren Entstehung und Konsequenzen wir uns zu fragen haben. Die Wurzeln der christlichen Religion liegen in Vorderasien, die Bibel, als zentrale Quelle der christlichen Lehre, ist in weiten Teilen die Überlieferungssammlung einer alten vorderasiatischen Volksreligion, des Judentums. Entstanden als jüdische Sekte unter den besonderen Bedingungen der römischen Herrschaft in Palästina, ist das Christentum in seinem Kern und in seiner ursprünglichen Form durch diese ethnischen, räumlichen und zeitlichen Entstehungsbedingungen geprägt. Religion und Kultur sind stets abhängig von den spezifischen Denkstrukturen und Mentalitäten des Volkes, dem sie entspringen, wobei diese wiederum von Vererbung, Überlieferung, konkreter geschichtlicher Erfahrung und geographisch-klimatischen Bedingungen geprägt werden. Mit der Geringschätzung der Natur, der Abwertung der Frau und dem Glauben an jenseitige Erlösung entsprach die christliche Lehre in wesentlichen Punkten den traditionellen Volksreligionen des vorderasiatischen Raumes und der dort bis heute vorherrschenden Mentalität. Ihre im Gegensatz zu anderen Glaubensrichtungen innerhalb des Judentums betont sozialutopische und egalitäre Tendenz, die in der Lehre von der völligen Gleichheit aller Menschen vor dem Richterstuhl des über und jenseits der Welt stehenden Gottes gipfelte, liess die christliche Religion vor allem bei den Unterschichten des römischen Imperiums, bei den auf Erlösung harrenden Sklaven, neue Anhänger gewinnen.

Selbstverständlich stand das Christentum mit seiner von den vorderasiatischen Ursprüngen geprägten Lehre im scharfen Widerspruch zu den Volks- und Stammesreligionen der Römer, Griechen, Kelten, Slaven, Balten und Germanen, d.h. der Völker indoeuropäischer Wurzel, die sich – bei aller Unterschiedlichkeit im einzelnen – gerade durch ein tiefes Gefühl der Eingebundenheit in die Natur, die hohe Achtung der Frau in ihrer natürlichen Rolle, den Gedanken der Selbsterlösung durch die Tat und den Glauben an eine der Natur und der Welt innewohnende, also nicht ausserhalb von ihr stehende, Göttlichkeit auszeichnete. Von diesen Ausgangsbedingungen waren die christliche Religion und die europäischen Volksreligionen von Anfang an einander diametral entgegengesetzt, und das Denken der europäischen Menschen war dem Christentum völlig fern. [newpage] Erst im vierten Jahrhundert, unter dem römischen Kaiser Konstantin dem „Grossen“, gelang es der christlichen Lehre, zur beherrschenden Religion im Imperium Romanum zu werden. Mit ausschlaggebend hierfür war die Tatsache, dass die alte römische Volksreligion in dem hunderte von Völkern und Stämmen umfassenden Reich, keine Integrationskraft mehr besass, und ihre Träger, die eigentlichen Römer, selbst unter führenden Schichten des Reiches nur noch eine Minderheit darstellten. Mit seinem universalen, ethnische Besonderheiten nicht nur ignorierenden, sondern bewusst nivellierenden Anspruch, bot sich das Christentum als neue, integrationsfähige Staatsreligion an. In der Folgezeit begann dann die Missionierung Mittel-, Nord- und Osteuropas, die eine genauere Betrachtung verdient. Die Christianisierung lief fast überall nach gleichem Schema ab: Ein Fürst oder König trat zum christlichen Glauben über, wobei in zahlreichen Fällen hierfür politische und machtstrategische Überlegungen und keinesfalls eine „innere Bekehrung“ ausschlaggebend waren. Vor allem bei den Germanen war es dann das alte Prinzip der „Gefolgschaftstreue“, durch das auch seine Männer und ihre Familien in den Schoss der Kirche geführt wurden.

Als erster germanischer Stamm nahmen 416 n.Ztw. die linksrheinischen Burgunder das Christentum an, 430 folgten die rechtsrheinischen Burgunder, 488 die Sweben und 498 die Franken unter König Chlodwig I. Im 6. Jahrhundert wurden dann die Goten christlich. Die formale Taufe bedeutete dabei zunächst noch wenig, und viele der alten heidnischen Sitten und Bräuche lebten fast unverändert weiter fort. Als Bonifatius 723 die Donareiche fällte, geschah das in Hessen, einem Land, das bereits vorher formal dem Christentum zugefallen war, ohne dass dies an der Lebensweise seiner germanischen Bewohner zunächst viel geändert hätte – Kreuz und Irminsul standen eine ganze Zeitlang nebeneinander. Am Ende des 8./Anfang des 9. Jahrhunderts erfolgte die Christianisierung der Sachsen zwischen Ems und Elbe, Eider und Harz, wobei die Hinrichtung von über 4000 sächsischen Kriegern und Edlen in Verden an der Aller im Jahre 782 ein deutlicher Hinweis darauf ist, mit welcher Härte die Widerstände dieses germanischen Stammes gegen seine Unterwerfung und Bekehrung gebrochen werden mussten. Erst im 11. Jahrhundert setzte dann die Christianisierung der Nordgermanen und der britannischen Angelsachsen ein. In Norwegen war es Olaf der Heilige, der von 1016 bis 1028 regierte, der den neuen Glauben mit Gewalt und gegen scharfe Widerstände einführte. In Schweden zogen sich die Kämpfe zwischen den christlichen Gauten und den weiterhin heidnischen Svear Uplands sogar noch bis 1125, also bis ins 12. Jahrhundert, hin. Spät erfolgte auch die Christianisierung Osteuropas.

hexe_flugblatt Erst 966 trat der polnische Herrscher Mieszko I. zum Christentum über, wofür auch nicht die innere Überzeugung, sondern die machtpolitisch motivierte Heirat mit der böhmischen Prinzessin Dubrawka ausschlaggebend war. Aus dem 11. Jahrhundert wird aus Schlesien und Böhmen selbst von heidnischen Aufständen berichtet – wohlgemerkt: in einem Kernland Europas und mitten im vielzitierten „christlichen Mittelalter“. Ungarn wurde erst Anfang des 11. Jahrhunderts christlich, und im russischen Grossfürstentum Kiew entschloss man sich zwar 987 zur Annahme der christlichen Religion durch das Herrscherhaus, doch mussten die Untertanen noch massenhaft und recht unsanft zur Zwangstaufe in den Don getrieben werden. Auch hier waren wieder machtpolitische Gegebenheiten bestimmend gewesen, die sich die Kirche geschickt zunutze gemacht hatte: Die Heirat des Kiewer Grossfürsten WIadimir I. mit der byzantinischen Prinzessin Anna. Nach wie vor dem Christentum verschlossen blieb dagegen Litauen, und noch bis ins 15. Jahrhundert hinein zog sich der Abwehrkampf der Litauer zur Verteidigung ihrer Volksreligion hin – d.h., bis in die Zeit kurz vor Kolumbus‘ Amerikafahrt hielt ein ganzes europäisches Volk am heidnischen Glauben fest und wurde von der Christianisierung noch nicht erfasst. Aus dieser kurzen historischen Übersicht wird bereits deutlich: Die Christianisierung Nord-, Mittel- und Osteuropas war ein Prozess, der rund 1000 Jahre in Anspruch nahm, ehe alle Gebiete des Kontinents auch nur formal, d.h. durch Übertritt des jeweiligen Herrschers zur Kirche und die Proklamation des Christentums als Staatsreligion, für den neuen, fremden Glauben gewonnen war. Bis ins späte Mittelalter und bis ca. 80 Jahre vor der Reformation hielten sich in Europa Territorien mit heidnischer Bevölkerung, Territorien, in denen das Christentum nur gegen starke Widerstände Fuss fassen konnte. Der Abschluss der ersten, formalen Christianisierung liegt also noch keine 600 Jahre zurück, davor aber liegt eine vieltausendjährige Epoche europäischer Kultur, die von allem anderen als der christlichen Lehre bestimmt war. Allein von dieser zeitlichen Dimension her ist die Gleichsetzung von europäischer Kultur und Christentum ein Unfug, der sich sehr schnell als reine Zweckpropaganda entlarvt.

Die formale Christianisierung eines Gebietes war überdies noch keinesfalls gleichbedeutend mit der tatsächlichen Annahme des christlichen Glaubens durch die jeweiligen Bewohner. Gerade über dieses Missverhältnis zwischen „offizieller“ Annahme des Christentums und tatsächlichem, kulturellem und religiösem Verhalten liefert eine neue Unterdisziplin der Geschichtswissenschaft, die historische Volkskulturforschung, in den letzten Jahren eine Fülle hochinteressanter Details, die das Gespinst des „Christlichen Abendlandes“ mehr und mehr als Legende erscheinen lassen. Bemerkenswert ist, dass diese neue Fachrichtung, die auch volkskundliche, religionswissenschaftliche und soziologische Aspekte in ihre Untersuchungen mit einbezieht, vor allem in England und Frankreich einen starken Aufschwung hat, in Deutschland aber teilweise noch starken Widerständen ausgesetzt ist. Hierzulande scheint es auch mehr als 40 Jahre nach Kriegsende nur unter Schwierigkeiten möglich zu sein, in historischen und volkskundlichen Fachkreisen auf heidnisch-naturreligiöse Kontinuitäten in der Volkskultur hinzuweisen. Allzu schnell kommt dann der Verweis auf ähnliche Bemühungen in der Zeit vor 1945, was einem wissenschaftlichen Verdammungsurteil gleicht. So lässt sich nach wie vor mit dem schlichten Satz „das haben die Nazis auch gemacht“ jeder ernsthaften wissenschaftlichen Diskussion aus dem Wege gehen.

Der britische Wissenschaftler Peter Burke gibt in seinem Buch „Helden, Schurken, Narren, europäische Volkskultur der frühen Neuzeit“ eine gute Übersicht darüber, wie wenig bzw. wie oberflächlich die Christianisierung auch noch nach dem Ende des Mittelalters in Europa Fuss gefasst hatte. So schreibt er: „Weder in Irland noch in Wales, Schottland oder der Bretagne war zu jener Zeit die keltische Mythologie oder der keltische Baumkult ausgestorben. In Teilen Skandinaviens war die nordische Mythologie erhalten geblieben. In den skandinavischen Alpen und in Lappland wurde noch im achtzehnten Jahrhundert der nordische Gott Thor verehrt, und der Donnerstag als Feiertag betrachtet. Nordische Mythen blieben in Skandinavien als Volksballaden erhalten. Am lebendigsten erhielten sich vorchristliche Kultformen in Litauen und in Russland. 1547 sollen die Litauer immer noch ihre alten Götter Perkuna, Laukosargas und Zemepatis verehrt haben. 1549 berichtete der kaiserliche Gesandte Herberstein, dass in der Gegend von Perm in Russland in den Wäldern immer noch Götzendiener zu finden seien, und dass der alte Donnergott Perun noch angebetet werde“. (S. 63 f.) Und noch zu der Zeit, als christliche Missionare bereits Mittel- und Südamerika, Indien und die afrikanische Westküste überfluteten, sahen sie sich in ihrem europäischen Hinterland mit Problemen konfrontiert, die denen in den neuen Kolonien durchaus entsprachen.

hexenverfolgung1 Burke schreibt dazu: „So predigten Jesuiten am Ende des 16. Jahrhunderts in Huelva, westlich von Sevilla und stellten fest, dass die Einwohner eher Indianern glichen, als Spaniern“. 1628 erklärte Sir Benjamin Rudyard im Unterhaus, es gebe Teile von Nordengland und Wales, „die schwach im Christentum seien, wo Gott kaum mehr bekannt sei, als unter den Indianern“. (S. 222) Ein französischer Kollege Burkes, Robert Muchembled, kommt zu ähnlichen Ergebnissen. In einer grossangelegten Studie, die 1982 auch auf Deutsch unter dem Titel „Kultur des Volks – Kultur der Eliten“ erschien, befasste er sich mit der Volkskultur Nordfrankreichs zwischen dem 5. und dem 18. Jahrhundert und ihren Veränderungen. Er konstatierte dabei vor allem bei der Landbevölkerung eine Weltsicht, die sich wesentlich von der heutigen, aber auch von der damaligen kirchlichen, unterschied. So wurde die Zeit nicht als linear, sondern als zyklisch, geprägt vom Rhythmus der natürlichen Abläufe, empfunden, ein Zeitbegriff, der im krassen Widerspruch zum linearen, eschatologischen Denken des Christentums stand.

Dem zyklischen Zeitempfinden entsprachen bestimmte Festzyklen, die sich zwar oberflächlich am Kirchenkalender orientierten, von denen Muchembled aber sagt, dass sie „nicht oder nicht rein christlichen Ursprungs“ gewesen seien (S. 53). Sie hätten vielmehr „noch deutlich ambivalenten, dass heisst sowohl christlichen als auch heidnischen Charakter“ gehabt (S. 53). Mit dieser Tatsache verweist Muchembled auf die ja auch in Deutschland ersichtliche Tatsache, dass die Kirche nicht umhin konnte, die Feste der alten Volksreligion, etwa die Wintersonnenwende, aufzugreifen und allmählich in ihrem Sinne umzudeuten, um überhaupt einen Zugang zu der christlichem Denken fremd gegenüberstehenden Bevölkerung zu finden. Weiterhin verweist Muchembled auf die am Ende des Mittelalters noch völlig andere Stellung der Frauen: Sie waren es, „die einen zählebigen heidnischen Glauben von Generation zu Generation weitergaben“ (S. 63) und als Hüterinnen religiösen und volksmedizinischen Wissens grösste Achtung im Volk genossen. Erst im 16. und 17. Jahrhundert kam es dann zu einer Art zweiten oder „inneren Christianisierung, zur Ausmerzung der noch stark vorhandenen heidnischen Glaubenselemente und zur radikalen Durchsetzung der kirchlichen Normen. Ketzerprozesse, Hexenverfolgungen und eine strenge Reglementierung des Alltagslebens wie auch der Festkultur sind kennzeichnend für diese zweite Christianisierungsphase. Aus all dem wird ersichtlich, dass auch nach der, sowieso erst recht spät vollständig erfolgten, formalen Christianisierung Europas weite Teile der Bevölkerung in den einzelnen Ländern der christlichen Lehre gleichgültig bis schroff ablehnend gegenüber standen, und vor allem die Kultur der Landbewohner – und dies war die Masse der Bevölkerung – noch überwiegend von älteren, heidnischen bzw. volksreligiösen Traditionen und Denkvorstellungen geprägt war. Auch in dieser Hinsicht greift also das Schema vom „christlichen Abendland“ nicht.

Eine genaue wissenschaftliche Betrachtung der kulturellen Erscheinungsformen offenbart bis ins 17. und 18. Jahrhundert hinein in weiten Teilen Europas die Existenz und meist gar die Dominanz eines nichtchristlichen Glaubens, der sich auf die Gedankenwelt der vorchristlichen Volksreligionen gründete, wenngleich diese auch in ihrer ursprünglichen Form zerbrochen waren.

Wie aber sah es mit den Gebildeten in den Städten, mit Gelehrten, Schriftstellern, Künstlern und Forschern aus, mit den Personen also, an die man oft denkt, wenn von „abendländischer Kultur“ gesprochen wird? Gewiss sind uns aus dem frühen Mittelalter im wesentlichen Zeugnisse christlicher, ja, klösterlicher Kultur überliefert, so dass der Eindruck entstehen könnte, es seien Priester und Mönche gewesen, die den heidnischen „Barbaren“ überhaupt erst die Kultur brachten. Doch dieses, von der Kirche und der etablierten Geschichtsforschung gezeichnete Bild ist trügerisch: Auch die heidnischen Völker Alteuropas hatten eine Kultur auf hoher Stufe entwickelt, was z.B. jedem deutlich wird, der einmal die Erzeugnisse keltischer Goldschmiedekunst aus der mehr als zwei Jahrtausende zurückliegenden La-Tene- Zeit oder Produkte nordeuropäischer Metall-Kunsthandwerker aus dem ersten nachchristlichen Jahrtausend gesehen hat. Auch war die vorchristliche Kultur Europas durchaus nicht schriftlos und nur durch die systematische Zerstörung der heidnischen Schriftdenkmäler im Zuge der Christianisierung wurde dieser Überlieferungsstrang abgeschnitten. Verwiesen sei schliesslich auch auf die hochstehenden Kulturen der heidnischen Antike im Mittelmeerraum, die nach der Einführung des Christentums im römischen Reich keinesfalls eine neue Blüte erlebten, sondern vielmehr untergingen.

Seit dem Mittelalter zieht sich dann von Meister Eckehart über Kopernikus, Galilei und Giordano Bruno bis hin zu Goethe eine lange Reihe von Denkern durch die europäische Geistesgeschichte, die teils als offene Ketzer gegen die Lehren der Kirche wirkten und damit die Unabhängigkeit des Denkens gegen die klerikalen Fesseln verteidigten. Somit kann gerade die europäische Geistesgeschichte keinesfalls als Beweis für die Gleichsetzung des Abendlandes mit dem Christentum herhalten. Sie war, trotz aller unbestreitbaren und keinesfalls immer glücklichen christlichen Einflüsse vielmehr seit dem Mittelalter ein Schauplatz des Kampfes um geistige Freiheit gegen kirchliche Bevormundung. [newpage] Fassen wir das Gesagte zusammen, so ergibt sich: Die christliche Lehre fasste in Europa nur ganz allmählich, gegen heftige Widerstände und über einen Zeitraum von mehr als tausend Jahren hinweg, Fuss. Weite Teile Europas blieben bis ins Mittelalter, bestimmte Länder sogar noch Iänger, den alten Volksreligionen treu. In den formal christianisierten Ländern hielt sich noch bis weit in die Neuzeit bei weiten Teilen der jeweiligen Bevölkerung nichtchristliches Denken mit entsprechenden Konsequenzen für Glauben, Alltag und Festkultur. Und bereits seit dem Mittelalter begann sich unter den Gebildeten Widerstand gegen die Doktrinen der Kirche zu regen. Die Suche nach einer neuen, freien Religiosität begann. Über Europa hatte sich zwar nach und nach eine Schicht christlichen Denkens gelegt, doch unter der Oberfläche und vor allem in seinem Kern war dieser Kontinent stets anderen Traditionen verpflichtet. Das „christliche Abendland“ erweist sich somit als Legende, die zeitweilig für Propagandazwecke taugte, dabei nicht die wirkliche Geistigkeit der europäischen Völker beschreiben kann.

kopernikus Abschliessend stellt sich die Frage nach dem Heute und nach den Aufgaben, die Freireligiöse, Freigläubige, Unitarier und verwandte Gruppen haben. Die Macht der Kirchen ist heute in Deutschland nicht mehr die, die noch vor nicht ganz 100 Jahren bestand, sie ist sogar weit geringer, als das noch vor 20 Jahren der Fall war. Insbesondere seit 1967/68 hat ein tiefgreifender Verhaltenswandel in der Bundesrepublik eingesetzt, zu dem eine starke Abwendung weiter Teile der Bevölkerung vom Christentum gehörte. Die statistisch anhand von Massenaustritten aus den Kirchen feststellbare Abwendung wird dabei noch übertroffen durch die innere Abwendung vom Christentum auch bei denjenigen, die aus Bequemlichkeit oder aus familiären bzw. beruflichen Rücksichten noch in den Kirchen verbleiben. Zustände wie noch vor wenigen Jahrzehnten, als die Bevölkerung vieler Dörfer und Städte noch zu fast 100 Prozent der gleichen Konfession angehörte und die Macht der Kirchengemeinde in der politischen Gemeinde entsprechend gross war, finden sich heute nur noch vereinzelt. Konfessionelle Durchmischung und Kirchenaustritte haben die Dominanz einer jeweils einzelnen Kirche fast überall gebrochen.

Hinzu kommt, dass die Kirchen, dabei insbesondere die evangelische, sich mehr und mehr säkularisieren und weltlichen Fragen, vor allem auf politischem und sozialem Gebiet, zuwenden. Dies geht mit einem rapiden Verfall der inneren, geistigen Substanz einher. Angesichts dieser Tendenzen könnte man bereits von einer „Entchristlichung“ der westdeutschen Gesellschaft sprechen, so dass das Christentum im Nachhinein als Episode in der Geschichte der Deutschen erscheint. Eine solche Betrachtung wäre jedoch zu optimistisch und zu voreilig. Mittlerweile nämlich ist das Christentum, ist christliches Denken, in der Form säkularer Heilsideologien wieder in die Köpfe zurückgekehrt. Beispiele dafür gibt es vor allem im politischen Leben genug. Der Wahn absoluter Wehrlosigkeit in weiten Teilen der Friedensbewegung, die heute überall anzutreffende Gleichheits- und Gleichmacherei- Ideologie, die moralisierende statt realistische Betrachtung zahlreicher politischen Fragen, die von überzogener Bussfertigkeit geprägte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, eine universalistische Weltsicht, die die Unterschiede der Völker und Kulturen leugnet – all dies sind Haltungen, die im Kern auf die Buss-, Demuts-, Schuld- und Erlösungsideologie des Christentums zurückgehen und von ihr weiterhin inspiriert werden. So sehr auch die formale Macht der Kirchen schwindet, so sehr ist ein Denken aus christlichen Ursprüngen – und damit letztlich ein natur- und realitätsfernes Denken – in weiten Kreisen von Politik und Gesellschaft verbreitet. Genau hier hat meines Erachtens eine zeitgemässe Arbeit freier Glaubensgemeinschaften anzusetzen. Die Zielvorgaben von einst, wie der Kampf um Geistesfreiheit gegen klerikale Bevormundung, die Freiheit der religiösen Sitten, Bräuche und Handlungen, der Kampf um freien Religionsunterricht, um das Recht auf Feuerbestattung – all dies tritt heute in seiner Bedeutung zurück, da es in mehr als hundertjährigem Ringen bereits weitgehend erreicht werden konnte.

Die neue Aufgabe, die sich allen freien Glaubensgemeinschaften stellt, ist die inhaltliche Gestaltung der erkämpften Freiräume und die Sinngebung für all diejenigen, die zwar die Kirchen verlassen, aber ihr religiöses Bedürfnis deshalb nicht verloren haben. Diese Aufgabe lässt sich nur in der Auseinandersetzung mit den christlichen Inhalten, dem christlichen Denken, bewältigen, ganz gleich, ob es in seiner traditionellen oder in seiner neuen, säkularisierten Form einherkommt. Nicht mehr die äussere, kirchliche Form des Christentums hat also im Vordergrund unserer Kritik zu stehen, sondern das, was an christlichem Denken auch die Köpfe zahlreicher Menschen beherrscht, die sich subjektiv durchaus als Nichtchristen verstehen. Voraussetzung hierzu aber ist, dass wir uns selbst über unser Welt- und Menschenbild und über unser Religionsverständnis klar werden und Suchenden klare Antworten auf brennende Fragen geben können. Das Bild der freien Religion muss wieder schärfer konturiert und für Aussenstehende eindeutiger fassbar werden. Es darf sich nicht in der Unverbindlichkeit eines verschwommenen Allerwelthumanismus verlieren. Schaffen die freien Glaubensgemeinschaften diese Umorientierung und neue Aufgabenbestimmung nicht, dann werden sie bald schon ihre Existenzberechtigung verloren haben. Dem gilt es entgegenzuwirken.

Kampf um Europas religiöse Identität

krebs-identitaet-coverMut zur Identität Alternativen zum Prinzip des Gleichheit / hrsg. Von Pierre Krebs.ISBN 3-922314-79-1© Pierre Krebs, 1988

Wir leben einen politischen Bruch: der alte Streit zwischen ,rechts’ und ,links’, die soziale Frage betreffend, verliert an Kraft. Die offiziellen Rechten und Linken begeben sich zunehmend in eine ideologische Umarmung, der die politische auf dem Fuß folgt: sie haben Gemeinsamkeiten entdeckt, was den Fortbestand der sogenannten westlichen Zivilisation betrifft, und zwar vor allem in den negativ zu bewertenden Bereichen dieser Zivilisation, in den Bereichen ihrer machtstrukturellen, besonders ihrer egalitären, ökonomistischen und universalistischen ,Werte’.

Dieses Buch will etwas dagegen tun. Die einzelnen Abhandlungen zeigen auf, daß sich eine neue Trennungslinie entwickelt, zwischen den Anhängern des Kosmopolitismus und den Verfechtern der ethnokulturellen Identität. In unserer Zeit der Entfremdung von kultureller Schöpferkraft und Tradition eines Volkes ist es unerläßlich geworden, die Wurzeln der Identität, der geistigen Selbsterhaltung und Selbstentfaltung des Einzelnen sowie der verschiedenen Lebens- und Kulturgemeinschaften zu beschreiben, ferner eine Argumentationsbasis für eine fundierte Auseinandersetzung mit dem Geist der Entmündigung, Auflösung und Zerstörung herzustellen.

Die neuen Streitgespräche über die Problematik der Einwanderung und der mehrrassischen, mehr- und mischkulturellen Gesellschaft, über den Verlust von kulturellem Erbe und der Tradition eines Volkes sowie über die technische Entwicklung werfen bezeichnenderweise stets als eine entscheidende Frage die nach der Identität auf. Auch die Bedrohungen auf militärischem und wirtschaftlichem Gebiet stehen im Mittelpunkt der Identitätsdiskussion. Im Kampf gegen die universale Mischkultur muß man die nationalen europäischen Identitäten vereinigen, sie als einander ergänzend betrachten und sie nicht gegenüberstellen. Es gilt, die nationale Identität von oben (Europa) zu ergänzen und von unten (die Region) zu verankern. Mut zur Identität verficht das Modell einer heterogenen Welt homogener Völker, und nicht umgekehrt!

Zerstörung und Erneuerung

„Jedes Seiende ist nicht nur in seinem eigenen Sein ganz es selbst —
Es begehrt nichts anderes zu sein, als was es ist,
und will kein anderes sein —
In jedem anderen aber kann es sich nur eigentlich repräsentieren.“1

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Es ist der deutsche Philosoph Nikolaus Cusanus, 1401 in dem Weinort Kues an der Mosel geboren und 1464 als Kardinal und Generalvikar von Rom und also als zweiter Mann nach dem Papst Pius II. einen Tag vor diesem seinem Freund in Rom gestorben, der seine tief religiös begründete Erkenntnis von der unendlichen Ungleichheit alles Seienden mit seiner Überzeugung vom Willen und Anspruch eines jeden auf Selbstsein und Selbstidentität verbindet. Ohne dieses Selbstsein kann der Mensch nicht im eigentlichen Sinne existieren. Denn als Folge ihrer Verschiedenheit gelangen die Menschen „nur durch unterschiedlichen Zugang“ zur göttlichen Wahrheit.

Dies war ein massiver Schlag gegen den mächtigen Bau der „allumfassenden“ katholischen Kirche, der auf den Auftrag zur Universalität und auf der allgemeinen und absoluten Geltung ihrer für alle verbindlichen Dogmen gegründet war. Skandalöser freilich war, daß der Schlag geführt wurde von einem der Ihren aus dem Kreis des Heiligen Kollegiums selbst in einer dem Kardinal Cesarini vom derzeit päpstlichen Legaten, seinem Studienfreund Nikolaus Cusanus, gewidmeten Schrift. Daß sie ohne Wirkung, aber auch ohne die üblichen Folgen an Leib und Leben für ihren ketzerischen Autor blieb, lag an dem humanistischen Luftzug, der den Vatikan durchwehte und derzeit theologische Besorgnisse durch das Schwelgen in einem hohen Ästhetizismus und in der Lektüre Vergils und Homers gründlich vertrieben hatte. Daß die häretische Abweichung sogar innerhalb der Hierarchie sich zu Wort wagte, war zwar neu, aber unter Gesinnungsfreunden ohne Belang.

I   Zerstörung der religiösen Identität

Bekehren heißt „Unmögliches fordern“

Und Proteste erhoben sich, seit die Kirche den Fuß über den Limes gesetzt hatte. Dabei war es um jenes heiligen Zieles willen, alle Menschen dem Heil zuzuführen, nicht zu umgehen gewesen, daß sie, um der harten Widerstände Herr zu werden, mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln Identität zertreten hatte. Widerspruch, Weigerung sprechen unüberhörbar aus den jammervollen Briefen des Bonifatius2 an den Papst, in denen er seinem Ärger in erschütternden Klagen über die „halsstarrige“ Ablehnung freien Lauf läßt, mit der die „ungeschlachten Barbaren“ sich gegen seine „Bekehrung“ zur Wehr setzen: „Überall Mühe und Kummer! Außen Kämpfe, innen Furcht!“ klagt er und bekennt in der „Beklemmung seines Herzens“ dem Bischof von Winchester: „Für uns gibt es nicht nur nach dem Ausspruch des Apostels ,außen Kampf und innen Furcht’, sondern auch innen Kampf und Furcht!“ und empfängt von ihm aus England, wo man ähnlich herbe Erfahrungen mit dem „unbändigen barbarischen Sinn der Angeln“ gemacht hat, in seiner Verzweiflung Ratschläge, „wie es dir nach meinem Dafürhalten am besten und raschesten gelingen könnte, die Halsstarrigkeit des unbelehrten Volkes zu brechen, indem du ihnen den eigenen Glauben als ,Schmutz und Sünde’ vorhältst, gegen die allein die Taufe helfen kann“.

Als der norwegische König Hakon der Gute, der als Ziehsohn des englischen Königs „gechristet“ ist, auf dem Thing in Drontheim gebietet, das Christentum anzunehmen, erheben die Norweger erregten Widerspruch gegen das Ansinnen, „daß wir unseren Glauben ablegen sollen, den unsere Väter vor uns gehabt haben und alle Voreltern, zuerst im Bronzezeitalter und dann jetzt in der Zeit der Hügelgräber, und sie sind um vieles vornehmer gewesen als wir — und dieser Glaube hat uns doch getaugt!“ Sie schwören, dem König ihr Leben lang zu folgen und ihn in Ehren zu halten, wenn er nicht Unmögliches von ihnen fordere. „Wenn Ihr aber diese Sache mit so großer Strenge aufnehmen wollt, dann haben wir Bauern den Entschluß gefaßt, uns von dir zu trennen und einen anderen Führer zu wählen, der uns derart führt, daß wir in Freiheit unseren Glauben zu behalten vermögen, den wir wollen.“3

Europa empört sich gegen die „Beschmutzung“ der Seele

Aber schon im 4. Jahrhundert züngeln die ersten Flammen der Auflehnung in Trier empor und breiten sich in Windeseile über ganz Gallien aus, Flammen der Empörung über die Verachtung und „schmutzige Verdunkelung“ der Sippe und Ehre und der eigenen, plötzlich für sündig erklärten Seele. Dazu greift die Abneigung gegen die „lichtscheuen Männer“ um sich, die um der Sündigkeit der Welt willen freiwillig elend seien und „die Gottheit sich am Schmutz weiden lassen“, und macht sich in offener Feindschaft und Gewalt Luft. Währenddessen reckt sich in Rom der erste gewaltige, die Kirche erschütternde Protest eines Mannes aus dem hohen britischen Norden empor, der mächtige Widerspruch des germanischen Denkers Pelagius, der es wagt, den großen Augustin herauszufordern, sich dem geistigen Rom entgegenzusetzen, ja dem Apostel Paulus und seiner Lehre von der sündig geborenen Seele zu widersprechen. Und obwohl in dem gigantischen Kampf dieses einen gegen eine etablierte Weltmacht, in dem die Waage sich schon auf seine Seite zu neigen beginnt und nur reine Macht entscheidet, Pelagius unterliegt, breitet sein Protest sich aus, innerhalb der Kirche selbst, in Italien zunächst, steckt Gallien an, Irland, England, ganz Westeuropa und ging niemals ganz unter. Pelagius aber war nur der erste eines durch alle Jahrhunderte bis in die Gegenwart und durch alle Völker Europas gehenden, hier und da aufstehenden, nie verstummenden Widerspruchs gegen die Lehren der Kirche4.

Eine psychische Vergewaltigung größten Ausmaßes

Warum wehren sich Menschen gegen die Zumutungen einer Glaubenslehre, die nicht ihrer Welt entstammt? Warum nehmen sie Nachteile, Strafen, Verfolgung, sogar den Tod auf sich, um einer Glaubensthese zu widersprechen und aus innerster Überzeugung ihren eigenen Glauben zu leben? Und warum verlassen heute so viele Menschen die Kirchen, sofern sie religiöse Gründe geltend machen? Religion ist ein Wesenszug jedes Menschen. Doch alle Menschen erblicken das Göttliche von ihrem Standort aus auf je verschiedene Weise5. Gleichsam wie eine Stadt oder ein Berg jedem der sie umstehenden Beschauer aus seiner Perspektive einen anderen, nur ihm eigenen Anblick darbieten. Wenn auch jeder einzelne desselben Volkes, derselben Kulturgemeinschaft nie ganz dasselbe schaut wie der „Nebenstehende“, so verbindet sie doch die gleiche Weise des Schauens, des Erlebens, des Denkens, dieselbe Weise des Seins-und-Selbstverständnisses wie der religiösen Sinngebung, in der sie gründen, in der sie sich selbst wiederfinden und daraus sie ihre Kräfte und ihr Leben nähren. Und „unser Glaube, den unsere Väter vor uns gehabt haben und alle Voreltern in der Bronzezeit und jetzt in der Hügelgräberzeit — und dieser Glaube hat uns doch getaugt!“ ruft auf dem Thing in Drontheim der Bauer verzweifelt seinem König zu, der ein so schlimmes Ansinnen an sie stellt und „Unmögliches“ fordert.

Die Missionierung des germanischen Europa setzte dies „Unmögliche“ zielbewußt mit aller Härte und Schonungslosigkeit und mit wohlberechnetem psychologischem Gespür durch, einen geistig-seelischen Umsturz größten Ausmaßes, die psychische Vergewaltigung der Völker und jedes einzelnen, die tief in die menschliche Substanz eingriff, ihn seinem Urgrund entwurzelte, sein Wesen zerstörte und ihm den totalen Ausstieg aus sich selbst aufzwang. In dieser Missionierung — wie in jeder anderen — ging es ja nicht um einen bloßen Austausch von „Göttern“, bzw. was die Missionare sich unter germanischen „Göttern“ vorstellten, die sie kurzerhand, wie die vorgesprochene Taufformel besagt, zu Teufeln erklärten und an deren Stelle sie ihnen den dreieinigen Gott bringen wollten:

„Sagst du dem Teufel ab?
— Ich sage dem Teufel ab.
Sagst du allen Werken und Worten des Teufels ab,
dem Donar und dem Wodan und dem Saxnot
und allen Unholden, die ihre Genossen sind?“6

Wir sind es gewohnt, die „Bekehrung“ oder Christianisierung mit den Augen des Licht- und Heilsbringers zu sehen gegenüber Verlorenen, des Heils Bedürftigen, im Lichte des Erretters aus einer vom Bösen gestifteten Unsittlichkeit und Sittenlosigkeit durch Aufrichtung von Gesetz und Moral, eines Lichts, das die Finsternis der Irrenden erhellt und von der Knechtschaft der Triebe und Dämonen befreit. Allein, was die Kirche Verkündigung Gottes und der Frohen Botschaft nannte und was wir mit den Augen der Missionare zu sehen pflegen, war für die Betroffenen „Zerstörung“ — Zerstörung des ihnen Heiligsten, Zerstörung der Wurzeln, aus denen sie lebten und wurden, die sie sein konnten, und damit ihrer Kraftquellen, um ihr Schicksal zu bestehen und sich zu bewähren, die Zerstörung ihres innersten Kompasses, der ihnen Orientierung und Halt gebenden Sippen- und Ehebindungen, Zerstörung endlich ihrer religiösen, transzendenten Identität, ihres „Heils“7 und des sie tragenden Seinsgrundes. Es war der Totalverlust ihrer Identität.

Damit wurde, in Jahrhunderte währender Erziehung8 der ehrbewußten, im göttlichen Heil gründenden Männer und Frauen durch Brechung des Willens zu gehorsamer Unterordnung sowie in einem schmerzhaften Prozeß mühsamen Umdenkens und seelischer Umformung zu Sündigkeitsbewußtsein und Höllenangst, mit dem Selbstverständnis das Wertbewußtsein gänzlich aus den Angeln gehoben und ins krasse Gegenteil verkehrt und das Selbstwertgefühl von Männern und Frauen tödlich getroffen. Der Verlust jeder Orientierung kennzeichnet die auf die missionarische Umpolung der Maßstäbe folgenden Jahrhunderte durch den chaotischen Zerfall aller Sitten und aller Sittlichkeit, durch Unzucht und Frauenmißbrauch, Gewalttat, Grausamkeit, Mord. So daß sich der Bischof von Marsilia, Salvian, im 5. Jahrhundert zu dem für die Kirche beschämenden Fazit genötigt sieht: „Schlechter sind die Menschen geworden, als sie vorher waren!“9 Selbst Bonifatius kann nicht umhin, dem verkommenen Lüstling und Nonnenschänder, dem christlich getauften englischen König Ethilbald von Mercia, die Sittlichkeit der Ungetauften, der heidnischen Altsachsen, als Vorbild hinzustellen, „die — obwohl sie Gott nicht kennen und dessen Gesetze nicht haben — von Natur tun des Gesetzes Werk und damit sagen, es sei beschlossen in ihren Herzen“.

Vom freien Sachsen zum „weinenden Knecht“

Von welchen Widersprüchlichkeiten der so gegensätzlichen Wesensgesetze der Einzelne zerrissen und in ihnen zerrieben wurde, welche seelischen Qualen, welche Verwirrungen und Verirrungen der Verlust des ureigenen Selbst, die systematische Zerstörung der religiösen Identität durch christliche Entwurzelung, Fremdbestimmung und Fremderziehung diesen Menschen zugefügt wurden, zeigt wie in einem Brennglas das Schicksal eines Sohnes des eben gewaltsam getauften Sachsenvolkes, der in der leidvollen Zerreißprobe zwischen seinem Sachsentum und Christentum einer der reifsten, seiner Zeit vorauseilenden Dichter und nach dem Schotten Eriugena selbständigster Kopf seiner Zeit wurde — und zum Rebell10.

Im Jahre 804 wird der Sohn des sächsischen Grafen Bern geboren und zur Erziehung dem Kloster Fulda übergeben, wo er nach dem frühen Tod des Vaters, der ihn zum Erben beträchtlichen Landbesitzes und zur verlockenden Einnahmequelle gemacht hat, als noch Unmündiger vom Abt gezwungen wird, Mönch zu werden. Als er dreiundzwanzigjährig von weiterer Ausbildung aus dem Kloster Reichenau nach Fulda zurückkehrt, bricht der Konflikt offen aus. Gottschalk, der keine Berufung zum Mönch in sich spürt, fordert, vom unbändigen Freiheitsdrang der Sachsen erfüllt, seine Freilassung und die Herausgabe seines ererbten Besitzes. Doch der Abt — Hrabanus Maurus — hält den Widerstrebenden im Kloster fest. Der wagt für das „Gesetz der Freiheit“ das Unerhörte. Er klagt beim Erzbischof von Mainz Hrabanus Maurus der Freiheits- und Vermögensberaubung an. Auf Befehl Kaiser Ludwigs des Frommen treten fünf Erzbischöfe, vierundzwanzig Bischöfe, vier Chorbischöfe und sechs Äbte in Mainz zur Synode zusammen. Hier erhebt die ungeheuerliche Anklage gegen seinen Abt „Gottschalk des sächsischen Grafen Bern Sohn, behauptend, er habe ihm gegen seinen Willen die Tonsur geschnitten, habe ihn mit Gewalt ergreifen lassen und an das Kloster gefesselt“. „Der Sohn eines Freien“, erklärt der Jüngling unbeirrt der hohen Versammlung, „darf nicht zum Sklaven gemacht werden und nicht zum servitium Dei des Mönchslebens gezwungen werden. Wohl schuldet die ganze Menschheit Gott ihren Dienst, aber nicht nach Mönchsregel und Klosterdisziplin. Der Mensch kann auch ohne Mönchsgelübde sein Heil finden. Mönch werden, heißt, Sklave werden.“ Er kämpft mit aller Leidenschaft, und tatsächlich erkennt die Synode auf Freilassung, aber Einbehaltung des Besitzes. Doch Gotschalk erhebt furchtlos Einspruch gegen das ihm geschehene Unrecht, und da auch Hrabanus Maurus „wegen des geflohenen sächsischen Mönches“ das gesamte Mönchswesen „wanken“ sieht, kommt die Sache vor den Kaiser selbst.

Über den Ausgang jedoch schweigen die Quellen und gleichfalls über den offenbar „in die väterliche Freiheit“ Entlassenen. Bis zu dem Tag, an dem wir ihn — Jahre später — wieder in einer Klosterzelle, wieder als Mönch, diesmal im Kloster Hautvilliers bei Reims sehen: einen gänzlich Verwandelten, der nichts mehr von seiner Auflehnung, nichts mehr von unerträglicher Versklavung des servitium Dei weiß, nichts mehr von der stolzen Überzeugung, auch ohne Klostergelübde könne der Mensch sein Heil finden, — er, der freiwillig die Freiheit, um die er so erbittert gekämpft, allein vor Kirche und Reich, und die er so schwer errungen hat, wieder von sich geworfen hat.

Warum, wissen wir bis heute nicht. Dieser Sinneswandel ist unerklärlich — und er ist total. Aus seinen großen Hymnen an die Gottheit — schon als Knabe hat er zarte, innige Lieder gedichtet — blickt uns ein vollständig veränderter, von „Tränen und Furcht“ gezeichnetes Gesicht an; ein Mensch, „gebrochen von der Last unendlicher Sünden“, ein „weinender Knecht“, „der aus der tiefen Finsternis des höllischen Abgrunds“ um Erbarmen schreit:

„Umwunden mit der Fessel der Sünde
habe ich durch Sünde Deinen Zorn geweckt
Weh, was wird aus mir Elendem!“

In dieser innerlich zerbrochenen Persönlichkeit aber steckt noch immer die Unbeugsamkeit des Sachsen, eine mächtige Willenskraft, eine trotzige Unbedingtheit, die ihn jetzt erneut mit seinen Oberen und der Kirche in Konflikt geraten, ja — diesmal durch ein Übermaß des Sünder- und Sklaveseins zum Ketzer werden lassen. An diesem unglückseligen Sachsen in der Mönchskutte offenbart sich die furchtbare Tragik, die aus der Verquickung zweier grundverschiedener geistiger und seelischer Stile, aus der Mesalliance zweier unvereinbarer, feindlich einander widersprechender religiöser Denk- und Erlebensweisen gezeugt wird11. Hier treten die aus dem ursprungshaften Einssein stammende germanische Unmittelbarkeit zum Göttlichen — die das Mittlertum der Kirche ketzerisch ausschaltet — und die germanische Unbedingtheit der Bejahung jeglichen Schicksals, wie es auch sei, in den Dienst der augustinischen Lehre von der Verfallenheit eines jeden Menschen mit seiner Geburt an die Erbsünde und seiner vorgeburtlichen Prädestination zu Seligkeit und Verdammnis. Ja, sie übersteigern die christliche Auffassung zur Vorherbestimmung des gänzlich unfreien Menschen zu Erlösung oder Höllenstrafe durch einen ebenso unbeugsamen, unwandelbaren, zornigen Gott, dessen harten Willen Gottschalk vorbehaltlos bejaht und tapfer besteht, so wie seine Väter sich fraglos und furchtlos ihrem Schicksal gestellt hatten. Und genau diesen Glauben bewahrt Gottschalk bis zu seinem Lebensende. Denn, von seinem alten Gegner, Hrabanus Maurus, den man mit dem Ehrennamen des „Praeceptor Germaniae“ ausgezeichnet hat, als Ketzer angeklagt, wird Gottschalk auf dem einberufenen Konzil in Quiercy zu Geißelung, zu ewigem Schweigen und zu ewiger Kerkerhaft verurteilt. Das Urteil wird sofort minutiös vollstreckt. Alle anwesenden Bischöfe und Äbte nehmen eigenhändig die Geißelung in einer bis dahin beispiellosen Form vor, von der der Erzbischof Remigius von Lyon in heller Empörung berichtet: „Denn in einem so unerhörten Beispiel von Gottlosigkeit und Grausamkeit wurde jener Unglückliche mit Geißeln und Faustschlägen zu Boden gehauen, bis er, halb tot, gezwungen wurde, in ein von ihm entfachtes Feuer eigenhändig ein Buch zu werfen, in dem er Sätze aus der Hl. Schrift zusammengestellt hatte, die er auf dem Konzil vortragen wollte.“

Zwanzig Jahre schmachtete der Verurteilte in völligem Schweigen und Einsamkeit in seinem feuchten Verließ, wo er am 30. Oktober 869 starb, ohne den Angeboten der Hafterleichterung durch Widerruf seiner Glaubensüberzeugung jemals nachgegeben zu haben.

Wie lernt ein Volk sich selbst verachten?

Sünde — das Wort, das in die Herzen aller Getauften gesät wird — das ist nicht die Lüge, der Diebstahl, der Meineid, — nein das ist die Sündigkeit von Mutterleib an, durch Evas Ungehorsam in die Welt gebracht und allen Menschen ohne Unterschied vererbt, durch nichts, auch nicht durch den besten Willen, auch nicht durch die beste Tat zu tilgen. Sünde, deretwegen sie zeitlichen und ewigen Strafen verfallen sind, wenn nicht Gottes Gnade hilft. Sünde! Wie lernt ein Volk dies, was seinem innersten Wesen tief widerstreitet und dem, wie es seit Menschengedenken sich selbst verstand?

Sünde — das ist jetzt alles, was ehedem hier den Menschen zum Menschen machte und was ihm heilig war. Doch um sich nicht mehr im göttlichen Heil geborgen12, von ihm durchstrahlt und getragen zu empfinden, um sich nicht mehr selbst das Maß zu geben, an dem man sich selbst mißt13: an seiner Ehre, um vor dem eigenen Urteil, um vor sich selbst zu bestehen, um sich selbst achten zu können — um sich im Gegenteil als Sünder zu verstehen, der sich des Heils seiner Seele aus eigenem Verdienst unwürdig fühlt, dazu bedurfte es eines totalen Bewußtseinswandels, der „Verbrennung“ alles dessen, was ihm heilig gewesen war, einer Ausreißung aller Wurzeln, mit denen er im Sein verankert war, einer Umwertung aller Werte ins absolute Gegenteil — und nicht nur der religiösen. Denn wenn Religion ein ganzheitlicher Bezug des Menschen ist, bedeutet ihre Umfunktionierung hier in Europa Umwertung nahezu aller ethischen, sozialen und sonstigen menschlichen Grundwerte, die sein Menschentum und seine Menschlichkeit bestimmt haben. Es gab kein Feld, auf dem nicht das Ureigene aus dem Boden gerissen und fremder Samen angesät wurde.

Verteufelung alles ehedem „Heil“ tragenden

Die tiefstgreifende Selbstentfremdung, die bis heute ihre tief eingegrabenen Spuren hinterlassen hat, traf die Frauen. Die germanischen Frauen14, die als selbständige Persönlichkeiten neben dem Mann standen mit eigener Ehre und gleicher Entscheidungsfreiheit und gleichen Zielen lebten, werden durch das neue Vorbild, das die Kirche ihnen aufzwingt, bis ins Mark getroffen15. Sie werden zu Evastöchtern, die den eben bekehrten Sachsen in der „Altsächsischen Genesis“ durch den Geistlichen Caedmon als „Frau von schimpflicher Gesinnung“ nahegebracht wird, die von ihrem Adam verflucht wird:

„Fürwahr! Du Eva, hast unseren Weg mit Unglück bezeichnet!
Nun magst du die schwarze Hölle gähnen sehen,
Die gierige, gellen magst du sie von hinnen hören …
Jetzt mag es mich gereuen, daß ich den Gott des Himmels bat,
Daß er dich hier formte für mich aus meinen Gliedern.
Jetzt hast du mich verführt zu meines Herrn Hasse,
So daß es jetzt und immerdar mich reuen mag,
Daß ich dich mit meinen Augen sah!“

Gott aber spricht zornig zu Eva und zu den sächsischen Männern und Frauen seinen furchtbaren Fluch: ein Programm, das in Zukunft nicht nur die Frauen, das auch die Männer in Pflicht nimmt:

„Gehe fort von der Freude!
Du sollst in deines Ehemannes Gewalt sein!
Von der Furcht vor deinem Gatten hart geängstigt,
Sollst du in Niedrigkeit deiner Taten Verirrung büßen …“16

Die Brutalität, die, fortan in Predigt und Lehre, Erziehung und Spruchdichtung17 hochgetragen, sich in Worten und Taten, an Strafen und Prügeln, an Frauenschändung und -beschimpfung, Frauenverachtung und Frauenhaß austobte und sich in Hexenverleumdungen und massenhaften Hexenverbrennungen dem Wahnsinn verbündete, ist so unvorstellbar wie die Tränen, die durch ein Jahrtausend geweint, und das Leid, das diesen Stolzen, vor dem freien und ganzen Menschen in der neuen Erniedrigung zu Krüppeln ihres Menschentums und zu schwachen, unmündigen, zum Gehorsam verpflichteten, weil triebhaftlüsternen Sünderinnen, die den Mann „von Gott abziehen“, zugefügt worden ist: Frauen, denen nach den Worten des Tacitus bei den Germanen „etwas Heiliges innewohne“18, die dem Göttlichen besonders innig verbunden seien und größeres Heil in sich tragen. An Tausenden von ihnen wird jetzt der Taufbefehl des Bischofs Remigius von Reims wortwörtlich vollzogen: „Verbrenne, was du angebetet hast!“ Wie ein allesumpflügender Tornado schlug sich die ungebetene und unwillkommene ultramontane Invasion ihre zerstörerische Bahn, brach in die intimsten Bereiche der Liebe, der Ehe und aller natürlichen Bindungen der Familie, der Sippe, des Volkes ein, verfremdete und verkehrte den Sinn von Arbeit, von Kampf und Frieden, ja von Leben und von Tod bis in den Grund. Sie „wandelte“ — laut Anordnung Gregors III.19 — die ererbten religiösen Bräuche, die Verehrung der Toten der Sippe und die Gedächtnisfeier der Ahnen um „in das Gedächtnis der Heiligen und heiligen Märtyrer“, erhob Eva, die Mutter der Sünde, zur Mutter aller Menschen und gab den Völkern Noah zum Stammvater. Hatten die Könige der Goten und Langobarden ihre Herkunft von Odin abgeleitet, die norwegischen und schwedischen Könige sich auf Gott zurückgeführt, wie das Volk selbst sich hier als von göttlicher Abkunft verstand20, so werden jetzt König David und Melchisedek, Priesterkönig von Jerusalem zur Zeit Abrahams, zu den Häuptern germanisch-europäischer Königshäuser. Ein Wechsel, der nicht nur ein Wechsel der Namen ist, sondern tief in das Geschichtsbewußtsein und in den Gang der Geschichte eingegriffen hat. Denn der König21, wie die Frau in besonderer Weise von „Heil“ erfüllt, und das politische Gemeinwesen, der Staat, das Reich22, heilig auf Grund der göttlichen Abkunft des Volkes, büßen in der Rollenbesetzung, die der Afrikaner Augustin23 der Römischen Papstkirche zugedacht hat (als „civitas dei“, als Gottes-Reich, über die „civitas terrena“ oder „diaboli“, das Erden- oder Teufelsreich, die Gesamtheit der weltlichen Staaten der vom Teufel geleiteten Irdischgesinnten und Gottesfeinde, die von Gott verworfen und zum Untergang bestimmt sind, zu herrschen) ihren Heiligkeitscharakter, ihre Würde, ihre Unabhängigkeit, ihre Identität ein.

„Die Sonne hat den Schein verkehrt“

Vollends seit der Geist der Clunyazenser Kirchenreform in den Vatikan einzieht und mit ihm der feindliche Gegensatz zwischen römischem und germanischem Heiligkeitsanspruch24 als der zwischen Hierarchie und Reich, zwischen Papst und Kaiser entbrennt, der jetzt als „tempelschändender Händler“ vom Papst aus dem Tempel getrieben werden könne und jedem geringsten Geistlichen Untertan sei, wird der Abgrund aufgerissen, die uralte göttlich-weltliche Einheit durch den orientalischen Dualismus kontradiktorischer, unvereinbarer, rangverschiedener Gegensätze feindlich zerschlagen. Der Zwiespalt zerbricht alle Ordnung des Reichs, weitet sich als Unheil durch die ganze sittliche und kosmische Ordnungswelt aus, so daß — wie Walter von der Vogelweide klagt — „die Sonne den Schein verkehrt“, selbst „die Vöglein in den Lüften dauert unsre Not“. „Sieh, wie der römische Erdkreis in Düsternis gehüllt, der Treue bar, zu frevelhaftem Beginnen und ruchlosesten Taten sich antreiben läßt!“ ruft erschüttert der aus königlichem Geschlecht geborene Otto von Freising: Die Zerstörung der religiösen Grundfesten, die Entheiligung alles Irdischen und Menschlichen, auf denen die Heiligkeit des Reiches geruht hatte, „führte so viel Unglück, so viele Gefahren für Leib und Leben herbei, daß er allein genügte, um das unselige menschliche Elend zu erklären.“25

„O weh, ich bin wie ein fauler Fisch und ein stinkendes Aas“

Wahrhaft vernichtend griff die religiöse Umpolung und Entheiligung in das Bewußtsein der Menschen und in ihr sie formendes Selbstverständnis ein. Die Erziehung durch Drohungen mit dem Jüngsten Gericht und den Strafen der Hölle, durch Schüren von Angst und durch Versprechungen, „daß ihr euch in Ewigkeit dort freuen möget, wo kein Ende, keine Qual, keine Trübsal ist, sondern ewiger Ruhm“ durch die Verheißung, „den Söhnen der Auserwählten zuzugehören“, vorausgesetzt, daß sie sich solcher Gnade für würdig erweisen, indem sie sich vor Gott als Elende und Sünder bekennen, die sich des Heils aus eigenem Verdienst unfähig fühlen — verlangt Zerstörung der Selbstachtung und des Selbstwertgefühls, bedeutet Selbstverachtung und Zertreten des eigenen Selbst.

Bis zu welcher Selbsterniedrigung und um welchen Preis dies geschehen konnte, zeigen die wilden Selbstanklagen eines zu Gott und zum Gottes-Täufer Johannes schreienden Mannes Heinrich, der um 1150 in den österreichischen Alpen lebte und dem „in seiner zu großen Schwachheit“ und „Haltlosigkeit“ „der Sünden bleiernes Gewicht“ zu schwer geworden war:

„O weh, ich staubige Asche, ich flüchtige Spreu,
ich bin ein fauler Fisch von den Sünden bis auf die Gräten…
Ich brüchige Ofenscherbe — was, wenn ich morgen sterbe?
Wem ich heute genehm, dem ich morgen widerwärtig,
ich stinkendes Aas —
o weh, wie oft ich lüge, in dem, was ich Gott gelobe.
Der Sünden madige Geschwüre,
die haben meine Seele verdorben und mich wie Lazarus getötet;
mein Gewissen verfault mir,
wenn mich nicht aufrichtet der Gottestäufer,
dein wunderbares Erbarmen ohn all mein Streben…
Dann habe ich Unreiner, ich Gehässiger, ich Neidvoller,
ich Zorniger, ich Habgieriger, ich Anreizer zum Bösen,
ich des Teufels Wucherer, ich aller Laster Heerhorn,
dann habe ich dich, Gottes Fahnenträger, erkorn.“26

Vierhundert Jahre sind seit Bonifatius vergangen: Aus Germanen sind Christen geworden.

II   Erneuerung der religiösen Identität

Dennoch ist die totale Identifikation mit der Sünderreligion — auch wenn man sich daran gewöhnt hatte, Urkunden mit dem Namen und dem flotten Zusatz „peccator“, „Sünder“, zu zeichnen — niemals die Regel. Zumal nicht bei den aktiveren, selbständigeren Geistern. Aller seelsorgerischen Anstrengungen zur Umorientierung des Bewußtseins durch das „Aufpäppeln mit der Milch der christlichen Lehre“ zum Trotz erhält sich die Art und Weise des ureigenen Denkens. Ja, es formt seinerseits die fremden Denkinhalte durch die eigene Art des Ergreifens unwillkürlich um, so daß man von einer unbewußten Germanisierung des Christentums gesprochen hat. Daraus erklären sich wesentliche Unterschiede unter seinen nationalen Ausprägungen, wie die des koptischen Christentums, das unverwechselbar ägyptische Züge trägt, des syrischen, griechisch-orthodoxen, des afrikanischen, lateinamerikanischen, des italienischen, des französischen, des deutschen, niederländischen, englischen und so fort. Nie aber hat unter der sich langsam glättenden Oberfläche das vulkanische Gestein des inneren Widerstandes sich ganz beruhigt. Immer wieder schießen während anderthalb Jahrtausenden eruptiv durch die Decke der abendländischen Christenheit Auflehnung, Aufstand, Protest empor gegen den diktierten Glauben, der sich mit den eigenen Überzeugungen nicht vereinbaren will.

Der europäische Gegenwurf zum biblischen Sündenfallmythos

„Es stimmt nicht, daß die beklagenswerte Situation, die Adam
hervorgerufen hat, verhängnisvolle Folgen gehabt und sich auf alle
Menschen vererbt hat! Die Sünde ist eine Wahlmöglichkeit, vor
die der Mensch gestellt ist!“1

empört sich der aus dem Norden der britischen Inseln nach Rom gekommene Pelagius über die augustinische Erbsündenlehre. „Wir widersprechen Gott, er sei der Urheber menschlicher Schwäche von elenden Sündern — o blinder Unsinn!“ Wie soll eine Sünde eine unausweichliche Verderbnis von universaler Ausbreitung nach sich ziehen? Eine Verderbnis schon der Allerkleinsten, der eben Geborenen? Nein, sündlos wird der Mensch geboren, und Gottes Gnade offenbart sich in dem freien Willen, den er ihm gab, zu sündigen oder sich von einer Sünde abzuwenden, in der Freiheit, sich für das Gute oder für das Böse zu entscheiden, und in der Kraft, das Gute auch zu vollbringen. Denn Gottes Kraft ist es, die in uns handelt, ebenso wie es Gottes Wille selbst ist, der als Freiheit in und durch uns wirkt.

„Es gibt nämlich in unserer Seele eine Art natürliche — wenn ich
so sagen darf  Heiligkeit“2.

In jedem Menschen liegen die Kräfte, sich über die Gebundenheit der Instinkte und über die Zwänge der Natur zu erheben und der freiwillige Vollstrecker des göttlichen Willens zu sein. Dieses Vorrecht ist unsere göttlichste Mitgift: den eigenen Willen frei dem seinen zu verbinden.

„Ich gehorche nicht, sondern ich stimme ihm zu. Ich folge ihm aus
eigener Überzeugung, nicht weil ich muß.“

Das ist nicht die Stimme eines Sündenbewußten, sich nach Erlösung Sehnenden. Das ist die selbstbewußte Sprache eines Menschen, der aus freier Entscheidung Gefolgschaft leistet oder versagt, gegenüber dessen freier Hingabe erzwungener Gehorsam ein Nichts ist. Zwang vernichtet. Zwang zerstört die gott-menschliche Beziehung. Nur die Freiheit des autonomen Menschen verwirklicht sie, der sich selbst das Gesetz gibt und sich selbst verantwortlich ist. Und der allein sittlich handelt. Aber nicht ein Mensch, der an die eigene Ohnmacht glaubt- und an sein Erlöstsein durch Christus.

Pelagius hatte in den christlichen Kreisen Roms eine Sittenverwilderung und Lasterhaftigkeit angetroffen, für die er die Schuld nicht einer angeborenen Sündigkeit und menschlichen Schwachheit gab, sondern dem Glauben, schon für immer errettet zu sein. Für diesen tieferschreckenden Vorgang des allgemeinen Sittenverfalls und religiösen Glaubensverfalls klagte er die christliche Lehre von der sündigen Natur des Menschen an und den Glauben an die durch Christi Kreuzestod bereits geschehene Erlösung aller Getauften: Sie hätten die fehlende sittliche Verantwortung des einzelnen verschuldet. Die christliche Predigt der menschlichen Schwachheit sei für den Verlust der Sittlichkeit verantwortlich. Dagegen lehrt er die menschliche Stärke:

„Wir müssen an unsere Stärke glauben, sie zu erkennen lernen und unsere Kräfte benutzen, die gewaltig sind! Aus uns selbst und in uns besitzen wir alles, was notwendig ist, um das göttliche Gesetz zu erfüllen.“3

„Dein Adel, deine hohe Stellung, deine Reichtümer“, schreibt Pelagius in einem Brief an ein sechzehnjähriges junges Mädchen aus reicher römischer Adelsfamilie, „hängen nicht von dir ab. Doch niemand wird dir deine geistigen Reichtümer übertragen können außer du selbst!“ Wie gesagt: Augustinus wurde der Sieg zugeschanzt, Pelagius verurteilt, seine Lehre von Konzil zu Konzil verdammt, seine Schriften verboten und mit Silentium bedeckt, sie blieben verschollen, bis Anfang des 20. Jahrhunderts eine Abschrift wieder aufgefunden wurde. Und doch erhebt sich hier eine Stimme und dort, die die Sprache des längst Vergessenen spricht. Ist es Zufall, wenn im 13. Jahrhundert ein deutscher Ritter in Wien den Verlaß auf Jesu Erlösertod als Ursache der Unsittlichkeit, Gottes Vorherbestimmung als Verführung zu Gewissenlosigkeit brandmarkt?4 Ist es blinde Duplizität der Gedanken, wenn während der Herrschaft der Scholastik der deutsche Dominikaner und Provinzialprior der Provinz Teutonia, Professor an der Pariser Sorbonne und Leiter des Studium generale in Köln Meister Eckhart die Einheit des menschlichen Willens mit dem Göttlichen als Akt freier Zustimmung verkündet?

„Gott zwingt den Willen nicht, er setzt ihn in Freiheit: so daß er nichts will, als was Gott und die Freiheit selber ist. Da vermag nun der Geist nichts anderes zu wollen, als was Gott will. Das ist keine Unfreiheit an ihm, das ist seine eigenste Freiheit.“5

Ist es nur reiner Zufall, daß im England des 18. Jahrhunderts der Earl of Shaftesbury6 den als Sünder verleumdeten Menschen rehabilitiert als den Selbstgesetzgeber, der als Bekundung des göttlichen Urgrunds in sich selbst den Quellgrund des Sittlichen besitzt? Ist es mehr als ein willkürliches Zusammentreffen, daß im gleichen Jahrhundert — 1400 Jahre nach Pelagius — an drei verschiedenen Stellen Europas gleichzeitig pelagianische Motive spontan und sinngetreu erneut angeschlagen und zur weithin tönenden Melodie aufgenommen werden? Wenn in der Schweiz Heinrich Pestalozzi7, in Königsberg Immanuel Kant, in Jena Friedrich Schiller, „den Abgrund füllen“ zwischen der „Furchterscheinung“ des außerweltlichen Gottes und „fremden Diktators“ und der sündigen Menschheit in „ihrer traurigen Blöße“ durch die Einheit des dem „Innersten unserer Natur“ innewohnenden „heiligen, göttlichen Wesens“, „des Göttlichen in der eigenen Brust“ und im eigenen Willen, eines „Unbedingten, das im Selbst als moralisches Gesetz spricht“?8 Wenn Schiller die Christenheit aufruft:

„Nehmt die Gottheit auf in euren Willen,
Und sie steigt von ihrem Weltenthron“?9

Und wenn Kant den Menschen aus seiner „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ zu einem eigenständigen, autonomen Selbst und aus dem so verschuldeten „Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen“ herausführt, indem er ihm die Würde zuerkennt, frei und fähig zu sein, sich selbst das Gesetz seines Erkennens und seines Handelns zu geben und sich ihm freiwillig unterzuordnen aus keinem anderen Beweggrund als aus Achtung für das Gesetz und seinen göttlichen Grund10? Beweisen nicht diese und Hunderte von Stimmen, daß ein und derselbe verborgene religiöse Strom, ein- und dieselbe Denkungsart unterhalb einer mehr oder weniger gelungenen Christianisierung der europäischen Völker durch die Jahrtausende strömt, in spontanen ketzerischen Widersprüchen sich bekundet, die ohne Vorbild, ohne Berührung untereinander sowohl in den Ecken, an« denen der Anstoß sich ereignet, als in den Entgegnungen übereinstimmen? Eine berühmte Lebensgeschichte hat uns eine Begebenheit aufbewahrt, die solchen Übereinstimmungen den Zufallscharakter nimmt und mit unüberbietbarer Überzeugungskraft die religiöse Identität innerhalb gewaltiger Zeiträume beweist.

Auf einer Synode der „Brüdergemeinde“, einer pietistischen Erweckungsbewegung, deren Lehre der Versöhnung der tiefsündigen Menschheit mit Gott durch Christi Tod galt, unterhält sich Ende des 18. Jahrhunderts arglos ein junger, aufgeschlossener Teilnehmer, der äußerst erstaunt ist, daß man ihn nicht als einen Christen gelten lassen will, ja — höchst erschrocken, als er „eine große Strafpredigt erdulden muß“ und einer der Synodalen ihn beschimpft, „ein wahrer Pelagianer zu sein“. Der Bescholtene forscht daraufhin nach allem, was er über diesen ihm gänzlich unbekannten Pelagius erfahren kann — und eine Welt geht ihm auf, die der seinen tief verwandt ist. Von seinen Überzeugungen „war ich aufs innigste durchdrungen, ohne es selbst zu wissen“11.

Es ist der fünfundzwanzigjährige Goethe, der nach diesem ihn aufrüttelnden Erlebnis ein Prometheus-Drama12 beginnt, den ungeheuersten Protest gegen „die Götter droben“. Denn während dort Prometheus die als seine Feinde hohnlachend abweist, erkennt er staunend in sich, in seiner schöpferischen Kraft das Göttliche selber. Was er für sein Eigenes gehalten hatte, das ist das Göttliche in ihm und mit ihm ununterscheidbar eines:

„So war ich selber nicht selbst,
Und eine Gottheit sprach,
Wenn ich zu reden wähnte
Und wähnt‘ ich, eine Gottheit spreche,
Sprach ich selbst.“

So stark lebt Goethe aus diesem Urerlebnis der Einheit des Menschen mit dem Göttlichen, kraft der er die Freiheit besitzt, sich zu entscheiden, sich strebend zu bemühen, aber auch zu irren; und den inneren Kompaß, der ihn auf seinem langen Lebensweg begleitete, zeichnete er in der Gestalt Faust. Hier ist alles ein einziger Gegenbeweis gegen jene in Marienborn schon bekämpfte Lehre von der „Verdorbenheit der menschlichen Natur durch den Sündenfall“ — hier erfolgt derselbe Einspruch dagegen, „daß auch bis in ihren innersten Kern nicht das mindeste Gute an ihr zu finden“ — hier meldet sich sein scharfer Widerspruch gegen die Rede, der Mensch müsse „auf seine eigenen Kräfte durchaus Verzicht tun“ — derselbe Protest, „er habe alles von der Gnade zu erwarten“, wie Goethe in Dichtung und Wahrheit seine Auseinandersetzung mit den Pietisten festgehalten hat. Um den Menschen geht es: hier Mephisto, der das unbegreiflich hohe Gotteswerk Mensch in Zweifel setzt und seinen Triumph schon vorausschmeckt, wenn er es herabgezogen haben wird in die Verderbtheit der staubfressenden „berühmten Schlange“ — dort der Herr, der Faust dem Teufel übergibt, übergeben kann, weil der göttliche Quell in ihm springt:

„Nun gut, es sei dir überlassen!
Zieh diesen Geist von seinem Urquell ab
Und führ ihn, kannst du ihn erfassen,
Auf deinem Weg mit herab —
Und steh beschämt, wenn du bekennen mußt:
Ein guter Mensch, in seinem dunklen Drange,
Ist sich des rechten Weges wohl bewußt.“13

Gott kann — das ist der klare Gegenwurf des europäischen Menschen gegen den orientalischen Sündenfallmythos — bedenkenlos Faust dem Verführer ausliefern und ihn, ohne einzugreifen, sich selbst überlassen, weil der Mensch nie seinen „Urquell“, seinen göttlichen Urgrund, die innere Magnetnadel verlieren kann, die ihm trotz allen Irrens den rechten Weg weist.

Europa behauptet das „Heil“ gegen den orientalischen Dualismus

In der Reibung an der christlichen, dualistischen Spaltung des Seins in ein außerweltliches Jenseits, aus dem ein persönlicher Gott in das von allem Göttlichen entleerte, des Heils verlustig gegangene Diesseits durch Zorn und Gnade, als liebender Vater und strenger Richter lohnen und strafend eingreift, ist die uralte, spezifisch europäische Urerfahrung des Einen Seins und gottweltlichen Einsseins in immer neuen Aspekten wiedererweckt und bewußt geworden, durchdacht und vertieft in einer europäischen Religion entfaltet14. Männer und Frauen aus allen europäischen Nationen, aus allen Ständen und Berufen, die italienische Gräfin wie die niederländische Bäuerin und die französische Herzogin, der englische Bischof, der deutsche Schuster, der Schweizer Arzt und der französische Goldschmied, viele englische Physiker, deutsche Philosophen und Dichter, wie auch Jesuiten, Dominikaner, Franziskaner, Beginen, Brüder des freien Geistes, Priester, Mönche und verfolgte Gemeinschaften, die nach Amerika auswanderten und drei der großen Präsidenten der USA15 stellten, Menschen der unterschiedlichsten Charaktere und Temperamente — sie alle, die sich mit den fremden Glaubensvorstellungen nicht abfinden konnten und in ihrer Auseinandersetzung mit ihnen jeweils zu ihrer eigenen religiösen Identität fanden, sie alle auf oft einsamen Posten, von der Kirche bedroht, verfolgt, verbrannt, stimmen, meist ohne voneinander zu wissen, wie in geheimer Verständigung dieselben Themen, dieselben Klänge an und in demselben mächtigen Chor zusammen.

Ob Meister Eckhart den schon allenthalben keimenden Gedanken des dem menschlichen Seelengrund innewohnenden Göttlichen — in dem das germanische „Heil“ als Grund der Existenz nachschwingt — in tief hinableuchtender, schöpferischer Intuition von der ,Geburt Gottes in der Seele’ groß entfaltet zur Wiederheiligung des erniedrigten Menschen und zur Heilung der Gott-Mensch-Einheit von ihrer Zerreißung, von ihrem Herr-Knechtsverhältnis und dem ewige-Ruhe-Suchen in Gott dem Herrn zu einem krafterfüllten, „von Heil“ erfüllten Leben der Tat und des ewigen Werdens, das durch keine Furcht und Sorge, Schwachheit und Angst zerfressen wird16,— er erhält Nachfolge in Flandern und den Niederlanden, in Süddeutschland und der Schweiz, durch Seuse und Tauler, den Frankfurter Deutschherrn und viele andere, die, wenngleich sie dem Maß dieses außerordentlichen Mannes nicht entfernt nahekommen, in seine Fußspur treten. Und nicht diese einzelnen allein. Die Ergriffenheit durch die — gegenüber der christlichen grundverschiedenen, sogenannten „deutschen“ — Mystik weitete sich aus zu einer Volksbewegung von europäischem Ausmaß.

Wie genau und wie tief Eckhart das Empfinden und die Sehnsucht des von der endzeit- und jenseitsgestimmten Kirchenpredigt erschreckten Volkes getroffen hatte, bewies die Liebe und Zuneigung, die ihm von seinen Hörern entgegenschlug. Darin erkannte er sehr genau, wie er seinem Inquisitor ins Gesicht sagte, den Hauptanlaß für seine Beseitigung: ohne seine Beliebtheit beim Volke „wäre derartiges von meinen Neidern nicht gegen mich versucht worden“17.

In einer Predigt hatte er einmal, mitgerissen vom Höhenflug seiner Gedanken, plötzlich innegehalten und seinen Hörerinnen tröstend versichert: „Wer diese Rede nicht versteht, der bekümmere sein Herz nicht damit. Denn sofern der Mensch dieser Wahrheit nicht gleicht, wird er diese Rede nicht verstehen. Denn es ist eine unverhüllte Wahrheit, die da gekommen ist aus dem Herzen Gottes unmittelbar.“18 Gerade die vertrauende Anhänglichkeit des Volkes und seine Aufgeschlossenheit aber bewiesen ihm, daß seine Worte vom Einssein des Wesenskerns der menschlichen Seele mit dem Göttlichen unmittelbaren Widerhall in ihren Herzen hatten. Weshalb? Weil eben diese Menschen „dieser Wahrheit gleichen“, so daß sie unvermittelt zu ihnen spricht, weil sie ihrem eigenen Wesen entspricht und sie darin übereinstimmen. Religiöse Identität!

Und obwohl diese Volksbewegung, wo immer sie sich rührte, in Arras, in Orleans, in Turin und Paris, in Nördlingen, Goslar und Köln erstickt oder blutig ausgemerzt und noch durch lutherische Intoleranz erbarmungslos verfolgt, gehetzt und gejagt wird, strömt sie unausrottbar durch die Jahrhunderte. Und es wiederholt sich, was schon dem pelagianischen Geist widerfuhr: obwohl das Werk Meister Eckharts, vor allem seine deutschsprachigen Predigten und Traktate, jahrhundertelang vergessen, in wenigen Blättern anderen Verfassern untergeschoben, ja selbst der Name dieses größten religiösen Genius des Mittelalters ausgelöscht und erst durch Franz von Baader 1816 der Nachwelt wiedergegeben wird. Da, zu ihrer aller Erstaunen entdecken die führenden Geister in Deutschland fast ohne Ausnahme schier ungläubig und in hellem Enthusiasmus unmittelbare Übereinstimmungen mit Gedanken, Elementen und Teilen ihrer eigenen Werke, eine ursprüngliche Geistesverwandtschaft des Denkens, eine beglückende Gleichgesinntheit. „Hegel“, berichtet von Baader, „war so begeistert“ durch den inneren Einklang und schloß seinen Ausbruch: „Da haben wir es ja, was wir wollen!“ Der erbittertste Hegelgegner Arthur Schopenhauer konnte sein Lob über die „wundervollen Schriften des Meisters der Meister“, den „Gipfelpunkt der deutschen Mystik“, nicht hoch genug ansetzen.

Ganz ohne Kenntnis der Eckhartschen Schriften durchweht Eckhartscher Geist bereits die Werke des Dresdeners Valentin Weigel, Pfarrers in Zschopau, und des Görlitzer Schuhmachers Jakob Böhme, die Bewegung des schlesischen Adligen Caspar von Schwenckfeld, die heute in den USA fortbesteht, und die zu Edelsteinen geschliffenenen Zweizeiler des Arztes Johann Scheffler, der sich Angelus Silesius nannte, auf das erstaunlichste jedoch die tiefreligiös erfüllte Gedankenwelt Fichtes. Auslöser sind wie überall der Aufstand gegen die dualistischen Zerspaltungen des Seins von antiker und christlicher Herkunft, der entschiedene Protest gegen den Glauben an einen jenseitigen, persönlichen Schöpfergott und gegen seine Offenbarungen durch ein heiliges Buch und durch einen Gottessohn, dessen Tod der durch den Sündenfall verderbten Menschheit Erlösung bringen soll, unter der alleinigen Bedingung des Glaubens an ihn, wozu allerdings die Gnade Gottes erforderlich sei. Solches trug dem Professor der Philosophie in Jena die „Anklage des Atheismus“ und „Feindes aller Religionen“ durch den Kursächsischen Kirchenrat ein. Die Anklage beantwortet Fichte mit seiner Appellation an das Publikum gegen die Anklage des Atheismus von 1799 und seinen Anweisungen zum seligen Leben nach Vorlesungen von 1806 in Berlin, die zu den „reifsten und tiefsten Werken der gesamten Literatur der Menschheit“ gezählt worden sind.

Dem „heillosen Götzen“, den die Menschen sich zur alleinigen Austeilung von Glückseligkeit und Genuß geschaffen haben, steht hier gegenüber — wie für Eckhart — ein Göttliches, das in seiner Unbegreiflichkeit durch keinen Begriff erfaßt werden und nur durch Negationen — wie Eckharts „Nichtperson“, „Nichtgeist“, „Nichtgott“ — oder nur im Schweigen berührt werden kann. Wiedergekehrt ist das Gott-Mensch-Verhältnis des Einsseins im Wesen, im Wollen, im Leben und Wirken, wiedergekehrt der von Eckhart gewiesene Weg vom Gott-Haben zum Gott-Sein, das heißt zu einem „wahrhaften Leben“ durch Entäußerung von allem egoistischen Begehren und vom Haften an den Dingen, an Erfolg, an Genuß, selbst von allem egoistischen Heilsstreben, bis „überhaupt gar nicht mehr Zweie, sondern nur Eins, und nicht mehr zwei Willen, sondern überhaupt nur noch Einer und derselbe Wille alles in allem ist“. Wiedergekehrt ist die ebenfalls von Eckhart gewiesene Wendung des gotterfüllten Menschen aus der Tiefe seiner Seele in die Welt der Tat und, wie für Eckhart, eines selbstlosen und zweckfreien Wirkens „sunder warumbe“, indem der Mensch mit Gott wirkt „alliu siniu werc“ als „ein mitwürker“ Gottes. Auch für Fichte ist Gott Willens- und Pflichtgrund eines Handelns, das nicht auf Erfolg ausgeht, wo der Mensch nur im Tun, rein als Tun, lebt; denn „er will es darum, weil es der Wille Gottes in ihm und sein eigener, eigentlicher Anteil am Sein ist“.

„In diesem Handeln handelt nicht der Mensch; sondern Gott
selbst in seinem ursprünglichen inneren Sein und Wesen ist es, der
in ihm handelt und durch den der Mensch sein Werk wirket.“19

Die Übereinstimmung im Denken Eckharts und Fichtes ist so groß, daß sie über das Inhaltliche hinaus gelegentlich bis in die Sprache geht. Wenn Eckhart Anfang des 14. Jahrhunderts lehrte: „Gott und das Sein ist dasselbe“, und was außerhalb seiner ist, ist nichts — so spricht Fichte nahezu fünf Jahrhunderte später: „Gott allein ist, und außer ihm nichts.“

Und Duplizität der Fälle — im selben Jahr mit Fichtes Appellation erschien in Paris eine anonyme Schrift Über die Religion, die sich „An die Gebildeten unter ihren Verächtern“ wendet. Auch hier ein Protest gegen die Beklemmnis und Düsternis der als sündig verdammten Welt! Der Autor, der dreißigjährige Schleiermacher, Prediger an der Berliner Charite, ist von einem unerhörten Freiheits- und Glücksrausch erfaßt, als er „die große Tat vollbracht, hinzuwerfen die falsche Maske, das lange mühsame Werk der frevelnden Erziehung“ in einem krankhaften und krankmachenden christlich-pietistischen Glauben. Auch ihn plagt der armselige „Sklaven- und Götzendienst“ jeder Mittler- und Buchreligion, auch ihm, nachdem er „die ängstliche Scheidewand“ des Dualismus abgerissen hat, begegnet der „Widerschein“ des Göttlichen in allem, am reinsten aber „im innersten Selbst“:

„So oft ich ins innere Selbst den Blick zurückwende, bin ich zugleich im Reich der Ewigkeit.“20

Und gleich Meister Eckhart, doch ohne ihn zu kennen, fordert er die „Gebildeten unter den Verächtern der — christlichen — Religion“ auf, sich von allem freizumachen, „und so mehr Ihr euch selbst verschwindet, desto klarer wird das Universum vor Euch dastehn, desto herrlicher werdet Ihr belohnt werden für den Schreck der Selbstvernichtung durch das Gefühl des Unendlichen in Euch“. In der „Selbstvernichtung“ öffnet sich die Seele für die Einwirkung des Göttlichen, so daß sie zum Leben erweckt wird und ein „neuer Mensch“ geboren wird, dessen ganzes Leben fortan „aus seiner eigenen Quelle hervorgehen muß“; im Bewußtsein, daß in allem jederzeit das Göttliche durch ihn spricht, wirkt und handelt. Indem Schleiermacher den Menschen den Imperativ setzt:

„Strebt danach, mehr zu sein als ihr selbst! — Strebt danach, mitten in der Unendlichkeit eins (zu) werden mit dem Unendlichen und ewig (zu) sein in jedem Augenblick!“

widerspricht er bewußt dem auf „Irreligiosität“ und „Selbsttäuschung“ beruhenden Glauben an zwei Welten, der „das Unendliche außerhalb des Endlichen“ sucht und „einen Unterschied macht zwischen dieser und jener Welt“, deren Glanz, wie er klar erkennt, „seine hohe und ausländische Farbe niemals verleugnen kann“21. Damit tritt er, ohne es zu ahnen, in die endlose Reihe aller großen Geister Europas, die einstimmig und aus innerer Wesensnotwendigkeit die „ausländische“ Zumutung, das Unendliche, Ewige, Heilige, Göttliche aus der Welt hinauszuverlagern und in einer zweiten, abgelegenen Welt unterzubringen, von sich gewiesen und es der Wirklichkeit zurückerstattet haben.

Europa wahrt die Einheit des Seins vor ihrer dualistischen Zerreißung

„Alle wenigstens, welche Religion haben“, rechtfertigt Schleiermacher die scharfe Ablehnung des allgemein als fremd empfundenen Dualismus, der das gesamte Sein zerreißt, „glauben nur an eine“. Diese Kette nämlich, beginnend mit Anaximander und Heraklit, den ionischen Denkern des vorsokratischen, vorplatonischen, vordualistischen Hellenentums, reicht bis in die Gegenwart über Eriugena und Eckhart, Nikolaus Cusanus und Giordano Bruno, Kant und Fichte, Schelling und Hegel, Goethe und Hölderlin, Teilhard de Chardin und Jaspers und unzählige andere, bei vollständiger Einhelligkeit ihres Glaubens. Für sie alle bilden das Unendliche und das Endliche eine unlösliche Einheit dergestalt, daß das Göttliche eine andere, tiefere Dimension bildet als das grenzenlose Universum und die Unermeßlichkeit der sinnlich-konkreten Natur, eine der sinnlichen Wahrnehmung nicht zugängliche, gleichwohl die gesamte Wahrnehmungswelt umfassende und durchdringende Wirklichkeit, das zugleich unendlich über sie Hinausliegende und dennoch in allem Wesende, der ewige und doch in allem gegenwärtige Tiefen- und Seinsgrund, der alles Seiende sein macht, in allem lebt und wirkt.

Ein neuplatonisches Werk, das der Enkel Karls des Großen, Kaiser Karl der Kahle, brennend zu lesen wünschte, löste einen weiteren spezifisch europäischen Protest aus, der seit Mitte des 9. Jahrhunderts bis in die Gegenwart immer stärker und vielstimmiger werden sollte. Erhob der erste Protest sich gegen die Sündigkeitserklärung des Menschen entsprechend dem biblischen Sündenfallmythos und der Erbsündenlehre des Afrikaners Augustinus, so entzündete sich dieser Protest an der Sündigkeitserklärung der Welt durch den aus der Verfallszeit der Mittelmeerkultur stammenden, christlichen Neuplatonismus22 und seine Lehre vom stufenweisen Abfall vom weltenfern ruhenden Ureinen bis zur gottfernen, finsteren, bösen Materienwelt. Es war der ebenfalls von den Britischen Inseln gekommene, als Vertrauter des Kaisers, Leiter der Hofschule und Übersetzer jenes Buches am Kaiserhof bei Paris lebende Scotus Eriugena, der — wie Pelagius weder Mönch noch Priester — aufgrund seiner eigenen Schrift Über die Entstehung der Natur als die Nr. 1 auf den Index der von der Kirche verurteilten und verbotenen Bücher gesetzt wurde. Dieser genialste Denker seiner Zeit machte gleich zu Beginn seines Werkes unmißverständlich klar, daß er sich seine eigene Meinung unabhängig von jeder Autorität vorbehält, „die nicht von der wahren Vernunft gebilligt wird“, die ihrerseits, „weil sie sicher und wandellos sich auf ihre eigenen Kräfte stützt, keine Bekräftigung durch Zustimmung irgendeiner Autorität nötig hat“.

In ihm sträubte sich alles gegen die bewegungslos, in völliger Passivität ruhende ureine Gottheit und ihr willenloses Überquellen in eine stufenweise abgeschwächte Wirklichkeit, das in einer durch platonische und christliche Verdächtigung mit allen negativen Attributen diffamierten „Natur“ endete. Diesem extremen Dualismus widersprach er leidenschaftlich:

„Wir dürfen Gott und Kreatur nicht als zwei voneinander Getrennte betrachten, sondern als eines und dasselbe; die Kreatur gründet in Gott und Gott schafft sich in ihr auf wunderbare und unaussagbare Weise, indem er sich selbst in ihr offenbart, als der Unsichtbare sich sichtbar macht und als der Unbegreifliche begreiflich und als der Eine zu einem Vielfältigen … indem er als Unendlicher zum Endlichen wird … Macher von allem, in allem geworden, der ewig anfängt zu sein und als Unbeweglicher sich ins All bewegt und verkörpert, der alles in allem wird.“23

Indem Gott sich in unaufhörlicher Schöpfung in alles entfaltet, schafft er sich selbst in allem. So sind Gott und Welt zwar in ihrer Seinsweise verschieden, aber eins und identisch in ihrem Wesen.

„Es ist alles aus Gott und Gott in allem und alles nirgendanderswo her als aus ihm selbstgeworden, weil alles aus ihm selber und durch ihn selber und in ihm geworden ist.“24

Die Materie, für den orientalischen Dualismus jeder Prägung äußerster finsterer Gegensatz des allein lichten Geistes und Keim alles Bösen — für Eriugena ist sie Teil des Göttlichen selbst und von göttlicher Art:

„Von sich selbst nimmt Gott die Gelegenheiten zu seinen Theophanien und Erscheinungen, da von ihm, durch ihn, in ihm, zu ihm alle Dinge sind. Und so ist auch die Materie selbst, aus der die Welt gemacht ist, von ihm und in ihm und er selbst ist in ihr, soweit überhaupt ihr Sein erkennbar ist.“25

Im Menschen erst kommt Gott zum Bewußtsein seiner selbst. In des Menschen geistigen, schöpferischen Kräften wirkt er und erzeugt er sich in immer neuen Wirklichkeiten, so daß der mit göttlichen Kräften schaffende Mensch zum Mitschöpfer Gottes wird.

Die Gottdurchdrungenheit der Natur im Werden und Vergehen und aller ihrer Wesen von den kleinsten bis zu den Gestirnen, der blühenden Pflanzen, der Vögel und allen Getiers, ihrer lebenfördernden und zerstörenden Elemente — sie alle sind Selbstoffenbarungen Gottes, nicht ein täuschender, fahler Schein. Indem Gott sich in allem schafft, vermindert sich nicht — wie bei Platon — seine Realität, noch schwindet: — wie auch für den Neuplatonismus — ins Nichtseiende, im Gegenteil! Gott bringt sich in der Natur zu reicher, gesteigerter Wirklichkeit.

Diese dem europäischen Menschen so innig vertraute Naturheiligung und Naturfrömmigkeit, von Ketzergerichten und hohen Konzilien verdämmt und verboten, verfolgt, wo sie sich hervorwagte wie 1215 in zwei Magistern an der Sorbonne, Almarich von Bene und David von Dinant, in den Amalrikanern, von denen 1210 vierzehn an lebendigem Leib in Paris verbrannt wurden wie noch unzählige nach ihnen, — sie ergriffen dennoch das Volk, wenn auch nur für eine kurze Spanne, wie ein Rausch der Freude zugleich mit dem Erblühen des vom arabischen Spanien überkommenen Minnesangs. So wenn ein ritterlicher Sänger aus Tirol, Friedrich von Sonnenburg, in seinen Liedern von der Gottartigkeit der Welt die Natur vom Makel des Widergöttlichen und von ihrer Erniedrigung zum Jammertal befreite:

„O wohl dir, Gottes Wundertal! …
Du zarter Gottesgarten,
in der Gott wunderbar viel Wunder gewundert hat!
Schälte ich Gottes hohes Wunderwerk,
So schälte ich Gott an seiner Schöpfung!
Wer dich schilt, Welt, der schilt Gott!“26

Auch Eriugenas Name und Werk wurden nach seiner Verurteilung und der Vernichtung seiner Schriften vergessen. Und trotzdem erbt sich sein Geist der Heiligung der Natur in unendlichen Verzweigungen durch die gesamte europäische Geisteswelt, aus der kein Land zwischen Sizilien und Bergen in Skandinavien sich ausschließt. Namen drängen sich auf wie Walther von der Vogelweide und Francesco von Assisi, Giordano Bruno, der am 17. Februar 1600 in Rom lebendig verbrannt und Lucilio Vanini, der am 16. Februar 1619 in Toulouse auf dem Scheiterhaufen getötet wird, Namen wie Goethe und Hölderlin, Geibel und Rückert, Rilke und Teilhard de Chardin, um nur einige zu nennen.

An einer Gabelung dieser sich über ganz Europa weithin verzweigenden Religiosität der Gott-Natur steht Mitte des 15. Jahrhunderts einer der bedeutendsten und — ohne daß die von ihm ausgehenden Geistesströme bisher genügend aufgedeckt sind — die Zukunft wesentlich mitbestimmenden deutschen Denker. Obwohl er die höchsten Würden innerhalb der kirchlichen Hierarchie erklomm, ist er mit allem Fühlen und Denken in dem ureigenen religiösen Erbe Europas verwurzelt. Es ist der Moselländer Nikolaus von Kues (1401-1464), von seinem einstigen Schulfreund, der als Pius II. die Tiara trägt, „Cusanus“ genannt, der es als Doktor der Rechte bis zum Reformlegaten für Deutschland, zum Kurienkardinal, zum Generalvikar in Rom und Ratgeber des Papstes bringt…

In der Gottesschau dieses umfassenden Geistes treffen gleichsam drei Blickwinkel ureuropäischer Sichtweisen in einem zusammen: die Einheitsmetaphysik eines Eriugena von Gott und Welt und Gottes Werden in ihr, das Einssein von Gott und Mensch und das Werden Gottes in der Seele in der Mystik Eckharts und des Pelagius Lehre von der Freiheit des Menschen dank des Einsseins des göttlichen und des menschlichen Willens. Explicatio, Entfaltung alles Seienden aus dem Sein, aller Wesen und Dinge des gesamten Universums aus Gott — das ist Ursprung und Grund aller „Ungenauigkeit“ des konkret Wirklichen, aller unendlichen Ungleichkeit, Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit innerhalb der Schöpfung, die keine Wiederholungen, weder in Raum noch Zeit, kennt, Ursprung und Grund alles Lebens, Werdens, Bewegens aller Evolution. Alles ist Gottesentfaltung und gottentstammt, Entstehen und Vergehen, Zeugung und Zerstörung, keines kann ohne das andere sein, und auch das Negative empfängt seinen göttlichen Sinn aus dem Ganzen.

Damit heiligt der Cusaner die Welt so tief, daß sie keiner Heiligung durch Sakramente oder ein Opfer Christi bedarf. Hand in Hand mit der Wiederherstellung des uralten, im „Heil“ anwesenden göttlichweltlichen Zusammenhangs stellt der Cusaner die niedergetretene Würde und das Eigenrecht alles Irdischen, auch des Menschen wieder her, der selber explicatio Dei, Entfaltung Gottes und unmittelbar zu Gott ist — nicht nur der Papst, nicht nur der Geistliche! Auch der Laie, der einfache Mensch, ist selber Heilsträger, wie schon Eckhart wußte. Damit gibt der Deutsche jedem Laien eine Würde zurück, wie sie ihm seit Jahrhunderten von der Kirche nie zuteil geworden, die vor der Bekehrung jedem Menschen eigen gewesen war.

Es war dasselbe Prinzip, als der Cusaner — hundert Jahre vor dem bloßen Mittelpunktstausch des Kopernikus von Erde und Sonne unter Beibehaltung des festbegrenzten, starren antiken Kosmos — die orientalische, „hierarchische“ Struktur des von hoch oben die Welt regierenden Gottes über einem ummauernden Fixsternhimmel, oberhalb des tief unten ruhenden Mittelpunkts Erde, unter der die Hölle gähnte, preisgab zugunsten eines unendlichen, grenzenlosen Alls mit unendlich vielen Mittelpunkten, da ja alles Entfaltung und Enthalt Gottes ist27. So hebt er die dualistischen Wertgegensätze von Himmlisch und Irdisch, von Heilig und Profan, von Geistlichem und vom Laien auf und wandelt sie in die Gleichwertung der unendlich ungleichen, individuellen Menschen, deren ein jeder auf seine Weise das Unendliche, Ewige, Göttliche repräsentiert. Bei aller Verschiedenheit der je einzigartigen Individualitäten ist ein jeder dennoch sinnvoll auf jeden anderen und das Ganze gestimmt und strebt kraft seiner inneren Unendlichkeit, zu wachsen und sich zu vervollkommnen, um in freier Entfaltung der in ihm angelegten schöpferischen Fähigkeiten und göttlichen Seinsfülle /u einem Selbst und zum Mitschöpfer und Partner Gottes zu werden. Denn jeder kann nur wahrhaft „sein“, sofern Gott in ihm gegenwärtig ist, der sein Sein ausmacht. Darum kann nur er selbst sein in der Wechselseitigkeit der freien gott-menschlichen Zuwendung. Ein Selbst zu werden, hängt von ihm selber ab. In seiner schönsten und tiefgründigsten Schrift Von Gottes Sehen führt der Cusaner den Leser auf einen „Gleichnisweg“, auf dem er Gott so anredet:

„Du sprichst in der Tiefe meines Herzens:
,Sei du dein eigen, und ich werde dein eigen sein!’
Du hast es ganz zur Sache meiner Freiheit gemacht,
daß ich, wenn ich will, ich selber sein werde.
Bin ich nicht ich selbst, so bist Du auch nicht mein. —
Es hängt also von mir ab, nicht von Dir.“28

Indem der Mensch sich dem Göttlichen in der eigenen Tiefe öffnet, es in sich zuläßt, gibt das Göttliche ihm sich selbst:

„Wenn ich Dein Wort höre, das in mir unaufhörlich redet
und beständig in meiner Vernunft leuchtet,
so bin ich mein eigen und frei
— nicht ein Sklave der Sünde.“29

Das Selbstwerden durch Einswerdung mit Gott begründet des Menschen Freiheit. Seine Selbstentfaltung bedeutet die freie Verwirklichung des göttlichen Geistes, der durch ihn spricht, der göttlichen Schöpferkraft, durch die er, mit der Philosophie, mit der Kunst, mit der Technik Neues erschafft, was die Schöpfung noch nicht hervorgebracht hatte, sie bedeutet schließlich sein Selbstdenken, das sich nicht von Büchern und Autoritäten nährt, sondern durch Erfahrung aus den Büchern der Natur, die Gott geschrieben hat. Das Einssein von Gott und Mensch wird in der menschlichen Selbstentfaltung zur schöpferischen Partnerschaft.

In seinen Ketzern errang Europa seine zerstörte Identität zurück

„Jedes Seiende“ — so hatte Nikolaus Cusanus, wie wir eingangs hörten, das Wesen der Selbstidentität bezeichnet, „ist nur in seinem eigenen Sein ganz selbst.“ Als Folge von Zerstörung und Verlust der Selbstidentität hatte er klar die „Uneigentlichkeit“ der Existenz erkannt: „In jedem anderen kann es sich nur uneigentlich repräsentieren.“ Denn, so fügt er hinzu, „die nichtübertragbare Identität“ auf jemand anders übertragen, geschieht unweigerlich „um den Preis des Andersseins“. Damit ist das Los des europäischen Menschen während mehr als einem Jahrtausend in wenigen Worten umrissen.

Europa hatte das Schicksal, in einem Glauben leben zu müssen, der nicht der seine war und seinem Wesen, Erleben, Fühlen, Denken nicht entsprach, der „sein eigenes Sein“ vergewaltigte, sein Bewußtsein durch dualistische Zerreißung alles dessen, was hier und für viele blieb, umformte und durch Setzung fremder ihm widerstreitender Wertakzente umpolte und damit den inneren Kompaß, die nachtwandlerische Sicherheit im Beschreiten des „rechten Weges“ zerstörte. Denn Verlust der eigenen Religion als eines ganzheitlichen Seinsbezuges bedeutet Gesamtverlust der eigenen Identität.

Indem das Volk in einem schmerzhaften Umerziehungsprozeß, der Jahrhunderte in Anspruch nahm, unter den Opfern seiner Eigentlichkeit mehr oder weniger zu Christen gemäß dem ihm gepredigten Selbstverständnis des schwachen, der Gnade Gottes und der Erlösung durch den Tod seines Sohnes bedürftigen Sünders wurde, wehrten sich die mutigsten, eigenständigen und schöpferischen Geister gegen die Zumutungen des fremden Glaubens und entzündeten in der Reibung durch Widerspruch die Flamme ihrer eigenen, aus innerster Wesensnotwendigkeit aufsteigenden religiösen Überzeugung. Ungezählte Tausende nahmen ohne Rücksicht auf sich selbst die gigantische Herausforderung auf, welche die Entwürdigung und Verkrüppelung ihres Menschseins und des ihnen Heiligsten an ihren Mut und ihr schöpferisches Denken stellte. Waren es anfangs nur einzelne Große, von deren Geist sich eine nicht abreißende Spur bis in die Gegenwart zieht — von Pelagius bis Storm, Hebbel, Rilke und weiter, von Eriugena und Giordano Bruno über Goethe bis Teilhard de Chardin und Saint-Exupery, von Meister Eckhart und Nikolaus Cusanus über Jakob Böhme bis Heidegger und Jaspers —, so wächst ihre Zahl beständig und ist in der Gegenwart in ungebrochener Kontinuität zu einer sich weit ausbreitenden, alle europäischen Nationen, alle gesellschaftlichen Schichten und alle Generationen übergreifenden religiösen Gemeinsamkeit erstarkt. Was konnte schlagender die religiöse Identität Europas ausweisen als die spontanen Proteste und selbständigen Entgegensetzungen seiner Ketzer als Urheber eigener religiöser Schöpfungen mit eigener Perspektive und ihre immer wieder staunenerregenden Übereinstimmungen untereinander über Jahrhunderte und über alle nationalen Grenzen hinweg — Übereinstimmungen, die oft unabhängig voneinander und ohne voneinander zu wissen, allein der ihnen gemeinsamen, ureigenen Erlebensweise, der immer gleichen Gotteserfahrung, demselben Wesensgesetz in der eigenen Brust entstammten? In seinen Tausenden von Ketzern kam Europa immer erneut und aus seinem Urgrund erneut zu sich selbst, wurde es sich in seinen größten Geistern seiner selbst, seines Wesens und seiner eigenen göttlichen Tiefe bewußt in einer eigenen europäischen Religion, die über das sich seinem Untergang zuneigende Zeitalter der Selbstentfremdung hinweg tragende Kräfte entfalten wird.

„Jedes kann nur wahrhaft ‚sein’, sofern Gott in ihm sein Sein ausmacht“

Die Nur-Protestierenden freilich, die den Mut zum eigenen Selbst und die Kraft zum eigenständigen Weg abseits der ausgetretenen ideologischen Straßen nicht aufbrachten, sie warfen mit dem von Nietzsche diagnostizierten „unglaubwürdig gewordenen Glauben an den christlichen Gott“ jeden Glauben über Bord, fegten mit dem christlichen „Jenseits“ jegliche „Transzendenz“, das heißt jedes „Überschreiten“ der vordergründigen Dingwelt des den Sinnen und dem Verstand Gegebenen davon. Indem sie jede Bindung zerrissen, ihre eigenen Wurzeln abschnitten und sich somit aller Quellen ihrer Kraft begaben, haben sie sich als Entwurzelte, Unbehauste selbst den von Nietzsche vorhergesagten Schrecken des totalen Nihilismus ausgeliefert mit allen Ängsten und Verzweiflungen in letzter Sinnleere und Verlorenheit ihres verödeten Daseins, das nach Untergang, Ende, Totsein süchtig ist. Die christliche Entwürdigung und Entheiligung des Menschen, der Welt, der Natur hat in diesen Protestierern gegen den christlichen Gott, in diesen Aussteigern aus dem Sinn, in diesen Emigranten aus der Heillosigkeit des Diesseits — das nach dem Kappen des „Jenseits“ ein „Diesseits“ des Nicht-Seienden ist und „vom Nichts umdroht“ — ihre letzten Opfer zugerichtet. Ihre Preisgabe aller Transzendenz rächt sich an ihnen mit dem Verlust des Seins.

Denn sie haben in ihrer Radikalität das Wesentliche für eine heile Identität selbst zerstört, das ihnen Antoine de Saint-Exupery mit dem Gebet des Großen Kaid in der Stadt der Wüste in Erinnerung ruft, das hier aber auch für jene stehen mag, die auf dem Weg zu ihrer wahren religiösen Identität sind:

„Verbinde mich wieder dem Baum, von dem ich stamme!
Ich bin ohne Sinn, wenn ich allein bleibe …
Hier bin ich aufgelöst und vorläufig.
Ich trage Verlangen, zu sein.“30

Anmerkungen

I Zerstörung der religiösen Identität

1 Nikolas von Cues, Die Kunst der Vermutung, Auswahl aus seinen Schriften, Bremen 1957, Über die Vermutungen, 1,13.
2 Michael Rangl, Briefe des hl. Bonifatius, Leipzig 1912.
3 Snorri Sturlusson, Sage von Hakon dem Guten, 14, in: S. Hunke, Europas andere Religion, Düsseldorf 1969, S. 97.
4 Hierzu Kap. ,Gott liebt den freien Menschen’, in S. Hunke: Europas andere Religion, aaO., S. 57-93.
5 Sigrid Hunke, Europas andere Religion, aaO., S. 15f, Einleitung: ,Gott hat viele Gesichter’.
6 Ebd., S. 93.
7 Sigrid Hunke, Tod, was ist dein Sinn, Pfullingen 1986, Kapitel ,Weiterleben aus dem Heil’.
8 Sigrid Hunke, Europas andere Religion, aaO., S. 102ff.
9 Salvian, De gubernatione Dei, X, VI.
10 Die Hymnen des Mönches Gottschalk, hrsg. von Walter Kagerah, Berlin 1936.
11 Sigrid Hunke, Europas andere Religion, aaO., S. 111.
12 Wilhelm Grönbech, Religion und Kultur der Germanen, Hamburg 1935, S. 127ff.
13 Sigrid Hunke, Am Anfang waren Mann und Frau, Vorbilder und Wandlungen der Geschlechterbeziehungen, Hildesheim 1986, S. 86ff.
14 Ebd., S. 80ff.
15 Ebd., S. 174ff.                                                                                 :
16 Heiland und Genesis, hrsg. von Otto Behaghel, Halle 1922.
17 Franz Brietzmann, Die böse Frau in der deutschen Literatur des Mittelalters, Berlin 1912.
18 Tacitus, Germania, c. 8.
19 Michael Rangl, aaO., Brief von Gregor an Bonifatius v. 2.11.726.
20 Sigrid Hunke, Das Reich und das werdende Europa (,Das Reich ist tot — es lebe Europa’), Hannover 1965, S. 29f.
21 Ebd., S. 30ff.
22 Ebd., S. 13-74.
23 Ebd., S. 26f.
24 Ebd., S. 25.
25 Ebd., S. 45ff.
26 Das Buch der deutschen Dichtung, hrsg. von Friedrich von der Leyen, I. Band, ,Frühes und hohes Mittelalter’, Leipzig 1939, S. 113.

II Erneuerung der religiösen Identität

1 Sigrid Hunke, Europas andere Religion, aaO., S. 60.
2 „Est enim, inquam, in animis nostris naturalis quaedam (ut ita dixerim) sanctitas.“ Demetriasbrief, in: Migne, Patrologiae Ser. Latina, Paris 1846, XXX 17, 2.
3 Ebd., XXX 17, 6.
4 Reinmar von Zweter in: Die deutsche Literatur, übs. und hrsg. von Boor, München 1965.
5 Meister Eckart, Deutsche Predigten und Traktate, üb. und hrsg. von Josef Quint, München o. J, Predigt 29, S. 291.
6 Nach Sigrid Hunke, Europas andere Religion, aaO., S. 77.
7 Wolfgang von Wartburg, Geschichte der Schweiz, München 1951, Kap. Pestalozzis. 178ff.
8 Immanuel Kant, Werke, Berlin 1913, Bd. V, Kritik der praktischen Vernunft, 2. Teil.
9 Friedrich von Schiller, Das Ideal und das Leben.
10 Immanuel Kant, Was ist Aufklärung?, Akademieausgabe Band 8, S. 35.; .Metaphysik der Sitten, Einleitung § 4’.
11 Johann Wolfgang von Goethe, Dichtung und Wahrheit. Aus meinem Leben, München o. J., 15. Buch, S. 506ff.
12 Johann Wolfgang von Goethe, Werke, Stuttgart 1950, Abt. 1, Bd. 4 .Frühe Dramen, Bruchstücke’.
13 Johann Wolfgang von Goethe, Faust, ,Prolog im Himmel’.
14 Sigrid Hunke, Europas andere Religion, aaO., III. Teil, ,Die europäische Religion1, S. 421-505.
15 Die ,unitarischen’ Präsidenten der USA: John Adams, Thomas Jefferson und Abraham Lincoln; ferner Benjamin Franklin u. a.
16 Sigrid Hunke, ebd., S. 265.
17 Ebd., S. 262.
18 Meister Eckhart, in Predigten und Traktate, aaO., Predigt 32, S. 309.
19 Johann Gottlieb Fichte, Sämtliche Werke, Leipzig 1924, .Anweisungen zum seligen Leben’, 6. Vorlesung, V, 475.
20 Friedrich Schleiermacher, Werke, Bd. 4, ,Über die Religion, Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern’, Leipzig 1911, S. 132.
21 Ebd., S. 34.
22 Sigrid Hunke, ebd., S. 41.
23 Johannes Scotus Eriugena, Über die Einteilung der Natur, übs. von K. Noack, Leipzig 1870-1874, III, 17.
24 Ebd., III, 22.
25 Ebd., III, 18.
26 Friedrich von Sonnenburg, in Die deutsche Literatur, aaO., I, 491f.
27 Nicolaus von Cues, Die Kunst der Vermutung, aaO., S. 225, ,Der Laie und die Weisheit’; S. 267 ,Der Laie über den Geist’; S. 299 ,Das Experiment mit der Waage’.
28 Nicolaus von Cues, ebd., ,Von der wissenden Unwissenheit’ (,De docta ignorantia’), Zweites Buch.
29 Nicolaus von Cues, ebd., ,Von Gottes Sehen’, S. 316.
30 Antoine de Saint-Exupery, Die Stadt in der Wüste, übs. von O. v. Nostitz, Düsseldorf 1956, c. 173.

Die arianisch-gotische Religiosität

von: Edmund Weber
Die christlichen Lehnwörter der deutschen Sprache bestehen aus zwei Schichten, einer älteren und einer jüngeren. Zur ersten gehören Wörter wie „Pfaffe“, „Teufel“ und „taufen“, zur zweiten Wörter wie „Kloster“, „predigen“ usw. Während die jüngere Schicht aus der lateinischen Kirchensprache des römisch-katholischen Bekenntnisses entlehnt ist, stammt die ältere entweder aus dem Griechischen durch Vermittlung des Gotischen oder aus dem Gotischen selbst. Diese Wörter sind Marksteine für die sprachlichen Einwirkungen, die das erste germanische Christentum auf die süddeutschen Stämme ausgeübt hat.

Die christlichen Lehnwörter der deutschen Sprache bestehen aus zwei Schichten, einer älteren und einer jüngeren. Zur ersten gehören Wörter wie „Pfaffe“, „Teufel“ und „taufen“, zur zweiten Wörter wie „Kloster“, „predigen“ usw. Während die jüngere Schicht aus der lateinischen Kirchensprache des römisch-katholischen Bekenntnisses entlehnt ist, stammt die ältere entweder aus dem Griechischen durch Vermittlung des Gotischen oder aus dem Gotischen selbst. Diese Wörter sind Marksteine für die sprachlichen Einwirkungen, die das erste germanische Christentum auf die süddeutschen Stämme ausgeübt hat. Dieser Einfluß ist schon im fünften Jahrhundert vom Unterlauf der Donau her stromaufwärts gezogen und hat sich bereits vor Theoderich dem Großen weithin in Deutschland geltend gemacht.
Das älteste germanische Christentum ist von seinen welschen Zeitgenossen kurzweg „Das gotische Gesetz“ genannt worden, weil die gotischen Wanderstämme, die auf altem römischen Reichsboden ihre Reiche errichteten, seine Hauptträger waren. Darüber hinaus hat es aber auch deutsche Stämme, z. B. die Bayern und die Alemannen beeinflußt. Es hat nahezu vierhundert Jahre bestanden und sich zur Zeit seiner größten Ausdehnung vom Kaukasus bis zum Atlantischen Ozean sowie von der Sahara bis zum Thüringer Wald erstreckt. Trotzdem ist „Das gotische Gesetz“, wie Hans v. Schubert schrieb, bis vor kurzem eine „dunkle Größe“ gewesen. Für uns, die wir uns auf die Grundlagen unserer Art besinnen, ist es jedoch geboten, auch einmal zu betrachten, mit welchem Ergebnis Germanentum und Christentum sich zuerst berührt haben.
Der erste Germanenstamm, der geschlossen das Christentum angenommen hat, sind die Westgoten gewesen. Sie saßen damals an der unteren Donau in der heutigen Moldau und Walachei. Von 341 n. übl. Ztr. an wirkte unter ihnen als Bekehrer der Bischof Ulfila. Seinem heißen Bemühen und dem politischen Druck des Hunnensturms ist es zuzuschreiben, daß, wie ich vermute, das Heerthing der Westgoten 376 n. übl. Ztr. die Annahme des Christentums beschloß, um die Aufnahme des Stammes ins oströmische Reich als Bundesgenossen zu erlangen.
Damals herrschte am Hofe zu Konstantinopel die Lehre des Arius. Auch Ulfila war überzeugter Arianer. So ist es zeitgeschichtlich bedingt, daß die Goten das Christentum in der arianischen Form überkamen. Solange diese amtlich anerkannte Rechtgläubigkeit war, spielte dieser Umstand keine Rolle. Aber als der athanasianisch gesonnene Kaiser Theodosius der Große die Wesensgleichheit und Gleichstellung der drei Personen in der heiligen Dreieinigkeit auf dem Konzil zu Konstantinopel 381 n. übl. Ztr. durchgesetzt hatte, wurde der Arianismus als „Irrlehre“ im ganzen Römerreich unterdrückt. Bei den römischen Arianern gelang das ziemlich rasch. Aber gegen die christlichen Germanen mit Zwangsnahmen vorzugehen, war unmöglich. Da sie Arianer blieben, kam es bei ihnen zur Ausbildung eines eigenen Bekenntnisses in der Form der arianisch-gotischen Religiosität.
Lehrmäßig unterschied sich das gotische Bekenntnis von dem athanasianischen der Griechen und Römer durch die Auffassung des Verhältnisses des Gott-Vaters zu dem Gott-Sohne und beider zu dem Heiligen Geiste. Die germanischen Kirchenlehrer vertraten die Ansicht, „der Sohn sei geringer an Hoheit als der Vater und an Ewigkeit später, der Heilige Geist aber sei weder Gott noch bestehe er aus dem Wesen des Vaters, sondern sei vom Sohn geschaffen und dem Gehorsam gegen beide unterworfen“; sie behaupteten auch, daß weder der Sohn noch der Heilige Geist dem Vater wesensgleich seien. So betonten also die gotischen Geistlichen die Unterordnung des Sohnes unter den Vater. In Streitgesprächen mit römischen Priestern begründeten sie ihre Auffassung mit dem Hinweis auf das Schriftwort: „Der Vater ist größer als ich.“
Ulfila hat diese Lehre kurz vor seinem Tode so aufgezeichnet:
„Ich, Ulfila, Bischof und Bekenner, habe immer folgendes geglaubt und gehe in diesem alleinigen und wahren Glauben hinüber zu meinem Herrn. Ich glaube, daß Einer sei, Gott der Vater, allein, ungezeugt und unsichtbar; und an seinen einzig gezeugten Sohn, unsern Herrn und Gott, den Werkmeister und Schöpfer der gesamten Kreatur, der nicht seinesgleichen hat; darum ist er ein Gott aller; und daß ein heiliger Geist sei, die erleuchtende und heilige Kraft, wie Christus sagt (Luk. 24, 49), weder Gott noch Herr, sondern Diener Christi, untertan und gehorsam in allem dem Sohn, und der Sohn untertan und gehorsam in allem Gott dem Vater.“
Wenn dieses Bekenntnis Ulfilas nicht nur von den Westgoten, sondern auch von den vielen anderen germanischen Stämmen der katholischen Dreieinigkeitslehre vorgezogen wurde, so wird man das nicht nur auf den Einfluß seiner mächtigen Persönlichkeit zurückführen dürfen. Es muß, wie Rudolf Goette bemerkt, auch daran liegen, daß die Vorstellung eines menschenfernen höchsten Gottes, eines von ihm gezeugten Schöpfers und Weltherrschers und seines halbgöttlichen Dieners der Gedanken- und Gefühlswelt der zu bekehrenden Germanen leichter einging als die orthodoxe Dreieinigkeitslehre.
Wie bei der Lehre von der Dreieinigkeit, so beriefen sich die gotischen Geistlichen in ihren Auseinandersetzungen mit den welschen Priestern auch sonst auf die Bibel. Eine Berufung der letzteren auf eine mündliche Überlieferung lehnten sie ab mit der Begründung, in der Schrift nicht enthaltene Ausdrücke dürften auch nicht in die Glaubenslehre eingeführt werden. Das war ausgesprochenes Bibelchristentum, das nur den Schriftbeweis anerkennt. Dieser wesentliche Zug der arianisch-gotischen Frömmigkeit ging ebenfalls auf Ulfila zurück. Er war von Jugend auf in einem schlichten Bibelchristentum erzogen worden. Daher übersetzte er, sobald er dazu die nötige Ruhe und Zeit fand, die Bibel ins Gotische und stellte so alle gotischen Gläubigen von Anfang an auf die Grundlage des selbständigen Forschens in der Schrift. Diese Übertragung der „Heiligen Schrift“ war, wie Rudolf Goette treffend bemerkt hat, ebensowenig wie die Lutherbibel nur für Gelehrte und Wissende bestimmt, sondern als Volksbuch gedacht.
Durch die Gotenbibel wurde das gesamte Glaubensleben der arianischen Goten von seinem Ursprung an in der Muttersprache verankert. Daher darf angenommen werden, daß der Gottesdienst durchweg in der gotischen Sprache abgehalten worden ist. Dafür zeugt u. a. eine uns erhaltene wandalische Formel: „Herr, erbarme dich unser!“
Indem das gotische Christentum durch seine Bibel und seinen Gottesdienst in der Muttersprache zu einer völkischen Größe wurde, trat es zu der welschen Kirche, die völkerüberspannend sein wollte, in einen Gegensatz. Den römischen Anspruch auf alleinige Rechtgläubigkeit bestritten die gotischen Kirchenlehrer mit der Behauptung, sie seien ebenso gut katholisch; sie verlangten für sich das Recht, „unabhängig von den Riesenfangarmen der römischen Kirche“ – wie H. v. Schubert anschaulich gesagt hat – auf der allein wahrhaft katholischen Grundlage der ersten beiden christlichen Jahrhunderte weiterbauen zu dürfen. Sie stützten sich auf Konzilien, die für den Arianismus günstig gewesen waren, und fochten die Gültigkeit der Konzilien an, die die Lehre des Arius verworfen hatten.
Wie hoch die Kraft der Bibelworte eingeschätzt wurde, lehrt der Umstand, daß man zur Erforschung der Zukunft nicht mehr, wie einst die Väter, Losstäbe warf, sondern aufgeschlagene Bibelverse für bedeutungsvoll und schicksalkündend ansah.
Diese Verwendung der Bibel offenbart, daß die arianisch-gotische Religiosität ihre zweite Wurzel in der germanischen Vorstellungswelt hatte. Das lehrt auch die gotische Auffassung des Abendmahls als einer steten Erneuerung eines im Blute Christi geschlossenen Bundes; sie bedeutete die Übertragung der germanischen Sitte der Blutsbrüderschaft auf das Verhältnis der Gläubigen zu ihrem Gott.
Wie bereits erwähnt, stammt unser deutsches Zeitwort „taufen“ vom gotischen daupjan; dieses hängt wieder mit diups, d. h. tief, zusammen und bedeutet daher ursprünglich „eintauchen“. Nach spanischen Berichten bestand denn auch die arianisch-gotische Taufe in einem dreimaligen Untertauchen des Täuflings.
Kennzeichnend für germanisches Empfinden ist auch der vom Bischof Isidor von Sevilla überlieferte Brauch der arianischen Geistlichen, sich „zur Schonung des den Germanen so teuren Haupthaares“ nur „auf dem Wirbel eine kleine Platte“ scheren zu lassen.
Schon Gustav Freytag hat erkannt, daß die arianisch-gotischen Christen im Heiland ihren Gefolgsherren sahen. Damit war der altgermanische Gefolgschaftsgedanke ins Religiöse übertragen. Nun läßt sich aus den Evangelien ein zwiefaches Bild Jesu ableiten: das eines leidenden Dulders, der die Sanftmütigen und Friedfertigen selig preist und gebietet, das Schwert in die Scheide zu stecken, und das eines unerschrockenen und schlagfertigen geistigen Kämpfers. Den gotischen Wanderstämmen, die seit vielen Geschlechtern sich ihre Freiheit und ihr Leben täglich neu erobern mußten, konnte der gekreuzigte Dulder wenig zusagen. Sie hielten sich lieber an den heldischen Jesus als ihren himmlischen Herzog und malten sich ihn nach den Hochzielen ihrer Art als mutig, tapfer und treu aus.
Zur Zeit des germanischen Eigenglaubens hatte der öffentliche Gottesdienst in engster Verbindung mit dem Rechts- und Gemeindeleben in Krieg und Frieden gestanden. Die Grundzüge dieser Verfassung blieben auch bei dem Übertritt der Goten zum Christentum maßgebend. Der alte Glaubensverband wurde nunmehr zu einer Stammes- oder Volkskirche und von der Zeit an, wo die einzelnen Stämme ein eigenes Reich gewonnen hatten, zu einer Landeskirche. Daher war diesen gotischen Arianern das römische Streben nach bischöflicher Allgewalt und nach Unabhängigkeit der Kirche von Volk und Staat wesensfremd und unleidlich. Alle ihre geistlichen Würdenträger unterstanden dem König als dem Landesherrn; er ernannte die Bischöfe und zog sie gegebenenenfalls zur Verantwortung.
Nach altgermanischem Brauche war der Hausvater das geistliche Oberhaupt im häuslichen Kreise gewesen. Diese Auffassung blieb auch im gotischen Christentum herrschend. Den Priestern eine bevorrechtigte Stellung einzuräumen und sie als Mittler zwischen sich und Gott anzuerkennen, lag den gotischen Frommen fern.
Darum lehnte die arianisch-gotische Religiosität auch die Lehre von einer doppelten Sittlichkeit ab. In dem Einsiedlerwesen und in dem Mönchstum sahen die Germanen eine Flucht aus der Sippe und dem Stamm. Das bewußte Ausscheiden aus der Kette der Geschlechterfolgen erschien ihnen nicht verdienstlich, sondern widernatürlich. Die Ehe galt als gottgewollter Lebensstand, dem sich die Priester ebensowenig entziehen durften wie jeder andere Volksgenosse. Denn Ehelosigkeit gefährdete die Volkskraft. Aus diesem lebenskundlichen Blickfeld heraus hielten auch die arianischen Goten lange auf reinblütige Ehen.
Der germanische Geist war wenig geneigt, sich dem Zwange festgefügter Glaubenssätze zu unterwerfen. Darum brachte auch die arianisch-gotische Frömmigkeit dem Selbstbestimmungsrecht des einzelnen Gewissens Ehrfurcht entgegen und war duldsam nicht nur gegen ihre Anhänger, sondern auch gegen Andersgläubige. Die angeborene Verträglichkeit in Glaubensfragen fand sich bestärkt in ihrer geistigen Begründung durch das Wort Jesu: „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen.“ Aus diesem Grundgefühl heraus ließ Theoderich der Große 510 n. übl. Ztr. an die Judengemeinde in Genua schreiben: „… denn eine Religion können wir euch nicht anbefehlen, weil niemand wider seinen Willen zum Glauben gezwungen wird.“
Bei der mehrhundertjährigen Entwicklung der arianisch-gotischen Frömmigkeit ist es verständlich, daß sie ihre eigenen Blutzeugen und ihren eigenen Zeitkalender gehabt hat. Ob sie auch Heilige gekannt hat, ist unsicher, ebenso, ob man einen Wunderglauben annehmen muß; falls ein solcher bestanden hat, war er jedenfalls wesentlich schwächer als in der römischen Kirche.
Sobald die Wanderstämme zu fester Ansiedlung gelang waren, erbauten sie sich auch eigene Kirchen. Ob sie noch dazu gelangt sind, einen arianischen Kirchenbaustil zu entwickeln, muß dahingestellt bleiben. Nach Albrecht Haupt scheint es, als ob bei den gotischen Kirchen alle Sinnbilder der Dreieinigkeit vermieden und deshalb statt der Dreiecksgiebel Walmdächer angebracht worden sind.
Die arianisch-gotische Religiosität hat Glaubenssätze gekannt und ihre Überzeugungen auch in Lehren zu fassen und sie geschickt zu begründen und zu verteidigen verstanden. Aber wichtiger war ihr das Handeln nach den Worten des Heilands. „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ – das war die Losung für die gotischen Christen. Prokop rühmt den arianischen Goten der Halbinsel Taman nach:
„Sie achten und ehren die christlichen Bräuche in nicht geringerem Maße als irgendeiner … ohne sich in Streit einzulassen, halten sie den Glauben hoch in schlichter Gestalt.“
Der römisch-katholische Bischof von Massilia (Marseille) Salvianus hat um 450 n. übl. Ztr. dem arianisch-gotischen Tatchristentum folgendes Zeugnis ausgestellt:
„Die Goten und Wandalen hängen zwar Irrlehren an, aber an Sittenstrenge sind sie besser als unsere römischen Landsleute … So viel gilt bei jenen die Sittenreinheit und Sittenstrenge, daß sie nicht nur selbst keusch sind, sondern auch – ich sage etwas Neues, Unglaubliches, Unerhörtes – die Römer dazu gemacht haben … Schämt euch, ihr Römer, schämt euch eures Lebenswandels, denn bei euch sind nur die Städte frei von Lastern, wo die Barbaren herrschen.
Eine ganze Reihe geschichtlicher Zeugnisse ließe sich denn auch anführen, aus denen hervorgeht, welch feine Blüten die Verschmelzung der germanischen Tugenden der Tapferkeit, Ritterlichkeit und Treue mit den sittlichen Forderungen der Frohbotschaft getrieben hat. Die arianisch-gotische Religiosität ergab eine Glaubensform, die nicht wenige auffällige Übereinstimmungen mit dem späteren Protestantismus Luthers aufweist. Die Bibelgläubigkeit, die Verwerfung der Überlieferung, die Forderung der Schriftgemäßheit der Lehre, der Gottesdienst in der Muttersprache, die Bedingtheit der Anerkennung der Konzilien, die Ablehnung einer Mittlerstellung der Priester und der Lehre von einer doppelten Sittlichkeit für den geistlichen und weltlichen Stand, die Lehre vom allgemeinen Priestertum des Hausvaters, die Bildung von Landeskirchen mit dem Landesherrn als oberster Spitze sind alles Züge, die bei der Reformation ebenfalls auftreten. Wie will man sie anders erklären als durch Zurückführung auf im germanisch-deutschen Blute liegende Erbanlagen?

Ökologische Religion?

Germanenherz Die Christianisierung

„Mein Reich ist nicht von dieser Welt“. Wozu dann um Baumsterben sich kümmern, wozu für reine Luft, entgiftete Böden, reines Wasser sich einsetzen ? Ums Jenseits geht es ihm doch !

Es ist noch gar nicht so lange her, dass in christlichen Zeitungen darauf hingewiesen wurde, dass der technische Fortschritt nur durch das Christentum ermöglicht worden sei: Es habe die Natur entzaubert, Pflanzen und Mineralien zu Sachen gemacht, und damit die Voraussetzung für die Technik geschaffen. Heute sind die Stimmen verstummt. Angesichts der Umweltkrisen möchte man hieran auch nicht mehr erinnert werden. Statt dessen wird versucht, Jesus als ökologiebewusst darzustellen: Das Ur- Christentum sei eine ökologische Religion.

Dies Bemühen ist beispielsweise festzustellen in dem Buch von Hubertus Mynarek: „Ökologische Religion – ein neues Verständnis der Natur“ (Goldmann-Verlag 1986). Der Verfasser war ursprünglich katholischer Priester und Religionsprofessor, bis er 1972 aus der katholischen Kirche austrat. Mit Christus hat er aber nicht gebrochen. Seine Feindesliebe, sein Gleichheitsprinzip, sein Kampf gegen den Reichtum sei eine gute Voraussetzung für eine ökologische Religion. Nun, dass Jesus keinerlei Interesse für Umweltschutz entwickelt hat, ist schon aus seinem Wort zu ersehen: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“.Wozu dann um Baumsterben sich kümmern, wozu für reine Luft, entgiftete Böden, reines Wasser sich einsetzen ? Ums Jenseits geht es ihm doch !Dass Jesus im übrigen durchaus ungebrochen in der Tradition des alten Testamentes mit seinem Satz „Macht Euch die Erde untertan“ steht, ist aus einigen Stellen des neuen Testamentes zu entnehmen. So treibt er Dämonen beispielsweise aus und versetzt sie in eine Schweineherde, die er anschliessend ins Meer treibt, wo sie ertrinkt (Lukas 8, 26 – 39; Markus 5, 1 – 20; Matthäus 8, 28 – 34). Frage: Sollte es einem Gott nicht möglich sein, Dämonen auszutreiben, ohne dazu eine Schweineherde ertrinken zu lassen ? Typisch auch die Verfluchung des Feigenbaumes. Jesus hatte Hunger, ging zu einem Feigenbaum in der Hoffnung, dort Früchte zu finden, obwohl – wie es ausdrücklich heisst – es nicht die Zeit war, wo Feigenbäume Früchte zu tragen pflegten. Als er dann keine Früchte fand, verfluchte er den Feigenbaum, er solle künftighin nie mehr Frucht tragen; dieser verdorrte daraufhin auch (Markus 11, 12- 21; Matthäus 21, 18 – 22).

Franz von Assisi, der von den Christen als Schutzpatron der Tierschutzvereine und seit einigen Jahren auch des Umweltschutzes hochgelobt wird, verfluchte ausweislich seiner Lebensgeschichte eine Sau, die im Klostergarten untergebracht worden war und einem dort ebenfalls gehaltenen Lamme die Kehle durchgebissen hatte. Daraufhin sei das Tier verkümmert und gestorben. Augustus jammert darüber, dass die Menschen die Bergeshöhen betrachten und sich darüber selbst vergessen; sie sollen sich mithin nicht der Natur widmen, sondern ihrer Seele.

Hieraus ist schon ersichtlich, dass das Christentum als Grundlage für eine Natur-Religion nicht dienen kann. Eine vergleichbar negative Auffassung zur belebten und unbelebten Natur haben Islam und Judentum. Zu erinnern wäre an den „Sündenbock“, der von den Juden mit Sünden beladen wird, und sodann in die Wüste gejagt wird, damit er dort verdurste, oder an das tierquälerische Schächten von Tieren. Bäume und Tiere sind lediglich Sachen bei diesen beiden Religionen. Auch dem Buddhismus geht es im wesentlichen um die Erlösung von den Wiedergeburten und dem Eingehen ins Nichts, dem Nirwana. Eintreten für eine gesunde Umwelt hätte dort keine religiöse Grundbedeutung.

Im Hinduismus, den ebenfalls einige hier bei uns als vorbildlich sehen, werden manche Bäume und Tiere als heilig angesehen, andere nicht. Es gibt darin aber auch die Idee der Allgöttlichkeit. Daraus folgt, dass alles Gott ist, das Schlechte und Böse ebenso wie das Gute: nicht nur das saubere Wasser, die Luft und die Blumen sind Gott, sondern auch die Ölpest und das Waldsterben, mithin alles was geschieht – selbst die schlimmsten Verbrechen an Mensch und Natur sind „richtig“, weil göttlich.

Vergleichbare Schwierigkeiten ergeben sich beim Pantheismus mancher Romantiker hier bei uns, die alles als gottdurchseelt angesehen haben.

Soweit Hubertus Mynarek erklärt: „Ökologische Religion ist nur der Natur zugewandt und nichts anderem“, ist dies eine Einseitigkeit. Eine Religion muss sich ebenso mit den Menschen und ihren Beziehungen zueinander befassen, nicht nur mit dem Verhältnis des Menschen zur Natur. Besser ist schon die Forderung von Baldur Springmann, „Religio“ als Rückbindung an den Kosmos zu sehen, in Beziehung zu allen anderen lebenden Wesen und Lebenserscheinungen. Wie Ökologie oder Naturbewusstsein mit bestehenden Religionen (Christentum, Antroposophie, Islam, Buddhismus, Hinduismus u.a.) in Verbindung gebracht werden, und auch kritische Anmerkungen zu diesen Versuchen, ist dem von Holger Schleip herausgegebenen Sammelband: „Zurück zur Natur – Religion?“ (Verlag Hermann Bauer, 1986) zu entnehmen. Bei kritischer Durcharbeit zeigt sich, dass alle Versuche, aus fremden Religionen Lösungen für die Frage einer Bindung an die Natur zu finden, fehl gehen müssen, weil dort ganz andere Voraussetzungen vorliegen. Was in diesem Band fehlt, ist eine Ausarbeitung zum germanischen Heidentum, das eine Natur-Religion (aber nicht nur das) war. Unsere Vorfahren gingen – so wie wir jetzt auch – von natürlichen Grundtatsachen aus. Sie waren überzeugt von der Bipolarität alles Lebens (Freude und Leid, Licht und Schatten, Tod und Leben, Tag und Nacht, Wärme und Kälte u.a.). Sie sahen den Menschen in Abhängigkeit von der Natur und ihrem Kreislauf. Dieses Denken in Kreisläufen war wesentlich anders als das christliche Denken, das von einem Jahr O (der angeblichen Geburt Christi) gradlinig bis zum jüngsten Gericht eine Entwicklungslinie ziehen will. Das heidnische Denken lebte demgegenüber in dem Wechsel der Jahreszeiten und sah sich in Abhängigkeit von diesen.

Der heidnische Mensch nahm ferner sein Wesen als gegeben an; es ging ihm nicht darum, sich zu überwinden, das „irdische Jammertal“ zu fliehen, den eigenen Leib zu geisseln oder was dergleichen seelische Verirrungen sonst noch sind. Aus letzterem folgte eine Pflege des Leibes (Reinlichkeit, Körperertüchtigung, Wettkämpfe), aus ersterem ein religiöser Kult, von dem wir Reste noch heute im Brauchtum des Jahreslaufes finden. Dass einstmals die Sommersonnwendfeiern kultische Bedeutung hatten, ist daraus zu ersehen, dass heute diese Feuer als „Johannisfeuer“ von der Kirche umbenannt worden sind. Ebenso gab es Feuer zur Wintersonnenwende sowie an den Vollmonden nach den Tag- und Nachtgleichen im Frühjahr und Herbst, also zu Ostern und dem Herbstopferfest. Die germanische Religion stellte eine Verschmelzung der rein auf den Sonnenlauf ausgerichteten Religion der eingewanderten indogermanischen Schnurkeramiker einerseits, und der mutmasslich mutterrechtlich und deswegen wohl stärker auf den Mond orientierten Religion der Grosssteingrableute andererseits dar. Deswegen hatten die Germanen zwei der insgesamt vier Hauptfeste direkt an Sommer- bzw. Wintersonnenwende, zwei andere an den Vollmonden nach Tag- und Nachtgleiche. Wenn das überlieferte Brauchtum von Verfälschungen der letzten Jahrhunderte gereinigt wird, ferner wieder zu den alten Tagen mit dem alten Sinngehalt durchgeführt wird, macht dies unsere Einbindung in die Natur deutlich.

„Warum in die Ferne schweifen …“. Wenn bei dem sich nunmehr abzeichnenden religiösen Neubesinnen versucht wird, statt des Christentums andere Religionen des Ostens oder indianische Religionen hier als vorbildlich einzuführen, so kann auch dies nur in die Irre weisen. Wenn es in anderen Religionen manche Züge gibt, die wir gutheissen und uneingeschränkt bejahen können, so wird es doch immer – ganz einfach weil sie von andersrassigen Menschen geschaffen wurden – Abweichungen zu unseren Auffassungen geben, die nur mit Gewalt oder Verbiegungen mit unseren Gedanken in Einklang gebracht werden könnten. Deswegen wäre denjenigen, die nach Natur- Religion oder ökologischer Religion suchen, gedient, wenn sie den Ratschlag eines Indianers beherzigen würden, der auf die Frage, was wir hier machen sollten, sagte: „Nach den eigenen Wurzeln suchen“. Dies machen wir, und dementsprechend ist unsere Küre 6 des Artbekenntnisses gestaltet. Unsere Einbindung in Natur und Kosmos ist damit deutlich gemacht. Wie die anderen Küren zeigen, ist diese Einbindung in die Natur aber nur ein Teil unseres religiösen Selbstverständnisses. Eine Religionsgemeinschaft muss umfassend Antwort auf wichtige Lebensfragen geben. Wir sind deshalb davon überzeugt, dass die Artgemeinschaft denjenigen nordischen Menschen, die sich religiös neu binden wollen, eine bessere Heimat sein kann als jede andere Religionsgemeinschaft.

Johann Gottlieb Fichte

Johann Gottlieb Fichte
Johann Gottlieb Fichte

 Fichte, Johann Gottlieb, geb. 19. Mai 1762 in Rammenau bei Bischofswerda – 29. Januar 1814 in Berlin) war ein deutscher Erzieher und Philosoph. Er gilt neben Friedrich Schleiermacher, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling und Georg W. F. Hegel als wichtigster Vertreter des deutschen Idealismus.

Nach seiner Schulzeit zog Fichte nach Jena, wo er an der Universität studierte, was ihm seine finanzielle Lage aber erschwerte, weswegen er seine Studien abbrechen mußte. Er schlug sich fortan mühsam mit Privatunterricht durch.
Übergang zur Philosophie

Im Jahre 1790 lernte Fichte die Philosophie Kants kennen, die einen großen Einfluß auf ihn ausübte. Kant inspirierte ihn zu seiner am Begriff des Ich ausgerichteten Wissenschaftslehre. Fichte sah eine rigorose und systematische Einteilung zwischen den „Dingen, wie sie sind“ und „wie die Dinge erscheinen“ (Phänomene) als eine Einladung zum Skeptizismus.

1791 besuchte Fichte Königsberg, wo Immanuel Kant ihm einen Verleger für seine Schrift „Versuch einer Kritik aller Offenbarung“ (1792) verschaffte, die anonym veröffentlicht wurde. Das Buch galt zunächst als ein lange erwartetes religionsphilosophisches Werk von Kant selbst. Als Kant den Irrtum klarstellte, war Fichte berühmt und erhielt einen Lehrstuhl für Philosophie an der Universität Jena, den er 1794 antrat.

Während seiner Jenaer Professur (1794–1799) wurde er zur Zielscheibe im sogenannten „Atheismusstreit”. 1799 hatte eine zunächst anonyme Streitschrift Fichtes den Streit ausgelöst: Fichte wurde wegen Verbreitung atheistischer Ideen und Gottlosigkeit verklagt und zum Rücktritt gezwungen. 1805 bekam Fichte den Lehrstuhl für Philosophie in Erlangen, 1807 wirkte er als Zensor der „Hartungschen Zeitung” in Königsberg, wurde aber auf Befehl des preußischen Generals Ernst von Rüchel entlassen. 1810 wurde Fichte Dekan der philosophischen Fakultät und für kurze Zeit der erste gewählte Rektor der Berliner Universität.

Fichte war spätestens seit 1794 Mitglied einer Freimaurerloge in Rudolstadt, trat allerdings nach einigen Jahren wieder aus. Auch bei der Entstehung der Gesellschaft der freien Männer hatte er einen bedeutenden Anteil. In Berlin wurde er Mitglied der Deutschen Tischgesellschaft, ab Sommer 1811 deren „Sprecher” (Vorsitzender). Der sich früher als Anhänger der Französischen Revolution bezeichnende Fichte profilierte sich nun insbesondere durch die flammend patriotischen „Reden an die deutsche Nation“ (als Text veröffentlicht bis 1808) als Gegner Napoleons.

Ein utopisches Gesellschaftsmodell – eine neue Art sozialistischer Gesellschaft auf nationaler Grundlage – findet sich in dem Werk „Der geschlossene Handelsstaat“ (1800).

Nach einem kurzen Aufenthalt in Erlangen hielt Fichte in einem Freisemester im Winter 1805/06 in Berlin Vorlesungen, die 1806 unter dem Titel „Anweisungen zum seligen Leben“ erschienen. Die Kriegswirren, ausgelöst durch Napoleons Überfall auf Preußen, vereitelten Fichtes Rückkehr nach Erlangen und führten zu Aufenthalten in Kopenhagen und Königsberg, wo Fichte Vorlesungen hielt und eine Professur angeboten bekam. Bereits 1806 kehrte er jedoch aufgrund der Bedrohung Königsbergs durch französische Truppen wieder in das französisch besetzte Berlin zurück und veröffentlichte seine „Grundzüge des Gegenwärtigen Zeitalters“. Trotz der bedrohlichen politischen Umstände hielt Fichte in Berlin in den Jahren 1807/08 seine „Reden an die deutsche Nation“.

1813 erkrankte Johanna, Fichtes Frau, am sog. Lazarettfieber, welches sie sich bei der Pflege von Kriegsverwundeten zugezogen hatte. Auch Fichte sollte daran erkranken und konnte sich im Gegensatz zu seiner Frau von diesem Fieber nicht erholen. Er starb am 29. Januar 1814 in Berlin und wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof beerdigt.
Fichtes „Grundlage der gesammten Wissenschaftslehre“

Ein zentraler Kern in Fichtes Philosophie ist der Begriff des „absoluten Ich“. Dieses absolute Ich ist nicht mit dem individuellen Geist zu verwechseln. Später nutzte Fichte die Bezeichnung „Absolutes“, „Sein“ oder sogar „Gott“. Fichte beginnt in seiner „Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre“ mit einer Aussage, die eine Handlungsweise des Ich zum Ausdruck bringen soll, deren Verständnis daher diese Handlung auszuführen erfordert:

„Das Ich sezt sich selbst, und es ist, vermöge dieses bloßen Setzens durch sich selbst; und umgekehrt: Das Ich ist, und es sezt sein Seyn, vermöge seines bloßen Seyns. – Es ist zugleich das Handelnde, und das Produkt der Handlung; das Thätige, und das, was durch die Thätigkeit hervorgebracht wird; Handlung, und That sind Eins und dasselbe; und daher ist das: Ich bin, Ausdruck einer Thathandlung.“ (GA I, 2, 259)

Fichte ging es um die praktische Umsetzung seiner Philosophie, weshalb er die Errichtung eines lückenlosen Systems als zweitrangig erachtete. Im Vordergrund stand für ihn die Verständlichkeit, d. h. die Art, seine Lehre so darzustellen, daß sie von jedermann verstanden werden konnte. Sein positives Menschenbild ging davon aus, daß in jedem Menschen – und nicht nur im Fachgelehrten – der Grund echter Selbsterkenntnis (und damit auch Gotteserkenntnis) gelegt ist und man lediglich auf diese verweisen müsse.
Fichtes Kantrezeption

Fichte reagierte auf die Frage, wie theoretische und praktische Vernunft zusammenhängen, indem er deutlich machte, daß die beiden Teile der Vernunft in ein hierarchisches Verhältnis zu setzen sind. Hierbei ist die praktische Vernunft der theoretischen übergeordnet. Letztere benötige die praktische Vernunft; diese aber sei autonom. Auch für Kant war die praktische Vernunft ein Vermögen des Willens – und damit autonom. Für Fichte mündet diese Tatsache in seiner Theorie zur Selbstsetzung. Der Wille bringt, indem er sich ein Gesetz gibt, zugleich sein Wesen als Vernunftwille hervor. Dieser Vernunftwille macht das aus, was wir sind – nämlich unser Ich. „Das absolute Ich ist, indem es sich setzt, und setzt sich, indem es ist.“ [1] Aus diesem Grund kommt der praktischen Vernunft absolute Freiheit zu. Fichtes Idealismus ist daher eine Konsequenz aus dem Primat der praktischen Vernunft.

Der Kritik am transzendentalen Argument bei Kant entzieht sich Fichte, indem er die praktische Vernunft als Bedingung für die theoretische Vernunft erklärt. Hierbei geht Fichte von der Handlung des Urteilens aus und schließt mit Hilfe eines transzendentalen Argumentes auf das sich setzende Ich als Bedingung hierfür. Alles Urteilen ist Handeln des menschlichen Geistes. Diesem liegt der Satz „Ich bin“ zugrunde. Das „schlechthin gesezte und auf sich selbst gegründete“ (GA I,2,258) ist der Grund des Handelns. Um dem Vorwurf zu entgehen, daß wir eventuell gar nicht urteilen, sondern nur zu urteilen glauben, führt Fichte die „intellektuelle Anschauung“ ein. Sie ist selbstverständlich auch praktisch zu verstehen als „Anschauen seiner selbst im Vollziehen eines Acts“ (GA I, 4,216). Wenn wir urteilen, beobachten wir uns nicht, sondern stellen handlungsorientierte Fragen. Diese Fragen gehen von der Annahme aus, daß man ein Vernunftwesen ist. Würde dem nicht so sein, könnten wir nicht urteilen – was konträr erscheint. Gleichwohl hat Fichte erkannt, daß daraus, daß man nicht an den Bedingungen vernünftigen Urteilens zweifeln kann, nicht(!) folgt, daß man diese Bedingungen tatsächlich erfüllt.

Den schärfsten Bruch mit Kant bewirkte Fichte mit der Ablehnung der Konzeption eines „Dinges an sich“. Nur so kann in seinen Augen die absolute Freiheit des Ich bewahrt werden (vgl. GA III, 2,298). Das „Ding an sich“ wird bei Fichte zu einem „Anstoß“ degradiert. Dieser ist ein irrationales Faktum innerhalb des Ich, das das Ich zu bewältigen versucht. Die Folge ist der Ausschluß aus dem Ich, gleichsam hinaus in die Welt als „Nicht-Ich“. Ist das absolute Ich demzufolge also ein „Ding an sich“ auf der Seite des Subjekts? Fichtes Antwort: Nur wenn es erscheint. Das absolute Ich existiert nur im Handeln selbst. In der philosophischen Reflexion wird das absolute Ich herausgegriffen und zu etwas Objektivem gemacht. Für Fichte ist es gleichsam Artefakt der Theorie, keine Entität der realen Welt.

Jenaer Philosophie

Es stellt sich nun die Frage, warum das absolute Ich, welches autonom ist, auf einen „Anstoß“ reagiert. Fichte macht deutlich, daß das absolute Ich nur ist, wenn es sich seiner selbst bewußt wird. Dies kann nur geschehen, wenn es mit Material konfrontiert wird, auf das es zu reagieren hat. Würde es zu keinem Kontakt kommen, würde das Ich „ganz in seiner Tätigkeit aufgehen“.[2] Um aber zu sein – und damit auch ein Selbstbewußtsein zu entwickeln –, muß es sich für den „Anstoß“ öffnen und dafür Sorge tragen, daß der „Stein des Anstoßes“ erhalten bleibt. Nach Fichte kann das Ich demnach als ein unendliches Streben nach Autonomie verstanden werden.

Der „Anstoß“ ist hierbei gleichsam nur notwendige Bedingung des Selbstbewußtseins, keine hinreichende. Die weiteren Bedingungen für das Selbstbewußtsein finden sich in den jeweiligen Teildisziplinen der Wissenschaftslehre, die Fichte unterscheidet: Naturlehre, Rechtslehre, Sittenlehre und Religionslehre. Erstere hat Fichte, aufgrund des von ihm entwickelten Primats der praktischen Vernunft, nie ausgearbeitet.
Fichtes Rechtslehre

In „Grundlagen des Naturrechts nach Prinzipien der Wissenschaftslehre“ von 1796/97 wird die Beziehung zwischen dem Selbstbewußtsein und – sozusagen – der Welt präzisiert. Das Bewußtsein kann sich nur als frei handelndes Wesen begreifen, wenn es „den Begriff eines frei handelnden Wesens auf sich anwenden kann“. [3] Das kann es nur, wenn andere das Selbstbewußtsein auffordern etwas zu tun und gleichzeitig(!) die Freiheit eingestehen, dieser Aufforderung nicht nachzukommen. Da dieser Vorgang reziprok ist, folgt, daß das Sein des Selbstbewußtseins von der Anerkennung der Freiheit anderer abhängt. Es wird deutlich, daß sich Fichte nicht auf das Moralgesetz als die bindende Kraft des Rechts versteht, sondern das Eigeninteresse des selbstbewußten Ich. Ein Rechtsverhältnis entsteht demnach aufgrund der bloßen Existenz eines Nicht-Ich.

Fichte definiert den Staat als Ausdruck des absoluten Willens, dessen Absicht es ist, die Freiheit und Rechte seiner Bürger zu garantieren. Kollektives und individuelles Handeln werden mit dem Ausdruck „sittliches Handeln“ in Eins gesetzt. Freiheit in der Geschichte sei nach Fichte die mehr oder weniger sittliche Gestaltung gesellschaftlicher Verhältnisse der verschiedenen Völker.
Fichtes Sittenlehre

Im „System der Sittenlehre nach den Prinzipien der Wissenschaftslehre“ von 1798 geht Fichte davon aus, daß das Selbstbewußtsein des absoluten Ich nur sein kann, unter der Bedingung des Bewußtseins des Sittengesetzes. Hierbei ist sich das Ich des Sittengesetzes niemals in abstracto bekannt, sondern „immer in Form konkreter Aufgaben und Pflichten der Welt“ [4]. Das Ich kann sich nur eine Tätigkeit zuschreiben, wenn diese mit der kausalen Wirklichkeit einer ihm unabhängigen Welt verbunden ist. Dies wiederum ist nur möglich, wenn es sich einen Körper zuschreibt. Da dieser Körper Teil der Welt ist, unterliegt er auch den Naturtrieben. Das Sittengesetz untersucht nun die Bedingungen der Manifestation eines zugleich verkörperten und von Naturtrieben beherrschten Ich.
Fichtes Religionslehre

Der Ausbruch des Atheismusstreits hinderte Fichte daran, seine Religionslehre systematisch auszuarbeiten. Während Kant von der Existenz Gottes ausging, da die Existenz Gottes notwendig im Hinblick auf die Bedingungen der Möglichkeit sittlichen Handelns erscheint, sah Fichte nur die Notwendigkeit zu einer „moralischen Weltordnung“. Diese ließe sich nicht zwingend auf eine höhere Instanz – also Gott – zurückführen. Die aktive Weltordnung selbst, der „ordo ordinans“, mag man als Gott bezeichnen. Wer aber dies tut, der „verkennt die unmittelbare Beziehung des Gottesbegriffs zum moralischen Bewußtsein und ist, so Fichte, der wahre Götzendiener und Atheist.“
Beitrag zur Französischen Revolution (1793)

Fichte begrüßte die Französische Revolution und verfaßte seine beiden Revolutionsschriften von 1793 („Zurückforderung der Denkfreiheit von den Fürsten Europens, die sie bisher unterdrückten“ und „Beiträge zur Berichtigung der Urteile des Publikums über die Französische Revolution“). Er begründet die Rechtmäßigkeit der Revolution in Anlehnung an Rousseaus „Contract social“ mit dem Argument, daß es ein „unveräußerliches Recht des Menschen“ sei, einen Gesellschaftszustand „aufzuheben“, der zu einem System der Unterdrückung verkommen ist. Denn dieser behindere den geistigen Fortschritt des Menschengeschlechts. Nach dem französischen Überfall auf Deutschland unter Napoleon wurde Fichte jedoch zu einem glühenden deutschen Patrioten.
Fichtes Antijudaismus

Die Äußerungen bezüglich der Stellung des Judentums in dieser Schrift wurden von vielen als „antisemitische“ Äußerungen bezeichnet. Fichte greift im besagten Abschnitt nicht nur die Juden mit harschen Worten an, sondern auch das Militär und den Adel. Das Judentum als Staat im Staate sondere sich ab. Die Juden, körperlich schlaff, hätten einen egoistischen Handelsgeist. Sie übervorteilten die übrigen Bürger, seien nur auf sich und ihre Sippe bedacht. Fichte übernimmt größtenteils die damals vorherrschenden Vorurteile, prangert aber vor allem immer wieder die separatistische Einstellung dieser Religion an.

„Fern sei von diesen Blättern der Gifthauch der Intoleranz, wie er es von meinem Herzen ist! Derjenige Jude, der über die festen, man möchte sagen, unübersteiglichen Verschanzungen, die vor ihm liegen, zur allgemeinen Gerechtigkeits-, Menschen- und Wahrheitsliebe hindurchdringt, ist ein Held und ein Heiliger. Ich weiß nicht, ob es deren gab oder gibt. Ich will es glauben, sobald ich sie sehe. Nur verkaufe man mir nicht schönen Schein für Realität! – Möchten doch immer die Juden nicht an Jesum Christum, möchten sie doch sogar an keinen Gott glauben, wenn sie nur nicht an zwei verschiedne Sittengesetze, und an einen menschenfeindlichen Gott glaubten.

Menschenrechte müssen sie haben, ob sie gleich uns dieselben nicht zugestehen; denn sie sind Menschen, und ihre Ungerechtigkeit berechtigt uns nicht, ihnen gleich zu werden. Zwinge keinen Juden wider seinen Willen, und leide nicht, daß es geschehe, wo du der Nächste bist, der es hindern kann; das bist du ihm schlechterdings schuldig. Wenn du gestern gegessen hast, und hungerst wieder, und hast nur auf heute Brot, so gib’s dem Juden, der neben dir hungert, wenn er gestern nicht gegessen hat, und du tust sehr wohl daran. – Aber ihnen Bürgerrechte zu geben, dazu sehe ich wenigstens kein Mittel, als das, in einer Nacht ihnen allen die Köpfe abzuschneiden, und andere aufzusetzen, in denen auch nicht eine jüdische Idee sei. Um uns vor ihnen zu schützen, dazu sehe ich wieder kein anderes Mittel, als ihnen ihr gelobtes Land zu erobern, und sie alle dahin zu schicken.

Vorherrschende Toleranz der Juden in Staaten, wo für Selbstdenker keine Toleranz ist, zeigt sonnenklar, worauf eigentlich abgesehen wird. – Die Aufrechthaltung deines Glaubens liegt dir so sehr an deinem Vaterherzen. Siehe diese Juden; sie glauben überhaupt nicht an Jesum Christum; das mußt du nicht leiden; und ich sehe, daß du sie mit Wohltaten überhäufst. – ‚O, sie haben Aberglauben, und das ist mir genug. Glaube du doch an Zoroaster oder Konfuzius, an Moses oder Mahomed, an den Papst, Luther oder Calvin, das gilt mir gleich; wenn du nur an eine fremde Vernunft glaubst, Aber du willst selbst Vernunft haben, und das werde ich nie leiden. Sei unmündig, sonst wächsest du mir zu Kopfe.‘ – Ich will nicht etwa sagen, daß man die Juden um ihres Glaubens willen verfolgen solle, sondern daß man überhaupt niemand deswegen verfolgen solle.

Ich weiß, daß man vor verschiednen gelehrten Tribunalen eher die ganze Sittlichkeit, und ihr heiligstes Produkt, die Religion, angreifen darf, als die jüdische Nation. Denen sage ich, daß mich nie ein Jude betrog, weil ich mich nie mit einem einließ, daß ich mehrmals Juden, die man neckte, mit eigner Gefahr und zu eignem Nachteil in Schutz genommen habe, daß also nicht Privatanimosität aus mir redet. Was ich sage, halte ich für wahr; ich sagte es so, weil ich das für nötig hielt: ich setze hinzu, daß mir das Verfahren vieler neuerer Schriftsteller in Rücksicht der Juden sehr folgewidrig scheint, und daß ich ein Recht zu haben glaube, zu sagen, was und wie ich’s denke. Wem das Gesagte nicht gefällt, der schimpfe nicht, verleumde nicht, empfindle nicht, sondern widerlege obige Tatsachen.“

In seiner 1794 erschienen Streitschrift „Eisenmenger der Zweite“ polemisierte Saul Ascher gegen die antijüdischen Äußerungen Fichtes, dem er den Namen des seinerzeit bekannten Judenfeindes Johann Andreas Eisenmenger, dem Autor der Schrift „Entdecktes Judentum“, zulegte. Mit Fichte sei eine neue Dimension des säkularen Judenhasses zu verzeichnen.

Andererseits lernte Fichte mit David Veit einen Vertreter der jüdischen Haskala kennen und schätzen.

Zitat: „Fast durch alle Länder von Europa verbreitet sich ein mächtiger, feindselig gesinnter Staat, der mit allen übrigen im beständigen Krieg steht, und der manchmal fürchterlich schwer auf die Bürger drückt: es ist das Judentum!“
Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters (1806)

In den „Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters“ entwickelt Fichte Ansichten zu einer Geschichtsphilosophie. Im Vordergrund steht ein Entwicklungsmodell, das die Geschichte in fünf Epochen unterteilt, wobei Fichte seine eigene Epoche als das „Zeitalter der vollendeten Sündhaftigkeit” verstand, während die Grundzüge die künftigen Epochen einleiten sollten. Diese Epochenentwicklung vollziehe sich in folgenden Stufen: 1. Instinktive Vernunft; 2. Äußerlich erzwungene, jedoch nicht überzeugende Autorität; 3. Emanzipation von jeder äußeren Autorität („vollendete Sündhaftigkeit”); 4. Rückkehr der freien, innerlichen Vernunft und 5. Verwirklichung der freien, innerlichen Vernunft in allen äußeren Lebensbereichen.
Reden an die deutsche Nation (1808)

Die „Reden an die deutsche Nation“ verstehen sich als Fortsetzung der „Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters“. In den Reden ruft Fichte im Bereich der Bildung zu einer Nationalerziehung nach Pestalozzischem Vorbild auf, die das menschliche Verhältnis zur Freiheit in der Vernunft- und Werterziehung verankern soll.
Fichte an jeden Deutschen

Recht bekannt ist Albert Matthais Gedicht „Fichte an jeden Deutschen“, das fälschlicherweise oft Fichte zugeschrieben wird, durch dessen „Reden an die deutsche Nation“ Matthai aber inspiriert wurde.[6]

Fichte an jeden Deutschen

Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben,
an Deines Volkes Aufersteh’n.
Laß diesen Glauben Dir nicht rauben,
trotz allem, allem was gescheh’n.
Und handeln sollst Du so, als hinge
von Dir und Deinem Tun allein
das Schicksal ab der deutschen Dinge
und die Verantwortung wär‘ Dein.

Zitate

„Es hängt von euch ab, ob ihr das Ende sein wollt und die letzten eines nicht achtungswürdigen und bei der Nachwelt gewiß sogar über die Gebühr verachteten Geschlechts, bei dessen Geschichte die Nachkommen, falls es nämlich in der Barbarei, die da beginnen wird, zu einer Geschichte kommen kann, sich freuen werden,wenn es mit ihnen zu Ende ist, und das Schicksal preisen werden, daß es gerecht sei; oder ob ihr der Anfang sein wollt und der Entwicklungspunkt einer neuen, über alle eure Vorstellungen herrlichen Zeit, und diejenigen, von denen an die Nachkommenschaft die Jahre ihres Heils zähle. Bedenkt, daß ihr die letzten seid, in deren Gewalt diese große Veränderung steht.“

„Keine Nation, die in diesen Zustand der Abhängigkeit herabgesunken, kann durch die gewöhnlichen und bisher gebrauchten Mittel sich aus demselben erheben. War ihr Widerstand fruchtlos, als sie noch im Besitze aller ihrer Kräfte war, was kann derselbe sodann fruchten, nachdem sie des größten Teiles derselben beraubt ist? Was vorher hätte helfen können, nämlich wenn die Regierung die Zügel kräftig und straff angehalten hätte, ist nun nicht mehr anwendbar, nachdem diese Zügel nur noch zum Scheine in ihrer Hand ruhen und diese ihre Hand selbst durch eine fremde Hand gelenkt und geleitet wird.“ zitiert in: „Die Herrschaft der Minderwertigen“

Werke (Auswahl)

ergänzend  Johann Gottlieb Fichtes 250. Geburtstag

Der Begriff der Opferbereitschaft

deutsches-ahnen-erbe Unser arteigenes Wesen fordert von uns Opferbereitschaft, dann, wenn der Ruf an uns ergeht, aber auch das Opfer selbst. Peter Rosegger sagte dazu: “Wohltätigkeit ist für edle Menschen ein Vergnügen, aber nicht eines, bei dem man tanzt. Wohltun heischt Opfer, persönliche Opfer.”

Was ist ein Opfer? Sicherlich nicht einige Cent oder Euro, die für eine gemeinnützige Sache gegeben werden; das ist zu unbedeutend.

Etwas, was wir nicht ersetzen können, ist die Zeit; auch insoweit opfert man Teile seines Lebens im Einsatz für ein großes Ziel, wenn man zur Förderung dieses Ziels eigene Zeit aufbringt. Oswald Spengler schrieb darüber:

“Der bedeutende Mensch lebt so, dass sein Dasein ein Opfer an eine Idee ist. Der Sinn, den man dem eigenen Leben gibt, ist Zeugnis der Selbstachtung.”

Nichts, was groß ist auf dieser Welt, ist dem Menschen geschenkt worden. Alles musste bitterschwer erkämpft werden, sei es die Befreiung eines Volkes, seien es Religionsfreiheit oder Abstellung von Umweltsünden. Luther war bereit, so wie vor ihm zahlreiche andere Ketzer, den Feuertod der Inquisition zu riskieren, und hat dadurch Deutschland vom römischen Joch und der Ausplünderung durch den Papst befreit.

Völker befreit man nicht durch Nichtstun, sondern durch Opfer, und wer sein Volk liebt, beweist es einzig durch das Opfer, das er für dieses zu bringen bereit ist. Dasselbe gilt für unsere Rasse, unsere Art.

“Vom Opfer lebt das Leben,
vom Opfer zeugt sich’s fort;
wer sich entzieht dem Ringe,
verrottet und verdorrt.”

Dies sagt zu Recht Eberhard König. Auch Friedrich Schleiermacher spricht dies an: “Das ist des Menschen Ruhm, zu wissen, dass unendlich sein Ziel ist, und doch nie still zu steh‘n im Lauf; zu wissen, dass eine Stelle kommt auf seinem Weg, die ihn verschlingt, und doch nicht zu zögern den Schritt.” Gerhard Krüger ergänzt: “Nur aus dem, was Opfer kostet, erwächst wirkliche menschliche Größe. Je schwerer und härter das Opfer, umso steiler ist der Weg zu ihr und umso einsamer und gewaltiger ist sie. Nicht das Erleiden, sondern das Dennoch, das Gestalten und die Tat entscheidet über die Größe unseres Menschentums.” Und ebenso Karl von Hippel: “Wert und Unwert eines Menschen tritt erst zutage, wenn ihm Opfer abverlangt werden.”

Welche Gemeinschaft Opfer und Mut, Tapferkeit, Treue, Glauben und Heroismus fordert, die wird solche Teile des Volkes anziehen, die diese Tugenden ihr Eigen nennen. Diese sind in allen Zeiten der Faktor gewesen, der Geschichte macht.

Die Religion der Germanen

Statt von germanischer Religion sprach man früher von germanischer oder „deutscher“ Mythologie. Wir kennen nämlich von den vorchristlichen Religionen Europas die Mythologie, d. h. die Göttersagen, am besten, weil diese den Glaubenswechsel überlebt haben, was die alte Frömmigkeit auf die Dauer nicht vermochte und auch der alte Kultus nur in bruchstückweiser Erinnerung; und die Göttersagen sind schön und unterhaltend.

Man fand sie früher auch tiefsinnig und gab ausgeführte Deutungen von ihnen, so Ludwig Uhland in seinem Buche über den „Mythus von Thor“, das immer lesenswert bleiben wird, weil es den Dichter Uhland am Werke zeigt. Wer wollte es den Dichtern verwehren, die alten Göttergeschichten mit ihrer Phantasie zu umspielen? Sie machen auf diese Weise nicht bloß manchen Leuten ein Vergnügen, sondern schaffen auch – ohne es zu wollen – Urkunden ihrer selbst und ihrer Zeit, was sich ebenfalls lohnen kann. Was Richard Wagner uns in seinem „Ring der Nibelungen“ von „Wotan“ und „Fricka“ erzählt, das ist unter anderem eine interessante Quelle für Wagners innere Biographie und für den Geist, der um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts Deutschland beherrschte, besonders wenn man Wagners Dichtung mit ihren altnordischen Grundlagen vergleicht, von denen sie nicht weniger verschieden ist als die Palme von der Eiche: die Veränderungen, die der moderne Dichter vorgenommen, das, was er in die germanischen Mythen hineingesehen hat, kennzeichnet ihn und seine Zeitgenossen scharf und ergötzlich (dasselbe gilt von Wagners Behandlung der Heldensage von der wölsungischen Geschwisterehe).

Aber die ersten Deuter germanischer Göttergeschichten waren nicht Dichter, sondern Gelehrte. Olaf Rudbeck, ein schwedischer Polyhistor des 17. Jahrhunderts, hat den Anfang damit gemacht.1 Damals gab es trockene Pedanten, die nichts lesen mochten, was nur schön und unterhaltend war, sondern lauter wirkliche oder doch glaubhafte Geschichte oder tiefe Weisheit von den Büchern verlangten und daher für die Fabeln der Dichter eitel Spott und Verachtung hatten. Rudbeck wurmte es, daß auch die germanische Mythologie diese Geringschätzung erfuhr, und da er von ihrer Schönheit und Bedeutung durchdrungen war, unternahm er es, sie denen, die lediglich Wahrheit suchten, annehmbar zu machen, indem er einen eigentlichen, tieferen Sinn in ihr aufzeigte. Daß Baldr durch einen Mistelzweig getötet wird, den ein Blinder schleudert, und daß auch leblose Dinge, wie Steine und Metalle, um den Toten weinen, dies, sagte Rudbeck, kann nicht wörtlich zu verstehen sein, denn so etwas ist ja unmöglich; auf den wahren Sinn führt uns das Weinen der Metalle, das ja offenbar – die Quelle (Snorri2) sagt es ausdrücklich – ihr feuchtes Anlaufen in der Kälte bedeutet, feuchte Kälte ist eine herbstliche Erscheinung, also stirbt Baldr im Herbst, und als der lichte, strahlende Gott ist er natürlich der Sonnengott, die arktische Sonne, die im Herbst unter den Horizont herabsinkt – so wie Baldr in die Unterwelt geht -, und sein Töter, der „blinde“ Höd, ist die Nacht (caeca nox sagt man lateinisch), die im nordischen Herbst über den Tag siegt. Also ein ewig wiederkehrender Naturvorgang, ein Stück kosmischer Wahrheit ist es nach Rudbeck, was die Baldrsage in seltsame sinnliche Bilder kleidet.

Daß diese Deutung den imponierenden Eindruck des Scharfsinns machen und außerdem durch Stimmungsgehalt die Gemüter gewinnen konnte, verstehen wir heute noch ohne weiteres, und bei der Unentwickeltheit der altnordischen Studien noch lange nach Rudbecks Zeit wundert es uns daher nicht, daß sie lange in hohem Ansehen geblieben ist und allerlei Nachfolge gefunden hat – bis auf den heutigen Tag. Solche, die den Quellen des germanischen Altertums immer noch fernstehen, werden nicht müde, Rudbecks Geist zu beschwören, sei es physikalisch, sei es moralisch, sei es metaphysisch. Schon die große Zahl dieser Deutungen, deren jede die einzig richtige zu sein beansprucht, kann die Augen der Laien dafür öffnen, daß das ganze Verfahren ebenso falsch ist wie das der unterlegenden, nicht auslegenden Fausterklärer, die Fr. Vischer unter dem Pseudonym „Deutobold Mystifizinski“ an den Pranger gestellt hat.Der gesunde Überdruß an dem Hineingeheimnissen hat mit dazu geführt, daß das Interesse der Fachleute sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ganz von den Mythen abwandte und die „Mythologie“ überhaupt in Mißkredit verfiel. Dies hing allerdings gleichzeitig auch damit zusammen, daß das unphilosophisch gewordene Zeitalter sich für die Weisheit der Alten überhaupt nicht mehr interessierte; die philosophische Spekulation hatte ebenso Schiffbruch gelitten wie die Mythendeutung, und der Tatsachensinn war erstarkt. Man ging daher auch bei der Beschäftigung mit der germanischen Religion mehr auf das Faktische aus, auf den Kult und seine Denkmäler (wie Ortsnamen, die Runensteine mit Thors Namen und dem Hakenkreuz und die isländischen Tempelruinen)3, und man suchte örtliche und zeitliche Unterschiede und Entwicklungen festzustellen. Sogar die Mythen selbst wurden unter den Gesichtspunkt gestellt, ob sie nicht Zeugnisse für Kult enthielten, ob sie nämlich nicht verkleidete Kulthandlungen darstellten (Baldrs Tötung z. B. die Opferung eines Königs, ein Vorgang, der in anderen Religionen bezeugt ist), so daß das Deuten eine interessante Auferstehung erlebte, mit zeitgemäß verändertem Vorzeichen. Diese Bemühungen haben, wie alle Bemühungen des positivistischen Zeitalters, das Material und die Gesichtspunkte vermehrt, also Fortschritte gezeitigt, wenn auch manche Hypothesen verwirrend und dadurch hemmend gewirkt haben und das philologische Verständnis der Quellen vielleicht mehr zu wünschen ließ als früher.

Jede Religion ist eine Gestaltung des allverbreiteten Glaubens an die Mächte über uns. Die Religionen unterscheiden sich im einzelnen mannigfach, aber sie unterscheiden sich auch im ganzen, nämlich nach dem Grade, in dem sich die Gläubigen innerlich und äußerlich jenen Mächten unterordnen. Ein hoher Grad von Unterordnung, demütige, ja zitternde Unterwerfung, ist orientalischen Religionen eigen; das muß zusammenhängen mit der despotischen Verfassung der alten orientalischen Staaten, der Allmacht ihrer Herrscher, deren einer – Xerxes – sogar das Meer soll haben peitschen lassen; so wie man diese Herrscher fürchtete, so fürchtete man auch die Gottheit, und wie man sich vor jenen auf den Boden warf, so auch vor dieser. Den Griechen war dieses Wesen fremd und zuwider. Sie traten ihren Herrschern und ihren Göttern anders, freier gegenüber. So war es noch zur Blütezeit der altgriechischen Kultur, die nicht bloß durch den Hochstand von Kunst und Philosophie, sondern auch durch das schöne, aufrechte Menschentum gekennzeichnet ist, von dem die Bildwerke noch heute unmittelbaren Eindruck geben. Dieses griechische Menschentum ist durch die städtische Zivilisation wohl verfeinert, nicht aber geschaffen worden. Es ist viel älter als die Mauern von Athen, älter als die hellenische Geschichte überhaupt. Denn wir finden seine wesentlichen Züge wieder bei den Germanen in oder nahe der alten Heimat, aus der die Vorfahren der Griechen südwärts gezogen sind. Die Germanen hätte das asiatische „Anhündeln“ des Herrschers (griech. proskynein) noch heftiger angewidert als die freien Athener. Dafür bürgt uns schon der Bau der germanischen Gesellschaft, die stolze Unabhängigkeit der Adelbauern, ihre freimütige, ihre freimütige und furchtlose Selbständigkeit gegenüber dem König, aber auch die Stellung der Abhängigen, die Sklaven nicht ausgenommen, deren Menschenwürde, wie schon Tacitus hervorhebt, man zu achten pflegte, und die sicherlich ebensowenig von Unterwürfigkeit wußten wie irgend jemand sonst in Germanien. Wie ähnlich das Verhältnis des Germanen zu seinen Göttern dem des Griechen zu den seinigen war, zeigt sich an den lustigen Götterfabeln: Wodan und Frija, das uneinige himmlische Ehepaar, wurde ähnlich humoristisch betrachtet wie ihr südliches Spiegelbild Zeus und Hera, und dem derben homerischen Gelächter auf Ares‘ und Aphrodites Kosten entspricht die Heiterkeit über den in Weiberkleider gesteckten Thor und seinen Appetit, über Freyas jungfräuliche Entrüstung und Lokis Skandalchronik4. Der Germane konnte seine Götter hänseln; und gerade den Gott, der seinem Herzen am nächsten stand, den starken, gutmütigen Thor, hänselte er am liebsten. Dies ist nicht etwa, wie gelegentlich behauptet wurde, eine Verfallserscheinung, sondern es gehört zum Wesen germanischer Religiosität.Es gab öffentlichen, und es gab privaten Gottesdienst. Letzterer, über den im Norden interessante Berichte vorliegen, ist in diesem Zusammenhang besonders aufklärend. Unter den norwegischen und isländischen Bauern standen manche zu einem einzelnen Gott in besonderem Vertrauensverhältnis. Es ist meistens Frey. Auf Island gab es Freysgoden, d. h. Freyspriester, Besitzer eines Freytempels. Ein solcher war Hrafnkel, der Held der nach ihm benannten Saga.5

Er schenkte Frey, seinem Freunde, wie es ständig in solchem Zusammenhang heißt, die Hälfte von allem, was er besaß, machte also den Gott zu seinem Partner, so wie man sich mit einem Freund in den Besitz eines Waldes oder eines Schiffes teilte. Das ist ein Verhältnis der Gleichberechtigung, etwas, was man vom Standpunkt der vom Orient ausgegangenen großen Weltreligionen geneigt sein könnte, gar nicht als religiöses Verhältnis anzuerkennen, was aber doch ein solches ist, da es sich auch hier um festen Gottesglauben handelt, einen Glauben, der die Anerkennung der göttlichen Übermacht, die sich unerwartet wunderbar offenbaren kann, einbegreift, und der mit Hingebung verbunden ist, mag es auch eine männlich kühle, stolz zurückhaltende Hingebung sein. Die Übermacht des Gottes führt zu keiner ausgeprägten Unterordnung seines Verehrers, weil dieser selbst ein hochgespanntes Kraftgefühl hat und auf Grund dieses Kraftgefühls und der Siege verschiedener Art, die das Leben ihm bescherte, zugleich an sich glaubt. Er hat dabei – was kein Christ oder Jude verstanden hätte – ein vollkommen gutes Gewissen. Daß der Gott, den nordische Adelbauern in dieser Weise zu ihrem Vertrauten (fulltr¯ui) machen, gerade Frey zu sein pflegt, ist nicht Zufall, sondern beruht darauf, daß Frey, der gutes Wetter und Fruchtbarkeit für Vieh und Felder spendete, durch diese seine Sphäre die des Menschen ergänzte. Dieser konnte wohl die anderen Menschen lenken und in Schach halten, aber gegenüber den Vorgängen, von denen Leben und Gedeihen seiner Wirtschaft am unmittelbarsten abhingen, mußte er sich weithin machtlos fühlen (obgleich man besonders Königen auch auf diesem Gebiete wunderbare Macht zugetraut hat). Daher sein Bündnis mit dem göttlichen Helfer, der das konnte, was er selbst nicht vermochte. Auf dieser Grundlage eines naiven religiösen Utilitarismus konnten verhältnismäßig warme Freundschaftsgefühle gedeihen; der Wunsch, den göttlichen Vertrauten zu erfreuen und kein Zeichen seiner Gunst unbeachtet und unerwidert zu lassen, konnte breiten Raum im Leben einnehmen und diesem dadurch religiösen Charakter aufprägen. Als ein Freund des Frey im nordwestlichen Island erschlagen worden und begraben war, beobachtete man, daß an der einen Seite seines Grabhügels kein Schnee liegen blieb. Man erklärte es sich so, daß Frey nicht wolle, daß es zwischen ihm und seinem Freunde je fröre. Frey wohnte im klaren Himmel; man sah und fühlte ihn im Licht und in den Sonnenstrahlen.

Auf der Insel Mostr6 vor dem Hardangerfjord lebte der wohlhabende und mächtige Thorolf, ein „großer Freund“ des Thor und Inhaber eines Thortempels. Als ihm Verwicklungen mit König Harald drohten, brachte er seinem Freunde ein großes Opfer dar und erkundete dabei durch das landesübliche Orakelverfahren (ganga til fr¯ettar) dessen Rat; der Gott wies ihn nach Island. So brach er, von vielen Freunden – kleineren Leuten aus Mostr und Umgegend – begleitet, auf einem große Seeschiff auf und nahm auch den abgebrochenen Tempel nebst der Erde unter dem Altar, auf dem das Gottesbild gestanden hatte, an Bord. Da trieb ihn guter Fahrwind übers Meer und um Islands Südwestspitze herum bis angesichts der großen Busen der Westküste, dann trat Windstille ein, und Thorolf warf nun die heiligen Hochsitzpfeiler über Bord, auf deren einem ein Thorbild geschnitzt war, und versprach laut dem Gotte, dort sich ansiedeln zu wollen, wo er die Pfeiler landen lassen würde. Sogleich trieben diese der nördlicheren Bucht zu, schnell, wie man erwartet hatte. Alsbald erhob sich eine Seebrise, und das Schiff segelte in jenen Busen hinein, der sich gewaltig breit und rings von hohen Bergen umgeben auftat und von Thorolf den Namen „Breitfjord“ bekam. Er landete an der Südseite bei einer einladenden Bucht, wo sich bald denn auch die Hochsitzsäulen bei einem Vorgebirge („Thorskap“) angetrieben fanden, und wo man ein zweites Landnahmefeld abgrenzte durch Umfahren mit dem Feuerbrand zur Abwehr der schädlichen „Landwichte“; der Grenzfluß nach Osten wurde „Thorsach“ genannt. Bei dem Gehöft, das an jener Bucht entstand, wurde der mitgebrachte Tempel in stattlicher Größe neu errichtet, mit dem einem Kirchenchor ähnlichen Anbau, in dem der Altar stand mit dem pfundschweren Eidring darauf und dem Opferblutgefäß mit dem Zubehör zum Sprengen der Wände und der Versammelten mit dem heilbringenden Blut; Götterbilder standen um den Altar (wahrscheinlich Thor hinter diesem, Odin und Frey zu beiden Seiten). Auf dem Thorskap wurde die Stelle, wo der Gott gelandet war, zur Gerichtsstätte bestimmt und der weitere Umkreis als Dingplatz eingerichtet. Der gottgewählte Boden war heilig, so daß er nicht verunreinigt werden durfte, weder durch Blutvergießen noch durch Unrat, ja zu dem Berg, in den die Toten der Familie eingingen (Heiligenberg), durfte niemand ungewaschen die Augen erheben. Als dem Thorolf im Alter ein Sohn geboren wurde, „gab“ er ihn seinem Freunde Thor und nannte ihn demgemäß Thorstein (dessen Enkel war Thorgrimm, der bekannte Gode Snorri).7

Diese Auswanderung und Ansiedelung Thorolfs von Mostr ist ein Hauptbeispiel germanischer Frömmigkeit. Wir haben den Eindruck, daß dieser Großbauer und Häuptling sich kaum genugtun kann in dankbaren Ehrerweisungen an seinen Gott, dessen Freundschaft und große Macht ihn so sichtlich und so weise aus schwieriger Lage, die Tod oder Verlust der Väterfreiheit androhte, hinübergeleitet hatte zu neuem Reichtum und gleicher oder größerer Macht. Auch hier leistet der göttliche Helfer, was außerhalb des menschlichen Bereiches liegt. Während der milde Frey der Gott des klaren Himmels und guten Erntewetters war, beherrschte Thor die kräftigeren, ernsteren Wettererscheinungen, Gewitter, Regen und Wind. Deshalb riefen ihn auch sonst die Seefahrer an, aber als Wettergott überhaupt war er natürlich auch Bauerngott, und wahrscheinlich ist er seit alters der meist verehrte Gott gewesen. Wie wir aus Thorolfs Geschichte ersehen, beschützte er auch Ding und Gericht; Runeninschriften lehren, daß ihm der Friede des Grabes am Herzen lag.8 Thor war somit ausgeprägt ein Gott, der für die Verwirklichung dessen, was in Ordnung ist, und für die Verhinderung von dessen Gegenteil sorgte, ein Helfer nicht bloß des Landwirts oder Seefahrers als eines einzelnen, sondern auch dessen, der das Gemeinwohl im Auge zu haben hatte, des Häuptlings oder „Fürsten“, wie Thorolf einer war.

Außer Freys- und Thorsfreunden gab es im alten Norden auch Odinsverehrer; einer von diesen war der berühmte Skalde und Krieger Egil, Skallagrims Sohn.9 Egil hatte schon seinen Bruder im Kriege und einen seiner beiden hoffnungsvollen Söhne durch ein Fieber verloren, da wurde ihm auch der andere entrissen, indem er ertrank. Ein ergreifendes Kapitel der Egilssaga schildert, wie der Alte die angetriebene Leiche seines Lieblings sitzend vor sich auf den Sattel nimmt, mit ihr zum Grabhügel seines Vaters reitet und sie dort bestattet, dann sich in sein Lager einschließt, um Hungers zu sterben. Am dritten Tage läßt man seine Tochter Thorgerd, die an Olaf Pfau in Hjardarholt verheiratet ist, holen, damit sie helfe, und Thorgerd bringt nun durch kluge Behandlung den Vater so weit, daß seine Lebensgeister zurückkehren und der das Erblied auf den Toten dichtet, das sie in Runen auf Stäbe ritzt, damit es erhalten bleibt, wenn sie beide nun sterben. Aber bei der Ausübung seines edelsten Könnens erwacht Egil vollends zum Leben; er hat das bitterste seines Schmerzes überwunden, indem er ihn in Versen gestaltete.

Das Gedicht, „der Söhne Verlust“, ist erhalten und stellt das persönlichste Bekenntnis dar, welches das vorchristliche Germanentum hinterlassen hat. Der Dichter gedenkt darin auch der Götter, die seinen Verlust verschuldet oder geduldet haben, zuerst des Meergottes Ägir. An diesem würde er am liebsten mit dem Schwerte Rache nehmen, wenn nur seine helferlose Greisenkraft ausreichte. Dann sagt er von Odin, er sei sein Freund gewesen, aber der Gott habe die Freundschaft gebrochen, indem er Egils ersten Sohn in sein Luftreich emporhob, seitdem seien ihm die Opfer, die er dem Herrn von Walhall brachte, nicht mehr aus dem Herzen gekommen – und doch, fährt er fort, hat der Gott mir ja Sühne geleistet, denn er hat mir die makellose Gabe der Dichtkunst verliehen und dazu eine Sinnesart, durch die ich mir noch immer heimliche Widersacher zu offenen Feinden umgeschaffen habe. Diese Offenheiten des schmerzbewegten Egil zeigen vielleicht eindrucksvoller als alle anderen Zeugnisse die Gleichstellung mit den Göttern, die der stolze germanische Große als selbstverständlich für sich in Anspruch nimmt.

Der Glaube starker Männer an sich selbst, von dem die Rede war, konnte über den an die Götter derart die Oberhand gewinnen, daß die Betreffenden nicht opferten und offen erklärten, nur auf die eigene Macht sich zu verlassen (trua a matt sinn ok megin). Dabei ist unter „Macht“ auch manches von dem zu verstehen, was wir „Glück“ nennen würden. Überraschende Erfolge und Erscheinungen wie das bei uns zur Zeit Wilhelms des Ersten sprichwörtlich gewordene „Kaiserwetter“ (der Sonnenschein, der jede Parade und jeden Städtebesuch des Monarchen zu begleiten schien) rechnete man unter Umständen der Persönlichkeit zu, auch wenn diese nicht als Zauberer bekannt war. Grim Lodenhaut, der mächtigste Mann in Helgeland um 800, hatte immer günstigen Fahrwind, mochte er von seiner Insel Hrafnista nach Norden segeln zum weißen Meer auf „Finnenhandel“ (finnkaup) oder südwärts die Schären entlang, um aus Jäderen oder der Vik Korn zu holen. Da er kein Opferer war, konnte dies nur darauf beruhen, daß ihm, der auch anderweit mehr konnte als andere, gottähnliche Kraft innewohnte. Grims angeblicher Sohn Odd (Örvar-Odd, d. i. „Pfeil-Odd“), ein berühmter Wiking und der Held einer der bekanntesten Sagas,10 soll schon in jungen Jahren allem Religionswesen – so dem Treiben der von Hof zu Hof ziehenden Wahrsagerinnen – abhold gewesen sein; jedenfalls war er einer jener „Götterlosen“, die nur der eigenen Macht vertrauten. Seine Züge führten ihn, wie viele andere Nordleute seiner Zeit, bis ins Mittelmeer, und dort, in Sizilien, ließ er sich bewegen, die Taufe anzunehmen. Die „Götterlosen“ liehen den Bekehrern durchschnittlich ein willigeres Ohr als die Freunde des Thor oder Frey; der „weiße Krist“ brauchte ja aus ihrem Herzen keinen Nebenbuhler zu verdrängen, und ihre Abneigung gegen Gottesdienst war zu überwinden, weil der christliche Kultus mit Glockenklang, Gesängen und Prachtentfaltung ganz neue Reize bot, die Versprechungen der neuen Religion sich auf eine den meisten ganz neue Sphäre bezogen, nämlich auf das Jenseits, und ihre wichtigsten Forderungen, Almosengeben und Schonung der Schwachen, der germanischen Gemütsart nicht fremd waren, sondern ihr oft geradezu entgegenkamen. In Willibalds Biographie des Bonifazius wird erzählt, wie der Apostel der Deutschen in Hessen neben vielen eifrigen Heiden auch solche vorfand, die „schon gesunderen Sinnes waren und allem heidnischen Götzendienst entsagt hatten“. Das waren gewiß zum Teil solche selbstbewußten „Götterlosen“, derengleichen es von jeher bei den Germanen gegeben zu haben scheint, zum größeren Teil allerdings waren es religiös Träge und Gleichgültige, die ebenfalls nie gefehlt haben. Schon Cäsar ist es aufgefallen, daß im Gegensatz zu den höchst religionseifrigen Galliern die Germanen sich mit Opfern verhältnismäßig wenig abgaben. Das bestätigen die nordischen Quellen vollauf. Ein Spruch der Edda lautet so:

Besser nichts erfleht,als zuviel geopfert:Auf Vergeltung die Gabe schaut;Besser nichts gegeben,Als zu Großes gespendet:Eitel manch Opfer bleibt 11.

„Auf Vergeltung die Gabe schaut“ war ein Sprichwort, das zunächst auf menschliche Verhältnisse gemünzt war. Wir können seinen nüchternen Sinn wiedergeben mit „Eine Hand wäscht die andere“.

Es scheint also nichts im Wege zu stehen, Willibald Glauben zu schenken, wenn er behauptet, bei der Fällung der Geismarer Donarseiche durch Bonifazius habe sich kein ernstlicher Widerstand der Heiden bemerkbar gemacht, und diese hätten sich unter dem Eindruck des Wunders alsbald bekehrt. Und doch ist der Wahrheitsgehalt dieser und ähnlicher Bekehrungsgeschichten sicher äußerst gering. Wie es in Wirklichkeit bei der Durchsetzung des Christentums zugegangen ist, das erfahren wir nur aus den nordischen Quellen, besonders aus Snorris Lebensbeschreibungen der beiden Olafe, der königlichen Apostel Norwegens; denn nur hier ist die Sachlichkeit und Unparteilichkeit – unbeschadet der christlichen Überzeugung auch Snorris. Der Lateiner erzählt uns einerseits Dinge, die er unmöglich wissen kann – die Seelenregungen der Heiden -, andererseits läßt er Wichtiges aus; so erfahren wir von ihm z. B. nichts darüber, wie es kommt, daß eine so große Menschenmenge der Fällung der heiligen Eiche beiwohnt. Entweder ist dies eine starke Übertreibung, oder es hat sich um ein Ding gehandelt, und im letzteren Falle könnten wir verlangen, zu erfahren, wer das Ding berufen hatte, welche Redner auftraten, und wie es den angelsächsischen Geistlichen möglich gewesen war, dort Zutritt zu erlangen – wenn wir es mit ernster Geschichtsschreibung zu tun hätten und nicht mit einer Erbauungsschrift. Es ist sehr schade, daß ernste, zeitgenössische Geschichtsschreibung über die Bekehrung Deutschlands vollständig fehlt. Aus dem unklaren, langatmigen Predigtstil Willibalds lassen sich für unsere Frage nur einzelne sicher geschichtliche Tatsachen entnehmen, kleine Oasen in einer dürren Wüste. Eine solche Tatsache von großem Interesse ist die Donarseiche und ihre Fällung. Heilige Bäume und Haine sind auch im Norden – letztere schon bei Tacitus – für die Germanen bezeugt, und die Zerstörung der Heiligtümer war im 10. und 11. Jahrhundert in Norwegen und Schweden ebenso ein Ziel der Bekehrer wie in Hessen im 8. Jahrhundert. Historisch ist es auch, daß Bonifazius, wie sein Biograph gleich anschließen erwähnt, sich in Thüringen an „die Ältesten der Gemeinden und die Fürsten des Volkes“ wandte. Das war das altbewährte und auch später im Norden mit Erfolg geübte Verfahren. Die Christianisierung der Germanen ist von oben nach unten gegangen. Auch wo es, wie in Norwegen, der Kirche gelang, Könige als Apostel in Bewegung zu setzen, gingen diese nach demselben Grundsatz vor.

Olaf Tryggvason erreichte die Taufe der hardangischen Bauernschaft, indem er die dort herrschende Familie des „Haruden-Kari“, Erling Skjalgsson von Sole und seine Oheime, durch Verschwägerung an sich fesselte, so daß sie die Masse ihm gefügig machten; er bediente sich also des Ehrgeizes der Großen, welche aber selbst dazu die Hand boten, weil sie einen gewaltsamen Austrag scheuten – der König war zu mächtig – und aus der unangenehmen Lage wenigstens einigen Gewinn für sich herausschlagen wollten. Von heidnischen Bekenner- und Märtyrergeist ist also jedenfalls in Hardanger nichts zu spüren, und weiter südlich im Lande erst recht nicht, wo man – in Rogaland mit einigen Umschweifen, in der Vik ohne solche – Olafs Befehl sich murrend beugte. Im Drontheimischen dagegen setzte es ernste Schwierigkeiten. Auch hier wandte der König sich an die führenden Familien, aber er mußte Gewalt und kalte Hinterlist anwenden, das Haupt des Widerstandes, der reiche Jarnskeggi von Nrjar, wurde durch die Königsmannen ohne Kampf erschlagen, ehe die äußere Unterwerfung der führerlos Gewordenen und Entmutigten erfolgte. Trotzdem gingen im Binnenlande, bei den „Innentröndern“, die Opferfeste weiter wie seit Urzeiten – drei im Jahr, eins zu Sommers-, eins zu Wintersanfang und eins zu Mittwinter -, und noch zwanzig Jahre später war dort fast alles heidnisch, so daß der zweite Olaf – der „Dicke“, später „der Heilige“ zubenannte – neues Blut fließen lassen, manchen von Haus und Hof verjagen, viele verstümmeln oder blenden lassen mußte (1022). Ähnlich ging es damals im inneren norwegischen Hochland, wo ebenfalls noch viel Heidentum war. Die Drontheimer Bauern haben übrigens schon im Jahre 952 Hakon dem Guten, der als Pflegesohn des Angelsachsenkönigs Ädelstan die ersten Bekehrungsversuche in Norwegen machte, trotzig die Stirne geboten, wovon die Heimskringlas anschaulich erzählt12. Später, unmittelbar vor Olaf Tryggvason, war Hladir am Drontheimfjord der Sitz des Jarls Hakon, der als Herrscher über den größten Teil Norwegens ein bewußter Vorkämpfer des Väterglaubens gewesen ist.

Ähnlich zäh wie im Drontheimischen haftete die germanische Religion in den angrenzenden schwedischen Landschaften und in Uppland und Smaaland. Der große Haupttempel von Uppsala, den Adam von Bremen mit dankenswerter Genauigkeit beschreibt, stand im 11. Jahrhundert noch in voller Blüte, obgleich mit Hilfe des Königs St¯enkel in dem benachbarten Sigtuna ein Bistum errichtet war. Der eifrige deutsche Bischof Adalward hatte einen Anschlag auf den Heidentempel vor, von dessen Niederbrennung er viel erhoffte, aber der Schwedenkönig riet davon ab, weil die Heiden jenen zum Tode verurteilten und ihn selbst aus dem Lande jagen würden. Ein um dieselbe Zeit in Schweden tätiger angelsächsischer Missionar unternahm es, ein Thorbild in einem Tempel mit einer Axt zu zertrümmern, fand aber dabei durch empörte Thorsfreunde den Tod. Was die schwedischen Könige betrifft, so hatte schon jener Olaf, dem die Bauern auf dem Ding seine Schwäche und seinen Hochmut vorhielten, sich taufen lassen, aber dem Christentum in Uppland und nördlich davon noch keine Stätte geschaffen. Dies tat erst der erwähnte St¯enkel, mit dem eine neue Herrschersippe den Thron bestieg, und besonders sein Sohn Ingimund. Von ihm rühmt eine deutsche Quelle, er habe den Heidentempel zu Uppsala gereinigt und zu christlichem Gebrauch eingeweiht. Gleichwohl erhob sich gegen ihn noch eine übermächtige Reaktion. Die Bauern verlangten auf dem Uppsalading von ihm Wiederherstellung der alten Gesetzte und Sitten oder seinen Abgang. Der König weigerte sich und mußte den Bauern weichen (ihren Steinwürfen, wie die isländische Quelle sagt). Er floh nach dem schon älteren Bischofssitz Skara in Westergötland, während sein Schwager Sv¯en, den die Bauern statt seiner ernannten, die alten Pferdeopfer an Odin auf der Stelle wieder einführte („Opfer-Sven“, Blot-Sveinn). Nach drei Jahren überfiel Ingimund mit Gefolge diesen letzten Heidenkönig im Morgengrauen in seinem Hause mit Feuer, und während die Menschen drinnen im Rauch erstickten, ging Sven hinaus und fiel fechtend. Ein letzter heidnischer Sproß des alten Yinglingergeschlechtes, Ingwar, fand landflüchtig ein ruhmvolles Ende im fernen Südosten. Von seinen und seiner Leute Taten erzählen Runensteine in Uppland und Södermanland.

Die germanische Religion ist also nicht stumm und widerstandslos vom Schauplatz abgetreten; auch in Süddeutschland und England ist dies gewiß nicht der Fall gewesen. Auch die Gleichgültigen leugneten Dasein und Macht der Götter ja nicht, und es ist eine bekannte Erfahrung, daß etwas, was man lange besessen hat, ohne es zu schätzen, in dem Augenblick, wo es einem entrissen werden soll, Wert gewinnt; ferner ist unerbetene fremde Einmischung niemandem erwünscht, am wenigsten dem stolzen und kühlen Germanen, der sich eins mit seinen Vätern weiß. Wenn wir in Alkuins Leben des heiligen Willibrord von den Besuchen lesen, die dieser Missionar dem Friesenkönig Radbod machte, um ihn zu gewinnen, so verstehen wir bei genügender Vertrautheit mit germanischem Wesen ohne weiteres die Verbindung von Gastlichkeit und Ablehnung im Benehmen des Fürsten. War dieser einigermaßen feinfühlig (worüber wir nichts wissen), so ist ihm der Fremde als ein Zudringlicher erschienen. In der Biographie eines anderen angelsächsischen Glaubensboten, des heiligen Lebuin, von Hugbald wird erzählt, wie Lebuin auf dem Alding der Sachsen die zu Beginn der Tagung der Sitte gemäß Opfer darbringende Menge von der Nichtigkeit ihrer Götzen und von der christlichen Wahrheit überzeugen wollte und durch seine Reden solche Entrüstung erregte, daß man ihm mit ausgerissenen Zaunpfählen zu Leibe wollte.

Da griffen andere zu seinen Gunsten ein, und ein vornehmer Mann stellte von „einem erhabenen Orte“ aus (d. h. wohl vom Rednerhügel aus, der dem altisländischem Gesetzesberg entsprach) den aufgeregten Leuten vor, es entspreche dem Herkommen der Sachsen nicht, Gesandte zu verunglimpfen („Heilig ist der Herold, der dahinzieht allein“, heißt es schon im alten Liede von der Hunnenschlacht, Thule I, S. 30); darauf beschloß man sofort, daß auch dieser Fremde unverletzlich sein und frei solle abziehen dürfen. Der Edeling soll auch auf die Macht des dreieinigen Gottes verwiesen haben. Aber das wäre wenig klug gewesen und ist schon aus diesem Grunde unwahrscheinlich. Auch ohne christliche Sympathien des Edelings ist sein Auftreten aus germanischer Anschauung heraus ebenso verständlich wie die Achtung König Radbods vor dem Gastrecht, und dieser war Vollblutheide. Von Erfolgen Lebuins auf dem Sachsending verlautet nichts; es heißt vielmehr, er habe dort nur den Märtyrertod gesucht, was zu seinem Leidwesen mißlungen sei. Diese Beispiele zeigen, daß auch in Deutschland die Reden der Bekehrer, obgleich das Gast- und das Botenrecht sie schützte, keinen andern Eindruck zu erzielen pflegten, als daß in ihnen enthaltene Ausfälle gegen die Landesreligion die Menge in Harnisch brachten; ebenso wie im Norden, wo ebenfalls, soweit wir sehen können, die Missionspredigt als solche wirkungslos verhallte. Abgesehen von privaten Umstimmungen einzelner ist es immer nur die Vereinigung von Willen und Macht – auch solcher einzelnen – gewesen, was die Unterwerfung der germanischen Völker unter das Kreuz herbeigeführt hat. Daß es dabei nur selten (wie in Schweden) zu Waffengängen gekommen und der Ausgang schließlich überall derselbe gewesen ist, beruht auf dem Gang der Weltgeschichte und der überlegenen Zielbewußtheit der Christen, während die Germanen plan- und ziellos und außerdem uneinig waren.

Ins Jahr 974 setzen die Sagas einen Vorgang, der als eindrucksvollste Episode aus dem Kampf der Religionen denkwürdig bleibt. Jarl Hakon hatte mit dem Norwegerheer am Danevirke dem Kaiser Otto widerstanden. Da umging dieser die Dänen und Norweger, indem er mit seinem riesigen Heere – in dem sich auch der junge Olaf Tryggvason befand – über die Schlei setzte. Er rückte bis an den Limfjord vor, und auf der Limfjordinsel Mors war es, daß unter dem Eindruck eines Mirakels – Bischof Poppo trug glühendes Eisen – König Harald Blauzahn mit seinem ganzen Heer die Taufe nahm und auch der norwegische Jarl sich taufen lassen und dazu verstehen mußte, Priester mit nach Norwegen zu nehmen, damit auch dieses Land dem Christentum gewonnen würde. Die deutschen Waffen, besonders das Reiterheer – die Nordleute kämpften noch nach alter germanischer Weise fast nur zu Fuß – müssen gewaltig gedroht haben! Als aber günstiger Wind aufkam, da setzte Jarl Hakon die geistlichen Herren aus seinem Schiff ans Land und stach mit der Flotte in See. Er umsegelte Skagen, heerte an beiden Küsten des Öresund und steuerte um Schonen herum bis zu den „Gautenschären“.

Dort landete er und vollzog ein großes Opfer; da kamen zwei Raben geflogen und krächzten laut; das war ein Zeichen, daß Odin das Opfer angenommen habe und der Tag günstig sei zum Kämpfen (Raben waren, ebenso wie Wölfe, siegverheißende Angangstiere, und es waren die Tiere Odins; erst das Christentum schuf den Begriff des „Unglücksraben“). Der Jarl ließ alle seine Schiffe verbrennen, rückte „unter dem Heerschild“ landeinwärts, schlug den Jarl Ottar von Gautland und gelangte mit reicher Beute auf dem Landwege heim nach Drontheim.

Der Jarl rächt sich also für die Demütigung dadurch, daß er christliche Länder – auch Gautland war bereits ein solches – mit Krieg überzieht. Er behandelte alle Christen als seine Feinde, ebenso wie die Kirche alle Heiden bekämpfte. Er führt einen Religionskrieg, und zwar einen reineren Religionskrieg als vor ihm die Araber und die deutschen Kaiser, da er nicht wie diese Land erobern, sondern – trotz der gemachten Beute, unter der sich Kirchenschätze aus Gautland befunden haben werden – im wesentlichen nur die feindliche Religion schädigen, seinen Haß gegen diese ausleben will. Es ist kein Angriffs-, sondern eine Verteidigungs- und Vergeltungsfehde – wie jede germanische Fehde. Wie sonst so oft, so greift auch hier die gekränkte Ehre zur Waffe. Aber sonst ging es gegen eine Sippe oder gegen einen Stamm, ein Reich. Daß die bekämpfte Partei sich nicht nach Sippe oder Staat bestimmt, sondern nach der Religion, das war etwas Neues, wozu erst die Kirche durch das unterschiedslose Ceterum censeo ihres Kreuzzugsgedankens die Germanen erzogen hatte. Jarl Hakon, der Christenfeind, war als solcher ein Schüler der Kirche. Er war es auch insofern, als er die Norweger antrieb, die zum Teil zerstörten Tempel wieder in Stand zu setzen und die alten Götter zu ehren. Jarl Hakon war einer jener ganz Starken, die sonst gern auf die eigene Kraft allein vertrauten. Von ihm und seinem Sohne Eirik, dem eigentlichen Helden der großartigen Erzählung von der Jomswikingerschlacht,13 haben wir den Eindruck, daß dieses Geschlecht eins der kraftvollsten und lebensprühendsten gewesen ist, von denen die Geschichte der Germanen weiß. Und dabei eine heidnische Frömmigkeit, die wenigstens in den Quellen nicht ihresgleichen hat. Die Götter belohnten das: in den ersten Regierungsjahren Hakons herrschte in Norwegen ein fast unerhörter Überfluß an Korn und Heringen, und das gefährliche Treffen gegen die ins Land eingefallenen Jomswikinger endete dank einem Hagelschauer von Norden mit blutiger Niederlage dieser Dänen. Kein Wunder, wenn schließlich den erklärten Göttergünstling Hakon Übermut befiel, so daß er die Drontheimer Bauern gegen sich aufbrachte und so seine Herrschaft der stärksten Stütze beraubte.

Der Dänenkönig aber ließ, nachdem die Deutschen abgezogen, bei Jellinge in Jütland (nördlich von Vejle) zwischen den hohen Grabhügeln seiner Eltern Gorm und Tyre einen großen Runenstein errichten, dessen Inschrift besagt, Harald, König von ganz Dänemark und Norwegen , habe die Dänen zu Christen gemacht. Auch dänische Chroniken nennen Harald Blauzahn als ersten christlichen König, wenn sie auch gleichzeitig noch von einer heidnischen Empörung gegen seine Herrschaft melden. Jedenfalls machte um diese Zeit das Kreuz den größten Fortschritt seit der Unterwerfung der Sachsen durch Karl „den Großen“. Die Asen flüchten über das norwegische Gebirge und die schwedischen Urwälder nordwärts.14

Die späteren Jahrhunderte des germanischen Heidentums stehen überhaupt unter dem Zeichen des Zurückweichen vor der Kirche und den christlichen Einflüssen. Im Süden und am Rhein hat beides schon früh begonnen. Die christlichen Einflüsse sind oft überschätzt worden – man hat sie da gesucht, wo jede Aussicht, sie zu finden, fehlte -, aber zu leugnen sind sie nicht. Das Christentum selbst enthält Bestandteile, die ihm von außen zugekommen sind. Diese stören die Einheitlichkeit des Phänomens „Christentum“ nicht, und so stellt sich auch die germanische Religion recht einheitlich dar, ohne daß dadurch christliche und sonstige fremde Elemente in ihr ausgeschlossen werden, deren Vorhandensein nach sonstiger Erfahrung und allgemeiner Wahrscheinlichkeit notwendig angenommen werden muß. Daß der Grundriß der altnordischen Tempel einem Kirchengrundriß gleicht, wird schwerlich anders als aus Nachahmung der kirchlichen Bauweise zu erklären sein. Die eigenen Götter sollten in einem ähnlich vornehmen Hause wohnen wie der Gott der Christen, der einen freilich sonst nichts anging. Es ist eine Erscheinung gleicher Art, wie wenn Jarl Hakon etwas wie heidnische Kirchenzucht einführt.

In einer geheimnisvollen Eddastrophe sagt Odin von sich: „Ich weiß, daß ich hing am windigen Baum neun Nächte lang, mit dem Ger verwundet und dem Odin gegeben, ich selbst mir selbst, an jenem Baume, von dem niemand weiß, aus was für Wurzeln er wächst.“ Es folgen dunkle Verse von einem Brotleib und einem Trinkhorn. Dann späht der gefesselte Gott in die Tiefe, nimmt, laut wehklagend, Runen auf und wird durch deren Zauberkraft frei. Der Baum, der aus unbekannten Wurzeln wächst, ist die Weltesche Yggdrasil. Das Hängen und Durchbohren mit dem Speer ist die Form, wie dem Wodan die Menschenopfer dargebracht wurden; die Speerwunde bedeutete den Kampftod, den Wodan von seinen Getreuen verlangte; die Hängung hoch im Winde sollte den Geopferten dem durch die Luft fahrenden Gott darbieten, so daß er ihn auf seiner wilden Jagd mitnahm. Die Neun ist uralte, indogermanische, heilige Zahl. Zählung nach Nächten ist, ebenso wie Zählung nach Wintern, ebenfalls alter, bodenständiger Germanenbrauch, den schon Tacitus kennt. Der Mythus von Odins Hängung und Selbstopferung sieht also gut germanisch aus. Und doch it er wohl nur die Germanisierung von Christi Kreuzestod.

Irgendwann innerhalb der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung hat irgendwo an der Donau oder am Rhein ein germanischer Thul von dem Opfertode des fremden Gottes am Kreuz gehört, und daraus ist in seiner lebhaft ergriffenen Phantasie das geworden, was wir in der Edda lesen: ein Zeugnis weniger von christlichem Einfluß auf die ungetauften Germanen als von deren souveräner Verständnislosigkeit gegenüber der jüdisch-christlichen Gedankenwelt.

Schon in vorgeschichtlicher Zeit müssen südliche Religionen zu uns herübergewirkt haben. Balder, der Liebling der Götter und Menschen, welcher stirbt und von aller Natur und Kreatur beweint wird, in die Unterwelt wandert und von Hel zurückerbeten wird, ähnelt dem Adonis und besonders dessen Urbild, dem sumerisch-babylonischen Wachstumsgott Tamuz, so sehr, daß er ebenso wie Adonis letzten Endes aus Mesopotamien stammen muß. Im alten Vorderasien sind Kulte und Religionen aufgeschossen wie Pflanzen in einem Treibhause, und mehrere von diesen sind weit nach Europa hinein ausgestrahlt, am weitesten und am nachhaltigsten das Christentum, aber vor, neben und nach ihm auch andere Religionen, so die Verehrung des Adonis, Attis, Mitra und anderer Heilbringer. Der nordeuropäische Vertreter dieser Gruppe ist Balder.15 Auch er erscheint in interessanter Weise germanisiert, aber die fremden Bräuche und Vorstellungen haben sich in diesem Falle merkwürdig stark geltend gemacht und sich merkwürdig treu durch die Jahrhunderte behauptet, wenn auch anscheinend lange nicht überall in Germanien. So sicher es Balderheiligtümer gegeben hat, und so sicher der todgeweihte Gott nicht bloß in Skandinavien und Dänemark, sondern auch in Norddeutschland bekannt gewesen ist, so gewiß ist die Spärlichkeit seiner Bezeugung nicht zufällig. Als den nordischen Baldergläubigen die erste Kunde von Christus zukam, fiel ihnen die Ähnlichkeit der beiden Gestalten auf, und sie machten ihren Balder, um es den Fremden gleichzutun, vollends zu einer Art Christus, indem sie ihn „blutiges Opfer“ nannten.

Schon Tacitus weiß, daß hier und da in Germanien – ähnlich wie in Rom – auch fremde Gottheiten verehrt wurden. „Einen Teil der Sweben“ läßt er nämlich der ägyptischen Isis opfern, die auch in Rom Anhänger hatte, und für deren Kult ein herumgeführtes Schiff kennzeichnend war. Wenn es auch fraglich bleibt, ob die betreffende Göttin bei den Sweben wirklich „Isis“ hieß – denn dies könnte ja „römische Interpretation“ sein -, so liegt doch kein Grund vor, die Richtigkeit der Angabe an sich zu bezweifeln. Von einem der östlichen Stämmen, den „Nahanarvalern“ im heutigen Schlesien, berichtet Tacitus, daß dort ein göttliches Brüderpaar verehrt werde und der Priester wie eine Frau gekleidet sei, also lange Gewänder trage. Es ist diese eine der Stellen in der „Germania“, wo man den germanischen Berichterstatter zu hören glaubt. Als die ersten christlichen Glaubensboten, talartragende Geistliche, nach Island kamen, verspottete man sie dort als Weiber wegen ihrer Tracht. In ähnlichem Sinne werden sich die Nachbarn der Nahanarvaler über deren sonderbare Priestertracht unterhalten haben. Gewiß war diese Tracht die Nachahmung irgendeines südöstlichen Vorbildes. Durch Schlesien ging eine alte Handelsstraße die Oder hinab. Die lappische Nachahmung germanischen Opferbrauchs lehrt, daß germanische Opferpriester Kränze auf dem Haupt getragen haben, nach mittelmeerischer Sitte. Gerade auf dem Gebiete der Tracht und des Schmucks sind Entlehnungen von Volk zu Volk etwas sehr Häufiges. Die Germanen, die nicht auf südlichem Kulturboden den Zusammenhang mit den Stammesgenossen verloren hatten, haben in ihrer Masse keine Neigung gezeigt, fremde Moden anzunehmen, im Gegensatz zu den germanischen Völkern im Mittelalter und in der Neuzeit; Hosen, Haartracht u. a. unterschieden sie dauernd von Römern und Griechen. Aber die gehobene Sphäre des Gottesdienstes konnte leicht Ausnahmen schaffen. Die betreffenden Kulte konnten gleichwohl bodenständig sein, wie denn Tacitus dies von dem Kult der germanischen Dioskuren ausdrücklich hervorhebt. Diese sind wahrscheinlich ein Erbe aus indogermanischer Urzeit, da sie nahe Gegenstücke bei Indern (die Açvins) und Griechen haben.

Unter denselben Gesichtspunkt fällt der Hauptbestand der germanischen Religion. Nicht bloß der sogenannte niedere Aberglaube, einschließlich Beschwörungsformeln – wie die des Merseburger Balderspruches, die sehr ähnlich im Veda wiederkehrt -, ist indogermanisch – war bei den Vorfahren der Germanen in Gebrauch lange, ehe der letzteren Sprache entstand -, sondern auch der Glaube an die Himmelsgötter, die von oben alles sehen und lenken, und die man im Freien anruft, so wie in einem Eddaliede Sigurd und die von ihm erweckte Walküre auf Bergeshöhen beten:

Heil euch, Asen!Heil euch, Asinnen!Heil dir, fruchtschwere Flur!Rat und RedeGebt uns ruhmreichen beidenUnd heilkräftige Hände!

„Asen“ (älter „Ansen“, ansis16) war der verbreitetste germanische Name für die übermächtigen Wesen am Himmel und im Luftraum, die bei den Römern superi (die Oberen), bei den Griechen uranioi (die Himmlischen) hießen. Die Mannigfaltigkeit der Bezeichnungen zeugt von lebhafter Beschäftigung mit diesen Wesen. Besonders merkwürdig ist ein Name für sie, der nur im Altnordischen begegnet und dort t¯ivar lautet, aber uralt ist, denn er ist dasselbe Wort wie das gleichbedeutende lateinische dei (dii, divi) und das ebenfalls gleichbedeutende altindische d¯ev¯ah; es ist dies also ein nachweislich urindogermanischer Name für die Himmelsgötter. Schon in indogermanischer Urzeit dachte man sich diese nach irdischem Muster als eine Familie und verehrte demgemäß am höchsten das Haupt dieser Familie, das man den Himmelsgott im engeren Sinne und zugleich den „Vater“ nannte: altindisch Dyauspitar, griechisch Zeus pater, lateinisch Ju-piter. Auch bei den Germanen findet sich dieser oberste, väterliche Himmelsgott. Es ist Wodan, der mit seiner – nicht immer einverstandenen -2 göttlichen Gemahlin im Himmel haust als Vater der Götter und Menschen und seine besondere Freude an Krieg und Männerfall hat, alles ganz wie Zeus. Jedoch heißt Wodan nicht so, wie der himmlische Vater der südlichen Indogermanen und demnach schon der der Urindogermanen hieß; dessen Namen trägt vielmehr ein anderer germanischer Gott, der Tyr der Nordleute, Tiw der Angelsachsen, Ziu der Hochdeutschen, nach dem noch heute der dritte Wochentag heißt (dänisch Tisdag, englisch Tuesday, alemannisch Ziestig). Leider wissen wir von diesem Tyr nur wenig. Das beruht aber darauf, daß der seit Urzeiten als Tyr (germanisch Tiwas) verehrte Himmelsvater bei den Germanen schon früh den Namen Wodan (Wodanas) bekommen hat, weil es einen ihm ähnlichen Gott Wodan gab und man die beiden als einen und denselben auffaßte, welchen Wodanas, und nicht Tiwas, zu nennen sich empfahl, da letzterer Name, der ja auch allgemein Gott (Himmelsgott) bedeutete, weniger auszeichnend war (derselbe Grund hat dazu mitgewirkt, daß z. B. der Jupiter der Römer nicht „Deuspiter“ heißt, sondern Jupiter). Ehe Wodan Himmelsvater wurde, war er jedenfalls ein Luftwesen, das man im Zug und Geräusch des Windes zu spüren glaubte, und das man sich mit zahlreichem Gefolge, auch von hellkreischenden Mädchen, über uns einherbrausen dachte. Das ist die Erscheinungsform des indischen Gottes Vata, der auch im Namen unserem Wodan nah verwandt ist; Vata ist zugleich das indische Wort für „Wind“, und Wodan hat ebenfalls ursprünglich „Wind“ oder „Weher“ bedeutet. In dem deutschen und südskandinavischen Volksglauben vom wilden Jäger ist dieser uralte Sturmdämon bis heute am Leben, und zwar in der altertümlichen Gestalt, die er hatte, ehe er Himmelsvater wurde, und die durch diese Erhöhung des Gottes nicht aus dem Bewußtsein des Volkes verdrängt worden ist.17 Volksglaube und Religion waren, soweit unser Blick in der Zeit hinaufreicht, niemals ganz dasselbe.

Von Anfang an treffen wir bei den Germanen große, öffentliche Kulte mit Tempeln, Götterbildern und öffentlichem Priesteramt, neben viel zahlreicheren Naturkulten an Quellen, in Hainen und an sonstigen heilig gehaltenen Örtlichkeiten. Letztere rückt Tacitus, in dem Bestreben, das von den Römern grundverschiedene Naturvolk zu schildern, stark in den Vordergrund, und daher gelten sie heute noch vielen als die eigentlich germanische Form der Götterverehrung – offenbar mit Unrecht, wenn der Irrtum auch begreiflich ist, da die ahnungsvolle Ehrfurcht vor der im Hainesrauschen gestaltlos webenden Gottheit, das schweigende Schöpfen aus der heiligen Quelle auf Helgoland (von der Willibrords Leben erzählt) oder eines Thorolf fromme Scheu vor den Geistern von Berg und Wiese uns unmittelbar sympathisch ansprechen – wie denn Klopstock dadurch zu dichterischem Neuerleben gebracht worden ist -, die Opfermahlzeiten und der Wedel zum Blutspritzen dagegen, welche die altnordischen Quellen uns vorführen, auf zarte Gemüter abstoßend wirken müssen und man natürlich seinen Vorfahren lieber das Sympathische zutraut als das Fremdartige oder gar Abstoßende. Daß solche Gefühlsurteile Beweiskraft hätten, wird niemand behaupten wollen. In Wahrheit ist den Germanen beides zuzutrauen, auch das manchem Unsympathische. Im Jahr 14n.d.Ztr. machten die Römer im Gebiet der Marsen, zwischen Ruhr und Lippe, einen Tempel der „Tamfana“ dem Erdboden gleich, offenbar deshalb, weil diese Kultstätte mit dem dabeiliegenden Dingfeld der Mittelpunkt der Marsen war, die hier ihre Herzöge wählten und von hier unter dem Schutz der Götter zum Kriege auszogen. Eine Götterstatue z. B. wird erwähnt bei der Nerthus, die nach beendeter Umfahrt mit den heiligen Rindern im See rituell gereinigt wurde. Auch hat sich in Dänemark ein sehr altes Götterbild aus Holz gefunden, und die vielen Götterbilder der altnordischen Quellen wären ebenso wie die altnordischen Tempel und die gemeingermanischen Ausdrücke für „Tempel“ unerklärlich, wenn sich nicht alten Gebrauch fortsetzten. Die blutigen Tier- und Menschenopfer bezeugt ebenfalls bereits Tacitus, ja schon bei Plutarch lesen wir von den rituellen Schlachtungen der Kimbern und dem Wahrsagen ihrer Weiber aus den Eingeweiden. Die größten Opfer waren die öffentlichen, und nur bei diesen wurden auch Menschen der Gottheit dargebracht.Nach Tacitus verehrten die Germanen, abgesehen von örtlich begrenzten Kulten wie dem der Nerthus oder dem der Tamfana, drei große Götter: Merkurius, Herkules und Mars.

Unter den letztgenannten ist Tiwas, unter „Herkules“ Donar, unter „Merkurius“ aber sicher Wodan zu verstehen. Diesen, sagt Tacitus, verehren sie am höchsten, und ihm allein bringen sie Menschenopfer dar. Diese Angabe zeigt, daß Wodan zu Tacitus‘ Zeit schon ungefähr das war, was er in den nordischen Quellen ist, nämlich der oberste Gott, der eigentliche Empfänger von Menschenleichen und – was hiermit natürlich eng zusammenhängt – der Gott, der die Toten ins Jenseits abholt (dies gab den Anlaß zur Interpretation als Merkurius). Die Verschmelzung des Windgottes mit dem herrschenden Himmelsvater hatte sich also damals schon vollzogen; das Luftgefolge jenes war als Totenheer in das neue Glaubensgebilde eingegangen. Hierfür spricht auch, was Tacitus in seinem 39. Kapitel über das große Stammesheiligtum im Gebiete der Semnonen (in der späteren Mark Brandenburg) mitteilt. Der allwaltende Gott, der hier in banger Scheu mit Menschenopfern geehrt wird, ist Wodan. Der Schriftsteller meint es deutlich genug zu sagen und daher den Namen weglassen zu können, wodurch die fromme Scheu sozusagen auf Autor und Leser übertragen und also der Eindruck gesteigert wird. Der Hain, den die Gläubigen nur gefesselt betreten, und in dem niemand sich vom Boden erheben darf, ist auch der Edda als „Fesselhain“ (Fjöturlundr) bekannt; in seinem Frieden vollstreckt Dag die Rache an dem sonst unüberwindlichen Helgi, und er tut es mit Odins Beistand und Einverständnis, wünschte doch der Gott solche speergetroffenen Opfer in seinem Hain. Dieser Fesselwald der Semnonen und nordische Nachrichten über den „Schrecker“ Odin zeigen, daß die religiös kühlen, selbstbewußten Germanen doch auch Furcht und Gehorsam wenigstens gegenüber einem, ihrem furchtbarsten und mächtigsten Gotte gekannt haben.

Die tiefe Scheu vor Wodan galt seiner undurchdringlichen Weisheit, die sich oft als Tücke darstellte. Wenn einer der heidnischen Götter allmächtig war, so Wodan, und er war es kraft eines zauberhaften Könnens und Wissens, gegen das die Zauberkünste aller anderen Wesen ein Nichts waren. Wodan war der schlechthin Überlegene und Unerforschliche. Ihm zu vertrauen, war nicht jedermanns Sache. Er konnte zwar helfen wie kein anderer, besonders zu Sieg im Kriege, aber er konnte seinen Freund jeden Tag verraten, indem er sich plötzlich gegen ihn wandte. Das sagenhafte Hauptbeispiel hierfür ist das Schicksal des großen Dänenkönigs Harald Kampfzahn. Dieser versprach dem Gotte alle Krieger, die er erschlagen würde, und erhielt dafür Unverwundbarkeit durch Eisen und die Kunst der keilförmigen Schlachtordnung. Harald hatte aber einen vertrauten Diener, Bruni, der oft Botengänge für ihn machte. Auf einer dieser Wanderungen ertrank Bruni in einem Flusse, und Wodan nahm seine Gestalt an und diente unerkannt dem Könige, der von jenem Unglücksfall nicht erfahren hatte. Dabei säte er durch falsche Botschaften Zwietracht zwischen seinem Herrn und dem Schwedenkönig Sigurd Ring, so daß es zum Kriege kam.

Als der alternde Harald an der Spitze unübersehbarer Heerscharen auszog zum Treffen auf den Bravellir, da war Bruni sein Wagenlenker, und dieser meldete, auch die Schweden rückten in Keilstellung an. Dem Greise kamen böse Ahnungen, er begann seinem Wagenlenker zu mißtrauen, in ihm den verkleideten Wodan zu erkennen, und wirklich stieß dieser ihn, als das Schlachtengetümmel seinen Gipfel erreicht hatte, vom Wagen auf das blutige Feld und erschlug den Wehrlosen mit einer Keule. – Eine ähnlich trugvolle Rolle spielt Wodan in der Geschichte des fränkischen Heldengeschlechtes der Wölsungen, das lange seinen besonderen Schutz genießt. Sigmund verdankt ihm ein wunderstarkes Schwert, aber dieses Schwert zerbricht in einer Schlacht, so daß Sigmund den Tod findet, weil der Gott aus den Reihen der Feinde heraus seinen Speer der geschwungenen Klinge entgegengehalten hat. – Auch dem Jarl Hakon von Norwegen, der auf Odin so großes Vertrauen setzte, wurde dieser schließlich untreu, indem er ihm böse Ratschläge eingab und seinen Gegnern den Sieg schenkte.Die Furchtbarkeit Wodans erklärt sich daraus, daß er die Toten abholt. Als Herr über Leben und Tod ist er so unberechenbar wie das Todesschicksal selbst.

Es findet sich aber in altnordischen Quellen ein frommer Gedankengang, der Odins Unberechenbarkeit begründet, ja feiert. Der unbekannte Skalde, der nach dem Fall des Norwegerfürsten Eirik Blutaxt (um 950) diesen verherrlichte, indem er seinen Einzug an der Spitze der von ihm Erschlagenen in Walhall darstellte, läßt den Herrn von Walhall auf die Frage, warum er einen so tapferen Helden habe fallen lassen, zur Antwort geben: „Es schaut der graue Wolf zu den Göttersitzen herüber!“ Das ist der Fenriswolf, das gefährlichste der Ungeheuer, die immer auf der Lauer liegen gegen die Götter und gegen den Bestand der Welt und eines Tages wirklich losbrechen. Dann wird Odin seine Getreuen zum Kampfe führen gegen die niederreißenden Gewalten, und es wird der härteste aller Kämpfe sein, darum sorgt der weise Weltherrscher schon jetzt und immerfort für Stärkung seiner Mannschaft, und gerade die Stärksten und Mutigsten sind ihm am meisten willkommen: von Odin unterstützt sorgen sie im Leben für scharenweisen Männerfall, sobald aber ihre Kraft für das Diesseits erschöpft ist, müssen sie selber fallen, um im Jenseits mit ihren Feinden zusammen dem höchsten Zwecke dienen zu können. Wenn die Berge stürzen und die Erde ins Meer sinkt, dann entscheidet sich das Schicksal der Welt oben am Himmel, wo Götter und Tote hausen.Das ist die altnordische Theodicee, eine rechte Ausgeburt germanischen Kriegerlebens. Zu ihr gehört auch das Bild von Walhall: in der riesigen Halle, die mit Schilden gedeckt ist statt mit Schindeln, Speere als Dachsparren hat, vor deren Giebel Wolf und Adler tot hängen, deren Bänke mit Brünnen (d. h. mit ringbenähten Kampfwämsern) statt mit Kissen belegt sind, da schmaust und zecht Odins Gefolgschaft – die Einherier – Tag für Tag, jeden Morgen ziehen sie aus, um einander im Kampfe zu fällen, sitzen dann aber alle gesund und einträchtig beisammen (dies eine freie Variante der seit alters weit verbreiteten Ortssagen von Heeren Gefallener, die auf oder über Schlachtfeldern in der Luft allnächtlich weiterkämpfen, wie so viele Gespenster die entscheidende Tat ihres Erdenlebens ruhelos wiederholen müssen). Natürlich kommen die Einherier, welche fallen, ebenso nach Walhall wie Krieger, die auf Erden den Kampftod leiden.

Da letzteres dank Odins Walten von jeher geschehen ist und ständig weiter geschieht, ist die Zahl der Walhallgäste riesig groß und wächst fortwährend weiter. Aber es ist dafür gesorgt, daß Speise und Trank nicht ausgehen: ein unsterblicher Eber wird in einem wunderbaren Kessel – einer Art Gralschüssel – vom kunstfertigen Walhallkoch dauernd gesotten (wie ein Opfer im Tempel, während man im gewöhnlichen Leben das Fleisch am Spieß briet), indes die Ziege Heidrun, die wie die Hausziege manches norwegischen Bergbauern auf dem Dach weidet, aus ihren Eutern nimmerendenden Met spendet, den die Walküren – Odins Dienerinnen, die die gefallenen Krieger von der Walstatt holen – den Einheriern über die Feuer zureichen.

So geht es in dieser größten aller Fürstenhallen beim höchsten aller Herrscher tagaus, tagein, jahraus, jahrein zu, bis das Weltende, Ragnarök, hereinbricht. Inzwischen zieht Odin Kundschaft ein durch seine beiden Raben, die durch alle Welt fliegen, oder er sitzt mit Frigg (althochdeutsch Frija) draußen auf der Türbank (Hlidskjalf) und späht hinunter zu den Menschen oder hinüber zu den Riesen, oder er besteigt sein Wunderroß Sleipnir, das ihn durch die Lüfte trägt, und reitet selbst auf Kundschaft, meist ins Menschenland, wo besonders Schlachtfelder ihn anziehen (wenn man durch den gebogenen Arm sieht, kann man ihn über die Walstatt reiten sehen), zuweilen aber auch nach Riesenheim, den eigentlichen Jagdgründen seines starken Sohnes Thor, der in seinem von Böcken gezogenen Wagen über das Himmelsgewölbe donnert und die Riesenbrut, die Schädiger der Menschen, erschlägt, auch die Weiber nicht schonend. Asen und Riesen wohnen benachbart, wie zwei feindliche Stämme auf Erden. Es gibt einen Grenzfluß zwischen ihnen. Oft erscheint Odin auf Erden als Wanderer. Dann erkennt man ihn an seinem Mantel, dem breiten Hut,18 langen Bart und der Einäugigkeit.

Solche Gestalten treten in den nordischen Sagenerzählungen öfters auf, und meist bleibt es im Dunkel, ob es wirklich Odin ist. Hierin spiegelt sich der alte Volksglaube. Bei manchem Fremden fragte man sich, ob er ein Gott gewesen sei, nicht immer wegen seines Aussehens, manchmal auch wegen seines Benehmens (wie Harald Kampfzahn), oder wegen einer inneren Wirkung, die man von ihm verspürte, so wie Telemach, nachdem Athene in des alten Mentes Gestalt ihn verlassen, Kraft und Mut und heftige Gedanken an den fernen Vater in sich aufsteigen fühlt und daher gleich ahnt, der Besucher sei ein Gott gewesen. Gerade der allgewaltige Odin machte sich oft im Innern fühlbar. Wir sahen schon, wie der Skalde Egil ihm Dichtergeist und Charakter zu verdanken glaubte. Ein anderer Skalde sagt von dem Fürsten, dessen Tapferkeit im Kampfe er preist, Odin sei in ihm gewesen. Vielgestaltig und vielnamig ist Odin. Im Grimnirliede der Edda, wo er unerkannt Not leidet zwischen den Feuern in der Halle des ungastlichen Königs, hebt er den Blick zu den himmlischen Wohnungen und enthüllt sich schließlich in seiner ganzen Majestät; der König, dem die Augen aufgehen, stürzt in das eigene Schwert und fällt dem Gott als Opfer (eine ähnliche Sage wie die griechische von Zeus und dem ungastlichen Arkadierkönig Lykaon).

Walhall hat 640 Tore, und aus jedem dieser Tore ziehen acht Hundertschaften (960) Einherjer, wenn die Ragnarökschlacht geschlagen werden soll auf dem Felde Vigrid oder auf der Insel Oskopnir. Dann rücken Fenrir und die Scharen der anderen Riesen und Ungeheuer an gegen die Asen und ihr Heer. Die Asen werden tapfer kämpfend fallen, und Walhall wird in Flammen aufgehen. Frey erliegt dem Feuerriesen Surt; Thor tötet die Weltschlange, aber ihr Gifthauch wird ihm zum Verderben, so daß er neun Schritte von der Verendenden zurücktritt und dann tot umsinkt; Odin wird von dem Wolfe verschlungen, doch sein Sohn Vidar rächt seinen Tod, indem er den bis in den Zenith ragenden Oberkiefer des Ungeheuers mit starker Faust nach oben umbiegt, so daß Fenrir stirbt – ein echt volkssagenhaftes Bild von großartiger, schlichter Plastik.Die junge Göttergeneration überlebt die Katastrophe und wird in einer neuen Welt im Saale Giml¯e, der heller leuchtet als unsere Sonne, sich des Lebens freuen. Doch weiß niemand von dieser fernen Zukunft Gewisses zu sagen.

Die Ragnarökvorstellungen des alten Nordens sind vielgestaltig. So dachte man sich die Götterfeinde in verschiedener Gestalt und unter verschiedenen Namen – einer davon war „Muspells Söhne“, dämonische Reiter, die mit Feuer durch den dunklen Grenzwald geritten kommen -, aber auch der Kampf der Götter wurde verschieden vorgestellt, besonders aber waren die Naturkatastrophen mannigfach: bald handelte es sich um ein Versinken der Erde ins Meer – aus dem sie dann zu neuem Leben wieder auftaucht, so daß Wasserfälle von den Felskanten stürzen, über denen der Adler schwebt, nach Fischen spähend -, bald um eine gewaltige Feuersbrunst, die hoch zum Himmel emporschlägt, bald um den Fimbulwinter, in dem alles Lebendige erfriert bis auf ein junges Menschenpaar, das „in Hortmimes Holze“ Zuflucht findet und, wenn die Sonne wieder steigt, neue Geschlechter begründen wird.

Wie weit die nordischen Ragnarökgedanken auch südgermanisch, also in Deutschland verbreitet, gewesen sind, das läßt sich urkundlich nicht feststellen. Da aber Weltuntergangsvorstellungen bei vielen Völkern belegt sind und zum Teil in sehr ähnlicher Form wie bei den Nordgermanen (der Fimbulwinter z. B. ist auch persisch), so sind den südlichen Nachbarn der Nordleute, die fast die gleiche Sprache wie sie redeten, solche Vorstellungen erst recht zuzutrauen. Daß sie ihnen nicht gefehlt haben, ist beweisbar. Es gibt nämlich wörtliche Anklänge zwischen altnordischen Gedichten, die Weltschöpfung und Weltuntergang behandeln, und stabreimenden deutschen Versen, die unter anderem das Wort m¯udspell oder muspilli in der ungefähren Bedeutung von „Weltuntergang“ enthalten. Ferner kommt die Ursprungssage in Betracht. Wenn man dem Irmin eine Säule errichtet hat, mit der die Welt gestützt werden sollte, so hat man eben gefürchtet, daß die Welt oder der Himmel einmal einstürzen würde (ein Glaube, der für die alten Kelten ausdrücklich bezeugt ist), und der Gott, der die Welt stützt, tat dasselbe wie Odin, der Kämpfer sammelt, um die Welt zu verteidigen.

Auch das Christentum hat eine Lehre vom Weltuntergang, die sich mit dem heidnischen Ragnarökglauben nahe berührt: vor dem Jüngsten Gericht wird die Welt mit Feuer verheert. Schon die ersten Bekehrer brachten dieses christliche Ragnarök zu den Germanen, und wir finden es zum Beispiel dargestellt in der alten stabreimenden Predigt aus Bayern, die den Namen „Muspilli“ führt. Die einzelnen heidnischen Anklänge in diesem Text und die Wiederkehr des vernichtenden Feuers können aber nicht darüber täuschen, daß die letzten Dinge des Christentums etwas von Grund auf anderes sind als das germanische Ragnarök. Das eschatologische Feuer der Christen ist gesandt von der Gottheit, um die sündige Menschheit heimzusuchen. Das heidnische Weltfeuer und die anderen heidnischen Ragnarökkatastrophen sind rein naturhafte Vorgänge und richten sich gegen die Götter, welche ihnen, bzw. den feindlichen Dämonen, widerstehen und dabei den Heldentod sterben, unterstützt von Scharen wackerer Krieger, den Menschen, die mit ihnen eines Sinnes sind. In diesem einfachen und anschaulichen Gegensatz verkörpert sich der tiefe Unterschied christlicher und germanischer Lebensanschauung überhaupt.

Das germanische Ragnarök, die bei weitem reichste, die eigentlich klassische Ausprägung des Weltuntergangsgedankens als solchem,19 ist zugleich ein treuer Ausdruck des germanischen Lebensgefühls. Germanien war ein Land voll Gefahren und Unsicherheit; die Natur drohte an den wahrscheinlich noch ganz ungeschützten Küsten mit Überschwemmungen und mit Wanderdünen, der Urwald barg hungrige Raubtiere in Menge, Geächtete trieben ihr Wesen, nie konnte man sicher sein vor dem Überfall beutelüsterner Scharen oder landsuchender Bevölkerungen, und zahlreich waren diejenigen, die in offener oder schlummernder Fehde lagen mit nahen oder fernen Nachbarn. Solche Verhältnisse mußten wohl Ragnarökstimmung erzeugen und Ragnarökphantasien begünstigen. Wenn die einzelne Siedelung früher oder später den Elementen oder dem Feinde zum Opfer fiel, warum sollte das Ganze der Welt besser daran sein?

Der Germane duckte sich aber nicht mit Seufzen und Wehklagen unter das Schicksal, sondern er trat ihm aufrecht gegenüber, entschlossen, es abzuwenden oder, wenn der Feind die Oberhand behielt, ehrenvoll zu fallen, und dieses mannhafte Trotzen war für ihn die eigentliche Würze des Lebens. Seine Götter, die seine Freunde waren, dachten wie er. Auch für sie war Gegenwehr selbstverständlich, nicht bloß im aussichtsreichen, sondern erst recht im aussichtslosen Kampfe. So symbolisiert sich in dem Vorsorgen Odins und dem tragische Fall der Götter ein tiefer Lebensernst, das Beste des germanischen Charakters.Die germanische Religion ist, verglichen mit anderen, sehr wenig illusionistisch. Erwartete der Germane wirklich Außerordentliches, etwas wie ein absolutes Heil oder eine radikale Erlösung vom Lebensleid, von seinen Göttern, so würde er sich ihnen viel rückhaltloser und wärmer hingeben und unterwerfen, als er, wie wir gesehen haben, durchschnittlich tut. Er bleibt aber mit seinen Hoffnungen im Bereich der eigenen Lebenserfahrung, für die es Böses und Gutes, aber kein absolutes Heil gab.

DER JESUS VON NAZARETH

Germanenherz Die Christianisierung

Die Geschichtlichkeit eines „Jesus von Nazareth“ läßt sich nicht erweisen und selbst die theologische Forschung gesteht dies mehr oder weniger unumwunden zu. Sie zieht sich auf den schwankenden Standpunkt einer „Kulterzählung“ zurück, ohne indes irgendwie und irgend etwas an der Offenbarungseigenschaft der Evangelien aufgeben zu wollen. Die Geschichtlichkeit aber des palästinischen Christus verliert alle
Wahrscheinlichkeit schon durch den Umstand, daß das Volk der Juden, in das er hineingeboren worden sein soll, ebensowenig als Volk bestand, jedenfalls niemals in dem Sinne der fragwürdigen Überlieferung des alten Testamentes. Es ist schon von anderer Seite darauf hingewiesen worden, daß die Juden, wie heute, auch schon damals kein Volk bildeten, das mit seinen Wurzeln in einem Heimatboden haftete, sondern von jeher nur aufgepfropft erschien auf anderen, sozusagen echten Völkerschaften. So rastete es auch eine Zeitlang in Palästina mit einer herrschend gewordenen Schicht von Priestern. Wir behaupten, daß der Name der Juden von dem Namen der Goten, der Guten, abgeleitet werden muß: Gute- Gote, in der Vernichtung des Begriffes: Jote-Jude!

Selbstverständlich muß in einem „ausgewählten“ Volke der „Guten“, der Goten, auch der Heiland, der Menschenführer erstehen, was die klare mythische Gestalt eines Christus von selbst fordert. Nur daß ein solches Geschehnis niemals zu irgendeiner behaupteten Zeit in Palästina bei den „Juden“ erfolgte, sondern, wenn überhaupt, vor undenklichen Zeiten bei jenem Volke Gottes, nämlich der Goten im Norden, von denen die geschichtlichen Goten die Nachkommen sind, die uns auch die älteste Übersetzung des Alten und des Neuen Testamentes, heute in Bruchstücken, hinterließen.

Wie diese Dinge eigentlich liegen, ist noch längst nicht geklärt, aber es müßte schon bedenklich stimmen, daß Herodot, der größte bekannte Geschichtschreiber des Altertums, um 460 vor unserer Zeitrechnung, von einem Volke der Juden oder ihrem Staate nichts zu berichten weiß. Hätte dieses Volk die Bedeutung gehabt, die uns seine vielfach übertriebene und gefälschte Geschichte vortäuscht, so wäre Herodot nicht mit Stillschweigen darüberhinweg gegangen. Die Juden spielten eine ähnliche Rolle in Handel und Verkehr des Altertums wie heute noch. Wir hören jetzt wieder von den Versuchen der Juden, sich in Palästina ein völkischjüdisches Staatsgebilde zu schaffen. Es würde nur aufzurichten sein mit fremder Hilfe und auf dem Rücken einer eingeborenen Bevölkerung, heute wie damals, als die eingeborenen nichtjüdischen, zum Teil arischen Stämme noch Galiläer, Samariter, Edomiter, Syrier, Phönizier und Philister hießen.

Es ist darum nicht verwunderlich, wenn Herodot alle alten bodenverwachsenen Völker aufzählt; Griechen, Perser, Phöniker, Meder, Phrygier, Ägypter, Germanen, Araber, Äthiopier, Inder, Babylonier, Assyrer, Skythen, Sarmaten, Massageten und von ihrer Kultur und ihrer Geschichte spricht, aber mit keinem Worte ein Volk oder einen Staat der Juden angibt. Kommt er auf Palästina zu sprechen, erwähnt er nur, daß es damals von Syriern bewohnt sei. Wenn von den Juden in alten Berichten gesprochen wird, außer in dem eigenen geschichtlich ganz anders zu wertenden Alten Testament, so nur in einer lebhaften Abwehr, die ihren Grund hat in der alle seßhaften Völker befremdenden Tatsache, daß die Juden als einziges unter den Völkern nicht für sich auf eigenem Boden wohnen noch je gewohnt haben. Der echte Nomade scheidet hier als Vergleich völlig aus, denn er lebt ebenso gesetzmäßig und „seßhaft“ auf einem bestimmt umgrenzten
Landstrich wie die anderen bodenständigen Völker, nur mit dem Unterschied, daß er nach altgewohnten wirtschaftlichen und klimatischen Notwendigkeiten auf ihm herumzieht, um seine Herden zu ernähren, niemals aber planlos und willkürlich, während die Juden damals und heute, in keinem Boden jemals verwurzelt, mit der Verlegung des wirtschaftlichen Schwergewichts von Land zu Land wandern. Die Geschichtlichkeit der Gestalt des Jesus läßt sich sicherlich am allerwenigsten aus der Geschichte der Juden belegen.

Arier und Jude sind Gegensätze. Wir treten, um diese Wahrheit auszusprechen, gar nicht erst auf den staubigen Kampfplatz politischer Leidenschaften oder wirtschaftlicher Gegensätze. Wir sprechen eine Tatsache aus, die allen Ehrlichen aus beiden Lagern ganz selbstverständlich erscheint. Das Christentum ist, so wie die Verhältnisse heute liegen, eine ganz ausschließliche Eigenschaft arischer oder mehr oder weniger arisch beeinflußter Völker geworden. Jedenfalls erhält sich das Christentum als Religion und Bekenntnis auf einer höheren Betrachtungsebene nur in den germanischen Ländern. Es muß etwas im Urgrunde des Christentums liegen, und sei dies selbst erst nach seiner Berührung mit den Germanen hineingedacht, was ihnen verwandt ist, während das Judentum sich über fast zwei Jahrtausende hinweg dem Christentum und seinem angeblichen Begründer feindlich erweist. Es ist darum schwer faßlich, wie sich eine Meinung bilden konnte, daß Christus ein Jude gewesen sei. Alles innere Wissen, alles Ge-Wissen spricht gegen eine solche Annahme, so daß es wenig auf sich hat, wenn man einige Stellen des Neuen Testamentes im bezweifelten Sinne erklären möchte, andere Stellen wiederum zeigen den Jesus von Nazareth als den ausgesprochenen Gegensatz des Juden und jüdischer Geistesverfassung. Diese Widersprüche liegen eben in der Schwäche aller schriftlichen Überlieferung und warnen vor einer allzu wörtlichen Anlehnung an jeden veränderlichen Text.

Es kann nur von völlig Christus-Gleichen, wenn wir das Gebild, das Inund Sinnbild dieses Christus-Inneren uns zu eigen machen, verstanden und begriffen werden, daß dieser Christus niemals Jude gewesen sein kann, sofern wir seine Gestalt für eine Wirklichkeit zu nehmen bereit sind. Wären die Juden von gestern und heute dieser Überzeugung selbst, daß dieser Christus einer ihresgleichen war, so hätten sie gewiß den Irrtum seiner Tötung mit Freuden schon längst wettgemacht durch den Übergang zu seiner Lehre. Wenn sie trotzdem den Jesus von Nazareth für sich in Anspruch nehmen, tun sie es aus rassepolitischer Klugheit, weil nichts so sehr ihre geistige und wirtschaftliche Herrschaft über ihre christlichen Wirtsvölker befestigt als die vermeintliche Zugehörigkeit dieses „Christus“ zum Volke der Juden. Darum wurde diesem Volke schon vieles verziehen, was Strafe, Zurückweisung oder Vergeltung gefordert hätte. Unter sich aber sprechen sie nach dem Beispiel ihrer zahllosen Schriften nur in den abfälligsten Worten über ihn und schimpfen ihn den „Gehenkten“ und den Sohn einer Hure.

Ich erwähne diese Umstände hier nicht in solcher Ausführlichkeit, um Haß und Mißverständnis auf beiden Seiten weiter zu schüren, sondern um Einsicht und Verständnis für eine ungeheuer wichtige Frage zu schaffen, die keinen Unfrieden mehr stiften wird, von dem Augenblicke an, in dem sie einigermaßen geklärt erscheint und mit Wahrhaftigkeitsmut behandelt wird.

Nur ein gänzlich verdunkeltes Christentum kann noch einen volksjüdischen Christus verteidigen. Wenn die Menschen ernsthaft nachdenken wollten, so müßten sie sich sagen, daß sie hier gar nicht mit irdischen Maßstäben messen dürfen. Nach den Glaubenslehrsätzen der Kirche ist der Christus vom heiligen Geist empfangen und von einer Jungfrau Maria geboren. Eine Abstammung aus dem Judentum wird also gar nicht vorausgesetzt, wenigstens nicht von Vaterseite her. Da Maria schließlich als „Gottesmutter“ auftritt, so ist ihre Herkunft aus dem volksjüdischen Stamme nicht einwandfrei. Hätte es überhaupt einen Sinn, wenn die Juden einen Juden gekreuzigt hätten? Das tun die Juden nie! Das liegt nicht in ihrem Wesen, das sicher eine beachtens- und nachahmungswerte Eigenschaft aufweist, den völkisch-rassischen Zusammenhang. Wenn sie den „Heiland der Welt“ töteten, dann töteten sie damit nichts in sich oder von sich selbst, sondern im Gegenteil den Geist, der sie stets verneinte. Christus war kein Jude, sondern als ein „Sohn Gottes“ sicher sein Ebenbild, das wir heute füglich im arischen Menschen sehen und das so von jeher bei andern Völkern auch gesehen wurde. Es ist undenkbar, sich einen griechischen Apollo als Juden, als Neger, als Angehörigen irgendeiner Mischrasse zu denken, einschließlich der Griechen von heute, die auch nicht einen Mann oder eine Frau mehr aufweisen von jener Rasse, die das Vorbild zu einem Zeus, einem Herakles, einer Venus von Milo oder einer Athene gab. Es ist ganz ersprießlich, solchen Gedankengängen nachzugehen, weil sie unsere geistige Vorstellungskraft beschwingen und mehr zur Beseitigung von falschen Annahmen beitragen als lange „gelehrte“ Abhandlungen.

Selbst der Heilige muß blond sein, griechisch xanthos, um ein Sanctus werden zu können und zu bleiben. Also blond und heilig (heil-ig ist, wer ein heiles Ich hat), entspringen derselben arischen Wortwurzel. Tausende von erleuchteten Künstlern des Mittelalters, dem man noch keine rassekundlichen Kenntnisse zutraut, haben den Christus als den Gottmenschen, den arischen Sonnenmenschen geschaut, geschildert, gezeichnet und gemalt und in Holz, Ton, Erz und Stein gebildet. Tausende begnadeter Künstler haben Maria als die stolze, schöne Mutter irgendeines arischen holden blonden Gotteskindes gemalt und nachgebildet. Nie wäre es einem solchen Meister beigekommen, den „Herrn“, den Sohn Gottes, den Welterlöser als einen Juden, die Himmelskönigin als eine Jüdin darzustellen.

In der Bibliothek des Vatikans befindet sich ein Brief eines gewissen Publius Lentulus, des angeblichen Vorgängers des Pontius Pilatus. Dieser römische Prokonsul in Palästina schreibt in dem Briefe, der zur Zeit des Tiberius an den Senat von Rom gerichtet sein soll: „Es erschien und lebt in diesen Tagen unter uns ein Mann von merkwürdiger Tugend, den einige, die ihn begleiten, einen Sohn Gottes nennen. Er heilt die Kranken und läßt die Toten wieder auferstehen. Er ist wohlgebildet von Gestalt und zieht die Blicke auf sich. Sein Antlitz flößt Liebe und zugleich Furcht ein. Seine Haare sind lang und blond, glatt bis an die Ohren und von den Ohren bis zu den Schultern leicht gelockt. Ein Scheitel teilt sie auf der Mitte des Hauptes und jede Hälfte fällt seitwärts nach dem Brauche von Nazareth. Die Wangen sind leicht gerötet, die Nase ist wohlgeformt. Er trägt einen Vollbart von derselben Farbe wie das Haar, aber etwas heller und in der Mitte geteilt. Sein Blick strahlt Weisheit und Reinheit aus. Die Augen sind blau, von Strahlen verschiedenen Lichtes durchleuchtet. Dieser Mann, der gewöhnlich in der Unterhaltung liebenswürdig ist, wird schrecklich, wenn er gezwungen wird, zu tadeln. Aber auch in diesem Falle geht von ihm ein Gefühl klarer Sicherheit aus.

Niemand hat ihn je lachen sehen, dagegen oft weinen. Sein Wuchs ist normal, die Haltung gerade, seine Hände und Arme sind von solcher Schönheit, daß ihr Anblick Freude bereitet. Der Ton seiner Stimme ist ernst. Er spricht wenig. Er ist bescheiden. Er ist schön, wenn ein Mann schön sein kann. Man nennt ihn Jesus, Sohn der Maria.“ Die Stellen, die von vornherein den Stempel der Fälschung tragen, sind durch Bogen-Schrift gekennzeichnet. Ob die Urkunde überhaupt echt ist oder nicht, spielt keine Rolle. Die Gestalt und das Aussehen eines rein arischen Menschen ist mit großem Geschick geschildert. Daß der Gottmensch das göttliche Lachen nicht kennte, wäre, nach diesem Bilde, sein größter Fehler. Hier verließ den Schreiber das reine Gefühl. Im Vatikan befinden sich noch unersetzliche und unbekannte Urkunden, so daß das Vorhandensein einer ähnlichen, wie dieser Brief, an sich durchaus wahrscheinlich ist. Nehmen wir die Urkunde als echt an, so sehen wir klar, daß jener Eingeweihte, jener „Christos“ der alten Mysterien in Palästina ein Sproß der arischen Restbevölkerung war, der sich vergeblich bemühte, den arischen Geist im Mischvolke zu beleben und darum von den herrschenden Juden getötet werden konnte. Mit dem Christos, dem HARISTOS, dem kosmischen „Gottessohne“ hat er nichts weiter zu tun, als daß er ihn wohl auffaßte und lehrte, wie wir es auch tun. Das menschliche Bild des „Heilandes“ ist jedenfalls ganz das, wie es die mittelalterlichen Maler wie auf Übereinkunft dargestellt haben, und neuere Bilder, die nach dieser Beschreibung entworfen wurden, beweisen zur Genüge, daß im allgemeinen Bewußtsein der „Jesus Christus“ als ein Mensch reinster arischheldischer Rassenerscheinung und nicht als ein mehr oder weniger deutlicher Jude weiterlebt. Die ersten dunkeläugigen und schwarzhaarigen Darstellungen des Christus als eines mittelländischsemitisierenden Proletariers stammen von Malern aus der Renaissance, die bewußt den göttlichen Weg der Kunst verließen und schließlich die Auflösung jeder sakralen Haltung in der Malerei der Moderne vorbereiteten.

Die Bedeutung des Lentulus-Berichtes und der nach ihm, meist ohne seine Kenntnis ganz entsprechend gefertigten Bilder liegt in der Betonung eines Rassebildes, daß die äußerste Hochzüchtung des arischen Gottmenschen in seiner vergeistigten Gestalt darstellt. Dieser Christus ist das Urbild der kommenden sechsten Rasse, die dem Göttlichen, dem GottÄhnlichen um einen Schritt nähertritt. Solche Beziehungen bezeugen mehr als irgendwelche anderen geschichtlichen Nachweise das Christentum, das ja nur ein Ableger der alten arischen Mysterienlehre ist, als eine ausgesprochene Rassenreligion, also Rata-Ra-dix-Wurzel-Religion, die jede Religion sein muß, wenn sie dem Ziele der Vergöttlichung, der Vergötterung, der Vergottung der Menschheit dienen will. Erst in unserer Zeit haben von ihrem Gotte gänzlich Verlassene es gewagt, Christus als Niederrassigen darzustellen, im Vertrauen darauf, bei Gleichgesinnten Beifall zu finden. Mögen sie es tun! Sie zeigen sich als Hörige des Anti-Christes! Nicht der „Höchste“ hängt am Kreuze dann, vom „Niedersten“ gekreuzigt, sondern der Schlechteste, der Schlechtweggekommenste, der sein Schicksal anklagt, weil er noch nicht weiß, daß alles Schlechtweggekommensein eigene Schuld ist, eigene Last aus früheren Verkörperungen. Weil aber ein jeder Geist nur dem Geiste gleicht, den er begreift, so will er seinen Gott nach seinem Bilde, und darüber ist füglich nicht zu rechten und nicht zu richten. Ein Künstler bildet in allen seinen Werken schließlich nur sich selbst, stellt sein Selbst aus sich heraus. Es bleibt denn nur die Frage offen, ob wir im Antlitz eines arischen „Jesus“ ein Spiegelbild, einen Abglanz Gottes erkennen wollen oder in den Gesichtszügen eines Buschmannes.

Es liegt uns wahrlich wenig daran, einen Beweis zu führen, daß geographisch, geschichtlich und rassenwissenschaftlich gesehen, Christus als ein angeblicher Galiläer kein Jude gewesen sein kann, weil jahrhundertelang Galiläa von Juden vollkommen entblößt war. Uns kommt es auf den inneren Wahrheitgehalt an, auf die Untrüglichkeit eines geistigen Erkennens aus göttlichem Urgrunde, daß das Heil, die Geburt des Heilandes nicht aus dem kommen kann, was die Welt als das „Jüdische“, die Edda als das „Jotische“ im Gegensatz zum „Gotischen“ bezeichnen, sondern aus dem reinen Gegensatz zu eben diesem Jüdischen und Jotischen. Und allein aus diesem Grunde muß jeder Heiland „unter“ irgendwelchen „Juden“ geboren werden, selbst ein Nicht-Jude, denn hier nur kann er seinen Verräter finden, seinen Judas Ischariot, seinen Henker, hier muß er seinen Tod leiden, der ihm von Seinesgleichen niemals geworden wäre. Allen „Juden“ war noch im letzten Augenblick die Wahl gegeben zwischen ihm, dem Nicht-Juden und Barnabas, dem Volksgenossen, aber alle „Juden“ aller Zeiten forderten von jeher die Freigabe eines Barnabas, weil er ein Verworfener, ein Mörder ist. Das heißt eine Symbolsprache, wie sie deutlicher und überzeugender nicht reden könnte.

Wer in der feinen, wohlverstandenen Lehre und in dem reinen, wohlbestandenen „Leben“ des „Christus“ Jüdisches sieht, findet auch sonst aus den Finsternissen seines Menschenunglücks nie wieder heraus, er vermehrt noch alles Unheil auf Erden durch sein Nichtwissen, sein Falschraten. So viele Menschen haben kein Unterscheidungsvermögen, ihre Zunge ist wie ein Reibeisen, sie schmeckt und kostet nichts, ihre Seele ist ein lederner Sack, die nie noch zu einem Höhenfluge sich erhob. Es wäre nun ebenso falsch, den „Christus“ einen Arier zu nennen, denn der Christus ist das „Wort“, der „Logos“, kein Mensch oder Gott zu irgendeiner irdischen Zeit an irgendeinem irdischen Ort. Wir lassen die Möglichkeit eines Eingeweihten offen, der zur angegebenen Zeit in Palästina öffentlich aufgetreten ist. Der hätte mit dem Krist-all isationsgedanken des Welt-Kristes, des Welt-Gerüstes nicht mehr und nicht weniger zu tun als wir alle, die wir eines guten Willens sind. „Christen“ nannten sich im alten Griechenland alle in die Mysterien Eingeführten, die einen höheren Grad in den Geheimbünden bekleideten, und der griechische Ausdruck wurde übernommen und übertragen schließlich auf alle, die der offenbarten Geheimlehre, aus deren gewaltigen Trümmern das frühe Christentum seine Bausteine holte, anhingen.

Darum schrieb noch um 70 n. Chr. der Jude Philo von den „Christen“, sie seien noch nicht Christen, d. h. in die innersten Mysterien Eingeweihte, sondern erst Chresten, d. h. noch Außenstehende. Der Unterschied liegt in der Bedeutung der beiden Vokale I und E, die das Innere beziehungsweise das Äußere schon in ihrem Klangwerte andeuten.

ergänzend: Die christliche Lehre kam aus dem Norden. und hier VON BÜCHERN, DIE DEN GEIST UND DEN LEIB TÖTEN .und hier Die vorchristlichen Ursprünge des Christentums .und hier Der Reichtum der Kirche ist Blutgeld und hier Die Christianisierung und hier Zur Unglaubwürdigkeit des Judäo-Christentums und hier Die Christianisierung Nordgermaniens und hier Die Deutschen – ein auserwähltes Volk

Odins Runenlied

In der Edda ist der Verlauf der höchsten Einweihung im Hávamál zu finden.  Demzufolge hing Odin, vom Speer verwundet, neun Tage und Nächte am Weltenbaum  und erlitt die schlimmsten Qualen. Nach dieser Zeit des Leidens erhielt er  als Belohnung die Einweihung in die Runenmagie. Er empfing achtzehn mächtige  Zauberlieder, von denen jedes einer Rune entsprechen könnte. Die Namen oder  Formen der Runen werden in dem Lied nicht erwähnt, aber wenn man die  Bedeutung der Runen kennt, erkennt man sie im Runenlied (altnordisch:  Rúnatal) wieder.
Auf der linken Seite wird hier das altnordische Original wiedergegeben, auf  der rechten Seite die deutsche Übersetzung.


Veit eg, að eg hékk   vindga meiði á   nætur allar níu,   geiri undaður   og gefinn Óðni,   sjálfur sjálfum mér,   á Þeim meiði,   er manngi veit,   hvers hann af rótum renn.
Við hleifi mig seldu   né við hornigi,   nýsta eg niður,   nam eg upp rúnar,   æpandi nam,   féll eg aftur Þaðan.
Fimbulljóð níu   nam eg af inum frægja syni   BölÞórs Bestlu föður,   og eg drykk of gat   ins dýra mjaðar,   ausinn Óðreri.
Þá nam eg frævast   og fróður vera   og vaxa og vel hafast.   Orð mér af orði   orðs leitaði,   verk mér af verki   verks leitaði.
Rúnar munt Þú finna   og ráðna stafi,   mjög stóra stafi,   mjög stinna stafi,   er fáði fimbulÞulur   og gerðu ginnregin   og reist Hroftur rögna,
Óðinn með ásum,   en fyr álfum Dáinn,   Dvalinn dvergum fyrir,   Ásviður jötnum fyrir,   eg reist sjálfur sumar.
Veistu hve rísta skal?   Veistu hve ráða skal?   Veistu hve fáa skal?   Veistu hve freista skal?   Veistu hve biðja skal?   Veistu hve blóta skal?   Veistu hve senda skal?   Veistu hve sóa skal?
Betra er óbeðið   en sé ofblótið,   ey sér til gildis gjöf.   Betra er ósent   en sé ofsóið.   Svo Þundur um reist   fyr Þjóða rök,   Þar hann upp um reis   er hann aftur of kom.
Ljóð eg Þau kann   er kannat Þjóðans kona   og mannskis mögur.   Hjálp heitir eitt   en Það Þér hjálpa mun   við sökum og sorgum   og sútum gervöllum.
Það kann eg annað   er Þurfu ýta synir   Þeir er vilja læknar lifa.
Það kann eg Þriðja   ef mér verður Þörf mikil   hafts við mína heiftmögu.   Eggjar eg deyfi   minna andskota,   bítat Þeim vopn né velir.
Það kann eg ið fjórða   ef mér fyrðar bera   bönd að bóglimum.   Svo eg gel   að eg ganga má,   sprettur mér af fótum fjötur   en af höndum haft.
Það kann eg ið fimmta   ef eg sé af fári skotinn   flein í fólki vaða,   flýgura hann svo stinnt   að eg stöðvigak   ef eg hann sjónum of sék.
Það kann eg ið sjötta   ef mig særir Þegn   á rótum rásviðar,   og Þann hal   er mig heifta kveður,   Þann eta mein heldur en mig.
Það kann eg ið sjöunda   ef eg sé hávan loga   sal um sessmögum.   Brennurat svo breitt   að eg honum bjargigak,   Þann kann eg galdur að gala.
Það kann eg ið átta   er öllum er   nytsamligt að nema.   Hvar sem hatur vex   með hildings sonum,   Það má eg bæta brátt.
Það kann eg ið níunda   ef mig nauður um stendur   að bjarga fari mínu á floti.   Vind eg kyrri   vogi á   og svæfik allan sæ.
Það kann eg ið tíunda   ef eg sé túnriður   leika lofti á.   Eg svo vinnk   að Þeir villir fara   sinna heimhama,   sinna heimhuga.
Það kann eg ið ellefta   ef eg skal til orustu   leiða langvini.   Undir randir eg gel   en Þeir með ríki fara,   heilir hildar til,   heilir hildi frá,   koma Þeir heilir hvaðan.
Það kann eg ið tólfta   ef eg sé á tré uppi   váfa virgilná.   Svo eg ríst   og í rúnum fák   að sá gengur gumi   og mælir við mig.
Það kann eg ið Þrettánda   ef eg skal Þegn ungan   verpa vatni á.   Munat hann falla   Þótt hann í fólk komi,   hnígura sá halur fyr hjörum.
Það kann eg ið fjórtánda   ef eg skal fyrða liði   telja tíva fyrir.   Ása og álfa   eg kann allra skil,   fár kann ósnotur svo.
Það kann eg ið fimmtánda   er gól Þjóðrörir   dvergur fyr Dellings durum.   Afl gól hann ásum   en álfum frama,   hyggju Hroftatý.
Það kann eg ið sextánda   ef eg vil ins svinna mans   hafa geð allt og gaman.   Hugi eg hverfi   hvítarmri konu   og sný eg hennar öllum sefa.
Það kann eg ið sautjánda   að mig mun seint firrast   ið manunga man.   Ljóða Þessa   mun Þú Loddfáfnir   lengi vanur vera.   Þó sé Þér góð ef Þú getur,   nýt ef Þú nemur,   Þörf ef Þú Þiggur.
Það kann eg ið átjánda   er eg æva kennig   mey né manns konu,   allt er betra   er einn um kann,   Það fylgir ljóða lokum,   nema Þeirri einni   er mig armi ver   eða mín systir sé.
Nú eru Hávamál kveðin   Háva höllu í,   allÞörf ýta sonum,   óÞörf jötna sonum.   Heill sá er kvað,   heill sá er kann,   njóti sá er nam,   heilir Þeir er hlýddu.

Ich weiß, daß ich hing   am windigen Baum   neun lange Nächte,   vom Speer verwundet,   dem Odin geweiht,   mir selber ich selbst,   am Ast des Baumes,   von dem niemand weiß,   aus welcher Wurzel er wuchs.
Sie boten mir   nicht Brot noch Met,   da neigt‘ ich mich nieder,   auf Runen sinnend,   lernte sie seufzend,   endlich fiel ich zur Erde.
Hauptlieder neun   lernt‘ ich von dem weisen Sohn   Bölthorns, des Vaters Bestlas,   und ich trank einen Trunk   des teuern Mets   aus Odhrörir geschöpft.
Zu gedeihen begann ich   und begann zu denken,   wuchs und fühlte mich wohl.   Wort aus dem Wort   verlieh mir das Wort,   Werk aus dem Werk   verlieh mir das Werk.
Runen wirst du finden   und Ratestäbe,   sehr starke Stäbe,   sehr mächtige Stäbe,   Erzredner ersann sie   und Götter schufen sie   uns sie ritzte der hehrste der Herrscher.
Odin den Asen,   den Alfen Dain,   Dwalin den Zwergen,   Alswid den Riesen,   einige ritzte ich selbst.
Weißt du wie man ritzen soll?   Weißt du wie man raten soll?   Weißt du wie man finden soll?   Weißt du wie man erforschen soll?   Weißt du wie man bitten soll?   Weißt du wie man opfern soll?   Weißt du wie man senden soll?   Weißt du wie man tilgen soll?
Besser nicht gebeten   als zu viel geboten,   die Gabe will stets Vergeltung.   Besser nicht gesendet   als zu viel getilgt.   So ritzt es Thundr   zur Richtschnur den Völkern,   dann entwich er   dahin, wo er herkam.
Lieder kenn ich   die kann die Königin nicht   und keines Menschen Kind.   Hilfe verheißt mir das erste   denn helfen mag es   in Streiten und Zwisten   und in allen Sorgen.
Das kann ich als anderes   des alle bedürfen,   die heilkundig heißen.
Das kann ich als drittes   des ich bedarf   meine Feinde zu fesseln.   Die Spitze stumpf   ich dem Widersacher,   mich verwunden nicht Waffen noch Listen.
Das kann ich als viertes   wenn der Feind mir schlägt   in Bande die Bogen der Glieder.   Sobald ich es singe   so bin ich ledig,   von den Füßen fällt mir die Fessel   der Haft von den Händen.
Das kann ich als fünftes   wenn ich sehe einen Pfeil gefährdend fliegen   übers Heer daher,   wie hurtig er fliege   ich mag ihn hemmen   erschau ich ihn nur mit dem Sehen.
Das kann ich als sechstes   so wer mich versehrt   mit harter Wurzel des Holzes,   und den andern allein   der mir es antut,   verzehrt der Zauber, ich bleibe frei.
Das kann ich als siebentes   wenn hoch der Saal steht   über den Leuten in Lohe.   Wie breit sie schon brenne   daß ich sie noch berge,   den Zauber weiß ich zu zaubern.
Das kann ich als achtes   das allen wäre   nützlich und nötig.   Wo Hader zu entbrennen scheint   mitten unter Helden   da vermag ich ihn schnell zu schlichten.
Das kann ich als neuntes   wenn Not mir ist   vor der Flut das Fahrzeug zu bergen.   Ich wende den Wind   von den Wogen ab   und beschwichtige rings alle See.
Das kann ich als zehntes   wenn ich sehe Zaunreiterinnen   durch die Lüfte lenken.   Ich wirke so   daß sie wirre zerstäuben,   zu Gespenstern werden   als Gespenster schwinden.
Das kann ich als elftes   wenn ich zum Angriff soll   die treuen Freunde führen.   In den Schild fing ich’s,   so zieh’n sie siegreich,   heil in den Kampf,   heil aus dem Kampf,   bleiben heil wohin sie ziehn.
Das kann ich als zwölftes   als ich sah am Zweige hängend   vom Strang erstickt ein Toter.   Wie ich ritze   das Runenzeichen   so kommt der Mann   und spricht mit mir.
Das kann ich als dreizehntes   soll ich ein Degenkind   in die Taufe tauchen.   So mag er nicht fallen   im Volksgefecht,   kein Schwert mag ihn versehren.
Das kann ich als vierzehntes   soll ich dem Volke   der Götter Namen nennen.   Asen und Alfen   kenn ich allzumal,   wenige sind so weise.
Das kann ich als fünfzehntes   das sang Volkrörir   der Zwerg vor Dellings Schwelle.   Den den Asen sang er Stärke   den Alfen Gedeihn,   hohe Weisheit dem Hroptatyr.
Das kann ich als sechzehntes   will ich schöner Maid   in Lieb und Lust mich freuen.   Den Willen ich wandel   der Weißarmigen   und daß sich mir ganz ihr Sinn gesellt.
Das kann ich als siebzehntes   daß schwerlich wieder   die holde Maid mich meidet.   Dieser Lieder   magst Du, Loddfafnir,   lange ledig bleiben.   Doch wohl Dir, weißt Du sie,   Heil dir, behältst Du sie,   selig, singst du sie.
Das kann ich als achtzehntes   das ich aber nicht singe   vor Maid noch Mannes Weibe,   als allein vor ihr   die mich umarmt,   oder sei es meiner Schwester,   besser ist was einer   nur weiß   so frommt das Lied mir lange.
Des Hohen Lied ist gesungen   in des Hohen Halle,   den Erdensöhnen not,   unnütz den Riesensöhnen.   Wohl dem, der es kennt,   wohl dem, der es kann,   lange lebt, der es erlernt,   Heil allen, die es hören.

Die Irminsul

Germanenherz

Ehre die Ahnen!

Halgadom, aus den Stücken Runenkraft und Wotans Krieger
Kennst du die alte Kunde vom germanischen Heiligtum,
verborgen in Teutoburgs Wäldern,
den göttlichen Mächten zum Ruhm?
Dort an den Externsteinen die Irminsäule stand.
So lange man sie ehrte, war Einigkeit im Land.
Da kamen die fränkischen Heere, vergiftet vom Geist der Zeit,
die hieben die Säule nieder. Seitdem herrscht Hader und Streit.
Verwirrt in Glaubenskriegen irrt unser Volk umher,
es hat noch manche Blätter, doch keine Wurzeln mehr.
Wir brauchen wieder Hüter für unsres Volkes Gedeihn.
Willst du ein Hüter des Volkes – der Irminsäule sein?

Die Bedeutung des ältesten Sinnzeichens europäischer Religiosität

Wie wir den Überlieferungen entnehmen können, sind die beiden höchsten Sinnbilder der nordischen Atlanter die Sonne und die Weltensäule, die der Germanen die Sonne und die Irminsul (All-Säule) bzw. die Yggdrasil (Weltesche, Weltenbaum, Sonnenbahn-Dreh-Säule), wobei sich die Germanen ihre heilige Säule vorwiegend als Baum (Lebensbaum) vorstellten. Die Baumverehrung der Germanen gilt jedoch grundsätzlich demselben kosmischen Prinzip wie die Verehrung der Weltensäule bei den Atlantern, nämlich der Weltenachse bzw. Weltenseele. Auch die Obelisken in Ägypten, die Totempfähle der nordamerikanischen Indianer, der Weltenbaum der Maya, der Lebensbaum der Kabbala, der griechische Säulenkult, der im Deutschen Kulturraum weitverbreitete Maibaum und auch der in vielen Teilen der Welt verbreitete Weihnachtsbaum gehen alle auf den gleichen Kultus zurück und stehen symbolisch für das Prinzip der Weltensäule, die auch als Himmelssäule, Himmelsstütze, Weltenachse oder Weltenseele bezeichnet wird.
Doch welche grundsätzliche Idee steckt hinter der Verehrung der Weltenseele/Weltensäule?
Der Säulenkult resultiert aus der Verehrung der Weltenachse, die als verlängerte Erdachse in den verschiedenen Zeitaltern auf den jeweiligen Himmelspol bzw. Polarstern am Himmelszelt zeigt. Die Weltenachse bzw. Weltensäule wurde auch als Weltenseele verehrt, welche die irdische Welt mit dem weiten, heiligen Kosmos des Sternenhimmels und der Welt der Ahnen verbindet. Nicht ohne Grund besitzen die „Säule“ und die „Seele“, engl. „soul“, die gleichen Sprachwurzeln. Säulen- bzw. Menhirsetzungen galten somit auch als Orte der Ahnenverehrung. Wie die Sonne nach der Wintersonnenwende wieder nach oben steigt, so geschieht das auch mit der Seele des Verstorbenen – und von neuem geht sie im Körper des Nachkommens auf. Die Weltenachse war den sternenkundigen und seefahrenden Nordmeer- bzw. Seevölkern, wie die Atlanter in verschiedensten Überlieferungen der Antike bezeichnet werden, schon aus einem ganz praktischen Nutzen heilig, denn da durch sie der Himmelspol bestimmt wurde, ermöglichte sie ihnen die Orientierung auf den Weltmeeren. Der Himmelspol, um den sich die ganze Welt dreht, bringt als der ruhende Pol im Universum Ordnung und Berechenbarkeit in das Sternenmeer, was zur Orientierung auf die Verhältnisse der Erde übertragen werden kann.
Die Weltenachse war den Atlantern aber vor allem in religiöser Hinsicht heilig. Sie wurde im kulturellen Einflußbereich der Megalithkultur auch als „Himmels- bzw. Weltensäule“ oder als „Himmelsstütze“ bzw. „Säule des Himmels“ bezeichnet, da man von der Vorstellung ausging, daß auf ihr das Himmelszelt ruht und dieses durch sie gestützt werden müsse.
Sehr wahrscheinlich aufgrund von Erfahrungen aus verschiedenen Naturkatastrophen, die als göttliche Strafen betrachtet wurden, befürchteten die Menschen der Antike, daß ihnen der Himmel auf den Kopf fällt, wenn dieser nicht gestützt wird. Von der Himmelssäule, um deren Spitze das Himmelsgewölbe mit den zirkumpolaren Sternbildern sichtbar kreist, hing der Bestand der Welt ab, ihr Sturz bedeutete das Weltende. In allen Kulturen auf der nördlichen Halbkugel war diese Vorstellung verbreitet, sie kann aber nur im hohen Norden entstanden und von dort in südlichere Bereiche gelangt sein.
Aus philosophisch-religiöser Sicht steht die Weltensäule (Weltenseele) für die Verbindungsachse zwischen den beiden gegensätzlichen Polen Himmel (Geist) und Erde (Materie), sie ist das Symbol der Einheit von spiritueller und materieller Welt – der Einheit von Mensch und Natur mit Gott. Die Weltenseele stellt das kosmische Spannungsfeld dar, das sich zwischen den beiden antagonistischen Polen der Wirklichkeit, Himmel-Erde- bzw. Geist und Materie (Geist-Materie-Polarität), und damit über das gesamte Wirklichkeitsspektrum der Schöpfung erstreckt. Die Weltenseele ist daher für jegliche tiefergehenden ganzheitlich-philosophischen Betrachtungen als ontologische Leitvorstellung grundlegend! (ganzheitlich = auch die spirituellen Welten und kosmischen bzw. geistigen Gesetzmäßigkeiten mit einbeziehend).Die gesamte Schöpfung in ihrer unendlichen Vielfalt ist aus dem absoluten Urprinzip der Beziehung von Geist und Materie hervorgegangen, sie ist ein Prozeß von Involution und Evolution, von Materialisierung und Vergeistigung, welcher innerhalb der Geist-Materie- olarität abläuft und nach den universalen Gesetzmäßigkeiten geschieht, die in diesem grundlegenden Polaritätsprinzip immanent enthalten sind und aus diesem abgeleitet werden können, wie z.B. das Gesetz von Ursache und Wirkung, das Gesetz des Rhythmus, das Gesetz der Resonanz, des Karmas, der Reinkarnation usw. Dieses polare Prinzip spiegelt sich in allen Dingen der Schöpfung wider, denn, da alles, was existiert, aus diesem Urprinzip entstanden ist, ist es auch in allem enthalten.
Die nordische Weltensäule bzw. Weltenseele (Irminsul), seit vielen Jahrtausenden das höchste urnordische Heiligtum, stellt das die gesamte Schöpfung durchdringende, die geistige und materielle Welt zu einer Einheit verbindende, universelle Weltenseelenprinzip dar.
Die IRMINSUL symbolisiert auf einfache Weise die ganzheitlich-spirituelle Gottesvorstellung und Weltanschauung des dreigegliederten Kosmos unserer atlantisch-germanischen Vorfahren, sie ist das Sinnbild des absoluten Geistes (Gottes) und steht für das dreieinige Allvater/Allmutter/HeiligerGeist- Prinzip (heilig = ganzheitlich), die grundsätzliche Dreieinheit von Geist, Körper und Seele. Die Weltensäule ist somit auch das Symbol für die Göttlichkeit des Menschen und aller Schöpfung.
DIE DEUTUNG DES SYMBOLS IM EINZELNEN:
Irminsul Der obere Bereich der Weltensäulendarstellung (Irminsul) steht für das raum- und zeitlose kosmische Allbewußtsein des Allvaters (geistige Polarität der Schöpfung – transzendenter Gottesaspekt), der untere Bereich für die Körperlichkeit der Schöpfung, die Natur, die Physis, die Materie (Allmutter; materielle Polarität der Schöpfung – immanenter Gottesaspekt). Beide gegensätzlichen Pole der Schöpfung, Geist und Materie, werden durch ein drittes Element, die Seele, miteinander verbunden, mit der sie zusammen das universelle Weltenseelenprinzip ausmachen, in dem sich Geist, Materie und Seele gegenseitig bedingen und zusammen eine untrennbare Dreieinheit ausmachen.
Die Funktion der Seele (zwischen unten und oben der mittlere Teil der Weltensäulendarstellung) ist es, eine Wechselbeziehung zwischen den beiden gegensätzlichen Polen zu ermöglichen, wodurch die Prozesse von Involution und Evolution, welche zusammen den Schöpfungsprozeß ausmachen, erst ermöglicht werden. Das heißt: Die Seelenfunktion ermöglicht es einerseits, daß das jeweilige spirituelle Potential, das der Allvater in der materiellen Welt (Allmutter) durch die Erscheinungen der Schöpfung zur Verwirklichung bringen will, involieren kann (z.B. wie der geistige Plan für einen Eichenbaum in eine Eichel), und andererseits, daß sich diese Erscheinungen der Schöpfung nach ihrer kosmischen Bestimmung entwickeln, d.h. ihre innere göttliche Blaupause (Bestimmung) zur Entfaltung bringen können – also die Seele den Informationsfluß ermöglicht, der für die Ent-wickel-ung des geistigen Plans des Heranwachsens zu einem prächtigen Eichenbaum (Evolution) nötig ist. Die Darstellung des Weltensäulenprinzips (Irminsul) stellt in einfacher Form die dreieinigen kosmischen Archetypen (Urprinzipien) mit denen aus ihnen hervorgegangenen kosmischen Wahrnehmungsqualitäten bzw. Bewußtseinskräften dar, wodurch die essentiellen Urprinzipien der Schöpfung aufgezeigt und somit die nordische Gottesvorstellung bzw. die nordische Vorstellung vom Schöpfungsprozeß durch nur ein einziges Symbol dargestellt und auf den Punkt gebracht wird.
Die geistige Polarität der Schöpfung (das kosmische Allbewußtsein; Allvater; 9. Bewußtseinsdimension) enthält das gesamte Spektrum des Bewußtseins, das durch die drei archetypischen Bewußtseinskräfte des geistigen Kosmos gegliedert ist. Diese drei Ur-Kräfte sind als strukturelle Komponenten integrale Bestandteile des kosmischen Allbewußtseins sind und werden in der Weltensäulendarstellung durch die beiden oberen Volutenarme und das dazwischen angeordnete Symbol der „Schwarzen Sonne“ dargestellt. Die beiden oberen Volutenarme (links u. rechts) der Weltensäule bzw. Irminsul stellen die polaren archetypischen – männlichen und weiblichen – Bewußtseinskräfte des geistigen Kosmos dar (werden nachfolgend erklärt) und die zwischen den beiden Volutenarmen über der Weltensäule ruhende „Schwarze Sonne“ steht für den spirituellen Ur-Quell allen Seins, über die alle Seelen miteinander verbunden sind. Die „Schwarze Sonne“* ist die allbewußte Quelle der spirituell ganzheitlich ausgewogenen, vollkommenen kosmischen Bewußtseinskraft (in der Irminsul-Darstellung die rote, mittlere und nach unten flammende Kraft – die „Heilige Flamme“), welche in der gesamten Schöpfung als heiliges gestaltbildendes kosmisches Lichtprinzip wirkt, die Einheit der gegensätzlichen Pole ermöglicht und den Naturerscheinungen ihre Schönheit und Perfektion verleiht.
(*Anmerkung: Die „Schwarze Sonne“ ist das Symbol für die innere, transzendente Sonne, die das kosmische Allbewußtsein, der Allvater ist, woraus das innere geistige Licht, die Gestaltung aller Schöpfung und sämtliche individuellen Seelen hervorgehen. Tatsächlich ist die Farbe der Schwarzen Sonne – wie die alten Überlieferungen sagen – purpurrot.)
Dem Menschen stehen jederzeit bei allem, was er tut, die beiden polaren archetypischen Bewußtseinskräfte als die männlichen (solaren; Yang) und die weiblichen (lunaren; Yin) Bewußtseinskräfte bzw. Wahrnehmungsqualitäten zur Verfügung („zwei Seelen in meiner Brust“ – Goethe). Diese einseitigen und gegensätzlichen kosmischen Geisteskräfte hat der Tiefenpsychologe C.G.
Jung bei seinen Forschungen als die Archetypen „Animus“ und „Anima“ erkannt, welche in der Psyche des Menschen wirken.
Der linke Volutenarm (blau) steht für die patriarchale, auf die Materie ausgerichtete, vom Intellekt, von Opportunismus und Materialismus beherrschte, die gegenständliche (objektive) Außenwelt analysierende und fokussierende („Tunnelblick“) männliche Wahrnehmungskraft (Yang; Ahriman-Kraft).
Der rechte Volutenarm (gelb) steht für die matriarchale, die jeweilige subjektive geistige Innenwelt, das jeweils vorhandene Erfahrungs-, Weisheits- bzw. Vernunftpotential des Menschen instinktiv als Ganzes wahrnehmende („Blick fürs Ganze“), d.h. die jeweiligen subjektiven Idealvorstellungen anstrebende, zu Idealismus bis zur Schwärmerei neigende weibliche Wahrnehmungskraft (Yin; Luzifer-Kraft).
Die mittlere, aus der inneren, transzendenten („schwarzen“) Sonne – dem Kern des kosmischen Allbewußtseins (Allvater) – hervorschießende spirituell ganzheitlich ausgewogene, zwischen Innen- und Außenweltwahrnehmung die Einheit herstellende Wahrnehmungskraft ist die durch göttliche Eingebung (Intuition) höhere Erkenntnis und Heil bringende, d.h. Teilhabe an vollkommener göttlicher Wahrnehmung ermöglichende Bewußtseinskraft. Diese heilige Wahrnehmungskraft ist die innere göttliche Stimme, die den Menschen seine kosmische Bestimmung erkennen und danach handeln läßt, welche im menschlichen Bewußtsein als unmittelbare göttliche Intuition, in Form einer genialen, erlösenden bzw. heilbringenden Idee, oder als die Stimme des Gewissens in Erscheinung tritt. Diese lichte kosmische Bewußtseinskraft, die wir als Baldur- bzw. Christus-Kraft bezeichnen, ist die authentische, die Wahrheit zum Ausdruck bringende Kraft des wahren, tiefsten ICHs des Menschen (das Kosmische Selbst, Allvater, „Schwarze Sonne“).
Diese drei archetypischen Bewußtseinskräfte des geistigen Kosmos (Luzifer, Christus, Ahriman) strukturieren und durchdringen alles geistig-seelische und materielle Dasein, durch sie gestaltet sich die gesamte Wirklichkeit, sie lassen sich in allen Erscheinungen der Schöpfung entdecken. In den Naturprozessen der materiellen Welt spiegeln sich die beiden seitlichen Volutenarme bzw. geistigen Kräfte z.B. in der Doppelhelix der DNS wieder, welche in der Weltensäulendarstellung durch die unteren, kleineren Volutenarme symbolisiert wird, wobei der untere linke Spiralstrang den männlichen bzw. geistig/kosmischen Pol (Allvater) und der untere rechte Spiralstrang den weiblichen bzw. materiell/irdischen Pol (Allmutter) der DNS symbolisiert. Und die aus der inneren, transzendenten Sonne – dem Kern des kosmischen Allbewußtseins (Allvater) – unmittelbar hervorschießende, spirituell ganzheitlich ausgewogene (kohärente) kosmische Lichtkraft (Baldur- bzw. Christus-Kraft) ist in der biologischen Welt die Biophotonenstrahlung, die zwischen den Spiralsträngen der DNS erzeugt wird – nach der Biophotonenlehre von F.A. Popp ist die DNS die Quelle der Biophotonenstrahlung.
In verschiedenen von der nordischen Sonnen- und Säulenreligion abstammenden Religionen wurden bzw. werden diese drei archetypischen spirituellen Wahrnehmungsqualitäten (Archetypen) als dreieinige Götterwelten verehrt, dort wird den Vater-Gottheiten die kosmische „Zerstörer“-Kraft (ständige Veränderung, ewiger Wandel = Hagal), den Mutter-Gottheiten die irdische Schöpfer-Kraft (Fruchtbarkeit, Weisheit, Kreativität) und dem ausgleichenden dritten Prinzip die Erhalter-Kraft zugeordnet. Die 9. Dimension (All-Vater; kosmisches Allbewußtsein) galt in der atlantisch-germanischen Kultur als das himmlische Asgard.
Die IRMINSUL, das Symbol der Weltensäule, ist Ausdruck der Verbunden- und Durchdrungenheit des Menschen und aller Schöpfung mit den göttlichen Kräften des Kosmos und für die Orientierung an den ewig gültigen kosmischen Gesetzmäßigkeiten. Es ist die Pflicht aller reichstreuen deutschen Patrioten, sich mit dem Weistumsfundus um dieses heiligste Sinnzeichen unserer atlantisch-germanischdeutschen Kultur auseinanderzusetzen und dieses heilige ganzheitlich-spirituelle Wissen in der Welt wieder zur Verbreitung zu bringen.
Die der atlantischen Weltensäule bzw. der germanischen Irminsul zugrundeliegende dreieinige Ordnung des universellen Weltenseelenprinzips, die 1996 vom deutschen Philosophen Chyren erstmals umfassend ontologisch entschlüsselt wurde und in Wissenschaft und Philosophie auch als Ontologische Achse bezeichnet wird, bildet das idealstmögliche geistig-kulturelle, weltanschauliche Fundament, auf dem die europäischen Völker im Rahmen der Reichsidee in Form von mehreren souveränen Teilreichen vereint werden können. Die Vision ist, das Heilige Atlantische Reich Europäischer Völker zu errichten, in dem das Deutsche Reich das geistig-sittlich impulsgebende Kernreich bildet.
Die Ontologische Achse (das aufgeschlüsselte universelle Weltenseelenprinzip) ist das alles Sein und alle Menschen mit der höchsten kosmischen Bewußtseinsebene, dem kosmischen Allvater, und somit auch miteinander spirituell vereinende heilige Band (Seelenband). Mit ihrer Entdeckung und der damit verbundenen Entschlüsselung der höchsten kosmischen Ordnung erhalten wir Deutsche und Europäer das höchste spirituelle Heiligtum unserer atlantisch-germanischen Vorfahren – die heilige Weltensäule bzw. Irminsul – in zeitgemäßer Form zurück. Diese entschlüsselte dreieinige kosmische Ordnung repräsentiert den Kernbereich der neuen europäischen Religion und ist als die Teutonische Lanze die stärkste geistige Waffe im Befreiungskampf der europäischen Völker und das wahre Zepter deutscher Reichsherrlichkeit.
Die Erkenntnisse um die Entschlüsselung des universellen Weltenseelenprinzips und die damit verbundenen revolutionierenden kulturhistorischen Entdeckungen (zum Thema Erdkrustenverrutschung, „Eiszeit“, Atlantis in Europa usw.) ermöglichen eine Renaissance der ursprünglichen nordischatlantischen Sonnenreligion in einer zeitgemäßen Form. Diese ganzheitlich-spirituelle Weltanschauung, in der Wissenschaft, Philosophie und Religion zur Synthese geführt werden und atlantisch-germanisches Heidentum, die Gesetzeslehre des Hermes Trismegistos (Hermetik), die Kerninhalte der wahren, ursprünglichen Lehre Jesu (kosmisches Christentum) und Deutsche Idealistische
Philosophie zu einer Einheit verschmelzen, nennen wir KOSMOTERIK bzw. SONNENCHRISTENTUM.
(Anmerkung: Der hier verwendete Begriff des Christentums hat nichts, aber auch gar nichts, mit dem zu tun, was uns in Form der großen, sog. christlichen Kirchen und der verschiedensten christlichen Sekten als das paulinistische Christentum gegenüber tritt [von Paulus kreiert]; lediglich die historische Person des Jesus als Wanderphilosoph und Heidenführer, der seinerzeit einen entscheidende Impuls nordischer Geistigkeit gebracht und versucht hat, den Judaismus zu überwinden [„Ihr habt den Satan zum Vater“], wird anerkannt. Dieser Impuls, hin zu einer ganzheitlich-spirituellen Weltanschauung, welche gerade für die nordische Kultur charakteristisch ist, rechtfertigt u.a. die weitere Verwendung des Christentumbegriffs.
Die KOSMOTERIK ist eine ganzheitlich-spirituelle, wissenschaftlich fundierte Naturphilosophie und Urprinzipienlehre, welche auf die Erforschung der kosmischen Urprinzipien und Gesetzmäßigkeiten des Lebens ausgerichtet und in die jegliche weiteren Wahrheitserkenntnisse integriert werden können. Sie ist eine dem Leben abgeschaute, leichtverständliche Erkenntnisphilosophie, die auf dem Grundgedanken des dreigegliederten Kosmos, der Dreieinigkeit bzw. des dialektischen Dreischritts basiert und in allen wesentlichen Erscheinungen der geistigen und materiellen Schöpfung die dreieinigen Urprinzipien bzw. Archetypen von Geist/Körper/Seele, Wille/Weisheit/Liebe, Allvater/Allmutter/Heiliger-Geist, Vater/Mutter/Kind, Ahriman/Luzifer/Christus, These/Antithese/Synthese usw. erkennt, welche sich durch analoges Denken überall entdecken lassen. Mit der KOSMOTERIK lassen sich jegliche Formen des die Welt in Gut und Böse spaltenden Dualismus überwinden. Jeder normal-intelligente Mensch, der bis drei (3) zählen kann, ist imstande, die kosmoterische Weltanschauung – die Urprinzipienlehre der dreieinigen kosmischen Archetypen – zu verstehen und nachzuvollziehen, wenn er sich einmal ernsthaft damit auseinandergesetzt hat. Die KOSMOTERIK ist die Weltanschauung, die den Charakter und die Wahrnehmungsqualität der deutschen und europäischen Geistigkeit in reinster Form zum Ausdruck bringt, sie ist die dem deutschen und europäischen Wesen Identität gebende und Kultur tragende Weltanschauung. In der kosmoterischen Weltanschauung wird Religion denkend! – in der KOSMOTERIK offenbaren sich die „Hermetischen Gesetze“ und das nordische Urweistum von Atlantis in einer faszinierend klaren Form, hier offenbart sich kosmische Wahrheit, und diese Wahrheit ist einfach, klar und gerecht und von wissenschaftlich-philosophischer Logik durchdrungen. Die KOSMOTERIK bzw. das SONNENCHRISTENTUM ist die europäische Weltanschauung bzw. Religion des Wassermannzeitalters, auf die so viele nach sinnerfüllter Spiritualität suchende Menschen gewartet haben.
Diese kosmischen Gesetze – die in der KOSMOTERIK Gegenstand der Forschung sind – spiegeln sich ebenfalls in der HAGAL-Rune wieder, die auch das Symbol des Eis-Kristalls ist und quasi das kosmische Gerüst darstellt, auf dem alles Sein und Leben aufbaut. „Krist“ ist dabei der altgermanische Begriff für Gerüst, und das Krist-All (Hagalrune) ist das kosmische Gerüst, das in allen Dingen enthalten ist und alles mit allem verbindet, in dem sich das männliche Prinzip (Man-Rune) und das weibliche Prinzip (Yr-Rune) durchdringen. Letztlich ist jegliche Materie kristallisierter Geist. Der „Krist“ ist nichts anderes als das Krist-all-isationsgesetz der kosmischen Allnatur, das geistige Gerüst der Schöpfung und der ihr zugrundeliegende heilige Schöpfungsgedanke. Der „Christ“ ist die alles Sein durchdringende ganzheitlich-spirituelle Urkraft, der dritte, heilbringende kosmische Sexus, der im Bewußtsein des Menschen die Einheit der Gegensätze von männlicher und weiblicher Wahrnehmung und somit kosmisches Lichtbewußtsein ermöglicht. Aus der Verbindung des Inneren (Esoterik) mit dem Äußeren (Exoterik) entsteht so die neue Wissenschaft der KOSMOTERIK, welche kosmische Philosophie und kosmische Religion zugleich ist. Und aus der gleichen Erkenntnis über die Bedeutung des Krist-Alls lebt die Sonnenreligion unserer Altvorderen heute in der neuen Religion des SONNENCHRISTENTUMS in einer zeitgemäßen und für den nordisch-europäischen Menschen wesenskonformen Art wieder auf. Und kann es Zufall sein, daß eben das sogenannte Christus-Monogramm in der Christlichen Kirche (eine Kombination der griechischen Anfangsbuchstaben von Christus, XPIΣΤΟΣ – Christós => X und P übereinandergelegt) der HAGAL-Rune extrem ähnelt?!
Das Wissen um die wahre religiöse und philosophische Bedeutung des Weltensäulensymbols bzw. der Irminsul und damit des dreieinigen Weltenseelenprinzips ging einst verloren. Über viele Jahrhunderte blieb es so selbst in Heidenkreisen weitgehend unbekannt und dieses altehrwürdige Heiligtum wurde mehr oder weniger unbewußt nur folkloristisch verehrt. Kaum jemand weiß, daß die atlantische Weltensäule bzw. die Irminsul (und somit das universelle Weltenseelenprinzip) im germanisch beeinflußten Kulturraum als Maibaum, als heiliges Zepter, als Hermes-Stab, als Weihnachtsbaum und in vielen anderen Erscheinungsformen noch bis in unsere heutige Zeit symbolisch verehrt wird. Dies geschieht zwar (noch) unbewußt, aber nicht zu unrecht, denn hierin ist der Kern der ureigensten europäischen Kulturweltanschauung und der wahren Reichsidee zu finden!